Caturvarna

Caturvarna: (Sanskrit: caturvarna m.) = die vier Stände der Gesellschaft
Caturvarna ist ein Sanskrit-Ausdruck und bedeutet wörtlich „die vier Farben“ oder „die vier Klassen“. In der indischen Gesellschaft und Spiritualität bezieht sich der Begriff auf das traditionelle System der vier Varnas, also der sozialen Schichten oder Kasten:
- die Brahmanen (Priester und Gelehrte),
- die Kshatriyas (Krieger und Herrscher),
- die Vaishyas (Händler und Bauern) und
- die Shudras (Diener und Arbeiter).
Ursprünglich war dieses System eher eine Aufteilung nach Aufgaben und Neigungen, nicht nach Geburt – im Laufe der Zeit wurde es jedoch starr und mit sozialer Ungleichheit verbunden.
Im Hinduismus wird Caturvarna oft als Ordnungsprinzip der Gesellschaft gesehen, das im vedischen Purusha Sukta (einem Schöpfungshymnus) beschrieben wird: Der kosmische Mensch (Purusha) wird geopfert, und aus seinen Körperteilen entstehen die vier Varnas. Spirituell gesehen geht es darum, dass jeder Mensch seinen Dharma (seine Pflicht) erfüllt, der zu seiner Natur passt – ähnlich wie im Yoga die Idee, dass jeder seinen eigenen Weg zur Erkenntnis hat.
Für deine Yogastunde oder Meditation kannst du Caturvarna als Metapher nutzen: Stell dir vor, du bist wie ein kleines Universum, in dem verschiedene „Kräfte“ wirken – der ruhige, wissende Teil (Brahmane in dir), der kämpferische, mutige Teil (Kshatriya), der kreative, nährende Teil (Vaishya) und der dienende, bodenständige Teil (Shudra). In einer Meditation könntest du diese vier Aspekte in deinem Körper oder Geist bewusst wahrnehmen und ihnen Raum geben, ohne sie zu bewerten. Zum Beispiel: Atme tief ein und spüre die Weisheit in deinem Kopf (Brahmane), dann die Entschlossenheit in deiner Brust (Kshatriya), die Freude in deinem Bauch (Vaishya) und die Erdung in deinen Beinen (Shudra). So integrierst du alle Teile deines Seins.
Ein Zitat von Swami Sivananda dazu: „Der wahre Yoga beginnt, wenn du lernst, in jedem Menschen, unabhängig von seiner Kaste oder Klasse, das Göttliche zu sehen. Denn die Seele kennt keine Varnas – sie ist ewig, rein und eins mit dem Absoluten.“