Ucchishta Matangi Japa nach dem Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Ucchishta Matangi Japa nach dem Brihat Tantrasara beschreibt eine Ritualpraxis des Brihat Tantrasara, um die jeweilige Ucchishta-Vidya nach ihrer besonderen Ordnung zu wiederholen.

Umfang und Überlieferung

Diese Ordnung besitzt eigene Reinheitsregeln. Die Mantraformen sind voneinander getrennt; fehlende oder nur benannte Bijas bleiben als solche erkennbar. Die ausgeschriebene Formel folgt P2-1343.

Hauptmantra

ucchiṣṭacāṇḍāli mātaṅgi sarvavaśaṅkari namaḥ svāhā

Bedeutung und Funktion: Ucchishta Chandali, Matangi, die alle unter ihren Einfluss bringt: Verehrung, Svaha. Die Unterwerfungsabsicht ist eine Aussage der historischen Formel.

Durchführung

  1. Wähle ausschließlich die im ersten Quellenbeleg dieses Artikels bezeichnete Mantraform.
  2. Die Quelle setzt die Praxis nach dem Essen, vor dem rituellen Achamana, an. Bringe zuerst mit dem Grundmantra die Bali-Gabe aus Speiseresten dar (P2-1345).
  3. Vergegenwärtige die rot gekleidete Göttin nach P2-1347 und wiederhole den Mantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Zusätzlicher Anga Nyasa wird hier ausdrücklich nicht verlangt.
  4. Beachte die widersprüchlichen Zahlenangaben P2-1355: 8.000 im Zitat, 1.008 in der traditionellen Auslegung und die Auffassung, dass kein Purascharana erforderlich sei. Keine dieser Angaben wird stillschweigend ersetzt.

Sanskrit und deutsche Übersetzung

P2-1343 · 90
mantrāntaram:
ucchiṣṭacāṇḍāli mātaṅgi sarvavaśaṅkari namaḥ svāhā |
taduktaṃ tantrāntare athavocchiṣṭacāṇḍāli mātaṅgipadamīrayet |
tataḥ sarvavaśaṃ cānte kari hṛdvahnivallabhā |
ekonaviṃśatyarṇo'yaṃ sarvābhīṣṭakaro bhavet
|| 90 ||

Ein anderes Mantra: „Ucchiṣṭacāṇḍāli, Mātaṅgī, du machst alle gefügig; Verehrung, svāhā!“ In einem anderen Tantra heißt es: „Oder man spreche ucchiṣṭacāṇḍāli und mātaṅgi, danach sarvavaśaṃ und am Ende kari, Hṛd und die Geliebte des Feuers. Dieses neunzehnsilbige Mantra erfüllt sämtliche Wünsche.“ [Hṛd bezeichnet hier namaḥ, die Geliebte des Feuers svāhā.]


P2-1345 · 92
vidhānañca pravakṣyāmi śṛṇu devi varānane |
bhojanānantaraṃ devi vinaivācamane kṛte |
baliṃ dadyāt prathamato mūlamantreṇa sādhakaḥ |
tato mantraṃ japeddhyātvā devīṃ tāmiṣṭasiddhaye |
valimapi ucchiṣṭena
|| 92 ||

„Auch das Verfahren werde ich beschreiben. Höre, Göttin mit dem schönen Gesicht! Nach dem Essen, o Göttin, ohne vorher die rituelle Mundspülung auszuführen, bringe der Praktizierende zunächst mit dem Grundmantra ein Bali dar. Dann meditiere er über diese Göttin und wiederhole das Mantra, um das gewünschte Gelingen zu erreichen.“ Auch das Bali besteht aus Speiseresten.


P2-1346 · 93
tathā ca:
na tirthina ca nakṣatraṃ na cāṅganyāsameva ca |
nāridoṣe na vā vighnaṃ nāśaucaṃ niyamo na ca |
yasya tiṣṭhati mantro'yaṃ na ca vighnaiḥ sa bādhyate
|| 93 ||

Ferner: „Weder Mondtag noch Mondhaus noch Körper-Nyāsa [sind maßgeblich]; weder ein feindlicher Fehler noch ein Hindernis, weder rituelle Unreinheit noch eine besondere Regel [gelten hier]. Wer dieses Mantra besitzt, wird von Hindernissen nicht bedrängt.“ [tirthi und āridoṣe sind beschädigte beziehungsweise unklare Lesarten.]


P2-1347 · 94
dhyānastu:
śavopari samāsīnāṃ raktāmbaraparicchadām |
raktālaṅkārasaṃyuktāṃ guñjāhāravibhūṣitām |
ṣoḍaśābdāñca yuvatīṃ pīnonnatapayodharām |
kapālakartṛkāhastāṃ parāṃ jyotiḥsvarūpiṇīm |
vāmadakṣiṇayogena dhyāyenmantraviduttamaḥ
|| 94 ||

Die Meditation: „Der vorzügliche Mantrakundige meditiere über die höchste Göttin, deren Wesen Licht ist: auf einem Leichnam sitzend, in rote Gewänder gehüllt, mit rotem Schmuck versehen, geschmückt mit einer Kette aus Guñjā-Samen; eine sechzehnjährige junge Frau mit vollen, erhobenen Brüsten, links eine Schädelschale und rechts ein Schneidemesser in den Händen.“


P2-1348 · 95
ucchiṣṭena baliṃ dattvā japettadgatamānasaḥ |
ucchiṣṭena tu kartavyo japo'syāḥ siddhimicchatā |
ucchiṣṭe japamānasya jāyante sarvasiddhayaḥ
|| 95 ||

„Nachdem man ein Bali aus Speiseresten dargebracht hat, vollziehe man Japa mit ganz auf sie gerichtetem Geist. Wer Vollkommenheit wünscht, soll ihr Mantra im Zustand nach dem Essen, vor der Reinigung, wiederholen. Dem, der im Ucchiṣṭa-Zustand Japa vollzieht, entstehen sämtliche Vollkommenheiten.“


P2-1354 · 1
ityeṣā kathitā devi sarvapāpapraṇāśinī |
mantrasyoccāraṇāddevi sarvapāpapraṇāśinī |
ucchiṣṭadūṣaṇaṃ tyaktvā sa pavitro japed dhruvam
|| 1 ||

„So wurde diese [Vidyā] beschrieben, o Göttin, die sämtliche Sünden vernichtet. Durch das Aussprechen des Mantras, o Göttin, vernichtet sie sämtliche Sünden. Man lege die Vorstellung einer Verunreinigung durch Speisereste ab und vollziehe gewiss als Reiner Japa.“


P2-1355 · 2
asya yadyapi puraścaraṇaṃ noktaṃ tathāpi aṣṭottarasahasrajapaḥ |
taddaśāṃśena homādikaṃ bodhyam |
tathā ca:
yeṣāṃ jape ca home ca saṃkhyā noktā manīṣibhiḥ |
teṣāmaṣṭasahasrantu saṃkhyā syājjapahomayoḥ |
ityabhidhānāt |
aṣṭasahasramaṣṭottarasahasramiti sampradāyaḥ |
vastuvastu āsāṃ siddhavidyatvāt puraścaraṇaṃ nāstīti
nibandhakārāḥ
|| 2 ||

Obwohl für dieses [Mantra] kein Puraścaraṇa angegeben wurde, sind dennoch 1.008 Wiederholungen [anzusetzen]. Feueropfer und die weiteren Handlungen sind jeweils mit einem Zehntel davon zu verstehen. Denn es heißt: „Für jene [Mantras], deren Zahl für Japa und Feueropfer die Weisen nicht angegeben haben, soll die Zahl für Japa und Feueropfer achttausend betragen.“ Die Überlieferung versteht aṣṭasahasra hier als aṣṭottarasahasra, 1.008. Tatsächlich sagen die Verfasser der Ritualkompendien, dass für diese bereits vollkommenen Vidyās kein Puraścaraṇa nötig ist. [Die zitierte Zahl 8.000 und ihre traditionelle Deutung als 1.008 stehen beide im Ausgangstext.]


Sanskrit in Devanagari

Die Schriftfassung deckt dieselben ausgewählten Textstellen wie die IAST-Fassung ab.

P2-1343 · 90
मन्त्रान्तरम्:
उच्छिष्टचाण्डालि मातङ्गि सर्ववशङ्करि नमः स्वाहा ।
तदुक्तं तन्त्रान्तरे अथवोच्छिष्टचाण्डालि मातङ्गिपदमीरयेत् ।
ततः सर्ववशं चान्ते करि हृद्वह्निवल्लभा ।
एकोनविंशत्यर्णोऽयं सर्वाभीष्टकरो भवेत्
॥ ९० ॥

P2-1345 · 92
विधानञ्च प्रवक्ष्यामि शृणु देवि वरानने ।
भोजनानन्तरं देवि विनैवाचमने कृते ।
बलिं दद्यात् प्रथमतो मूलमन्त्रेण साधकः ।
ततो मन्त्रं जपेद्ध्यात्वा देवीं तामिष्टसिद्धये ।
वलिमपि उच्छिष्टेन
॥ ९२ ॥

P2-1346 · 93
तथा च:
न तिर्थिन च नक्षत्रं न चाङ्गन्यासमेव च ।
नारिदोषे न वा विघ्नं नाशौचं नियमो न च ।
यस्य तिष्ठति मन्त्रोऽयं न च विघ्नैः स बाध्यते
॥ ९३ ॥

P2-1347 · 94
ध्यानस्तु:
शवोपरि समासीनां रक्ताम्बरपरिच्छदाम् ।
रक्तालङ्कारसंयुक्तां गुञ्जाहारविभूषिताम् ।
षोडशाब्दाञ्च युवतीं पीनोन्नतपयोधराम् ।
कपालकर्तृकाहस्तां परां ज्योतिःस्वरूपिणीम् ।
वामदक्षिणयोगेन ध्यायेन्मन्त्रविदुत्तमः
॥ ९४ ॥

P2-1348 · 95
उच्छिष्टेन बलिं दत्त्वा जपेत्तद्गतमानसः ।
उच्छिष्टेन तु कर्तव्यो जपोऽस्याः सिद्धिमिच्छता ।
उच्छिष्टे जपमानस्य जायन्ते सर्वसिद्धयः
॥ ९५ ॥

P2-1354 · 1
इत्येषा कथिता देवि सर्वपापप्रणाशिनी ।
मन्त्रस्योच्चारणाद्देवि सर्वपापप्रणाशिनी ।
उच्छिष्टदूषणं त्यक्त्वा स पवित्रो जपेद् ध्रुवम्
॥ १ ॥

P2-1355 · 2
अस्य यद्यपि पुरश्चरणं नोक्तं तथापि अष्टोत्तरसहस्रजपः ।
तद्दशांशेन होमादिकं बोध्यम् ।
तथा च:
येषां जपे च होमे च संख्या नोक्ता मनीषिभिः ।
तेषामष्टसहस्रन्तु संख्या स्याज्जपहोमयोः ।
इत्यभिधानात् ।
अष्टसहस्रमष्टोत्तरसहस्रमिति सम्प्रदायः ।
वस्तुवस्तु आसां सिद्धविद्यत्वात् पुरश्चरणं नास्तीति
निबन्धकाराः
॥ २ ॥

Quellen und Textstand

  • Krishnananda Agamavagisha: Brihat Tantrasara. Grundlage ist die gespeicherte deutsche Gesamtausgabe mit den zugehörigen IAST- und Devanagari-Dateien, Bearbeitungsstand 4. Oktober 2026.
  • Die Kennungen P1 bis P5 mit vierstelliger Nummer bezeichnen die Fundstellen der Gesamtausgabe. Die daneben stehende Verszählung einschließlich Zusatznummern bleibt erhalten.
  • Lokale Hinweise in eckigen Klammern kennzeichnen Lesarten, Textlücken und Übersetzungsprobleme. Ein neuer Vergleich mit einer gedruckten Sanskritedition wurde für diese Ritualredaktion nicht vorgenommen.
  • Brihat Tantrasara Übersetzung 2: P2-1343, P2-1345–P2-1348, P2-1354–P2-1355


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