Vedantisch: Unterschied zwischen den Versionen
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Innerhalb des vedantischen Denkens existieren mehrere interpretatorische Strömungen, weshalb „vedantisch“ unterschiedliche Akzente annehmen kann. Der neutral‑analytische Vedanta, wie er in einigen klassischen Kommentaren erscheint, betont die Untersuchung der eigenen Erfahrung, die Unterscheidung von Realem und Irrealem sowie die direkte Erkenntnis der Identität von Atman und Brahman. Der [[ | Innerhalb des vedantischen Denkens existieren mehrere interpretatorische Strömungen, weshalb „vedantisch“ unterschiedliche Akzente annehmen kann. Der neutral‑analytische Vedanta, wie er in einigen klassischen Kommentaren erscheint, betont die Untersuchung der eigenen Erfahrung, die Unterscheidung von Realem und Irrealem sowie die direkte Erkenntnis der Identität von Atman und Brahman. Der [[Advaita Vedanta]] setzt die strikte Nichtdualität in den Mittelpunkt: letztlich gibt es nur [[Brahman]], und das individuelle Selbst ist nicht anders als dieses eine Absolute; weltliche Unterscheidungen gelten als Erscheinungen oder Unwissenheit. Andere vedantische Schulen wie [[vishishtadvaita ]]oder [[dvaita]] betonen dagegen eine qualifizierte Nichtdualität beziehungsweise eine bleibende Unterscheidung zwischen individueller Seele und göttlicher Wirklichkeit, wodurch göttliche [[Beziehung]], [[Hingabe]] und die Personalität Gottes stärker hervorgehoben werden. | ||
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Vedantisch kann auch methodische Bedeutungen tragen: es bezeichnet eine Herangehensweise, die auf Selbsterkenntnis, Unterscheidung (viveka), Entsagung (vairagya), ethischer Disziplin, Meditation und oft auch hingebungsvollen Übungen basiert, um die falsche Identifikation mit dem Körper, Geist und den Sinnen zu überwinden. In religiös‑pragmatischer Hinsicht wird „vedantisch“ häufig verwendet, um spirituelle Lehren, Praktiken oder Lebenshaltungen zu kennzeichnen, die das Ziel haben, Befreiung durch Erkenntnis der ultimativen Wirklichkeit zu erreichen oder die Beziehung zu einem persönlichen Gott im Rahmen vedantischer Theologie zu vertiefen. | Vedantisch kann auch methodische Bedeutungen tragen: es bezeichnet eine Herangehensweise, die auf Selbsterkenntnis, Unterscheidung ([[viveka]]), Entsagung ([[vairagya]]), ethischer Disziplin, [https://www.yoga-vidya.de/ Meditation] und oft auch hingebungsvollen Übungen basiert, um die falsche Identifikation mit dem [[Körper]], Geist und den Sinnen zu überwinden. In religiös‑pragmatischer Hinsicht wird „vedantisch“ häufig verwendet, um spirituelle Lehren, Praktiken oder Lebenshaltungen zu kennzeichnen, die das Ziel haben, Befreiung durch Erkenntnis der ultimativen Wirklichkeit zu erreichen oder die Beziehung zu einem persönlichen Gott im Rahmen vedantischer [[Theologie]] zu vertiefen. | ||
Historisch und kulturgeschichtlich verweist „vedantisch“ zudem auf eine lange Kommentatorentradition: die Interpretationen von [[Shankara]], [[Ramanuja]], [[Madhva]] und vielen späteren Lehrern prägten, wie Textstellen der Upanishaden verstanden und im sozialen Leben umgesetzt wurden. Deshalb kann der Begriff sowohl abstrakte metaphysische Aussagen meinen als auch konkrete ethische und rituelle Empfehlungen, abhängig von der jeweiligen vedantischen Schule. Insgesamt steht „vedantisch“ für ein philosophisch‑religiöses Orientierungsfeld, das die Suche nach der letzten Wirklichkeit, die Frage nach dem wahren Selbst und die Wege zur Befreiung zentral stellt. | Historisch und kulturgeschichtlich verweist „vedantisch“ zudem auf eine lange Kommentatorentradition: die Interpretationen von [[Shankara]], [[Ramanuja]], [[Madhva]] und vielen späteren Lehrern prägten, wie Textstellen der Upanishaden verstanden und im sozialen Leben umgesetzt wurden. Deshalb kann der Begriff sowohl abstrakte metaphysische Aussagen meinen als auch konkrete ethische und rituelle Empfehlungen, abhängig von der jeweiligen vedantischen Schule. Insgesamt steht „vedantisch“ für ein philosophisch‑religiöses Orientierungsfeld, das die Suche nach der letzten Wirklichkeit, die Frage nach dem wahren Selbst und die Wege zur Befreiung zentral stellt. | ||
Aktuelle Version vom 13. Januar 2026, 06:36 Uhr
Vedantisch bedeutet „die Vedanta‑Lehre betreffend“ oder „in Übereinstimmung mit Vedanta“.
Vedanta ist eine der sechs orthodoxen Schulen der indischen Philosophie und basiert vor allem auf den Schlusskapiteln der Veden — den Upanishaden — sowie auf der Brahma Sutra‑Literatur und den Kommentartraditionen. Vedantisch bezieht sich daher auf Gedanken, Methoden und Ziele, die aus diesen Quellen hervorgehen: zentrale Themen sind die Natur des Selbst (Atman), die absolute Wirklichkeit (Brahman), die Beziehung zwischen beidem, Erkenntnistheorie, Befreiung (moksha) und die Praxis innerer Loslösung.
Richtungen
Innerhalb des vedantischen Denkens existieren mehrere interpretatorische Strömungen, weshalb „vedantisch“ unterschiedliche Akzente annehmen kann. Der neutral‑analytische Vedanta, wie er in einigen klassischen Kommentaren erscheint, betont die Untersuchung der eigenen Erfahrung, die Unterscheidung von Realem und Irrealem sowie die direkte Erkenntnis der Identität von Atman und Brahman. Der Advaita Vedanta setzt die strikte Nichtdualität in den Mittelpunkt: letztlich gibt es nur Brahman, und das individuelle Selbst ist nicht anders als dieses eine Absolute; weltliche Unterscheidungen gelten als Erscheinungen oder Unwissenheit. Andere vedantische Schulen wie vishishtadvaita oder dvaita betonen dagegen eine qualifizierte Nichtdualität beziehungsweise eine bleibende Unterscheidung zwischen individueller Seele und göttlicher Wirklichkeit, wodurch göttliche Beziehung, Hingabe und die Personalität Gottes stärker hervorgehoben werden.
Methoden
Vedantisch kann auch methodische Bedeutungen tragen: es bezeichnet eine Herangehensweise, die auf Selbsterkenntnis, Unterscheidung (viveka), Entsagung (vairagya), ethischer Disziplin, Meditation und oft auch hingebungsvollen Übungen basiert, um die falsche Identifikation mit dem Körper, Geist und den Sinnen zu überwinden. In religiös‑pragmatischer Hinsicht wird „vedantisch“ häufig verwendet, um spirituelle Lehren, Praktiken oder Lebenshaltungen zu kennzeichnen, die das Ziel haben, Befreiung durch Erkenntnis der ultimativen Wirklichkeit zu erreichen oder die Beziehung zu einem persönlichen Gott im Rahmen vedantischer Theologie zu vertiefen.
Historisch und kulturgeschichtlich verweist „vedantisch“ zudem auf eine lange Kommentatorentradition: die Interpretationen von Shankara, Ramanuja, Madhva und vielen späteren Lehrern prägten, wie Textstellen der Upanishaden verstanden und im sozialen Leben umgesetzt wurden. Deshalb kann der Begriff sowohl abstrakte metaphysische Aussagen meinen als auch konkrete ethische und rituelle Empfehlungen, abhängig von der jeweiligen vedantischen Schule. Insgesamt steht „vedantisch“ für ein philosophisch‑religiöses Orientierungsfeld, das die Suche nach der letzten Wirklichkeit, die Frage nach dem wahren Selbst und die Wege zur Befreiung zentral stellt.