Tulasi Puja – tägliche Pflanzenverehrung in der Gaudiya-Vaishnava-Tradition

Aus Yogawiki

Tulasi Puja – tägliche Pflanzenverehrung in der Gaudiya-Vaishnava-Tradition ist eine tägliche Feier für Menschen, die ihre Liebe zu Krishna durch Gebet und fürsorglichen Umgang mit einer lebenden Pflanze vertiefen möchten. In der Gaudiya-Vaishnava-Tradition wird Tulasi als heilige Verehrerin Krishnas geehrt und um Zugang zum liebevollen Dienst an Radha und Krishna gebeten. Diese Pflanzenverehrung lässt sich zuhause oder gemeinsam im Tempel vollziehen: Eine Person reicht Räucherwerk, Licht und Blüten, die anderen singen und umrunden anschließend die Pflanze.

Tulsi in einem gemauerten Pflanzensockel. Ihre Verehrung verbindet Gebet mit täglicher Fürsorge.

Die Tempelordnung setzt die morgendliche Feier unmittelbar nach Mangala Arati an. Zuhause ist ein entsprechender ruhiger Morgenplatz eine praktische Möglichkeit. Eine zusätzliche Abendverehrung vor Sandhya Arati ist möglich; am Abend wird dabei kein Wasser gegossen. Die Pflanze wird hier in ihrer bereits verehrten Gegenwart angesprochen: Diese Fassung enthält keine vorangehende Einsetzung einer neuen Gottheit und keine abschließende Verabschiedung Tulasis.

Vorbereitung

Stelle die Tulasi im Topf auf einen sicheren erhöhten Platz mit Raum zum Umrunden. Für die darbringende Person steht die Pflanzenbasis über Hüfthöhe. Lege eine Standmatte, eine Glocke, Räucherwerk mit Halter, eine kleine Lampe, Streichhölzer, Blüten, ein Wassergefäß mit Löffel und eine Auffangschale bereit. Halte ein Bild von A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada für die anschließende Weitergabe der Gaben bereit.

Die Lampe enthält Ghee (bzw. Pflanzenöl); Pflanzenöl ist eine heutige vegane Praxisalternative. Abstand zwischen Blättern, Rauch und Flamme bewahrt die Pflanze vor Schäden. Wenn keine lebende Tulasi vorhanden ist, erlaubt die Quelle ein Tulasi-Bild. Die Wassergabe an die Wurzeln entfällt dann.

Ablauf

1. Die Hände reinigen und Wasser nippen – Gebetsblock 1
Die darbringende Person führt Achamana aus: Besprenge beide Hände mit sauberem Wasser. Gib dann mit dem Löffel etwas Trinkwasser in die rechte Handfläche. Sprich die erste Anrufung und nippe das Wasser. Wiederhole das mit frischem Wasser für die zweite und für die dritte Anrufung; jede Zeile gehört zu einem eigenen Schluck.

oṁ keśavāya namaḥ |
oṁ nārāyaṇāya namaḥ |
oṁ mādhavāya namaḥ |

Om, Verehrung Keshava! Om, Verehrung Narayana! Om, Verehrung Madhava!

2. Tulasi begrüßen – Gebetsblock 2
Verneige dich vor Tulasi und sprich dieses Verehrungsgebet dreimal. Die Mitfeiernden können gemeinsam sprechen.

vṛndāyai tulasī-devyai priyāyai keśavasya ca |
kṛṣṇa-bhakti-prade devi satyavatyai namo namaḥ ||

Wieder und wieder Verehrung Vrinda, der Göttin Tulasi, die Keshava lieb ist. O Göttin, die Hingabe an Krishna schenkt, Verehrung dir, der Wahrhaftigen!

3. Das Lied und die drei Gaben – Gebetsblock 3
Die Mitfeiernden singen das folgende Tulasi Kirtana. Es ist ein bengalisches Lied, kein Sanskrittext. Die Umschrift bewahrt die bengalischen Formen. Die fünf Strophen bilden ein zusammenhängendes Gebet. Wer allein feiert, kann es während der Darbringungen selbst singen.

namo namaḥ tulasī! kṛṣṇa-preyasi |
rādhā-kṛṣṇa-sevā pābo ei abhilāṣī ||
je tomāra śaraṇa loy, tāra vāñchā pūrṇa hoy |
kṛpā kori’ koro tāre vṛndāvana-vāsī ||
mor ei abhilāṣ, vilās kuñje dio vās |
nayane heribo sadā jugala-rūpa-rāśi ||
ei nivedana dharo, sakhīr anugata koro |
sevā-adhikāra diye koro nija dāsī ||
dīna kṛṣṇa-dāse koy, ei jena mora hoy |
śrī-rādhā-govinda-preme sadā jena bhāsi ||

1. Wieder und wieder verehre ich dich, Tulasi, Geliebte Krishnas. Mein Wunsch ist, Radha und Krishna dienen zu dürfen.
2. Wer bei dir Zuflucht sucht, dessen Sehnsucht wird erfüllt. Sei barmherzig und mache diesen Menschen zu einem Bewohner Vrindavanas.
3. Das ist mein Verlangen: Gib mir einen Wohnort in den Hainen der göttlichen Spiele. Mögen meine Augen stets die Schönheit des göttlichen Paares schauen.
4. Nimm diese Bitte an: Lass mich den Gefährtinnen Radhas folgen. Schenke mir die Befähigung zum Dienst und mache mich zu deiner eigenen Dienerin.
5. Der demütige Krishna-Dasa spricht: Möge mir dies zuteilwerden; möge ich stets in der Liebe zu Shri Radha und Govinda schwimmen.

Räucherwerk
Besprenge Glocke und Räucherhalter mit Wasser. Zünde das Räucherwerk an. Stehe auf der Matte, halte die Glocke links und läute während der Gaben. Führe das Räucherwerk rechts in sieben Kreisen um Tulasis ganze Gestalt. Reiche es danach vor Prabhupadas Bild und zu den Anwesenden.

Licht
Besprenge die Lampe, zünde Ghee (bzw. Pflanzenöl) an und vollziehe die Lichtdarbringung: vier Kreise an der Pflanzenbasis, zwei um die Mitte, drei um die Spitze, sieben um die ganze Gestalt. Reiche das Licht danach vor Prabhupadas Bild und zu den Anwesenden.

Blüten
Besprenge die Blüten und führe sie siebenmal um Tulasis ganze Gestalt. Eine Blüte darf an der Basis niedergelegt werden. Reiche die übrigen vor Prabhupadas Bild und zu den Anwesenden. Stelle Glocke und Gaben sicher ab.

Die Quelle gibt für die Weitergabe vor dem Lehrerbild und an die Mitfeiernden keine zusätzliche Kreiszahl und kein weiteres Mantra an. Eine praktische Umsetzung ist, die jeweilige Gabe dort ruhig zu zeigen und ihre Verehrung zu ermöglichen. Das Lied kann während der Darbringungen weitergesungen werden; die zeitliche Abstimmung richtet sich nach der Gruppe.

4. Umrunden und am Morgen Wasser geben – Gebetsblock 4
Nach dem Lied gehen alle mindestens viermal in Pradakshina um Tulasi, sodass die Pflanze rechts bleibt. Wiederholt dabei das vollständige folgende Gebet. Reinigt vor der Wassergabe die Hände mit etwas Wasser und gebt am Morgen mit einem kleinen Löffel Wasser an die Wurzeln. Dosiert bei mehreren Personen gemeinsam sparsam, damit die Erde nicht vernässt.

yāni kāni ca pāpāni brahma-hatyādikāni ca |
tāni tāni praṇaśyanti pradakṣiṇaḥ pade pade ||

Welche Verfehlungen es auch sein mögen, selbst so schwere wie die Tötung eines Brahmanen: Bei der ehrfürchtigen Umrundung vergehen sie Schritt für Schritt.

5. Die Verehrung in Fürsorge überführen
Mit Umrundung und morgendlicher Wassergabe ist diese Feier abgeschlossen. Als praktische Nachbereitung räume die Geräte weg, entsorge das Auffangwasser und achte auf den sicheren Umgang mit der Lampe. Entferne welke Blüten rechtzeitig. Die Pflanze bleibt an ihrem geeigneten Pflegeplatz.

Als persönliche Vertiefung kannst du dich fragen: Welche kleine tägliche Handlung lässt meine Liebe beständiger werden? Tulasi wird nicht nur während des Liedes geehrt. Aufmerksamkeit für ihr Licht, ihre Erde und ihren Wasserbedarf lässt das gesungene Anliegen im Alltag Gestalt annehmen.

Zusammenhängende Rezitationen

Die Nummern entsprechen den Gebetsblöcken im Ablauf. Wiederholungen und Handlungen stehen dort.

Sanskrit in IAST und bengalische Liedumschrift

1
oṁ keśavāya namaḥ |
oṁ nārāyaṇāya namaḥ |
oṁ mādhavāya namaḥ |

2
vṛndāyai tulasī-devyai priyāyai keśavasya ca |
kṛṣṇa-bhakti-prade devi satyavatyai namo namaḥ ||

3
namo namaḥ tulasī! kṛṣṇa-preyasi |
rādhā-kṛṣṇa-sevā pābo ei abhilāṣī ||
je tomāra śaraṇa loy, tāra vāñchā pūrṇa hoy |
kṛpā kori’ koro tāre vṛndāvana-vāsī ||
mor ei abhilāṣ, vilās kuñje dio vās |
nayane heribo sadā jugala-rūpa-rāśi ||
ei nivedana dharo, sakhīr anugata koro |
sevā-adhikāra diye koro nija dāsī ||
dīna kṛṣṇa-dāse koy, ei jena mora hoy |
śrī-rādhā-govinda-preme sadā jena bhāsi ||

4
yāni kāni ca pāpāni brahma-hatyādikāni ca |
tāni tāni praṇaśyanti pradakṣiṇaḥ pade pade ||

Devanagari

Block 3 ist eine Übertragung des bengalischen Liedes in Devanagari, keine Sanskritfassung. Die übrigen Blöcke sind Sanskrit.

1
ॐ केशवाय नमः ।
ॐ नारायणाय नमः ।
ॐ माधवाय नमः ।

2
वृन्दायै तुलसीदेव्यै प्रियायै केशवस्य च ।
कृष्णभक्तिप्रदे देवि सत्यवत्यै नमो नमः ॥

3
नमो नमः तुलसी! कृष्णप्रेयसि ।
राधाकृष्णसेवा पाबो एइ अभिलाषी ॥
जे तोमार शरण लोय्, तार वाञ्छा पूर्ण होय् ।
कृपा कोरि’ कोरो तारे वृन्दावनवासी ॥
मोर एइ अभिलाष्, विलास् कुञ्जे दिओ वास् ।
नयने हेरिबो सदा जुगलरूपराशि ॥
एइ निवेदन धरो, सखीर् अनुगत कोरो ।
सेवाअधिकार दिये कोरो निज दासी ॥
दीन कृष्णदासे कोय्, एइ जेन मोर होय् ।
श्रीराधागोविन्दप्रेमे सदा जेन भासि ॥

4
यानि कानि च पापानि ब्रह्महत्यादिकानि च ।
तानि तानि प्रणश्यन्ति प्रदक्षिणः पदे पदे ॥

Deutsche Bedeutung

1. Om, Verehrung Keshava! Om, Verehrung Narayana! Om, Verehrung Madhava!

2. Wieder und wieder Verehrung Vrinda, der Göttin Tulasi, die Keshava lieb ist. O Göttin, die Hingabe an Krishna schenkt, Verehrung dir, der Wahrhaftigen!

3. Tulasi-Lied
1. Wieder und wieder verehre ich dich, Tulasi, Geliebte Krishnas. Mein Wunsch ist, Radha und Krishna dienen zu dürfen.
2. Wer bei dir Zuflucht sucht, dessen Sehnsucht wird erfüllt. Sei barmherzig und mache diesen Menschen zu einem Bewohner Vrindavanas.
3. Das ist mein Verlangen: Gib mir einen Wohnort in den Hainen der göttlichen Spiele. Mögen meine Augen stets die Schönheit des göttlichen Paares schauen.
4. Nimm diese Bitte an: Lass mich den Gefährtinnen Radhas folgen. Schenke mir die Befähigung zum Dienst und mache mich zu deiner eigenen Dienerin.
5. Der demütige Krishna-Dasa spricht: Möge mir dies zuteilwerden; möge ich stets in der Liebe zu Shri Radha und Govinda schwimmen.

4. Welche Verfehlungen es auch sein mögen, selbst so schwere wie die Tötung eines Brahmanen: Bei der ehrfürchtigen Umrundung vergehen sie Schritt für Schritt.

Vertiefung und Quellen

Sukadev erläutert Tulsi als heilige Pflanze Vishnus.

Siehe auch

Quellen

  • ISKCON Desire Tree: Tulasi Arati. Hauptfolge mit dreifachem Verehrungsgebet, vollständigem bengalischem Lied, mindestens vier Umrundungen, morgendlicher Wassergabe und Materialhinweisen.
  • ISKCON Desire Tree: Sri Tulasi-arati, Beitrag von Padmavati Mataji, Kommentar vom 1. April 2011, „How To Offer Tulasi Devi Worship (Puja)“. Ergänzende praktische Ausführung von Achamana und den drei Gaben mit Kreisanzahlen. Das andere Lied am Anfang dieser Forumsseite gehört nicht zu der hier gewählten Liedfassung.
  • Die Gebete sind in normalisierter Umschrift und eigener deutscher Übersetzung wiedergegeben. Der Wortlaut „pradakṣiṇaḥ pade pade“ wird in der überlieferten Rezitationsfassung der Hauptquelle beibehalten.

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