Tara Naivedya als vereinfachte Speisedarbringung nach dem Shakti Pramoda
Tara Naivedya als vereinfachte Speisedarbringung nach dem Shakti Pramoda beschreibt eine vereinfachte Naivedya-Andacht für Tārā. Speise, Wasser und Blüten werden gereinigt und dargebracht; die fünf Lebenshauche und das Vergebungsgebet bilden weitere Schritte desselben Rituals. Diese selbständige Kurzfassung ist von der vollständigen tantrischen Tārā-Pūjā zu unterscheiden.
Umfang und Gebrauch
Die einfache Rahmung zu Beginn und Ende ist eine redaktionelle Einrichtung für die selbständige Andacht. Wer den Abschnitt innerhalb einer vollständigen Tārā-Pūjā verwendet, beachtet die ausdrücklich genannten Anschlüsse.
So verwendest du die Anleitung: Bereite alle genannten Gaben vor. Lies bei jedem Schritt zuerst die Handlung und sprich dann die fett gesetzten Sanskritverse oder Formeln an der angegebenen Stelle. Die deutsche Übersetzung erklärt ihre Bedeutung. Bījas sind Mantrasilben; sie haben keine wörtliche deutsche Satzübersetzung.
Zweck, Voraussetzungen und Vorbereitung
Wozu? Naivedya ist das Anbieten von Nahrung an die Gottheit. Im Tārā-Abschnitt werden die Speisen gereinigt, als von Nektar durchdrungen vorgestellt und der Göttin dargebracht. Die fünf Mudrās verbinden die Gabe mit den fünf Lebenshauchen. Das Essen wird Ausdruck von Hingabe und Dankbarkeit.
Wer? Praktizierende, denen der hier verwendete Tārā-Mantra vermittelt wurde. Wer eine vollständige Tārā-Pūjā ausführt, setzt diesen Abschnitt an die Stelle des Naivedya. Für die hier zusätzlich eingerichtete selbständige Kurzandacht genügt ein Tārā-Bild: Setze dich davor, verneige dich und richte deine Aufmerksamkeit auf die Gegenwart der Göttin. Diese einfache Rahmung ersetzt keine tantrische Installation.
Materialien: zubereitete Speise auf einem eigenen Teller; frisches Trinkwasser in einem eigenen Gefäß; eine kleine Wasserschale mit Löffel zum Besprengen und für das symbolische Mundspülwasser; ein getrenntes Auffanggefäß; mindestens drei Blütengaben; etwas Duftpaste auf einem kleinen Gabeteller sowie eine Schale für bereits dargebrachte Blumen. Für die abschließende Tāmbūla-Gabe gegebenenfalls das in der eigenen Tradition verwendete vorbereitete Betelblatt; fehlt diese Gabe, lasse den entsprechenden Schritt aus, statt eine nicht vorhandene Gabe anzukündigen.
Textproblem beim Tārā-Mantra: Die ausgeschriebene Mantrazeile dieser Quelle lautet aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ. Im weiteren Ritualtext erscheinen andere Silbenfolgen, darunter trīṃ. Hier wird ausschließlich die ausdrücklich als atha mantraḥ bezeichnete Zeile verwendet. Damit ist keine Entscheidung über die richtige Fassung jeder Tārā-Überlieferung getroffen. Wenn die eigene Initiationsfassung abweicht, darf diese Redaktion nicht als Aufforderung verstanden werden, sie zu ersetzen.
Zum Verständnis der Gabenfolge erläutert Sukadev im folgenden Video die Bestandteile einer Pūjā. Es vermittelt den allgemeinen Zusammenhang; die besondere Tārā-Rezitation und ihre Reihenfolge stehen in den folgenden Schritten.
Aufbau und Bestandteile einer Puja – Yoga Vidya
Durchführung
Schritt 1: Speise aufstellen und reinigen
Stelle den Speiseteller vor Tārā. Rezitiere zwölfmal:
yaṃ
Funktion: Luft-Bīja. Stelle dir vor, dass ein reinigender Luftstrom die Speise durchdringt. Es gibt dafür keine wörtliche deutsche Übersetzung.
Lege die linke Handfläche auf die rechte Handfläche. Rezitiere zwölfmal:
raṃ
Funktion: Feuer-Bīja. Stelle dir reinigendes Feuer vor, das alle rituellen Mängel der Gabe auflöst. Es wird kein Feuer an der Speise entzündet.
Lege anschließend die rechte Hand auf den Rücken der linken Hand. Rezitiere zwölfmal:
vaṃ
Funktion: Wasser-/Nektar-Bīja. Stelle dir einen Nektarstrom vor, der die Speise erfüllt. Die Zuordnung yaṃ und raṃ löst die im Text verwendeten Bezeichnungen „Luft-Bīja“ und „Feuer-Bīja“ aus; vaṃ steht dort ausgeschrieben.
Schritt 2: Die Gabe mit dem Grundmantra besprengen
Besprenge den Teller sparsam mit Wasser. Berühre anschließend seinen Rand mit sauberen Fingern und sprich achtmal:
aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ ||
Bedeutung/Funktion: Bīja-Folge des hier ausgeschriebenen Tārā-Mantras; phaṭ ist eine abschließende Schutz- und Abgrenzungssilbe. Der Mantra besteht nicht aus einem übersetzbaren deutschen Satz.
Die Quelle nennt danach die Dhenu-Mudrā, ohne ihre Fingeranordnung an dieser Stelle zu erklären. In der hier festgelegten vereinfachten Fassung wird diese zusätzliche Mudrā ausgelassen. Lege stattdessen die Hände kurz in gewöhnlichem Añjali zusammen und richte die Aufmerksamkeit auf die vollendete Gabe. Añjali ist eine redaktionelle Abschlussgeste dieses Schritts und wird nicht als Ersatzwirkung der Dhenu-Mudrā ausgegeben.
Lege eine Blume neben den Speiseteller und bringe etwas Duftpaste auf einem separaten Gabeteller dar.
Schritt 3: Die Speise ausdrücklich darbringen
Gib mit dem Löffel etwas Wasser in die rechte Hand und halte sie über das Auffanggefäß. Berühre nun mit dem linken Daumen den Rand des Speisetellers. Sprich den Grundmantra und anschließend die Darbringungsformel:
aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ |
idaṃ naivedyaṃ sāṅgāyai sāyudhāyai saparivārāyai savāhanāyai sāvaraṇāyai tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Diese Speise sei Tārā dargebracht, zusammen mit ihren Gliedkräften, Waffen, Begleitern, ihrem Reittier und den Gottheiten ihrer Umkreise. Verehrung!“
Lass das Wasser ins Auffanggefäß fließen. Der Name tārādevyai setzt das vom Quelltext ausdrücklich vorgesehene amukadevyai, „der betreffenden Göttin“, konkret ein; dies ist keine zusätzlich erfundene Mantrasilbe.
Schritt 4: Die fünf Lebenshauche verehren
Die Quelle nennt vor den fünf Lebenshauchen weitere Naivedya- und Grāsa-Gesten, deren vollständige Ausführung hier nicht beschrieben ist. Diese zusätzlichen Eingangsgesten werden in der vereinfachten Fassung ausgelassen. Die folgenden fünf Gesten sind im Text durch ihre Fingerkontakte konkret beschrieben und werden ausgeführt.
Verbinde bei jeder Zeile die genannten Fingerspitzen der rechten Hand, halte die Geste vor der Speise und sprich die zugehörige Formel einmal. Die übrigen Finger bleiben locker.
| Handlung | Rezitation | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|
| Daumen, Ringfinger und kleinen Finger verbinden. | oṃ prāṇāya svāhā | „Oṃ, dem Prāṇa sei die Darbringung.“ Der aufnehmende Lebenshauch. |
| Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger verbinden. | oṃ apānāya svāhā | „Oṃ, dem Apāna sei die Darbringung.“ Der abwärtsführende Lebenshauch. |
| Daumen, Ringfinger und Mittelfinger verbinden. | oṃ udānāya svāhā | „Oṃ, dem Udāna sei die Darbringung.“ Der aufwärtsführende Lebenshauch. |
| Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger verbinden. | oṃ vyānāya svāhā | „Oṃ, dem Vyāna sei die Darbringung.“ Der im Körper verteilende Lebenshauch. |
| Alle fünf Fingerspitzen verbinden. | oṃ samānāya svāhā | „Oṃ, dem Samāna sei die Darbringung.“ Der ausgleichende, assimilierende Lebenshauch. |
Die Reihenfolge folgt dieser Quelle, auch wenn andere Pūjā-Traditionen sie anders anordnen. Stelle dir danach die Göttin als durch die Gabe erfreut vor. Während der Mantras wird nicht selbst gegessen.
Schritt 5: Wasser und Abschlussgaben
Stelle frisches Trinkwasser hin. Sprich:
aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ | idaṃ pānīyaṃ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Dieses Trinkwasser sei Tārā dargebracht. Verehrung!“
Gib einen Löffel Wasser in das Auffanggefäß als symbolisches Mundspülwasser:
aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ | idam ācamanīyaṃ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Dieses Wasser zur Mundreinigung sei Tārā dargebracht. Verehrung!“
Falls vorbereitet, lege die Tāmbūla-Gabe hin:
idaṃ tāmbūlaṃ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Dieses Tāmbūla sei Tārā dargebracht. Verehrung!“
Lege eine Blume vor die Göttin:
eṣa puṣpāñjaliḥ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Diese mit zusammengelegten Händen dargebrachte Blütengabe sei Tārā gewidmet. Verehrung!“
Damit ist die eigentliche Speisedarbringung beendet. In der selbständigen vereinfachten Fassung folgst du jetzt unmittelbar Schritt 6. Im vollständigen Quellablauf folgen zunächst Japa, Japa-Darbringung, Hymnen, Umrundung und Verneigung; dort steht das Vergebungsgebet erst anschließend.
Schritt 6: Das Vergebungsgebet sprechen
Halte eine letzte Blütengabe in den Händen und sprich das folgende Gebet. Innerhalb der vollständigen Pūjā geschieht dies erst nach den übrigen vorgesehenen Teilen:
oṃ mantrahīnaṃ kriyāhīnaṃ vidhihīnaṃ sureśvari |
yad arcitaṃ mayā devi paripūrṇaṃ tad astu me ||
āvāhanaṃ ca pūjāṃ ca tanmāhātmyaṃ japaṃ tathā |
visarjanaṃ na jānāmi śrīdevi tvaṃ kṣamasva me ||
ajñānād vismṛter bhrāntyā yan nyūnam adhikaṃ kṛtam |
viparītaṃ ca tat sarvaṃ kṣamasva parameśvari ||
Übersetzung: „Herrin der Götter, was ich dir an Verehrung dargebracht habe, mag an Mantra, Handlung und rechter Ausführung mangelhaft sein: Möge es dennoch vollständig werden. Einladung und Verehrung, ihre Größe, Japa und Entlassung verstehe ich nicht angemessen; o herrliche Göttin, vergib mir. Was ich aus Unwissenheit, Vergessen oder Irrtum zu wenig, zu viel oder verkehrt ausgeführt habe, all das verzeihe, höchste Herrin.“
Lege die Blume nieder:
eṣa puṣpāñjaliḥ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Diese Blütengabe sei Tārā gewidmet. Verehrung!“
Schritt 7: Die Kurzandacht beenden
Für die selbständige vereinfachte Andacht: Verneige dich still nach dem Vergebungsgebet. Da keine förmliche Installation vollzogen wurde, wird auch keine spezielle Entlassungs-Mudrā nachgebildet. Lege die Blüten in die gesonderte Schale und teile die Speise anschließend als Prasāda. Damit ist die selbständige Fassung vollständig beschrieben.
Für die förmliche Entlassung nach einer vollständigen Pūjā siehe Tara Visarjana und Darbringung der Opferreste nach dem Shakti Pramoda. Dieses gesonderte Abschlussritual gehört nicht zur hier beschriebenen selbständigen Kurzandacht.
Die innere Ausrichtung bewahren
Nimm die geteilte Speise als Erinnerung an Dankbarkeit und Hingabe an. Die Aufmerksamkeit, mit der du die Gabe vorbereitet hast, kann auch das gewöhnliche Essen und den Umgang mit anderen prägen.
Quelle
Shakta Pramoda, Sanskritteil, atha tārāsaparyāsaraṇiḥ, Druckseiten 120–126. Die Seitenzahlen bezeichnen die in der Textgrundlage mitgeführten Druckseiten, keine neu vergebenen Versnummern.
Siehe auch
- Kali Mala Japa nach dem Shakti Pramoda
- Tara Visarjana und Darbringung der Opferreste nach dem Shakti Pramoda
- Kamala Stotra Andacht nach dem Shakti Pramoda
- Matangi Blütenverehrung der acht Shaktis nach dem Shakti Pramoda
- Ganesha Puja mit Bädern und Gaben nach dem Shakti Pramoda
- Shiva Abhisheka mit fünf Substanzen nach dem Shakti Pramoda
- Durga Blütenverehrung der acht Shaktis nach dem Shakti Pramoda
- Puja
- Pushpanjali
- Durga Puja
- Shakta Pramoda
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