Narasimhavatara
Narasimhavatara (Sanskrit: narasimhāvatāra m.) = Vishnu in Inkarnation des Mannlöwen.
Der Sanskrit-Ausdruck „Narasimhavatara“ setzt sich aus drei Teilen zusammen:
- „nara“ bedeutet Mensch oder Menschheit,
- „simha“ bedeutet Löwe, und
- „avatara“ bedeutet Inkarnation oder Herabkunft (wörtlich: das Herabsteigen einer göttlichen Gestalt in die Welt).
Zusammengesetzt bezeichnet Narasimhavatara also die Inkarnation Gottes in einer Mischgestalt Mensch–Löwe. Im hinduistischen Kontext ist damit die vierte Inkarnation (avatara) Vishnus gemeint, bei der Vishnu zur Rettung eines frommen Anhängers und zur Beseitigung eines tyrannischen Dämonenkönigs eine Gestalt annimmt, die halb Mensch, halb Löwe ist. Diese Gestalt vereint menschliche und löwenhafte Eigenschaften: menschliches Bewusstsein und Vernunft zusammen mit tierischer Kraft und Wildheit.
Mythisch wird Narasimha oft in der Szene dargestellt, in der er aus einem Felsvorsprung hervortritt oder auf einem Felsen einen Dämon zerreißt, wobei die Episode als Lehrstück gegen Stolz und Willkür sowie für göttlichen Schutz der Hingabe verstanden wird. Theologisch symbolisiert Narasimhavatara die Idee, dass das Göttliche Formen annimmt, die den konkreten Umständen angemessen sind — hier eine hybride Gestalt, die keine der üblichen Kategorien (rein Mensch, rein Tier) ist und damit die Grenzen weltlicher Macht überwindet.
In religiöser Praxis und Kunst hat Narasimha eine wichtige Stellung: er wird in Tempelbildern, Ritualen und Erzählungen als Beschützer der Frommen und als Mahnung an Herrscher dargestellt, gerecht und zornig zugleich zu handeln, wenn es um Schutz, Ordnung und kosmische Gerechtigkeit geht.