Sita Upanishad

Aus Yogawiki

Die Sita Upanishad deutet Sita als göttliche Shakti, Urnatur und Grund des Weltgeschehens. Der dem Atharvaveda zugeordnete Text verbindet Rama- und Vishnu-Verehrung mit einer umfassenden Theologie der Göttin. Er beschreibt ihre Kräfte, ihre kosmischen Erscheinungsformen und ihre Beziehung zu den heiligen Wissenschaften. Der Sanskritname lautet सीतोपनिषत् (sītopaniṣat).

Sammlung und das Studium der Upanishaden ergänzen sich auf dem Weg der Selbsterkenntnis.

Sanskrittext Sita Upanishad mit Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Zur Textgestalt: Diese deutsche Studienübersetzung der Sita Upanishad folgt der unten verlinkten Sanskritfassung. Die Vorlage enthält überwiegend unnummerierte Prosa und teils kurze Verszeilen. Leseeinheiten sind redaktionelle Orientierungshilfen; sie beanspruchen keine überlieferte Verszählung. Merkverse, Friedensgebete und Kolophone werden als eigene Textbestandteile kenntlich gemacht. In der Worterklärung sind Sandhi-Verbindungen und Zusammensetzungen nach Möglichkeit aufgelöst. Offenkundige Schreib- und Trennfehler sind berichtigt; sinnrelevante Unsicherheiten werden angegeben. Die Devanagari- und IAST-Volltexte geben denselben redaktionellen Sanskritstand wieder.

Vorangestellter Merkvers

icchājñānakriyāśaktitrayaṃ yadbhāvasādhanam |
tadbrahmasattāsāmānyaṃ sītātattvamupāsmahe ||

Wir verehren die Wirklichkeit Sitas, die allgemeine Seinsgrundlage Brahmans: Ihre drei Kräfte von Wollen, Erkennen und Handeln ermöglichen das Werden.

Wort für Wort: icchā-jñāna-kriyā-śakti-trayam – Dreiheit der Kräfte von Wille, Erkenntnis, Handlung; yat bhāva-sādhanam – welche das Werden ermöglicht; tat brahma-sattā-sāmānyam – jene allgemeine Seinsgrundlage Brahmans; sītā-tattvam – Wirklichkeit Sitas; upāsmahe – wir verehren.

Shanti-Mantra

oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern mögen wir euch preisen und die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort für Wort: oṃ – Om; bhadram – Heilsames; karṇebhiḥ – mit den Ohren; śṛṇuyāma – mögen wir hören; devāḥ – ihr Götter; paśyema – mögen wir sehen; akṣabhiḥ – mit den Augen; yajatrāḥ – ihr Verehrungswürdigen; sthiraiḥ aṅgaiḥ – mit festen Gliedern; tuṣṭuvāṃsaḥ – preisend; tanūbhiḥ – mit den Körpern; vyaśema – mögen wir verbringen; deva-hitam – von den Göttern bestimmt; yat āyuḥ – die Lebenszeit. svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; indraḥ – Indra; vṛddha-śravāḥ – von großem Ruhm; pūṣā – Pushan; viśva-vedāḥ – alles kennend; tārkṣyaḥ – Tarkshya; ariṣṭa-nemiḥ – mit unversehrtem Radkranz, ein Beiname; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; dadhātu – möge gewähren. śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Leseeinheit 1. Die Frage

devā ha vai prajāpatimabruvankā sītā kiṃ rūpamiti |

Die Götter fragten Prajapati: „Wer ist Sita? Was ist ihre Gestalt?“

Wort für Wort: devāḥ – Götter; ha vai – wahrlich; prajāpatim abruvan – sprachen zu Prajapati; kā sītā – wer ist Sita; kim rūpam – welche Gestalt; iti – so.

Leseeinheit 2. Prajapatis Antwort

sa hovāca prajāpatiḥ sā sīteti |

Prajapati antwortete: „Sie ist Sita.“

Wort für Wort: sa hovāca – er antwortete; prajāpatiḥ – Prajapati; sā sītā iti – sie ist Sita.

Leseeinheit 3. Urnatur

mūlaprakṛtirūpatvātsā sītā prakṛtiḥ smṛtā |

Weil sie die Gestalt der Urnatur besitzt, gilt Sita als Prakriti.

Wort für Wort: mūla-prakṛti-rūpatvāt – wegen ihres Urnatur-Wesens; sā sītā – diese Sita; prakṛtiḥ smṛtā – als Naturgrund bezeichnet.

Leseeinheit 4. Om als Ursprung

praṇavaprakṛtirūpatvātsā sītā prakṛtirucyate |

Weil ihr Wesen die ursprüngliche Kraft des Om ist, heißt Sita Prakriti.

Wort für Wort: praṇava-prakṛti-rūpatvāt – wegen ihrer Gestalt als Om-Urgrund; sā sītā – diese Sita; prakṛtiḥ ucyate – wird Prakriti genannt.

Leseeinheit 5. Die drei Laute

sītā iti trivarṇātmā sākṣānmāyāmayī bhavet |

Der Name Sita besteht aus drei Lauten und verkörpert unmittelbar Maya.

Wort für Wort: sītā iti – der Name Sita; tri-varṇa-ātmā – aus drei Lauten bestehend; sākṣāt – unmittelbar; māyā-mayī – aus Maya bestehend; bhavet – ist.

Leseeinheit 6. Die Deutung des I-Lauts

viṣṇuḥ prapañcabījaṃ ca māyā īkāra ucyate |

Vishnu ist der Same der Erscheinungswelt; der I-Laut wird Maya genannt.

Wort für Wort: viṣṇuḥ – Vishnu; prapañca-bījam – Same der Erscheinungswelt; ca – und; māyā – Maya; ī-kāraḥ ucyate – der I-Laut wird genannt.

Leseeinheit 7. Die Deutung des S-Lauts

sakāraḥ satyamamṛtaṃ prāptiḥ somaśca kīrtyate |

Der S-Laut wird als Wahrheit, Unsterblichkeit, Erlangung und Soma bezeichnet.

Wort für Wort: sa-kāraḥ – S-Laut; satyam – Wahrheit; amṛtam – Unsterblichkeit; prāptiḥ – Erlangung; somaḥ – Soma; kīrtyate – wird bezeichnet.

Leseeinheit 8. Die Deutung des T-Lauts

takārastāralakṣmyā ca vairājaḥ prastaraḥ smṛtaḥ |

Der T-Laut wird mit der hinüberführenden Lakshmi und der Entfaltung Virajs verbunden. Die knappe Lautsymbolik erlaubt hier keine eindeutige grammatische Deutung.

Wort für Wort: ta-kāraḥ – T-Laut; tāra-lakṣmyā – mit der hinüberführenden Lakshmi; vairājaḥ – zu Viraj gehörig; prastaraḥ – Ausbreitung, Entfaltung; smṛtaḥ – überliefert.

Leseeinheit 9. Die unmanifestierte Göttin wird sichtbar

īkārarūpiṇī somāmṛtāvayavadivyālaṅkārasraṅmauktikādyābharaṇalaṅkṛtā mahāmāyā'vyaktarūpiṇī vyaktā bhavati |

Als I-Laut erscheint die unmanifestierte Mahamaya sichtbar: geschmückt mit göttlichen Kränzen, Perlen und anderem Schmuck, deren Glieder mit Somas Nektar verbunden sind.

Wort für Wort: ī-kāra-rūpiṇī – in Gestalt des I-Lauts; soma-amṛta-avayava – mit Soma-Nektar verbundene Glieder; divya-alaṅkāra-srak – göttlicher Schmuck und Kranz; mauktika-ādi-ābharaṇa-alaṅkṛtā – mit Perlen und anderem Schmuck geziert; mahāmāyā – große Maya; avyakta-rūpiṇī – unmanifestierten Wesens; vyaktā bhavati – wird manifest.

Leseeinheit 10. Drei Erscheinungsweisen Sitas

prathamā śabdabrahmamayī svādhyāyakāle prasannā udbhāvanakarī sātmikā dvitīyā bhūtale halāgre samutpannā tṛtīyā īkārarūpiṇī avyaktasvarūpā bhavatīti sītā ityudāharanti |

Die erste besteht aus dem Klang-Brahman und wird beim Studium klar gegenwärtig, Erkenntnis hervorbringend. Die zweite erscheint auf der Erde an der Spitze des Pfluges. Die dritte hat die Gestalt des I-Lauts und bleibt unmanifestiert. So wird Sita beschrieben.

Wort für Wort: prathamā – die erste; śabda-brahma-mayī – aus Klang-Brahman bestehend; svādhyāya-kāle – beim Schriftstudium; prasannā – klar, gnädig; udbhāvana-karī – hervorbringend; sātmikā – mit dem Selbst verbunden, Lesart unsicher; dvitīyā – zweite; bhūtale hala-agre samutpannā – auf Erde an Pflugspitze erschienen; tṛtīyā – dritte; ī-kāra-rūpiṇī – I-Laut-Gestalt; avyakta-svarūpā – unmanifestiertes Eigenwesen; iti udāharanti – so beschreiben sie.

Leseeinheit 11. Überlieferungshinweis

śaunakīye |

In der Shaunaka-Überlieferung heißt es:

Wort für Wort: śaunakīye – in dem zu Shaunaka gehörigen Text.

Leseeinheit 12. Freude der Welt

śrīrāmasānnidhyavaśājjagadānandakāriṇī |

Durch ihre Nähe zu Shri Rama schenkt sie der Welt Freude.

Wort für Wort: śrī-rāma-sānnidhya-vaśāt – durch Nähe zu Shri Rama; jagat-ānanda-kāriṇī – der Welt Freude bereitend.

Leseeinheit 13. Kosmische Tätigkeit

utpattisthitisaṃhārakāriṇī sarvadehinām |

Sie bewirkt Entstehung, Bestand und Auflösung aller verkörperten Wesen.

Wort für Wort: utpatti-sthiti-saṃhāra-kāriṇī – Entstehung, Bestand und Auflösung bewirkend; sarva-dehinām – aller Verkörperten.

Leseeinheit 14. Sita als Urnatur

sītā bhagavatī jñeyā mūlaprakṛtisaṃjñitā |

Die göttliche Sita soll als die Urnatur erkannt werden.

Wort für Wort: sītā bhagavatī – göttliche Sita; jñeyā – zu erkennen; mūla-prakṛti-saṃjñitā – Urnatur genannt.

Leseeinheit 15. Die Lehre der Brahman-Kenner

praṇavatvātprakṛtiriti vadanti brahmavādina iti |

Weil sie Om ist, nennen die Brahman-Lehrer sie Prakriti.

Wort für Wort: praṇavatvāt – aufgrund ihres Om-Seins; prakṛtiḥ – Urnatur, im Text verkürzt geschrieben; vadanti – sagen; brahma-vādinaḥ – Brahman-Lehrer; iti – so.

Leseeinheit 16. Die Frage nach Brahman

athāto brahmajijñāseti ca |

Und so heißt es: „Nun also die Erforschung Brahmans.“

Wort für Wort: atha ataḥ – nun also; brahma-jijñāsā – Wunsch, Brahman zu erkennen; iti ca – und so.

Leseeinheit 17. Die allumfassende Mahalakshmi

sā sarvavedamayī sarvadevamayī sarvalokamayī sarvakīrtimayī sarvadharmamayī sarvādhārakāryakāraṇamayī mahālakṣmīrdeveśasya bhinnābhinnarūpā cetanācetanātmikā brahmasthāvarātmā tadguṇakarmavibhāgabhedāccharīrūpā devarṣimanuṣyagandharvarūpā asurarākṣasabhūtapretapiśācabhūtādibhūtaśarīrūpā bhūtendriyamanaḥprāṇarūpeti ca vijñāyate |

Sie besteht aus allen Veden, Göttern, Welten, Ruhmesformen und Ordnungen; sie ist Grundlage, Wirkung und Ursache von allem. Als Mahalakshmi ist sie vom Herrn verschieden und unverschieden. Sie umfasst Bewusstes und Unbewusstes, von Brahma bis zum Unbeweglichen. Nach Unterschieden von Eigenschaften und Tätigkeiten nimmt sie Leiber an: Götter, Seher, Menschen und Gandharvas; Asuras, Rakshasas, Geister, Verstorbene und Pishachas sowie die übrigen Wesen. Sie wird als Elemente, Sinne, Geist und Lebenshauch erkannt.

Wort für Wort: sarva-veda-mayī – aus allen Veden; sarva-deva-mayī – aus allen Gottheiten; sarva-loka-mayī – aus allen Welten; sarva-kīrti-mayī – aus allem Ruhm; sarva-dharma-mayī – aus allen Ordnungen; sarva-ādhāra-kārya-kāraṇa-mayī – als aller Grundlage, Wirkung, Ursache; mahālakṣmīḥ – Mahalakshmi; deveśasya bhinna-abhinna-rūpā – vom Götterherrn verschieden und unverschieden; cetana-acetana-ātmikā – aus Bewusstem und Unbewusstem; brahma-sthāvara-ātmā – Wesen von Brahma bis zum Unbeweglichen; guṇa-karma-vibhāga-bhedāt – durch Eigenschaften- und Tätigkeitsunterschiede; śarīra-rūpā – leibliche Gestalt; deva-ṛṣi-manuṣya-gandharva – Götter, Seher, Menschen, Gandharvas; asura-rākṣasa-bhūta-preta-piśāca – Asuras, Rakshasas, Geister, Verstorbene, Pishachas; bhūta-indriya-manaḥ-prāṇa-rūpā – als Elemente, Sinne, Geist, Lebenshauch; vijñāyate – wird erkannt.

Leseeinheit 18. Drei Kräfte

sā devī trividhā bhavati śaktyāsanā icchāśaktiḥ kriyāśaktiḥ sākṣācchaktiriti |

Als Sitz der Kraft ist die Göttin dreifach: Willenskraft, Handlungskraft und unmittelbar gegenwärtige Kraft.

Wort für Wort: devī trividhā bhavati – Göttin ist dreifach; śakti-āsanā – Sitz der Kraft; icchā-śaktiḥ – Willenskraft; kriyā-śaktiḥ – Handlungskraft; sākṣāt-śaktiḥ – unmittelbar gegenwärtige Kraft.

Leseeinheit 19. Drei Formen der Willenskraft

icchāśaktistrividhā bhavati |

Die Willenskraft wiederum ist dreifach.

Wort für Wort: icchā-śaktiḥ – Willenskraft; trividhā bhavati – ist dreifach.

Leseeinheit 20. Shri, Bhumi und Nila

śrībhūminīlātmikā bhadrarūpiṇī prabhāvarūpiṇī somasūryāgnirūpā bhavati |

Sie besteht aus Shri, Bhumi und Nila, ist heilvoll und machtvoll und nimmt die Gestalten von Mond, Sonne und Feuer an.

Wort für Wort: śrī-bhūmi-nīla-ātmikā – aus Shri, Bhumi, Nila; bhadra-rūpiṇī – heilvolle Gestalt; prabhāva-rūpiṇī – Gestalt der Wirkkraft; soma-sūrya-agni-rūpā – Mond-, Sonnen-, Feuergestalt; bhavati – wird.

Leseeinheit 21. Pflanzen, Nahrung und Zeit

somātmikā oṣadhīnāṃ prabhavati kalpavṛkṣapuṣpaphalalatāgulmātmikā auṣadhabheṣajātmikā amṛtarūpā devānāṃ mahastomaphalapradā amṛtena tṛptiṃ janayantī devānāmannena paśūnāṃ tṛṇena tattajjīvānāṃ sūryādisakalabhuvanaprakāśinī divā ca rātriḥ kālakalānimeṣamārabhya ghaṭikāṣṭayāmadivasa(vāra)rātribhedena pakṣamāsartvayanasaṃvatsarabhedena manuṣyāṇāṃ śatāyuḥkalpanayā prakāśamānā cirakṣipravyapadeśena nimeṣamārabhya parārdhaparyantaṃ kālacakraṃ jagaccakramityādiprakāreṇa cakravatparivartamānāḥ sarvasyaitasyaiva kālasya vibhāgaviśeṣāḥ prakāśarūpāḥ kālarūpā bhavanti |

Als Mondkraft lässt sie Pflanzen wachsen und erscheint als Wunschbaum, Blüten, Früchte, Ranken und Büsche, als Kräuter und Heilmittel. Als Nektar gibt sie den Göttern die Frucht großer Opfer und sättigt sie mit Unsterblichkeit, Lebewesen mit Nahrung und Tiere mit Gras. Als Sonnenkraft erhellt sie sämtliche Welten und erscheint als Tag und Nacht. Vom Augenblick über kleine Zeiteinheiten und die acht Tagesabschnitte bis zu Tagen, Nächten, Monatshälften, Monaten, Jahreszeiten, Sonnenhalbjahren und Jahren gliedert sie die Zeit. Sie erscheint im hundertjährigen Menschenleben ebenso wie in der Unterscheidung von lang und kurz. Vom Augenblick bis zu einer Weltenlebenshälfte dreht sich das Zeit- und Weltenrad: Alle diese Zeitabschnitte sind Formen ihres Lichtes und ihres Zeitwesens.

Wort für Wort: soma-ātmikā – Mondwesen; oṣadhīnām prabhavati – lässt Pflanzen entstehen; kalpavṛkṣa-puṣpa-phala-latā-gulma – Wunschbaum, Blüte, Frucht, Ranke, Busch; auṣadha-bheṣaja-ātmikā – Kräuter und Heilmittel als Wesen; amṛta-rūpā – Nektargestalt; devānām mahat-stoma-phala-pradā – Göttern Frucht großer Opfer gebend; amṛtena tṛptim janayantī – mit Nektar Sättigung schaffend; annena – mit Nahrung; paśūnām tṛṇena – Tiere mit Gras; tat-tat-jīvānām – jeweilige Lebewesen; sūrya-ādi-sakala-bhuvana-prakāśinī – als Sonne alle Welten erhellend; divā rātriḥ – Tag und Nacht; kāla-kalā-nimeṣa – Zeitanteil, Augenblick; ghaṭikā-aṣṭa-yāma – Zeitmaß und acht Wachen; divasa-vāra-rātri – Tag, Wochentag, Nacht; pakṣa-māsa-ṛtu-ayana-saṃvatsara – Monatshälfte, Monat, Jahreszeit, Halbjahr, Jahr; manuṣyāṇām śata-āyuḥ-kalpanayā – als hundertjähriges Menschenleben; cira-kṣipra – lang und kurz; parārdha-paryantam – bis zur Hälfte von Brahmas Lebensdauer; kāla-cakram jagat-cakram – Zeitrad, Weltenrad; parivartamānāḥ – sich drehend; vibhāga-viśeṣāḥ – besondere Abschnitte; prakāśa-rūpāḥ kāla-rūpāḥ – Licht- und Zeitgestalten.

Leseeinheit 22. Das Feuer

agnirūpā annapānādiprāṇināṃ kṣuttṛṣṇātmikā devānāṃ mukharūpā vanauṣadhīnāṃ śītoṣṇarūpā kāṣṭheṣvantarbahiśca nityānityarūpā bhavati |

Als Feuer ist sie Hunger und Durst der Wesen, die Nahrung und Trank benötigen, und der Mund der Götter. In Wald und Pflanzen erscheint sie als Kälte und Wärme; im Holz ist sie innen und außen, verborgen und sichtbar, beständig und vergänglich.

Wort für Wort: agni-rūpā – Feuergestalt; anna-pāna-ādi-prāṇinām – der von Nahrung und Trank lebenden Wesen; kṣut-tṛṣṇā-ātmikā – Hunger und Durst als Wesen; devānām mukha-rūpā – Mundgestalt der Götter; vana-oṣadhīnām – des Waldes und der Pflanzen; śīta-uṣṇa-rūpā – Kälte- und Wärmegestalt; kāṣṭheṣu antar bahiḥ ca – im Holz innen und außen; nitya-anitya-rūpā – beständige und vergängliche Gestalt.

Leseeinheit 23. Schutz der Welt

śrīdevī trividhaṃ rūpaṃ kṛtvā bhagavatsaṅkalpānuguṇyena lokarakṣaṇārthaṃ rūpaṃ dhārayati |

Shri Devi nimmt dreifache Gestalt an und trägt dem Willen des Herrn entsprechend Formen zum Schutz der Welt.

Wort für Wort: śrīdevī – Shri Devi; trividham rūpam kṛtvā – dreifache Gestalt gebildet; bhagavat-saṅkalpa-anuguṇyena – dem Willen des Herrn entsprechend; loka-rakṣaṇa-artham – zum Weltschutz; rūpam dhārayati – trägt Gestalt.

Leseeinheit 24. Shri und Lakshmi

śrīriti lakṣmīriti lakṣyamāṇā bhavatīti vijñāyate |

Man erkennt sie, indem sie als Shri und Lakshmi bezeichnet und wahrgenommen wird.

Wort für Wort: śrīḥ iti lakṣmīḥ iti – als Shri und Lakshmi; lakṣyamāṇā – wahrgenommen, bezeichnet; bhavati – ist; vijñāyate – wird erkannt.

Leseeinheit 25. Bhudevi

bhūdevī sasāgarāṃbhaḥsaptadvīpā vasundharā bhūrādicaturdaśabhuvanānāmādhārādheyā praṇavātmikā bhavati |

Bhudevi ist die Erde mit ihren Ozeanen und sieben Kontinenten. Als Om-Wesen ist sie Grundlage und Getragenes der vierzehn Welten, beginnend mit Bhuh.

Wort für Wort: bhūdevī – Erdgöttin; sa-sāgara-ambhaḥ-sapta-dvīpā vasundharā – Erde mit Meereswasser und sieben Kontinenten; bhūḥ-ādi-caturdaśa-bhuvanānām – der vierzehn Welten ab Bhuh; ādhāra-ādheyā – Grundlage und Getragenes; praṇava-ātmikā – Om als Wesen.

Leseeinheit 26. Nila

nīlā ca mukhavidyunmālinī sarvauṣadhīnāṃ sarvaprāṇināṃ poṣaṇārthaṃ sarvarūpā bhavati |

Nila, deren Antlitz mit Blitzen bekränzt ist, nimmt alle Formen an, um sämtliche Pflanzen und Lebewesen zu nähren.

Wort für Wort: nīlā – Nila; mukha-vidyun-mālinī – mit Blitzkranz am Antlitz; sarva-oṣadhīnām sarva-prāṇinām – aller Pflanzen und Lebewesen; poṣaṇa-artham – zur Ernährung; sarva-rūpā bhavati – wird allgestaltig.

Leseeinheit 27. Trägerin der Welten

samastabhuvanasyādhobhāge jalākārātmikā maṇḍūkamayeti bhuvanādhāreti vijñāyate ||

Unterhalb aller Welten ist sie von Wassergestalt; als Manduka, „Frosch“, wird sie als Trägerin der Welt erkannt. Das Bild gehört zur kosmologischen Symbolik des Textes.

Wort für Wort: samasta-bhuvanasya adho-bhāge – unterhalb der gesamten Welt; jala-ākāra-ātmikā – von Wassergestalt; maṇḍūka-mayī – Froschgestalt; bhuvana-ādhārā – Weltengrundlage; vijñāyate – wird erkannt.

Leseeinheit 28. Die Handlungskraft

kriyāśaktisvarūpaṃ harermukhānnādaḥ |

Die Handlungskraft beginnt als Klang aus Haris Mund.

Wort für Wort: kriyā-śakti-svarūpam – Wesen der Handlungskraft; hareḥ mukhāt – aus Haris Mund; nādaḥ – Klang.

Leseeinheit 29. Der Punkt

tannādādbinduḥ |

Aus diesem Klang entsteht Bindu, der Punkt.

Wort für Wort: tat-nādāt – aus jenem Klang; binduḥ – Punkt.

Leseeinheit 30. Om

bindoroṅkāraḥ |

Aus Bindu entsteht Om.

Wort für Wort: bindoḥ – aus dem Punkt; oṅkāraḥ – Om-Laut.

Leseeinheit 31. Der Berg der Überlieferung

oṅkārātparato rāma vaikhānasaparvataḥ |

Aus Om entsteht sodann, Rama, der Berg der Vaikhanasa-Überlieferung.

Wort für Wort: oṅkārāt – aus Om; parataḥ – danach, darüber hinaus; rāma – Rama, hier Anrede; vaikhānasa-parvataḥ – Vaikhanasa-Berg.

Leseeinheit 32. Viele Zweige

tatparvate karmajñānamayībhirbahuśākhā bhavanti |

An diesem Berg entfalten sich viele Zweige aus Handlung und Erkenntnis.

Wort für Wort: tat-parvate – an jenem Berg; karma-jñāna-mayībhiḥ – aus Handlung und Erkenntnis bestehend, Kasus unregelmäßig; bahu-śākhāḥ bhavanti – viele Zweige entstehen.

Leseeinheit 33. Die dreifache Lehre

tatra trayīmayaṃ śāstramādyaṃ sarvārthadarśanam |

Dort ist die ursprüngliche Lehre aus dem dreifachen Veda, welche alle Ziele sichtbar macht.

Wort für Wort: tatra – dort; trayī-mayam śāstram – Lehre aus dreifachem Veda; ādyam – ursprünglich; sarva-artha-darśanam – alle Ziele zeigend.

Leseeinheit 34. Warum drei Veden?

ṛgyajuḥsāmarūpatvāttrayīti parikīrtitā |

Weil sie aus Rig-, Yajur- und Samaveda besteht, wird sie die Dreifache genannt.

Wort für Wort: ṛg-yajuḥ-sāma-rūpatvāt – wegen Gestalt von Rig-, Yajur-, Samaveda; trayī iti – die Dreifache; parikīrtitā – genannt.

Leseeinheit 35. Die vierfache Einteilung

kāryasiddhena caturdhā parikīrtitā |

Nach der Erfüllung ihrer Aufgaben wird sie auch als vierfach bezeichnet.

Wort für Wort: kārya-siddhena – gemäß der Aufgabenerfüllung; caturdhā – vierfach; parikīrtitā – bezeichnet.

Leseeinheit 36. Die vier Veden

ṛco yajūṃṣi sāmāni atharvāṅgirasastathā |

Es sind Rig-Verse, Yajus-Formeln, Saman-Gesänge und die Atharva-Angiras-Überlieferung.

Wort für Wort: ṛcaḥ – Rig-Verse; yajūṃṣi – Yajus-Formeln; sāmāni – Saman-Gesänge; atharva-aṅgirasaḥ – Atharva-Angiras-Texte; tathā – ebenso.

Leseeinheit 37. Rituelle Zuordnung

cāturhotrapradhānatvālliṅgāditritayaṃ trayī |

Trotz der Vorrangstellung der vier Priesterämter heißt die nach Merkmalen dreigegliederte Überlieferung Trayī. Die verkürzte Fügung erklärt das Verhältnis von drei Textformen und vier Ritualfunktionen.

Wort für Wort: cāturhotra-pradhānatvāt – wegen Vorrang der vier Priesterämter; liṅga-ādi-tritayam – Dreiheit nach Kennzeichen und Weiterem; trayī – dreifache Veda-Wissenschaft.

Leseeinheit 38. Atharvaveda und die drei Formen

atharvāṅgirasaṃ rūpaṃ sāmaṛgyajurātmakam |

Auch die Atharva-Angiras-Form umfasst Gesang, Vers und Opferformel.

Wort für Wort: atharva-aṅgirasam rūpam – Form der Atharva-Angiras-Überlieferung; sāma-ṛg-yajur-ātmakam – aus Saman, Rik und Yajus bestehend.

Leseeinheit 39. Besondere Anwendungen

tathā diśantyābhicārasāmānyena pṛthakpṛthak |

Die Überlieferer weisen ihnen jeweils besondere Anwendungen zu, unter anderem im Bereich magischer Rituale.

Wort für Wort: tathā – ebenso; diśanti – weisen zu; ābhicāra – magisches, auch schädigendes Ritual; sāmānyena – nach gemeinsamer Art; pṛthak pṛthak – jeweils gesondert.

Leseeinheit 40. Rigveda-Zweige

ekaviṃśatiśākhāyāmṛgvedaḥ parikīrtitaḥ |

Der Rigveda wird mit einundzwanzig Überlieferungszweigen angegeben.

Wort für Wort: ekaviṃśati-śākhāyām – in einundzwanzig Zweigen; ṛgvedaḥ – Rigveda; parikīrtitaḥ – angegeben.

Leseeinheit 41. Yajurveda-Zweige

śataṃ ca navaśākhāsu yajuṣāmeva janmanām |

Für die Yajus-Überlieferung werden hundertneun Zweige genannt.

Wort für Wort: śatam ca nava – hundert und neun; śākhāsu – in Zweigen; yajuṣām – der Yajus-Texte; janmanām – ihrer Entstehungsformen.

Leseeinheit 42. Sama- und Atharvaveda-Zweige

sāmnaḥ sahasraśākhāḥ syuḥ pañcaśākhā atharvaṇaḥ |

Der Samaveda hat nach dieser Aufzählung tausend Zweige, der Atharvaveda fünf.

Wort für Wort: sāmnaḥ – des Samaveda; sahasra-śākhāḥ – tausend Zweige; syuḥ – seien; pañca-śākhāḥ atharvaṇaḥ – fünf Zweige des Atharvaveda.

Leseeinheit 43. Unmittelbare Schau

vaikhānasamatastasminnādau pratyakṣadarśanam |

Am Anfang dieser Vaikhanasa-Lehre steht die unmittelbare Schau.

Wort für Wort: vaikhānasa-mataḥ – Vaikhanasa-Lehre; tasmin ādau – an deren Anfang; pratyakṣa-darśanam – unmittelbare Schau.

Leseeinheit 44. Bewahrte Lehre

smaryate munibhirnityaṃ vaikhānasamataḥ param |

Die Weisen erinnern sich stets an die Vaikhanasa-Lehre als eine höchste Überlieferung.

Wort für Wort: smaryate – wird erinnert; munibhiḥ nityam – von Weisen stets; vaikhānasa-mataḥ param – höchste Vaikhanasa-Lehre.

Leseeinheit 45. Die sechs Vedangas

kalpo vyākaraṇaṃ śikṣā niruktaṃ jyotiṣaṃ chanda etāni ṣaḍaṅgāni ||

Rituallehre, Grammatik, Lautlehre, Worterklärung, Himmelskunde und Versmaßkunde sind die sechs Hilfswissenschaften.

Wort für Wort: kalpaḥ – Rituallehre; vyākaraṇam – Grammatik; śikṣā – Lautlehre; niruktam – Worterklärung; jyotiṣam – Himmels- und Kalenderkunde; chandaḥ – Versmaßkunde; etāni ṣaṭ aṅgāni – diese sechs Glieder.

Leseeinheit 46. Weitere Hilfslehren

upāṅgamayanaṃ caiva mīmāṃsānyāyavistaraḥ |

Zu den ergänzenden Wissenschaften gehören der Überlieferungsweg sowie Mimamsa und die ausführliche Nyaya-Lehre.

Wort für Wort: upāṅgam – ergänzendes Glied; ayanam – Weg, Überlieferungsgang; mīmāṃsā – Auslegung; nyāya-vistaraḥ – ausführliche Logik- und Beweislehre.

Leseeinheit 47. Die Pflege des Wissens

dharmajñasevitārthaṃ ca vedavedo'dhikaṃ tathā |

Die Dharma-Kenner pflegen ihren Sinn; dazu tritt weiteres Wissen über den Veda. Die genaue Gliederung dieses Halbverses ist unsicher.

Wort für Wort: dharma-jña-sevita-artham – der von Dharma-Kennern gepflegte Sinn; veda-vedaḥ – Wissen des Veda; adhikam – zusätzlich, mehr; tathā – ebenso.

Leseeinheit 48. Regelwerke und Traditionen

nibandhāḥ sarvaśākhā ca samayācārasaṅgatiḥ |

Dazu gehören Abhandlungen, sämtliche Überlieferungszweige und die Übereinstimmung von überlieferten Regeln und Lebenspraxis.

Wort für Wort: nibandhāḥ – Abhandlungen; sarva-śākhāḥ – sämtliche Zweige; samaya-ācāra-saṅgatiḥ – Zusammenklang von Überlieferungsregel und Brauch.

Leseeinheit 49. Dharmashastra

dharmaśāstraṃ maharṣiṇāmantaḥkaraṇasambhṛtam |

Die Dharma-Lehre ist im Inneren der großen Seher gesammelt und bewahrt.

Wort für Wort: dharma-śāstram – Lehre von Recht und Lebensordnung; maharṣīṇām – der großen Seher; antaḥkaraṇa-sambhṛtam – im inneren Organ gesammelt.

Leseeinheit 50. Itihasa und Purana

itihāsapurāṇākhyamupāṅgaṃ ca prakīrtitam |

Auch die als Itihasa und Purana bezeichneten Überlieferungen gelten als ergänzende Glieder.

Wort für Wort: itihāsa-purāṇa-ākhyam – Itihasa und Purana genannt; upāṅgam – ergänzendes Glied; ca prakīrtitam – ebenfalls bezeichnet.

Leseeinheit 51. Angewandte Wissenschaften

vāstuvedo dhanurvedo gāndharvaśca tathā mune |
āyurvedaśca pañcaite upavedāḥ prakīrtitāḥ |

Genannt werden Baukunde, Bogenkunst und Musikkunde, o Weiser, sowie Ayurveda. „Diese fünf heißen Upavedas“, sagt der Text; die vorliegende Aufzählung nennt jedoch nur vier. Diese Lücke wird hier nicht mit einem erfundenen fünften Namen gefüllt.

Wort für Wort: vāstu-vedaḥ – Baukunde; dhanur-vedaḥ – Bogen- und Kriegskunst; gāndharvaḥ – Musikkunde; tathā mune – ebenso, Weiser. āyurvedaḥ – Lebens- und Heilkunde; pañca ete – diese fünf; upavedāḥ – ergänzende Veden; prakīrtitāḥ – genannt.

Leseeinheit 53. Weitere Wissensgebiete

daṇḍo nītiśca vārtā ca vidyā vāyujayaḥ paraḥ |
ekaviṃśatibhedo'yaṃ svaprakāśaḥ prakīrtitaḥ |

Hinzu kommen Strafgewalt, Staatsführung, Wirtschaft, Wissen und die höchste Beherrschung des Atems. Diese einundzwanzigfach gegliederte Wissenschaft wird als aus sich selbst leuchtend bezeichnet.

Wort für Wort: daṇḍaḥ – Strafgewalt; nītiḥ – Staats- und Verhaltenslehre; vārtā – Wirtschaft und Erwerb; vidyā – Wissen; vāyu-jayaḥ paraḥ – höchste Atembeherrschung. ekaviṃśati-bhedaḥ ayam – diese Einteilung in einundzwanzig; sva-prakāśaḥ – selbstleuchtend; prakīrtitaḥ – bezeichnet.

Leseeinheit 55. Vishnus Wort

vaikhānasaṛṣeḥ pūrvaṃ viṣṇorvāṇī samudbhavet |

Vor beziehungsweise für den Seher Vaikhanasa entstand ursprünglich Vishnus Wort.

Wort für Wort: vaikhānasa-ṛṣeḥ – des Sehers Vaikhanasa; pūrvam – zuvor, ursprünglich; viṣṇoḥ vāṇī – Vishnus Rede; samudbhavet – entstand. Die Kasusbeziehung bleibt knapp.

Leseeinheit 56. Die dreifache Form

trayīrūpeṇa saṅkalpya vaikhānasaṛṣeḥ purā |

In alter Zeit wurde es für den Seher Vaikhanasa als der dreifache Veda gestaltet.

Wort für Wort: trayī-rūpeṇa – in Form des dreifachen Veda; saṅkalpya – entworfen; vaikhānasa-ṛṣeḥ – des Sehers Vaikhanasa; purā – einst.

Leseeinheit 57. Höre die Überlieferung

udito yādṛśaḥ pūrvaṃ tādṛśaṃ śṛṇu me'khilam |

„Wie es einst hervorgetreten ist, so höre es nun vollständig von mir.“

Wort für Wort: uditaḥ yādṛśaḥ pūrvam – wie einst hervorgetreten; tādṛśam – so beschaffen; śṛṇu me akhilam – höre vollständig von mir.

Leseeinheit 58. Die Handlungskraft als Brahman

śaśvadbrahmamayaṃ rūpaṃ kriyāśaktirudāhṛtā |

Diese ewig aus Brahman bestehende Gestalt heißt Handlungskraft.

Wort für Wort: śaśvat-brahmamayam rūpam – ewig aus Brahman bestehende Gestalt; kriyā-śaktiḥ – Handlungskraft; udāhṛtā – genannt.

Leseeinheit 59. Die unmittelbar gegenwärtige Kraft

sākṣācchaktirbhagavataḥ smaraṇamātrarūpāvirbhāvaprādurbhāvātmikā nigrahānugraharūpā bhagavatsahacāriṇī anapāyinī anavaratasahāśrayiṇī uditānuditākārā nimeṣonmeṣasṛṣṭisthitisaṃhāratirodhānānugrahādisarvaśaktisāmarthyātsākṣācchaktiriti gīyate |

Die unmittelbare Kraft erscheint schon beim bloßen Erinnern des Herrn. Sie wirkt als Zügelung und Gnade, begleitet ihn untrennbar und bleibt stets mit ihm verbunden, sichtbar oder unsichtbar. Durch ihre Macht über Augenaufschlag und Augenschluss, Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Verhüllung, Gnade und alle weiteren Kräfte heißt sie die unmittelbar gegenwärtige Shakti.

Wort für Wort: sākṣāt-śaktiḥ – unmittelbare Kraft; bhagavataḥ smaraṇa-mātra – bloßes Erinnern des Herrn; rūpa-āvirbhāva-prādurbhāva-ātmikā – Gestalterscheinen als Wesen; nigraha-anugraha-rūpā – Zügelung und Gnade als Form; bhagavat-sahacāriṇī – Gefährtin des Herrn; anapāyinī – untrennbar; anavarata-saha-āśrayiṇī – ununterbrochen verbunden; udita-anudita-ākārā – sichtbar oder unsichtbar; nimeṣa-unmeṣa – Augenschluss und Öffnung; sṛṣṭi-sthiti-saṃhāra – Schöpfung, Bestand, Auflösung; tirodhāna-anugraha – Verhüllung und Gnade; sarva-śakti-sāmarthyāt – durch Vermögen aller Kräfte; iti gīyate – so gepriesen.

Leseeinheit 60. Yogashakti

icchāśaktistrividhā pralayāvasthāyāṃ viśramaṇārthaṃ bhagavato dakṣiṇavakṣaḥsthale śrīvatsākṛtirbhūtvā viśrāmyatīti sā yogaśaktiḥ |

Die Willenskraft wird noch einmal dreifach erklärt. Während der Weltauflösung ruht sie zum Ausruhen auf der rechten Brustseite des Herrn als Shrivatsa-Zeichen: Dies ist Yogashakti.

Wort für Wort: icchā-śaktiḥ trividhā – dreifache Willenskraft; pralaya-avasthāyām – während Weltauflösung; viśramaṇa-artham – zum Ausruhen; bhagavataḥ dakṣiṇa-vakṣaḥ-sthale – auf des Herrn rechter Brust; śrīvatsa-ākṛtiḥ bhūtvā – Shrivatsa-Gestalt angenommen; viśrāmyati – ruht; sā yoga-śaktiḥ – diese Yogakraft.

Leseeinheit 61. Bhogashakti

bhogaśaktirbhogarūpā kalpavṛkṣakāmadhenucintāmaṇiśaṅkhapadmanidhyādinavanidhisamāśritā bhagavadupāsakānāṃ kāmanayā akāmanayā vā bhaktiyuktā naraṃ nityanaimittikakarmabhiragnihotrādibhirvā yamaniyamāsanaprāṇāyāmapratyāhāradhyānadhāraṇāsamādhibhirvālamaṇanvapi gopuraprākārādibhirvimānādibhiḥ saha bhagavadvigrahārcāpūjopakaraṇairarcanaiḥ snānādhiparvā pitṛpūjādibhirannapānādibhirvā bhagavatprītyarthamuktvā sarvaṃ kriyate |

Bhogashakti ist die Kraft der Fülle, verbunden mit Wunschbaum, Wunschkuh, Wunschjuwel und den neun Schätzen wie Shankha und Padma. Sie begleitet die Verehrer des Herrn in wünschender oder wunschloser Hingabe: bei täglichen und gelegentlichen Pflichten, Feueropfern und anderen Riten; bei Yamas, Niyamas, Asana, Pranayama, Pratyahara, Meditation, Konzentration und Samadhi; bei Tempeltoren, Umfassungsmauern und Heiligtümern sowie Bildern, Geräten und Handlungen der Gottesverehrung; bei Bädern, Festzeiten und Ahnenverehrung; bei Speise und Trank. Alles wird mit der Widmung vollzogen, dem Herrn Freude zu bereiten. Einige verbindende Wörter der Aufzählung sind beschädigt.

Wort für Wort: bhoga-śaktiḥ bhoga-rūpā – Genusskraft in Füllegestalt; kalpavṛkṣa-kāmadhenu-cintāmaṇi – Wunschbaum, Wunschkuh, Wunschjuwel; śaṅkha-padma-nidhi-ādi-nava-nidhi – neun Schätze wie Shankha und Padma; samāśritā – damit verbunden; bhagavat-upāsakānām – der Gottesverehrer; kāmanayā akāmanayā vā – mit oder ohne Wunsch; bhakti-yuktā – mit Hingabe; nitya-naimittika-karmabhiḥ – täglichen und anlassbezogenen Pflichten; agnihotra-ādibhiḥ – Feueropfern und Weiterem; yama-niyama-āsana-prāṇāyāma-pratyāhāra-dhyāna-dhāraṇā-samādhibhiḥ – acht genannte Yoga-Glieder; gopura-prākāra-vimāna – Tempeltor, Umfassungsmauer, Heiligtum; bhagavat-vigraha-arcā-pūjā-upakaraṇaiḥ – Gottesbildern und Verehrungsgeräten; arcanaiḥ – Verehrungen; snāna-ādi-parvā – Bäder und Festzeiten, Fügung gestört; pitṛ-pūjā-ādibhiḥ – Ahnenverehrung und Weiterem; anna-pāna-ādibhiḥ – Speise, Trank und Weiterem; bhagavat-prītyartham uktvā – „zur Freude des Herrn“ gesagt; sarvam kriyate – alles wird getan.

Leseeinheit 62. Virashakti

athāto vīraśaktiścaturbhujā'bhayavaradapadmadharā kirīṭābharaṇayutā sarvadevaiḥ parivṛtā kalpatarumūle caturbhirgajai ratnaghaṭairamṛtajalairabhiṣicyamānā sarvadaivatairbrahmādibhirvandyamānā aṇimādyaṣṭaiśvaryayutā saṃmukhe kāmadhenunā stūyamānā vedaśāstrādibhiḥ stūyamānā jayādyapsarasstrībhiḥ paricaryamāṇā ādityasomābhyāṃ dīpābhyāṃ prakāśyamānā tumburunāradādibhirgāyamānā rākāsinīvālībhyāṃ chatreṇa hlādinīmāyābhyāṃ cāmareṇa svāhāsvadhābhyāṃ vyajanena bhṛgupuṇādibhirabhyarcyamānā devī divyasiṃhāsane padmāsanarūḍhā sakalakāraṇakāryakarī lakṣmīrdevasya pṛthagbhavanakalpanā |

Virashakti erscheint vierarmig, mit Furchtlosigkeits- und Segensgeste, Lotus, Krone und Schmuck, umgeben von allen Göttern. Unter dem Wunschbaum begießen sie vier Elefanten aus juwelenbesetzten Krügen mit Nektarwasser. Brahma und die anderen Götter verehren sie; sie besitzt die acht Vollkommenheiten, beginnend mit Kleinwerden. Die Wunschkuh vor ihr, Veden und Lehrschriften preisen sie; Jaya und andere himmlische Frauen dienen ihr. Sonne und Mond sind ihre Lampen, Tumburu und Narada ihre Sänger. Raka und Sinivali halten den Schirm, Hladini und Maya die Wedel, Svaha und Svadha die Fächer. Bhrigu und weitere Seher verehren sie. Auf göttlichem Thron im Lotussitz ist sie Lakshmi, die alle Ursachen und Wirkungen hervorbringt und als eigene Erscheinung des Herrn gedacht wird.

Wort für Wort: vīra-śaktiḥ – Heldenkraft; caturbhujā – vierarmig; abhaya-varada-padma-dharā – Furchtlosigkeit, Segen, Lotus darstellend; kirīṭa-ābharaṇa-yutā – mit Krone und Schmuck; sarva-devaiḥ parivṛtā – von allen Göttern umgeben; kalpataru-mūle – unter Wunschbaum; caturbhiḥ gajaiḥ – durch vier Elefanten; ratna-ghaṭaiḥ amṛta-jalaiḥ abhiṣicyamānā – mit Nektarwasser aus Juwelenkrügen begossen; brahma-ādibhiḥ vandyamānā – von Brahma und anderen verehrt; aṇima-ādi-aṣṭa-aiśvarya-yutā – mit acht Mächten ab Kleinwerden; kāmadhenu – Wunschkuh; veda-śāstra – Veden und Lehren; stūyamānā – gepriesen; jayā-ādi-apsaras-strībhiḥ paricaryamāṇā – von Jaya und anderen Himmelsfrauen bedient; āditya-somābhyām dīpābhyām – mit Sonne und Mond als Lampen; tumburu-nārada-ādibhiḥ gīyamānā – von Tumburu, Narada und anderen besungen; rākā-sinīvālībhyām chatreṇa – Raka und Sinivali mit Schirm; hlādinī-māyābhyām cāmareṇa – Hladini und Maya mit Wedel; svāhā-svadhābhyām vyajanena – Svaha und Svadha mit Fächer; bhṛgu-ādi – Bhrigu und andere, „puṇa“ unklar; divya-siṃhāsane padmāsana-ārūḍhā – auf göttlichem Thron im Lotussitz; sakala-kāraṇa-kārya-karī – alle Ursachen und Wirkungen hervorbringend; devasya pṛthag-bhavana-kalpanā – als gesonderte Erscheinung des Herrn gedacht.

Leseeinheit 63. Viralakshmi

alaṃcakāra sthirā prasannalocanā sarvadevataiḥ pūjyamānā vīralakṣmīriti vijñāyata ityupaniṣat ||

Geschmückt, fest und mit freundlichem Blick, von allen Gottheiten verehrt, wird sie als Viralakshmi erkannt. So lautet die Upanishad.

Wort für Wort: alaṃcakāra – schmückte beziehungsweise Schmuckgestalt, unregelmäßige Fügung; sthirā – fest; prasanna-locanā – mit freundlichem Blick; sarva-devataiḥ pūjyamānā – von allen Gottheiten verehrt; vīralakṣmīḥ iti vijñāyate – als Viralakshmi erkannt; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Shanti-Mantra

oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern mögen wir euch preisen und die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Wort für Wort: oṃ – Om; bhadram – Heilsames; karṇebhiḥ – mit den Ohren; śṛṇuyāma – mögen wir hören; devāḥ – ihr Götter; paśyema – mögen wir sehen; akṣabhiḥ – mit den Augen; yajatrāḥ – ihr Verehrungswürdigen; sthiraiḥ aṅgaiḥ – mit festen Gliedern; tuṣṭuvāṃsaḥ – preisend; tanūbhiḥ – mit den Körpern; vyaśema – mögen wir verbringen; deva-hitam – von den Göttern bestimmt; yat āyuḥ – die Lebenszeit. svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; indraḥ – Indra; vṛddha-śravāḥ – von großem Ruhm; pūṣā – Pushan; viśva-vedāḥ – alles kennend; tārkṣyaḥ – Tarkshya; ariṣṭa-nemiḥ – mit unversehrtem Radkranz, ein Beiname; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; dadhātu – möge gewähren.

Friedensruf

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort für Wort: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Schlussvermerk

iti sītopaniṣatsamāptā ||

Hier endet die Sita Upanishad.

Wort für Wort: iti – so, hiermit; sītopaniṣat – Sita Upanishad; samāptā – beendet.

Datierung, Inhalt und Bedeutung

Überlieferung und Datierung

Die Sita Upanishad gehört zu den kleineren religiösen Upanishaden. Ihr Augenmerk liegt auf der Göttin; zugleich ist ihre Darstellung eng mit vishnuitischen Vorstellungen und der Vaikhanasa-Tradition verbunden. Eine genaue Entstehungszeit lässt sich aus der hier benutzten Fassung nicht sichern. Die ausführlichen Systematisierungen von Wissenschaften und Kräften geben Einblick in ihr geistiges Umfeld, bilden aber für sich keine sichere Datierungsgrundlage.

Name, Urnatur und Kräfte

Prajapati beantwortet die Frage der Götter nach Sitas Wesen. Der Text deutet die Laute ihres Namens und bezeichnet sie als Urnatur. Sie erscheint nicht nur als Gestalt innerhalb der Rama-Erzählung, sondern als Kraft, durch die Welt und Erfahrung möglich werden. Der einleitende Merkvers nennt Wollen, Erkennen und Handeln; im Haupttext wird die Willenskraft in weitere Erscheinungsweisen entfaltet.

Sita wird mit Erde, Pflanzen, Nahrung, Licht und Zeit in Beziehung gesetzt. Die langen Reihen von Zeitmaßen und Weltfunktionen zeigen die Reichweite dieser Aussage. Die Lehre von der Handlungskraft führt über heiligen Laut und Veda zu Zweigtraditionen, ergänzenden Wissenschaften und praktischen Wissensgebieten. Die vorliegende Fassung nennt an einer Stelle fünf Upavedas, führt dort aber nur vier Namen an. Diese Unstimmigkeit wird offengelegt, ohne einen fehlenden Namen zu erfinden.

Verehrungsformen und heutige Bedeutung

Im letzten Teil erscheinen Yoga-, Bhoga- und Vira-Shakti. Die Darstellungen reichen vom ruhenden göttlichen Zusammenhang bis zur reich ausgestatteten, segnenden Gestalt. Wassergefäße, Elefanten, Lotus, Sitz und begleitende Mächte gehören zur Bildsprache. Ihre vollständige Aufzählung ist für die Deutung der Verehrungsform wesentlich.

Der Text kann zur Betrachtung anregen, wie Wollen, Wissen und Handeln zusammenwirken. Seine Beziehung von Göttin, Erde und Nahrung eröffnet außerdem eine religiöse Haltung der Dankbarkeit. Die Zuordnung alter Wissenschaften wird als historische Ordnung des Wissens wiedergegeben; sie muss nicht mit heutigen Facheinteilungen übereinstimmen.

Vollständiger Text in Devanagari

इच्छाज्ञानक्रियाशक्तित्रयं यद्भावसाधनम् ।
तद्ब्रह्मसत्तासामान्यं सीतातत्त्वमुपास्महे ॥

ॐ भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवाः ।
भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवाँसस्तनूभिः ।
व्यशेम देवहितं यदायुः ।
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः ।
स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः ।
स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ।
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

देवा ह वै प्रजापतिमब्रुवन्का सीता किं रूपमिति ।

स होवाच प्रजापतिः सा सीतेति ।

मूलप्रकृतिरूपत्वात्सा सीता प्रकृतिः स्मृता ।

प्रणवप्रकृतिरूपत्वात्सा सीता प्रकृतिरुच्यते ।

सीता इति त्रिवर्णात्मा साक्षान्मायामयी भवेत् ।

विष्णुः प्रपञ्चबीजं च माया ईकार उच्यते ।

सकारः सत्यममृतं प्राप्तिः सोमश्च कीर्त्यते ।

तकारस्तारलक्ष्म्या च वैराजः प्रस्तरः स्मृतः ।

ईकाररूपिणी सोमामृतावयवदिव्यालङ्कारस्रङ्मौक्तिकाद्याभरणलङ्कृता महामायाऽव्यक्तरूपिणी व्यक्ता भवति ।

प्रथमा शब्दब्रह्ममयी स्वाध्यायकाले प्रसन्ना उद्भावनकरी सात्मिका द्वितीया भूतले हलाग्रे समुत्पन्ना तृतीया ईकाररूपिणी अव्यक्तस्वरूपा भवतीति सीता इत्युदाहरन्ति ।

शौनकीये ।

श्रीरामसान्निध्यवशाज्जगदानन्दकारिणी ।

उत्पत्तिस्थितिसंहारकारिणी सर्वदेहिनाम् ।

सीता भगवती ज्ञेया मूलप्रकृतिसंज्ञिता ।

प्रणवत्वात्प्रकृतिरिति वदन्ति ब्रह्मवादिन इति ।

अथातो ब्रह्मजिज्ञासेति च ।

सा सर्ववेदमयी सर्वदेवमयी सर्वलोकमयी सर्वकीर्तिमयी सर्वधर्ममयी सर्वाधारकार्यकारणमयी महालक्ष्मीर्देवेशस्य भिन्नाभिन्नरूपा चेतनाचेतनात्मिका ब्रह्मस्थावरात्मा तद्गुणकर्मविभागभेदाच्छरीरूपा देवर्षिमनुष्यगन्धर्वरूपा असुरराक्षसभूतप्रेतपिशाचभूतादिभूतशरीरूपा भूतेन्द्रियमनःप्राणरूपेति च विज्ञायते ।

सा देवी त्रिविधा भवति शक्त्यासना इच्छाशक्तिः क्रियाशक्तिः साक्षाच्छक्तिरिति ।

इच्छाशक्तिस्त्रिविधा भवति ।

श्रीभूमिनीलात्मिका भद्ररूपिणी प्रभावरूपिणी सोमसूर्याग्निरूपा भवति ।

सोमात्मिका ओषधीनां प्रभवति कल्पवृक्षपुष्पफललतागुल्मात्मिका औषधभेषजात्मिका अमृतरूपा देवानां महस्तोमफलप्रदा अमृतेन तृप्तिं जनयन्ती देवानामन्नेन पशूनां तृणेन तत्तज्जीवानां सूर्यादिसकलभुवनप्रकाशिनी दिवा च रात्रिः कालकलानिमेषमारभ्य घटिकाष्टयामदिवस(वार)रात्रिभेदेन पक्षमासर्त्वयनसंवत्सरभेदेन मनुष्याणां शतायुःकल्पनया प्रकाशमाना चिरक्षिप्रव्यपदेशेन निमेषमारभ्य परार्धपर्यन्तं कालचक्रं जगच्चक्रमित्यादिप्रकारेण चक्रवत्परिवर्तमानाः सर्वस्यैतस्यैव कालस्य विभागविशेषाः प्रकाशरूपाः कालरूपा भवन्ति ।

अग्निरूपा अन्नपानादिप्राणिनां क्षुत्तृष्णात्मिका देवानां मुखरूपा वनौषधीनां शीतोष्णरूपा काष्ठेष्वन्तर्बहिश्च नित्यानित्यरूपा भवति ।

श्रीदेवी त्रिविधं रूपं कृत्वा भगवत्सङ्कल्पानुगुण्येन लोकरक्षणार्थं रूपं धारयति ।

श्रीरिति लक्ष्मीरिति लक्ष्यमाणा भवतीति विज्ञायते ।

भूदेवी ससागरांभःसप्तद्वीपा वसुन्धरा भूरादिचतुर्दशभुवनानामाधाराधेया प्रणवात्मिका भवति ।

नीला च मुखविद्युन्मालिनी सर्वौषधीनां सर्वप्राणिनां पोषणार्थं सर्वरूपा भवति ।

समस्तभुवनस्याधोभागे जलाकारात्मिका मण्डूकमयेति भुवनाधारेति विज्ञायते ॥

क्रियाशक्तिस्वरूपं हरेर्मुखान्नादः ।

तन्नादाद्बिन्दुः ।

बिन्दोरोङ्कारः ।

ओङ्कारात्परतो राम वैखानसपर्वतः ।

तत्पर्वते कर्मज्ञानमयीभिर्बहुशाखा भवन्ति ।

तत्र त्रयीमयं शास्त्रमाद्यं सर्वार्थदर्शनम् ।

ऋग्यजुःसामरूपत्वात्त्रयीति परिकीर्तिता ।

कार्यसिद्धेन चतुर्धा परिकीर्तिता ।

ऋचो यजूंषि सामानि अथर्वाङ्गिरसस्तथा ।

चातुर्होत्रप्रधानत्वाल्लिङ्गादित्रितयं त्रयी ।

अथर्वाङ्गिरसं रूपं सामऋग्यजुरात्मकम् ।

तथा दिशन्त्याभिचारसामान्येन पृथक्पृथक् ।

एकविंशतिशाखायामृग्वेदः परिकीर्तितः ।

शतं च नवशाखासु यजुषामेव जन्मनाम् ।

साम्नः सहस्रशाखाः स्युः पञ्चशाखा अथर्वणः ।

वैखानसमतस्तस्मिन्नादौ प्रत्यक्षदर्शनम् ।

स्मर्यते मुनिभिर्नित्यं वैखानसमतः परम् ।

कल्पो व्याकरणं शिक्षा निरुक्तं ज्योतिषं छन्द एतानि षडङ्गानि ॥

उपाङ्गमयनं चैव मीमांसान्यायविस्तरः ।

धर्मज्ञसेवितार्थं च वेदवेदोऽधिकं तथा ।

निबन्धाः सर्वशाखा च समयाचारसङ्गतिः ।

धर्मशास्त्रं महर्षिणामन्तःकरणसम्भृतम् ।

इतिहासपुराणाख्यमुपाङ्गं च प्रकीर्तितम् ।

वास्तुवेदो धनुर्वेदो गान्धर्वश्च तथा मुने ।
आयुर्वेदश्च पञ्चैते उपवेदाः प्रकीर्तिताः ।

दण्डो नीतिश्च वार्ता च विद्या वायुजयः परः ।
एकविंशतिभेदोऽयं स्वप्रकाशः प्रकीर्तितः ।

वैखानसऋषेः पूर्वं विष्णोर्वाणी समुद्भवेत् ।

त्रयीरूपेण सङ्कल्प्य वैखानसऋषेः पुरा ।

उदितो यादृशः पूर्वं तादृशं शृणु मेऽखिलम् ।

शश्वद्ब्रह्ममयं रूपं क्रियाशक्तिरुदाहृता ।

साक्षाच्छक्तिर्भगवतः स्मरणमात्ररूपाविर्भावप्रादुर्भावात्मिका निग्रहानुग्रहरूपा भगवत्सहचारिणी अनपायिनी अनवरतसहाश्रयिणी उदितानुदिताकारा निमेषोन्मेषसृष्टिस्थितिसंहारतिरोधानानुग्रहादिसर्वशक्तिसामर्थ्यात्साक्षाच्छक्तिरिति गीयते ।

इच्छाशक्तिस्त्रिविधा प्रलयावस्थायां विश्रमणार्थं भगवतो दक्षिणवक्षःस्थले श्रीवत्साकृतिर्भूत्वा विश्राम्यतीति सा योगशक्तिः ।

भोगशक्तिर्भोगरूपा कल्पवृक्षकामधेनुचिन्तामणिशङ्खपद्मनिध्यादिनवनिधिसमाश्रिता भगवदुपासकानां कामनया अकामनया वा भक्तियुक्ता नरं नित्यनैमित्तिककर्मभिरग्निहोत्रादिभिर्वा यमनियमासनप्राणायामप्रत्याहारध्यानधारणासमाधिभिर्वालमणन्वपि गोपुरप्राकारादिभिर्विमानादिभिः सह भगवद्विग्रहार्चापूजोपकरणैरर्चनैः स्नानाधिपर्वा पितृपूजादिभिरन्नपानादिभिर्वा भगवत्प्रीत्यर्थमुक्त्वा सर्वं क्रियते ।

अथातो वीरशक्तिश्चतुर्भुजाऽभयवरदपद्मधरा किरीटाभरणयुता सर्वदेवैः परिवृता कल्पतरुमूले चतुर्भिर्गजै रत्नघटैरमृतजलैरभिषिच्यमाना सर्वदैवतैर्ब्रह्मादिभिर्वन्द्यमाना अणिमाद्यष्टैश्वर्ययुता संमुखे कामधेनुना स्तूयमाना वेदशास्त्रादिभिः स्तूयमाना जयाद्यप्सरस्स्त्रीभिः परिचर्यमाणा आदित्यसोमाभ्यां दीपाभ्यां प्रकाश्यमाना तुम्बुरुनारदादिभिर्गायमाना राकासिनीवालीभ्यां छत्रेण ह्लादिनीमायाभ्यां चामरेण स्वाहास्वधाभ्यां व्यजनेन भृगुपुणादिभिरभ्यर्च्यमाना देवी दिव्यसिंहासने पद्मासनरूढा सकलकारणकार्यकरी लक्ष्मीर्देवस्य पृथग्भवनकल्पना ।

अलंचकार स्थिरा प्रसन्नलोचना सर्वदेवतैः पूज्यमाना वीरलक्ष्मीरिति विज्ञायत इत्युपनिषत् ॥

ॐ भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवाः ।
भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवाँसस्तनूभिः ।
व्यशेम देवहितं यदायुः ।
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः ।
स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः ।
स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

इति सीतोपनिषत्समाप्ता ॥

Vollständiger Text in IAST

icchājñānakriyāśaktitrayaṃ yadbhāvasādhanam |
tadbrahmasattāsāmānyaṃ sītātattvamupāsmahe ||

oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

devā ha vai prajāpatimabruvankā sītā kiṃ rūpamiti |

sa hovāca prajāpatiḥ sā sīteti |

mūlaprakṛtirūpatvātsā sītā prakṛtiḥ smṛtā |

praṇavaprakṛtirūpatvātsā sītā prakṛtirucyate |

sītā iti trivarṇātmā sākṣānmāyāmayī bhavet |

viṣṇuḥ prapañcabījaṃ ca māyā īkāra ucyate |

sakāraḥ satyamamṛtaṃ prāptiḥ somaśca kīrtyate |

takārastāralakṣmyā ca vairājaḥ prastaraḥ smṛtaḥ |

īkārarūpiṇī somāmṛtāvayavadivyālaṅkārasraṅmauktikādyābharaṇalaṅkṛtā mahāmāyā'vyaktarūpiṇī vyaktā bhavati |

prathamā śabdabrahmamayī svādhyāyakāle prasannā udbhāvanakarī sātmikā dvitīyā bhūtale halāgre samutpannā tṛtīyā īkārarūpiṇī avyaktasvarūpā bhavatīti sītā ityudāharanti |

śaunakīye |

śrīrāmasānnidhyavaśājjagadānandakāriṇī |

utpattisthitisaṃhārakāriṇī sarvadehinām |

sītā bhagavatī jñeyā mūlaprakṛtisaṃjñitā |

praṇavatvātprakṛtiriti vadanti brahmavādina iti |

athāto brahmajijñāseti ca |

sā sarvavedamayī sarvadevamayī sarvalokamayī sarvakīrtimayī sarvadharmamayī sarvādhārakāryakāraṇamayī mahālakṣmīrdeveśasya bhinnābhinnarūpā cetanācetanātmikā brahmasthāvarātmā tadguṇakarmavibhāgabhedāccharīrūpā devarṣimanuṣyagandharvarūpā asurarākṣasabhūtapretapiśācabhūtādibhūtaśarīrūpā bhūtendriyamanaḥprāṇarūpeti ca vijñāyate |

sā devī trividhā bhavati śaktyāsanā icchāśaktiḥ kriyāśaktiḥ sākṣācchaktiriti |

icchāśaktistrividhā bhavati |

śrībhūminīlātmikā bhadrarūpiṇī prabhāvarūpiṇī somasūryāgnirūpā bhavati |

somātmikā oṣadhīnāṃ prabhavati kalpavṛkṣapuṣpaphalalatāgulmātmikā auṣadhabheṣajātmikā amṛtarūpā devānāṃ mahastomaphalapradā amṛtena tṛptiṃ janayantī devānāmannena paśūnāṃ tṛṇena tattajjīvānāṃ sūryādisakalabhuvanaprakāśinī divā ca rātriḥ kālakalānimeṣamārabhya ghaṭikāṣṭayāmadivasa(vāra)rātribhedena pakṣamāsartvayanasaṃvatsarabhedena manuṣyāṇāṃ śatāyuḥkalpanayā prakāśamānā cirakṣipravyapadeśena nimeṣamārabhya parārdhaparyantaṃ kālacakraṃ jagaccakramityādiprakāreṇa cakravatparivartamānāḥ sarvasyaitasyaiva kālasya vibhāgaviśeṣāḥ prakāśarūpāḥ kālarūpā bhavanti |

agnirūpā annapānādiprāṇināṃ kṣuttṛṣṇātmikā devānāṃ mukharūpā vanauṣadhīnāṃ śītoṣṇarūpā kāṣṭheṣvantarbahiśca nityānityarūpā bhavati |

śrīdevī trividhaṃ rūpaṃ kṛtvā bhagavatsaṅkalpānuguṇyena lokarakṣaṇārthaṃ rūpaṃ dhārayati |

śrīriti lakṣmīriti lakṣyamāṇā bhavatīti vijñāyate |

bhūdevī sasāgarāṃbhaḥsaptadvīpā vasundharā bhūrādicaturdaśabhuvanānāmādhārādheyā praṇavātmikā bhavati |

nīlā ca mukhavidyunmālinī sarvauṣadhīnāṃ sarvaprāṇināṃ poṣaṇārthaṃ sarvarūpā bhavati |

samastabhuvanasyādhobhāge jalākārātmikā maṇḍūkamayeti bhuvanādhāreti vijñāyate ||

kriyāśaktisvarūpaṃ harermukhānnādaḥ |

tannādādbinduḥ |

bindoroṅkāraḥ |

oṅkārātparato rāma vaikhānasaparvataḥ |

tatparvate karmajñānamayībhirbahuśākhā bhavanti |

tatra trayīmayaṃ śāstramādyaṃ sarvārthadarśanam |

ṛgyajuḥsāmarūpatvāttrayīti parikīrtitā |

kāryasiddhena caturdhā parikīrtitā |

ṛco yajūṃṣi sāmāni atharvāṅgirasastathā |

cāturhotrapradhānatvālliṅgāditritayaṃ trayī |

atharvāṅgirasaṃ rūpaṃ sāmaṛgyajurātmakam |

tathā diśantyābhicārasāmānyena pṛthakpṛthak |

ekaviṃśatiśākhāyāmṛgvedaḥ parikīrtitaḥ |

śataṃ ca navaśākhāsu yajuṣāmeva janmanām |

sāmnaḥ sahasraśākhāḥ syuḥ pañcaśākhā atharvaṇaḥ |

vaikhānasamatastasminnādau pratyakṣadarśanam |

smaryate munibhirnityaṃ vaikhānasamataḥ param |

kalpo vyākaraṇaṃ śikṣā niruktaṃ jyotiṣaṃ chanda etāni ṣaḍaṅgāni ||

upāṅgamayanaṃ caiva mīmāṃsānyāyavistaraḥ |

dharmajñasevitārthaṃ ca vedavedo'dhikaṃ tathā |

nibandhāḥ sarvaśākhā ca samayācārasaṅgatiḥ |

dharmaśāstraṃ maharṣiṇāmantaḥkaraṇasambhṛtam |

itihāsapurāṇākhyamupāṅgaṃ ca prakīrtitam |

vāstuvedo dhanurvedo gāndharvaśca tathā mune |
āyurvedaśca pañcaite upavedāḥ prakīrtitāḥ |

daṇḍo nītiśca vārtā ca vidyā vāyujayaḥ paraḥ |
ekaviṃśatibhedo'yaṃ svaprakāśaḥ prakīrtitaḥ |

vaikhānasaṛṣeḥ pūrvaṃ viṣṇorvāṇī samudbhavet |

trayīrūpeṇa saṅkalpya vaikhānasaṛṣeḥ purā |

udito yādṛśaḥ pūrvaṃ tādṛśaṃ śṛṇu me'khilam |

śaśvadbrahmamayaṃ rūpaṃ kriyāśaktirudāhṛtā |

sākṣācchaktirbhagavataḥ smaraṇamātrarūpāvirbhāvaprādurbhāvātmikā nigrahānugraharūpā bhagavatsahacāriṇī anapāyinī anavaratasahāśrayiṇī uditānuditākārā nimeṣonmeṣasṛṣṭisthitisaṃhāratirodhānānugrahādisarvaśaktisāmarthyātsākṣācchaktiriti gīyate |

icchāśaktistrividhā pralayāvasthāyāṃ viśramaṇārthaṃ bhagavato dakṣiṇavakṣaḥsthale śrīvatsākṛtirbhūtvā viśrāmyatīti sā yogaśaktiḥ |

bhogaśaktirbhogarūpā kalpavṛkṣakāmadhenucintāmaṇiśaṅkhapadmanidhyādinavanidhisamāśritā bhagavadupāsakānāṃ kāmanayā akāmanayā vā bhaktiyuktā naraṃ nityanaimittikakarmabhiragnihotrādibhirvā yamaniyamāsanaprāṇāyāmapratyāhāradhyānadhāraṇāsamādhibhirvālamaṇanvapi gopuraprākārādibhirvimānādibhiḥ saha bhagavadvigrahārcāpūjopakaraṇairarcanaiḥ snānādhiparvā pitṛpūjādibhirannapānādibhirvā bhagavatprītyarthamuktvā sarvaṃ kriyate |

athāto vīraśaktiścaturbhujā'bhayavaradapadmadharā kirīṭābharaṇayutā sarvadevaiḥ parivṛtā kalpatarumūle caturbhirgajai ratnaghaṭairamṛtajalairabhiṣicyamānā sarvadaivatairbrahmādibhirvandyamānā aṇimādyaṣṭaiśvaryayutā saṃmukhe kāmadhenunā stūyamānā vedaśāstrādibhiḥ stūyamānā jayādyapsarasstrībhiḥ paricaryamāṇā ādityasomābhyāṃ dīpābhyāṃ prakāśyamānā tumburunāradādibhirgāyamānā rākāsinīvālībhyāṃ chatreṇa hlādinīmāyābhyāṃ cāmareṇa svāhāsvadhābhyāṃ vyajanena bhṛgupuṇādibhirabhyarcyamānā devī divyasiṃhāsane padmāsanarūḍhā sakalakāraṇakāryakarī lakṣmīrdevasya pṛthagbhavanakalpanā |

alaṃcakāra sthirā prasannalocanā sarvadevataiḥ pūjyamānā vīralakṣmīriti vijñāyata ityupaniṣat ||

oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvām̐sastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

iti sītopaniṣatsamāptā ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Vorangestellter Merkvers

Wir verehren die Wirklichkeit Sitas, die allgemeine Seinsgrundlage Brahmans: Ihre drei Kräfte von Wollen, Erkennen und Handeln ermöglichen das Werden.

Shanti-Mantra

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern mögen wir euch preisen und die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Leseeinheit 1. Die Frage

Die Götter fragten Prajapati: „Wer ist Sita? Was ist ihre Gestalt?“

Leseeinheit 2. Prajapatis Antwort

Prajapati antwortete: „Sie ist Sita.“

Leseeinheit 3. Urnatur

Weil sie die Gestalt der Urnatur besitzt, gilt Sita als Prakriti.

Leseeinheit 4. Om als Ursprung

Weil ihr Wesen die ursprüngliche Kraft des Om ist, heißt Sita Prakriti.

Leseeinheit 5. Die drei Laute

Der Name Sita besteht aus drei Lauten und verkörpert unmittelbar Maya.

Leseeinheit 6. Die Deutung des I-Lauts

Vishnu ist der Same der Erscheinungswelt; der I-Laut wird Maya genannt.

Leseeinheit 7. Die Deutung des S-Lauts

Der S-Laut wird als Wahrheit, Unsterblichkeit, Erlangung und Soma bezeichnet.

Leseeinheit 8. Die Deutung des T-Lauts

Der T-Laut wird mit der hinüberführenden Lakshmi und der Entfaltung Virajs verbunden. Die knappe Lautsymbolik erlaubt hier keine eindeutige grammatische Deutung.

Leseeinheit 9. Die unmanifestierte Göttin wird sichtbar

Als I-Laut erscheint die unmanifestierte Mahamaya sichtbar: geschmückt mit göttlichen Kränzen, Perlen und anderem Schmuck, deren Glieder mit Somas Nektar verbunden sind.

Leseeinheit 10. Drei Erscheinungsweisen Sitas

Die erste besteht aus dem Klang-Brahman und wird beim Studium klar gegenwärtig, Erkenntnis hervorbringend. Die zweite erscheint auf der Erde an der Spitze des Pfluges. Die dritte hat die Gestalt des I-Lauts und bleibt unmanifestiert. So wird Sita beschrieben.

Leseeinheit 11. Überlieferungshinweis

In der Shaunaka-Überlieferung heißt es:

Leseeinheit 12. Freude der Welt

Durch ihre Nähe zu Shri Rama schenkt sie der Welt Freude.

Leseeinheit 13. Kosmische Tätigkeit

Sie bewirkt Entstehung, Bestand und Auflösung aller verkörperten Wesen.

Leseeinheit 14. Sita als Urnatur

Die göttliche Sita soll als die Urnatur erkannt werden.

Leseeinheit 15. Die Lehre der Brahman-Kenner

Weil sie Om ist, nennen die Brahman-Lehrer sie Prakriti.

Leseeinheit 16. Die Frage nach Brahman

Und so heißt es: „Nun also die Erforschung Brahmans.“

Leseeinheit 17. Die allumfassende Mahalakshmi

Sie besteht aus allen Veden, Göttern, Welten, Ruhmesformen und Ordnungen; sie ist Grundlage, Wirkung und Ursache von allem. Als Mahalakshmi ist sie vom Herrn verschieden und unverschieden. Sie umfasst Bewusstes und Unbewusstes, von Brahma bis zum Unbeweglichen. Nach Unterschieden von Eigenschaften und Tätigkeiten nimmt sie Leiber an: Götter, Seher, Menschen und Gandharvas; Asuras, Rakshasas, Geister, Verstorbene und Pishachas sowie die übrigen Wesen. Sie wird als Elemente, Sinne, Geist und Lebenshauch erkannt.

Leseeinheit 18. Drei Kräfte

Als Sitz der Kraft ist die Göttin dreifach: Willenskraft, Handlungskraft und unmittelbar gegenwärtige Kraft.

Leseeinheit 19. Drei Formen der Willenskraft

Die Willenskraft wiederum ist dreifach.

Leseeinheit 20. Shri, Bhumi und Nila

Sie besteht aus Shri, Bhumi und Nila, ist heilvoll und machtvoll und nimmt die Gestalten von Mond, Sonne und Feuer an.

Leseeinheit 21. Pflanzen, Nahrung und Zeit

Als Mondkraft lässt sie Pflanzen wachsen und erscheint als Wunschbaum, Blüten, Früchte, Ranken und Büsche, als Kräuter und Heilmittel. Als Nektar gibt sie den Göttern die Frucht großer Opfer und sättigt sie mit Unsterblichkeit, Lebewesen mit Nahrung und Tiere mit Gras. Als Sonnenkraft erhellt sie sämtliche Welten und erscheint als Tag und Nacht. Vom Augenblick über kleine Zeiteinheiten und die acht Tagesabschnitte bis zu Tagen, Nächten, Monatshälften, Monaten, Jahreszeiten, Sonnenhalbjahren und Jahren gliedert sie die Zeit. Sie erscheint im hundertjährigen Menschenleben ebenso wie in der Unterscheidung von lang und kurz. Vom Augenblick bis zu einer Weltenlebenshälfte dreht sich das Zeit- und Weltenrad: Alle diese Zeitabschnitte sind Formen ihres Lichtes und ihres Zeitwesens.

Leseeinheit 22. Das Feuer

Als Feuer ist sie Hunger und Durst der Wesen, die Nahrung und Trank benötigen, und der Mund der Götter. In Wald und Pflanzen erscheint sie als Kälte und Wärme; im Holz ist sie innen und außen, verborgen und sichtbar, beständig und vergänglich.

Leseeinheit 23. Schutz der Welt

Shri Devi nimmt dreifache Gestalt an und trägt dem Willen des Herrn entsprechend Formen zum Schutz der Welt.

Leseeinheit 24. Shri und Lakshmi

Man erkennt sie, indem sie als Shri und Lakshmi bezeichnet und wahrgenommen wird.

Leseeinheit 25. Bhudevi

Bhudevi ist die Erde mit ihren Ozeanen und sieben Kontinenten. Als Om-Wesen ist sie Grundlage und Getragenes der vierzehn Welten, beginnend mit Bhuh.

Leseeinheit 26. Nila

Nila, deren Antlitz mit Blitzen bekränzt ist, nimmt alle Formen an, um sämtliche Pflanzen und Lebewesen zu nähren.

Leseeinheit 27. Trägerin der Welten

Unterhalb aller Welten ist sie von Wassergestalt; als Manduka, „Frosch“, wird sie als Trägerin der Welt erkannt. Das Bild gehört zur kosmologischen Symbolik des Textes.

Leseeinheit 28. Die Handlungskraft

Die Handlungskraft beginnt als Klang aus Haris Mund.

Leseeinheit 29. Der Punkt

Aus diesem Klang entsteht Bindu, der Punkt.

Leseeinheit 30. Om

Aus Bindu entsteht Om.

Leseeinheit 31. Der Berg der Überlieferung

Aus Om entsteht sodann, Rama, der Berg der Vaikhanasa-Überlieferung.

Leseeinheit 32. Viele Zweige

An diesem Berg entfalten sich viele Zweige aus Handlung und Erkenntnis.

Leseeinheit 33. Die dreifache Lehre

Dort ist die ursprüngliche Lehre aus dem dreifachen Veda, welche alle Ziele sichtbar macht.

Leseeinheit 34. Warum drei Veden?

Weil sie aus Rig-, Yajur- und Samaveda besteht, wird sie die Dreifache genannt.

Leseeinheit 35. Die vierfache Einteilung

Nach der Erfüllung ihrer Aufgaben wird sie auch als vierfach bezeichnet.

Leseeinheit 36. Die vier Veden

Es sind Rig-Verse, Yajus-Formeln, Saman-Gesänge und die Atharva-Angiras-Überlieferung.

Leseeinheit 37. Rituelle Zuordnung

Trotz der Vorrangstellung der vier Priesterämter heißt die nach Merkmalen dreigegliederte Überlieferung Trayī. Die verkürzte Fügung erklärt das Verhältnis von drei Textformen und vier Ritualfunktionen.

Leseeinheit 38. Atharvaveda und die drei Formen

Auch die Atharva-Angiras-Form umfasst Gesang, Vers und Opferformel.

Leseeinheit 39. Besondere Anwendungen

Die Überlieferer weisen ihnen jeweils besondere Anwendungen zu, unter anderem im Bereich magischer Rituale.

Leseeinheit 40. Rigveda-Zweige

Der Rigveda wird mit einundzwanzig Überlieferungszweigen angegeben.

Leseeinheit 41. Yajurveda-Zweige

Für die Yajus-Überlieferung werden hundertneun Zweige genannt.

Leseeinheit 42. Sama- und Atharvaveda-Zweige

Der Samaveda hat nach dieser Aufzählung tausend Zweige, der Atharvaveda fünf.

Leseeinheit 43. Unmittelbare Schau

Am Anfang dieser Vaikhanasa-Lehre steht die unmittelbare Schau.

Leseeinheit 44. Bewahrte Lehre

Die Weisen erinnern sich stets an die Vaikhanasa-Lehre als eine höchste Überlieferung.

Leseeinheit 45. Die sechs Vedangas

Rituallehre, Grammatik, Lautlehre, Worterklärung, Himmelskunde und Versmaßkunde sind die sechs Hilfswissenschaften.

Leseeinheit 46. Weitere Hilfslehren

Zu den ergänzenden Wissenschaften gehören der Überlieferungsweg sowie Mimamsa und die ausführliche Nyaya-Lehre.

Leseeinheit 47. Die Pflege des Wissens

Die Dharma-Kenner pflegen ihren Sinn; dazu tritt weiteres Wissen über den Veda. Die genaue Gliederung dieses Halbverses ist unsicher.

Leseeinheit 48. Regelwerke und Traditionen

Dazu gehören Abhandlungen, sämtliche Überlieferungszweige und die Übereinstimmung von überlieferten Regeln und Lebenspraxis.

Leseeinheit 49. Dharmashastra

Die Dharma-Lehre ist im Inneren der großen Seher gesammelt und bewahrt.

Leseeinheit 50. Itihasa und Purana

Auch die als Itihasa und Purana bezeichneten Überlieferungen gelten als ergänzende Glieder.

Leseeinheit 51. Angewandte Wissenschaften

Genannt werden Baukunde, Bogenkunst und Musikkunde, o Weiser, sowie Ayurveda. „Diese fünf heißen Upavedas“, sagt der Text; die vorliegende Aufzählung nennt jedoch nur vier. Diese Lücke wird hier nicht mit einem erfundenen fünften Namen gefüllt.

Leseeinheit 53. Weitere Wissensgebiete

Hinzu kommen Strafgewalt, Staatsführung, Wirtschaft, Wissen und die höchste Beherrschung des Atems. Diese einundzwanzigfach gegliederte Wissenschaft wird als aus sich selbst leuchtend bezeichnet.

Leseeinheit 55. Vishnus Wort

Vor beziehungsweise für den Seher Vaikhanasa entstand ursprünglich Vishnus Wort.

Leseeinheit 56. Die dreifache Form

In alter Zeit wurde es für den Seher Vaikhanasa als der dreifache Veda gestaltet.

Leseeinheit 57. Höre die Überlieferung

„Wie es einst hervorgetreten ist, so höre es nun vollständig von mir.“

Leseeinheit 58. Die Handlungskraft als Brahman

Diese ewig aus Brahman bestehende Gestalt heißt Handlungskraft.

Leseeinheit 59. Die unmittelbar gegenwärtige Kraft

Die unmittelbare Kraft erscheint schon beim bloßen Erinnern des Herrn. Sie wirkt als Zügelung und Gnade, begleitet ihn untrennbar und bleibt stets mit ihm verbunden, sichtbar oder unsichtbar. Durch ihre Macht über Augenaufschlag und Augenschluss, Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Verhüllung, Gnade und alle weiteren Kräfte heißt sie die unmittelbar gegenwärtige Shakti.

Leseeinheit 60. Yogashakti

Die Willenskraft wird noch einmal dreifach erklärt. Während der Weltauflösung ruht sie zum Ausruhen auf der rechten Brustseite des Herrn als Shrivatsa-Zeichen: Dies ist Yogashakti.

Leseeinheit 61. Bhogashakti

Bhogashakti ist die Kraft der Fülle, verbunden mit Wunschbaum, Wunschkuh, Wunschjuwel und den neun Schätzen wie Shankha und Padma. Sie begleitet die Verehrer des Herrn in wünschender oder wunschloser Hingabe: bei täglichen und gelegentlichen Pflichten, Feueropfern und anderen Riten; bei Yamas, Niyamas, Asana, Pranayama, Pratyahara, Meditation, Konzentration und Samadhi; bei Tempeltoren, Umfassungsmauern und Heiligtümern sowie Bildern, Geräten und Handlungen der Gottesverehrung; bei Bädern, Festzeiten und Ahnenverehrung; bei Speise und Trank. Alles wird mit der Widmung vollzogen, dem Herrn Freude zu bereiten. Einige verbindende Wörter der Aufzählung sind beschädigt.

Leseeinheit 62. Virashakti

Virashakti erscheint vierarmig, mit Furchtlosigkeits- und Segensgeste, Lotus, Krone und Schmuck, umgeben von allen Göttern. Unter dem Wunschbaum begießen sie vier Elefanten aus juwelenbesetzten Krügen mit Nektarwasser. Brahma und die anderen Götter verehren sie; sie besitzt die acht Vollkommenheiten, beginnend mit Kleinwerden. Die Wunschkuh vor ihr, Veden und Lehrschriften preisen sie; Jaya und andere himmlische Frauen dienen ihr. Sonne und Mond sind ihre Lampen, Tumburu und Narada ihre Sänger. Raka und Sinivali halten den Schirm, Hladini und Maya die Wedel, Svaha und Svadha die Fächer. Bhrigu und weitere Seher verehren sie. Auf göttlichem Thron im Lotussitz ist sie Lakshmi, die alle Ursachen und Wirkungen hervorbringt und als eigene Erscheinung des Herrn gedacht wird.

Leseeinheit 63. Viralakshmi

Geschmückt, fest und mit freundlichem Blick, von allen Gottheiten verehrt, wird sie als Viralakshmi erkannt. So lautet die Upanishad.

Shanti-Mantra

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern mögen wir euch preisen und die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Schlussvermerk

Hier endet die Sita Upanishad.

Anregungen für die spirituelle Praxis

  • Prüfe, ob Wollen, Erkennen und Handeln in deiner Übung zusammenpassen.
  • Verbinde Sita-Verehrung mit Dankbarkeit für Erde, Nahrung und Fürsorge.
  • Lies die Symbolik der Göttin aufmerksam und unterscheide ihre verschiedenen Erscheinungsweisen.
  • Betrachte Lernen und tätiges Dienen als mögliche Formen spiritueller Praxis.

Quellen und Textgrundlage

  • Die deutsche Studienübersetzung und die Worterklärungen dieser Fassung wurden neu für diesen Artikel ausgearbeitet. Es handelt sich nicht um die Übernahme einer bestehenden deutschen Übersetzung und nicht um eine kritische Handschriftenedition.

Siehe auch

Weblinks

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