Shiva Abhisheka mit fünf Substanzen nach dem Shakti Pramoda
Shiva Abhisheka mit fünf Substanzen nach dem Shakti Pramoda beschreibt ein abgegrenztes Abhiṣeka für Śiva: fünf Bäder mit Milch, Joghurt, Ghee, Honig und Zucker, gefolgt von der Reinigung mit Wasser, einer Blütengabe und der Verneigung. Zu jedem Bad gehören eine konkrete Handlung, ein Sanskritgebet und dessen deutsche Bedeutung.
Umfang und Gebrauch
Diese selbständig eingerahmte Badeverehrung ist ein Auszug aus der Śiva-Pūjā. Sie beansprucht nicht den vollständigen Umfang eines Rudrābhiṣeka.
So verwendest du die Anleitung: Bereite alle genannten Gaben vor. Lies bei jedem Schritt zuerst die Handlung und sprich dann die fett gesetzten Sanskritverse oder Formeln an der angegebenen Stelle. Die deutsche Übersetzung erklärt ihre Bedeutung.
Zweck, Voraussetzungen und Materialien
Wozu? Das rituelle Bad ehrt Śiva als lebendige göttliche Gegenwart. Die fünf Stoffe werden nacheinander mit ihren eigenen Gebeten angeboten. Die Schlusswaschung mit Wasser führt zur erneuten Klarheit und Einfachheit.
Wer? Menschen, die eine einfache Śiva-Mūrti- oder Liṅga-Pūjā kennen. Die folgende Fassung ist ein selbständig eingerichteter Auszug aus der größeren Śiva-Pūjā. Sie beinhaltet weder den vollständigen Śatarudrīya-Abhiṣeka noch den ganzen Gabenzyklus.
Bereitlegen: wassergeeignetes Liṅga oder geeignete Mūrti in einer Auffangschale; sauberes Wasser; kleine Portionen Milch, Joghurt, flüssiges Ghee, Honig und Zuckerwasser; Löffel oder kleine Gießgefäße; Tuch; Blume; Lampe. Bei einem empfindlichen Kultbild gieße die Badgaben symbolisch in eine davor aufgestellte Auffangschale; diese Form ist eine praktische Anpassung. Stoffe können zur praktischen Handhabung verdünnt werden. Diese Mengen- und Materialhinweise sind redaktionelle Hilfen.
Die Quelle verlangt am Ende der Mantras die Erweiterung sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ. Sie wird unten bei jedem Schritt ausgeschrieben. Sie bedeutet: „Verehrung dem, der mit seinen Gliedkräften, Waffen, Reittier, Begleitern und Umkreisgottheiten gegenwärtig ist.“
Das folgende Lehrvideo zeigt eine Śiva-Pūjā in der Yoga-Vidya-Tradition und veranschaulicht dabei auch die Badeverehrung. Für das Abhiṣeka nach dem Shakti Pramoda beachte die hier angegebenen Substanzen, Gebete und Reihenfolgen.
Shiva Puja mit Erläuterungen – Yoga Vidya
Durchführung
Schritt 1: Aufstellen und Śiva einladen
Reinige Hände und Platz, entzünde die Lampe und stelle das Kultbild in die Auffangschale. Bei der symbolischen Variante bleibt das empfindliche Kultbild hinter der Schale stehen. Verneige dich, richte deine Aufmerksamkeit auf Śiva und rezitiere die Einladungsformel aus dem Śiva-Pūjāprayoga:
āyāhi bhagavañ chambho śarva tvaṃ girijāpate |
prasanno bhava deveśa namas tubhyaṃ hi śaṅkara ||
sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ ||
Übersetzung: „Komm, erhabener Śambhu, Śarva, Herr der Girijā! Sei uns wohlgesinnt, Herr der Götter. Verehrung sei dir, Śaṅkara – mit deinen Gliedkräften, Waffen, deinem Reittier, deinen Begleitern und Umkreisgottheiten.“
Die eigenständige Verbindung dieser Einladung unmittelbar mit den fünf Bädern ist eine Kürzung. In der vollständigen Quellfolge stehen dazwischen Sitz und Empfangsgaben.
Für alle folgenden Bäder gilt: Die Handlung beginnt während des Badgebets oder unmittelbar danach. Sprich auch die jeweils ausgeschriebene Anschlussformel. Bei der symbolischen Variante werden die Gaben in die Schale vor dem Kultbild gegeben.
Schritt 2: Milch
Gieße die Milch langsam über das Liṅga oder die Figur.
madhuraṃ gopayaḥ puṇyaṃ paṭapūtaṃ puraskṛtam |
snānārthaṃ devadeveśa gṛhāṇa parameśvara ||
sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ ||
Übersetzung des Badgebets: „Herr der Götter, höchster Herr! Nimm diese süße, reine Kuhmilch zum Bad an, die durch ein Tuch gefiltert und ehrerbietig bereitet wurde.“
Anschlussformel: „Verehrung Śiva mit seinen Gliedkräften, Waffen, Reittier, Begleitern und Umkreisgottheiten.“
Schritt 3: Joghurt
Gib die vorbereitete kleine Portion Joghurt über das Kultbild.
durlabhaṃ divi susvādu dadhi sarvapriyaṃ param |
puṣṭidaṃ pārvatīnātha snānāya pratigṛhyatām ||
sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ ||
Übersetzung des Badgebets: „Herr der Pārvatī, nimm diesen selbst im Himmel seltenen, wohlschmeckenden, allen überaus lieben und nährenden Joghurt zum Bad an.“
Anschlussformel: „Verehrung Śiva mit seinen Gliedkräften, Waffen, Reittier, Begleitern und Umkreisgottheiten.“
Schritt 4: Ghee
Gib etwas flüssiges, nicht heißes Ghee über das Kultbild.
ghṛtaṃ gavyaṃ śuci snigdhaṃ susevyaṃ puṣṭim icchatām |
gṛhāṇa girijānātha snānāya candraśekhara ||
sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ ||
Übersetzung des Badgebets: „Herr der Girijā, Mondbekrönter! Nimm dieses reine, geschmeidige Ghee aus Kuhmilch zum Bad an, das für diejenigen, die Nahrung und Stärkung suchen, wohltuend ist.“
Anschlussformel: „Verehrung Śiva mit seinen Gliedkräften, Waffen, Reittier, Begleitern und Umkreisgottheiten.“
Schritt 5: Honig
Lass etwas Honig oder verdünnten Honig über das Kultbild fließen.
madhuraṃ mṛdu mohaghnaṃ svarabhaṅgavināśanam ||
mahādevedam utsṛṣṭaṃ tava snānāya śaṅkara ||
sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ ||
Übersetzung des Badgebets: „Mahādeva, Śaṅkara! Dieses Süße und Milde, das Verblendung und Störungen der Stimme beseitigt, ist zu deinem Bad dargebracht.“
Anschlussformel: „Verehrung Śiva mit seinen Gliedkräften, Waffen, Reittier, Begleitern und Umkreisgottheiten.“
Schritt 6: Zucker
Gieße das vorbereitete Zuckerwasser über das Kultbild.
tāpaśāntikarī śītā madhurāsvādasaṃyutā |
snānārthaṃ devadeveśa śarkareyaṃ pradīyate ||
sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ ||
Übersetzung des Badgebets: „Herr der Götter! Dieser kühlende Zucker, der Hitze beruhigt und süß schmeckt, wird dir zum Bad gegeben.“
Anschlussformel: „Verehrung Śiva mit seinen Gliedkräften, Waffen, Reittier, Begleitern und Umkreisgottheiten.“
Schritt 7: Reines Wasser
Spüle das Kultbild gründlich mit sauberem Wasser. Die heiligen Flüsse werden im Wasser gegenwärtig gedacht.
gaṅgā godāvarī revā payoṣṇī yamunā tathā |
sarasvatyādi tīrthāni snānārthaṃ pratigṛhyatām ||
sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ ||
Übersetzung des Badgebets: „Nimm Gaṅgā, Godāvarī, Revā, Payoṣṇī und Yamunā sowie die heiligen Gewässer, angefangen mit Sarasvatī, zum Bad an.“
Anschlussformel: „Verehrung Śiva mit seinen Gliedkräften, Waffen, Reittier, Begleitern und Umkreisgottheiten.“
Die Aussagen über Reinigung, Hitze und Stimme gehören zur traditionellen Gebetssprache dieser Bäder. In diesem Ritus werden die Substanzen der Gottheit dargebracht; es wird damit keine Behandlung des eigenen Körpers vorgeschrieben.
Schritt 8: Abtrocknen und Blütengabe
Trockne das Kultbild vorsichtig ab. Das Abtrocknen ist eine praktische Ergänzung. Nimm eine Blume in die zusammengelegten Hände und rezitiere den Puṣpāñjali-Vers vom Ende der Śiva-Gabenfolge:
hara viśvākhilādhāra nirādhāra nirāśraya |
puṣpāñjaliṃ gṛhāṇeśa someśvara namo'stu te ||
sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ ||
Übersetzung: „Hara, Grundlage des ganzen Alls, selbst ohne tragende Grundlage und ohne Abhängigkeit! Herr, Someśvara, nimm diese Blütengabe an. Verehrung sei dir – mit deinen Gliedkräften, Waffen, deinem Reittier, deinen Begleitern und Umkreisgottheiten.“
Lege die Blume vor das Kultbild.
Schritt 9: Verneigung und Ende
Verneige dich mit dem im Text folgenden Praṇāma-Mantra:
hetave jagatām eva saṃsārārṇavasetave |
prabhave sarvavidyānāṃ śambhave gurave namaḥ ||
sāṅgāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya sāvaraṇāya namaḥ ||
Übersetzung: „Verehrung Śambhu, dem Guru, der Ursache der Welten, der Brücke über den Ozean des Saṃsāra und dem Ursprung aller Erkenntniswege – mit seinen Gliedkräften, Waffen, seinem Reittier, seinen Begleitern und Umkreisgottheiten.“
Bleibe kurz still. Damit ist die hier zusammengestellte Abhiṣeka-Andacht beendet. Die Schlussgebete sind aus der späteren Śiva-Gabenfolge an das Ende dieses Auszugs gestellt; das ist eine ausdrücklich ausgewiesene redaktionelle Zusammenstellung.
Nicht enthalten: Die Quelle fügt nach dem klaren Wasserbad ein langes Bad mit dem Śatarudrīya an. Dieses ist in der vorliegenden Fassung ausgelassen. Das oben beschriebene Ritual darf deshalb nicht als vollständiger Rudrābhiṣeka oder vollständige Śiva-Pūjā dieses Werkes bezeichnet werden.
Die innere Ausrichtung bewahren
Verweile nach der abschließenden Verneigung einen Augenblick in Stille. Die Folge der Bäder kann die Aufmerksamkeit sammeln und die einfache Blütengabe diese Hinwendung abrunden.
Quelle
Shakta Pramoda, Teil 3, Sanskritteil, Śiva-Pūjā, Druckseiten 446–457. Die Seitenzahlen bezeichnen die in der Textgrundlage mitgeführten Druckseiten, keine neu vergebenen Versnummern.
Siehe auch
- Kali Mala Japa nach dem Shakti Pramoda
- Tara Naivedya als vereinfachte Speisedarbringung nach dem Shakti Pramoda
- Tara Visarjana und Darbringung der Opferreste nach dem Shakti Pramoda
- Kamala Stotra Andacht nach dem Shakti Pramoda
- Matangi Blütenverehrung der acht Shaktis nach dem Shakti Pramoda
- Ganesha Puja mit Bädern und Gaben nach dem Shakti Pramoda
- Durga Blütenverehrung der acht Shaktis nach dem Shakti Pramoda
- Shiva Puja
- Shiva Manasa Puja
- Panchamrita
- Shakta Pramoda
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