Guru Gedenken und Morgenweihe nach dem Mantramahodadhi
Guru Gedenken und Morgenweihe nach dem Mantramahodadhi führt vom bewussten Erwachen über die Erinnerung an den Guru zur Hingabe des Tages. Die beiden Schlussgebete verbinden Bhakti mit ehrlicher Selbstprüfung: Erkenntnis soll im Handeln wirksam werden.

Umfang der Anleitung: Eigenständige Gebetsfolge aus dem Morgenritual; ohne äußere Puja, ohne Nyasa und ohne festgelegte Japa-Zahl.
Anlass, Voraussetzungen und Material
Übe morgens nach dem Waschen, an einem ruhigen, sauberen Sitz; ungefähr fünf bis zehn Minuten sind ein praktischer Zeitrahmen. Ein Guru-Bild ist möglich, aber nicht nötig. Es gibt keine materiellen Pflichtgaben. Wer einen persönlichen Lehrer hat, vergegenwärtigt diesen; ohne persönliche Bindung lässt sich die Lehrgegenwart als geistiges Ideal betrachten. Diese letzte Möglichkeit ist eine heutige Anwendung, keine Behauptung einer erfolgten Einweihung. Die hier ausgeschriebenen Gebete sind keine geheime Bija-Sadhana.
1. Den Guru vergegenwärtigen
Setze dich aufrecht hin. Lass einige Atemzüge frei fließen. Stelle dir über dem Scheitel einen weißen Lotus vor. In ihm sitzt der Guru mit heiterem Gesicht, zwei Armen und zwei Augen. Verweile bei seiner Klarheit und freundlichen Gegenwart. Dieser Schritt ist still; der Text schreibt dafür kein eigenes auszusprechendes Mantra vor.
Yoga-Vidya-Vortrag über die Gegenwart des Guru.
2. Die Einheit betrachten
Sprich die im Text als Betrachtung formulierten Worte langsam:
ahaṃ brahmāsmi sadrūpaṃ nityamuktaṃ na śokabhāk |
Ich bin Brahman, von der Natur des Seins, ewig frei und nicht dem Leid unterworfen.
Beziehe diese Aussage auf das unveränderliche Selbst. Sie erhebt nicht die alltäglichen Wünsche oder das Ego zur höchsten Autorität. Vergegenwärtige die Einheit von Guru, Gottheit und Atman. Biete dem Guru im Geist deinen Dank an. Das ist die hier gewählte schlichte Ausführung des allgemeinen Auftrags, ihn zu verehren; die Quelle legt in diesen Versen keine Anzahl von Gaben fest.
3. Den Tag darbringen
Lege die Handflächen vor dem Herzen zusammen. In der hier gewählten Vishnu-Fassung sprich:
trailokyacaitanyamayādideva śrīnāthaviṣṇo bhavadājñayaiva |
prātaḥ samutthāya tavapriyārthaṃ saṃsārayātrām anuvartayiṣye ||
O ursprünglicher Gott, Bewusstsein der drei Welten, Vishnu, Herr der Shri: Deinem Geheiß folgend bin ich am Morgen aufgestanden. Zu deinem Wohlgefallen will ich meinen Weg durch das Leben gehen.
jānāmi dharmaṃ na ca me pravṛttir jānāmy adharmaṃ na ca me nivṛttiḥ |
kenāpi devena hṛdisthitena yathā niyukto ’smi tathā karomi ||
Ich kenne das Rechte, und doch wende ich mich ihm nicht zu; ich kenne das Unrechte, und doch lasse ich nicht davon ab. Wie ich von einer im Herzen wohnenden göttlichen Macht angeleitet werde, so handle ich.
Lies das zweite Gebet als Eingeständnis der Lücke zwischen Wissen und Tun und als Bitte um innere Führung. Wähle anschließend still eine konkrete Handlung, in der heute Wahrhaftigkeit, Mitgefühl oder Sorgfalt Gestalt annehmen soll. Diese praktische Tagesentscheidung ist eine redaktionelle Anregung.
4. Abschluss
Verneige den Kopf, lasse die Vorstellung ruhig ausklingen und beginne den Tag. Eine Entlassung aus einem äußeren Bild ist hier nicht erforderlich; es wurde keine äußere Gottheit eingesetzt.
Die hier vollständig ausgeschriebene Gebetsfolge verwendet die Vishnu-Anrede. Die vom Kommentar genannten Shiva- und Devi-Anreden sind im Quellenhinweis vermerkt.
Siehe auch
- Dakshinamurti Nyasa und Japa für geistige Klarheit
- Vedavyasa Nyasa und Japa vor dem Schriftstudium
- Guru
- Puja
- Japa
- Nyasa
- Dhyana
- Bhakti
- Diksha
- Sankalpa
- Tantra
- Mantramahodadhi
- Brihat Tantrasara
- Nityotsava
- Mahanirvana Tantra
- Tantra Ritualanleitungen Sammlung 04
Seminare
Hinduistische Rituale
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
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Bhakti Yoga
- 03.11.2026 - 03.11.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita
Herzöffnung pur
21:10 - 22:00 Uhr- Gruppe Mudita
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar
Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.- Alisa Yakhontova
Quellen und redaktionelle Hinweise
Mantramahodadhi, Mahīdhara, Sanskrit-Grundtext mit dem eigenen Kommentar Naukā; verwendete Projektfassung Mantramahodadhi Sanskrit IAST. Maßgeblich: 21.4–8; die Gebete sind 21.6–7. Die Erlaubnis zur Anpassung der Gottesansprache steht in 21.8. Naukā nennt dafür „viśveśa śambho“ beziehungsweise „bhavāni durge“ anstelle von „śrīnāthaviṣṇo“. Der ausgeführte Ablauf dieses Artikels bleibt bei der vollständig ausgeschriebenen Vishnu-Fassung. Aus dem längeren täglichen Ritual wird hier ausschließlich das zusammenhängende Guru-Gedenken mit Tagesgebet ausgearbeitet; es ist keine vollständige Nityapuja.