Bhava Ashtapushpa Puja – Vishnu acht Blüten des Herzens darbringen
Die Bhava Ashtapushpa Puja macht die eigene Lebensführung zur Gabe an Vishnu. Ihre acht Blüten sind keine Pflanzen: Gewaltlosigkeit, Selbstbeherrschung, Mitgefühl, Frieden, innere Ruhe, Ausdauer, Sammlung und Wahrhaftigkeit werden im Herzen dargebracht. Das Agni Purana nennt sie die Gaben, an denen Keshava Freude hat. Diese innere Verehrung ist besonders dann hilfreich, wenn äußere Mittel fehlen oder eine kurze Meditation mit einem konkreten Vorsatz für den Alltag verbunden werden soll.
Anlass und Vorbereitung
Die Quelle bindet die inneren Blüten an keinen Feiertag und keine Tageszeit. Du kannst sie zuhause, am Altar, in einem Tempel oder an einem anderen ruhigen Ort darbringen. Es sind keine äußeren Gaben, keine Lampe, kein Feuer und keine besondere priesterliche Rolle erforderlich. Die folgende Reihenfolge macht die acht im Text genannten Qualitäten als zusammenhängende innere Puja erfahrbar.
Ein Bild Vishnus kann die Sammlung unterstützen, ist aber kein notwendiges Material für diese innere Folge. Die kurzen deutschen Darbringungssätze sind praktische Formulierungen für diese Anleitung; die beiden Sanskritverse am Ende sind die überlieferte Erklärung der acht Blüten, keine eigens erfundenen Einzelmantras.
Durchführung
1. Im Herzen ankommen
Setze dich ruhig hin und lass den Atem natürlich fließen. Stelle dir Vishnu als gütige, tragende Gegenwart vor. Verneige dich innerlich. Formuliere den Vorsatz, ihm heute die Blüten deines Verhaltens zu schenken.
2. Ahimsa – Gewaltlosigkeit
Ahimsa bedeutet Gewaltlosigkeit. Denke an eine Situation, in der du verletzend sprechen oder handeln könntest. Lege den Wunsch, niemanden unnötig zu schädigen, wie eine Blüte vor Vishnu. Sprich innerlich: ‚Ich schenke dir die Bereitschaft, sorgsam mit dem Leben umzugehen.‘
3. Indriyanigraha – die Sinne lenken
Nimm wahr, wo ein Reiz dich unruhig hin und her zieht. Indriyanigraha bedeutet, die Sinne führen zu lernen. Bringe den kleinen freien Abstand zwischen Reiz und Reaktion dar: ‚Ich möchte aufmerksam wählen, wovon ich mich leiten lasse.‘
4. Daya – Mitgefühl
Denke an ein Lebewesen, dessen Mühe du sonst leicht übersiehst. Lege Daya als dritte Blüte nieder: ‚Möge mein Herz die Not anderer wahrnehmen und hilfreich antworten.‘
5. Shanti – Frieden
Lass einen Streit oder eine Sorge vor deinem inneren Blick auftauchen. Du musst die sachliche Aufgabe nicht wegdrängen. Bringe vielmehr den Wunsch nach einer friedlichen Lösung dar: ‚Möge mein Handeln Frieden nähren.‘ Dies ist die Blüte Shanti.
6. Shama – innere Beruhigung
Lass die Gedanken einen Moment ruhen, ohne gegen sie anzukämpfen. Shama ist das Besänftigen des eigenen Geistes. Lege diese Ruhe als fünfte Blüte nieder: ‚Ich möchte dir mit einem gesammelten Geist begegnen.‘
7. Tapas – verlässliche Übung
Erinnere dich an eine hilfreiche Aufgabe, die Geduld verlangt. Bringe Tapas dar, die Kraft, bei einer guten Übung zu bleiben: ‚Ich schenke dir meine Bereitschaft, das Gute auch dann zu tun, wenn es Mühe kostet.‘
8. Dhyana – stille Sammlung
Verweile bei Vishnus Gegenwart. Das wiederholte freundliche Zurückkehren zu ihr ist die siebte Blüte, Dhyana. Lass für diese Darbringung die inneren Worte eine Weile still werden.
9. Satya – Wahrhaftigkeit
Bringe Satya als achte Blüte dar: ‚Mögen mein Denken, mein Sprechen und mein Handeln wahrhaftig werden.‘ Denke dabei an eine konkrete Wahrheit, der du heute freundlich und klar Raum geben möchtest.
10. Die acht Blüten zusammenfassen
Du kannst nun die beiden überlieferten Verse rezitieren:
ahiṃsā prathamaṃ puṣpaṃ puṣpamindriyanigrahaḥ |
sarvapuṣpaṃ dayā bhūte puṣpaṃ śāntirviśiṣyate ||
śamaḥ puṣpaṃ tapaḥ puṣpaṃ dhyānaṃ puṣpaṃ ca saptamam |
satyaṃ caivāṣṭamaṃ puṣpametaistuṣyati keśavaḥ ||
Gewaltlosigkeit ist die erste Blüte, die Beherrschung der Sinne eine Blüte. Mitgefühl mit den Wesen ist die umfassende Blüte; als Blüte ragt der Frieden hervor. Innere Ruhe ist eine Blüte, geistige Disziplin ist eine Blüte, Meditation ist die siebte Blüte. Wahrhaftigkeit ist die achte Blüte: An diesen erfreut sich Keshava.
Verneige dich und öffne ruhig die Augen. Nimm eine der acht Qualitäten als konkreten Tagesvorsatz mit.
Sinn und Abschluss
Die acht Blüten werden nicht verbraucht, wenn du sie darbringst. Sie wachsen, indem du sie lebst. Die Quelle schließt mit dem Gedanken, dass Vishnu besonders an einer Verehrung Freude hat, die von Bhakti und Mitgefühl getragen ist. Eine kleine, wirklich ausgeführte Hilfe kann daher die stille Puja auf besonders schöne Weise fortsetzen.
Rezitationen in Devanagari
Die Reihenfolge entspricht den Gebeten und Anrufungen im Ablauf.
Die acht inneren Blüten
अहिंसा प्रथमं पुष्पं पुष्पमिन्द्रियनिग्रहः ।
सर्वपुष्पं दया भूते पुष्पं शान्तिर्विशिष्यते ॥
शमः पुष्पं तपः पुष्पं ध्यानं पुष्पं च सप्तमम् ।
सत्यं चैवाष्टमं पुष्पमेतैस्तुष्यति केशवः ॥
Quellen und Weiteres
- Agni Purana, Kapitel beziehungsweise Verse 202.16–20: Sanskritfassung bei Wikisource.
Die ausführlichen Erläuterungen der acht inneren Handlungen sind eine praktische Entfaltung der im Purana genannten inneren Blüten. Die Sanskritfassung enthält die Verse 17–18; die benutzte Ausgabe verzeichnet für die Passage Unterschiede zwischen Textzeugen.
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