Ausführlicher Gayatri Homa

Aus Yogawiki

Ausführlicher Gayatri Homa ist eine feierliche Verehrung des göttlichen Lichtes im Gayatri Mantra. Das Feuer steht im Mittelpunkt einer sorgfältig aufgebauten Folge von Einladung, Segensgebet, Wasserweihe, Reinigung und Darbringung. Diese Form richtet sich an eine mit dem Homa vertraute Leitung und an Gruppen, die eine längere gemeinsame Rezitation tragen können. Das Purohita-Handbuch nennt etwa 45 bis 60 Minuten. Der besondere Einstieg bleibt als zusammengehöriger Ablauf erhalten.

Vorbereitung und Materialien

Eine geeignete Feuerschale auf feuerfestem Untergrund aufstellen. Trockenes unbehandeltes Holz, gegebenenfalls die in der Tradition verwendeten gereinigten Kuhdungfladen, Anzündmaterial, Streichhölzer, einen langen Opferlöffel sowie Kokosfett bereitstellen. In der Yoga-Vidya-Praxis wird dieses feste Fett „Kokos-Ghee“ genannt; traditionell kann auch Ghee verwendet werden. Das Fett vor der Gabe bei Bedarf vorsichtig verflüssigen. Wasser und Löffel für Achamana, Asche, Sandelholzpaste, Kumkum, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Prasad bereithalten.

Die Ritualleitung führt die Rezitation; eine Assistenz kann Feuer und Material betreuen. Die Feuerstelle braucht ausreichenden Abstand zu brennbaren Gegenständen, einen zugfreien und gut belüfteten Platz und eine geeignete Löschmöglichkeit. Nur kleine, kontrollierte Gaben verwenden. Das Feuer bis zum vollständigen Erlöschen beaufsichtigen. Bei einer Gruppe vorab erklären, wer wann an die Feuerstelle tritt und wie der Löffel übergeben wird.

Besonderer Einstieg

1. Om, Avahana und Dhyana

oṃ oṃ oṃ

Übersetzung: Om, der heilige Urklang; dreimal zur Sammlung gesungen.

oṃ gaṃ gaṇapataye namaḥ

Übersetzung: Verehrung Ganesha, dem Herrn der Scharen.

oṃ śaravaṇabhavāya namaḥ

Übersetzung: Verehrung Subrahmanya, dem im Schilfwald Geborenen.

oṃ aiṃ sarasvatyai namaḥ

Übersetzung: Verehrung Saraswati, mit der Keimsilbe aiṃ.

oṃ guṃ gurubhyo namaḥ

Übersetzung: Verehrung den spirituellen Lehrern, mit der Keimsilbe guṃ.

oṃ namo bhagavate śivānandāya

Übersetzung: Verehrung dem erhabenen Swami Sivananda.

oṃ ādi-śaktyai namaḥ

Übersetzung: Verehrung der ursprünglichen göttlichen Kraft, Adi Shakti.

Etwa eine Minute still meditieren.

2. Svasti Vachana und Tilaka

oṃ svasti na indro vṛddha-śravāḥ /
svasti naḥ pūṣā viśva-vedāḥ /
svasti nas tārkṣyo ariṣṭa-nemiḥ /
svasti no bṛhaspatir dadhātu /
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ //

Übersetzung: Möge Indra, dessen Ruhm wächst, uns Wohlergehen schenken; ebenso Pushan, der alles kennt, Tarkshya mit unversehrtem Rad und Brihaspati. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Asche, Sandelholzpaste und Kumkum als heilige Zeichen auftragen. Die Vorlage verbindet das Auftragen in dieser ausführlichen Homa-Form mit dem folgenden Devi-Vers:

sarva-maṅgala-māṅgalye śive sarvārtha-sādhike /
śaraṇye tryambake gauri nārāyaṇi namo 'stu te //

Übersetzung: Du Heil unter allem Heilsamen, Glückverheißende, die alle guten Ziele verwirklicht, Zuflucht, Dreiäugige, Gauri, Narayani: Dir sei Verehrung.

3. Wasserweihe und Marjana

Über dem Wasserschälchen Matsya Mudra formen: Die linke Hand auf die rechte legen, die Handflächen nach unten richten und die Daumen seitlich ausstrecken. Die heiligen Flüsse in das Wasser einladen:

oṃ gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati /
narmade sindho kāveri jale 'smin sannidhiṃ kuru //

Übersetzung: Ganga, Yamuna, Godavari, Saraswati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.

vaṃ

Übersetzung: Die Keimsilbe des Wassers.

Etwas Wasser in die linke Hand nehmen und mit den Fingern der rechten Hand über die Gegenstände, in die Richtungen und über sich selbst sprenkeln.

oṃ apavitraḥ pavitro vā sarvāvasthāṃ gato 'pi vā /
yaḥ smaret puṇḍarīkākṣaṃ sa bāhyābhyantaraḥ śuciḥ //

Übersetzung: Ob unrein oder rein, in welchem Zustand man sich auch befindet: Wer sich an den Lotusäugigen erinnert, ist äußerlich und innerlich rein.

Etwas Wasser über die rechte Schulter geben. Dazu enthält die Vorlage folgende kurze Formel:

oṃ amṛtāṃ kuru svāhā

Übersetzung: Sinngemäße rituelle Bitte: Mache dies zu Nektar. Die Lesart amṛtāṃ ist grammatisch ungewöhnlich; die Bedeutung ist hier sinngemäß wiedergegeben.

4. Achamana der ausführlichen Homa-Form

Jeweils etwas Trinkwasser in die rechte Hand geben und einen kleinen Schluck nehmen. Diese Form verwendet die folgende eigene Dreierfolge:

oṃ keśavāya namaḥ

Übersetzung: Verehrung Keshava.

oṃ nārāyaṇāya namaḥ

Übersetzung: Verehrung Narayana.

oṃ mādhavāya namaḥ

Übersetzung: Verehrung Madhava.

Die Hände mit etwas Wasser reinigen. Die dabei in der Vorlage angegebene Wendung bedeutet „nachdem die Hände gewaschen sind“:

oṃ hastau prakṣālya

Übersetzung: Om. Nachdem die Hände gewaschen sind.

5. Die Feuerstätte einrichten

oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ

Übersetzung: Om. Erde, Zwischenraum und Himmelswelt.

Die Feuerschale vorbereiten und das Wassergefäß auf der gegenüberliegenden Seite bereitstellen. „ity agniṃ pratiṣṭhāpya“ ist im Quelltext eine Sanskrit-Handlungsanweisung: „Nachdem man so das Feuer eingerichtet hat“. Sie ist hier keine zusätzliche Rezitation.

Feuer und Gayatri-Darbringung

6. Agni anrufen und das Feuer entzünden

hrīṃ vahni-mūrtaye namaḥ

Übersetzung: Mit der Keimsilbe hrīṃ: Verehrung der Gestalt des Feuers.

vaṃ vahni-caitanyāya namaḥ

Übersetzung: Mit der Keimsilbe vaṃ: Verehrung dem Bewusstsein des Feuers.

Das Anzündmaterial an einer vorbereiteten Flamme entzünden und in die Feuerschale legen. Dabei dreimal die Feuer-Keimsilbe sprechen:

raṃ raṃ raṃ

Übersetzung: Dreimal die Keimsilbe raṃ, die hier das Feuer anruft.

oṃ cit piṅgala hana hana daha daha paca paca sarvaṃ jñāpaya svāhā

Übersetzung: Om, Bewusstseinsfeuer, goldbraun Leuchtender: Zerschlage, verbrenne und verwandle; lass alles erkannt werden. Svaha: Diese Gabe sei dargebracht. Die kraftvollen Verben werden in dieser Praxis auf Unwissenheit und innere Begrenzungen bezogen.

oṃ agniṃ prajvalitaṃ vande jātavedaṃ hutāśanam /
suvarṇa-varṇam amalaṃ samiddhaṃ viśvato-mukham //

Übersetzung: Ich verehre das entflammte Feuer, Jatavedas, den Verzehrer der Opfergaben: goldfarben, rein, hell entfacht, mit Gesichtern nach allen Richtungen.

7. Einleitende Ahutis

Zu jedem svāhā einen kleinen Löffel Fett in die Flamme geben. Die Gaben werden dem innerlich vorgestellten rechten, linken und dritten Auge sowie dem Mund Agnis zugewendet.

oṃ agnaye svāhā

Übersetzung: Darbringung an Agni.

oṃ somāya svāhā

Übersetzung: Darbringung an Soma.

oṃ agni-ṣomābhyāṃ svāhā

Übersetzung: Darbringung an Agni und Soma.

oṃ agnaye sviṣṭakṛte svāhā

Übersetzung: Darbringung an Agni, der das Opfer zum guten Abschluss bringt.

oṃ bhūḥ svāhā

Übersetzung: Darbringung für die Erde.

oṃ bhuvaḥ svāhā

Übersetzung: Darbringung für die Zwischenraum.

oṃ svaḥ svāhā

Übersetzung: Darbringung für die Himmelswelt.

Den folgenden Vers zweimal mit je einer Gabe sprechen:

oṃ vaiśvānara jātavedaḥ ihā vaha lohitākṣa /
sarva-karmāṇi sādhaya svāhā //

Übersetzung: Om, Vaishvanara, Jatavedas, Rotäugiger: Bringe hierher und lass alle rituellen Handlungen gelingen. Diese Gabe sei dargebracht.

Anschließend dreimal mit je einer Gabe:

oṃ mahā-gaṇapataye svāhā

Übersetzung: Diese Gabe gilt dem großen Ganapati, Ganesha.

8. Gayatri-Ahutis

Die Leitung nennt vorab die Zahl der Wiederholungen. Das Handbuch erlaubt acht, neun, 27, 54 oder 108; für eine ausführliche Feier werden 108 gewählt. Alle rezitieren gemeinsam. Bei jedem svāhā eine kleine Fettgabe in die Flamme geben.

oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ /
tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi /
dhiyo yo naḥ pracodayāt /
svāhā //

Übersetzung: Om. Erde, Zwischenraum und Himmelswelt. Wir meditieren über den verehrungswürdigen Glanz des göttlichen Savitar. Möge er unsere Einsicht anregen und erleuchten. Svaha bezeichnet die Hingabe der Gabe ins Feuer.

9. Agni Samarpanam und Kshama

Nach der letzten Gabe die Hände vor dem Herzen zusammenlegen und das gesamte Ritual Agni übergeben:

oṃ agnaye namaḥ

Übersetzung: Verehrung Agni, dem göttlichen Feuer.

yad akṣaraṃ paribhraṣṭaṃ mātrā-hīnaṃ ca yad bhavet /
pūrṇaṃ bhavatu tat sarvaṃ tvat-prasādān maheśvari //
mantra-hīnaṃ kriyā-hīnaṃ bhakti-hīnaṃ sureśvari /
yat pūjitaṃ mayā devi paripūrṇaṃ tad astu me //

Übersetzung: Was an Silben entfallen ist oder an richtiger Lautdauer fehlt: Möge durch deine Gnade alles vollständig werden, große Herrin. Was ich verehrt habe, obwohl es an Mantra, Handlung oder Hingabe mangelte, möge durch dich vollkommen sein, Göttin und Herrin der Götter.

10. Segen und Abschluss

Dreimal:

lokāḥ samastāḥ sukhino bhavantu

Übersetzung: Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ

Übersetzung: Om. Frieden, Frieden, Frieden.

oṃ bolo sadguru śivānanda mahārāja jī kī jay

Übersetzung: Lasst uns den ehrwürdigen wahren Guru Sivananda preisen.

Gemeinsam verneigen und die Feier in Stille nachklingen lassen. Diese ausführliche Homa-Vorlage endet mit den Segensgebeten und schreibt kein zusätzliches Arati vor. Die Feuerbetreuung fortsetzen, bis Flamme und Glut vollständig erloschen sind.

Siehe auch

Quellen

  • Yoga Vidya Purohita Handbuch, 3. erweiterte Auflage, Januar 2025, Teil 2: Durchführung von allgemeinen Ritualen, Abschnitt „Homa“. Abschnitt „Ausführlicher Gayatri Homa“.

Rezitationen in Devanagari

Die folgenden Texte entsprechen den ausgeschriebenen IAST-Rezitationen der Anleitung. Wiederholungszahlen und gleichzeitige Handlungen stehen beim jeweiligen Ritualschritt. Die Schriftübertragung enthält keine zusätzlichen vedischen Tonzeichen.

Om

ॐ ॐ ॐ

Anrufung 1

ॐ गं गणपतये नमः

Anrufung 2

ॐ शरवणभवाय नमः

Anrufung 3

ॐ ऐं सरस्वत्यै नमः

Anrufung 4

ॐ गुं गुरुभ्यो नमः

Anrufung 5

ॐ नमो भगवते शिवानन्दाय

Anrufung 7

ॐ आदि-शक्त्यै नमः

Svasti Vachana

ॐ स्वस्ति न इन्द्रो वृद्ध-श्रवाः /
स्वस्ति नः पूषा विश्व-वेदाः /
स्वस्ति नस् तार्क्ष्यो अरिष्ट-नेमिः /
स्वस्ति नो बृहस्पतिर् दधातु /
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः //

Sarva Mangala

सर्व-मङ्गल-माङ्गल्ये शिवे सर्वार्थ-साधिके /
शरण्ये त्र्यम्बके गौरि नारायणि नमो ऽस्तु ते //

Flusseinladung

ॐ गङ्गे च यमुने चैव गोदावरि सरस्वति /
नर्मदे सिन्धो कावेरि जले ऽस्मिन् सन्निधिं कुरु //

Wasserbija

वं

Apavitra

ॐ अपवित्रः पवित्रो वा सर्वावस्थां गतो ऽपि वा /
यः स्मरेत् पुण्डरीकाक्षं स बाह्याभ्यन्तरः शुचिः //

Wasserweihe – Formel der Vorlage

ॐ अमृतां कुरु स्वाहा

Achamana Keshava

ॐ केशवाय नमः

Achamana Narayana

ॐ नारायणाय नमः

Achamana Madhava

ॐ माधवाय नमः

Handreinigung

ॐ हस्तौ प्रक्षाल्य

Die drei Welten

ॐ भूर् भुवः स्वः

Feuergestalt

ह्रीं वह्नि-मूर्तये नमः

Feuerbewusstsein

वं वह्नि-चैतन्याय नमः

Feuerbija

रं रं रं

Cit Pingala

ॐ चित् पिङ्गल हन हन दह दह पच पच सर्वं ज्ञापय स्वाहा

Agni Lobpreis

ॐ अग्निं प्रज्वलितं वन्दे जातवेदं हुताशनम् /
सुवर्ण-वर्णम् अमलं समिद्धं विश्वतो-मुखम् //

Rechtes Auge

ॐ अग्नये स्वाहा

Linkes Auge

ॐ सोमाय स्वाहा

Drittes Auge

ॐ अग्नि-षोमाभ्यां स्वाहा

Mund

ॐ अग्नये स्विष्टकृते स्वाहा

Weltenopfer Erde

ॐ भूः स्वाहा

Weltenopfer Zwischenraum

ॐ भुवः स्वाहा

Weltenopfer Himmelswelt

ॐ स्वः स्वाहा

Vaishvanara

ॐ वैश्वानर जातवेदः इहा वह लोहिताक्ष /
सर्व-कर्माणि साधय स्वाहा //

Maha Ganapati

ॐ महा-गणपतये स्वाहा

Gayatri – Feuergabe

ॐ भूर् भुवः स्वः /
तत् सवितुर् वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि /
धियो यो नः प्रचोदयात् /
स्वाहा //

Agni

ॐ अग्नये नमः

Kshama Devi

यद् अक्षरं परिभ्रष्टं मात्रा-हीनं च यद् भवेत् /
पूर्णं भवतु तत् सर्वं त्वत्-प्रसादान् महेश्वरि //
मन्त्र-हीनं क्रिया-हीनं भक्ति-हीनं सुरेश्वरि /
यत् पूजितं मया देवि परिपूर्णं तद् अस्तु मे //

Lokah Samastah

लोकाः समस्ताः सुखिनो भवन्तु

Shanti

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः

Gruß an Sivananda

ॐ बोलो सद्गुरु शिवानन्द महाराज जी की जय्