Paushkara Samhita 108 Inspirierende Verse und Mantras

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Paushkara Samhita – 108 inspirierende Verse und Mantras lädt dazu ein, Hingabe, Mantra und Erkenntnis als miteinander verbundene Wege zu betrachten. Die Paushkara Samhita gehört zum Pāñcarātra und verehrt Vishnu als höchsten Herrn. Ihr Sanskrittitel lautet Pauṣkarasaṃhitā (पौष्करसंहिता), auch Paushkara Samhita geschrieben.

Bhakti verbindet die Sammlung des Herzens mit einem verantwortlichen Leben.

Die Auswahl umfasst genau 108 verschiedene Originalverse aus den Kapiteln 1, 8, 31, 33, 38 und 41. Sie führt vom mitfühlenden Guru über die innere Ausrichtung der Verehrung zur Vielgestaltigkeit des Mantras und zu einer vom Göttlichen erfüllten Lebensordnung. Die Verse stehen in zusammenhängenden Gruppen: Manche Sanskritsätze erstrecken sich über mehrere Verse und sollen auch hier gemeinsam gelesen werden.

Die Nummern 1–108 dienen der Lektüre; die Originalstellen stehen gesammelt in der Konkordanz. Den Sanskrittext bieten Paushkara Samhita Sanskrit IAST sowie Paushkara Samhita Sanskrit Devanagari (Kapitel 1–32) und Paushkara Samhita Sanskrit Devanagari Teil 2 (Kapitel 33–43). Die Erläuterungen und Praxisanregungen sind von den übersetzten Versen getrennt.

108 Verse zur Betrachtung

Guru, Hingabe und der Weg zur Befreiung

Diese Verse beschreiben den Guru als einen Helfenden. Die Einweihungsstufen und die Weitergabe der Selbsterkenntnis gehören in den traditionellen Zusammenhang des Kapitels.

1. Wer sich vier Jahre lang dieser Verehrung widmet, gelangt, o Brahmā, über das schwer zu überquerende Meer des Samsara an das andere Ufer.

2. Selbst wenn er nur die eine große Verehrung des neunnabeligen Mandalas vollzieht: Diese [Verehrungsformen] sind als Leuchten der Erkenntnis in der Wildnis des Samsara eingerichtet.

3. Die verschiedenen Verehrungsformen sind stets für Hingebungsvolle bestimmt, die sich beherrschen, die vertrauen und sich gläubig der Selbstdisziplin widmen, o Brahmane.

4. Das Meer des Werdens ist ohne die Verehrung durch andere Mittel schwer zu überqueren. Man soll [den Schüler] in das Boot der Verehrung aufnehmen; sein Ziel ist das andere Ufer.

5. Wer als Wissender, von höchstem Mitgefühl erfüllt, einen anderen sicher hinüberführt, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, der wird Guru genannt.

6. Wer erkennt, dass ein Hingebungsvoller ohne Zuflucht im Meer des Kummers versunken ist, und ihn mit der helfenden Hand der Verehrung heraushebt, der ist ein Guru und gilt als mir gleich.

7. Darum soll man den Schüler als hingebungsvoll und mit vielen guten Eigenschaften ausgestattet erkennen: auf das Göttliche ausgerichtet, beständig verbunden und mit einem von Zweifeln freien Geist.

8. Er kann Brahmane, Kshatriya, Vaishya oder Shudra sein und in seiner jeweiligen Lebensstellung stehen; er kann als Brahmachari oder Haushälter seine vorgeschriebenen Aufgaben erfüllt haben.

9. Er kann Waldeinsiedler oder von Almosen lebender Entsagter sein, oder eine Frau mit klarer Unterscheidungskraft: standhaft, rein, zufrieden und nach der Schau der Wirklichkeit verlangend.

10. [Zu erkennen ist] das im Herzen weilende, alles durchdringende [Göttliche], das im Spiegel der Erkenntnis gegenwärtig ist: Es lässt alles erscheinen und ist selbst keine begrenzte Erscheinung; sein Wesen ist Bewusstsein und immerwährende Glückseligkeit.

11. Nachdem du erkannt hast, was zur Vollendung führt, und das Wesen der Erkenntnis erwogen hast, sollst du dich stets derjenigen annehmen, die sich vor dem Samsara fürchten.

12. Nach sorgfältiger Prüfung sollst du sie mit der höchsten Wirklichkeit verbinden. Nachdem die Selbsterkenntnis in einem geeigneten Empfänger gegründet ist, mag man den Körper ablegen.

13. Denn so geht das höchste, reinigende Wissen nicht verloren: Es ist der Same der Welt und lässt [den Samen weiterer Bindung] nicht entstehen; es vertreibt die Dunkelheit der Unwissenheit.

14. Wisse, mein Lieber: Für Menschen geht der Frucht der feste Entschluss voraus, und dieser besitzt besondere Kraft. Auch bei dem, der das Werk noch nicht vollendet hat, [wirkt] der Entschluss zur Ausführung der Handlung.

15. Eben damit hat er die ewige, unvergängliche Stätte erreicht. Es gibt den bereits Vollendeten, den zur Vollendung Gelangenden und als dritten den, der den Aufstieg beginnen will.

Göttliche Gegenwart und das Rad des Werdens

Der Radlotus verbindet göttliche Wirkkraft, Weltentfaltung und den Weg der Befreiung. Sudarshana ist hier mehr als ein äußerer Gegenstand der Verehrung.

16. Die Wege der Befreiung werden aus dem Wunsch nach dem Wohl der Welten eröffnet. Sie führen die Wesen über das furchtbare Meer des Werdens.

17. Den Hingebungsvollen, die Zuflucht genommen haben, sich auf das Reine stützen und beständig den guten Weg gehen, erweisen sie stets Gnade.

18. Sie sind meine Anteile in Gestalt von Kräften und besitzen die Entfaltung der sechs göttlichen Eigenschaften. Wer bei ihnen Zuflucht sucht, verehrt sie und gelangt zum Sieg.

19. Laut preisend, sich verneigend und meditierend erinnern sie sich stets an sie. In den Lotusinneren der Kreise verehrt, gewähren diese [göttlichen Gestalten] das Ersehnte.

20. Daher ist das Rad als „schwer zu schauen“ bekannt, o Zweimalgeborener. Den hingebungsvoll sich Verneigenden aber ist es stets leicht zugänglich.

21. Weil es ihnen seinen Anblick gewährt, heißt es Sudarshana, „das gut zu Schauende“. Vom siebten unterirdischen Bereich bis hinauf zur Welt der Wahrheit …

22. … trägt es als Verkörperung göttlicher Wirkkraft alles und bewirkt stets Entstehung und Auflösung. In ihm kreist der Samsara mit Göttern, Asuras und Menschen.

23. Diejenigen, die das Selbst nicht erkannt haben, lässt es beständig umherkreisen. Deshalb nennen die Götter und andere es das Rad des Samsara.

24. Am Ende eines Weltalters löst es im Laufe der Zeit durch die von mir bestimmte Glut die gesamte Schar der Wesen auf, o bester Zweimalgeborener.

Aufrichtigkeit, Darbringung und das Herz

Die folgenden Verse verbinden Prozession und Verehrung mit Aufmerksamkeit, Freigebigkeit und innerer Wahrhaftigkeit. Die Aussagen über das Umschreiten beziehen sich auf die Verehrung des Herrn.

25. Man entzünde wohlriechenden Weihrauch und gesondert Guggulu; so führe man den Wagen im Umzug und verteile Vermögen an Bedürftige.

26. Dann umschreite man ihn rechtsherum und verneige sich vierfach vor Purushottama, voller Hingabe mit dem ganzen Körper lang ausgestreckt auf der Erde.

27. Ob er auf dem Wagen oder im Tempel weilt: Man preise ihn im Geist, wiederhole sein Mantra und streue Ehrengaben, Blumen, gerösteten Reis, Senfkörner und Früchte.

28. Wie man den Gott in einer Richtung geschaut hat, so vergegenwärtige man ihn in allen Richtungen. Man umschreite das ganze Heiligtum, wodurch ich meine Gegenwart darin festige.

29. In der Hingabe seiner Verehrer ist der erhabene Herr durch Richtung, Zeit und dergleichen nicht beschränkt. Diese Umschreitung nach rechts ist allen verkörperten Wesen gemeinsam zugänglich.

30. Wer die Verehrung vollzogen hat, verneige sich in höchster Hingabe vor Adhokshaja. Mit ehrfürchtigen Niederwerfungen verbunden soll er ihn durch rechtsläufiges Umschreiten verehren.

31. Der Herr gewährt dem Hingebungsvollen, der seine Füße verehrt, die Frucht des Besuchs aller heiligen Stätten und der Pilgerschaft zu allen heiligen Badeplätzen.

32. Wer die Gestalt Haris, dessen Wesen Mantra ist, rechtsherum umschritten hat, wird von den aus dem Werden entspringenden Verfehlungen verlassen, als hätten auch diese ihn umschritten.

33. Für Hingebungsvolle mit geläutertem Inneren, die in den Dienst des Herrn eingeweiht sind, ist dies ein vorzügliches Tun auf dem glückverheißenden Weg.

34. Weil die Umschreitung einer Sphäre der Erkenntnis gleicht und sich wie ein Rad dreht, gewährt sie stets Heil und vermindert die Anhäufung der leidbringenden Kräfte.

35. Wer dabei Vergnügungen und Spiele betreibt, zornigen Sinnes oder von Eile ergriffen ist, erlangt durch dieses Umhergehen nicht die ersehnte heilsame Frucht.

36. Darum soll derjenige, der Heil ersehnt, dies stets mit ungeteilter Aufmerksamkeit und mit ganz auf ihn gerichtetem Inneren tun – ob der Herr im Haus, Tempel oder auf dem Wagen weilt.

37. Denn es gewährt reiche Frucht bei geringer Mühsal, o großer Weiser: an einem einzigen Bild [vollzogen], ist es unermesslich und führt zur großen, höchsten Befreiung.

38. O anfangloser Gott, Herr über alles! Mögen die Menschen durch dieses Werk einen in jeder Hinsicht glückverheißenden Weg erlangen, und mögest du höchste Freude daran finden.

39. Dadurch erlangen die nach guten Früchten Strebenden die Erfüllung ihrer Wünsche; die Wunschlosen hingegen werden dadurch mit dem höchsten Selbst verbunden.

40. Yakschweifwedel, Fächer und andere Darbringungen, Gegenstände zum Ruhen und Sitzen sowie Saiteninstrumente …

41. … große Trommeln, Mridangas und die weiteren [Musikinstrumente]: Man prüfe sie mit dem eigenen Verständnis als Gaben, die das Herz erfreuen.

42. Wenn möglich, bringe man sie alle dar; wenn dies nicht möglich ist, im Geist. So verehre man voller Vertrauen und Hingabe mit den [auch] von Göttern geehrten Gaben.

43. Nachdem er dort Erkenntnis erlangt hat oder wieder auf die Erde herabgestiegen ist, geht er sogleich in dem erhabenen Herrn auf, dessen Wesen unermesslich ist.

44. Die Verehrung Achyutas an heiligen Stätten, Tempeln und heiligen Badeplätzen ist hier in einigen Grundzügen erklärt worden, damit für die Hingebungsvollen das Werden zur Ruhe kommt.

45. An heiligen Tagen soll man ihn mit reichlichen, reinen Gaben verehren, die auf rechtmäßige Weise erworben wurden, voller Vertrauen und Hingabe.

46. Mit Mantrawiederholung, Feueropfer, Verehrung, Meditation, Verneigungen und rechtsläufigem Umschreiten sowie heiligen Erzählungen und Lobgesängen soll man [die Zeit] unermüdlich verbringen.

47. Für diejenigen, die ihr Gelübde voller Hingabe, ohne Verstellung und Täuschung übernommen haben, gilt die erlaubte Ersatzform als dem eigentlichen Vollzug gleichwertig.

48. Denn Hari, der Gott und Herr über alles, wohnt im Herzen eines jeden. Er kennt die innere Gesinnung wahrhaftig und gewährt die ihr entsprechende Frucht.

Mantra, Bewusstsein und Erkenntnis

Die Vielfalt der Mantras wird aus der Einheit des göttlichen Herrn verstanden. Die betreffenden Yoga- und Nyasa-Verfahren gehören zur Einweihungsüberlieferung; die Verse sind eine Einladung zum Verständnis, keine vollständige Übungsanleitung.

Dhruva vor Vishnu: eine traditionelle Darstellung hingebungsvoller Gottesverehrung.

49. Durch die Erkenntnis der Gestalten des höchsten Herrn [wird er zugänglich]: der Anfanglose, Endlose und Unbegrenzte, der sich den handelnden Menschen zur Erkenntnis darbietet.

50. Um ihre Errettung zu ermöglichen, ist er selbst in die Entfaltungen eingegangen: neunfach in der Viergestaltigkeit, die als Lebenskraft, Wille, Klang und Zeit bezeichnet wird.

51. Der große Gott bleibt seinem Wesen nach ungeschieden; alle seine Kräfte sind ihm immer gegenwärtig, und er ist immerdar offenbar.

52. Durch die Besonderheiten von Klang, Erkenntnis, Entstehung und Glückseligkeit wird er zugänglich. Diesen Yoga habe ich zur Stillung des Werdens für die dem Werden unterworfenen Wesen gelehrt.

53. Aus seinem Willen geht das Maya-Rad des Samsara hervor, in dem Seher, Götter und Menschen der Verblendung unterliegen …

54. … solange ihnen nicht von dem höchsten, viergestaltigen Herrn Gnade erwiesen wird, der die sechs göttlichen Eigenschaften verkörpert und in der Person des Lehrers gegenwärtig ist.

55. Bei seiner Verehrung, sei es äußerlich oder im inneren Raum des Herzens, vergegenwärtige man sich seine Entfaltung wie eine Kadamba-Blüte, strahlend in den sechs göttlichen Eigenschaften.

56. Die höchste Natur ist die Sprache: rein, erhaben und von der Gestalt des Bewusstseins. Sie wird vom großen, ungeteilten Selbst als ihrem Lenker erfüllt …

57. … wie ein Körper von der lebendigen Seele. Diese unterscheidet sich vom Groben und Feinen: Grob ist der aus Elementen bestehende Körper, fein das sogenannte achtgliedrige Gefüge.

58. Wie das im Körper befindliche Selbst die aus Sinnesgegenständen entstehende Erfahrung genießt, so nimmt der Herr, in seiner vollständigen Offenbarung gegenwärtig, [die Darbringungen] an.

59. Den Herrn der Mantras, der in der Gestalt gegenwärtig ist, soll man mit seinem eigenen Mantra und auf jede Weise verehren: mit Gaben, Mantrawiederholungen, Lobgesängen und verschiedenen Feuerdarbringungen …

60. … mit Geschenken und besonderen Verehrungen bis hin zur Sättigung der Ahnen. Durch die jeweils entsprechenden Vollzüge soll man ihm unvergleichliche Freude bereiten.

61. Die höchste mantrische Natur nimmt, weil sie alle Gestalten umfasst, die Vielheit der Namen und Laute und ebenso die Vielheit der Gestalten an.

62. Darum ist nicht vorgeschrieben, jedem anderen Mantra mit seinen einzelnen Lauten ebenso wie dem Grundmantra gesondert eine eigene Gestalt zu geben.

63. Manche Herren der Mantras gehen aus dem Ursprung hervor und besitzen die Eigenschaften von Offenbarung und Kraft; andere erhalten nach seinem Willen eine gesonderte Erscheinungsform.

64. Der eine, unendliche Herr über alles nimmt aus Mitgefühl mit den lebenden Wesen aus freiem Willen in vielerlei Mantragestalten Wohnung.

65. Ebenso ist die Natur eine und zugleich vielfältig: Nach dem Willen des Herrn der Welt ist sie für die in ihr gegenwärtigen großen Wesen vielfältig angeordnet.

66. Die höchste mantrische Natur, die als Vasudeva bezeichnet wird, verkörpert die sechs göttlichen Eigenschaften und besitzt sämtliche Kräfte, Wirklichkeitsprinzipien und Qualitäten.

67. Sie ist selbst von der Natur der Glückseligkeit und wird zur Hülle in ihrer eigenen feinen Mantragestalt, deren einziges Wesen Licht ist.

68. Durch Mantrawiederholung, beständiges Erinnern und die Verehrung dessen, der in seiner eigenen Offenbarung gegenwärtig ist, erreicht der ihm Gelobte das höchste Friedvolle, das von ihm nicht verschieden ist.

69. Zur Offenbarung seiner Mantra-Kraftentfaltungen, deren Wesen reines Bewusstsein ist und die Erkenntnis und die übrigen Eigenschaften besitzen, [handelt] der höchste Herr …

70. … indem er aus freiem Willen seine noch unoffenbare Klangkraft offenbar macht, o Lotusgeborener; in ihr [erscheint] sein aus Mantra bestehender Leib.

71. Mit diesen als allwissend und mit den genannten Eigenschaften beschriebenen Mantras nehmen sie eine feste Gegenwart an, um den dem Werden unterworfenen Wesen Gnade zu erweisen.

72. Diese Mantras besitzen einen Klangkörper und haben die geistige Vergegenwärtigung zum Wesen. Ohne von ihrer eigenen Gestalt abzufallen, gehen sie in die Vielfalt ein.

73. Sie sind vielfältig entsprechend den verschiedenen Formen, den verschiedenen Wesen, deren Vertrauen und Hingabe und den verschiedenen angestrebten Früchten …

74. … ebenso entsprechend den verschiedenen Herkunftsgruppen, Gegenden und Zeiten, o Brahmā, und den unterschiedlichen Bemühungen der spirituellen Praxis …

75. … zur Selbstverwirklichung der Menschen, die allein der Befreiung hingegeben sind, wie auch zum Wohlergehen derjenigen, deren Geist noch von Sinnesgegenständen in Anspruch genommen wird.

76. Für den Eingeweihten [dient dieser Yoga] der Reinigung aller Wirklichkeitsprinzipien, ihrer unmittelbaren Vergegenwärtigung und, je nach Ausrichtung, verschiedenen Vollendungen …

77. … der Erlangung der Befreiung und dem Zur-Ruhe-Kommen der Verhüllung der Erkenntnis. [Der Übende] verweilt im höchsten Selbst, dessen Wesen reines Bewusstsein ist.

78. Er ist vom höchsten, alldurchdringenden Herrn durchdrungen, dessen Wesen sämtliche Kräfte sind. Das von der Verhüllung Bedeckte soll stets erkannt werden, o Lotusgeborener.

79. Das nicht vermischte, ungezählte und von Hunderten eingeprägter Neigungen erfüllte [Gefüge der Wirklichkeitsprinzipien] wird bei dem, der vom Guru begnadet und ganz dem Mantra hingegeben ist …

80. … vollständig zurückgenommen, nicht anders. Darum soll derjenige, der das Ziel erfasst hat und dem rituellen Weg ergeben ist …

81. … beständig die Wirklichkeitsprinzipien überwinden, um zum eigenen Wesen zu gelangen, nachdem er den Alldurchdringenden, dessen Wesen alle Kräfte sind, verehrt und vergegenwärtigt hat.

82. Nachdem man zuerst die Winde, Prana und die übrigen, gemeistert hat, sitze man in bequemer Haltung und verneige sich im Geist vor den Füßen des Gurus.

83. Man verehre [den Herrn] als alldurchdringend und setze ihn in den gestalteten Körper ein. Dann stütze man sich auf die Einheit mit ihm und ziehe den nach außen gerichteten Geist zurück. [„Zurückziehen“ folgt der verzeichneten Lesart g/gh.]

84. Durch wiederholtes Üben soll man dies zuerst vergegenwärtigen. Danach übe man die Überwindung der Wirklichkeitsprinzipien nach diesem Verfahren, o Zweimalgeborener.

85. Der Zustand des höchsten Selbst, dessen Wesen Klang-Brahman ist, ist von den sechs göttlichen Eigenschaften erfüllt: Es ist gestaltlos und zugleich die Gestalt dessen.

86. Nachdem man über die sechs Eigenschaften hinaus das Klang-Brahman geübt hat, [vergegenwärtige man] jenes Unaussprechliche, Lautlose, Unverhüllte und Tonlose …

87. … das das wahre Brahman bezeichnet, das Unvergängliche jenseits sprachlichen Ausdrucks. Vokale und Konsonanten hingegen bezeichnen die Gestalten aller [Manifestationen].

88. [Der Lautgrund] gewährt sämtliche Vollendungen bis hin zur Befreiung; der Übende wird ihrer teilhaftig. Der Meditierende, der in ihn eingetaucht ist, erlangt das höchste Brahman.

89. Dies wird denen zuteil, die Erkenntnis und Handeln verbunden bleiben, Vertrauen und Selbstbeherrschung pflegen, gläubig sind, ihre Sinne gemeistert haben und wahrhaft hingebungsvoll sind.

90. Wie das Fett in der Milch nicht getrennt von ihr besteht, so erkenne den höchsten Herrn in allen Wirklichkeitsprinzipien.

91. Man übe das Gelehrte in der Versenkung sowohl unter dem Gesichtspunkt der Einheit als auch der Verschiedenheit, wie es zuvor zur Erlangung [des Zieles] erklärt wurde.

92. Durch die Anhaftung daran wächst die Unwissenheit von Augenblick zu Augenblick; durch Erkenntnis löst sie sich auf. Deshalb soll man es beständig …

93. … als etwas zu Überwindendes betrachten. Auch wenn es offensichtlich ein Mittel für besondere Vollendungen ist, bleibt es im Hinblick auf das Gewinnen des Selbst unbeständig.

Verantwortung des Lehrers

Die Befähigung zur Weihe verbindet Kenntnis und praktische Schulung mit Freigebigkeit, Neidlosigkeit und der Abwesenheit von Habgier.

94. Die Handlung, die „Einsetzung“ genannt wird, ist stets eine Gnadenerweisung für beide Seiten, geprägt von Mitgefühl und Hingabe; sie gewährt als Frucht weltliche Erfüllung und Befreiung.

95. Man soll die Einsetzungen stets sorgfältig mit dem Wunsch vollziehen, Gnade zu erweisen – nicht aus bedrängendem Drängen, nicht aus Habgier und nicht aus Überheblichkeit.

96. [Die Weihe vollziehen] Zweimalgeborene, die zuvor ordnungsgemäß eingeweiht wurden, im Dharma der drei Veden stehen, beständiger Verehrung hingegeben und hingebungsvolle Verehrer des Herrn sind …

97. … die durch Konzentration und Meditation das Ziel ihres Handelns erfasst und sich in Mantra, Mandala, Feuergrube, Waffenmantra, Mudra und den übrigen Vollzügen geübt haben …

98. … die in der Durchdringung der sechs Wege gefestigt, freigebig und neidlos sind, die Reihenfolge der Überlieferung bewahren, geschickt sind und ihre eigenen Aufgaben erfüllen …

99. … und die in der Welt für ihren guten Ruf bekannt und von schlechtem Ruf frei sind. Wenn solche [Lehrer] die Einsetzung vollziehen, erlangt auch der Auftraggeber Festigkeit.

Ein heiliger Rhythmus für den Alltag

Die tägliche Ordnung umfasst Verehrung, Studium, Gastfreundschaft und Sammlung im eigenen Herzen. Auch Nahrung erscheint als Gabe, die dem Wohl der Wesen dienen soll.

100. Von der Brahma-Muhurta bis zum Erscheinen der Sonne vollziehe man die Morgenandacht mit Bad, Verehrung, Mantrawiederholung und dem Rezitieren von Lobgesängen.

101. Danach beschaffe man die Mittel und Gaben für die Verehrung. Anschließend vollziehe man das vorgeschriebene Bad nach dem gelehrten, förderlichen Verfahren.

102. Am Abend vollziehe man die Reinigung der Elemente und danach die innere Verehrung. Anschließend führe man nach der gelehrten Vorschrift die äußere Verehrung aus.

103. Dann folgen das Feueropfer, der Ritus für die Ahnen, die Darbringung an die Wesen und die ehrende Bewirtung der Gäste.

104. Darauf folgt die Selbstverehrung gemeinsam mit Verwandten und Bediensteten, ferner das Studium der Rig- und Sama-Texte und das Nachdenken über die überlieferten Erzählungen.

105. Danach soll man sich in der Mitte des eigenen Herzlotus sammeln. Dies wird als die dreizehngliedrige, ganz vom Herrn erfüllte tägliche Ordnung bezeichnet.

106. Sie soll täglich mit Hingabe ausgeführt werden. Wenn [der Tag] schwindet und die Nacht eintritt, vollziehe man wieder das Zurücklegen und die erneute Übernahme [der Ordnung].

107. Man lade die angekommenen, im Veda bewanderten Brahmanen ein [und spreche]: „Diese Speise ist jener Unsterblichkeitsnektar; dies ist Leben und Prajapati.“

108. „Dies ist Vishnu, dies ist Lebenskraft, dies ist das Lebendige, dies ist das Höchste. Zum Wohl aller Wesen ist diese anschließende Opfermahlzeit eingerichtet.“

Anregungen zur spirituellen Vertiefung

Mit einem Vers verweilen

Lies eine zusammenhängende Versgruppe langsam. Bleibe anschließend einige Minuten still. Welche Aussage berührt dich? Welche wirft eine Frage auf? Diese einfache Verbindung von Schriftstudium und Meditation kann einen Text näherbringen als das schnelle Lesen vieler Seiten.

Hingabe im Alltag prüfen

Die Aussage, dass Hari die wirkliche Gesinnung kennt, lädt zur Ehrlichkeit ein: Wofür übe ich? Was wünsche ich mir? Was kann ich heute ohne Erwartung einer Gegenleistung geben? Der Geist der Puja wird auch in einer kleinen, aufmerksamen Handlung lebendig.

Den Zusammenhang bewahren

Die Samhita behandelt Yoga innerhalb einer bestimmten religiösen Überlieferung. Mantra-Nyasa, die Meisterung der Wirklichkeitsprinzipien und die Weihe von Bildern setzen dort Diksha und fachkundige Anleitung voraus. Für die persönliche Betrachtung sind zunächst die Grundhaltungen zugänglich: Sammlung, Vertrauen, Mitgefühl, Beständigkeit und die Unterscheidung zwischen einem Hilfsmittel und dem höchsten Ziel.

Mantras und Rezitationsformeln

Die folgenden Formeln sind in der Textgrundlage vollständig ausgeschrieben. Die Eingangsverehrungen stehen vor Kapitel 1; sie sind von den nummerierten Lehrversen zu unterscheiden. Zusätzliche Keimsilben oder nicht ausgeschriebene Mantrabestandteile werden nicht ergänzt.

Hari und Om – Eingangsverehrung

हरिः ओम्
hariḥ om

Bedeutung: „Hari – Om.“ Hari ist ein Name Vishnus; Om ist die heilige Silbe. Der Ausdruck richtet die Aufmerksamkeit auf das Göttliche. Er ist eine Eingangsformel, keine im Werk ausgeführte vollständige Japa-Anleitung.

Verehrung Hayagrivas – Eingangsverehrung

श्रीहयग्रीवाय नमः
śrīhayagrīvāya namaḥ

Bedeutung: „Verehrung dem erhabenen Hayagriva.“ Hayagriva ist eine Gestalt Vishnus. Die Anrufung eröffnet die Textüberlieferung; sie darf nicht ohne Weiteres als Beleg dafür verstanden werden, dass alle folgenden Riten ausschließlich Hayagriva gelten.

Verehrung des Gemahls Lakshmis – Kapitel 31.10

ओं लक्ष्मीपतये नमः
oṃ lakṣmīpataye namaḥ

Bedeutung: „Om, Verehrung dem Gemahl Lakshmis.“ Die Formel steht im Zusammenhang der Verehrung des ruhenden Herrn. Der Vers erwähnt außerdem eine eigene Keimsilbe, schreibt diese jedoch nicht aus. Sie wird hier deshalb nicht ergänzt. Die vollständig lesbare Namensverehrung lässt sich als Ausdruck der Hingabe verstehen; der dazugehörige Ritualvollzug bleibt an seinen überlieferten Rahmen gebunden.

Gebet um einen heilsamen Weg – Kapitel 31.77

देव सर्वेश्वरानादे कर्मणानेन चाखिलाम् |
शुभां गतिं जनो यातु प्रीतिं त्वं परमां भज ||

deva sarveśvarānāde karmaṇānena cākhilām |
śubhāṃ gatiṃ jano yātu prītiṃ tvaṃ paramāṃ bhaja ||

Bedeutung: „O anfangloser Gott, Herr über alles! Mögen die Menschen durch dieses Werk einen in jeder Hinsicht glückverheißenden Weg erlangen, und mögest du höchste Freude daran finden.“

Dieses Gebet verbindet die Darbringung mit dem Wohl der Menschen. Als persönliche Betrachtung kann es die Frage vertiefen, wem die eigene Praxis zugutekommt. Im Text gehört es zum Abschluss eines bestimmten Fest- und Verehrungszusammenhangs.

Gebet um Schutz und Verzeihung – Kapitel 30.151

ओम् अच्युत जगन्नाथ मन्त्रमूर्ते सनातन |
रक्ष मां पुण्डरीकाक्ष क्षमस्वाज प्रसीद ओम् ||

om acyuta jagannātha mantramūrte sanātana |
rakṣa māṃ puṇḍarīkākṣa kṣamasvāja prasīda om ||

Bedeutung: „Om. Unvergänglicher, Herr der Welt, ewige Mantragestalt! Beschütze mich, Lotusäugiger; vergib, Ungeborener, sei gnädig. Om.“

Das Gebet steht im Zusammenhang des Pavitrārohaṇa-Rituals. Es verbindet Vertrauen mit der Bereitschaft, eigene Fehler anzuerkennen. Die ausgeschriebene Bitte ist von den besonderen, einweihungsgebundenen Mantraanweisungen ihres Umfelds zu unterscheiden.

Genannte, aber hier nicht rekonstruierte Mantras

Die Samhita spricht häufig vom zwölfsilbigen Mantra, von Grund-, Glieder- und Waffenmantras sowie von Lauten, die durch technische Hinweise gewonnen werden. Eine Mantrabezeichnung ist nicht dasselbe wie eine vollständig ausgeschriebene Rezitationsformel. Solche Angaben werden hier weder zu neuen Formeln zusammengesetzt noch als allgemeine Selbstpraxis empfohlen.

Konkordanz der 108 Verse

Die Stellenangaben folgen Muktabodha M00259 nach der Ausgabe Bangalore 1934. Bei mehreren aufeinanderfolgenden Versen bleibt die Sanskrit-Satzverbindung maßgeblich.

Auswahlvers Kapitel und Originalvers
1 1.23
2 1.24
3 1.25
4 1.26
5 1.27
6 1.28
7 1.34
8 1.35
9 1.36
10 1.40
11 1.42
12 1.43
13 1.44
14 1.47
15 1.49
16 8.4
17 8.5
18 8.6
19 8.7
20 8.41
21 8.42
22 8.43
23 8.44
24 8.45
25 31.51
26 31.52
27 31.53
28 31.54
29 31.55
30 31.59
31 31.60
32 31.61
33 31.62
34 31.63
35 31.70
36 31.71
37 31.72
38 31.77
39 31.227
40 31.228
41 31.229
42 31.230
43 31.233
44 31.234
45 31.236
46 31.249
47 31.301
48 31.302
49 33.18
50 33.19
51 33.20
52 33.21
53 33.23
54 33.24
55 33.25
56 33.61
57 33.62
58 33.63
59 33.64
60 33.65
61 33.69
62 33.70
63 33.71
64 33.72
65 33.73
66 33.74
67 33.75
68 33.76
69 33.78
70 33.79
71 33.80
72 33.83
73 33.84
74 33.85
75 33.86
76 33.91
77 33.92
78 33.94
79 33.95
80 33.96
81 33.97
82 33.102
83 33.103
84 33.105
85 33.118
86 33.119
87 33.120
88 33.123
89 33.127
90 33.132
91 33.133
92 33.136
93 33.137
94 38.19
95 38.23
96 38.42
97 38.43
98 38.44
99 38.45
100 41.57
101 41.58
102 41.59
103 41.60
104 41.61
105 41.62
106 41.63
107 41.70
108 41.71

Textgrundlage und Hinweise

Grundlage: Śrī Yatirāja Sampatkumāra Rāmānujamuni (Hrsg.), Pauṣkara Saṃhitā, Bangalore 1934; elektronischer IAST- und Devanagari-Text des Muktabodha Indological Research Institute, M00259, Revision vom 6. April 2012. Sanskrit-Dateneingabe unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski; Lizenz des elektronischen Sanskrittextes: CC BY-NC 4.0.

Eckige Klammern kennzeichnen Ergänzungen, die den Satzanschluss verdeutlichen. In 33.103 folgt „den Geist zurückziehen“ der in der Textgrundlage angegebenen Lesart g/gh; der Haupttext hat ein anderes Verb. Verse mit vorangestellten oder abschließenden Auslassungspunkten setzen einen Satz über die Versgrenze hinweg fort. Die Übersetzungen sind im Zusammenhang ihrer Gruppe zu lesen, insbesondere die Lehren über Klanggestalten, die göttlichen Kräfte und die Befähigung des Lehrers.

Die im Sanskrit genannten sozialen und rituellen Voraussetzungen gehören zum historischen Lehrzusammenhang. Eine inspirierende Auswahl hebt sie nicht auf und setzt die Samhita nicht mit heutigen, traditionsübergreifenden Übungssystemen gleich. Die Verse über die Gleichwertigkeit einer Ersatzhandlung betreffen eine im Text erlaubte Ersatzform; sie besagen nicht, dass jede beliebige Änderung eines Ritus gleichwertig sei.

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