Tirukkadaiyur

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Tirukkadaiyur (Tamil: திருக்கடையூர், Tirukkaṭaiyūr; auch Thirukkadaiyur, Thirukadaiyur oder in alter Form Tirukkadavur) ist ein Tempelort in Tamil Nadu, etwa 21 Kilometer östlich von Mayiladuthurai, und zugleich der Name seines berühmten Tempels, des Amritaghateswarar-Abhirami-Tempels. Er ist Shiva als Amritaghateswarar, dem „Herrn des Nektartopfes“, und seiner Gefährtin Parvati als Abhirami, „der Wunderschönen“, geweiht.

Tirukkadaiyur ist einer der bedeutendsten Shiva-Tempel Südindiens. Hier soll Shiva seinen jungen Verehrer Markandeya vor dem Tod bewahrt und den Todesgott Yama besiegt haben. Deshalb gilt der Ort als Stätte des Sieges über den Tod und des langen Lebens. Zugleich ist er der Schauplatz der Legende um Abhirami Bhattar, der hier die Abhirami Antati sang und die Göttin an einem Neumondabend den Vollmond aufgehen ließ.

Shiva und Parvati: In Tirukkadaiyur werden sie als Amritaghateswarar und Abhirami verehrt.

Das Wichtigste auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Name Tirukkadaiyur; Amritaghateswarar-Abhirami-Tempel
Tamil திருக்கடையூர்
Lage Tirukkadaiyur, etwa 21 km östlich von Mayiladuthurai, Tamil Nadu
Hauptgottheiten Shiva als Amritaghateswarar und als Kalasamharamurti; Parvati als Abhirami
Weitere Schreine Unter anderem Vishnu als Amritanarayana mit Lakshmi als Amritavalli; Ganesha als Kallavaranapillaiyar
Tradition Tamilischer Shivaismus; Paadal Petra Sthalam und einer der acht Veerattanam-Tempel
Baugeschichte Heutiger Steinbau aus der Chola-Zeit (9. Jahrhundert), spätere Erweiterungen unter den Nayaks von Thanjavur
Verwaltung Dharmapuram Adheenam

Name

Amritaghateswarar setzt sich aus Amrita (Nektar der Unsterblichkeit), Ghata (Topf, Krug) und Ishvara (Herr) zusammen und bedeutet „Herr des Nektartopfes“. Der Name bezieht sich auf die Legende von der Entstehung des Lingam aus dem Gefäß mit dem Unsterblichkeitsnektar. Abhirami bedeutet „die Wunderschöne“ oder „die Entzückende“. Die tamilische Vorsilbe Tiru ist ein Ehrenzusatz für heilige Orte und entspricht etwa dem Sanskrit Sri.

Legenden des Tempels

Der Nektartopf und der gekränkte Ganesha

Nach der Überlieferung erlangten die Götter bei der Quirlung des Milchozeans den Amrita, den Nektar der Unsterblichkeit. Bevor sie ihn tranken, vergaßen sie jedoch, Ganesha zu verehren, dem vor jedem großen Unternehmen die erste Ehre gebührt. Gekränkt nahm Ganesha den Topf mit dem Nektar an sich und verbarg ihn in Tirukkadaiyur.

Aus dem Nektartopf entstand ein Shiva-Lingam, der seither als Amritaghateswarar verehrt wird. Ganesha wird im Tempel deshalb mit einem liebevoll-humorvollen Beinamen als Kallavaranapillaiyar, der „Dieb-Ganesha“, verehrt. Die Geschichte erinnert daran, jedes Werk mit einem Gebet und mit Achtsamkeit zu beginnen.

Markandeya und der Sieg über den Tod

Die bekannteste Legende des Ortes erzählt von dem Weisen Mrikandu und seiner Frau Marudmati, die lange kinderlos blieben und Shiva um einen Sohn baten. Shiva stellte sie vor die Wahl: einen Sohn von großer Begabung, der nur sechzehn Jahre leben würde, oder einen Sohn geringerer Gaben mit langem Leben. Sie wählten den begabten Sohn und nannten ihn Markandeya.

Markandeya wuchs zu einem glühenden Verehrer Shivas heran. Als sein sechzehntes Lebensjahr endete, kam Yama, der Herr des Todes, um ihn zu holen. Markandeya umarmte den Shiva-Lingam und flehte um Schutz. Yama warf seine Schlinge, die sich um den Jüngling und den Lingam zugleich legte. Da trat Shiva aus dem Lingam hervor, stieß Yama mit dem Fuß zurück und besiegte ihn. Markandeya aber wurde gesegnet, für immer sechzehn Jahre alt zu bleiben.

In dieser Gestalt als Kalasamharamurti, „Bezwinger der Zeit und des Todes“, wird Shiva in Tirukkadaiyur besonders verehrt. Die Legende ist eng mit dem Mahamrityunjaya Mantra verbunden, dem großen Gebet um Überwindung des Todes. Ihre geistige Botschaft reicht über die Frage nach der Lebensdauer hinaus: Wer sich ganz dem Göttlichen anvertraut, berührt eine Wirklichkeit, über die der Tod keine Macht hat.

Der Vollmond am Neumondabend

Im 18. Jahrhundert lebte in Tirukkadaiyur der Priester Abhirami Bhattar, ein inniger Verehrer der Göttin Abhirami. Als der Maratha-König Serfoji von Thanjavur ihn an einem Neumondtag nach dem Mondtag fragte, antwortete der in Versenkung versunkene Priester, es sei Vollmond, denn er sah das strahlende Antlitz der Göttin vor sich. Zur Strafe sollte er verbrannt werden, falls kein Vollmond erschiene.

Über einer Feuergrube begann Abhirami Bhattar, die Göttin in Versen anzurufen. Nach dem 79. Vers warf Abhirami einen ihrer Ohrringe in den Himmel, der wie der Vollmond erstrahlte. So entstand die Abhirami Antati, einer der beliebtesten tamilischen Hymnen an die göttliche Mutter. Das Ereignis wird jedes Jahr am Neumond des tamilischen Monats Thai gefeiert.

Stellung in der Tradition

Tirukkadaiyur gehört zu den 275 Paadal Petra Sthalams, den Shiva-Heiligtümern, die in den Hymnen des Tevaram besungen werden. Die großen Nayanmar-Dichter Appar, Sambandar und Sundarar haben den Herrn von Tirukkadavur in ihren Liedern gepriesen.

Außerdem zählt der Tempel zu den acht Ashta Veerattanam-Tempeln. Sie erinnern an acht Heldentaten Shivas, in denen er zerstörerische Mächte überwand. Tirukkadaiyur steht dabei für den Sieg über Yama, den Tod.

In der Nähe liegt der Tempel von Tirumayanam, der ebenfalls zu den im Tevaram besungenen Heiligtümern gehört und oft gemeinsam mit Tirukkadaiyur besucht wird.

Rituale für ein langes Leben

Wegen der Markandeya-Legende ist Tirukkadaiyur der bevorzugte Ort für Rituale, die langes Leben und Segen für das Alter erbitten. Besonders bekannt sind:

  • Shashtiabdapurti: die Feier des 60. Geburtstags, bei der Ehepaare gleichsam ihre Hochzeit erneuern.
  • Bhimaratha Shanti: das Ritual zum 70. Geburtstag.
  • Sathabhishekam: die Feier zum 80. oder 81. Lebensjahr, wenn ein Mensch tausend Vollmonde gesehen hat.

Täglich finden im Tempel zahlreiche solcher Zeremonien und Homas statt, oft mit dem Mahamrityunjaya Mantra. Viele Familien reisen dafür aus ganz Indien und aus dem Ausland an.

Anregungen für Yoga und Meditation

Die Markandeya-Geschichte kann zu einer Meditation über das Unvergängliche einladen. Wiederhole einige Male das Mahamrityunjaya Mantra oder Om Namah Shivaya und spüre dann in die Stille hinein, die bleibt, wenn Gedanken kommen und gehen.

Im Yoga kann Tirukkadaiyur daran erinnern, das Älterwerden nicht nur als Verlust, sondern als Zeit der Dankbarkeit und Vertiefung zu sehen. Die Rituale zum 60. und 80. Geburtstag feiern ein gelebtes Leben und öffnen es für den Segen des Göttlichen.

Symbolbild: Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.

Ein Ort, an dem der Tod seine Macht verliert

Tirukkadaiyur verbindet zwei große Geschichten der Hingabe: den Jüngling Markandeya, der sich an den Lingam klammert, und den Priester Abhirami Bhattar, der über dem Feuer singt. Beide zeigen, dass die Liebe zum Göttlichen stärker sein kann als Angst und Tod. So ist der Tempel bis heute ein Ort der Zuversicht für Menschen, die um Schutz, Gesundheit und ein gesegnetes Leben bitten.

Siehe auch

Quellen und Literatur

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