Virarajendra

Aus Yogawiki

Virarajendra Chola (Tamil: வீரராஜேந்திர சோழன், Vīrarājēntira Cōḻaṉ), auch Virarajendra oder Vira Chola, war ein König der Chola-Dynastie in Südindien. Er regierte von etwa 1063 bis 1070 über eines der mächtigsten Reiche seiner Zeit, das sich über große Teile Südindiens erstreckte und bis nach Sri Lanka und Südostasien reichte. Er war ein Sohn des großen Königs Rajendra I. und der jüngste von drei Brüdern, die nacheinander den Thron bestiegen.

Virarajendra ist in die Geschichte vor allem als tapferer Heerführer eingegangen, der das Reich gegen seine Nachbarn verteidigte. Für die Kultur- und Geistesgeschichte ist er jedoch aus einem anderen Grund bedeutsam: Er förderte Bildung, Heilkunde und Gelehrsamkeit. Unter seiner Herrschaft wurden eine Schule für das Studium der Veden, der Shastras und der Grammatik sowie ein Krankenhaus unterhalten, und der buddhistische Gelehrte Buddhamitra schrieb ihm zu Ehren die Tamil-Grammatik Virasoliyam.

Als Verehrer Shivas, der zugleich Vishnu-Tempel beschenkte und einen buddhistischen Gelehrten förderte, verkörpert Virarajendra die religiöse Offenheit, die das Chola-Reich in seiner Blütezeit auszeichnete.

Das Wichtigste auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Name Virarajendra Chola, Vira Chola
Tamil வீரராஜேந்திர சோழன்
Transliteration Vīrarājēntira Cōḻaṉ
Dynastie Chola (Kaiserliche Chola)
Regierungszeit Etwa 1063–1070
Hauptstadt Gangaikonda Cholapuram
Vater Rajendra I. Chola
Brüder und Vorgänger Rajadhiraja I., Rajendra II.
Nachfolger Sein Sohn Athirajendra
Religion Shivaismus, mit Offenheit gegenüber anderen Traditionen
Kulturelles Wirken Förderung von Bildung, Heilkunde und Literatur; Virasoliyam

Die Chola und ihre Blütezeit

Die Chola gehörten zu den drei alten tamilischen Königshäusern, neben den Pandya und den Chera. Vom 9. bis zum 13. Jahrhundert erlebten sie als „Kaiserliche Chola“ ihre größte Macht. Könige wie Rajaraja I. und sein Sohn Rajendra I. schufen ein Reich, das den ganzen Süden Indiens, Sri Lanka und die Malediven umfasste und dessen Flotte bis nach Südostasien segelte.

In dieser Zeit entstanden einige der großartigsten Bauwerke Indiens, wie der Brihadishvara-Tempel in Thanjavur und der Tempel von Gangaikonda Cholapuram. Auch die Literatur blühte: Die Hymnen der Shiva-Heiligen wurden in der Tirumurai gesammelt, und später entstanden das Kambaramayanam und das Periya Puranam.

Virarajendra regierte in der späten Phase dieser Blütezeit.

Leben und Herrschaft

Der jüngste der drei Brüder

Virarajendra war ein Sohn des mächtigen Königs Rajendra I. Nach dessen Tod regierten nacheinander seine älteren Brüder: zuerst Rajadhiraja I., der 1054 in der Schlacht von Koppam gegen die Westlichen Chalukya fiel, dann Rajendra II. Den größten Teil seines Lebens verbrachte Virarajendra als Heerführer und Mitregent im Dienst seiner Brüder. Erst um 1063 bestieg er selbst den Thron.

Verteidigung des Reiches

Die raschen Thronwechsel nutzten die traditionellen Gegner der Chola, um sich zu erheben: die Westlichen Chalukya im Norden, die Pandya im Süden, die Chera im Westen und die Singhalesen auf Sri Lanka. Virarajendra erwies sich als fähiger Heerführer. In der Schlacht von Kudal Sangamam, am Zusammenfluss zweier Flüsse, besiegte er das Heer der Chalukya. Der Dichter Ottakoothar erinnert in seinem Werk Vikrama Cholan Ula an diesen Sieg und erwähnt, dass Virarajendra in einem großen Parani-Gedicht besungen wurde.[1]

Später schloss er mit einem Teil der Chalukya-Dynastie Frieden: Er gab seine Tochter dem Chalukya-Prinzen Vikramaditya VI. zur Frau und unterstützte ihn. So verband er militärische Stärke mit diplomatischem Geschick.

Die Fahrt nach Kadaram

Nach der Überlieferung seiner Inschriften sandte Virarajendra eine Flotte nach Kadaram, dem heutigen Kedah auf der Malaiischen Halbinsel, um dort einem verbündeten Herrscher wieder auf den Thron zu helfen. Die Expedition zeigt die Seemacht der Chola, die weite Teile des Indischen Ozeans beherrschten.

Tod und Nachfolge

Virarajendra starb um 1070. Sein Sohn Athirajendra folgte ihm auf den Thron, regierte aber nur kurz. Danach ging die Herrschaft an Kulottunga I. über, einen Enkel Rajendras I. über eine Tochter, der eine neue Linie der Chola begründete.

Förderer von Bildung und Heilkunde

Die Inschriften aus Virarajendras Regierungszeit zeigen einen König, dem das Wohl seiner Untertanen am Herzen lag.

Schule und Krankenhaus

Eine bekannte Inschrift aus dem Vishnu-Tempel von Tirumukkudal bei Kanchipuram berichtet von einer Stiftung zur Zeit Virarajendras: Eine Schule für das Studium der Veden, der Shastras und der Grammatik wurde unterhalten, mit einem Wohnheim für die Schüler. Dazu gehörte ein Krankenhaus mit dem Namen „Virasolan“, in dem Kranke aufgenommen und von Ärzten mit ayurvedischen Heilmitteln behandelt wurden. Die Inschrift nennt sogar einzelne Arzneien und die Versorgung der Patienten.

Diese Stiftung ist ein frühes, eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie eng Bildung, Religion und Heilkunde im alten Indien verbunden waren. Dass sie in einem Vishnu-Tempel unter einem Shiva verehrenden König bestand, zeigt die Offenheit der Zeit.

Das Virasoliyam

Unter Virarajendras Herrschaft schrieb der buddhistische Gelehrte Buddhamitra die Tamil-Grammatik Virasoliyam, die nach dem König benannt ist. Das Werk versucht, die tamilische Grammatik mit der Sanskrit-Grammatik zu verbinden. Dass ein Buddhist unter einem shivaitischen König ein solches Werk schreiben und ihm widmen konnte, ist ein Zeichen der religiösen und kulturellen Vielfalt im Chola-Reich.

Religion

Wie seine Vorfahren war Virarajendra ein Verehrer Shivas. Die Chola-Könige bauten und beschenkten große Shiva-Tempel und verehrten besonders Nataraja, den tanzenden Shiva von Chidambaram. Zugleich zeigte Virarajendra Toleranz gegenüber den Verehrern Vishnus und förderte Gelehrte anderer Richtungen. Diese Offenheit prägte die Kultur des Chola-Reiches, in dem Shaivas, Vaishnavas, Jainas und Buddhisten nebeneinander lebten.

Nataraja: Die Chola-Könige verehrten besonders den tanzenden Shiva; die berühmtesten Nataraja-Bronzen stammen aus der Chola-Zeit.

Bedeutung

Als Herrscher

Virarajendra gelang es, das Chola-Reich in einer Zeit der Unruhe zusammenzuhalten und gegen äußere Feinde zu verteidigen. Die Überlieferung beschreibt ihn als tapfer gegenüber seinen Gegnern und gütig gegenüber seinen eigenen Untertanen.

Als Förderer der Kultur

Seine Förderung von Schule, Krankenhaus und Gelehrsamkeit zeigt ein Verständnis von Königtum, das über Macht und Eroberung hinausgeht. Der König sollte nach altindischem Ideal das Dharma schützen: die Ordnung, das Wohl und die Bildung seines Volkes.

Als Namensgeber

Durch das Virasoliyam ist Virarajendras Name bis heute mit der Geschichte der tamilischen Sprachwissenschaft verbunden.

Das Ideal des gerechten Herrschers

Die indische Tradition kennt das Ideal des Rajarshi, des „königlichen Weisen“, der Macht mit Weisheit und Güte verbindet. Die Bhagavad Gita nennt König Janaka als Vorbild eines Herrschers, der mitten in der Welt handelt, ohne an den Früchten zu haften. Auch unter den tamilischen Heiligen gibt es Könige und Minister, die ihre Macht in den Dienst des Guten stellten, etwa Aiyadigal Kadavarkon Nayanar, Kulachirai Nayanar oder der Alvar Kulasekhara, der Dichter der Perumal Tirumoli.

Virarajendra war kein Heiliger, sondern ein Herrscher seiner Zeit, der Kriege führte. Doch seine Stiftungen für Schule und Krankenhaus zeigen, dass auch Macht zum Wohl vieler eingesetzt werden kann. Für heutige Menschen in Verantwortung, ob in Beruf, Familie oder Gemeinschaft, kann dies eine Anregung sein: Die eigenen Möglichkeiten für Bildung, Heilung und das Gemeinwohl einzusetzen, ist gelebtes Karma Yoga.

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten und Werken

Rajendra I. war sein Vater, Rajaraja I. sein Großvater, der Erbauer des Brihadishvara-Tempels. Buddhamitra verfasste unter seiner Herrschaft das Virasoliyam. Der Dichter Ottakoothar erwähnt ihn in seinen Werken. Kulottunga I., sein Nachfolger nach Athirajendra, regierte zur Zeit, als die Chola-Literatur mit Werken wie dem Periya Puranam und dem Kambaramayanam ihren Höhepunkt erreichte.

Anregungen für Yoga und Meditation

  • Verantwortung als Dienst: Überlege in der Meditation, welche Verantwortung du in deinem Leben trägst. Wie kannst du sie zum Wohl anderer einsetzen?
  • Bildung und Heilung fördern: Virarajendra förderte Schule und Krankenhaus. Gibt es ein Bildungs- oder Heilungsprojekt, das du unterstützen kannst, sei es mit Zeit, Wissen oder Mitteln?
  • Offenheit für andere Traditionen: Ein shivaitischer König förderte einen buddhistischen Gelehrten und stiftete in einem Vishnu-Tempel. Begegne heute einer anderen spirituellen oder kulturellen Tradition mit Offenheit.
  • Stärke und Güte: Die Überlieferung beschreibt Virarajendra als tapfer und gütig zugleich. Wie kannst du in deiner Yogapraxis und im Alltag Kraft und Freundlichkeit verbinden?

Ein König der Bildung

Virarajendra Chola war ein Krieger in einer unruhigen Zeit. Doch sein Name lebt nicht nur in den Berichten von Schlachten fort, sondern auch in einer Grammatik, in einer Schule und in einem Krankenhaus. Seine Geschichte erinnert daran, dass bleibende Größe oft in dem liegt, was man für die Bildung und das Wohl anderer schafft.

Siehe auch

Quellen und Weblinks

  1. ↑ Wikipedia (englisch): Virarajendra, mit dem Zitat aus Ottakoothars Vikrama Cholan Ula.

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