Gayatri Upanishad

Aus Yogawiki
(Weitergeleitet von Savitri-Gayatri-Upanishad)

Die Gayatri Upanishad des Gopatha Brahmana (Sanskrit: गायत्र्युपनिषत्, Gāyatryupaniṣat), auch Savitri-Gayatri-Upanishad genannt, ist die zusammenhängende Geheimlehre über die Gāyatrī in den Abschnitten 1.1.31–1.1.38 des Gopatha Brāhmaṇa. Dieses Brāhmaṇa gehört zum Atharvaveda. Der Text erklärt nicht nur das berühmte Gayatri Mantra, sondern deutet Gāyatrī als kosmisches Beziehungsgefüge, als Mutter der Veden und als Weg zur Erkenntnis des Brahman.

Die Gayatri Upanishad beginnt mit einem scharf geführten Lehrdialog zwischen Glāva Maitreya und Maudgalya. Eine Frage, die der selbstsichere Maitreya nicht beantworten kann, führt ihn schließlich mit Brennholz in der Hand zu Maudgalya: Er tritt nun als wirklicher Schüler auf. Darauf entfaltet der Lehrer die Sāvitrī-Gāyatrī als „vierundzwanzig Ursprünge“ und „zwölf Paare“. Geist und Sprache, Feuer und Erde, Atem und Nahrung sowie Opfer und Opferlohn erscheinen jeweils als untrennbare Partner.

Die drei Versfüße des Mantras werden anschließend einzeln ausgelegt. Jeder führt in einer Kette von Welt, Veda, Gottheit und Lebensordnung bis zu Wahrheit, Brahman, dem Brahman-Kundigen und seinem Gelübde. Die beiden letzten Abschnitte beschreiben zwölf große Wirklichkeiten zuerst als Folge des umfassenden „Ergriffenwerdens“ und dann in umgekehrter Richtung als Stufen des Gegründetseins. So verbindet die Gayatri Upanishad Mantra, Kosmologie, Ethik, rituelles Denken und Selbsterkenntnis.

Textgeschichtlich ist die Gayatri Upanishad kein selbständiger Titel in der Muktika-Liste. Die Bezeichnung meint den vom Schluss selbst als upaniṣad gekennzeichneten Abschnitt des Gopatha Brāhmaṇa. Die vorliegende Fassung gibt alle acht Kāṇḍikās 1.1.31–38 vollständig wieder. Seltene oder beschädigte Lesarten werden kenntlich gemacht und nicht durch frei erfundenes Sanskrit geglättet.

Gayatri Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die Nummern 1.1.31–1.1.38 sind die Abschnittsnummern des Gopatha Brāhmaṇa. Der IAST-Text folgt der auf Dieuke Gaastras Ausgabe beruhenden elektronischen Fassung von Arlo Griffiths. Wo die Überlieferung erkennbar gestört ist, wird dies unmittelbar erläutert. Jeder Abschnitt erhält eine eigene Übersetzung und eine vollständige Worterklärung; wiederkehrende Formeln werden einmal vollständig aufgelöst und bei ihrer Wiederholung eindeutig zugeordnet.

Abschnitte 1.1.31–32 – Vom Streit zur Schülerschaft

1.1.31 – Die unbeantwortete Frage
etad dha smaitad vidvāṃsam ekādaśākṣaṃ maudgalyaṃ glāvo maitreyo 'bhyājagāma |
sa tasmin brahmacaryaṃ vasato vijñāyovāca kiṃ svin maryā ayaṃ tan maudgalyo 'dhyeti yad asmin brahmacaryaṃ vasatīti |
tad dhi maudgalyasyāntevāsī śuśrāva |
sa ācāryāyāvrajyācacaṣṭe |
duradhīyānaṃ vā ayaṃ bhavantam avocad yo 'yam adyātithir bhavati |
kiṃ saumya vidvān iti |
trīn vedān brūte bho iti |
tasya saumya vipaṣṭo vijigīṣo 'ntevāsī taṃ me hvayeti |
tam ājuhāva |
tam abhyuvācāsāv iti |
bho iti |
kiṃ saumya ta ācāryo 'dhyetīti |
trīn vedān brūte |
bho iti |
yan nu khalu saumyāsmābhiḥ sarve vedā mukhato gṛhītāḥ kathaṃ ta evam ācāryo bhāṣate |
kathaṃ nu śiṣṭāḥ śiṣṭebhya evaṃ bhāṣeran |
yaṃ hy enam ahaṃ praśnaṃ pṛcchāmi na taṃ vivakṣyati |
na hy enam adhyetīti |
sa ha maudgalyaḥ svam antevāsinam uvāca parehi saumya glāvaṃ maitreyam upasīda |
adhīhi bhoḥ sāvitrīṃ gāyatrīṃ caturviṃśatiyoniṃ dvādaśamithunām |
yasyā bhṛgvaṅgirasaś cakṣuḥ |
yasyāṃ sarvam idaṃ śritaṃ tāṃ bhavān prabravītv iti |
sa cet saumya duradhīyāno bhaviṣyaty ācāryovāca brahmacārī brahmācāriṇo sāvitrīṃ prāheti vakṣyati tat tvaṃ brūyād duradhīyānaṃ taṃ vai bhavān maudgalyam avocat |
sa tvā yaṃ praśnam aprākṣīn na taṃ vyavocaḥ |
purā saṃvatsarād ārtim āriṣyasīti || 31 ||

Glāva Maitreya kam zu dem gelehrten Ekādaśākṣa Maudgalya. Als er erkannte, dass jemand bei Maudgalya als Brahmacharin lebte, sagte er: „Was lernt dieser Bursche Maudgalya eigentlich, dass man bei ihm als Brahmacharin lebt?“ Ein Schüler Maudgalyas hörte dies. Er ging zu seinem Lehrer zurück und berichtete: „Der Mann, der heute unser Gast ist, hat Euch einen schlecht Unterrichteten genannt.“ – „Ist er denn gelehrt, mein Lieber?“ – „Er sagt, er kenne die drei Veden, Herr.“ Maudgalya erwiderte: „Mein Lieber, sein Schüler ist scharfsinnig und will sich im Wettstreit bewähren; rufe ihn zu mir.“ Der Schüler wurde gerufen. Maudgalya sprach ihn an: „Du dort!“ – „Herr!“ – „Was studiert dein Lehrer, mein Lieber?“ – „Er sagt, er kenne die drei Veden, Herr.“ – „Nun, mein Lieber: Wir haben doch alle Veden aus dem Mund des Lehrers empfangen. Wie kann dein Lehrer so reden? Wie könnten Gebildete mit Gebildeten auf diese Weise sprechen? Die Frage, die ich ihm stellen werde, wird er nicht erklären können; denn er hat diesen Gegenstand nicht studiert.“ Dann sagte Maudgalya zu seinem eigenen Schüler: „Geh, mein Lieber, tritt zu Glāva Maitreya und sprich: ‚Lehrt mich, Herr, die Sāvitrī-Gāyatrī mit ihren vierundzwanzig Ursprüngen und zwölf Paaren, deren Auge die Überlieferung von Bhṛgu und Aṅgiras ist und in der dieses ganze All gegründet ist. Möget Ihr sie darlegen.‘ Falls er sagen sollte: ‚Ein schlecht unterrichteter Lehrer hat einem Brahmacharin die Sāvitrī gelehrt‘, dann antworte: ‚Ihr selbst habt Maudgalya schlecht unterrichtet genannt. Die Frage, die er Euch stellte, habt Ihr nicht beantwortet. Noch vor Ablauf eines Jahres werdet Ihr in Bedrängnis geraten.‘“

Wort-für-Wort-Erläuterung: etat ha sma – dies geschah, wie überliefert wird; etat vidvāṃsam – diesen Wissenden; ekādaśākṣam – Ekādaśākṣa, Eigenname oder Beiname; maudgalyam – Maudgalya, Angehöriger der Mudgala-Tradition; glāvaḥ maitreyaḥ – Glāva Maitreya; abhyājagāma – kam heran, besuchte; saḥ – er; tasmin – bei ihm; brahmacaryam vasataḥ – von einem, der als Brahmacharin lebte; vijñāya – erkannt habend; uvāca – sagte; kiṃ svit – was wohl; maryā ayam – dieser junge Mann oder Bursche, hier wohl geringschätzig gebraucht; tat – das; maudgalyaḥ – Maudgalya; adhyeti – studiert; yat – dass, weshalb; asmin – bei ihm; brahmacaryam vasati – man als Brahmacharin lebt; iti – so; tat hi – eben dies; maudgalyasya antevāsī – ein im Hause Maudgalyas lebender Schüler; śuśrāva – hörte; saḥ – er; ācāryāya – zum Lehrer; āvrajya – zurückgekehrt; ācacaṣṭe – berichtete; duradhīyānam – schlecht unterrichtet, einer mit mangelhaftem Studium; vai – wahrlich; ayam – dieser; bhavantam – Euch; avocat – nannte, sagte über; yaḥ ayam – der hier; adya – heute; atithiḥ – Gast; bhavati – ist; kiṃ – etwa, was; saumya – mein Lieber, wörtlich: Sanfter; vidvān – gelehrt, wissend; trīn vedān – die drei Veden; brūte – er sagt, nennt; bhoḥ – Herr, Ehrwürdiger; tasya – dessen; vipaṣṭaḥ – scharfsinnig, beredt; vijigīṣuḥ – zu siegen wünschend, wettstreitlustig; antevāsī – Hausschüler; tam me hvaya – rufe ihn zu mir; tam ājuhāva – er rief ihn herbei; tam abhyuvāca – er redete ihn an; asau – du dort, jener; kiṃ ... te ācāryaḥ adhyeti – was studiert dein Lehrer; asmābhiḥ – von uns; sarve vedāḥ – alle Veden; mukhataḥ – aus dem Mund, durch mündliche Unterweisung; gṛhītāḥ – empfangen; katham – wie; te – dein; evam – so; ācāryaḥ bhāṣate – Lehrer spricht; śiṣṭāḥ – Gebildete, Disziplinierte; śiṣṭebhyaḥ – zu Gebildeten; bhāṣeran – könnten sprechen; yam – welche; hi – nämlich; enam – ihm, diesen; aham – ich; praśnam – Frage; pṛcchāmi – stelle; na ... vivakṣyati – wird nicht erklären können; na hi enam adhyeti – denn er studiert ihn, den Gegenstand, nicht; svam antevāsinam – seinen eigenen Schüler; parehi – geh fort, geh hin; glāvam maitreyam – zu Glāva Maitreya; upasīda – tritt als Lernender heran; adhīhi – lehre mich, lass mich lernen; sāvitrīm gāyatrīm – die Sāvitrī-Gāyatrī; caturviṃśati-yonim – mit vierundzwanzig Ursprüngen, wörtlich: Mutterschößen; dvādaśa-mithunām – mit zwölf Paaren; yasyāḥ – deren; bhṛgu-aṅgirasaḥ – die Bhṛgus und Aṅgirases, hier die atharvavedische Überlieferung; cakṣuḥ – Auge, Erkenntnisorgan; yasyām – in der; sarvam idam – dieses ganze All; śritam – gegründet, geborgen; tām – diese; bhavān – Ihr; prabravītu – möget darlegen; saḥ cet – falls er; duradhīyānaḥ bhaviṣyati – „schlecht unterrichtet“ sagen sollte; ācāryaḥ uvāca – der Lehrer sagte; brahmacārī – ein Brahmacharin; brahmācāriṇaḥ – einem Brahmacharin beziehungsweise von einem Brahmacharin; sāvitrīm prāha – hat die Sāvitrī gelehrt; iti vakṣyati – wenn er so sprechen wird; tat tvam brūyāt – dann sollst du sagen; tam vai bhavān maudgalyam avocat – eben jenen Maudgalya habt Ihr so genannt; saḥ tvā – er dir; yam praśnam aprākṣīt – welche Frage er stellte; na tam vyavocaḥ – diese hast du nicht erklärt; purā saṃvatsarāt – vor Ablauf eines Jahres; ārtim – Not, Bedrängnis; āriṣyasi – wirst du erreichen, erleiden.

1.1.32 – Maitreya wird Maudgalyas Schüler
sa tatrājagāma yatretaro babhūva |
taṃ ha papraccha |
sa ha na pratipede |
taṃ hovāca duradhīyānaṃ taṃ vai bhavān maudgalyam avocat |
sa tvā yaṃ praśnam aprākṣīn na taṃ vyavocaḥ |
purā saṃvatsarād ārtim āriṣyasīti |
sa ha maitreyaḥ svān antevāsita uvāca yathārthaṃ bhavanto yathāgṛhaṃ yathāmano viprasṛjyantām |
duradhīyānaṃ vā ahaṃ maudgalyam avocam |
sa mā yaṃ praśnam aprākṣīn na taṃ vyavocam |
tam upaiṣyāmi |
śāntiṃ kariṣyāmīti |
sa ha maitreyaḥ prātaḥ samitpāṇir maudgalyam upasasādāsau vā ahaṃ bho maitreyaḥ |
kimartham iti |
duradhīyānaṃ vā ahaṃ bhavantam avocam |
tvaṃ mā yaṃ praśnam aprākṣīr na taṃ vyavocam |
tvām upaiṣyāmi |
śāntiṃ kariṣyāmīti |
sa hovācātra vā upetaṃ ca sarvaṃ ca kṛtaṃ pāpakena tvā yānena carantam āhuḥ |
atho 'yaṃ mama kalyāṇo rathas |
taṃ te dadāmi |
tena yāhīti |
sa hovācaitad evātrātviṣaṃ cānṛśaṃsyaṃ ca yathā bhavān āha |
upāyāmi tveva bhavantam iti |
taṃ hopeyāya |
taṃ hopetya papraccha kiṃ svid āhur bhoḥ savitur vareṇyaṃ bhargo devasya kavayaḥ kim āhur dhiyo vicakṣva yadi tāḥ pravettha |
pracodayāt savitā yābhir etīti |
tasmā etat provāca vedāṃś chandāṃsi savitur vareṇyam |
bhargo devasya kavayo 'nnam āhuḥ karmāṇi dhiyas |
tad u te prabravīmi pracodayāt savitā yābhir etīti |
tam upasaṃgṛhya papracchādhīhi bhoḥ kaḥ savitā kā sāvitrī || 32 ||

Der Schüler kam dorthin, wo Maitreya sich aufhielt, und stellte ihm die Frage. Maitreya konnte sie nicht beantworten. Da sagte der Schüler: „Ihr habt Maudgalya einen schlecht Unterrichteten genannt. Die Frage, die er Euch stellte, habt Ihr nicht erklärt. Noch vor Ablauf eines Jahres werdet Ihr in Bedrängnis geraten.“ Darauf sagte Maitreya zu seinen Hausschülern: „Ihr Herren mögt euch euren Angelegenheiten, euren Häusern und euren Neigungen entsprechend frei begeben. Ich habe Maudgalya schlecht unterrichtet genannt; die Frage, die er mir stellte, habe ich nicht beantwortet. Ich werde zu ihm gehen und Frieden schließen.“ Am Morgen trat Maitreya mit Brennholz in der Hand zu Maudgalya. „Ich bin jener Maitreya, Herr.“ – „Zu welchem Zweck?“ – „Ich habe Euch schlecht unterrichtet genannt. Die Frage, die Ihr mir stelltet, habe ich nicht beantwortet. Ich trete zu Euch als Schüler und möchte Frieden schließen.“ Maudgalya sagte: „Mit deinem Herantreten ist hier alles bereinigt. Man sagt, du seist mit einem schlechten Gefährt unterwegs. Nun, dieser mein Wagen ist glückverheißend; ich gebe ihn dir. Fahre mit ihm.“ Maitreya erwiderte: „Gerade das wäre hier glanzlos und lieblos, wenn ich annähme, was Ihr anbietet. Ich will vielmehr bei Euch selbst als Schüler eintreten.“ So trat er bei ihm ein. Nachdem Maitreya als Schüler herangetreten war, fragte Maudgalya: „Was nennen die Weisen, Herr, das Erwählenswerte des Savitṛ? Was nennen sie den Glanz des Gottes? Unterscheide die Gedankenkräfte, wenn du sie kennst: Womit soll Savitṛ sie antreiben?“ Maitreya erklärte ihm: „Die Veden und die Metren sind das Erwählenswerte des Savitṛ. Die Weisen nennen Nahrung den Glanz des Gottes und die Handlungen die Gedankenkräfte. Nun erkläre ich dir auch, womit Savitṛ sie antreiben soll.“ Da nahm Maudgalya ihn als Schüler an, und Maitreya fragte: „Lehrt mich, Herr: Wer ist Savitṛ, und wer ist Sāvitrī?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er, der Schüler; tatra ājagāma – kam dorthin; yatra – wo; itaraḥ – der andere, Maitreya; babhūva – sich befand; tam papraccha – fragte ihn; na pratipede – fand keine Antwort, begriff es nicht; duradhīyānam – schlecht unterrichtet; tam vai bhavān maudgalyam avocat – eben so habt Ihr Maudgalya genannt; saḥ tvā yam praśnam aprākṣīt – die Frage, die er Euch stellte; na tam vyavocaḥ – habt Ihr nicht erklärt; purā saṃvatsarāt – vor Ablauf eines Jahres; ārtim āriṣyasi – wirst du Bedrängnis erleiden; maitreyaḥ – Maitreya; svān antevāsinaḥ – zu seinen Hausschülern; uvāca – sagte; yathā-artham – den eigenen Angelegenheiten entsprechend; bhavantaḥ – ihr Herren; yathā-gṛham – den jeweiligen Häusern entsprechend, nach Hause; yathā-manaḥ – nach eigenem Sinn; viprasṛjyantām – mögen entlassen sein, sich frei begeben; aham – ich; maudgalyam avocam – nannte Maudgalya; saḥ mā – er mich; yam praśnam aprākṣīt – welche Frage er stellte; na tam vyavocam – diese erklärte ich nicht; tam upaiṣyāmi – zu ihm werde ich als Schüler gehen; śāntim kariṣyāmi – ich werde Frieden, Versöhnung schaffen; prātaḥ – am Morgen; samit-pāṇiḥ – Brennholz in der Hand tragend, Zeichen der Schülerschaft; maudgalyam upasasāda – trat zu Maudgalya; asau vai aham – ich bin jener; bhoḥ – Herr; kim-artham – zu welchem Zweck; bhavantam – Euch; tvam mā – du mich; tvām upaiṣyāmi – zu Euch trete ich als Schüler; atra – hier, in dieser Sache; upetam – herangetreten, beigelegt; sarvam ca kṛtam – und alles ist getan, bereinigt; pāpakena yānena – mit einem schlechten Gefährt; tvā carantam āhuḥ – man sagt, dass du unterwegs seist; atho – nun aber; ayam mama – dieser mein; kalyāṇaḥ rathaḥ – glückverheißender, guter Wagen; tam te dadāmi – den gebe ich dir; tena yāhi – fahre mit ihm; die Lesart rathas vervollständigt eine in Gaastras Text beschädigte Stelle und wird durch Parallelüberlieferung und Patyals Übersetzung gestützt; etat eva – eben dies; atviṣam – glanzlos, unwürdig; ca anṛśaṃsyam ca – und lieblos beziehungsweise der Güte widersprechend; yathā bhavān āha – wie Ihr sagt, was Ihr anbietet; upāyāmi tu eva bhavantam – vielmehr trete ich gerade bei Euch als Schüler ein; tam upeyāya – er trat bei ihm als Schüler ein; tam upetya – nachdem er zu ihm getreten war; papraccha – er fragte; kiṃ svit āhuḥ – was nennen sie wohl; savituḥ – des Gottes Savitṛ; vareṇyam – erwählenswert, vortrefflich; bhargaḥ devasya – Glanz, reinigende Lichtkraft des Gottes; kavayaḥ – die Weisen; kim āhuḥ – was nennen sie; dhiyaḥ – Gedankenkräfte, Einsichten; vicakṣva – unterscheide, erkläre; yadi – wenn; tāḥ pravettha – du sie genau kennst; pracodayāt – möge antreiben, inspirieren; savitā – Savitṛ, der Antreiber und Sonnengott; yābhiḥ – durch welche; etīti – er gelangt, geht; tasmai – ihm; etat provāca – dies erklärte er; vedān – die Veden; chandāṃsi – die Metren; savituḥ vareṇyam – das Erwählenswerte Savitṛs; bhargaḥ devasya – den Glanz des Gottes; annam āhuḥ – nennen sie Nahrung; karmāṇi – Handlungen, rituelle Werke; dhiyaḥ – die Gedankenkräfte; tat u te prabravīmi – nun erkläre ich dir dieses; tam upasaṃgṛhya – ihn als Schüler annehmend, an sich nehmend; adhīhi – lehre mich; kaḥ savitā – wer ist Savitṛ; kā sāvitrī – wer beziehungsweise was ist Sāvitrī. Die Übersetzung der seltenen Wörter atviṣam und anṛśaṃsyam bleibt vorsichtig; sicher ist der Sinn, dass Maitreya das Geschenk ablehnt und auf echter Schülerschaft besteht.

Abschnitt 1.1.33 – Die zwölf Paare der Sāvitrī-Gāyatrī

1.1.33 – Vierundzwanzig Ursprünge und zwölf Paare
mana eva savitā vāk sāvitrī |
yatra hy eva manas tad vāg yatra vai vāk tan mana iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
agnir eva savitā pṛthivī sāvitrī |
yatra hy evāgnis tat pṛthivī yatra vai pṛthivī tad agnir iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
vāyur eva savitāntarikṣaṃ sāvitrī |
yatra hy eva vāyus tad antarikṣaṃ yatra vā antarikṣaṃ tad vāyur iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
āditya eva savitā dyauḥ sāvitrī |
yatra hy evādityas tad dyaur yatra vai dyaus tad āditya iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
candramā eva savitā nakṣatrāṇi sāvitrī |
yatra hy eva candramās tan nakṣatrāṇi yatra vai nakṣatrāṇi tac candramā iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
ahar eva savitā rātriḥ sāvitrī |
yatra hy evāhas tad rātrir yatra vai rātris tad ahar iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
uṣṇam eva savitā śītaṃ sāvitrī |
yatra hy evoṣṇaṃ tac chītaṃ yatra vai śītaṃ tad uṣṇam iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
abhram eva savitā varṣaṃ sāvitrī |
yatra hy evābhraṃ tad varṣaṃ yatra vai varṣaṃ tad abhram iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
vidyud eva savitā stanayitnuḥ sāvitrī |
yatra hy eva vidyut tat stanayitnur yatra vai stanayitnus tad vidyud iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
prāṇa eva savitānnaṃ sāvitrī |
yatra hy eva prāṇas tad annaṃ yatra vā annaṃ tat prāṇa iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
vedā eva savitā chandāṃsi sāvitrī |
yatra hy eva vedās tac chandāṃsi yatra vai chandāṃsi tad vedā iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
yajña eva savitā dakṣiṇāḥ sāvitrī |
yatra hy eva yajñas tad dakṣiṇā yatra vai dakṣiṇās tad yajña iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
etad dha smaitad vidvāṃsam opākārim āsastur brahmacārī te saṃsthita ity athaita āsastur ācita iva cito babhūva |
athotthāya prāvrājīd ity etad vā ahaṃ veda naitāsu yoniṣv ita etebhyo vā mithunebhyaḥ saṃbhūto brahmacārī mama purāyuṣaḥ preyād iti || 33 ||

„Der Geist ist Savitṛ, die Sprache ist Sāvitrī. Denn wo der Geist ist, dort ist die Sprache; und wo die Sprache ist, dort ist der Geist. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Agni ist Savitṛ, die Erde ist Sāvitrī. Denn wo Agni ist, dort ist die Erde; und wo die Erde ist, dort ist Agni. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Vāyu ist Savitṛ, der Zwischenraum ist Sāvitrī. Denn wo Vāyu ist, dort ist der Zwischenraum; und wo der Zwischenraum ist, dort ist Vāyu. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Āditya ist Savitṛ, der Himmel ist Sāvitrī. Denn wo Āditya ist, dort ist der Himmel; und wo der Himmel ist, dort ist Āditya. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Der Mond ist Savitṛ, die Sterne sind Sāvitrī. Denn wo der Mond ist, dort sind die Sterne; und wo die Sterne sind, dort ist der Mond. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Der Tag ist Savitṛ, die Nacht ist Sāvitrī. Denn wo der Tag ist, dort ist die Nacht; und wo die Nacht ist, dort ist der Tag. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Das Heiße ist Savitṛ, das Kalte ist Sāvitrī. Denn wo das Heiße ist, dort ist das Kalte; und wo das Kalte ist, dort ist das Heiße. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Die Wolke ist Savitṛ, der Regen ist Sāvitrī. Denn wo die Wolke ist, dort ist der Regen; und wo der Regen ist, dort ist die Wolke. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Der Blitz ist Savitṛ, der Donner ist Sāvitrī. Denn wo der Blitz ist, dort ist der Donner; und wo der Donner ist, dort ist der Blitz. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Der Lebensatem ist Savitṛ, die Nahrung ist Sāvitrī. Denn wo der Lebensatem ist, dort ist Nahrung; und wo Nahrung ist, dort ist der Lebensatem. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Die Veden sind Savitṛ, die Metren sind Sāvitrī. Denn wo die Veden sind, dort sind die Metren; und wo die Metren sind, dort sind die Veden. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Das Opfer ist Savitṛ, die Opfergaben sind Sāvitrī. Denn wo das Opfer ist, dort sind die Opfergaben; und wo die Opfergaben sind, dort ist das Opfer. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar.“ Zu einem Wissenden, der einen Schüler aufgenommen hatte, soll man gesagt haben: „Dein Brahmacharin ist verschieden.“ Darauf lag dieser wie ein geschichteter Altar da; dann erhob er sich und zog fort. Der Wissende erklärte: „Dies weiß ich: Kein Brahmacharin, der aus diesen Ursprüngen und diesen Paaren hervorgegangen ist, wird vor dem Ende meiner eigenen Lebenszeit dahingehen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: Die zwölf Nennungen folgen jeweils derselben vollständigen Formel: X eva savitā – X ist eben Savitṛ, der antreibende Pol; Y sāvitrī – Y ist Sāvitrī, der zugehörige tragende Pol; yatra hi eva X tat Y – denn wo X ist, dort ist Y; yatra vai Y tat X – und wo Y ist, dort ist X; ete dve yonī – diese beiden sind zwei Ursprünge oder Mutterschöße; ekam mithunam – ein verbundenes Paar. Die einzelnen Glieder sind: manaḥ – Geist, Denken, und vāk – Sprache; agniḥ – Feuer, und pṛthivī – Erde; vāyuḥ – Wind, und antarikṣam – Zwischenraum, Atmosphäre; ādityaḥ – Sonne, und dyauḥ – Himmel; candramāḥ – Mond, und nakṣatrāṇi – Sterne beziehungsweise Mondhäuser; ahaḥ – Tag, und rātriḥ – Nacht; uṣṇam – Hitze, das Heiße, und śītam – Kälte, das Kalte; abhram – Wolke, und varṣam – Regen; vidyut – Blitz, und stanayitnuḥ – Donner; prāṇaḥ – Lebensatem, und annam – Nahrung; vedāḥ – Veden, und chandāṃsi – Metren; yajñaḥ – Opfer, und dakṣiṇāḥ – Opferlöhne und Opfergaben. Im Schlusssatz: etat ha sma – dies soll sich zugetragen haben; etat vidvāṃsam – zu diesem Wissenden; upākārim – einen Schüler aufgenommen habend, nach einer unsicheren Lesart; āsastuḥ – sie berichteten, die genaue Form ist textlich schwierig; brahmacārī te – dein Brahmacharin; saṃsthitaḥ – ist verschieden, zum Stillstand gekommen; iti – so; atha – darauf; etaḥ – dieser; ācitaḥ iva citaḥ babhūva – lag wie ein aufgeschichteter Altar da; utthāya – nachdem er aufgestanden war; prāvrājīt – zog er fort; etat vai aham veda – dies wahrlich weiß ich; na – nicht; etāsu yoniṣu – aus diesen Ursprüngen; itaḥ – von hier, daraus; etebhyaḥ mithunebhyaḥ – aus diesen Paaren; saṃbhūtaḥ – hervorgegangen; brahmacārī – Brahmacharin; mama – meiner; purā āyuṣaḥ – vor dem Ende der Lebenszeit; preyāt – möge beziehungsweise werde dahingehen. Der Schluss ist in den Handschriften erkennbar gestört. Die Übersetzung folgt dem noch sicher fassbaren Zusammenhang und kennzeichnet ihn nicht als wörtlich zweifelsfrei.

Gaastras Text hat in der Tag-Nacht-Formel einmal eka mithunam statt des sonst regelmäßig wiederholten ekaṃ mithunam und beim letzten Paar yajña eka savitā statt yajña eva savitā. Hier sind die beiden offenkundigen Formabweichungen nach der elfmal bezeugten Formel normalisiert; der Eingriff wird damit ausdrücklich dokumentiert.

Abschnitte 1.1.34–36 – Die drei Versfüße des Gayatri-Mantras

1.1.34 – Der erste Versfuß: tat savitur vareṇyam
brahma hedaṃ śriyaṃ pratiṣṭhām āyatanam aikṣata |
tat tapasva |
yadi tad vrate dhriyeta tat satye pratyatiṣṭhat |
sa savitā sāvitryā brāhmaṇaṃ sṛṣṭvā tat savitrīṃ paryadadhāt |
tat savitur vareṇyam iti sāvitryāḥ prathamaḥ pādaḥ |
pṛthivy arcaṃ samadadhāt |
ṛcāgnim |
agninā śriyam |
śriyā striyam |
striyā mithunam |
mithunena prajām |
prajayā karma |
karmaṇā tapas |
tapasā satyam |
satyena brahma |
brahmaṇā brāhmaṇam |
brāhmaṇena vratam |
vratena vai brāhmaṇaḥ saṃśito bhavati |
aśūnyo bhavaty avichinno bhavaty avichinno 'sya tantur avichinnaṃ jīvanaṃ bhavati ya evaṃ veda yaś caivaṃvidvān evam etaṃ sāvitryāḥ prathamaṃ pādaṃ vyācaṣṭe || 34 ||

Brahman schaute hier Herrlichkeit, festen Grund und Wohnstätte. Dies war im Tapas gegründet – so lässt sich die beschädigte kurze Lesart annähernd verstehen. Wenn es im Gelübde gehalten wurde, fand es in der Wahrheit seinen festen Stand. Savitṛ erschuf durch Sāvitrī den Brahman-Kundigen und umgab ihn mit Sāvitrī. „Tat savitur vareṇyam – Jenes Erwählenswerte des Savitṛ“ ist der erste Versfuß der Sāvitrī. Mit der Erde verband er die Ṛc; mit der Ṛc Agni; mit Agni Herrlichkeit; mit Herrlichkeit die Frau; mit der Frau das Paar; mit dem Paar Nachkommenschaft; mit der Nachkommenschaft Handlung; mit der Handlung Tapas; mit Tapas Wahrheit; mit der Wahrheit Brahman; mit Brahman den Brahman-Kundigen; mit dem Brahman-Kundigen das Gelübde. Durch das Gelübde wird ein Brahmane geschärft und gefestigt. Er wird nicht leer und nicht abgerissen; sein Lebensfaden bleibt ununterbrochen, sein Leben ungebrochen – wer dies weiß und wer als solcher Wissender diesen ersten Versfuß der Sāvitrī auf diese Weise erklärt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma – Brahman; ha – wahrlich; idam – dies, hier; śriyam – Herrlichkeit, Gedeihen; pratiṣṭhām – festen Grund; āyatanam – Wohnstätte, Stützpunkt; aikṣata – schaute, erkannte; tat tapasva – schwierige, wahrscheinlich beschädigte Lesart; tat – dieses; tapas – Glut, Askese, konzentrierte Schöpferkraft; yadi – wenn; vrate – im Gelübde, in religiöser Disziplin; dhriyeta – gehalten, getragen würde; satye – in der Wahrheit; pratyatiṣṭhat – fand festen Stand; saḥ savitā – dieser Savitṛ; sāvitryā – durch Sāvitrī; brāhmaṇam – den Brahmanen beziehungsweise Brahman-Kundigen; sṛṣṭvā – erschaffen habend; savitrīm – Sāvitrī; paryadadhāt – legte rings um ihn, umgab ihn damit; tat savituḥ vareṇyam – jenes Erwählenswerte des Savitṛ; iti – so; sāvitryāḥ – der Sāvitrī; prathamaḥ pādaḥ – erster Versfuß. Die Kette verwendet jeweils den Instrumental: pṛthivyā – mit der Erde; arcam – die Ṛc, vedische Preisstrophe; samadadhāt – verband, fügte zusammen; ṛcā – mit der Ṛc; agnim – Agni; agninā – mit Agni; śriyam – Herrlichkeit; śriyā – mit Herrlichkeit; striyam – die Frau; striyā – mit der Frau; mithunam – das Paar; mithunena – mit dem Paar; prajām – Nachkommenschaft; prajayā – mit Nachkommenschaft; karma – Handlung, Werk; karmaṇā – mit Handlung; tapas – Tapas; tapasā – mit Tapas; satyam – Wahrheit; satyena – mit Wahrheit; brahma – Brahman; brahmaṇā – mit Brahman; brāhmaṇam – den Brahman-Kundigen; brāhmaṇena – mit dem Brahmanen; vratam – Gelübde, Disziplin; vratena – durch das Gelübde; vai – wahrlich; brāhmaṇaḥ – ein Brahmane; saṃśitaḥ – geschärft, gefestigt, entschlossen; bhavati – wird; aśūnyaḥ – nicht leer, nicht ohne Nachkommenschaft oder Gehalt; avichinnaḥ – ununterbrochen, nicht abgeschnitten; asya – sein; tantuḥ – Faden, Lebens- und Abstammungsfaden; jīvanam – Leben; yaḥ evam veda – wer so weiß; yaḥ ca – und wer; evam-vidvān – auf diese Weise wissend; evam – so; etam – diesen; prathamam pādam – ersten Versfuß; vyācaṣṭe – erklärt, legt aus.

1.1.35 – Der zweite Versfuß: bhargo devasya dhīmahi
bhargo devasya dhīmahīti sāvitryā dvitīyaḥ pādaḥ |
antarikṣeṇa yajuḥ samadadhāt |
yajuṣā vāyum |
vāyunābhram |
abhreṇa varṣam |
varṣeṇauṣadhivanaspatīn |
oṣadhivanaspatibhiḥ paśūn |
paśubhiḥ karma |
karmaṇā tapas |
tapasā satyam |
satyena brahma |
brahmaṇā brāhmaṇam |
brāhmaṇena vratam |
vratena vai brāhmaṇaḥ saṃśito bhavati |
aśūnyo bhavaty avichinno bhavaty avichinno 'sya tantur avichinnaṃ jīvanaṃ bhavati ya evaṃ veda yaś caivaṃvidvān evam etaṃ sāvitryā dvitīyaṃ pādaṃ vyācaṣṭe || 35 ||

„Bhargo devasya dhīmahi – Wir meditieren über den Glanz des Gottes“ ist der zweite Versfuß der Sāvitrī. Mit dem Zwischenraum verband er das Yajus; mit dem Yajus Vāyu; mit Vāyu die Wolke; mit der Wolke den Regen; mit dem Regen Kräuter und Waldbäume; mit den Kräutern und Waldbäumen die Tiere; mit den Tieren Handlung; mit der Handlung Tapas; mit Tapas Wahrheit; mit der Wahrheit Brahman; mit Brahman den Brahman-Kundigen; mit dem Brahman-Kundigen das Gelübde. Durch das Gelübde wird ein Brahmane geschärft und gefestigt. Er wird nicht leer und nicht abgerissen; sein Lebensfaden bleibt ununterbrochen, sein Leben ungebrochen – wer dies weiß und wer als solcher Wissender diesen zweiten Versfuß der Sāvitrī auf diese Weise erklärt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhargaḥ – Glanz, reinigende Lichtkraft; devasya – des Gottes; dhīmahi – wir nehmen meditierend in uns auf, wir betrachten; iti – so; sāvitryāḥ – der Sāvitrī; dvitīyaḥ pādaḥ – zweiter Versfuß; antarikṣeṇa – mit dem Zwischenraum, der Atmosphäre; yajuḥ – Yajus, vedische Opferformel; samadadhāt – verband; yajuṣā – mit dem Yajus; vāyum – Vāyu, Wind; vāyunā – mit Vāyu; abhram – Wolke; abhreṇa – mit der Wolke; varṣam – Regen; varṣeṇa – mit dem Regen; oṣadhi-vanaspatīn – Kräuter und Waldbäume; oṣadhi-vanaspatibhiḥ – mit Kräutern und Waldbäumen; paśūn – Tiere, Vieh; paśubhiḥ – mit den Tieren; karma – Handlung, Werk; karmaṇā – mit Handlung; tapas – Tapas, asketische Glut; tapasā – mit Tapas; satyam – Wahrheit; satyena – mit Wahrheit; brahma – Brahman; brahmaṇā – mit Brahman; brāhmaṇam – den Brahmanen beziehungsweise Brahman-Kundigen; brāhmaṇena – mit dem Brahmanen; vratam – Gelübde, Disziplin; vratena – durch das Gelübde; vai – wahrlich; brāhmaṇaḥ – ein Brahmane; saṃśitaḥ bhavati – wird geschärft und gefestigt; aśūnyaḥ bhavati – wird nicht leer; avichinnaḥ bhavati – bleibt ununterbrochen; avichinnaḥ asya tantuḥ – sein Faden ist ununterbrochen; avichinnam jīvanam bhavati – sein Leben bleibt ungebrochen; yaḥ evam veda – wer so weiß; yaḥ ca evam-vidvān – und wer, so wissend; evam etam – auf diese Weise diesen; dvitīyam pādam – zweiten Versfuß; vyācaṣṭe – erklärt.

1.1.36 – Der dritte Versfuß: dhiyo yo naḥ pracodayāt
dhiyo yo naḥ pracodayād iti sāvitryās tṛtīyaḥ pādaḥ |
divā sāma samadadhāt |
sāmnādityam |
ādityena raśmīn |
raśmibhir varṣam |
varṣeṇauṣadhivanaspatīn |
oṣadhivanaspatibhiḥ paśūn |
paśubhiḥ karma |
karmaṇā tapas |
tapasā satyam |
satyena brahma |
brahmaṇā brāhmaṇam |
brāhmaṇena vratam |
vratena vai brāhmaṇaḥ saṃśito bhavati |
aśūnyo bhavaty avichinno bhavaty avichinno 'sya tantur avichinnaṃ jīvanaṃ bhavati ya evaṃ veda yaś caivaṃvidvān evam etaṃ sāvitryās tṛtīyaṃ pādaṃ vyācaṣṭe || 36 ||

„Dhiyo yo naḥ pracodayāt – Der unsere Gedankenkräfte antreiben möge“ ist der dritte Versfuß der Sāvitrī. Mit dem Himmel verband er das Sāman; mit dem Sāman Āditya; mit Āditya die Strahlen; mit den Strahlen den Regen; mit dem Regen Kräuter und Waldbäume; mit den Kräutern und Waldbäumen die Tiere; mit den Tieren Handlung; mit der Handlung Tapas; mit Tapas Wahrheit; mit der Wahrheit Brahman; mit Brahman den Brahman-Kundigen; mit dem Brahman-Kundigen das Gelübde. Durch das Gelübde wird ein Brahmane geschärft und gefestigt. Er wird nicht leer und nicht abgerissen; sein Lebensfaden bleibt ununterbrochen, sein Leben ungebrochen – wer dies weiß und wer als solcher Wissender diesen dritten Versfuß der Sāvitrī auf diese Weise erklärt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dhiyaḥ – Gedankenkräfte, Einsichten; yaḥ – der; naḥ – unsere; pracodayāt – möge antreiben, inspirieren; iti – so; sāvitryāḥ – der Sāvitrī; tṛtīyaḥ pādaḥ – dritter Versfuß; divā – mit dem Himmel; sāma – Sāman, vedischer Gesang; samadadhāt – verband; sāmnā – mit dem Sāman; ādityam – Āditya, Sonne; ādityena – mit Āditya; raśmīn – Strahlen; raśmibhiḥ – mit den Strahlen; varṣam – Regen; varṣeṇa – mit dem Regen; oṣadhi-vanaspatīn – Kräuter und Waldbäume; oṣadhi-vanaspatibhiḥ – mit Kräutern und Waldbäumen; paśūn – Tiere, Vieh; paśubhiḥ – mit den Tieren; karma – Handlung; karmaṇā – mit Handlung; tapas – Tapas; tapasā – mit Tapas; satyam – Wahrheit; satyena – mit Wahrheit; brahma – Brahman; brahmaṇā – mit Brahman; brāhmaṇam – den Brahman-Kundigen; brāhmaṇena – mit dem Brahmanen; vratam – Gelübde; vratena – durch das Gelübde; vai – wahrlich; brāhmaṇaḥ – ein Brahmane; saṃśitaḥ bhavati – wird geschärft, gefestigt; aśūnyaḥ – nicht leer; avichinnaḥ – ununterbrochen; asya tantuḥ – sein Faden; avichinnam jīvanam – ungebrochenes Leben; yaḥ evam veda – wer so weiß; yaḥ ca evam-vidvān – und wer als solcher Wissender; evam – so; etam – diesen; tṛtīyam pādam – dritten Versfuß; vyācaṣṭe – erklärt.

Abschnitte 1.1.37–38 – Zwölf große Wirklichkeiten und die Mutter der Veden

1.1.37 – Die zwölf großen Wirklichkeiten im Wissenden
tena ha vā evaṃviduṣā brāhmaṇena brahmābhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
brahmaṇākāśam abhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
ākāśena vāyur abhipanno grasitaḥ parāmṛṣṭaḥ |
vāyunā jyotir abhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
jyotiṣāpo 'bhipannā grasitāḥ parāmṛṣṭāḥ |
adbhir bhūmir abhipannā grasitā parāmṛṣṭā |
bhūmyānnam abhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
annena prāṇo 'bhipanno grasitaḥ parāmṛṣṭaḥ |
prāṇena mano 'bhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
manasā vāg abhipannā grasitā parāmṛṣṭā |
vācā vedā abhipannā grasitāḥ parāmṛṣṭāḥ |
vedair yajño 'bhipanno grasitaḥ parāmṛṣṭaḥ |
tāni ha vā etāni dvādaśamahābhūtāny evaṃvidi pratiṣṭhitāni |
teṣāṃ yajña eva parārdhyaḥ || 37 ||

Durch einen Brahmanen, der auf diese Weise weiß, wird Brahman erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch Brahman wird der Raum erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch den Raum wird Vāyu erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch Vāyu wird das Licht erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch das Licht werden die Wasser erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Wasser wird die Erde erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Erde wird die Nahrung erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Nahrung wird der Lebensatem erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch den Lebensatem wird der Geist erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch den Geist wird die Sprache erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Sprache werden die Veden erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Veden wird das Opfer erreicht, erfasst und ganz umfasst. Diese zwölf großen Wirklichkeiten sind in einem solchen Wissenden gegründet; unter ihnen steht das Opfer am höchsten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: Die zwölf Sätze verwenden dieselbe dreigliedrige Formel: abhipannam beziehungsweise abhipannaḥ/abhipannā/abhipannāḥ – erreicht, eingegangen, ergriffen; grasitam beziehungsweise die angeglichenen Formen – verschlungen, erfasst; parāmṛṣṭam beziehungsweise die angeglichenen Formen – vollständig berührt und umfasst. tena ha vai evam-viduṣā brāhmaṇena – durch diesen wahrlich auf solche Weise wissenden Brahmanen; brahma – Brahman; brahmaṇā – durch Brahman; ākāśam – Raum; ākāśena – durch den Raum; vāyuḥ – Wind; vāyunā – durch Vāyu; jyotiḥ – Licht; jyotiṣā – durch das Licht; āpaḥ – Wasser; adbhiḥ – durch die Wasser; bhūmiḥ – Erde; bhūmyā – durch die Erde; annam – Nahrung; annena – durch die Nahrung; prāṇaḥ – Lebensatem; prāṇena – durch den Lebensatem; manaḥ – Geist; manasā – durch den Geist; vāk – Sprache; vācā – durch die Sprache; vedāḥ – Veden; vedaiḥ – durch die Veden; yajñaḥ – Opfer; tāni ha vai etāni – eben diese wahrlich; dvādaśa-mahā-bhūtāni – zwölf großen Seienden oder Wirklichkeiten; hier ist mahābhūta weiter als die spätere Fünf-Elemente-Lehre; evam-vidi – in einem auf solche Weise Wissenden; pratiṣṭhitāni – gegründet; teṣām – unter ihnen; yajñaḥ eva – eben das Opfer; parārdhyaḥ – von höchstem Wert, an der Spitze stehend.

1.1.38 – Die umgekehrte Kette und die Upanishad der Sāvitrī
taṃ ha smaitam evaṃvidvāṃso manyante vidmainam iti yāthātathyam avidvāṃsaḥ |
ayaṃ yajño vedeṣu pratiṣṭhitaḥ |
vedā vāci pratiṣṭhitāḥ |
vāṅ manasi pratiṣṭhitā |
manaḥ prāṇe pratiṣṭhitam |
prāṇo 'nne pratiṣṭhitaḥ |
annaṃ bhūmau pratiṣṭhitam |
bhūmir apsu pratiṣṭhitā |
āpo jyotiṣi pratiṣṭhitāḥ |
jyotir vāyau pratiṣṭhitam |
vāyur ākāśe pratiṣṭhitaḥ |
ākāśaṃ brahmaṇi pratiṣṭhitam |
brahma brāhmaṇe brahmavidi pratiṣṭhitam |
yo ha vā evaṃvit sa brahmavit |
puṇyāṃ ca kīrtiṃ labhate surabhīṃś ca gandhān |
so 'pahatapāpmā |
anantāṃ śriyam aśnute ya evaṃ veda yaś caivaṃvidvān evam etāṃ vedānāṃ mātaraṃ sāvitrīṃ saṃpadam upaniṣadam upāsta iti brāhmaṇam || 38 ||

Menschen, die nicht wirklich wissen, halten einen solchen Wissenden für jemanden, den sie der Sache gemäß kennen, und sagen: „Wir kennen ihn.“ Doch dieses Opfer ist in den Veden gegründet; die Veden sind in der Sprache gegründet; die Sprache ist im Geist gegründet; der Geist ist im Lebensatem gegründet; der Lebensatem ist in der Nahrung gegründet; die Nahrung ist in der Erde gegründet; die Erde ist in den Wassern gegründet; die Wasser sind im Licht gegründet; das Licht ist in Vāyu gegründet; Vāyu ist im Raum gegründet; der Raum ist in Brahman gegründet; Brahman ist im Brahmanen gegründet, der Brahman kennt. Wer dies auf solche Weise weiß, der ist ein Brahman-Kundiger. Er erlangt heiligen Ruhm und wohlriechende Düfte. Er ist von Übel und Verfehlung befreit. Unendliche Herrlichkeit erlangt, wer so weiß und wer als solcher Wissender diese Sāvitrī – die Mutter der Veden, die vollkommene Entsprechung und Upanishad – auf diese Weise verehrt. So lautet das Brāhmaṇa.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tam – ihn, den Wissenden; ha sma – wie überliefert wird; etam – diesen; evam-vidvāṃsaḥ – vermeintlich auf solche Weise Wissende; manyante – halten, meinen; vidma enam – wir kennen ihn; iti – so; yāthātathyam – der wirklichen Sachlage gemäß; avidvāṃsaḥ – Nichtwissende; der Satz ist ironisch: Sie meinen zu kennen, wissen aber nicht wahrhaft. In der folgenden Kette bedeutet pratiṣṭhitaḥ/pratiṣṭhitā/pratiṣṭhitam/pratiṣṭhitāḥ jeweils „gegründet, fest verankert“: ayam yajñaḥ – dieses Opfer; vedeṣu – in den Veden; vedāḥ – die Veden; vāci – in der Sprache; vāk – Sprache; manasi – im Geist; manaḥ – Geist; prāṇe – im Lebensatem; prāṇaḥ – Lebensatem; anne – in der Nahrung; annam – Nahrung; bhūmau – in der Erde; bhūmiḥ – Erde; apsu – in den Wassern; āpaḥ – Wasser; jyotiṣi – im Licht; jyotiḥ – Licht; vāyau – in Vāyu, im Wind; vāyuḥ – Vāyu; ākāśe – im Raum; ākāśam – Raum; brahmaṇi – in Brahman; brahma – Brahman; brāhmaṇe – im Brahmanen; brahma-vidi – im Brahman-Kundigen. Im Schlusssatz: yaḥ ha vai evam-vit – wer wahrlich so wissend ist; saḥ brahma-vit – der ist Brahman-Kundiger; puṇyām – heilig, verdienstvoll; ca – und; kīrtim – Ruhm; labhate – erlangt; surabhīn – wohlriechend, duftend; gandhān – Düfte; saḥ – er; apahata-pāpmā – dessen Übel beziehungsweise Verfehlung abgeschlagen ist; anantām – unendlich; śriyam – Herrlichkeit, Gedeihen; aśnute – erlangt, genießt; yaḥ evam veda – wer so weiß; yaḥ ca – und wer; evam-vidvān – auf diese Weise wissend; evam – so; etām – diese; vedānām mātaram – Mutter der Veden; sāvitrīm – Sāvitrī; saṃpadam – Zusammenfügung, vollkommene Entsprechung, Erfüllung; upaniṣadam – Geheimlehre, Upanishad; upāste – verehrt, meditiert über; iti brāhmaṇam – so lautet das Brāhmaṇa.

Datierung und Textgeschichte

Eine jahrgenaue Datierung der Gayatri Upanishad des Gopatha Brahmana ist nicht möglich. Der Text ist Teil des Gopatha Brāhmaṇa, des einzigen erhaltenen Brāhmaṇa des Atharvaveda. Sprachform, Ritualterminologie und die Stellung innerhalb der vedischen Prosaliteratur weisen auf eine Entstehung nach einem großen Teil der älteren Saṃhitā- und Brāhmaṇa-Schichten, aber noch innerhalb der vedischen Überlieferungszeit. In der Forschung wird für das Gopatha Brāhmaṇa häufig ein weiter Zeitraum ungefähr zwischen der Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. und den letzten vorchristlichen Jahrhunderten erwogen. Einzelne Bestandteile können älter sein; Redaktion und Zusammenfügung können später erfolgt sein.

Für die relative Datierung sind mehrere Merkmale wichtig. Der Text kennt die drei klassischen Veden und behauptet zugleich die zentrale Rolle der Bhṛgu-Aṅgiras-Tradition, also des Atharvaveda. Das Gāyatrī-Mantra aus Rigveda 3.62.10 ist längst kanonisch und wird Wort für Wort spekulativ ausgelegt. Zugleich begegnen typische Brāhmaṇa-Formen: Lehrerzählung, rituelle Entsprechungen, etymologische Deutung, Heilsverheißung und die Formel iti brāhmaṇam. Der abschließende Ausdruck sāvitrīṃ saṃpadam upaniṣadam nennt die Lehre ausdrücklich eine „Upanishad“, doch nicht im Sinn eines später als selbständiges Buch redigierten Textes. Gemeint ist eine verborgene, nur durch Unterweisung zu erschließende Entsprechungslehre.

Die Abschnitte 1.1.31–38 schließen unmittelbar an die Pranava-Lehre in 1.1.16–30 an. Beide Einheiten verbinden Laut, Veda, Kosmos und menschliche Praxis. Die Gayatri Upanishad führt diesen Gedankengang vom Oṃkāra zur Sāvitrī weiter. Dass Maitreya mit samit, Brennholz, in der Hand erscheint, markiert den traditionellen Eintritt in die Schülerschaft. Wissen wird im Text nicht als bloße Information behandelt, sondern als eine durch Demut, Disziplin und mündliche Weitergabe verwandelnde Beziehung.

Die kritische Grundlage des hier wiedergegebenen Sanskrittextes ist Dieuke Gaastras Edition von 1919, die mehrere Handschriften verglich. Die elektronische IAST-Fassung von Arlo Griffiths macht diese Ausgabe zugänglich. An wenigen Stellen – besonders am Schluss von 1.1.33 und in der kurzen Wendung tat tapasva in 1.1.34 – ist der Wortlaut beschädigt oder mehrdeutig. In 1.1.32 wird atho 'yaṃ mama kalyāṇo rathas nach der durch Vergleich und Übersetzung gestützten Lesart wiedergegeben. In 1.1.38 ist das offensichtlich verschriebene evāṃvidvāṃso zu evaṃvidvāṃso normalisiert. Solche Entscheidungen sind im Artikel offengelegt.

Inhalt der Gayatri Upanishad

Ein Lehrstreit führt zur Demut
Der erste Teil ist keine feierliche Mantra-Erklärung, sondern eine Geschichte menschlicher Selbstüberschätzung. Glāva Maitreya verspottet Maudgalya als schlecht unterrichtet. Als er die Gegenfrage nach der Gāyatrī mit vierundzwanzig Ursprüngen und zwölf Paaren nicht beantworten kann, entlässt er seine Schüler und geht selbst als Lernender zu Maudgalya. Das Brennholz in seiner Hand zeigt, dass Erkenntnis eine Änderung der Haltung verlangt. Maudgalya nimmt nicht Rache, sondern bietet sogar einen Wagen an; Maitreya besteht seinerseits darauf, als Schüler zu bleiben.

Die Frage nach dem Mantra
Abschnitt 1.1.32 zerlegt Schlüsselwörter der Gāyatrī: Die Veden und ihre Metren sind das vareṇyam, das Erwählenswerte Savitṛs; Nahrung ist bharga, die Licht- und Lebenskraft; Handlungen sind die dhiyaḥ, die gerichteten Gedankenkräfte. Die Erklärung ist nicht die einzige mögliche Deutung von Rigveda 3.62.10. Sie ist eine für das Gopatha Brāhmaṇa charakteristische Zuordnung, die liturgische Sprache in ein umfassendes Netz der Weltordnung stellt.

Zwölf komplementäre Paare
Abschnitt 1.1.33 beantwortet die Frage „Wer ist Savitṛ, was ist Sāvitrī?“ nicht durch eine einzige Definition. Zwölf Paare bilden vierundzwanzig yonis, Ursprünge: Geist–Sprache, Feuer–Erde, Wind–Zwischenraum, Sonne–Himmel, Mond–Sterne, Tag–Nacht, Wärme–Kälte, Wolke–Regen, Blitz–Donner, Atem–Nahrung, Veden–Metren und Opfer–Opfergaben. Jeder Pol existiert in der vorliegenden Lehre nur zusammen mit seinem Gegenpol. Mithuna bedeutet dabei nicht bloß biologisches Paar, sondern fruchtbare Bezogenheit.

Drei Versfüße, drei kosmische Ketten
Die Abschnitte 1.1.34–36 gliedern das Mantra in seine drei acht-silbigen Versfüße. Der erste beginnt bei Erde, Ṛc und Agni; der zweite bei Zwischenraum, Yajus und Vāyu; der dritte bei Himmel, Sāman und Āditya. Alle drei münden über das geordnete Leben in Handlung, Tapas, Wahrheit, Brahman, den Brahman-Kundigen und das Gelübde. Das Mantra ist damit keine isolierte Klangformel. Es fasst Welt, Offenbarung, Naturkreislauf, soziale Fortdauer und spirituelle Disziplin zusammen.

Die zwölf großen Wirklichkeiten
Abschnitt 1.1.37 führt vom Wissenden über Brahman, Raum, Wind, Licht, Wasser, Erde, Nahrung, Atem, Geist, Sprache und Veden bis zum Opfer. Abschnitt 1.1.38 kehrt diese Bewegung um: Das Opfer ist in den Veden gegründet, die Veden in der Sprache, die Sprache im Geist und so weiter, bis Brahman im Brahman-Kundigen gegründet ist. Die Umkehr macht eine wichtige Aussage: Keine Stufe steht unabhängig da. Äußeres Ritual, Sprache, Bewusstsein, Leib, Natur und Brahman bilden eine Ordnung wechselseitiger Gründung.

Bedeutung

Die Gayatri Upanishad ist ein bedeutendes Zeugnis dafür, wie vedische Tradition ihr berühmtestes Sonnenmantra verstanden und erweitert hat. Sie bietet keinen Kommentar im modernen Sinn, der nur Grammatik und historischen Kontext erklärt. Ihre Methode ist saṃpad, das Herstellen vollkommener Entsprechung. Ein Teil des Mantras wird mit einer Welt, einem Veda, einer Gottheit, einem Naturvorgang und einer Lebensordnung verbunden. Meditatives Wissen bedeutet, diese Beziehungen im eigenen Bewusstsein zusammenzubringen.

Philosophisch besonders wichtig sind die zwölf Paare. Savitṛ und Sāvitrī sind nicht einfach männliche und weibliche Gottheiten, sondern Funktionspole: Impuls und Ausdruck, Kraft und Feld, Nahrung und Lebensvollzug, Offenbarung und metrische Form. Geist ohne Sprache bliebe unausgedrückt; Sprache ohne Geist wäre leer. Atem ist auf Nahrung angewiesen, Nahrung wird erst im lebendigen Atem wirksam. Die Gayatri Upanishad denkt Einheit daher nicht als Auslöschung von Unterschieden, sondern als Einsicht in ihre Untrennbarkeit.

Ebenso bedeutsam ist die Rahmenerzählung. Maitreya wird erst lernfähig, als er seine Unwissenheit anerkennt. Gelehrsamkeit über drei Veden schützt nicht vor Hochmut. Maudgalya wiederum gewinnt nicht durch Demütigung des Gegners, sondern durch genaue Frage, Offenheit und Aufnahme in die Lehrbeziehung. Damit verbindet der Text Erkenntnis mit Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit und Verantwortung des Lehrers.

Der Ausdruck „Mutter der Veden“ am Schluss bezeichnet Gāyatrī als tragende Form vedischer Offenbarung. Das Gāyatrī-Metrum strukturiert den berühmten Mantra-Vers, doch die Mutterschaft meint mehr: Sāvitrī sammelt die Veden, Sprache, Geist, Atem und Weltbedingungen in einer einzigen meditierbaren Ordnung. Deshalb kann der Text sie zugleich saṃpad und upaniṣad nennen.

Bedeutung heute

Für heutige Praktizierende korrigiert die Gayatri Upanishad zwei verbreitete Verkürzungen. Erstens ist das Gayatri-Mantra hier kein magischer Wunschautomat. Seine Auslegung führt zu Gelübde, Wahrhaftigkeit, Tapas und Erkenntnis. Zweitens besteht spirituelle Einheit nicht darin, Körper, Natur oder verantwortliches Handeln zu überspringen. Nahrung trägt den Atem, Atem den Geist, Geist die Sprache und Sprache die Überlieferung. Meditation bleibt in ökologische, leibliche und ethische Bedingungen eingebettet.

Die Paarlehre kann heute als Schule relationalen Denkens gelesen werden, ohne ihre vedische Eigenart zu verwischen. Gegensätze wie Tag und Nacht oder Wärme und Kälte werden nicht als Feinde dargestellt. Sie bedingen einander. Diese Sicht kann helfen, in der eigenen Praxis Aktivität und Ruhe, Studium und Erfahrung, Disziplin und Offenheit ausgewogener zu verbinden.

Auch der Umgang mit Autorität bleibt aktuell. Der Text idealisiert weder bloße Titel noch angesammeltes Wissen. Eine berechtigte Frage legt Maitreyas Grenze offen; seine Größe zeigt sich darin, dass er daraufhin Schüler wird. Für moderne Yoga- und Meditationsgemeinschaften liegt darin ein nüchterner Maßstab: Lehrende müssen Unwissen eingestehen können, Lernende dürfen präzise fragen, und echte Unterweisung darf nicht durch Prestige ersetzt werden.

Historisch-kritische Sorgfalt gehört ebenfalls zur heutigen Bedeutung. Die vollständige Gayatri Upanishad ist mehr als Rigveda 3.62.10, und einzelne Stellen ihres Brāhmaṇa-Sanskrits sind unsicher. Eine verantwortliche Rezeption verbindet daher hingebungsvolle Rezitation mit Quellennähe. Sie macht zwischen sicherem Wortlaut, plausibler Übersetzung und offener philologischer Frage einen sichtbaren Unterschied.

Vollständiger Text in Devanagari

Abschnitt १.१.३१
एतद् ध स्मैतद् विद्वांसम् एकादशाक्षं मौद्गल्यं ग्लावो मैत्रेयो ऽभ्याजगाम ।
स तस्मिन् ब्रह्मचर्यं वसतो विज्ञायोवाच किं स्विन् मर्या अयं तन् मौद्गल्यो ऽध्येति यद् अस्मिन् ब्रह्मचर्यं वसतीति ।
तद् धि मौद्गल्यस्यान्तेवासी शुश्राव ।
स आचार्यायाव्रज्याचचष्टे ।
दुरधीयानं वा अयं भवन्तम् अवोचद् यो ऽयम् अद्यातिथिर् भवति ।
किं सौम्य विद्वान् इति ।
त्रीन् वेदान् ब्रूते भो इति ।
तस्य सौम्य विपष्टो विजिगीषो ऽन्तेवासी तं मे ह्वयेति ।
तम् आजुहाव ।
तम् अभ्युवाचासाव् इति ।
भो इति ।
किं सौम्य त आचार्यो ऽध्येतीति ।
त्रीन् वेदान् ब्रूते ।
भो इति ।
यन् नु खलु सौम्यास्माभिः सर्वे वेदा मुखतो गृहीताः कथं त एवम् आचार्यो भाषते ।
कथं नु शिष्टाः शिष्टेभ्य एवं भाषेरन् ।
यं ह्य् एनम् अहं प्रश्नं पृच्छामि न तं विवक्ष्यति ।
न ह्य् एनम् अध्येतीति ।
स ह मौद्गल्यः स्वम् अन्तेवासिनम् उवाच परेहि सौम्य ग्लावं मैत्रेयम् उपसीद ।
अधीहि भोः सावित्रीं गायत्रीं चतुर्विंशतियोनिं द्वादशमिथुनाम् ।
यस्या भृग्वङ्गिरसश् चक्षुः ।
यस्यां सर्वम् इदं श्रितं तां भवान् प्रब्रवीत्व् इति ।
स चेत् सौम्य दुरधीयानो भविष्यत्य् आचार्योवाच ब्रह्मचारी ब्रह्माचारिणो सावित्रीं प्राहेति वक्ष्यति तत् त्वं ब्रूयाद् दुरधीयानं तं वै भवान् मौद्गल्यम् अवोचत् ।
स त्वा यं प्रश्नम् अप्राक्षीन् न तं व्यवोचः ।
पुरा संवत्सराद् आर्तिम् आरिष्यसीति ॥ ३१ ॥

Abschnitt १.१.३२
स तत्राजगाम यत्रेतरो बभूव ।
तं ह पप्रच्छ ।
स ह न प्रतिपेदे ।
तं होवाच दुरधीयानं तं वै भवान् मौद्गल्यम् अवोचत् ।
स त्वा यं प्रश्नम् अप्राक्षीन् न तं व्यवोचः ।
पुरा संवत्सराद् आर्तिम् आरिष्यसीति ।
स ह मैत्रेयः स्वान् अन्तेवासित उवाच यथार्थं भवन्तो यथागृहं यथामनो विप्रसृज्यन्ताम् ।
दुरधीयानं वा अहं मौद्गल्यम् अवोचम् ।
स मा यं प्रश्नम् अप्राक्षीन् न तं व्यवोचम् ।
तम् उपैष्यामि ।
शान्तिं करिष्यामीति ।
स ह मैत्रेयः प्रातः समित्पाणिर् मौद्गल्यम् उपससादासौ वा अहं भो मैत्रेयः ।
किमर्थम् इति ।
दुरधीयानं वा अहं भवन्तम् अवोचम् ।
त्वं मा यं प्रश्नम् अप्राक्षीर् न तं व्यवोचम् ।
त्वाम् उपैष्यामि ।
शान्तिं करिष्यामीति ।
स होवाचात्र वा उपेतं च सर्वं च कृतं पापकेन त्वा यानेन चरन्तम् आहुः ।
अथो ऽयं मम कल्याणो रथस् ।
तं ते ददामि ।
तेन याहीति ।
स होवाचैतद् एवात्रात्विषं चानृशंस्यं च यथा भवान् आह ।
उपायामि त्वेव भवन्तम् इति ।
तं होपेयाय ।
तं होपेत्य पप्रच्छ किं स्विद् आहुर् भोः सवितुर् वरेण्यं भर्गो देवस्य कवयः किम् आहुर् धियो विचक्ष्व यदि ताः प्रवेत्थ ।
प्रचोदयात् सविता याभिर् एतीति ।
तस्मा एतत् प्रोवाच वेदांश् छन्दांसि सवितुर् वरेण्यम् ।
भर्गो देवस्य कवयो ऽन्नम् आहुः कर्माणि धियस् ।
तद् उ ते प्रब्रवीमि प्रचोदयात् सविता याभिर् एतीति ।
तम् उपसंगृह्य पप्रच्छाधीहि भोः कः सविता का सावित्री ॥ ३२ ॥

Abschnitt १.१.३३
मन एव सविता वाक् सावित्री ।
यत्र ह्य् एव मनस् तद् वाग् यत्र वै वाक् तन् मन इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
अग्निर् एव सविता पृथिवी सावित्री ।
यत्र ह्य् एवाग्निस् तत् पृथिवी यत्र वै पृथिवी तद् अग्निर् इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
वायुर् एव सवितान्तरिक्षं सावित्री ।
यत्र ह्य् एव वायुस् तद् अन्तरिक्षं यत्र वा अन्तरिक्षं तद् वायुर् इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
आदित्य एव सविता द्यौः सावित्री ।
यत्र ह्य् एवादित्यस् तद् द्यौर् यत्र वै द्यौस् तद् आदित्य इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
चन्द्रमा एव सविता नक्षत्राणि सावित्री ।
यत्र ह्य् एव चन्द्रमास् तन् नक्षत्राणि यत्र वै नक्षत्राणि तच् चन्द्रमा इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
अहर् एव सविता रात्रिः सावित्री ।
यत्र ह्य् एवाहस् तद् रात्रिर् यत्र वै रात्रिस् तद् अहर् इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
उष्णम् एव सविता शीतं सावित्री ।
यत्र ह्य् एवोष्णं तच् छीतं यत्र वै शीतं तद् उष्णम् इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
अभ्रम् एव सविता वर्षं सावित्री ।
यत्र ह्य् एवाभ्रं तद् वर्षं यत्र वै वर्षं तद् अभ्रम् इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
विद्युद् एव सविता स्तनयित्नुः सावित्री ।
यत्र ह्य् एव विद्युत् तत् स्तनयित्नुर् यत्र वै स्तनयित्नुस् तद् विद्युद् इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
प्राण एव सवितान्नं सावित्री ।
यत्र ह्य् एव प्राणस् तद् अन्नं यत्र वा अन्नं तत् प्राण इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
वेदा एव सविता छन्दांसि सावित्री ।
यत्र ह्य् एव वेदास् तच् छन्दांसि यत्र वै छन्दांसि तद् वेदा इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
यज्ञ एव सविता दक्षिणाः सावित्री ।
यत्र ह्य् एव यज्ञस् तद् दक्षिणा यत्र वै दक्षिणास् तद् यज्ञ इति ।
एते द्वे योनी एकं मिथुनम् ।
एतद् ध स्मैतद् विद्वांसम् ओपाकारिम् आसस्तुर् ब्रह्मचारी ते संस्थित इत्य् अथैत आसस्तुर् आचित इव चितो बभूव ।
अथोत्थाय प्राव्राजीद् इत्य् एतद् वा अहं वेद नैतासु योनिष्व् इत एतेभ्यो वा मिथुनेभ्यः संभूतो ब्रह्मचारी मम पुरायुषः प्रेयाद् इति ॥ ३३ ॥

Abschnitt १.१.३४
ब्रह्म हेदं श्रियं प्रतिष्ठाम् आयतनम् ऐक्षत ।
तत् तपस्व ।
यदि तद् व्रते ध्रियेत तत् सत्ये प्रत्यतिष्ठत् ।
स सविता सावित्र्या ब्राह्मणं सृष्ट्वा तत् सवित्रीं पर्यदधात् ।
तत् सवितुर् वरेण्यम् इति सावित्र्याः प्रथमः पादः ।
पृथिव्य् अर्चं समदधात् ।
ऋचाग्निम् ।
अग्निना श्रियम् ।
श्रिया स्त्रियम् ।
स्त्रिया मिथुनम् ।
मिथुनेन प्रजाम् ।
प्रजया कर्म ।
कर्मणा तपस् ।
तपसा सत्यम् ।
सत्येन ब्रह्म ।
ब्रह्मणा ब्राह्मणम् ।
ब्राह्मणेन व्रतम् ।
व्रतेन वै ब्राह्मणः संशितो भवति ।
अशून्यो भवत्य् अविछिन्नो भवत्य् अविछिन्नो ऽस्य तन्तुर् अविछिन्नं जीवनं भवति य एवं वेद यश् चैवंविद्वान् एवम् एतं सावित्र्याः प्रथमं पादं व्याचष्टे ॥ ३४ ॥

Abschnitt १.१.३५
भर्गो देवस्य धीमहीति सावित्र्या द्वितीयः पादः ।
अन्तरिक्षेण यजुः समदधात् ।
यजुषा वायुम् ।
वायुनाभ्रम् ।
अभ्रेण वर्षम् ।
वर्षेणौषधिवनस्पतीन् ।
ओषधिवनस्पतिभिः पशून् ।
पशुभिः कर्म ।
कर्मणा तपस् ।
तपसा सत्यम् ।
सत्येन ब्रह्म ।
ब्रह्मणा ब्राह्मणम् ।
ब्राह्मणेन व्रतम् ।
व्रतेन वै ब्राह्मणः संशितो भवति ।
अशून्यो भवत्य् अविछिन्नो भवत्य् अविछिन्नो ऽस्य तन्तुर् अविछिन्नं जीवनं भवति य एवं वेद यश् चैवंविद्वान् एवम् एतं सावित्र्या द्वितीयं पादं व्याचष्टे ॥ ३५ ॥

Abschnitt १.१.३६
धियो यो नः प्रचोदयाद् इति सावित्र्यास् तृतीयः पादः ।
दिवा साम समदधात् ।
साम्नादित्यम् ।
आदित्येन रश्मीन् ।
रश्मिभिर् वर्षम् ।
वर्षेणौषधिवनस्पतीन् ।
ओषधिवनस्पतिभिः पशून् ।
पशुभिः कर्म ।
कर्मणा तपस् ।
तपसा सत्यम् ।
सत्येन ब्रह्म ।
ब्रह्मणा ब्राह्मणम् ।
ब्राह्मणेन व्रतम् ।
व्रतेन वै ब्राह्मणः संशितो भवति ।
अशून्यो भवत्य् अविछिन्नो भवत्य् अविछिन्नो ऽस्य तन्तुर् अविछिन्नं जीवनं भवति य एवं वेद यश् चैवंविद्वान् एवम् एतं सावित्र्यास् तृतीयं पादं व्याचष्टे ॥ ३६ ॥

Abschnitt १.१.३७
तेन ह वा एवंविदुषा ब्राह्मणेन ब्रह्माभिपन्नं ग्रसितं परामृष्टम् ।
ब्रह्मणाकाशम् अभिपन्नं ग्रसितं परामृष्टम् ।
आकाशेन वायुर् अभिपन्नो ग्रसितः परामृष्टः ।
वायुना ज्योतिर् अभिपन्नं ग्रसितं परामृष्टम् ।
ज्योतिषापो ऽभिपन्ना ग्रसिताः परामृष्टाः ।
अद्भिर् भूमिर् अभिपन्ना ग्रसिता परामृष्टा ।
भूम्यान्नम् अभिपन्नं ग्रसितं परामृष्टम् ।
अन्नेन प्राणो ऽभिपन्नो ग्रसितः परामृष्टः ।
प्राणेन मनो ऽभिपन्नं ग्रसितं परामृष्टम् ।
मनसा वाग् अभिपन्ना ग्रसिता परामृष्टा ।
वाचा वेदा अभिपन्ना ग्रसिताः परामृष्टाः ।
वेदैर् यज्ञो ऽभिपन्नो ग्रसितः परामृष्टः ।
तानि ह वा एतानि द्वादशमहाभूतान्य् एवंविदि प्रतिष्ठितानि ।
तेषां यज्ञ एव परार्ध्यः ॥ ३७ ॥

Abschnitt १.१.३८
तं ह स्मैतम् एवंविद्वांसो मन्यन्ते विद्मैनम् इति याथातथ्यम् अविद्वांसः ।
अयं यज्ञो वेदेषु प्रतिष्ठितः ।
वेदा वाचि प्रतिष्ठिताः ।
वाङ् मनसि प्रतिष्ठिता ।
मनः प्राणे प्रतिष्ठितम् ।
प्राणो ऽन्ने प्रतिष्ठितः ।
अन्नं भूमौ प्रतिष्ठितम् ।
भूमिर् अप्सु प्रतिष्ठिता ।
आपो ज्योतिषि प्रतिष्ठिताः ।
ज्योतिर् वायौ प्रतिष्ठितम् ।
वायुर् आकाशे प्रतिष्ठितः ।
आकाशं ब्रह्मणि प्रतिष्ठितम् ।
ब्रह्म ब्राह्मणे ब्रह्मविदि प्रतिष्ठितम् ।
यो ह वा एवंवित् स ब्रह्मवित् ।
पुण्यां च कीर्तिं लभते सुरभींश् च गन्धान् ।
सो ऽपहतपाप्मा ।
अनन्तां श्रियम् अश्नुते य एवं वेद यश् चैवंविद्वान् एवम् एतां वेदानां मातरं सावित्रीं संपदम् उपनिषदम् उपास्त इति ब्राह्मणम् ॥ ३८ ॥

Vollständiger Text in IAST

Abschnitt 1.1.31
etad dha smaitad vidvāṃsam ekādaśākṣaṃ maudgalyaṃ glāvo maitreyo 'bhyājagāma |
sa tasmin brahmacaryaṃ vasato vijñāyovāca kiṃ svin maryā ayaṃ tan maudgalyo 'dhyeti yad asmin brahmacaryaṃ vasatīti |
tad dhi maudgalyasyāntevāsī śuśrāva |
sa ācāryāyāvrajyācacaṣṭe |
duradhīyānaṃ vā ayaṃ bhavantam avocad yo 'yam adyātithir bhavati |
kiṃ saumya vidvān iti |
trīn vedān brūte bho iti |
tasya saumya vipaṣṭo vijigīṣo 'ntevāsī taṃ me hvayeti |
tam ājuhāva |
tam abhyuvācāsāv iti |
bho iti |
kiṃ saumya ta ācāryo 'dhyetīti |
trīn vedān brūte |
bho iti |
yan nu khalu saumyāsmābhiḥ sarve vedā mukhato gṛhītāḥ kathaṃ ta evam ācāryo bhāṣate |
kathaṃ nu śiṣṭāḥ śiṣṭebhya evaṃ bhāṣeran |
yaṃ hy enam ahaṃ praśnaṃ pṛcchāmi na taṃ vivakṣyati |
na hy enam adhyetīti |
sa ha maudgalyaḥ svam antevāsinam uvāca parehi saumya glāvaṃ maitreyam upasīda |
adhīhi bhoḥ sāvitrīṃ gāyatrīṃ caturviṃśatiyoniṃ dvādaśamithunām |
yasyā bhṛgvaṅgirasaś cakṣuḥ |
yasyāṃ sarvam idaṃ śritaṃ tāṃ bhavān prabravītv iti |
sa cet saumya duradhīyāno bhaviṣyaty ācāryovāca brahmacārī brahmācāriṇo sāvitrīṃ prāheti vakṣyati tat tvaṃ brūyād duradhīyānaṃ taṃ vai bhavān maudgalyam avocat |
sa tvā yaṃ praśnam aprākṣīn na taṃ vyavocaḥ |
purā saṃvatsarād ārtim āriṣyasīti || 31 ||

Abschnitt 1.1.32
sa tatrājagāma yatretaro babhūva |
taṃ ha papraccha |
sa ha na pratipede |
taṃ hovāca duradhīyānaṃ taṃ vai bhavān maudgalyam avocat |
sa tvā yaṃ praśnam aprākṣīn na taṃ vyavocaḥ |
purā saṃvatsarād ārtim āriṣyasīti |
sa ha maitreyaḥ svān antevāsita uvāca yathārthaṃ bhavanto yathāgṛhaṃ yathāmano viprasṛjyantām |
duradhīyānaṃ vā ahaṃ maudgalyam avocam |
sa mā yaṃ praśnam aprākṣīn na taṃ vyavocam |
tam upaiṣyāmi |
śāntiṃ kariṣyāmīti |
sa ha maitreyaḥ prātaḥ samitpāṇir maudgalyam upasasādāsau vā ahaṃ bho maitreyaḥ |
kimartham iti |
duradhīyānaṃ vā ahaṃ bhavantam avocam |
tvaṃ mā yaṃ praśnam aprākṣīr na taṃ vyavocam |
tvām upaiṣyāmi |
śāntiṃ kariṣyāmīti |
sa hovācātra vā upetaṃ ca sarvaṃ ca kṛtaṃ pāpakena tvā yānena carantam āhuḥ |
atho 'yaṃ mama kalyāṇo rathas |
taṃ te dadāmi |
tena yāhīti |
sa hovācaitad evātrātviṣaṃ cānṛśaṃsyaṃ ca yathā bhavān āha |
upāyāmi tveva bhavantam iti |
taṃ hopeyāya |
taṃ hopetya papraccha kiṃ svid āhur bhoḥ savitur vareṇyaṃ bhargo devasya kavayaḥ kim āhur dhiyo vicakṣva yadi tāḥ pravettha |
pracodayāt savitā yābhir etīti |
tasmā etat provāca vedāṃś chandāṃsi savitur vareṇyam |
bhargo devasya kavayo 'nnam āhuḥ karmāṇi dhiyas |
tad u te prabravīmi pracodayāt savitā yābhir etīti |
tam upasaṃgṛhya papracchādhīhi bhoḥ kaḥ savitā kā sāvitrī || 32 ||

Abschnitt 1.1.33
mana eva savitā vāk sāvitrī |
yatra hy eva manas tad vāg yatra vai vāk tan mana iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
agnir eva savitā pṛthivī sāvitrī |
yatra hy evāgnis tat pṛthivī yatra vai pṛthivī tad agnir iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
vāyur eva savitāntarikṣaṃ sāvitrī |
yatra hy eva vāyus tad antarikṣaṃ yatra vā antarikṣaṃ tad vāyur iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
āditya eva savitā dyauḥ sāvitrī |
yatra hy evādityas tad dyaur yatra vai dyaus tad āditya iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
candramā eva savitā nakṣatrāṇi sāvitrī |
yatra hy eva candramās tan nakṣatrāṇi yatra vai nakṣatrāṇi tac candramā iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
ahar eva savitā rātriḥ sāvitrī |
yatra hy evāhas tad rātrir yatra vai rātris tad ahar iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
uṣṇam eva savitā śītaṃ sāvitrī |
yatra hy evoṣṇaṃ tac chītaṃ yatra vai śītaṃ tad uṣṇam iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
abhram eva savitā varṣaṃ sāvitrī |
yatra hy evābhraṃ tad varṣaṃ yatra vai varṣaṃ tad abhram iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
vidyud eva savitā stanayitnuḥ sāvitrī |
yatra hy eva vidyut tat stanayitnur yatra vai stanayitnus tad vidyud iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
prāṇa eva savitānnaṃ sāvitrī |
yatra hy eva prāṇas tad annaṃ yatra vā annaṃ tat prāṇa iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
vedā eva savitā chandāṃsi sāvitrī |
yatra hy eva vedās tac chandāṃsi yatra vai chandāṃsi tad vedā iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
yajña eva savitā dakṣiṇāḥ sāvitrī |
yatra hy eva yajñas tad dakṣiṇā yatra vai dakṣiṇās tad yajña iti |
ete dve yonī ekaṃ mithunam |
etad dha smaitad vidvāṃsam opākārim āsastur brahmacārī te saṃsthita ity athaita āsastur ācita iva cito babhūva |
athotthāya prāvrājīd ity etad vā ahaṃ veda naitāsu yoniṣv ita etebhyo vā mithunebhyaḥ saṃbhūto brahmacārī mama purāyuṣaḥ preyād iti || 33 ||

Abschnitt 1.1.34
brahma hedaṃ śriyaṃ pratiṣṭhām āyatanam aikṣata |
tat tapasva |
yadi tad vrate dhriyeta tat satye pratyatiṣṭhat |
sa savitā sāvitryā brāhmaṇaṃ sṛṣṭvā tat savitrīṃ paryadadhāt |
tat savitur vareṇyam iti sāvitryāḥ prathamaḥ pādaḥ |
pṛthivy arcaṃ samadadhāt |
ṛcāgnim |
agninā śriyam |
śriyā striyam |
striyā mithunam |
mithunena prajām |
prajayā karma |
karmaṇā tapas |
tapasā satyam |
satyena brahma |
brahmaṇā brāhmaṇam |
brāhmaṇena vratam |
vratena vai brāhmaṇaḥ saṃśito bhavati |
aśūnyo bhavaty avichinno bhavaty avichinno 'sya tantur avichinnaṃ jīvanaṃ bhavati ya evaṃ veda yaś caivaṃvidvān evam etaṃ sāvitryāḥ prathamaṃ pādaṃ vyācaṣṭe || 34 ||

Abschnitt 1.1.35
bhargo devasya dhīmahīti sāvitryā dvitīyaḥ pādaḥ |
antarikṣeṇa yajuḥ samadadhāt |
yajuṣā vāyum |
vāyunābhram |
abhreṇa varṣam |
varṣeṇauṣadhivanaspatīn |
oṣadhivanaspatibhiḥ paśūn |
paśubhiḥ karma |
karmaṇā tapas |
tapasā satyam |
satyena brahma |
brahmaṇā brāhmaṇam |
brāhmaṇena vratam |
vratena vai brāhmaṇaḥ saṃśito bhavati |
aśūnyo bhavaty avichinno bhavaty avichinno 'sya tantur avichinnaṃ jīvanaṃ bhavati ya evaṃ veda yaś caivaṃvidvān evam etaṃ sāvitryā dvitīyaṃ pādaṃ vyācaṣṭe || 35 ||

Abschnitt 1.1.36
dhiyo yo naḥ pracodayād iti sāvitryās tṛtīyaḥ pādaḥ |
divā sāma samadadhāt |
sāmnādityam |
ādityena raśmīn |
raśmibhir varṣam |
varṣeṇauṣadhivanaspatīn |
oṣadhivanaspatibhiḥ paśūn |
paśubhiḥ karma |
karmaṇā tapas |
tapasā satyam |
satyena brahma |
brahmaṇā brāhmaṇam |
brāhmaṇena vratam |
vratena vai brāhmaṇaḥ saṃśito bhavati |
aśūnyo bhavaty avichinno bhavaty avichinno 'sya tantur avichinnaṃ jīvanaṃ bhavati ya evaṃ veda yaś caivaṃvidvān evam etaṃ sāvitryās tṛtīyaṃ pādaṃ vyācaṣṭe || 36 ||

Abschnitt 1.1.37
tena ha vā evaṃviduṣā brāhmaṇena brahmābhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
brahmaṇākāśam abhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
ākāśena vāyur abhipanno grasitaḥ parāmṛṣṭaḥ |
vāyunā jyotir abhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
jyotiṣāpo 'bhipannā grasitāḥ parāmṛṣṭāḥ |
adbhir bhūmir abhipannā grasitā parāmṛṣṭā |
bhūmyānnam abhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
annena prāṇo 'bhipanno grasitaḥ parāmṛṣṭaḥ |
prāṇena mano 'bhipannaṃ grasitaṃ parāmṛṣṭam |
manasā vāg abhipannā grasitā parāmṛṣṭā |
vācā vedā abhipannā grasitāḥ parāmṛṣṭāḥ |
vedair yajño 'bhipanno grasitaḥ parāmṛṣṭaḥ |
tāni ha vā etāni dvādaśamahābhūtāny evaṃvidi pratiṣṭhitāni |
teṣāṃ yajña eva parārdhyaḥ || 37 ||

Abschnitt 1.1.38
taṃ ha smaitam evaṃvidvāṃso manyante vidmainam iti yāthātathyam avidvāṃsaḥ |
ayaṃ yajño vedeṣu pratiṣṭhitaḥ |
vedā vāci pratiṣṭhitāḥ |
vāṅ manasi pratiṣṭhitā |
manaḥ prāṇe pratiṣṭhitam |
prāṇo 'nne pratiṣṭhitaḥ |
annaṃ bhūmau pratiṣṭhitam |
bhūmir apsu pratiṣṭhitā |
āpo jyotiṣi pratiṣṭhitāḥ |
jyotir vāyau pratiṣṭhitam |
vāyur ākāśe pratiṣṭhitaḥ |
ākāśaṃ brahmaṇi pratiṣṭhitam |
brahma brāhmaṇe brahmavidi pratiṣṭhitam |
yo ha vā evaṃvit sa brahmavit |
puṇyāṃ ca kīrtiṃ labhate surabhīṃś ca gandhān |
so 'pahatapāpmā |
anantāṃ śriyam aśnute ya evaṃ veda yaś caivaṃvidvān evam etāṃ vedānāṃ mātaraṃ sāvitrīṃ saṃpadam upaniṣadam upāsta iti brāhmaṇam || 38 ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Abschnitt 1.1.31
Glāva Maitreya kam zu dem gelehrten Ekādaśākṣa Maudgalya. Als er erkannte, dass jemand bei Maudgalya als Brahmacharin lebte, sagte er: „Was lernt dieser Bursche Maudgalya eigentlich, dass man bei ihm als Brahmacharin lebt?“ Ein Schüler Maudgalyas hörte dies. Er ging zu seinem Lehrer zurück und berichtete: „Der Mann, der heute unser Gast ist, hat Euch einen schlecht Unterrichteten genannt.“ – „Ist er denn gelehrt, mein Lieber?“ – „Er sagt, er kenne die drei Veden, Herr.“ Maudgalya erwiderte: „Mein Lieber, sein Schüler ist scharfsinnig und will sich im Wettstreit bewähren; rufe ihn zu mir.“ Der Schüler wurde gerufen. Maudgalya sprach ihn an: „Du dort!“ – „Herr!“ – „Was studiert dein Lehrer, mein Lieber?“ – „Er sagt, er kenne die drei Veden, Herr.“ – „Nun, mein Lieber: Wir haben doch alle Veden aus dem Mund des Lehrers empfangen. Wie kann dein Lehrer so reden? Wie könnten Gebildete mit Gebildeten auf diese Weise sprechen? Die Frage, die ich ihm stellen werde, wird er nicht erklären können; denn er hat diesen Gegenstand nicht studiert.“ Dann sagte Maudgalya zu seinem eigenen Schüler: „Geh, mein Lieber, tritt zu Glāva Maitreya und sprich: ‚Lehrt mich, Herr, die Sāvitrī-Gāyatrī mit ihren vierundzwanzig Ursprüngen und zwölf Paaren, deren Auge die Überlieferung von Bhṛgu und Aṅgiras ist und in der dieses ganze All gegründet ist. Möget Ihr sie darlegen.‘ Falls er sagen sollte: ‚Ein schlecht unterrichteter Lehrer hat einem Brahmacharin die Sāvitrī gelehrt‘, dann antworte: ‚Ihr selbst habt Maudgalya schlecht unterrichtet genannt. Die Frage, die er Euch stellte, habt Ihr nicht beantwortet. Noch vor Ablauf eines Jahres werdet Ihr in Bedrängnis geraten.‘“

Abschnitt 1.1.32
Der Schüler kam dorthin, wo Maitreya sich aufhielt, und stellte ihm die Frage. Maitreya konnte sie nicht beantworten. Da sagte der Schüler: „Ihr habt Maudgalya einen schlecht Unterrichteten genannt. Die Frage, die er Euch stellte, habt Ihr nicht erklärt. Noch vor Ablauf eines Jahres werdet Ihr in Bedrängnis geraten.“ Darauf sagte Maitreya zu seinen Hausschülern: „Ihr Herren mögt euch euren Angelegenheiten, euren Häusern und euren Neigungen entsprechend frei begeben. Ich habe Maudgalya schlecht unterrichtet genannt; die Frage, die er mir stellte, habe ich nicht beantwortet. Ich werde zu ihm gehen und Frieden schließen.“ Am Morgen trat Maitreya mit Brennholz in der Hand zu Maudgalya. „Ich bin jener Maitreya, Herr.“ – „Zu welchem Zweck?“ – „Ich habe Euch schlecht unterrichtet genannt. Die Frage, die Ihr mir stelltet, habe ich nicht beantwortet. Ich trete zu Euch als Schüler und möchte Frieden schließen.“ Maudgalya sagte: „Mit deinem Herantreten ist hier alles bereinigt. Man sagt, du seist mit einem schlechten Gefährt unterwegs. Nun, dieser mein Wagen ist glückverheißend; ich gebe ihn dir. Fahre mit ihm.“ Maitreya erwiderte: „Gerade das wäre hier glanzlos und lieblos, wenn ich annähme, was Ihr anbietet. Ich will vielmehr bei Euch selbst als Schüler eintreten.“ So trat er bei ihm ein. Nachdem Maitreya als Schüler herangetreten war, fragte Maudgalya: „Was nennen die Weisen, Herr, das Erwählenswerte des Savitṛ? Was nennen sie den Glanz des Gottes? Unterscheide die Gedankenkräfte, wenn du sie kennst: Womit soll Savitṛ sie antreiben?“ Maitreya erklärte ihm: „Die Veden und die Metren sind das Erwählenswerte des Savitṛ. Die Weisen nennen Nahrung den Glanz des Gottes und die Handlungen die Gedankenkräfte. Nun erkläre ich dir auch, womit Savitṛ sie antreiben soll.“ Da nahm Maudgalya ihn als Schüler an, und Maitreya fragte: „Lehrt mich, Herr: Wer ist Savitṛ, und wer ist Sāvitrī?“

Abschnitt 1.1.33
„Der Geist ist Savitṛ, die Sprache ist Sāvitrī. Denn wo der Geist ist, dort ist die Sprache; und wo die Sprache ist, dort ist der Geist. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Agni ist Savitṛ, die Erde ist Sāvitrī. Denn wo Agni ist, dort ist die Erde; und wo die Erde ist, dort ist Agni. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Vāyu ist Savitṛ, der Zwischenraum ist Sāvitrī. Denn wo Vāyu ist, dort ist der Zwischenraum; und wo der Zwischenraum ist, dort ist Vāyu. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Āditya ist Savitṛ, der Himmel ist Sāvitrī. Denn wo Āditya ist, dort ist der Himmel; und wo der Himmel ist, dort ist Āditya. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Der Mond ist Savitṛ, die Sterne sind Sāvitrī. Denn wo der Mond ist, dort sind die Sterne; und wo die Sterne sind, dort ist der Mond. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Der Tag ist Savitṛ, die Nacht ist Sāvitrī. Denn wo der Tag ist, dort ist die Nacht; und wo die Nacht ist, dort ist der Tag. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Das Heiße ist Savitṛ, das Kalte ist Sāvitrī. Denn wo das Heiße ist, dort ist das Kalte; und wo das Kalte ist, dort ist das Heiße. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Die Wolke ist Savitṛ, der Regen ist Sāvitrī. Denn wo die Wolke ist, dort ist der Regen; und wo der Regen ist, dort ist die Wolke. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Der Blitz ist Savitṛ, der Donner ist Sāvitrī. Denn wo der Blitz ist, dort ist der Donner; und wo der Donner ist, dort ist der Blitz. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Der Lebensatem ist Savitṛ, die Nahrung ist Sāvitrī. Denn wo der Lebensatem ist, dort ist Nahrung; und wo Nahrung ist, dort ist der Lebensatem. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Die Veden sind Savitṛ, die Metren sind Sāvitrī. Denn wo die Veden sind, dort sind die Metren; und wo die Metren sind, dort sind die Veden. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar. Das Opfer ist Savitṛ, die Opfergaben sind Sāvitrī. Denn wo das Opfer ist, dort sind die Opfergaben; und wo die Opfergaben sind, dort ist das Opfer. Diese beiden sind zwei Ursprünge und ein Paar.“ Zu einem Wissenden, der einen Schüler aufgenommen hatte, soll man gesagt haben: „Dein Brahmacharin ist verschieden.“ Darauf lag dieser wie ein geschichteter Altar da; dann erhob er sich und zog fort. Der Wissende erklärte: „Dies weiß ich: Kein Brahmacharin, der aus diesen Ursprüngen und diesen Paaren hervorgegangen ist, wird vor dem Ende meiner eigenen Lebenszeit dahingehen.“

Abschnitt 1.1.34
Brahman schaute hier Herrlichkeit, festen Grund und Wohnstätte. Dies war im Tapas gegründet – so lässt sich die beschädigte kurze Lesart annähernd verstehen. Wenn es im Gelübde gehalten wurde, fand es in der Wahrheit seinen festen Stand. Savitṛ erschuf durch Sāvitrī den Brahman-Kundigen und umgab ihn mit Sāvitrī. „Tat savitur vareṇyam – Jenes Erwählenswerte des Savitṛ“ ist der erste Versfuß der Sāvitrī. Mit der Erde verband er die Ṛc; mit der Ṛc Agni; mit Agni Herrlichkeit; mit Herrlichkeit die Frau; mit der Frau das Paar; mit dem Paar Nachkommenschaft; mit der Nachkommenschaft Handlung; mit der Handlung Tapas; mit Tapas Wahrheit; mit der Wahrheit Brahman; mit Brahman den Brahman-Kundigen; mit dem Brahman-Kundigen das Gelübde. Durch das Gelübde wird ein Brahmane geschärft und gefestigt. Er wird nicht leer und nicht abgerissen; sein Lebensfaden bleibt ununterbrochen, sein Leben ungebrochen – wer dies weiß und wer als solcher Wissender diesen ersten Versfuß der Sāvitrī auf diese Weise erklärt.

Abschnitt 1.1.35
„Bhargo devasya dhīmahi – Wir meditieren über den Glanz des Gottes“ ist der zweite Versfuß der Sāvitrī. Mit dem Zwischenraum verband er das Yajus; mit dem Yajus Vāyu; mit Vāyu die Wolke; mit der Wolke den Regen; mit dem Regen Kräuter und Waldbäume; mit den Kräutern und Waldbäumen die Tiere; mit den Tieren Handlung; mit der Handlung Tapas; mit Tapas Wahrheit; mit der Wahrheit Brahman; mit Brahman den Brahman-Kundigen; mit dem Brahman-Kundigen das Gelübde. Durch das Gelübde wird ein Brahmane geschärft und gefestigt. Er wird nicht leer und nicht abgerissen; sein Lebensfaden bleibt ununterbrochen, sein Leben ungebrochen – wer dies weiß und wer als solcher Wissender diesen zweiten Versfuß der Sāvitrī auf diese Weise erklärt.

Abschnitt 1.1.36
„Dhiyo yo naḥ pracodayāt – Der unsere Gedankenkräfte antreiben möge“ ist der dritte Versfuß der Sāvitrī. Mit dem Himmel verband er das Sāman; mit dem Sāman Āditya; mit Āditya die Strahlen; mit den Strahlen den Regen; mit dem Regen Kräuter und Waldbäume; mit den Kräutern und Waldbäumen die Tiere; mit den Tieren Handlung; mit der Handlung Tapas; mit Tapas Wahrheit; mit der Wahrheit Brahman; mit Brahman den Brahman-Kundigen; mit dem Brahman-Kundigen das Gelübde. Durch das Gelübde wird ein Brahmane geschärft und gefestigt. Er wird nicht leer und nicht abgerissen; sein Lebensfaden bleibt ununterbrochen, sein Leben ungebrochen – wer dies weiß und wer als solcher Wissender diesen dritten Versfuß der Sāvitrī auf diese Weise erklärt.

Abschnitt 1.1.37
Durch einen Brahmanen, der auf diese Weise weiß, wird Brahman erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch Brahman wird der Raum erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch den Raum wird Vāyu erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch Vāyu wird das Licht erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch das Licht werden die Wasser erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Wasser wird die Erde erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Erde wird die Nahrung erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Nahrung wird der Lebensatem erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch den Lebensatem wird der Geist erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch den Geist wird die Sprache erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Sprache werden die Veden erreicht, erfasst und ganz umfasst. Durch die Veden wird das Opfer erreicht, erfasst und ganz umfasst. Diese zwölf großen Wirklichkeiten sind in einem solchen Wissenden gegründet; unter ihnen steht das Opfer am höchsten.

Abschnitt 1.1.38
Menschen, die nicht wirklich wissen, halten einen solchen Wissenden für jemanden, den sie der Sache gemäß kennen, und sagen: „Wir kennen ihn.“ Doch dieses Opfer ist in den Veden gegründet; die Veden sind in der Sprache gegründet; die Sprache ist im Geist gegründet; der Geist ist im Lebensatem gegründet; der Lebensatem ist in der Nahrung gegründet; die Nahrung ist in der Erde gegründet; die Erde ist in den Wassern gegründet; die Wasser sind im Licht gegründet; das Licht ist in Vāyu gegründet; Vāyu ist im Raum gegründet; der Raum ist in Brahman gegründet; Brahman ist im Brahmanen gegründet, der Brahman kennt. Wer dies auf solche Weise weiß, der ist ein Brahman-Kundiger. Er erlangt heiligen Ruhm und wohlriechende Düfte. Er ist von Übel und Verfehlung befreit. Unendliche Herrlichkeit erlangt, wer so weiß und wer als solcher Wissender diese Sāvitrī – die Mutter der Veden, die vollkommene Entsprechung und Upanishad – auf diese Weise verehrt. So lautet das Brāhmaṇa.

Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Gayatri Upanishad für ernsthafte Aspiranten

1. Rezitiere das Mantra langsam und vollständig.
Sprich nach angemessener Anleitung die drei Versfüße bewusst: tat savitur vareṇyam, bhargo devasya dhīmahi, dhiyo yo naḥ pracodayāt. Lass Bedeutung und Klang zusammenwirken. Beginne mit wenigen Wiederholungen in sauberer Aussprache, statt hohe Zahlen mechanisch anzustreben.

2. Verbinde Lichtmeditation mit ethischem Gelübde.
Wähle für einen überschaubaren Zeitraum ein konkretes Vrata, etwa Wahrhaftigkeit, maßvollen Mediengebrauch oder regelmäßige Morgenpraxis. Die Gayatri Upanishad lässt alle drei Versfüße im Gelübde münden. Prüfe deshalb, ob die Meditation dein Handeln tatsächlich klarer und verlässlicher macht.

3. Betrachte eines der zwölf Paare.
Nimm beispielsweise Geist und Sprache oder Atem und Nahrung. Beobachte eine Woche lang ihre gegenseitige Abhängigkeit: Wie formt Denken das Sprechen, wie verändert Sprache das Denken? Wie beeinflusst Nahrung Atem und Energie? Diese Betrachtung übersetzt die Paarlehre behutsam in Selbsterforschung, ohne sie auf moderne Psychologie zu reduzieren.

4. Lerne mit der Demut Maitreyas.
Wenn eine Frage eine Wissenslücke offenlegt, verteidige nicht zuerst dein Selbstbild. Notiere die Frage, prüfe eine zuverlässige Quelle und suche bei Bedarf qualifizierte Unterweisung. Maitreyas Brennholz steht für die Bereitschaft, nochmals Anfänger zu werden.

5. Beziehe die natürlichen Grundlagen der Praxis ein.
Pflege Schlaf, Nahrung, Atem, Körper und Umwelt. Die Schlusskette der Gayatri Upanishad führt Erkenntnis nicht an Erde und Wasser vorbei. Eine ernsthafte Mantra-Praxis sollte zu größerer Sorgfalt gegenüber dem eigenen Körper, Mitmenschen und der Natur beitragen.

Literatur und Quellen

  • Gaastra, Dieuke (Hrsg.): Das Gopatha Brāhmaṇa. E. J. Brill, Leiden 1919. Kritische Sanskritausgabe auf Grundlage mehrerer Handschriften.
  • Mitra, Rājendralāla; Vidyābhūṣaṇa, Haracandra (Hrsg.): The Gopatha Bráhmaṇa of the Atharva Veda. Bibliotheca Indica, Calcutta 1872.
  • Patyal, Hukam Chand: Gopatha Brahmana: English Translation with Notes and Introduction. Dissertation, University of Poona 1969.
  • Adhikari, Tarak Nath: Gopatha Brāhmaṇa: A Critical Study. Sanskrit Pustak Bhandar, Calcutta 1994.
  • Gonda, Jan: Vedic Literature (Saṃhitās and Brāhmaṇas). Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1975.
  • Scarlata, Salvatore: Gāyatrī: Mantra and Mother of the Vedas. A Philological-Historical Study. Dissertation, Universität Hamburg, 1999.
  • Macdonell, Arthur Anthony; Keith, Arthur Berriedale: Vedic Index of Names and Subjects. 2 Bände, John Murray, London 1912.
  • GRETIL: Gopatha Brāhmaṇa, IAST-Text nach Gaastra
  • Sanskrit-Wikisource: Gopatha Brāhmaṇa, Pūrvabhāga 1
  • TITUS: Gopatha Brāhmaṇa
  • Vedic Heritage Portal: Gopatha Brāhmaṇa
  • Gaastras Ausgabe von 1919 – Digitalisat

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