Weltanschauung

Aus Yogawiki

Eine Weltanschauung ist die grundlegende Sichtweise eines Menschen auf die Welt, das Leben und den Menschen selbst. Sie umfasst Überzeugungen über die Entstehung des Universums, den Sinn des Lebens, Werte, Moral sowie die Frage nach Gott, Bewusstsein und der Wirklichkeit.

Die Entstehung des Universums und des Lebens gehören zu den großen Fragen, mit denen sich Yoga-Traditionen beschäftigen.

Weltanschauung – Definition und Formen

Jeder Mensch besitzt bewusst oder unbewusst eine Weltanschauung. Sie entsteht durch Erziehung, Kultur, persönliche Erfahrungen, Bildung sowie religiöse oder philosophische Überzeugungen. Manche Menschen setzen sich bewusst mit ihrer Weltanschauung auseinander, andere übernehmen Vorstellungen aus Familie, Gesellschaft oder Kultur, ohne sie näher zu hinterfragen. Eine Weltanschauung kann sich im Laufe des Lebens verändern und weiterentwickeln.

Zu den grundlegenden Fragen einer Weltanschauung gehören unter anderem:

  • Wie ist das Universum entstanden?
  • Was ist der Mensch?
  • Was ist der Sinn des Lebens?
  • Gibt es Gott oder eine höhere Wirklichkeit?
  • Was ist Glück?
  • Wie entsteht Leid?
  • Welche Werte sollen das menschliche Leben bestimmen?

Eine Weltanschauung muss dabei nicht religiös sein. Es gibt religiöse, philosophische, naturwissenschaftliche und humanistische Weltanschauungen sowie zahlreiche Mischformen. Auch Menschen, die sich als atheistisch oder agnostisch bezeichnen, besitzen eine bestimmte Sicht auf die Welt und das Leben.

Im Yoga wird eine Weltanschauung nicht nur als theoretisches Gedankengebäude verstanden. Sie soll helfen, das Leben bewusster zu gestalten und zu einem tieferen Verständnis von Mensch, Natur und Bewusstsein zu gelangen.

Beispiele für Weltanschauungen

Im Laufe der Geschichte haben sich unterschiedliche Weltanschauungen entwickelt. Dazu gehören beispielsweise:

  • religiöse Weltanschauungen (zum Beispiel: Christentum, Islam oder Hinduismus)
  • philosophische Weltanschauungen (zum Beispiel: Stoizismus oder Existenzialismus)
  • naturwissenschaftlich-materialistische Weltanschauungen
  • humanistische Weltanschauungen
  • spirituelle Weltanschauungen

Innerhalb der indischen Philosophie wurden verschiedene Weltanschauungen entwickelt, die als Darshanas bezeichnet werden. Sie geben unterschiedliche Antworten auf die Fragen nach Wirklichkeit, Bewusstsein und dem Sinn des Lebens.

Weltanschauungen nach indischen Traditionen

In Indien gibt es die sogenannten Darshanas. Das Sanskritwort Darshana bedeutet wörtlich „Sichtweise“ oder „Anschauung“ und wird häufig mit Weltanschauung übersetzt. Jede dieser philosophischen Schulen beschreibt auf ihre Weise, wie die Welt entstanden ist, was den Menschen ausmacht und welches Ziel das Leben hat.

Vaisheshika – die Welt aus Atomen

Eine der klassischen Weltanschauungen ist Vaisheshika. Nach dieser Philosophie besteht das Universum aus Atomen und folgt festen Naturgesetzen. Alles, was existiert – auch Denken und Bewusstsein –, wird letztlich auf materielle Vorgänge zurückgeführt.

In dieser Sichtweise gibt es keinen übergeordneten Sinn des Lebens. Dennoch wird ethisches Handeln empfohlen, weil es das Zusammenleben verbessert und zum größtmöglichen Glück aller beiträgt. Diese Weltanschauung weist Parallelen zu modernen materialistischen oder naturwissenschaftlich geprägten Weltbildern auf.

Purva Mimamsa

Eine andere klassische Weltanschauung ist Purva Mimamsa. Vereinfacht dargestellt geht sie davon aus, dass die Welt von einer göttlichen Ordnung getragen wird. Aufgabe des Menschen ist es, rechtschaffen zu leben, gute Handlungen (Punya) auszuführen und negatives Karma durch Fehlverhalten (Papa) zu vermeiden oder auszugleichen.

Das Ziel besteht darin, durch tugendhaftes Leben günstiges Karma zu sammeln und dadurch nach dem Tod höhere Daseinszustände oder den Himmel zu erreichen. Ähnliche Vorstellungen finden sich auch in verschiedenen anderen Religionen.

Uttara Mimamsa (Vedanta)

Eine weitere bedeutende Weltanschauung ist Uttara Mimamsa, besser bekannt als Vedanta. Nach dieser Philosophie gibt es eine höchste göttliche Wirklichkeit, das Brahman. Die Welt, wie wir sie gewöhnlich wahrnehmen, erscheint aufgrund von Maya (Illusion oder Täuschung) als getrennt und begrenzt.

Der Mensch leidet, weil er sich mit Körper, Geist und Persönlichkeit identifiziert und seine wahre Natur vergisst. Ziel des Lebens ist es, diese Unwissenheit (Avidya) zu überwinden und die eigene Identität mit Brahman zu erkennen. Diese Selbsterkenntnis gilt als höchstes Glück und als Befreiung (Moksha).

Weitere klassisch-indische Weltanschauungen

Neben diesen drei Schulen gehören auch Nyaya, Samkhya und Yoga zu den sechs klassischen Darshanas der indischen Philosophie. Darüber hinaus entwickelten sich weitere bedeutende Traditionen, die häufig unter dem Begriff Nastika zusammengefasst werden. Dazu zählen unter anderem Buddhismus, Jainismus sowie verschiedene Tantra- und Bhakti-Traditionen.

Die verschiedenen Darshanas zeigen, dass sich die indische Philosophie seit Jahrtausenden mit den grundlegenden Fragen des Lebens beschäftigt und dabei unterschiedliche Antworten auf die Natur der Wirklichkeit, des Menschen und des Bewusstseins entwickelt hat.

Video Weltanschauung

Kurzes Vortragsvideo über Weltanschauung :

Autor/Sprecher: Sukadev Bretz, Seminarleiter zu den Themen Yoga und Meditation.

Weltanschauung Audio Vortrag

Hier die Audiospur des oberen Videos zu Weltanschauung :

Siehe auch

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