Tulasi Kanana Kavacha
Tulasi Kanana Kavacha – Morgengebet im Tulasi-Garten ist die Rezitation des Tulasi Kavacha bei aufgehender Sonne in einem Bestand von Tulasi-Pflanzen. Mit gefalteten Händen wird die Sonne begrüßt; danach wird stehend oder sitzend das Schutzgebet gesprochen. Diese in den Versen 12–13 ausdrücklich beschriebene Hausstandspraxis verbindet die Bitte um Lebensordnung mit wachsender Vishnu Bhakti.
Vorbereitung
Wähle einen Platz bei einem Tulasi-Bestand, an dem du den Morgen bewusst erleben kannst. Der Sanskrittext nennt einen Tulasi-Garten oder -Hain. Eine einzelne Topfpflanze auf Balkon oder im Haus ist eine heutige räumliche Anpassung, die du gegebenenfalls ausdrücklich als solche wählst. Halte den Text bereit. Ein Pflücken von Blättern, eine materielle Gabe und ein Feuer werden für diese Anwendung nicht verlangt.
Vollständiger Morgenablauf
1. Die aufgehende Sonne begrüßen
Stelle dich bei den Pflanzen auf und füge die Hände zur Anjali Mudra. Wende dich der Himmelsrichtung der aufgehenden Sonne zu, ohne in die helle Sonne zu starren. Ein eigener Sonnenmantra wird in dieser Vorschrift nicht genannt.
2. Die Rezitation widmen
Bleibe stehen oder setze dich, wie Vers 13 beides erlaubt. Sprich den Viniyoga:
IAST
śrīgaṇeśāya namaḥ |
asya śrītulasīkavacastotramantrasya śrīmahādeva ṛṣiḥ |
anuṣṭupchandaḥ | śrītulasī devatā |
mama īpsitakāmanāsiddhyarthaṃ jape viniyogaḥ |
Devanagari
श्रीगणेशाय नमः ।
अस्य श्रीतुलसीकवचस्तोत्रमन्त्रस्य श्रीमहादेव ऋषिः ।
अनुष्टुप्छन्दः । श्रीतुलसी देवता ।
मम ईप्सितकामनासिद्ध्यर्थं जपे विनियोगः ।
Bedeutung
Verehrung dem erhabenen Ganesha.
Seher dieses Tulasi-Kavacha-Stotra-Mantras ist Mahadeva.
Das Versmaß ist Anushtubh. Die Gottheit ist die erhabene Tulasi.
Die Rezitation wird zur Erfüllung meines ersehnten Anliegens angewandt.
3. Den ganzen Text rezitieren
Sprich die folgenden zwanzig nummerierten Abschnitte einmal. Die höhere Wiederholungszahl ist nicht festgelegt. Im Schutzteil folgst du den Körperstellen innerlich. Die späteren Verse nennen weitere eigenständige Anwendungen; sie werden mitgelesen, gehören aber nicht als zusätzliche Handlungen zum hier gewählten Morgenritus.
IAST
tulasī śrīmahādevi namaḥ paṅkajadhāriṇi |
śiro me tulasī pātu bhālaṃ pātu yaśasvinī || 1||
dṛśau me padmanayanā śrīsakhī śravaṇe mama |
ghrāṇaṃ pātu sugandhā me mukhaṃ ca sumukhī mama || 2||
jihvāṃ me pātu śubhadā kaṇṭhaṃ vidyāmayī mama |
skandhau kahlāriṇī pātu hṛdayaṃ viṣṇuvallabhā || 3||
puṇyadā me pātu madhyaṃ nābhiṃ saubhāgyadāyinī |
kaṭiṃ kuṇḍaliniṃ pātu ūrū nāradavanditā || 4||
jananī jānunī pātu jaṅghe sakalavanditā |
nārāyaṇapriyā pādau sarvāṅgaṃ sarvarakṣiṇī || 5||
saṅkaṭe viṣame durge bhaye vāde mahāhave |
nityaṃ hi sandhyayoḥ pātu tulasī sarvataḥ sadā || 6||
itīdaṃ paramaṃ guhyaṃ tulasyāḥ kavacāmṛtam |
martyānāmamṛtārthāya bhītānāmabhayāya ca || 7||
mokṣāya ca mumukṣūṇāṃ dhyāyināṃ dhyānayogakṛt |
vaśāya vaśyakāmānāṃ vidyāyai vedavādinām || 8||
draviṇāya daridrāṇāṃ pāpināṃ pāpaśāntaye || 9||
annāya kṣudhitānāṃ ca svargāya svargamicchitām |
paśavyaṃ paśukāmānāṃ putradaṃ putrakāṅkṣiṇām || 10||
rājyāya bhraṣṭarājyānāmaśāntānāṃ ca śāntaye |
bhaktyarthaṃ viṣṇubhaktānāṃ viṣṇau sarvāntarātmani || 11||
jāpyaṃ trivargasiddhyarthaṃ gṛhasthena viśeṣataḥ |
udyantaṃ caṇḍakiraṇamupasthāya kṛtāñjaliḥ || 12||
tulasīkānane tiṣṭhannāsīno vā japedidam |
sarvānkāmānavāpnoti tathaiva mama sannidhim || 13||
mama priyakaraṃ nityaṃ haribhaktivivardhanam |
yā syānmṛtaprajā nārī tasyā aṅgaṃ pramārjayet || 14||
sā putraṃ labhate dīrghajīvinaṃ cāpyarogiṇam |
vandhyāyā mārjayedaṅgaṃ kuśairmantreṇa sādhakaḥ || 15||
sā'pi saṃvatsarādeva garbhaṃ dhatte manoharam |
aśvatthe rājavaśyārthī japedagneḥ surūpabhāk || 16||
palāśamūle vidyārthī tejo'rthyabhimukho raveḥ |
kanyārthī caṇḍikāgehe śatruhatyai gṛhe mama || 17||
śrīkāmo viṣṇugehe ca udyāne strīvaśā bhavet |
kimatra bahunoktena śṛṇu sainyeśa tattvataḥ || 18||
yaṃ yaṃ kāmamabhidhyāyettaṃ taṃ prāpnotyasaṃśayam |
mama gehagatastvaṃ tu tārakasya vadhecchayā || 19||
japan stotraṃ ca kavacaṃ tulasīgatamānasaḥ |
maṇḍalāttārakaṃ hantā bhaviṣyasi na saṃśayaḥ || 20||
Devanagari
तुलसी श्रीमहादेवि नमः पङ्कजधारिणि ।
शिरो मे तुलसी पातु भालं पातु यशस्विनी ॥ १॥
दृशौ मे पद्मनयना श्रीसखी श्रवणे मम ।
घ्राणं पातु सुगन्धा मे मुखं च सुमुखी मम ॥ २॥
जिह्वां मे पातु शुभदा कण्ठं विद्यामयी मम ।
स्कन्धौ कह्लारिणी पातु हृदयं विष्णुवल्लभा ॥ ३॥
पुण्यदा मे पातु मध्यं नाभिं सौभाग्यदायिनी ।
कटिं कुण्डलिनिं पातु ऊरू नारदवन्दिता ॥ ४॥
जननी जानुनी पातु जङ्घे सकलवन्दिता ।
नारायणप्रिया पादौ सर्वाङ्गं सर्वरक्षिणी ॥ ५॥
सङ्कटे विषमे दुर्गे भये वादे महाहवे ।
नित्यं हि सन्ध्ययोः पातु तुलसी सर्वतः सदा ॥ ६॥
इतीदं परमं गुह्यं तुलस्याः कवचामृतम् ।
मर्त्यानाममृतार्थाय भीतानामभयाय च ॥ ७॥
मोक्षाय च मुमुक्षूणां ध्यायिनां ध्यानयोगकृत् ।
वशाय वश्यकामानां विद्यायै वेदवादिनाम् ॥ ८॥
द्रविणाय दरिद्राणां पापिनां पापशान्तये ॥ ९॥
अन्नाय क्षुधितानां च स्वर्गाय स्वर्गमिच्छिताम् ।
पशव्यं पशुकामानां पुत्रदं पुत्रकाङ्क्षिणाम् ॥ १०॥
राज्याय भ्रष्टराज्यानामशान्तानां च शान्तये ।
भक्त्यर्थं विष्णुभक्तानां विष्णौ सर्वान्तरात्मनि ॥ ११॥
जाप्यं त्रिवर्गसिद्ध्यर्थं गृहस्थेन विशेषतः ।
उद्यन्तं चण्डकिरणमुपस्थाय कृताञ्जलिः ॥ १२॥
तुलसीकानने तिष्ठन्नासीनो वा जपेदिदम् ।
सर्वान्कामानवाप्नोति तथैव मम सन्निधिम् ॥ १३॥
मम प्रियकरं नित्यं हरिभक्तिविवर्धनम् ।
या स्यान्मृतप्रजा नारी तस्या अङ्गं प्रमार्जयेत् ॥ १४॥
सा पुत्रं लभते दीर्घजीविनं चाप्यरोगिणम् ।
वन्ध्याया मार्जयेदङ्गं कुशैर्मन्त्रेण साधकः ॥ १५॥
साऽपि संवत्सरादेव गर्भं धत्ते मनोहरम् ।
अश्वत्थे राजवश्यार्थी जपेदग्नेः सुरूपभाक् ॥ १६॥
पलाशमूले विद्यार्थी तेजोऽर्थ्यभिमुखो रवेः ।
कन्यार्थी चण्डिकागेहे शत्रुहत्यै गृहे मम ॥ १७॥
श्रीकामो विष्णुगेहे च उद्याने स्त्रीवशा भवेत् ।
किमत्र बहुनोक्तेन शृणु सैन्येश तत्त्वतः ॥ १८॥
यं यं काममभिध्यायेत्तं तं प्राप्नोत्यसंशयम् ।
मम गेहगतस्त्वं तु तारकस्य वधेच्छया ॥ १९॥
जपन् स्तोत्रं च कवचं तुलसीगतमानसः ।
मण्डलात्तारकं हन्ता भविष्यसि न संशयः ॥ २०॥
Bedeutung
1. Tulasi, erhabene große Göttin, Verehrung dir, Lotusträgerin!
Tulasi schütze meinen Kopf, die Ruhmreiche meine Stirn.
2. Die Lotusäugige schütze meine Augen, Shris Freundin meine Ohren;
die Wohlriechende meine Nase, die Schönantlitzige mein Gesicht.
3. Die Heilspenderin schütze meine Zunge, die Wissenserfüllte meinen Hals;
die Wasserlilienträgerin meine Schultern, Vishnus Geliebte mein Herz.
4. Die Verdienstspenderin schütze meine Mitte, die Glückspenderin meinen Nabel;
Kundalini meine Hüfte, die von Narada Verehrte meine Oberschenkel.
5. Die Mutter schütze meine Knie, die Allverehrte meine Unterschenkel;
Narayana-Geliebte meine Füße, die Allbeschützerin den ganzen Körper.
6. In Bedrängnis, Gefahr, unzugänglichem Gelände, Furcht, Streit und großem Kampf,
zu den beiden Tagesübergängen schütze Tulasi mich stets von allen Seiten.
7. Dies ist der höchst verborgene Nektar von Tulasīs Kavacha:
für Sterbliche zur Unsterblichkeit und für Ängstliche zur Furchtlosigkeit.
8. Für Befreiung Suchende zur Befreiung, für Betrachtende zur Versenkung;
für Beherrschung Suchende zur Beherrschung, für Vedenkundige zum Wissen;
9. für Arme zum Vermögen und für Fehlende zur Besänftigung ihrer Verfehlungen;
10. für Hungrige zur Nahrung, für Himmelsstrebende zum Himmel,
für Vieh Wünschende zu Vieh und für Kinder Wünschende zu Kindern;
11. für ihrer Herrschaft Beraubte zur Herrschaft, für Unruhige zum Frieden,
für Vishnus Verehrer zur Hingabe an Vishnu, die innere Seele aller.
12. Besonders ein Haushälter soll es zur Erfüllung der drei Lebensziele rezitieren,
nachdem er mit gefalteten Händen die aufgehende strahlende Sonne verehrt hat.
13. Im Tulasi-Hain stehend oder sitzend soll er es rezitieren;
er erlangt nach der Verheißung alle Wünsche und ebenso meine Nähe.
14. Es erfreut mich stets und lässt die Hingabe an Hari wachsen.
Bei einer Frau, deren Kinder gestorben sind, soll man den Körper abstreichen.
15. Sie erlange einen langlebigen, gesunden Sohn.
Bei einer unfruchtbaren Frau soll der Übende mit Kusha-Gräsern und dem Mantra den Körper abstreichen.
16. Auch sie trage nach einem Jahr eine erfreuliche Schwangerschaft.
Wer einen König beeinflussen will, rezitiere am Ashvattha; wer Schönheit sucht, am Feuer.
17. Wer Wissen sucht, an einer Palasha-Wurzel; wer Glanz sucht, zur Sonne gewandt;
wer eine Braut sucht, in Chandikas Haus; zur Tötung eines Feindes in meinem Haus.
18. Wer Fülle sucht, in Vishnus Haus; im Garten soll eine Frau gefügig werden.
Was nützen viele Worte? Höre die Wahrheit, Herr des Heeres!
19. Welches Anliegen man auch betrachtet, dieses erlange man ohne Zweifel.
Du aber, der du zur Tötung Tarakas in mein Haus gekommen bist,
20. wirst, wenn du Lob und Kavacha rezitierst und deinen Geist auf Tulasi richtest,
nach einem Mandala-Zeitraum Taraka besiegen, ohne Zweifel.
4. Abschließen
Verneige dich vor Tulasi und kehre in den Tag zurück. Bewahre die Aufmerksamkeit für die drei Lebensziele Dharma, Artha und Kama und für hingebungsvolles Handeln. Die Quelle verbindet diese Morgenpraxis besonders mit dem Hausstand.
Weitere Anwendungen im Quellentext
Die Verse 14–20 erläutern historische Sonderanwendungen und einen mythologischen Dialog mit Skanda, dem Gegner Tarakas. Die vollständige Übersetzung lässt auch deren Beherrschungs- und Feindeswünsche sichtbar. Für die hier angeleitete Morgenpraxis werden weder Personenbeeinflussung noch Feindeshandlungen oder Kinderwunschbehandlungen durchgeführt. Die Aussagen über Schwangerschaft gehören zur religiösen Überlieferung und ersetzen keine medizinische Betreuung.
Quellen
- Tulasi Kavacha 1, Viniyoga und Verse 1–20: Sanskrit Documents, Sunder Hattangadi und Nat Natarajan. Der Kolophon nennt ein Tulasi-Mahatmya im Brahmanda Purana, ohne Kapitelstelle. Die hier vollständig angeleitete Anwendung folgt Vers 12–13; die alternativen Anwendungen bleiben im übersetzten Text erhalten. Mandala in Vers 20 wird mangels Tageszahl nicht eigenmächtig als feste Anzahl ausgegeben.