Indra Nyasa und Japa mit dem Im Bija
Indra Nyasa und Japa mit dem Im Bija wendet sich Indra als Herrn der Himmelsrichtungen zu. Die Quelle verbindet den sechssilbigen Mantra mit einem Nyasa, bei dem dasselbe Bija an allen sechs Körperorten verwendet wird.

Umfang: Dhyana, sechs vollständig ausgeschriebene Nyasa-Formeln, 108 Mantrawiederholungen und Darbringung.
Anlass und spirituelle Ausrichtung
Indras Gestalt verbindet Leuchten, Vieläugigkeit und die Kraft des Vajra. Die Sitzung kann vor einer Aufgabe stehen, bei der Überblick und Verantwortung gefragt sind. Die zahlreichen Augen werden dabei als Meditationsbild aufgenommen; die Aufmerksamkeit sammelt sich dennoch bei einer einzigen Rezitation.
Voraussetzungen und Material
Für Praktizierende mit Unterweisung in diesen Mantra und den zugehörigen Nyasa. Die eigene Diksha und die Hinweise des Guru bilden den persönlichen Praxisrahmen.
Ein sauberer Sitz und eine Mala oder andere Zählhilfe genügen. Ein Gottheitsbild kann die Sammlung unterstützen. Plane etwa 15 bis 25 Minuten ein.
Verwandte Ritualanleitungen sind Panchayatana Puja und Mangalacharana.
1. Den Sitz und die innere Ausrichtung vorbereiten
Wasche die Hände, lege die Zählhilfe bereit und setze dich aufrecht und bequem. Vergegenwärtige Indra. Widme die Sitzung der Hingabe und geistigen Sammlung. Ein persönliches Anliegen kann still in eigenen Worten benannt werden; dafür wird kein neues Sanskritmantra benötigt.
2. Den Körper durch Nyasa weihen
Weihe den Körper als Ort der göttlichen Gegenwart. Sprich bei jeder Berührung die gesamte Formel einmal. Die Körperorte werden behutsam berührt; der Atem fließt frei. Die letzte Handbewegung ist die hier gewählte schlichte Ausführung des Astra-Abschlusses.
| Handlung | Vollständige Rezitation und deutsche Bedeutung |
|---|---|
| Berühre mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand die Brustmitte. | iṃ hṛdayāya namaḥ Iṃ vergegenwärtigt Indra als Mantraklang; das Bija besitzt keine gewöhnliche Wortübersetzung. Dem Herzen: Verehrung. |
| Berühre mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand den obersten Punkt des Kopfes. | iṃ śirase svāhā Iṃ vergegenwärtigt Indra als Mantraklang; das Bija besitzt keine gewöhnliche Wortübersetzung. Dem Haupt: Darbringung. |
| Berühre mit dem rechten Daumen die Shikha-Stelle am hinteren Scheitel. Eine Haarlocke ist dafür nicht erforderlich. | iṃ śikhāyai vaṣaṭ Iṃ vergegenwärtigt Indra als Mantraklang; das Bija besitzt keine gewöhnliche Wortübersetzung. Der Shikha: Weihe und Bekräftigung. |
| Kreuze die Arme vor der Brust und lege die Hände auf die jeweils gegenüberliegende Schulter. | iṃ kavacāya huṃ Iṃ vergegenwärtigt Indra als Mantraklang; das Bija besitzt keine gewöhnliche Wortübersetzung. Der schützenden Hülle: Schutzbekräftigung. |
| Halte Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand gespreizt vor Augen und Stirnmitte. Berühre die Augen nicht. | iṃ netratrayāya vauṣaṭ Iṃ vergegenwärtigt Indra als Mantraklang; das Bija besitzt keine gewöhnliche Wortübersetzung. Den drei Augen: Weihe und Bekräftigung. |
| Führe die rechte Hand vor der Brust ruhig nach rechts außen. Diese vereinfachte Abschlussgeste begleitet die Vorstellung eines schützenden Kreises. | iṃ astrāya phaṭ Iṃ vergegenwärtigt Indra als Mantraklang; das Bija besitzt keine gewöhnliche Wortübersetzung. Der Schutzwaffe: rituelle Abgrenzung. |
Mit dem Nyasa wird die Verehrung körperlich gegenwärtig: Herz, Denken, Wahrnehmung und Handeln werden dem Göttlichen gewidmet.
3. Die göttliche Gegenwart betrachten
Sprich den folgenden Dhyana einmal vollständig und betrachte anschließend die beschriebene Gestalt still.
pītavarṇaṃ sahasrākṣaṃ vajrapadmakaraṃ vibhum |
sarvālaṃkārasaṃyuktaṃ naumīndraṃ dikpatīśvaram ||
Ich verneige mich vor Indra, dem gelb leuchtenden, tausendäugigen, mächtigen Herrn der Richtungswächter. Er hält Vajra und Lotus in den Händen und trägt allen Schmuck.
Yoga-Vidya-Vortrag über Mantra Chaitanya, die Bewusstseinskraft des Mantras. Das Video vertieft die Haltung der Praxis; die konkrete Ritualfolge steht in dieser Anleitung.
4. Den Mantra wiederholen
Sprich die folgende Formel 108-mal leise oder im Geist. Eine vollständig rezitierte Formel zählt als eine Wiederholung. Verwende eine Mala oder eine andere Zählhilfe; eine Meru-Perle wird nicht mitgezählt.
iṃ indrāya namaḥ
Iṃ ist das Bija dieser Indra-Anrufung. Verehrung dem Indra.
Atme natürlich. Wenn Gedanken abschweifen, kehre freundlich zum Klang zurück. Halte zwischen zwei Wiederholungen nur so viel Abstand, dass die einzelnen Laute klar bleiben. Nach der letzten Rezitation ruhe einige Atemzüge in der Stille.
5. Die Rezitation darbringen
Vergegenwärtige die Frucht deiner Rezitation als Gabe in der rechten Hand des Gottes. Diese Darbringung geschieht hier in der Vorstellung; es wird kein zusätzliches Wasser benötigt. Falte deine Hände und sprich einmal:
guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me deva tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||
Du bist der Hüter des Geheimsten. Nimm unsere Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden: das Ruhen in dir.
Neige den Kopf. Lass das betrachtete Bild im Herzen zur Ruhe kommen und bleibe etwa eine Minute still. Öffne dann die Augen und beende die Sitzung bewusst.
Die Praxis im Alltag vertiefen
Notiere nach der Sitzung bei Bedarf einen einzigen nächsten Schritt für deine Aufgabe. Die bewusste Übernahme von Verantwortung kann die äußere Fortsetzung der inneren Sammlung sein.
Siehe auch
- Panchayatana Puja
- Mangalacharana
- Archanam
- Pushpanjali
- Mantramahodadhi
- Brihat Tantrasara
- Puja
- Mantra
- Japa
- Dhyana
- Bhakti
Quellen und redaktionelle Hinweise
Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha, Sanskrit-IAST-Projektfassung nach dem elektronischen Text M00013 auf Grundlage des Drucks Calcutta 1896. Die Verszählung beginnt in den einzelnen Abschnitten neu. Teil 2, Indra-Abschnitt, Verse 51–54. Die Formel lautet iṃ indrāya namaḥ, ohne vorangestelltes Om: iṃ – in – drā – ya – na – maḥ. Das hṛt der Quellenchiffre wird als namaḥ aufgelöst. Die Anweisung bījena nennt für das Nyasa das Bija selbst, weshalb hier iṃ sechsmal unverändert steht. Die Fingerzuordnung folgt den allgemeinen Nyasa-Regeln im Brihat Tantrasara, allgemeine Puja-Paddhati, Verse 74–78. Die im Ablauf beschriebene Astra-Handbewegung ist eine vereinfachte praktische Ausführung.
Die 108 Wiederholungen und der überschaubare Sitzungsrahmen sind eine redaktionelle Praxisanordnung. Der allgemeine Japa-Rahmen ist im Mantramahodadhi 21.166–170 beschrieben; das Darbringungsgebet steht in 22.152. Die dort in 22.151 mit Wasser vollzogene Darbringung wird hier als innere Geste ausgeführt. Die Anleitung bietet eine begrenzte innere Sitzung, keine vollständige Purashcharana oder äußere Avarana-Puja.
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