Hyperkyphose

Aus Yogawiki
Garudasana - der Adler

Eine Hyperkyphose (abgeleitet aus dem Griechischen 'kyphos' "Buckel") oder Rundrücken bezeichnet eine zu stark ausgeprägte konvexe Krümmung der Brustwirbelsäule nach hinten (die natürlichen Krümmungen der Wirbelsäule werden als Kyphose bzw. Lordose bezeichnet).

Mit Yoga, Yogatherapie und Entspannung lassen sich erhebliche Verbesserungen erzielen.

Ursachen und Symptome

Die Hyperkyphose ist oft auf eine zu schwache Rückenmuskulatur zurückzuführen, kann jedoch auch die Folge einer Erkrankung (z.B. Morbus Scheuermann, Rachitis, Osteoporose, Arthritis, Morbus Bechterew) oder einer Verletzung (Frakturen) sein. Sie tritt häufig zusammen mit einer eingeschränkten Beweglichkeit der Schultern auf, bei der zudem die Schulterblätter nach oben verschoben sind und die Schultern selbst nach vorn hängen. Dadurch wiederum wandert auch der Kopf etwas nach vorn und die Nackenmuskeln können sich verspannen und Schmerzen verursachen. Hyperkyphosen bei Jugendlichen sind oft auf ein muskuläres Ungleichgewicht zurückzuführen, Alterskyphosen auf durch Osteoporose bedingte Wirbelfrakturen oder schwache Muskulatur.

Im fortgeschrittenen Stadium kann sich durch die Hyperkyphose die Lendenlordose verstärken (Hyperlordose) und es können zusätzlich Skoliosen entstehen.

Eine besonders ausgeprägte Form der Hyperkyphose stellt die Erkrankung Morbus Scheuermann dar.

Diagnose

Bei der Diagnose wird nach Engelhardt überprüft, ob der Patient sich aufrichten kann, wenn er sich mit hängendem Kopf nach vorn beugt, dann den Kopf anhebt und aktiv versucht, die Hyperkyphose auszugleichen. Der gleiche Test kann auch in Bauchlage durchgeführt werden. Sofern der Patient diese Aufrichtung nicht bewerkstelligen kann, bezeichnet man die Kyphose als "strukturell fixiert" (Engelhardt). Das Ausmaß der Hyperkyphose kann durch Winkelbestimmung am Röntgenbild festgestellt werden.

Übungen bei Rundrücken

Beim Rundrücken muss die Wirbelsäule wieder aufgerichtet werden; dazu sollte man zunächst einmal Tadasana (Berghaltung, siehe Video unten) üben. Hier wird im Stand mit parallel stehenden Füßen zuerst das Becken nach vorn gekippt, um ein Hohlkreuz zu vermeiden, dann werden die Schultern zu den Ohren gezogen und nach hinten abgerollt, um so die Haltung zu korrigieren. Das Kinn sollte dabei parallel zum Boden sein.

Die Berghaltung kann man auch mit nach oben ausgestreckten Armen (Hände parallel oder Hände ineinander verschränkt) ausführen, indem man sich so weit wie möglich mit gestrecktem Nacken nach oben reckt (dabei kann man auch auf die Zehenspitzen gehen), ohne dabei mit dem unteren Rücken ein Hohlkreuz einzunehmen.

Schließlich kann man die Übung noch so ausführen, dass man die Arme nach hinten streckt und die Hände ineinander verschränkt und nach hinten oben zieht; das Becken bleibt dabei nach vorn gekippt. In der gleichen Stellung kann man auch im Rücken die Ellbogen greifen (linke Hand greift den rechten Ellbogen - nachspüren - rechte Hand greift den linken Ellbogen - nachspüren - dann beide Ellbogen greifen, Atem ruhig fließen lassen, Stellung auflösen und nachspüren).

Keßler empfiehlt die Armhaltung des Adlers (Garudasana) zur Auflösung von Schulterverspannungen. Hierzu strecke den linken Arm aus, lege den rechten Arm so darüber, dass der rechte Ellbogen in der linken Armbeuge liegt, dann winkele die Arme an und drehe sie so umeinander, dass du die Handflächen aneinander legen kannst (siehe Video unten, die Beinhaltung kannst du bei der Übung für die Schulteröffnung weglassen). Dann ziehe die Arme nach vorn und oben, bis du die Spannung in den Schultermuskeln spüren kannst. Halte diese Spannung eine Weile mit ruhig fließendem Atem und löse dann ausatmend die Stellung auf. Dann übe die andere Seite.

Ferner sehr geeignet für die Aufrichtung und die Schulteröffnung ist die Armhaltung von Gomukhasana (siehe Foto unten), der Kuhgesichtshaltung. Bringe hierzu den linken Arm auf den Rücken und versuche mit dem Handrücken das rechte Schulterblatt zu erreichen. Dann beuge den rechten Arm und hebe ihn, so dass die Spitze des Ellbogens nach oben zeigt. Versuche mit der rechten Hand die linke zu greifen. Wenn dir das nicht möglich ist, dann halte mit der rechten Hand ein Tuch, greife das Ende des Tuchs mit der linken und versuche dann, die Hände am Tuch entlang einander zu nähern. Die Stellung sollte dich zwar fordern, aber keine Schmerzen verursachen. Halte die Stellung möglichst ein paar Minuten, atme ruhig und löse die Stellung ausatmend auf; trainiere dann die andere Seite. Durch diese Übung werden hängende Schultern wieder aufgerichtet und der nach vorn geschobene Kopf kann allmählich wieder eine normale Position einnehmen.

Vira-Gomukh.jpg

Schließlich solltest du an deiner Brustöffnung arbeiten. Hierzu kannst du den Fisch, Matsyasana (siehe Video unten), ausführen, oder dir, wenn diese Übung für dich zu unbequem oder mit Schmerzen verbunden ist, in Rückenlage ein flaches Kissen oder eine gefaltete Decke unter den oberen Rücken an der unteren Hälfte der Schulterblätter legen. Wenn die Position für dich noch zu unbequem ist, dann kannst du die Beine aufstellen. Atme dann ruhig in den Bauch und halte die Stellung; lasse die Schultern sinken und mache dir bewusst, dass auch durch die tägliche Entspannung in der Asana und durch Tiefenentspannung tiefliegende Verspannungen gelöst werden. Löse die Stellung auf, indem du einatmend den Kopf hebst und ausatmend den Körper ablegst bzw. zunächst Kissen oder Decke unter dem Körper hervorziehst.

Du kannst auch mit deinem Arzt besprechen, welche der genannten Übungen er für besonders geeignet hält.

Yogatherapie

Wenn du deine Übungen vertiefen willst, dann kannst du dir bei der Yogatherapie im Seminarhaus Yoga Vidya Bad Meinberg einen Termin für ein Einzelgespräch mit einem Yogatherapeuten geben lassen und ein spezielles Übungsprogramm unter Berücksichtigung deiner körperlichen Besonderheiten üben oder spezielle Rückenyogastunden oder ein entsprechendes Seminar besuchen.

Haltungskontrolle im Alltag

Weitere Therapieformen

Der Einsatz von Orthesen, orthopädischen Stützapparaten (Korsett), erfolgt besonders bei Jugendlichen in der Wachstumsphase, ist jedoch umstritten, da er die körperliche Aktivität (und damit die Entwicklung stützender Muskulatur) behindert.

Chirurgische Eingriffe sind indiziert bei gefährlichen Wirbelfrakturen, tumoröser Zerstörung oder schweren entzündlichen Erkrankungen (wie z.B. Spondylodiszitis).

Siehe auch

Literatur/Quellen

Seminare