Shakti Pramoda Rituale

Aus Yogawiki

Shakti Pramoda Rituale eröffnet die praktische Begleitreihe zum Śākta Pramoda. Dieser erste Teil führt durch Kālī-Mālā-Japa mit 108 Wiederholungen und eine vereinfachte Tārā-Speisedarbringung mit den fünf Lebenshauch-Gesten und Abschlussgebet. Die Anleitungen verbinden jeweils eine konkrete Handlung mit der zugehörigen Rezitation und deren deutscher Bedeutung.

Japa und Pūjā geben der Hingabe eine hörbare und sichtbare Form: Eine Perle wird weitergeführt, eine Blume niedergelegt, Wasser oder Speise dargebracht. Wer grundsätzlich mit Pūjā und Sanskrit-Aussprache vertraut ist, findet hier Materialien, Ablauf und Abschluss; für die verwendeten tantrischen Mantras gelten zusätzlich die jeweils genannten Voraussetzungen.

Welche Art von Anleitung ist das?

Die folgenden Anleitungen sind abgegrenzte Ritualmodule. Sie ersetzen weder die vollständige Dakṣiṇakālī-Saparyā noch die vollständige Tārā-Pūjā. Die Quelle bettet Japa und Speisedarbringung in größere Abläufe ein. Diese Einbettung wird jeweils angegeben. Eine eigens zusammengestellte selbständige Kurzpraxis wird ausdrücklich als solche bezeichnet.

Quellengrundlage: Sanskritteil der vorliegenden Ausgabe Shakta Pramoda, insbesondere atha saṃkṣiptapūjāvidhiḥ, Druckseiten 74–76, und atha tārāsaparyāsaraṇiḥ, Druckseiten 120–126. Die Seitenzahlen sind die im elektronischen Text mitgeführten Druckseiten, keine neu vergebenen Versnummern. Maßgeblich für die Rezitationsformeln ist der Sanskrittext.

Leseregel: Fett gesetztes Sanskrit wird rezitiert. Deutsche Handlungsanweisungen, Nummern und Wörter wie „Übersetzung“ werden nicht mitgesprochen. Bījas wie krīṃ, hrīṃ und hūṃ haben keine wörtliche deutsche Satzübersetzung. Ihre Funktion wird erläutert, ohne ihnen erfundene Wortbedeutungen zuzuweisen. Wortabstände und offensichtliche technische Schreibungen wie hū/ wurden für die Rezitation normalisiert; inhaltliche Textprobleme werden benannt.

1. Kālī-Mālā-Japa: Verehrung der Gebetskette, 108 Wiederholungen und Darbringung

Zweck, Voraussetzungen und Materialien

Wozu? Dieser Ritus richtet Rede, Aufmerksamkeit und Hingabe auf Dakṣiṇakālī. Die Gebetskette wird als Trägerin göttlicher Kraft verehrt; die Frucht des Japa wird anschließend der Göttin dargebracht. Der Quelltext verbindet die Praxis mit siddhi, dem Gelingen beziehungsweise der Vollendung der Mantrapraxis. Das ist eine religiöse Zielaussage, keine Zusicherung eines äußeren Erfolgs.

Wer kann ihn ausführen? Die hier ausgeschriebene Bīja-Mantra-Praxis richtet sich an Menschen, denen die Dakṣiṇakālī-Mantrapraxis in ihrer Überlieferung vermittelt wurde. Allgemeine Pūjā-Kenntnisse allein ersetzen diese Einführung nicht. Wer diese Voraussetzung nicht hat, kann die Gebete und ihre Bedeutung studieren; diese Ausgabe erklärt die tantrische Mantrapraxis nicht eigenmächtig für allgemein freigegeben.

Bereitlegen: Kālī-Bild oder vorhandenes Kultbild, die eigene Mālā mit 108 Zählperlen und Meru, eine saubere kleine Schale, Wasser und Löffel, mindestens neun Blumen oder Blütenblätter, etwas Sandelholzpaste und wenige ungebrochene Reiskörner. Ein Wassergefäß kann als Auffanggefäß für die Darbringung dienen. Die Quelle nennt unter anderem Rudrākṣa- und Kristallmālās.

Stellung im Gesamtritual: Im Sanskrit steht dieser Abschnitt nach den äußeren Gaben. Dort sind Göttin, Ritualraum und Opferwasser bereits verehrt. Die Anleitung beginnt an diesem Punkt. Für eine selbständige Japa-Sitzung stelle das Bild auf, reinige die Hände, fülle frisches Wasser in die Schale und verneige dich still. Dieses Wasser dient in der Kurzfassung zum Besprengen; eine vollständige Wasserweihe wird damit nicht beansprucht. Der schlichte Beginn ist eine redaktionelle Rahmung.

Schritt 1: Die Gestalt der Göttin vergegenwärtigen

Sitze aufrecht vor dem Kultbild. Richte die Aufmerksamkeit auf Kālī. Das folgende kurze Dhyāna steht am Anfang des Kālī-Tantra; seine Verwendung an dieser Stelle ist eine ausdrücklich gewählte Zusammenstellung innerhalb desselben Werkabschnitts.

śavārūḍhāṃ mahābhīmāṃ ghoradaṃṣṭrāṃ hasanmukhīm |
caturbhujāṃ khaḍgamuṇḍavarābhayakarāṃ śivām ||
muṇḍamālādharāṃ devīṃ lalajjihvāṃ digambarām |
evaṃ sañcintayet kālīṃ śmaśānālayavāsinīm ||

Übersetzung: „So vergegenwärtige man sich Kālī: auf einem Leichnam stehend, überaus furchterregend, mit schrecklichen Fangzähnen und lächelndem Gesicht; vierarmig, mit Schwert und abgeschlagenem Haupt sowie den Gesten des Segengebens und der Furchtlosigkeit, die Heilvolle. Die Göttin trägt eine Kette aus Köpfen, ihre Zunge hängt heraus, die Himmelsrichtungen sind ihr Gewand; sie wohnt auf der Verbrennungsstätte.“

Betrachte dies als Beschreibung der Gottheitsgestalt. Die Ikonographie ist keine Anweisung zu einer körperlichen Handlung.

Schritt 2: Die Mālā besprengen und verehren

Lege die Mālā in die saubere Schale oder auf die linke Hand. Besprenge sie sparsam mit dem bereitgestellten Wasser und rezitiere dabei einmal den im Kālī-Tantra ausgeschriebenen Grundmantra:

krīṃ krīṃ krīṃ hrīṃ hrīṃ hūṃ hūṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hrīṃ hrīṃ hūṃ hūṃ svāhā ||

Bedeutung: „O Dakṣiṇakālī – dir sei diese Darbringung!“ Die Silben krīṃ, hrīṃ, hūṃ bilden den mantraischen Kern. Dakṣiṇe kālike ist die Anrede der Göttin; svāhā die Darbringungsformel. Die Quelle kürzt die Wiederholungen am Ende durch „3“ und „2“ ab; hier sind sie vollständig ausgeschrieben. Diese Quelle stellt hrīṃ hrīṃ vor hūṃ hūṃ; die Reihenfolge wird nicht nach einer anderen gebräuchlichen Fassung geändert.

Sprich anschließend zur Mālā:

oṃ māle māle mahāmāye sarvaśaktisvarūpiṇi |
caturvargas tvayi nyastas tasmān me siddhidā bhava ||

Übersetzung: „O Mālā, Mālā, große Māyā, Verkörperung aller Kräfte! Die vier Lebensziele sind in dich gelegt; deshalb verleihe mir Vollendung.“ Die vier Ziele sind Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa.

Nimm die Mālā in die rechte Hand und sprich:

oṃ hrīṃ siddhyai namaḥ ||

Übersetzung: „Oṃ, hrīṃ – Verehrung der Vollendung.“

Schritt 3: 108 Wiederholungen ausführen

Halte die rechte Hand vor der Herzregion. Führe die Zählperlen einzeln über den Mittelfinger; die gewöhnliche Unterstützung durch den Daumen ist eine praktische Ausführungshilfe. Der Quelltext nennt ausdrücklich den Mittelfinger und das Nichtüberschreiten des Meru.

Rezitiere auf jeder Zählperle einmal vollständig:

krīṃ krīṃ krīṃ hrīṃ hrīṃ hūṃ hūṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hrīṃ hrīṃ hūṃ hūṃ svāhā ||

Beginne mit der ersten Zählperle neben dem Meru. Wiederhole den Mantra 108-mal, entweder leise oder innerlich. Sprich weder hastig noch schleppend. Zähle den Meru nicht mit. Für eine weitere Runde wendest du die Mālā, statt über den Meru hinwegzugehen.

Die Quelle nennt unter anderem drei Ausrichtungen: den Guru über dem Kopf vergegenwärtigen, die Göttin im Herzen wahrnehmen und den Mantra auf der Zunge wie eine leuchtende Flamme vorstellen. Die zusätzlich erwähnte Kāmakalā-Körpervisualisierung wird in dieser Kurzfassung ausgelassen. Richte dich ruhig auf die beschriebene Beziehung aus, ohne die Vorstellung mit körperlicher Anspannung zu erzwingen.

Schritt 4: Die Mālā zum Kopf führen

Führe die Mālā nach dem Japa ehrerbietig zum Scheitel, lege sie dort behutsam an und sprich:

oṃ tvaṃ māle sarvabhūtānāṃ sarvalokapriyā matā |
śivaṃ kuruṣva me bhadre yaśovīryaṃ ca sarvadā ||

Übersetzung: „O Mālā, du giltst als allen Wesen und allen Welten lieb. O Segensreiche, gewähre mir stets Heil sowie Ansehen und Kraft.“

Sprich danach:

hrīṃ siddhyai namaḥ ||

Übersetzung: „Hrīṃ – Verehrung der Vollendung.“

Die Quelle schiebt an dieser Stelle die Wiederholung der zuvor ausgeführten Atem- und Nyāsa-Praxis ein. Wer den Abschnitt innerhalb der vollständigen Pūjā vollzieht, wiederholt seine dort erlernte Folge. In der hier abgegrenzten selbständigen Japa-Fassung wird dieser Rückverweis nicht durch eine erfundene Nyāsa-Reihe ersetzt. Es ist deshalb eine verkürzte Japa-Fassung, keine vollständig rekonstruierte saṃkṣiptapūjā.

Schritt 5: Den Japa der Göttin darbringen

Lege eine Blume vor Kālī. Nimm etwas Wasser, nach der Quelle mit Blume, Sandelholz und Reis verbunden. Stelle dir vor, dass die Frucht des Japa als Licht in die linke Hand der Göttin eingeht. Lass das Wasser während oder nach dem folgenden Gebet in das Auffanggefäß fließen; gieße es nicht auf ein empfindliches Bild.

oṃ guhyātiguhyagoptrī tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me devi tvatprasādān maheśvari ||

Übersetzung: „Du behütest das Geheimnis, das noch über das Geheime hinausgeht. Nimm den von uns vollzogenen Japa an. O Göttin, große Herrin, durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden.“

Schritt 6: Mālā verwahren und die Sitzung abschließen

Nimm die Mālā anschließend wieder in die Hände, falls sie noch am Scheitel liegt, und sprich:

oṃ tvaṃ māle sarvadevānāṃ sarvasiddhipradā matā |
tena satyena me siddhiṃ dehi devi namo'stu te ||

Übersetzung: „O Mālā, du giltst unter allen Gottheiten als Verleiherin aller Vollendungen. Kraft dieser Wahrheit gewähre mir Vollendung, o Göttin. Verehrung sei dir.“

Verwahre die Mālā sorgfältig. Bringe anschließend achtmal eine kleine Blütengabe dar: Nimm jeweils ein Blütenblatt, halte es kurz in den zusammengelegten Händen und lege es vor die Göttin. Die Zahl acht ist dem Quelltext entnommen; für diesen letzten Satz schreibt die Stelle keinen eigenen neuen Mantra aus. Er wird daher nicht erfunden.

Im vollständigen Ritus schließen sich Hymnen und weitere Abschlusshandlungen an. Als selbständige Japa-Sitzung endet diese redaktionell abgegrenzte Fassung mit einer stillen Verneigung. Eine förmliche Entlassung der Gottheit wird hier nicht behauptet, da in dieser Kurzfassung keine eigene äußere Installation vollzogen wurde.

2. Tārā: vereinfachte Speisedarbringung, fünf Lebenshauche und Abschluss

Zweck, Voraussetzungen und Vorbereitung

Wozu? Naivedya ist das Anbieten von Nahrung an die Gottheit. Im Tārā-Abschnitt werden die Speisen gereinigt, als von Nektar durchdrungen vorgestellt und der Göttin dargebracht. Die fünf Mudrās verbinden die Gabe mit den fünf Lebenshauchen. Das Essen wird Ausdruck von Hingabe und Dankbarkeit.

Wer? Praktizierende, denen der hier verwendete Tārā-Mantra vermittelt wurde. Wer eine vollständige Tārā-Pūjā ausführt, setzt diesen Abschnitt an die Stelle des Naivedya. Für die hier zusätzlich eingerichtete selbständige Kurzandacht genügt ein Tārā-Bild: Setze dich davor, verneige dich und richte deine Aufmerksamkeit auf die Gegenwart der Göttin. Diese einfache Rahmung ersetzt keine tantrische Installation.

Materialien: zubereitete Speise auf einem kleinen eigenen Teller, Trinkwasser, ein gesondertes Gefäß für symbolisches Mundspülwasser, Löffel, Blumen, etwas Duftpaste sowie eine Schale für bereits dargebrachte Blumen. Halte außerdem eine kleine Schale mit sauberem Wasser zum Besprengen bereit. Für die abschließende Tāmbūla-Gabe gegebenenfalls das in der eigenen Tradition verwendete vorbereitete Betelblatt; fehlt diese Gabe, lasse den entsprechenden Schritt aus, statt eine nicht vorhandene Gabe anzukündigen.

Textproblem beim Tārā-Mantra: Die ausgeschriebene Mantrazeile dieser Quelle lautet aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ. Im weiteren Ritualtext erscheinen andere Silbenfolgen, darunter trīṃ. Hier wird ausschließlich die ausdrücklich als atha mantraḥ bezeichnete Zeile verwendet. Damit ist keine Entscheidung über die richtige Fassung jeder Tārā-Überlieferung getroffen. Wenn die eigene Initiationsfassung abweicht, darf diese Redaktion nicht als Aufforderung verstanden werden, sie zu ersetzen.

Schritt 1: Speise aufstellen und reinigen

Stelle den Speiseteller vor Tārā. Rezitiere zwölfmal:

yaṃ

Funktion: Luft-Bīja. Stelle dir vor, dass ein reinigender Luftstrom die Speise durchdringt. Es gibt dafür keine wörtliche deutsche Übersetzung.

Lege die linke Handfläche auf die rechte Handfläche. Rezitiere zwölfmal:

raṃ

Funktion: Feuer-Bīja. Stelle dir reinigendes Feuer vor, das alle rituellen Mängel der Gabe auflöst. Es wird kein Feuer an der Speise entzündet.

Lege anschließend die rechte Hand auf den Rücken der linken Hand. Rezitiere zwölfmal:

vaṃ

Funktion: Wasser-/Nektar-Bīja. Stelle dir einen Nektarstrom vor, der die Speise erfüllt. Die Zuordnung yaṃ und raṃ löst die im Text verwendeten Bezeichnungen „Luft-Bīja“ und „Feuer-Bīja“ aus; vaṃ steht dort ausgeschrieben.

Schritt 2: Die Gabe mit dem Grundmantra besprengen

Besprenge den Teller sparsam mit Wasser. Berühre anschließend seinen Rand mit sauberen Fingern und sprich achtmal:

aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ ||

Bedeutung/Funktion: Bīja-Folge des hier ausgeschriebenen Tārā-Mantras; phaṭ ist eine abschließende Schutz- und Abgrenzungssilbe. Der Mantra besteht nicht aus einem übersetzbaren deutschen Satz.

Die Quelle nennt danach die Dhenu-Mudrā, ohne ihre Fingeranordnung an dieser Stelle zu erklären. In der hier festgelegten vereinfachten Fassung wird diese zusätzliche Mudrā ausgelassen. Lege stattdessen die Hände kurz in gewöhnlichem Añjali zusammen und richte die Aufmerksamkeit auf die vollendete Gabe. Añjali ist eine redaktionelle Abschlussgeste dieses Schritts und wird nicht als Ersatzwirkung der Dhenu-Mudrā ausgegeben.

Lege eine Blume neben den Speiseteller und bringe etwas Duftpaste auf einem separaten Gabeteller dar.

Schritt 3: Die Speise ausdrücklich darbringen

Berühre mit dem linken Daumen den Rand des Speisetellers. Halte mit der rechten Hand etwas Wasser über das Auffanggefäß. Sprich den Grundmantra und anschließend die Darbringungsformel:

aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ |
idaṃ naivedyaṃ sāṅgāyai sāyudhāyai saparivārāyai savāhanāyai sāvaraṇāyai tārādevyai namaḥ ||

Übersetzung: „Diese Speise sei Tārā dargebracht, zusammen mit ihren Gliedkräften, Waffen, Begleitern, ihrem Reittier und den Gottheiten ihrer Umkreise. Verehrung!“

Lass das Wasser ins Auffanggefäß fließen. Der Name tārādevyai setzt das vom Quelltext ausdrücklich vorgesehene amukadevyai, „der betreffenden Göttin“, konkret ein; dies ist keine zusätzlich erfundene Mantrasilbe.

Schritt 4: Die fünf Lebenshauche verehren

Die Quelle nennt vor den fünf Lebenshauchen weitere Naivedya- und Grāsa-Gesten, deren vollständige Ausführung hier nicht beschrieben ist. Diese zusätzlichen Eingangsgesten werden in der vereinfachten Fassung ausgelassen. Die folgenden fünf Gesten sind im Text durch ihre Fingerkontakte konkret beschrieben und werden ausgeführt.

Verbinde bei jeder Zeile die genannten Fingerspitzen der rechten Hand, halte die Geste vor der Speise und sprich die zugehörige Formel einmal. Die übrigen Finger bleiben locker.

Handlung Rezitation Deutsche Bedeutung
Daumen, Ringfinger und kleinen Finger verbinden. oṃ prāṇāya svāhā „Oṃ, dem Prāṇa sei die Darbringung.“ Der aufnehmende Lebenshauch.
Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger verbinden. oṃ apānāya svāhā „Oṃ, dem Apāna sei die Darbringung.“ Der abwärtsführende Lebenshauch.
Daumen, Ringfinger und Mittelfinger verbinden. oṃ udānāya svāhā „Oṃ, dem Udāna sei die Darbringung.“ Der aufwärtsführende Lebenshauch.
Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger verbinden. oṃ vyānāya svāhā „Oṃ, dem Vyāna sei die Darbringung.“ Der im Körper verteilende Lebenshauch.
Alle fünf Fingerspitzen verbinden. oṃ samānāya svāhā „Oṃ, dem Samāna sei die Darbringung.“ Der ausgleichende, assimilierende Lebenshauch.

Die Reihenfolge folgt dieser Quelle, auch wenn andere Pūjā-Traditionen sie anders anordnen. Stelle dir danach die Göttin als durch die Gabe erfreut vor. Während der Mantras wird nicht selbst gegessen.

Schritt 5: Wasser und Abschlussgaben

Stelle frisches Trinkwasser hin. Sprich:

aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ | idaṃ pānīyaṃ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Dieses Trinkwasser sei Tārā dargebracht. Verehrung!“

Gib einen Löffel Wasser in das Auffanggefäß als symbolisches Mundspülwasser:

aiṃ oṃ hrīṃ krīṃ hūṃ phaṭ | idam ācamanīyaṃ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Dieses Wasser zur Mundreinigung sei Tārā dargebracht. Verehrung!“

Falls vorbereitet, lege die Tāmbūla-Gabe hin:

idaṃ tāmbūlaṃ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Dieses Tāmbūla sei Tārā dargebracht. Verehrung!“

Lege eine Blume vor die Göttin:

eṣa puṣpāñjaliḥ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Diese mit zusammengelegten Händen dargebrachte Blütengabe sei Tārā gewidmet. Verehrung!“

Damit ist das Naivedya-Modul beendet. In der selbständigen vereinfachten Fassung folgst du jetzt unmittelbar Schritt 6. Im vollständigen Quellablauf folgen zunächst Japa, Japa-Darbringung, Hymnen, Umrundung und Verneigung; dort steht das Vergebungsgebet erst anschließend.

Schritt 6: Das Vergebungsgebet sprechen

Halte eine letzte Blütengabe in den Händen und sprich das folgende Gebet. Innerhalb der vollständigen Pūjā geschieht dies erst nach den übrigen vorgesehenen Teilen:

oṃ mantrahīnaṃ kriyāhīnaṃ vidhihīnaṃ sureśvari |
yad arcitaṃ mayā devi paripūrṇaṃ tad astu me ||
āvāhanaṃ ca pūjāṃ ca tanmāhātmyaṃ japaṃ tathā |
visarjanaṃ na jānāmi śrīdevi tvaṃ kṣamasva me ||
ajñānād vismṛter bhrāntyā yan nyūnam adhikaṃ kṛtam |
viparītaṃ ca tat sarvaṃ kṣamasva parameśvari ||

Übersetzung: „Herrin der Götter, was ich dir an Verehrung dargebracht habe, mag an Mantra, Handlung und rechter Ausführung mangelhaft sein: Möge es dennoch vollständig werden. Einladung und Verehrung, ihre Größe, Japa und Entlassung verstehe ich nicht angemessen; o herrliche Göttin, vergib mir. Was ich aus Unwissenheit, Vergessen oder Irrtum zu wenig, zu viel oder verkehrt ausgeführt habe, all das verzeihe, höchste Herrin.“

Lege die Blume nieder:

eṣa puṣpāñjaliḥ tārādevyai namaḥ ||
Übersetzung: „Diese Blütengabe sei Tārā gewidmet. Verehrung!“

Schritt 7: Die Kurzandacht beenden

Für die selbständige vereinfachte Andacht: Verneige dich still nach dem Vergebungsgebet. Da keine förmliche Installation vollzogen wurde, wird auch keine spezielle Entlassungs-Mudrā nachgebildet. Lege die Blüten in die gesonderte Schale und teile die Speise anschließend als Prasāda. Damit ist die selbständige Fassung vollständig beschrieben.

Quellenanhang: Entlassung in der vollständigen Tārā-Pūjā

Dieser Abschnitt gehört nicht mehr zur selbständigen Kurzandacht. Der folgende zusätzliche Quellabschnitt verbindet die Entlassung mit der vermittelten Saṃhāra-Mudrā und dem Aufnehmen einer Blume. Er dient hier der Dokumentation des traditionellen Anschlusses. Dabei lautet das Gebet:

oṃ gaccha gaccha paraṃ sthānaṃ svasthānaṃ parameśvari |
pūjārādhanakāle ca punarāgamanāya ca ||

Übersetzung: „Gehe, gehe an den höchsten Ort, an deinen eigenen Ort, höchste Herrin, um zur Zeit der Pūjā und Verehrung wiederzukommen.“

Lege die Blume in die gesonderte Schale im Nordosten des Ritualplatzes. Der Text widmet die bereits dargebrachten Gaben anschließend Caṇḍeśvarī:

oṃ caṇḍeśvari mahādevi nirmālyaiś candanādibhiḥ |
lehyacoṣyānnapānādi nirmālyaṃ sragvilepanam ||
nirmālyabhojanaṃ tubhyaṃ dadāmi śrīśivājñayā ||
idaṃ nirmālyaṃ śrīcaṇḍeśvaryai namaḥ ||

Übersetzung: „O Caṇḍeśvarī, große Göttin! Die bereits dargebrachten Gaben, Sandelholz und anderes, zu leckende und zu saugende Speisen, Nahrung und Getränke, die dargebrachten Kränze und Salben – diese Opferreste als Speise gebe ich dir nach Śivas Weisung. Dieses Nirmālya sei Śrī Caṇḍeśvarī gewidmet. Verehrung!“

Lege die betreffenden Blüten und Gaben in die dafür vorgesehene Schale. Gib einen kleinen Teil der Speise auf einen gesonderten Gabeteller und sprich:

ucchiṣṭacāṇḍālyai namaḥ ||
Übersetzung: „Verehrung der Ucchiṣṭacāṇḍālī.“ Der Name bezeichnet hier die Göttin der verbleibenden beziehungsweise bereits berührten Speise.

Danach erlaubt der Text, selbst vom Naivedya zu essen. Für den heutigen praktischen Umgang werden essbare Speisen von Blumen, Duftpaste und anderen nicht essbaren Ritualgaben getrennt gehalten.

Quellenkritische Grenze dieser Anleitungen

Der Kālī-Abschnitt ist als verkürzte selbständige Japa-Praxis ausführbar; seine Kürzungen sind benannt. Für Tārā liegt eine vollständig beschriebene vereinfachte Naivedya-Andacht vor. Die darüber hinaus dokumentierte traditionelle Entlassung gehört zur erlernten vollständigen Pūjā. Die selbständigen Fassungen benötigen keine unbeschriebenen Zusatz-Mudrās, beanspruchen aber auch nicht den gesamten Ritualumfang der Quelle.

Die übrigen vollständigen Mahāvidyā-Pūjās sind mit diesen zwei Modulen noch nicht erschlossen. Insbesondere wird hier kein vollständiger Śrīcakra-Ritus für Ṣoḍaśī und keine vollständige Chinnamastā-Pūjā angeboten.

Die innere Ausrichtung bewahren

Im Japa wird die wiederkehrende Silbe zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Bei der Speisedarbringung wird eine alltägliche Gabe mit Dankbarkeit verbunden. Entscheidend für die hier beschriebenen Andachten ist, Handlung, Wort und innere Zuwendung bewusst zusammenzuführen.

Siehe auch