Dadhivamana Nyasa und Japa der nährenden Gegenwart

Aus Yogawiki

Dadhivamana Nyasa und Japa der nährenden Gegenwart verehrt Vishnu in der hellen, nährenden Gestalt Dadhivamanas. Wasser und Joghurtreis erscheinen in seinen Händen als Zeichen fürsorglicher Gegenwart. Der ruhige Vollzug lässt Dankbarkeit für Nahrung und Versorgung in den Mittelpunkt treten.

Der Lotus dient als Bild reiner Gegenwart; die Dadhivamana-Betrachtung verbindet sie mit nährender Fülle.

Umfang der Anleitung: Redaktionell abgegrenzte Sitzung aus Hand- und Körper-Nyasa, Dhyana, innerer Verehrung und Japa. Sie beschreibt keine vollständige äußere Puja und keine Purashcharana.

Anlass, Voraussetzungen und Material

Für Puja- und Sanskrit-Kundige, die in die Praxis dieses Mantras und der genannten Nyasas unterwiesen sind. Diksha und bestehende Gelübde richten sich nach der eigenen Überlieferung; der Artikel erteilt keine Einweihung. Bereitlegen: gereinigter Sitz und Mala oder andere Zählhilfe; ein Bild von Vamana ist hilfreich, aber nicht notwendig. Wähle eine ruhige Tageszeit, die zu deiner überlieferten Praxisordnung passt. Die angegebenen Wirkziele sind traditionelle spirituelle Anliegen, keine garantierten äußeren Resultate.

1. Vorbereitung und Entschluss

Wasche Hände und Gesicht beziehungsweise beginne nach deiner täglichen Körperreinigung. Sitze aufrecht, bequem und mit freiem Atem. Lege die Zählhilfe bereit und fasse still den Entschluss: „Ich widme diese Sitzung der Verehrung und der Sammlung des Geistes.“ Äußere Pujageräte sind für diese Sitzfolge nicht nötig.

2. Der Mantra und seine Bedeutung

Lies zunächst den vollständigen Mantra; genau diese Fassung wird später wiederholt:

oṃ namo viṣṇave surapataye mahābalāya svāhā

Om. Verehrung Vishnu, dem Herrn der Götter, dem von großer Kraft. Svaha – diese Darbringung gelte ihm.

3. Seher, Versmaß und Gottheit einsetzen

Berühre jeweils die angegebene Stelle und sprich die zugehörige Formel einmal. Die Dativformen sind nach den Zuordnungen des Quellabschnitts ausgeschrieben.

Berührung Vollständige Formel Bedeutung
Scheitel indave ṛṣaye namaḥ Verehrung Indu, dem Mond, dem Seher dieses Mantras.
Mundbereich virāṭchandase namaḥ Verehrung dem Versmaß Viraj.
Herzraum dadhivāmanāya devatāyai namaḥ Verehrung Dadhivamana, der Gottheit dieses Mantras.

4. Nyasa ausführen

Handweihung

Führe jede Tabellenzeile an beiden Händen aus und sprich die zugehörige Formel einmal für das Fingerpaar. Berühre zuerst die beiden Daumen jeweils mit dem Zeigefinger derselben Hand. Bei den folgenden vier Fingerpaaren berührt der Daumen jeweils den genannten Finger derselben Hand. Die Bewegungen können an beiden Händen gleichzeitig erfolgen. Bei der letzten Zeile berühre nacheinander die linke Handfläche und den linken Handrücken mit der rechten Hand sowie die rechte Handfläche und den rechten Handrücken mit der linken Hand; die ganze Formel wird dabei insgesamt einmal gesprochen. Diese Handhabung konkretisiert die überlieferten Fingerzuordnungen.

Handlung Formel Sinn und rituelle Funktion
Daumen oṃ aṅguṣṭhābhyāṃ namaḥ Om; Verehrung.
Zeigefinger namas tarjanībhyāṃ svāhā Verehrung; Darbringung.
Mittelfinger viṣṇave madhyamābhyāṃ vaṣaṭ Vishnu; Bekräftigung.
Ringfinger surapataye anāmikābhyāṃ huṃ Dem Herrn der Götter; Schutz.
Kleine Finger mahābalāya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ Dem von großer Kraft; Bekräftigung.
Handflächen und Handrücken svāhā karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ Darbringung; Schutzabschluss.

Körperweihung

Führe die Zeilen der Reihe nach aus und sprich jede Formel einmal. Berühre Herzraum, Scheitel und Shikha-Stelle jeweils mit den Fingerspitzen der rechten Hand. Beim Kavacha kreuze die Arme so, dass jede Hand die gegenüberliegende Schulter berührt. Bei der Schutzgeste genügt eine ruhige, nach außen gerichtete Handbewegung; diese praktische Ausführung wird redaktionell festgelegt. Berühre bei der Augenzeile nacheinander die geschlossenen Lider und den Punkt zwischen den Brauen nur leicht; sprich die Formel einmal für alle drei Stellen. Bijas und Abschlusslaute werden nicht mit erfundenen deutschen Wortbedeutungen versehen.

Handlung Vollständige Formel Bedeutung beziehungsweise Funktion
Herzraum oṃ hṛdayāya namaḥ Om; dem Herzen Verehrung.
Scheitel namaḥ śirase svāhā Verehrung; dem Haupt: Svaha, Darbringung.
Hinterer Scheitel beziehungsweise Shikha-Stelle viṣṇave śikhāyai vaṣaṭ Vishnu; der Shikha: Vashat, Bekräftigung.
Beide Schultern: Arme vor der Brust kreuzen surapataye kavacāya huṃ Dem Herrn der Götter; der schützenden Hülle: Hum.
Rechtes Auge, linkes Auge und Punkt zwischen den Brauen sanft berühren mahābalāya netratrayāya vauṣaṭ Dem von großer Kraft; den drei Augen: Vaushat, Bekräftigung.
Mit einer nach außen gerichteten Handbewegung den Raum um dich als geschützt vergegenwärtigen svāhā astrāya phaṭ Darbringung; der rituellen Schutzkraft: Phat.

Yoga-Vidya-Video zur Puja als Hintergrund der inneren Darbringung.

5. Die göttliche Gestalt betrachten

Sprich den folgenden Dhyana-Vers einmal und lass danach sein Bild im Geist entstehen:

muktāgauraṃ navamaṇilasadbhūṣaṇaṃ candrasaṃsthaṃ |
bhṛṅgākārair alakanivahaiḥ śobhivaktrāravindam |
hastābjābhyāṃ kanakakalasaṃ śuddhatoyābhipūrṇaṃ |
dadhyannāḍhyaṃ kanakacaṣakaṃ dhārayantaṃ bhajāmaḥ ||

Wir verehren den perlweißen, auf dem Mondbereich ruhenden Gott, dessen Schmuck von neuen Edelsteinen leuchtet. Dunkle Locken wie Bienenschwärme schmücken sein Lotusantlitz. In seinen lotushaften Händen hält er einen goldenen Krug voll reinen Wassers und eine goldene Schale mit Joghurtreis.

Verweile einen Moment bei der Gestalt. Stelle dir sodann, ohne weitere gesprochene Formel, fünf Gaben vor: reinen Duft, eine Blüte, duftendes Räucherwerk, eine helle Lampe und eine saubere vegetarische Speise. Biete sie der Gottheit nacheinander im Geist dar. Diese einfache Fünferfolge konkretisiert die im Text genannte geistige Verehrung; die vorliegende Sitzfolge fügt dafür keine fremden Bija-Mantras ein.

6. Japa

Rezitiere 108-mal die ganze Formel:

oṃ namo viṣṇave surapataye mahābalāya svāhā

Om. Verehrung Vishnu, dem Herrn der Götter, dem von großer Kraft. Svaha – diese Darbringung gelte ihm.

Jede vollständig gesprochene oder gedachte Formel zählt als eine Wiederholung. Lass Klang und Bedeutung zusammenwirken. Bei einer Mala gehe nach jeder Wiederholung eine Perle weiter. Bei einer Mala mit 108 Zählperlen und zusätzlicher Guru- beziehungsweise Meru-Perle zählt die Markierungsperle nicht mit. Muss die Sitzung kurz unterbrochen werden, notiere den Stand, sammle dich erneut und fahre von dort fort. Diese organisatorische Hilfe begründet keine zusätzliche Ritualpflicht.

Die gewählten 108 Wiederholungen folgen dem allgemeinen inneren Japa in Mantramahodadhi 21.169. Ihre Verbindung mit diesem besonderen Mantra ist eine redaktionelle Sitzungsform.

7. Die Rezitation darbringen

Vergegenwärtige ihre Frucht als lichte Gabe in der rechten Hand der Gottheit. Diese Sitzung vollzieht die Übergabe rein geistig. Sprich:

guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me deva tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||

Du bist der Hüter des Geheimsten. Nimm die von uns vollzogene Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden: das Ruhen in dir.

Lege die Hände vor dem Herzen zusammen, neige den Kopf und verweile kurz still. Lass das äußere Vorstellungsbild in der Gegenwart des Herzens ruhen. Öffne die Augen und beende die Sitzung. Es wurde keine dauerhafte Bild- oder Tempelweihe durchgeführt.

Verhältnis zur umfangreichen Sadhana

Die Quelle nennt im vollen Aufbau zusätzlich einen Silben-Körper-Nyasa, Murtipanjara, den Mond-Pitha und äußere Avaranas. Die vorliegende Sitzfolge führt gezielt den Kara-/Anga-Nyasa aus. Die volle Purashcharana umfasst 300.000 Japa und Homa; die 108er-Sitzung wird nicht als Ersatz dafür bezeichnet.

Siehe auch

Seminare

Hinduistische Rituale

08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts

Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…
Sukadev Bretz
08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts

Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…

Bhakti Yoga

03.11.2026 - 03.11.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita

Herzöffnung pur
21:10 - 22:00 Uhr
Gruppe Mudita
06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar

Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.
Alisa Yakhontova

Quellen und redaktionelle Hinweise

Brihat Tantrasara, Kṛṣṇānanda Āgamavāgīśa; verwendete IAST-Projektfassung Brihat Tantrasara Sanskrit 1, nach der elektronischen Textgrundlage M00013 (Druck Calcutta 1896). Die Versnummern der Gottheitenabschnitte sind lokale Nummern. Abschnitt „atha dadhivāmanamantraḥ“, lokale Verse 10–16. Mula-Mantra und sechs Kara-/Anga-Gruppen: 10 und 12; Zuordnungen: 11; Dhyana: 14. „ṭhadvayam“ wird als ausdrücklich gängige Chiffre des hier auch ausgeschriebenen Abschlusses svāhā aufgelöst. „caṣakaṃ“ berichtigt lediglich den im Digitaltext fehlenden Anusvara am Akkusativ, in Übereinstimmung mit dem parallel gebauten kalasaṃ.

Der Sitzungsrahmen verbindet den genannten besonderen Mantra-Abschnitt mit der allgemeinen inneren Verehrung und Japa-Anleitung in Mantramahodadhi 21.166–170 und dem Darbringungsgebet 22.152. Die geistigen fünf Gaben konkretisieren den allgemeinen Auftrag „mānasaiḥ sampūjya“ beziehungsweise die geistige Verehrung. Die Zuordnungen und Lautgruppen des ausgewählten Nyasa sind vollständig ausgeschrieben; zusätzliche Nyasa-Systeme, die der große Puja-Kontext voraussetzt, werden hier nicht als vollzogen behauptet. Praktische Berührungs- und Zählhinweise sind redaktionell.