Sandhyavandana gemäß Shukla Yajurveda
Sandhyavandana gemäß Shukla Yajurveda ist das tägliche Gebet zu den drei Übergängen des Tages: am Morgen, zur Mittagszeit und am Abend. Es heiligt diese Schwellen, reinigt Körper und Geist und richtet die Einsicht auf das göttliche Licht aus. Der Weg führt von der Reinigung mit Wasser über drei Sonnenwassergaben zur Verehrung Gayatris, begleitet von 24 vorbereitenden und acht abschließenden Handgesten. Zu jeder Tageszeit erscheint die Göttin in eigener Gestalt: morgens als junge, rot gekleidete Brahmani, mittags in der Gestalt Vishnus und abends in der Gestalt Shivas. So erhält die tägliche Hinwendung zum göttlichen Licht jeweils ihre eigene Farbe.

Vorbereitung
Übe morgens zum Tagesanbruch mit Blick nach Osten, mittags nach Norden und abends nach Westen. Bade oder wasche dich vorher und ziehe saubere Kleidung an. Sitze auf einer sauberen Matte in einer bequemen aufrechten Haltung. Eine Wasserschale mit Trinkwasser, ein kleiner Schöpflöffel und eine Auffangschale genügen; für die Wassergaben im Freien wähle sauberen Boden. Eine vorhandene heilige Schnur wird in der erlernten Weise getragen. Schau nicht direkt in die Sonne.
Die Gayatri-Rezitation steht im Mittelpunkt. Die vedische Aussprache und gegebenenfalls die Tonführung lernst du am besten bei einer kundigen Lehrperson; die folgenden Texte geben den Wortlaut ohne vedische Akzentzeichen. Die Vorlage versteht Sandhyavandana als tägliche Verpflichtung nach der Initiation und ermöglicht anderen Interessierten eine freiwillige Teilnahme an der Praxis. Die innere Haltung ist Shraddha, vertrauensvolle Hinwendung zum göttlichen Licht.
Beim Achamana wird jeweils wenig Wasser vom Löffel in die rechte Hand gegeben und über den Daumenballen geschlürft. Bei Arghya und Götter-Tarpana fließt es dagegen über die Fingerspitzen nach vorn. Für jeden Schluck und jede Gabe wird frisches Wasser genommen. Lege vor Beginn fest, ob du 108, 28 oder mindestens zehn Gayatri-Wiederholungen rezitierst; die volle hier gewählte Übung hat 108 Wiederholungen. Zähle an den Fingern oder mit einer bereits vertrauten Zählweise. Die Mantrarezitation bleibt mit jeder Wiederholung vollständig.
Die Tageszeit bestimmt die jeweils gekennzeichneten Texte. Sprich in einem Durchgang nur den Morgen-, Mittags- oder Abendtext, nicht alle drei. Alle übrigen Schritte gelten für jede der drei Zeiten.
Der Ablauf folgt der Shukla-Yajurveda-Fassung in Pandit Sri Ramas Sandhya Vandana. Er enthält keine aus der Krishna-Yajurveda-Fassung übernommenen Graha-Tarpanas oder zusätzlichen Schlussgebete. Die Gesten werden unten einzeln erklärt; übe die Fingerverbindungen vor Beginn, damit die eigentliche Verehrung ruhig bleibt.
Ablauf
1. Achamana – Wasser trinken und Hände reinigen
Nimm drei kleine Schlucke Wasser zu den ersten drei Anrufungen. Bei der vierten wasche die Hände.
oṃ keśavāya namaḥ |
oṃ nārāyaṇāya namaḥ |
oṃ mādhavāya namaḥ |
oṃ hṛṣīkeśāya namaḥ |
Übersetzung: Om, Verehrung Keshava. Om, Verehrung Narayana. Om, Verehrung Madhava. Om, Verehrung Hrishikesha, dem Herrn der Sinne.
2. Innere und äußere Reinheit erinnern
Sammle dich bei der Erinnerung an den lotusäugigen Herrn.
apavitraḥ pavitro vā sarvāvasthāṃ gato ’pi vā |
yaḥ smaret puṇḍarīkākṣaṃ sa bāhyābhyantaraḥ śuciḥ ||
Übersetzung: Ob unrein oder rein, in welchen Zustand man auch gelangt sein mag: Wer des Lotusäugigen gedenkt, wird äußerlich und innerlich rein.
3. Den Sitz heiligen
Berühre den Sitz und nimm die Tragkraft der Erde wahr.
pṛthvi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvaṃ ca dhāraya māṃ devi pavitraṃ kuru cāsanam ||
Übersetzung: Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du selbst wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich, Göttin, und mache meinen Sitz heilig.
4. Die Absicht fassen
Sprich die morgendliche Absichtserklärung. Mittags steht anstelle von prātaḥ das Wort madhyāhnika, abends sāyaṃ.
hariḥ oṃ tat sat | viṣṇur viṣṇur viṣṇuḥ |
mama upāttasamastaduritakṣayapūrvakaśrīparameśvaraprītyarthaṃ prātaḥsandhyām upāsiṣye ||
Übersetzung: Hari, Om, Das ist die Wahrheit. Vishnu, Vishnu, Vishnu. Zur Auflösung meiner angesammelten Verfehlungen und zur Freude des höchsten Herrn werde ich die morgendliche Sandhya verehren. Mittags beziehungsweise abends gilt die entsprechende Tageszeit.
5. Den Ursprung von Ordnung und Wahrheit betrachten
Vergegenwärtige beim Hymnus, dass dein kleiner Tagesrhythmus in die große Ordnung von Tag, Nacht und Jahr eingebettet ist.
oṃ ṛtaṃ ca satyaṃ cābhīddhāt tapaso ’dhyajāyata |
tato rātry ajāyata tataḥ samudro arṇavaḥ |
samudrād arṇavād adhi saṃvatsaro ajāyata |
ahorātrāṇi vidadhad viśvasya miṣato vaśī |
sūryācandramasau dhātā yathāpūrvam akalpayat |
divaṃ ca pṛthivīṃ cāntarikṣam atho svaḥ ||
Übersetzung: Aus der entflammten Glut gingen Ordnung und Wahrheit hervor; daraus entstand die Nacht und daraus das wogende Meer. Aus diesem Meer entstand das Jahr, das Tag und Nacht ordnet und über alles wacht, was die Augen öffnet. Der Schöpfer ordnete Sonne und Mond wie zuvor, Himmel, Erde, Zwischenraum und die lichte Himmelswelt.
6. Den Atem sammeln
Falte rechten Zeige- und Mittelfinger in die Handfläche. Mit Daumen und Ringfinger regulierst du die Nasenlöcher. Atme links aus und links ein; schließe beide Nasenlöcher und rezitiere den Text innerlich. Atme rechts aus, rechts ein; rezitiere innerlich erneut und atme links aus. Das ist eine Runde. Vollziehe drei Runden. Halte den Atem nur mühelos; falls der Text dafür zu lang ist, rezitiere bei ruhigem natürlichem Atem. Diese schonende Anpassung ersetzt kein Erlernen der Atemführung bei einer Lehrperson.
oṃ bhūḥ | oṃ bhuvaḥ | oṃ suvaḥ | oṃ mahaḥ | oṃ janaḥ | oṃ tapaḥ | oṃ satyam |
oṃ tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi |
dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
oṃ āpo jyotī raso ’mṛtaṃ brahma bhūr bhuvaḥ suvar oṃ ||
Übersetzung: Om: Erde, Zwischenwelt, Himmelswelt, Weite, schöpferische Welt, Welt der Glut und Welt der Wahrheit. Om. Wir meditieren über den verehrungswürdigen Glanz des göttlichen Savitar. Möge er unsere Einsichten anregen und erhellen. Om, Wasser, Licht, Lebenssaft und Unsterblichkeit sind Brahman; Erde, Zwischenwelt und Himmelswelt – Om.
7. Reinigendes Trinken – morgens
Nur morgens: Gib etwas Wasser in die rechte Hand, sprich die folgenden Worte und trinke es anschließend über den Daumenballen.
sūryaś ca mā manyuś ca manyupatayaś ca manyukṛtebhyaḥ pāpebhyo rakṣantām |
yad rātryā pāpam akārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyām udareṇa śiśnā |
rātris tad avalumpatu | yat kiñca duritaṃ mayi |
idam ahaṃ mām amṛtayonau sūrye jyotiṣi juhomi svāhā ||
Übersetzung: Mögen Surya, Manyu und die Herren des Zornes mich vor den Verfehlungen schützen, die aus Zorn entstehen. Was ich nachts mit Geist, Wort, Händen, Füßen, Bauch oder Geschlechtsorgan gefehlt habe, möge die Nacht auslöschen. Was immer an Verfehlung in mir ist: Mich selbst bringe ich im Licht der Sonne dar, im Ursprung der Unsterblichkeit. Svaha!
8. Reinigendes Trinken – mittags
Nur mittags: Gib etwas Wasser in die rechte Hand, sprich die folgenden Worte und trinke es anschließend über den Daumenballen.
āpaḥ punantu pṛthivīṃ pṛthivī pūtā punātu mām |
punantu brahmaṇaspatir brahmapūtā punātu mām |
yad ucchiṣṭam abhojyaṃ yad vā duścaritaṃ mama |
sarvaṃ punantu mām āpo ’satāṃ ca pratigrahaṃ svāhā ||
Übersetzung: Mögen die Wasser die Erde reinigen; die gereinigte Erde möge mich reinigen. Möge der Herr des heiligen Wortes reinigen; durch Brahman gereinigt, möge die Erde mich reinigen. Was an gegessenen Resten, ungeeigneter Nahrung oder schlechtem Verhalten mein ist, und das Annehmen von Gaben Unredlicher: Von all dem mögen mich die Wasser reinigen. Svaha!
9. Reinigendes Trinken – abends
Nur abends: Gib etwas Wasser in die rechte Hand, sprich die folgenden Worte und trinke es anschließend über den Daumenballen.
agniś ca mā manyuś ca manyupatayaś ca manyukṛtebhyaḥ pāpebhyo rakṣantām |
yad ahnā pāpam akārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyām udareṇa śiśnā |
ahas tad avalumpatu | yat kiñca duritaṃ mayi |
idam ahaṃ mām amṛtayonau satye jyotiṣi juhomi svāhā ||
Übersetzung: Mögen Agni, Manyu und die Herren des Zornes mich vor den Verfehlungen schützen, die aus Zorn entstehen. Was ich tagsüber mit Geist, Wort, Händen, Füßen, Bauch oder Geschlechtsorgan gefehlt habe, möge der Tag auslöschen. Was immer an Verfehlung in mir ist: Mich selbst bringe ich im Licht der Wahrheit dar, im Ursprung der Unsterblichkeit. Svaha!
10. Die Wasser zur Reinigung verwenden
Halte den Wasserlöffel links und besprenge mit dem rechten Ringfinger den Kopf zu den ersten sieben Zeilen. Bei yasya kṣayāya jinvatha besprenge die Füße, bei āpo janayathā ca naḥ nochmals den Kopf. Nimm bei der letzten Zeile etwas Wasser in die rechte Hand und führe es um den Kopf; lasse es in die Auffangschale abfließen.
oṃ āpo hi ṣṭhā mayo bhuvaḥ |
tā na ūrje dadhātana |
mahe raṇāya cakṣase |
yo vaḥ śivatamo rasaḥ |
tasya bhājayateha naḥ |
uśatīr iva mātaraḥ |
tasmā araṃ gamāma vaḥ |
yasya kṣayāya jinvatha |
āpo janayathā ca naḥ |
bhūr bhuvaḥ suvaḥ ||
Übersetzung: Ihr Wasser seid wohltuend: Gebt uns Kraft, damit wir die große Freude schauen. Lasst uns an eurem heilsamsten Saft teilhaben, wie liebevolle Mütter. Zu euch wollen wir gehen, zu dessen Wohnstatt ihr uns hinführt. Ihr Wasser, lasst uns neu entstehen. Erde, Zwischenwelt und Himmelswelt.
11. Befreiung und kosmische Ordnung vergegenwärtigen
Rezitiere die folgenden Reinigungsverse in ruhiger Sammlung.
drupadād iva mumucānaḥ svinnaḥ snātvī malād iva |
pūtaṃ pavitreṇevājyam āpaḥ śundhantu mainasaḥ ||
oṃ ṛtaṃ ca satyaṃ cābhīddhāt tapaso ’dhyajāyata |
tato rātry ajāyata tataḥ samudro arṇavaḥ |
samudrād arṇavād adhi saṃvatsaro ajāyata |
ahorātrāṇi vidadhad viśvasya miṣato vaśī |
sūryācandramasau dhātā yathāpūrvam akalpayat |
divaṃ ca pṛthivīṃ cāntarikṣam atho svaḥ ||
antaś carati bhūteṣu guhāyāṃ viśvatomukhaḥ |
tvaṃ yajñas tvaṃ vaṣaṭkāra āpo jyotī raso ’mṛtam ||
Übersetzung: Wie einer vom Holzblock befreit wird, wie ein Verschwitzter nach dem Bad vom Schmutz, wie Butter durch das Sieb gereinigt wird, so mögen die Wasser mich von Verfehlung reinigen. Aus der entflammten Glut gingen Ordnung und Wahrheit hervor; daraus entstand die Nacht und daraus das wogende Meer. Aus diesem Meer entstand das Jahr, das Tag und Nacht ordnet und über alles wacht, was die Augen öffnet. Der Schöpfer ordnete Sonne und Mond wie zuvor, Himmel, Erde, Zwischenraum und die lichte Himmelswelt. Im Inneren der Wesen, in der Herzenshöhle, bewegt sich der nach allen Seiten Schauende. Du bist das Opfer, du bist der Opferruf Vashat, Wasser, Licht, Lebenssaft und Unsterblichkeit.
12. Drei Wassergaben an Surya Narayana
Nimm frisches Wasser in die rechte Hand, sprich jeweils die gesamte folgende Formel und lasse das Wasser über die Fingerspitzen nach vorn abfließen. Wiederhole das dreimal.
oṃ bhūr bhuvaḥ suvaḥ |
tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi |
dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
brahmasvarūpiṇe sūryanārāyaṇāya namaḥ ||
Übersetzung: Om, Erde, Zwischenwelt und Himmelswelt. Wir meditieren über den verehrungswürdigen Glanz des göttlichen Savitar. Möge er unsere Einsichten anregen und erhellen. Verehrung Surya Narayana, dessen Wesen Brahman ist.
13. Das Sonnenlicht grüßen
Stehe auf und halte die Hände vor dem Herzen; richte das Gebet an die Sonne, ohne direkt in sie hineinzuschauen.
ud vayaṃ tamasas pari svaḥ paśyanta uttaram |
devaṃ devatrā sūryam aganma jyotir uttamam ||
ud u tyaṃ jātavedasaṃ devaṃ vahanti ketavaḥ | dṛśe viśvāya sūryam ||
citraṃ devānām udagād anīkaṃ cakṣur mitrasya varuṇasyāgneḥ |
āprā dyāvāpṛthivī antarikṣaṃ sūrya ātmā jagatas tasthuṣaś ca ||
tac cakṣur devahitaṃ purastāc chukram uccarat |
paśyema śaradaḥ śataṃ jīvema śaradaḥ śataṃ śṛṇuyāma śaradaḥ śatam |
prabravāma śaradaḥ śatam adīnāḥ syāma śaradaḥ śataṃ bhūyaś ca śaradaḥ śatāt ||
Übersetzung: Über die Finsternis hinaus schauen wir den höheren Himmel; wir sind zu Surya, dem Gott unter Göttern, zum höchsten Licht gelangt. Die Strahlen tragen den allwissenden Gott empor, die Sonne, damit alle sie sehen. Das herrliche Antlitz der Götter ist aufgegangen, das Auge Mitras, Varunas und Agnis. Es erfüllt Himmel, Erde und Zwischenraum; Surya ist das Selbst des Beweglichen und Unbeweglichen. Dieses den Göttern dienende Auge steigt im Osten leuchtend auf. Mögen wir hundert Herbste sehen, leben, hören und sprechen; mögen wir hundert Herbste ungebrochen sein und über hundert Herbste hinaus.
14. Achamana – Wasser trinken und Hände reinigen
Nimm drei kleine Schlucke Wasser zu den ersten drei Anrufungen. Bei der vierten wasche die Hände.
oṃ keśavāya namaḥ |
oṃ nārāyaṇāya namaḥ |
oṃ mādhavāya namaḥ |
oṃ hṛṣīkeśāya namaḥ |
Übersetzung: Om, Verehrung Keshava. Om, Verehrung Narayana. Om, Verehrung Madhava. Om, Verehrung Hrishikesha, dem Herrn der Sinne.
15. Den Körper für den Japa heiligen
Setze dich wieder aufrecht. Berühre nacheinander Herz, Kopf und Scheitel; kreuze dann die Arme vor der Brust und berühre die Schultern. Berühre beide Augen und klatsche zum letzten Ruf in die Hände.
oṃ hṛdayāya namaḥ |
oṃ bhūḥ śirase svāhā |
oṃ bhuvaḥ śikhāyai vaṣaṭ |
oṃ svaḥ kavacāya huṃ |
oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ netrābhyāṃ vauṣaṭ |
oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ astrāya phaṭ |
Übersetzung: Om, Verehrung dem Herzen. Om Bhuh, Svaha für den Kopf. Om Bhuvah, Vashat für den Scheitel. Om Svah, Hum für den Schutzpanzer. Om Bhuh Bhuvah Svah, Vaushat für die Augen. Om Bhuh Bhuvah Svah, Phat für die schützende Waffe.
16. Morgens: Brahmani betrachten
Nur zur bezeichneten Tageszeit: Vergegenwärtige die jeweilige Gestalt Gayatris.
bālāṃ vidyāṃ tu gāyatrīṃ lohitāṃ caturānanām |
raktāmbaradvayopetām akṣasūtrakarāṃ tathā ||
kamaṇḍaludharāṃ devīṃ haṃsavāhanasaṃsthitām |
brahmāṇīṃ brahmadaivatyāṃ brahmalokanivāsinīm ||
mantreṇāvāhayed devīm āyāntīṃ sūryamaṇḍalāt ||
Übersetzung: Die junge, wissensvolle Gayatri, rotfarben, viergesichtig, in zwei rote Gewänder gekleidet, mit Gebetskette und Wassergefäß in den Händen: die Göttin auf dem Schwan, Brahmani, mit Brahma verbunden und in Brahmas Welt wohnend. Mit dem Mantra lade man die Göttin ein, die aus dem Sonnenkreis kommt.
17. Mittags: die Vishnu-Gestalt betrachten
Nur zur bezeichneten Tageszeit: Vergegenwärtige die jeweilige Gestalt Gayatris.
oṃ madhyāhne viṣṇurūpāṃ ca tārkṣyasthāṃ pītavāsasām |
yuvatīṃ ca yajurvedāṃ sūryamaṇḍalasaṃsthitām ||
Übersetzung: Om. Mittags: die jugendliche Göttin in der Gestalt Vishnus, auf Garuda sitzend, gelb gekleidet, mit dem Yajurveda verbunden und im Sonnenkreis wohnend.
18. Abends: die Shiva-Gestalt betrachten
Nur zur bezeichneten Tageszeit: Vergegenwärtige die jeweilige Gestalt Gayatris.
oṃ sāyāhne śivarūpāṃ ca vṛddhāṃ vṛṣabhavāhinīm |
sūryamaṇḍalamadhyasthāṃ sāmavedasamāyutām ||
Übersetzung: Om. Abends: die ehrwürdig gealterte Göttin in Shivas Gestalt, auf dem Stier reitend, inmitten des Sonnenkreises und mit dem Samaveda verbunden.
19. Gayatri als unvergängliches Licht anrufen
Halte die Hände im Gebet vor dem Herzen.
ojo ’si śukram asy amṛtam asi |
dhāma nāmāsi priyaṃ devānām anādhṛṣṭaṃ devayajanam asi ||
oṃ gāyatry asy ekapadī dvipadī tripadī catuṣpady apad asi |
na hi padyase namas te turīyāya darśatāya padāya parorajase |
asāv ado mā prāpat ||
Übersetzung: Du bist Kraft, du bist Reinheit und Glanz, du bist Unsterblichkeit. Du bist die Wohnstatt, den Göttern lieb, ein unangreifbarer Ort göttlicher Verehrung. Om, Gayatri, du bist einfüßig, zweifüßig, dreifüßig und vierfüßig; zugleich bist du ohne Füße, denn du wirst nicht erreicht. Verehrung deinem vierten, sichtbaren Fuß jenseits der Weltenräume. Jener möge dieses nicht erlangen.
Der letzte Satz ist die in dieser Liturgie überlieferte Schlussformel aus Brihadaranyaka Upanishad 5.14.7. Er ist wörtlich wiedergegeben; bei dieser Gottesverehrung wird dabei kein anderer Mensch als Gegner benannt. Die dort ebenfalls bezeugte positive Wendung lautet „aham adaḥ prāpam“ – „Möge ich dieses erlangen“; sie gehört als kenntlich gemachte Alternative nicht zum hier ausgeschriebenen Hauptwortlaut.
20. Die 24 vorbereitenden Mudras zeigen
Führe die 24 Mudras in dieser Reihenfolge aus, ruhig und ohne die Finger zu verspannen. Die Namen bezeichnen Gesten; sie müssen nicht als eigene Mantras rezitiert werden. Die hier erläuterte Handform folgt Mudras – Yoga With The Hands.
- Sumukha: Sammle an jeder Hand die vier Fingerspitzen am Daumen. Halte die Hände vor dir und berühre die Fingerbündel beider Hände miteinander.
- Samputa: Löse die Bündel zu einer hohlen Knospe. Die entsprechenden Fingerspitzen beider Hände und die Handballen berühren sich, zwischen den Handflächen bleibt ein Hohlraum.
- Vitata: Öffne die Hände etwa handbreit gegeneinander vor dem Bauch. Halte die Finger jeder Hand nebeneinander.
- Vistrita: Vergrößere den Abstand, drehe die Handflächen leicht nach oben und spreize die Finger.
- Dvimukha: Führe die Hände wieder zusammen; nur die Spitzen der kleinen Finger und Ringfinger berühren ihre Gegenstücke.
- Trimukha: Verbinde zusätzlich die beiden Mittelfingerspitzen.
- Chaturmukha: Verbinde zusätzlich die beiden Zeigefingerspitzen.
- Panchamukha: Verbinde zuletzt die beiden Daumenspitzen. Alle fünf Fingerpaare berühren sich.
- Shanmukha: Löse die kleinen Finger voneinander und strecke sie nach außen; die übrigen vier Fingerpaare bleiben verbunden.
- Adhomukha: Halte die Daumenspitzen zusammen. Wende Finger und Handflächen nach unten; die gebeugten Fingerrücken beider Hände berühren einander an den mittleren beziehungsweise unteren Fingergliedern.
- Vyapakanjali: Öffne aus dieser Stellung die Hände nach innen und oben zu einer Schale; kleine Finger und äußere Handkanten liegen aneinander.
- Shakata: Verbinde die Daumenspitzen, rolle Mittel-, Ring- und kleine Finger ein und richte die Zeigefinger nach vorn. Die Handflächen zeigen zum Boden.
- Yamapasha: Hake die gekrümmten Zeigefinger ineinander; die übrigen Finger bilden lockere Fäuste. Zunächst zeigt die linke Handfläche zur Brust und die rechte nach vorn, anschließend umgekehrt.
- Grathita: Verschränke die Hände. Verbinde Daumen- und Zeigefingerspitzen zu zwei ineinandergreifenden Ringen; zuerst liegt der rechte Zeigefinger oben. Wechsle anschließend die Überkreuzung.
- Unmukhonmukha: Bilde an beiden Händen wieder Fingerbündel wie bei Sumukha. Das rechte Bündel weist nach oben, das linke nach unten; beide berühren sich an den Spitzen. Tausche dann oben und unten.
- Pralamba: Strecke die Finger geschlossen aus, die Handflächen nach unten. Die Daumenspitzen berühren sich; halte die Ellenbogen nahe an den Seiten.
- Mushtika: Schließe beide Hände zu Fäusten. Die Daumen ruhen an den Zeigefingern, die Fäuste berühren sich an den mittleren Fingergliedern und die Daumen an ihren Außenseiten.
- Matsya: Lege bei abwärts gerichteten Handflächen die rechte Hand auf den linken Handrücken. Spreize die Daumen seitwärts und bewege sie sanft wie Flossen. Wechsle anschließend die obere Hand.
- Kurma: Linke Handfläche nach oben; linker Mittel-, Ring- und kleiner Finger sind eingerollt, Daumen und Zeigefinger ausgestreckt. Rechte Handfläche nach unten; rechter Mittel- und Ringfinger eingerollt. Lege die rechte Hand auf die linke: rechter Zeigefinger berührt linken Daumen, rechter kleiner Finger linken Zeigefinger; der rechte Daumen bleibt frei ausgestreckt.
- Varaha: Erhalte den Kontakt zwischen rechtem Zeigefinger und linkem Daumen. Öffne die übrigen Finger; umfasse die drei restlichen rechten Finger mit den vier linken Fingern. Der rechte Daumen ruht zwischen linkem Daumen und rechtem Zeigefinger.
- Simhakranta: Hebe beide Hände neben die Schultern, Handflächen nach vorn, Finger sanft ausgestreckt.
- Mahakranta: Drehe aus dieser Stellung die Handflächen zu den Ohren.
- Mudgara: Bilde mit der rechten Hand eine aufrechte Faust und stütze den rechten Ellenbogen mit der linken Handfläche.
- Pallava: Lege die linke Hand auf das Knie; öffne die rechte Hand nach vorn, die Finger leicht ausgestreckt.
21. Om, Weltenworte und Gayatri zuordnen
Berühre bei jedem Seher die Stirn, bei jedem Versmaß den Mund und bei jeder Gottheit das Herz. Bei der letzten Formel drehe beide Handflächen auf Brusthöhe nach innen.
oṃkārasya brahmā ṛṣiḥ |
gāyatrī chandaḥ |
paramātmā devatā |
oṃ bhūr bhuvaḥ svar iti mahāvyāhṛtīnāṃ parameṣṭhī prajāpati ṛṣiḥ |
gāyatryuṣṇiganuṣṭubhaś chandāṃsi |
agnivāyusūryā devatāḥ |
oṃ tat savitur ity asya viśvāmitra ṛṣiḥ |
gāyatrī chandaḥ |
savitā devatā |
jape viniyogaḥ ||
Übersetzung: Für Om ist Brahma der Seher, Gayatri das Versmaß und Paramatman die Gottheit. Für die großen Weltenworte Om Bhuh Bhuvah Svah ist Parameshthin Prajapati der Seher; Gayatri, Ushnih und Anushtubh sind die Versmaße; Agni, Vayu und Surya die Gottheiten. Für „Om tat savitur“ ist Vishvamitra der Seher, Gayatri das Versmaß und Savitar die Gottheit. Die Anwendung ist die Mantrawiederholung.
22. Gayatri 108-mal rezitieren
Halte die heilige Schnur, sofern vorhanden, mit den Daumen. Rezitiere 108-mal den vollständigen Mantra. Die Vorlage erlaubt auch 28 oder mindestens zehn Wiederholungen; verwende die vor Beginn festgelegte Zahl. Sammle dich bei jeder Wiederholung im leuchtenden Sinn der Bitte um rechte Einsicht.
oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ |
tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi |
dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
Übersetzung: Om, Erde, Zwischenwelt und Himmelswelt. Wir meditieren über den verehrungswürdigen Glanz des göttlichen Savitar. Möge er unsere Einsichten anregen und erhellen.
23. Die acht abschließenden Mudras zeigen
Zeige anschließend die acht Abschlussgesten in derselben ruhigen Weise:
- Surabhi: Verbinde linken Zeigefinger mit rechtem Mittelfinger und rechten Zeigefinger mit linkem Mittelfinger; linken Ringfinger mit rechtem kleinen Finger und rechten Ringfinger mit linkem kleinen Finger. Die Daumen bleiben frei ausgestreckt.
- Jnana: Daumen und Zeigefinger jeder Hand bilden einen Kreis. Die linke Hand liegt mit der Handfläche nach oben auf Knie oder Oberschenkel, die rechte wird vor dem Herzen mit der Handfläche nach links gehalten.
- Vairagya: Halte die beiden Daumen-Zeigefinger-Kreise und lege nun beide Hände mit den Handflächen nach oben auf die Oberschenkel. Die übrigen Finger sind entspannt ausgestreckt.
- Yoni: Verschränke zunächst die Finger. Löse Daumen, Zeige- und Mittelfinger; die beiden Mittelfinger liegen von der Wurzel bis zur Spitze aneinander. Führe die Zeigefinger hinter die Mittelfinger und fasse damit jeweils die Spitze des gegenüberliegenden Ringfingers; Daumen- und Zeigefingerspitzen berühren sich. Halte die Hände vor dem Becken, Mittelfinger abwärts gerichtet.
- Shankha: Umfasse den linken Daumen mit den vier rechten Fingern. Lege die vier linken Finger auf den rechten Handrücken; der rechte Daumen berührt ihre Spitzen.
- Pankaja: Verbinde die Handballen vor dem Herzen und öffne die Finger nach oben wie einen Lotus. Zwischen den Handflächen bleibt Raum; Daumen und kleine Finger können ihre Gegenstücke berühren.
- Linga: Verschränke die Finger mit dem linken Zeigefinger oben. Der rechte Daumen steht aufrecht; linker Daumen und linker Zeigefinger umschließen ihn als Ring.
- Nirvana: Linke Handfläche nach oben, rechte nach unten. Führe die rechte unter die linke Hand und hake ihre vier Finger über die entsprechenden linken Finger. Wende die verbundenen Hände so, dass ihre Rücken zueinanderkommen; drehe die Verbindung vorsichtig abwärts, zum Körper und aufwärts. Löse die Zeigefinger, strecke sie gemeinsam nach oben und verbinde ihre Spitzen. Die Daumen ruhen nebeneinander im Zwischenraum. Neige den Kopf kurz zu den Zeigefingerspitzen an der Stirn. Löse die Stellung langsam in umgekehrter Richtung; bilde mit beiden Händen Jnana-Mudra bei noch überkreuzten Handgelenken und verneige dich zu den Handballen. Erzwinge keine Gelenkstellung.
24. Gayatri verabschieden
Falte die Hände und verabschiede die Göttin voller Dankbarkeit.
uttame śikhare devi bhūmyāṃ parvatamūrdhani |
brāhmaṇebhyo hy anujñātā gaccha devi yathāsukham ||
Übersetzung: Göttin, auf dem höchsten Gipfel der Erde, auf der Höhe des Berges: Von den Brahmanen verabschiedet, kehre, Göttin, in Frieden zurück.
25. Die Praxis darbringen
Widme das Sandhyavandana dem höchsten Herrn.
anena sandhyopāsanākhyena karmaṇā śrīparameśvaraḥ prīyatāṃ na mama |
yasya smṛtyā ca nāmoktyā tapoyajñakriyādiṣu |
nyūnaṃ sampūrṇatāṃ yāti sadyo vande tam acyutam ||
śrīviṣṇusmaraṇāt paripūrṇatāstu ||
Übersetzung: Möge durch diese Sandhya-Verehrung der höchste Herr erfreut sein; sie ist nicht für mich allein. Ich verehre Acyuta, durch dessen Erinnerung und Namensnennung das Unvollständige bei Askese, Opfer und rituellen Handlungen sogleich zur Vollständigkeit gelangt. Durch die Erinnerung an Vishnu möge Vollendung sein.
Abschluss und Vertiefung
Löse die Hände und sitze für einige Atemzüge still. Die vielen Formen und Gesten sind in der einen Bitte um ein lichtvolles Denken gesammelt. Nimm aus der Meditation einen konkreten Vorsatz mit: vor einer wichtigen Entscheidung innehalten, wahrhaftig sprechen oder einem Menschen aufmerksam zuhören. Gib das Ritualwasser an eine Pflanze oder auf sauberen Boden und stelle die Gefäße gereinigt zurück.
Vollständige Rezitationsanhänge
Die Nummern beziehen sich auf die Handlungsschritte. Tageszeitabhängige und bedingte Abschnitte werden nur in der jeweils bezeichneten Situation rezitiert.
IAST
1. Achamana – Wasser trinken und Hände reinigen
oṃ keśavāya namaḥ |
oṃ nārāyaṇāya namaḥ |
oṃ mādhavāya namaḥ |
oṃ hṛṣīkeśāya namaḥ |
2. Innere und äußere Reinheit erinnern
apavitraḥ pavitro vā sarvāvasthāṃ gato ’pi vā |
yaḥ smaret puṇḍarīkākṣaṃ sa bāhyābhyantaraḥ śuciḥ ||
3. Den Sitz heiligen
pṛthvi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvaṃ ca dhāraya māṃ devi pavitraṃ kuru cāsanam ||
4. Die Absicht fassen
hariḥ oṃ tat sat | viṣṇur viṣṇur viṣṇuḥ |
mama upāttasamastaduritakṣayapūrvakaśrīparameśvaraprītyarthaṃ prātaḥsandhyām upāsiṣye ||
5. Den Ursprung von Ordnung und Wahrheit betrachten
oṃ ṛtaṃ ca satyaṃ cābhīddhāt tapaso ’dhyajāyata |
tato rātry ajāyata tataḥ samudro arṇavaḥ |
samudrād arṇavād adhi saṃvatsaro ajāyata |
ahorātrāṇi vidadhad viśvasya miṣato vaśī |
sūryācandramasau dhātā yathāpūrvam akalpayat |
divaṃ ca pṛthivīṃ cāntarikṣam atho svaḥ ||
6. Den Atem sammeln
oṃ bhūḥ | oṃ bhuvaḥ | oṃ suvaḥ | oṃ mahaḥ | oṃ janaḥ | oṃ tapaḥ | oṃ satyam |
oṃ tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi |
dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
oṃ āpo jyotī raso ’mṛtaṃ brahma bhūr bhuvaḥ suvar oṃ ||
7. Reinigendes Trinken – morgens
sūryaś ca mā manyuś ca manyupatayaś ca manyukṛtebhyaḥ pāpebhyo rakṣantām |
yad rātryā pāpam akārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyām udareṇa śiśnā |
rātris tad avalumpatu | yat kiñca duritaṃ mayi |
idam ahaṃ mām amṛtayonau sūrye jyotiṣi juhomi svāhā ||
8. Reinigendes Trinken – mittags
āpaḥ punantu pṛthivīṃ pṛthivī pūtā punātu mām |
punantu brahmaṇaspatir brahmapūtā punātu mām |
yad ucchiṣṭam abhojyaṃ yad vā duścaritaṃ mama |
sarvaṃ punantu mām āpo ’satāṃ ca pratigrahaṃ svāhā ||
9. Reinigendes Trinken – abends
agniś ca mā manyuś ca manyupatayaś ca manyukṛtebhyaḥ pāpebhyo rakṣantām |
yad ahnā pāpam akārṣam | manasā vācā hastābhyām | padbhyām udareṇa śiśnā |
ahas tad avalumpatu | yat kiñca duritaṃ mayi |
idam ahaṃ mām amṛtayonau satye jyotiṣi juhomi svāhā ||
10. Die Wasser zur Reinigung verwenden
oṃ āpo hi ṣṭhā mayo bhuvaḥ |
tā na ūrje dadhātana |
mahe raṇāya cakṣase |
yo vaḥ śivatamo rasaḥ |
tasya bhājayateha naḥ |
uśatīr iva mātaraḥ |
tasmā araṃ gamāma vaḥ |
yasya kṣayāya jinvatha |
āpo janayathā ca naḥ |
bhūr bhuvaḥ suvaḥ ||
11. Befreiung und kosmische Ordnung vergegenwärtigen
drupadād iva mumucānaḥ svinnaḥ snātvī malād iva |
pūtaṃ pavitreṇevājyam āpaḥ śundhantu mainasaḥ ||
oṃ ṛtaṃ ca satyaṃ cābhīddhāt tapaso ’dhyajāyata |
tato rātry ajāyata tataḥ samudro arṇavaḥ |
samudrād arṇavād adhi saṃvatsaro ajāyata |
ahorātrāṇi vidadhad viśvasya miṣato vaśī |
sūryācandramasau dhātā yathāpūrvam akalpayat |
divaṃ ca pṛthivīṃ cāntarikṣam atho svaḥ ||
antaś carati bhūteṣu guhāyāṃ viśvatomukhaḥ |
tvaṃ yajñas tvaṃ vaṣaṭkāra āpo jyotī raso ’mṛtam ||
12. Drei Wassergaben an Surya Narayana
oṃ bhūr bhuvaḥ suvaḥ |
tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi |
dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
brahmasvarūpiṇe sūryanārāyaṇāya namaḥ ||
13. Das Sonnenlicht grüßen
ud vayaṃ tamasas pari svaḥ paśyanta uttaram |
devaṃ devatrā sūryam aganma jyotir uttamam ||
ud u tyaṃ jātavedasaṃ devaṃ vahanti ketavaḥ | dṛśe viśvāya sūryam ||
citraṃ devānām udagād anīkaṃ cakṣur mitrasya varuṇasyāgneḥ |
āprā dyāvāpṛthivī antarikṣaṃ sūrya ātmā jagatas tasthuṣaś ca ||
tac cakṣur devahitaṃ purastāc chukram uccarat |
paśyema śaradaḥ śataṃ jīvema śaradaḥ śataṃ śṛṇuyāma śaradaḥ śatam |
prabravāma śaradaḥ śatam adīnāḥ syāma śaradaḥ śataṃ bhūyaś ca śaradaḥ śatāt ||
14. Achamana – Wasser trinken und Hände reinigen
oṃ keśavāya namaḥ |
oṃ nārāyaṇāya namaḥ |
oṃ mādhavāya namaḥ |
oṃ hṛṣīkeśāya namaḥ |
15. Den Körper für den Japa heiligen
oṃ hṛdayāya namaḥ |
oṃ bhūḥ śirase svāhā |
oṃ bhuvaḥ śikhāyai vaṣaṭ |
oṃ svaḥ kavacāya huṃ |
oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ netrābhyāṃ vauṣaṭ |
oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ astrāya phaṭ |
16. Morgens: Brahmani betrachten
bālāṃ vidyāṃ tu gāyatrīṃ lohitāṃ caturānanām |
raktāmbaradvayopetām akṣasūtrakarāṃ tathā ||
kamaṇḍaludharāṃ devīṃ haṃsavāhanasaṃsthitām |
brahmāṇīṃ brahmadaivatyāṃ brahmalokanivāsinīm ||
mantreṇāvāhayed devīm āyāntīṃ sūryamaṇḍalāt ||
17. Mittags: die Vishnu-Gestalt betrachten
oṃ madhyāhne viṣṇurūpāṃ ca tārkṣyasthāṃ pītavāsasām |
yuvatīṃ ca yajurvedāṃ sūryamaṇḍalasaṃsthitām ||
18. Abends: die Shiva-Gestalt betrachten
oṃ sāyāhne śivarūpāṃ ca vṛddhāṃ vṛṣabhavāhinīm |
sūryamaṇḍalamadhyasthāṃ sāmavedasamāyutām ||
19. Gayatri als unvergängliches Licht anrufen
ojo ’si śukram asy amṛtam asi |
dhāma nāmāsi priyaṃ devānām anādhṛṣṭaṃ devayajanam asi ||
oṃ gāyatry asy ekapadī dvipadī tripadī catuṣpady apad asi |
na hi padyase namas te turīyāya darśatāya padāya parorajase |
asāv ado mā prāpat ||
21. Om, Weltenworte und Gayatri zuordnen
oṃkārasya brahmā ṛṣiḥ |
gāyatrī chandaḥ |
paramātmā devatā |
oṃ bhūr bhuvaḥ svar iti mahāvyāhṛtīnāṃ parameṣṭhī prajāpati ṛṣiḥ |
gāyatryuṣṇiganuṣṭubhaś chandāṃsi |
agnivāyusūryā devatāḥ |
oṃ tat savitur ity asya viśvāmitra ṛṣiḥ |
gāyatrī chandaḥ |
savitā devatā |
jape viniyogaḥ ||
22. Gayatri 108-mal rezitieren
oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ |
tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi |
dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
24. Gayatri verabschieden
uttame śikhare devi bhūmyāṃ parvatamūrdhani |
brāhmaṇebhyo hy anujñātā gaccha devi yathāsukham ||
25. Die Praxis darbringen
anena sandhyopāsanākhyena karmaṇā śrīparameśvaraḥ prīyatāṃ na mama |
yasya smṛtyā ca nāmoktyā tapoyajñakriyādiṣu |
nyūnaṃ sampūrṇatāṃ yāti sadyo vande tam acyutam ||
śrīviṣṇusmaraṇāt paripūrṇatāstu ||
Devanagari
1. Achamana – Wasser trinken und Hände reinigen
ॐ केशवाय नमः ।
ॐ नारायणाय नमः ।
ॐ माधवाय नमः ।
ॐ हृषीकेशाय नमः ।
2. Innere und äußere Reinheit erinnern
अपवित्रः पवित्रो वा सर्वावस्थां गतो ’पि वा ।
यः स्मरेत् पुण्डरीकाक्षं स बाह्याभ्यन्तरः शुचिः ॥
3. Den Sitz heiligen
पृथ्वि त्वया धृता लोका देवि त्वं विष्णुना धृता ।
त्वं च धारय मां देवि पवित्रं कुरु चासनम् ॥
4. Die Absicht fassen
हरिः ॐ तत् सत् । विष्णुर् विष्णुर् विष्णुः ।
मम उपात्तसमस्तदुरितक्षयपूर्वकश्रीपरमेश्वरप्रीत्यर्थं प्रातःसन्ध्याम् उपासिष्ये ॥
5. Den Ursprung von Ordnung und Wahrheit betrachten
ॐ ऋतं च सत्यं चाभीद्धात् तपसो ’ध्यजायत ।
ततो रात्र्य् अजायत ततः समुद्रो अर्णवः ।
समुद्राद् अर्णवाद् अधि संवत्सरो अजायत ।
अहोरात्राणि विदधद् विश्वस्य मिषतो वशी ।
सूर्याचन्द्रमसौ धाता यथापूर्वम् अकल्पयत् ।
दिवं च पृथिवीं चान्तरिक्षम् अथो स्वः ॥
6. Den Atem sammeln
ॐ भूः । ॐ भुवः । ॐ सुवः । ॐ महः । ॐ जनः । ॐ तपः । ॐ सत्यम् ।
ॐ तत् सवितुर् वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि ।
धियो यो नः प्रचोदयात् ॥
ॐ आपो ज्योती रसो ’मृतं ब्रह्म भूर् भुवः सुवर् ॐ ॥
7. Reinigendes Trinken – morgens
सूर्यश् च मा मन्युश् च मन्युपतयश् च मन्युकृतेभ्यः पापेभ्यो रक्षन्ताम् ।
यद् रात्र्या पापम् अकार्षम् । मनसा वाचा हस्ताभ्याम् । पद्भ्याम् उदरेण शिश्ना ।
रात्रिस् तद् अवलुम्पतु । यत् किञ्च दुरितं मयि ।
इदम् अहं माम् अमृतयोनौ सूर्ये ज्योतिषि जुहोमि स्वाहा ॥
8. Reinigendes Trinken – mittags
आपः पुनन्तु पृथिवीं पृथिवी पूता पुनातु माम् ।
पुनन्तु ब्रह्मणस्पतिर् ब्रह्मपूता पुनातु माम् ।
यद् उच्छिष्टम् अभोज्यं यद् वा दुश्चरितं मम ।
सर्वं पुनन्तु माम् आपो ’सतां च प्रतिग्रहं स्वाहा ॥
9. Reinigendes Trinken – abends
अग्निश् च मा मन्युश् च मन्युपतयश् च मन्युकृतेभ्यः पापेभ्यो रक्षन्ताम् ।
यद् अह्ना पापम् अकार्षम् । मनसा वाचा हस्ताभ्याम् । पद्भ्याम् उदरेण शिश्ना ।
अहस् तद् अवलुम्पतु । यत् किञ्च दुरितं मयि ।
इदम् अहं माम् अमृतयोनौ सत्ये ज्योतिषि जुहोमि स्वाहा ॥
10. Die Wasser zur Reinigung verwenden
ॐ आपो हि ष्ठा मयो भुवः ।
ता न ऊर्जे दधातन ।
महे रणाय चक्षसे ।
यो वः शिवतमो रसः ।
तस्य भाजयतेह नः ।
उशतीर् इव मातरः ।
तस्मा अरं गमाम वः ।
यस्य क्षयाय जिन्वथ ।
आपो जनयथा च नः ।
भूर् भुवः सुवः ॥
11. Befreiung und kosmische Ordnung vergegenwärtigen
द्रुपदाद् इव मुमुचानः स्विन्नः स्नात्वी मलाद् इव ।
पूतं पवित्रेणेवाज्यम् आपः शुन्धन्तु मैनसः ॥
ॐ ऋतं च सत्यं चाभीद्धात् तपसो ’ध्यजायत ।
ततो रात्र्य् अजायत ततः समुद्रो अर्णवः ।
समुद्राद् अर्णवाद् अधि संवत्सरो अजायत ।
अहोरात्राणि विदधद् विश्वस्य मिषतो वशी ।
सूर्याचन्द्रमसौ धाता यथापूर्वम् अकल्पयत् ।
दिवं च पृथिवीं चान्तरिक्षम् अथो स्वः ॥
अन्तश् चरति भूतेषु गुहायां विश्वतोमुखः ।
त्वं यज्ञस् त्वं वषट्कार आपो ज्योती रसो ’मृतम् ॥
12. Drei Wassergaben an Surya Narayana
ॐ भूर् भुवः सुवः ।
तत् सवितुर् वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि ।
धियो यो नः प्रचोदयात् ॥
ब्रह्मस्वरूपिणे सूर्यनारायणाय नमः ॥
13. Das Sonnenlicht grüßen
उद् वयं तमसस् परि स्वः पश्यन्त उत्तरम् ।
देवं देवत्रा सूर्यम् अगन्म ज्योतिर् उत्तमम् ॥
उद् उ त्यं जातवेदसं देवं वहन्ति केतवः । दृशे विश्वाय सूर्यम् ॥
चित्रं देवानाम् उदगाद् अनीकं चक्षुर् मित्रस्य वरुणस्याग्नेः ।
आप्रा द्यावापृथिवी अन्तरिक्षं सूर्य आत्मा जगतस् तस्थुषश् च ॥
तच् चक्षुर् देवहितं पुरस्ताच् छुक्रम् उच्चरत् ।
पश्येम शरदः शतं जीवेम शरदः शतं शृणुयाम शरदः शतम् ।
प्रब्रवाम शरदः शतम् अदीनाः स्याम शरदः शतं भूयश् च शरदः शतात् ॥
14. Achamana – Wasser trinken und Hände reinigen
ॐ केशवाय नमः ।
ॐ नारायणाय नमः ।
ॐ माधवाय नमः ।
ॐ हृषीकेशाय नमः ।
15. Den Körper für den Japa heiligen
ॐ हृदयाय नमः ।
ॐ भूः शिरसे स्वाहा ।
ॐ भुवः शिखायै वषट् ।
ॐ स्वः कवचाय हुं ।
ॐ भूर् भुवः स्वः नेत्राभ्यां वौषट् ।
ॐ भूर् भुवः स्वः अस्त्राय फट् ।
16. Morgens: Brahmani betrachten
बालां विद्यां तु गायत्रीं लोहितां चतुराननाम् ।
रक्ताम्बरद्वयोपेताम् अक्षसूत्रकरां तथा ॥
कमण्डलुधरां देवीं हंसवाहनसंस्थिताम् ।
ब्रह्माणीं ब्रह्मदैवत्यां ब्रह्मलोकनिवासिनीम् ॥
मन्त्रेणावाहयेद् देवीम् आयान्तीं सूर्यमण्डलात् ॥
17. Mittags: die Vishnu-Gestalt betrachten
ॐ मध्याह्ने विष्णुरूपां च तार्क्ष्यस्थां पीतवाससाम् ।
युवतीं च यजुर्वेदां सूर्यमण्डलसंस्थिताम् ॥
18. Abends: die Shiva-Gestalt betrachten
ॐ सायाह्ने शिवरूपां च वृद्धां वृषभवाहिनीम् ।
सूर्यमण्डलमध्यस्थां सामवेदसमायुताम् ॥
19. Gayatri als unvergängliches Licht anrufen
ओजो ’सि शुक्रम् अस्य् अमृतम् असि ।
धाम नामासि प्रियं देवानाम् अनाधृष्टं देवयजनम् असि ॥
ॐ गायत्र्य् अस्य् एकपदी द्विपदी त्रिपदी चतुष्पद्य् अपद् असि ।
न हि पद्यसे नमस् ते तुरीयाय दर्शताय पदाय परोरजसे ।
असाव् अदो मा प्रापत् ॥
21. Om, Weltenworte und Gayatri zuordnen
ओंकारस्य ब्रह्मा ऋषिः ।
गायत्री छन्दः ।
परमात्मा देवता ।
ॐ भूर् भुवः स्वर् इति महाव्याहृतीनां परमेष्ठी प्रजापति ऋषिः ।
गायत्र्युष्णिगनुष्टुभश् छन्दांसि ।
अग्निवायुसूर्या देवताः ।
ॐ तत् सवितुर् इत्य् अस्य विश्वामित्र ऋषिः ।
गायत्री छन्दः ।
सविता देवता ।
जपे विनियोगः ॥
22. Gayatri 108-mal rezitieren
ॐ भूर् भुवः स्वः ।
तत् सवितुर् वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि ।
धियो यो नः प्रचोदयात् ॥
24. Gayatri verabschieden
उत्तमे शिखरे देवि भूम्यां पर्वतमूर्धनि ।
ब्राह्मणेभ्यो ह्य् अनुज्ञाता गच्छ देवि यथासुखम् ॥
25. Die Praxis darbringen
अनेन सन्ध्योपासनाख्येन कर्मणा श्रीपरमेश्वरः प्रीयतां न मम ।
यस्य स्मृत्या च नामोक्त्या तपोयज्ञक्रियादिषु ।
न्यूनं सम्पूर्णतां याति सद्यो वन्दे तम् अच्युतम् ॥
श्रीविष्णुस्मरणात् परिपूर्णतास्तु ॥
Deutsche Bedeutung
1. Achamana – Wasser trinken und Hände reinigen
Om, Verehrung Keshava. Om, Verehrung Narayana. Om, Verehrung Madhava. Om, Verehrung Hrishikesha, dem Herrn der Sinne.
2. Innere und äußere Reinheit erinnern
Ob unrein oder rein, in welchen Zustand man auch gelangt sein mag: Wer des Lotusäugigen gedenkt, wird äußerlich und innerlich rein.
3. Den Sitz heiligen
Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du selbst wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich, Göttin, und mache meinen Sitz heilig.
4. Die Absicht fassen
Hari, Om, Das ist die Wahrheit. Vishnu, Vishnu, Vishnu. Zur Auflösung meiner angesammelten Verfehlungen und zur Freude des höchsten Herrn werde ich die morgendliche Sandhya verehren. Mittags beziehungsweise abends gilt die entsprechende Tageszeit.
5. Den Ursprung von Ordnung und Wahrheit betrachten
Aus der entflammten Glut gingen Ordnung und Wahrheit hervor; daraus entstand die Nacht und daraus das wogende Meer. Aus diesem Meer entstand das Jahr, das Tag und Nacht ordnet und über alles wacht, was die Augen öffnet. Der Schöpfer ordnete Sonne und Mond wie zuvor, Himmel, Erde, Zwischenraum und die lichte Himmelswelt.
6. Den Atem sammeln
Om: Erde, Zwischenwelt, Himmelswelt, Weite, schöpferische Welt, Welt der Glut und Welt der Wahrheit. Om. Wir meditieren über den verehrungswürdigen Glanz des göttlichen Savitar. Möge er unsere Einsichten anregen und erhellen. Om, Wasser, Licht, Lebenssaft und Unsterblichkeit sind Brahman; Erde, Zwischenwelt und Himmelswelt – Om.
7. Reinigendes Trinken – morgens
Mögen Surya, Manyu und die Herren des Zornes mich vor den Verfehlungen schützen, die aus Zorn entstehen. Was ich nachts mit Geist, Wort, Händen, Füßen, Bauch oder Geschlechtsorgan gefehlt habe, möge die Nacht auslöschen. Was immer an Verfehlung in mir ist: Mich selbst bringe ich im Licht der Sonne dar, im Ursprung der Unsterblichkeit. Svaha!
8. Reinigendes Trinken – mittags
Mögen die Wasser die Erde reinigen; die gereinigte Erde möge mich reinigen. Möge der Herr des heiligen Wortes reinigen; durch Brahman gereinigt, möge die Erde mich reinigen. Was an gegessenen Resten, ungeeigneter Nahrung oder schlechtem Verhalten mein ist, und das Annehmen von Gaben Unredlicher: Von all dem mögen mich die Wasser reinigen. Svaha!
9. Reinigendes Trinken – abends
Mögen Agni, Manyu und die Herren des Zornes mich vor den Verfehlungen schützen, die aus Zorn entstehen. Was ich tagsüber mit Geist, Wort, Händen, Füßen, Bauch oder Geschlechtsorgan gefehlt habe, möge der Tag auslöschen. Was immer an Verfehlung in mir ist: Mich selbst bringe ich im Licht der Wahrheit dar, im Ursprung der Unsterblichkeit. Svaha!
10. Die Wasser zur Reinigung verwenden
Ihr Wasser seid wohltuend: Gebt uns Kraft, damit wir die große Freude schauen. Lasst uns an eurem heilsamsten Saft teilhaben, wie liebevolle Mütter. Zu euch wollen wir gehen, zu dessen Wohnstatt ihr uns hinführt. Ihr Wasser, lasst uns neu entstehen. Erde, Zwischenwelt und Himmelswelt.
11. Befreiung und kosmische Ordnung vergegenwärtigen
Wie einer vom Holzblock befreit wird, wie ein Verschwitzter nach dem Bad vom Schmutz, wie Butter durch das Sieb gereinigt wird, so mögen die Wasser mich von Verfehlung reinigen. Aus der entflammten Glut gingen Ordnung und Wahrheit hervor; daraus entstand die Nacht und daraus das wogende Meer. Aus diesem Meer entstand das Jahr, das Tag und Nacht ordnet und über alles wacht, was die Augen öffnet. Der Schöpfer ordnete Sonne und Mond wie zuvor, Himmel, Erde, Zwischenraum und die lichte Himmelswelt. Im Inneren der Wesen, in der Herzenshöhle, bewegt sich der nach allen Seiten Schauende. Du bist das Opfer, du bist der Opferruf Vashat, Wasser, Licht, Lebenssaft und Unsterblichkeit.
12. Drei Wassergaben an Surya Narayana
Om, Erde, Zwischenwelt und Himmelswelt. Wir meditieren über den verehrungswürdigen Glanz des göttlichen Savitar. Möge er unsere Einsichten anregen und erhellen. Verehrung Surya Narayana, dessen Wesen Brahman ist.
13. Das Sonnenlicht grüßen
Über die Finsternis hinaus schauen wir den höheren Himmel; wir sind zu Surya, dem Gott unter Göttern, zum höchsten Licht gelangt. Die Strahlen tragen den allwissenden Gott empor, die Sonne, damit alle sie sehen. Das herrliche Antlitz der Götter ist aufgegangen, das Auge Mitras, Varunas und Agnis. Es erfüllt Himmel, Erde und Zwischenraum; Surya ist das Selbst des Beweglichen und Unbeweglichen. Dieses den Göttern dienende Auge steigt im Osten leuchtend auf. Mögen wir hundert Herbste sehen, leben, hören und sprechen; mögen wir hundert Herbste ungebrochen sein und über hundert Herbste hinaus.
14. Achamana – Wasser trinken und Hände reinigen
Om, Verehrung Keshava. Om, Verehrung Narayana. Om, Verehrung Madhava. Om, Verehrung Hrishikesha, dem Herrn der Sinne.
15. Den Körper für den Japa heiligen
Om, Verehrung dem Herzen. Om Bhuh, Svaha für den Kopf. Om Bhuvah, Vashat für den Scheitel. Om Svah, Hum für den Schutzpanzer. Om Bhuh Bhuvah Svah, Vaushat für die Augen. Om Bhuh Bhuvah Svah, Phat für die schützende Waffe.
16. Morgens: Brahmani betrachten
Die junge, wissensvolle Gayatri, rotfarben, viergesichtig, in zwei rote Gewänder gekleidet, mit Gebetskette und Wassergefäß in den Händen: die Göttin auf dem Schwan, Brahmani, mit Brahma verbunden und in Brahmas Welt wohnend. Mit dem Mantra lade man die Göttin ein, die aus dem Sonnenkreis kommt.
17. Mittags: die Vishnu-Gestalt betrachten
Om. Mittags: die jugendliche Göttin in der Gestalt Vishnus, auf Garuda sitzend, gelb gekleidet, mit dem Yajurveda verbunden und im Sonnenkreis wohnend.
18. Abends: die Shiva-Gestalt betrachten
Om. Abends: die ehrwürdig gealterte Göttin in Shivas Gestalt, auf dem Stier reitend, inmitten des Sonnenkreises und mit dem Samaveda verbunden.
19. Gayatri als unvergängliches Licht anrufen
Du bist Kraft, du bist Reinheit und Glanz, du bist Unsterblichkeit. Du bist die Wohnstatt, den Göttern lieb, ein unangreifbarer Ort göttlicher Verehrung. Om, Gayatri, du bist einfüßig, zweifüßig, dreifüßig und vierfüßig; zugleich bist du ohne Füße, denn du wirst nicht erreicht. Verehrung deinem vierten, sichtbaren Fuß jenseits der Weltenräume. Jener möge dieses nicht erlangen.
21. Om, Weltenworte und Gayatri zuordnen
Für Om ist Brahma der Seher, Gayatri das Versmaß und Paramatman die Gottheit. Für die großen Weltenworte Om Bhuh Bhuvah Svah ist Parameshthin Prajapati der Seher; Gayatri, Ushnih und Anushtubh sind die Versmaße; Agni, Vayu und Surya die Gottheiten. Für „Om tat savitur“ ist Vishvamitra der Seher, Gayatri das Versmaß und Savitar die Gottheit. Die Anwendung ist die Mantrawiederholung.
22. Gayatri 108-mal rezitieren
Om, Erde, Zwischenwelt und Himmelswelt. Wir meditieren über den verehrungswürdigen Glanz des göttlichen Savitar. Möge er unsere Einsichten anregen und erhellen.
24. Gayatri verabschieden
Göttin, auf dem höchsten Gipfel der Erde, auf der Höhe des Berges: Von den Brahmanen verabschiedet, kehre, Göttin, in Frieden zurück.
25. Die Praxis darbringen
Möge durch diese Sandhya-Verehrung der höchste Herr erfreut sein; sie ist nicht für mich allein. Ich verehre Acyuta, durch dessen Erinnerung und Namensnennung das Unvollständige bei Askese, Opfer und rituellen Handlungen sogleich zur Vollständigkeit gelangt. Durch die Erinnerung an Vishnu möge Vollendung sein.
Quellen und verwandte Anleitungen
- Pandit Sri Rama: Krishna & Shukla Yajur Veda Sandhya Vandana, Januar 2015, S. 17–23: vollständige Shukla-Yajurveda-Folge.
- Mudras – Yoga With The Hands, World Peace Yoga School Editions, S. 75–107: Ausführung der 24 vorbereitenden und acht abschließenden Gayatri-Gesten; PDF. Die Gestenerläuterungen ergänzen die Namensliste der Sandhya-Anleitung; sie führen keinen weiteren Rezitationszyklus ein.
- Brihadaranyaka Upanishad 5.14.7: Gayatri-Upasthana; Sanskrittext im Yoga Wiki.
- Rigveda 10.190 und 10.9; Vajasaneyi Samhita 20.20: Schöpfungs- und Reinigungsverse. Eindeutige Drucktrennungen der Umschrift werden in regulärer Sanskritschreibung wiedergegeben.
- Sandhyavandana gemäß Krishna Yajurveda – die davon unterschiedene Smarta-Ordnung des schwarzen Yajurveda.
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