Darbringung der inneren Kräfte an Vishnu

Aus Yogawiki

Darbringung der inneren Kräfte an Vishnu verwandelt Denken, Sinneswahrnehmung und Lebenskraft in Gaben der Verehrung. Die fünf zusammenhängenden Textabschnitte führen vom inneren Spiegel über Musik und Ehrenzeichen zum Bild eines gelenkten Wagens.

Aufmerksamkeit, Sinne und Lebenskraft werden zu inneren Gaben.

Umfang der Anleitung: Zusammenhängendes inneres Darbringungsgebet mit allen viereinhalb Versen, kurzem Japa und Abschluss.

Anlass, Voraussetzungen und Material

Geeignet als eigener besinnlicher Abschluss oder nach einer bereits vollzogenen Vishnu-Puja. Es genügen ein Sitz und gegebenenfalls ein Bild. Äußere Gaben werden für diese innere Fassung nicht benötigt. Rezitiere den Vasudeva-Mantra gemäß deiner Unterweisung. Die Übung ist kein Atem- oder Kundalini-Zwangsverfahren; die Sushumna wird lediglich als inneres Banner betrachtet.

1. Gegenwart und Absicht

Sitze ruhig vor einem Vishnu-Bild oder stelle dir Vishnu im Herzen vor. Lege die Hände zusammen und sprich einmal:

oṃ namo bhagavate vāsudevāya

Om. Verehrung dem erhabenen Vasudeva.

Yoga-Vidya-Video über das Licht des Atman und die Kräfte der Wahrnehmung.

2. Die inneren Gaben

Lies jeweils einen vollständigen Vers, führe seine Betrachtung aus und gehe dann weiter. Es sind fünf Textabschnitte; der letzte ist ein Halbvers.

buddhiḥ savāsanā kḷptā darpaṇaṃ maṅgalāni ca |
manovṛttir vicitrā te nṛtyarūpeṇa kalpitā ||

Die Erkenntniskraft mit ihren Prägungen ist als Spiegel und als glückverheißende Gaben gedacht; die vielfältigen Bewegungen des Geistes sind als Tanz für dich dargeboten.

Nimm Denken, Erinnern und die gegenwärtige Stimmung wahr. Stelle sie dir als Spiegel und Tanz vor der Gottheit vor.

dhvanayo gītarūpeṇa śabdavādyaprabhedataḥ |
chatrāṇi navapadmāni kalpitāni mayā prabho ||

Die Klänge sind als Gesang und als verschiedene Laut- und Instrumentalweisen gedacht; die neun Lotusse habe ich als Schirme für dich vorgestellt, o Herr.

Höre die vorhandenen Geräusche, ohne zusätzliche Musik erzeugen zu müssen. Stelle dir neun Lotusblüten als Ehrenschirme vor; der Vers schreibt hier keine anatomische Neunerkarte aus.

suṣumṇā dhvajarūpeṇa prāṇādyāś cāmarātmanā |
ahaṃkāro gajatvena vegaḥ kḷpto rathātmanā ||

Die Sushumna ist als Banner gedacht, die Lebenskräfte als Wedel; das Ichbewusstsein als Elefant und die Bewegungskraft als Wagen.

Vergegenwärtige die innere Mittelachse als aufrechtes Banner. Die frei fließende Lebendigkeit wird zum Dienst an der Gottheit.

indriyāṇy aśvarūpāṇi śabdādi rathavartmanā |
manaḥ pragraharūpeṇa buddhiḥ sārathirūpataḥ ||

Die Sinne sind als Pferde gedacht, Klang und die übrigen Sinnesgegenstände als Wege des Wagens; der Geist als Zügel und die Erkenntniskraft als Wagenlenker.

Biete deine Fähigkeit, zu sehen, zu hören und zu handeln, bewusst dar. Lass die Aufmerksamkeit gesammelt sein, wie Zügel in einer ruhigen Hand.

sarvam anyat tathā kḷptaṃ tavopakaraṇātmanā |

Alles Weitere ist ebenso als Gegenstand deines Dienstes gedacht.

Schließe alles ein, was bisher ungenannt blieb: Fähigkeiten, Arbeit und Beziehungen.

3. Die Sammlung im Japa vertiefen

Wiederhole nun den bereits genannten Mantra in einer vorher gewählten, gut ausführbaren Anzahl. Die Quelle sagt hier „nach Vermögen“; für diese Sitzung kannst du beispielsweise zwölf vollständige Wiederholungen wählen. Zwölf ist eine redaktionelle Übungszahl, keine Vorschrift dieses Abschnitts.

oṃ namo bhagavate vāsudevāya

Om. Verehrung dem erhabenen Vasudeva.

4. Die Frucht loslassen

Stelle dir die Rezitation als Gabe in Vishnus rechter Hand vor und sprich:

guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me deva tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||

Du bist der Hüter des Geheimsten. Nimm die von uns vollzogene Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden: das Ruhen in dir.

Verneige dich und bleibe kurz still. Wähle danach eine alltägliche Tätigkeit, in der dein Denken, deine Sinne und deine Kraft bewusst zum Wohl anderer wirken dürfen. Diese Weiterführung macht das Wagenbild zu einer praktischen Erinnerung.

Siehe auch

Seminare

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Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.
Alisa Yakhontova

Quellen und redaktionelle Hinweise

Mantramahodadhi, Mahīdhara, Sanskrit-Grundtext mit dem eigenen Kommentar Naukā; verwendete Projektfassung Mantramahodadhi Sanskrit IAST. 22.145–152: Die zusammenhängende Rezitation umfasst 22.146–149 und 22.150a. Im großen Ritual steht sie nach den äußeren Ehrengaben. Hier wird sie als eigener meditativer Baustein mit kurzem Anfang und Abschluss ausgearbeitet. Die zwölf Wiederholungen, die rein geistige statt wässrige Japa-Übergabe und die Alltagsanwendung sind ausdrücklich redaktionell. Die neun Lotusse werden mangels einer hier ausgeschriebenen Zuordnung nicht zu neun bestimmten Körperzentren umgedeutet.

Brihat Tantrasara, Kṛṣṇānanda Āgamavāgīśa; verwendete IAST-Projektfassung Brihat Tantrasara Sanskrit 1, nach der elektronischen Textgrundlage M00013 (Druck Calcutta 1896). Die Versnummern der Gottheitenabschnitte sind lokale Nummern. Abschnitt „atha vāsudevamantraḥ“, Vers 1, für den Mula-Mantra.