Dvaitadvaitavedanta

Aus Yogawiki
dvaitadvaitavedanta

dvaitadvaitavedanta (Sanskrit: dvaitādvaitavedānta m.) = die vedantische Lehre der gleichzeitigen Zweiheit und Nicht-Zweiheit.

Dvaitadvaitavedanta – das klingt vielleicht erstmal nach einem Zungenbrecher, aber wenn du die einzelnen Teile verstehst, öffnet sich dir eine faszinierende und sehr lebensnahe Sichtweise auf das Göttliche und dich selbst. Der Ausdruck setzt sich aus drei Sanskrit-Wörtern zusammen: Dvaita (Zweiheit oder Dualität), Advaita (Nicht-Zweiheit oder Einheit) und Vedanta (das Ende der Veden, also die philosophische Krönung der vedischen Lehre). Wörtlich übersetzt bedeutet Dvaitadvaitavedanta also „die Lehre von Einheit und Zweiheit“ oder „der Vedanta, der sowohl Dualität als auch Nondualität umfasst“.

Im Hinduismus ist diese Schule vor allem mit dem großen Philosophen Nimbarka (13. Jahrhundert) verbunden. Sie versucht, eine scheinbar widersprüchliche Erfahrung zu erklären: Einerseits fühlst du dich als getrenntes Individuum – du sitzt hier, liest diesen Text, und da draußen ist die Welt, und irgendwo ist Gott. Das ist die Erfahrung der Vielfalt (Dvaita). Andererseits spürst du in der Meditation, im Yoga oder in tiefen Momenten der Stille, dass alles miteinander verbunden ist, dass du nicht wirklich getrennt bist – das ist die Erfahrung der Einheit (Advaita).

Die Dvaitadvaita-Lehre sagt nun: Beides ist gleichzeitig wahr. Du und Gott, du und die Welt, ihr seid weder vollkommen identisch noch vollkommen getrennt. Stell es dir wie die Beziehung zwischen einer Welle und dem Ozean vor. Die Welle ist nicht der ganze Ozean – sie hat eine eigene Form, eine eigene Bewegung, einen eigenen Namen. In diesem Sinne ist sie „anders“ (Dvaita). Aber gleichzeitig besteht die Welle aus nichts anderem als aus Ozean-Wasser. Sie ist nicht vom Ozean getrennt, sie ist ein Ausdruck von ihm. In diesem Sinne ist sie „eins“ mit ihm (Advaita). Die Welle ist also beides: sie selbst und der Ozean.

Für deine Yoga- und Meditationspraxis bedeutet das eine sehr befreiende und liebevolle Haltung. Du musst dich nicht verbiegen, um „Erleuchtung“ zu erreichen, indem du deine Individualität auslöschst. Und du musst auch nicht in der Trennung und Einsamkeit des „Ich gegen die Welt“ stecken bleiben. Du kannst beides sein: ein einzigartiges Individuum mit deinen Eigenheiten – und gleichzeitig untrennbar verbunden mit dem Göttlichen, mit Brahman, mit dem Kosmos.

Ein passendes Zitat, das diesen Geist wunderbar einfängt, stammt nicht direkt aus einem alten Text, sondern ist eine zeitgenössische Essenz dieser Lehre: „Die Seele ist wie ein Tropfen im Ozean des Göttlichen – sie ist weder vollständig im Ozean aufgelöst, noch ist sie jemals wirklich von ihm getrennt. Sie tanzt in der Freude der Beziehung zu Gott, während sie in der Stille der Einheit mit Ihm ruht.“

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