Embar

Aus Yogawiki

Embar (auch Embār, zuvor Govinda beziehungsweise Govinda Bhatta) war ein bedeutender Srivaishnava-Lehrer des 11. bis 12. Jahrhunderts und ein enger Verwandter und Schüler Ramanujas. Er gehört zu den wichtigen Vermittlern zwischen Ramanuja und Parasara Bhattar. Seine Heiligengeschichten rühmen besonders die Hingabe an den Lehrer und ein Mitgefühl, das auch ein verletzliches Tier nicht übersieht.

Vishnu, in der Srivaishnava-Tradition als Narayana verehrt.

Leben und Hintergrund

  • Familie: Mütterlicher Cousin Ramanujas.
  • Früher Lebensweg: Gemeinsame Studienzeit mit Ramanuja; die Überlieferung verbindet ihn zeitweise mit der Shiva-Verehrung in Kalahasti.
  • Lehrer: Periya Tirumalai Nambi und später Ramanuja.
  • Lebenszentrum: Nach dem Eintritt in Ramanujas engeren Kreis vor allem Srirangam.
  • Nachwirkung: Lehrer innerhalb der srivaishnavischen Überlieferung, besonders für Parasara Bhattar. Die erzählten Einzelheiten entstammen späteren Heiligenbiografien.

Tamil: எம்பார்; Transliteration: Empār.

Geschichten über Embar

Eine Warnung auf der Pilgerreise

Govinda und Ramanuja studierten der Überlieferung zufolge bei Yadava Prakasha. Eine berühmte, historisch nicht gesicherte Legende erzählt von einer Pilgerreise, auf der Ramanuja wegen zunehmender Spannungen in Gefahr geriet. Govinda erfuhr von einem Anschlag und warnte seinen Verwandten.[1]

Ramanuja konnte entkommen. In seiner eigenen Lebensgeschichte folgt darauf die wunderbare Heimführung durch ein als göttlich erkanntes Paar. Für Govindas Lebensbild steht zunächst die menschliche Tat im Mittelpunkt: Er schweigt nicht, als ein anderer bedroht ist.

Die Geschichte ist keine belastbare Anklage gegen eine ganze philosophische Schule. Als Heiligenerzählung zeigt sie Mut und Treue. Govindas Fürsorge wird bereits sichtbar, bevor er als Embar zum bekannten Lehrer geworden ist.

Ein Weg durch unterschiedliche Formen der Verehrung

Auf einer Reise soll Govinda im Ganges einen Shiva-Linga gefunden haben. Er wurde ein eifriger Verehrer Shivas und wirkte in Kalahasti. Später begegnete er erneut dem srivaishnavischen Lehrer Periya Tirumalai Nambi.

Die älteren konfessionellen Darstellungen beschreiben den folgenden Wechsel zur Vishnu-Verehrung polemisch. Hier kann das biografische Motiv ohne Abwertung des Shivaismus erzählt werden: Govinda hörte die Unterweisung seines Onkels, fühlte sich angesprochen und schloss sich dessen Lebens- und Glaubensweg an.

Er diente Nambi mit großer Aufmerksamkeit. Seine geistliche Suche führte ihn schließlich in den engen Kreis Ramanujas. Dabei wurde aus der familiären Verbundenheit eine bewusst gewählte Lehrer-Schüler-Beziehung.

Das Lager des Lehrers

Als Ramanuja bei Nambi das Ramayana studierte, beobachtete er Govinda bei einer ungewöhnlichen Handlung. Govinda bereitete das Lager für den Lehrer und legte sich zuerst selbst darauf.

Ramanuja berichtete dies Nambi, der den Schüler nach dem Grund fragte. Govinda erklärte, er wolle prüfen, ob Unebenheiten oder kleine Tiere den Schlaf des Lehrers stören könnten. Ihm liege dessen ungestörte Ruhe am Herzen.

Die Überlieferung spitzt die Antwort zu: Selbst die angedrohten geistlichen Folgen eines solchen vermeintlichen Fehlverhaltens erschienen Govinda gering gegenüber dem Wunsch, dem Lehrer Wohl zu bereiten. Ramanuja war von dieser aufrichtigen Fürsorge bewegt.

Das inspirierende Zentrum ist die Aufmerksamkeit für ein einfaches Bedürfnis. Govinda schaut genau hin. Er möchte, dass der andere gut ruhen kann. Hingabe nimmt hier die Form eines sorgfältig bereiteten Schlafplatzes an.

Der Dorn im Maul der Schlange

Eines Tages sah Ramanuja Govinda bei einer Schlange. Dieser griff in ihr geöffnetes Maul, zog die Hand wieder zurück und setzte später seinen Dienst fort. Auf die erstaunte Frage erklärte er, auf der Zunge des Tieres habe ein Dorn gesteckt. Er habe dessen Leiden lindern wollen.

Die Legende erzählt von ungewöhnlicher Furchtlosigkeit und einem Herzen, das ein bedrohtes Tier wahrnimmt. Sie ist keine praktische Anleitung zum Umgang mit Schlangen. Ihre geistliche Aussage liegt im Mitgefühl: Auch ein Wesen, das uns erschreckt, kann Schmerzen haben und Hilfe benötigen.

Ramanuja erkannte in dieser Tat Govindas Zartheit. Sein Schüler dachte beim Anblick der Schlange nicht allein an sich. Gerade diese Weite macht die kurze Erzählung zu einem der einprägsamsten Bilder seines Lebens.

Ein Lob, das weitergereicht wird

Als andere Govindas Tugenden lobten, stimmte er ihrem Lob zu. Ramanuja fragte ihn verwundert, wie sich dies mit Demut vertrage. Govinda erklärte sinngemäß, alles Gute, das an ihm sichtbar sei, verdanke er der Gnade und Unterweisung seines Lehrers. Wenn Menschen davon sprächen, freue er sich über dessen Wirken.

Die Geschichte deutet Demut als Dankbarkeit. Govinda muss das Gute nicht leugnen. Er weiß, dass er es empfangen hat und weitergeben darf.

Der Name Embar

Später trat Govinda in den Stand des Entsagenden ein. Ramanuja wollte ihm seinen eigenen Ehrentitel Emperumanar geben. Govinda empfand dies als eine zu große Auszeichnung. Daraufhin erhielt er nach der traditionellen Erklärung die verkürzte Form Embar.

Der neue Name bewahrt die Verbundenheit und lässt zugleich einen eigenen Lebensweg erkennen. Aus dem fürsorglichen Schüler wurde ein Lehrer, der die nächste Generation begleiten konnte. Besonders Parasara Bhattar wurde zu einem bedeutenden Träger dieses Erbes.

Lakshmi, die göttliche Mutter in der vishnuitischen Verehrung.

Mitgefühl als Ausdruck der Gottesnähe

Embar steht in der Srivaishnava-Tradition für Guru Bhakti und die Weitergabe der Lehre. Seine Geschichten betonen zugleich die konkrete Wahrnehmung anderer Lebewesen. Geistliche Sammlung und tätige Fürsorge nähren einander: Die Liebe zum Lehrer kann das Herz für die Bedürfnisse vieler öffnen.

Werke und weiterführende Texte

Embar ist besonders als mündlicher Lehrer und Vermittler von Auslegungen bekannt. Ein gesichertes umfangreiches selbstständiges Werk wird hier nicht angesetzt.

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten

Ramanuja war sein Cousin und Lehrer, Periya Tirumalai Nambi sein früherer geistlicher Meister. Kuresa und Mudaliyandan gehören zu seinen engsten Weggefährten in den Heiligenüberlieferungen. Parasara Bhattar, Kuresas Sohn, setzt die von Embar mitgetragene Lehrtradition fort.

Anregungen für Yoga und Meditation

Nimm vor der Meditation wahr, ob jemand in deiner Umgebung eine kleine Unterstützung braucht. Im Yoga lässt sich Ahimsa als aufmerksamer Umgang mit verletzlichen Lebewesen üben. Mitgefühl gewinnt Kraft, wenn es umsichtig und den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechend handelt.

Symbolbild: Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.

Ein aufmerksames Herz

Embar erinnert daran, wie fein Liebe wahrnehmen kann: einen unebenen Schlafplatz, ein leidendes Tier, die Güte eines Lehrers. Möge sein Lebensbild die Aufmerksamkeit verfeinern und die Freude stärken, empfangene Hilfe in eigener Fürsorge weiterzugeben.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

Anahata Chakra Herzens-Meditation für Freude und Liebe

Satsang und Meditation mit Sukadev - Yoga Vidya Live Ritual Kirtan singen 07:00 Uhr 26.07.2020

Siehe auch

Quellen und Literatur

Seminare

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