Kali Krim Nyasa und Japa

Aus Yogawiki
Version vom 6. Oktober 2026, 04:42 Uhr von Yoga Vidya (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „'''Kali Krim Nyasa und Japa''' vereint den einsilbigen Kali-Mantra mit einem sechsgliedrigen Körper-Nyasa. Das Meditationsbild der Quelle stellt Kali zugleich furchterregend, segnend und furchtlos machend dar. thumb|Kali und Shiva: göttliche Kraft und unveränderliches Bewusstsein. '''Umfang:''' Dhyana, sechs vollständig ausgeschriebene Nyasa-Formeln, 108 Mantrawiederholungen und Darbringung. == Anlass und s…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Kali Krim Nyasa und Japa vereint den einsilbigen Kali-Mantra mit einem sechsgliedrigen Körper-Nyasa. Das Meditationsbild der Quelle stellt Kali zugleich furchterregend, segnend und furchtlos machend dar.

Kali und Shiva: göttliche Kraft und unveränderliches Bewusstsein.

Umfang: Dhyana, sechs vollständig ausgeschriebene Nyasa-Formeln, 108 Mantrawiederholungen und Darbringung.

Anlass und spirituelle Ausrichtung

Die Praxis richtet die Hinwendung zur Göttin auch auf das, was sich der alltäglichen Kontrolle entzieht. Ihre herbe Bildsprache soll nicht verschönert werden: Vergänglichkeit, Tod und die Kraft der Befreiung gehören zu diesem Dhyana.

Voraussetzungen und Material

Für Praktizierende mit Unterweisung in diesen Mantra und den zugehörigen Nyasa. Die eigene Diksha und die Hinweise des Guru bilden den persönlichen Praxisrahmen.

Ein sauberer Sitz und eine Mala oder andere Zählhilfe genügen. Ein Gottheitsbild kann die Sammlung unterstützen. Plane etwa 15 bis 25 Minuten ein.

Verwandte Ritualanleitungen sind Kali Puja und Devi Puja.

1. Den Sitz und die innere Ausrichtung vorbereiten

Wasche die Hände, lege die Zählhilfe bereit und setze dich aufrecht und bequem. Vergegenwärtige Kali. Widme die Sitzung der Hingabe und geistigen Sammlung. Ein persönliches Anliegen kann still in eigenen Worten benannt werden; dafür wird kein neues Sanskritmantra benötigt.

2. Den Körper durch Nyasa weihen

Weihe den Körper als Ort der göttlichen Gegenwart. Sprich bei jeder Berührung die gesamte Formel einmal. Die Körperorte werden behutsam berührt; der Atem fließt frei. Die letzte Handbewegung ist die hier gewählte schlichte Ausführung des Astra-Abschlusses.

Handlung Vollständige Rezitation und deutsche Bedeutung
Berühre mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand die Brustmitte. oṃ krāṃ hṛdayāya namaḥ
Om und die Krim-Bija-Form Krām. Dem Herzen: Verehrung.
Berühre mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand den obersten Punkt des Kopfes. oṃ krīṃ śirase svāhā
Om und die Krim-Bija-Form Krīm. Dem Haupt: Darbringung.
Berühre mit dem rechten Daumen die Shikha-Stelle am hinteren Scheitel. Eine Haarlocke ist dafür nicht erforderlich. oṃ krūṃ śikhāyai vaṣaṭ
Om und die Krim-Bija-Form Krūm. Der Shikha: Weihe und Bekräftigung.
Kreuze die Arme vor der Brust und lege die Hände auf die jeweils gegenüberliegende Schulter. oṃ kraiṃ kavacāya huṃ
Om und die Krim-Bija-Form Kraim. Der schützenden Hülle: Schutzbekräftigung.
Halte Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand gespreizt vor Augen und Stirnmitte. Berühre die Augen nicht. oṃ krauṃ netratrayāya vauṣaṭ
Om und die Krim-Bija-Form Kraum. Den drei Augen: Weihe und Bekräftigung.
Führe die rechte Hand vor der Brust ruhig nach rechts außen. Diese vereinfachte Abschlussgeste begleitet die Vorstellung eines schützenden Kreises. oṃ kraḥ astrāya phaṭ
Om und die Krim-Bija-Form Krah. Der Schutzwaffe: rituelle Abgrenzung.

Mit dem Nyasa wird die Verehrung körperlich gegenwärtig: Herz, Denken, Wahrnehmung und Handeln werden dem Göttlichen gewidmet.

3. Die göttliche Gegenwart betrachten

Sprich den folgenden Dhyana einmal vollständig und betrachte anschließend die beschriebene Gestalt still.

śavārūḍhāṃ mahābhīmāṃ ghoradaṃṣṭrāṃ varapradām |
hāsyayuktāṃ trinetrāṃ ca kapālakartṛkākarām |
muktakeśīṃ lalajjihvāṃ pibantīṃ rudhiraṃ muhuḥ |
caturbāhuyutāṃ devīṃ varābhayakarāṃ smaret ||

Man vergegenwärtige die Göttin, die auf einem Leichnam steht: gewaltig und furchterregend, mit schrecklichen Fangzähnen, segnend, lachend und dreiäugig. Sie trägt Schädelschale und Schneidmesser, hat gelöstes Haar und eine herabhängende Zunge und trinkt immer wieder Blut. Die vierarmige Göttin zeigt zugleich die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit.

Yoga-Vidya-Vortrag über Mantra Chaitanya. Das Video vertieft die Haltung der Praxis; die konkrete Ritualfolge steht in dieser Anleitung.

4. Den Mantra wiederholen

Sprich die folgende Formel 108-mal leise oder im Geist. Eine vollständig rezitierte Formel zählt als eine Wiederholung. Verwende eine Mala oder eine andere Zählhilfe; eine Meru-Perle wird nicht mitgezählt.

krīṃ

Krim ist das Bija Kalis. Es hat keine wörtliche Satzübersetzung und wird als konzentrierte Klangform der Göttin rezitiert.

Atme natürlich. Wenn Gedanken abschweifen, kehre freundlich zum Klang zurück. Halte zwischen zwei Wiederholungen nur so viel Abstand, dass die einzelnen Laute klar bleiben. Nach der letzten Rezitation ruhe einige Atemzüge in der Stille.

5. Die Rezitation darbringen

Vergegenwärtige die Frucht deiner Rezitation als Gabe in der linken Hand der Göttin. Diese Darbringung geschieht hier in der Vorstellung; es wird kein zusätzliches Wasser benötigt. Falte deine Hände und sprich einmal:

guhyātiguhyagoptrī tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me devi tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||

Du bist die Hüterin des Geheimsten. Nimm unsere Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden: das Ruhen in dir.

Neige den Kopf. Lass das betrachtete Bild im Herzen zur Ruhe kommen und bleibe etwa eine Minute still. Öffne dann die Augen und beende die Sitzung bewusst.

Die Praxis im Alltag vertiefen

Lass den Schluss der Sitzung ruhig ausklingen. Kehre von den intensiven Bildern zur unmittelbaren Wahrnehmung des Raumes zurück und bewahre die Erinnerung an Kalis Segens- und Furchtlosigkeitsgeste.

Siehe auch

Quellen und redaktionelle Hinweise

Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha, Sanskrit-IAST-Projektfassung nach dem elektronischen Text M00013 auf Grundlage des Drucks Calcutta 1896. Die Verszählung beginnt in den einzelnen Abschnitten neu. Teil 1, Kali-/Shyama-Abschnitt, Verse 43–48. Vers 43 beschreibt das einsilbige Krim; 45–46 geben das vorangestellte Om ausschließlich für die hier ausgeschriebenen Nyasa-Formeln an. Das Japa-Bija bleibt krīṃ ohne zusätzliches Om. Der Dhyana ist vollständig Vers 47; seine furchterregenden Attribute werden nicht in eine ausschließlich friedliche Gestalt umgeschrieben. Die Bildsprache ist eine innere Gottheitsvisualisation und enthält keine äußere Blutgabe. Die Fingerzuordnung folgt den allgemeinen Nyasa-Regeln im Brihat Tantrasara, allgemeine Puja-Paddhati, Verse 74–78. Die im Ablauf beschriebene Astra-Handbewegung ist eine vereinfachte praktische Ausführung.

Die 108 Wiederholungen und der überschaubare Sitzungsrahmen sind eine redaktionelle Praxisanordnung. Der allgemeine Japa-Rahmen ist im Mantramahodadhi 21.166–170 beschrieben; das Darbringungsgebet steht in 22.152. Die dort in 22.151 mit Wasser vollzogene Darbringung wird hier als innere Geste ausgeführt. Für Göttinnen werden goptā und deva zu goptrī und devi angepasst, wie im Brihat Tantrasara, allgemeine Puja-Paddhati, Vers 6, angegeben. Der übrige Wortlaut folgt Mantramahodadhi 22.152. Die Anleitung bietet eine begrenzte innere Sitzung, keine vollständige Purashcharana oder äußere Avarana-Puja.

Seminare

Hinduistische Rituale

08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts

Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…
Sukadev Bretz
08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts

Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…

Bhakti Yoga

06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar

Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.
Alisa Yakhontova
08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts

Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…
Sukadev Bretz