Bhedabhedau

Aus Yogawiki
bhedabhedau

bhedabhedau: (Sanskrit: bhedābhedau m.) = gleichzeitige Erfahrung von Trennung und Nichttrennung, Einheit in der Vielfalt

Der Sanskrit-Ausdruck “bhedabhedau” setzt sich aus zwei gegensätzlichen Begriffen zusammen: “bheda” bedeutet “Unterschied” oder “Trennung”, und “abheda” bedeutet “Nicht-Unterschied” oder “Einheit”. Zusammen beschreibt bhedabhedau eine philosophische Position, die sowohl die Verschiedenheit als auch die Einheit von etwas gleichzeitig anerkennt – also eine Art “Einheit in der Vielfalt” oder “Unterschiedenheit und Nicht-Unterschiedenheit zugleich”.

In der hinduistischen Philosophie, insbesondere in der Vedanta-Tradition, steht der Begriff für eine spezifische Sichtweise des Verhältnisses zwischen der individuellen Seele (Atman) und dem höchsten Bewusstsein (Brahman). Während einige Schulen (wie der Advaita Vedanta) lehren, dass es keinerlei Unterschied gibt – du bist bereits eins mit dem Göttlichen, und die Trennung ist nur Illusion –, vertritt der Bhedabheda-Vedanta eine differenziertere Position: Die individuelle Seele ist sowohl eins mit Brahman als auch von ihm verschieden. Klingt paradox, oder? Genau das ist der Punkt.

Du kannst es dir wie eine Welle im Ozean vorstellen: Die Welle ist offensichtlich ein eigenes Gebilde, eine eigene Form – sie ist anders als eine andere Welle und anders als der Ozean selbst. Gleichzeitig besteht die Welle vollständig aus dem Ozean, sie ist nichts anderes als Wasser, und wenn sie sich auflöst, wird der Unterschied aufgehoben. In deiner spirituellen Praxis bedeutet das: Du bist ein einzigartiges Individuum mit deiner eigenen Geschichte, deinen Eigenheiten und deinem Weg – und gleichzeitig bist du in deinem tiefsten Wesen nichts anderes als das reine, ungeteilte Bewusstsein. Beides ist wahr.

Ein passendes Zitat, das diese Perspektive schön einfängt, stammt aus den Upanishaden: “Tat tvam asi” – “Das bist du.” Aber in der Bhedabheda-Sichtweise würdest du ergänzen: “Das bist du – und doch bist du auch du selbst.” Wenn du meditierst, kannst du dieses Paradox vielleicht selbst erfahren: Du spürst deinen Körper, deine Gedanken, deine Atmung – alles ganz individuell und gegenwärtig. Und gleichzeitig, wenn du tiefer gehst, verschwimmen die Grenzen, und du erfährst eine Weite, in der alles miteinander verbunden ist. Das ist bhedabhedau: Die liebevolle Spannung zwischen deiner Einzigartigkeit und deiner Einheit mit allem.

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