Akulavira Tantra
Akulavira Tantra (Sanskrit: अकुलवीरतन्त्र akulavīratantra n.), auch Akulavīra Tantra oder Akulavīratantram, ist ein kurzer, aber philosophisch außerordentlich konzentrierter Tantra-Text aus dem Umfeld der Kaula- und Yoginī-Traditionen. Im Mittelpunkt steht eine radikale nichtduale Erfahrung, die als Akulavīra, Samarasa und Sahajānanda beschrieben wird.
Das Akulavira Tantra fragt nicht in erster Linie danach, welche äußere Praxis noch hinzugefügt werden müsste. Vielmehr führt es immer wieder zu der Einsicht zurück, dass die höchste Wirklichkeit bereits gegenwärtig ist – im eigenen Körper, im Inneren und Äußeren, im Beweglichen und Unbeweglichen. Gerade deshalb relativiert der Text die ausschließliche Fixierung auf bestimmte Cakras, Atemtechniken, Mudrās, Rituale oder philosophische Systeme.

Der Text spricht in einer für das Tantra ungewöhnlich kompromisslosen Sprache. Er fordert dazu auf, hinter den Unterschieden von Schule, Ritual, Methode und Begriff die eine Wirklichkeit zu erkennen. Diese Wirklichkeit ist weder bloß „Sein“ noch „Nichtsein“, weder nur Transzendenz noch nur Welt. Sie wird als Samarasa erfahren – als ein Geschmack, in dem Gegensätze ihre trennende Macht verlieren.
Zugleich ist das Werk tief in einer Guru- und Yoginī-Tradition verwurzelt. Der Schlusskolophon verbindet die Überlieferung mit Macchendrapāda, Kāmarūpa und der Gnade der Yoginī.
Was bedeutet Akulavira?
Kula bezeichnet im Tantra unter anderem die manifestierte Gesamtheit, die Familie der Kräfte, den Körper und die dynamische Śakti-Wirklichkeit. Akula bezeichnet das, was diese Manifestation transzendiert und zugleich ihr Grund ist. Vīra bedeutet wörtlich „Held“ und bezeichnet in tantrischen Zusammenhängen auch den furchtlosen Adepten beziehungsweise eine souveräne spirituelle Kraft.
Im Akulavira Tantra wird Akulavīra jedoch weniger als eine einzelne Person denn als ein höchster Zustand beschrieben: frei von Innen und Außen, Sein und Nichtsein, Meditation und Nicht-Meditation, Ritual und Nicht-Ritual. Er ist Samarasa, der „eine Geschmack“ aller Erscheinungen, und Sahajānanda, natürliche, nicht gemachte Glückseligkeit.
Die zentrale spirituelle Botschaft
Der Text gehört zu den besonders entschieden nichtdualen Tantra-Texten. Immer wieder erklärt er, dass das Höchste nicht an einen bestimmten Ort des subtilen Körpers gebunden ist. Es liegt nicht ausschließlich in Iḍā, Piṅgalā oder Suṣumṇā, nicht in Nabel, Herz, Stirn oder Scheitel, nicht in Pūrakā, Kumbhaka oder Recaka und nicht in einer bestimmten Mudrā.
Das bedeutet nicht notwendig, dass all diese Yogapraktiken wertlos wären. Der Text richtet sich gegen die Vorstellung, die höchste Wirklichkeit werde durch eine Technik erst hergestellt. Akulavīra ist bereits allgegenwärtig.

Wie der Text gelesen werden kann
Das Akulavira Tantra eignet sich sowohl für eine philosophische als auch für eine meditative Lektüre. Viele Verse wirken wie eine fortgesetzte Neti-Neti-Bewegung: Dies nicht, jenes nicht, auch diese Methode nicht. Doch das Ziel ist nicht Leere im negativen Sinn. Hinter den Verneinungen steht eine positive Erfahrung von Fülle, Freiheit und natürlicher Glückseligkeit.
Vollständiger deutscher Text
Die folgende Übersetzung umfasst den gesamten in der bereitgestellten Quelle erhaltenen Grundtext. Die fehlenden Seiten 89–96 werden nicht ergänzt oder rekonstruiert.
Einleitende Verehrung
Verehrung sei den ehrwürdigen Füßen der Überlieferung. Ich verneige mich vor Mīnanātha, dem aus dem eigenen Leib hervorgegangenen natürlichen Glückseligkeitszustand, tief wie die Grundlage von allem, unbeweglich, allgegenwärtig, höchst und frei von der Unreinheit der Māyā.
Erster erhaltener Abschnitt – Verse 1–51
Vers 1
Nun werde ich das wunderbare Akulavīra darlegen – ein Geheimnis, geheimer als das Geheime, die fortdauernde Wirklichkeit der Siddhas.
Vers 2
Zum Segen der Menschen wurde es vom Siddhanātha ausgesprochen. Wer das ewige Ziel begehrt, soll es mit großer Sorgfalt bewahren.
Vers 3
Für die im Ozean des Saṃsāra versunkenen Wesen ist es eine große Zuflucht, wie alle Flüsse schließlich in den Ozean eingehen.
Vers 4
Ebenso gehen im Akulavīra alle Dharmas zur Auflösung ein. Es ist der beständige Herr und die Grundlage der ganzen Welt.
Vers 5
Wer sich an alle möglichen Lehrsysteme klammert, findet den natürlichen Zustand der Glückseligkeit nicht; von Unreinheiten ergriffen, bleibt er von der Blindheit der großen Māyā bedeckt.
Vers 6
Vom Netz der Lehrschriften befriedigt und verblendet, finden sie den friedvollen, ungeteilten Guru-Zustand der Kaulas nicht.
Vers 7
Manche disputieren als Vertreter von Nyāya und Vaiśeṣika, andere als Buddhisten, Arhats oder Anhänger des Soma-Siddhānta.
Vers 8
Hinzu kommen Mīmāṃsā, die fünf Ströme, Vāma-, Siddhānta- und Dakṣiṇa-Lehren, Itihāsa, Purāṇa, Bhūta-Tattva und Gāruḍa.
Vers 9
Alle diese Śaiva-Āgamas bleiben, soweit sie auf indirekter Erkenntnis und äußeren Handlungen beruhen, im Bereich begrifflicher Siddhi und bindender Konstruktionen.
Vers 10
Wo Akulavīra fehlt, führen die vielen begrifflichen Positionen und leeren Streitansichten nicht aus dem Saṃsāra heraus.
Vers 11
In ihm, das allwissend und allumfassend ist und überall das Gute trägt, ruhen alle Siddhis; alle Vollkommenheiten sind dort.
Vers 12
Wo Akulavīra als das nach allen Seiten offene Eine erkannt wird, kommt der Geist nach Erkenntnis dieser höchsten Gestalt zur Ruhe.
Vers 13
Klang, Form, Geschmack, Berührung und Geruch – ebenso alle Zustände – gehen dort vollständig in Auflösung ein.
Vers 14
Es ist frei von Sein und Nichtsein, frei von Aufgang und Untergang; sein eigenes Wesen ist friedvoll und jenseits des gewöhnlichen Denkens.
Vers 15
Dieses alles tragende, höchste und zugleich immanente Prinzip heißt Akulavīra; es ist nicht durch Stützen, Merkmale oder den Bereich des Nāda zu erfassen.
Vers 16
Es ist weder im Herzen noch im Mund, weder in der Gaṇṭikā noch in der Öffnung des Gaumens; weder Iḍā noch Piṅgalā bestimmen es, und es ist nicht durch Ein- und Ausgang zu erreichen.
Vers 17
Es befindet sich weder im Nabel-Cakra noch im Hals, weder im Kopf noch im Scheitel; auch nicht im Öffnen der Augen oder im Fixieren der Nasenspitze.
Vers 18
Es liegt weder in Pūrakā, Kumbhaka oder Recaka noch im Durchbrechen von Bindu und Knoten, weder in der Stirn noch in einem inneren Feuer.
Vers 19
Es ist weder Ein- noch Austritt, weder Anrufung noch Verabschiedung; weder durch Instrumente, Āsana oder Mudrā noch durch eine besondere Gaumenpraxis wird es erreicht.
Vers 20
Es ist weder Hemmung noch Erhebung, weder Bewegung noch Beweger und Bewegtes; es hat weder einen bestimmten Ort noch eine äußere Stütze.
Vers 21
Nicht einmal das gewöhnliche Selbst kann es als Gegenstand ergreifen; es ist jenseits von Ergreifer und Ergriffenem, frei von Positionen, Gründen und Beispielen, innen und außen als ein einziges Ganzes.
Vers 22
Es ist weder fern noch nah, weder voll noch leer, weder höher noch niedriger; von solchen Gegensätzen ist es frei.
Vers 23
Wo die gewöhnliche zusammengesetzte Person und jedes begrenzende Merkmal verschwinden, dort wird Akulavīra genannt.
Vers 24
Wer in diesem Samarasya gegründet ist, ist Brahmā, Hari, Īśa, Rudra und Īśvara.
Vers 25
Er ist Śiva, der höchste Gott, ebenso Soma, Sonne und Feuer; in ihm erscheinen auch Sāṃkhya, Purāṇa, Arhat und Buddha.
Vers 26
Er selbst ist Göttin und Gott, Schüler und Guru; er selbst ist Meditation, Meditierender und überall die Gottheit.
Vers 27
In welcher inneren Haltung ein Mensch beständig meditiert, eine entsprechende Frucht erlangt er; daran besteht kein Zweifel.
Vers 28
Yogis geben diesem Einen verschiedene Namen; doch das Namenlose selbst wird von durch verwirrtes Wissen Getäuschten nur benannt.
Vers 29
Von Dharma und Adharma umstrickt und von der Dunkelheit der Vorstellungen bedeckt – wie sollten sie auf diese Weise dem Saṃsāra mit seinen leidvollen Geburten entkommen?
Vers 30
Wenn Akulavīra als das wunderbare Allgegenwärtige erkannt wird, erscheint es innen und außen, im Beweglichen und Unbeweglichen, stets von einer einzigen Natur.
Vers 31
Es ist wellenlos und ohne Erscheinungsform, frei von begrifflicher Teilung, ohne Glieder, ohne Auflösung und ohne Veränderung.
Vers 32
Unsichtbar, eigenschaftslos und friedvoll, jenseits der Tattvas und makellos, allwissend, vollkommen und seinem Wesen nach unvergänglich.
Vers 33
Frei von Ursache und Wirkung, undenkbar und unversehrt, jenseits von Māyā, ohne Stütze, allgegenwärtig und nach allen Seiten offen.
Vers 34
Es ist Gleichheit und Einheit, frei von Für und Wider; das wunderbare Akulavīra liegt jenseits der Behauptungen von Sein und Nichtsein.
Vers 35
Dort gibt es weder Geist noch Intellekt, weder Denken noch gewöhnliches Bewusstsein; weder Zeit und Berechnung noch eine getrennte Śakti oder Sinnesfunktion.
Vers 36
Es wird in keinem einzelnen Element ergriffen und ist weder Lust noch Leid; auch die überlieferte zweite Vershälfte ist textlich unsicher und bestätigt vor allem diese Freiheit von Gegensatzpaaren.
Vers 37
Es ist weder Geschmack noch Geschmacklosigkeit, weder gemacht noch entstanden; weder Schatten noch Hitze, weder kalt noch heiß.
Vers 38
Dort gibt es keinen begrenzten Auf- oder Untergang und keine erkennbare Grenze; die zweite Vershälfte ist in der Quelle unsicher.
Vers 39
Es ist nichtdual, unbeweglich und friedvoll, frei vom Makel der Anhaftung, ungestört und ohne begriffliche Alternative; die letzte Wendung der Quelle ist textlich unsicher.
Vers 40
Es ist ohne äußeren Herrn und doch Herr aller, jenseits von Unmanā und Rausch; unverhüllt und ohne Trennung umfasst es Bewegliches wie Unbewegliches.
Vers 41
Feuer, Erde, Wasser und ebenso die übrigen Elemente sind in vollkommener Samarasya erfüllt – einzig Akulavīra.
Vers 42
Wer in dieser Freiheit gegründet ist, ist von der Bindung des Werdens befreit; für ihn besitzen Mutter, Vater, Verwandtschaft und äußere Gottheit keine bindende Absolutheit mehr.
Vers 43
Weder Opfer noch Fasten, weder ritualistische Handlung noch soziale Unterscheidung bestimmen ihn; durch das Aufgeben der Masse der Vorstellungen geht er in Akulavīra auf.
Vers 44
Für ihn gibt es weder Japa noch äußere Verehrung, weder Bad noch Homa oder besondere Sādhana; auch asketische Extrempraktiken führen nicht darüber hinaus.
Vers 45
Keine besondere Regel und kein Fasten ist für diesen Zustand erforderlich; auch Ahnenrituale, Pilgerfahrten und Gelübde sind nicht sein Wesen.
Vers 46
Dort gibt es keine bindende Frucht von Dharma oder Adharma, kein rituelles Bad und keine Wasserspende; lass die bloß äußerlichen Handlungen und gesellschaftlichen Konventionen los.
Vers 47
Auch die künstlichen Regeln des Samaya, Vorstellungen und Gegen-Vorstellungen sowie weitere bloß konstruierte religiöse Formen können zu Bindungen werden.
Vers 48
Der Yogi wird frei von künstlicher Konvention und von der Haltung des Paśu; selbst verschiedenartige Siddhis und alchemistische Möglichkeiten der Unterwelt sind nicht das Ziel.
Vers 49
Selbst wenn außergewöhnliche Kräfte unmittelbar erlangt würden, soll man sie nicht ergreifen; das ganze Netz solcher Fesseln kann auf einen niederen Weg führen.
Vers 50
Ohne Akulavīra liegt in solchen Dingen keine Befreiung; wie Tote den bitteren oder süßen Geschmack nicht kennen, bleibt das Eigentliche unerkannt.
Vers 51
Ebenso erkennen Menschen Akulavīra nicht als ihr eigenes Wesen; die letzte Bildwendung des Verses ist in der erhaltenen Quelle beschädigt und bleibt daher unübersetzt.
Überlieferungslücke
An dieser Stelle vermerkt die Muktabodha-Datei ausdrücklich: Page 89 to 96 missing. Der auf diesen acht Seiten stehende Sanskrittext ist in der bereitgestellten Quelle nicht vorhanden und kann daher nicht zuverlässig ins Deutsche übersetzt werden.
Zweiter erhaltener Abschnitt – in der Quelle erneut Verse 39–142
Vers 39
Dieses höchste Geheimnis ist परमānanda, überaus verborgen und gut gehütet; Siddhanātha hat es zum Wohl der Menschen ausgesprochen.
Vers 40
Es ist der friedvolle, nirvikalpa Zustand, in dem Para und Apara aufgehen; dieser große Ort ist Moksha selbst und frei von jeder Mantra-Gestalt.
Vers 41
Aus eben ihm erscheint die Schöpfung, und in eben dieses geht sie wieder ein. Was soll noch mehr gesagt werden? Es ist frei von allen Bindungen.
Vers 42
Wenn Akulavīra erlangt ist, wozu dann noch die Abfolgen kaulischer Rituale? Mit dem wahren Zustand der Befreiung ist das von Unreinheit befreiende Akulavīra gewonnen.
Vers 43
Auf dem Kaula-Weg werden zwei Formen unterschieden: die gemachte und die natürliche. Kuṇḍalinī gilt als die gemachte; die natürliche ruht in Samarasya.
Vers 44
Die gemachte Form steht im Verhältnis von Beweger und Bewegtem; durch Mudrā und Mantra wird sie entsprechend gelenkt und herabgeführt.
Vers 45
Andere arbeiten mit Opferhandlungen, Niederführung, Ohr-Japa oder Räucherungen; dies gilt ihnen als zu verwirklichendes Tattva, als Meditation und Dhāraṇā.
Vers 46
Durch zahllose Handlungen und Vorstellungen verschiedener Wege werden Menschen von begrifflichen Konstruktionen aufgewühlt, verwirrt und geistig zerstreut.
Vers 47
Im Herzen von Kummer verbrannt, von Bindungen und großen Ängsten bedrängt, schwanken sie immer wieder zwischen Freude und Niedergeschlagenheit.
Vers 48
So wandern sie durch die Ozeane des Werdens über Zeitalter; wie aus verbranntem Samen keine neue Pflanze entsteht, so endet Entstehen erst an der Wurzel.
Vers 49
Wie ein Baum mit abgeschnittener Wurzel nicht mehr austreibt, so werden im Akulavīra die Bindungen an die vielen Zustände durchschnitten.
Vers 50
Wie etwas Reines nach völliger Auflösung nicht mehr gebunden wird, so wird im Kula-Vīra die begrenzende Beschaffenheit aufgehoben; die genaue Lesart ist hier unsicher.
Vers 51
Wie man die aufgehende Sonne unter dichter Finsternis nicht sieht, so bleibt der verwirrte Geist durch das Netz der Unwissenheit verblendet.
Vers 52
Wenn Akula-Vīra erreicht wird, vergeht all dies. Wie Butter in Milch und Feuer im Holz verborgen sind, ist die höchste Wirklichkeit schon gegenwärtig.
Vers 53
Wie Duft in der Blume, Öl im Sesam, Schatten im Baum, Freude im Wein und Licht in der Lampe verborgen sind, so wohnt das Eine in allem.
Vers 54
Es ist im Lotus, in Kuṇḍalinī und in allen Gliedern gegenwärtig; die zweite Vershälfte ist in der Überlieferung beschädigt.
Vers 55
Durch Vorstellungen von Sein und Nichtsein und durch sichtbare begriffliche Gewissheiten erkennen die von künstlichen Konstruktionen Verblendeten Akulavīra nicht.
Vers 56
Vom Netz der Fesseln gebunden und von der großen Māyā getäuscht, erkennen sie den friedvollen, undenkbaren und immer gegenwärtigen Zustand nicht.
Vers 57
Er ist als allgegenwärtige Wirklichkeit in allen Wesen gegenwärtig, frei von Ort und Farbe, ein einziges Nicht-Objekt jenseits dessen, was meditiert werden kann.
Vers 58
Dieser alles durchdringende Zustand ist fest, voll und ohne Unterbrechung; wenn der Geist darin aufgeht, wird er unbeweglich und von ihm ganz erfüllt.
Vers 59
Wenn die Bewegungen des Geistes und des Denkens hineingeworfen sind, bleibt der Yogi im Tattva gegründet, im unvergänglichen, teil-losen Śiva.
Vers 60
Dann gelangt er zur völligen Identität mit dem reinen, unbeweglichen Zustand – dem wunderbaren, einzigen und allgegenwärtigen Akulavīra.
Vers 61
Er ist selbst für Götter und Siddhas schwer erreichbar und liegt im Erfahrungsfeld der Yoginīs. Manche erklären: Dies sei Dharma, jenes Śāstra, jenes Tapas.
Vers 62
Andere sagen: Dies sei die Welt, dies der Himmel, dies das Ziel, dies die Frucht, dies Wissen, Wissenschaft, Reinheit oder Unreinheit.
Vers 63
Wo all diese Wissensobjekte, Tattvas, Meditation und Dhāraṇā überschritten sind, ist nur die eine Yoginī-Wirklichkeit; es gibt kein Zweites.
Vers 64
Es ist weder kommend noch vergangen, weder gehend noch bleibend; weder Vergangenheit noch Zukunft, frei von Bestand und Auflösung.
Vers 65
Das wahre Ich wird von angesammelten Fehlern nicht befleckt. „Ich bin niemand, niemand gehört mir; ich bin weder gebunden noch gibt es einen Binder.“
Vers 66
Es ist weder befreit noch unbefreit und begehrt nicht einmal Befreiung; ob gehend, stehend, schlafend, wachend, essend oder in sexueller Vereinigung – es bleibt dasselbe.
Vers 67
Auch durch Angst, Armut, Kummer, verschiedene Nahrung oder Sinnesgegenstände soll der Yogi sein Wesen nicht als krankes Objekt behandeln; die Formulierung der Quelle ist asketisch-provokant und nicht medizinisch zu verstehen.
Vers 68
Er bewegt sich unter Menschen aller Gruppen und macht aus Nahrung keine metaphysische Unterscheidung; so lebt der Yogi wie Feuer in einem Wald – ungebunden an das, was es berührt.
Vers 69
Die erste Vershälfte ist textlich beschädigt; sicher ist die Aussage, dass dieser Zustand jenseits von Soma-, Feuer- und Prāṇāyāma-Konstruktionen liegt.
Vers 70
Er ist unermesslich und ohne Erscheinungsbild, frei von Dhāraṇā und Dhyāna; wer den Guru über tausend Geburten hingebungsvoll verehrt hat, gelangt zu dieser Reife.
Vers 71
Solche Menschen gewinnen das große, befreiende Wissen von Akulavīra, wenn ihre Hingabe an den Yoginī- und Rākiṇī-Kreis fest und unbeweglich ist.
Vers 72
Akulavīra ist wunderbar, tief und unergründlich; es ist jenseits des Piṇḍa, nicht-körperlich und frei von der Begrenzung des Körpers.
Vers 73
Frei von Wort, Silbe und sprachlichem Zeichen, rein und immer gegenwärtig, findet der darin Aufgegangene das ewige Ziel.
Vers 74
Jenseits des Denkens und frei sogar von der Vorstellung einer besonderen Yoga-Verbindung ist Nirvāṇa frei von Vāsanās; das Selbst ist erfüllt und unversehrt.
Vers 75
Wenn dies erlangt ist, werden die Unreinheiten durchschnitten; seine allumfassende Wirklichkeit entfaltet sich rasch. Die Lesart ist teilweise knapp und unsicher.
Vers 76
Veden, Siddhāntas, Lehrschriften und die vielen äußeren Kennzeichen können, wenn sie nur körperliche Mühe und Identität erzeugen, zu nutzloser Verblendung werden.
Vers 77
Wer von Stolz auf Gelehrsamkeit ergriffen ist, gerät auf einen falschen Weg; zufrieden mit Unwesentlichem, grübelt er über die Bedeutung unzähliger Bücher.
Vers 78
Von künstlichen Vorstellungen getäuscht, finden solche Menschen Akulavīra nicht. Wie sollte bloßer Stolz selbst durch hundert Millionen Bücher zu Erkenntnis führen?
Vers 79
Kampfer, Kuṅkuma, Kleidung und Betel werden für ihn zur Last wie das Gepäck eines Esels, sobald er Akulavīra im eigenen Körper als allgegenwärtig erkennt.
Vers 80
Dann gibt es keine bindende Frucht von Dharma oder Adharma, keine Heiligkeit durch Wasser und Pilgerorte, keine bloße Ritualhandlung, Reinheitsregel oder Karmakāṇḍa-Bhāvanā.
Vers 81
Für ihn sind die gewöhnlichen Handlungen und gesellschaftlichen Konventionen nicht bindend; die von verwirrten Menschen vollzogenen Samaya-Regeln verlieren ihren absoluten Anspruch.
Vers 82
Wer Akulavīra nicht kennt, fragt, was es Besonderes sei und wo es sich befinde; solche künstlichen Bindungen sind von schlechten Gelehrten konstruiert.
Vers 83
Saṃkalpa, Vikalpa, rituelle Künste, verschiedenartige Siddhis, Unterwelten und Rasāyana gehören alle noch zum Bereich begrenzter Konstruktionen.
Vers 84
Selbst wenn solche Dinge unmittelbar erlangt werden, soll man sie nicht festhalten; sie können zu Fesseln werden und den Weg nach unten führen.
Vers 85
Durch sie entsteht im Saṃsāra keine Befreiung ohne Akula-Vīra; die Bildwendung mit dem Wein ist textlich unsicher, weist aber auf unmittelbare statt beschriebene Erfahrung.
Vers 86
Akulavīra ist nur durch unmittelbare Selbsterfahrung zu erkennen; törichte Menschen erkennen diese höchste Essenz der Essenz nicht.
Vers 87
So lange bleibt das Selbst in Verwirrung, bis es den Grund findet. Wenn der Yogi jenseits des Denkens gelangt, erst dann ist Yoga wirklich erkannt.
Vers 88
Wessen Vāsanās leidenschaftslos geworden sind und dessen Selbst erfüllt und heil ist, der überschreitet die vielen bindenden Zustände.
Vers 89
Solange die eine, gleiche Wirklichkeit und höchste Glückseligkeit nicht gefunden ist, irrt der verblendete Geist in vielen Zuständen um; die zweite Bildhälfte des Verses ist in der Quelle schwierig.
Vers 90
Akulavīra wird als frei von Richtung und Gewand, frei von Ort und Farbe erkannt; die erste Vershälfte ist textlich nicht ganz sicher.
Vers 91
Es ist ungestört, ohne Vikalpa, eigenschaftslos und vollkommen rein; ohne äußeren Herrn und doch Herr aller, frei von Unachtsamkeit und Rausch.
Vers 92
Es ist dicht und lückenlos in Unbeweglichem und Beweglichem, in Wasser, Feuer, Wind, Erde und Raum gegenwärtig.
Vers 93
Überall ist es ein Geschmack, erfüllt und einzig: Akulavīra. Wer es im eigenen Körper erkennt, ist von allen Bindungen frei.
Vers 94
Für ihn gibt es keine Bindung durch Handlung, kein getrenntes Erkanntes und keine getrennte Erkenntnis, kein Opfer, Fasten, besondere Observanz oder Ritualentstehung.
Vers 95
Wenn Akulavīra erkannt ist, gibt es keine absolute soziale Einteilung; Japa, äußere Feuerverehrung, Homa und Sādhana sind nicht mehr das letzte Ziel.
Vers 96
Weder Feuer-Eintritt noch Mantra-Pūjā, Ritualwasser, besondere Regeln oder Dienst an Kṣetra und Pīṭha definieren diesen Zustand.
Vers 97
Er ist frei von Ritual und äußerer Verehrung, frei von Pilgerorten und Gelübden: der friedvolle, stützungslose, makellose Zustand jenseits all dessen.
Vers 98
Er ist allwissend und vollkommen, seinem eigenen Wesen nach unverwechselbar, frei von Ursache und Wirkung, undenkbar und unversehrt.
Vers 99
Jenseits von Māyā, ohne Stütze, allgegenwärtig und nach allen Seiten offen – wenn dieser friedvolle Zustand im eigenen Körper erkannt wird, heißt er Akulavīra.
Vers 100
Alles ist darin ein einziges Ganzes, frei selbst vom Gegensatz der Zweiheit; das wunderbare Akulavīra liegt jenseits von Sein und Nichtsein.
Vers 101
Die erste Vershälfte ist textlich unsicher; klar ist: Es ist nicht durch Geist, Intellekt, Zeitberechnung, getrennte Kraft oder Sinnesvermögen begrenzt.
Vers 102
Es wird in den Elementen nicht als einzelnes Objekt ergriffen und ist weder Leid noch Lust, weder gewöhnlicher Geschmack noch künstlich Hervorgebrachtes.
Vers 103
Es ist weder Schatten noch Hitze oder Feuer, weder Kälte noch Wärme; weder Tag noch Nacht, frei von Aufgang und Untergang.
Vers 104
Dort wird kein gewöhnlicher Geist gesehen, auch kein Oben oder eine Mitte erkannt; dieses Tattva ist unerschütterlich, unbeweglich und friedvoll.
Vers 105
In welcher inneren Haltung ein Mensch beständig meditiert, eine entsprechende Frucht erlangt er; daran besteht kein Zweifel.
Vers 106
So ist der wahre Zustand des Kula unaussprechlicher höchster Nektar. Wie könnte er durch verwirrtes begriffliches Wissen als gewöhnliches Objekt erreicht werden?
Vers 107
Er ist weder fern noch nah, weder bloß unmittelbar noch mittelbar, weder voll noch leer und durch keine vergleichende Steigerung zu bestimmen.
Vers 108
Er ist frei von allen Positionen, Gründen und Beispielen; wer von künstlichen Konstruktionen getäuscht nur am Karmakāṇḍa hängt, verfehlt ihn.
Vers 109
Für solche gibt es im Saṃsāra keine Befreiung. Wenn aber das wunderbare, allgegenwärtige Akulavīra erkannt wird, beginnt die eigentliche Freiheit.
Vers 110
Innen und außen ist es ein einziges, überall gegenwärtiges Sein: wellenlos, ohne äußeren Schein und frei von sprachlicher Zerteilung.
Vers 111
Frei von allen Gliedern, unveränderlich und rein, unsichtbar, eigenschaftslos, ewig, ungehemmt und unbeweglich.
Vers 112
Es ist weder Dhyāna noch Dhāraṇā, weder Ort noch Farbe, weder Recaka, Pūrakā noch Kumbhaka; ein weiterer technischer Ausdruck der Quelle ist unsicher.
Vers 113
Es hat weder Ende, Anfang noch Mitte und keinen Zuwachs; es liegt jenseits des Knotens von Ergreifer und Ergriffenem.
Vers 114
Von all diesen Bestimmungen frei, ohne Beweisgrund und Beispiel, ist es innen und außen als ein einziges Sein überall gegenwärtig.
Vers 115
In der Form der Glückseligkeit von Samarasya ist es im Beweglichen und Unbeweglichen von einer Natur. Wer das wunderbare Akulavīra im eigenen Körper erkannt hat, erkennt dies.
Vers 116
Wer in diesem einen Geschmack gegründet ist, ist Brahmā, Hari, Rudra und Īśvara.
Vers 117
Er ist Śiva, der ewige Gott, Soma, Sonne und Śaṅkara; ebenso werden weitere religiöse Gestalten und Lehrer in dieser Einheit aufgehoben.
Vers 118
Er selbst ist Göttin und Gott, Schüler und Guru; er selbst ist Meditation, Meditierender und der höchste Guru.
Vers 119
Allwissend und alles umfassend trägt er das Wohl aller; alle Yoginīs und alle Siddhas sind darin gegenwärtig.
Vers 120
Dort ist alles und der Sinn von allem, dort ist alles Wissen; dieser große Sinn wird Akulavīra genannt.
Vers 121
Klang, Berührung, Geschmack, Form und Geruch gehen dort zur Auflösung ein; ein Teil der zweiten Vershälfte ist textlich beschädigt.
Vers 122
Es ist weder in einer äußeren Stütze noch in einem Meditationsziel oder Nāda, weder im Herzen, Nabel, Hals, Mund noch in den feinen Öffnungen zu fixieren.
Vers 123
Es ist weder Iḍā, Piṅgalā noch Suṣumṇā im Sinn einer technischen Bewegung, weder im Nabel-Cakra, Hals, Kopf noch im Bindu begrenzt.
Vers 124
Es liegt weder im Öffnen von Augen oder Ohren noch im Fixieren der Nasenspitze, weder in Pūrakā, Kumbhaka noch Recaka.
Vers 125
Es liegt weder im Durchbrechen von Bindu und Knoten, noch in Stirn oder Mondzentrum, weder im Ein- und Austritt noch in einer oberen Śikhā.
Vers 126
Es ist weder durch Handgesten noch andere Mudrās, weder im Raum- oder Wind-Maṇḍala noch in Sonne, Mond oder dem Gegensatz von Sein und Nichtsein begrenzt.
Vers 127
Es ist unvergleichlich, stützungslos und frei von Für und Wider; doch der von Unwissenheits-Mala ergriffene Mensch bleibt durch Mahāmāyā verwirrt.
Vers 128
Vom Sinn der Lehrschriften verwirrt, erkennen selbst Gelehrte den friedvollen Zustand, Kaivalya und den handlungslosen Guru nicht.
Vers 129
Dazu gehören Vertreter von Sāṃkhya, Nyāya, Vaiśeṣika, Buddhismus, Arhat-Lehren, Soma-Siddhānta und Dakṣiṇa-Lehren.
Vers 130
Ebenso Mīmāṃsā, Pañcarātra, Vāma-, Dakṣiṇa- und Kaula-Wege, Itihāsa, Purāṇa, Bhūta-Tattva und Gāruḍa.
Vers 131
All diese Wege haben ihren Bereich und manche sind stark ritualistisch; sie können begrenzte Siddhis geben, doch das allein ist noch nicht höchste Erkenntnis.
Vers 132
Wo viele Vikalpas und leere Streitpositionen herrschen, entsteht ohne Akulavīra keine Befreiung aus dem Saṃsāra.
Vers 133
Welche Orte es auch gibt – Berge, Städte oder Ozeane –, es ist immer und überall im Beweglichen und Unbeweglichen gegenwärtig.
Vers 134
Alles, was aus den fünf Elementen besteht, Bewegliches wie Unbewegliches, von Śiva bis zu den übrigen Göttern, ist in ihm enthalten.
Vers 135
Menschen, die einen solchen Yogi erkennen, nähern sich ihm mit Düften, Blumen, Räucherwerk, Speisen, Getränken und anderen Gaben.
Vers 136
Wer ihn mit Hingabe innerlich und äußerlich ehrt, wird ebenfalls von Fesseln gelöst und wendet sich dem Weg der Befreiung zu; die letzte Wendung ist textlich unsicher.
Vers 137
Brahmā, Indra, Viṣṇu, Rudra, Arhats, Buddha, Viśākha, Mayūrākṣa und asketische Ṛṣis werden in diesem Horizont genannt.
Vers 138
Götter, Könige und alle anderen, die Befreiung begehren, suchen Moksha; Akulavīra wird als das Befreiung schenkende Prinzip bezeichnet.
Vers 139
Nun wird noch ein anderer, vom eigenen Wesen her unterschiedener Zustand erklärt; die zweite Vershälfte ist in der Quelle unsicher.
Vers 140
Der Beginn des Verses fehlt in der Überlieferung; erhalten ist: Von höchstem Nektar vollkommen erfüllt bleibt allein Sahajānanda, die natürliche Glückseligkeit.
Vers 141
Für sie gibt es weder Alter noch Tod, weder Kummer noch Leid; alle Krankheit ist überwunden und erneutes Werden entsteht nicht mehr.
Vers 142
Durch die Gnade Siddhanāthas wird das göttliche Akulavīra erkannt: überall und immer rein, überall und immer der Herr.
Schlusskolophon
Damit endet das Akulavīra, das durch die Gnade der Yoginī am Ort Kāmarūpa empfangen und durch Macchendrapāda überliefert wurde.
Vollständiger Sanskrittext in Umschrift
Einleitende Verehrung
śrīmacchandapādakebhyo namaḥ |
śrīmīnasahajānandaṃ svakīyāṅgasamudbhavam |
sarvamādhāragambhīramacalaṃ vyāpakaṃ param |
māyāmalavinirmuktaṃ mīnanāthaṃ namāmyaham ||
Erster erhaltener Abschnitt – Verse 1–51
Vers 1
athātaḥ sampravakṣyāmi akulavīraṃ mahadbhūtam |
guhyād guhyataraṃ guhyaṃ siddhasadbhāvasantatiḥ || 1 ||
Vers 2
anugrahāya lokānāṃ siddhanāthena bhāṣitam |
gopanīyaṃ prayatnena yadīcchan śāśvataṃ padam || 2 ||
Vers 3
saṃsārārṇavamagnānāṃ bhūtānāṃ mahadāśrayam |
yathā nadīnadāḥ sarve sāgare samupāgatāḥ || 3 ||
Vers 4
tathā akulavīreṣu sarvadharmā layaṅgatāḥ |
sarvādhāramaśeṣasya jagataḥ sarvadā prabhuḥ || 4 ||
Vers 5
sahajānandaṃ na vindanti sarvadharmasamāsṛtāḥ |
ajānantamalairgrastā mahāmāyāndhacchāditāḥ || 5 ||
Vers 6
śāstrajālena santuṣṭā mohitāstyajayantitāḥ (?) |
na vindanti padaṃ śāntaṃ kaulānāṃ niṣkalaṃ gurum || 6 ||
Vers 7
saṃvādayanti ye kecin nyāyavaiśeṣikāstathā |
baudhāstu arihantā ye somasiddhantavādinaḥ || 7 ||
Vers 8
mīmāṃsa pañcasrotāśca vāmasiddhāntadakṣiṇāḥ |
itihāsapurāṇañca bhūtatatvantu gāruḍam || 8 ||
Vers 9
ebhiḥ śaivāgamaiḥ sarvaiḥ parokṣañca kriyānvitaiḥ |
savikalpasiddhisañcāraṃ tat sarvaṃ pāpabandhavit || 9 ||
Vers 10
vikalpabahulāḥ sarvairmithyāvādā nirarthakāḥ |
na te muñcanti saṃsāre akulavīravivarjitāḥ || 10 ||
Vers 11
sarvajñaṃ sarvamāsṛtya sarvato hitalakṣaṇam |
sarveṣāṃ siddhistatrasthā sarvasiddhiñca tatra vai || 11 ||
Vers 12
yatrāsau akulavīro dṛśyate sarvatomukham |
taṃ viditvā paraṃ rūpaṃ mano niścalatāṃ vrajet || 12 ||
Vers 13
śabdarūparasasparśagandhañcaivātra pañcamam |
sarvabhāvāśca tatraiva pralīṇāḥ pralayaṃ gatāḥ || 13 ||
Vers 14
bhāvābhāvavinirmukta udayāstamanavarjitaḥ |
svabhāvamatimataṃ śāntaṃ mano yasya manomayam || 14 ||
Vers 15
akulavīramiti khyātaṃ sarvādhāraparāparam |
nādhāralakṣabhedantu na nādagocare paṭhet || 15 ||
Vers 16
hṛdi sthāne na vaktre ca ghaṇṭikā tālarandhrake |
na iḍā piṅgalā śāntā na cāstīti gamāgame || 16 ||
Vers 17
na nābhicakrakaṇṭhe ca na śire naiva mastake |
tathā cakṣurunmīlane ca na nāsāgranirīkṣaṇe || 17 ||
Vers 18
na pūrakakumbhake tatra recake (ca) tathā punaḥ |
na bindubhedake granthau lalāṭe na tu vahnike || 18 ||
Vers 19
praveśanirgame naiva nāvāhanavisarjanam |
na karaṇairnāsanaṃ mudrairnāmāse bhinnatāluke (?) || 19 ||
Vers 20
na nirodho na coddhāro nātītāṃ cālanaṃ na hi |
na preryaprerakañcaiva na sthānannaiva cāśrayam || 20 ||
Vers 21
na cātmanaiva tad grāhyaṃ grāhyātītapadaṃ bhavet |
etat pakṣavinirmuktaṃ hetudṛṣṭāntavarjitam |
sabāhyābhyantarantatra ekoccāraṃ carācaram || 21 ||
Vers 22
na dūre na ca vai nikaṭe na bharito na ca riktaka(ḥ) |
na unno na so'dhika ebhiḥ pakṣairvivarjitam || 22 ||
Vers 23
yaśca viṃśātmako hyeṣa pudgala nāsti yatra vai |
yatra lakṣaṃ na vidyeta akulavīra sa ucyate || 23 ||
Vers 24
yasyaivaṃ saṃsthitaṃ kaścit samarasa saṃsthitaḥ |
sa brahmā so hariśceśaḥ sa rudro sa ca īśvaraḥ || 24 ||
Vers 25
sa śivaḥ paramadevaḥ sa somārkāgnikastathā |
sa ca sāṃkhyaḥ purāṇāśca arhantabuddha eva ca || 25 ||
Vers 26
svayaṃ devī svayaṃ devaḥ svayaṃ śiṣyaḥ svayaṃ guruḥ |
svayaṃ dhyānaṃ svayaṃ dhyātā svayaṃ sarvatra devatā || 26 ||
Vers 27
yādṛśena tu bhāvena puruṣo bhāvayet sadā |
tādṛśaṃ phalamā(va)pnoti nātra kāryavicāraṇāt || 27 ||
Vers 28
asyaiva hi nāmāni pṛthagbhūtāni yogibhiḥ |
anāma tasya gīyante bhrāntijñānavimohitaiḥ || 28 ||
Vers 29
dharmādharmasamākliṣṭāvikalpatamaśchāditāḥ |
tena muñcanti saṃsāraṃ narakaṃ yonisaṃkulam || 29 ||
Vers 30
akulavīraṃ mahadbhūtaṃ yadā paśyanti sarvagam |
sa bāhyābhyantare nityaṃ ekākāraṃ carācaram || 30 ||
Vers 31
nistaraṅgaṃ nirābhāsaṃ padabhedavivarjitam |
sarvāvayavanirmuktaṃ nirlayaṃ nirvikārajam || 31 ||
Vers 32
adṛṣṭanirguṇaṃ śāntaṃ tattvātītaṃ nirañjanam |
sarvajñaṃ paripūrṇañca svabhāvaścaivamakṣayam || 32 ||
Vers 33
kāryakāraṇanirmuktamacintyamanāmayam |
māyātītaṃ nirālambaṃ vyāpakaṃ sarvatomukham || 33 ||
Vers 34
samatvaṃ ekabhūtañca ūhāpohavivarjitam |
akulavīraṃ mahadbhūtam astināstivivarjitam || 34 ||
Vers 35
na mano na ca vai buddhirna cintācetanādikam |
na kālaḥ kalanāśaktirna śivo na ca indriyaḥ || 35 ||
Vers 36
na bhūte gṛhyate so hi na sukhaṃ duḥkhameva ca |
na raso hi na sukhaṃ duḥkhameva ca (?) || 36 ||
Vers 37
na raso virasaścaiva na kṛto na ca jāyate |
na cchāyā na ca tāpastu na śīto na ca uṣṇavān || 37 ||
Vers 38
na (dṛśyate man) statra udayāstamanavarjitam |
na sīmā dṛśyate tatra na ca tīrthyaṃ na caiva hi (?) || 38 ||
Vers 39
advaitamacalaṃ śāntaṃ saṃgadoṣavivarjitam |
nirākulaṃ nirvikalpañca nibaddhañca malakṣaṇam || 39 ||
Vers 40
anāthaṃ sarvanāthañca unmanā madavarjitam |
anigūḍhamasandhiñca sthāvaraṃ jaṅgameva ca || 40 ||
Vers 41
jvalajjvalanabhūmyā ca āpoñcaiva tathaiva ca |
sarvaṃ samarasaṃ pūrṇaṃ akulavīrantu kevalam || 41 ||
Vers 42
yasyaiṣā saṃsthitā muktiḥ sa mukto bhavabandhanāt |
na tasya mātāpitā (vā)bāndhavaṃ na ca devatā || 42 ||
Vers 43
na yajñaṃ nopavāsañca na kriyā varṇabhedakam |
tyaktvā vikalpasaṃghātam akulavīralayaṃ gatāḥ || 43 ||
Vers 44
na japo nārcanaṃ snānaṃ na homaṃ naiva sādhanam |
agnipraveśanaṃ nāsti hemantabhṛgu nodanam || 44 ||
Vers 45
niyamo'pi na tasyāsti nopavāso vidhīyate |
pitṛkāryaṃ na karotāti tīrthayātrāvratāni ca || 45 ||
Vers 46
dharmādharmaphalaṃ nāsti na snānaṃ nodakakriyā |
svayaṃ tyaja sarvakāryāṇi lokācārāṇi yāni ca || 46 ||
Vers 47
samayācāravicārañca kṛtakā bandhakāni tu |
saṃkalpañca vikalpañca ye cānye kila dharmiṇaḥ || 47 ||
Vers 48
bhave yogī nirācāro paśucāravivarjitaḥ |
siddhiśca vividhākārā pātāle ca rasāyanam || 48 ||
Vers 49
pratyakṣañca yā labdhaṃ na gṛhnīyāt kadācana |
sarvañca pāśajālañca adhomārgapradāyakaḥ || 49 ||
Vers 50
eteṣu mocanā nāsti akulavīravivarjitāḥ |
yathā mṛtāḥ (na) jānanti svādaṃ kaṭumadhurasya tu || 50 ||
Vers 51
tathā akulavīrantu na jānanti svabhāvagam |
yathā madirā mahāntasya kathitaṃ nevaśakṛte (?) || 51 ||
Überlieferungslücke
Page 89 to 96 missing
Zweiter erhaltener Abschnitt – in der Quelle erneut Verse 39–142
Vers 39
rahasyaparamānandamatiguhyaṃ sugopitam |
lokānāṃ ca hitārthāya siddhanāthena bhāṣitam || 39 ||
Vers 40
nirvikalpaṃ padaṃ śāntaṃ yatra līnaṃ parāparam |
mokṣasya tanmahāsthānaṃ mantrarūpavivarjitam || 40 ||
Vers 41
tatraiva sṛṣṭirūpeṇa punastatra layaṃ gatā |
kintena bahunoktena sarvabandhavivarjitam || 41 ||
Vers 42
akulavīraṃ yadā labdhaṃ tadā kiṃ kaulikaiḥ kramaiḥ |
labdhvā tu mokṣasadbhāvam akulavīraṃ malāpaham || 42 ||
Vers 43
kaulamārge dvayo santi kṛtakā sahajā tathā |
kuṇḍalī kṛtakā jñeyā sahajā samarase sthitā || 43 ||
Vers 44
preryaprerakabhāvasthā kṛtakā sā'bhidhīyate |
tataḥ sa pātayed bhūmau mudrāmantrairniyojitaiḥ || 44 ||
Vers 45
āhute patane cānye karṇajāpena dhūpakaiḥ |
etat sādhyamidaṃ tattvaṃ (etad) dhyānañca dhāraṇā || 45 ||
Vers 46
anekaiḥ karmasaṃghātaiḥ nānāmārgavibhāvanaiḥ |
vikalpakalalollolā udbhrāntā bhrāntacetasaḥ || 46 ||
Vers 47
hṛdi śokena santaptā vyāsaṅgācca mahābhayaiḥ |
harṣaviṣādasampannā śocyamānā muhurmuhuḥ || 47 ||
Vers 48
tāvadbhramanti saṃsāre kalpākalpairbhavārṇavaiḥ |
dagdhabījeṣu saṃbhūtiryathā naiva prajāyate || 48 ||
Vers 49
mūlachinne yathā vṛkṣe na prarohaṃ vidyate |
akulavīragataṃ bhinnaṃ nānābhāvānubandhanaiḥ || 49 ||
Vers 50
na badhyate yathā vimale rasaṃ vipralayaṃ gatam |
tadvadkulavīre ca sattve bhrābhrākhya yadgataḥ (?) || 50 ||
Vers 51
timireṇa yathācchannamuditārkaṃ na paśyati |
ajñānamanastadvad bhrāntijālavimohitā || 51 ||
Vers 52
akule vīre ca samprāpte sarvametadvinaśyati |
dadhimadhye yathā sarpiḥ kāṣṭhe cāgniḥ sthito yathā || 52 ||
Vers 53
puṣpe gandhastile tailaṃ vṛkṣe chāyā samāśritā |
madyamadhye yathānandaṃ dīpe prabhā samāśritā || 53 ||
Vers 54
padmamadhye ca kuṇḍalyā aṅgapratyaṅgameva ca |
raktārthākulavīre (?) ca tatsarvaṃ viniyojitam || 54 ||
Vers 55
bhāvā'bhāvādisaṃyuktaiḥ pratyayairdṛṣṭigocaraiḥ |
akulavīraṃ na jānanti kṛtakairmohitātmanaḥ || 55 ||
Vers 56
pāśajālanibaddhāśca mahāmāyāvimohitāḥ |
na jānanti padaṃ śāntamacintyaṃ nityasambhavaḥ || 56 ||
Vers 57
sarvavyāpibhāvasthaṃ sthānavarṇavivarjitam |
sarvabhūtasthitaṃ hyekamadhyeyaṃ dhyeyavarjitam || 57 ||
Vers 58
sa ca sarvagato bhāvaḥ sthire pūrṇe nirantare |
tatra mano vilīnantu acalaṃ bhavatanmayam || 58 ||
Vers 59
manovṛddhistathā cintyaṃ kṣiptā tanmayatāṃ gatā |
yathā tiṣṭhati tattvasthaḥ śivaniṣkalamavyaye || 59 ||
Vers 60
tadā tanmayatāṃ yāti nirmalaṃ niścalaṃ padam |
akulavīraṃ mahadbhutamekavīraṃ ca sarvagam || 60 ||
Vers 61
durlabhaṃ surasiddhānāṃ yoginīnāñca gocaram |
kecid vadantīdaṃ dharmamidaṃ śāstramidaṃ tapaḥ || 61 ||
Vers 62
ayaṃ lokamimaṃ svargamidaṃ sādhyamidaṃ phalam |
idaṃ jñānañca vijñānaṃ śuddhāśuddhamidaṃ param || 62 ||
Vers 63
jñeyañca tattvakūṭañca yatra dhyānañca dhāraṇā |
tadāsau yoginī hyekaḥ nānyastu hi dvitīyakaḥ || 63 ||
Vers 64
(a)nāgatantu gatañcaiva na gacchenna ca tiṣṭhati |
na bhūtaṃ na bhaviṣyañca sthitipralayavarjitam || 64 ||
Vers 65
na cāhaṃ pracitairdoṣaiḥ lipyate na kadācana |
nāhaṃ kaścinna me kaścinna baddho na ca bādhakaḥ || 65 ||
Vers 66
na mukto vai na ca na muktame (?) mokṣasya ca spṛhā |
gacchaṃstiṣṭhan svapan jāgradbhūñjāno maithune'pi vā || 66 ||
Vers 67
bhayadāridraśokaiśca vividhairbhakṣaṇaistathā |
cikitsā naiva kurvīta indriyārthaiḥ kadācana || 67 ||
Vers 68
ācaret sarvavarṇaistu na tu bhakṣyaṃ vicārayet |
evaṃ sa carate yogī yathāraṇye hutāśanaḥ || 68 ||
Vers 69
piṇḍabadhāñca nānāsti avasthā mūrkhavāsanām (?) |
somaśūnyastathā vahniprāṇāyāmavivarjitam || 69 ||
Vers 70
aprameyanirābhāsaṃ dhāraṇādhyānavarjitam |
yena janmasahasrāṇi bhaktyā saṃpūjito guruḥ || 70 ||
Vers 71
te labhanti mahājñānaṃ akulavīrantu mokṣadam |
yoginīrākiṇīcakre yasya bhaktiḥ suniścalā || 71 ||
Vers 72
akulavīraṃ mahadbhūtaṃ gambhīraṃ gahanāmayam |
piṇḍātītaṃ yadā jñeyamapiṇḍaṃ piṇḍavarjitam || 72 ||
Vers 73
padavyañjananirmuktaṃ vimalaṃ satatoditam |
tallīne tanmayātmānaṃ vindate śvāśvataṃ padam || 73 ||
Vers 74
cintātītaṃ bhavet so hi yogasaṃyogavarjitam |
nirvāṇaṃ vāsanāhīnaṃ tṛptātmā ca nirāmayaḥ || 74 ||
Vers 75
tena labdhā na sandeho'malā malacchedanāḥ |
tasya pravartate kṣipraṃ tasyaiva sarvasarvagam || 75 ||
Vers 76
vedasiddhāntaśāstrāṇi nānāvidhāni śikhāni ca |
tāni sarvāṇi mohāni kāyakleśairnirarthakam || 76 ||
Vers 77
vidyāhaṅkāragrastāstu garvitāḥ kugatiṃ gatāḥ |
anarthena ca santuṣṭā bahugranthārthacintakāḥ || 77 ||
Vers 78
akulavīraṃ na vindanti kṛtakairmohitātmanaḥ |
garvitānāṃ kuto jñānaṃ granthakoṭiśatairapi || 78 ||
Vers 79
karpūrakuṅkumādīnāṃ vastratāmbūlameva ca |
kharavadbhavati tadbhāraṃ sarvaṃ tasya nirarthakam ||
akulavīrañca dehasthaṃ yadā paśyati sarvagam || 79 ||
Vers 80
dharmādharmaphalaṃ nāsti nodakaṃ tīrthasevanā |
na kriyā satyaśaucaṃ vā karmakāṇḍe na bhāvanā || 80 ||
Vers 81
na tasya karmakarmāṇi lokācārāṇi yāni ca |
caritāḥ samayācārā janairbhrāntivimohitaiḥ || 81 ||
Vers 82
akulavīraṃ na jānanti kiṃ viśiṣṭaṃ kutaḥ sthitam |
kṛtakā bandhanā loke kalpitāśca kupaṇḍitaiḥ || 82 ||
Vers 83
saṃkalpavikalpañca kalākarmāṇi yāni ca |
siddhayo vividhā loke pātālaṃ ca rasāyanam || 83 ||
Vers 84
pratyakṣañca yadā labdhaṃ na vigṛhṇīyāt kadācana |
sarve te pāśabaddhaśca adhomārgapradāyakāḥ || 84 ||
Vers 85
na caitairmuktiḥ saṃsāre akulaṃ vīravarjitāḥ |
yathā madiramānandaṃ kathitaṃ naiva jāyate || 85 ||
Vers 86
tadvadakulavīrākhyaṃ svasaṃvedyaniropaṇam |
na jānanti narā mūḍhāḥ sārāt sārataraṃ param || 86 ||
Vers 87
tāvad bhrāntivimugdhātmā yāvattalaṃ na vindati |
cintātīte yadā yogī sa yogī yogacintakaḥ || 87 ||
Vers 88
viraktā vāsanā yasya tṛptātmā ca nirāmayaḥ |
tāvad bhramanti mohātmā nānābhāvānubandhanaiḥ || 88 ||
Vers 89
yāvat samamekatvaṃ paramānandaṃ na vindati |
mūrkhāṇāṃ ca yathāśāstraṃ kumārīsuratiṃ yathā || 89 ||
Vers 90
akulavīraṃ vindanti kathyamānaiḥ kumārikāḥ |
diśaveśavinirmuktaṃ sthānavarṇavivarjitam || 90 ||
Vers 91
nirākulaṃ nirvikalpaṃ nirguṇañca sunirmalam |
anāthaṃ sarvanāthañca pramādonmādavarjitam || 91 ||
Vers 92
ghananiviḍani(ḥ)sandhisthāvare jaṅgameṣu ca |
jale jvalane tathā pavane bhūmyākāśe tathaiva ca || 92 ||
Vers 93
sarvatra samarasaṃ bharitamakulavīrantu kevalam |
taṃ jñātaṃ yena dehasthaṃ sa muktaḥ sarvabandhanāt || 93 ||
Vers 94
na tasya kriyābandhena na vedyaṃ na ca vedanā |
na yajño nopavāsaśca na caryā na kriyodayaḥ || 94 ||
Vers 95
na varṇo varṇabhedaśca akulavīraṃ yadāgatam |
na jāpo nārcanāgnīnāṃ na homo naiva sādhanam || 95 ||
Vers 96
nāgnipraveśanantasya mantrapūjācaraṇodakam |
niyamāśca na tasyāsti kṣetrapīṭhe ca sevanaiḥ || 96 ||
Vers 97
na kriyā nārcanākādyairna tīrthāni vratāni ca |
nirālambapadaṃ śāntaṃ tathātītaṃ nirañjanam || 97 ||
Vers 98
sarvajñaparipūrṇañca svabhāvena vilakṣyate |
kāryakāraṇanirmuktamacintitañca anāmayam || 98 ||
Vers 99
māyātītaṃ nirālambaṃ vyāpakaṃ sarvatomukham |
svadehe saṃsthitaṃ śāntamakulavīraṃ taducyate || 99 ||
Vers 100
samastamekadābhūtaṃ dvaitābhāvavivarjitam |
akulavīraṃ mahadbhūtamastināstivivarjitam || 100 ||
Vers 101
manobuddhicittastacittā naiva svacetanā (?) |
na kālakalanā caiva na śaktiśca na cendriyaḥ || 101 ||
Vers 102
na bhūte gṛhyate so hi na duḥkhaṃ sukhameva ca |
na raso'dhirasaścaiva kṛtakaṃ naiva kārakam || 102 ||
Vers 103
na cchāyā nātapo vahnirna ca śītoṣṇavedanā |
na dinaṃ rātrimityuktamudayāstamanavarjitam || 103 ||
Vers 104
na mano dṛśyate tatra norddhamadhyaṃ ca jñāyate |
akṣobhyamacalaṃ śāntamīdṛśaṃ tattvanirṇayam || 104 ||
Vers 105
yādṛśena tu bhāvena puruṣo bhāvayet sadā |
tādṛśaṃ phalamāpnoti nātra kāryavicāraṇāt || 105 ||
Vers 106
evañca kulasadbhāvamavācyaṃ paramāmṛtam |
agamyaṃ gamyate kasmād bhrāntijñānavimohitāḥ || 106 ||
Vers 107
na dūre nikaṭe caiva pratyakṣaṃ na parokṣatā |
na bharito na rikto vā nipuṇo nāpi cādhikaḥ || 107 ||
Vers 108
etat pakṣavinirmukto hetudṛṣṭāntavarjitaḥ |
kṛtakairmohitā mūḍhāḥ karmakāṇḍaratāstu ye || 108 ||
Vers 109
na teṣāṃ muktiḥ saṃsāre narake yonisaṃkule |
akulavīraṃ mahadbhūtaṃ yadā paśyati sarvagam || 109 ||
Vers 110
sabāhyābhyantaraikatvaṃ sarvatraiva vyavasthita(m) |
nistaraṅgaṃ nirābhāsaṃ padacchedavivarjitam || 110 ||
Vers 111
sarvāvayavanirmuktaṃ nirvikārañca nirmalam |
adṛśyaṃ nirguṇaṃ nityaṃ nirṇirodhañca niścalam || 111 ||
Vers 112
na dhyānaṃ dhāraṇā naiva na sthānaṃ varṇameva ca |
na recakaṃ pūrakañcaiva narodghātañca (?) kumbhakam || 112 ||
Vers 113
na cāntamādimadhyasthaṃ na sato vṛddhireva ca |
grāhyagrāhakanirmuktagranthātītañca yadbhavet || 113 ||
Vers 114
etaiḥ sarvairvinirmuktaṃ hetudṛṣṭāntavarjitam |
sabāhyābhyantaraikatvaṃ sarvatraiva vyavasthitam || 114 ||
Vers 115
samarasānandarūpeṇa ekākāraṃ carācare |
ye ca jñātaṃ svadehasthamakulavīraṃ mahadbhūtam || 115 ||
Vers 116
yasyā (?) vaśaṃ sthitaḥ kaścit samarasaṃ rasasaṃsthitam |
sa brahmā sa hariścaiva sa rudrañcai(ve)śvarastathā || 116 ||
Vers 117
sa śivaḥ śāśvato devaḥ sa ca somārkaśaṅkaraḥ |
sa viśākhyo mayūrākṣo arhanto budhameva ca || 117 ||
Vers 118
svayaṃ devi svayaṃ devaḥ svayaṃ śiṣyaḥ svayaṃ guruḥ |
svayaṃ dhyānaṃ svayaṃ dhyātā svayaṃ sarveśvaro guruḥ || 118 ||
Vers 119
sarvajñaḥ sarvamāsṛtya sarvato hitalakṣaṇaḥ |
sarvayoginī tatrasthā sarve siddhāśca tatra vai || 119 ||
Vers 120
sarvaṃ sarvārthakaṃ caiva sarvajñānaśca tatra vai |
yathāsau mahārthañca akulavīramiti smṛtam || 120 ||
Vers 121
śabdaḥ sparśo raso rūpaṃ gandho vadyāṇipama ca (?) |
sarve bhīrāśca (?) tatraiva ye pralīnāḥ pralayaṃ gatāḥ || 121 ||
Vers 122
nādhāre dhyeyalakṣye ca na nādagocare pare |
na hṛdi nābhikaṇṭhe vā vaktre ghaṇṭikarandhrayoḥ || 122 ||
Vers 123
na iḍā piṅgalā caiva suṣmaṇā ca gamāgamaiḥ |
na nābhicakre kaṇṭhe ca na śire binduke tathā || 123 ||
Vers 124
cakṣukarṇonmīlanaṃ naivaṃ nāsikāgranirīkṣaṇe |
na pūrake kumbhake caiva recake ca tathā punaḥ || 124 ||
Vers 125
na bindubhedagranthau ca lalāṭe na ca candramāḥ |
praveśe nirgame caiva śikhā ūrddhve na binduke || 125 ||
Vers 126
na karairna sarairmudraiḥ nākāśe vāyumaṇḍale |
na cāpe candrasūrye ca bhāvābhāve samāgame || 126 ||
Vers 127
anaupamyaṃ nirālambaṃ pakṣāpakṣavivarjitam |
ajñānamalagrastātmā mahāmāyāvimohitāḥ || 127 ||
Vers 128
śāstrārthena vimuḍhātmā mohitā viduṣo janāḥ |
na vidanti padaṃ śāntaṃ kaivalyaṃ niṣkriyaṃ gurum || 128 ||
Vers 129
saṃkhyādayaśca ye kecit nyāyavaiśeṣikāstathā |
bauddhārahantāśca ye kecit somasiddhāntadakṣiṇāḥ || 129 ||
Vers 130
mīmāṃsā pañcarātrañca vāmadakṣiṇakaulikāḥ |
itihāsapurāṇāni bhūtatattvañca gāruḍam || 130 ||
Vers 131
ete caiva samāḥ sarve kecit vā('pi) kriyānvitāḥ |
vikalpasiddhidāḥ sarve tadvidurna ca paṇḍitāḥ || 131 ||
Vers 132
vikalpabahulāḥ sarve mithyāvādanirarthakāḥ |
na te mucyanti saṃsāre akulavīravivarjitāḥ || 132 ||
Vers 133
yāni kāni ca sthānāni girirnagarasāgaram |
sarvatra saṃsthitaṃ nityaṃ sthāvare jaṅgameṣu ca || 133 ||
Vers 134
pañcabhūtātmakaṃ sarve yat kiñcit sacarācaram |
śivādyadevaparyantaṃ sarvaṃ tatraiva saṃsthitam || 134 ||
Vers 135
īdṛśaṃ yoginaṃ dṛṣṭvā upasarpanti ye narāḥ |
gandhaiḥ puṣpaiśca dhūpaiśca khānapānādibhakṣaṇaiḥ || 135 ||
Vers 136
tarpayanti ca ye bhaktāstrividhaiścaivāntarātmanā |
te'pi bandhaiḥ pramucyanti muktimārgī na (?) kāṅkṣiṇaḥ || 136 ||
Vers 137
brahmendraviṣṇurudrañca arahantā buddhameva ca |
viṣākhyo mayūrākṣa (?) ye ca ṛṣayastapodhanāḥ || 137 ||
Vers 138
devādibhyo narendrāśca ye cānye mokṣakāṅkṣiṇaḥ |
te (sarve) mokṣamicchanti akulavīrantu mokṣadam || 138 ||
Vers 139
athānyaṃ saṃpravakṣyāmi bhinnāvasthāṃ svabhāvagaḥ |
pūrvaṃ yaduktā sarve anvayamārge tvakaulike (?) || 139 ||
Vers 140
- * * * * * * * * * * * * * * * |
- * * * * * * * * * * nātra saṃśayaḥ |
paramāmṛtasantṛptāḥ sahajānandaṃ ca kevalam || 140 ||
Vers 141
na jarāsteṣāṃ na mṛtyuśca na śoko duḥkhameva ca |
sarvavyādhiharaścaiva na punarbhavasaṃbhavaḥ || 141 ||
Vers 142
akulavīraṃ sthitaṃ divyaṃ siddhanāthaprasādataḥ |
sarvataḥ sarvadā śuddhaḥ sarvataḥ sarvadā prabhuḥ || 142 ||
Kolophon
iti macchendrapādāvatārite kāmarūpisthāne yoginī prasādāllabdha(m) akulavīraṃ samāptam ||
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
Einleitende Verehrung
श्रीमच्छन्दपादकेभ्यो नमः |
श्रीमीनसहजानन्दं स्वकीयाङ्गसमुद्भवम् |
सर्वमाधारगम्भीरमचलं व्यापकं परम् |
मायामलविनिर्मुक्तं मीननाथं नमाम्यहम् ||
Erster erhaltener Abschnitt – Verse 1–51
Vers 1
अथातः सम्प्रवक्ष्यामि अकुलवीरं महद्भूतम् |
गुह्याद् गुह्यतरं गुह्यं सिद्धसद्भावसन्ततिः || १ ||
Vers 2
अनुग्रहाय लोकानां सिद्धनाथेन भाषितम् |
गोपनीयं प्रयत्नेन यदीच्छन् शाश्वतं पदम् || २ ||
Vers 3
संसारार्णवमग्नानां भूतानां महदाश्रयम् |
यथा नदीनदाः सर्वे सागरे समुपागताः || ३ ||
Vers 4
तथा अकुलवीरेषु सर्वधर्मा लयङ्गताः |
सर्वाधारमशेषस्य जगतः सर्वदा प्रभुः || ४ ||
Vers 5
सहजानन्दं न विन्दन्ति सर्वधर्मसमासृताः |
अजानन्तमलैर्ग्रस्ता महामायान्धच्छादिताः || ५ ||
Vers 6
शास्त्रजालेन सन्तुष्टा मोहितास्त्यजयन्तिताः (?) |
न विन्दन्ति पदं शान्तं कौलानां निष्कलं गुरुम् || ६ ||
Vers 7
संवादयन्ति ये केचिन् न्यायवैशेषिकास्तथा |
बौधास्तु अरिहन्ता ये सोमसिद्धन्तवादिनः || ७ ||
Vers 8
मीमांस पञ्चस्रोताश्च वामसिद्धान्तदक्षिणाः |
इतिहासपुराणञ्च भूततत्वन्तु गारुडम् || ८ ||
Vers 9
एभिः शैवागमैः सर्वैः परोक्षञ्च क्रियान्वितैः |
सविकल्पसिद्धिसञ्चारं तत् सर्वं पापबन्धवित् || ९ ||
Vers 10
विकल्पबहुलाः सर्वैर्मिथ्यावादा निरर्थकाः |
न ते मुञ्चन्ति संसारे अकुलवीरविवर्जिताः || १० ||
Vers 11
सर्वज्ञं सर्वमासृत्य सर्वतो हितलक्षणम् |
सर्वेषां सिद्धिस्तत्रस्था सर्वसिद्धिञ्च तत्र वै || ११ ||
Vers 12
यत्रासौ अकुलवीरो दृश्यते सर्वतोमुखम् |
तं विदित्वा परं रूपं मनो निश्चलतां व्रजेत् || १२ ||
Vers 13
शब्दरूपरसस्पर्शगन्धञ्चैवात्र पञ्चमम् |
सर्वभावाश्च तत्रैव प्रलीणाः प्रलयं गताः || १३ ||
Vers 14
भावाभावविनिर्मुक्त उदयास्तमनवर्जितः |
स्वभावमतिमतं शान्तं मनो यस्य मनोमयम् || १४ ||
Vers 15
अकुलवीरमिति ख्यातं सर्वाधारपरापरम् |
नाधारलक्षभेदन्तु न नादगोचरे पठेत् || १५ ||
Vers 16
हृदि स्थाने न वक्त्रे च घण्टिका तालरन्ध्रके |
न इडा पिङ्गला शान्ता न चास्तीति गमागमे || १६ ||
Vers 17
न नाभिचक्रकण्ठे च न शिरे नैव मस्तके |
तथा चक्षुरुन्मीलने च न नासाग्रनिरीक्षणे || १७ ||
Vers 18
न पूरककुम्भके तत्र रेचके (च) तथा पुनः |
न बिन्दुभेदके ग्रन्थौ ललाटे न तु वह्निके || १८ ||
Vers 19
प्रवेशनिर्गमे नैव नावाहनविसर्जनम् |
न करणैर्नासनं मुद्रैर्नामासे भिन्नतालुके (?) || १९ ||
Vers 20
न निरोधो न चोद्धारो नातीतां चालनं न हि |
न प्रेर्यप्रेरकञ्चैव न स्थानन्नैव चाश्रयम् || २० ||
Vers 21
न चात्मनैव तद् ग्राह्यं ग्राह्यातीतपदं भवेत् |
एतत् पक्षविनिर्मुक्तं हेतुदृष्टान्तवर्जितम् |
सबाह्याभ्यन्तरन्तत्र एकोच्चारं चराचरम् || २१ ||
Vers 22
न दूरे न च वै निकटे न भरितो न च रिक्तक(ः) |
न उन्नो न सोऽधिक एभिः पक्षैर्विवर्जितम् || २२ ||
Vers 23
यश्च विंशात्मको ह्येष पुद्गल नास्ति यत्र वै |
यत्र लक्षं न विद्येत अकुलवीर स उच्यते || २३ ||
Vers 24
यस्यैवं संस्थितं कश्चित् समरस संस्थितः |
स ब्रह्मा सो हरिश्चेशः स रुद्रो स च ईश्वरः || २४ ||
Vers 25
स शिवः परमदेवः स सोमार्काग्निकस्तथा |
स च सांख्यः पुराणाश्च अर्हन्तबुद्ध एव च || २५ ||
Vers 26
स्वयं देवी स्वयं देवः स्वयं शिष्यः स्वयं गुरुः |
स्वयं ध्यानं स्वयं ध्याता स्वयं सर्वत्र देवता || २६ ||
Vers 27
यादृशेन तु भावेन पुरुषो भावयेत् सदा |
तादृशं फलमा(व)प्नोति नात्र कार्यविचारणात् || २७ ||
Vers 28
अस्यैव हि नामानि पृथग्भूतानि योगिभिः |
अनाम तस्य गीयन्ते भ्रान्तिज्ञानविमोहितैः || २८ ||
Vers 29
धर्माधर्मसमाक्लिष्टाविकल्पतमश्छादिताः |
तेन मुञ्चन्ति संसारं नरकं योनिसंकुलम् || २९ ||
Vers 30
अकुलवीरं महद्भूतं यदा पश्यन्ति सर्वगम् |
स बाह्याभ्यन्तरे नित्यं एकाकारं चराचरम् || ३० ||
Vers 31
निस्तरङ्गं निराभासं पदभेदविवर्जितम् |
सर्वावयवनिर्मुक्तं निर्लयं निर्विकारजम् || ३१ ||
Vers 32
अदृष्टनिर्गुणं शान्तं तत्त्वातीतं निरञ्जनम् |
सर्वज्ञं परिपूर्णञ्च स्वभावश्चैवमक्षयम् || ३२ ||
Vers 33
कार्यकारणनिर्मुक्तमचिन्त्यमनामयम् |
मायातीतं निरालम्बं व्यापकं सर्वतोमुखम् || ३३ ||
Vers 34
समत्वं एकभूतञ्च ऊहापोहविवर्जितम् |
अकुलवीरं महद्भूतम् अस्तिनास्तिविवर्जितम् || ३४ ||
Vers 35
न मनो न च वै बुद्धिर्न चिन्ताचेतनादिकम् |
न कालः कलनाशक्तिर्न शिवो न च इन्द्रियः || ३५ ||
Vers 36
न भूते गृह्यते सो हि न सुखं दुःखमेव च |
न रसो हि न सुखं दुःखमेव च (?) || ३६ ||
Vers 37
न रसो विरसश्चैव न कृतो न च जायते |
न च्छाया न च तापस्तु न शीतो न च उष्णवान् || ३७ ||
Vers 38
न (दृश्यते मन्) स्तत्र उदयास्तमनवर्जितम् |
न सीमा दृश्यते तत्र न च तीर्थ्यं न चैव हि (?) || ३८ ||
Vers 39
अद्वैतमचलं शान्तं संगदोषविवर्जितम् |
निराकुलं निर्विकल्पञ्च निबद्धञ्च मलक्षणम् || ३९ ||
Vers 40
अनाथं सर्वनाथञ्च उन्मना मदवर्जितम् |
अनिगूढमसन्धिञ्च स्थावरं जङ्गमेव च || ४० ||
Vers 41
ज्वलज्ज्वलनभूम्या च आपोञ्चैव तथैव च |
सर्वं समरसं पूर्णं अकुलवीरन्तु केवलम् || ४१ ||
Vers 42
यस्यैषा संस्थिता मुक्तिः स मुक्तो भवबन्धनात् |
न तस्य मातापिता (वा)बान्धवं न च देवता || ४२ ||
Vers 43
न यज्ञं नोपवासञ्च न क्रिया वर्णभेदकम् |
त्यक्त्वा विकल्पसंघातम् अकुलवीरलयं गताः || ४३ ||
Vers 44
न जपो नार्चनं स्नानं न होमं नैव साधनम् |
अग्निप्रवेशनं नास्ति हेमन्तभृगु नोदनम् || ४४ ||
Vers 45
नियमोऽपि न तस्यास्ति नोपवासो विधीयते |
पितृकार्यं न करोताति तीर्थयात्राव्रतानि च || ४५ ||
Vers 46
धर्माधर्मफलं नास्ति न स्नानं नोदकक्रिया |
स्वयं त्यज सर्वकार्याणि लोकाचाराणि यानि च || ४६ ||
Vers 47
समयाचारविचारञ्च कृतका बन्धकानि तु |
संकल्पञ्च विकल्पञ्च ये चान्ये किल धर्मिणः || ४७ ||
Vers 48
भवे योगी निराचारो पशुचारविवर्जितः |
सिद्धिश्च विविधाकारा पाताले च रसायनम् || ४८ ||
Vers 49
प्रत्यक्षञ्च या लब्धं न गृह्नीयात् कदाचन |
सर्वञ्च पाशजालञ्च अधोमार्गप्रदायकः || ४९ ||
Vers 50
एतेषु मोचना नास्ति अकुलवीरविवर्जिताः |
यथा मृताः (न) जानन्ति स्वादं कटुमधुरस्य तु || ५० ||
Vers 51
तथा अकुलवीरन्तु न जानन्ति स्वभावगम् |
यथा मदिरा महान्तस्य कथितं नेवशकृते (?) || ५१ ||
Überlieferungslücke
Page 89 to 96 missing
Zweiter erhaltener Abschnitt – in der Quelle erneut Verse 39–142
Vers 39
रहस्यपरमानन्दमतिगुह्यं सुगोपितम् |
लोकानां च हितार्थाय सिद्धनाथेन भाषितम् || ३९ ||
Vers 40
निर्विकल्पं पदं शान्तं यत्र लीनं परापरम् |
मोक्षस्य तन्महास्थानं मन्त्ररूपविवर्जितम् || ४० ||
Vers 41
तत्रैव सृष्टिरूपेण पुनस्तत्र लयं गता |
किन्तेन बहुनोक्तेन सर्वबन्धविवर्जितम् || ४१ ||
Vers 42
अकुलवीरं यदा लब्धं तदा किं कौलिकैः क्रमैः |
लब्ध्वा तु मोक्षसद्भावम् अकुलवीरं मलापहम् || ४२ ||
Vers 43
कौलमार्गे द्वयो सन्ति कृतका सहजा तथा |
कुण्डली कृतका ज्ञेया सहजा समरसे स्थिता || ४३ ||
Vers 44
प्रेर्यप्रेरकभावस्था कृतका साऽभिधीयते |
ततः स पातयेद् भूमौ मुद्रामन्त्रैर्नियोजितैः || ४४ ||
Vers 45
आहुते पतने चान्ये कर्णजापेन धूपकैः |
एतत् साध्यमिदं तत्त्वं (एतद्) ध्यानञ्च धारणा || ४५ ||
Vers 46
अनेकैः कर्मसंघातैः नानामार्गविभावनैः |
विकल्पकललोल्लोला उद्भ्रान्ता भ्रान्तचेतसः || ४६ ||
Vers 47
हृदि शोकेन सन्तप्ता व्यासङ्गाच्च महाभयैः |
हर्षविषादसम्पन्ना शोच्यमाना मुहुर्मुहुः || ४७ ||
Vers 48
तावद्भ्रमन्ति संसारे कल्पाकल्पैर्भवार्णवैः |
दग्धबीजेषु संभूतिर्यथा नैव प्रजायते || ४८ ||
Vers 49
मूलछिन्ने यथा वृक्षे न प्ररोहं विद्यते |
अकुलवीरगतं भिन्नं नानाभावानुबन्धनैः || ४९ ||
Vers 50
न बध्यते यथा विमले रसं विप्रलयं गतम् |
तद्वद्कुलवीरे च सत्त्वे भ्राभ्राख्य यद्गतः (?) || ५० ||
Vers 51
तिमिरेण यथाच्छन्नमुदितार्कं न पश्यति |
अज्ञानमनस्तद्वद् भ्रान्तिजालविमोहिता || ५१ ||
Vers 52
अकुले वीरे च सम्प्राप्ते सर्वमेतद्विनश्यति |
दधिमध्ये यथा सर्पिः काष्ठे चाग्निः स्थितो यथा || ५२ ||
Vers 53
पुष्पे गन्धस्तिले तैलं वृक्षे छाया समाश्रिता |
मद्यमध्ये यथानन्दं दीपे प्रभा समाश्रिता || ५३ ||
Vers 54
पद्ममध्ये च कुण्डल्या अङ्गप्रत्यङ्गमेव च |
रक्तार्थाकुलवीरे (?) च तत्सर्वं विनियोजितम् || ५४ ||
Vers 55
भावाऽभावादिसंयुक्तैः प्रत्ययैर्दृष्टिगोचरैः |
अकुलवीरं न जानन्ति कृतकैर्मोहितात्मनः || ५५ ||
Vers 56
पाशजालनिबद्धाश्च महामायाविमोहिताः |
न जानन्ति पदं शान्तमचिन्त्यं नित्यसम्भवः || ५६ ||
Vers 57
सर्वव्यापिभावस्थं स्थानवर्णविवर्जितम् |
सर्वभूतस्थितं ह्येकमध्येयं ध्येयवर्जितम् || ५७ ||
Vers 58
स च सर्वगतो भावः स्थिरे पूर्णे निरन्तरे |
तत्र मनो विलीनन्तु अचलं भवतन्मयम् || ५८ ||
Vers 59
मनोवृद्धिस्तथा चिन्त्यं क्षिप्ता तन्मयतां गता |
यथा तिष्ठति तत्त्वस्थः शिवनिष्कलमव्यये || ५९ ||
Vers 60
तदा तन्मयतां याति निर्मलं निश्चलं पदम् |
अकुलवीरं महद्भुतमेकवीरं च सर्वगम् || ६० ||
Vers 61
दुर्लभं सुरसिद्धानां योगिनीनाञ्च गोचरम् |
केचिद् वदन्तीदं धर्ममिदं शास्त्रमिदं तपः || ६१ ||
Vers 62
अयं लोकमिमं स्वर्गमिदं साध्यमिदं फलम् |
इदं ज्ञानञ्च विज्ञानं शुद्धाशुद्धमिदं परम् || ६२ ||
Vers 63
ज्ञेयञ्च तत्त्वकूटञ्च यत्र ध्यानञ्च धारणा |
तदासौ योगिनी ह्येकः नान्यस्तु हि द्वितीयकः || ६३ ||
Vers 64
(अ)नागतन्तु गतञ्चैव न गच्छेन्न च तिष्ठति |
न भूतं न भविष्यञ्च स्थितिप्रलयवर्जितम् || ६४ ||
Vers 65
न चाहं प्रचितैर्दोषैः लिप्यते न कदाचन |
नाहं कश्चिन्न मे कश्चिन्न बद्धो न च बाधकः || ६५ ||
Vers 66
न मुक्तो वै न च न मुक्तमे (?) मोक्षस्य च स्पृहा |
गच्छंस्तिष्ठन् स्वपन् जाग्रद्भूञ्जानो मैथुनेऽपि वा || ६६ ||
Vers 67
भयदारिद्रशोकैश्च विविधैर्भक्षणैस्तथा |
चिकित्सा नैव कुर्वीत इन्द्रियार्थैः कदाचन || ६७ ||
Vers 68
आचरेत् सर्ववर्णैस्तु न तु भक्ष्यं विचारयेत् |
एवं स चरते योगी यथारण्ये हुताशनः || ६८ ||
Vers 69
पिण्डबधाञ्च नानास्ति अवस्था मूर्खवासनाम् (?) |
सोमशून्यस्तथा वह्निप्राणायामविवर्जितम् || ६९ ||
Vers 70
अप्रमेयनिराभासं धारणाध्यानवर्जितम् |
येन जन्मसहस्राणि भक्त्या संपूजितो गुरुः || ७० ||
Vers 71
ते लभन्ति महाज्ञानं अकुलवीरन्तु मोक्षदम् |
योगिनीराकिणीचक्रे यस्य भक्तिः सुनिश्चला || ७१ ||
Vers 72
अकुलवीरं महद्भूतं गम्भीरं गहनामयम् |
पिण्डातीतं यदा ज्ञेयमपिण्डं पिण्डवर्जितम् || ७२ ||
Vers 73
पदव्यञ्जननिर्मुक्तं विमलं सततोदितम् |
तल्लीने तन्मयात्मानं विन्दते श्वाश्वतं पदम् || ७३ ||
Vers 74
चिन्तातीतं भवेत् सो हि योगसंयोगवर्जितम् |
निर्वाणं वासनाहीनं तृप्तात्मा च निरामयः || ७४ ||
Vers 75
तेन लब्धा न सन्देहोऽमला मलच्छेदनाः |
तस्य प्रवर्तते क्षिप्रं तस्यैव सर्वसर्वगम् || ७५ ||
Vers 76
वेदसिद्धान्तशास्त्राणि नानाविधानि शिखानि च |
तानि सर्वाणि मोहानि कायक्लेशैर्निरर्थकम् || ७६ ||
Vers 77
विद्याहङ्कारग्रस्तास्तु गर्विताः कुगतिं गताः |
अनर्थेन च सन्तुष्टा बहुग्रन्थार्थचिन्तकाः || ७७ ||
Vers 78
अकुलवीरं न विन्दन्ति कृतकैर्मोहितात्मनः |
गर्वितानां कुतो ज्ञानं ग्रन्थकोटिशतैरपि || ७८ ||
Vers 79
कर्पूरकुङ्कुमादीनां वस्त्रताम्बूलमेव च |
खरवद्भवति तद्भारं सर्वं तस्य निरर्थकम् ||
अकुलवीरञ्च देहस्थं यदा पश्यति सर्वगम् || ७९ ||
Vers 80
धर्माधर्मफलं नास्ति नोदकं तीर्थसेवना |
न क्रिया सत्यशौचं वा कर्मकाण्डे न भावना || ८० ||
Vers 81
न तस्य कर्मकर्माणि लोकाचाराणि यानि च |
चरिताः समयाचारा जनैर्भ्रान्तिविमोहितैः || ८१ ||
Vers 82
अकुलवीरं न जानन्ति किं विशिष्टं कुतः स्थितम् |
कृतका बन्धना लोके कल्पिताश्च कुपण्डितैः || ८२ ||
Vers 83
संकल्पविकल्पञ्च कलाकर्माणि यानि च |
सिद्धयो विविधा लोके पातालं च रसायनम् || ८३ ||
Vers 84
प्रत्यक्षञ्च यदा लब्धं न विगृह्णीयात् कदाचन |
सर्वे ते पाशबद्धश्च अधोमार्गप्रदायकाः || ८४ ||
Vers 85
न चैतैर्मुक्तिः संसारे अकुलं वीरवर्जिताः |
यथा मदिरमानन्दं कथितं नैव जायते || ८५ ||
Vers 86
तद्वदकुलवीराख्यं स्वसंवेद्यनिरोपणम् |
न जानन्ति नरा मूढाः सारात् सारतरं परम् || ८६ ||
Vers 87
तावद् भ्रान्तिविमुग्धात्मा यावत्तलं न विन्दति |
चिन्तातीते यदा योगी स योगी योगचिन्तकः || ८७ ||
Vers 88
विरक्ता वासना यस्य तृप्तात्मा च निरामयः |
तावद् भ्रमन्ति मोहात्मा नानाभावानुबन्धनैः || ८८ ||
Vers 89
यावत् सममेकत्वं परमानन्दं न विन्दति |
मूर्खाणां च यथाशास्त्रं कुमारीसुरतिं यथा || ८९ ||
Vers 90
अकुलवीरं विन्दन्ति कथ्यमानैः कुमारिकाः |
दिशवेशविनिर्मुक्तं स्थानवर्णविवर्जितम् || ९० ||
Vers 91
निराकुलं निर्विकल्पं निर्गुणञ्च सुनिर्मलम् |
अनाथं सर्वनाथञ्च प्रमादोन्मादवर्जितम् || ९१ ||
Vers 92
घननिविडनि(ः)सन्धिस्थावरे जङ्गमेषु च |
जले ज्वलने तथा पवने भूम्याकाशे तथैव च || ९२ ||
Vers 93
सर्वत्र समरसं भरितमकुलवीरन्तु केवलम् |
तं ज्ञातं येन देहस्थं स मुक्तः सर्वबन्धनात् || ९३ ||
Vers 94
न तस्य क्रियाबन्धेन न वेद्यं न च वेदना |
न यज्ञो नोपवासश्च न चर्या न क्रियोदयः || ९४ ||
Vers 95
न वर्णो वर्णभेदश्च अकुलवीरं यदागतम् |
न जापो नार्चनाग्नीनां न होमो नैव साधनम् || ९५ ||
Vers 96
नाग्निप्रवेशनन्तस्य मन्त्रपूजाचरणोदकम् |
नियमाश्च न तस्यास्ति क्षेत्रपीठे च सेवनैः || ९६ ||
Vers 97
न क्रिया नार्चनाकाद्यैर्न तीर्थानि व्रतानि च |
निरालम्बपदं शान्तं तथातीतं निरञ्जनम् || ९७ ||
Vers 98
सर्वज्ञपरिपूर्णञ्च स्वभावेन विलक्ष्यते |
कार्यकारणनिर्मुक्तमचिन्तितञ्च अनामयम् || ९८ ||
Vers 99
मायातीतं निरालम्बं व्यापकं सर्वतोमुखम् |
स्वदेहे संस्थितं शान्तमकुलवीरं तदुच्यते || ९९ ||
Vers 100
समस्तमेकदाभूतं द्वैताभावविवर्जितम् |
अकुलवीरं महद्भूतमस्तिनास्तिविवर्जितम् || १०० ||
Vers 101
मनोबुद्धिचित्तस्तचित्ता नैव स्वचेतना (?) |
न कालकलना चैव न शक्तिश्च न चेन्द्रियः || १०१ ||
Vers 102
न भूते गृह्यते सो हि न दुःखं सुखमेव च |
न रसोऽधिरसश्चैव कृतकं नैव कारकम् || १०२ ||
Vers 103
न च्छाया नातपो वह्निर्न च शीतोष्णवेदना |
न दिनं रात्रिमित्युक्तमुदयास्तमनवर्जितम् || १०३ ||
Vers 104
न मनो दृश्यते तत्र नोर्द्धमध्यं च ज्ञायते |
अक्षोभ्यमचलं शान्तमीदृशं तत्त्वनिर्णयम् || १०४ ||
Vers 105
यादृशेन तु भावेन पुरुषो भावयेत् सदा |
तादृशं फलमाप्नोति नात्र कार्यविचारणात् || १०५ ||
Vers 106
एवञ्च कुलसद्भावमवाच्यं परमामृतम् |
अगम्यं गम्यते कस्माद् भ्रान्तिज्ञानविमोहिताः || १०६ ||
Vers 107
न दूरे निकटे चैव प्रत्यक्षं न परोक्षता |
न भरितो न रिक्तो वा निपुणो नापि चाधिकः || १०७ ||
Vers 108
एतत् पक्षविनिर्मुक्तो हेतुदृष्टान्तवर्जितः |
कृतकैर्मोहिता मूढाः कर्मकाण्डरतास्तु ये || १०८ ||
Vers 109
न तेषां मुक्तिः संसारे नरके योनिसंकुले |
अकुलवीरं महद्भूतं यदा पश्यति सर्वगम् || १०९ ||
Vers 110
सबाह्याभ्यन्तरैकत्वं सर्वत्रैव व्यवस्थित(म्) |
निस्तरङ्गं निराभासं पदच्छेदविवर्जितम् || ११० ||
Vers 111
सर्वावयवनिर्मुक्तं निर्विकारञ्च निर्मलम् |
अदृश्यं निर्गुणं नित्यं निर्णिरोधञ्च निश्चलम् || १११ ||
Vers 112
न ध्यानं धारणा नैव न स्थानं वर्णमेव च |
न रेचकं पूरकञ्चैव नरोद्घातञ्च (?) कुम्भकम् || ११२ ||
Vers 113
न चान्तमादिमध्यस्थं न सतो वृद्धिरेव च |
ग्राह्यग्राहकनिर्मुक्तग्रन्थातीतञ्च यद्भवेत् || ११३ ||
Vers 114
एतैः सर्वैर्विनिर्मुक्तं हेतुदृष्टान्तवर्जितम् |
सबाह्याभ्यन्तरैकत्वं सर्वत्रैव व्यवस्थितम् || ११४ ||
Vers 115
समरसानन्दरूपेण एकाकारं चराचरे |
ये च ज्ञातं स्वदेहस्थमकुलवीरं महद्भूतम् || ११५ ||
Vers 116
यस्या (?) वशं स्थितः कश्चित् समरसं रससंस्थितम् |
स ब्रह्मा स हरिश्चैव स रुद्रञ्चै(वे)श्वरस्तथा || ११६ ||
Vers 117
स शिवः शाश्वतो देवः स च सोमार्कशङ्करः |
स विशाख्यो मयूराक्षो अर्हन्तो बुधमेव च || ११७ ||
Vers 118
स्वयं देवि स्वयं देवः स्वयं शिष्यः स्वयं गुरुः |
स्वयं ध्यानं स्वयं ध्याता स्वयं सर्वेश्वरो गुरुः || ११८ ||
Vers 119
सर्वज्ञः सर्वमासृत्य सर्वतो हितलक्षणः |
सर्वयोगिनी तत्रस्था सर्वे सिद्धाश्च तत्र वै || ११९ ||
Vers 120
सर्वं सर्वार्थकं चैव सर्वज्ञानश्च तत्र वै |
यथासौ महार्थञ्च अकुलवीरमिति स्मृतम् || १२० ||
Vers 121
शब्दः स्पर्शो रसो रूपं गन्धो वद्याणिपम च (?) |
सर्वे भीराश्च (?) तत्रैव ये प्रलीनाः प्रलयं गताः || १२१ ||
Vers 122
नाधारे ध्येयलक्ष्ये च न नादगोचरे परे |
न हृदि नाभिकण्ठे वा वक्त्रे घण्टिकरन्ध्रयोः || १२२ ||
Vers 123
न इडा पिङ्गला चैव सुष्मणा च गमागमैः |
न नाभिचक्रे कण्ठे च न शिरे बिन्दुके तथा || १२३ ||
Vers 124
चक्षुकर्णोन्मीलनं नैवं नासिकाग्रनिरीक्षणे |
न पूरके कुम्भके चैव रेचके च तथा पुनः || १२४ ||
Vers 125
न बिन्दुभेदग्रन्थौ च ललाटे न च चन्द्रमाः |
प्रवेशे निर्गमे चैव शिखा ऊर्द्ध्वे न बिन्दुके || १२५ ||
Vers 126
न करैर्न सरैर्मुद्रैः नाकाशे वायुमण्डले |
न चापे चन्द्रसूर्ये च भावाभावे समागमे || १२६ ||
Vers 127
अनौपम्यं निरालम्बं पक्षापक्षविवर्जितम् |
अज्ञानमलग्रस्तात्मा महामायाविमोहिताः || १२७ ||
Vers 128
शास्त्रार्थेन विमुढात्मा मोहिता विदुषो जनाः |
न विदन्ति पदं शान्तं कैवल्यं निष्क्रियं गुरुम् || १२८ ||
Vers 129
संख्यादयश्च ये केचित् न्यायवैशेषिकास्तथा |
बौद्धारहन्ताश्च ये केचित् सोमसिद्धान्तदक्षिणाः || १२९ ||
Vers 130
मीमांसा पञ्चरात्रञ्च वामदक्षिणकौलिकाः |
इतिहासपुराणानि भूततत्त्वञ्च गारुडम् || १३० ||
Vers 131
एते चैव समाः सर्वे केचित् वा(ऽपि) क्रियान्विताः |
विकल्पसिद्धिदाः सर्वे तद्विदुर्न च पण्डिताः || १३१ ||
Vers 132
विकल्पबहुलाः सर्वे मिथ्यावादनिरर्थकाः |
न ते मुच्यन्ति संसारे अकुलवीरविवर्जिताः || १३२ ||
Vers 133
यानि कानि च स्थानानि गिरिर्नगरसागरम् |
सर्वत्र संस्थितं नित्यं स्थावरे जङ्गमेषु च || १३३ ||
Vers 134
पञ्चभूतात्मकं सर्वे यत् किञ्चित् सचराचरम् |
शिवाद्यदेवपर्यन्तं सर्वं तत्रैव संस्थितम् || १३४ ||
Vers 135
ईदृशं योगिनं दृष्ट्वा उपसर्पन्ति ये नराः |
गन्धैः पुष्पैश्च धूपैश्च खानपानादिभक्षणैः || १३५ ||
Vers 136
तर्पयन्ति च ये भक्तास्त्रिविधैश्चैवान्तरात्मना |
तेऽपि बन्धैः प्रमुच्यन्ति मुक्तिमार्गी न (?) काङ्क्षिणः || १३६ ||
Vers 137
ब्रह्मेन्द्रविष्णुरुद्रञ्च अरहन्ता बुद्धमेव च |
विषाख्यो मयूराक्ष (?) ये च ऋषयस्तपोधनाः || १३७ ||
Vers 138
देवादिभ्यो नरेन्द्राश्च ये चान्ये मोक्षकाङ्क्षिणः |
ते (सर्वे) मोक्षमिच्छन्ति अकुलवीरन्तु मोक्षदम् || १३८ ||
Vers 139
अथान्यं संप्रवक्ष्यामि भिन्नावस्थां स्वभावगः |
पूर्वं यदुक्ता सर्वे अन्वयमार्गे त्वकौलिके (?) || १३९ ||
Vers 140
- * * * * * * * * * * * * * * * |
- * * * * * * * * * * नात्र संशयः |
परमामृतसन्तृप्ताः सहजानन्दं च केवलम् || १४० ||
Vers 141
न जरास्तेषां न मृत्युश्च न शोको दुःखमेव च |
सर्वव्याधिहरश्चैव न पुनर्भवसंभवः || १४१ ||
Vers 142
अकुलवीरं स्थितं दिव्यं सिद्धनाथप्रसादतः |
सर्वतः सर्वदा शुद्धः सर्वतः सर्वदा प्रभुः || १४२ ||
Kolophon
इति मच्छेन्द्रपादावतारिते कामरूपिस्थाने योगिनी प्रसादाल्लब्ध(म्) अकुलवीरं समाप्तम् ||
Zusammenfassende deutsche Übersetzung
Das Akulavira Tantra beginnt mit der Verehrung Mīnanāthas und kündigt eine besonders geheime Lehre an. Akulavīra soll für Menschen, die im Ozean des Saṃsāra versunken sind, eine Zuflucht sein. Wie alle Flüsse im Ozean zusammenlaufen, sollen alle begrenzten Dharmas in dieser höchsten Wirklichkeit zur Ruhe kommen.
Der Text kritisiert dabei ausdrücklich die Fixierung auf philosophische Schulen, Ritualsysteme und bloßes Schriftwissen. Nyāya, Vaiśeṣika, buddhistische und jainistische Strömungen, Mīmāṃsā, Śaiva-Āgamas, Purāṇas und verschiedene tantrische Wege werden genannt. Die Aussage ist bewusst radikal: Solange Erkenntnis nur aus Vikalpas – begrifflichen Unterscheidungen – besteht, bleibt sie begrenzt.
Der Kern der Lehre ist nicht die Ablehnung einer einzelnen Schule, sondern die Überschreitung aller begrenzten Standpunkte. Akulavīra ist weder fern noch nah, weder voll noch leer, weder Sein noch Nichtsein. Es ist nicht einfach ein Objekt der Meditation.
Besonders eindrucksvoll ist die lange Reihe von Verneinungen: Akulavīra befindet sich nicht ausschließlich im Herzen, Nabel, Hals oder Scheitel; es ist nicht identisch mit Iḍā, Piṅgalā oder Suṣumṇā; nicht mit Pūrakā, Kumbhaka oder Recaka; nicht mit Mudrā, Āsana oder einem bestimmten inneren Lichtpunkt. Der Text führt damit jede technische Fixierung an ihre Grenze.
Gleichzeitig ist Akulavīra keineswegs ein leeres Nichts. Es wird als allgegenwärtig, vollkommen, friedvoll und unvergänglich beschrieben. Es ist in Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum, im Beweglichen und Unbeweglichen. Es ist im eigenen Körper gegenwärtig.
Diese Erkenntnis gipfelt in einer bemerkenswerten Nichtdualität: Der Verwirklichte ist selbst Gott und Göttin, Schüler und Guru, Meditation und Meditierender. Brahmā, Viṣṇu, Rudra und Śiva werden nicht als getrennte letzte Wirklichkeiten behandelt, sondern als Erscheinungsformen dieses einen Samarasya.
Ein weiterer Hauptbegriff ist Sahaja. Der Text unterscheidet zwischen einer kṛtakā – gemachten, methodisch erzeugten – und einer sahajā – natürlichen – Form. Selbst Kundalinī kann, wenn sie nur als etwas technisch zu Bewegendes verstanden wird, noch dem Bereich des Gemachten angehören. Sahaja dagegen ruht bereits in Samarasya.

Daher relativiert der Text sogar Japa, Homa, Pilgerfahrt, Fasten, äußere Reinheitsvorschriften und Siddhis. Diese Aussagen sollten nicht vorschnell als allgemeines Verbot religiöser Praxis gelesen werden. Sie drücken die Perspektive der höchsten Verwirklichung aus: Keine Praxis kann erzeugen, was in Wahrheit immer schon gegenwärtig ist.
Ebenso werden Siddhis und Rasāyana zurückgewiesen, wenn sie neue Bindung erzeugen. Selbst außergewöhnliche Kräfte sollen nicht ergriffen werden. Der Text vergleicht solche Anhaftungen mit einem Netz von Fesseln.
Nach der in der Quelle fehlenden Passage setzt der Text erneut mit dem Lob des höchsten Geheimnisses ein. Besonders eindrucksvoll sind die Gleichnisse: Butter ist bereits in der Milch, Feuer im Holz, Duft in der Blume, Öl im Sesam, Licht in der Lampe. Ebenso ist Akulavīra bereits in allen Erscheinungen verborgen gegenwärtig.
Der Weg besteht daher letztlich im Erkennen und nicht im Herstellen. Wenn der Geist in dieser allgegenwärtigen Wirklichkeit aufgeht, wird er unbeweglich. Das Ergebnis wird als Nirvāṇa, Freiheit von Vāsanās, Erfülltheit und Sahajānanda beschrieben.
Der Text kritisiert auch Stolz auf Gelehrsamkeit. Selbst hundert Millionen Bücher können die unmittelbare Erkenntnis nicht ersetzen. Äußere religiöse Gegenstände – Kampfer, Kuṅkuma, Kleidung oder Betel – werden zur bloßen Last, wenn ihr innerer Sinn nicht erkannt wird.
Die letzten Verse kehren erneut zur Allgegenwart zurück. Berge, Städte und Ozeane, die fünf Elemente, Götter, Menschen und Yogis sind im Akulavīra umfasst. Wer einen in dieser Erkenntnis gegründeten Yogi hingebungsvoll ehrt, soll ebenfalls aus Bindungen herausgeführt werden.
Der Schluss nennt ausdrücklich die Gnade Siddhanāthas und verbindet die Überlieferung mit Macchendrapāda, Kāmarūpa und den Yoginīs. Damit steht die radikale Nichtdualität des Textes zugleich in einer konkreten Guru- und Yoginī-Tradition.
Inspirierende Verse
Alle Wege münden im Einen
yathā nadīnadāḥ sarve sāgare samupāgatāḥ |
tathā akulavīreṣu sarvadharmā layaṅgatāḥ ||
Übersetzung: Wie alle Flüsse in den Ozean eingehen, so gehen in Akulavīra alle begrenzten Dharmas zur Ruhe.
Gott, Göttin, Schüler und Guru
svayaṃ devī svayaṃ devaḥ svayaṃ śiṣyaḥ svayaṃ guruḥ |
svayaṃ dhyānaṃ svayaṃ dhyātā svayaṃ sarvatra devatā ||
Übersetzung: Er selbst ist Göttin und Gott, Schüler und Guru; er selbst ist Meditation, Meditierender und überall die Gottheit.
Jenseits von Sein und Nichtsein
akulavīraṃ mahadbhūtam astināstivivarjitam ||
Übersetzung: Das wunderbare Akulavīra ist frei von den Gegensätzen „es ist“ und „es ist nicht“.
Wie Feuer im Holz
dadhimadhye yathā sarpiḥ kāṣṭhe cāgniḥ sthito yathā |
puṣpe gandhastile tailaṃ vṛkṣe chāyā samāśritā ||
Übersetzung: Wie Butter in der Milch und Feuer im Holz, wie Duft in der Blume, Öl im Sesam und Schatten im Baum verborgen sind, so ist die höchste Wirklichkeit bereits gegenwärtig.
Akulavira im eigenen Körper
svadehe saṃsthitaṃ śāntam akulavīraṃ taducyate ||
Übersetzung: Im eigenen Körper gegenwärtig und friedvoll – das wird Akulavīra genannt.
Ein Geschmack überall
sarvatra samarasaṃ bharitam akulavīrantu kevalam |
Übersetzung: Überall ist alles vom einen Geschmack erfüllt – einzig Akulavīra.
Die Grenzen bloßer Gelehrsamkeit
garvitānāṃ kuto jñānaṃ granthakoṭiśatairapi ||
Übersetzung: Wie sollte für den Stolzen selbst durch hundert Millionen Bücher wahre Erkenntnis entstehen?
Wichtigste Mantras aus der Schrift
Das Akulavira Tantra ist bemerkenswerterweise kein mantrazentrierter Text. Im Gegenteil erklärt der zweite erhaltene Abschnitt das höchste Befreiungsziel ausdrücklich als mantrarūpavivarjitam – „frei von einer Mantra-Gestalt“.
Daher wäre es irreführend, aus einzelnen Versen künstlich eine Liste von Praxis-Mantras zu konstruieren.
Eine echte einleitende Verehrungsformel ist jedoch überliefert:
śrīmacchandapādakebhyo namaḥ
श्रीमच्छन्दपादकेभ्यो नमः
Sinngemäß: Verehrung sei den ehrwürdigen Füßen der Überlieferung beziehungsweise der heiligen Lehrerlinie.
Darauf folgt eine hymnische Verehrung Mīnanāthas:
māyāmalavinirmuktaṃ mīnanāthaṃ namāmyaham
मायामलविनिर्मुक्तं मीननाथं नमाम्यहम्
Übersetzung: Ich verneige mich vor Mīnanātha, der frei von der Unreinheit der Māyā ist.
Diese Formeln stehen am Beginn des Textes. Der eigentliche Schwerpunkt der Schrift liegt jedoch auf unmittelbarer Erkenntnis, Samarasya und Sahajānanda, nicht auf einer ausgeführten Mantra-Sādhana.
Abschluss
Das Akulavira Tantra gehört zu den eindringlichsten Texten radikaler nichtdualer Tantra-Spiritualität. Seine Sprache ist kompromisslos: Das Höchste ist nicht auf einen philosophischen Standpunkt, eine Atemtechnik, ein Cakra, eine Mudrā, ein Ritual oder eine Schrift festzulegen.
Dabei führt der Text nicht in bloßen Nihilismus. Akulavīra wird als voll, allgegenwärtig, friedvoll und natürlich glückselig beschrieben. Die Welt muss nicht vernichtet werden; vielmehr wird ihre zugrunde liegende Samarasya erkannt.
Für Yoga-Aspiranten ist besonders die Unterscheidung zwischen kṛtaka und sahaja inspirierend: Übung kann wichtig sein, doch die höchste Wirklichkeit ist nicht künstlich gemacht. Meditation kann letztlich in ein einfaches Erkennen dessen münden, was schon immer gegenwärtig war.
Eine der tiefsten Aussagen des Textes lautet: Das Gesuchte ist bereits im eigenen Körper und in allen Erscheinungen gegenwärtig. Guru, Schüler, Meditation und Gottheit erscheinen im höchsten Samarasya nicht mehr als voneinander getrennte Wirklichkeiten.
Textgrundlage, Überlieferung und Grenzen der Vollständigkeit
Der Sanskrittext folgt ausschließlich den bereitgestellten Muktabodha-Dateien M00003. Die elektronische Fassung nennt als Werktitel akulavīratantra beziehungsweise akulavīratantram und verbindet das Werk mit Matsyendranātha, auch Matsyendra bzw. Macchagnapāda. Grundlage der E-Text-Fassung ist P. C. Bagchis Ausgabe in der Calcutta Sanskrit Series 3 von 1934, in der das Akulavira Tantra zusammen mit dem Kaulajñānanirṇaya, dem Kulānandatantra und der Jñānakārikā veröffentlicht wurde.
Für die vorliegende Wiki-Fassung ist besonders wichtig, dass die elektronische Vorlage selbst eine echte Überlieferungslücke markiert: Nach Vers 51 steht ausdrücklich „Page 89 to 96 missing“. Auf der folgenden erhaltenen Seite setzt die Verszählung erneut mit Vers 39 ein und läuft anschließend bis Vers 142. Diese ungewöhnliche Doppelzählung wurde bewusst beibehalten und nicht künstlich korrigiert.
Die fehlenden Seiten 89–96 wurden nicht rekonstruiert. Deshalb ist diese Wiki-Fassung eine vollständige Übersetzung des vollständig vorhandenen Quelltextes, nicht aber eine behauptete Rekonstruktion des in der Vorlage fehlenden Materials.
Siehe auch
- Matsyendranath
- Kaulajnananirnaya
- Kaula
- Kula
- Akula
- Sahaja
- Sahajananda
- Samarasa
- Kundalini
- Guru
- Yogini
- Kamarupa
- Shiva
- Shakti
- Advaita
- Moksha
- Nirvana
- Pranayama
- Mudra
- Mantra
- Tantraloka
- Vijnana Bhairava Tantra
- Maharthamanjari
- Paryanta Panchashika
- Kaula Upanishad
Seminare
Meditation
Die Lehre vom stillen, allgegenwärtigen Akulavīra lässt sich besonders über Meditation und Selbsterforschung erschließen.
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Meditation Grundtechniken
Erfahre, wie du mit Meditation deine Gedanken zur Ruhe bringst, neue Energie schöpfst und inneren Frieden findest. Lerne, wie du Hindernisse in der Med…- Madhuka Kuhnle
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Gelassenheit entwickeln - Live Online mit Sukadev
Möchtest du mit mehr Gelassenheit durchs Leben gehen? Machtvolle Techniken aus dem Yoga, um im Alltag inmitten einer Welt voller Veränderungen und inm…- Sukadev Bretz
Kundalini Yoga
Obwohl das Akulavira Tantra die höchste Wirklichkeit über jede einzelne Kundalinī-Technik hinausführt, setzt es sich intensiv mit Kundalinī, Nāḍīs und Prāṇāyāma auseinander.
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
- 13.11.2026 - 15.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Manuel Hirning