Adya Kali Rezitation der hundert Namen
Adya Kali Rezitation der hundert Namen führt durch den vollständigen Namenslobpreis der Kali aus dem Mahanirvana Tantra. Furchterregende und zärtliche Namen stehen nebeneinander: Die Göttin erscheint als Kraft der Zeit, als Befreiung aus Bindungen und als Meer des Mitgefühls.

Umfang der Anleitung: Vollständiger Namenslobpreis 7.12–32 mit Zuordnung, Versübersetzungen und Schlussgebet; eigene Stotra-Sitzung.
Anlass, Voraussetzungen und Material
Für Menschen mit Bezug zur Kali-Verehrung; die rituelle Rezitation mit Bijas erfolgt gemäß der eigenen Unterweisung. Zum verstehenden Lesen und Hören lädt der Text ausdrücklich ein. Benötigt wird nur der ausgeschriebene Text, nach Wunsch ein Bild und ein ruhiger Sitz. Die aufgeführten historischen Stoffe sind Namensinhalte, keine Materialliste für diese Sitzung. Als praktischen Zeitrahmen kannst du etwa 15–25 Minuten einplanen.
1. Ausrichtung und Viniyoga
Sitze ruhig vor einem Kali-Bild oder stelle dir die Göttin im Herzen vor. Nimm die Haltung von Vertrauen und aufmerksamem Hören ein. Sprich die rituelle Zuordnung, hier als Prosa aus Vers 7.11 ausgeschrieben:
asya śrīmadādyākālikāstotrasya sadāśiva ṛṣiḥ |
anuṣṭup chandaḥ | ādyā kālikā devatā |
dharmakāmārthamokṣeṣu viniyogaḥ |
Für diesen Lobpreis der verehrten Adya Kalika ist Sadashiva der Seher, Anushtubh das Versmaß und Adya Kalika die Gottheit. Die Anwendung gilt Dharma, erfülltem Leben und Begehren, Wohlergehen und Befreiung.
Diese Zuordnung wird gesprochen; ein zusätzlicher Körper-Nyasa wird in dieser kurzen Stotra-Anleitung nicht hinzugefügt. Die anfangs und am Ende vorkommenden Bijas sind Klangsilben der Göttin und werden nicht als deutsche Wörter übersetzt.
Yoga-Vidya-Vortrag „Japa – der Weg zu Gott“ als Hintergrund zur Kraft göttlicher Namen.
2. Die Namen vollständig rezitieren
Rezitiere die folgenden Verse 7.12–32 in ihrer Reihenfolge einmal. Nach jedem Vers kannst du kurz bei seiner Bedeutung verweilen. Die Namen werden als zusammenhängender Stotra gelesen, nicht nachträglich in eine erfundene Liste von Opferformeln umgeformt.
hrīṃ kālī śrīṃ karālī ca krīṃ kalyāṇī kalāvatī |
kamalā kalidarpaghnī kapardīśakṛpānvitā || 12 ||
Hrīṃ: Kali; śrīṃ: die Furchterregende; krīṃ: die Heilvolle, die Kunst- und Kraftbegabte, Kamala, die den Hochmut des Kali-Zeitalters zerstört, die dem Herrn mit verfilztem Haar Gnade erweist.
kālikā kālamātā ca kālānalasamadyutiḥ |
kapardinī karālāsyā karuṇāmṛtasāgarā || 13 ||
Kalika, Mutter der Zeit, so leuchtend wie das Feuer am Ende der Zeit; die mit geflochtenem Haar, die Furchterregende im Antlitz, das Meer des Nektars des Mitgefühls.
kṛpāmayī kṛpādhārā kṛpāpārā kṛpāgamā |
kṛśānuḥ kapilā kṛṣṇā kṛṣṇānandavivarddhinī || 14 ||
Die aus Gnade Bestehende, Trägerin der Gnade, deren Gnade grenzenlos ist, die durch Gnade zugänglich ist; das Feuer, die Goldbraune, die Dunkle, die Krishnas Freude vermehrt.
kālarātriḥ kāmarūpā kāmapāśavimocanī |
kādambinī kalādhārā kalikalmaṣanāśinī || 15 ||
Die Nacht der Zeit, die nach Wunsch Gestalt annimmt, die von den Fesseln des Begehrens befreit; die Wolkenschar, Trägerin der Mondsichel, die die Verfehlungen des Kali-Zeitalters vernichtet.
kumārīpūjanaprītā kumārīpūjakālayā |
kumārībhojanānandā kumārīrūpadhāriṇī || 16 ||
Die sich an der Verehrung der Kumari erfreut, die bei den Verehrern der Kumari wohnt, die Freude an der Speisung der Kumari hat, die die Gestalt der Kumari annimmt.
kadambavanasañcārā kadambavanavāsinī |
kadambapuṣpasantoṣā kadambapuṣpamālinī || 17 ||
Die im Kadamba-Wald umhergeht, im Kadamba-Wald wohnt, durch Kadamba-Blüten erfreut wird und eine Girlande aus Kadamba-Blüten trägt.
kiśorī kalakaṇṭhā ca kalanādaninādinī |
kādambarīpānaratā tathā kādambarīpriyā || 18 ||
Die Jugendliche mit lieblicher Stimme, die in süßen Klängen ertönt; die am Trinken von Kadambari Freude hat und Kadambari liebt.
kapālapātraniratā kaṅkālamālyadhāriṇī |
kamalāsanasantuṣṭā kamalāsanavāsinī || 19 ||
Die sich am Schädelgefäß erfreut, die eine Girlande aus Gebeinen trägt; die am Lotussitz Freude hat und auf dem Lotussitz wohnt.
kamalālayamadhyasthā kamalāmodamodinī |
kalahaṃsagatiḥ klaivyanāśinī kāmarūpiṇī || 20 ||
Die inmitten der Lotuswohnung weilt, die sich am Lotusduft erfreut, deren Gang dem eines lieblichen Schwans gleicht; die Kraftlosigkeit beseitigt und nach Wunsch Gestalt annimmt.
kāmarūpakṛtāvāsā kāmapīṭhavilāsinī |
kamanīyā kalpalatā kamanīyavibhūṣaṇā || 21 ||
Die ihren Wohnsitz in Kamarupa genommen hat, die sich am heiligen Ort des Begehrens entfaltet; die Liebliche, die wunscherfüllende Ranke, die lieblichen Schmuck trägt.
kamanīyaguṇārādhyā komalāṅgī kṛśodarī |
kāraṇāmṛtasantoṣā kāraṇānandasiddhidā || 22 ||
Die wegen ihrer lieblichen Eigenschaften verehrt wird, die Zartgliedrige, die Schlanke; die sich am Nektar des Karana erfreut und Vollendung in dessen Seligkeit gewährt.
kāraṇānandajāpeṣṭā kāraṇārcanaharṣitā |
kāraṇārṇavasammagnā kāraṇavratapālinī || 23 ||
Die durch Rezitation in der Seligkeit des Karana erfreut wird, die sich an der Verehrung mit Karana freut, die in dessen Meer eingetaucht ist und das Karana-Gelübde wahrt.
kastūrīsaurabhāmodā kastūrītilakojjvalā |
kastūrīpūjanaratā kastūrīpūjakapriyā || 24 ||
Die sich am Moschusduft erfreut, deren Stirnzeichen aus Moschus leuchtet; die Freude an der Verehrung mit Moschus hat und dessen Darbringer liebt.
kastūrīdāhajananī kastūrīmṛgatoṣiṇī |
kastūrībhojanaprītā karpūrāmodamoditā |
karpūramālābharaṇā karpūracandanokṣitā || 25 ||
Die den Darbringern von Moschus als Räucherwerk eine Mutter ist, die den Moschushirsch erfreut, die am Genuss von Moschus Freude hat; die sich am Kampferduft erfreut, eine Kampfergirlande als Schmuck trägt und mit Kampfer und Sandel gesalbt ist.
karpūrakāraṇāhlādā karpūrāmṛtapāyinī |
karpūrasāgarasnātā karpūrasāgarālayā || 26 ||
Die Freude an Kampfer und Karana hat, die Kampfernektar trinkt, im Kampfermeer gebadet hat und im Kampfermeer wohnt.
kūrcabījajapaprītā kūrcajāpaparāyaṇā |
kulīnā kaulikārādhyā kaulikapriyakāriṇī || 27 ||
Die sich an der Rezitation des Kurcha-Bija erfreut und dem Kurcha-Japa zugewandt ist; die zum Kula gehört, von Kaulas verehrt wird und den Kaulas Liebes erweist.
kulācārā kautukinī kulamārgapradarśinī |
kāśīśvarī kaṣṭahartrī kāśīśavaradāyinī || 28 ||
Die den Kula-Weg verkörpert, die Freudvolle, die den Kula-Weg zeigt; Herrin von Kashi, Beseitigerin der Not, die dem Herrn von Kashi Segen gewährt.
kāśīśvarakṛtāmodā kāśīśvaramanoramā || 29 ||
Die den Herrn von Kashi erfreut und sein Herz entzückt.
kalamañjīracaraṇā kvaṇatkāñcīvibhūṣaṇā |
kāñcanādrikṛtāgārā kāñcanācalakaumudī || 30 ||
Die lieblich klingende Fußglöckchen trägt und mit einem klingelnden Gürtel geschmückt ist; die ihr Haus auf dem goldenen Berg errichtet hat und sein Mondlicht ist.
kāmabījajapānandā kāmabījasvarūpiṇī |
kumatighnī kulīnārtināśinī kulakāminī || 31 ||
Die an der Rezitation des Kama-Bija Freude hat und selbst die Gestalt dieses Bija ist; die verkehrtes Denken beseitigt, das Leid der Kulinas zerstört und die Geliebte des Kula ist.
krīṃ hrīṃ śrīṃ mantravarṇena kālakaṇṭakaghātinī |
ityādyākālikādevyāḥ śatanāma prakīrtitam || 32 ||
Mit den Mantrasilben krīṃ hrīṃ śrīṃ vernichtet sie den Stachel der Zeit. Damit sind die hundert Namen der Göttin Adya Kalika verkündet.
3. Die Bildsprache verstehen
Kumari bezeichnet die jungfräuliche beziehungsweise unverheiratete Gestalt der Göttin und die in der Kumari-Puja verehrte junge weibliche Person. Der Namenslobpreis erwähnt diese Verehrung, führt sie aber nicht als eigenen Handlungsschritt aus. Kadambari ist ein berauschendes Getränk. Karana bezeichnet in dieser Kaula-Ritualsprache insbesondere den rituellen Wein und trägt zugleich die Bedeutung „Ursache“. Moschus, Kampfer, Schädelgefäß und Gebeine gehören zur überlieferten Bild- und Ritualwelt. Die Rezitation der Namen verlangt in dieser Anleitung keine Beschaffung oder Einnahme dieser Stoffe. Auch „Kurcha-Bija“ und „Kama-Bija“ bleiben Namen innerhalb des Lobpreises; daraus wird kein zusätzliches Bija-Japa abgeleitet.
4. Verneigung und Abschluss
Lege die Hände zusammen und sprich:
namaḥ sarvasvarūpiṇyai jagaddhātryai namo namaḥ |
ādyāyai kālikāyai te kartryai hartryai namo namaḥ ||
Verehrung derjenigen, deren Gestalt alles ist; wieder und wieder Verehrung der Trägerin der Welt. Dir, der ursprünglichen Kalika, der Schöpferin und Auflösenden, wieder und wieder Verehrung.
Verweile still. Lass besonders einen Namen nachklingen, etwa „Meer des Nektars des Mitgefühls“, und nimm seine Bedeutung mit in den Tag.
Wiederholung und traditioneller Anspruch
Für eine einzelne Sitzung genügt hier ein vollständiger Durchgang. Die Quelle nennt in 7.52 insgesamt 108 Wiederholungen als Purashcharana dieses Stotra. Wer diese besondere Praxis unter seiner Unterweisung übernimmt, zählt 108 vollständige Stotra-Durchgänge, nicht 108 einzelne Namen. Eine Aufteilung auf Tage wird im Vers nicht vorgeschrieben. Die Wirkungsverheißungen des Kapitels sind religiöse Aussagen; die vorliegende Anleitung macht daraus keine garantierten weltlichen oder körperlichen Wirkungen.
Siehe auch
- Inneres Bad durch die göttliche Lichtwasserbetrachtung
- Sarasvati Vagdevi Nyasa und Japa
- Kali
- Puja
- Japa
- Nyasa
- Dhyana
- Bhakti
- Diksha
- Guru
- Sankalpa
- Tantra
- Mantramahodadhi
- Brihat Tantrasara
- Nityotsava
- Mahanirvana Tantra
- Tantra Ritualanleitungen Sammlung 04
Seminare
Hinduistische Rituale
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…
Bhakti Yoga
- 03.11.2026 - 03.11.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita
Herzöffnung pur
21:10 - 22:00 Uhr- Gruppe Mudita
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar
Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.- Alisa Yakhontova
Quellen und redaktionelle Hinweise
Mahanirvana Tantra, Kapitel 7, Verse 11–33 für Zuordnung und gesamten Namenslobpreis; 7.34, 46, 52–54 für Anwendung, besondere Wiederholungszahl, Lesen und Hören. Schlussverneigung: 5.35. Sanskritgrundlage: Mahanirvana Tantra Sanskrit IAST.
Zur Deutung einzelner mehrdeutiger Namen wurde außerdem Arthur und Ellen Avalon, Hymns to the Goddess, „Ādyakālī“ (1913), S. 43–53 mit Anmerkungen, herangezogen. Dies betrifft besonders kapardīśakṛpānvitā (Gnade gegenüber Shiva), kṛpāpārā (grenzenlose Gnade), kalādhārā (Trägerin der Mondsichel) und kastūrīdāhajananī (Mutter derjenigen, die Moschus als Räucherwerk darbringen). Die Sanskritlesarten der Projektfassung bleiben bestehen.
Der traditionelle Titel nennt „hundert Namen“. Bewahrt wird der zusammenhängende Wortlaut der Verse, einschließlich des dreizeiligen Verses 7.25 und des einzelnen Halbverses 7.29. Es wird keine künstlich neu nummerierte Namenszählung erzeugt. Die Prosafassung des Viniyoga sowie Sitzungsrahmen und Ausklang sind redaktionell; die Nacht-Puja mit fünf Kaula-Tattvas aus 7.37–38 wird nicht als Teil dieser Stotra-Sitzung ausgegeben. „kapāla“ wird als Schädelgefäß, „kaṅkāla“ als Gebeine und „kāraṇa“ in seiner besonderen Ritualbedeutung erklärt, ohne diese Begriffe stillschweigend zu verharmlosen.