Naktamcara

Aus Yogawiki
Naktamcara

Naktamcara (Sanskrit: naktamcara adj.) = umherwandelnd in der Nacht; die Bezeichnung für eine bestimmte Dämonenart (Asura).

Der Sanskrit-Ausdruck Naktamcara setzt sich aus zwei Teilen zusammen: nakta bedeutet „Nacht" und cara bedeutet „sich bewegen" oder „wandeln". Wörtlich übersetzt heißt Naktamcara also „derjenige, der in der Nacht umherwandert" oder „Nachtgänger". In der indischen Mythologie und Spiritualität wird dieser Begriff vor allem für bestimmte Wesenheiten verwendet, die nach aktiv sind – etwa Dämonen, Geister oder auch nachtaktive Tiere wie Eulen oder Schakale. Besonders bekannt ist die Bezeichnung im Zusammenhang mit den Rakshasas, den dämonischen Gestalten aus den großen Epen wie dem Ramayana oder dem Mahabharata. Diese Wesen galten als gefährlich und unberechenbar, da sie die Dunkelheit für ihre Machenschaften nutzen.

In einem weiteren, symbolischen Sinne kannst du Naktamcara aber auch auf deine eigene spirituelle Praxis beziehen. Im Yoga und in der Meditation geht es oft darum, die „inneren Dämonen" oder unbewussten Muster zu erkennen, die wie Nachtgänger im Verborgenen wirken. Wenn du zum Beispiel nachts unruhig schläfst oder von Ängsten geplagt wirst, könntest du diese Zustände als deine persönlichen Naktamcaras betrachten – sie schleichen sich an, wenn das Licht des Bewusstseins schwächer wird. Eine klassische Yoga-Technik ist es, durch Atemübungen wie Anuloma Viloma oder durch Mantra-Rezitation vor dem Schlafengehen eine schützende „Lichtatmosphäre" zu schaffen, damit diese inneren Nachtgänger keinen Einfluss mehr haben.

Ein bekanntes Zitat aus der hinduistischen Tradition, das in diese Richtung weist, stammt aus der Bhagavad Gita (Kapitel 2, Vers 69): „Was für alle Wesen Nacht ist, ist für den Selbstbeherrschten das Erwachen; und was für alle Wesen das Erwachen ist, das ist für den einsichtigen Weisen die Nacht." Das bedeutet: Während die meisten Menschen in der Dunkelheit der Unwissenheit (Avidya) umherirren – wie Naktamcaras –, ist der Yogi oder die Yogini innerlich wach und klar. Umgekehrt erscheint das, was die Welt für aufregend und wichtig hält (das „Erwachen" im materiellen Sinne), dem Weisen wie eine Art Nacht, die er durchschaut.

Siehe auch