Prematattva

Prematattva (Sanskrit: prematattva n.) = das Prinzip der göttlichen Liebe.
Der Sanskrit-Ausdruck “Prematattva” setzt sich aus zwei wunderschönen Wörtern zusammen: “Prema” (reine, bedingungslose Liebe) und “Tattva” (Wahrheit, Prinzip, Essenz oder Das-Sein). Übersetzt bedeutet “Prematattva” also so viel wie “die Essenz der Liebe” oder “das Prinzip der reinen, göttlichen Liebe”. Es ist nicht die romantische oder anhaftende Liebe, die du vielleicht aus dem Alltag kennst, sondern die universelle, selbstlose Liebe, die im Hinduismus und Yoga als die höchste Form der Wirklichkeit angesehen wird. Diese Liebe ist keine Emotion, die kommt und geht, sondern der Grundstoff des gesamten Universums – die schöpferische Kraft, aus der alles entstanden ist und in der alles existiert.
In der spirituellen Tradition, besonders im Bhakti Yoga (dem Yoga der Hingabe), wird Prematattva als das höchste Ziel verehrt. Es ist der Zustand, in dem du nicht mehr liebst, weil du etwas bekommst, sondern weil du selbst zur Liebe wirst. Du erkennst, dass du und die geliebte Gottheit (oder das Universum) letztlich eins sind. In der Advaita-Vedanta-Philosophie wird dieser Zustand oft mit der absoluten Wahrheit (Brahman) gleichgesetzt – Brahman ist nicht nur Wissen und Sein, sondern auch reine, unendliche Liebe. Prematattva ist also die Brücke zwischen deinem kleinen, persönlichen Herzen und dem unendlichen, kosmischen Herzen.
Für deine Yogapraxis bedeutet das eine radikale Verschiebung der Perspektive: Du praktizierst nicht, um etwas zu erreichen oder perfekter zu werden, sondern um die Liebe, die du bereits bist, zu enthüllen. Jede Asana, jede Atemübung, jede Meditation wird zu einem Akt der Hingabe. Du lässt los, wer du zu sein glaubst, und öffnest dich für die strömende, sanfte Kraft des Prematattva.
Ein kurzes Beispiel aus der Praxis: Stell dir vor, du sitzt in der Meditation und ein schwieriges Gefühl wie Ärger oder Traurigkeit taucht auf. Normalerweise würdest du es vielleicht bekämpfen oder wegschieben. Doch im Licht des Prematattva kannst du innehalten, dem Gefühl einen Raum geben und es mit einer sanften, mütterlichen Liebe betrachten. Du sagst innerlich: “Auch du, liebes Gefühl, bist ein Teil der einen Liebe.” Du umarmst es, ohne es festzuhalten. In diesem Moment erfährst du Prematattva nicht als Gedanken, sondern als lebendige, heilende Gegenwart. Du wirst zur Liebe selbst, die sich selbst erkennt.