Chinesische Mythologie

Die Chinesische Mythologie basiert auf dem Taoismus und ist angereichert mit Motiven aus Buddhismus und Konfuzianismus.
Chinesische Mythologie bezeichnet das komplexe Geflecht aus Erzählungen, Göttern, Geistern, Helden, Kosmologie und symbolischen Bildern, das über Jahrtausende hinweg in den Kulturen des chinesischen Raums entstanden ist. Sie umfasst Mythen über die Entstehung der Welt und der Menschheit, Gestalten, die Naturkräfte verkörpern, religiöse und moralische Archetypen sowie Geschichten, die soziale Normen, politische Legitimation und spirituelle Vorstellungen vermitteln. Anders als in manchen westlichen Traditionen ist chinesische Mythologie kein einheitliches, kanonisches Bündel von Texten, sondern ein vielstimmiges Geflecht: Erzählungen aus frühen Schriften wie den Zhou-Liedern und den Texten der Han-Zeit, volkstümliche Legenden, taoistische und buddhistische Überlieferungen sowie lokale Sagen beeinflussen und durchdringen einander.
Zu den zentralen Themen gehören kosmogonische Motive wie die Schöpfung durch Figuren wie Pangu, die Formung der Welt und die Einführung von Ordnung; Kulturbringer und Erfinder, etwa der gelbe Kaiser oder Figuren wie Nuwa, die Menschen formt oder Risse im Himmel flickt; und mythische Kämpfe zwischen Ordnung und Chaos, etwa im Kampf gegen Dämonen oder bei Katastrophenbewältigung. Naturphänomene werden oft personifiziert: Berge, Flüsse, Sonne und Mond erscheinen als beseelte Kräfte oder Wohnsitze von Geistern. Die Vorstellung von Ahnenverehrung und die enge Verbindung zwischen Staat, Kosmos und Moral sind wiederkehrende Motive: Mythen legitimieren Herrschaft, erklären Rituale und schaffen kollektive Identität.
Mythische Gestalten sind vielfach ambivalent und wandelbar. Drachen gelten als mächtige, glücksverheißende Wesen, die Wasser, Regen und kaiserliche Macht symbolisieren; sie unterscheiden sich deutlich von oft dämonisierten westlichen Drachenbildern. Götterstaaten, Unsterbliche und Daoisten, die durch Meditation und Alchemie Unsterblichkeit anstreben, verweisen auf das starke daoistische Element in der Mythologie. Gleichzeitig haben buddhistische Einflüsse zahlreiche indische und zentraleuropäische Motive integriert und transformiert, sodass mythische Figuren und Geschichten synkretisch sind.
Die Überlieferung chinesischer Mythen erfolgt in vielseitigen Formen: klassische Texte, historische Sammlungen, religiöse Schriften, Volkslieder, Theaterstücke, bildliche Darstellungen und lokale Erzähltraditionen. Dadurch variiert nicht selten die Darstellung derselben Figur oder Episode — ein Zeichen lebendiger kultureller Adaption. Mythen fungieren zudem als moralische Lehrgeschichten, Inspirationsquelle für Literatur, Kunst und Feste sowie als Grundlage ritueller Praktiken.