Sarasvati Puja nach dem Sarasvata-Kalpa im Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Sarasvati Puja nach dem Sarasvata-Kalpa im Brihat Tantrasara beschreibt eine Ritualpraxis des Brihat Tantrasara, um Sarasvati im Nabellotus als Kraft des Verstehens und der Sprache zu verehren.

Voraussetzungen

Die Handlungsfolge ist dokumentiert; die im Text verschlüsselte oder beschädigte Grundvidya muss vor einer wortgetreuen Durchführung geklärt sein. Die hier ausgeschriebenen Teilformeln ersetzen diesen fehlenden Nachweis nicht.

Vorbereitung und Ritualmittel

Der zehnblättrig vorgestellte Lotus beziehungsweise Kultsitz und die Gaben der eigenen Puja-Ordnung.

Umfang und Überlieferung

Die Brahmi-Vacha-Anwendung bleibt im Quellenbeleg als historische Angabe sichtbar. Sie wird nicht als medizinische Maßnahme ausgearbeitet.

Durchführung

  1. Bestimme den verschlüsselt beschriebenen Grundmantra P3-0107.
  2. Meditiere am Nabel einen reinen zehnblättrigen Lotus, die drei Mandalas und den Edelsteinthron.
  3. Vergegenwärtige die perlenhelle Göttin im Mondlicht mit Erklärungsgebärde und den im Dhyana genannten Attributen.
  4. Führe Hand- und Körpernyasa mit dem ersten Bija und den langen Vokalen aus. Verehre danach die Glieder, Shaktis, Mütter, Richtungshüter und ihre Waffen.
  5. Für die große Verpflichtung nennt P3-0112 1.200.000 Japa. Die dort angefügte Kräutereinnahme ist eine historische Anwendung und wird nicht als Rezept in den praktischen Ablauf übernommen.

Sanskrit und deutsche Übersetzung

P3-0102 · 81
brahmovāca :
sādhu sādhu tvayā pṛṣṭhaṃ lokānāṃ hitakārakam |
etadeva purā pṛṣṭhaṃ kalpādau viṣṇave mayā
|| 81 ||

Brahmā sprach: „Gut, gut hast du gefragt, zum Wohl der Welten! Ebendies fragte ich einst am Anfang des Kalpa Viṣṇu.“


P3-0103 · 82
brahmaśabdasvarūpeṇa prasannenāntarātmanā |
yatproktaṃ tena me brahman tatte vakṣyāmi yatnataḥ
|| 82 ||

„Was er mir mit gnädigem innerem Selbst in der Gestalt des Brahman-Lautes sagte, o Brahmane, werde ich dir sorgfältig darlegen.“


P3-0104 · 83
bhagavānuvāca :
śṛṇu brahman paraṃ guhyaṃ kalpaṃ sārasvataṃ mama |
yasyā vijñānamātreṇa jāḍyāpaharaṇaṃ bhavet
|| 83 ||

Der Erhabene sprach: „Höre, Brahmā, meinen höchst geheimen Sārasvata-Kalpa. Schon durch sein Verständnis wird geistige Trägheit beseitigt.“


P3-0105 · 84
sarvaśāstra prakāśaśca sarvajño jāyate'cirāt |
abhyāsācca bhavedyasya vācaścitrā bhavanti hi
|| 84 ||

„Sämtliche Lehrgebiete werden offenbar und man wird bald allwissend. Durch Übung werden die Worte eines Menschen wahrlich kunstvoll.“


P3-0106 · 85
avāpustridaśā vyāptiṃ vāgīśatvaṃ vṛhaspatiḥ |
dvaipāyano'pi yaṃ jñātvā vedavyāso'bhavanmuniḥ
|| 85 ||

„Die Götter erlangten [dadurch] umfassende Macht, Bṛhaspati die Herrschaft über die Rede. Auch der Weise Dvaipāyana wurde, nachdem er es erkannt hatte, zum Vedavyāsa.“


P3-0107 · 86
mantroddhāraṃ pravakṣyāmi sāṅgāvaraṇapūjanaiḥ |
ananta bindunā yuktaṃ vāmagaṇḍāntabhūṣitam |
japed dvādaśalakṣantu mūko'pi vākpatirbhavet
|| 86 ||

„Ich werde die Bildung des Mantras samt Verehrung seiner Glieder und Umkreisgottheiten beschreiben: Ananta, verbunden mit Bindu, geschmückt mit dem Abschluss der linken Wange. Man wiederhole es 1.200.000-mal; selbst ein Stummer wird zum Herrn der Rede.“ [Verschlüsselte Bīja-Bildung; die Vokalzuordnung ist in dieser Lesart nicht sicher.]


P3-0108 · 87
nābhau śuddharavindañca dhyāyed daśadalaṃ sudhīḥ |
tanmadhye bhāvayenmantrī maṇḍalānāntrayaṃ ciram |
ratnasiṃhāsanaṃ dhyāyedvarṇaṃ jyotsnāmayaṃ punaḥ |
tasyopari punardhyāyed devīṃ vāgīśvarīṃ tataḥ
|| 87 ||

„Der Verständige meditiere am Nabel über einen reinen zehnblättrigen Lotus. In seiner Mitte vergegenwärtige der Mantrakundige lange die drei Maṇḍalas. Er meditiere über einen Edelsteinthron und dann über eine aus Mondlicht bestehende Farbe. Darauf meditiere er über die Göttin Vāgīśvarī.“


P3-0109 · 88
muktākāntinibhāṃ devīṃ jyotsnājālavikāśinīm |
muktāharayutāṃ śubhrāṃ śaśikhaṇḍa vimaṇḍitām |
vibhratīṃ dakṣahastābhyāṃ vyākhyāṃ varṇasya mālikām |
amṛtena tathā pūrṇaṃ ghaṭaṃ divyañca pustakam |
dadhatīṃ vāmahastābhyāṃ pīnastanabharānvitām |
madhye kṣīṇāṃ tathā svacchāṃ nānāratnavibhūṣitām |
ātmābhedena dhyātvaivaṃ tataḥ sampūjayet kramāt
|| 88 ||

„Die Göttin gleicht dem Glanz von Perlen und entfaltet ein Netz von Mondlicht. Weiß, mit Perlenketten geschmückt und mit einer Mondsichel geziert, zeigt sie mit den rechten Händen die Erklärungsgeste und eine Laut-Gebetskette. In den linken hält sie ein mit Nektar gefülltes Gefäß und ein göttliches Buch. Sie hat volle Brüste, ist in der Mitte schlank, klar und mit vielerlei Edelsteinen geschmückt. Nachdem man so über sie als vom eigenen Selbst ungetrennt meditiert hat, verehre man sie der Reihe nach.“


P3-0110 · 89
ādyena dīrghayuktena kuryādaṅgāni hastayoḥ |
hṛdayādau tathā kuryād bījenāṅgakriyā punaḥ |
bhruvormadhye tathā nābhau guhye ca deśikastathā |
nyasedbījaṃ punarvastau vyāpakaṃ vinyaset tataḥ |
pīṭhanyāsaṃ tanau kuryād devatābhāvasiddhaye |
mātṛkāyāstu yatproktaṃ pīṭhamabhyarcya yatnataḥ |
varṇābjenāsanaṃ kuryānmūrti mūlena kalpayet |
āvāhya pūjayet tasyāṃ devīṃ vāgīśvarīṃ tataḥ
|| 89 ||

„Mit dem ersten [Bīja], versehen mit den langen Vokalen, bilde man die Glieder an den Händen. Ebenso führe man am Herzen und den weiteren Stellen die Gliederhandlung mit dem Bīja aus. Der Lehrer setze das Bīja zwischen den Brauen, am Nabel, im Genitalbereich und erneut im Unterleib ein, dann den durchdringenden Nyāsa. Für die Verwirklichung des Gottheitszustands führe man am Körper den Pīṭha-Nyāsa aus. Man verehre sorgfältig das für die Mātṛkā beschriebene Pīṭha, bilde den Sitz aus dem Laut-Lotus und die Gestalt mit dem Grundmantra. Dann rufe man die Göttin Vāgīśvarī darin herbei und verehre sie.“


P3-0111 · 90
aṅgaiḥ prathamā vṛttiḥ syād dvitīyā śaktibhistataḥ |
dalāgreṣu samabhyarcya brahmāṇyādyā yathāvidhi |
lokapālā bahiḥ pūjyāsteṣāmastrāṇi tadbahiḥ |
evaṃ sampūjayenmantrī japapūjārataḥ sadā
|| 90 ||

„Der erste Umkreis besteht aus den Gliedern, der zweite aus den Śaktis. An den Blattspitzen verehre man Brāhmāṇī und die übrigen vorschriftsgemäß. Außen sind die Welthüter zu verehren, außerhalb davon ihre Waffen. So verehre der Mantrakundige, stets Japa und Verehrung zugewandt.“


P3-0112 · 91
kavitvaṃ labhate vāgmī lakṣairdvādaśabhirdhruvam |
prātarjaptvā sahasrantu pived brāhmīṃ vacānvitām |
na vismarati medhāvī śrutān vedāgamānapi
|| 91 ||

„Durch 1.200.000 Wiederholungen erlangt der Redegewandte sicher Dichtkunst. Morgens wiederhole er tausendmal und trinke Brāhmī mit Vacā. Der Einsichtsreiche vergisst selbst die gehörten Veden und Āgamas nicht.“


Sanskrit in Devanagari

Die Schriftfassung deckt dieselben ausgewählten Textstellen wie die IAST-Fassung ab.

P3-0102 · 81
ब्रह्मोवाच :
साधु साधु त्वया पृष्ठं लोकानां हितकारकम् ।
एतदेव पुरा पृष्ठं कल्पादौ विष्णवे मया
॥ ८१ ॥

P3-0103 · 82
ब्रह्मशब्दस्वरूपेण प्रसन्नेनान्तरात्मना ।
यत्प्रोक्तं तेन मे ब्रह्मन् तत्ते वक्ष्यामि यत्नतः
॥ ८२ ॥

P3-0104 · 83
भगवानुवाच :
शृणु ब्रह्मन् परं गुह्यं कल्पं सारस्वतं मम ।
यस्या विज्ञानमात्रेण जाड्यापहरणं भवेत्
॥ ८३ ॥

P3-0105 · 84
सर्वशास्त्र प्रकाशश्च सर्वज्ञो जायतेऽचिरात् ।
अभ्यासाच्च भवेद्यस्य वाचश्चित्रा भवन्ति हि
॥ ८४ ॥

P3-0106 · 85
अवापुस्त्रिदशा व्याप्तिं वागीशत्वं वृहस्पतिः ।
द्वैपायनोऽपि यं ज्ञात्वा वेदव्यासोऽभवन्मुनिः
॥ ८५ ॥

P3-0107 · 86
मन्त्रोद्धारं प्रवक्ष्यामि साङ्गावरणपूजनैः ।
अनन्त बिन्दुना युक्तं वामगण्डान्तभूषितम् ।
जपेद् द्वादशलक्षन्तु मूकोऽपि वाक्पतिर्भवेत्
॥ ८६ ॥

P3-0108 · 87
नाभौ शुद्धरविन्दञ्च ध्यायेद् दशदलं सुधीः ।
तन्मध्ये भावयेन्मन्त्री मण्डलानान्त्रयं चिरम् ।
रत्नसिंहासनं ध्यायेद्वर्णं ज्योत्स्नामयं पुनः ।
तस्योपरि पुनर्ध्यायेद् देवीं वागीश्वरीं ततः
॥ ८७ ॥

P3-0109 · 88
मुक्ताकान्तिनिभां देवीं ज्योत्स्नाजालविकाशिनीम् ।
मुक्ताहरयुतां शुभ्रां शशिखण्ड विमण्डिताम् ।
विभ्रतीं दक्षहस्ताभ्यां व्याख्यां वर्णस्य मालिकाम् ।
अमृतेन तथा पूर्णं घटं दिव्यञ्च पुस्तकम् ।
दधतीं वामहस्ताभ्यां पीनस्तनभरान्विताम् ।
मध्ये क्षीणां तथा स्वच्छां नानारत्नविभूषिताम् ।
आत्माभेदेन ध्यात्वैवं ततः सम्पूजयेत् क्रमात्
॥ ८८ ॥

P3-0110 · 89
आद्येन दीर्घयुक्तेन कुर्यादङ्गानि हस्तयोः ।
हृदयादौ तथा कुर्याद् बीजेनाङ्गक्रिया पुनः ।
भ्रुवोर्मध्ये तथा नाभौ गुह्ये च देशिकस्तथा ।
न्यसेद्बीजं पुनर्वस्तौ व्यापकं विन्यसेत् ततः ।
पीठन्यासं तनौ कुर्याद् देवताभावसिद्धये ।
मातृकायास्तु यत्प्रोक्तं पीठमभ्यर्च्य यत्नतः ।
वर्णाब्जेनासनं कुर्यान्मूर्ति मूलेन कल्पयेत् ।
आवाह्य पूजयेत् तस्यां देवीं वागीश्वरीं ततः
॥ ८९ ॥

P3-0111 · 90
अङ्गैः प्रथमा वृत्तिः स्याद् द्वितीया शक्तिभिस्ततः ।
दलाग्रेषु समभ्यर्च्य ब्रह्माण्याद्या यथाविधि ।
लोकपाला बहिः पूज्यास्तेषामस्त्राणि तद्बहिः ।
एवं सम्पूजयेन्मन्त्री जपपूजारतः सदा
॥ ९० ॥

P3-0112 · 91
कवित्वं लभते वाग्मी लक्षैर्द्वादशभिर्ध्रुवम् ।
प्रातर्जप्त्वा सहस्रन्तु पिवेद् ब्राह्मीं वचान्विताम् ।
न विस्मरति मेधावी श्रुतान् वेदागमानपि
॥ ९१ ॥

Quellen und Textstand

  • Krishnananda Agamavagisha: Brihat Tantrasara. Grundlage ist die gespeicherte deutsche Gesamtausgabe mit den zugehörigen IAST- und Devanagari-Dateien, Bearbeitungsstand 4. Oktober 2026.
  • Die Kennungen P1 bis P5 mit vierstelliger Nummer bezeichnen die Fundstellen der Gesamtausgabe. Die daneben stehende Verszählung einschließlich Zusatznummern bleibt erhalten.
  • Lokale Hinweise in eckigen Klammern kennzeichnen Lesarten, Textlücken und Übersetzungsprobleme. Ein neuer Vergleich mit einer gedruckten Sanskritedition wurde für diese Ritualredaktion nicht vorgenommen.
  • Brihat Tantrasara Übersetzung 3: P3-0102–P3-0112


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