Yama Dvitiya – Yama-Verehrung und Geschwistermahl an Bhai Dooj

Aus Yogawiki

Yama Dvitiya – Yama-Verehrung und Geschwistermahl an Bhai Dooj verbindet eine kurze Verehrung von Yama und Yamuna mit einem Mahl für den Bruder und gegenseitigen Gaben. Die Schwester bittet um das Wohlergehen und lange Leben ihres Bruders. Yama Dvitiya, auch Bhai Dooj genannt, gibt der familiären Verbundenheit eine sichtbare Form: ein Platz am Tisch, aufmerksame Bewirtung und ein erwiderter Segen.

Die Anleitung folgt dem Puja Samuccaya, Abschnitt 68. Gefeiert wird zuhause an Kartika-Shukla Paksha-Dvitiya. Die Schwester führt die Verehrung und Bewirtung aus, der Bruder empfängt das Mahl und beschenkt sie anschließend. Der Text lässt bei fehlenden leiblichen Geschwistern ausdrücklich eine als Schwester anerkannte Bezugsperson zu. Eine priesterliche Leitung wird in dieser Familienordnung nicht verlangt.

Gastfreundschaft und gegenseitige Gaben machen die Geschwisterverbundenheit erfahrbar.

Vorbereitung

Bestimme den Festtag mit dem örtlichen Panchanga; als Zeitpunkt gilt nach Nirnaya Sindhu der spätere Tagesabschnitt, Aparahna. Reinigt euch und zieht frische Kleidung an. Stellt an einem sauberen Platz eine Darstellung von Yama und Yamuna auf, sofern vorhanden; auch ein freier, bewusst eingerichteter Verehrungsplatz ist eine praktische Möglichkeit. Die Quelle legt keine Bildform fest.

Bereite Sandelpaste, einige Blüten, Trinkwasser, ein Gefäß für die Ehrengabe und eine Auffangschale vor. Hinzu kommen ein vegetarisches Mahl, Teller und Trinkgefäß für den Bruder, ein Betelblatt als Tambula beziehungsweise die unten erläuterte heutige Ersatzgabe sowie Kleidung oder andere Geschenke füreinander. Eine Lampe oder ein Wasserkalasha sind in dieser kurzen Quellenvorschrift nicht verpflichtend. Die Schwester spricht; der Bruder hört aufmerksam zu und nimmt die Gastfreundschaft an.


Durchführung

1. Den Entschluss fassen
Die Schwester nennt Ort und Datum in eigenen Worten und spricht den Sankalpa. Die überlieferte Fassung verbindet ihre eigene eheliche Beständigkeit mit dem Wunsch für den Bruder. Wer diese Voraussetzung nicht teilt, kann einen persönlichen deutschen Entschluss zur Geschwisterverbundenheit sprechen; das ist eine heutige Anpassung.

mama śrīyamaprītidvārā avaidhavyaprāptyarthaṃ bhrātur āyurabhivṛddhyarthaṃ ca yamapūjanaṃ bhrātṛbhojanaṃ vastrādibhis tatpūjanaṃ ca kariṣye |

Zur Freude Yamas, zum Bewahren meines ehelichen Glücks und zur Mehrung der Lebenszeit meines Bruders werde ich Yama verehren, meinen Bruder bewirten und ihn mit Kleidung und weiteren Gaben ehren.

2. Yama und seine Begleiter willkommen heißen
Wende dich dem vorbereiteten Platz zu. Rufe Yama, Chitragupta und die Boten Yamas ins Bewusstsein und heiße sie willkommen. Der Text schreibt hierfür keinen eigenen Mantra aus. Als freie deutsche Ansprache kannst du sagen: „Yama, Chitragupta und ihr Begleiter, seid willkommen; nehmt diese Verehrung an.“ Bringe etwas Sandelpaste und eine Blüte an ihrem Platz dar. Diese schlichte Ausführung konkretisiert das in der Quelle genannte Verehren mit Duftgaben; sie ist kein zusätzlicher überlieferter Wortlaut.

3. Die Ehrengabe überreichen
Halte das vorbereitete Wasser bereit. Sprich den folgenden Vers und gieße dann eine kleine Menge als Arghya in die Auffangschale vor dem Verehrungsplatz.

ehyehi mārtaṇḍaja pāśahasta yamāntakālokadharāmareśa |
bhrātṛdvitīyākṛtadevapūjāṃ gṛhāṇa cārghyaṃ bhagavan namaste ||

Komm, komm, Sohn der Sonne, der du die Schlinge trägst: Yama, Vollender, Träger der Welt und Herr der Unsterblichen. Nimm die am Geschwisterfest vollzogene Verehrung und diese Ehrengabe an. Dir, Erhabener, gilt mein Gruß.

4. Yama grüßen
Lege die Hände zusammen und verneige dich vor Yama.

dharmarāja namas tubhyaṃ namaste yamunāgraja |
trāhi māṃ kiṃkaraiḥ sārdhaṃ sūryaputra namo’stu te ||

König des Dharma, ich grüße dich; ich grüße dich, älteren Bruder der Yamuna. Beschütze mich zusammen mit deinen Dienern. Sohn der Sonne, ich verneige mich vor dir.

5. Yamuna grüßen
Wende dich innerlich Yamuna zu und verneige dich auch vor ihr. Mit dieser Verneigung ist die eigentliche Yama-Verehrung abgeschlossen; nun folgt die ausdrücklich zugehörige Bewirtung des Bruders.

yamasvasar namaste’stu yamune lokapūjite |
varadā bhava me nityaṃ sūryaputri namo’stu te ||

Schwester Yamas, Yamuna, die von der Welt verehrt wird: Ich grüße dich. Sei mir stets eine Spenderin des Segens. Tochter der Sonne, ich verneige mich vor dir.

6. Den Bruder zum Mahl einladen
Lass den Bruder Platz nehmen, ehre ihn mit etwas Sandelpaste und stelle die Speise vor ihn. Als jüngere Schwester sprich:

bhrātas tavānujātāhaṃ bhuṅkṣva bhojyam idaṃ śubham |
prītaye yamarājasya yamunāyā viśeṣataḥ ||

Bruder, ich bin deine jüngere Schwester. Iss diese gute Speise zur Freude des Königs Yama und besonders der Yamuna.

Ist die Schwester älter als der Bruder, verwendet sie stattdessen die vollständig ausgeschriebene Variante:

bhrātas tavāgrajātāhaṃ bhuṅkṣva bhojyam idaṃ śubham |
prītaye yamarājasya yamunāyā viśeṣataḥ ||

Bruder, ich bin deine ältere Schwester. Iss diese gute Speise zur Freude des Königs Yama und besonders der Yamuna.

7. Bewirten und Gaben reichen
Lass den Bruder in Ruhe essen und reiche Trinkwasser. Nach dem Mahl übergibt die Schwester Tambula sowie die vorbereitete Kleidung oder eine entsprechende Gabe. In einer heutigen Ausführung kann statt des traditionellen Betelblatts ein Stück Obst als gastfreundlicher Abschluss gereicht werden; dies ist eine Ersatzgabe und keine wörtliche Vorschrift des Textes.

8. Um langes Leben bitten
Die Schwester spricht das Gebet an Markandeya. Der Wunsch nach langem Leben drückt Liebe und Verbundenheit aus.

mārkaṇḍeya mahābhāga saptakalpāntajīvana |
ciraṃjīvī yathaiva tvaṃ tathā me bhrātaraṃ kuru ||

Glückseliger Markandeya, der du bis zum Ende von sieben Weltzeitaltern lebst: Wie du lange lebst, so schenke auch meinem Bruder ein langes Leben.

9. Die Zuwendung erwidern
Der Bruder ehrt nun seinerseits die Schwester mit der vorbereiteten Kleidung, einem Schmuckstück oder einer entsprechenden persönlichen Gabe. Dankt einander und verabschiedet euch mit guten Wünschen. Der Quellentext beendet den Ritus mit Gebet und gegenseitigem Beschenken; ein weiterer Entlassungsmantra wird nicht vorgeschrieben.


Rezitationen in IAST, Devanagari und deutscher Übersetzung

Entschluss der Schwester
mama śrīyamaprītidvārā avaidhavyaprāptyarthaṃ bhrātur āyurabhivṛddhyarthaṃ ca yamapūjanaṃ bhrātṛbhojanaṃ vastrādibhis tatpūjanaṃ ca kariṣye |

मम श्रीयमप्रीतिद्वारा अवैधव्यप्राप्त्यर्थं भ्रातुर् आयुरभिवृद्ध्यर्थं च यमपूजनं भ्रातृभोजनं वस्त्रादिभिस् तत्पूजनं च करिष्ये ।

Zur Freude Yamas, zum Bewahren meines ehelichen Glücks und zur Mehrung der Lebenszeit meines Bruders werde ich Yama verehren, meinen Bruder bewirten und ihn mit Kleidung und weiteren Gaben ehren.

Arghya für Yama
ehyehi mārtaṇḍaja pāśahasta yamāntakālokadharāmareśa |
bhrātṛdvitīyākṛtadevapūjāṃ gṛhāṇa cārghyaṃ bhagavan namaste ||

एह्येहि मार्तण्डज पाशहस्त यमान्तकालोकधरामरेश ।
भ्रातृद्वितीयाकृतदेवपूजां गृहाण चार्घ्यं भगवन् नमस्ते ॥

Komm, komm, Sohn der Sonne, der du die Schlinge trägst: Yama, Vollender, Träger der Welt und Herr der Unsterblichen. Nimm die am Geschwisterfest vollzogene Verehrung und diese Ehrengabe an. Dir, Erhabener, gilt mein Gruß.

Verneigung vor Yama
dharmarāja namas tubhyaṃ namaste yamunāgraja |
trāhi māṃ kiṃkaraiḥ sārdhaṃ sūryaputra namo’stu te ||

धर्मराज नमस् तुभ्यं नमस्ते यमुनाग्रज ।
त्राहि मां किंकरैः सार्धं सूर्यपुत्र नमोऽस्तु ते ॥

König des Dharma, ich grüße dich; ich grüße dich, älteren Bruder der Yamuna. Beschütze mich zusammen mit deinen Dienern. Sohn der Sonne, ich verneige mich vor dir.

Verneigung vor Yamuna
yamasvasar namaste’stu yamune lokapūjite |
varadā bhava me nityaṃ sūryaputri namo’stu te ||

यमस्वसर् नमस्तेऽस्तु यमुने लोकपूजिते ।
वरदा भव मे नित्यं सूर्यपुत्रि नमोऽस्तु ते ॥

Schwester Yamas, Yamuna, die von der Welt verehrt wird: Ich grüße dich. Sei mir stets eine Spenderin des Segens. Tochter der Sonne, ich verneige mich vor dir.

Einladung durch die jüngere Schwester
bhrātas tavānujātāhaṃ bhuṅkṣva bhojyam idaṃ śubham |
prītaye yamarājasya yamunāyā viśeṣataḥ ||

भ्रातस् तवानुजाताहं भुङ्क्ष्व भोज्यम् इदं शुभम् ।
प्रीतये यमराजस्य यमुनाया विशेषतः ॥

Bruder, ich bin deine jüngere Schwester. Iss diese gute Speise zur Freude des Königs Yama und besonders der Yamuna.

Einladung durch die ältere Schwester
bhrātas tavāgrajātāhaṃ bhuṅkṣva bhojyam idaṃ śubham |
prītaye yamarājasya yamunāyā viśeṣataḥ ||

भ्रातस् तवाग्रजाताहं भुङ्क्ष्व भोज्यम् इदं शुभम् ।
प्रीतये यमराजस्य यमुनाया विशेषतः ॥

Bruder, ich bin deine ältere Schwester. Iss diese gute Speise zur Freude des Königs Yama und besonders der Yamuna.

Gebet um ein langes Leben des Bruders
mārkaṇḍeya mahābhāga saptakalpāntajīvana |
ciraṃjīvī yathaiva tvaṃ tathā me bhrātaraṃ kuru ||

मार्कण्डेय महाभाग सप्तकल्पान्तजीवन ।
चिरंजीवी यथैव त्वं तथा मे भ्रातरं कुरु ॥

Glückseliger Markandeya, der du bis zum Ende von sieben Weltzeitaltern lebst: Wie du lange lebst, so schenke auch meinem Bruder ein langes Leben.

Quellen und Vertiefung

  • Puja Samuccaya, Abschnitt 68, „Yamadvitīyā Pūjā“: Entschluss der Schwester, Anrufung der Yama-Gruppe, Arghya, Verneigungen, Mahl, Markandeya-Gebet und gegenseitige Gaben. Die Familienfassung verwendet den ausdrücklich dafür angegebenen Entschluss; der davor stehende allgemeine Entschluss zur Yama-Verehrung ist eine andere Einleitung.
  • Nirnaya Sindhu, Kartika Shukla Dvitiya: Festtermin und späterer Tagesabschnitt; ergänzender Beleg für die Bewirtung bei der Schwester. Die hier ausgeschriebenen Rezitationen folgen dem Puja Samuccaya.

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