Karmasamnyasa

karmasamnyasa (Sanskrit: karmasamnyāsa m.) = das Aufgeben der Bindung an die Früchte des Handelns
Wenn du dich tiefer mit der yogischen oder hinduistischen Philosophie beschäftigst, wirst du früher oder später auf das Konzept des Karmasamnyasa stoßen. Übersetzt bedeutet der Begriff wörtlich “der Verzicht auf Handlungen” oder “das Aufgeben von Werken”. Karma steht für Handlung, Tun oder auch die Folgen deiner Taten, und Samnyasa bedeutet Verzicht, Loslassen oder Entsagung.
Auf den ersten Blick klingt das vielleicht nach einer Aufforderung, einfach gar nichts mehr zu tun – also in Passivität oder Weltflucht zu verfallen. Aber genau das ist nicht gemeint. Karmasamnyasa ist ein sehr viel feineres und tieferes Konzept. Es geht nicht darum, äußerlich die Hände in den Schoß zu legen, sondern darum, innerlich von der Anhaftung an die Früchte deiner Handlungen loszulassen. Du tust weiterhin alles, was getan werden muss, aber du identifizierst dich nicht mehr mit dem Ergebnis. Du gibst nicht die Handlung auf, sondern das Festhalten am Erfolg oder Misserfolg, am Lob oder an der Kritik.
In der XBhagavad Gita, der zentralen Schrift des Hinduismus, bringt Krishna diesen Gedanken auf den Punkt. Er sagt zu Arjuna: “Du hast ein Recht auf die Handlung, aber niemals auf ihre Früchte. Lass weder das Motiv der Ergebnisse dein Handeln bestimmen, noch sei dem Nichtstun ergeben.” (Bhagavad Gita, Kapitel 2, Vers 47). Das ist die Essenz des Karmasamnyasa. Du handelst aus deiner Dharma-Pflicht heraus, aus deiner authentischen Natur, aber du lässt das Ergebnis los. Du tust dein Bestes, aber du überlässt die Früchte dem Göttlichen oder dem Lauf des Lebens.
Stell dir vor, du übst eine schwierige Asana wie den Kopfstand oder den Baum. Du bereitest dich vor, du gibst dein Bestes, du spürst die Anstrengung in deinen Muskeln. Aber wenn du im Karmasamnyasa bist, dann bist du nicht verzweifelt, wenn du umkippst. Du bist nicht stolz, wenn du perfekt stehst. Du beobachtest einfach die Handlung des Übens, ohne dass dein Selbstwertgefühl daran hängt. Du praktizierst um der Praxis willen, nicht um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Genau das meint Karmasamnyasa: Handeln aus Fülle und Hingabe, nicht aus Mangel und Erwartung.