Bagalamukhi Stambhana mit einer Praxis für besonnene Rede

Aus Yogawiki

Bagalamukhi Stambhana mit einer Praxis für besonnene Rede verbindet das traditionelle Ritual mit einer eigenständigen spirituellen Alternative: Bagalamukhi Andacht für eine Pause vor dem verletzenden Wort.

Bagalamukhi wird traditionell zur Hemmung gegnerischer Rede angerufen. Ihre kraftvolle Bildsprache kann in der folgenden Alternative die eigene Fähigkeit zum Innehalten und zum verantwortlichen Sprechen begleiten.

Einleitung aus Yoga-Vidya-Sicht

Wenn ein Konflikt eskaliert, wünschen wir uns, dass endlich Ruhe eintritt. Stambhana bedeutet Stillstellung oder Hemmung. Im Yoga beginnt die Aufgabe bei der eigenen Reaktion: innehalten, den Ärger wahrnehmen und dann klar handeln. Ahimsa verlangt keine Hilflosigkeit. Du darfst Grenzen setzen, Unterstützung suchen und andere schützen. Dabei kannst du dich bemühen, auch im Gegner das Göttliche zu erkennen und den Hass nicht weiter zu nähren.

Swami Sivananda verbindet Gewaltlosigkeit mit Mut und innerer Stärke. Schwierige Menschen können Geduld lehren; dennoch müssen schädigende Handlungen nicht geduldet werden. Eine gegen andere gerichtete Lähmungsabsicht kann den Geist an Angst und Feindschaft binden. Die traditionelle manipulative Anwendung wird bei Yoga Vidya nicht ausgeführt. Die anschließende Alternative dient Besonnenheit, Schutz und verantwortlicher Tatkraft.

Das traditionelle Ritual

Angerufene Gottheit: Bagalamukhi

Vorbereitung und Umfang
Gelbe Kleidung, Sitz nach Osten, Kurkuma-Mala, gelbe Blüten, Bagalamukhi-Bild oder Yantra. Für den anschließenden Homa nennt die Quelle Priyangu beziehungsweise gelbe Blüten. Umfang: 100.000 Japa; keine bestimmte Homa-Zahl in dieser Passage.

Mantra
oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ nāśaya hlīṃ oṃ svāhā

Übersetzung und Bedeutung: Om, hlīṃ. Bagalamukhi, hemme Rede und Mund aller Übeltäter; nagele die Zunge fest; vernichte die Einsicht. Hlīṃ, om, svāhā. Die harte Bedeutung von „buddhiṃ nāśaya“ wird nicht zu einer bloßen Friedensbitte umgedeutet.

Ritualabfolge

  1. Bereite den Platz vor und setze dich in gelber Kleidung nach Osten. Halte die im Text genannten Regeln von Reinheit und Brahmacharya ein.
  2. Richte das Bagalamukhi-Bild oder das entsprechend der erlernten Puja-Ordnung vorbereitete Yantra auf. Die ausführliche erste Vidya umfasst Anrufung, Nyasa und Umkreisverehrung; die vollständige Folge steht im Artikel Bagalamukhi Puja mit der ersten Vidya nach dem Brihat Tantrasara.
  3. Rezitiere das Hauptmantra mit einer Kurkuma-Mala insgesamt 100.000-mal. Die Anrufung bittet um Hemmung von Rede und Mund, Festlegung der Zunge und Vernichtung der gegnerischen Einsicht; diese Bedeutung wird nicht umgedeutet.
  4. An den Japa schließen im überlieferten Zusammenhang Feuerdarbringungen mit Priyangu oder gelben Blüten an. Die Zahl des Homa wird hier nicht als vermeintlich belegtes Zehntel ergänzt.
  5. Vollziehe den Abschluss der erlernten Puja mit Blumengabe, den zugehörigen Mudras und der Entlassung der vergegenwärtigten Gottheit. Eine nicht erlernte Mudra- oder Nyasa-Folge wird durch diesen kurzen Überblick nicht ersetzt.

Spirituelle Alternative: Bagalamukhi Andacht für eine Pause vor dem verletzenden Wort

Die folgende Andacht ist eine neu zusammengestellte Praxis im Sinne von Yoga Vidya. Dauer und Wiederholungszahlen sind Vorschläge für diese Fassung; sie ist keine festgelegte Yoga-Vidya-Liturgie.

Gottheit: Bagalamukhi
Vorbereitung: Dauer etwa 15–20 Minuten. Ein gelbes Tuch, auf Wunsch ein Bagalamukhi-Bild, eine gelbe Blüte, eine kleine leere Schale, Mala sowie bei Bedarf Papier und Stift. 108 Wiederholungen der Keimsilbe hlīṃ.

Mantra
hlīṃ

Bedeutung: Hlīṃ, die Keimsilbe Bagalamukhis. Die einzelne Keimsilbe ist keine ausformulierte Aufforderung, die Einsicht einer anderen Person zu vernichten.

Zählweise: Eine Wiederholung umfasst die ganze ausgeschriebene Formel. Die unten beschriebene Folge umfasst insgesamt 108 Wiederholungen dieses Mantras.

1. Ankommen und Sankalpa
Richte den beschriebenen Platz her, wasche die Hände und nimm eine bequeme Haltung ein. Lass fünf Atemzüge ruhig kommen und gehen. Formuliere dann den Sankalpa:

„Möge ich im entscheidenden Augenblick innehalten. Mögen meine Worte klar, wahr und angemessen sein.“

2. Die Pause sichtbar machen
Lege die Blüte auf das gelbe Tuch und stelle die leere Schale daneben. Sie steht für die Pause, in der noch kein Wort ausgesprochen ist.

3. 36 Wiederholungen mit Pausen
Rezitiere hlīṃ 36-mal. Nach jeder neunten Wiederholung bleibe einen natürlichen Atemzug still, ohne den Atem anzuhalten.

4. Eine sachliche Grenze formulieren
Erinnere dich an einen typischen verletzenden Satz, den du im Ärger sagen könntest. Sprich ihn nicht laut aus. Formuliere stattdessen eine sachliche Grenze und notiere sie bei Bedarf.

5. Weitere 72 Wiederholungen
Rezitiere weitere 72-mal in zwei Gruppen zu je 36 Wiederholungen. Halte nach der ersten Gruppe einen Moment inne; in der zweiten richte dich auf den Mut, die klare Grenze tatsächlich auszusprechen.

6. Den klaren Satz üben
Übe drei Minuten stille Meditation. Übe danach deinen sachlichen Satz einmal langsam. Lass eine Pause davor und danach.

7. Die Pause in den Alltag tragen
Verneige dich. Nimm dir für das nächste schwierige Gespräch vor, zuerst Boden unter den Füßen zu spüren und dann zu sprechen.

8. Segensabschluss
Sprich zum Abschluss einmal: oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ
Bedeutung: Om. Frieden, Frieden, Frieden. Lass den Klang ausklingen. Nimm die Füße, Hände und den Raum wahr und kehre in Ruhe in den Alltag zurück.

Räume nach dem Segensabschluss die Schale und die übrigen Gegenstände auf.

Abschluss: Die Praxis ins Leben tragen

Eine Pause kann einen Streit verändern. Sie darf ebenso dazu führen, eine schädigende Situation zu verlassen. Bagalamukhis Kraft wird in dieser Alternative auf die eigene Sammlung und besonnene Tatkraft bezogen.

Quellen und Anregungen

Siehe auch

Seminare

Die Hinweise betreffen allgemeine spirituelle Praxis.

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