Indianische Mythologie
Indianische Mythologie mit ihren Sagen, ihrer Naturspiritualität, sind ein wichtiger Bestandteil des amerikanischen Schamanismus.
Indianische Mythologie bezeichnet die vielfältigen religiösen Vorstellungen, Mythen und Erzählungen indigener Völker Amerikas. Der Ausdruck fasst nicht eine einheitliche Glaubenswelt zusammen, sondern viele unterschiedliche Traditionen — von den Inuit im Norden über die Plains- und Waldvölker bis zu den Kulturen Mexikos und der Anden. Gemeinsam ist oft eine tiefe Verbindung zur Natur: Landschaften, Tiere, Pflanzen und Himmelskörper sind nicht nur Umgebung, sondern beseelte Akteure mit eigenen Mächten und Geschichten. Schöpfungsmythen erklären, wie Welt, Sonne und Menschen entstanden; Trickster-Figuren wie der Kojote oder Rabe treten als Gestalter, Unruhestifter und Lehrmeister auf; Ahnen, Geister und Krafttiere spielen in Ritualen, Heilungen und Initiationen zentrale Rollen. Mythen dienen zugleich als moralische Orientierung, Wissensspeicher und Handlungsanleitung für Gemeinschaften — sie erklären Jahreszeiten, Jagd, soziale Regeln und die Herkunft von Sitten.
Die Überlieferung erfolgt oft mündlich durch Erzähler, Sänger und Schamanen; Rituale, Masken, Tanz und bildliche Symbole sind eng mit den Geschichten verwoben. Da viele dieser Traditionen stark örtlich gebunden sind, variieren Motive und Bedeutungen stark: Ein Motiv wie die Regenmacherin kann in einem Stamm eine Schöpfergottheit und in einem anderen eine symbolische Figur sein. Moderne Forschungen und indigene Autorinnen und Autoren betonen außerdem, dass der Begriff "indianisch" oder "indianische Mythologie" vorsichtig und kontextsensitiv verwendet werden sollte, weil er Zusammenhänge vereinfachen kann, die in Wirklichkeit komplex und selbstbestimmt sind.
"Der Rabe brachte das Licht in die Welt, nicht aus Bosheit, sondern weil er neugierig war — und so lernten die Menschen, die Dunkelheit zu teilen."