Sarvasara Upanishad
Die Sarvasara Upanishad (Sanskrit: सर्वसारोपनिषत्, sarvasāropaniṣat) gehört zur Gruppe der Samanya Vedanta Upanishad und wird in der Muktika-Liste dem Krishna Yajurveda zugeordnet. Im Mittelpunkt steht präzise Definitionen zentraler Begriffe des Vedanta. Ihr Sanskrittext ist in unterschiedlichen Handschriften und Druckausgaben nicht immer gleich gegliedert; die folgende Ausgabe folgt der vollständig überlieferten Sanskrit-Documents-Fassung und nennt die verwendete Textgrundlage.
Inhaltlich behandelt die Schrift vor allem Bandha und Moksha; Avidya, Vidya und die Bewusstseinszustände; fünf Hüllen, Jiva, Kshetrajna und Brahman. Sie verbindet die Autorität der Upanishaden mit dem jeweiligen geistigen Milieu ihrer Überlieferung. Darum sollte sie zugleich aufmerksam, traditionssensibel und mit philosophischem Unterscheidungsvermögen gelesen werden.

Sarvasara Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
Die folgende Studienfassung gliedert jeden nummerierten Vers und längere Prosapassagen in klare Sinneinheiten. Die deutsche Übersetzung steht unmittelbar unter dem jeweiligen Sanskrittext; danach folgt die Wort-für-Wort-Erläuterung. Redaktionelle Unterteilungen wie 1a oder 1b dienen nur der Orientierung und geben keine zusätzlichen überlieferten Verszahlen vor.
Eröffnungsverse
samastavedāntasārasiddhāntārthakalevaram |
vikalevarakaivalyaṃ rāmacandrapadaṃ bhaje ||
sarvasāraṃ nirālambaṃ rahasyaṃ vajrasūcikam |
tejonādadhyānavidyāyogatattvātmabodhakam ||
Ich verehre den Zustand Shri Ramas, der die verkörperte Essenz der gesamten Vedanta-Lehre und das körperlose Kaivalya ist. Der zweite Eröffnungsvers nennt eine Reihe von Upanishaden – Sarvasara, Niralamba, Rahasya, Vajrasuchika und weitere – als Lehren über die höchste Erkenntnis.
Wort-für-Wort-Erläuterung: samasta-vedānta-sāra – Essenz des gesamten Vedanta; siddhānta-artha – Sinn der vollendeten Lehre; vikalevara – körperlos; kaivalyam – Befreiung; bhaje – ich verehre; sarva-sāram – die Essenz von allem; ātma-bodhakam – den Atman erkennbar machend.
Shanti Mantra
oṃ saha nāvavatu || saha nau bhunaktu || saha vīryaṃ karavāvahai ||
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen und nähren. Mögen wir gemeinsam Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saha nau avatu – möge es uns beide beschützen; bhunaktu – möge nähren; vīryam – Kraft; karavāvahai – mögen wir gemeinsam vollbringen; tejasvinau – lichtvoll; mā vidviṣāvahai – mögen wir einander nicht ablehnen; śāntiḥ – Frieden.
1. Prosatexteinheit – Die Fragen der Sarvasara Upanishad
kathaṃ bandhaḥ kathaṃ mokṣaḥ kā vidyā kā'vidyeti |
jāgratsvapnasuṣuptiturīyaṃ ca katham |
annamayaprāṇamayamanomayavijñānamayānandamayakośāḥ katham |
kartā jīvaḥ pañcavargaḥ kṣetrajñaḥ sākṣī kūṭastho'ntaryāmī katham |
pratyagātmā parātmā māyā ceti katham |
Wie sind Bindung und Befreiung zu verstehen? Was sind Vidya und Avidya? Was bedeuten Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya? Was sind die fünf Koshas – Annamaya, Pranamaya, Manomaya, Vijnanamaya und Anandamaya? Was bedeuten Handelnder, Jiva, die fünf Gruppen, Kshetrajna, Zeuge, Kutastha und innerer Lenker? Was sind innerer Atman, höchster Atman und Maya?
Wort-für-Wort-Erläuterung: bandhaḥ – Bindung; mokṣaḥ – Befreiung; vidyā – Erkenntnis; avidyā – Unwissenheit; jāgrat – Wachen; svapna – Traum; suṣupti – Tiefschlaf; turīyam – das Vierte; kośāḥ – Hüllen; kartā – Handelnder; jīvaḥ – individuelles Wesen; kṣetrajñaḥ – Kenner des Feldes; sākṣī – Zeuge; kūṭasthaḥ – unveränderliches Bewusstsein; antaryāmī – innerer Lenker; māyā – Maya.
2. Prosatexteinheit – Bindung und Befreiung
ātmeśvarajīvaḥ anātmanāṃ dehādīnāmātmatvenābhimanyate
so'bhimāna ātmano bandhaḥ | tannivṛttirmokṣaḥ |
Wenn der Jiva Körper und andere Nicht-Selbst-Anteile für den Atman hält und sich mit ihnen identifiziert, ist diese falsche Selbstzuschreibung Bindung. Das Aufhören dieser Identifikation ist Moksha, Befreiung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: anātmanām – der Nicht-Selbst-Dinge; deha-ādīnām – des Körpers und der übrigen; ātmatvena abhimanyate – hält für das Selbst; abhimānaḥ – Identifikation, Selbstzuschreibung; bandhaḥ – Bindung; tat-nivṛttiḥ – deren Aufhören; mokṣaḥ – Befreiung.
3. Prosatexteinheit – Avidya und Vidya
yā tadabhimānaṃ kārayati sā avidyā | so'bhimāno yayā
nivartate sā vidyā |
Was diese falsche Identifikation hervorruft, ist Avidya, Unwissenheit. Das, wodurch diese Identifikation aufgehoben wird, ist Vidya, Erkenntnis.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kārayati – bewirkt; avidyā – Unwissenheit; abhimānaḥ – Identifikation; yayā nivartate – wodurch sie aufhört; vidyā – Wissen, Erkenntnis.
4. Prosatexteinheit – Der Wachzustand
mana ādicaturdaśakaraṇaiḥ puṣkalairādityādyanugṛhītaiḥ śabdādīnviṣayān-
sthūlānyadopalabhate tadātmano jāgaraṇam |
Wachen heißt der Zustand, in dem der Atman durch die vierzehn inneren und äußeren Instrumente, traditionell mit Sonne und anderen leitenden Gottheiten verbunden, grobstoffliche Sinnesgegenstände wie Klang wahrnimmt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: caturdaśa-karaṇaiḥ – durch die vierzehn Instrumente; āditya-ādi-anugṛhītaiḥ – von Sonne und anderen unterstützt; śabda-ādīn viṣayān – Klang und andere Sinnesobjekte; sthūlān – grobstofflich; upalabhate – nimmt wahr; jāgaraṇam – Wachen.
5. Prosatexteinheit – Der Traumzustand
tadvāsanāsahitaiścaturdaśakaraṇaiḥ śabdādyabhāve'pi
vāsanāmayāñchabdādīnyadopalabhate tadātmanaḥ svapnam |
Traum heißt der Zustand, in dem die vierzehn Instrumente zusammen mit den aus dem Wachen stammenden Vasanas innere Klang-, Bild- und andere Erlebnisformen hervorbringen, obwohl die entsprechenden äußeren Gegenstände nicht gegenwärtig sind.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vāsanā-sahitaiḥ – mit latenten Eindrücken verbunden; śabda-ādi-abhāve api – obwohl Klang usw. äußerlich fehlen; vāsanā-mayān – aus Vasanas bestehend; upalabhate – erlebt; svapnam – Traum.
6. Prosatexteinheit – Tiefschlaf
caturdaśakaraṇo paramādviśeṣavijñānābhāvādyadā
śabdādīnnopalabhate tadātmanaḥ suṣuptam |
Tiefschlaf heißt der Zustand, in dem aufgrund des Ruhens der vierzehn Instrumente keine besondere Wahrnehmung von Klang und den übrigen Gegenständen stattfindet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: caturdaśa-karaṇa – vierzehn Instrumente; viśeṣa-vijñāna-abhāvāt – wegen des Fehlens besonderer Erkenntnis; śabda-ādīn na upalabhate – nimmt Klang usw. nicht wahr; suṣuptam – Tiefschlaf.
7. Prosatexteinheit – Turiya als Zeugenbewusstsein
avasthātrayabhāvābhāvasākṣī svayaṃbhāvarahitaṃ
nairantaryaṃ caitanyaṃ yadā tadā turīyaṃ caitanyamityucyate |
Turiya wird jenes ununterbrochene Bewusstsein genannt, das das Auftreten und Nicht-Auftreten der drei Zustände bezeugt, ohne selbst auf einen dieser wechselnden Zustände begrenzt zu sein.
Wort-für-Wort-Erläuterung: avasthā-traya – die drei Zustände; bhāva-abhāva-sākṣī – Zeuge ihres Auftretens und Nichtauftretens; nairantaryam – ununterbrochen; caitanyam – Bewusstsein; turīyam – das Vierte.
8. Prosatexteinheit – Annamaya und Pranamaya Kosha
annakāryāṇāṃ kośānāṃ samūho'nnamayaḥ kośa ucyate |
prāṇādicaturdaśavāyubhedā annamayakośe yadā vartante
tadā prāṇamayaḥ kośa ityucyate |
Die aus Nahrung hervorgegangene körperliche Hülle heißt Annamaya Kosha. Wenn die verschiedenen Funktionen des Prana und der Lebenswinde in dieser körperlichen Hülle wirken, spricht man vom Pranamaya Kosha.
Wort-für-Wort-Erläuterung: anna-kāryāṇām – aus Nahrung hervorgegangen; annamayaḥ kośaḥ – Nahrungshülle; prāṇa-ādi – Prana und weitere Lebenswinde; vāyu-bhedāḥ – Arten von Lebenswinden; prāṇamayaḥ kośaḥ – Lebensenergiehülle.
9. Prosatexteinheit – Manomaya und Vijnanamaya Kosha
etatkośadvayasaṃsaktaṃ mana ādi caturdaśakaraṇairātmā
śabdādiviṣayasaṅkalpādīndharmānyadā karoti tadā manomayaḥ
kośa ityucyate | etatkośatrayasaṃsaktaṃ tadgataviśeṣajño
yadā bhāsate tadā vijñānamayaḥ kośa ityucyate |
Wenn der Atman in Verbindung mit den beiden vorherigen Hüllen durch Manas und die übrigen Instrumente Vorstellungen über Sinnesgegenstände bildet, heißt diese Ebene Manomaya Kosha. Wenn darin bestimmende, unterscheidende Erkenntnis aufleuchtet, wird sie Vijnanamaya Kosha genannt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saṃsaktam – verbunden; manas – denkender Geist; saṅkalpa – Vorstellung, Entwurf; manomayaḥ kośaḥ – Geisthülle; viśeṣa-jñaḥ – unterscheidend Erkennender; bhāsate – leuchtet auf; vijñānamayaḥ kośaḥ – Erkenntnishülle.
10. Prosatexteinheit – Anandamaya Kosha
etatkośacatuṣṭayaṃ saṃsaktaṃ svakāraṇājñāne
vaṭakaṇikāyāmiva vṛkṣo yadā vartate tadānandamayaḥ kośa
ityucyate |
Wenn die vier Hüllen in ihrem kausalen Nichtwissen in unentfalteter Form ruhen – wie ein großer Baum im winzigen Banyansamen –, wird diese kausale Ebene Anandamaya Kosha genannt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kośa-catuṣṭayam – die vier Hüllen; sva-kāraṇa-ajñāne – im eigenen kausalen Nichtwissen; vaṭa-kaṇikāyām iva vṛkṣaḥ – wie der Baum im Banyansamen; ānandamayaḥ kośaḥ – Glückseligkeitshülle.
11. Prosatexteinheit – Freude, Leid und Sinnesobjekte
sukhaduḥkhabuddhyā śreyo'ntaḥ kartā yadā tadā
iṣṭaviṣaye buddhiḥ sukhabuddhiraniṣṭaviṣaye buddhirduḥkhabuddhiḥ |
śabdasparśarūparasagandhāḥ sukhaduḥkhahetavaḥ |
Wenn die Buddhi einen Gegenstand als erwünscht bewertet, entsteht die Vorstellung von Freude; bei einem unerwünschten Gegenstand die Vorstellung von Leid. Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch erscheinen dabei als Anlässe dieser wechselnden Bewertungen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sukha – Freude; duḥkha – Leid; iṣṭa-viṣaye – beim erwünschten Gegenstand; aniṣṭa-viṣaye – beim unerwünschten Gegenstand; buddhiḥ – Erkenntnis-/Urteilskraft; śabda – Klang; sparśa – Berührung; rūpa – Form; rasa – Geschmack; gandha – Geruch; hetavaḥ – Ursachen/Anlässe.
12. Prosatexteinheit – Der durch Upadhis begrenzte Jiva
puṇyapāpakarmānusārī bhūtvā prāptaśarīrasaṃyoga-
aprāptaśarīrasaṃyogamiva kurvāṇo yadā dṛśyate
tadopahitajīva ityucyate |
Wenn das Bewusstsein entsprechend früheren guten und unguten Handlungen mit einem bestimmten Körper verbunden erscheint und weitere Verkörperung erfährt, wird es als durch begrenzende Bedingungen bestimmter Jiva bezeichnet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: puṇya-pāpa-karma-anusārī – guten und unguten Handlungen folgend; śarīra-saṃyogam – Verbindung mit einem Körper; upahita-jīvaḥ – durch einen Upadhi begrenzt erscheinender Jiva.
13. Prosatexteinheit – Fünf Gruppen, Linga Sharira und Kshetrajna
mana ādiśca prāṇādiścecchādiśca sattvādiśca puṇyādiścaite
pañcavargā ityeteṣāṃ pañcavargāṇāṃ dharmībhūtātmā
jñānādṛte na vinaśyatyātmasannidhau nityatvena
pratīyamāna ātmopādhiryastalliṅgaśarīraṃ
hṛdgranthirityucyate tatra yatprakāśate caitanyaṃ sa
kṣetrajña ityucyate |
Manas und seine Funktionen, Prana und seine Funktionen, Wille und Verlangen, die Gunas sowie Verdienst und Schuld werden als fünf Gruppen zusammengefasst. Ihr feinstofflicher Verbund, der in der Nähe des Atman beständig zu sein scheint, heißt Linga Sharira oder „Knoten des Herzens“. Das Bewusstsein, das in diesem Feld leuchtet, heißt Kshetrajna, der Kenner des Feldes.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pañca-vargāḥ – fünf Gruppen; ātma-upādhiḥ – begrenzende Bedingung des Atman; liṅga-śarīram – feinstofflicher Körper; hṛd-granthiḥ – Knoten des Herzens; caitanyam – Bewusstsein; kṣetrajñaḥ – Kenner des Feldes.
14. Prosatexteinheit – Sakshi, Kutastha und Antaryamin
jñātṛjñānajñeyānāmāvirbhāva-
tirobhāvajñātā svayamāvirbhāvatirobhāvarahitaḥ
svayaṃjyotiḥ sākṣītyucyate |
brahmādipipīlikāparyantaṃ sarvaprāṇibuddhiṣvavaśiṣṭata-
yopalabhyamānaḥ sarvaprāṇibuddhistho yadā tadā kūṭastha
ityucyate | kūṭasthopahitabhedānāṃ svarūpalābhaheturbhūtvā
maṇigaṇe sūtramiva sarvakṣetreṣvanusyūtatvena yadā kāśyate
ātmā tadāntaryāmītyucyate |
Der selbstleuchtende Kenner des Erscheinens und Verschwindens von Erkennendem, Erkenntnis und Erkanntem, der selbst davon unberührt bleibt, heißt Sakshi, Zeuge. Dasselbe Bewusstsein, das unverändert in allen Wesen von Brahma bis zur Ameise gegenwärtig ist, heißt Kutastha. Wie ein Faden durch eine Perlenreihe zieht es sich durch alle Erfahrungsfelder; in dieser Hinsicht heißt es Antaryamin, innerer Lenker.
Wort-für-Wort-Erläuterung: jñātṛ – Erkennender; jñāna – Erkenntnis; jñeya – Erkanntes; svayaṃ-jyotiḥ – selbstleuchtend; sākṣī – Zeuge; sarva-prāṇi – alle Lebewesen; kūṭasthaḥ – unveränderlich; maṇi-gaṇe sūtram iva – wie ein Faden in einer Perlenreihe; antaryāmī – innerer Lenker.
15. Prosatexteinheit – Satya, Jnana und Ananta Brahman
satyaṃ jñānamanantaṃ brahma | satyamavināśi | avināśi
nāma deśakālavastunimitteṣu vinaśyatsu yanna vinaśyati
tadavināśi | jñānaṃ nāmotpattivināśarahitaṃ nairantaryaṃ
caitanyaṃ jñānamucyate | anantaṃ nāma mṛdvikāreṣu
mṛdiva svarṇavikāreṣu svarṇamiva tantuvikāreṣu
tanturivāvyaktādisṛṣṭiprapañceṣu pūrṇaṃ vyāpakaṃ
caitanyamanantamityucyate |
Brahman ist Satya, Jnana und Ananta. „Wahr“ ist, was nicht vergeht, wenn Ort, Zeit und Dinge vergehen. „Jnana“ ist das ununterbrochene Bewusstsein ohne Entstehen und Vergehen. „Unendlich“ ist das alles durchdringende Bewusstsein – wie Ton in allen Tongefäßen, Gold in Goldformen und Faden in Geweben gegenwärtig bleibt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: satyam – Wahrheit/Wirklichkeit; avināśi – unvergänglich; jñānam – Erkenntnis/Bewusstsein; utpatti-vināśa-rahitam – frei von Entstehen und Vergehen; nairantaryam – ununterbrochen; anantam – unendlich; pūrṇam – vollständig; vyāpakam – alldurchdringend; caitanyam – Bewusstsein.
16. Prosatexteinheit – Ananda und Paramatman
ānandaṃ nāma sukhacaitanyasvarūpo'parimitānanda-
samudro'vaśiṣṭasukhasvarūpaścānanda ityucyate |
etadvastucatuṣṭayaṃ yasya lakṣaṇaṃ deśakāla-
vastunimitteśvavyabhicārī tatpadārthaḥ paramātmetyucyate |
Ananda ist die Natur reinen Glücksbewusstseins, ein grenzenloser Ozean der Glückseligkeit. Die Wirklichkeit, deren Merkmale – Sein, Bewusstsein, Unendlichkeit und Glückseligkeit – nicht durch Ort, Zeit oder Gegenstände eingeschränkt werden, wird Paramatman genannt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ānandaḥ – Glückseligkeit; sukha-caitanya-svarūpaḥ – von der Natur glückseligen Bewusstseins; aparimita – unbegrenzt; vastu-catuṣṭayam – diese vier Wesensmerkmale; avyabhicārī – nicht abweichend, unveränderlich; paramātmā – höchster Atman.
17. Prosatexteinheit – Para Brahman, Maya und Ajnana
tvaṃpadārthādaupādhikāttatpadārthādaupādhika-
bhedādvilakṣaṇamākāśavatsūkṣmaṃ kevalasattā-
mātrasvabhāvaṃ paraṃ brahmetyucyate | māyā nāma
anādirantavatī pramāṇāpramāṇasādhāraṇā na satī
nāsatī na sadasatī svayamadhikā vikārarahitā nirūpyamāṇā
satītaralakṣaṇaśūnyā sā māyetyucyate | ajñānaṃ
tucchāpyasatī kālatraye'pi pāmarāṇāṃ vāstavī ca
sattvabuddhirlaukikānāmidamitthamityanirvacanīyā vaktuṃ na śakyate |
Para Brahman ist jenseits der begrenzenden Unterschiede, die mit „du“ und „Das“ verbunden werden: subtil wie Raum und reine Existenz selbst. Maya wird als anfangslos, aber im Erkenntnislicht überwindbar beschrieben; sie ist weder einfach wirklich noch völlig unwirklich und deshalb nicht eindeutig bestimmbar. Ajnana ist ebenfalls nicht als selbständige Wirklichkeit fassbar, obwohl die gewöhnliche Erfahrung es für real hält.
Wort-für-Wort-Erläuterung: upādhika-bheda – durch begrenzende Bedingungen erzeugter Unterschied; ākāśa-vat – wie Raum; sattā-mātra-svabhāvam – von der Natur reinen Seins; māyā – Maya; anādi – anfangslos; na satī nāsatī – weder wirklich noch unwirklich; anirvacanīyā – nicht abschließend beschreibbar; ajñānam – Nichtwissen.
1. Vers – Nicht Körper, Sinne oder Ego
nāhaṃ bhavāmyahaṃ devo nendriyāṇi daśaiva tu |
na buddhirna manaḥ śaśvannāhaṅkārastathaiva ca || 1 ||
Ich bin nicht der Körper, nicht die zehn Sinne, nicht Buddhi, nicht Manas und ebenso wenig Ahamkara. Das wahre Selbst ist nicht mit diesen wechselnden Instrumenten identisch.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na aham – ich bin nicht; indriyāṇi daśa – die zehn Sinne; buddhiḥ – Intellekt; manaḥ – Geist; ahaṅkāraḥ – Ich-Funktion.
2. Vers – Reines Zeugenbewusstsein
aprāṇo hyamanāḥ śubhro buddhyādīnāṃ hi sarvadā |
sākṣyahaṃ sarvadā nityaścinmātro'haṃ na saṃśayaḥ || 2 ||
Ich bin nicht Prana und nicht Manas; ich bin rein. Ich bin stets der Zeuge von Buddhi und den übrigen Funktionen, ewig und nichts als Bewusstsein – daran besteht kein Zweifel.
Wort-für-Wort-Erläuterung: aprāṇaḥ – nicht Prana; amanāḥ – ohne begrenzenden Geist; śubhraḥ – rein; sākṣī aham – ich bin der Zeuge; nityaḥ – ewig; cit-mātraḥ – reines Bewusstsein; na saṃśayaḥ – kein Zweifel.
3. Vers – Nicht Handelnder und nicht Genießender
nāhaṃ kartā naiva bhoktā prakṛteḥ sākṣirūpakaḥ |
matsānnidhyātpravartante dehādyā ajaḍā iva || 3 ||
Ich bin weder Handelnder noch Genießender, sondern Zeuge der Prakriti. Durch meine bloße Gegenwart erscheinen Körper und andere an sich unbewusste Faktoren wie belebt und tätig.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kartā – Handelnder; bhoktā – Genießender/Erfahrender; prakṛteḥ sākṣi-rūpakaḥ – Zeuge der Prakriti; mat-sānnidhyāt – durch meine Gegenwart; pravartante – werden tätig; deha-ādyāḥ – Körper und andere; jaḍa – unbewusst, träge.
4. Vers – Atman als ewiger Zeuge aller Wesen
sthāṇurnityaḥ sadānandaḥ śuddho jñānamayo'malaḥ |
ātmāhaṃ sarvabhūtānāṃ vibhuḥ sākṣī na saṃśayaḥ || 4 ||
Ich bin der unbewegte, ewige, stets glückselige, reine und makellose Atman, aus Erkenntnis bestehend; der alldurchdringende Zeuge aller Wesen – daran besteht kein Zweifel.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sthāṇuḥ – unbewegt, fest; nityaḥ – ewig; sadā-ānandaḥ – stets glückselig; śuddhaḥ – rein; jñāna-mayaḥ – aus Erkenntnis bestehend; amalaḥ – makellos; sarva-bhūtānām ātmā – Selbst aller Wesen; vibhuḥ – alldurchdringend; sākṣī – Zeuge.
5. Vers – Ich bin Satchidananda Brahman
brahmaivāhaṃ sarvavedāntavedyaṃ
nāhaṃ vedyaṃ vyomavātādirūpam |
rūpaṃ nāhaṃ nāma nāhaṃ na karma
brahmaivāhaṃ saccidānandarūpam || 5 ||
Ich bin wahrlich Brahman, das durch den gesamten Vedanta erkannt werden soll. Ich bin kein erkennbares Objekt wie Raum oder Luft, keine Form, kein Name und kein Karma. Ich bin Brahman, dessen Wesen Sat-Chit-Ananda ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma eva aham – ich bin wahrlich Brahman; sarva-vedānta-vedyam – durch den gesamten Vedanta zu erkennen; vyoma – Raum; vāta – Luft; rūpam – Form; nāma – Name; karma – Handlung; sat-cit-ānanda-rūpam – von der Natur Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit.
Abschluss – Wo bleibt Bindung oder Befreiung?
nāhaṃ deho janmamṛtyu kuto me
nāhaṃ prāṇaḥ kṣutpipāse kuto me |
nāhaṃ cetaḥ śokamohau kuto me
nāhaṃ kartā bandhamokṣau kuto ma ityupaniṣat ||
Ich bin nicht der Körper – woher sollten Geburt und Tod für mich kommen? Ich bin nicht Prana – woher Hunger und Durst? Ich bin nicht der Geist – woher Trauer und Verblendung? Ich bin nicht der Handelnde – woher könnten für mein wahres Selbst Bindung und Befreiung kommen? So lautet die Upanishad.
Wort-für-Wort-Erläuterung: dehaḥ – Körper; janma-mṛtyu – Geburt und Tod; prāṇaḥ – Lebenshauch; kṣut-pipāse – Hunger und Durst; cetaḥ – Geist; śoka-mohau – Trauer und Verblendung; kartā – Handelnder; bandha-mokṣau – Bindung und Befreiung; kutaḥ me – woher für mich?
Abschließendes Shanti Mantra
oṃ saha nāvavatu || saha nau bhunaktu || saha vīryaṃ karavāvahai ||
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Das Shanti Mantra wird am Ende wiederholt: Möge das Höchste uns beschützen und nähren; möge unser gemeinsames Studium kraftvoll und friedvoll sein.
Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; saha nau avatu – möge uns beide beschützen; bhunaktu – möge nähren; śāntiḥ – Frieden.
Sarvasara Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung
Name, Einordnung und Überlieferung
Der Name bezeichnet die Lehre über präzise Definitionen zentraler Begriffe des Vedanta. Als Samanya Vedanta Upanishad verbindet die Schrift upanishadische Befreiungssprache mit Begriffen, Bildern und Praktiken ihrer besonderen Tradition. Die Zuordnung zum Krishna Yajurveda beruht vor allem auf dem Muktika-Kanon und den Kolophonen der späteren Sammlungen; sie bedeutet nicht zwingend, dass der gesamte Text schon zur ältesten Schicht dieses Veda gehörte.
Die Überlieferung ist handschriftlich. Abschnitts- und Verszahlen können deshalb zwischen Ausgaben abweichen, besonders bei Prosateilen, Schlussformeln und eingeschobenen Mantras. Diese Ausgabe gibt den benutzten Text vollständig wieder und gliedert lange Prosa für Übersetzung und Worterklärung in redaktionelle Sinnabschnitte. Solche Zwischenüberschriften sind keine vorgetäuschten alten Verszahlen.
Datierung
Die genaue Entstehungszeit ist nicht gesichert. Sprache, Systematisierung und Stellung im Muktika-Kanon sprechen für eine jüngere Upanishad, deren überlieferte Gestalt wahrscheinlich im ersten Jahrtausend n. Chr. oder im frühen Mittelalter gewachsen ist. Datierungen von Neben-Upanishaden sind grundsätzlich Näherungen: Ein alter Lehrgedanke, die erhaltene sprachliche Fassung und der Zeitpunkt der Aufnahme in eine Sammlung können verschiedenen Epochen angehören.
Aufbau und Inhalt
Der Text entfaltet Bandha und Moksha; Avidya, Vidya und die Bewusstseinszustände; fünf Hüllen, Jiva, Kshetrajna und Brahman. Seine Bewegung führt von sichtbaren Formen, kosmologischen Zuordnungen oder Regeln immer wieder zur Frage nach dem tragenden Bewusstsein. Selbst dort, wo Ritual, Gottheit oder Mantra im Vordergrund stehen, zielt die upanishadische Deutung auf eine Umwandlung des Erkennenden.
Für die Lektüre ist es hilfreich, drei Ebenen auseinanderzuhalten: Erstens die wörtliche historische Vorschrift oder Erzählung, zweitens ihre symbolische und meditative Bedeutung und drittens die philosophische Aussage über Atman, Brahman und Befreiung. Nicht jede Passage beansprucht auf allen drei Ebenen dieselbe Art von Wahrheit.
Philosophische Kernlehre
Die zentrale Perspektive lautet: präzise Definitionen zentraler Begriffe des Vedanta. Die wechselnden Erfahrungen, Namen und Formen sind nicht das letzte Maß des Menschen. Freiheit entsteht, wenn Identifikation, Unwissenheit und zwanghafte Anhaftung durch klare Erkenntnis, Sammlung und eine gereifte Lebensführung durchschaut werden.
Diese Lehre darf nicht als bloße Behauptung „Alles ist eins“ missverstanden werden. Die Upanishaden verbinden Einsicht mit Disziplin: Der Geist soll wahrhaftig, ruhig und fein werden. Erst dann wird Nichtdualität zu gelebter Freiheit statt zu einem abstrakten Gedanken.

Beziehungen zu anderen Schriften
Thematisch steht die Sarvasara Upanishad besonders neben Mantrika Upanishad, Niralamba Upanishad, Subala Upanishad, Shukarahasya Upanishad, Vajrasuchi Upanishad, Atmabodha Upanishad, Kaushitaki Brahmana Upanishad. Gemeinsame Motive können wörtliche Übernahmen, geteilte mündliche Traditionen oder spätere Neuinterpretationen älterer Verse anzeigen. Ähnlichkeit allein beweist jedoch keine eindeutige chronologische Abhängigkeit.
Die Bhagavad Gita verbindet ebenfalls Erkenntnis, Hingabe und Handeln; das Yoga Sutra beschreibt die Sammlung des Geistes mit einer anderen systematischen Sprache. Ein Vergleich macht sichtbar, was allen Wegen gemeinsam ist und wo die Sarvasara Upanishad einen eigenen Akzent setzt.
Bedeutung für die Tradition
Für die zugehörige Tradition legitimiert die Schrift Praxis nicht nur durch Vorschrift, sondern durch eine Sicht des Menschen und des Kosmos. Die im Text behandelten Themen – Bandha und Moksha; Avidya, Vidya und die Bewusstseinszustände; fünf Hüllen, Jiva, Kshetrajna und Brahman – erhalten dabei einen gemeinsamen inneren Bezug. Ritual und Symbol gewinnen ihren tiefsten Sinn, wenn sie Erinnerung, Sammlung, Selbsthingabe und Erkenntnis fördern.
Historisch war die Unterweisung häufig in eine Guru-Schüler-Beziehung eingebettet. Das gilt besonders für Bija-Mantras, Nyasa, Gelübde, intensive Atemmethoden oder weitreichende Formen der Entsagung. Die schriftliche Überlieferung bewahrt die Lehre; sie ersetzt nicht in jedem Fall die persönliche Anleitung.
Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten
Der moderne Yoga Aspirant kann die Schrift fruchtbar lesen, ohne jedes vormoderne Weltbild wörtlich übernehmen zu müssen. Er kann fragen: Welche Form von Unwissenheit wird hier beschrieben? Welche Haltung reinigt den Geist? Wie werden Körper, Atem, Gefühl, Denken und Bewusstsein miteinander verbunden? Und woran zeigt sich Befreiung im Umgang mit anderen Menschen?
Praktisch bedeutet dies: kurze Passagen regelmäßig studieren, zentrale Begriffe nachschlagen, die Lehre in stiller Meditation prüfen und ihre ethische Wirkung beobachten. Wachsende Geduld, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Freiheit von zwanghaftem Begehren sind verlässlichere Zeichen als Visionen, Titel oder außergewöhnliche Erlebnisse.
Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Begleiter
Für Yogalehrer ist die Sarvasara Upanishad eine Erinnerung an sorgfältige Kontextualisierung. Ein Lehrer sollte zwischen Textaussage, traditioneller Kommentierung, persönlicher Erfahrung und überprüfbaren körperlichen Wirkungen unterscheiden. Er sollte schwierige soziale, medizinische oder sektarische Aussagen weder verschweigen noch unkritisch bestätigen.
Ein verantwortlicher Lehrer führt nicht in Abhängigkeit. Er hilft Lernenden, Schrift, Vernunft, Gewissen und eigene Erfahrung miteinander ins Gespräch zu bringen. Wo Übungen Risiken bergen oder eine Einweihung voraussetzen, gehören klare Grenzen zur spirituellen Redlichkeit.
Bleibende Botschaft
Die bleibende Einladung der Sarvasara Upanishad besteht in der vertieften Auseinandersetzung mit ihrem Kernanliegen: präzise Definitionen zentraler Begriffe des Vedanta. Formen können verschieden sein; das Ziel ist eine Freiheit, die den ganzen Menschen verwandelt. Erkenntnis wird dann lebendig, wenn sie das Herz weitet, den Geist klärt und das tägliche Handeln wahrhaftiger macht.
Sarvasara Upanishad – vollständiger Text in Devanagari
समस्तवेदान्तसारसिद्धान्तार्थकलेवरम् ।
विकलेवरकैवल्यं रामचन्द्रपदं भजे ॥
सर्वसारं निरालम्बं रहस्यं वज्रसूचिकम् ।
तेजोनादध्यानविद्यायोगतत्त्वात्मबोधकम् ॥
ॐ सह नाववतु ॥ सह नौ भुनक्तु ॥ सह वीर्यं करवावहै ॥
तेजस्विनावधीतमस्तु मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
कथं बन्धः कथं मोक्षः का विद्या काऽविद्येति ।
जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तितुरीयं च कथम् ।
अन्नमयप्राणमयमनोमयविज्ञानमयानन्दमयकोशाः कथम् ।
कर्ता जीवः पञ्चवर्गः क्षेत्रज्ञः साक्षी कूटस्थोऽन्तर्यामी कथम् ।
प्रत्यगात्मा परात्मा माया चेति कथम् ।
आत्मेश्वरजीवः अनात्मनां देहादीनामात्मत्वेनाभिमन्यते
सोऽभिमान आत्मनो बन्धः । तन्निवृत्तिर्मोक्षः ।
या तदभिमानं कारयति सा अविद्या । सोऽभिमानो यया
निवर्तते सा विद्या । मन आदिचतुर्दशकरणैः
पुष्कलैरादित्याद्यनुगृहीतैः शब्दादीन्विषयान्-
स्थूलान्यदोपलभते तदात्मनो जागरणम् ।
तद्वासनासहितैश्चतुर्दशकरणैः शब्दाद्यभावेऽपि
वासनामयाञ्छब्दादीन्यदोपलभते तदात्मनः स्वप्नम् ।
चतुर्दशकरणो परमाद्विशेषविज्ञानाभावाद्यदा
शब्दादीन्नोपलभते तदात्मनः सुषुप्तम् ।
अवस्थात्रयभावाभावसाक्षी स्वयंभावरहितं
नैरन्तर्यं चैतन्यं यदा तदा तुरीयं चैतन्यमित्युच्यते ।
अन्नकार्याणां कोशानां समूहोऽन्नमयः कोश उच्यते ।
प्राणादिचतुर्दशवायुभेदा अन्नमयकोशे यदा वर्तन्ते
तदा प्राणमयः कोश इत्युच्यते ।
एतत्कोशद्वयसंसक्तं मन आदि चतुर्दशकरणैरात्मा
शब्दादिविषयसङ्कल्पादीन्धर्मान्यदा करोति तदा मनोमयः
कोश इत्युच्यते । एतत्कोशत्रयसंसक्तं तद्गतविशेषज्ञो
यदा भासते तदा विज्ञानमयः कोश इत्युच्यते ।
एतत्कोशचतुष्टयं संसक्तं स्वकारणाज्ञाने
वटकणिकायामिव वृक्षो यदा वर्तते तदानन्दमयः कोश
इत्युच्यते । सुखदुःखबुद्ध्या श्रेयोऽन्तः कर्ता यदा तदा
इष्टविषये बुद्धिः सुखबुद्धिरनिष्टविषये बुद्धिर्दुःखबुद्धिः ।
शब्दस्पर्शरूपरसगन्धाः सुखदुःखहेतवः ।
पुण्यपापकर्मानुसारी भूत्वा प्राप्तशरीरसंयोग-
मप्राप्तशरीरसंयोगमिव कुर्वाणो यदा दृश्यते
तदोपहितजीव इत्युच्यते । मन आदिश्च
प्राणादिश्चेच्छादिश्च सत्त्वादिश्च पुण्यादिश्चैते
पञ्चवर्गा इत्येतेषां पञ्चवर्गाणां धर्मीभूतात्मा
ज्ञानादृते न विनश्यत्यात्मसन्निधौ नित्यत्वेन
प्रतीयमान आत्मोपाधिर्यस्तल्लिङ्गशरीरं
हृद्ग्रन्थिरित्युच्यते तत्र यत्प्रकाशते चैतन्यं स
क्षेत्रज्ञ इत्युच्यते । ज्ञातृज्ञानज्ञेयानामाविर्भाव-
तिरोभावज्ञाता स्वयमाविर्भावतिरोभावरहितः
स्वयंज्योतिः साक्षीत्युच्यते ।
ब्रह्मादिपिपीलिकापर्यन्तं सर्वप्राणिबुद्धिष्ववशिष्टत-
योपलभ्यमानः सर्वप्राणिबुद्धिस्थो यदा तदा कूटस्थ
इत्युच्यते । कूटस्थोपहितभेदानां स्वरूपलाभहेतुर्भूत्वा
मणिगणे सूत्रमिव सर्वक्षेत्रेष्वनुस्यूतत्वेन यदा काश्यते
आत्मा तदान्तर्यामीत्युच्यते ।
सत्यं ज्ञानमनन्तं ब्रह्म । सत्यमविनाशि । अविनाशि
नाम देशकालवस्तुनिमित्तेषु विनश्यत्सु यन्न विनश्यति
तदविनाशि । ज्ञानं नामोत्पत्तिविनाशरहितं नैरन्तर्यं
चैतन्यं ज्ञानमुच्यते । अनन्तं नाम मृद्विकारेषु
मृदिव स्वर्णविकारेषु स्वर्णमिव तन्तुविकारेषु
तन्तुरिवाव्यक्तादिसृष्टिप्रपञ्चेषु पूर्णं व्यापकं
चैतन्यमनन्तमित्युच्यते ।
आनन्दं नाम सुखचैतन्यस्वरूपोऽपरिमितानन्द-
समुद्रोऽवशिष्टसुखस्वरूपश्चानन्द इत्युच्यते ।
एतद्वस्तुचतुष्टयं यस्य लक्षणं देशकाल-
वस्तुनिमित्तेश्वव्यभिचारी तत्पदार्थः परमात्मेत्युच्यते ।
त्वंपदार्थादौपाधिकात्तत्पदार्थादौपाधिक-
भेदाद्विलक्षणमाकाशवत्सूक्ष्मं केवलसत्ता-
मात्रस्वभावं परं ब्रह्मेत्युच्यते । माया नाम
अनादिरन्तवती प्रमाणाप्रमाणसाधारणा न सती
नासती न सदसती स्वयमधिका विकाररहिता निरूप्यमाणा
सतीतरलक्षणशून्या सा मायेत्युच्यते । अज्ञानं
तुच्छाप्यसती कालत्रयेऽपि पामराणां वास्तवी च
सत्त्वबुद्धिर्लौकिकानामिदमित्थमित्यनिर्वचनीया वक्तुं न शक्यते ।
नाहं भवाम्यहं देवो नेन्द्रियाणि दशैव तु ।
न बुद्धिर्न मनः शश्वन्नाहङ्कारस्तथैव च ॥ १॥
अप्राणो ह्यमनाः शुभ्रो बुद्ध्यादीनां हि सर्वदा ।
साक्ष्यहं सर्वदा नित्यश्चिन्मात्रोऽहं न संशयः ॥ २॥
नाहं कर्ता नैव भोक्ता प्रकृतेः साक्षिरूपकः ।
मत्सान्निध्यात्प्रवर्तन्ते देहाद्या अजडा इव ॥ ३॥
स्थाणुर्नित्यः सदानन्दः शुद्धो ज्ञानमयोऽमलः ।
आत्माहं सर्वभूतानां विभुः साक्षी न संशयः ॥ ४॥
ब्रह्मैवाहं सर्ववेदान्तवेद्यं
नाहं वेद्यं व्योमवातादिरूपम् ।
रूपं नाहं नाम नाहं न कर्म
ब्रह्मैवाहं सच्चिदानन्दरूपम् ॥ ५॥
नाहं देहो जन्ममृत्यु कुतो मे
नाहं प्राणः क्षुत्पिपासे कुतो मे ।
नाहं चेतः शोकमोहौ कुतो मे
नाहं कर्ता बन्धमोक्षौ कुतो म इत्युपनिषत् ॥
ॐ सह नाववतु ॥ सह नौ भुनक्तु ॥ सह वीर्यं करवावहै ॥
तेजस्विनावधीतमस्तु मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
Sarvasara Upanishad – vollständiger Text in IAST
samastavedāntasārasiddhāntārthakalevaram |
vikalevarakaivalyaṃ rāmacandrapadaṃ bhaje ||
sarvasāraṃ nirālambaṃ rahasyaṃ vajrasūcikam |
tejonādadhyānavidyāyogatattvātmabodhakam ||
oṃ saha nāvavatu || saha nau bhunaktu || saha vīryaṃ karavāvahai ||
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
kathaṃ bandhaḥ kathaṃ mokṣaḥ kā vidyā kā'vidyeti |
jāgratsvapnasuṣuptiturīyaṃ ca katham |
annamayaprāṇamayamanomayavijñānamayānandamayakośāḥ katham |
kartā jīvaḥ pañcavargaḥ kṣetrajñaḥ sākṣī kūṭastho'ntaryāmī katham |
pratyagātmā parātmā māyā ceti katham |
ātmeśvarajīvaḥ anātmanāṃ dehādīnāmātmatvenābhimanyate
so'bhimāna ātmano bandhaḥ | tannivṛttirmokṣaḥ |
yā tadabhimānaṃ kārayati sā avidyā | so'bhimāno yayā
nivartate sā vidyā | mana ādicaturdaśakaraṇaiḥ
puṣkalairādityādyanugṛhītaiḥ śabdādīnviṣayān-
sthūlānyadopalabhate tadātmano jāgaraṇam |
tadvāsanāsahitaiścaturdaśakaraṇaiḥ śabdādyabhāve'pi
vāsanāmayāñchabdādīnyadopalabhate tadātmanaḥ svapnam |
caturdaśakaraṇo paramādviśeṣavijñānābhāvādyadā
śabdādīnnopalabhate tadātmanaḥ suṣuptam |
avasthātrayabhāvābhāvasākṣī svayaṃbhāvarahitaṃ
nairantaryaṃ caitanyaṃ yadā tadā turīyaṃ caitanyamityucyate |
annakāryāṇāṃ kośānāṃ samūho'nnamayaḥ kośa ucyate |
prāṇādicaturdaśavāyubhedā annamayakośe yadā vartante
tadā prāṇamayaḥ kośa ityucyate |
etatkośadvayasaṃsaktaṃ mana ādi caturdaśakaraṇairātmā
śabdādiviṣayasaṅkalpādīndharmānyadā karoti tadā manomayaḥ
kośa ityucyate | etatkośatrayasaṃsaktaṃ tadgataviśeṣajño
yadā bhāsate tadā vijñānamayaḥ kośa ityucyate |
etatkośacatuṣṭayaṃ saṃsaktaṃ svakāraṇājñāne
vaṭakaṇikāyāmiva vṛkṣo yadā vartate tadānandamayaḥ kośa
ityucyate | sukhaduḥkhabuddhyā śreyo'ntaḥ kartā yadā tadā
iṣṭaviṣaye buddhiḥ sukhabuddhiraniṣṭaviṣaye buddhirduḥkhabuddhiḥ |
śabdasparśarūparasagandhāḥ sukhaduḥkhahetavaḥ |
puṇyapāpakarmānusārī bhūtvā prāptaśarīrasaṃyoga-
maprāptaśarīrasaṃyogamiva kurvāṇo yadā dṛśyate
tadopahitajīva ityucyate | mana ādiśca
prāṇādiścecchādiśca sattvādiśca puṇyādiścaite
pañcavargā ityeteṣāṃ pañcavargāṇāṃ dharmībhūtātmā
jñānādṛte na vinaśyatyātmasannidhau nityatvena
pratīyamāna ātmopādhiryastalliṅgaśarīraṃ
hṛdgranthirityucyate tatra yatprakāśate caitanyaṃ sa
kṣetrajña ityucyate | jñātṛjñānajñeyānāmāvirbhāva-
tirobhāvajñātā svayamāvirbhāvatirobhāvarahitaḥ
svayaṃjyotiḥ sākṣītyucyate |
brahmādipipīlikāparyantaṃ sarvaprāṇibuddhiṣvavaśiṣṭata-
yopalabhyamānaḥ sarvaprāṇibuddhistho yadā tadā kūṭastha
ityucyate | kūṭasthopahitabhedānāṃ svarūpalābhaheturbhūtvā
maṇigaṇe sūtramiva sarvakṣetreṣvanusyūtatvena yadā kāśyate
ātmā tadāntaryāmītyucyate |
satyaṃ jñānamanantaṃ brahma | satyamavināśi | avināśi
nāma deśakālavastunimitteṣu vinaśyatsu yanna vinaśyati
tadavināśi | jñānaṃ nāmotpattivināśarahitaṃ nairantaryaṃ
caitanyaṃ jñānamucyate | anantaṃ nāma mṛdvikāreṣu
mṛdiva svarṇavikāreṣu svarṇamiva tantuvikāreṣu
tanturivāvyaktādisṛṣṭiprapañceṣu pūrṇaṃ vyāpakaṃ
caitanyamanantamityucyate |
ānandaṃ nāma sukhacaitanyasvarūpo'parimitānanda-
samudro'vaśiṣṭasukhasvarūpaścānanda ityucyate |
etadvastucatuṣṭayaṃ yasya lakṣaṇaṃ deśakāla-
vastunimitteśvavyabhicārī tatpadārthaḥ paramātmetyucyate |
tvaṃpadārthādaupādhikāttatpadārthādaupādhika-
bhedādvilakṣaṇamākāśavatsūkṣmaṃ kevalasattā-
mātrasvabhāvaṃ paraṃ brahmetyucyate | māyā nāma
anādirantavatī pramāṇāpramāṇasādhāraṇā na satī
nāsatī na sadasatī svayamadhikā vikārarahitā nirūpyamāṇā
satītaralakṣaṇaśūnyā sā māyetyucyate | ajñānaṃ
tucchāpyasatī kālatraye'pi pāmarāṇāṃ vāstavī ca
sattvabuddhirlaukikānāmidamitthamityanirvacanīyā vaktuṃ na śakyate |
nāhaṃ bhavāmyahaṃ devo nendriyāṇi daśaiva tu |
na buddhirna manaḥ śaśvannāhaṅkārastathaiva ca || 1 ||
aprāṇo hyamanāḥ śubhro buddhyādīnāṃ hi sarvadā |
sākṣyahaṃ sarvadā nityaścinmātro'haṃ na saṃśayaḥ || 2 ||
nāhaṃ kartā naiva bhoktā prakṛteḥ sākṣirūpakaḥ |
matsānnidhyātpravartante dehādyā ajaḍā iva || 3 ||
sthāṇurnityaḥ sadānandaḥ śuddho jñānamayo'malaḥ |
ātmāhaṃ sarvabhūtānāṃ vibhuḥ sākṣī na saṃśayaḥ || 4 ||
brahmaivāhaṃ sarvavedāntavedyaṃ
nāhaṃ vedyaṃ vyomavātādirūpam |
rūpaṃ nāhaṃ nāma nāhaṃ na karma
brahmaivāhaṃ saccidānandarūpam || 5 ||
nāhaṃ deho janmamṛtyu kuto me
nāhaṃ prāṇaḥ kṣutpipāse kuto me |
nāhaṃ cetaḥ śokamohau kuto me
nāhaṃ kartā bandhamokṣau kuto ma ityupaniṣat ||
oṃ saha nāvavatu || saha nau bhunaktu || saha vīryaṃ karavāvahai ||
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Sarvasara Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung
Eröffnungsverse
Ich verehre den Zustand Shri Ramas, der die verkörperte Essenz der gesamten Vedanta-Lehre und das körperlose Kaivalya ist. Der zweite Eröffnungsvers nennt eine Reihe von Upanishaden – Sarvasara, Niralamba, Rahasya, Vajrasuchika und weitere – als Lehren über die höchste Erkenntnis.
Shanti Mantra
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen und nähren. Mögen wir gemeinsam Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
1. Prosatexteinheit – Die Fragen der Sarvasara Upanishad
Wie sind Bindung und Befreiung zu verstehen? Was sind Vidya und Avidya? Was bedeuten Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya? Was sind die fünf Koshas – Annamaya, Pranamaya, Manomaya, Vijnanamaya und Anandamaya? Was bedeuten Handelnder, Jiva, die fünf Gruppen, Kshetrajna, Zeuge, Kutastha und innerer Lenker? Was sind innerer Atman, höchster Atman und Maya?
2. Prosatexteinheit – Bindung und Befreiung
Wenn der Jiva Körper und andere Nicht-Selbst-Anteile für den Atman hält und sich mit ihnen identifiziert, ist diese falsche Selbstzuschreibung Bindung. Das Aufhören dieser Identifikation ist Moksha, Befreiung.
3. Prosatexteinheit – Avidya und Vidya
Was diese falsche Identifikation hervorruft, ist Avidya, Unwissenheit. Das, wodurch diese Identifikation aufgehoben wird, ist Vidya, Erkenntnis.
4. Prosatexteinheit – Der Wachzustand
Wachen heißt der Zustand, in dem der Atman durch die vierzehn inneren und äußeren Instrumente, traditionell mit Sonne und anderen leitenden Gottheiten verbunden, grobstoffliche Sinnesgegenstände wie Klang wahrnimmt.
5. Prosatexteinheit – Der Traumzustand
Traum heißt der Zustand, in dem die vierzehn Instrumente zusammen mit den aus dem Wachen stammenden Vasanas innere Klang-, Bild- und andere Erlebnisformen hervorbringen, obwohl die entsprechenden äußeren Gegenstände nicht gegenwärtig sind.
6. Prosatexteinheit – Tiefschlaf
Tiefschlaf heißt der Zustand, in dem aufgrund des Ruhens der vierzehn Instrumente keine besondere Wahrnehmung von Klang und den übrigen Gegenständen stattfindet.
7. Prosatexteinheit – Turiya als Zeugenbewusstsein
Turiya wird jenes ununterbrochene Bewusstsein genannt, das das Auftreten und Nicht-Auftreten der drei Zustände bezeugt, ohne selbst auf einen dieser wechselnden Zustände begrenzt zu sein.
8. Prosatexteinheit – Annamaya und Pranamaya Kosha
Die aus Nahrung hervorgegangene körperliche Hülle heißt Annamaya Kosha. Wenn die verschiedenen Funktionen des Prana und der Lebenswinde in dieser körperlichen Hülle wirken, spricht man vom Pranamaya Kosha.
9. Prosatexteinheit – Manomaya und Vijnanamaya Kosha
Wenn der Atman in Verbindung mit den beiden vorherigen Hüllen durch Manas und die übrigen Instrumente Vorstellungen über Sinnesgegenstände bildet, heißt diese Ebene Manomaya Kosha. Wenn darin bestimmende, unterscheidende Erkenntnis aufleuchtet, wird sie Vijnanamaya Kosha genannt.
10. Prosatexteinheit – Anandamaya Kosha
Wenn die vier Hüllen in ihrem kausalen Nichtwissen in unentfalteter Form ruhen – wie ein großer Baum im winzigen Banyansamen –, wird diese kausale Ebene Anandamaya Kosha genannt.
11. Prosatexteinheit – Freude, Leid und Sinnesobjekte
Wenn die Buddhi einen Gegenstand als erwünscht bewertet, entsteht die Vorstellung von Freude; bei einem unerwünschten Gegenstand die Vorstellung von Leid. Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch erscheinen dabei als Anlässe dieser wechselnden Bewertungen.
12. Prosatexteinheit – Der durch Upadhis begrenzte Jiva
Wenn das Bewusstsein entsprechend früheren guten und unguten Handlungen mit einem bestimmten Körper verbunden erscheint und weitere Verkörperung erfährt, wird es als durch begrenzende Bedingungen bestimmter Jiva bezeichnet.
13. Prosatexteinheit – Fünf Gruppen, Linga Sharira und Kshetrajna
Manas und seine Funktionen, Prana und seine Funktionen, Wille und Verlangen, die Gunas sowie Verdienst und Schuld werden als fünf Gruppen zusammengefasst. Ihr feinstofflicher Verbund, der in der Nähe des Atman beständig zu sein scheint, heißt Linga Sharira oder „Knoten des Herzens“. Das Bewusstsein, das in diesem Feld leuchtet, heißt Kshetrajna, der Kenner des Feldes.
14. Prosatexteinheit – Sakshi, Kutastha und Antaryamin
Der selbstleuchtende Kenner des Erscheinens und Verschwindens von Erkennendem, Erkenntnis und Erkanntem, der selbst davon unberührt bleibt, heißt Sakshi, Zeuge. Dasselbe Bewusstsein, das unverändert in allen Wesen von Brahma bis zur Ameise gegenwärtig ist, heißt Kutastha. Wie ein Faden durch eine Perlenreihe zieht es sich durch alle Erfahrungsfelder; in dieser Hinsicht heißt es Antaryamin, innerer Lenker.
15. Prosatexteinheit – Satya, Jnana und Ananta Brahman
Brahman ist Satya, Jnana und Ananta. „Wahr“ ist, was nicht vergeht, wenn Ort, Zeit und Dinge vergehen. „Jnana“ ist das ununterbrochene Bewusstsein ohne Entstehen und Vergehen. „Unendlich“ ist das alles durchdringende Bewusstsein – wie Ton in allen Tongefäßen, Gold in Goldformen und Faden in Geweben gegenwärtig bleibt.
16. Prosatexteinheit – Ananda und Paramatman
Ananda ist die Natur reinen Glücksbewusstseins, ein grenzenloser Ozean der Glückseligkeit. Die Wirklichkeit, deren Merkmale – Sein, Bewusstsein, Unendlichkeit und Glückseligkeit – nicht durch Ort, Zeit oder Gegenstände eingeschränkt werden, wird Paramatman genannt.
17. Prosatexteinheit – Para Brahman, Maya und Ajnana
Para Brahman ist jenseits der begrenzenden Unterschiede, die mit „du“ und „Das“ verbunden werden: subtil wie Raum und reine Existenz selbst. Maya wird als anfangslos, aber im Erkenntnislicht überwindbar beschrieben; sie ist weder einfach wirklich noch völlig unwirklich und deshalb nicht eindeutig bestimmbar. Ajnana ist ebenfalls nicht als selbständige Wirklichkeit fassbar, obwohl die gewöhnliche Erfahrung es für real hält.
1. Vers – Nicht Körper, Sinne oder Ego
Ich bin nicht der Körper, nicht die zehn Sinne, nicht Buddhi, nicht Manas und ebenso wenig Ahamkara. Das wahre Selbst ist nicht mit diesen wechselnden Instrumenten identisch.
2. Vers – Reines Zeugenbewusstsein
Ich bin nicht Prana und nicht Manas; ich bin rein. Ich bin stets der Zeuge von Buddhi und den übrigen Funktionen, ewig und nichts als Bewusstsein – daran besteht kein Zweifel.
3. Vers – Nicht Handelnder und nicht Genießender
Ich bin weder Handelnder noch Genießender, sondern Zeuge der Prakriti. Durch meine bloße Gegenwart erscheinen Körper und andere an sich unbewusste Faktoren wie belebt und tätig.
4. Vers – Atman als ewiger Zeuge aller Wesen
Ich bin der unbewegte, ewige, stets glückselige, reine und makellose Atman, aus Erkenntnis bestehend; der alldurchdringende Zeuge aller Wesen – daran besteht kein Zweifel.
5. Vers – Ich bin Satchidananda Brahman
Ich bin wahrlich Brahman, das durch den gesamten Vedanta erkannt werden soll. Ich bin kein erkennbares Objekt wie Raum oder Luft, keine Form, kein Name und kein Karma. Ich bin Brahman, dessen Wesen Sat-Chit-Ananda ist.
Abschluss – Wo bleibt Bindung oder Befreiung?
Ich bin nicht der Körper – woher sollten Geburt und Tod für mich kommen? Ich bin nicht Prana – woher Hunger und Durst? Ich bin nicht der Geist – woher Trauer und Verblendung? Ich bin nicht der Handelnde – woher könnten für mein wahres Selbst Bindung und Befreiung kommen? So lautet die Upanishad.
Abschließendes Shanti Mantra
Das Shanti Mantra wird am Ende wiederholt: Möge das Höchste uns beschützen und nähren; möge unser gemeinsames Studium kraftvoll und friedvoll sein.
Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Sarvasara Upanishad für ernsthafte Aspiranten
1. Mache die zentrale Lehre zur täglichen Kontemplation.
Die Sarvasara Upanishad richtet den Blick auf präzise Definitionen zentraler Begriffe des Vedanta. Lies einen kurzen Abschnitt langsam, fasse ihn in einem eigenen Satz zusammen und bleibe danach einige Minuten in der Stille.
2. Studiere Begriffe, aber bleibe nicht bei Begriffen stehen.
Führe ein kleines Studienheft zu Atman, Brahman, Maya und Moksha. Prüfe danach in der Meditation, worauf die Begriffe in deiner Erfahrung verweisen.
3. Übe Sakshi Bhava im Alltag.
Beobachte Gedanken, Gefühle und Rollen als wechselnde Inhalte des Bewusstseins. Das schafft Abstand, ohne Verantwortung zu vermeiden.
4. Verbinde Erkenntnis mit Ethik.
Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Maß und Mitgefühl sind keine Nebensache. Sie machen den Geist klar genug für tiefere Einsicht.
5. Lies vergleichend und mit offenem Urteil.
Vergleiche die Aussagen mit älteren Upanishaden, der Bhagavad Gita und lebendiger Lehrerfahrung. Unterscheide poetische Symbolik, historische Weltbilder und unmittelbar prüfbare Praxis.
Literatur und Quellen
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda. Leipzig 1905. Vergleichsübersetzung für die von Deussen aufgenommenen Texte.
- K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads. Madras 1914.
- T. R. Srinivasa Ayyangar und weitere Übersetzer: Ausgaben der Samanya-, Shaiva-, Shakta-, Vaishnava- und Sannyasa-Upanishaden auf Grundlage des Kommentars von Upanishad Brahma Yogin, Adyar Library.
- Patrick Olivelle: Saṃnyāsa Upaniṣads: Hindu Scriptures on Asceticism and Renunciation. Oxford University Press, 1992. Besonders relevant für die Sannyasa-Texte.
- Sanskrit Documents – elektronische Sanskritausgaben.
- Sarvasara Upanishad – verwendete Devanagari-Textgrundlage
- 108 Upanishads – englische Vergleichsübersetzungen nach Veda-Gruppen
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda – Digitalisat
- K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads – Digitalisat
- Upanishaden – kostenloses Online-Buch von Swami Krishnananda
- Klassische Upanishaden – Die Weisheit des Yoga
Redaktioneller Hinweis: Die deutsche Fassung wurde für diesen Artikel neu formuliert und mit den genannten Vergleichsübersetzungen abgeglichen. Bei Komposita fasst die Wort-für-Wort-Erläuterung eng verbundene Wörter teilweise als Sinngruppe zusammen. Die Ausgabe ist eine Studien- und Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition.
Siehe auch
- Mantrika Upanishad, Niralamba Upanishad, Subala Upanishad, Shukarahasya Upanishad, Vajrasuchi Upanishad, Atmabodha Upanishad, Kaushitaki Brahmana Upanishad
- Upanishaden
- Vedanta
- Jnana Yoga
- Meditation
- Moksha
- Guru
Weblinks
Seminare
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Termine: 8x donnerstag, 01.10.2026, 08.10.2026, 15.10.2026, 24.10.2026, 29.10.2026, 05.11.2026, 12.11.2026, 19.11.2026
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Diese…- Dr phil Oliver Hahn
- 06.01.2027 - 15.12.2027 Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI 2 - online
Termine: 16x mittwochs: 06.01., 27.01., 17.02., 10.03., 31.03., 21.04., 12.05., 02.06., 23.06., 14.07., 08.09., 29.09., 20.10., 10.11., 01.12., 15.12.20…- Dr phil Oliver Hahn
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Mit Meditation, Yoga und Mantra-Singen tauchst du in deine innere Welt. Ein Intensivseminar mit täglichen langen Meditationssitzungen, zwei Yoga-Stunde…- Dana Oerding
- 02.10.2026 - 04.10.2026 Meditation Intensiv Schweigend
Mit Meditation, Yoga und Mantra-Singen tauchst du in deine innere Welt. Ein Intensivseminar mit täglichen langen Meditationssitzungen, zwei Yoga-Stunde…- Karuna M Wapke