Janmamaranavichara: Unterschied zwischen den Versionen
Die Seite wurde neu angelegt: „'''Janmamaranavichara''' (Sanskrit: जन्ममरणविचार janmamaraṇavicāra m.), „Untersuchung über Geburt und Tod“, ist eine umfangreiche Śaiva-Schrift des kaschmirischen Lehrers '''Vāmadeva'''. Der Text untersucht Geburt, Verkörperung, Körperentwicklung, Karma, Tod, Zwischenzustand und Wiedergeburt aus der Perspektive einer nichtdualen Śaiva-Lehre. Zugleich führt er weit darüber hinaus: Sein eigentliches Ziel ist die Erkenn…“ |
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Aktuelle Version vom 6. Oktober 2026, 17:56 Uhr
Janmamaranavichara (Sanskrit: जन्ममरणविचार janmamaraṇavicāra m.), „Untersuchung über Geburt und Tod“, ist eine umfangreiche Śaiva-Schrift des kaschmirischen Lehrers Vāmadeva. Der Text untersucht Geburt, Verkörperung, Körperentwicklung, Karma, Tod, Zwischenzustand und Wiedergeburt aus der Perspektive einer nichtdualen Śaiva-Lehre. Zugleich führt er weit darüber hinaus: Sein eigentliches Ziel ist die Erkenntnis des eigenen Wesens als Bewusstsein und damit Jivanmukti, Befreiung zu Lebzeiten.
Die Schrift steht nach ihrer eigenen editorischen Überlieferung in der geistigen Linie von Abhinavagupta, Kṣemarāja und Yogarāja. Die vorangestellte Bhūmikā der Kashmir-Series-Ausgabe bezeichnet Vāmadeva als Schüler Yogarājas und fasst den Text ausdrücklich als konzentrierte Darstellung von Lehren zusammen, die in umfangreicheren Śaiva-Werken wie Svacchanda Tantra und Tantraloka breiter entwickelt werden.
Der Janmamaranavichara verbindet daher mehrere Ebenen: höchste Metaphysik von Paramaśiva und Śakti, Tattva-Lehre, Kañcukas und Ṣaḍadhvan, vormoderne Medizin und Embryologie, traditionelle Anatomie, Nāḍī- und Prāṇa-Lehre, Karma und Wiedergeburt, den Sterbeprozess, den Ātivāhika-Zwischenkörper, Śaktipāta, Dīkṣā, Jīvanmukti und Riten für Verstorbene. Gerade diese ungewöhnliche Verbindung macht den Text zu einer wichtigen Quelle für das Verständnis von Leben und Tod im kaschmirischen Śaivismus.


Einführung
Der eigentliche Text beginnt nach der editorischen Einleitung der Kashmir-Series-Ausgabe mit der Anrufung:
oṃ namaḥ śivāyāmṛtavapuṣe – „Om. Verehrung Śiva, dessen Wesen Nektar ist.“
Vāmadeva setzt beim höchsten Bewusstsein an und führt von dort Schritt für Schritt zur Entstehung begrenzter Individualität, zum Körper, zur Geburt und schließlich zum Tod. Danach kehrt die Bewegung um: Über Selbsterkenntnis, Śaktipāta und Dīkṣā führt der Weg zurück zur nichtdualen eigenen Natur.
Diese Struktur ist wichtig. Der Text will nicht nur erklären, wie Menschen geboren werden und sterben. Er will zeigen, warum dasjenige, was Geburt und Tod erfährt, in Wahrheit tiefer reicht als beide.
Hinweis zur Vollständigkeit
Die folgende deutsche Fassung übersetzt den gesamten eigentlichen Primärtext Vāmadevas vom Eröffnungsmantra bis zum Abschlusskolophon. Auch längere Zitate, medizinische und anatomische Listen, Karma-Passagen, Sterbelehren und rituelle Abschnitte sind aufgenommen. Wo die bereitgestellte Sanskritdatei selbst eine schwer sichere oder stark komprimierte Lesart bietet, wird dies ausdrücklich kenntlich gemacht, statt eine vermeintlich sichere Übersetzung zu erfinden.
Vollständiger deutscher Text
Anrufung und Eröffnung
Om. Verehrung Śiva, dessen Wesen Nektar ist.
Nun folgt die Schrift Janmamaraṇavicāra, verfasst vom ehrwürdigen Lehrer Bhaṭṭa Vāmadeva.
1. Eröffnungsvers
Wenn der nach allen Seiten von mächtigem innerem Aufwallen bewegte Geist nach innen gezügelt wird, trägt er immer neue Geschmacks- und Erfahrungsformen hervor, deren Wurzel Glückseligkeit ist. Immer wieder triumphiert im Herzen jener geheimnisvolle Aufbruch des Bewusstseins, der das gewaltige Hindernis des Leidens überwindet, das mit Auflösung und Vergehen verbunden ist.
Paramaśiva als das eine Bewusstsein
Hier ist in Wahrheit der eine Maheśvara, dessen Wesen Bewusstsein ist: Er ist das Selbst der ganzen Welt, zugleich über die ganze Welt hinaus und in allem gegenwärtig. Sein Wesen ist das Licht eines Bewusstseins, das nicht durch begriffliche Unterscheidung zusammengezogen ist. Er ruht in unbegrenzter Bewusstseinsglückseligkeit. Wie ein großer Ozean trägt er den unaufhörlich strömenden Strom der vielfältigen fünf Kräfte. Er steht kühn an der äußersten Grenze unvergleichlicher Freiheit und ist mit allen Kräften erfüllt.
Sein Wesen als Licht ist die Cit-Śakti, die Kraft des Bewusstseins. Seine Freiheit ist die Ānanda-Śakti, die Kraft der Glückseligkeit. Das staunende Selbstkosten dieser Freiheit ist Icchā-Śakti, die Kraft des Willens. Sein Charakter als reflektierendes Ergreifen ist Jñāna-Śakti, die Kraft der Erkenntnis. Seine Fähigkeit, alle Formen anzunehmen, ist Kriyā-Śakti, die Kraft des Handelns.
Obwohl Bhagavān mit allen Kräften verbunden ist, wird er besonders durch diese Hauptkräfte charakterisiert. Durch die Größe seiner Freiheit lässt er sein eigenes Selbst gleichsam zusammengezogen erscheinen; dann wird er aṇu, das begrenzte Einzelwesen, genannt.
Wie gesagt wurde:
„Śiva ist wahrhaft allgegenwärtig; doch indem er durch seinen eigenen Willen das Siegel der Zusammenziehung annimmt, trägt er entsprechend der Menge von Karmas mit verschiedenartigen Früchten jeweils diesen oder jenen Körper.“
Die hervorragenden Lehrer haben diesen Pulsschlag der göttlichen Kraft als ein Spiel verstanden, in dem der Herr daran Gefallen findet, sein eigenes Wesen zu verbergen. Ebenso wird gesagt:
„Weil er vermag, was äußerst schwer zu vollbringen ist, und aufgrund seiner makellosen Freiheit ist der Höchste Herr ein Meister im Spiel der Selbstverhüllung.“
Und:
„Obwohl sein Wesen in Wahrheit unverhüllt ist, verhüllt der Allgegenwärtige sein eigenes Selbst. Eben dies ist Avidyā; aus ihr entsteht die ganze, in der Welt wirksame Verschiedenheit.“
Dadurch entsteht dem Herrn, dessen Wesen unbegrenzte Glückseligkeit und Schwingung ist und der frei von Begrenzungen durch Raum, Zeit und Form bleibt, keinerlei Verlust. Im Gegenteil: Gerade darin zeigt sich die Fülle seiner höchsten Größe.
Dazu heißt es:
„Wenn Maheśvara immer nur in einer einzigen Gestalt verharrte, würde er sein Maheśvara-Sein und sein Bewusstseinswesen aufgeben und wäre wie ein Topf oder ein anderes begrenztes Ding.“
„Begrenztes Leuchten gilt als Kennzeichen des Unbewussten. Erkenntnis unterscheidet sich vom Unbewussten gerade dadurch, dass sie nicht begrenzt werden kann.“
„Darum steigen die eigenen Kräfte dieses großen Ozeans des Erwachens auf und nehmen wie Wellen die wunderbare Vielfalt ihrer gegenseitigen Begegnungen im eigenen Selbst an.“
Vijñānākala, Pralayākala und Sakala
So lässt Bhagavān durch die Größe seiner eigenen Māyā-Śakti, die nichts anderes als ein Ausdruck seiner unfehlbaren Freiheit ist, sich selbst durch sich selbst gleichsam zusammengezogen erscheinen. Dadurch wird er zum Vijñānākala, zum Pralayākala und zum Sakala.
Wer allein mit dem Āṇava-Mala verbunden ist, wird Vijñānākala genannt. Wer von den beiden Malas Āṇava und Māyīya bedeckt ist, heißt Pralayākala. Wer durch die drei Malas Āṇava, Māyīya und Kārma gebunden ist und zugleich von den Tattvas von Kalā bis hinab zur Erde bestimmt wird, heißt Sakala. Für diese begrenzte Erfahrungsweise entfaltet sich die gesamte objektive Welt.
Wenn Bhagavān sich der Schöpfung zuwendet und im reinen Adhvan verweilt, bringt er durch seine Śaktis Māyā in Bewegung. Daraus erschafft er für den Pudgala zuerst das Kalā-Tattva, dessen Kennzeichen eine begrenzte Fähigkeit zum Handeln ist. Daraus geht Vidyā hervor, eine begrenzte Form von Erkenntnis. Danach entsteht Rāga als begrenztes Verlangen.
Dieses mit Rāga verbundene begrenzte Tätersein wird durch Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart dreifach begrenzt; dies ist das Kāla-Tattva. Dasjenige, wodurch trotz gleicher Möglichkeit des Begehrens das konkrete Handeln festgelegt und begrenzt wird, heißt Niyati.
So bilden Māyā, Kalā, Vidyā, Rāga, Kāla und Niyati die sechs Kañcukas, die den innerlich vom Mala umhüllten Pudgala von außen bedecken.
Im Cillācakreśvaramata heißt es:
„Māyā, Kalā, Śuddhavidyā beziehungsweise Vidyā, Rāga, Kāla und Niyati – diese sechs heißen wegen ihrer verhüllenden Wirkung die Kañcukas des begrenzten Selbst.“
Und:
„So liegt im Inneren des Pudgala der Mala wie eine Hülle. Die Kañcukas liegen außen wie die Spelzen eines Korns; dadurch erscheint er von Erkenntnis und Handlung abgeschnitten.“
Kalā lässt im Puruṣa begrenztes Tätersein aufscheinen und bringt das Erfahrbare hervor, das als Freude, Leid und Verblendung erscheint; dies ist Avyakta. Aus diesem entsteht das achtfache Buddhi-Tattva. Aus der Buddhi entsteht der dreifach nach Sattva, Rajas und Tamas gegliederte Ahaṃkāra. Aus der ersten Form des Ahaṃkāra entsteht Manas, aus der zweiten die Sinne und aus der dritten die Tanmātras; aus diesen wiederum gehen die groben Elemente hervor.
So ist die Entfaltung der Tattvas des einen Urgottes beschrieben, der durch die Größe seiner Freiheit im Saṃsāra wandert und die Stellung eines begrenzten Erkennenden annimmt.
Dazu heißt es:
„Die Elemente, die Gruppe der Tanmātras und die Sinne, die Wurzel-Prakṛti, der Puruṣa mitsamt den Kañcukas und weiter die reinen Ebenen bis hinauf zur Śakti – dies alles ist die Wellenentfaltung des Ozeans des eigenen Bewusstseins.“
Danach folgt in der Quelle eine kurze Strophe in einer nichtklassischen Sprachform. Ihre Lesung ist in der vorliegenden Datei nicht hinreichend sicher, um eine wörtlich verlässliche deutsche Übersetzung zu erzwingen. Ihr Sinnzusammenhang betrifft die Fülle und Transzendenz des Selbst; die Sanskritform bleibt im vollständigen Grundtext erhalten.
Verschiedene Ebenen der Tattvas und Erkennenden
Weil sich die Erkennenden voneinander unterscheiden, entsteht auch Verschiedenheit im Erkennbaren. So wird es im Pūrvaśāstra erklärt:
„Durch den Unterschied von Kraftträger und Kraft wird das Erde-Tattva unterschieden. Zusammen mit seinen eigenen Wesensformen soll es als fünfzehnfach erkannt werden.“
„In derselben Weise ist der Bereich vom Puruṣa bis zur Kalā dreizehnfach zu erkennen; der Pralayākala ist in entsprechender Weise wie Rudra differenziert.“
„Ebenso soll Māyā neunfach erkannt werden; der reine Erkennende ist ebenfalls in abgestuften Formen vorhanden. Die Mantras sind siebenfach, die Mantranāyakas fünffach.“
„Die Mantreśvaras sind dreifach; Śiva selbst ist nicht geteilt. Wer aber all diese Tattvas so erkennt, wie sie wirklich sind –“
„der wird als Guru bezeichnet, mir gleich, als einer, der die Kraft des Mantras offenbart. Menschen, die von ihm mit liebevollem Geist gesehen, angesprochen oder berührt werden –“
„werden selbst von Sünden befreit, die sie über sieben Geburten hinweg begangen haben.“
Die fünf Kalās
So besitzt die Tattva-Ordnung viele Abschlüsse und Unterteilungen. Dasjenige, was jeweils eine ganze Gruppe von Tattvas durchgängig in einer gemeinsamen Form umfasst, heißt kalā, weil es fähig ist, viele Einzelgestalten in einer einheitlichen Form zu tragen.
„Weil von ihr aus Gruppen von Tattvas zurücktreten, heißt diese Kalā Nivṛtti.“
Nivṛtti ist in der Erde gegründet.
„Weil sie in ihrer ursächlichen Funktion erfüllt und nährt, heißt die Kalā Pratiṣṭhā.“
Pratiṣṭhā durchdringt den Bereich vom Wasser bis hinauf zur Wurzel der Prakṛti.
„Weil beim Vergehen des Erkennbaren das Bewusstsein vorherrscht, heißt diese Kalā Vidyā.“
Vidyā nimmt den Weg vom Puruṣa bis Māyā ein.
„Weil die Wellen der Kañcukas zur Ruhe kommen, heißt die Kalā Śāntā.“
Śāntā reicht von Śuddhavidyā bis hinauf zur Śakti.
Diese vier Bereiche werden als die vier kosmischen „Eier“ beziehungsweise großen Sphären des Irdischen, Prakṛtischen, Māyischen und Śāktischen bezeichnet.
Im Śiva-Tattva liegt Śāntyatītā, die Kalā, die „über den Frieden hinausgeht“, weil Śiva alles andere übersteigt.
Das höchste Tattva selbst ist aufgrund seiner völligen Freiheit sogar jenseits dieser Kalās.
Wie die Tattvas werden auch die Bhuvanas in diese Kalās einbezogen.
Ṣaḍadhvan: der sechsfach gegliederte Weg
So wird das Erkennbare dreifach als Bhuvana, Tattva und Kalā beschrieben. Auch das Erkenntnismittel wird dreifach gegliedert: als Pada, Mantra und Varṇa. Auf diese Weise ergibt sich der sechsfach gegliederte Adhvan, in dem das eine vollständige erkennende Bewusstsein aufgrund seiner Freiheit als Wanderer im Saṃsāra ruht.
Es folgen zusammenfassende Verse zur Dīkṣā-Struktur:
„Ein Pada, ein Mantra und ein Varṇa; sechzehn Welten und die Erde – dies gehört zur Nivṛtti.“
„Eine andere Kalā enthält eine bestimmte Zahl von Tattvas und Varṇas, dazu die entsprechenden Welten, Astra, Mantra und Pada.“
„Eine weitere Kalā umfasst die Tattvas und Varṇas der Weisen, zwei Padas und Mantras sowie die entsprechenden Welten.“
„Die vierte Kalā besitzt die Agni-bezogenen Varṇas, ein Tattva, ein Pada, ein Mantra und eine Welt.“
„Śāntyatītā besitzt sechzehn Varṇas und jeweils ein Pada, ein Mantra und ein Tattva.“
Diese Merkverse sind in der Quelle äußerst komprimiert und teilweise zahlen- beziehungsweise symbolsprachlich formuliert. Ihre vollständige Sanskritgestalt ist unten erhalten; die deutsche Wiedergabe folgt ihrer strukturellen Funktion, ohne zweifelhafte Zahlensymbolik künstlich zu glätten.
Von der kosmischen Entfaltung zum Körper
Nachdem Bhagavān die begrenzte Lebensweise des Aṇu angenommen hat, bringt er mit verschiedenartigen Formen von Geburt, Lebensdauer und Erfahrung die Arten der Lebewesen hervor: diejenigen, die aus dem Mutterleib geboren werden, diejenigen aus Eiern, diejenigen aus Aufsprießen oder Spaltung und diejenigen aus Feuchtigkeit.
Bei den Lebewesen wird verzehrte Nahrung und Flüssigkeit durch Verdauung in Rasa verwandelt. Dieser nimmt der Reihe nach die Formen von Blut, Fleisch, Fett, Knochen und Mark an und gelangt schließlich im Śukra-Dhātu zur Ruhe. Daraus entstehen die Geschöpfe.
Suśrutas Lehre über Nahrung und Rasa
Dazu wird aus der Suśruta-Tradition zitiert:
Die vierfache Nahrung ist aus den fünf Elementen aufgebaut, mit sechs Geschmacksrichtungen versehen und besitzt unterschiedliche Kombinationen von Geschmack und energetischer Wirkung. Nachdem sie auf vielfältige Weise aufgenommen und verdaut worden ist, wird ihre subtile, leuchtende Essenz als rasa bezeichnet.
Der Sitz dieses Rasa ist das Herz. Vom Herzen aus tritt er in vierundzwanzig Dhamanīs ein: zehn verlaufen nach oben, zehn nach unten und vier quer. So nährt, belebt, trägt und vermehrt er Tag für Tag den gesamten Körper.
Dieser wässrige Rasa gelangt durch das Wirken des unsichtbaren Karma zu Leber, Milz und anderen Organen und nimmt dort Farbe an.
Dazu werden folgende Verse angeführt:
„Die Wasser im Körper der Verkörperten werden durch das körpereigene Feuer gefärbt; wenn sie nicht verdorben und klar sind, erkennen die Kenner sie als Blut.“
„Aus dem Rasa entsteht bei Frauen das Blut, das als Rajas bezeichnet wird. Aufgrund seiner Wirkung beginnt es nach dem zwölften Lebensjahr und endet ungefähr im fünfzigsten.“
Das Menstrualblut gilt als feurig; denn der Embryo ist seinem Wesen nach aus Agni und Soma zusammengesetzt.
„Aus Rasa entsteht Blut; daraus entsteht Fleisch. Aus Fleisch entsteht Fett, aus Fett Knochen, daraus Mark, und aus dem Mark entsteht Śukra.“
„So gelangt der Rasa in stufenweiser Entwicklung zur Form des Śukra. Bei Frauen entsteht in entsprechender Weise im monatlichen Rhythmus das Menstrualblut.“
Empfängnis und Embryonalentwicklung
Wenn auf diese Weise Blut und Samen, die aus der Verbindung von Mutter und Vater hervorgehen und als Agni- und Soma-Prinzip aufgefasst werden, zur geeigneten Zeit zusammentreffen, wird der Samen im Leib der Mutter zunächst zu kalila, dann zu einer Blase, danach zu einer fleischigen Masse und anschließend zu einem festen Gebilde. Danach folgen das Erfassen der Glieder, das Sichtbarwerden der Glieder, das Aufleuchten des Bewusstseins, die Vollendung aller Körperteile, die Zirkulation der Lebenskraft und schließlich die bewusste Erfahrung von Freude und Leid.
Im Cillācakreśvaramata heißt es:
„Durch die gegenseitige Reibung und Entfaltung der Säfte von Soma und Sonne entsteht Jātavedas, das Feuer, und der mittlere Bereich entfaltet sich.“
„Durch die Entwicklung der roten Kraft entsteht der Keim. Der ausgesäte Samen erreicht nach einer Nacht den Zustand des Kalila.“
„Nach sieben Nächten wird er zu einer Blase, nach einem Monat zu einer Fleischmasse. Im zweiten Monat wird er zu einem festen Gebilde, im dritten erfolgt die Ausbildung der Glieder.“
„Im vierten Monat werden die Glieder deutlich, im fünften entsteht Bewusstheit. Im sechsten werden alle Glieder miteinander verbunden, im siebten beginnt die Bewegung.“
„Im achten Monat zirkuliert die Lebenskraft, im neunten entsteht deutliches Empfinden. Im zehnten Monat wird das Lebewesen mit vollständig ausgebildetem Körper geboren.“
„Von Vāyu bewegt und durch den Geburtskanal gepresst, erinnert sich das Geborene nicht an die schweren Leiden, die aus vielen früheren Existenzen hervorgegangen sind.“
Funktionen der Körperbestandteile
Die körperlichen Ursachen und Bestandteile entwickeln sich danach schrittweise:
Rasa erhält den Körper.
Blut belebt ihn.
Fleisch vermehrt und kräftigt ihn.
Fett macht ihn geschmeidig.
Die Knochen tragen ihn.
Das Mark bildet die innere Essenz der Knochen.
Śukra fördert und steigert Freude.
Urin scheidet überschüssige Feuchtigkeit aus.
Kot hält Vāyu und Agni in bestimmter Weise zurück.
Schweiß dient der Ausscheidung von Feuchtigkeit.
Das Menstrualblut ist Ursache der Empfängnis.
Nachdem der Mensch auf diese Weise einen sechshülligen Körper angenommen hat, richtet er – sein eigenes wahres Wesen außer Acht lassend – sein Begehren auf äußere Dinge.
Traditionelle Lehren über Geschlecht
Der Text beruft sich anschließend auf eine ältere Lehrtradition über körperliche Eigenschaften, die teils der Mutter, teils dem Vater zugeschrieben werden.
Darauf folgt eine vormoderne Erklärung der Geschlechtsentwicklung:
„Bei Überwiegen von Soma entsteht eine männliche Geburt; bei Überwiegen der Sonnenkraft eine weibliche. Bei Gleichgewicht entsteht ein klība; durch eine besondere Teilung aufgrund von Vāyu kommt es zu Mehrlingsgeburt.“
Diese Aussagen geben die historische medizinisch-religiöse Kosmologie der Schrift wieder und sind keine moderne biologische Beschreibung.
Geburt und traditionelle Anatomie
Weiter heißt es:
„Im neunten oder zehnten Monat wird das Kind durch starke Geburtswinde herausgetrieben, wie ein Pfeil durch die Öffnung eines Mechanismus.“
„Dieser Körper besitzt sechs Schichten; sechs Häute tragen ihn. Die Zahl der Knochen wird mit dreihundertsechzig angegeben.“
„Zusammen mit den groben werden vierundsechzig Zähne beziehungsweise Zahnstrukturen genannt, außerdem zwanzig Nägel. Die Knochenstäbchen von Händen und Füßen werden in ihren Bereichen vierfach gegliedert.“
„Für die Finger werden sechzig Knochen genannt, dazu zwei Fersen und vier Knochen im Bereich der Knöchel.“
„Je vier Unterarmknochen und ebenso viele Unterschenkelknochen; je zwei Strukturen an Knien, Wangen, Oberschenkeln und Schulterbereichen.“
„Auch an Augenregion und Beckenknochen werden besondere Knochen unterschieden.“
„Im Bereich des Schambeins wird ein Knochen genannt, im Rücken fünfundvierzig. Im Hals werden fünfzehn Knochen gezählt, dazu das Schlüsselbein und der Kiefer.“
„An der Basis liegen zwei weitere, dazu Knochen von Stirn, Augen, Wangen und Nase. Rippen und zugehörige Strukturen werden mit zweiundsiebzig angegeben.“
„Zwei Schläfenknochen, vier Schädelplatten und weitere Kopfteile werden unterschieden. Im Brustbereich werden fünfzehn Knochen genannt. So lautet die traditionelle Zusammenfassung der Knochen des Menschen.“
Die Schrift weist darauf hin, dass andere Lehrwerke für dieselben Strukturen teilweise andere Namen verwenden.
Innere Organe und Körperstellen
Es folgen weitere Aufzählungen:
Genannt werden Fettgewebe, Nabel, Kloman, Leber und Milz, Dünndarm, Nieren, Blase, Kot- und Apāna-Bereich.
Weiter: Magen, Herz, Dickdarm, Rektum und weitere obere und untere Abschnitte des Rumpfes.
An äußeren und inneren Körperstellen werden genannt: Augenwinkel, Augenhöhlen, Ohrmuscheln und Ohrbereiche, Wangen, Schläfen, Brauen, Lippenbereiche, Kukundara, Leisten, Hoden, Nieren, Schleimansammlungen, Brüste, Zungenunterseite, Gesäß, Zunge, Unterschenkel, Oberschenkel, Waden, Gaumen, Bauch, Blase, Kopf, Kinn, Hals, Wimpern, Füße, Hände und Herz.
Ferner werden weitere anatomische Orte im Körper genannt.
Der Körper besitzt neun Öffnungen; diese gelten zugleich als Aufenthaltsorte des Prāṇa.
Es werden zweihundert Dhamanīs und fünfhundert Muskelstrukturen genannt.
Bei Frauen kommen aufgrund der Brüste zusätzliche Muskel- und Gefäßstrukturen hinzu; Suśruta nennt hier achtunddreißig zusätzliche Einheiten.
Weitere traditionelle Zahlen des Körpers
Weiter heißt es:
„Es gibt achtundzwanzig beziehungsweise neunundzwanzig Lakh an feinen Strukturen, neunhundert Sehnen und zahlreiche Siras und Dhamanī-Verzweigungen.“
„Es gibt 107 Marmas und zweihundert Gelenke. Die Zahl der Haare wird mit vielen Millionen angegeben.“
„Für Rasa werden neun Añjalis angegeben, für Wasser zehn; für Kot sieben und für Blut acht.“
„Für Schleim werden sechs Maße genannt, für Galle fünf, für Urin vier, für Fettgewebe drei, für Körperfett zwei und für Mark im Kopf ein halbes Maß.“
„Für Schleim beziehungsweise Ojas und für Śukra werden jeweils entsprechende geringe Maße angegeben. Ein solcher Körper ist unbeständig; gerade deshalb soll er zum Ausgangspunkt für die Suche nach Befreiung werden.“
Diese Zahlen gelten nach dem Text für einen gesunden Menschen mit ausgeglichenen Dhātus. Bei Krankheit und individuellen Unterschieden könne die Menge von Doṣas, Dhātus und Malas nicht exakt bestimmt werden.
Vairāgya gegenüber dem Körper
Diese detaillierte Betrachtung des Körpers wird ausdrücklich zu einem Gegenstand des Vairāgya gemacht. Die Weisen singen:
„Dieses Gebilde steht auf Pfeilern aus Knochen, ist mit Sehnen verbunden, mit Fleisch und Blut bestrichen, von Haut überzogen, übelriechend und mit Urin und Kot gefüllt.“
„Es ist von Alter und Kummer erfüllt, ein Ort der Krankheit und des Leidens, unrein und vergänglich, eine Behausung der Elemente – daher soll man die Anhaftung daran aufgeben.“
Auch der Weise Parāśarya sagt:
„Um dieses kleine Körperwesen, das ein Sammelplatz aller Unreinheit, undankbar und vergänglich ist, begehen Toren Sünden.“
„Dieser Körper wird durch Nahrung erhalten und gelangt dennoch Schritt für Schritt unter Mühen zur Vergänglichkeit. Wer würde für einen solchen Körper etwas tun, das dem Dharma widerspricht?“
Das im Körper wohnende Selbst
Nachdem der Körper beschrieben worden ist, wird nun das Wesen des Verkörperten erklärt:
„72.000 Nāḍīs gehen aus dem Herzen hervor. Sie heißen Hitā und Ahitā. In ihrer Mitte befindet sich ein mondhelles Mandala.“
„In dessen Mitte befindet sich der Ātman, unbewegt wie eine Lampe. Dieser soll erkannt werden. Wer ihn hier erkennt, wird nicht wieder geboren.“
Die Bedeutung ist folgende: Wer den so beschaffenen Ātman erkennt, erlebt nicht erneut das Leiden der Geburt.
Das vom Herzen ausgehende Nāḍī-Rad wird mit 72.000 Bahnen angegeben. In seinem Inneren liegt ein Mondmandala und in dessen Mitte das Selbst.
Die Nāḍīs dienen dem Transport dessen, was gegessen und getrunken wurde. Durch die Ansammlung verdienstvoller Kräfte gelten manche als förderlich, andere als nicht förderlich.
Ein einziger Vāyu bewegt sich durch sie, wird aber je nach Funktion als fünffach bezeichnet.
Zwei Hauptbahnen sind besonders wichtig: eine rechte und eine linke, verbunden mit Agni und Soma. Durch die eine steigt Prāṇa auf, durch die andere bewegt sich Apāna abwärts. Der Aufstieg des Prāṇa wird mit dem Tag, der Abstieg des Apāna mit der Nacht in Beziehung gesetzt. Daraus werden auch größere Zeitzyklen wie Halbmonat, Monat, Jahreszeit und Jahr erklärt.
Wenn Prāṇa gleichmäßig verläuft, entspricht dies einem Äquinoktium.
Zwischen den beiden Hauptbahnen liegt eine dritte, stabförmige Brahma-Nāḍī. Wenn der Yogi den Prāṇa dort zurückhält, sieht er das Selbst in Gestalt einer unbewegten Flamme.
Darum heißt es:
„Wer mit rechter Schau ausgestattet ist, wird durch Handlungen nicht gebunden. Wer ohne diese Schau ist, gelangt in den Saṃsāra.“
Karma und Wiedergeburt
Für die Fortsetzung des Saṃsāra wird eine traditionelle Einteilung karmischer Folgen angegeben:
„Wer fremden Besitz begehrt, Schädliches denkt und sich an Unwahres klammert, wird in niedrigen Geburtsbereichen geboren.“
„Wer lügt, verleumdet oder sinnlos und ungebunden redet, wird unter Tieren und Vögeln geboren.“
„Wer sich fremdes Eigentum aneignet, fremde Partner begehrt oder ohne rechte Ordnung Gewalt ausübt, wird unter unbeweglichen Lebensformen geboren.“
Dies sind Aussagen der traditionellen karmischen Kosmologie des Textes.
Doch nun stellt sich die Frage: Wenn der Ātman nichtdual ist, woher kommt diese Verschiedenheit?
Die Antwort lautet: Sie wird durch die begriffliche Konstruktion des großen Māyā-Mohas hervorgebracht.
Dazu heißt es:
„Wie der eine Raum in Töpfen und anderen Gefäßen getrennt erscheint, so erscheint auch der eine Ātman als viele – wie die eine Sonne in vielen Wasserbehältern.“
Reifung für Selbsterkenntnis
Solange die inneren Unreinheiten nicht ausgereift und geläutert sind, entsteht die beschriebene Selbsterkenntnis nicht.
Dazu heißt es:
„Wie ein beschmutzter Spiegel nicht fähig ist, eine Gestalt klar zu zeigen, so ist ein unreifes inneres Instrument nicht fähig zur Erkenntnis des Selbst.“
Damit sei über diesen Punkt genug gesagt.
Alterung und Zerfall des Körpers
Bhagavān nimmt durch die Größe seiner Freiheit die Stellung des Paśu an. Auf Erfahrung ausgerichtet, mit vollständig entwickeltem Körper und Lebensatem, nimmt er durch die Ordnung des sechsfachen Adhvan einen Körper an.
Wenn die Karmas nach und nach erfahren worden sind, beginnt die Körpermaschine unter den sechs Veränderungen des Daseins und unter Alter, Krankheit und anderen Einflüssen auseinanderzufallen.
Es entstehen Erstarrung, Zittern, Zusammenziehung des Nāḍī-Netzes oder bisweilen gegenteilige Ausweitung, Verletzung der Marmas, Austrocknung und andere Veränderungen, welche die vorherige körperliche Ordnung auflösen, bis der Körper schließlich vergeht.
Obwohl diese Auflösung in jedem Augenblick stattfindet, wird sie in grober Betrachtung als Entwicklung in Zehnjahresabschnitten beschrieben:
„Kindheit, Wachstum, Kraft, Einsicht, Haut, Augen, Gehör, die Sinne, Sitzen und Liegen – bei Menschen gehen diese jeweils in Zehnjahresabschnitten zurück.“
Der Tod und der Ātivāhika-Leib
Wenn diese Körpermaschine zerbrochen ist, nimmt das Bewusstsein den Charakter der Lebenskraft an und wird mit einem sogenannten Ātivāhika-Körper in einen anderen Körper geführt.
Dieser Ātivāhika-Leib entsteht zwischen dem vergangenen und dem zukünftigen Körper und gleicht einem Fahrzeug. Auf ihm gleichsam ruhend erlebt der Pudgala die Verbindung mit einem neuen Körper.
Dazu wird aus einem Kośa-Kommentar zitiert:
„Zwischen Tod und erneuter Entstehung besteht ein Zwischenzustand. Weil er mit dem Ort verbunden ist, zu dem das Wesen gelangen wird, wird ein Zwischenwesen angenommen.“
„Es entsteht in einer Folge ähnlich einer fortlaufenden Reihe von Getreidekörnern. Das Beispiel eines Spiegelbildes ist nicht ausreichend, weil dessen Wirklichkeitsstatus und Gleichartigkeit nicht passen.“
„Dieses Zwischenwesen entsteht nach dem Tod und vor dem Augenblick der neuen Verkörperung. Es besitzt eine seiner Gattung entsprechende reine karmische Wahrnehmungsfähigkeit und steht mit dem entsprechenden Karma in Verbindung.“
Eine Śruti sagt:
„Zwei deiner Räder, o Sonne, kennen die Brahman-Kundigen zu den rechten Zeiten. Ein weiteres Rad, das verborgen in der Höhle liegt, erkennen nur diejenigen, die die tiefere Wahrheit kennen.“
Der Sinn wird so erklärt: Die beiden „Räder“ sind der gegenwärtige und der zukünftige Körper. Ein Körper heißt Rad, weil er sich wie ein Rad immer weiterdreht. Zwischen den beiden liegt ein dritter, verborgener, Ātivāhika genannter Leib. Er ist verborgen und nicht gewöhnlich sichtbar; nur Yogis erkennen ihn.
Wachzustand, Sterbezustand und Yiyāsutā
Im Wachzustand eines stabil verkörperten Erkennenden sind die Sinne wie Gehör die Erkenntnisinstrumente und Klang und andere Sinnesgegenstände ihre Objekte.
Im Sterbevorgang dagegen wird das bewegte innere Organ selbst zum Erkenntnisinstrument; die Tendenz, irgendwohin weiterzugehen, die yiyāsutā, wird zum Gegenstand.
Mit Bezug darauf wird der bekannte Vers des Parāśarya beziehungsweise Vyāsa angeführt:
„Welchen Seinszustand ein Mensch auch erinnert, wenn er am Ende seinen Körper verlässt, eben diesen erreicht er, o Kaunteya, weil er immer von diesem Zustand geprägt war.“
Die Schrift fasst fünf große Zustände zusammen:
Saṃbhava – die Entstehung beziehungsweise Empfängnis.
Janma – die Geburt.
Sattā – das bestehende Leben.
Mṛti – der Tod.
Yiyāsutā – das gerichtete Streben zum nächsten Zustand.
In der Schwangerschaft besteht die Erfahrung im Embryonalzustand. Bei der Geburt besteht die Geburtserfahrung. Danach folgt der vielfältige Zustand des Lebens mit den verschiedenen Altersstufen.
Mṛtibhoga und Yiyāsutā bilden die letzten beiden Zustände. Mṛtibhoga besteht in verschiedenartigen körperlichen Schmerzen des Sterbens; Yiyāsutā gehört bereits zum Ātivāhika-Leib.
Mit Bezug auf diese Yiyāsutā wird der Vers „Welchen Zustand man beim Verlassen des Körpers erinnert ...“ angeführt.
Der Tantrāloka erläutert dies ausführlicher:
„Diese gesamte Erfahrung des Sterbens besteht in der Zerschneidung der Marmas, Benommenheit und Störung der Sinne; die Sinneskräfte geraten in Verwirrung und der Atem wird mühsam.“
„Jener eine allerletzte Augenblick, der noch Prāṇa-Charakter besitzt, ist jener kleinste Zeitabschnitt des Körperverlassens, in dem der Prāṇa sich trennt.“
„Was immer man in diesem Augenblick durch das Erwachen früherer Saṃskāras erinnert, eben diese Form nimmt man an – geprägt von Freude, Leid oder Verblendung.“
Auch Vyāsa unterscheidet die Zielbereiche je nach dem Zustand, in dem der Körper verlassen wird; die Quelle verweist dafür unter anderem auf die Aussage:
„Wenn der Verkörperte beim Anwachsen des Sattva in den Tod eingeht ...“
Die fünf Körperzustände werden auch in einer Śruti mit einem sich drehenden Rad verglichen:
„In dem Rad mit fünf Speichen, das sich fortwährend dreht, sind alle Welten gegründet.“
An anderer Stelle heißt es:
„Entstehung, Geburt, Bestand, Tod und danach Yiyāsutā – diese fünf sind die Wandlungen und Zusammenbrüche des Körpers.“
Wiederverkörperung
So wird das Wesen mit dem beschriebenen Ātivāhika-Körper in einen anderen Leib geführt. Auch dieser nächste Körper erwacht gleichsam aus einem Schlaf und beginnt zu leben.
Er durchläuft denselben Kreislauf und vergeht wiederum. So wandert der Aṇu wie die Eimer eines Schöpfrades durch immer neue Gruppen von Körpern im Saṃsāra.
Die Śruti sagt:
„Wie Getreide reift der Sterbliche, und wie Getreide wird er wieder geboren.“
Auch Vyāsa drückt denselben Gedanken mit dem Bild aus:
„Wie man alte Kleider ablegt ...“
Śaktipāta, Dīkṣā und Befreiung
Doch irgendwann kann der Mensch durch die Gnade des Höchsten Herrn und durch Śaktipāta geheiligt werden. Durch Dīkṣā oder einen anderen geeigneten Weg erkennt er sein eigenes nichtduales Wesen, das in der Glückseligkeit des Bewusstseins ruht. Dann ergreift er seine wahre Natur.
Aus der Mālinīvijaya wird eine Passage zitiert, die mit den Worten beginnt:
„Zu irgendeiner Zeit entsteht für dieses Selbst entsprechend seiner Reife die Eignung ...“
und endet mit:
„Entweder in diesem Augenblick, nach einer Zeit des Erlebens oder beim Fall des Körpers gelangt es zu Śiva.“
Sterben an heiligen Orten
Alternativ behandelt der Text die Vorstellung, dass jemand den Körper in einem Heiligtum des Höchsten Herrn verlässt und dadurch nach der entsprechenden Ordnung stufenweise den höchsten Zustand erreicht.
Dazu wird aus einer sāttvata-vaiṣṇavischen Quelle zitiert:
„Der Bereich, in den vom Tor eines Tempels aus der Klang einer Muschel in alle Richtungen gelangt, gilt als ein heiliges Vaiṣṇava-Feld.“
„Bei einem von einem Weisen gestifteten Heiligtum wird die Frucht als doppelt bezeichnet; bei einem durch einen Siddha herabgebrachten göttlichen Ort als dreifach.“
„Bei einem selbstmanifesten Heiligtum gilt sie als vierfach. Für diejenigen, deren Geist beim Tod entsprechend ausgerichtet ist, ist die Frucht von Sāyujya und den vorhergehenden Stufen entsprechend zu verstehen.“
„Der Geist der Menschen, der durch die Herrschaft verdorbener Sinne von Unreinheit getrieben ist, gelangt am Lebensende in einem Nārāyaṇa-Heiligtum zur Reinigung.“
Auch in der Amṛteśaśikhā heißt es:
„Wer im Haus oder Heiligtum von solchen stirbt, die aus den Tattvas hervorgegangen sind und Śaṅkaras Gebot folgen – seien es Selbstentstandene, Weise, Götterseher oder Menschen –“
„der gelangt in deren Bereich und wird dort stufenweise von den Herrschern dieses Bereichs initiiert; oder er steigt erneut zur sterblichen Welt herab und gelangt danach zum höchsten Zustand.“
„Unter den Selbstentstandenen gibt es zwei Arten: Einige sind ganz auf Gnade ausgerichtet, andere sind aufgrund eigener Aufgaben herabgekommen. Die ersteren schenken Nirvāṇa.“
Doch die Schrift betont ausdrücklich, dass nicht für jeden allein durch den Ort automatisch Befreiung entsteht:
„Für den bloß gebundenen Menschen gibt es Sālokya; für den Initiierten Sāmīpya; für den völlig darauf Ausgerichteten Sāyujya – so lautet die göttliche Ordnung.“
„Wer sich zwar zur höheren Lehre zählt, dort aber den Glauben aufgegeben hat, soll nicht in ein solches Heiligtum gehen; er erlangt keine entsprechende Frucht.“
„Diejenigen, die innerlich Dīkṣā, Heiligtum und Erkenntnis hassen und dennoch danach handeln, gehen nach dieser Lehre in leidvolle Bereiche.“
Jīvanmukti als höchste Perspektive
Dann folgt die entscheidende Aussage:
„Diejenigen, die fest in Erkenntnis geübt sind, sind wahrhaft von Śiva erfüllt. Sie sind schon zu Lebzeiten befreit; für sie besteht beim Tod keinerlei besondere Erwägung.“
Darum heißt es im Niśāṭana:
„Wer auch nur für die Zeit des Melkens einer Kuh, für die Dauer eines Pfeilfluges oder für die Zeit eines einzigen Augenöffnens vollkommen im höchsten Tattva gesammelt ist, wird nicht wieder geboren.“
„Denn wer sein Selbst schon zuvor selbst in das höchste Brahman gelegt hat – wie sollte für ihn beim Eintreten des Lebensendes noch eine besondere Erinnerung notwendig sein?“
Auch bei Śrī Rāmabhaṭṭāraka heißt es:
„Solange man nicht in Brahman eingetreten ist, gibt es heilige Orte und Pilgerstätten. Wer dies erkannt hat, ist selbst dann, wenn er ein Śvapāka wäre, mir gleich – daran besteht kein Zweifel.“
Ebenso wird gesagt:
„Ob er an einer Pilgerstätte oder im Haus eines Śvapāka den Körper verlässt – selbst wenn die Erinnerung dabei erloschen ist: Wer gleichzeitig mit der Erkenntnis befreit wurde, gelangt ohne Trauer zu Kaivalya.“
Das eigene Mantra und der eigene Körper als Heiligtum
Im Pauṣkara heißt es:
„Wer die Tattvas bis hinab zur Erde als Gottheiten erkennt, das Mantra kennt, dem Herrn hingegeben ist, Vertrauen besitzt und an die heilige Lehre glaubt –“
„der soll, wo immer er sich in einem Lebensstand aufhält, mit gezügelten Sinnen stets sein eigenes, im eigenen Körper gegenwärtiges Mantra erinnern und seine Gestalt darin niederlegen.“
„Wenn zur Zeit des Ablegens des Körpers irgendwo die endgültige Ruhe eintritt, gelangt er, nachdem er den eigenen Leib überschritten hat, zum ursprünglichen höchsten Zustand.“
An anderer Stelle heißt es:
„Der Körper selbst ist das Heiligtum. Man soll nicht nach einem anderen Heiligtum gehen. Man soll ein einziges heiliges Ufer aufsuchen – das Mantra – und andere Pilgerstätten verlassen.“
Und:
„Die Sterblichen, die mich im Zustand körperlicher Gesundheit und klarer Handlungsfähigkeit erinnern, an die erinnere ich mich am Ende, selbst wenn sie dann wie Holz oder Stein geworden sind.“
Umgang mit Tod und Trauer
Für einen spirituell hochstehenden Menschen, der sein Leben vollendet hat, soll man nach dieser Überlieferung keine übermäßige Klage mit Tränen und Selbstquälung veranstalten.
Im Pūrvaśāsana heißt es:
„Weinen und körperliche Selbstquälung sind in allen Lehrsystemen untersagt; besonders im Bhairava-Tantra gelten sie als eine vom gebundenen Menschen hervorgebrachte Verwirrung.“
„Diese unangemessene Verhaltensweise soll man aufgeben; doch die vorgeschriebenen nach dem Tod zu vollziehenden Riten sollen nicht einfach verworfen werden.“
Im Rahasya-Tilaka wird zugleich für Träger einer höheren geheimen Lehre gelehrt, dass sie zur Wahrung gesellschaftlicher Ordnung die allgemein anerkannten Bräuche nicht unnötig zerstören sollen:
„Der gesellschaftliche Brauch soll niemals abgebrochen werden. Das Geheime soll geheim gehalten werden; das Äußere äußerlich und das Innere innerlich.“
Wenn in solchen Fragen zwischen zwei Wegen gewählt werden muss, sollen die hervorragenden Gurus als maßgebliche Autorität gelten.
Riten für die Vorfahren
Mit Bezug auf die Vorfahren sollen nach Verehrung des Guru Yāga, Japa, Homa, Fasten und andere entsprechende Handlungen durchgeführt werden.
Im Mahākula heißt es:
„Selbst wenn ein Maṇḍala nur angerissen, teilweise unvollständig oder mit beliebigen Substanzen versehen ist und sogar ohne ausdrückliche Anrufung eines Mantras nach der vorgeschriebenen Ordnung errichtet wird –“
„stellen sich darin sieben Koṭis von Mantras gegenwärtig ein. Um wieviel mehr gilt dies, wenn dort der Kaula-Āmnāya angerufen und vollständig verehrt wird.“
„Wenn dies den Vorfahren gewidmet wird, o Gute, dient es nach dieser Überlieferung ihrem unbegrenzten Wohl.“
Riten für Verstorbene
Auch im Pracaṇḍabhairava heißt es:
„Menschen, die nur geringe körperliche Kraft oder wenig Vermögen besitzen, aber Guru und Mantra hingegeben sind, sind besonders zur Durchführung großer Yāgas und aufwendiger Verehrungen nicht immer fähig.“
„Dann soll ein Wissender für ihre Vorfahren ein Siddha-Liṅga verehren. Eine solche Verehrung gilt dort als etwas, das selbst für die Götter schwer zu erlangen ist.“
„Sie erhebt nach dieser Lehre zehn Generationen der Vergangenheit und zehn Generationen der Zukunft.“
Im Bhāgeśamata heißt es weiter:
„Diejenigen, die durch Gift, Schlangen, Feuer, epileptische Anfälle, Hunger, Überessen oder Fesselung gestorben sind;“
„durch gewaltsames Wasser, Erschlagen, königliche Strafe oder Räuber;“
„durch große Hitze, Kälte, Wagenunfälle, Tiere, Unwetter oder andere schwere Umstände;“
„die durch Brahmanen, Mlecchas, Andersgläubige oder gewaltsame magische Praktiken zugrunde gingen;“
„die aufgrund schlechter Handlungen starben, Verrat an Freunden begingen, ihren Herrn verrieten oder sich selbst verletzten;“
„schwangere Frauen, Frauen von schlechtem Verhalten oder solche, die bei der Geburt starben – für all diese, o Schönhüftige, gibt es nach dieser Tradition keinen anderen Weg der Erhebung –“
„ohne Yāga, ohne Homa, ohne Annahme einer rituellen Gestalt, ohne die durch die Mahājāla-Praxis herbeigeführte rituelle Einsetzung des Pudgala –“
„und ohne die als mṛtoddharaṇa, ‚Erhebung des Verstorbenen‘, bezeichnete Dīkṣā, die sich auf alle Adhvas erstreckt.“
Der Autor schließt diese Diskussion mit der Klarstellung: Dies ist der Weg für diejenigen, die der höheren Śaiva-Lehre folgen. Für andere ist dasjenige heilsam, was die Vorschriften der jeweils eigenen Schrift und Tradition bestimmen. Damit sei dieser Punkt beendet.
Abschluss: Jīvanmukti und Śivatva
Wenn man auf die eben erläuterte Weise den Zusammenhang der Kette von Geburt und Tod erkannt hat, gelangen gute Menschen durch nicht künstlich erzeugte Wiedererkennung des eigenen Wesens zur Jīvanmukti und erreichen die Erfüllung dessen, was zu vollbringen war.
Wie gesagt wurde:
„Ihr Götter, wenn ihr die höchste Wirklichkeit erkannt habt und aus dem Ozean des Bewusstseins jenen Nektar trinkt, der durch das kraftvolle Pressen der unerschütterlichen Herzenskraft hervorgebracht wird – dann ist, selbst wenn zuvor das Gift Kālakūṭa verschlungen wurde, euer Śiva-Sein gewiss.“
Der Autorenvers lautet:
„Durch die Gnade des ehrwürdigen Yogīśvarācārya zu diesem Stand gelangt, verfasste Vāmadeva diese Untersuchung über Geburt und Tod.“
Danach folgt eine weitere Schlussstrophe:
„Junge Frauen, vom frischen Rausch verlangsamt, und süße Lieder zur Frühlingszeit – ach, ach – rauben das Herz; ebenso tun es Worte mit anmutigen Gliedern, wenn sie das geheime Wesen in sich tragen.“
Damit endet die Schrift mit dem Titel Janmamaraṇavicāra.
Vollständiger Sanskrittext in Umschrift
Die folgende Fassung gibt den vollständigen eigentlichen Vāmadeva-Text der bereitgestellten Muktabodha-Datei wieder. Reine Seitenmarken der Druckausgabe wurden entfernt; Sanskrit-Lesarten wurden nicht aus anderen Editionen ersetzt.
oṃ namaḥ śivāyāmṛtavapuṣe |
atha
janmamaraṇavicāragranthaḥ |
śrīmadbhaṭṭavāmadevācāryaviracitaḥ |
sāndrodrekakṣubhitamabhitaḥ svāntamantarniyamya prāyo dhatte
navanavarasollekhamānandakandam | bhūyo bhūyaḥ
pralayavibhavoddāmaduḥkhāntarāyo yo'sāvantarjayati hṛdaye ko'pi
saṃvidvikāsaḥ || 1 ||
iha khalu nikhilajagadātmā sarvottīrṇaśca sarvamayaśca
vikalpāsaṃkucitasaṃvitprakāśarūpaḥ
anavacchinnacidānandaviśrāntaḥ
prasaradaviralavicitrapañcavāhavāhavāhinīmahodadhiḥ
niratiśayasvātantryasīmani pragalbhamānaḥ sarvaśaktikhacita eka
eva asti saṃvidātmā maheśvaraḥ | tasya prakāśarūpatā
cicchaktiḥ svātantryam ānandaśaktiḥ taccamatkāraḥ icchāśaktiḥ
āmarśātmakatā jñānaśaktiḥ sarvākārayogitvaṃ kriyāśaktiḥ
iti |
itthaṃ sarvaśaktiyoge'pi ābhirmukhyābhiḥ śaktibhirupacaryate sa
ca bhagavān svātantryaśaktimahimnā svātmānaṃ saṃkucitamiva
ābhāsayan aṇuḥ iti ucyate | yathoktam -
vyāpako hi śivaḥ svecchākḷptasaṃkocamudraṇāt |
vicitraphalakarmaughavaśāttattaccharīrabhāk ||
iti nijasvarūpagopanakelilolam evaṃ māheśaśaktiparispandaṃ
pravaraguravaḥ pratipedire | tathā ca āhuḥ -
atidurghaṭakāaritvātsvācchandyānnirmalādasau |
svātmapracchādanakrīḍāpaṇḍitaḥ parameśvaraḥ ||
anāvṛte svarūpe'pi yadātmācchādanaṃ vibhoḥ | saivāvidyā yato
bheda etāvānviśvavṛttikaḥ ||
iti | na ca etāvatā bhagavato
deśakālākāropādhivirahitaniratiśayānandaparispandātmakasya
kācidapi kṣatiḥ pratyuta paramamahimnaḥ paripuṣṭirityuktam |
asthāsyadekarūpeṇa vapuṣā cenmaheśvaraḥ | maheśvaratvaṃ
saṃvittvaṃ tadatyakṣyadghaṭādivat ||
paricchinnaprakāśatvaṃ jaḍasya kila lakṣaṇam |
jaḍādvilakṣaṇobodho yato na parimīyate ||
tena bodhamahāsindhorullāsinyaḥ svaśaktayaḥ | āśrayantyūrmaya
iva svātmasaṃghaṭṭacitratām ||
ityādi | tadevam asau bhagavān svamāyāśaktyākhyena
avyabhicaritasvātantryaśaktimahimnā svātmanaiva ātmānaṃ
saṃkucitamiva avabhāsayan vijñānākalaḥ pralayākalaḥ sakalaśca
saṃpadyate | tatra āṇavena ekenaiva malena saṃyukto vijñānākala
ucyate dvābhyām āṇavamāyīyābhyām apavedyaḥ pralayākalaḥ
tribhirāṇavamāyīyakārmaiḥ saṃvedyaḥ taireva
kalādidharaṇyantatattvamayaḥ sakalaḥ tadarthameva ayamarthasargaḥ |
tatra sṛṣṭyunmukho bhagavān śuddhādhvani vartamānaḥ
svaśaktibhiḥ māyāṃ vikṣobhya kalātattvaṃ
kiṃcitkartṛtvalakṣaṇaṃ pudgalasya sṛjati tato'pi
kiṃcidavabodhākhyaṃ vidyātattvaṃ kiṃcidabhilāṣarūpaṃ ca
rāgatattvaṃ tadetatsarāgaṃ kartṛtattvaṃ
bhūtabhaviṣyadvartamānatayā tridhā avacchidyate tat kālatattvaṃ
tulyatve'pi rāge yena kartṛtvasya
avacchedaḥ kriyate tat niyatitattvaṃ tadetat kañcukaṣaṭkam
antarmalāvṛtasya pudgalasya bahirācchādakam uktaṃ ca
cillācakreśvaramate
māyā kalā śuddhavidyā rāgakalau niyantraṇā |
ṣaḍetānyāvṛtivaśātkañcukāni mitātmanaḥ ||
evaṃ ca pudgalasyāntarmalaḥ kañcukavatsthitaḥ | tuṣavatkañcukāni
syustasmājjñānakriyojjhitaḥ ||
iti | sā ca kalā puruṣasya parimitaṃ kartṛtvaṃ prakāśya
sukhaduḥkhamoharūpaṃ bhogyam avyaktatvaṃ sṛjati tato'pi
aṣṭaguṇaṃ buddhitattvam utpannaṃ tato'pi
sāttvikarājasatāmasabhedabhinnaṃ triskandham ahaṃkāratattvam tatra
pūrvasmāt ahaṃkārāt mano jātaṃ aparasmāt indriyāṇi tṛtīyāt
tanmātrāṇi ebhyo bhūtāni - ityevamayam ekasyaiva ādidevasya
svātantryamahimnā saṃsāre saṃsarataḥ parimitapramātṛtām
avalambamānasya tattvaprasaraḥ uktaṃ ca -
bhūtāni tanmātragaṇendriyāṇi mūlaṃ pumānkañcukayuksuśuddham |
vidyādiśaktyantamiyānsvasaṃvit- sindhostaraṅgaprasaraprapañcaḥ ||
tathā -
sāla utta puripuṇṇa u sa-alla-utta uttiṇṇa | pari āṇaha attāṇa
u pari masiveṇa samāṇa u ||
iti | eteṣāṃ ca uktarūpāṇāṃ tattvānāṃ pramātṛbhede
vaicitryāt prameyavaicitryaṃ bhavati iti śrīpūrvaśāstre kathitam
tathāhi -
śaktimacchaktibhedena dharātattvaṃ vibhidyate | svarūpasahitaṃ
tacca vijñeyaṃ daśapañcadhā ||
anenaiva vidhānena puṃstattvāttu kalāntikam | trayodaśavidhaṃ
jñeyaṃ rudravatpralayākalaḥ ||
tadvanmāyāpi vijñeyā navadhā jñānakevalaḥ | mantrāḥ
saptavidhāstadvatpañcadhā mantranāyakāḥ ||
tridhā mantreśvareśānāḥ śivaḥ sākṣānna bhidyate | yaḥ punaḥ
sarvatattvāni vettyetāni yathārthataḥ ||
sa gururmatsamaḥ prokto mantravīryaprakāśakaḥ | dṛṣṭāḥ
saṃbhāṣitāstena spṛṣṭāśca prītacetasā ||
narāḥ pāpaiḥ pramucyante saptajanmakṛtairapi |
iti | tadevam anekāvasāyo'yaṃ tattvakramaḥ | eteṣāṃ ca
tattvānāṃ vargaśo yadanugāmi rūpam -
ekarūpam - ekarūpakalanāsahiṣṇutvāt sā kalā kathyate | tathā hi
nivartante yatastattvavargāḥ sā nivṛttirnāma kalā |
sā ca pṛthivyāmeva vyavasthitā |
kāraṇatve pūraṇāpyāyakāritvāt pratiṣṭhā nāma kalā ucyate |
sā ca jalādimūlāntaṃ vyāpya vyavasthitā |
vedyavilaye saṃvidādhikyāt vidyā nāma kalā |
sā ca pumādimāyāntam adhvānam adhyāste |
kañcukataraṅgopaśamāt śāntā nāma kalā ucyate |
sā ca śuddhavidyādiśaktyante sthitā iti | etadeva
aṇḍacatuṣṭayaṃ pārthivaprākṛtamāyīyaśāktalakṣaṇam |
sarvātītatvāt śivatattve śāntyatītā |
iti | paraṃ tu tattvaṃ svatantratvāt kalātītam āsāmeva kalānāṃ
tattvavadantarbhūtāni bhuvanānyapi boddhavyāni evaṃ
sthūlasūkṣmaparatvena
bhuvanatattvakalārūpaṃ trividharūpaṃ prameyam uktam pramāṇamapi
tathaiva padamantravarṇatayā trividhameva - iti ekasyaiva
pūrṇapramātuḥ svātantryāt saṃsarataḥ ṣaḍvidhe adhvani
viśrāntiruktā | bhavanti cātra
dīkṣāparighaṭanasaṃgrahaślokāḥ -
padamantravarṇamekaṃ puraṣoḍaśakaṃ dhareti ca nivṛttiḥ |
tattvārṇamagninayanaṃ rasaśarapuramastramantrapadamanyā ||
munitattvārṇaṃ dvikapada- mantraṃ vasvakṣibhuvanamaparakalā |
agnyarṇatattvamekaka- padamantraṃ saikabhuvanamiti turyā ||
ṣoḍaśa varṇāḥ padamantra- tattvamekaṃ ca śāntyatīteyam ||
iti | tadevam āṇavīṃ vṛttim ālambya bhagavān vicitraiḥ
jātyāyurbhogaiḥ jarāyuja aṇḍaja udbhedaja svedajādijātaṃ
prādurbhāvayati | tatra upabhuktasya annapānasya pākavaśāt
rasarūpatayā sthitasya raktamāṃsamedo'sthimajjātmanā
śukradhātau viśrāntirbhavati taṃtra imāḥ prajāḥ prajāyante |
tathā coktaṃ sauśrute -
iha khalu pāñcabhautikasya caturvidhasya āhārasya ṣaḍrasopetasya
dvividharasavīryasya aṣṭavidharasavīryasya anekaprakāropabhuktasya
pariṇatasya yastejorūpaḥ sāraḥ sūkṣmaḥ sa rasa ityucyate tasya
hṛdayaṃ sthānaṃ sa ca hṛdayāt caturviṃśatidhamanīranupraviśya
ūrdhvagā daśa daśa ca adhogāminīḥ catasraḥ tiryaggāḥ sakalaṃ
śarīram aharahastarpayati jīvayati dhārayati vardhayati
adṛṣṭanimittena karmaṇā sa khalu āpyo raso yakṛtplīhādiṃ
prāpya rāgamupaiti bhavanti vā atra ślokāḥ -
rañjitāstejasā tvāpaḥ śarīrasthena dehinām | avyāpannāḥ
prasannena raktamityeva tadviduḥ ||
rasādeva striyo raktaṃ rajaḥsaṃjñaṃ pravartate |
tadvaśāddvādaśādūrdhvaṃ yāti pañcāśatiḥ kṣitim ||
ārtavaṃ śoṇitam āgneyam - agnīṣomīyatvāt garbhasya |
rasādraktaṃ tato māṃsaṃ māṃsānmedaśca jāyate | medaso'sthi
tato majjā majjātaḥ śukrasaṃbhavaḥ ||
evaṃ māṃsena śukratvaṃ raso yāti yathākramam | strīṇāṃ
tathaiva māsena bhavedārtavasaṃbhavaḥ ||
iti | tadevaṃ bhūte mātṛpitṛsaṃbandhasaṃbhūte agnīṣomātmake
raktaretasīi kusumasamayādanantaraṃ -
jananījaṭhare retaḥ kalilībhavati tato budbudam tataḥ peśī tato
ghanaḥ yāvadaṅgaparigrahaḥ aṅgavyaktiḥ saṃvidullāsaḥ
sarvāṅgasaṃpattirojaḥ saṃcāraḥ sukhaduḥkhasaṃvittiriti yāvat
prajāyate | uktaṃ śrīcillācakreśvaramate -
somasūryarasollāsaparasparanigharṣaṇāt | jātavedasi saṃjāte
madhyadhāmavikāsini ||
virāruṇaparīṇāmavaśādaṅkurasaṃbhavaḥ | ekarātroṣitaṃ retaḥ
siktaṃ kalilatāṃ vrajet ||
budbudaṃ saptarātreṇa peśī māsena jāyate | dvitīye māsi ca
ghanastṛtīye'gniparigrahaḥ ||
caturthe vyaṅgatāṅgānāṃ cetanā pañcame bhavet | ṣaṣṭhe
sarvāṅgasaṃbhedaḥ saptame calanodgamaḥ ||
tejo'ṣṭame saṃcarati navame vedanaṃ bhavet | saṃpūrṇadeho
daśame māsi jantuḥ prajāyate ||
jāto'sau vāyunā spṛṣṭo yoniyantraprapīḍitaḥ | na
smaratyugrasaṃtāpamanekabhavasaṃbhavam ||
krameṇa vṛddhimāyānti tasyaite dehahetavaḥ | rasaḥ sthitiṃ
prakurute raktaṃ saṃjīvayatyalam ||
māṃsaṃ vṛṃhayati prāyo medaḥ snehayati sphuṭam | dhārayanti
tathāsthīni majjāntaḥ sārasaṃśrayā ||
harṣotkarṣakaraṃ śukraṃ mūtraṃ kledavivekakṛt |
vāyvagnisaṃrodhakaraṃ purīṣaṃ parikīrtitam ||
svedakledopakaraṇaṃ garbhaheturathārtavam | evaṃ śarīramāsādya
ṣāṭkośaṃ tatparigrahāt ||
anapekṣya nijaṃ bhāvaṃ pumānbhāvānapekṣate ||
iti | ayameva ca artho niruktikṛtāpi -
uktapārthivān aṣṭau guṇān vidyāt trīn mātṛtaḥ trīn pitṛtaḥ
ityādyupakramya uktaḥ | atraiva idaṃ puṃstrīnapuṃsakalakṣaṇaṃ
prakṛtitrayakāraṇam -
somādhikyena puṃjanma sūryādhikyena yoṣitaḥ | sāmyātklībastu
vātena bhedātsyādbahvapatyatā ||
iti | avayavabhedo'pi -
navame daśame māsi prabalaiḥ sūtimarutaiḥ | niḥsāryate bāṇa iva
yantracchidreṇa sajvaraḥ ||
tasya ṣoḍhā śarīaṃ tatṣaṭ tvaco dhārayanti ca | asthnāṃ
tathā ṣaṣṭyadhikaṃ vinibaddhaṃ śatatrayam ||
sthūlaiḥ saha catuḥṣaṣṭirdaśanā viṃśatirnakhāḥ |
pāṇipādaśalākāśca tāsāṃ sthāne catuṣṭayam ||
ṣaṣṭyaṅgulīnāṃ dve pārṣṇī gulpheṣu ca catuṣṭayam |
catvāryaratnikāsthīni jaṃghayostāvadeva tu | dve dve
jānukapoloruphalakāṃsasamudbhave | akṣisthalūṣake śroṇīphalake
ca vinirdiśet ||
bhagāsthyekaṃ tathā pṛṣṭhe catvāriṃśacca pañca ca | grīvā
pañcadaśāsthīni jatrvekaṃ ca tathā hanuḥ ||
tanmūle dve lalāṭākṣigaṇḍanāsāghanāsthikā |
parśukāstalakaiḥ sārdhamarbude ca dvisaptatiḥ ||
dvau śaṅkhakau kapālāni catvāryeva śirastathā | uraḥ
pañcadaśāsthīni puruṣasyāsthisaṃgrahaḥ ||
iti | eteṣveva
kapālabharaṇaturuṇḍaruṇḍarucakanalayaṣṭīlanalakabhedena
abhidhānāni śāstrāntareṣu uktāni | sthānāntarāṇi āha -
vasāvapāvahananaṃ nābhiklomayakṛtplihā | kṣudrāntravṛkśako
vastiḥ purīṣāpāna eva ca ||
āmāśayo'tha hṛdayaṃ sthūlāntraṃ gudameva ca | uttarau ca gudau
koṣṭhau vistāro'yamudāhṛtaḥ ||
kanīnike sākṣikūṭe śaṣkulī karṇaputrike | gaṇḍau śaṅkhau
bhruvau kaṣṭaveṣṭāvoṣṭhau kukundare ||
vaṅkṣaṇau vṛṣaṇau vṛkkau śleṣmasaṃghātikau stanau |
upajihvāsphijau jihvājaṃghe corū ca piṇḍike ||
tālūdaravastiśīrṣe cibuke galaśuṇḍike | akṣipakṣmacatuṣkaṃ
ca paddhastahṛdayāni tu ||
avaṭuścaivamādīni sthānānyatra śarīrake | navacchidrāṇi
tānyeva prāṇasyāyatanāni ca ||
dhamanīnāṃ śate dve tu pañcapeśīśatāni ca |
iti |
strīṇāṃ ca stanayorgartādaṣṭātriṃśadadhikāḥ sapeśyo
dhamanyo bhavanti
iti sauśrutaḥ |
ekānnatriṃśallakṣāṇi nava snāyuśatāni ca | ṣaṭpañcaśāni tu
jñeyā sirā dhamanisantatiḥ ||
saptottaraṃ marmaśataṃ dve tu saṃdhiśate tathā | lomnāṃ
koṭyastu pañcāśaccatasraḥ koṭya eva ca ||
rasasya nava vijñeyā jalasyāñjalayo daśa | sapta vai tu purīṣasya
raktasyāṣṭau prakīrtitāḥ ||
śleṣmā ṣaṭvañca pittaṃ ca catvāro mūtrameva ca | vasātrayaṃ
ca dvau medo majjaikārdhaṃ ca mastake ||
śleṣmaujasastāvadeva retasastāvadeva ca | ityetadasthiraṃ varṣma
yasya mokṣāya kṛtyasau ||
iti svasthasya saumyadhātorevam | anyathā tu -
vailakṣaṇyāccharīrāṇāmasvasthatvāttathaiva ca |
doṣadhātumalānāṃ ca parimāṇaṃ na vidyate ||
ityuktam | tadetat vibhāgena bībhatsadarśanaṃ
vairāgyamunibhiragāyi tathā cāhuḥ -
asthisthūṇaṃ snāyuyutaṃ māṃsaśoṇitalepanam | carmāvanaddhaṃ
durgandhi pūrṇaṃ mūtrapurīṣayoḥ ||
jarāśokasamāviṣṭaṃ rogāyatanamāturam | rajasvalamanityaṃ ca
bhūtāvāsamimaṃ tyajet ||
muniḥ pārāśaryo'pi āha -
sarvāśucinidhānasya kṛtaghnasya vināśinaḥ | śarīrakasyāpi
kṛte mūḍhāḥ pāpāni kurvate ||
āhārairnīyamānāya kramādduḥkhena ramyatām | ko hi nāma
śarīrāya dharmāpetaṃ samācaret ||
iti | evaṃ śarīramuktvā śarīrisvarūpamucyate -
dvāsaptatisahasrāṇi hṛdayādabhiniḥsṛtāḥ | hitā nāmāhitā
nāḍyastāsāṃ madhye śaśiprabham ||
maṇḍalaṃ tasya madhyastha ātmā dīpa ivācalaḥ | sa jñeyastaṃ
viditveha punarājāyate na tu ||
idamatra tātparyam - taṃ tathābhūtamātmānaṃ viditvā naro na
janmakleśamanubhavati kiṃbhūtaṃ yaddhṛdayoktaṃ
dvāsaptatisaṃkhyāvacchinnaṃ nāḍīcakraṃ tadantar yat
śaśimaṇḍalaṃ tadantaḥsthaṃ tāśca
nāḍyo'śitapītarasasaṃcaraṇādhikāratvāt puṇyopacayena hitāḥ
tadabhāvena ahitāḥ tāsāṃ saṃcāraka eka eva vyavahārabhedāt
pañcabhedo vāyuḥ tāsāṃ ca dve pradhāne - dakṣiṇottarasaṃbaddhe
agnīṣomātmake taddvāreṇa prāṇasya ūrdhvagamanam
ahaḥ adho'pānasya rātriḥ etena
ardhamāsamāsartuvatsarādikālavibhāgo'pi vyākhyātaḥ
samaprāṇacāro viṣuvat tayormadhye tṛtīyā daṇḍākārā
brahmanāḍī sthitā tatra niruddhaprāṇo yogī dīpākāram
ātmānaṃ paśyati iti ata evoktaṃ -
samyagdarśanasaṃpannaḥ karmabhirna sa badhyate | darśanena
vihīnastu saṃsāraṃ pratipadyate ||
iti | saṃsārapravṛttau ca tasya kalāto viṣayavibhedo munibhiruktaḥ
tathāhi
paradravyāṇyabhidhyāyaṃstathāniṣṭāni cintayan |
vitathābhiniveśī ca jāyate'ntyāsu yoniṣu ||
puruṣo'nṛtavādī ca piśunaḥ puruṣastathā | anibaddhapralāpī ca
mṛgapakṣiṣu jāyate ||
adattādānanirataḥ paradāropasevakaḥ | hiṃsakaścāvidhānena
sthāvarepūpajāyate ||
ityādi ayaṃ tu uktayātanasya niyogaḥ advayarūpasya ātmanaḥ
kutastyo'yaṃ bhedaḥ? iti cet - māyāmahāmohavikalpakalpita ityāha
-
ākāśamekaṃ hi yathā ghaṭādiṣu pṛthagbhavet |
tathātmaiko'pyanekaśca jalādhāreṣvivāṃśumān ||
iti | na ca apakvakaṣāyasya kadācidapi uktarūpam ātmajñānaṃ
bhavati tathā ca -
malino hi yathādarśo rūpālokasya na kṣamaḥ | tathā
hyapakvakaraṇa ātmajñanasya na kṣamaḥ ||
ityādyuktam | ityalaṃ bhūyasā uktena | evam asau bhagavān
svātantryaśaktimahimnā paśudaśām avalambamāno
bhogopadānapravaṇaḥ saṃpūrṇadehaprāṇabalaḥ san uktena
ṣaḍadhvajālakrameṇa prabuddhaḥ śarīraparigraham āsādayati
krameṇa bhukteṣu karmasu ṣaḍirbhāvavikārairjarārogādibhiḥ
kāyayantre vighaṭamāne dehastambho vepathurnāḍīcakrasaṃkocaḥ
kvacidviparyayeṇa tadvikāso marmabhaṅgaḥ śoṣa ityādi
pūrvasaṃsthāpanopamardakaṃ sarvam upapadyate yāvat vinaśyati
vināśaśca kṣaṇiko'sya yadyapi tathāpi sthūlayā vṛttyā
daśabhirdaśabhirabhivyaktaḥ proktaḥ | tathāhi -
bālyaṃ vṛddhirbalaṃ prajñā tvakcakṣuḥ śrotramindriyam |
āsanaṃ śayanaṃ puṃsāṃ daśabhirdaśabhirvrajet ||
ityuktaṃ | tataśca tasmin śarīrayantre vighaṭite sā saṃvit
prāṇanātmatām avalambya āṃtivāhikena -
dehena dehāntaraṃ nīyate tataśca ātivāhikaṃ śarīrakaṃ
bhūtabhaviṣyaddehāntarāle yugyasthānīyaṃ saṃbhavati
yadārūḍho'sau pudgalaḥ śarīrāntarāsaṅgam anubhavati uktaṃ ca
kośabhāṣye -
mṛtyūpapattibhavayorantarā bhavatīha yaḥ |
gamyadeśānuṣaktatvādupapanno'ntarābhavaḥ ||
vrīhisaṃtānasādharmyādavacchinnasamudbhavaḥ |
pratibimbamasiddhitvādasāmyācca nidarśanāt ||
sa punarmaraṇātpūrvamupapattikṣaṇātparam |
svajātiśuddhakarmākṣadṛśyakarmavivekavān ||
iti | śrutiśca -
dve te cakre sūrye brahmāṇa ṛtuthā viduḥ | athaikaṃ cakraṃ
yadguhā tadaddhātaya idviduḥ ||
iti ayamarthaḥ - he sūrye bhagavati ātmaśakte brahmāṇaḥ
brahmavādinaḥ ṛtuthā kāle kāle te tava saṃbandhinī dve cakre
viduḥ cakramiva cakraṃ parivartasādharmyāt śarīramucyate
tayordvitvaṃ vartamānabhāvibhedāt atastayorantare kathitayā yuktyā
yadekamātivāhikākhyaṃ tat guhā guptam anupalakṣyam ityarthaḥ ata
eva tadaddhātayaḥ it viduḥ yogina eva jānanti iti tātparyam |
tathā ca jāgradavasthāyāṃ dṛḍhakaraṇasya pramāturindriyāṇi
śrotrādīni śabdādayaśca viṣayā bhavanti tathā prameyasamaye
pracalitam antaḥkaraṇamindriyaṃ yiyāsutā ca viṣayaḥ tāmeva
yiyāsutām adhikṛtya pravaramuniḥ pārāśaryaḥ samādhitavān
yaṃ yaṃ vāpi smaranbhāvaṃ tyajatyante kalevaram | taṃ tamevaiti
kaunteya sadā tadbhāvabhāvitaḥ ||
iti | ayamatra saṃkṣepārthaḥ - saṃbhavabhogaḥ janmabhogaḥ
sthitibhogaśca iti tisraḥ śarīrasya prāgavasthābhavanti hi
tathāhi - jaṭhare cetanāyāṃ saṃjātāyāṃ garbhabhogaḥ
prasavasamaye janmabhogaḥ prasūtasya bālyādivayaḥ parāvṛttyā
vicitraḥ sthitibhogaḥ | mṛtibhogaḥ yiyāsutā ca dve caramāvasthe
tatra mṛtibhogaḥ vicitrā śarīrapīḍā yiyāsutā
ātivāhikaśarīrasaṃbaddhā tāmeva ca yiyāsutāmuddiśya -
yaṃ yaṃ vāpi smaranbhāvam * * * * * * * * |
ityādi pravṛttaṃ ata eva bhūtabhaviṣyadarthahitārthavādinaḥ -
smaranniti śabdapratyayasya yathārthaḥ prayogaḥ syāt etadeva ca
vitatya śrītantrāloke pratipāditam
mṛtibhogaḥ samasto'yaṃ marmacchinmūḍhatākṣagaḥ |
tatrendriyāṇāṃ saṃmohaḥ śvāsāyāsaparītatā ||
yastvasau kṣaṇa evaikaścaramaḥ prāṇanātmakaḥ | sā
dehatyāgakālāṃśakalā prāṇaviyoginī ||
tasyāṃ yadeva smarati prāksaṃskāraprabodhataḥ | tadeva
rūpamabhyeti sukhaduḥkhavimohitam ||
iti | atra ca viṣayanaiyatyena vibhāgo vyāsamuninaiva kṛtaḥ |
yadā sattve vivṛddhe tu pralayaṃ yāti dehabhṛt |
ityādinā granthena | tā etāḥ śarīrāvasthāḥ
pañcāre cakre parivartamāne tasminnātasthurbhuvanāni viśvā |
ityādiśrutāvuktāḥ | anyatrāpi -
saṃbhavo janma sattā ca mṛtiścātha yiyāsutā | etāḥ pañca
śarīrasya pariṇāmavipattayaḥ ||
ityuktam | etadevamuktarūpeṇa asau ātivāhikena dehena dehāntaraṃ
nīyate so'pi dehaḥ suptotthitāt prabodham avāpya prāṇiti -
uktena cakreṇa so'pi vinaśyati yāvat araghaṭṭaghaṭīyantravat
parivartamāno'ṇuḥ nānākāyanikāyaiḥ saṃsarati saṃsāre |
tathā ca śrutiḥ -
sasyamiva martyaḥ pacyate sasyamiva jāyate punaḥ |
iti |
vāsāṃsi jīrṇāni yathā vihāya |
ityādinā vyāsamunināpi etaduktam |
atha kadācitparameśvarānugrahaśaktipātapavitritaḥ kenāpi
dīkṣādinā upāyena saṃvidānandaviśrāntam advayaṃ nijaṃ rūpaṃ
parāmṛśati tataḥ svarūpamālambate yathoktaṃ śrīmālinīvijaye -
evamasyātmanaḥ kāle kasmiṃścidyogyatāvaśāt |
ityupakramya -
tatkṣaṇādvopabhogādvā dehapāte śivaṃ vrajet |
ityevamantena granthena | yadvā kvāpi parameśvarāyatane śarīram
ativāhya pūrve vidhau krameṇa parameśvarībhavati taduktaṃ
śrīsāttvatāyām -
prāsādadvāradeśācca yatra śaṅkhadhvaniścaran | prayāti sarvato
dikṣu tatkṣetraṃ vaiṣṇavaṃ matam ||
munipraṇītāddviguṇaṃ tadeva parikīrtitam |
siddhāvatāritāddevāttadeva triguṇaṃ smṛtam ||
caturguṇaṃ svayaṃ vyaktāddehānte bhāvitātmanām | phalaṃ
sāyujyatāpūrvaṃ vijñeyaṃ tu kramāttataḥ ||
duṣṭendriyavaśāccittaṃ nṛṇāṃ yatkalmaṣeritam | tadantakāle
saṃśuddhiṃ yāti nārāyaṇālaye ||
iti | śrīmadamṛteśaśikhāyāmapi -
ye tu tattvāvatīrṇānāṃ śaṅkarājñānuvartinām |
svayaṃbhūmunidevarṣimanujādibhuvāṃ gṛhe ||
mṛtāste tatpuraṃ prāpya pureśairdīkṣitāḥ kramāt |
martye'vatīrya vā nāvā prayānti paramaṃ padam ||
tatra svayaṃbhuvo dvedhā ke'pyanugrahatatparāḥ | ke'pi
svakāryeṇāyātāḥ pūrve nirvāṇadāyinaḥ ||
iti | tatrāpi na sarvasya mokṣa ityuktam -
paśumātrasya sālokyaṃ sāmīpyaṃ dīkṣitasya tu | tatparasya tu
sāyujyamityājñā pārameśvarī ||
yastūrdhvaśāstragastatra tyaktāsthaḥ saṃśayena saḥ |
vrajedāyatanaṃ naiva sa phalaṃ kiṃcidaśnute ||
dīkṣāyatanavijñānadveṣiṇo ye tu cetasā | ācaranti ca tatte vai
sarve nirayagāminaḥ ||
ye ca svabhyastavijñānamayāḥ śivamayā hi te | jīvanmuktā na
teṣāṃ syānmṛtau kāpi vicāraṇā ||
iti | ata eva uktaṃ śrīniśāṭane
godohamiṣupātaṃ vā nayanonmīlanaṃ ca vā | samyagyuktaḥ pare
tattve na bhūyo janmabhāgbhavet ||
yasmātpūrvaṃ pare nyasto yenātmā brahmaṇi svayam | smaraṇaṃ tu
kathaṃ tasya prāṇānte samupasthite ||
iti | śrīrāmabhaṭṭārake'pi
tāvatkṣetraṃ tathā tīrthaṃ yāvadbrahmaṇi no viśet | tadviditvā
śvapāko'pi matsamo nātra saṃśayaḥ ||
iti | bhagavatā bhegipatināpi
tīrthe śvapacagṛhe vā naṣṭasmṛtirapi parityajandeham |
jñānasamakālamuktaḥ kaivalyaṃ yāti hataśokaḥ ||
iti | śrīmatpauṣkarāyāmapi uktam
kṣityantānāṃ ca tattvānāṃ devatvena vyavasthitaḥ | mantrajño
bhagavadbhaktaḥ śraddadhānaḥ sadāstikaḥ ||
yatra yatrāśrame caiva nivasetsaṃyatendriyaḥ | svadehasthaṃ
smarennityaṃ svamantraṃ nyastavigrahaḥ ||
dehasaṃnyāsakāle tu viśrānto yatra kutracit | prayāti padamādyaṃ
vai samutkrāntaḥ svavigraham \|
iti | anyatrāpi
śarīramevāyatanaṃ nānyadāyatanaṃ vrajet | tīrthamekaṃ
śrayenmantramanyatīrthāni varjayet ||
iti | tathā -
svasthaceṣṭāśca ye martyāḥ smaranti mama nārada |
kāṣṭhapāṣāṇatulyāṃstānantakāle smarāmyaham ||
ityuktaṃ | na ca saṃsthitasya uttamatayā adhikāriṇo
lokayātrāprasiddhāsruvimocanādiparidevitaṃ kāryam yathoktaṃ
śrīpūrvaśāsane
niṣiddhaṃ sarvaśāstrāṇāṃ rodanaṃ kāyaśāsanam |
viśeṣādbhairave tantre śambaraṃ paśukalpitam ||
ayuktamimamācāraṃ tyajedvai naurdhvadaihikam |
iti | śrīmatarahasyatilake'pi uttamanayādhikāriṇāṃ
saṃvṛtanijasadācārāṇāṃ lokaprasiddhirakṣāyai
tadācārāparityāgo'pi āmnātaḥ tathāhi
lokācārasya vicchedo na kartavyaḥ kadācana | guhyaṃ guhyataraṃ
kāryaṃ bāhyaṃ bāhyāntaraṃ tathā ||
iti | anayośca pakṣayorekatarapakṣāvalambane pravaragurava eva
pramāṇam | pitruddeśena ca yāgajapahomopavāsādi gurumārādhya
avaśyaṃ vidhātavyam ityuktam śrīmahākule -
āsūtrite bhāgalupte yatheṣṭarajasānvite | api mantramanāhūya
maṇḍale vidhicodite ||
saṃnidhānaṃ prakurvanti mantrāṇāṃ saptakoṭayaḥ | kiṃ punaḥ
kaulikāmnāyastatrāhūya prapūjitaḥ ||
samuddiśya pitṝnbhadre tadānantyāya kalpate ||
iti | śrīpracaṇḍabhairave'pi uktam -
tanuvittāśca ye martyā gurumantraparāyaṇāḥ | viśeṣeṇa
mahāyāgapūjanaṃ prati na kṣamāḥ ||
siddhaliṅgaṃ tadā teṣāṃ pitrarthaṃ pūjayedbudhaḥ | ucitaṃ
pūjanaṃ tatra devānāmapi durlabham ||
kulānyuddharate tatra daśa pūrvāparāṇyapi |
iti | śrībhāgeśamate'pi -
viṣasarpāgnyapasmārakṣudhātyaśanabandhanaiḥ |
caṇḍālodakanirghātarājaśāsanataskaraiḥ ||
nidāghaśītaśakaṭalūtoṣitamahāvrajaiḥ |
brāhmaṇamlecchapāṣaṇḍinirmūloḍḍāmarakramaiḥ ||
ye hatāḥ pāpakarmāṇo mitradroharatāśca ye |
svāmidrohakṛtāścānye ye tathātmopaghātakāḥ ||
gurviṇyo duścaritrāśca prasavena hatāśca yāḥ |
teṣāmuddharaṇopāyo nānyo'sti varavarṇini ||
vinā yāgaṃ vinā homaṃ vinā mūrtiparigraham | vinā
mahājālavidhiprayogāhṛtapudgalam ||
mṛtoddharaṇasaṃjñāṃ ca dīkṣāṃ sarvādhvavartinīm |
iti | tadayaṃ tāvat ūrdhvaśāsanavartināṃ kramaḥ | itareṣāṃ tu
svaśāstrasamayopanyastānuṣṭhānameva śreyaḥ tadalamanena | evaṃ
samanantarodīritayā nītyā janmamaraṇaprabandhasaṃbandham
avadhārya akṛtrimasvarūpaparāmarśanena jīvanmuktimāsādya
kṛtakṛtyatāmālambante santaḥ | yathoktam -
viditamatisatattvāḥ saṃvidambhonidhānā-
dacalahṛdayavīryākarṣaniṣpīḍanottham | amṛtamiti nigīrṇe
kālakūṭe'pi devā yadi pibata tadānīṃ niścitaṃ vaḥ śivatvam
||
iti |
śrīmadyogeśvarācāryaprasādāsāditasthitiḥ |
vāmadevaścakāredaṃ janmamṛtyuvicāraṇam ||
abhinavamadamantharā purandhrī madhusamaye madhurāśca gītibandhāḥ
| bata bata hṛdayaṃ haranti vāco lalitapadāśca
rahasyavastugarbhāḥ ||
samāpto'yaṃ janmamaraṇavicārākhyo granthaḥ ||
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
ओं नमः शिवायामृतवपुषे |
अथ
जन्ममरणविचारग्रन्थः |
श्रीमद्भट्टवामदेवाचार्यविरचितः |
सान्द्रोद्रेकक्षुभितमभितः स्वान्तमन्तर्नियम्य प्रायो धत्ते
नवनवरसोल्लेखमानन्दकन्दम् | भूयो भूयः
प्रलयविभवोद्दामदुःखान्तरायो योऽसावन्तर्जयति हृदये कोऽपि
संविद्विकासः || १ ||
इह खलु निखिलजगदात्मा सर्वोत्तीर्णश्च सर्वमयश्च
विकल्पासंकुचितसंवित्प्रकाशरूपः
अनवच्छिन्नचिदानन्दविश्रान्तः
प्रसरदविरलविचित्रपञ्चवाहवाहवाहिनीमहोदधिः
निरतिशयस्वातन्त्र्यसीमनि प्रगल्भमानः सर्वशक्तिखचित एक
एव अस्ति संविदात्मा महेश्वरः | तस्य प्रकाशरूपता
चिच्छक्तिः स्वातन्त्र्यम् आनन्दशक्तिः तच्चमत्कारः इच्छाशक्तिः
आमर्शात्मकता ज्ञानशक्तिः सर्वाकारयोगित्वं क्रियाशक्तिः
इति |
इत्थं सर्वशक्तियोगेऽपि आभिर्मुख्याभिः शक्तिभिरुपचर्यते स
च भगवान् स्वातन्त्र्यशक्तिमहिम्ना स्वात्मानं संकुचितमिव
आभासयन् अणुः इति उच्यते | यथोक्तम् -
व्यापको हि शिवः स्वेच्छाकॢप्तसंकोचमुद्रणात् |
विचित्रफलकर्मौघवशात्तत्तच्छरीरभाक् ||
इति निजस्वरूपगोपनकेलिलोलम् एवं माहेशशक्तिपरिस्पन्दं
प्रवरगुरवः प्रतिपेदिरे | तथा च आहुः -
अतिदुर्घटकाअरित्वात्स्वाच्छन्द्यान्निर्मलादसौ |
स्वात्मप्रच्छादनक्रीडापण्डितः परमेश्वरः ||
अनावृते स्वरूपेऽपि यदात्माच्छादनं विभोः | सैवाविद्या यतो
भेद एतावान्विश्ववृत्तिकः ||
इति | न च एतावता भगवतो
देशकालाकारोपाधिविरहितनिरतिशयानन्दपरिस्पन्दात्मकस्य
काचिदपि क्षतिः प्रत्युत परममहिम्नः परिपुष्टिरित्युक्तम् |
अस्थास्यदेकरूपेण वपुषा चेन्महेश्वरः | महेश्वरत्वं
संवित्त्वं तदत्यक्ष्यद्घटादिवत् ||
परिच्छिन्नप्रकाशत्वं जडस्य किल लक्षणम् |
जडाद्विलक्षणोबोधो यतो न परिमीयते ||
तेन बोधमहासिन्धोरुल्लासिन्यः स्वशक्तयः | आश्रयन्त्यूर्मय
इव स्वात्मसंघट्टचित्रताम् ||
इत्यादि | तदेवम् असौ भगवान् स्वमायाशक्त्याख्येन
अव्यभिचरितस्वातन्त्र्यशक्तिमहिम्ना स्वात्मनैव आत्मानं
संकुचितमिव अवभासयन् विज्ञानाकलः प्रलयाकलः सकलश्च
संपद्यते | तत्र आणवेन एकेनैव मलेन संयुक्तो विज्ञानाकल
उच्यते द्वाभ्याम् आणवमायीयाभ्याम् अपवेद्यः प्रलयाकलः
त्रिभिराणवमायीयकार्मैः संवेद्यः तैरेव
कलादिधरण्यन्ततत्त्वमयः सकलः तदर्थमेव अयमर्थसर्गः |
तत्र सृष्ट्युन्मुखो भगवान् शुद्धाध्वनि वर्तमानः
स्वशक्तिभिः मायां विक्षोभ्य कलातत्त्वं
किंचित्कर्तृत्वलक्षणं पुद्गलस्य सृजति ततोऽपि
किंचिदवबोधाख्यं विद्यातत्त्वं किंचिदभिलाषरूपं च
रागतत्त्वं तदेतत्सरागं कर्तृतत्त्वं
भूतभविष्यद्वर्तमानतया त्रिधा अवच्छिद्यते तत् कालतत्त्वं
तुल्यत्वेऽपि रागे येन कर्तृत्वस्य
अवच्छेदः क्रियते तत् नियतितत्त्वं तदेतत् कञ्चुकषट्कम्
अन्तर्मलावृतस्य पुद्गलस्य बहिराच्छादकम् उक्तं च
चिल्लाचक्रेश्वरमते
माया कला शुद्धविद्या रागकलौ नियन्त्रणा |
षडेतान्यावृतिवशात्कञ्चुकानि मितात्मनः ||
एवं च पुद्गलस्यान्तर्मलः कञ्चुकवत्स्थितः | तुषवत्कञ्चुकानि
स्युस्तस्माज्ज्ञानक्रियोज्झितः ||
इति | सा च कला पुरुषस्य परिमितं कर्तृत्वं प्रकाश्य
सुखदुःखमोहरूपं भोग्यम् अव्यक्तत्वं सृजति ततोऽपि
अष्टगुणं बुद्धितत्त्वम् उत्पन्नं ततोऽपि
सात्त्विकराजसतामसभेदभिन्नं त्रिस्कन्धम् अहंकारतत्त्वम् तत्र
पूर्वस्मात् अहंकारात् मनो जातं अपरस्मात् इन्द्रियाणि तृतीयात्
तन्मात्राणि एभ्यो भूतानि - इत्येवमयम् एकस्यैव आदिदेवस्य
स्वातन्त्र्यमहिम्ना संसारे संसरतः परिमितप्रमातृताम्
अवलम्बमानस्य तत्त्वप्रसरः उक्तं च -
भूतानि तन्मात्रगणेन्द्रियाणि मूलं पुमान्कञ्चुकयुक्सुशुद्धम् |
विद्यादिशक्त्यन्तमियान्स्वसंवित्- सिन्धोस्तरङ्गप्रसरप्रपञ्चः ||
तथा -
साल उत्त पुरिपुण्ण उ स-अल्ल-उत्त उत्तिण्ण | परि आणह अत्ताण
उ परि मसिवेण समाण उ ||
इति | एतेषां च उक्तरूपाणां तत्त्वानां प्रमातृभेदे
वैचित्र्यात् प्रमेयवैचित्र्यं भवति इति श्रीपूर्वशास्त्रे कथितम्
तथाहि -
शक्तिमच्छक्तिभेदेन धरातत्त्वं विभिद्यते | स्वरूपसहितं
तच्च विज्ञेयं दशपञ्चधा ||
अनेनैव विधानेन पुंस्तत्त्वात्तु कलान्तिकम् | त्रयोदशविधं
ज्ञेयं रुद्रवत्प्रलयाकलः ||
तद्वन्मायापि विज्ञेया नवधा ज्ञानकेवलः | मन्त्राः
सप्तविधास्तद्वत्पञ्चधा मन्त्रनायकाः ||
त्रिधा मन्त्रेश्वरेशानाः शिवः साक्षान्न भिद्यते | यः पुनः
सर्वतत्त्वानि वेत्त्येतानि यथार्थतः ||
स गुरुर्मत्समः प्रोक्तो मन्त्रवीर्यप्रकाशकः | दृष्टाः
संभाषितास्तेन स्पृष्टाश्च प्रीतचेतसा ||
नराः पापैः प्रमुच्यन्ते सप्तजन्मकृतैरपि |
इति | तदेवम् अनेकावसायोऽयं तत्त्वक्रमः | एतेषां च
तत्त्वानां वर्गशो यदनुगामि रूपम् -
एकरूपम् - एकरूपकलनासहिष्णुत्वात् सा कला कथ्यते | तथा हि
निवर्तन्ते यतस्तत्त्ववर्गाः सा निवृत्तिर्नाम कला |
सा च पृथिव्यामेव व्यवस्थिता |
कारणत्वे पूरणाप्यायकारित्वात् प्रतिष्ठा नाम कला उच्यते |
सा च जलादिमूलान्तं व्याप्य व्यवस्थिता |
वेद्यविलये संविदाधिक्यात् विद्या नाम कला |
सा च पुमादिमायान्तम् अध्वानम् अध्यास्ते |
कञ्चुकतरङ्गोपशमात् शान्ता नाम कला उच्यते |
सा च शुद्धविद्यादिशक्त्यन्ते स्थिता इति | एतदेव
अण्डचतुष्टयं पार्थिवप्राकृतमायीयशाक्तलक्षणम् |
सर्वातीतत्वात् शिवतत्त्वे शान्त्यतीता |
इति | परं तु तत्त्वं स्वतन्त्रत्वात् कलातीतम् आसामेव कलानां
तत्त्ववदन्तर्भूतानि भुवनान्यपि बोद्धव्यानि एवं
स्थूलसूक्ष्मपरत्वेन
भुवनतत्त्वकलारूपं त्रिविधरूपं प्रमेयम् उक्तम् प्रमाणमपि
तथैव पदमन्त्रवर्णतया त्रिविधमेव - इति एकस्यैव
पूर्णप्रमातुः स्वातन्त्र्यात् संसरतः षड्विधे अध्वनि
विश्रान्तिरुक्ता | भवन्ति चात्र
दीक्षापरिघटनसंग्रहश्लोकाः -
पदमन्त्रवर्णमेकं पुरषोडशकं धरेति च निवृत्तिः |
तत्त्वार्णमग्निनयनं रसशरपुरमस्त्रमन्त्रपदमन्या ||
मुनितत्त्वार्णं द्विकपद- मन्त्रं वस्वक्षिभुवनमपरकला |
अग्न्यर्णतत्त्वमेकक- पदमन्त्रं सैकभुवनमिति तुर्या ||
षोडश वर्णाः पदमन्त्र- तत्त्वमेकं च शान्त्यतीतेयम् ||
इति | तदेवम् आणवीं वृत्तिम् आलम्ब्य भगवान् विचित्रैः
जात्यायुर्भोगैः जरायुज अण्डज उद्भेदज स्वेदजादिजातं
प्रादुर्भावयति | तत्र उपभुक्तस्य अन्नपानस्य पाकवशात्
रसरूपतया स्थितस्य रक्तमांसमेदोऽस्थिमज्जात्मना
शुक्रधातौ विश्रान्तिर्भवति तंत्र इमाः प्रजाः प्रजायन्ते |
तथा चोक्तं सौश्रुते -
इह खलु पाञ्चभौतिकस्य चतुर्विधस्य आहारस्य षड्रसोपेतस्य
द्विविधरसवीर्यस्य अष्टविधरसवीर्यस्य अनेकप्रकारोपभुक्तस्य
परिणतस्य यस्तेजोरूपः सारः सूक्ष्मः स रस इत्युच्यते तस्य
हृदयं स्थानं स च हृदयात् चतुर्विंशतिधमनीरनुप्रविश्य
ऊर्ध्वगा दश दश च अधोगामिनीः चतस्रः तिर्यग्गाः सकलं
शरीरम् अहरहस्तर्पयति जीवयति धारयति वर्धयति
अदृष्टनिमित्तेन कर्मणा स खलु आप्यो रसो यकृत्प्लीहादिं
प्राप्य रागमुपैति भवन्ति वा अत्र श्लोकाः -
रञ्जितास्तेजसा त्वापः शरीरस्थेन देहिनाम् | अव्यापन्नाः
प्रसन्नेन रक्तमित्येव तद्विदुः ||
रसादेव स्त्रियो रक्तं रजःसंज्ञं प्रवर्तते |
तद्वशाद्द्वादशादूर्ध्वं याति पञ्चाशतिः क्षितिम् ||
आर्तवं शोणितम् आग्नेयम् - अग्नीषोमीयत्वात् गर्भस्य |
रसाद्रक्तं ततो मांसं मांसान्मेदश्च जायते | मेदसोऽस्थि
ततो मज्जा मज्जातः शुक्रसंभवः ||
एवं मांसेन शुक्रत्वं रसो याति यथाक्रमम् | स्त्रीणां
तथैव मासेन भवेदार्तवसंभवः ||
इति | तदेवं भूते मातृपितृसंबन्धसंभूते अग्नीषोमात्मके
रक्तरेतसीइ कुसुमसमयादनन्तरं -
जननीजठरे रेतः कलिलीभवति ततो बुद्बुदम् ततः पेशी ततो
घनः यावदङ्गपरिग्रहः अङ्गव्यक्तिः संविदुल्लासः
सर्वाङ्गसंपत्तिरोजः संचारः सुखदुःखसंवित्तिरिति यावत्
प्रजायते | उक्तं श्रीचिल्लाचक्रेश्वरमते -
सोमसूर्यरसोल्लासपरस्परनिघर्षणात् | जातवेदसि संजाते
मध्यधामविकासिनि ||
विरारुणपरीणामवशादङ्कुरसंभवः | एकरात्रोषितं रेतः
सिक्तं कलिलतां व्रजेत् ||
बुद्बुदं सप्तरात्रेण पेशी मासेन जायते | द्वितीये मासि च
घनस्तृतीयेऽग्निपरिग्रहः ||
चतुर्थे व्यङ्गताङ्गानां चेतना पञ्चमे भवेत् | षष्ठे
सर्वाङ्गसंभेदः सप्तमे चलनोद्गमः ||
तेजोऽष्टमे संचरति नवमे वेदनं भवेत् | संपूर्णदेहो
दशमे मासि जन्तुः प्रजायते ||
जातोऽसौ वायुना स्पृष्टो योनियन्त्रप्रपीडितः | न
स्मरत्युग्रसंतापमनेकभवसंभवम् ||
क्रमेण वृद्धिमायान्ति तस्यैते देहहेतवः | रसः स्थितिं
प्रकुरुते रक्तं संजीवयत्यलम् ||
मांसं वृंहयति प्रायो मेदः स्नेहयति स्फुटम् | धारयन्ति
तथास्थीनि मज्जान्तः सारसंश्रया ||
हर्षोत्कर्षकरं शुक्रं मूत्रं क्लेदविवेककृत् |
वायवग्निसंरोधकरं पुरीषं परिकीर्तितम् ||
स्वेदक्लेदोपकरणं गर्भहेतुरथार्तवम् | एवं शरीरमासाद्य
षाट्कोशं तत्परिग्रहात् ||
अनपेक्ष्य निजं भावं पुमान्भावानपेक्षते ||
इति | अयमेव च अर्थो निरुक्तिकृतापि -
उक्तपार्थिवान् अष्टौ गुणान् विद्यात् त्रीन् मातृतः त्रीन् पितृतः
इत्याद्युपक्रम्य उक्तः | अत्रैव इदं पुंस्त्रीनपुंसकलक्षणं
प्रकृतित्रयकारणम् -
सोमाधिक्येन पुंजन्म सूर्याधिक्येन योषितः | साम्यात्क्लीबस्तु
वातेन भेदात्स्याद्बह्वपत्यता ||
इति | अवयवभेदोऽपि -
नवमे दशमे मासि प्रबलैः सूतिमरुतैः | निःसार्यते बाण इव
यन्त्रच्छिद्रेण सज्वरः ||
तस्य षोढा शरीअं तत्षट् त्वचो धारयन्ति च | अस्थ्नां
तथा षष्ट्यधिकं विनिबद्धं शतत्रयम् ||
स्थूलैः सह चतुःषष्टिर्दशना विंशतिर्नखाः |
पाणिपादशलाकाश्च तासां स्थाने चतुष्टयम् ||
षष्ट्यङ्गुलीनां द्वे पार्ष्णी गुल्फेषु च चतुष्टयम् |
चत्वार्यरत्निकास्थीनि जंघयोस्तावदेव तु | द्वे द्वे
जानुकपोलोरुफलकांससमुद्भवे | अक्षिस्थलूषके श्रोणीफलके
च विनिर्दिशेत् ||
भगास्थ्येकं तथा पृष्ठे चत्वारिंशच्च पञ्च च | ग्रीवा
पञ्चदशास्थीनि जत्र्वेकं च तथा हनुः ||
तन्मूले द्वे ललाटाक्षिगण्डनासाघनास्थिका |
पर्शुकास्तलकैः सार्धमर्बुदे च द्विसप्ततिः ||
द्वौ शङ्खकौ कपालानि चत्वार्येव शिरस्तथा | उरः
पञ्चदशास्थीनि पुरुषस्यास्थिसंग्रहः ||
इति | एतेष्वेव
कपालभरणतुरुण्डरुण्डरुचकनलयष्टीलनलकभेदेन
अभिधानानि शास्त्रान्तरेषु उक्तानि | स्थानान्तराणि आह -
वसावपावहननं नाभिक्लोमयकृत्प्लिहा | क्षुद्रान्त्रवृक्शको
वस्तिः पुरीषापान एव च ||
आमाशयोऽथ हृदयं स्थूलान्त्रं गुदमेव च | उत्तरौ च गुदौ
कोष्ठौ विस्तारोऽयमुदाहृतः ||
कनीनिके साक्षिकूटे शष्कुली कर्णपुत्रिके | गण्डौ शङ्खौ
भ्रुवौ कष्टवेष्टावोष्ठौ कुकुन्दरे ||
वङ्क्षणौ वृषणौ वृक्कौ श्लेष्मसंघातिकौ स्तनौ |
उपजिह्वास्फिजौ जिह्वाजंघे चोरू च पिण्डिके ||
तालूदरवस्तिशीर्षे चिबुके गलशुण्डिके | अक्षिपक्ष्मचतुष्कं
च पद्धस्तहृदयानि तु ||
अवटुश्चैवमादीनि स्थानान्यत्र शरीरके | नवच्छिद्राणि
तान्येव प्राणस्यायतनानि च ||
धमनीनां शते द्वे तु पञ्चपेशीशतानि च |
इति |
स्त्रीणां च स्तनयोर्गर्तादष्टात्रिंशदधिकाः सपेश्यो
धमन्यो भवन्ति
इति सौश्रुतः |
एकान्नत्रिंशल्लक्षाणि नव स्नायुशतानि च | षट्पञ्चशानि तु
ज्ञेया सिरा धमनिसन्ततिः ||
सप्तोत्तरं मर्मशतं द्वे तु संधिशते तथा | लोम्नां
कोट्यस्तु पञ्चाशच्चतस्रः कोट्य एव च ||
रसस्य नव विज्ञेया जलस्याञ्जलयो दश | सप्त वै तु पुरीषस्य
रक्तस्याष्टौ प्रकीर्तिताः ||
श्लेष्मा षट्वञ्च पित्तं च चत्वारो मूत्रमेव च | वसात्रयं
च द्वौ मेदो मज्जैकार्धं च मस्तके ||
श्लेष्मौजसस्तावदेव रेतसस्तावदेव च | इत्येतदस्थिरं वर्ष्म
यस्य मोक्षाय कृत्यसौ ||
इति स्वस्थस्य सौम्यधातोरेवम् | अन्यथा तु -
वैलक्षण्याच्छरीराणामस्वस्थत्वात्तथैव च |
दोषधातुमलानां च परिमाणं न विद्यते ||
इत्युक्तम् | तदेतत् विभागेन बीभत्सदर्शनं
वैराग्यमुनिभिरगायि तथा चाहुः -
अस्थिस्थूणं स्नायुयुतं मांसशोणितलेपनम् | चर्मावनद्धं
दुर्गन्धि पूर्णं मूत्रपुरीषयोः ||
जराशोकसमाविष्टं रोगायतनमातुरम् | रजस्वलमनित्यं च
भूतावासमिमं त्यजेत् ||
मुनिः पाराशर्योऽपि आह -
सर्वाशुचिनिधानस्य कृतघ्नस्य विनाशिनः | शरीरकस्यापि
कृते मूढाः पापानि कुर्वते ||
आहारैर्नीयमानाय क्रमाद्दुःखेन रम्यताम् | को हि नाम
शरीराय धर्मापेतं समाचरेत् ||
इति | एवं शरीरमुक्त्वा शरीरिस्वरूपमुच्यते -
द्वासप्ततिसहस्राणि हृदयादभिनिःसृताः | हिता नामाहिता
नाड्यस्तासां मध्ये शशिप्रभम् ||
मण्डलं तस्य मध्यस्थ आत्मा दीप इवाचलः | स ज्ञेयस्तं
विदित्वेह पुनराजायते न तु ||
इदमत्र तात्पर्यम् - तं तथाभूतमात्मानं विदित्वा नरो न
जन्मक्लेशमनुभवति किंभूतं यद्धृदयोक्तं
द्वासप्ततिसंख्यावच्छिन्नं नाडीचक्रं तदन्तर् यत्
शशिमण्डलं तदन्तःस्थं ताश्च
नाड्योऽशितपीतरससंचरणाधिकारत्वात् पुण्योपचयेन हिताः
तदभावेन अहिताः तासां संचारक एक एव व्यवहारभेदात्
पञ्चभेदो वायुः तासां च द्वे प्रधाने - दक्षिणोत्तरसंबद्धे
अग्नीषोमात्मके तद्द्वारेण प्राणस्य ऊर्ध्वगमनम्
अहः अधोऽपानस्य रात्रिः एतेन
अर्धमासमासर्तुवत्सरादिकालविभागोऽपि व्याख्यातः
समप्राणचारो विषुवत् तयोर्मध्ये तृतीया दण्डाकारा
ब्रह्मनाडी स्थिता तत्र निरुद्धप्राणो योगी दीपाकारम्
आत्मानं पश्यति इति अत एवोक्तं -
सम्यग्दर्शनसंपन्नः कर्मभिर्न स बध्यते | दर्शनेन
विहीनस्तु संसारं प्रतिपद्यते ||
इति | संसारप्रवृत्तौ च तस्य कलातो विषयविभेदो मुनिभिरुक्तः
तथाहि
परद्रव्याण्यभिध्यायंस्तथानिष्टानि चिन्तयन् |
वितथाभिनिवेशी च जायतेऽन्त्यासु योनिषु ||
पुरुषोऽनृतवादी च पिशुनः पुरुषस्तथा | अनिबद्धप्रलापी च
मृगपक्षिषु जायते ||
अदत्तादाननिरतः परदारोपसेवकः | हिंसकश्चाविधानेन
स्थावरेपूपजायते ||
इत्यादि अयं तु उक्तयातनस्य नियोगः अद्वयरूपस्य आत्मनः
कुतस्त्योऽयं भेदः? इति चेत् - मायामहामोहविकल्पकल्पित इत्याह
-
आकाशमेकं हि यथा घटादिषु पृथग्भवेत् |
तथात्मैकोऽप्यनेकश्च जलाधारेष्विवांशुमान् ||
इति | न च अपक्वकषायस्य कदाचिदपि उक्तरूपम् आत्मज्ञानं
भवति तथा च -
मलिनो हि यथादर्शो रूपालोकस्य न क्षमः | तथा
ह्यपक्वकरण आत्मज्ञनस्य न क्षमः ||
इत्याद्युक्तम् | इत्यलं भूयसा उक्तेन | एवम् असौ भगवान्
स्वातन्त्र्यशक्तिमहिम्ना पशुदशाम् अवलम्बमानो
भोगोपदानप्रवणः संपूर्णदेहप्राणबलः सन् उक्तेन
षडध्वजालक्रमेण प्रबुद्धः शरीरपरिग्रहम् आसादयति
क्रमेण भुक्तेषु कर्मसु षडिर्भावविकारैर्जरारोगादिभिः
काययन्त्रे विघटमाने देहस्तम्भो वेपथुर्नाडीचक्रसंकोचः
क्वचिद्विपर्ययेण तद्विकासो मर्मभङ्गः शोष इत्यादि
पूर्वसंस्थापनोपमर्दकं सर्वम् उपपद्यते यावत् विनश्यति
विनाशश्च क्षणिकोऽस्य यद्यपि तथापि स्थूलया वृत्त्या
दशभिर्दशभिरभिव्यक्तः प्रोक्तः | तथाहि -
बाल्यं वृद्धिर्बलं प्रज्ञा त्वक्चक्षुः श्रोत्रमिन्द्रियम् |
आसनं शयनं पुंसां दशभिर्दशभिर्व्रजेत् ||
इत्युक्तं | ततश्च तस्मिन् शरीरयन्त्रे विघटिते सा संवित्
प्राणनात्मताम् अवलम्ब्य आंतिवाहिकेन -
देहेन देहान्तरं नीयते ततश्च आतिवाहिकं शरीरकं
भूतभविष्यद्देहान्तराले युग्यस्थानीयं संभवति
यदारूढोऽसौ पुद्गलः शरीरान्तरासङ्गम् अनुभवति उक्तं च
कोशभाष्ये -
मृत्यूपपत्तिभवयोरन्तरा भवतीह यः |
गम्यदेशानुषक्तत्वादुपपन्नोऽन्तराभवः ||
व्रीहिसंतानसाधर्म्यादवच्छिन्नसमुद्भवः |
प्रतिबिम्बमसिद्धित्वादसाम्याच्च निदर्शनात् ||
स पुनर्मरणात्पूर्वमुपपत्तिक्षणात्परम् |
स्वजातिशुद्धकर्माक्षदृश्यकर्मविवेकवान् ||
इति | श्रुतिश्च -
द्वे ते चक्रे सूर्ये ब्रह्माण ऋतुथा विदुः | अथैकं चक्रं
यद्गुहा तदद्धातय इद्विदुः ||
इति अयमर्थः - हे सूर्ये भगवति आत्मशक्ते ब्रह्माणः
ब्रह्मवादिनः ऋतुथा काले काले ते तव संबन्धिनी द्वे चक्रे
विदुः चक्रमिव चक्रं परिवर्तसाधर्म्यात् शरीरमुच्यते
तयोर्द्वित्वं वर्तमानभाविभेदात् अतस्तयोरन्तरे कथितया युक्त्या
यदेकमातिवाहिकाख्यं तत् गुहा गुप्तम् अनुपलक्ष्यम् इत्यर्थः अत
एव तदद्धातयः इत् विदुः योगिन एव जानन्ति इति तात्पर्यम् |
तथा च जाग्रदवस्थायां दृढकरणस्य प्रमातुरिन्द्रियाणि
श्रोत्रादीनि शब्दादयश्च विषया भवन्ति तथा प्रमेयसमये
प्रचलितम् अन्तःकरणमिन्द्रियं यियासुता च विषयः तामेव
यियासुताम् अधिकृत्य प्रवरमुनिः पाराशर्यः समाधितवान्
यं यं वापि स्मरन्भावं त्यजत्यन्ते कलेवरम् | तं तमेवैति
कौन्तेय सदा तद्भावभावितः ||
इति | अयमत्र संक्षेपार्थः - संभवभोगः जन्मभोगः
स्थितिभोगश्च इति तिस्रः शरीरस्य प्रागवस्थाभवन्ति हि
तथाहि - जठरे चेतनायां संजातायां गर्भभोगः
प्रसवसमये जन्मभोगः प्रसूतस्य बाल्यादिवयः परावृत्त्या
विचित्रः स्थितिभोगः | मृतिभोगः यियासुता च द्वे चरमावस्थे
तत्र मृतिभोगः विचित्रा शरीरपीडा यियासुता
आतिवाहिकशरीरसंबद्धा तामेव च यियासुतामुद्दिश्य -
यं यं वापि स्मरन्भावम् * * * * * * * * |
इत्यादि प्रवृत्तं अत एव भूतभविष्यदर्थहितार्थवादिनः -
स्मरन्निति शब्दप्रत्ययस्य यथार्थः प्रयोगः स्यात् एतदेव च
वितत्य श्रीतन्त्रालोके प्रतिपादितम्
मृतिभोगः समस्तोऽयं मर्मच्छिन्मूढताक्षगः |
तत्रेन्द्रियाणां संमोहः श्वासायासपरीतता ||
यस्त्वसौ क्षण एवैकश्चरमः प्राणनात्मकः | सा
देहत्यागकालांशकला प्राणवियोगिनी ||
तस्यां यदेव स्मरति प्राक्संस्कारप्रबोधतः | तदेव
रूपमभ्येति सुखदुःखविमोहितम् ||
इति | अत्र च विषयनैयत्येन विभागो व्यासमुनिनैव कृतः |
यदा सत्त्वे विवृद्धे तु प्रलयं याति देहभृत् |
इत्यादिना ग्रन्थेन | ता एताः शरीरावस्थाः
पञ्चारे चक्रे परिवर्तमाने तस्मिन्नातस्थुर्भुवनानि विश्वा |
इत्यादिश्रुतावुक्ताः | अन्यत्रापि -
संभवो जन्म सत्ता च मृतिश्चाथ यियासुता | एताः पञ्च
शरीरस्य परिणामविपत्तयः ||
इत्युक्तम् | एतदेवमुक्तरूपेण असौ आतिवाहिकेन देहेन देहान्तरं
नीयते सोऽपि देहः सुप्तोत्थितात् प्रबोधम् अवाप्य प्राणिति -
उक्तेन चक्रेण सोऽपि विनश्यति यावत् अरघट्टघटीयन्त्रवत्
परिवर्तमानोऽणुः नानाकायनिकायैः संसरति संसारे |
तथा च श्रुतिः -
सस्यमिव मर्त्यः पच्यते सस्यमिव जायते पुनः |
इति |
वासांसि जीर्णानि यथा विहाय |
इत्यादिना व्यासमुनिनापि एतदुक्तम् |
अथ कदाचित्परमेश्वरानुग्रहशक्तिपातपवित्रितः केनापि
दीक्षादिना उपायेन संविदानन्दविश्रान्तम् अद्वयं निजं रूपं
परामृशति ततः स्वरूपमालम्बते यथोक्तं श्रीमालिनीविजये -
एवमस्यात्मनः काले कस्मिंश्चिद्योग्यतावशात् |
इत्युपक्रम्य -
तत्क्षणाद्वोपभोगाद्वा देहपाते शिवं व्रजेत् |
इत्येवमन्तेन ग्रन्थेन | यद्वा क्वापि परमेश्वरायतने शरीरम्
अतिवाह्य पूर्वे विधौ क्रमेण परमेश्वरीभवति तदुक्तं
श्रीसात्त्वतायाम् -
प्रासादद्वारदेशाच्च यत्र शङ्खध्वनिश्चरन् | प्रयाति सर्वतो
दिक्षु तत्क्षेत्रं वैष्णवं मतम् ||
मुनिप्रणीताद्द्विगुणं तदेव परिकीर्तितम् |
सिद्धावतारिताद्देवात्तदेव त्रिगुणं स्मृतम् ||
चतुर्गुणं स्वयं व्यक्ताद्देहान्ते भावितात्मनाम् | फलं
सायुज्यतापूर्वं विज्ञेयं तु क्रमात्ततः ||
दुष्टेन्द्रियवशाच्चित्तं नृणां यत्कल्मषेरितम् | तदन्तकाले
संशुद्धिं याति नारायणालये ||
इति | श्रीमदमृतेशशिखायामपि -
ये तु तत्त्वावतीर्णानां शङ्कराज्ञानुवर्तिनाम् |
स्वयंभूमुनिदेवर्षिमनुजादिभुवां गृहे ||
मृतास्ते तत्पुरं प्राप्य पुरेशैर्दीक्षिताः क्रमात् |
मर्त्येऽवतीर्य वा नावा प्रयान्ति परमं पदम् ||
तत्र स्वयंभुवो द्वेधा केऽप्यनुग्रहतत्पराः | केऽपि
स्वकार्येणायाताः पूर्वे निर्वाणदायिनः ||
इति | तत्रापि न सर्वस्य मोक्ष इत्युक्तम् -
पशुमात्रस्य सालोक्यं सामीप्यं दीक्षितस्य तु | तत्परस्य तु
सायुज्यमित्याज्ञा पारमेश्वरी ||
यस्तूर्ध्वशास्त्रगस्तत्र त्यक्तास्थः संशयेन सः |
व्रजेदायतनं नैव स फलं किंचिदश्नुते ||
दीक्षायतनविज्ञानद्वेषिणो ये तु चेतसा | आचरन्ति च तत्ते वै
सर्वे निरयगामिनः ||
ये च स्वभ्यस्तविज्ञानमयाः शिवमया हि ते | जीवन्मुक्ता न
तेषां स्यान्मृतौ कापि विचारणा ||
इति | अत एव उक्तं श्रीनिशाटने
गोदोहमिषुपातं वा नयनोन्मीलनं च वा | सम्यग्युक्तः परे
तत्त्वे न भूयो जन्मभाग्भवेत् ||
यस्मात्पूर्वं परे न्यस्तो येनात्मा ब्रह्मणि स्वयम् | स्मरणं तु
कथं तस्य प्राणान्ते समुपस्थिते ||
इति | श्रीरामभट्टारकेऽपि
तावत्क्षेत्रं तथा तीर्थं यावद्ब्रह्मणि नो विशेत् | तद्विदित्वा
श्वपाकोऽपि मत्समो नात्र संशयः ||
इति | भगवता भेगिपतिनापि
तीर्थे श्वपचगृहे वा नष्टस्मृतिरपि परित्यजन्देहम् |
ज्ञानसमकालमुक्तः कैवल्यं याति हतशोकः ||
इति | श्रीमत्पौष्करायामपि उक्तम्
क्षित्यन्तानां च तत्त्वानां देवत्वेन व्यवस्थितः | मन्त्रज्ञो
भगवद्भक्तः श्रद्दधानः सदास्तिकः ||
यत्र यत्राश्रमे चैव निवसेत्संयतेन्द्रियः | स्वदेहस्थं
स्मरेन्नित्यं स्वमन्त्रं न्यस्तविग्रहः ||
देहसंन्यासकाले तु विश्रान्तो यत्र कुत्रचित् | प्रयाति पदमाद्यं
वै समुत्क्रान्तः स्वविग्रहम् \|
इति | अन्यत्रापि
शरीरमेवायतनं नान्यदायतनं व्रजेत् | तीर्थमेकं
श्रयेन्मन्त्रमन्यतीर्थानि वर्जयेत् ||
इति | तथा -
स्वस्थचेष्टाश्च ये मर्त्याः स्मरन्ति मम नारद |
काष्ठपाषाणतुल्यांस्तानन्तकाले स्मराम्यहम् ||
इत्युक्तं | न च संस्थितस्य उत्तमतया अधिकारिणो
लोकयात्राप्रसिद्धास्रुविमोचनादिपरिदेवितं कार्यम् यथोक्तं
श्रीपूर्वशासने
निषिद्धं सर्वशास्त्राणां रोदनं कायशासनम् |
विशेषाद्भैरवे तन्त्रे शम्बरं पशुकल्पितम् ||
अयुक्तमिममाचारं त्यजेद्वै नौर्ध्वदैहिकम् |
इति | श्रीमतरहस्यतिलकेऽपि उत्तमनयाधिकारिणां
संवृतनिजसदाचाराणां लोकप्रसिद्धिरक्षायै
तदाचारापरित्यागोऽपि आम्नातः तथाहि
लोकाचारस्य विच्छेदो न कर्तव्यः कदाचन | गुह्यं गुह्यतरं
कार्यं बाह्यं बाह्यान्तरं तथा ||
इति | अनयोश्च पक्षयोरेकतरपक्षावलम्बने प्रवरगुरव एव
प्रमाणम् | पित्रुद्देशेन च यागजपहोमोपवासादि गुरुमाराध्य
अवश्यं विधातव्यम् इत्युक्तम् श्रीमहाकुले -
आसूत्रिते भागलुप्ते यथेष्टरजसान्विते | अपि मन्त्रमनाहूय
मण्डले विधिचोदिते ||
संनिधानं प्रकुर्वन्ति मन्त्राणां सप्तकोटयः | किं पुनः
कौलिकाम्नायस्तत्राहूय प्रपूजितः ||
समुद्दिश्य पितॄन्भद्रे तदानन्त्याय कल्पते ||
इति | श्रीप्रचण्डभैरवेऽपि उक्तम् -
तनुवित्ताश्च ये मर्त्या गुरुमन्त्रपरायणाः | विशेषेण
महायागपूजनं प्रति न क्षमाः ||
सिद्धलिङ्गं तदा तेषां पित्रर्थं पूजयेद्बुधः | उचितं
पूजनं तत्र देवानामपि दुर्लभम् ||
कुलान्युद्धरते तत्र दश पूर्वापराण्यपि |
इति | श्रीभागेशमतेऽपि -
विषसर्पाग्न्यपस्मारक्षुधात्यशनबन्धनैः |
चण्डालोदकनिर्घातराजशासनतस्करैः ||
निदाघशीतशकटलूतोषितमहाव्रजैः |
ब्राह्मणम्लेच्छपाषण्डिनिर्मूलोड्डामरक्रमैः ||
ये हताः पापकर्माणो मित्रद्रोहरताश्च ये |
स्वामिद्रोहकृताश्चान्ये ये तथात्मोपघातकाः ||
गुर्विण्यो दुश्चरित्राश्च प्रसवेन हताश्च याः |
तेषामुद्धरणोपायो नान्योऽस्ति वरवर्णिनि ||
विना यागं विना होमं विना मूर्तिपरिग्रहम् | विना
महाजालविधिप्रयोगाहृतपुद्गलम् ||
मृतोद्धरणसंज्ञां च दीक्षां सर्वाध्ववर्तिनीम् |
इति | तदयं तावत् ऊर्ध्वशासनवर्तिनां क्रमः | इतरेषां तु
स्वशास्त्रसमयोपन्यस्तानुष्ठानमेव श्रेयः तदलमनेन | एवं
समनन्तरोदीरितया नीत्या जन्ममरणप्रबन्धसंबन्धम्
अवधार्य अकृत्रिमस्वरूपपरामर्शनेन जीवन्मुक्तिमासाद्य
कृतकृत्यतामालम्बन्ते सन्तः | यथोक्तम् -
विदितमतिसतत्त्वाः संविदम्भोनिधाना-
दचलहृदयवीर्याकर्षनिष्पीडनोत्थम् | अमृतमिति निगीर्णे
कालकूटेऽपि देवा यदि पिबत तदानीं निश्चितं वः शिवत्वम्
||
इति |
श्रीमद्योगेश्वराचार्यप्रसादासादितस्थितिः |
वामदेवश्चकारेदं जन्ममृत्युविचारणम् ||
अभिनवमदमन्थरा पुरन्ध्री मधुसमये मधुराश्च गीतिबन्धाः
| बत बत हृदयं हरन्ति वाचो ललितपदाश्च
रहस्यवस्तुगर्भाः ||
समाप्तोऽयं जन्ममरणविचाराख्यो ग्रन्थः ||
Zusammenfassende deutsche Übersetzung
Der Janmamaranavichara beschreibt Geburt und Tod nicht als zwei isolierte biologische Ereignisse, sondern als Abschnitte innerhalb einer umfassenden Śaiva-Kosmologie des Bewusstseins.
Am Anfang steht Paramaśiva als unbegrenzte Saṃvid. Seine fünf Hauptkräfte – Cit, Ānanda, Icchā, Jñāna und Kriyā – sind keine von ihm getrennten Eigenschaften, sondern Ausdruck seiner Freiheit. Aus dieser Freiheit kann sich das unbegrenzte Bewusstsein scheinbar zusammenziehen und als Aṇu, begrenztes Individuum, erscheinen.
Mala, Māyā und die Kañcukas erklären, wie aus unbegrenztem Wissen, Handeln und Freiheit begrenzte Erkenntnis, begrenzte Handlung, Zeit, Verlangen und Festlegung entstehen. Die Tattvas entfalten diese Kontraktion bis in die grobstoffliche Welt. Die fünf Kalās und der Ṣaḍadhvan ordnen die kosmische und rituelle Welt in größere Gruppen.
Der Text führt diese Metaphysik dann bewusst in den menschlichen Körper hinein. Nahrung wird in Rasa, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Zeugungsstoff umgewandelt; Empfängnis und Embryonalentwicklung werden nach vormodernen medizinischen Vorstellungen beschrieben. Danach folgt eine ausführliche traditionelle Anatomie. Diese lange Körperanalyse mündet in Vairāgya: Der vergängliche Körper soll nicht mit dem unvergänglichen Selbst verwechselt werden.
Im Herzen lokalisiert der Text ein Nāḍī-Netz von 72.000 Bahnen. In dessen innerstem, mondhellen Zentrum ruht der Ātman wie eine unbewegte Lampe. Erkenntnis dieses Selbst beendet nach der Schrift den Zwang zur Wiedergeburt.
Für den gewöhnlichen Menschen aber führt Karma zu neuen Geburten. Im Sterben zerfällt der grobe Körper; das Bewusstsein nimmt die Form der Lebenskraft an und bewegt sich in einem Ātivāhika-Zwischenkörper zum nächsten Leib. Besonders wichtig ist der letzte Bewusstseinszustand: Frühere Saṃskāras können im Todesmoment aufsteigen und die Richtung der nächsten Verkörperung prägen.
Diese Kette ist jedoch nicht endgültig. Durch Parameśvaras Gnade, Śaktipāta, Dīkṣā und vor allem Erkenntnis des eigenen nichtdualen Wesens kann der Mensch aus ihr heraustreten. Der höchste Stand ist Jīvanmukti: Wer schon im Leben fest in Śiva-Erkenntnis gegründet ist, hängt nicht mehr davon ab, an welchem Ort oder in welchem äußeren Zustand der Tod eintritt.
Der Text würdigt zugleich traditionelle Riten für Verstorbene und Vorfahren. Er verbindet damit zwei Ebenen: relative religiöse Pflichten und den höchsten nichtdualen Standpunkt. Auf der relativen Ebene können Yāga, Japa, Homa, Dīkṣā und Totenerhebungsriten ihren Platz haben; auf der höchsten Ebene ist Selbsterkenntnis die entscheidende Befreiung.
So wird der Janmamaranavichara zu einer umfassenden Meditation über Verkörperung, Vergänglichkeit und Freiheit: Das, was geboren wird und stirbt, ist nicht die letzte Wirklichkeit des Menschen. Hinter den wechselnden Körpern und Zuständen steht die eine Saṃvid, die sich selbst als Welt, Leben, Tod und Befreiung entfaltet.
Inspirierende Verse und Lehren
„Der eine Ātman erscheint als viele.“
ākāśamekaṃ hi yathā ghaṭādiṣu pṛthagbhavet |
tathātmaiko'pyanekaśca jalādhāreṣvivāṃśumān ||
Inspiration: Verschiedenheit muss nicht bedeuten, dass das zugrunde liegende Bewusstsein selbst zerteilt ist. Wie ein Raum in vielen Gefäßen getrennt erscheint, kann sich das eine Selbst in vielen Lebewesen spiegeln.
„Wer mit rechter Schau ausgestattet ist, wird durch Handlungen nicht gebunden.“
samyagdarśanasaṃpannaḥ karmabhirna sa badhyate |
darśanena vihīnastu saṃsāraṃ pratipadyate ||
Inspiration: Entscheidend ist nicht nur, was geschieht, sondern aus welchem Bewusstsein heraus es erfahren und verstanden wird.
„Wie Getreide reift der Sterbliche und wird wieder geboren.“
sasyamiva martyaḥ pacyate sasyamiva jāyate punaḥ |
Inspiration: Der Text verwendet das Bild des Samens, um die rhythmische Wiederkehr von Geburt und Tod auszudrücken. Spirituelle Erkenntnis soll aus diesem bloßen Kreislauf herausführen.
„Wer fest im höchsten Tattva gegründet ist, wird nicht wieder geboren.“
godohamiṣupātaṃ vā nayanonmīlanaṃ ca vā |
samyagyuktaḥ pare tattve na bhūyo janmabhāgbhavet ||
Inspiration: Nach der Tradition kann selbst ein kurzer Augenblick wirklicher Erkenntnis eine tiefere Bedeutung haben als lange äußere Bemühung ohne Selbsterkenntnis.
„Der Körper selbst ist das Heiligtum.“
śarīramevāyatanaṃ nānyadāyatanaṃ vrajet |
tīrthamekaṃ śrayenmantramanyatīrthāni varjayet ||
Inspiration: Der spirituelle Weg muss nicht immer an einem fernen Ort beginnen. Körper, Atem, Mantra und Bewusstsein können selbst zum heiligen Raum werden.
„Die im Wissen Gefestigten sind von Śiva erfüllt.“
ye ca svabhyastavijñānamayāḥ śivamayā hi te |
jīvanmuktā na teṣāṃ syānmṛtau kāpi vicāraṇā ||
Inspiration: Jīvanmukti verschiebt Befreiung nicht auf den Tod. Freiheit soll schon im Leben verwirklicht werden.
Wichtigste Mantras aus der Schrift
Der Janmamaranavichara ist primär ein philosophisch-lehrhafter Text und kein Mantra-Handbuch. Einige echte Mantra- beziehungsweise Anrufungsformeln erscheinen jedoch ausdrücklich.
Om Namah Shivaya Amritavapushe
oṃ namaḥ śivāyāmṛtavapuṣe
ॐ नमः शिवायामृतवपुषे ।
Bedeutung: „Om. Verehrung Śiva, dessen Gestalt beziehungsweise Wesen Nektar ist.“
Verwendung im Text: Diese Formel eröffnet den eigentlichen Janmamaranavichara und richtet die gesamte Untersuchung auf Śiva als unsterbliche Bewusstseinswirklichkeit aus.
Daneben spricht der Text häufig vom eigenen Mantra (svamantra) des Eingeweihten, schreibt aber keine weitere konkrete vollständige Mantraformel aus. Daher werden keine zusätzlichen Mantras ergänzt.
Geburt, Tod und die Ebenen der Lehre
Ein besonderes Qualitätsmerkmal des Janmamaranavichara ist die Verbindung verschiedener Erklärungsebenen. Er spricht über anatomische und embryologische Vorstellungen seiner Zeit, über Karma und Wiedergeburt, über Yogaphysiologie und Nāḍīs und zugleich über Paramaśiva als höchste Wirklichkeit.
Diese Ebenen sollten nicht miteinander verwechselt werden. Vormoderne medizinische Aussagen – etwa traditionelle Zahlen von Knochen, Gefäßen oder Entwicklungsmonaten – werden hier als historische Textaussagen dokumentiert und nicht als moderne medizinische Fakten präsentiert.
Ebenso sind Aussagen über Wiedergeburt, Zwischenkörper, karmische Zielbereiche, heilige Sterbeorte oder postmortale Rituale Aussagen der religiösen Tradition des Textes.
Die höchste philosophische Ebene der Schrift wiederum lautet: Das eigene Wesen ist nicht letztlich der vergängliche Körper, sondern Saṃvid – Bewusstsein.
Verhältnis zu anderen Schriften
Der Janmamaranavichara selbst verweist auf beziehungsweise zitiert zahlreiche Śaiva- und andere Sanskritquellen. Besonders wichtig sind:
- Svacchanda Tantra
- Tantraloka
- Malinivijayottara Tantra
- Pauṣkara Agama
- Cillācakreśvaramata
- Amṛteśaśikhā
- Niśāṭana
- Rahasyatilaka
- Mahākula
- Pracaṇḍabhairava
- Bhāgeśamata
Daneben werden medizinische Autoritäten wie Suśruta sowie allgemein bekannte Verse aus der Bhagavad Gita und andere Śruti- und Smṛti-Traditionen herangezogen.
Der Text ist dadurch weniger eine isolierte Abhandlung als ein Knotenpunkt verschiedener Wissensformen: Tantra, Yoga, Medizin, Ritual, Karma-Lehre und nichtduale Śaiva-Philosophie.
Zur Vertiefung von Meditation über Vergänglichkeit und das unvergängliche Bewusstsein kann dieses Yoga-Vidya-Video ergänzend eingebunden werden:
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Ein weiteres Yoga-Vidya-Video kann die Verbindung von Shiva, Meditation und innerem Bewusstsein vertiefen:
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Abschließende Betrachtung
Der Janmamaranavichara nimmt seinen Titel ernst: Er betrachtet Geburt und Tod gründlich. Aber gerade dadurch zeigt er, dass beide nicht die tiefste Ebene menschlicher Existenz darstellen.
Der Körper entsteht, entwickelt sich, altert und zerfällt. Karma führt zu neuen Erfahrungen. Nach traditioneller Auffassung kann der Bewusstseinsstrom weitere Verkörperungen annehmen. Doch Vāmadevas eigentliches Anliegen liegt tiefer: Wer sein wahres Wesen als nichtduales Bewusstsein erkennt, muss sich nicht mehr vollständig mit diesem Kreislauf identifizieren.
Die lange Beschreibung des Körpers dient deshalb nicht nur anatomischer Neugier. Sie führt zu Vairāgya. Die Lehre vom Tod dient nicht nur der Spekulation über ein Jenseits. Sie führt zur Frage, in welchem Bewusstsein Leben und Sterben überhaupt erscheinen. Die rituellen Vorschriften dienen nicht als Endpunkt, sondern stehen unter einer höheren Perspektive: Jīvanmukti.
Für heutige Yoga-Aspiranten kann diese Schrift besonders in der Meditation über Vergänglichkeit und das Selbst wertvoll sein. Der Text fragt letztlich: Was in uns wird geboren? Was altert? Was stirbt? Und was ist jenes Bewusstsein, in dem all diese Veränderungen erkannt werden?
Vollständigkeit der deutschen Übersetzung
Die Abschlussfassung enthält den gesamten eigentlichen Vāmadeva-Text in deutscher Sprache. Die editorische Bhūmikā vor dem Werk ist bewusst nicht Teil der Vollübersetzung, weil sie von der Ausgabe stammt und nicht zum Primärtext Vāmadevas gehört. Sie wird nur in der Einleitung zur historischen Einordnung verwendet.
Textgrundlage
Muktabodha Digital Library, Katalognummer M00155, janmamaṛanavicāra, Autor: Vāmadeva; Herausgeber der zugrunde liegenden Kashmir-Series-Ausgabe: M. R. Śāstrī. Muktabodha gibt als Vorlage Band 19 der Kashmir Series of Texts and Studies, Research Department Jammu and Kashmir State, Srinagar 1918, an. Für den Sanskrit-Grundtext wurden ausschließlich die beiden vom Nutzer bereitgestellten Muktabodha-Dateien in Umschrift und Devanagari verwendet. Die vorangestellte editorische Bhūmikā wurde zur historischen Einordnung ausgewertet, aber nicht mit Vāmadevas Primärtext vermischt.
Siehe auch
- Vamadeva
- Yogaraja
- Ksemaraja
- Abhinavagupta
- Kashmir Shaivismus
- Shiva
- Parama Shiva
- Shakti
- Bewusstsein
- Jivanmukti
- Shaktipata
- Diksha
- Maya
- Kanchuka
- Tattva
- Prana
- Nadi
- Karma
- Wiedergeburt
- Tod
- Svacchanda Tantra
- Tantraloka
- Malinivijayottara Tantra
- Sushruta
- Bhagavad Gita
- Meditation
Seminare
Zur praktischen Vertiefung von Meditation, Selbsterkenntnis und Vergänglichkeit:
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