Nanjiyar

Aus Yogawiki

Nanjiyar (auch Nanjeeyar, zuvor Madhava beziehungsweise Madhavacharya) war ein Srivaishnava-Lehrer und Kommentator des 12. Jahrhunderts. Er wurde Schüler Parasara Bhattars und Lehrer Nampillais. Sein 9.000-Padi-Kommentar zum Tiruvaymoli gehört zu den großen Werken der Tradition. Sein Lebensbild zeigt, wie ein bereits anerkannter Gelehrter durch eine neue Begegnung noch einmal zum staunenden Schüler werden kann.

Vishnu, in der Srivaishnava-Tradition als Narayana verehrt.

Leben und Hintergrund

  • Herkunft und Wirkungsorte: Der Raum Tirunarayanapuram, heute Melkote in Karnataka, und später Srirangam.
  • Frühe Ausrichtung: Gelehrter des Advaita Vedanta, danach Srivaishnava.
  • Datierung: Meist dem 12. Jahrhundert zugeordnet; die genauen traditionellen Lebensdaten variieren erheblich.
  • Werk: Besonders der Onbadhinayirappadi, benannt nach einer traditionellen Umfangszählung.
  • Name: Die Tradition erklärt Nanjiyar aus Nam Jiyar, etwa „unser ehrwürdiger Entsagender“.

Tamil: நஞ்சீயர்; Transliteration: Nañcīyar.

Geschichten über Nanjiyar

Eine andere Bitte um Nahrung

Madhava war als Vedantin berühmt und bewirtete zahlreiche Gäste. Eines Tages wartete ein schlicht gekleideter Mann in seiner Speisehalle, ohne zu essen. Er suche eine andere Gabe, erklärte der Gast: ein gelehrtes Gespräch. Es war Parasara Bhattar.

Nach der Überlieferung führte die Debatte Madhava zur srivaishnavischen Lehre. Bhattar erschloss ihm dabei auch den Rang tamilischer Hymnen. Der schon berühmte Gelehrte begann neu zu lernen.[1]

Für eine geistliche Betrachtung ist dies eine bewegende Szene. Ein Gastgeber, der anderen Nahrung gibt, empfängt selbst etwas, das sein Inneres nährt. In die gewohnte Ordnung seines Lebens tritt eine Frage ein. Er kann ihr ausweichen oder sie annehmen. Die Überlieferung würdigt seinen Mut, sich wirklich auf das Gespräch einzulassen.

Unterwegs begegnet ihm eine einfache Weisheit

Später entschied sich Madhava für das Leben eines Entsagenden. Er versorgte seine Angehörigen und machte sich nach Srirangam auf. Unterwegs begegnete ihm Anantazhvan, ein Schüler Ramanujas. Dieser erinnerte ihn daran, dass Gottesnähe nicht ausschließlich von einem Wechsel des Lebensstandes abhänge. Auch ein Mensch im gewöhnlichen Alltag könne vertrauensvoll dem Herrn dienen.[2]

Die Antwort schenkt seiner Geschichte eine heilsame Weite. Der äußere Weg darf zu einem Menschen passen; er macht ihn aber nicht automatisch größer als andere. Die entscheidende Frage bleibt, wie das Herz sich ausrichtet.

Wer diese Episode heute betrachtet, kann sich von unnötigen Vergleichen lösen. Familienleben, Beruf und geistliche Übung müssen keine Gegensätze sein. Nanjiyars eigener Weg führte in die Entsagung, doch die Begegnung unterwegs erinnert an die Würde anderer Lebensformen.

Eine Umarmung und ein neuer Name

Bhattar nahm den angekommenen Schüler herzlich auf und nannte ihn „unser Jiyar“. Die Tradition bewahrt in diesem Namen eine Umarmung. Nanjiyar wird nicht allein durch den Abschied von seinem früheren Leben bestimmt, sondern durch die Gemeinschaft, in der er nun Aufnahme findet.

Mit seiner wissenschaftlichen Erfahrung brachte er viele Fragen mit. Seine Fragen und Bhattars Antworten wurden zu einem wichtigen Bestandteil der überlieferten Lehre. Der Schüler hörte zu, dachte weiter und blieb bereit, sich etwas erklären zu lassen.

Darin liegt eine stille Form von Größe. Wer fragen kann, ohne sich seiner Unkenntnis zu schämen, hält das Lernen lebendig. Seine Gelehrsamkeit wurde zum Werkzeug einer Beziehung, in der Vertrauen und sorgfältiges Denken zusammenwirkten.

Ein Lehrer erkennt die Begabung seines Schülers

Nanjiyar ließ seinen Kommentar durch den späteren Nampillai abschreiben. Als dieser nach dem Verlust der Handschrift eine aus dem Gedächtnis erneuerte Fassung vorlegte, bemerkte der Lehrer auch zusätzliche Erläuterungen. Er würdigte die Begabung seines Schülers.[3]

Die ausführliche Geschichte wird bei Nampillai erzählt. Für Nanjiyar zeigt sie eine kostbare Haltung: Er braucht nicht der Einzige zu bleiben, der etwas zu geben hat. Er kann die Reife eines anderen erkennen und sich darüber freuen. So wird empfangene Unterweisung zu einem lebendigen Strom durch mehrere Generationen.

Lakshmi, die göttliche Mutter in der vishnuitischen Verehrung.

Fragen als Weg der Hingabe

Nanjiyars Lebensbild ermutigt zu einer Bhakti, in der Fragen willkommen sind. Das Nachdenken über heilige Worte und das Vertrauen zum Lehrer können einander vertiefen. Die praktische Frucht solcher Bildung liegt auch im Mitgefühl: Ein Verständnis, das uns für andere empfindlicher macht, hat das Herz erreicht.

Werke und weiterführende Texte

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten

Parasara Bhattar war sein Lehrer, Nampillai sein bedeutendster Nachfolger. Der Kommentar Tirukkurukaippiran Pillans bildete eine Grundlage seines Studiums. Über Nampillai wirkt seine Unterweisung in Periyavacchan Pillais und Vadakku Tiruveedhi Pillais Arbeiten weiter.

Anregungen für Yoga und Meditation

Nimm eine echte Frage aus deinem Studium mit in die Meditation, ohne sofort eine Antwort erzwingen zu wollen. Im Yoga darf geistige Klarheit mit Geduld und offenem Zuhören wachsen.

Symbolbild: Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.

Immer neu lernen dürfen

Nanjiyar erinnert daran, dass ein reifer Mensch noch einmal neu anfangen darf. Wissen wird fruchtbar, wenn es Fragen zulässt, Dankbarkeit vertieft und anderen Raum zum Wachsen schenkt.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

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Satsang und Meditation mit Sukadev - Yoga Vidya Live Ritual Kirtan singen 07:00 Uhr 26.07.2020

Siehe auch

Quellen und Literatur

Seminare

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