Tirunavalur

Aus Yogawiki

Tirunavalur (Tamil: திருநாவலூர், Tirunāvalūr; auch Thirunavalur, in Sundarars Hymnen auch Tirunamanallur) ist ein Dorf im Norden des indischen Bundesstaates Tamil Nadu, zwischen Villupuram und Panruti gelegen. Es ist der Geburtsort des großen Shiva-Heiligen Sundarar, eines der drei Dichter des Tevaram, und damit einer der wichtigsten Orte der tamilischen Shiva-Verehrung.

Im Mittelpunkt des Ortes steht der Bhaktajaneswarar-Tempel, ein alter Shiva-Tempel, der in Sundarars eigenen Hymnen besungen wird. Tirunavalur ist mit nicht weniger als vier der 63 Nayanars verbunden: mit Sundarar selbst, seinen Eltern Sadaiyanar und Isaignaniyar und seinem Ziehvater, dem König Narasinga Munaiyaraiyar. Für Verehrer Shivas ist Tirunavalur deshalb ein Ort, an dem die Geschichte der Gottesfreundschaft beginnt, die Sundarars ganzes Leben prägte.

Shiva, in Tirunavalur als Bhaktajaneswarar verehrt, der „Herr, der seinen Verehrern zugetan ist“.

Tirunavalur auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Name Tirunavalur; auch Thirunavalur, Tirunamanallur
Tamil திருநாவலூர் (Tirunāvalūr)
Bedeutung „Heiliger Ort der Jambu-Bäume“ (tamil. nāval, Jambu- oder Jamunbaum)
Lage Tamil Nadu, Distrikt Kallakurichi (früher Villupuram), an der Straße von Panruti nach Kedilam
Region Nadu Nadu, das „mittlere Land“ zwischen Chola- und Tondai-Land
Haupttempel Bhaktajaneswarar-Tempel (Shiva) mit der Göttin Manonmani
Religiöse Bedeutung Geburtsort Sundarars; Paadal Petra Sthalam (im Tevaram besungener Shiva-Tempel)
Verbundene Nayanars Sundarar, seine Eltern Sadaiyanar und Isaignaniyar, Narasinga Munaiyaraiyar
Weitere heilige Orte in der Nähe Tiruvamur (Geburtsort Appars), Tiruvennainallur, Tirukkovalur

Name und Bedeutung

Der Name setzt sich aus der Ehrenvorsilbe Tiru („heilig“), Naval und Ur („Ort, Dorf“) zusammen. Naval ist das tamilische Wort für den Jambu-Baum (Syzygium cumini), der in der indischen Überlieferung eine besondere Stellung hat: Nach ihm ist Jambudvipa benannt, der Erdteil, in dem Indien liegt. Der Sanskritname des Gottes, Jambunatheswarar, „Herr der Jambu-Bäume“, erinnert daran. Sundarar gab dem Gott in seinen Liedern den tamilischen Namen Tirunavaleesan, „Herr von Tirunavalur“, und nannte den Ort auch Tirunamanallur.

Der Bhaktajaneswarar-Tempel

Shiva als Freund der Verehrer

Der Haupttempel von Tirunavalur ist Shiva als Bhaktajaneswarar geweiht, dem „Herrn, der den Verehrern zugetan ist“. Er wird auch Navaleeswarar oder Jambunatheswarar genannt. Die Göttin heißt Manonmani, „Juwel des Geistes“, auch Sundaranayaki oder Navalambigai.

Der Name Bhaktajaneswarar passt auf besondere Weise zu diesem Ort: Nirgends zeigt sich die Nähe Shivas zu seinen Verehrern so deutlich wie im Leben Sundarars, den die Tradition Tampiran Tozhan, den „Freund des Herrn“, nennt.

Ein Paadal Petra Sthalam

Der Tempel gehört zu den 275 Paadal Petra Sthalams, den Shiva-Heiligtümern, die in den Hymnen des Tevaram besungen werden. Sundarar selbst widmete ihm einen Hymnus aus zehn Strophen. Nach traditioneller Zählung ist er einer der Tevaram-Tempel des Nadu Nadu, des „mittleren Landes“.

Die Tempelanlage umfasst etwa zwei Morgen Land und ist von rechteckigen Mauern umgeben; der Eingang wird von einem fünfstöckigen Torturm (Rajagopuram) überragt. Neben den Schreinen Shivas und der Göttin gibt es einen Schrein für Vishnu als Ranganatha mit seinen Gefährtinnen, ein Zeichen dafür, dass Shiva- und Vishnu-Verehrung in Südindien oft Seite an Seite leben. Ein eigener Schrein zeigt Sundarar zusammen mit seinen beiden Frauen Paravai und Sangili. Auch der Dichter Arunagirinathar besang in seinem Tiruppugazh den Murugan dieses Tempels.

Legenden des Tempels

Die Tempellegende erzählt, dass in jedem der vier Weltzeitalter (Yugas) ein anderer den Shiva-Lingam von Tirunavalur verehrte: Vishnu im ersten Zeitalter, Chandikeswara im zweiten, Brahma im dritten und Sundarar im gegenwärtigen Kali Yuga.

Eine weitere Legende verbindet den Ort mit dem Quirlen des Milchozeans: Als das tödliche Gift Halahala aus dem Ozean aufstieg, trank Shiva es, um alle Wesen zu schützen. Die Tempelüberlieferung sieht in Tirunavalur einen der Orte, an denen diese schützende Tat Shivas verehrt wird.

Nataraja, der tanzende Shiva: Tirunavalur ist der Ausgangspunkt der Lebensreise Sundarars, die ihn zu vielen Shiva-Heiligtümern führte.

Tirunavalur und Sundarar

Vom Kailash nach Tirunavalur

Nach der Überlieferung war Sundarar ursprünglich ein Diener Shivas auf dem Berg Kailash namens Alala Sundarar. Als er sich zu zwei Dienerinnen der Göttin hingezogen fühlte, sandte Shiva ihn auf die Erde, damit er dort als Mensch diese Anziehung durchlebe und zu ihm zurückfinde. So wurde er in Tirunavalur als Sohn des Tempelpriesters Sadaiyanar und seiner Frau Isaignaniyar geboren und erhielt den Namen Nambi Arurar. Die beiden Dienerinnen wurden als Paravai und Sangili geboren, die er später heiratete.

An der Stelle von Sundarars Geburtshaus steht heute ein eigener Tempel, dessen Wände mit Reliefs aus seinem Leben geschmückt sind. Jedes Jahr wird in Tirunavalur Sundarars Geburtstag gefeiert.

Ein König als Ziehvater

Schon als Kind fiel Nambi Arurar durch seine Schönheit und Anmut auf. Der König des Landes, Narasinga Munaiyaraiyar, selbst ein großer Shiva-Verehrer und einer der 63 Nayanars, sah den Knaben und bat die Eltern, ihn als Ziehsohn aufnehmen zu dürfen. So wuchs Sundarar am Königshof auf, blieb aber seiner Heimat und seinen Eltern verbunden. Dass ein Priestersohn, seine Eltern und ein König gemeinsam in die Reihe der Heiligen eingingen, macht Tirunavalur zu einem besonderen Ort der Heiligenüberlieferung.

Die Hochzeit, die nicht stattfand

Als Sundarar heiraten sollte, erschien Shiva als alter Brahmane und erklärte mit einer alten Urkunde, der junge Mann sei sein Diener. Er führte die Hochzeitsgesellschaft in das nahe Tiruvennainallur, wo er sich als Shiva offenbarte. Diese Begegnung wurde zum Anfang von Sundarars Leben als Dichter und Freund Gottes. Sein erster Hymnus, Pitta Pirai Sudi, entstand an diesem Tag.

Tiruvennainallur ist zugleich der Geburtsort von Meykandar, dem Begründer der systematischen Lehre des Shaiva Siddhanta. So liegen auf engem Raum die Anfänge zweier großer Traditionen des tamilischen Shivaismus: der Hymnendichtung und der philosophischen Lehre.

Eine heilige Landschaft

Tirunavalur liegt im Herzen einer Region, die für die Geschichte der Shiva-Verehrung außerordentlich wichtig ist:

  • Tiruvamur, der Geburtsort Appars, eines weiteren der drei Tevaram-Dichter, liegt ganz in der Nähe.
  • Tiruvennainallur, wo Shiva sich Sundarar offenbarte und wo Meykandar geboren wurde.
  • Tirukkovalur, der Sitz des Königs Maiporul Nayanar und einer der acht Veerattanam-Tempel.
  • Tiruvadhikai, ein weiterer bedeutender Tempel, eng verbunden mit Appar, und der Heimatort von Manavachakam Kadandar.

In keiner anderen Gegend Tamil Nadus liegen die Geburtsorte zweier der drei großen Tevaram-Dichter so nahe beieinander.

Bedeutung aus Sicht des Yoga

Bhakti als Freundschaft mit Gott

Die Tradition kennt verschiedene Arten, Gott zu lieben, die Bhavas. Sundarar, der Sohn Tirunavalurs, verkörpert Sakhya Bhava, die Liebe zu Gott als Freund. In seinen Liedern spricht er mit Shiva vertraut, bittet, klagt und vertraut. Der Name des Gottes in Tirunavalur, Bhaktajaneswarar, „der den Verehrern zugetan ist“, antwortet gleichsam auf diese Freundschaft von Seiten Gottes. Im Bhakti Yoga zeigt dies, dass die Beziehung zu Gott nicht nur ehrfürchtig und fern sein muss, sondern auch nah und herzlich sein darf.

Das Leben als Weg zurück zu Gott

Die Legende von Sundarar, der vom Kailash auf die Erde gesandt wurde, um durch das menschliche Leben zu Gott zurückzufinden, lässt sich als Bild für den Weg jeder Seele lesen. Im Sinne des Vedanta ist der Mensch seinem Wesen nach göttlich, hat dies aber vergessen. Das Leben mit seinen Wünschen, Bindungen und Erfahrungen wird zum Weg, auf dem die Seele sich wieder an ihren Ursprung erinnert. Tirunavalur ist in diesem Bild der Ort, an dem diese Reise beginnt.

Die Heiligkeit der Familie

Dass in Tirunavalur Eltern, Sohn und Ziehvater gemeinsam als Heilige verehrt werden, erinnert daran, dass spirituelles Leben nicht nur in Klöstern und Einsiedeleien stattfindet. Es kann in einer Familie wachsen, in der die Liebe zu Gott selbstverständlich ist. Für Yoga-Übende, die im Alltag mit Familie und Beruf leben, ist dies eine ermutigende Botschaft: Auch das Grihastha-Leben, das Leben als Haushälter, kann ein Weg zur Gottverwirklichung sein.

Anregungen für Yoga und Meditation

  • Meditation der Gottesfreundschaft: Stelle dir in einer Meditation das Göttliche als deinen besten Freund vor. Sprich innerlich mit ihm so offen, wie Sundarar mit Shiva sprach, und lausche dann in die Stille.
  • Mantra-Praxis: Wiederhole einige Minuten lang Om Namah Shivaya, das Mantra, das Sundarar und die anderen Nayanars immer wieder sangen.
  • Den eigenen Anfang ehren: Erinnere dich an einen Ort oder Menschen, von dem deine spirituelle Reise ausging, und bringe innerlich Dankbarkeit dafür zum Ausdruck. So kann der Yoga auch Dankbarkeit für die eigenen Wurzeln einschließen.
Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.

Häufige Fragen zu Tirunavalur

Wo liegt Tirunavalur?
Tirunavalur liegt im Norden Tamil Nadus im Distrikt Kallakurichi, zwischen Villupuram, Ulundurpet und Panruti.

Warum ist Tirunavalur heilig?
Tirunavalur ist der Geburtsort des Shiva-Heiligen Sundarar, eines der drei großen Dichter des Tevaram. Sein Tempel, der Bhaktajaneswarar-Tempel, wird in Sundarars Hymnen besungen.

Welcher Tempel steht in Tirunavalur?
Der wichtigste Tempel ist der Bhaktajaneswarar-Tempel für Shiva mit der Göttin Manonmani. Außerdem gibt es einen Tempel an der Stelle von Sundarars Geburtshaus.

Welche Heiligen sind mit Tirunavalur verbunden?
Sundarar, seine Eltern Sadaiyanar und Isaignaniyar sowie sein Ziehvater, König Narasinga Munaiyaraiyar. Alle vier gehören zu den 63 Nayanars.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos von Yoga Vidya laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

Bhakti Yogastunde mit Sukadev und Aruna

Herz-Chakra Segensmeditation

Siehe auch

Quellen und Literatur

Seminare

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