Shiva Ashtakshara Nyasa und Japa mit dem Hrim Rahmen

Aus Yogawiki

Shiva Ashtakshara Nyasa und Japa mit dem Hrim Rahmen verwendet die achtgliedrige Shiva-Formel, in der Hrim den sechsgliedrigen Om-namah-Shivaya-Mantra umschließt.

Shiva als Gegenwart von Stille und innerer Freiheit.

Umfang: Dhyana, sechs vollständig ausgeschriebene Nyasa-Formeln, 108 Mantrawiederholungen und Darbringung.

Anlass und spirituelle Ausrichtung

Das Hrim am Anfang und Ende setzt einen Shakti-Rahmen um die Hinwendung zu Shiva. Die Gestaltbetrachtung nimmt Shiva zusammen mit seiner Gefährtin wahr. So verbinden sich in dieser Sitzung Stille, Kraft und innige Zuwendung.

Voraussetzungen und Material

Für Praktizierende mit Unterweisung in diesen Mantra und den zugehörigen Nyasa. Die eigene Diksha und die Hinweise des Guru bilden den persönlichen Praxisrahmen.

Ein sauberer Sitz und eine Mala oder andere Zählhilfe genügen. Ein Gottheitsbild kann die Sammlung unterstützen. Plane etwa 15 bis 25 Minuten ein.

Verwandte Ritualanleitungen sind Shiva Puja und Shiva Manasa Puja.

1. Den Sitz und die innere Ausrichtung vorbereiten

Wasche die Hände, lege die Zählhilfe bereit und setze dich aufrecht und bequem. Vergegenwärtige Shiva. Widme die Sitzung der Hingabe und geistigen Sammlung. Ein persönliches Anliegen kann still in eigenen Worten benannt werden; dafür wird kein neues Sanskritmantra benötigt.

2. Den Körper durch Nyasa weihen

Weihe den Körper als Ort der göttlichen Gegenwart. Sprich bei jeder Berührung die gesamte Formel einmal. Die Körperorte werden behutsam berührt; der Atem fließt frei. Die letzte Handbewegung ist die hier gewählte schlichte Ausführung des Astra-Abschlusses.

Handlung Vollständige Rezitation und deutsche Bedeutung
Berühre mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand die Brustmitte. oṃ hṛdayāya namaḥ
Die Silbe oṃ ist ein Glied des Shiva-Mantras und wird hier an diesem Körperort eingesetzt. Dem Herzen: Verehrung.
Berühre mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand den obersten Punkt des Kopfes. naṃ śirase svāhā
Die Silbe naṃ ist ein Glied des Shiva-Mantras und wird hier an diesem Körperort eingesetzt. Dem Haupt: Darbringung.
Berühre mit dem rechten Daumen die Shikha-Stelle am hinteren Scheitel. Eine Haarlocke ist dafür nicht erforderlich. maṃ śikhāyai vaṣaṭ
Die Silbe maṃ ist ein Glied des Shiva-Mantras und wird hier an diesem Körperort eingesetzt. Der Shikha: Weihe und Bekräftigung.
Kreuze die Arme vor der Brust und lege die Hände auf die jeweils gegenüberliegende Schulter. śiṃ kavacāya huṃ
Die Silbe śiṃ ist ein Glied des Shiva-Mantras und wird hier an diesem Körperort eingesetzt. Der schützenden Hülle: Schutzbekräftigung.
Halte Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand gespreizt vor Augen und Stirnmitte. Berühre die Augen nicht. vāṃ netratrayāya vauṣaṭ
Die Silbe vāṃ ist ein Glied des Shiva-Mantras und wird hier an diesem Körperort eingesetzt. Den drei Augen: Weihe und Bekräftigung.
Führe die rechte Hand vor der Brust ruhig nach rechts außen. Diese vereinfachte Abschlussgeste begleitet die Vorstellung eines schützenden Kreises. yaṃ astrāya phaṭ
Die Silbe yaṃ ist ein Glied des Shiva-Mantras und wird hier an diesem Körperort eingesetzt. Der Schutzwaffe: rituelle Abgrenzung.

Mit dem Nyasa wird die Verehrung körperlich gegenwärtig: Herz, Denken, Wahrnehmung und Handeln werden dem Göttlichen gewidmet.

3. Die göttliche Gegenwart betrachten

Betrachte die folgende Gestalt innerlich. Die Beschreibung wird still vergegenwärtigt; sie verlangt keine zusätzliche Sanskritrezitation.

Shiva leuchtet rot wie eine Bandhuka-Blüte. Er hat drei Augen und trägt die Mondsichel. Sein Gesicht lächelt. Seine Hände halten Dreizack und Schädelschale und zeigen die Gesten der Gunst und Furchtlosigkeit. Auf seinem linken Oberschenkel sitzt seine geliebte Gefährtin; sie hält einen roten Lotus und schmiegt sich an ihn. Beide erscheinen geschmückt.

Yoga-Vidya-Vortrag über Japa als spirituelles Bad. Das Video vertieft die Haltung der Praxis; die konkrete Ritualfolge steht in dieser Anleitung.

4. Den Mantra wiederholen

Sprich die folgende Formel 108-mal leise oder im Geist. Eine vollständig rezitierte Formel zählt als eine Wiederholung. Verwende eine Mala oder eine andere Zählhilfe; eine Meru-Perle wird nicht mitgezählt.

hrīṃ oṃ namaḥ śivāya hrīṃ

Hrīṃ – Shakti-Bija. Om. Verehrung dem Shiva. Hrīṃ – Shakti-Bija. Die beiden Bijas werden als heilige Klanggestalten rezitiert, nicht als übersetzbare Wörter.

Atme natürlich. Wenn Gedanken abschweifen, kehre freundlich zum Klang zurück. Halte zwischen zwei Wiederholungen nur so viel Abstand, dass die einzelnen Laute klar bleiben. Nach der letzten Rezitation ruhe einige Atemzüge in der Stille.

5. Die Rezitation darbringen

Vergegenwärtige die Frucht deiner Rezitation als Gabe in der rechten Hand des Gottes. Diese Darbringung geschieht hier in der Vorstellung; es wird kein zusätzliches Wasser benötigt. Falte deine Hände und sprich einmal:

guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me deva tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||

Du bist der Hüter des Geheimsten. Nimm unsere Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden: das Ruhen in dir.

Neige den Kopf. Lass das betrachtete Bild im Herzen zur Ruhe kommen und bleibe etwa eine Minute still. Öffne dann die Augen und beende die Sitzung bewusst.

Die Praxis im Alltag vertiefen

Beim Aufstehen kann die Erinnerung an Shiva und Shakti die Verbindung von innerer Ruhe und tätiger Zuwendung stärken. Wähle dafür eine kleine, konkrete Handlung, etwa eine Aufgabe ohne Hast zu Ende zu bringen.

Siehe auch

Quellen und redaktionelle Hinweise

Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha, Sanskrit-IAST-Projektfassung nach dem elektronischen Text M00013 auf Grundlage des Drucks Calcutta 1896. Die Verszählung beginnt in den einzelnen Abschnitten neu. Teil 1, Shiva-Abschnitt, Verse 13–16. Der Ashtakshara-Mantra wird in 13 aus Hrim, Om, namah Shivaya und erneut Hrim aufgebaut. Die Körperweihe mit oṃ, naṃ, maṃ, śiṃ, vāṃ, yaṃ folgt 15–16. Die deutsche Gestaltbetrachtung nimmt die klaren Bildmerkmale von 16 auf; sie wird nicht als vollständige Sanskritrekonstruktion des stellenweise fehlerhaften elektronischen Verses ausgegeben. Die Fingerzuordnung folgt den allgemeinen Nyasa-Regeln im Brihat Tantrasara, allgemeine Puja-Paddhati, Verse 74–78. Die im Ablauf beschriebene Astra-Handbewegung ist eine vereinfachte praktische Ausführung.

Die 108 Wiederholungen und der überschaubare Sitzungsrahmen sind eine redaktionelle Praxisanordnung. Der allgemeine Japa-Rahmen ist im Mantramahodadhi 21.166–170 beschrieben; das Darbringungsgebet steht in 22.152. Die dort in 22.151 mit Wasser vollzogene Darbringung wird hier als innere Geste ausgeführt. Die Anleitung bietet eine begrenzte innere Sitzung, keine vollständige Purashcharana oder äußere Avarana-Puja.

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