Parasara Bhattar
Parasara Bhattar (Tamil: பராசர பட்டர், Parācara Paṭṭar; auch Parashara Bhattar, Periya Bhattar oder Bhattarya) war ein bedeutender Lehrer (Acharya) des Sri Vaishnavismus im 12. Jahrhundert. Er war der Sohn von Kuresa, dem engsten Schüler Ramanujas, und wurde von Ramanuja selbst mit dem Namen Parasara bedacht. Als Schüler von Embar und später geistliches Oberhaupt der Gemeinschaft in Srirangam führte er das Werk Ramanujas in der nächsten Generation weiter.
Parasara Bhattar gilt als einer der brillantesten Gelehrten und Dichter seiner Tradition. Berühmt ist er vor allem für seinen Kommentar zum Vishnu Sahasranama, das Bhagavad Guna Darpanam, und für seine Hymnen an Ranganatha und dessen Gefährtin Lakshmi. Die Überlieferung verehrt ihn als Kind der Gnade Ranganathas, das im Heiligtum von Srirangam aufwuchs, und als Lehrer, in dem große Gelehrsamkeit mit tiefer Demut verbunden war.

Das Wichtigste auf einen Blick
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Name | Parasara Bhattar |
| Tamil | பராசர பட்டர் |
| Weitere Namen | Periya Bhattar, Parashara Bhattarya |
| Lebenszeit | 12. Jahrhundert; die traditionellen Datierungen weichen stark voneinander ab |
| Herkunft | Srirangam, Tamil Nadu |
| Eltern | Kuresa (Kurathalvan) und Andal; Bruder: Veda Vyasa Bhattar |
| Lehrer | Embar |
| Schüler und Nachfolger | Nanjiyar |
| Tradition | Sri Vaishnavismus; Visishtadwaita Vedanta |
| Hauptwerke | Bhagavad Guna Darpanam, Sri Rangaraja Stava, Sri Guna Ratna Kosha, Ashta Shloki |
Geschichten über Parasara Bhattar
Ein Kind der Gnade Ranganathas
Die Überlieferung erzählt, dass Kuresa und seine Frau Andal eines Tages ohne Nahrung geblieben waren und nichts für sich erbaten. Ranganatha, der Herr von Srirangam, sandte ihnen daraufhin von den Speisen, die ihm dargebracht worden waren. Aus diesem Segen wurden ihnen zwei Söhne geboren, Parasara und Veda Vyasa.
Ramanuja gab den Kindern ihre Namen. Nach der Tradition erfüllte er damit einen der drei letzten Wünsche Yamunacharyas: dass der Name des Weisen Parasara, des Verfassers des Vishnu Purana, in Ehren gehalten werde. Schon als Säugling empfing Parasara von Embar das heilige Dvaya-Mantra, das ihm ins Ohr gesprochen wurde.
Das Kind wuchs in innigster Nähe zum Tempel auf. Die Legende erzählt, dass Ranganatha und seine Gefährtin Ranganayaki ihn als ihren angenommenen Sohn betrachteten und dass er im Heiligtum selbst gewiegt wurde. Diese Vertrautheit mit dem göttlichen Paar prägt später seine ganze Dichtung.
Eine Handvoll Sand
Schon als Knabe zeigte Parasara einen wachen und schlagfertigen Geist. Eines Tages zog ein berühmter Gelehrter, der sich rühmte, alles zu wissen, in einer prächtigen Sänfte durch Srirangam, um mit Ramanujas Schülern zu disputieren. Der kleine Parasara trat ihm in den Weg, hielt eine geschlossene Faust voll Sand hoch und fragte, wie viel Sand darin sei.
Der Gelehrte wusste keine Antwort; wie sollte man Sandkörner zählen? Da sagte das Kind, die Antwort sei doch einfach: eine Handvoll. Wer nicht einmal das erkenne, wie wolle der über die höchsten Wahrheiten streiten? Der Gelehrte erkannte die Größe dieses Kindes, verzichtete auf seinen Hochmut und wurde später selbst ein Verehrer.
Die Geschichte erzählt von einer Klugheit, die nicht im Anhäufen von Wissen liegt, sondern im klaren, einfachen Blick. Oft ist die wahre Antwort schlichter, als der stolze Verstand erwartet.
Demut vor dem Herrn von Srirangam
So groß Parasara Bhattars Gelehrsamkeit war, so tief war seine Demut. In einem Vers seines Sri Rangaraja Stava erzählt er, dass einmal ein Hund in den Tempel von Srirangam gelaufen war und die Priester den Tempel daraufhin reinigen ließen. Bhattar fragt den Herrn: Warum wird der Tempel nicht gereinigt, wenn ich ihn betrete? In einem anderen Vers bekennt er, er wolle lieber ein Hund in den Straßen von Srirangam sein als ein Gott im Himmel.
Diese Worte sind keine Selbstverachtung. Sie drücken eine Liebe aus, der die Nähe zum Herrn wichtiger ist als jeder Rang. Gerade der Gelehrte, der alles verstanden hat, erkennt, wie wenig er aus eigener Kraft ist, und wie sehr alles Gnade bleibt.
Der Gelehrte, der zum Schüler wurde
Die bekannteste Begebenheit aus Bhattars Lehrtätigkeit ist seine Begegnung mit Madhava, einem angesehenen Gelehrten des Advaita Vedanta aus der Gegend von Melkote. Bhattar suchte ihn auf und führte mit ihm ein langes Streitgespräch über die Lehren der Veden. Am Ende war Madhava so von Bhattars Einsicht und Güte bewegt, dass er sein Schüler wurde.
Bhattar gab ihm den Namen Nanjiyar und bestimmte ihn zu seinem Nachfolger. Nanjiyar wiederum wurde der Lehrer von Nampillai. So wurde aus einer philosophischen Auseinandersetzung eine lebendige Lehrerfolge, die das Erbe Ramanujas über Generationen weitertrug. Die Tradition betont dabei, dass Bhattar nicht den Sieg über einen Gegner suchte, sondern das Herz eines Suchenden gewann.
Leben und Wirken
Nach dem Tod Ramanujas und später Embars übernahm Parasara Bhattar die geistliche Leitung der Sri-Vaishnava-Gemeinschaft in Srirangam. Neben der Verwaltung des Tempels hielt er regelmäßig Vorträge über Ramanujas Sri Bhashya und über die Hymnen der Alvars, besonders über das Tiruvaymoli von Nammalvar. Seine Auslegungen der Alvar-Dichtung wurden zur Grundlage späterer großer Kommentare; sein Schüler Nanjiyar baute darauf auf.
Die Lebensdaten Parasara Bhattars sind unsicher. In der Überlieferung finden sich sehr unterschiedliche Angaben, die teils nicht miteinander vereinbar sind. Sicher ist, dass er im 12. Jahrhundert wirkte und in der Generation nach Ramanuja eine zentrale Rolle spielte. Die Tradition erzählt auch, dass er vergleichsweise jung verstarb.
Werke
- Bhagavad Guna Darpanam („Spiegel der göttlichen Eigenschaften“): Kommentar in Sanskrit zum Vishnu Sahasranama, den tausend Namen Vishnus. Jeder Name wird als Ausdruck einer heilsamen Eigenschaft Gottes gedeutet. Das Werk bildet das sri-vaishnavische Gegenstück zum Kommentar Shankaras aus der Sicht des Advaita.
- Sri Rangaraja Stava: Hymnus an Ranganatha, den Herrn von Srirangam, in dem Bhattar schwierige vedische Lehren in schlichte, bewegende Verse fasst.
- Sri Guna Ratna Kosha („Schatzkammer der Juwelen ihrer Eigenschaften“): Hymnus an die Göttin Ranganayaki, eine Gestalt der Lakshmi, über ihre Güte, Schönheit und Zugänglichkeit.
- Ashta Shloki („Acht Verse“): Darin erläutert Bhattar als Erster die drei heiligen Formeln der Tradition, das Tirumantra, das Dvaya-Mantra und den Charama Shloka, in nur acht Versen.
- Weitere Werke wie das Sri Ranganatha Stotra, das Tirumanjana Kattiyam und ein Kommentar zum Kaisika Mahatmya.
Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten
Ramanuja ist der große Lehrer, dem Bhattar seinen Namen verdankt und dessen Werk er fortführte. Sein Vater Kuresa war Ramanujas treuester Schüler. Embar war sein Lehrer, Nanjiyar sein Schüler und Nachfolger. Über seine Auslegungen ist er eng mit Nammalvar und den übrigen Alvars verbunden. Der spätere große Lehrer Vedanta Desika wurde von seinen Werken beeinflusst.
Anregungen für Yoga und Meditation
Parasara Bhattars Bhagavad Guna Darpanam lädt zu einer schönen Übung ein: Wähle einen Namen aus dem Vishnu Sahasranama oder einen Namen des Göttlichen, der dich berührt, und betrachte in einer Meditation die Eigenschaft, die er ausdrückt, etwa Güte, Schutz oder Freude. Lass diese Eigenschaft in dir lebendig werden.
Im Yoga kann Bhattars Verbindung von Gelehrsamkeit und Demut eine Anregung sein. Lernen und Verstehen sind wertvoll; ihre Frucht zeigt sich aber darin, dass das Herz weiter und bescheidener wird.

Wissen im Dienst der Liebe
Parasara Bhattar war ein Gelehrter von außergewöhnlicher Brillanz und zugleich ein Kind der Gnade, das sich vor dem Herrn von Srirangam klein machte. Seine Werke zeigen, wie Erkenntnis und Hingabe einander vertiefen können. Und die Geschichte von Nanjiyar erinnert daran, dass die schönste Frucht eines Gesprächs nicht der Sieg ist, sondern ein gewonnenes Herz.
Siehe auch
- Ramanuja
- Kuresa
- Embar
- Nanjiyar
- Yamunacharya
- Vishnu Sahasranama
- Srirangam
- Ranganatha
- Sri Vaishnavismus
- Visishtadwaita Vedanta
- Nammalvar
Quellen und Literatur
- Wikipedia (englisch): Parasara Bhattar, Überblick, Werke und Lehrerfolge.
- Sri Vaishnava Guruparamparai: Parasara Bhattar, traditionelle Lebensbeschreibung.
- JET UK: Sri Parasara Bhattar, Kindheit im Heiligtum und Verse aus dem Sri Rangaraja Stava.
- Ramanuja.org: Acharyas, Abschnitt Parasara Bhattar, Werke und Geschichte von der Handvoll Sand.
- Sri Parasara Bhattar: Bhagavad Guna Darpanam. Englische Übersetzung von U. Ve. A. Srinivasaraghavachar.
Seminare
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