Perunkathai

Aus Yogawiki

Perunkathai (Tamil: பெருங்கதை, Peruṅkatai, „Die große Erzählung“; auch Perunkatai oder Perunkadai) ist ein umfangreiches tamilisches Epos, das die Geschichte des Königs Udayana von Vatsa erzählt, eines berühmten Helden der indischen Erzählkunst. Das Werk wird dem jainistischen Dichter Konguvelir zugeschrieben und ist eine tamilische Nachdichtung der Brihatkatha, der „Großen Erzählung“ des Gunadhya, einer der großen verlorenen Erzählsammlungen des alten Indien. Die Entstehungszeit ist umstritten; meist wird das Werk zwischen dem 6. und dem 9. Jahrhundert angesetzt.

Die Perunkathai erzählt von Liebe und Abenteuer, von Musik und Kriegskunst, von Königshöfen und Städten, und ist zugleich von den ethischen Werten des Jainismus geprägt. Anfang und Ende des Werkes sind verloren; erhalten sind fünf große Bücher. Für die Geschichte der tamilischen Literatur ist die Perunkathai ein wichtiges Zeugnis, denn sie zeigt, wie Erzählstoffe aus ganz Indien in die tamilische Kultur aufgenommen und neu gestaltet wurden.

Erzählungen der Tradition führen durch Liebe und Verlust zu Einsicht und innerer Sammlung.

Perunkathai auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Titel Perunkathai; auch Perunkatai, Perunkadai
Tamil பெருங்கதை (Peruṅkatai)
Bedeutung „Die große Erzählung“
Verfasser Konguvelir, ein jainistischer Dichter aus dem Kongu-Land
Entstehung Umstritten; meist 6. bis 9. Jahrhundert
Vorlage Die Brihatkatha („Große Erzählung“) des Gunadhya
Held Udayana, König von Vatsa mit der Hauptstadt Kaushambi
Erhaltene Teile Fünf Bücher; Anfang und Ende sind verloren
Versmaß Akaval (Asiriyappa), ein freies, erzählendes Versmaß
Religiöser Hintergrund Jainismus
Erstausgabe U. V. Swaminatha Iyer, 1924

Name und Bedeutung

Peru bedeutet im Tamil „groß“, Kathai (Sanskrit kathā) „Erzählung, Geschichte“. Perunkathai ist also die „große Erzählung“ und damit eine wörtliche Übertragung des Sanskrit-Titels Brihatkatha. Der Name weist zugleich auf den Umfang des Werkes und auf seine Herkunft hin.

Die Vorlage: Die Brihatkatha des Gunadhya

Die Brihatkatha war eine riesige Sammlung von Erzählungen, die der Dichter Gunadhya in alter Zeit in Paishachi verfasst haben soll, einer volkstümlichen mittelindischen Sprache. Das Original ist verloren. Sein Inhalt ist jedoch durch mehrere Nachdichtungen überliefert, vor allem durch das Sanskrit-Werk Kathasaritsagara („Ozean der Erzählströme“) des Somadeva aus dem 11. Jahrhundert, eine der größten Erzählsammlungen der Welt.

Die Perunkathai ist eine der ältesten erhaltenen Fassungen dieses Stoffes und die einzige in tamilischer Sprache. Konguvelir erzählt die Geschichte nicht einfach nach, sondern gestaltet sie mit tamilischer Dichtkunst, mit ausführlichen Beschreibungen von Landschaften, Städten, Festen und Gefühlen.

Der Inhalt

Udayana, der König mit der Vina

Im Mittelpunkt steht Udayana, König von Vatsa mit der Hauptstadt Kaushambi am Ganges. Er ist ein Held von großer Schönheit, Tapferkeit und Kunstfertigkeit. Besonders berühmt ist er als Meister der Vina, der indischen Laute. Die Überlieferung erzählt, dass er mit seinem Spiel selbst wilde Elefanten bezaubern und zähmen konnte.

Udayana ist in der indischen Literatur eine sehr bekannte Gestalt. Auch große Sanskrit-Dramen erzählen von ihm, etwa das Svapnavasavadatta („Vasavadatta im Traum“) des Dichters Bhasa und die Schauspiele Ratnavali und Priyadarshika des Königs Harsha.

Die Gefangennahme durch den Elefanten

Eine der bekanntesten Episoden erzählt, wie König Pradyota von Ujjain, ein Rivale Udayanas, ihn in eine Falle lockt. Er lässt einen künstlichen Elefanten bauen, in dem Soldaten versteckt sind, und stellt ihn in einen Wald an der Grenze. Udayana, der Elefanten mit seiner Vina bezaubern will, geht allein zu dem vermeintlichen Tier und wird gefangen genommen.

In Ujjain soll Udayana die Tochter Pradyotas, Vasavadatta, im Vinaspiel unterrichten. Lehrer und Schülerin verlieben sich ineinander. Mit Hilfe seines klugen Ministers Yaugandharayana gelingt Udayana schließlich die Flucht, und er entführt Vasavadatta, die seine Königin wird.

Liebe, Politik und Treue

Die weitere Erzählung schildert, wie Udayana sein Reich zurückgewinnt, wie er durch eine List seines Ministers auch die Prinzessin Padmavati von Magadha heiratet und wie Vasavadatta ihm in Treue verbunden bleibt. Im Verlauf der Geschichte wird Udayanas Sohn Naravahanadatta geboren, der in der Brihatkatha zum eigentlichen Haupthelden weiterer Abenteuer wird.

Die fünf erhaltenen Bücher

Die erhaltene Perunkathai gliedert sich in fünf Bücher (Kandam), die nach den Schauplätzen oder Hauptgestalten benannt sind: das Buch von Ujjain, das Buch von Lavanaka, das Buch von Magadha, das Buch von Vatsa und das Buch des Naravahana. Anfang und Ende des Werkes sind nicht überliefert. Wie das Epos ursprünglich begann und endete, lässt sich nur aus den anderen Fassungen der Brihatkatha erschließen.

Die Perunkathai als jainistisches Werk

Der Dichter Konguvelir war Jaina, und die Perunkathai trägt die Handschrift der jainistischen Ethik. Die Erzählung zeigt die Folgen des Karma, die Vergänglichkeit von Macht und Genuss und den Wert von Tugend, Treue und Selbstbeherrschung. In der jainistischen Tradition führen solche Heldenerzählungen oft am Ende zur Einsicht in die Vergänglichkeit und zur Entsagung; ob auch die Perunkathai so endete, lässt sich wegen des verlorenen Schlusses nicht sicher sagen.

Die Perunkathai steht damit in einer Reihe mit anderen tamilischen Epen, die von jainistischen und buddhistischen Dichtern verfasst wurden, etwa dem Silappatikaram und dem Manimekalai. Sie zeigen, welch großen Beitrag Jainas und Buddhisten zur tamilischen Literatur geleistet haben.

Bedeutung und Wiederentdeckung

Wie viele Werke der klassischen tamilischen Literatur war auch die Perunkathai über lange Zeit fast vergessen und nur in wenigen, unvollständigen Palmblatthandschriften erhalten. Der Gelehrte U. V. Swaminatha Iyer, der auch die Sangam-Literatur wiederentdeckte, gab 1924 die erste gedruckte Ausgabe heraus.

Für die Forschung ist die Perunkathai in mehrfacher Hinsicht wertvoll: als eine der ältesten Fassungen der verlorenen Brihatkatha, als Zeugnis der jainistischen Literatur in Tamil und als reiche Quelle über Städte, Bräuche, Musik und Handwerk ihrer Zeit.

Perunkathai und Yoga

Die Kraft der Musik

Die Gestalt Udayanas, der mit seiner Vina wilde Elefanten bezaubert, zeigt die Kraft der Musik, die Herzen zu bewegen und selbst ungezähmte Kräfte zur Ruhe zu bringen. Im Nada Yoga, dem Yoga des Klanges, gilt der Klang als Weg zur inneren Sammlung und zum Göttlichen. Der wilde Elefant kann dabei als Bild für den unruhigen Geist verstanden werden, der durch Klang, Mantra und Musik ruhig wird.

Die Vergänglichkeit von Macht und Genuss

Die Geschichten von Königen, ihren Siegen, Niederlagen und Leidenschaften zeigen, wie wechselhaft das Glück ist. In der jainistischen wie in der yogischen Tradition führt diese Einsicht zu Vairagya, der inneren Freiheit gegenüber dem Vergänglichen.

Erzählungen als Lehrer

Die großen Erzählsammlungen Indiens, von der Brihatkatha bis zu den Epen Ramayana und Mahabharata, waren über Jahrhunderte Lehrer des Volkes. In spannenden Geschichten vermittelten sie Werte wie Treue, Klugheit, Mut und Hingabe. Auch in der Yoga-Tradition spielen Geschichten eine wichtige Rolle: Swami Sivananda erzählte in seinen Vorträgen und Büchern gern Geschichten, um spirituelle Wahrheiten anschaulich zu machen.

Anregungen für Yoga und Meditation

  • Klang-Meditation: Höre in einer Meditation einige Minuten lang ruhiger Musik oder dem Klang einer Vina oder Tanpura zu. Spüre, wie der Klang den Geist sammelt, so wie Udayanas Spiel die Elefanten zähmte.
  • Den inneren Elefanten zähmen: Beobachte, welche „wilden Elefanten“ in deinem Geist toben, etwa Ungeduld, Zorn oder Unruhe. Versuche, ihnen mit einem Mantra oder einem sanften Klang zu begegnen statt mit Kampf.
  • Eine Geschichte als Spiegel: Lies eine Erzählung aus der indischen Tradition und frage dich, welche Eigenschaft einer Gestalt dich besonders anspricht und was sie dich für dein eigenes Leben und deinen Yoga lehren kann.
Das Licht der Erkenntnis im Herzen.

Häufige Fragen zur Perunkathai

Was ist die Perunkathai?
Die Perunkathai ist ein tamilisches Epos über den König Udayana von Vatsa, eine Nachdichtung der verlorenen Brihatkatha des Gunadhya. Sie wird dem jainistischen Dichter Konguvelir zugeschrieben.

Was bedeutet Perunkathai?
Perunkathai bedeutet „Die große Erzählung“ und ist eine Übertragung des Sanskrit-Titels Brihatkatha.

Wann entstand die Perunkathai?
Die Datierung ist umstritten; meist wird das Werk zwischen dem 6. und dem 9. Jahrhundert angesetzt.

Wer ist Udayana?
Udayana ist ein legendärer König von Vatsa mit der Hauptstadt Kaushambi, berühmt für seine Tapferkeit, seine Liebesgeschichten mit Vasavadatta und Padmavati und sein meisterhaftes Vinaspiel, mit dem er Elefanten bezaubern konnte.

Ist die Perunkathai vollständig erhalten?
Nein. Anfang und Ende sind verloren; erhalten sind fünf große Bücher.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos von Yoga Vidya laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

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Siehe auch

Quellen und Literatur

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