Chamunda Vashikarana
Chamunda Vashikarana (Sanskrit: चामुण्डा वशीकरण cāmuṇḍā vaśīkaraṇa n.) bezeichnet tantrische Praktiken, bei denen die Göttin Chamunda angerufen wird, um Macht oder Einfluss über andere zu gewinnen. Chamunda ist eine machtvolle Form der Göttlichen Mutter (Devi); Vashikarana heißt wörtlich „unter Kontrolle bringen“, „gefügig machen“, von vasha (Wille, Macht, Kontrolle) und karana (Machen, Bewirken). In der volkstümlichen Magie und in Teilen des Tantra wird Vashikarana zu den sogenannten Shat Karmas gezählt, den sechs magischen Handlungen. Aus Sicht des spirituellen Yoga ist der Versuch, den Willen anderer Menschen zu beeinflussen, kritisch zu sehen. Praktische Anleitung unter Chamunda Vashikarana mit einer Praxis für Mut und freie Begegnung.
Die Göttin Chamunda
Chamunda ist eine furchterregende Form der Göttin Durga bzw. Kali. Nach dem Devi Mahatmya ging sie aus der Stirn der Göttin hervor und besiegte die Dämonen Chanda und Munda. Daher ihr Name: Chamunda, die Bezwingerin von Chanda und Munda. Sie wird auch zu den Matrikas, den sieben bzw. acht Muttergöttinnen, gezählt.
Chamunda wird meist hager, mit eingefallenen Wangen, mit einer Girlande aus Schädeln und auf einem Leichnam stehend dargestellt. Ihre Gestalt symbolisiert die Überwindung von Tod, Angst und Ego. Bekannte Tempel sind der Chamundeshwari-Tempel auf dem Chamundi-Hügel bei Mysore und der Chamunda-Devi-Tempel im Kangra-Tal (Himachal Pradesh).
Im bekannten Navarna-Mantra der Durga-Verehrung, „Om Aim Hrim Klim Chamundayai Viche“, wird Chamunda als Gesamtausdruck der Göttlichen Mutter angerufen.
Vashikarana im Tantra
In manchen tantrischen Texten werden sechs Arten magischer Handlungen (Shat Karmas) beschrieben: Shanti (Befriedung), Vashikarana (Unterwerfung, Beeinflussung), Stambhana (Lähmen), Vidveshana (Entzweien), Uchchatana (Vertreiben) und Marana (Töten). Diese Praktiken gehören zu den weltlichen, auf Macht und persönliche Wünsche gerichteten Anwendungen des Tantra.
Im heutigen Indien wird Vashikarana häufig von kommerziellen Anbietern beworben, etwa um einen bestimmten Menschen als Partner zu gewinnen, Rivalen zu beeinflussen oder Erfolg im Beruf zu erzwingen. Oft wird dabei der Name einer Gottheit wie Chamunda verwendet. Viele dieser Angebote sind unseriös und zielen darauf ab, Menschen in Notlagen Geld abzunehmen.
Kritische Sicht aus der Yoga-Tradition
Aus Sicht des Yoga und Vedanta widerspricht der Versuch, den freien Willen eines anderen Menschen zu manipulieren, den ethischen Grundlagen des spirituellen Weges:
- Ahimsa: Einen Menschen gegen seinen Willen zu beeinflussen, ist eine Form von Gewalt und verletzt das Gebot der Gewaltlosigkeit (Ahimsa).
- Karma: Nach dem Gesetz des Karma fallen Handlungen, die aus Begierde und Machtstreben geschehen und andere einschränken, auf den Handelnden zurück.
- Ego statt Hingabe: Solche Praktiken verstärken Wünsche und Anhaftung, statt sie zu überwinden. Sie führen weg von Moksha, der Befreiung.
- Missbrauch des Heiligen: Eine Gottheit zur Durchsetzung eigener Begierden einzusetzen, verkehrt den Sinn der Verehrung.
Swami Sivananda warnte immer wieder vor dem Streben nach Siddhis und magischen Kräften. Er lehrte, dass solche Kräfte, selbst wenn sie erlangt werden, zu Stolz führen und den Aspiranten vom Ziel der Gottverwirklichung ablenken.
Die innere Bedeutung von Vashikarana
In einem spirituellen Sinn lässt sich Vashikarana anders verstehen: nicht als Kontrolle über andere, sondern als Beherrschung des eigenen Geistes und der eigenen Sinne. Die Bhagavad Gita (II.61) beschreibt den Weisen als einen, dessen Sinne unter Kontrolle (vasha) sind. Wahre Meisterschaft ist Selbstbeherrschung.
In diesem Sinne kann Chamunda als die Göttliche Mutter verehrt werden, die die inneren Dämonen besiegt: Begierde, Ärger, Gier, Stolz, Angst und Unwissenheit. Chanda und Munda können symbolisch als die Kräfte des Egos verstanden werden, die die Göttin überwindet. Wer so betet, bittet nicht um Macht über andere, sondern um Freiheit vom eigenen Ego.
Auch die Ausstrahlung eines spirituell gereiften Menschen hat eine Anziehungskraft. Diese entsteht jedoch nicht durch Magie, sondern durch Liebe, Reinheit und innere Kraft. Das Yoga Sutra (II.35) beschreibt, dass in der Gegenwart eines in Ahimsa gefestigten Menschen Feindseligkeit schwindet.
Hinweis
Menschen, die in Liebes- oder Lebenskrisen nach Vashikarana-Praktiken suchen, ist eher zu raten, Unterstützung bei vertrauenswürdigen Menschen, Beratern oder spirituellen Lehrern zu suchen und sich mit Gebet, Meditation und Mantra-Praxis an das Göttliche zu wenden – mit der Bitte um Klarheit, Frieden und das Wohl aller Beteiligten.