Balaka Samskara mit Mantraschrift nach dem Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Balaka Samskara mit Mantraschrift nach dem Brihat Tantrasara dokumentiert einen historischen Ritus des Brihat Tantrasara. Sein überliefertes Anliegen ist, das historische Mantraschreiben beim Geburtssakrament gesondert zu dokumentieren.

Umfang und Überlieferung

Die nachstehenden Sanskrit- und Übersetzungstexte sind historische Quellenbelege. Schädigende oder körperlich riskante Teile werden nicht in eine heutige Ausführungsanleitung umgeschrieben.

Ritualfolge im Quellentext

  1. Der Text behandelt die Mantraschrift am neugeborenen Kind, mehrere Zeitangaben und die Vertretung des Vaters. Honiggaben, Eingriffe in die Versorgung nach der Geburt und das Schreiben auf der Zunge werden nicht als heutige Säuglingspraxis angeleitet.

Sanskrit und deutsche Übersetzung

P5-0495 · 98 (Auszug)
atha bālakasaṃskāraḥ :
madhulājābhyāṃ nāḍīcchedāt prāksvarṇaśalākayā
yajñadāruśikhayā śvetadūrvayā vā balakasya jihvāmauṣṭhaṃ vā
dakṣiṇapāṇinā trivāraṃ sammārjya tatra pitā paṃktyākāreṇa
mūlamantraṃ vilikhya devīṃ pūjayet |
taduktaṃ matsyasūkte :
athavā madhulājābhyāṃ jihvāyāṃ bālakasya ca |
nāḍīcchedādyathāpūrvaṃ likhetsvarṇaśalākayā |
mūlamantraṃ likhenmantrī yasyoṣṭhe śvetadūrvayā vākyoccāraṇato
bālo vāgmīdrutakabhavet
|| 98 ||

Nun das Ritual für ein Kind: Vor dem Durchtrennen der Nabelschnur wischt der Vater mit der rechten Hand dreimal die Zunge oder Lippe des Kindes mit Honig und geröstetem Reis ab, mittels eines Goldstifts, der Spitze eines Opferholzes oder weißer Dūrvā. Dann schreibt er dort das Wurzelmantra in Reihen und verehrt die Göttin. Im Matsyasūkta heißt es: „Oder man schreibt mit Honig und geröstetem Reis auf die Zunge des Kindes, vor dem Durchtrennen der Nabelschnur, mit einem Goldstift. Auf wessen Lippe der Mantrakundige das Wurzelmantra mit weißer Dūrvā schreibt, der wird als Kind durch das Aussprechen von Worten redegewandt und zum raschen Dichter.“ [nāḍīcchedādyathāpūrvam und vāgmīdrutakabhavet sind beschädigte Lesarten.]


P5-0496 · 99
mahogratārākalpe tu :
naimittikasaṃskārānantarameva mantralikhanaṃ kāryam |
taduktaṃ mahogre janmasaṃskārakaṃ nāma putre jāte praśasyate |
jihvāyāntu likhenmantraṃ yajñadārukuśena vā |
vāratrayantu sammārjya dakṣiṇenaiva pāṇinā |
mūlamuccārya pratyekaṃ paṃktiṃ kuryātsuśobhanam |
ādau saṃskāraḥ kartavyastadante vilikhenmanum |
gandhacandanapuṣpaiśca pūjayettāriṇīṃ śivām
|| 99 ||

Im Mahogratārākalpa soll das Schreiben des Mantras unmittelbar nach dem anlassgebundenen Sakrament erfolgen. Im Mahogra heißt es: „Das Geburtssakrament ist bei der Geburt eines Sohnes empfohlen. Auf die Zunge schreibt man das Mantra mit Opferholz oder Kuśa. Man wischt dreimal ausschließlich mit der rechten Hand, spricht jeweils das Wurzelmantra und macht eine schöne Reihe. Zuerst ist das Sakrament zu vollziehen, danach schreibt man das Mantra und verehrt Tāriṇī, Śivā, mit Duftstoff, Sandelholz und Blüten.“


P5-0497 · 99-ka
uttarābhimukho bhūtvā sthāpayetpīṭhamuttamam |
pūjayettāriṇīṃ devīṃ nānābhakṣyaiḥ suśobhanaiḥ |
kavirvāgmī bhavetputraḥ satyavādī jitendriyaḥ |
atra tāriṇīpadamupalakṣaṇaṃ devīmātrameva boddhavyam |
vṛhatśrīkramāditantreṣu bālakasaṃskāradarśanāt
|| 99-ka ||

Man wendet sich nach Norden, stellt einen vorzüglichen Pīṭha auf und verehrt die Göttin Tāriṇī mit vielfältigen schönen Speisen. Der Sohn wird Dichter, redegewandt, wahrhaftig und Herr seiner Sinne. Hier ist „Tāriṇī“ stellvertretend zu verstehen; gemeint ist die Göttin überhaupt, denn in Tantras wie Bṛhatśrīkrama werden solche Kindesrituale beschrieben.


P5-0498 · 100
taduktaṃ tatraiva :
bālakasya tu jihvāyāṃ tridinābhyantare likhet |
madhunā śvetadūrvābhirlikhetsvarṇaśalākayā |
amuṃ vāgbhavakūṭañca likhedvai jananāntaram |
etena taddināśaktau trirātrābhyantara iti sūcitam |
amumiti bhairavyā vāgbhavakūṭamityarthaḥ |
athaikādaśāhe devatāṃ sampūjya mantraṃ likhediti kaścit |
atha yadi pitā dūrastho bhavati tadā pitṛvyo mātulo vā mantraṃ
likhediti |
taduktaṃ mahogre :
piturbhrātā likhenmantraṃ māturbhrātāthavā punaḥ |
pitureva likhenmantraṃ nānya eva kadācana
|| 100 ||

An derselben Stelle heißt es: „Auf die Zunge des Kindes soll man innerhalb von drei Tagen schreiben, mit Honig und weißer Dūrvā oder einem Goldstift. Diesen Vāgbhava-Kūṭa soll man nach der Geburt schreiben.“ Damit wird angedeutet: Kann man es am selben Tag nicht, dann innerhalb von drei Nächten. „Diesen“ bedeutet Bhairavīs Vāgbhava-Kūṭa. Manche sagen, am elften Tag verehre man die Gottheit und schreibe das Mantra. Ist der Vater weit entfernt, schreibt der Bruder des Vaters oder der Bruder der Mutter das Mantra. Im Mahogra heißt es: „Der Bruder des Vaters soll das Mantra schreiben, oder auch der Bruder der Mutter; er schreibt ausschließlich das Mantra des Vaters, niemals ein anderes.“


Sanskrit in Devanagari

Die Schriftfassung deckt dieselben ausgewählten Textstellen wie die IAST-Fassung ab.

P5-0495 · 98 (Auszug)
अथ बालकसंस्कारः :
मधुलाजाभ्यां नाडीच्छेदात् प्राक्स्वर्णशलाकया
यज्ञदारुशिखया श्वेतदूर्वया वा बलकस्य जिह्वामौष्ठं वा
दक्षिणपाणिना त्रिवारं सम्मार्ज्य तत्र पिता पंक्त्याकारेण
मूलमन्त्रं विलिख्य देवीं पूजयेत् ।
तदुक्तं मत्स्यसूक्ते :
अथवा मधुलाजाभ्यां जिह्वायां बालकस्य च ।
नाडीच्छेदाद्यथापूर्वं लिखेत्स्वर्णशलाकया ।
मूलमन्त्रं लिखेन्मन्त्री यस्योष्ठे श्वेतदूर्वया वाक्योच्चारणतो
बालो वाग्मीद्रुतकभवेत्
॥ ९८ ॥

P5-0496 · 99
महोग्रताराकल्पे तु :
नैमित्तिकसंस्कारानन्तरमेव मन्त्रलिखनं कार्यम् ।
तदुक्तं महोग्रे जन्मसंस्कारकं नाम पुत्रे जाते प्रशस्यते ।
जिह्वायान्तु लिखेन्मन्त्रं यज्ञदारुकुशेन वा ।
वारत्रयन्तु सम्मार्ज्य दक्षिणेनैव पाणिना ।
मूलमुच्चार्य प्रत्येकं पंक्तिं कुर्यात्सुशोभनम् ।
आदौ संस्कारः कर्तव्यस्तदन्ते विलिखेन्मनुम् ।
गन्धचन्दनपुष्पैश्च पूजयेत्तारिणीं शिवाम्
॥ ९९ ॥

P5-0497 · 99-ka
उत्तराभिमुखो भूत्वा स्थापयेत्पीठमुत्तमम् ।
पूजयेत्तारिणीं देवीं नानाभक्ष्यैः सुशोभनैः ।
कविर्वाग्मी भवेत्पुत्रः सत्यवादी जितेन्द्रियः ।
अत्र तारिणीपदमुपलक्षणं देवीमात्रमेव बोद्धव्यम् ।
वृहत्श्रीक्रमादितन्त्रेषु बालकसंस्कारदर्शनात्
॥ ९९-क ॥

P5-0498 · 100
तदुक्तं तत्रैव :
बालकस्य तु जिह्वायां त्रिदिनाभ्यन्तरे लिखेत् ।
मधुना श्वेतदूर्वाभिर्लिखेत्स्वर्णशलाकया ।
अमुं वाग्भवकूटञ्च लिखेद्वै जननान्तरम् ।
एतेन तद्दिनाशक्तौ त्रिरात्राभ्यन्तर इति सूचितम् ।
अमुमिति भैरव्या वाग्भवकूटमित्यर्थः ।
अथैकादशाहे देवतां सम्पूज्य मन्त्रं लिखेदिति कश्चित् ।
अथ यदि पिता दूरस्थो भवति तदा पितृव्यो मातुलो वा मन्त्रं
लिखेदिति ।
तदुक्तं महोग्रे :
पितुर्भ्राता लिखेन्मन्त्रं मातुर्भ्राताथवा पुनः ।
पितुरेव लिखेन्मन्त्रं नान्य एव कदाचन
॥ १०० ॥

Quellen und Textstand

  • Krishnananda Agamavagisha: Brihat Tantrasara. Grundlage ist die gespeicherte deutsche Gesamtausgabe mit den zugehörigen IAST- und Devanagari-Dateien, Bearbeitungsstand 4. Oktober 2026.
  • Die Kennungen P1 bis P5 mit vierstelliger Nummer bezeichnen die Fundstellen der Gesamtausgabe. Die daneben stehende Verszählung einschließlich Zusatznummern bleibt erhalten.
  • Lokale Hinweise in eckigen Klammern kennzeichnen Lesarten, Textlücken und Übersetzungsprobleme. Ein neuer Vergleich mit einer gedruckten Sanskritedition wurde für diese Ritualredaktion nicht vorgenommen.
  • Brihat Tantrasara Übersetzung 5: P5-0495–P5-0498


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