Ajita Agama

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Ajita Agama (Sanskrit: अजितागम, IAST: Ajitāgama) ist eine umfangreiche heilige Schrift des Shaivismus. Sie verbindet die Verehrung Shivas mit Mantra, innerer Sammlung, Initiation, Tempelbau und einer bis ins Einzelne ausgearbeiteten Ordnung des Rituals. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der grenzenlose Shiva im menschlichen Leben gegenwärtig werden kann: im Herzen, im heiligen Klang, im Linga, im Tempel und in einer von Hingabe getragenen Lebensführung.

Die hier vorgelegte Ausgabe enthält die vollständige deutsche Übersetzung des verfügbaren Kriyapada mit 103 Kapiteln und fünf Anhängen. Sie umfasst 6.898 nummerierte Texteinheiten sowie die vorhandenen unnummerierten Passagen. Kriyapada bedeutet „Abschnitt über das rituelle Handeln“. Die Vollständigkeit bezieht sich auf diese Textgrundlage; beschädigte Stellen und bereits in der Vorlage bestehende Lücken werden kenntlich gemacht.

Der vollständige Originaltext steht gesondert unter Ajita Agama Sanskrit IAST. Die Fassung in indischer Schrift steht unter Ajita Agama Sanskrit Devanagari. Eine Auswahl für die besinnliche Lektüre bietet Ajita Agama 108 Verse und Mantras.

Name und Bedeutung

Ajita bedeutet „unbesiegt“ oder „unbesiegbar“. Als Gottesbezeichnung verweist das Wort hier auf Shiva. Agama bezeichnet die überlieferte, in einer geistigen Lehrfolge empfangene Offenbarung. Der Titel lässt sich deshalb sinngemäß als „Überlieferung des Unbesiegten“ verstehen.

Das Ajita Agama beginnt mit einer Begegnung auf dem Berg Mandara. Vishnu, hier auch Achyuta und Janardana genannt, bittet den Herrn Umas um Unterweisung. Der Sprecher erscheint als Maheshvara, Mahadeva, Shankara beziehungsweise Rudra und entfaltet die von Shiva herkommende Lehre. Diese Namen stehen im Text teilweise für unterschiedliche Stufen der göttlichen Entfaltung. Die jeweiligen Zusammenhänge sind daher aussagekräftiger als eine pauschale Gleichsetzung sämtlicher Sprecherbezeichnungen.

Stellung in der Shaiva-Tradition

Das Ajita Agama gehört zur Überlieferung des Shaiva Siddhanta. Der Veröffentlichungskatalog des Institut Français de Pondichéry ordnet es dieser Schule zu und beschreibt den erhaltenen Stoff als Kriyapada.[1] Im ersten Kapitel erscheint das Werk innerhalb der traditionellen Gruppe der zehn Shiva-Agamas; daneben wird eine weitere Gruppe von achtzehn Agamas entfaltet. Diese Überlieferungsordnung gehört zum Selbstverständnis des Textes.

Das Wort Tantra bezeichnet hier eine umfassende religiöse Lehre und ihre Verfahren. Die Schwerpunkte des Ajita Agama sind Gottesverehrung, Tempelkultur, Mantra und Weihe. Eine Reduktion von Tantra auf Sexualrituale würde an diesem Werk vorbeigehen.

Überlieferung und historische Einordnung

Die Lehre stellt sich als göttliche Offenbarung dar. Das ist ihre religiöse Selbstaussage. Für die Geschichte des vorliegenden Textes ist zugleich mit einer gewachsenen Überlieferung zu rechnen: Die Kapitel unterscheiden sich in Ausführlichkeit und Erhaltungszustand; einzelne Themen kehren in abweichenden Fassungen wieder. Eine einheitliche Entstehungszeit aller 103 Kapitel und der Anhänge lässt sich aus der benutzten Textgrundlage nicht bestimmen.

N. R. Bhatt veröffentlichte die kritische Sanskritausgabe in drei Bänden, 1964, 1967 und 1991. Der erste Band umfasst Kapitel 1–35, der zweite Kapitel 36–54. Der dritte enthält weiteres, teilweise unvollständig überliefertes Material.[1] Die hier verwendete elektronische Sanskritvorlage nennt diese Ausgabe als Grundlage. Sie ersetzt deren kritischen Apparat nicht.

Aufbau des Ajita Agama

Die großen Themenbereiche greifen ineinander:

Kapitel Schwerpunkte
1–3 Offenbarung, Wesen Shivas und Entstehung des Linga
4–17 Linga, Materialien, Baugrund, Tempelarchitektur und Gründungsdepot
18–35 Linga-Weihe, Reinigung, tägliche Puja, Feueropfer, Mudras, Feste und Begießungen
36–62 Götterbilder, Tempelhallen, Begleitgottheiten und ihre Einweihung
63–79 Shiva-Verehrer, Verneigung, Feste, Erneuerung und Wiederheiligung; auch historische Gottesurteile
80–84 Initiation, nächtliche Verehrung, priesterliche Reinheitsregeln, Shasta und Merkmale des Guru
85–101 Weitere Feste und Ritualstoffe, Göttinnenverehrung, Kraftübertragung, Opferhallen und astrologische Zeitwahl
102–103 Die sechs kosmischen Wege und das shaivitische Ahnenritual
Anhänge 1–5 Schutzband, Shiva-Pavillon, Bhairava-Verehrung, Bali-Darbringung und weitere Sühneriten

Diese Übersicht fasst die Themen zusammen. Die Übersetzung selbst lässt auch wiederholte Anweisungen vollständig stehen. Unterschiedliche Varianten werden nicht zu einem neuen, vereinheitlichten Ritual kombiniert.

Shiva, Bewusstsein und Gnade

Kapitel 2 beschreibt Shiva als das höchste Selbst, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist. Er durchdringt die Gegensätze der Erfahrung und wird zugleich als jenseits von Sprache und Denken erkannt. Die Vielfalt der Welt steht damit innerhalb seiner Gegenwart. Die Aufzählungen dieses Kapitels führen durch Körper, Sinne, Elemente, Zeit, Wissen und Nichtwissen, bis die Aussage hervortritt: Alles ist von Shiva erfüllt.

Diese Weite hebt die persönliche Beziehung zu Shiva nicht auf. Der Text spricht wiederholt von seiner Gnade. Gerade weil der höchste Herr nicht durch Raum und Zeit begrenzt ist, kann er sich den Wesen zuwenden. In der Gestalt Sadashivas, in Mantra und Linga wird seine Gegenwart verehrbar.

Das Linga ist dabei ein Zeichen, durch das der bezeichnete Herr erkannt wird. Kapitel 3 erzählt von der grenzenlosen Feuersäule, deren Ende Brahma und Vishnu nicht finden. Die Erzählung kann zur Besinnung über die Grenzen des eigenen Wissens anregen: Erkenntnis wächst dort, wo Stolz in Staunen und Hingabe übergeht.

Shiva und Shakti

Shakti ist im Ajita Agama die göttliche Kraft, ohne die sich die Welt und die rituelle Gegenwart der Gottheit nicht entfalten. Kapitel 2 beschreibt eine Folge weiblicher Gottesgestalten, unter ihnen Manonmani, Gauri, Uma, Padma und Vani. In den Weihen werden Shiva und seine Shakti miteinander verbunden; die Verehrung umfasst beide.

Kapitel 96 unterscheidet die eigene, von Shiva nicht verschiedene Shakti von einer für bestimmte Wirkungen angenommenen Kraft. Weitere Unterscheidungen betreffen ihre Gestalten und die Anordnung ihrer Heiligtümer. Diese Aussagen sind zugleich theologisch und praktisch: Sie erklären Beziehungen der Gottheiten und regeln konkrete Tempelräume.

Für die innere Betrachtung verbindet sich damit das Bewusstsein des göttlichen Grundes mit der Aufmerksamkeit für seine wirksame Kraft. Diese spirituelle Lesart begleitet die rituelle Aussage; sie macht aus den detaillierten Bau- und Weihevorschriften keine bloßen Allegorien.

Pati, Pashu und Pasha

Die shaivitische Unterscheidung von Pati, Pashu und Pasha bietet einen hilfreichen Zugang: Pati ist der Herr, Pashu das gebundene Einzelwesen und Pasha die Bindung. Im Ajita Agama erscheinen Maya, Karma und die Anava-Bindung; die Initiation wird ausdrücklich als Befreiung von Fesseln beschrieben. Der vorliegende Kriyapada entfaltet daraus jedoch kein lückenloses philosophisches Lehrsystem.

Seine Aussagen betonen verschiedene Seiten des Weges. Einerseits wird Shiva als die alles umfassende Wirklichkeit verehrt. Andererseits bestehen im Ritual die Beziehungen zwischen Gottheit, Lehrer und Schüler. Für die Lektüre ist es hilfreich, beide Aussageweisen in ihrem jeweiligen Zusammenhang stehen zu lassen.

Guru und Initiation

Die Initiation verbindet den Schüler mit Shiva und der geistigen Überlieferung. Kapitel 80 nennt unter anderem Initiationen durch Blick, Berührung, Wort, Geist, Schrift, Yoga und Feueropfer. Es unterscheidet eine durch Erkenntnis getragene und eine durch rituelle Handlung getragene Initiation. Nicht jede Form hat dieselben Aufgaben und Befugnisse.

Der Guru trägt dafür Verantwortung. Kapitel 84 stellt die innere Eignung des Lehrers in den Vordergrund: Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Erkenntnis, Gelübdetreue und Freude am Wohl aller Wesen. Die Aussagen über körperliche Merkmale und erbliche Lehrerfamilien sind nicht durchgehend spannungsfrei. Die Übersetzung bewahrt diese Spannung. Für die heutige geistige Orientierung sind besonders die Verse über Mitgefühl und inneren Reichtum bedeutsam.

Mantra und Puja

Mantra ist hier mehr als die sprachliche Begleitung einer Handlung. Kapitel 18 nennt ihn höchste Erkenntnis und beschreibt die Beziehung zwischen Mantra und Gottheit als die zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem. Die Weihe setzt den Mantra in das Linga ein und eröffnet damit dessen rituelle Gottesgegenwart.

Die tägliche Puja in Kapitel 20 umfasst Reinigung, innere Vergegenwärtigung, Anrufung und äußere Gaben. Duft, Blumen, Wasser, Speise und Licht werden in einer bestimmten Reihenfolge dargebracht. Der Körper des Verehrenden wird durch Nyasa mit Mantras und göttlichen Kräften verbunden. Aufmerksamkeit und äußere Handlung gehören zusammen.

Viele Mantras nennt die Vorlage lediglich mit ihrem Namen oder Anfang. Diese Bezeichnungen sind keine vollständigen Rezitationstexte. Der ergänzende Praxisartikel unterscheidet daher ausgeschriebene Formeln von bloß genannten Mantras und verzichtet auf Ergänzungen aus anderen Überlieferungen.

Tempel und Ritual

Der Tempel gibt der Gottesverehrung einen dauerhaften Ort. Bodenprüfung, Grundstein, Sockel, Säule, Götterbild und Tempelfest stehen in einer gemeinsamen religiösen Ordnung. Der ausführliche Blick auf Handwerk und Maße zeigt, wie ernst das Ajita Agama die Gestaltung dieses Ortes nimmt.

Die Ordnung braucht auch Pflege. Zahlreiche Kapitel behandeln beschädigte Heiligtümer, unterbrochene Verehrung und die Wiederaufnahme des Kultes. Stiftungen und Versorgung gehören ebenfalls dazu: Kapitel 63 erwähnt Wasseranlagen, Schutz der Dörfer und die Verteilung von Nahrung. Gottesdienst hat hier eine gemeinschaftliche Seite.

Yoga und Meditation

Das innere Opfer im Herzenslotus gehört zu den klaren spirituellen Aussagen des Werkes. Kapitel 2 verbindet es mit einem durch den achtgliedrigen Yoga gereinigten Geist. Kapitel 20 beschreibt Atemlenkung, die Sushumna, die Reinigung der Elemente und die Vorstellung eines von göttlichem Nektar erfüllten Leibes. Diese Übungen stehen im Zusammenhang der priesterlichen Puja und setzen deren Schulung voraus.

Meditation richtet sich zugleich auf das Formlose und auf göttliche Gestalten. Das Ajita Agama beschreibt Shivas Bilder sorgfältig, ohne den höchsten Herrn auf einen materiellen Körper zu begrenzen. Kapitel 102 erklärt ausdrücklich, dass Begriffe wie Haut, Blut und Mark beim aus Mantra und Bewusstsein bestehenden Gotteswesen übertragen gebraucht werden.

Befreiung und spirituelle Praxis heute

Das Werk verspricht häufig sowohl Wohlergehen als auch Befreiung. Diese Ziele werden als Lebensgenuss beziehungsweise Erfahrungserfüllung und als Befreiung unterschieden. Kapitel 18 betont, dass Erkenntnis und der Yoga der Hingabe für die Befreiung unentbehrlich sind. Kapitel 80 verwendet das Bild des Erkenntnisfeuers, das Karma verbrennt.

Für heutige Yoga- und Tantra-Praktizierende ergeben sich daraus vor allem Anregungen zum aufmerksamen Verehren, zum regelmäßigen Studieren, zur ehrlichen Selbstprüfung und zum Mitgefühl. Wer die ausgewählten Verse liest, kann bei einer Aussage verweilen und prüfen, wie sie im eigenen Handeln Gestalt annimmt. Diese Form der heutigen Lektüre ist eine Anwendung des Textes; sie wird nicht als zusätzliche Vorschrift des Ajita Agama ausgegeben.

Der historische Text enthält daneben Standesordnungen, Ausschlüsse, Reinheitsvorschriften, astrologische Deutungen und Gottesurteile. Sie werden als historische Aussagen übersetzt. Ihre Wiedergabe bedeutet weder eine heutige Bewertung der betroffenen Menschen noch eine Bestätigung zugeschriebener Heil- und Strafwirkungen. Die ritualtechnischen Kapitel bleiben in ihrer überlieferten Gestalt lesbar; für die persönliche Besinnung dient die gesonderte Praxisauswahl.

Zur Lektüre der Übersetzung

Die Kennzeichnung nennt jeweils Kapitel und Vorlagenzahl, zum Beispiel 20.68. Bei den Anhängen bedeutet A3.1 „Anhang 3, erste nummerierte Einheit“. Doppelte Zahlen tragen einen zusätzlichen Buchstaben. Ein Sanskritvers kann einen Satz beginnen, der erst im nächsten Vers endet; die deutsche Fassung bewahrt deshalb gelegentlich übergreifende Sätze und Aufzählungen.

Unklare Lesungen, nicht auflösbare Maßangaben und erkennbare Lücken stehen in eckigen Klammern. Traditionelle Maße wie Angula, Hasta und Prastha sowie schwer eindeutig übersetzbare Fachbegriffe bleiben erhalten. Mantras werden benannt oder dem Sinn nach übersetzt; ihre genaue Lautgestalt findet sich im IAST-Artikel. Zwischen den deutschen Versen stehen keine Sanskritverse.

Deutsche Übersetzung Ajita Agama

Kapitel 1: Die Offenbarung des Tantra

1.1 Auf dem herrlichen Berg Mandara, schön und reich an lieblichen Höhlen, weilten Scharen von Göttern, Danavas, Gandharvas, Daityas und himmlischen Frauen.

1.2 Dort waren Yakshas, Rakshasas, die Fürsten der Nagas, Bhutas, Pretas und Pishachas, die göttlichen Mütter, Kimpurushas, Pramathas und die Nachkommen Garudas.

1.3 Verschiedene Vidyadharas, Kinnaras und Weise bevölkerten den Berg. Diese achtzehn Scharen belebten ihn; stets schenkte er Freude und Zufriedenheit.

1.4 Er widerhallte von den Stimmen munterer, wohlgenährter Vögel, darunter der Kuckucke. Unter der Last ihrer Blüten und Früchte neigten sich die Bäume.

1.5 Ringsum schmückten ihn mannigfaltige Bäume, Schlingpflanzen und Sträucher, Sandelbäume, Mandaras, Parijatas und wunscherfüllende Kalpa-Bäume.

1.6 Santana-Bäume bildeten dort Gärten. Die Wasserläufe der Ganga durchzogen das Gelände, und Schwäne, Wildenten, Kraniche und Chakravaka-Vögel belebten es.

1.7 Elefanten in ihrer Kraft, Löwen, Bären, Hirsche und Affen hielten sich dort auf. Die verschiedensten Lebewesen lebten zusammen und hatten ihre Feindschaft abgelegt.

1.8 Auf einem göttlichen Sitz, dessen Grundlage Dharma und die weiteren heiligen Kräfte bildeten, saß der Herr Umas, der Gott der Götter: mit Uma vereint und mit dem Mond geschmückt.

1.9 Brahma, Indra, Kubera, Sonne und Mond, Varuna, der Todesgott und Vayu, die Vasus, Adityas, Rudras und alle anderen Götter verehrten ihn.

1.10 Achyuta trat demütig zu diesem Lehrer der Welt und fragte ihn. Achyuta sprach: „Erhabener Herr der Götter, Vernichter der drei Städte, Shankara!

1.11 Einst hast du von Shiva das Tantra namens Ajita empfangen. Verkünde es mir, Herr der Götter, und erzähle zunächst von seiner Entstehung.“

1.12 So angesprochen, verkündete Mahadeva freudigen Herzens das Tantra. Sein Stirnauge strahlte. Dieser unvergängliche Gemahl der Bergestochter lehrte,

1.13 was er von Sushiva gehört hatte, dem großherzigen Achyuta. Maheshvara sprach über das Wesen des Klang-Brahman: „Zu Beginn der Schöpfung ging aus dem höchsten Shiva, dessen Wesen raumgleich ist,

1.14 der Klang hervor, daraus der Laut und aus diesem die höchste Gesamtheit der Laute. Sie umfasst neun Gruppen und gliedert sich in fünfzig Lautformen.

1.15 Diese neun Glieder enthalten die fünfzig Laute. Sie unterscheiden sich als Yoni und Bija. Diese Unterscheidung wird nun erklärt.

1.16 A, Ā, I, Ī, U, Ū, Ṛ, Ṝ, der kurze und lange vokalische L-Laut, E, Ai, O, Au sowie Aṃ und der Visarga-Laut bilden die erste Gruppe.

1.17 Ka, Kha, Ga, Gha und Ṅa bilden die zweite. Zur dritten gehören Ca, Cha, Ja, Jha und Ña.

1.18 Zur vierten gehören Ṭa, Ṭha, Ḍa, Ḍha und Ṇa. Ta, Tha, Da, Dha und Na

1.19 bilden die fünfte; Pa, Pha, Ba, Bha und Ma die sechste. Ya, Ra, La und Va bilden die siebte.

1.20 Śa, Ṣa und Sa gelten als achte Gruppe. Ha und Ḷa bilden die neunte. So ist die Folge dieser Glieder.

1.21 In Yoni und Bija unterschieden, tragen sie die Keimform aller Rede. Die sechzehn Laute von A bis zum Visarga heißen Bija.

1.22 Die vierunddreißig folgenden Laute heißen Yoni. Aus diesen fünfzig Lauten ist die ganze Fülle der Schriften hervorgegangen.

1.23 Das Wissen Shivas entfaltet sich in den verschiedenen Wissensformen, angefangen bei den Veden. Deshalb, Vishnu, heißt es befreiendes Wissen: Es ist ihre Ursache und führt hinüber.

1.24 Sein geheimer einzelner Laut wird Pranava genannt. Er umfasst die drei Gunas, die drei Welten, die drei Veden und die drei Götter,

1.25 die drei Kalas und die drei Tattvas. So erkenne ihn, Janardana. Zweierlei Brahman wird gelehrt: das Klang-Brahman und das höchste Brahman.

1.26 Das Höchste, das mit dem Wort Brahman bezeichnet wird, ist Shiva. Dasjenige, dessen Wesen Klang-Brahman ist, wird Sadashiva genannt.

1.27 Der Pranava ist unmittelbar der Leib Sadashivas, Janardana. Sadashiva, der Gott der Götter, ist der Ursprung aller Ursachen.

1.28 Doch auch ihm liegt als Ursache der höchste Shiva zugrunde. Weil dessen Wesen über Sprache und Denken hinausgeht, wird er der Höchste genannt.

1.29 Dieser ursprüngliche Grund wird hier Shiva genannt. Sadashiva hingegen ist als höchster Herr der Schöpfer und Erhalter.

1.30 Aus ihm entstand Maheshvara, aus diesem ich, Rudra. Aus mir gingst du hervor, und aus dir Brahma, der Urvater der Welt.

1.31 Sadashiva, der ewige ursprüngliche Gott, gewährte den Weltenherrschern, angefangen bei Mahesha, seine Gnade.

1.32 Er wollte durch uns die Entfaltung dieser gesamten Welt bewirken. Deshalb nahm er fünf Gesichter an und verkündete durch diese fünf Münder

1.33 die ganze Fülle der Schriften, angefangen bei den Veden. Denn wenn das aus Sprache bestehende Licht nicht leuchtete,

1.34 würde die Welt in der finsteren Dunkelheit des Nichtwissens versinken. So bedachte es der Herr der Götter und brachte zehn aus ihm hervorgegangene Söhne hervor.

1.35 Ihnen gab er zuerst das Wissen in zehn Formen: dem Pranava das Kamika und dem Sudha das Yogaja;

1.36 dem Sudipta das Chintya und dem Karana das Karana; dem Sushiva dieses Tantra und dem Isha das Dipta;

1.37 dem Sukshma das Sukshma-Tantra und dem Kala das Sahasraka; dem Dishesha das Suprabheda und dem Ambu das Amshumat.

1.38 Diese zehn Tantras, Hari, heißen die Shiva-Gruppe. Nun will ich dir die weitere Folge ihrer Lehrer nennen.

1.39 Von Pranava empfing Trikala das Kamika, von Trikala Dhara. Von Sudha erhielt Bhasma das Yogaja; von diesem empfing es Prabhu.

1.40 Das Chintya ging von Sudipta-Rudra an Gopati und von ihm an Ambika. Das Karana ging von Karana an Sharva und von diesem an Prajapati.

1.41 Dieses Tantra empfing ich von Shiva, und du hast es von mir empfangen. Das Dipta ging von Isha an Trimurti und von diesem an Hutashana.

1.42 Von Sukshma empfing es Vaishravana und von ihm Prabhanjana. Das Sahasra empfing Bhima von Kala und von ihm Dharma, Hari.

1.43 Das Suprabheda ging von Dishesha an Vighnesha und danach an Shashi. Das Amshumat empfing Ugra von Ambu und von diesem Ravi.

1.44 Damit ist die Shiva-Gruppe erklärt. Höre nun von der Rudra-Gruppe. Shiva brachte achtzehn Rudras hervor und gab ihnen ebenso viele

1.45 Tantras. Höre, Janardana, wie ich sie aufzähle: Dem Rudra namens Anadi gab Shiva das Vijaya.

1.46 Für Shrirupa wurde das höchste, von Paramesha verkündete Tantra bestimmt; für Dasharna das Nishvasa, für Shulin das Prodgita.

1.47 Shanta erhielt das Mukhabimba, Bindu das Siddha, Shivanishta das Santana und Saumya das Nrisimha.

1.48 Ananta erhielt das Chandrajnana, Nikhilatman das Vimala, Nidhana das Svayambhuta und Tejas das Vira.

1.49 Brahmanesha erhielt das Raurava, Shiva das Makuta, Devatarkshya das Kirana und Alaya das Lalita.

1.50 Vyoman erhielt das Anala und der Shiva Genannte das Vatula. Diese Rudras gingen aus Shiva hervor und empfingen auf seine Weisung ihre Tantras.

1.51 Damit sind die ersten Empfänger genannt. Höre nun auch von den zweiten: Von Anadi-Rudra empfing Parameshvara das Vijaya.

1.52 Von Shrirupa empfing der Weise Ushanas das Paramesha. Von Dasharna erhielt die Bergestochter das Nishvasa.

1.53 Von Shulin empfing Kavacha, der vorzügliche Weise, das Prodgita. Von Prashanta erhielt der große Weise Dadhichi das Mukhabimba.

1.54 Von Bindu empfing der Gana Chandeshvara das Siddha-Tantra. Von Shivanishtha erhielt Shamshapayana das Santana.

1.55 Von Saumya empfing Nrisimha das große Narasimha. Von Ananta erhielt der Götterpriester das Chandrajnana.

1.56 Von Nikhilatman empfing Virabhadra, der Herr der Scharen, das Vimala. Von Nidhana erhielt der Lotusgeborene das Svayambhuta.

1.57 Von Tejas empfing Prajapati das Vira. Von Brahmanesha erhielt Nandikeshvara das Raurava.

1.58 Von Shiva empfing Mahadeva das Makuta. Von Devatarkshya erhielt der Weise Samvartaka das Kirana.

1.59 Von Alaya empfing es derjenige, der die Gestalt Rudra-Bhairavas trägt: das Lalita. Von Vyoman erhielt Hutashana das Anala.

1.60 Von Shiva empfing Mahakala das Vatula-Tantra. Diese achtundzwanzig Tantras, Hari, sind wiederum in weitere Überlieferungen gegliedert.

1.61 Ich will dir zu jedem Tantra die überlieferten Unterteilungen und seinen Umfang nennen: Vaktara, Narasimha und Bhairavottara

1.62 sind die drei Unterteilungen des Kamika; sein Umfang wird als Parardha angegeben. Vina, Taraka und Shivottara,

1.63 Atmayoga sowie Santa ergeben zusammen die fünf Unterteilungen des Yogaja. Sein Umfang beträgt ein Laksha, hunderttausend Texteinheiten.

1.64 Suchintya, Subhaga, Vama, Papanasha, Parodbhava und das Tantra Sudhabimba sind die sechs Unterteilungen des Chintya.

1.65 Sein Umfang wird mit dreihunderttausend angegeben. Pavana, Marana, Daurga, Mahendra, Bhimasamhita,

1.66 Vidvesha und Karana bilden die sieben Unterteilungen des Karana. Sein Umfang beträgt eine Koti, zehn Millionen. Parvatiya,

1.67 Prabhuta, Parodbhuta und Padma heißen die vier Unterteilungen des Ajita; sein Umfang beträgt ein Ayuta, zehntausend Texteinheiten.

1.68 Amitaujas, Ananda, Adbhuta, Abda, Ameya, Acchadya und Madhavodbhuta,

1.69 Asamkhya und Amrita gelten als die neun Unterteilungen des Dipta. Sein Umfang wird mit einem Niyuta angegeben. Das Sukshma besitzt keine Unterteilung.

1.70 Dessen Umfang wird als Padma bezeichnet. Ajita, Vibudha, Vishuddha, Anga, Hasta und Jatibhak,

1.71 Alamkara, Subodha, Prabuddha und Aprameyaka bilden die zehn Unterteilungen des Sahasra. Als sein Umfang wird Shankha genannt.

1.72 Vasava, Kashyapa, Nilalohita, Bhutatantraka, Vidyapurana, Aindra und Atmalamkara,

1.73 Vasishtha, Gautama, Brahma, Ishanottara und Prakarana gelten als die zwölf Unterteilungen des Amshumat.

1.74 Sein Umfang beträgt, Vishnu, fünfhunderttausend. Das Suprabheda hat keine Unterteilungen; sein Umfang beträgt drei Kotis, dreißig Millionen.

1.75 Athodbhava, Vijaya, Saumya, Mrityunashana, Aghora, Kaubera und Mahaghora

1.76 sowie Vimala bilden die Unterteilungen des Vijaya, dessen Umfang drei Kotis beträgt. Padma, Hamsa, Samanya, Matanga, Yakshaka,

1.77 Pushkala und Supriyayoga werden beim Paramesha genannt. Seine sieben Unterteilungen umfassen zwölf Lakshas, eine Million zweihunderttausend Texteinheiten.

1.78 Nishvasottara, Nishvasa, Nishvasakarika, Nishvasanayana und Guhyanishvasa,

1.79 Aghoranishvasa, Nishvasamukhodaya und Sudhanishvasa bilden die acht Teile des Nishvasa.

1.80 Der Umfang des Nishvasa wird als eine Koti angegeben. Varuna, Kavacha, Pashabandha und Pingala,

1.81 Kusha, Dandadhara, Dhanurveda, Shivajnana, Kosha, Kalajnana und Gita,

1.82 Bharata, Sarpabhrishta, Ayurveda, Dhanurdhara und Atodya heißen die sechzehn Unterteilungen des Prodgita.

1.83 Sein Umfang entspricht dreihunderttausend. Chaturvaktra, Samstobha, Pratibimba und Yogaja,

1.84 Arthalankara, Aishanya, Tutinira, Kotika, Kuttima, Tulayoga und Tulapratyaya,

1.85 Mahavidya, Mahasaura, Pattashekhara und Nairrita bilden die fünfzehn Unterteilungen des Bimba.

1.86 Sein Umfang beträgt hunderttausend, verteilt auf seine Unterteilungen. Sarottara, Aushanasa, Shala und Shashimandala

1.87 sind die vier Unterteilungen des Siddha; sein Umfang beträgt anderthalb Kotis. Lingadhyaksha, Suradhyaksha, Shankara und Maheshvara,

1.88 Asamkhya, Anala und Dvandva bilden die sieben Unterteilungen des Santana. Sein Umfang beträgt hunderttausend.

1.89 Ishana, Shivadharma, Shivadharmottara, Divyaprokta und Kubera bilden fünf Unterteilungen.

1.90 Sie gehören zum Narasimha, dessen Umfang mit zweihunderttausend angegeben wird. Sthira, Sthanu, Mahanta, Nandisha und Nandikeshvara,

1.91 Ekapadapurana, Shankara, Nilarudra, Shiva, Chandra, Kalpabheda und Shivashasana,

1.92 Shivashekhara und Devimata bilden die vierzehn Unterteilungen des Chandrajnana. Sein Umfang beträgt drei Kotis.

1.93 Ananta, Bhoga, Akranta, Vrishaguhya, Vrishabha, Vrishodara, Vyatibhuta und Raudraka,

1.94 Sudanta, Bhedaka, Arevata, Alamkrita, Atikranta, Attahasa, Bhadra und Acchidra

1.95 heißen die sechzehn Unterteilungen des Vimala; sein Umfang beträgt drei Kotis. Prajapatimata und Padma gelten als zwei Unterteilungen

1.96 des Svayambhuva, dessen Umfang anderthalb Kotis beträgt. Prastara, Phulla, Amala und Prabodhaka,

1.97 Amoha, Mohasamaya, Shakatayita, Bhadra, Vilekhana, Vira, Hala, Bodha und Bodhaka

1.98 werden als die dreizehn Unterteilungen des Vira genannt. Sein Umfang wird als Niyuta angegeben. Kala, Kaladahana, Raurava und Rauravottara,

1.99 Mahakalamatam und Aindra bilden die sechs Unterteilungen des Raurava. Für dieses ausgezeichnete Tantra wird ein Umfang von acht Arbudas angegeben.

1.100 Makutottara und Makuta gelten als die zwei Unterteilungen des Makuta. Sein Umfang beträgt hunderttausend.

1.101 Garuda, Nairrita, Nila, Rukshabhanu, Yava, Dharma, Kala, Prabuddha und Dhenu

1.102 werden als die neun Unterteilungen des Kirana genannt. Sein Umfang beträgt fünf Kotis. Lalitottara und Kaumara sind die zwei Teile des Lalita.

1.103 Dessen Umfang beträgt achttausend. Das Agneya hat keine Unterteilung; sein Umfang beträgt drei Ayutas, dreißigtausend Texteinheiten.

1.104 Vatula-Uttara, Kalajnana, Purohita, Sarva, Sarvatmaka, Nitya, Shreshtha, Shuddha und Mahatmaka,

1.105 Vishva, Vishvatmaka und Tattva sind die zwölf Unterteilungen des Vatula. Sein Umfang wird mit hunderttausend angegeben.

1.106 Kamika, Yogaja, Chintya, Karana, Ajita, Dipta, Sukshma, Sahasra, Amshumat und Suprabheda:

1.107 Diese zehn Tantras samt ihren Unterteilungen und die vier Veden mit ihren Hilfswissenschaften gingen aus Shivas oberem Gesicht hervor.

1.108 Vijaya, Paramesha, Nishvasa, Prodgita und Mukhabimba gingen aus dem Gesicht Sadyojata hervor.

1.109 Siddha, Santana, Nrisimha, Chandrabhasaka und Vimala gingen aus dem Gesicht Vamadeva hervor.

1.110 Svayambhuva, Vira, das höchste Tantra Raurava, Makuta und Kirana gingen aus dem Gesicht Aghora hervor.

1.111 Lalita, Agneya und Vatula, diese drei samt ihren Unterteilungen, gingen aus dem Lotusgesicht hervor, das Purusha genannt wird.

1.112 Dieser Ozean der Tantras gliedert sich in achtundzwanzig Formen. Die vier Lebensziele durchdringen ihn, wie Butter die Sauermilch durchdringt.

1.113 Du, Purushottama, beschützt die Welten. Du möchtest denen, die sich darum bemühen, das Beste gewähren: Dharma, Wohlstand, erfülltes Verlangen und Befreiung.

1.114 Darum hast du mich nach einem Tantra gefragt, das mit leicht zugänglichen Mitteln großen Nutzen bringt. Ich gebe dir diese von Shiva verkündete und auf Shiva ausgerichtete Lehre.

1.115 Sie entfaltet umfassend die Bedeutungen, die auf Tattvas und Mantras beruhen, und gewährt den Menschen Schutz. Deshalb wird sie Tantra genannt.

1.116 Dieses Tantra ist eine Gestalt Shivas. Zuerst erkläre ich wahrheitsgemäß sein Wesen.“

Hier endet im Kriyapada des großen Tantra namens Ajita das erste Kapitel: die Offenbarung des Tantra.

Kapitel 2: Das Wesen Shivas

2.1 Shiva steht über allem. Er ist der Unerschütterliche, das höchste Selbst, Maheshvara. Sein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit; er ist frei von der Begrenzung durch offenbarte und nicht offenbarte Erscheinungsformen.

2.2 Er allein durchdringt alles und wird von den Weisen Brahman genannt. Das Grobe, das Feine und das Höchste, das Offenbare, das Unoffenbare und beides zusammen;

2.3 das Äußere, das Innere und beides zusammen, das Ewige, das Vergängliche und das, was an beidem Anteil hat;

2.4 das Männliche, das Weibliche und als Drittes das Geschlechtslose; Wachen, Träumen und Tiefschlaf, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft;

2.5 das Unsichtbare, das Sichtbare und beides zusammen; das Tun in Worten und Gedanken; das Erkenntnismittel, der Erkennende und das zu Erkennende;

2.6 die Bereiche Atman, Vidya und Shiva; der Erfahrende, das zu Erfahrende und der Gegenstand des Genusses; das durch Maya Bedingte, die Anava-Bindung, das Karma, Wissen und Nichtwissen;

2.7 Licht und Dunkelheit, Grobes und Feines, Nähe und Ferne, das Aufzugebende und das Anzunehmende;

2.8 die regelmäßigen und die anlassgebundenen Handlungen, das Höhere und das Niedere, das Zusammengezogene und das Ausgebreitete, Wahrheit und Unwahrheit;

2.9 Sein und Nichtsein, o Bester der Götter, Schöpfer und Erhalter, das Erfreuliche, das Unerfreuliche und das Gemischte;

2.10 das Bezeichnete und das Bezeichnende, das Tragende und das Getragene, Kälte und Hitze, Freude und Schmerz;

2.11 Reinheit und Unreinheit, Sanftheit und Schärfe, Zuneigung und Abneigung der Lebewesen, Anstrengung und Trägheit;

2.12 das Hohe und das Niedrige, Gedeihen und Misslingen, gute und schlechte Verfassung, das Bewegliche und das Unbewegliche:

2.13 Dies alles ist der Herr selbst. Außer ihm gibt es nichts. Er ist Prakriti, Mahat und Ahamkara,

2.14 die feinen Grundlagen von Klang, Berührung und sichtbarer Gestalt, von Geschmack und Geruch sowie Gehör, Haut und Auge,

2.15 Zunge und Geruchssinn, Sprechorgan, Hände und Füße, Ausscheidungs- und Zeugungsorgan, der Geist, die fünf Elemente von der Erde an und Purusha.

2.16 Er ist Raga, Maya, Vidya, Kala und Niyati, der Herr des Wissens, Shakti und die reine Maya.

2.17 Als reine Erkenntnis, reine Kala, Sadashiva und Shiva wird er erkannt. Er ist Ishvara; er ist auch ich und du.

2.18 Er ist Brahma und die Schöpfer der Geschöpfe, angefangen bei Kashyapa. Er ist die sieben Weisen, Mond und Sonne, die Herren der Gestirne.

2.19 Er ist der König der Götter, Kubera und Varuna, Yama, Agni, der Herr der Nagas, Nirriti und Vayu.

2.20 Er ist Ishana, alle Anführer der Scharen, die acht Vasus und die elf Rudras sowie die übrigen vorzüglichen Götter und Danavas.

2.21 Die acht Arten göttlicher Wesen, die fünf Arten tierischer Geburt, die Menschen und die gesamte Welt: All dies wird Shiva genannt.

2.22 Die vier Veden sprechen in ihrer geheimen Lehre von ihm. Im Siddhanta und im Bhutatantra, im linken und im rechten Überlieferungsstrom,

2.23 in den Bhairava-Lehren und anderen Lehren, etwa denen über Pashu und Pashupati, in den Vishnu-Tantras, im Buddhismus und in der Lehre von den Welthütern,

2.24 in den achtzehn Puranas, den sechs Hilfswissenschaften und weiteren Wissenschaften, in allen Yoga-Schriften, in Nyaya, Vaisheshika und anderen Lehrsystemen:

2.25 Was immer die Weisen dort prüfen und als Wirklichkeit bezeichnen, das ist dieser ewige Herr der Götter, der Shiva genannt wird.

2.26 Frei von Anfang, Mitte und Ende, von Natur aus makellos, allwissend und vollkommen: So soll man Shiva gemäß den Shiva-Agamas erkennen.

2.27 Er ist durch Raumrichtungen, Zeit und andere Bestimmungen nicht begrenzt. Er liegt jenseits von Sprache und Denken, ist ohne Teile und ohne Tätigkeit, durchdringt alles und sieht immer alles.

2.28 Ihn zu verehren ist das innere Opfer. Es wird von Yogis vollzogen, von Menschen, die sich der Yoga-Praxis widmen, in der Mitte des Herzenslotus.

2.29 Dort verehren ihn jene, deren Geist durch den achtgliedrigen Yoga, beginnend mit Yama, gereinigt ist. Anderen ist diese Form der Verehrung nicht zugänglich. Sie zeichnet sich vor anderen Verehrungshandlungen aus.

2.30 Ohne seine Verehrung gewinnen die verkörperten Wesen durch andere Handlungen nicht das höchste Heil. Doch die Befähigung zu diesem inneren Opfer entsteht nur bei einzelnen Menschen.

2.31 Zur äußeren Verehrung hingegen können auch diejenigen befähigt sein, deren Erkenntnis noch begrenzt ist. Dies erkannte Shiva, der Herr der Götter, der im Inneren aller Wesen wohnt.

2.32 Um der Welt seine Gnade zu schenken und den Lebewesen Erfahrungserfüllung und Befreiung zu gewähren, wurde Shiva unmittelbar zu Sadashiva, dessen Leib aus den fünf Brahma-Formen besteht.

2.33 Aus ihm ging Ishvara hervor, der unvergängliche Ursprung aller Götter. Aus diesem entstand ich; aus mir gingst du hervor, Lehrer der Welt.

2.34 Aus dem Lotus deines Nabels entstand der ungeborene Brahma, der Urvater der Welt. Die in Shiva gründende Erkenntniskraft wird auch Maya genannt.

2.35 Andere nennen sie Mula-Prakriti, die Urnatur. Auch sie besteht in fünf Gestalten, die als Ursache und Wirkung miteinander verbunden sind. Höre, wie sie sich entfaltet.

2.36 Ihre Gestalt als Göttin Manonmani ist mit Sadashiva verbunden. Aus ihr ging Gauri hervor, die mit Maheshvara verbunden ist.

2.37 Aus Gauri entstand Uma, meine geliebte Gefährtin. Aus ihr ging Padma hervor, die mit dir, Vishnu, verbunden ist.

2.38 Aus Padma entstand Vani, die mit Brahma verbunden ist. Brahma erschuf diese ganze Welt, ohne etwas auszulassen.

2.39 Du erhältst sie, und ich löse sie wieder auf. So besteht unter uns der Zusammenhang von Ursache und Wirkung.

2.40 In Sadashiva und den weiteren Gestalten ist Shiva als ihr eigentliches Wesen gegenwärtig. In ihm allein besteht die reine Ursächlichkeit.

2.41 Diesen unvergänglichen Sadashiva verehren wir, angefangen bei Maheshvara, und alle Lebewesen dieser Welt im Linga.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das zweite Kapitel: die Erklärung des Wesens Shivas.

Kapitel 3: Die Entstehung des Linga

3.1 Nun will ich dir die Entstehung des Linga erklären. Höre, Lotusäugiger: Das Zeichen eines Wesens lässt dieses Wesen erkennbar werden.

3.2 Das Zeichen Sadashivas wird Shiva-Linga genannt. Mahadeva ist der unveränderliche Grund, die Ursache aller Ursachen.

3.3 Derjenige, der dein Ursprung ist, hat wiederum seinen Ursprung in mir; und auch mein Ursprung ist Sadashiva. Einst aber wart ihr beide von Verblendung bedrängt, obwohl ihr allwissend und allgegenwärtig seid.

3.4 Narayana und Brahma, ihr wart nicht imstande, mich zu erkennen. Ihr strittet um eure gegenseitige Überlegenheit und wart von Stolz und Verblendung erfüllt.

3.5 Jeder dachte: „Niemand steht über mir!“ Voll gegenseitiger Eifersucht und Zorn wolltet ihr einander töten, als die Weltauflösung eingetreten war.

3.6 Als Shiva, der Ursprung aller Götter, dessen Leib das Klang-Brahman ist, diese Verblendung bei euch beiden Götterherrschern sah,

3.7 nahm der höchste Herr die Gestalt einer flammenden Säule an. Um euch Erkenntnis zu schenken, stand er wundersam zwischen euch.

3.8 Ihr beiden hervorragenden Götter stauntet über alle Maßen. „Was ist das?“, dachtet ihr und machtet euch daran, es zu erforschen.

3.9 In Gestalt eines Schwans und eines Ebers bewegtet ihr euch nach oben und nach unten, um das Ende dieser Linga-Gestalt zu finden.

3.10 Doch ihr beiden Herren aller Welten kehrtet erfolglos zurück. Ihr verneigtet euch vor dem Herrn der Götter, prieset ihn und stelltet euch zu seinen beiden Seiten.

3.11 Als Shiva, der Herr aller Götter, eure Hingabe sah, entsandte er Ishvara, der euch beiden Erkenntnis schenken sollte.

3.12 Dieser Shankara, der Herr der Götter, sprach zu euch: „Ihr kennt den unvergänglichen Herrn, den Ursprung von allem, noch nicht:

3.13 Sadashiva, den großen Gott, Ishana, den Führer der Götter. Ich, Rudra und ihr beide – wir alle sind aus seiner Gnade hervorgegangen.

3.14 Dies hier ist sein Linga. Ich, Rudra und ihr beide wollen stets solche Lingas aus verschiedenen Materialien nach unserem Vermögen anfertigen

3.15 und darin den Herrn der Götter verehren. Wenn der Allwissende im höchsten Teil des Linga verehrt wird, schenkt er Erkenntnis, damit die Verblendung für immer zur Ruhe kommt.

3.16 Wenn die vierzehn Arten der Lebewesen sehen, wie wir ihn verehren, werden auch sie dieses Linga verehren. Diese Verehrung wird ihnen Heil schenken.“

3.17 Nachdem Ishvara dies gesprochen hatte, verschwand er sogleich zusammen mit dem Linga. Bei der Weltauflösung gehen alle Wesen darin zur Ruhe,

3.18 und aus ihm treten sie wieder hervor: Deshalb wird es Linga genannt. Wenn dieses Linga vollkommen verehrt wird, sind damit alle Götter verehrt.

3.19 Weil du an diesem Geschehen selbst beteiligt warst, kennst du es schon, Vishnu. Dennoch habe ich es erzählt, weil es hier in die Folge der Tantra-Lehre gehört.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das dritte Kapitel: die Entstehung des Linga.

Kapitel 4: Gestalt und Merkmale des Linga

4.1 Nun erkläre ich die vorzüglichen Merkmale des Linga. Drei Formen werden gelehrt: eine offenbar gestaltete, eine nicht figürlich gestaltete und eine, die beides verbindet.

4.2 Die offenbar gestaltete Form ist das Bildnis; die nicht figürlich gestaltete heißt Shiva-Linga. Das Mukha-Linga, das Linga mit Gesicht, ist die dritte und verbindet beide Formen.

4.3 Das höchste, nicht figürlich gestaltete Linga wird Sadashiva zugeordnet. Das Mukha-Linga gehört zu Ishvara; die offenbar gestaltete Form gehört zu Rudra.

4.4 Erkenne also, Janardana: Das figürliche Linga ist meine Form. Zuerst beschreibe ich die nicht figürlich gestaltete, o Bester der Götter.

4.5 Sein Maß soll sich nach den Maßen des jeweiligen Tempels richten. Man bestimme daher zuerst den Tempel und leite das Maß des Linga aus dem Heiligtumsraum, aus Hasta-Maßen

4.6 oder aus den Maßen des Eingangs ab. Für jedes dieser Verfahren gibt es neun Abstufungen. Das Linga, das alle Lebensziele verwirklichen hilft, trägt das Wesen von Brahma, Vishnu und Shiva.

4.7 Teilt man das Maß des inneren Heiligtums in fünf Teile, so beträgt das größte und beste Linga drei davon. Das kleinste der unteren Stufe entspricht der Hälfte des Heiligtumsmaßes. Die sieben dazwischenliegenden Größen erkläre ich nun.

4.8 Man teile den Unterschied zwischen dem größten und dem kleinsten Maß in acht gleiche Teile. Durch schrittweise Vergrößerung um jeweils einen Teil entstehen die neun Linga-Größen vom kleinsten bis zum größten.

4.9 Beim Maß nach Hasta beträgt das größte Linga neun Hasta, das kleinste einen Hasta. Durch Zunahme um jeweils einen Hasta ergeben sich der Reihe nach neun Größen.

4.10 Das größte Linga kann auch der Höhe des Eingangs entsprechen, das kleinste einem Drittel davon. Teilt man den Zwischenraum wieder in acht gleiche Stufen, entstehen wie zuvor neun Größen.

4.11 Edelstein, Stein, Metall und Holz gelten als geeignete Materialien; mit Ton ergeben sich fünf. Höre nun die vollständige Aufzählung ihrer Arten.

4.12 Neun Arten von Edelsteinen, vier Arten von Stein und acht Metalle werden genannt. Bei Holz gibt es neun Arten von Lingas, beim Ton-Linga zwei.

4.13 Rubin, Perle, Diamant, Saphir, Vaidurya, grüner Edelstein, Pushyaraga, Bergkristall und Koralle sind diese neun Edelsteine.

4.14 Weißer, roter, gelber und schwarzer Stein werden der Reihe nach den Brahmanen und den weiteren Varnas zugeordnet. Auch für die in Anuloma-Verbindungen Geborenen sind entsprechende Steine zu wählen. Schwarzer Stein darf für alle Varnas verwendet werden.

4.15 Gold, Silber, Bronze, Kupfer, Zinn, Messing, Eisen und Blei: Diese acht Metalle gelten in reiner Beschaffenheit als geeignet für die Herstellung eines Linga, Vishnu.

4.16 Bilva, Shami, Sandelholz, Devadaru, Ashvattha, Karanja, Arishta, Khadira und Madhuka sind die neun genannten Bäume. Ihr festes Kernholz ist für das Linga geeignet.

4.17 Das irdene Shiva-Linga ist zweifach: gebrannt oder ungebrannt. Höre nun, wie der Ton behandelt wird, damit er Festigkeit erhält.

4.18 Weißer, rötlicher oder gelber Ton wird für die Herstellung des Linga empfohlen. Man entnehme ihn einem reinen Ort, säubere ihn und benetze ihn mit Triphala-Wasser.

4.19 Diesem angefeuchteten Ton füge man Pulver aus der Rinde milchsaftführender Bäume hinzu, ferner eine Mischung aus Weizen und Masha-Bohnen mit Ghee sowie Milch, Sauermilch und Öl.

4.20 Man gebe Guggulu und das Fruchtmark des Bilva hinzu und knete alles wiederholt gründlich durch. Nachdem der Ton einen Monat gelagert hat, forme man daraus Shivas Linga nach den vorgeschriebenen Merkmalen.

4.21 Aus einem der fünf genannten Materialien fertige man das gewünschte Linga. Es gibt bewegliche und feststehende Lingas. Das bewegliche besteht nur aus dem Shiva-Teil.

4.22 Ein solches bewegliches Linga kann zwischen einem Angula und einem Tala groß sein. Das unbewegliche Linga ist für die feste Einsetzung in einen Tempel bestimmt.

4.23 Sein unterer, mittlerer und oberer Teil entsprechen Brahma, Vishnu und Shiva. Der Brahma-Teil ist viereckig, der Vishnu-Teil achteckig.

4.24 Der Shiva-Teil ist rund. So besteht es aus drei Abschnitten. Das nicht figürlich gestaltete, feststehende Linga aus Stein oder Gold ist mit diesen drei Teilen versehen.

4.25 Den Stein, dessen vorgeschriebenes Maß bestimmt wurde, richte man zunächst vierkantig zu. Sein Umfang soll dem Längenmaß entsprechen. Dann teile ihn der Kundige in drei Abschnitte.

4.26 Den unteren Teil lasse man unverändert. Die beiden darüberliegenden Teile arbeite man durch Abnehmen der Ecken um das halbe Diagonalmaß achteckig aus.

4.27 Am Shiva-Teil bilde man die entsprechende weitere Unterteilung und schneide die Kanten schrittweise ab, bis er rund ist. So entsteht die Gestalt des Linga.

4.28 Das Umfangsmaß des achteckigen Teils wird hier als die Hälfte des vierkantigen angegeben, das des runden Teils wiederum als dessen Hälfte. Ein so gestaltetes Linga wird von den Göttern verehrt.

4.29 Man nehme die Länge des Linga, halbiere sie und teile diese Hälfte in acht Teile. Fünf davon ergeben den Durchmesser der höchsten Ausführung.

4.30 Teilt man die Länge in einundzwanzig Teile, entsprechen sechs, fünf oder vier Teile dem Durchmesser der vorzüglichen, mittleren oder geringeren Ausführung.

4.31 Oder man teile die Länge in fünfundzwanzig Teile. Acht, sieben oder sechs Teile bestimmen dann wie zuvor den Durchmesser des Linga.

4.32 Damit sind die Durchmessermaße für die vier Linga-Arten genannt. Nun wird ihre vierfache Einteilung der Reihe nach erklärt.

4.33 Die erste heißt Sama, die gleichteilige; die zweite Vardhamana, die anwachsende; die dritte Shivadhika, bei der Shivas Anteil überwiegt; und die vierte Svastika. Ihre Unterscheidung ergibt sich aus der Aufteilung ihrer Abschnitte.

4.34 Beim ersten Linga sind die Höhenanteile von Brahma, Vishnu und Shiva gleich. Ihre Querschnitte sind viereckig, achteckig und rund. Beim Vardhamana wird die Höhe in vierundzwanzig Teile geteilt: sieben für Brahma, acht für Vishnu und neun für Shiva.

4.35 Beim Shivadhika wird die Höhe in zehn Teile geteilt. Drei entfallen auf den Lotusgeborenen, drei auf Vishnu und vier auf Shiva.

4.36 Beim vierten, dem Svastika-Linga, wird die Gesamthöhe in elf Teile geteilt: drei für Brahma, vier für Vishnu und ebenso vier für Shiva.

4.37 Vardhamana und Shivadhika werden für alle vier Varnas genannt. Soll jedoch eine abgestufte Zuordnung erfolgen, sind alle vier Formen den Brahmanen zugänglich.

4.38 Für Könige werden die drei Formen vom Vardhamana an genannt. Für Kaufleute sind es die beiden Formen vom Shivadhika an.

4.39 Für Shudras wird nur die letzte Form, das Svastika-Linga, genannt. Nun folgt die Gestaltung des oberen Abschlusses dieser Lingas.

4.40 Vier Formen werden beschrieben. Höre ihre Ausführung: die Form eines Hühnereis, die eines Schirms,

4.41 die einer Mondsichel und die einer Gurke. Teilt man die Breite des oberen Abschlusses in vier Teile, wird seine Rundung mit zwei Teilen ausgeführt:

4.42 So entsteht die eiförmige Gestalt. Wird dieselbe Breite in acht Teile geteilt und die Rundung mit zwei Teilen ausgeführt, entsteht der schirmförmige Abschluss.

4.43 Teilt man die Breite des Linga in drei Teile und führt die Rundung mit zwei Teilen aus, gilt sie als einer Mondsichel ähnlich. Bei einer Teilung in sechs Teile

4.44 ergibt eine Rundung mit zweieinhalb Teilen die Gurkenform. Die Gurkenform wird den Brahmanen, die Schirmform den Königen zugeordnet.

4.45 Den Vaishyas wird die Mondsichelform, den Shudras die Eiform zugeordnet. Die Schirmform kann jedoch für Menschen aller Gruppen verwendet werden.

4.46 Alle vier Formen sind den Brahmanen zugänglich, die drei von der Schirmform an den Königen. Den Vaishyas werden die beiden von der Mondsichelform an genannt.

4.47 Für die Shudras wird nur die Eiform genannt, Hari. Damit ist die Gestaltung des oberen Abschlusses erklärt. Höre nun vom Dhara-Linga mit seinen Kanten.

4.48 Ein Sadhaka soll ein mit Kanten versehenes Linga verehren, Janardana. Je nachdem, welche Frucht er erstrebt, wird die entsprechende Linga-Form genannt.

4.49 Drei Kanten gelten als wunscherfüllend, zwei als förderlich für Nachkommenschaft, eine als feindevernichtend und fünf als reichtumspendend.

4.50 Sieben Kanten werden dem Erzeugen von Feindschaft, neun der Vertreibung zugeordnet; elf dem Hervorrufen von Krankheit und dreizehn dem Auszehren.

4.51 Fünfzehn Kanten gelten als glückbringend, sechs als genussfördernd. Acht werden dem Zufügen von Leid, zwölf dem Erregen von Furcht zugeordnet.

4.52 Sechzehn Kanten dienen besonders dem Wohlergehen der Praktizierenden. Damit sind die den Kanten zugeschriebenen Wirkungen erklärt. Nun folgen die Wirkungen der Edelsteine.

4.53 Rubin gilt als Spender von Glück und Wohlstand, Saphir als ruhmfördernd, grüner Edelstein als fruchtbringend und Perle als Mittel zur Befreiung von Fehlern und Belastungen.

4.54 Koralle wird der Macht, andere für sich zu gewinnen, zugeordnet, Diamant der Herrschaft, Vaidurya der Überwindung von Feinden und Pushyaraga glücklicher Lebensfügung.

4.55 Bergkristall gilt als Erfüller aller Wünsche, Janardana. Am besten besteht die Yoni-Unterlage aus demselben Material; als mittlere Ausführung gilt eine goldene Unterlage.

4.56 Eine silberne Unterlage gilt als geringere Ausführung. Ist sie nicht möglich, nimmt man Kupfer, und ist auch dies nicht möglich, Stein als Sockel des Edelstein-Linga.

4.57 Für das bewegliche Linga wird nun eine Besonderheit erklärt, o Bester der Götter: Sein Umfang entspricht seiner Höhe, und diesem Maß entspricht die Breite des Sockels.

4.58 Die Höhe des Sockels entspricht seiner Breite. Den oberen Abschluss des Linga soll der mit den Schriften Vertraute nach den zuvor beschriebenen Regeln runden.

4.59 Teilt man das Linga in vier Teile, bleiben drei sichtbar; ein Teil sitzt fest im Sockel. Man sorge dafür, dass es darin nicht wackelt.

4.60 Damit ist das bewegliche Linga beschrieben. Nun folgt das nur für kurze Zeit bestimmte Linga: aus Kuhdung, frischer Butter, Teig, gekochter Speise oder Früchten,

4.61 aus Rohzucker, Sand oder als achtem Material aus frischen Blättern. Für solche vergänglichen Lingas wird kein bestimmter Sockel vorgeschrieben.

4.62 Nach Abschluss der Puja sollen sie wieder entfernt werden. Dem Linga aus Kuhdung wird die Überwindung von Krankheit zugeschrieben, dem aus frischer Butter die Gewährung von Glück.

4.63 Teig gilt als kräftigend, ein Linga aus Speise als lebensverlängernd, eines aus Früchten als Mittel zur Erfüllung des ersehnten Ziels und eines aus Rohzucker als freudespendend.

4.64 Sand wird mit einer führenden Stellung verbunden, frisches Laub mit guten Eigenschaften. Damit ist das vergängliche Linga erklärt. Nun folgt das von selbst entstandene.

4.65 Die dem Indra zugeordnete Form ist schirmförmig; die des Agni hat einen unregelmäßigen oberen Abschluss. Die des Yama ist abgeflacht; die des Nirriti wird als speerspitzenförmig angesehen.

4.66 Die Form Varunas ähnelt einem Krug, die Vayus einem Banner, die Somas einer Keule. Einen dreizackförmigen oberen Abschluss

4.67 hat das Linga Ishanas; das Brahmas trägt einen lotusförmigen, das Vishnus einen muschelförmigen Abschluss. An diesen Merkmalen soll man sie erkennen.

4.68 Auch Lingas, die von anderen Göttern, von Fürsten der Daityas und Danavas, von nächtlichen Wesen, Siddhas, Vidyadharas und anderen Anführern göttlicher Scharen

4.69 oder von Weisen aufgestellt oder ohne förmliche Einsetzung verehrt wurden, gelten als selbstentstanden, wenn sie nicht die gewöhnlichen vorgeschriebenen Merkmale aufweisen.

4.70 Sie können die verschiedensten Zeichen und Farben tragen, eine raue Oberfläche, Hohlräume oder andere Besonderheiten aufweisen.

4.71 Für die an Bergen vorkommenden Formen gilt dies entsprechend. Bei ihnen werden weder die Rundung des oberen Abschlusses noch die Ausführung nach der Messschnur

4.72 noch Umfang, Höhe und weitere Maße nach einer festen Vorschrift verlangt. Sockel und Tempel aber werden nach den tatsächlichen Maßen des Linga angelegt.

4.73 Damit ist das selbstentstandene Linga beschrieben, das allen Welten Wohlergehen schenkt. So sind die Merkmale des Linga erklärt, das zur Erfüllung aller Lebensziele dient.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das vierte Kapitel: Gestalt und Merkmale des Linga.

Kapitel 5: Die Gewinnung von Stein und anderen Materialien

5.1 Nun erkläre ich dir, Hari, die Gewinnung von Stein und den weiteren Materialien. Wenn der Acharya gemeinsam mit dem Handwerker aufbricht, um einen Stein zu beschaffen,

5.2 soll er zu einer günstigen Stunde die Vorzeichen beachten: Sauermilchspeise, Honig, Ghee und ein gefüllter Krug,

5.3 Gold, Silber und Edelsteine aller Art, Erde, Schmuck, Waffen und Lotusblüten,

5.4 ungebrochene Reiskörner, Früchte, Rochana, roter Ocker, ein würdiger Sitz, eine Muschel und weiße Blumen,

5.5 weiße Gewänder, Fisch, Fleisch, ein stattlicher Stier, ein Elefant, Brahmanen und schön geschmückte Prostituierte,

5.6 ein Mädchen, ein Pferd, ein Paar, ein Pfau, ein Chasha-Vogel, ein Tiger, ein Mungo, ein Fahrzeug oder Freunde:

5.7 Sieht er solche Zeichen oder hört Gesang, glückverheißende Instrumente, Vedenrezitation und Ähnliches oder den Zuruf „Geh!“, soll der Kundige aufbrechen.

5.8 Baumwolle, Heilmittel aller Art, dunkles Getreide, Salz, Öl, berauschendes Getränk und Milch,

5.9 Schlamm, Holzkohle, Rohzucker, Leder, Kot, Brennholz, Steine, Spelzen und Haare,

5.10 ein geistig Verwirrter, ein Mann mit verfilztem Haar, ein Kahlgeschorener, ein Nackter, ein Träger ockerfarbener Kleidung, ein Ausgehungerter, ein körperlich Entstellter oder ein von Menschen Getragener,

5.11 ein mit Öl Eingeriebener, jemand mit offenem Haar, ein Kranker, eine Schlange, eine Waranechse, ein Sharabha, ein Eber oder ein Igel,

5.12 ein Hase, Weinen, Geschrei, Streit oder Totenmusik sowie die Worte „Komm!“, „Tritt ein!“ und „Bleib stehen!“,

5.13 ferner Fragen wie „Warum gehst du?“: Sieht oder hört er derartige Zeichen, soll er nicht aufbrechen, sondern drei Tage warten und sich innerlich sammeln.

5.14 Er verehre eingeweihte Brahmanen, die sich Shivas Gelübden widmen, und bringe zur Beseitigung des ungünstigen Einflusses hundert Opfergaben mit dem Aghora-Mantra dar.

5.15 Dann ziehe der kundige Lehrer mit Begleitung in den Wald oder ins Gebirge. Dort suche er einen besonders schönen Ort, an dem auch Einsiedeleien der Waldbewohner liegen,

5.16 mit Flüssen und Teichen, Früchten und frischem Laub, geschmückt mit Baumgruppen, deren Zweige sich unter der Last der Blüten neigen.

5.17 Lehrer und Handwerker sollen einen Ort aufsuchen, der frei von angriffslustigen Tieren ist. Zunächst wird das Gewinnen des Holzes erklärt: Man trete zu einem der zuvor genannten geeigneten Bäume.

5.18 Man wähle einen vorzüglichen Baum, der gerade, rund und gleichmäßig gewachsen ist, keine Knoten oder Hohlräume aufweist, seine Rinde trägt und reich an Blättern und Blüten ist.

5.19 Der Mantra-Kundige meide Bäume, die von Elefanten oder anderen Tieren beschädigt, von Blitz oder Feuer verbrannt, krumm oder verkümmert sind oder von selbst vertrockneten.

5.20 Am Vorabend soll er sich bei dem Baum oder Stein sammeln, die Reinheitsverkündigung Punyaha rezitieren lassen und einen Schutzfaden anbinden.

5.21 Dieser kann aus Gold, Silber, Leinen oder Baumwolle bestehen. Man binde ihn unter Rezitation des Herz-Mantras an und verehre den Baum mit dem Vamadeva-Mantra.

5.22 Den Stein verehre man mit dem Aghora-Mantra. Anschließend vollziehe man östlich oder nördlich des Baums beziehungsweise Steins das Feueropfer.

5.23 Man bringe je hundert Gaben aus Opferholz, Ghee und gekochter Opfergabe dar. Nach dem Opfer berühre man das Material mit beiden Händen und beginne am folgenden Morgen mit dem Fällen beziehungsweise Bearbeiten.

5.24 Den Baum fälle man mit einer in Honig getauchten Axt unter Rezitation des Purusha-Mantras. Fällt er nach Osten oder Norden, gilt dies als glückverheißend.

5.25 Ebenso soll der Stein gewonnen werden. Nun werden seine Merkmale beschrieben: Er soll vom Ufer eines Flusses, Sees oder Teiches stammen und von Wasser

5.26 gewaschen sein, im Schatten von Bäumen liegen, gleichmäßig und fest sein und ausreichende Länge und ausreichenden Umfang besitzen. Einen solchen Stein beschaffe man für das Linga.

5.27 Seine obere Seite wird im Osten und seine Basis im Westen bestimmt; oder die obere Seite liegt im Norden und die Basis im Süden.

5.28 Man kennzeichne die nach unten gerichtete Fläche und hebe den Stein heraus. Steine werden als jung, voll ausgereift oder alt unterschieden.

5.29 Ein als jung geltender Stein hat einen gedämpften Klang. Auch die hier als Pivakanka bezeichnete Schlagprobe gehört zur Bestimmung eines jungen Steins; die genaue Bezeichnung dieser Probe bleibt unklar.

5.30 Kühl, von festem, vollem Klang, angenehm riechend, glatt und von dichtem Gefüge: Ein solcher Stein gilt als ausgereift.

5.31 Er ist für die Herstellung des Linga zu wählen, wenn er frei von Fehlern ist. Ein rauer, bröckeliger, klangloser und mürber Stein,

5.32 dessen Bruchstücke mit Bandhuka verglichen werden, gilt hingegen als alt. Sowohl ihn als auch den jungen Stein meide man, ebenso rauen, durch salzhaltiges Wasser angegriffenen oder sonst beschädigten Stein.

5.33 Steine mit auffälligen Adern, Punkten, Flecken oder Vimala-Einschlüssen sollen verworfen werden. Solche Einschlüsse werden dreifach unterschieden: gold-, eisen- oder bronzefarben.

5.34 Den entsprechenden kreisförmigen Flecken werden der Reihe nach Verlust, Tod und ausbleibender Regen zugeschrieben. Den Stein bestreiche man mit einer Mischung aus rotem Ocker, Visha, Kasisa und dem Saft milchsaftführender Bäume.

5.35 Man lasse den Überzug sorgfältig einen Tag und eine Nacht einwirken. Dann wasche man den Stein gründlich ab und prüfe ihn erneut auf Fehler.

5.36 Nach eingehender Prüfung beginne man mit dem Behauen. Zeigt sich dabei ein kreisförmiger Fleck, bezeichnet man den Stein als „mit einem Inneren versehen“, Sagarbha.

5.37 Ein krapproter Fleck soll auf einen Frosch, ein gelber auf eine Waranechse, ein weißer auf eine Schlange und ein brauner auf eine Maus im Inneren hinweisen.

5.38 Ein roter Fleck wird einer Eidechse zugeordnet, ein rohzuckerfarbener einem eingeschlossenen Stein, ein taubengrauer einer Gauli-Echse und ein buntfarbiger einem Skorpion.

5.39 Ein schwertfarben glänzender Fleck deutet auf Wasser, ein honigfarbener auf ein Leuchtkäferchen und ein aschfarbener auf Sand. Höre nun, welche Wirkungen ihnen zugeschrieben werden.

5.40 Die Waranechse gilt als Unheil für den König, der Skorpion als Verderben für das Vieh, die Schlange als Zeichen für Fieber und Seuchen. Der Frosch gilt als furchterregendes Vorzeichen; die nähere Bezeichnung ist in der Vorlage unklar.

5.41 Wasser wird mit Fehlgeburten verbunden, das Leuchtkäferchen mit Feuergefahr, eingeschlossener Stein mit einem Regen von Steinen und Sand mit auszehrender Krankheit.

5.42 Die Eidechse gilt als krankheitsbringend, die Maus als verderblich für das Getreide und die Gauli-Echse als Anlass für Kummer. Daher soll man Steine mit solchen Einschlüssen meiden.

5.43 Sind Zeichen auf dem Stein vorhanden, betrachte man sie sorgfältig. Formen wie Lotus, Svastika, Mond, Sonne, Rad, Yoni oder Banner,

5.44 Schwert, Schirm, Löwe, Baum, Schildkröte, Fisch, Elefant, Shri, Kuh, Girlande, Haarflechte oder Auge:

5.45 Solche Zeichen gelten als glückverheißend. Formen, die Geier oder Kanka-Vogel, Krähe, Schlange oder kopflosem Rumpf ähneln,

5.46 ferner solche wie Falke, Eule, Stier, Zahn, Esel, Schakal oder Kamel sowie eine knotenartige Linie gelten als ungünstig.

5.47 Auch schriftzeichenartige Formen am Linga werden als glück- oder unglückbringend angesehen. Höre, Hari, was ich dazu erkläre.

5.48 Unter den Vokalen gelten Ṛ, Ṝ, die beiden vokalischen L-Laute, E, Ai, O und Au als ungünstig. Innerhalb der Lautgruppen gilt das erste Zeichen als günstig, das zweite als ungünstig.

5.49 Das dritte gilt als glückbringend, das vierte hat gemischte Wirkung. Der erste Laut und der als Prasada bezeichnete Laut gelten als besonders glückverheißend.

5.50 Nasalzeichen und Visarga sollen die Kundigen meiden. Auch das Kuta-Zeichen mit Visarga wird verworfen; mit Bindu dagegen gilt es als besonders günstig.

5.51 Auch die Laute Ma und U werden als glückbringend bezeichnet. Man nehme einen Stein mit günstigen Zeichen und verwerfe einen mit ungünstigen.

5.52 Nachdem der Stein auf diese Weise gründlich geprüft und wiederholt gewaschen wurde, besprenge man ihn unter Rezitation des Sarvatma-Mantras.

5.53 An seiner Nordseite opfere man der Reihe nach Opferholz, Ghee und gekochte Opfergabe: jeweils hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Gaben.

5.54 Dabei vergegenwärtige man sich Brahma, Vishnu und Shiva und verwende ihre jeweiligen Wurzelmantras. Anschließend opfere der Kundige Ghee mit der Mantra-Samhita.

5.55 Mit jedem der fünf Mantras, angefangen bei Ishana, bringe er zehn Gaben dar. Danach berühre der Lehrer aufmerksam den Stein.

5.56 Er vollziehe mit dem Shiva-Mantra die abschließende volle Opfergabe, verabschiede die Gottheit und nehme den Stein an sich, wobei er fortwährend das Vyomavyapin-Mantra rezitiert. Anschließend lasse er ihn von einem geübten Handwerker bearbeiten.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das fünfte Kapitel: die Gewinnung von Stein und anderen Materialien.

Kapitel 6: Die Wahl des Ortes

6.1 Nun beschreibe ich die Orte, die für die Einsetzung des Linga geeignet sind: die Gipfel und Hänge von Meru, Mandara und Kailasa,

6.2 Nila und Shvetagiri, der hier Beragiri genannte Berg, Nishadha, Hemakuta und der große Himalaya,

6.3 Vindhya, Malaya, Sahya, Raivataka, Shriparvata, Devagiri, Mahendra und Gandhamadana.

6.4 Auf all diesen Bergen, an ihren heiligen Wasserstätten und in vergleichbaren Wäldern, am Ufer der Ganga,

6.5 an beiden Ufern von Yamuna, Sarasvati, Godavari, Narmada, Sindhu und Shona,

6.6 am Ufer der Kaveri und auf Inseln in diesen Gewässern sowie an den Ufern anderer heiliger Flüsse und Ströme,

6.7 am Ufer des Manasa und anderer Seen, an großen Wasserbecken, überall an der Meeresküste und in der Nähe heiliger Stätten,

6.8 in allen heiligen Gebieten, angefangen bei Kurukshetra, und an heiligen Orten wie Avimukta,

6.9 innerhalb einer Umfassungsmauer, wo bereits ein Linga steht, in schönen Gärten oder an Stätten vollendeter Meister,

6.10 in lieblichen Einsiedeleien von Weisen und Waldbewohnern: dort, wo weit ausgedehnte Gewässer an ihren Rändern von Wasserlilien und Lotussen gesäumt sind und sich zahllose Wellenkreise anmutig ineinanderfügen; wo lebhafte Hirsche beständig verweilen, angelockt vom Genuss des vielen zarten Grases;

6.11 wo heiliges Wasser den Boden tränkt, geschmückt mit roten Wasserlilien, blauen Lotussen und weiteren Blüten; wo dichte Baumgruppen stehen, deren Zweige sich unter Früchten und Blüten neigen;

6.12 wo Bäume, Schlingpflanzen und Sträucher Blütenbüschel tragen, angenehmen Schatten spenden und schöne Früchte und junge Blätter hervorbringen;

6.13 wo muntere, wohlgenährte Vögel leben und Menschen beständig gern Zuflucht finden;

6.14 wo Kuckucke wohlklingend von den Zweigen rufen, Bienen um große, strahlende Wasserlilien schwirren, Pfauengruppen ihre Stimmen erheben und unter den Bäumen Gruppen von Ruru-Hirschen schlafen oder erwachen;

6.15 wo blühende Landlotusse den Ort verschönern und breite Fluss- und Teichufer sich ausdehnen, wo zartes Kusha- und Kasha-Gras im Wind wiegt und Pflanzen am Saum Hirsche und Rinderherden anziehen;

6.16 wo Reihen großer entfalteter Wasserblumen sich bewegen, singende Bienen darüber fliegen und das klare Wasser von Schwanenpaaren, Chakravakas und Kranichen belebt ist:

6.17 Wird Shivas Linga von kundigen Lehrern an einem solchen schönen Ort eingesetzt, hilft es den Menschen, ihre ersehnten Ziele zu verwirklichen. Ein ungünstiger Ort dagegen bringt Unerwünschtes hervor. Deshalb beschreibe ich nun die zu meidenden Orte.

6.18 Man meide einen Ort mit von Waldbrand oder Blitz getroffenen Bäumen, mit Dornbäumen oder Shleshmataka-Bäumen,

6.19 mit Paribhadra, Giftbäumen, Karanja, Ankola, Putika oder Brahmadandi.

6.20 Ebenso Orte, an denen Knochen und Schädel liegen, gefährliche Schlangen vorkommen, zahlreiche Ameisenhügel stehen oder ausgesäte Pflanzen nicht wachsen;

6.21 Orte mit vertrockneten Schlingpflanzen, Sträuchern und verkümmerten Bäumen oder solche, an denen selbst bei tiefem Graben kein Wasser sichtbar wird;

6.22 Orte mit großen Mengen von Steinen und Kies sowie solche, die seit Langem von Chandalas, Pulindas und ähnlichen Gemeinschaften bewohnt sind;

6.23 sehr tiefe, stark zerklüftete oder von Bäumen dicht überwachsene Stellen. Solche Plätze soll der Kundige bei der Einsetzung des Linga meiden.

6.24 Bei Dörfern und anderen Siedlungen ist eine Einsetzung in allen Himmelsrichtungen zulässig. Ein Linga am zentralen Brahma-Platz gilt als förderlich für Brahmanen und Herrscher.

6.25 Im Osten wird ihm die Gewährung von Herrschaft zugeschrieben, im Süden die Verlängerung des Lebens, im Westen Gesundheit und im Norden Wohlstand.

6.26 Im Südosten soll es Glück, im Südwesten Sieg, im Nordwesten Gedeihen und im Nordosten Befreiung schenken.

6.27 Diese Wirkungen werden der ordnungsgemäßen Einsetzung in den acht Haupt- und Zwischenrichtungen zugeschrieben. Für andere, dazwischenliegende Positionen bestimme man die Wirkung entsprechend.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das sechste Kapitel: die Wahl des Ortes.

Kapitel 7: Bodenprüfung und rituelles Pflügen

7.1 Ich erkläre das rituelle Pflügen, dem die Prüfung des Bodens vorausgeht. Man suche den Ort auf, an dem das Shiva-Linga eingesetzt werden soll,

7.2 verneige sich vor Maheshvara und beachte die Vorzeichen am Himmel, im Luftraum und auf der Erde.

7.3 Sind die Zeichen günstig, prüfe man den Boden. Bei ungünstigen Zeichen bringe man zunächst hundert Ghee-Opfer mit dem Aghora-Mantra dar.

7.4 Danach nehme der schriftkundige Lehrer die Prüfung vor. Zuerst lasse er die Reinheitsverkündigung Punyaha rezitieren und stelle sich mit dem Gesicht nach Osten auf.

7.5 Unter Rezitation des Astra-Mantras stampfe er mit dem rechten Fuß auf den Boden. Ist dieser fest und gibt einen tiefen Klang von sich,

7.6 ist er geeignet. Oder der Kundige grabe ein Loch von einem Hasta und fülle es mit der entnommenen Erde wieder auf. Reicht die Erde nicht, ist der Boden minderwertig; füllt sie das Loch genau, ist er mittelmäßig.

7.7 Bleibt Erde übrig, ist er vorzüglich. Sowohl vorzüglicher als auch mittlerer Boden ist geeignet; minderwertigen nehme man nicht. Man kann auch seine Erde abmessen:

7.8 Wiegt ein Adhaka Erde sechzig Pala, gilt der Boden als günstig und für die Einsetzung des Linga geeignet. Bei geringerem Gewicht wird er verworfen.

7.9 Oder man grabe ein Loch von einem Hasta Breite und entsprechender Tiefe, fülle es mit Wasser und gehe sogleich neun Schritte fort.

7.10 Kehrt man zurück und sieht, dass das Wasser im Loch abgenommen hat, gilt der Boden als ungünstig. Bleibt das Wasser dagegen stehen, wird ihm gedeihliche Wirkung zugeschrieben.

7.11 Nach dieser Prüfung folgt das Pflügen. Man fertige Pflug und Joch aus frischem Holz von Bäumen, die für Opferhandlungen geeignet sind.

7.12 Man wähle zwei weiße, kräftige junge Stiere, schmücke Hörner und Hufe mit Gold und umwinde ihre Hälse mit Stoff.

7.13 Mit einem dreifach gedrehten Seil aus reinen Bastfasern spanne man sie unter Rezitation der Vrisha-Gayatri an das Joch.

7.14 Nachdem auch der Pflug befestigt wurde, stelle sich der Lehrer nach Osten gewandt auf, bekleidet mit neuem Gewand und Obergewand und mit dem fünffachen Schmuck versehen.

7.15 Gesammelt verehre er die Stiere mit ihrem Bija-Mantra. Mit der linken Hand fasse er den Pflug, mit der rechten

7.16 einen Zweig des Brahma-Baums und pflüge damit die Erde. Er rezitiere die Vrisha-Gayatri und schließe mit dem Laut Hum.

7.17 So treibe er die nach Osten gerichteten Stiere an. Nach einer Strecke von vier Danda lasse er sie nach Nordosten wenden.

7.18 Auf diese Weise führe er sie dreimal und dehne die Furchen nach Norden aus. Danach lasse er den Boden mit weiteren Pflügen bearbeiten.

7.19 Sorgfältig bereite man die Erde für die Aussaat vor. Unter Rezitation des Wurzelmantras säe man Sesam, Reis und Mungbohnen aus.

7.20 Man gieße Wasser darüber, schütze die Fläche und prüfe anschließend erneut die Beschaffenheit des Bodens.

7.21 Keimen die Samen innerhalb von drei Nächten, gilt er als vorzüglich; nach fünf Tagen als mittelmäßig. Ein späteres Keimen wird von schriftkundigen Lehrern als ungünstig angesehen.

7.22 Vorzüglichen und mittleren Boden nehme man an. Soll auch der ungünstige verwendet werden, bringe man zuvor hundert Opfergaben mit dem Aghora-Mantra dar.

7.23 Krumme, graue, spärliche, vertrocknete oder seitwärts wachsende Keimlinge gelten als ungünstig.

7.24 Um solche Fehler auszugleichen, opfere man mit dem Bahurupa-Mantra. Ist ein Monat oder die hier genannte Frist von drei, vier oder fünf Halbmonaten vergangen,

7.25 überlasse man den gesamten Pflanzenwuchs den Rinderherden.

7.26 Nachdem die Erde auf diese Weise durch das Pflugritual gereinigt wurde, bewirte man Brahmanen mit einer Speise, die mit Sauermilch, Ghee und Rohzucker vermischt ist. Man lasse Ziegen, Stiere, Büffel und Rinder dort verweilen und besprenge den Boden anschließend erneut mit Panchagavya.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das siebte Kapitel: das rituelle Pflügen.

Kapitel 8: Die Verehrung des Vastu

8.1 Nun erkläre ich die Vastu-Puja in ihrer Reihenfolge. Einst entstand ein Wesen, das die drei Welten in Schrecken versetzte.

8.2 Mit seinem Körper bedeckte es die Welten und besaß furchtbare Kraft. Als die Götter es sahen, ergriff sie alle Angst.

8.3 Sie berieten sich, vereinten ihre Kräfte, ergriffen es und warfen es mit dem Gesicht nach unten auf die Erde, wo sie es festhielten.

8.4 Dieses Wesen wird Vastu genannt. An den Stellen seiner Glieder, die jeweils von einem Gott oder Asura ergriffen wurden, bringe man dem betreffenden Wesen eine Bali-Gabe dar.

8.5 Wenn sie die Gaben empfangen haben, bleiben die Götter lange zufrieden. Unterbleibt jedoch ihre Verehrung,

8.6 verlassen sie die von ihnen gehaltenen Glieder. Wenn sie fortgehen, gerät das Vastu unweigerlich in Verfall.

8.7 Denn seine Glieder bewegen sich auseinander und verursachen Zerstörung. Daher soll der Kundige die im Körper des Vastu wohnenden Götter verehren.

8.8 Sein Kopf liegt im Nordosten, seine Füße im Südwesten. Sein Bauch befindet sich im Brahma-Bereich in der Mitte. So vergegenwärtige man sich seine Glieder.

8.9 Auch die auf den übrigen Gliedern befindlichen Götter sind in die Verehrung einzubeziehen. Wo ein Tempel oder ein anderes Gebäude errichtet werden soll,

8.10 gleiche der Lehrer Vertiefungen und Erhebungen sorgfältig aus, bestreiche den Boden mit Kuhdung und lasse die Reinheitsverkündigung Punyaha vollziehen.

8.11 Mit einer in weißes Mehl getauchten Schnur zeichne er zehn Linien nach Osten und ebenso viele nach Norden, entsprechend der Ausdehnung des Tempels.

8.12 So entstehen einundachtzig Felder. Die neun mittleren Felder des Vastu sind Brahma zugeordnet.

8.13 Samaryaka, Vivasvat, Mitra und Prithividhara stehen in den vier Hauptrichtungen um Brahma und nehmen jeweils sechs Felder ein,

8.14 beginnend im Osten und endend im Norden. In den Zwischenrichtungen werden Apas und Apavatsa, Savitri und Savitra,

8.15 Indra und Indrajaya sowie Rudra und Rudrajaya genannt. Diese acht Götter nehmen jeweils zwei Felder ein.

8.16 Sie befinden sich in den Eckbereichen, die hier vom Südosten an beschrieben werden, auf den entsprechenden östlichen und westlichen Feldern. Nun nenne ich dir der Reihe nach die Götter des äußeren Rings.

8.17 Im Osten befinden sich Ishana, Parjanya, Jayanta, Mahendra, Aditya, Satya, Bhramsha und Antariksha.

8.18 Im Süden befinden sich Agni, Pusha, Vitatha, Grihakshata, Yama, Gandharva, Bhringaraja und Mriga.

8.19 Im Westen befinden sich die Ahnen, der Torhüter Dauvarika, Sugriva, Pushpadanta, Varuna, Asura,

8.20 Shosha und Papayakshma. Damit sind auch dort acht genannt. Im Norden befinden sich Roga, Naga, Mukhya,

8.21 Bhallata, Soma, Riga, Aditi und Diti. Diese zweiunddreißig nehmen jeweils ein Feld ein.

8.22 Zuerst verehre der Lehrer Brahma in der Mitte: mit Wasser zum Waschen der Füße, zum rituellen Trinken und als Ehrengabe, mit Duftstoffen, Blumen und Räucherwerk

8.23 sowie mit Licht. Ihm bringe er süßen Milchreis als gekochte Opfergabe dar; Samaryaka reinen Reis und Vivasvat Reis mit Mungbohnen.

8.24 Mitra erhält Reis mit Rohzucker, Prithividhara Reis mit Sauermilch. Für die acht Götter von Apas an verwende man Gerste, Bambusreis, Kulattha,

8.25 Masha, Nishpava, Weizen, Linsen und Shyamaka, jeweils in der genannten Reihenfolge bis Rudrajaya als Bestandteile der gekochten Opfergabe.

8.26 Den zweiunddreißig Göttern von Ishana an bringe man jedem einzeln gekochte Opfergabe mit Ghee dar. Nun nenne ich dir

8.27 der Reihe nach die Mantras der Götter, angefangen bei Brahma. Man stelle Om voran und füge die Silben Ham mit langem a, Ham mit kurzem a und wiederum Ham mit langem a hinzu.

8.28 Darauf folgen die Anrufung des Vastu-Herrn und der Name Brahmas, abgeschlossen mit Namah. Für alle anderen verwende man den jeweiligen Anfangslaut ihres Namens als Bija.

8.29 Man rezitiere ihn zusammen mit dem Pranava und dem jeweiligen Namen im Dativ. So entsteht für jeden ein eigenes Mantra. Mit dem entsprechenden Mantra bringe man die Bali-Gabe dar.

8.30 Charaki, Vidari, Putana und Paparakshasi sind vier außerhalb liegende Shaktis, denen kein eigenes Rasterfeld zugewiesen wird.

8.31 Ihnen bringe man, vom Osten an der Reihe nach, Reis mit Fleisch als Bali dar. Nach Abschluss der Gaben entferne man die verborgenen störenden Gegenstände aus dem Boden.

8.32 Berührt der Auftraggeber zu diesem Zeitpunkt ein Körperglied, soll man daraus schließen, dass im entsprechenden Glied des Vastu ein störender Gegenstand liegt, und dort nachgraben.

8.33 Berührt er den Kopf, wird ein Schädel angenommen; beim Gesicht ein Knochen, bei den Armen Holz und beim Hals ein Erdklumpen.

8.34 Beim Bauch wird Metall angenommen, beim Oberschenkel ein Stein und beim Fuß ein Schwert. Man entferne die Gegenstände aus den entsprechenden Feldern.

8.35 Anschließend richte der Schriftkundige das Feueropfer ein. Sein Ort wird im Feld Samaryakas festgelegt.

8.36 Dort errichte er sorgfältig einen Opferplatz aus Sand und reinige nach Vorschrift alles vom Opferplatz bis zum Opferlöffel.

8.37 Zuerst vollziehe er die fünf vorbereitenden Weihen des Opferfeuers. Dann rufe er Brahma hinein und betrachte es als Brahma-Feuer.

8.38 Er verehre es mit Duftstoffen und den weiteren Gaben und beginne das Homa. Zunächst vollziehe er die eröffnenden Feueropfer und umsprenge das Feuer mit Wasser.

8.39 Brahma bringe er zunächst je hundert Gaben aus Opferholz, Ghee und gekochter Opfergabe dar. Danach opfere er mit Ghee der ganzen Göttergruppe.

8.40 Den vier Göttern von Samaryaka an bringe er der Reihe nach jeweils zehn Gaben dar und schließe den jeweiligen Namen mit Svaha ab.

8.41 Den acht Göttern von Apas an bringe er jeweils acht Gaben dar, denen von Ishana an jeweils fünf.

8.42 Danach vollziehe der Lehrer mit dem Brahma-Mantra die volle Abschlussgabe. Mit dem Mantra aus dem jeweiligen Namen bringe er je eine Gabe

8.43 für Charaki und die übrigen äußeren Shaktis dar. Dann umsprenge er das Feuer, entlasse es und schließe die Zeremonie ab.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das achte Kapitel: die Verehrung des Vastu.

Kapitel 9: Bestimmung der Himmelsrichtungen mit dem Schattenstab

9.1 Ich erkläre, wie die genaue Ostrichtung mithilfe des Schattens eines Stabes bestimmt wird. Dies geschieht vor Baubeginn bei Häusern für Götter, Brahmanen, Könige und andere Auftraggeber.

9.2 In der Zeit des nördlichen Sonnenlaufs, in der hellen Mondhälfte, an einem günstigen Tag unter einem für den Auftraggeber passenden Mondhaus, soll der Lehrer mit dem Handwerker

9.3 an einem klaren Morgen vor Sonnenaufgang einen geeigneten Schattenstab aufstellen. In der Mitte des vorgesehenen Bauplatzes ebne man eine Fläche von einem Danda.

9.4 Mithilfe von Wasser richte man sie vollkommen waagerecht und spiegelglatt her. In ihrer Mitte stelle man den vorschriftsmäßigen Stab auf. Seine Merkmale werden nun genannt.

9.5 Bei der höchsten Ausführung beträgt seine Höhe vierundzwanzig Angula. Eine um sechs Angula geringere Höhe gilt als mittlere Ausführung.

9.6 Weitere sechs Angula weniger ergeben die kleinste Ausführung. Der Umfang an seiner Basis soll seiner Höhe entsprechen.

9.7 Der Umfang am oberen Ende beträgt ein Drittel davon. Um den Stab zeichne man einen Kreis, dessen Maß sich nach dem Stab richtet.

9.8 Mit der Messschnur lege man insgesamt drei Kreise an. Vormittags und nachmittags beobachte man, wo der Schatten in die Kreise eintritt und wo er sie wieder verlässt.

9.9 Die Berührungspunkte der Schattenspitze mit den Kreisen markiere man. Auf der Ost- und Westseite der drei Kreise liegen so

9.10 die entsprechenden Schattenpunkte. Mithilfe dieser Punkte ziehe man der Reihe nach drei in Ost-West-Richtung verlaufende Linien.

9.11 Wo gegenüber dem Kreis ein Überschuss besteht, nehme man die entsprechende Verkürzung vor; wo etwas fehlt, die entsprechende Verlängerung. So bestimme der Kundige durch die Mitte des mittleren Kreises

9.12 eine einzige Ost-West-Linie. Anschließend messe er mit der Schnur nach dem Maß dieses Kreises weiter.

9.13 Von den Endpunkten im Osten und Westen schlage er seitlich Kreisbögen, die gemeinsam eine nach Süden und Norden gerichtete Fischfigur bilden.

9.14 Nach demselben Maß erzeuge er seitlich im Osten und Westen zwei weitere Fischfiguren, indem er die Schnur um die entsprechenden Mittelpunkte schwenkt.

9.15 Ebenso lege er danach zwei weitere nach Süden und Norden gerichtete Fischfiguren an. Aus diesen ostwärts und nordwärts ausgerichteten Konstruktionen

9.16 mit ihren insgesamt sechs Fischfiguren, Janardana, gewinne er sechs Linien und bilde daraus ein Quadrat.

9.17 Nach diesem Quadrat soll der Tempel angelegt werden.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das neunte Kapitel: das Aufstellen des Schattenstabs.

Kapitel 10: Das Einsetzen der ersten Grundsteine

10.1 Nun erkläre ich das Einsetzen der ersten Ziegel mitsamt ihren Merkmalen. Für einen Tempel von drei Hasta wird hier eine Ziegellänge von einem Angula genannt.

10.2 Die Breite beträgt die Hälfte davon, die Dicke wiederum die Hälfte der Breite. Dies wird für Tempel aus gebrannten Ziegeln gelehrt.

10.3 Für einen Steintempel wird nun die besondere Regel erklärt, o Bester der Götter: Mit jedem zusätzlichen Hasta des Tempelmaßes

10.4 wachsen Länge, Breite und Dicke um einen Angula, einen halben Angula beziehungsweise dessen Hälfte. Die Spitze eines solchen Steins soll um den angegebenen Teil schmaler sein als seine Basis.

10.5 So bereite man fünf Ziegel oder Steine zum Einsetzen vor. Ihre Namen sind Nanda, Bhadra, Jaya, Rikta und Purna.

10.6 Dann hebe man den Boden nach den Tempelmaßen aus. Eine Grube von der Höhe des Stützenmaßes gilt als vorzüglich.

10.7 Eine um ein Viertel geringere Tiefe gilt als mittelmäßig; eine Tiefe entsprechend dem Maß des Unterbaus als geringere Ausführung.

10.8 Für große, vorzügliche Tempel wähle man die vorzügliche Aushebung, für mittlere die mittlere und für geringere die entsprechende kleinere.

10.9 Zuerst fülle man die Grube gleichmäßig mit Sand auf, lasse jedoch oben die vorgesehene Höhe der Grundplatte frei.

10.10 Man lasse dort drei Tage lang Wasser stehen und verdichte den Boden anschließend gründlich mit hölzernen Stampfern, die „Elefantenfüße“ genannt werden.

10.11 Dann bestimme man den inneren Heiligtumsraum genau mit der Schnur. Rechts vom Eingang, unter der Mitte der Mauer,

10.12 setze man die Ziegel in den verdichteten Boden ein. Entsprechend verfahre man bei Torbauten; bei Umfassungsmauern wird der Nordosten genannt.

10.13 Für alle Hallen gilt folgende besondere Anordnung: Mit drei nach Osten und drei nach Norden verlaufenden Linien

10.14 teile man die Fläche in vier Felder. In einem dieser vier Felder, im südöstlichen oder nordöstlichen Bereich,

10.15 setze man die Grundsteine unter einer Stütze ein, jedoch nicht unter der Eckstütze. Zuerst reinige man die fünf Ziegel der Reihe nach.

10.16 Nach der Reinheitsverkündigung Punyaha lege der Lehrer ruhigen Geistes die Keimsilben der fünf Elemente in sie ein.

10.17 Vier Ziegel übergebe er dem Handwerker. Ihre vorbereitende Aufbewahrung lasse er durch ihn an einem gesonderten Ort vollziehen.

10.18 Den fünften, obenliegenden Ziegel, der mit dem Raum-Laut versehen ist, bereite der Acharya in der vorausgehenden Nacht in einer schönen Halle rituell vor.

10.19 Die vorbereitende Weihe wird nun der Reihe nach erklärt. Für die Hallen nennt die Vorlage die Maße fünf, vier und neun Hasta,

10.20 entsprechend der geringeren, mittleren und höchsten Tempelstufe. Man teile die Halle in neun Felder und errichte in der Mitte einen Altar.

10.21 Seine Fläche soll um einen Tala erhöht und spiegelglatt sein. In den Feldern der Hauptrichtungen, vom Osten an, errichte man Feuerstellen:

10.22 viereckig, bogenförmig, rund und dreieckig. Im Nordosten liege die achteckige Feuergrube, die als Hauptfeuerstelle gilt.

10.23 Statt ausgehobener Gruben kann man dort auch Opferplätze aus Sand errichten. Fehlen die nötigen Mittel, bereite man nur im Osten eine Stelle für ein einziges Feuer vor.

10.24 Halle und Altar bestreiche man mit Kuhdung. Nach der Reinheitsverkündigung umwinde man die Stützen mit Stoff.

10.25 Man schmücke die Halle mit Baldachin und Bannern, Girlanden aus Darbha-Gras, Bananenpflanzen, Torbögen und Krügen an den Eingängen.

10.26 Sie sei mit den acht Glückszeichen versehen und mit glückverheißenden Keimlingen geschmückt. In der Mitte richte man auf dem Altar einen Opferplatz her.

10.27 Dazu nehme man acht Drona Reis, die Hälfte, deren Hälfte oder ein Drona. In die Mitte zeichne man einen achtblättrigen Lotus.

10.28 Seine Linien fülle man mit enthülstem Reis und streue Sesam und geröstete Reiskörner darüber. Der Guru habe seinen Körper durch Mantras geheiligt und halte das Arghya-Wasser bereit.

10.29 Mit Kopftuch, Obergewand und fünffachem Schmuck versehen, verehre er zuerst Manonmani im Fruchtboden des Lotus mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.

10.30 Auf den acht Blättern, vom Osten an, verehre er Vama und die übrigen Shaktis. Danach binde er dem Ziegel Purna einen Schutzfaden um.

10.31 Purna lege er mit dem vorderen Ende nach Osten in die Mitte des Lotus und bedecke ihn mit einem schönen weißen Tuch.

10.32 Im Osten stelle er einen schönen Krug auf, glänzend wie eine Bimba-Frucht, mit einem Fassungsvermögen von sechzehn Prastha und mit weißen Fäden geschmückt.

10.33 Er sei mit duftendem Wasser gefüllt, mit einem Grasbüschel versehen und mit Stoff umwunden. Man gebe fünf Edelsteine ins Wasser und bedecke ihn mit frischen Blättern.

10.34 Darin vergegenwärtige man sich die Göttin Adhara-Shakti, die tragende Kraft: weiß, dreiäugig, vierarmig und mit einer Krone aus Haarflechten geschmückt.

10.35 Weißer Schmuck ziert ihre liebliche Gestalt; sie ist mit weißer Duftpaste gesalbt und trägt ein schönes feines Gewand. Der Kundige verehre sie mit Duftstoffen und weiteren Gaben.

10.36 Auf die acht Lotusblätter, vom Osten an, stelle man weitere gleichartig ausgestattete Krüge, jeweils von halbem Fassungsvermögen.

10.37 Darin verehre man die Hüter der Himmelsrichtungen an ihren jeweiligen Plätzen. Jedem Welthüter und seiner Shakti bringe man gesondert die passende Speise dar.

10.38 Danach leite der Guru das Feueropfer an den vorgesehenen Stellen ein. Als Opferpriester sollen Sadhakas wirken; stehen diese nicht zur Verfügung, Putrakas.

10.39 In den vier Hauptrichtungen opfere man mit den jeweils zugeordneten Mantras von Sadyojata an. Im Nordosten vollziehe man das Opferholz-Homa mit dem Ishana-Mantra.

10.40 Ghee opfere man mit dessen Wurzelmantra, gekochte Opfergabe mit dem Herz-Mantra, gerösteten Reis mit dem Kopf-Mantra und Gerste mit dem Shikha-Mantra.

10.41 Sesam opfere man mit dem Sarvatma-Mantra, die volle Abschlussgabe mit dem Prasada-Mantra. Nach jeder Art von Opferstoff vollziehe man die Vyahriti-Opfer und berühre den Ziegel.

10.42 Die Opferpriester sollen ihn danach jeweils mit ihrem Mantra berühren. Gleichzeitig werden in den vier Himmelsrichtungen die vier Veden rezitiert.

10.43 Ein Sadhaka sitze im Nordosten, nach Osten gewandt, und rezitiere das Astra-Mantra. Beim Verfahren mit nur einem Feuer gilt folgende Besonderheit:

10.44 Die Opferholzgaben werden mit dem Shiva-Mantra dargebracht; ihre Zahl beträgt achthundert. Beim Verfahren mit fünf Feuern kann auch die Hälfte oder ein Viertel dieser Zahl verwendet werden.

10.45 Nachdem der Lehrer dies in der Nacht vollzogen hat, stehe er am Morgen auf, verrichte alle täglichen Pflichten und gestalte den eigenen Körper als Mantra-Leib.

10.46 Aus dem Krug übertrage er Adhara-Shakti in den Purna-Ziegel. Dann begebe er sich zur Grube und zu der für die Einsetzung geeigneten Stelle.

10.47 Mit jeweils vier nach Osten und Norden verlaufenden Linien lege er ein Raster aus neun Feldern an. Die acht äußeren Felder

10.48 fasse er zu vier Bereichen zusammen. Die Reihenfolge ist diese: Nordosten und Osten ergeben einen Bereich;

10.49 Südosten und Süden einen weiteren, Südwesten und Westen den dritten, Nordwesten und Norden den vierten. So bereite der Kundige die Einsetzung vor.

10.50 Zu einer günstigen Stunde mit passendem Aszendenten, Mondhaus und Karana lasse der Mantra-Kundige die vier Ziegel von Nanda an der Reihe nach durch den Auftraggeber und die weiteren Beteiligten

10.51 aufnehmen und unter Begleitung aller Instrumente im Uhrzeigersinn zur Grube bringen und hinablassen.

10.52 Der Guru nehme zuerst im Osten und dann im Süden Platz; der Handwerker sitze im Westen mit dem Gesicht nach Osten.

10.53 Der Guru gebe Nanda in dessen Hand und lasse ihn den Ziegel unter fortwährender Berührung einsetzen. Der östliche Ziegel soll nach Norden weisen, der südliche nach Osten.

10.54 Der westliche soll nach Norden weisen, der nördliche nach Osten. So treffen vordere Enden auf vordere Enden und Basen auf Basen

10.55 im Nordosten und Südwesten; im Südosten und Nordwesten treffen Basis und Vorderende zusammen. In die Vertiefung ihrer Mitte gieße man Wasser und gebe Blumen hinein, sodass eine Strömung entsteht.

10.56 Gemeinsam mit dem Handwerker beobachte der Lehrer ihre Drehung. Eine rechtsläufige Drehung erkläre er als günstig.

10.57 Eine linksläufige Drehung gilt als ungünstig. Zur Beseitigung dieses Fehlers ist am Abschluss das sogenannte Shanti-Homa, das befriedende Feueropfer, zu vollziehen.

10.58 In die mittlere Vertiefung lege der Kundige neun Edelsteine, danach der Reihe nach Metalle, mineralische Stoffe und Samen.

10.59 Anschließend fülle er sie mit einer angemischten Pulvermasse oder mit Erde. Dann nehme er den fünften, rituell vorbereiteten Ziegel Purna,

10.60 lege ihn unter innerer Rezitation seines Mantras über die anderen und bringe den Shakti-Krug herbei.

10.61 Mit dem Grasbüschel besprenge er die Stelle mit dessen Wasser und danach mit dem Wasser der übrigen Krüge, jeweils am zugehörigen Platz und unter Vergegenwärtigung des betreffenden Mantras.

10.62 Nach dieser Besprengung soll dort der Tempel errichtet werden.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das zehnte Kapitel: das Einsetzen der ersten Grundsteine.

Kapitel 11: Der erhöhte Unterbau

11.1 Höre nun vom Upapitha, dem erhöhten Unterbau. Er dient besonders dazu, Tempel und Hallen anzuheben und ihre Schönheit hervorzuheben.

11.2 Seine Höhe kann das Doppelte des Adhishthana betragen, das um ein Viertel verminderte Doppelte, fünf Drittel oder das Eineinhalbfache,

11.3 das Eineinviertelfache, das gleiche Maß oder drei Viertel davon. Teilt man seine Höhe in zehn Teile, so ergeben ein, zwei oder drei Teile

11.4 die drei möglichen Ausladungen nach außen, bezogen auf den darüberliegenden Unterbau. Alternativ wird die Ausladung mit drei, zwei oder einem Danda bestimmt.

11.5 Bei einer Teilung der Höhe in zwölf Teile entfallen zwei auf das Fußglied Paduka, darüber einer auf das Lotusglied und ein halber auf den vorspringenden Absatz Kshepana.

11.6 Fünf Teile bilden den Hals, ein halber die schmale Leiste Kampa. Darüber folgen ein Teil für das obere Lotusglied und einer für das Band Vajana.

11.7 Eine weitere Kampa-Leiste erhält einen Teil. Damit sind acht Bauglieder angegeben. Oder man teile die Höhe in einundzwanzig Teile.

11.8 Zwei bilden dann das Fußglied Upana, drei das Lotusglied, einer den Halsabsatz Kandhara und zwei das Vajana-Band.

11.9 Ein Teil bildet eine Kampa-Leiste, acht das Hauptglied Karna; darüber folgen eine Kampa-Leiste von einem Teil, Vajana von zwei Teilen und nochmals Kampa von einem Teil.

11.10 Bei sechzehn Teilen entfallen zwei auf Upana, zwei auf das Lotusglied, einer auf Kampa, fünf auf Karna, einer auf die obere Kampa-Leiste, zwei auf das nächste Lotusglied, zwei auf die breite Pattika-Leiste und einer auf die abschließende Kampa-Leiste.

11.11 Oder man teile den Unterbau in neunzehn Teile: zwei für Paduka, zwei für das Lotusglied, einen für Kampa, acht für den Hals, einen für die folgende Kampa-Leiste, je zwei für das Lotusglied und die Pattika-Leiste sowie einen für die oberste Kampa-Leiste.

11.12 Bei einer weiteren Ausführung wird die Höhe in vierzehn Teile gegliedert. Die anfängliche Zuordnung von Paduka und Lotusglied ist in der Vorlage nicht eindeutig. Genannt werden sodann ein Teil für das Lotusglied, ein halber für Kampa, sechs für den Hals, ein halber für die folgende Kampa-Leiste, ein Teil für das nächste Lotusglied, zwei für Pattika und einer für die oberste Kampa-Leiste.

11.13 Den Halsbereich schmücke der Kundige mit Bhutas, Elefanten, Yalas und Löwen; er kann ihn auch mit Stützen gestalten.

11.14 Damit ist der erhöhte Unterbau für alle Tempelbauten zusammenfassend erklärt.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das elfte Kapitel: der erhöhte Unterbau.

Kapitel 12: Merkmale und Maße des Tempels

12.1 Nun erkläre ich die Merkmale der Tempel. Ein Tempel wird in Hasta bemessen, Janardana.

12.2 Deshalb beschreibe ich zuerst dieses Maß. Wenn Sonnenlicht durch ein Gitter oder eine andere Öffnung fällt,

12.3 sieht man darin winzige Staubteilchen. Ein solches Teilchen wird Anu genannt; acht Anu ergeben ein Rajas.

12.4 Acht Rajas ergeben eine Haarspitze, acht Haarspitzen eine Liksha, acht Liksha eine Yuka, und acht Yuka ergeben ein Gerstenkorn.

12.5 Acht solcher Gerstenkörner ergeben das sogenannte Maß-Angula. Daneben werden auch Angula zu sieben oder sechs Gerstenkörnern genannt.

12.6 So ist das Maß-Angula dreifach bestimmt. Nun wird erklärt, wie daraus das Hasta-Maß gebildet wird.

12.7 Vierundzwanzig Angula ergeben den Kishku-Hasta. Fünfundzwanzig Angula ergeben den Prajapatya-Hasta.

12.8 Sechsundzwanzig bilden Dhanurmushti, siebenundzwanzig Dhanurgraha. Sänften, Sitze und ähnliche Gegenstände fertige man nach dem Kishku-Maß.

12.9 Tempel, Hallen und vergleichbare Bauten werden nach Prajapatya bemessen. Königspaläste, Städte, Teiche und längliche Wasserbecken

12.10 werden mit Dhanurmushti vermessen, Flüsse, Wege und Ähnliches mit Dhanurgraha. Damit sind die Hasta-Arten erklärt.

12.11 Alle Opfergeräte werden nach dem Matra-Angula angefertigt. Auch dieses Körpermaß hat verschiedene Formen; seine Merkmale werden nun genannt.

12.12 Als Maß dient das mittlere Glied des Mittelfingers an der rechten Hand des Acharya, gemessen nach seiner Länge oder auch nach seiner Breite.

12.13 Wird die Gesamthöhe eines Bildnisses nach der zugehörigen Tala-Zahl unterteilt, so heißt die daraus gewonnene Angula-Einheit Dehalabdha-Angula, das aus dem Körper gewonnene Maß.

12.14 Dieses wird bei der Herstellung von Bildnissen verwendet. So sind die verschiedenen Angula- und Hasta-Maße erläutert.

12.15 Tempel werden als klein, mittel oder groß unterschieden. Nun erkläre ich diese Einteilung.

12.16 Die ungeraden Maße von drei bis neun Hasta und die geraden von vier bis zehn Hasta ergeben die acht kleineren Tempelgrößen.

12.17 Die ungeraden Maße von elf bis neunzehn Hasta und die geraden von zwölf bis zwanzig Hasta

12.18 ergeben die zehn mittleren Größen. Die ungeraden Maße von einundzwanzig bis neunundzwanzig Hasta

12.19 und die geraden von zweiundzwanzig bis dreißig Hasta ergeben die zehn vorzüglichen, großen Größen.

12.20 So werden für die Göttertempel insgesamt achtundzwanzig Größen von drei bis dreißig Hasta genannt, in der Folge gerader und ungerader Maße.

12.21 Nach der jeweiligen Gesamtbreite lege man den Heiligtumsraum an. Man ziehe fünf Linien nach Osten und fünf nach Norden.

12.22 So wird die Tempelfläche in sechzehn Felder geteilt. Die vier mittleren bilden den Heiligtumsraum, die übrigen den Bereich der Mauern.

12.23 Oder man ziehe in beiden Richtungen je sechs Linien, sodass fünfundzwanzig Felder entstehen. Die neun mittleren bilden dann den Heiligtumsraum.

12.24 Oder man ziehe nach Osten und Norden je acht Linien und erhalte sieben mal sieben Felder. In der Mitte nehme man zunächst neun Felder

12.25 und füge ringsum den beschriebenen Saum aus halben Feldern hinzu; der Rest bildet die Mauer. Steht das Linga bereits, wird das Maß des Heiligtumsraums daraus abgeleitet.

12.26 Die Sockelbreite wird dann als das Dreifache der Linga-Breite bestimmt, der Heiligtumsraum als das Dreifache der Sockelbreite und die Mauerstärke als eine Sockelbreite.

12.27 Oder der Heiligtumsraum entspricht der vierfachen Sockelbreite. Die umgebende Mauerstärke beträgt dann die Hälfte des Heiligtumsmaßes.

12.28 Vor dem Tempel errichte man eine Halle von gleichem Maß. Oder man teile dieses Maß in sechzehn Abschnitte.

12.29 Von der Hälfte an vergrößere man die Halle jeweils um einen Abschnitt; so ergeben sich neun Hallengrößen. Unter diesen wähle man die gewünschte.

12.30 Zwischen Halle und Tempel kann man einen Verbindungsraum von vier, drei, zwei oder einem Danda anlegen.

12.31 Die Breite von Tempel und Halle kann gleich sein; oder die Hallenbreite beträgt vier Fünftel der Tempelbreite.

12.32 An den Seiten oder an der Rückseite des Tempels kann ein mittlerer Vorsprung angebracht werden. Seine Breite beträgt ein Drittel oder zwei Fünftel des betreffenden Maßes.

12.33 Dieser Bhadra genannte Vorsprung ragt eineinhalb Danda oder einen Danda vor und dient der Verschönerung.

12.34 Ein vorschriftsmäßiger Tempel kann auch ohne diesen Vorsprung errichtet werden. Für die acht kleineren Tempelgrößen

12.35 soll die Höhe das Doppelte der Breite betragen. Bei den zehn mittleren teile man die Breite in sieben Teile

12.36 und bestimme die Höhe mit zwölf solchen Teilen. Bei den zehn größten Tempeln teile man die Breite ebenfalls in sieben Teile

12.37 und nehme elf davon als Höhe. Nun folgt die Höhe des Eingangs. Sie reicht von der Prati-Leiste bis zur oberen Begrenzung Uttara.

12.38 Oder man teile die zugehörige Höhe in zehn, neun oder acht Abschnitte und ziehe einen Teil ab. Nun wird die Breite genannt.

12.39 Bei der höchsten Ausführung entspricht die Türbreite der halben Türhöhe. Wird davon ein Zehntel abgezogen, ergibt sich die mittlere Ausführung.

12.40 Werden zwei Zehntel abgezogen, ergibt sich die kleinere. Nach einem anderen Verfahren beträgt die Türbreite ein Viertel des Heiligtumsmaßes.

12.41 Ihre Höhe beträgt das Doppelte dieser Breite. Die Breite des Rahmens wird mit einem Viertel der Türhöhe bestimmt; seine Dicke mit einem Viertel dieses Maßes.

12.42 Seitenpfosten, oberer Sturz und Schwelle sollen entsprechend aufeinander abgestimmt sein. Man schmücke sie mit abwechslungsreichen Blatt- und Rankenmotiven. Auf dem oberen Sturz

12.43 stelle man Shri, Sarasvati und Vighnesha dar; an den beiden Seiten die Hüter der Schätze mit Muschel und Lotus.

12.44 Die Tür werde nach der Profilgliederung ausgeführt. Beim Tempel ist das erste Hauptglied der Unterbau Adhishthana, das zweite der Stützen- oder Wandbereich Pada.

12.45 Das dritte heißt Prastara, das Gebälk; das vierte Griva, der Hals; das fünfte Shikhara, der obere Aufbau; das sechste Stupi, der krönende Abschluss.

12.46 Damit sind die sechs Hauptglieder genannt. Höre nun von der Zahl der Geschosse. Bei drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun oder zehn Hasta

12.47 ist der Tempel für ein Geschoss geeignet. Ein Tempel von fünf, sechs, sieben, acht, neun oder zehn Hasta

12.48 ist für zwei Geschosse geeignet, Janardana. Sieben, acht, neun, zehn, elf

12.49 oder zwölf Hasta werden für drei Geschosse genannt. Neun, zehn, elf, zwölf, dreizehn oder vierzehn Hasta

12.50 eignen sich für vier Geschosse. Elf, zwölf, dreizehn, vierzehn, fünfzehn oder sechzehn Hasta

12.51 eignen sich für fünf Geschosse. Dreizehn, vierzehn, fünfzehn, sechzehn, siebzehn

12.52 oder achtzehn Hasta eignen sich für sechs Geschosse. Fünfzehn, sechzehn, siebzehn,

12.53 achtzehn, neunzehn oder zwanzig Hasta eignen sich für sieben Geschosse.

12.54 Siebzehn, achtzehn, neunzehn, zwanzig, einundzwanzig oder zweiundzwanzig Hasta eignen sich für einen achtgeschossigen Bau.

12.55 Neunzehn, zwanzig, einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig oder vierundzwanzig Hasta

12.56 eignen sich für neun Geschosse. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig oder vierundzwanzig,

12.57 fünfundzwanzig oder sechsundzwanzig Hasta eignen sich für zehn Geschosse. Dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig,

12.58 sechsundzwanzig, siebenundzwanzig oder achtundzwanzig Hasta eignen sich für elf Geschosse.

12.59 Fünfundzwanzig, sechsundzwanzig, siebenundzwanzig, achtundzwanzig, neunundzwanzig

12.60 oder dreißig Hasta eignen sich für zwölf Geschosse. So bestimme man anhand der Hasta-Maße die Geschosszahl und führe den Tempel entsprechend aus.

12.61 Für einen eingeschossigen Bau werden nun die Höhenanteile vom Unterbau an genannt. Teilt man die Höhe in acht Teile, erhält der Unterbau einen.

12.62 Der Stützenbereich erhält zwei, das Gebälk einen, der Hals einen und der obere Aufbau zwei Teile.

12.63 Der krönende Abschluss erhält einen Teil. Alternativ wird eine Teilung in neun Teile genannt: Der Sockel erhält eineinhalb Teile, der Stützenbereich das Doppelte davon.

12.64 Das Gebälk erhält so viel wie der Sockel, der Hals einen Teil und der obere Aufbau zwei.

12.65 Der krönende Abschluss ist einen Teil hoch. Damit ist die Vorschrift zu den sechs Hauptgliedern erklärt. Höre nun die Namen und Schmuckformen der Tempel.

12.66 Drei Grundformen werden unterschieden: Nagara, Dravida und Vesara.

12.67 Nagara ist vom Boden bis zum krönenden Abschluss viereckig. Dravida wird vom Hals an achteckig ausgeführt.

12.68 Ein Tempel, der vom Hals an rund ist, heißt Vesara. Ein Bau mit mittlerem Vorsprung, weiter Ausdehnung und Ecktürmchen,

12.69 mit achteckigem oberen Absatz und acht Panjara-Nischen heißt Saubhadra. Er gilt als genuss- und glückbringend und ist für alle Gottheiten geeignet.

12.70 Ein rechteckig gestreckter Bau mit drei krönenden Aufsätzen, ohne Panjara-Nischen und dergleichen, heißt Svastibandhana.

12.71 Eine weitere Form wird ohne rechteckige Streckung beschrieben, mit den zugehörigen Merkmalen, einem kantig gegliederten Kopf- und Halsbereich sowie einem runden Absatz.

12.72 Ist sie mit einer großen Nasika, einem vorspringenden Dach- oder Giebelfenstermotiv, versehen, heißt sie Sarvatomukha. Eine länglich gerundete Form mit den genannten Schmuckgliedern,

12.73 ohne Ecktürmchen, mit länglich gerundetem Hals, einer großen Nasika an der Vorderseite und einem Stirnfeld,

12.74 mit kleinen Nasikas an den Seiten und der Rückseite und mit einem elefantenrückenförmigen Dach heißt Sarvakamika.

12.75 So sind die Tempelformen zusammenfassend erklärt, Janardana.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das zwölfte Kapitel: Merkmale und Maße des Tempels.

Kapitel 13: Der Tempelsockel

13.1 Nun beschreibe ich das Adhishthana, den Tempelsockel. Höre seine Merkmale, Hari. Seine Fußleiste Upana soll ringsum zwei Danda über den Stützenbereich hinausragen,

13.2 oder um ein Viertel beziehungsweise die Hälfte vergrößert werden. Bei einer Höhe von achtundzwanzig Teilen erhält Upana zwei. Die anschließende Verbindung von Pada und der kleinen Upana-Leiste ist nicht eindeutig; genannt werden ein Teil sowie darüber sechs Teile. Es folgen ein Lotusglied, ein Halsglied und wieder ein Lotusglied von je einem Teil, ein Kairava-Wulst von drei Teilen, ein Lotusglied von einem Teil, oben und unten eine Kampa-Leiste von je einem Teil sowie ein Halsglied von drei Teilen.

13.3 Darüber folgen eine Kampa-Leiste von einem Teil, ein ebenso hohes Lotusglied, eine Pattika-Leiste von drei Teilen und eine abschließende Kampa-Leiste von einem Teil. Ein so gegliederter Sockel heißt Padabandha und wird für Göttertempel empfohlen.

13.4 Bei einer Teilung in vierundzwanzig Teile erhält die untere Plattform acht, der Kairava-Wulst sieben, Kampa einen, der Hals drei, die folgende Kampa-Leiste einen, die breite Mahapattika drei und die obere Kampa-Leiste einen Teil. Dies ist eine weitere Padabandha-Form.

13.5 Bei einer weiteren Teilung in achtundzwanzig Teile erhält Paduka zwei, das Lotusglied zwei und die kleine Upana-Leiste einen Teil. Jagati und Kairava erhalten je sieben. Darüber wird eine achteckige Gliederung mit oberem Verlauf beschrieben: Alinga erhält drei Teile, der Hals einen, Kampa und Lotusglied ebenfalls je einen, Pattika drei.

13.6 Bei einunddreißig Teilen erhält Paduka zwei und das Lotusglied ebenso zwei. Die kleine Upana-Leiste erhält einen, die Plattform fünf, das nächste Lotusglied einen, das mit Drik bezeichnete Glied einen, das folgende Lotusglied ebenfalls einen. Der runde Kumuda-Wulst erhält drei Teile, das nächste Lotusglied einen, Kampa einen, der Hals drei und die folgende Kampa-Leiste einen.

13.7 Darüber folgen Pada von einem Teil, ein Kapota-Gesims mit Nasikas von drei Teilen, Alinga und Antarita von je einem Teil sowie die mit Yalas geschmückte Prati-Leiste mit den genannten Anteilen von zwei beziehungsweise einem Teil; ganz oben liegt Vajana von einem Teil. Diese Form heißt Kapotabandha und ist für Göttertempel bestimmt.

13.8 Bei einundzwanzig Teilen erhalten Jagati und Kumuda jeweils acht, Alinga und Antarita jeweils einen, Prati zwei und die oberste Kampa-Leiste einen Teil. Diese Pratibandha-Form ist für alle Göttertempel geeignet.

13.9 Bei fünfzehn Teilen erhalten die untere Plattform und Kairava jeweils fünf, Alinga und das darüberliegende Antarita jeweils einen, Prati zwei und das oberste Vajana einen Teil. Diese Form eignet sich für Wohnstätten von Brahmanen, Gottheiten, Königen und Kaufleuten.

13.10 Bei zwanzig Teilen werden von unten nach oben Paduka, Lotusglied, kleine Upana-Leiste, Plattform, Kairava, Alinga, Antarita, Prati und Vajana ausgeführt. Ihre Anteile betragen der Reihe nach zwei, zwei, eins, fünf, vier, eins, eins, drei und eins.

13.11 Bei achtzehn Teilen erhält Paduka zwei, das Lotusglied fünf und der Hals einen Teil.

13.12 Das untere Lotusglied erhält einen, Kumuda drei, das obere Lotusglied einen und Alinga einen Teil.

13.13 Antarita erhält einen und Prati zwei Teile; den oberen Abschluss bilde ein Lotus- beziehungsweise Vajana-Glied von einem Teil. Diese Form heißt Padmabandha.

13.14 Die Bodenfläche kann bis zur Höhe von Kairava, des Halses oder der Pattika-Leiste reichen. Oder man lege sie auf dem Upapitha an, wobei ihre Südseite höher liegen soll.

13.15 Die Öffnung für den Wasserabfluss soll im Norden des Tempels oder im Nordosten liegen, nicht in einer anderen Richtung; sie kann auf mittlerer Höhe der zugehörigen Fläche angeordnet werden.

13.16 Dafür dient der Abflussstein. Seine Merkmale werden nun erklärt: Seine Länge soll über die Dicke der Tempelmauer hinausreichen.

13.17 Als Maß werden die dreifache Stützenbreite oder ein um ein Viertel geringeres Maß genannt. Er sei geradlinig und viereckig zugerichtet, mit einer Breite entsprechend der Stützenbreite.

13.18 In seiner Mitte bilde man eine Wasserrinne, die ein Drittel seiner Breite einnimmt, mit entsprechender Vertiefung. Von der Basis zum Ende hin werde der Stein um ein Achtel verjüngt.

13.19 Sein Ende forme man nach Art der Unterlippe eines Elefanten und senke es etwas unter das Niveau der Fläche ab. Man führe die Fläche bis zur Mauer und ordne den Abfluss daran an.

13.20 Nachdem der Sockel so ausgeführt ist, errichte man darauf den Stützenbereich.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das dreizehnte Kapitel: der Tempelsockel.

Kapitel 14: Stützen, Gebälk und oberer Tempelaufbau

14.1 Nun werden die Gestalten der fünf Hauptglieder vom Stützenbereich an beschrieben. Zunächst folgen die Stützen und die Namen, die sie nach ihrer Form tragen.

14.2 Über dem Sockel kann man am Fuß der Stütze einen Absatz anlegen. Sein Maß beträgt zwei Danda. Bei einer Teilung in neun Höhenanteile

14.3 erhält die untere Kampa-Leiste einen Teil, der Hals vier, das darüberliegende Band einen und der obere Absatz zwei Teile.

14.4 Darüber liegt eine Pattika-Leiste von einem Teil; auf ihr erhebt sich die Stütze. Drei Grundformen werden genannt: viereckig, achteckig und rund.

14.5 Sie können mit einem krugförmigen Kapitell, ohne dieses oder mit Krugkapitell und Mandika-Kämpfer versehen sein. Nun wird ihre Ausführung beschrieben.

14.6 Bei Holzstützen teilt man die Höhe in sieben, acht oder neun Abschnitte; ein Abschnitt bestimmt jeweils die Breite.

14.7 Nun erkläre ich die Breite der in den Wandbau eingebundenen Stützen. Bei einem Gebäude von drei Hasta wird sie mit drei Angula angegeben.

14.8 Mit zunehmender Größe des Tempels wächst die Stützenbreite jeweils um einen Angula entsprechend dem angegebenen Hasta-Maß.

14.9 Bei den aufeinanderfolgenden oberen Geschossen, bis zum zwölften, nimmt die Stützenbreite gegenüber den unteren Stützen jeweils um zwei Angula ab.

14.10 Nach einem anderen Verfahren wird die Tempelbreite in vierundzwanzig Teile geteilt,

14.11 oder in fünfundzwanzig oder sechsundzwanzig. Ein solcher Teil bestimmt dann die Stützenbreite. So ergeben sich drei Möglichkeiten.

14.12 Teilt man die untere Stützenbreite in acht Teile, verringert man sie nach oben um einen Teil.

14.13 Das so bestimmte Grundmaß wird Danda genannt und dient der weiteren Gliederung. Ein Drittel oder ein Viertel der Breite

14.14 ist das Maß, um das eine Wandstütze vorspringt. Nun folgen die Stützennamen: Brahmakanta, Vishnukanta und Rudrakanta.

14.15 Ihre Formen werden beschrieben. Eine Stütze, die über ihre ganze Länge vorschriftsmäßig viereckig ist,

14.16 wird mit der hier genannten Dreiteilung Brahmakanta genannt. Für die nächste Form lege man an der Basis einen viereckigen Abschnitt nach dem Halsmaß an.

14.17 Dieser kann das Eineinviertelfache, Eineinhalbfache, Eineindreiviertelfache oder Doppelte des Maßes haben. Darüber werde die Stütze rund oder achteckig.

14.18 Trägt sie oben Krugkapitell und Mandika, heißt sie Vishnukanta. Eine weitere Form hat dieselbe viereckige Basis und darüber sechzehn Kanten.

14.19 Mit Krugkapitell und Mandika heißt sie Rudrakanta. Bei einer anderen Form ist die Basis auf einer Länge von einem Danda viereckig.

14.20 Darunter wird ein weiterer Fußabschnitt angegeben, darüber sechzehn Kanten. Mit Krugkapitell und Mandika versehen heißt diese Stütze Saumya.

14.21 Eine vom Fuß an achteckige Stütze, die nur ein Krugkapitell trägt, heißt Vasantika. Eine kantenlose, gleichmäßig runde Stütze

14.22 mit bloßem Krugkapitell heißt Vrittakanta. Hat sie dagegen an der Basis einen entsprechenden viereckigen Abschnitt,

14.23 ist darüber rund und trägt ein Krugkapitell, wird sie Purvagra genannt. Bei einer weiteren Stütze wird im oberen Bereich ein viereckiger Abschnitt von eineinhalb, einem gleichen oder einem Danda entsprechenden Maß angelegt.

14.24 Darunter liegt ein sechzehnkantiger Abschnitt von einem Danda. An seinem unteren und oberen Ende werden Lotusglieder angebracht.

14.25 Darunter folgt ein viereckiger Abschnitt nach der genannten Fünftelteilung beziehungsweise einem Danda; anschließend wieder ein sechzehnkantiger wie zuvor.

14.26 Der Rest bleibt viereckig. Eine so gegliederte Stütze heißt Chitrakhanda. Höre nun von Vajrakhanda.

14.27 Hat diese Form in der Mitte statt dessen acht Kanten und im Übrigen vier, heißt sie Vajrakhanda. Bei einer weiteren Form wird oben ein viereckiger Abschnitt von zwei Danda angelegt.

14.28 Darunter folgen nach demselben Maß weitere viereckige Abschnitte; neun werden genannt. Bleibt die Stütze über ihre gesamte Länge viereckig, heißt sie Ramyakhanda.

14.29 Teilt man die ganze Stützenhöhe in fünf Teile, sollen die beiden unteren Teile viereckig sein.

14.30 Die übrigen Teile werden mit dem Krugkapitell gestaltet; diese Stütze heißt Charukhanda. Eine weitere Form hat an der Basis einen Lotussitz von zwei Danda.

14.31 Sie kann rund oder viereckig sein und trägt Krugkapitell und Mandika. Sie heißt Skandakanta. Eine achteckige oder runde Stütze,

14.32 deren unteres Drittel mit einer Löwengestalt versehen ist, heißt Simhapada. Höre nun die Merkmale der Krugkapitelle.

14.33 Die Höhe des Krugkapitells beträgt das Eineinhalbfache, Eineindreiviertelfache oder Doppelte des Stützengrundmaßes.

14.34 Diese Höhe werde in neun Teile geteilt. Ein Teil gehört zum unteren Drik-Glied, vier zum Krugkörper, einer zum Hals.

14.35 Ein Teil bildet die Mündung, einer das Lotusglied und einer den runden Hals darüber. Für Drik und Karna wird die Stützenbreite zugrunde gelegt.

14.36 Als geringere Ausführung können sie der Breite des Stützenfußes entsprechen. Der Krugkörper hat die doppelte, die Mündung die eineinhalbfache Breite.

14.37 Die Breite der Mandika beträgt vier oder drei Danda, ihre Höhe drei Viertel eines Danda. Man teile diese Höhe in drei Teile.

14.38 Je ein Teil gehört zum unteren Höhenabschnitt, zur Vetra-Leiste und zur eigentlichen Mandika. Die tragende Basis richtet sich nach der Stütze.

14.39 Sie kann dreifach blattartig gestaltet sein. Darüber liegt das Virakanta-Glied: viereckig, einen Danda breit und drei Viertel eines Danda hoch.

14.40 Bei kleinerer Ausführung wird ein Danda-Maß genannt, darüber Schulter- und Lotusglied. Auch unter der Hauptstütze wird ein Glied mit einem Danda Länge und Breite angeordnet.

14.41 Für alle runden Stützen wird die Shrikara-Form genannt; für die kantigen eine sechzehnkantige Form namens Chandrakanta.

14.42 Eine achteckige Form bei viereckigen Stützen heißt Saumukhya. Für besonders schwer belastete Stützen wird Priyadarshana genannt.

14.43 Die Potika-Konsole ist einen Danda breit und ebenso hoch. Die vorzügliche Form ist fünf Danda lang und wird bei Stützen mit allen Gliedern verwendet.

14.44 Die mittlere Form ist vier Danda lang und drei Viertel eines Danda hoch. Sie wird bei Stützen mit Krugkapitell verwendet.

14.45 Die kleinere ist drei Danda lang und einen halben Danda hoch. Sie wird besonders bei Stützen ohne Krugkapitell und Mandika verwendet.

14.46 Der Halsvorsprung Karkari kann ein ganzes, drei Viertel oder ein halbes Maß betragen. Bei einer Vierteilung der Breite lege man das wellenförmige Taranga-Motiv an.

14.47 Das obere Pattika-Band erhält ein Drittel der festgelegten Höhe. Damit ist der Stützenbereich erklärt. Nun folgt das Gebälk.

14.48 Das Prastara-Gebälk beginnt mit dem Uttara-Tragbalken. Seine Breite entspricht der Stütze. Bei der höchsten der drei Ausführungen ist seine Höhe ebenso groß.

14.49 Bei der mittleren beträgt sie drei Viertel davon, bei der kleinsten die Hälfte. Ein Drittel oder ein Viertel des oberen Stützenmaßes

14.50 wird für das viereckige Vajana-Band über dem Uttara genannt. Darüber lege man einen Bhuta-Fries von einem Danda an.

14.51 Der Vorsprung wird entsprechend bemessen. Darüber liegt eine Pattika-Leiste, ausgeführt wie das Vajana-Band; darüber folgt das Kapota-Gesims.

14.52 Dieses misst zwei oder drei Danda. Seine Ausladung entspricht diesem Maß, sein herabhängender Teil einem halben Danda.

14.53 Der verbleibende Bereich wird in fünf Teile gegliedert: einer für Pattika, einer für den Hals und zwei für das Prastara-Glied.

14.54 Darüber fertige der Kundige eine Pattika-Leiste von einem Teil. Das Kapota erhält Nasika-Motive nach dem genannten Maß von einem halben Danda.

14.55 Bei den genannten zwei Danda und neun Eck- beziehungsweise Gliederungsstellen schmücke man es mit Blatt- und Rankenmotiven. So ist das Gebälk der Göttertempel beschrieben.

14.56 Es kann auch auf andere Weise gestaltet werden. Bei einer Höhe von zwanzig Teilen erhält Uttara drei Teile.

14.57 Vajana erhält einen, Vasantaka drei, das obere Vajana einen und Kapota sieben Teile.

14.58 Alinga und Antarita erhalten jeweils einen, Prati zwei und das oberste Vajana einen Teil.

14.59 So kann man es ebenfalls ausführen. Nun wird das Torana beschrieben. Es wird an den Seiten, an der Rückseite oder zwischen den Stützenreihen angebracht.

14.60 Seine Höhe reicht von der Prati-Leiste bis zur oberen Uttara-Grenze. Seine Breite beträgt die Hälfte der Höhe. Man teile seine Länge in fünf Abschnitte.

14.61 Drei Abschnitte gehören zum Makara-Motiv, der Rest zu den Stützen. Die Breite des Torana wird nach der Hälfte des Zwischenraums der Stützen bestimmt.

14.62 Der Kundige fertige es mit allen vorgeschriebenen Merkmalen und Verzierungen an und stelle die Gottheiten darin dar.

14.63 An der Rückseite bilde man Ishvara im Linga, begleitet von Brahma und Vishnu, oder dort Vishnu; für die Westseite wird auch die glückverheißende Form genannt.

14.64 Im Süden stelle man Dakshinamurti dar, im Norden Brahma. Damit ist das Torana erklärt. Über dem Gebälk folgt der Halsbereich.

14.65 An seiner Basis lege man einen Absatz an. Seine Merkmale sind folgende: Für Vajana werden drei Danda, für die Höhe zwei Danda genannt.

14.66 Bei einer Teilung in elf Teile erhält der Hals drei; Pattika und Potika erhalten jeweils einen Teil.

14.67 Oben folgt Kampa von einem Teil. Wird die Breite des Absatzes in fünf Teile geteilt, erhält der Hals vier davon; darüber liegt Uttara von einem halben Danda.

14.68 Vajana wird nach der genannten Drittelteilung bestimmt, seine Höhe mit zwei Danda; die Hamsapadi-Leiste erhält die Hälfte. Oder die Breite des Absatzes

14.69 wird gegenüber der Tempelbreite um ein Achtel vermindert. Für die Halsbreite wird ein Viertel des Absatzmaßes genannt.

14.70 Der Vorsprung der Nasika-Stützen am Halsfuß beträgt ein Sechstel oder ein Drittel der Absatzbreite.

14.71 Der Zwischenraum der Stützen kann dem Vorsprung Niryūha entsprechen oder fünf beziehungsweise viereinhalb Danda betragen.

14.72 Für die Tiefe der Nische werden drei oder zwei Danda genannt. Die zugehörigen Stützen reichen bis zum Abschluss des Hamsa-Frieses.

14.73 Ihre Breite wird mit zwei Dritteln eines Danda angegeben. Der Kundige gestalte alles wie zuvor mit harmonischen Gliedern und Schmuck.

14.74 In den Toranas der vier Himmelsrichtungen stelle man Gottheiten auf: im Osten Indra auf einem Elefanten oder Skanda.

14.75 Im Süden bilde man Ishana beziehungsweise Lakulishvara ab; im Westen eine Rudra-Gestalt oder Narasimha.

14.76 Im Norden stelle man eine Brahma- oder Rudra-Gestalt dar. Damit ist der Hals erklärt. Nun folgt das Shikhara, der obere Aufbau.

14.77 Seine Breite wird entsprechend dem Absatz bestimmt. Die große Nasika erhält ein Drittel der Absatzbreite.

14.78 Ihre Höhe beträgt drei Viertel ihrer Breite. Die beiden seitlichen Begrenzungen werden wie die Stützen des Halsbereichs bemessen.

14.79 Der übrige Bereich liegt vertieft; die Nische hat eine Tiefe von zwei Danda. Ihr oberer Abschluss entspricht im Maß der halben Breite.

14.80 Man schmücke sie mit Kinnari-Gesichtern, vielfältigen Ranken und Bhutas sowie anderen Wesen, die auf Löwen, Yalas und Elefanten reiten.

14.81 Besonders die Umrahmung der großen Nasika sei sorgfältig ausgeführt. Vier große Nasikas stehen in den vier Hauptrichtungen.

14.82 In den Zwischenräumen können vier kleinere Nasikas angebracht werden. Danach führe man das Shikhara passend zur Nagara- oder einer anderen Tempelform aus.

14.83 Es soll sich nach oben zum krönenden Abschluss schrittweise verjüngen. Bei fünf Teilen Absatzbreite erhält die Pali-Basis drei.

14.84 Teilt man diese Pali-Breite in fünf Teile, erhält das Lotusglied drei davon. Ein Drittel der Lotusbreite ergibt die Breite des Krugglieds.

14.85 Ein Fünftel der Krugbreite ergibt die Breite der Kandhara-Einschnürung. Ein Drittel der Krugbreite wird für die darüberliegende Pali-Leiste genannt.

14.86 Ein Drittel dieser Breite ergibt die Breite des Halses. Die Knospe erhält ebenfalls die Halsbreite.

14.87 Die Höhe des krönenden Abschlusses wird in zweiunddreißig Teile gegliedert. Das Lotusglied erhält vier, die Schulter eineinhalb Teile.

14.88 Das untere Band erhält eineinhalb, der Krugkörper sieben, das darunterliegende Lotusglied eineinhalb und der Hals sechs Teile.

14.89 Die Kampa-Nivra-Leiste erhält einen halben, das Valka-Glied einen und die Knospe sechs Teile. Der ganze Aufbau soll sich stufenweise verjüngen.

14.90 Den krugförmigen Abschluss auf der Tempelspitze fertige man vorschriftsmäßig aus Gold, Silber, Kupfer oder Zinn,

14.91 aus Messing, einem verputzten Baustoff oder gebranntem Ton. Ein Prasada ist durch die genannten sechs Hauptglieder bestimmt.

14.92 Ein anderer Götterbau mit nur drei oder vier Hauptgliedern heißt Devadhishnya. Im Übrigen werde er wie ein Göttertempel ausgeführt.

14.93 Ein Bau mit fünf Hauptgliedern heißt Sabha. Seine Länge beträgt das Doppelte der Breite, das Eineindreiviertelfache,

14.94 das Eineinhalbfache oder das Eineinviertelfache. Diese Form wird für figürliche Gottesdarstellungen genannt; bei nicht figürlicher Darstellung sind beide Bauformen möglich.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das vierzehnte Kapitel: Stützen und weitere Hauptglieder des Tempels.

Kapitel 15: Die Einsetzung der oberen Abschlusssteine

15.1 Nun erkläre ich dir, Janardana, die Einsetzung der oberen Abschlusssteine des Tempels. Es sind vier; ihre Merkmale werden nun genannt.

15.2 Bei einem Steintempel verwendet man Stein, bei einem Ziegeltempel Ziegel und bei einem gemischten Bau ebenfalls Ziegel. Ein solcher Stein soll sechzehn Angula lang sein,

15.3 halb so breit und halb so dick wie breit. Ein Ziegel ist zwölf Angula lang und sechs Angula breit,

15.4 mit einer Dicke von der Hälfte seiner Breite. Bei beiden Formen verjünge man das vordere Ende um einen halben Angula. Daran unterscheidet man Vorderende und Basis.

15.5 Nach gründlichem Waschen mit Wasser besprenge man sie unter Rezitation des Astra-Mantras. Gemeinsam mit dem Stab des krönenden Abschlusses vollziehe man ihre vorbereitende Weihe.

15.6 Für diesen Stab eignen sich Khadira, Asana, Shimshapa, Padma, Madhuka, Tamarinde und Nameruka.

15.7 Man wähle eines dieser Hölzer und fertige den Stab nach den vorgeschriebenen Merkmalen. Seine Höhe und Breite richten sich nach dem Stützenmaß des Tempels.

15.8 Das untere Drittel soll viereckig sein. Die oberen zwei Drittel forme man rund und nach oben verjüngt.

15.9 An der Spitze beträgt der Umfang einen Angula. Den so gefertigten Stab setze man in einen Shikhipada-Fuß ein, dessen Länge das Dreifache seines Grundmaßes beträgt.

15.10 Dessen Dicke beträgt die Hälfte seiner Breite. Er muss fest und gleichmäßig sein. Der Stab kann auch aus Metall angefertigt werden.

15.11 Nach dem Waschen bringe man auf Stab und Ziegeln die Laute an: auf den vier Ziegeln der Reihe nach Ya, Ra, La und Va,

15.12 geschrieben mit roter Mineralfarbe oder weißer Mehlpaste. Auf den Stab setze man gesammelt den Laut Haṃ.

15.13 Nach der Reinheitsverkündigung binde man Schutzfäden aus Gold, Silber, Leinen oder Baumwolle daran.

15.14 Für die vorbereitende Weihe errichte der Lehrer eine Halle vor dem Tempel, im Norden, im Nordosten oder im Südosten.

15.15 Sie habe sechzehn oder zwölf Stützen und eine Ausdehnung von neun oder sieben Hasta,

15.16 drei Stützenzwischenräume und eine entsprechende Höhe. Man teile sie in neun Felder und errichte in der Mitte einen Altar.

15.17 Dieser ist einen Tala hoch und spiegelglatt. An seinen vier Seiten werden Feuergruben oder erhöhte Opferplätze angelegt,

15.18 in denen das Homa nach Vorschrift vollzogen wird. Alle Feuergruben sollen viereckig sein.

15.19 Oben werde die Halle mit einem Baldachin bedeckt, mit Darbha-Girlanden geschmückt, mit Richtungsbannern versehen und mit vier Torbögen ausgezeichnet.

15.20 Sie habe vier Eingänge, die acht Glückszeichen und glückverheißende Keimlinge; Girlanden und frisches Laub sollen sie schmücken.

15.21 Man bestreiche diese anmutige Halle mit Kuhdung, versehe sie mit weißen Blumen und ungebrochenem Reis und lasse Punyaha rezitieren.

15.22 Danach vollziehe man das Vastu-Homa nach der Schrift. In der Mitte richte man mit reinem Reis einen Opferplatz her,

15.23 zeichne einen achtblättrigen Lotus und umlege ihn mit Kusha-Gras. Nach Verehrung des Shakti-Kreises breite man in seiner Mitte

15.24 ein neues Tuch als Unterlage aus und lege den Stab darauf. An seinem oberen Ende befestige man ein Grasbüschel und umwinde ihn mit einer Blumengirlande.

15.25 Man bedecke ihn mit Stoff und lege die Ziegel der Reihe nach daneben: mit den Zeichen nach oben und dem vorderen Ende nach Osten.

15.26 Nachdem alle vier so liegen, verehre der Kundige mit Duftstoffen und weiteren Gaben die Gottheiten, die durch die jeweiligen Laute bezeichnet werden.

15.27 Danach umhülle er sämtliche Ziegel mit Stoff. Im Stab verehre er Isha unter Rezitation der hier genannten Keimsilbe mit ihrem Abschluss.

15.28 Dann stelle er die Krüge auf, von der Mitte bis zum Nordosten, einschließlich des Hauptkrugs. Sie seien mit Fäden umwunden und mit Wasser gefüllt,

15.29 mit Grasbüscheln und Bedeckung versehen, mit Duftstoffen und Sandel bestrichen, mit neuen Tüchern umhüllt und mit Edelsteinen und Gold ausgestattet.

15.30 Im mittleren Krug verehre man Shiva, ringsum die Welthüter. Anschließend vollziehe man das Feueropfer in den Himmelsrichtungen, vom Osten an.

15.31 Man entzünde überall das Feuer und vollziehe die eröffnenden Gaben. Im östlichen Feuer verehre man Purusha, im südlichen Aghora,

15.32 im westlichen Sadyojata und im nördlichen Vamadeva, jeweils mit Duftstoffen und den weiteren Gaben und unter Vergegenwärtigung des zugehörigen Mantras.

15.33 Man bringe von Opferholz, Ghee, gekochter Opfergabe, Sesam, Senfkörnern, geröstetem Reis und enthülstem Reis jeweils zehn Gaben dar.

15.34 Dies geschehe in dieser Reihenfolge mit dem Wurzelmantra und seinen Gliedern. Bei den Berührungsopfern berühre man wiederholt den Stab und opfere.

15.35 In allen Feuern bringe man außerdem hundert Ghee-Gaben mit dem Aghora-Mantra dar. Nach jeweils zehn Gaben soll die Berührung erfolgen.

15.36 Nach jedem Opferstoff vollziehe man die Vyahriti-Gaben. Dann bringe man den in den Krügen anwesenden Gottheiten der Reihe nach ihre Speisegaben dar.

15.37 Nachdem die vorbereitende Weihe so in der Nacht vollzogen wurde, stehe der Guru am Morgen auf, verrichte seine täglichen Pflichten und wirke gemeinsam mit den tantrakundigen Opferpriestern.

15.38 Nach Verehrung des Feuers bringe er in allen Feuergruben die volle Abschlussgabe dar. Dabei rezitiere er das Sarvatma-Mantra und trage Kopftuch und Obergewand.

15.39 Zu einer günstigen, von Fehlern freien Stunde mit geeignetem Aszendenten werde er vom Auftraggeber mit Geld, Getreide und weiteren Gaben geehrt.

15.40 Gemeinsam mit den ebenfalls geehrten Opferpriestern, dem Astrologen und dem Handwerker verehre der Lehrer Ziegel, Stab und Krüge der Reihe nach.

15.41 Dann lasse er die Ziegel durch den Auftraggeber und die weiteren Beteiligten aufnehmen, begleitet vom Klang der Muscheln und Trommeln, von Gesang und Tanz.

15.42 Nach der Umrundung des Tempels im Uhrzeigersinn steige der Lehrer hinauf. Oben am Abschluss wird die vorgesehene Öffnung sorgfältig und fugenlos hergerichtet.

15.43 Zusammen mit dem Handwerker setze er die Ziegel unter Rezitation ihrer Mantras ein. Darüber lege er die Edelsteine an ihre Plätze.

15.44 In die Mitte lege er einen Rubin, in den Osten einen blauen Saphir, in den Südosten eine Koralle und in den Süden einen Smaragd.

15.45 In den Südwesten lege er Vaidurya, in den Westen Bergkristall, in den Nordwesten eine Perle und in den Norden einen Diamanten.

15.46 In den Nordosten lege er Padmaraga. An diesen neun Stellen lege er auch die zugeordneten Metalle und Samen nieder; in der Mitte alle zusammen.

15.47 Nach Verehrung Manonmanis verehre er Vama und die übrigen Shaktis. Darüber setze er den Stab ein, nach dem Maß der halben Shikhara-Höhe.

15.48 Unter Rezitation seines Mantras befestige er ihn unbeweglich. Anschließend lasse er die vorbereiteten Krüge der Reihe nach herbeibringen.

15.49 Mit ihren jeweiligen Mantras besprenge er den Stab und seine Umgebung. Er lasse oben den für den krönenden Abschluss bestimmten Teil frei und befestige den übrigen Bereich.

15.50 Wer dieses Werk ausführt, dem werden alle Wünsche erfüllt. Nach dem Ende des Körpers wird er ein Führer von Shivas Scharen und in Shivas Welt geehrt.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das fünfzehnte Kapitel: die oberen Abschlusssteine.

Kapitel 16: Der Sockel des Linga

16.1 Nun erkläre ich die Merkmale der Pindika, des Linga-Sockels. Höre gesammelt zu. Bei der vorzüglichsten Ausführung entspricht ihre Breite der Höhe des Linga.

16.2 Bei der kleinsten Ausführung beträgt die Breite die halbe Linga-Höhe. Teilt man den Unterschied in acht gleiche Stufen, ergeben sich neun Sockelbreiten.

16.3 Oder man bestimme die Breite als das Dreifache des Linga-Durchmessers. Als kleineres Maß wird auch die doppelte Diagonale an der Linga-Basis genannt.

16.4 Für die mittlere Ausführung füge man ein Viertel, für die größte die Hälfte hinzu. Oder man teile den Heiligtumsraum in neun Felder; ein Feld bestimmt dann den Sockel.

16.5 Die Sockelhöhe soll dem Vishnu-Teil des Linga entsprechen. Nun folgen besondere Angaben für Bana-Lingas und andere alte Lingas.

16.6 Den Umfang in der Mitte des Verehrungsabschnitts teile man in sechzehn Teile. Fünf davon bestimme man als Durchmesser.

16.7 Nach diesem Maß lege man das Quadrat an; sein Karna-Maß wird verdoppelt. Für die Höhe des Sockels wird das entsprechende Breitenmaß genannt.

16.8 Oder man teile dieses Maß in zwei und füge einen solchen Teil zur Höhe hinzu. Damit sind die Breiten und Höhen der Sockel genannt.

16.9 Die Pindika hat zwei Grundformen: viereckig und rund. Bhadra, Yakshi, Vajri, Shrikara und Vijaya

16.10 sind die viereckigen Formen. Höre nun die runden: Padma, Chakra, Vedi, Saumya und als fünfte Ramya.

16.11 Bei sechzehn Höhenanteilen erhält Paduka einen, Jagati vier und Kairava drei Teile.

16.12 Pattika erhält einen, der Hals drei, die obere Kampa-Leiste einen; darüber folgt eine weitere Pattika-Leiste

16.13 von zwei Teilen. Der obere Rand zur Aufnahme der Opferflüssigkeit, Ghritavari, erhält einen Teil. Damit ist Bhadra beschrieben. Höre nun vom Yaksha-Sockel.

16.14 Seine Höhe wird wie zuvor geteilt. Paduka erhält eineinhalb Teile, Jagati darüber drei, das folgende Lotusglied dreieinhalb.

16.15 Darüber folgen Kampa von einem Teil, Kairava von zwei, eine weitere Kampa-Leiste von einem und das obere Lotusglied von drei Teilen.

16.16 Pattika und Ghritavari erhalten jeweils einen halben Teil. Damit ist der Yaksha-Sockel beschrieben. Höre nun vom Vajra-Sockel.

16.17 Seine Höhe teile man in fünfundzwanzig Teile. Paduka und das Lotusglied erhalten jeweils einen Teil.

16.18 Darüber folgt Kampa von einem Teil. Für die Plattform wird das hier nicht eindeutig bestimmte Ashrama-Zahlenmaß genannt. Das obere Lotusglied erhält dreieinhalb Teile.

16.19 Darüber erhalten Kampa und das nächste Lotusglied je einen Teil, der runde Kumuda-Wulst drei und das nächste Lotusglied einen.

16.20 Es folgen Kampa von einem Teil, der Hals von zwei, die obere Kampa-Leiste von einem und ein nach unten gerichtetes Lotusglied von einem Teil.

16.21 Mahapatti erhält zwei, das darüberliegende Vajana einen und Ghritavari einen halben Teil. Dies heißt Vajra-Sockel.

16.22 Bei einundzwanzig Teilen Höhe erhält Paduka einen, die Plattform vier und der Hals einen Teil.

16.23 Darüber folgen Kampa von einem Teil, der Krugwulst von drei, das Lotusglied von einem und eine weitere Kampa-Leiste von einem Teil.

16.24 Der nächste Hals erhält zwei, Kampa einen, das Lotusglied einen und Mahapatti zwei Teile.

16.25 Ein weiteres Lotusglied, die darüberliegende Pattika und Ghritavari erhalten jeweils einen Teil. Diese Form heißt Shrikara.

16.26 Bei sechzehn Teilen erhält Paduka einen; darüber erhalten Lotusglied und Kampa je einen halben Teil.

16.27 Jagati erhält drei, das Lotusglied zwei, der Hals einen halben und das folgende Lotusglied ebenfalls einen halben Teil.

16.28 Der Krugwulst erhält zwei Teile, das Lotusglied einen halben, Kampa einen halben und der Hals eineinhalb.

16.29 Pattika und Lotusglied erhalten je einen halben Teil, Mahapatti eineinhalb und Ghritavari einen Teil.

16.30 Damit ist Vijaya beschrieben, die fünfte viereckige Form. Nun erkläre ich Padma, die erste runde Form.

16.31 Bei sechzehn Höhenanteilen erhält die untere Pattika zwei, das darüberliegende Lotusglied fünf und das runde Mittelglied zwei Teile.

16.32 Das obere Lotusglied erhält vier, die obere Pattika zwei und Ghritavari einen Teil.

16.33 Damit ist Padma beschrieben. Höre nun von Chakra. Bei achtzehn Höhenanteilen erhält die untere Pattika zwei Teile.

16.34 Darüber folgen ein Lotusglied von drei Teilen, Kampa von einem, der Hals von sechs und eine weitere Kampa-Leiste von einem Teil.

16.35 Das obere Lotusglied erhält drei, Pattika eineinhalb und Ghritavari einen halben Teil. Höre nun vom Vedi-Sockel.

16.36 Bei sechzehn Höhenanteilen erhält Upana einen, das lotusförmige Padmatunda zwei und Kampa einen Teil.

16.37 Der Hals erhält sieben, die darüberliegende Kampa-Leiste einen, das obere Lotusglied einen und Pattika eineinhalb Teile.

16.38 Darüber erhalten Lotusglied, Kampa und Ghritavari jeweils einen halben Teil. Höre nun von Saumya.

16.39 Bei vierzehn Höhenanteilen erhält die untere Pattika zwei, Kampa einen und der Hals darüber acht Teile.

16.40 Die obere Kampa-Leiste erhält einen halben, Pattika eineinhalb und Ghritavari einen Teil.

16.41 Nun beschreibe ich Ramya. Bei sechzehn Höhenanteilen erhält Paduka einen und Padmatunda zwei Teile.

16.42 Kampa erhält einen, der Hals zwei, die folgende Kampa-Leiste einen halben und das runde Lotusglied darüber ebenfalls einen halben Teil.

16.43 Kumuda erhält zwei Teile, das folgende Lotusglied einen halben, Pattika einen halben und der nächste Hals zwei Teile.

16.44 Kampa und Lotusglied erhalten den genannten einen Teil, Prastara eineinhalb. Für Alinga und Antarita wird ein Teil genannt, für Ghritavari ein halber.

16.45 Damit ist Ramya beschrieben. Diese Sockelformen sind für das Linga bestimmt, nicht für die figürliche Darstellung. Höre nun die allgemeinen Merkmale aller Sockel.

16.46 Bei allen zehn genannten Formen, Janardana, soll die Breite von der Basis zum oberen Ende um ein Achtel abnehmen.

16.47 Die Rücksprünge und Ausladungen der jeweiligen Glieder bemesse man mit einem Viertel, der Hälfte, einem Drittel

16.48 oder dem ganzen jeweiligen Teilmaß. Im Norden lege man die Abflussrinne an. Ihre Breite an der Basis beträgt ein Drittel der Sockelbreite.

16.49 Ihre Länge entspricht diesem Maß. Sie soll sich allmählich verjüngen; die Breite am äußeren Ende beträgt ein Drittel der Breite an ihrer Basis.

16.50 Die eigentliche Wasserrinne nimmt ein Drittel ihrer Breite ein. Ihre Vertiefung entspricht dem Flüssigkeitsrand Ghritavari; nach außen ist sie leicht abwärts geneigt.

16.51 Diese Merkmale gelten gleichermaßen für Stein, Ziegel und andere Materialien. Lässt sich der Sockel nicht aus einem einzigen Stein herstellen,

16.52 kann man ihn aus zwei, drei oder vier Steinstücken zusammensetzen. Die Fuge soll nach der Angabe der Vorlage im oberen Bereich angelegt werden; ihre genaue Ausführung bleibt zu klären.

16.53 Höre nun die unterschiedlichen Wirkungen aller Formen von Bhadra an: Bhadra gilt als förderlich für Yoga, Yakshi als Spenderin von Sicherheit und Wohlergehen.

16.54 Vajri gilt als stärkend, Shrikara als glück- und wohlstandspendend, Vijaya als siegbringend und Padma als Erfüllerin des ersehnten Ziels.

16.45b Chakra gilt als friedenspendend, Vedi als förderlich für Nachkommenschaft und Gedeihen, Saumya als lebensverlängernd und Ramya als gesundheitsspendend.

16.56 Nach diesen jeweils zugeschriebenen Wirkungen lasse man den gewünschten Sockel anfertigen.

Zur Nummerierung: Die Vorlage bezeichnet den Vers nach 16.54 nochmals mit 45. Zur Unterscheidung ist dieses zweite Auftreten hier als 16.45b gekennzeichnet; an dieser Stelle wäre 55 zu erwarten.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das sechzehnte Kapitel: die Merkmale des Linga-Sockels.

Kapitel 17: Die Einlegung des heiligen Gründungsdepots

17.1 Nun erkläre ich dir die genaue Folge des Garbhanyasa, der Einlegung des heiligen Gründungsdepots. Im Tempel, in einer Halle, einem Torbau oder einer Sabha

17.2 soll der Kundige zu gedeihlichem Gelingen das Garbha-Gefäß nach Vorschrift einsetzen. Sein Platz liegt überall oberhalb der ersten Grundsteine.

17.3 Im Tempel setze man es über dem Paduka-Glied auf der Pattika ein, rechts vom Eingang oder am Fuß einer Stütze.

17.4 In allen Hallen liegt es am Fuß einer südlichen Stütze, im Torbau rechts neben dem Eingang am Fuß der Mauer.

17.5 Auch in einer Sabha bringe man es am entsprechenden Stützenfuß an. Was mit einem solchen Gründungsdepot versehen ist, soll den Menschen Gedeihen bringen.

17.6 Dafür fertige man ein vorschriftsmäßiges Gefäß aus Gold, Silber, Kupfer oder Bronze.

17.7 Seine Breite richte sich nach dem Stützenfuß. Alternativ werden sechs, sieben oder acht Angula für die kleinere, mittlere und größte Ausführung genannt.

17.8 Es sei viereckig und ebenso hoch wie breit; oder seine Höhe sei um ein Viertel beziehungsweise ein Drittel geringer als die Breite.

17.9 Der Deckel wird nach einem Drittel des jeweiligen Maßes bestimmt. Die Wandstärke von Gefäß und Deckel soll ein Gerstenkorn betragen.

17.10 Im Inneren habe es fünfundzwanzig oder neun Fächer. Deren Trennwände sind ein Viertel niedriger als die Außenwand.

17.11 Ihre Dicke beträgt die Hälfte der Außenwandstärke. Das Gefäß sei frei von Fehlern. Nach seiner Herstellung wasche und besprenge man es mit Kusha-Wasser.

17.12 Vor dem Tempel oder an einer seiner beiden Seiten errichte man eine Halle von fünf, sechs oder sieben Hasta, entsprechend der kleineren, mittleren und größeren Ausführung.

17.13 In der Mitte lege man einen Altar von einer Ratni Höhe an. In den vier Himmelsrichtungen errichte man viereckige Feuergruben.

17.14 Oder man lege nur im Osten eine Feuergrube von einer Ratni an. Statt Gruben kann man auch überall erhöhte Opferplätze für das Homa herrichten.

17.15 Halle, Altar und Feuergruben bestreiche man mit Kuhdung und schmücke sie nach Vorschrift mit Darbha-Girlanden und den weiteren Schmuckmitteln.

17.16 Nach der Reinheitsverkündigung richte man auf dem Altar mit reinem Reis einen Opferplatz her.

17.17 Man zeichne einen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden. In seine Mitte setze man das Garbha-Gefäß mit dem Herz-Mantra.

17.18 In das mittlere Fach lege man den Kuta-Laut ein. In die acht umliegenden Fächer setze man die Laute von Ya bis Ha.

17.19 In den äußeren Ring lege man vom Osten an die sechzehn Vokale ein. Jeden Laut verehre man mit einem Mantra, das mit Om beginnt und mit Namah endet,

17.20 von der Mitte aus der Reihe nach mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. In die Mitte lege man eine goldene Gestalt des Schlangenkönigs, in die Himmelsrichtungen

17.21 die Waffen von Vajra bis zum Dreizack. Einen Rubin lege man in die Mitte und einen Smaragd in den Osten.

17.22 In den Süden lege man Saphir, in den Westen Bergkristall, in den Norden Diamant und in den Südosten Vaidurya.

17.23 In den Südwesten lege man eine Perle, in den Nordwesten Pushyaraga und in den Nordosten Koralle. An denselben Plätzen ordne man der Reihe nach

17.24 Quecksilber, Dhaturaga, roten Ocker, Manahshila, Anjana, Haritala, Makshika und Glimmer

17.25 sowie Saurashtra an. Danach lege der Lehrer wie zuvor Gold, Silber, Kupfer, Arakuta und Zinn,

17.26 Bronze, Blei, Eisen und Pittala hinein. Nachdem die neun Fächer so ausgestattet sind, lege man in den äußeren Bereich

17.27 Reis, Wildreis, Varaka, Priyangu, Sesam, Senf, Gerste, Bambusreis, Kulattha, Nishpava und Tuvari,

17.28 Weizen, Masha, Mungbohnen, Shyamaka und den rasch reifenden Shashtika-Reis, der Reihe nach vom Osten an. Außerdem nehme man Lotus und Wasserlilie,

17.29 Vidari, Musali, Musta, Hribera, Ushira und Kusesha und lege sie vom Osten an in die entsprechenden Richtungen.

17.30 Vishnukranti, Sahadevi, Gokshura, Bilva, Shami-Blätter, Apamarga und Indravalli werden den Zwischenrichtungen zugeordnet.

17.31 Man sammle Erde von einem Berg, von einem Flussufer, von einem Ameisenhügel, von einem Krebsloch, von einer durch ein Stierhorn und einer durch einen Elefantenstoßzahn aufgewühlten Stelle,

17.32 von einem bewachsenen Feld und von einem Teich beziehungsweise der entsprechenden Erdfläche. Man lege sie vom Osten an in die äußeren Richtungsfächer.

17.33 Nachdem alles eingelegt ist, verehre man es mit den für die Fächer bestimmten Lauten, verschließe das Gefäß nach Vorschrift und verehre den Schlangenkönig Shesha.

17.34 Danach vollziehe man das Homa. Das Opferholz werde mit dem Wurzelmantra der dabei eingesetzten Gottheit dargebracht.

17.35 Ghee, gekochte Opfergabe, gerösteter Reis, Sesam, Senfkörner und Gerste opfere man der Reihe nach mit den zugehörigen Glied-Mantras vom Herz-Mantra an.

17.36 Der Mantra-Kundige bringe hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Gaben dar. Nach jedem Opferstoff berühre er mit dem jeweiligen Mantra

17.37 das Garbha-Gefäß. Dem Schlangenkönig bringe er eine Speisegabe mit allen Beigaben dar; die volle Abschlussgabe opfere er mit dem Wurzelmantra.

17.38 Zu einer günstigen Stunde und bei geeignetem Aszendenten lasse der Lehrer ruhigen Geistes, begleitet von allen Instrumenten, von Tanz und Gesang,

17.39 das Garbha-Gefäß aufnehmen und setze es unter Rezitation des Wurzelmantras in die Vertiefung am vorgeschriebenen Ort ein. Seine Abdeckung und Befestigung

17.40 lasse er vom Handwerker so ausführen, dass es dauerhaft festliegt. Ist kein Garbha-Kästchen verfügbar, werden eine Muschel oder ein geeignetes Perlen- beziehungsweise Perlmuttgefäß als Ersatz genannt.

17.41 Auch ein stabförmiger Behälter oder ein anderes Gefäß wird erwähnt: Man lege alle Materialien zusammen hinein, vollziehe die übrigen Handlungen wie zuvor und setze es ein.

17.42 Dem Guru und dem Handwerker gebe man nach eigenem Vermögen die Ehrengabe Dakshina. Wer das Gründungsdepot auf diese Weise einsetzt, erlangt alle Vollendungen.

Hier endet im Kriyapada des Ajita Agama das siebzehnte Kapitel: die Einlegung des heiligen Gründungsdepots.

Kapitel 18: Die Weihe des Linga

18.1 Ich werde die Weihe des Linga erklären, die den Menschen Lebensgenuss und Befreiung gewährt. Der Herr ist ohne Anfang, Mitte und Ende und seinem Wesen nach makellos.

18.2 Im Shiva-Agama ist Shiva als allwissend und vollkommen zu erkennen. Weder Raumrichtungen noch Zeit oder andere Grenzen schränken ihn ein; er liegt jenseits der Reichweite von Sprache und Denken.

18.3 Er ist ohne Teile und zugleich in gegliederter Gestalt gegenwärtig, allgegenwärtig und stets alles schauend. Allein durch seine Erkenntnis erlangen die ihm Ergebenen Befreiung, o Janardana. [Die Lesung für die zweite Erscheinungsweise ist unsicher.]

18.4 Auch seine Verehrung gewährt Früchte wie den Rang Indras. Verehrt man den Gott der Götter, schenkt er Hingabe und Erkenntnis.

18.5 Ohne Erkenntnis und den Yoga der Hingabe lässt sich Befreiung durch keine noch so vielen anderen Handlungen erlangen. Deshalb ist die Verehrung des Linga von höchstem Rang.

18.6 In den drei Welten gibt es keine religiöse Übung, die der Verehrung des Linga gleichkommt. Verehrt werden die drei Arten des Linga: die bildhaft offenbarte, die unbildliche und die beide Formen vereinende.

18.7 Ihre Verehrung erfolgt, nachdem sie ordnungsgemäß eingesetzt worden sind. Dieses Einsetzen ist zweifach: Aufstellung und Weihe. Bei der Aufstellung wirkt der Bildhauer mit.

18.8 Die Weihe erfolgt ohne dessen handwerkliches Mitwirken; sie geschieht durch Mantra allein. Mahadeva, Shiva, die höchste Ursache, hat die Gestalt des Mantra.

18.9 Mantra ist höchste Erkenntnis; Sadashiva ist der durch den Mantra bezeichnete Wirkliche. Zwischen diesem und dem Mantra besteht die Beziehung von Bezeichnetem und Bezeichnendem.

18.10 Für den so bezeichneten Gott der Götter, der den Welten Gnade erweist, werden hier die Ausdrücke Linga, Kennzeichen und Leib gebraucht, o Janardana.

18.11 Ein Leib ist der Mantra, der als Klang-Brahman bezeichnet wird. Zunächst wird jedoch der andere Leib in offenbarter, unbildlicher oder beide Formen vereinender Gestalt hergestellt.

18.12 Diese drei Formen dienen seiner beständigen Verehrung, o Bester der Götter. Das Einsetzen des Mantra in das jeweilige Linga wird Weihe genannt.

18.13 Höre nun aufmerksam, wie ich diese Weihe darlege. Zuerst erkläre ich die geeignete Zeit für das Weiheritual.

18.14 Während des nördlichen Sonnenlaufs, jedoch nicht im Monat Magha, sind in der hellen Monatshälfte der zweite, dritte und fünfte Mondtag geeignet,

18.15 ebenso der sechste, siebte, zehnte und dreizehnte. Diese Mondtage gelten als glückbringend; innerhalb des Tages wird die erste Hälfte empfohlen.

18.16 Als besonders geeignet gelten Donnerstag, Mittwoch, Montag und Freitag. Zu meiden sind die Unterbrechungstage der Monatshälfte, die Parvan-Tage und die als Rikta bezeichneten Mondtage.

18.17 Auch Samstag, Dienstag und Sonntag soll man meiden. Unter den Mondhäusern werden Prajapatya und Aindava, Tishya, Magha, Svati und Punarvasu genannt,

18.18 ferner Ashvini, Revati und Hasta, die drei Uttara-Mondhäuser, Maitra und Vaishnava: Sie gelten als glückbringend.

18.19 Zu meiden sind die als blind, einäugig, dornartig oder pfostenartig bezeichneten Konstellationen, ebenso solche, die mit einem Unglücksplaneten verbunden oder von ihm aspektiert sind, sowie die als Viddha und Kankshita bezeichneten.

18.20 Auch eine Verbindung mit Vyatipata ist sorgfältig zu vermeiden. Bewegliche Tierkreiszeichen lasse man aus; die übrigen gelten zusammen mit dem Schützen als günstig. [Die astrologischen Bezeichnungen dieses Abschnitts werden bei unsicherer Zuordnung beibehalten.]

18.21 Drekkana, Teilzeichen und Hora sowie der Anblick wohltätiger Planeten sollen günstig sein. Beim Einsetzen der Gottheit ist dabei ein Aufgang des Mondes auszunehmen. [Die genaue astrologische Bedingung des letzten Satzes bleibt unsicher.]

18.22 Unglücksplaneten im dritten, sechsten und elften Haus können Wohlergehen bewirken. Stehen dieselben im Aszendenten, gefährden sie das Leben des Auftraggebers.

18.23 Im achten Zeichen sind sowohl ungünstige als auch günstige Planeten unerwünscht. Venus ist außerdem im sechsten, siebten und zehnten Haus zu meiden.

18.24 Der Mond gilt außer im zweiten und fünften Haus in den übrigen als günstig; für Jupiter wird entsprechend eine Stellung außerhalb des siebten, zweiten, fünften und neunten Hauses genannt. [Die ungewöhnliche Jupiter-Regel wird nach dem vorliegenden Wortlaut wiedergegeben.]

18.25 Im Aszendenten vermag Jupiter selbst Indra Glück und Wohlstand zu verschaffen. Die Sonne gilt in Verbindung mit Paushna, Hasta und den drei Uttara-Mondhäusern als günstig.

18.26 Saturn wird in Verbindung mit Prajapatya und dem Mondhaus des Windes als günstig bezeichnet. Ein Mittwoch in Verbindung mit Ashvini oder Hasta ist dagegen ungünstig.

18.27 Aryamans Mondhaus und Ardra sind am Donnerstag zu meiden, ebenso Vaishnava und Pushya am Freitag.

18.28 Ein Montag mit Vaishvadeva, ein zweiter Mondtag mit Mittwoch, ein sechster Mondtag mit Donnerstag und ein elfter Mondtag mit Montag

18.29 sowie ein siebter Mondtag mit Paushna sind sorgfältig zu meiden. Bei unheilvollen Vorzeichen, schlechtem Wetter, einem Donnerschlag ohne gewöhnlichen Anlass oder dem Tod eines Asketen

18.30 gilt der Tag als ungeeignet, ebenso beim Tod des Landesherrn. In all diesen und ähnlichen Fällen soll man das Linga nicht einsetzen.

18.31 Nachdem man auf diese Weise die beste Weihezeit geprüft und bestimmt hat, kann die Aufstellung in einem noch zugänglichen Tempel vor dem Einbau des Türrahmens

18.32 oder, nach eigener Entscheidung, vor dem Einsetzen der Dachziegel erfolgen. Ein Bana-Linga, ein von selbst hervorgetretenes Linga sowie andere, etwa aus Edelsteinen bestehende Lingas

18.33 sollen die Kundigen hingegen erst im vollendeten Heiligtum aufstellen. Zuvor lasse man gemäß der Vorschrift die Samen für die rituelle Keimung aussäen.

18.34 Für die vorbereitende rituelle Lagerung lasse der Weise anschließend eine Halle errichten. Für die drei größten Linga-Klassen misst sie zweiunddreißig Hasta.

18.35 Sie hat vierundsechzig Säulen und eine Höhe von fünfzehn Tala. In ihrer Mitte lässt man vier Säulen weg und richtet dort einen Altar ein.

18.36 Dieser schöne Altar umfasst neun Rasterfelder und ist einen Hasta hoch. Um ihn herum liegen Feuergruben: eine viereckige, eine yoniförmige, eine halbmondförmige, eine dreieckige, eine runde und eine sechseckige,

18.37 dazu eine lotusförmige und eine achteckige, insgesamt acht in den acht Richtungen. Zwischen Osten und Nordosten kommt eine weitere runde Feuergrube hinzu.

18.38 Außen herum liegen vierundzwanzig viereckige Feuergruben. Für die drei mittleren Linga-Klassen misst die Halle fünfzehn Hasta.

18.39 Sie hat sechsunddreißig Säulen und eine Höhe von neun Tala. Auch hier werden in der Mitte vier Säulen weggelassen.

18.40 Der dortige Altar umfasst neun Rasterfelder und ist drei Tala hoch. In den acht Richtungen liegen die Feuergruben wie zuvor.

18.41 In den Zwischenrichtungen richte man zusätzlich acht runde Feuergruben ein. Für die drei kleinsten Linga-Klassen beträgt die Breite der Halle zehn Hasta.

18.42 Ihre Höhe beträgt zehn Tala; sie besitzt sechzehn Säulen. In der Mitte liegt ein Altar von zwei Tala Höhe.

18.43 Er ist von neun Feuergruben in der bereits beschriebenen Anordnung umgeben. Diese Einrichtung der Halle gilt für ein Linga mit dem Hasta als Maßeinheit.

18.44 Wird das Maß des Linga anhand des östlichen oder nördlichen Eingangs beziehungsweise des inneren Heiligtums bestimmt, soll die Halle das Doppelte, Dreifache oder Vierfache dieses Maßes erhalten,

18.45 entsprechend der kleineren, mittleren oder größeren Ausführung. Alles Weitere erfolgt wie zuvor. Bei allen Hallen wird der Boden um einen Tala angehoben.

18.46 Um den Altar lege man einen Sockelabsatz von vier, drei oder zwei Angula an, jeweils für die größte und die folgenden Ausführungen. Alles wird aus gebrannten Ziegeln hergestellt,

18.47 oder auch aus ungebrannten; die Fläche sei glatt wie ein Spiegel. Über dem Altar ist der Kumbha-Abschluss der Halle vorzusehen.

18.48 Lassen sich all diese Einrichtungen nicht verwirklichen, vollziehe man das Feueropfer in neun Feuergruben. Die Halle erhält vier Eingänge, jeder mit einem schönen Torbogen.

18.49 Nördlich ihrer Mitte errichte man eine Halle zum Ausarbeiten der Kennzeichen des Linga. Sie misst ein Drittel oder die Hälfte der zuvor genannten Halle.

18.50 In ihrer Mitte errichte man einen Altar mit einer Vertiefung von einem Tala. Vor dem Anbringen der Linien wird das Linga mit einem Schleifstein geglättet,

18.51 wiederholt mit duftendem, sehr kühlem Wasser abgewaschen und in der Halle auf einer reinen, mit Reis aufgeschütteten Ritualfläche

18.52 niedergestellt, die mit Kusha-Gras bedeckt ist. Man bindet dem Linga ein goldenes oder silbernes Schutzband um, bedeckt es mit einem Tuch

18.53 und bettet es, in ein neues Gewand gehüllt, mit dem Kopf nach Osten und der Vorderseite nach oben. Acht umwickelte und mit Wasser gefüllte Krüge für die Weltenhüter

18.54 werden mit Tüchern, Deckeln und Grasbüscheln versehen, aufgestellt und verehrt. So verbleibt das Linga über Nacht. Am Morgen hebt man es zu einer günstigen Stunde

18.55 von diesem Lager und besprengt es mit dem Wasser der Weihekrüge. Die zuvor beschriebene schöne Halle ist mit Kuhdung bestrichen,

18.56 mit Baldachin, Fahnen und Darbha-Girlanden ausgestattet; Gesang, Tanz und sämtliche Musikinstrumente begleiten die Feier.

18.57 In ihrer Mitte lege man eine feste Platte auf den Altar. Das Linga wird auf einem tragfähigen Wagen oder einem anderen Transportmittel herbeigebracht.

18.58 Der Lehrer lässt es durch den Bildhauer mit der Vorderseite nach Osten aufstellen und spricht dabei den Wurzelmantra. Dann nimmt man das Tuch und anschließend das daran befestigte Schutzband ab.

18.59 Man legt eine Blume auf seinen Scheitel und beginnt mit dem Anbringen der Linien. Die darin gegenwärtige Gottheit ist das Wesen der drei Veden, der Herr der drei Welten und die drei Grundeigenschaften umfassend.

18.60 Dieses Linga gehört Sadashiva; auch seine dreifach ausgeführten Formen werden durch die Linien kenntlich gemacht. Daher spricht man von Sutra, der kennzeichnenden Linie. [Die überlieferte Worterklärung ist sprachlich gestört; der Sinn wird vorsichtig wiedergegeben.]

18.61 Die Linien sind sorgfältig anzubringen, damit Vorderseite und Rückseite erkennbar werden. Wo die maßgebliche Linie liegt, ist die Vorderseite; die andere Seite gilt als Rückseite.

18.62 Man setzt eine Markierung in die Mitte des Linga-Scheitels, eine weitere am mittleren, achteckigen Abschnitt und eine in die Mitte der Breite seines Fußes, jeweils mit mineralischem Farbstoff.

18.63 Eine dreifach gedrehte Schnur aus feinem Faden wird mit dieser Farbe bestrichen und vom Zeichen am Scheitel bis zum Zeichen am Fuß gespannt.

18.64 Nach genauer Ausrichtung lässt man sie auf die Vorderseite schnellen; dies heißt Mittellinie. Dann bestimmt man die Breite des Stiels und setzt darüber an.

18.65 Auf beiden Seiten der Mittellinie schlägt man vom Vishnu-Abschnitt bis zum Scheitel zwei weitere Linien an: die beiden Seitenlinien.

18.66 Nachdem man ihre seitliche Verbindung bis zur Rückseite bestimmt hat, lasse man diese Linien mit einer scharfen goldenen Nadel nachziehen,

18.67 durch einen kundigen Meisterbildhauer, als eine Verehrung mit Gold. Er trägt den Schmuck an den fünf dafür vorgesehenen Stellen und ein neues Gewand,

18.68 dazu ein neues Obertuch und ist mit Kusha-Wasser besprengt. Das Nachziehen der Linien soll in rechtsläufiger Reihenfolge geschehen.

18.69 Jetzt erkläre ich dir, Janardana, auch die Maße der Linien. Man teile die gesamte Höhe des der Verehrung dienenden Abschnitts in sechsundneunzig Teile.

18.70 Ein halber solcher Teil gilt als ein Yava; ebenso breit ist die Linie. Ihre Breite kann auch auf andere Weise angegeben werden.

18.71 Beim Linga der allergrößten Klasse beträgt die Linienbreite drei Yava. Bei den übrigen Hasta-Klassen

18.72 vermindert man sie stufenweise um jeweils einen halben Yava bis zum Linga von einem Hasta. Die Eintiefung beträgt ein Achtel oder ein Viertel der Breite.

18.73 Man teile die gesamte Höhe des Verehrungsabschnitts in sechzehn Teile. Oben lasse man vier Teile frei, unten zwei.

18.74 Aus einem Teil bilde man die Knospe, aus neun Teilen zeichne man den Stiel. Für die Breite dieses Stiels teile man die genannte Einheit in drei.

18.75 Zwei dieser Teile bilden seine Breite. Die Knospe soll sich von ihrem Ansatz aus allmählich verjüngen. Danach zeichne man die beiden Seitenlinien.

18.76 Ihr Zusammenlaufen auf der Rückseite ist unter Freilassung zweier Teile vorgesehen. Damit ist die erste Ausführung beschrieben; höre nun die zweite.

18.77 Bei wiederum sechzehn Teilen lasse man oben vier und unten einen frei; dazwischen erhält der Stiel zehn Teile.

18.78 Darüber bilde man die Knospe aus einem Teil. Die beiden Seitenlinien und die Stielbreite sind wie zuvor auszuführen.

18.79 Das ist die zweite Ausführung; höre nun die dritte. Bei zwölf Teilen des Verehrungsabschnitts lasse man oben zwei Teile frei

18.80 und unten einen; der Stiel erhält acht Teile. Die Knospe misst einen Teil, die Seitenlinien werden wie zuvor angelegt.

18.81 Das ist die dritte Ausführung; höre nun die vierte. Bei einer Teilung des Shiva-Abschnitts in sechzehn Teile ergeben sich wiederum drei Varianten.

18.82 Von den sechzehn Teilen lasse man oben drei, zwei oder einen frei und unten zwei. Dazwischen liegt der Stiel, diesmal ohne Knospe. [Die Lesung für die drei oberen Abstände ist verkürzt und wird entsprechend der angekündigten Dreiteilung verstanden.]

18.83 Die beiden Seitenlinien werden wie zuvor ausgeführt. Ihr unteres Herabreichen wird durch fünf, vier, drei oder zwei Teile bestimmt,

18.84 entsprechend der Reihenfolge der mit Brahma beginnenden Formen. Die Unterschiede sind jeweils an den Stiel- und Seitenlinien auszuführen. [Die Zuordnung der vier Abstände bleibt im vorliegenden Wortlaut nicht eindeutig.]

18.85 Nachdem der Bildhauer die Linien mit ihren vorgeschriebenen Kennzeichen ausgeführt hat, stelle man drei Kupfergefäße bereit, jedes mit einem Prastha Fassungsvermögen.

18.86 Unter Rezitation des Purusha-Mantra fülle man sie mit Honig, geklärter Butter und Milch. Man besprenge mit Arghya-Wasser und lege eine goldene Blume nieder.

18.87 Mit Kopftuch und Obertuch bekleidet, nach Norden gewandt und innerlich heiter, sättige der Ausführende die beiden mittleren Linien, deren Gottheit Rudra ist, mit Honig,

18.88 indem er eine goldene Nadel verwendet und den Sarvatman-Mantra spricht. Die rechte Linie, deren Gottheit Brahma ist, sättige er mit geklärter Butter

18.89 und dem Pingala-Mantra, danach die linke Linie, deren Gottheit Vishnu ist, mit Milch und dem Ghorastra-Mantra.

18.90 Nach dieser Sättigung reinige der Mantrakundige das Linga wiederholt mit den fünf Erden und den fünf Erzeugnissen der Kuh; dabei verwendet er der Reihe nach die fünf Brahma-Mantras und den Shiva-Mantra.

18.91 Danach übergieße er es mit reinem Wasser und spreche den Astra-Mantra. Mit Arghya lege er eine Blume auf den Scheitel und spreche den Pranava.

18.92 Er lasse den glückverheißenden Tag ausrufen und besprenge mit dem Purusha-Mantra. Dann stelle er nördlich des Linga dessen Sockel auf und verfahre wie zuvor.

18.93 Nach der Reinigung umwinde der Lehrer das Linga mit Girlanden und versehe es mit einem Grasbüschel von der Länge des Verehrungsabschnitts.

18.94 Linga und Sockel werden der Reihe nach in zwei neue Tücher gehüllt. Unter Rezitation des Schutzmantra besprengt man sie; zuvor erfolgt die Besprengung mit geweihtem Shiva-Wasser und dem Waffenmantra.

18.95 Man setzt sie auf einen Wagen oder ein anderes Transportmittel und bringt sie zu einem nahe gelegenen Gewässer, etwa einem Fluss. Dort, in brusttiefem Wasser,

18.96 stellt man das Linga behutsam samt seinem Transportgestell auf. Den Sockel setzt man an seinem Fuß auf die rechte Seite.

18.97 Ringsum verehre man die Weltenhüter, jeden in seiner Richtung. Über dem Linga errichte man ein Schutzdach, geschmückt mit Baldachin und Fahnen

18.98 sowie mit Darbha-Girlanden. Am Ufer stelle man Lampen auf. Drei Nächte, eine Nacht, einen Tag oder einen halben Tag

18.99 lasse man es im Wasser ruhen und bringe es danach in die Badehalle. Dort wird das Linga auf den Altar gesetzt.

18.100 Man entfernt sämtliche Tücher, Grasbüschel und übrigen Hüllen, badet Linga und Sockel mit geweihtem Shiva-Wasser und vollzieht den Ritus des glückverheißenden Tages.

18.101 Mit dem Shiva-Mantra lasse man es mit den fünf Erzeugnissen der Kuh übergießen. Danach besprengt man es mit reinem Wasser und wiederholt den Sarvatman-Mantra.

18.102 Den Sockel übergießt man mit reinem Wasser unter Rezitation des Gayatri-Mantra der Göttin. Dann bringt man auf dem Scheitel des Linga ein vorzügliches Arghya dar.

18.103 Gesammelt legt man unter Rezitation des Pranava eine Blume mit ungebrochenen Reiskörnern nieder. Anschließend vollziehe man die rituelle Vorbereitung der Halle; deren Verfahren wird nun erklärt.

18.104 Nach ordnungsgemäßer Bewirtung der Brahmanen betrete man die Halle und bestreiche sie mit frischem, reinem Kuhdung.

18.105 Man lasse den glückverheißenden Tag ausrufen und streue mit dem Astra-Mantra weiße Blumen und ungebrochene Reiskörner aus, nach Osten oder Norden gewandt.

18.106 Der Kundige besprenge die Halle ringsum, versehe sie mit einer Darbha-Girlande, spanne oben einen Baldachin aus und umhülle alle Säulen mit neuen weißen

18.107 Tüchern. Ringsum befestige er der Reihe nach die Fahnen der Weltenhüter, jeweils in deren Farbe und mit deren Waffe gekennzeichnet.

18.108 Überall am Rand des Altars lasse man Girlanden herabhängen, an den Ecken Perlenketten samt Wimpeln.

18.109 An den vier Ecken hänge man Kokosnüsse und Blumen auf. Zu beiden Seiten aller Eingänge stelle man Krüge auf, kunstvoll mit weißem Faden umwickelt,

18.110 mit duftendem Wasser gefüllt und mit Zweigen an der Öffnung versehen. Außerhalb des Altars ordne man die Darstellungen der acht Glückszeichen an.

18.111 Auf dem Altar oder außerhalb bringe man eine Reihe von Lampen an. Nach dem Aufstellen der Keimschalen und der übrigen Gefäße vollziehe man den Ritus des glückverheißenden Tages.

18.112 Alles außer den Lampen wird auf aufgeschüttete Ritualflächen gestellt. Danach besprenge man es mit reinem Wasser und dem Shiva-Mantra.

18.113 Anschließend vollziehe man südöstlich des Altars auf einer Sandfläche das Vastu-Feueropfer. Nach dessen Abschluss entlasse man das Feuer.

18.114 Darauf lege der Kundige auf dem Altar vorschriftsmäßig eine aufgeschüttete Ritualfläche an. In der größten Ausführung besteht sie aus zehn Drona Gerste oder anderem geeigneten Getreide.

18.115 Die mittlere Ausführung verwendet die Hälfte, die kleinste wiederum die Hälfte davon. Darüber kommen halb so viel geschälter Reis und darüber nochmals halb so viel Sesam.

18.116 Außen ziehe man drei Begrenzungslinien; in die Mitte zeichne man einen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden. Man streue Blumen und gepuffte Reiskörner darüber.

18.117 Die Fläche wird mit Kusha-Gras umgeben; darauf richtet man das Lager her. Es besteht aus Holz, einem Fell, Haar beziehungsweise Wolle und Baumwollflaum,

18.118 ergänzt durch eine obere Decke: So entstehen die fünf Schichten des Lagers. Die Holzschicht ist ein Brett von einem Milchsaftbaum.

18.119 Die Fellschicht besteht aus einem vorzüglichen Fell, etwa von Tiger oder Antilope; die Haarschicht aus einer Wolldecke oder aus Vogelfedern.

18.120 Die vierte Schicht kann aus dem Flaum des Shalmali-Baumes hergestellt werden. Die obere Decke besteht einfach aus einem feinen Tuch.

18.121 So ist das Lager vorgeschrieben. Fehlen die Materialien, verwende man fünf Tücher. In den Schichten verehre man der Reihe nach die mit Erde beginnenden Tattvas.

18.122 Auf dem Altar verehre man Sumeru, jeweils mit einem aus dem Namen gebildeten Mantra. In den acht inneren Feuergruben ringsum verehre man Bhava und die übrigen Gottgestalten.

18.123 In der Hauptfeuergrube verehre man Shiva, außen herum in den jeweiligen Richtungen die Richtungswächter; in den weiteren Feuergruben verehre man der Reihe nach

18.124 die Vidyeshvaras und die Vasus. So verfahre der vorzügliche Lehrer. In den sechzehn Feuergruben der mittleren Halle verehrt man in der entsprechenden Reihenfolge

18.125 Bhava und die anderen in den Richtungen, Shiva in der Hauptgrube und die mit Bhur beginnenden Welten in den übrigen sieben Feuergruben.

18.126 In der kleinsten Halle vollziehe man die Verehrung in den neun Feuergruben. Im Baldachin verehre man den Mond, in den Richtungsfahnen deren jeweilige Herren.

18.127 In der Darbha-Girlande verehre man Vasuki, in den Perlenketten die vier Lebensziele. An den jeweils zugehörigen Säulen verehre man

18.128 in der größten und mittleren Halle die zwölf Adityas, beginnend mit Vaikartana. Auch für die kleinste Halle werden diese Verehrungen genannt.

18.129 Nachdem man ringsum Dharma und die übrigen verehrt hat, verehre man an den Torbögen, vom Osten ausgehend, Bhadra, Vijaya, Vijrimbha und Lohita. [Die Verteilung der Säulengottheiten in 18.128–129 ist syntaktisch nicht ganz eindeutig.]

18.130 Als Räucherwerk verbrenne man Aloeholz oder mit geklärter Butter bestrichenes Guggulu-Harz. Nachdem der vorzügliche Lehrer die Halle auf diese Weise vorbereitet hat,

18.131 begebe er sich zusammen mit den Opferpriestern und den Hütern der Gottgestalten zum Linga. Als Opferpriester sind Sadhakas vorgesehen, ersatzweise Putrakas.

18.132 Unter dem Klang sämtlicher Musikinstrumente und glückverheißenden Rezitationen wie den Svasti-Hymnen lasse man das Linga von kräftigen Männern auf einen Wagen oder ein anderes Transportmittel heben.

18.133 Durch den westlichen Eingang führe man es in die Halle und lege es mit dem Kopf nach Osten und der Vorderseite nach oben auf das Lager.

18.134 Danach stelle man den Sockel rechts am Fuß des Linga auf. An Linga und Sockel befestige man ein goldenes Schutzband.

18.135 Den drei Abschnitten bringe man Arghya mit Blumen dar, ebenso dem Sockel. Dann bedecke man das Linga mit einem roten Tuch,

18.136 die Pindika hingegen mit einem weißen, jeweils unter Rezitation des zugehörigen Mantra. Mit Arghya, Duftstoffen und Blumen sowie mit Räucherwerk und Licht

18.137 verehre man Rudra, Vishnu und Brahma im runden, achteckigen und viereckigen Abschnitt, jeden mit seinem Mantra. Im Sockel verehre man Manonmani.

18.138 Danach stelle der Kundige die Weihekrüge in der vorgesehenen Reihenfolge auf. Man verwende feste Gefäße aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton.

18.139 Sie seien makellos; die tönernen seien gut gebrannt und glänzend wie reife Bimba-Früchte. Jeder Krug fasse ein halbes Drona und sei ohne Löcher und Risse.

18.140 Das Vardhani-Gefäß hat dasselbe Maß, der Shiva-Krug das doppelte. Alle werden unter Rezitation des Astra-Mantra ausgewaschen.

18.141 Unter Rezitation des Sarvatman-Mantra umwinde man sie mit sehr weißem Faden, dessen Windungen jeweils einen Yava Abstand haben, und fülle sie mit duftendem Wasser.

18.142 Sie erhalten Grasbüschel, Deckel und Zweige an den Öffnungen, werden mit Sandelpulver bestreut, mit ungebrochenen Reiskörnern versehen und in Tücher gehüllt.

18.143 Nachdem alle Krüge so vorbereitet sind, nehme man den dafür bestimmten Krug und stelle ihn rechts neben dem Linga in Höhe seines Kopfes auf.

18.144 Nördlich davon steht der schöne Shakti-Krug. Acht Krüge, welche die Vidyeshvaras verkörpern, stelle man in den acht Richtungen auf.

18.145 In die Shiva zugehörigen Krüge lege man die fünf Edelsteine, in sämtliche übrigen Gold.

18.146 Man lasse den glückverheißenden Tag ausrufen und besprenge mit geweihtem Shiva-Wasser. Im Shiva-Krug verehre man Sadashiva und im zugehörigen Krug Manonmani.

18.147 Auch die Vidyeshvaras verehre der Mantrakundige in ihren Krügen in den Richtungen mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. Danach beginne er das Feueropfer.

18.148 In den Richtungen werden die Veden, beginnend mit dem Rigveda, rezitiert. Im Südwesten wiederhole man den Astra-Mantra, im Nordosten verehre man Shiva.

18.149 Nachdem Feuergruben, Feuer, Opferbutter, kleiner Opferlöffel und die übrigen Geräte gründlich rituell vorbereitet sind, vollziehe der Lehrer das Feueropfer in jeder Grube.

18.150 Oder er weihe das Feuer zunächst in der Hauptgrube, übertrage es in die übrigen und lasse dort die Hüter der Gottgestalten in allen Gruben opfern.

18.151 Zu Beginn des Feueropfers verehre man überall Jatavedas, den Feuergott, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben und spreche den Bija-Mantra des Feuers.

18.152 Danach verehre man die Herren der Feuergruben und spreche den Shiva-Mantra. Überall bringe man mit geklärter Butter das vorbereitende Agnimukha-Opfer dar.

18.153 Als Opfergaben dienen Brennhölzer, geklärte Butter, gekochte Opferspeise, gepuffter Reis, Senfkörner, Gerste, Sesam, Mungbohnen, schwarze Bohnen, Kulattha-Bohnen, Bambuskörner und Wildreis.

18.154 Diese Opferstoffe bringe man mit Wurzel-, Brahma- und Anga-Mantras der Reihe nach hundertmal oder fünfzigmal je Feuergrube dar.

18.155 Für die Hauptgrube ist stets Palasha-Holz bestimmt. Für die Gruben der Hauptrichtungen, vom Osten an, dienen Hölzer von Plaksha, Udumbara, Ashvattha und Vata.

18.156 In den Zwischenrichtungen, beginnend im Südosten, verwendet man Shami, Arka, Mayura und Khadira. Für die übrigen äußeren Feuergruben, o Janardana,

18.157 nehme man überall Udumbara-Holz. Nach Abschluss jeder Art von Opfergabe bringe man mit geklärter Butter ein Vyahriti-Opfer dar. Verfahre überall gleich.

18.158 Mit demselben Mantra, der mit der Vyahriti endet, berühre der Lehrer zusammen mit den Hütern der Gottgestalten das Linga, ein Grasbüschel in der Hand. In jeder Feuergrube wird geopfert.

18.159 Die Hüter der Gottgestalten bringen dabei jeweils zehn Gaben geklärter Butter dar. Anschließend opfere der Lehrer in der Hauptgrube mit dem Wurzelmantra

18.160 zehn Gaben geklärter Butter und danach ebenso der Reihe nach mit jedem der Brahma-Mantras. Anschließend vollziehe er in derselben Grube, o Janardana,

18.161 das Shakti-Feueropfer: Er rufe Manonmani hinein, verehre sie mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben und opfere mit ihrem Mantra.

18.162 Mit ihrem Wurzelmantra und den zugehörigen Anga-Mantras bringe er jeweils zehn Gaben dar, ausschließlich geklärte Butter. Mit diesen Mantras berühre er danach die Pindika.

18.163 Für die Vidyeshvaras, die Herren der Scharen, die Richtungswächter und die zehn Waffen bringe er jeweils eine Gabe geklärter Butter dar.

18.164 Nach fünf abschließenden Opfergaben beende man das Feueropfer, verehre das Feuer und besprenge ringsum. Mit Spelzen und anderem geeigneten Material halte man die Feuer in den Gruben aufrecht.

18.165 Nach der Verehrung der im Feuer gegenwärtigen Gottheit bringe man auch sämtlichen Gottheiten in den Krügen der Reihe nach Opferspeise dar. Die Nacht verbringe man wachend.

18.166 Am Morgen erhebe sich der Lehrer, vollziehe seine täglichen Pflichten und betrete mit den Hütern der Gottgestalten die Halle. Er verehre die in den Krügen gegenwärtigen

18.167 Gottheiten sowie Linga und Sockelabschnitt wie zuvor. Danach entfache er bei günstigem Aszendenten die Feuer in den Gruben.

18.168 Er verehre sämtliche Gottgestalten, opfere mit den Vyahritis, bringe auch das Svishtakrit-Opfer zur Vervollkommnung des Geopferten dar und verehre das Feuer.

18.169 Mit dem großen Opferlöffel bringe er unter Rezitation des Sarvatma-Hridaya-Mantra die volle Abschlussgabe dar, überall zusammen mit den Hütern der Gottgestalten; oder der Guru selbst

18.170 bringe diese volle Gabe in allen Gruben nacheinander dar, beginnend im Osten. Anschließend begebe sich der Lehrer mit dem Bildhauer in das innere Heiligtum.

18.171 Dort setze er den mit den vorgeschriebenen Merkmalen versehenen Brahma-Stein in der Mitte ein. Seine Beschaffenheit und den für seine Einsetzung geeigneten Ort

18.172 höre nun der Reihe nach vollständig von mir, Janardana. Die beste Ausführung ist doppelt so breit wie der Durchmesser des Linga.

18.173 Die mittlere misst das um ein Viertel verminderte Doppelte, also das Eineindreiviertelfache; die kleinste das Eineinhalbfache. In der höchsten Ausführung entspricht die Höhe der Breite, in der mittleren deren Hälfte.

18.174 In der kleinsten Ausführung beträgt die Höhe des Steins ein Viertel seiner Breite. In seiner Mitte wird, genau im Maß der Breite des Linga,

18.175 eine gleichmäßige quadratische Vertiefung angelegt. Ihre Tiefe beträgt einen halben von acht Teilen der Höhe des Brahma-Abschnitts.

18.176 Der besonders Vorschriftenkundige kann sie auch nach Angula bemessen: Beim Linga der allergrößten Klasse ist die Vertiefung fünf Angula tief.

18.177 Bei den übrigen Hasta-Klassen vermindert sie sich jeweils um einen halben Angula. Innerhalb des sorgfältig mit Schnüren eingemessenen Feldes lege der Kundige neun kleine Vertiefungen an.

18.178 Sie liegen jeweils in der Mitte der Rasterfelder und messen je drei Angula. Bei der mittleren Ausführung beträgt das Maß die Hälfte, bei der kleinsten wiederum die Hälfte davon.

18.179 Ihre Tiefe sei jeweils gleich ihrer Breite. Damit sind die Merkmale des Steins erklärt; nun wird sein Aufstellungsort beschrieben.

18.180 Nachdem man die Mitte des Eingangs bestimmt hat, ermittle man von dort aus mit einer Schnur die Mittellinie im Heiligtum und markiere dessen Zentrum.

18.181 Mit einem der Türbreite entsprechenden Maß lege man im Inneren, in der Mitte des Heiligtums, ein regelmäßiges Quadrat an.

18.182 Zweiundzwanzig nach Osten und ebenso viele nach Norden laufende Schnüre ergeben zusammen ein Raster von vierhundertvierzig

18.183 und einem Feld. Das mittlere Feld unterteile man wiederum, sorgfältig mit Schnüren vermessen, in neun Felder.

18.184 Vom südöstlichen Feld bis zum nordwestlichen lasse man fünf Felder aus. In den vier Feldern Brahmas, Somas, Ishas und Shakras

18.185 verlaufen durch deren mittlere Verbindung zwei Schnüre nach Osten und Norden. Mit einer in Rötel getauchten Schnur übertrage man sie deutlich über den Raum des Heiligtums.

18.186 Ihr Schnittpunkt muss klar erkennbar sein. Die nach Osten verlaufende Linie heißt Shiva-Linie, die andere Soma-Linie.

18.187 Dieser Ort heißt Brahma-Stelle; dort setze man den Stein ein. Der Schnittpunkt der Linien soll genau in der Mitte des Brahma-Steins liegen.

18.188 So sollen die Kundigen den Brahma-Stein im Heiligtum einsetzen. Nach seiner Einsetzung achte man darauf, dass er in dieser Lage bleibt.

18.189 In die mittlere Vertiefung lege man eine goldene Schildkröte, ebenmäßig, besonders fest und rundlich; sie ist dem Eingang zugewandt.

18.190 Dann lege man Edelsteine, Mineralstoffe, Samen, Duftstoffe, Metalle und Rankengewächse in die Vertiefungen.

18.191 In die Mitte kommt ein Rubin, nach Osten ein Smaragd, nach Süden ein blauer Saphir und nach Westen Bergkristall.

18.192 Nach Norden kommt ein Diamant, nach Südosten Vaidurya, nach Südwesten eine Perle und nach Nordwesten Padmaraga.

18.193 Nach Nordosten kommt Koralle. In die Mitte wird außerdem Quecksilber gelegt. Unter den weiteren Mineralstoffen werden dann Rötel und Manahshila,

18.194 Haritala und Anjana, Makshika und Glimmer sowie Sindura genannt; sie werden der Reihe nach, beginnend im Osten, eingelegt. [Für die acht Richtungen nennt der vorliegende Text hier nur sieben weitere Stoffe.]

18.195 In die mittlere Vertiefung lege man ungeschälten Reis, in die Hauptrichtungen der Reihe nach Gerste, Mungbohnen, Kulattha-Bohnen und Nishpava-Bohnen.

18.196 In die Zwischenrichtungen kommen Priyangu, Sesam, Wildreis und Senfsamen. Danach lege man Sandelholz in die Mitte, in die Hauptrichtungen Kushtha, Loha, Gewürznelken

18.197 und Kaccola; in die Zwischenrichtungen Jati, Takkola, Safran und Rocana. [Die nicht sicher identifizierbaren Stoffnamen bleiben erhalten.]

18.198 Dann lege man der Reihe nach Gold, Silber, Kupfer, Arakuta, Zinn, Blei, Eisen, Bronze und Messing ein.

18.199 Anschließend kommen Vishnukranti, Sahadevi, Musali, Shri, Bhadra, Indralata, Durva und Girikarni hinzu.

18.200 In der Mitte dieses Brahma genannten Steins setze der Guru mit heiterem Geist die tragende Shakti ein und verehre sie mit Duftstoffen und weiteren Gaben.

18.201 Dann spreche er mit zusammengelegten Händen deutlich diesen Mantra: „Du selbst bist die höchste Shakti; du selbst trägst den Sitz.

18.202 Auf Shivas Geheiß, o Göttin, sollst du hier allezeit gegenwärtig bleiben.“ Nachdem der Lehrer diese Bitte ausgesprochen hat, hebt er zusammen mit den Hütern der Gottgestalten

18.203 und weiteren kräftigen Männern das Linga vom Lager. Nach dem Entfernen der Bedeckung lasse er unter Rezitation des Wurzelmantra Arghya auf seinen Scheitel geben. [Der Gegenstand des Entfernens ist im Sanskrit nicht ausdrücklich genannt.]

18.204 Man setze es auf einen Wagen und umschreite damit den Tempel nach rechts, begleitet vom Klang der Muschelhörner und Trommeln, von Gesang und Tanz.

18.205 Nach dem Eintritt in das innere Heiligtum bringe man auf dem Scheitel Arghya dar. Kräftige Männer heben das Linga ohne Hast vom Wagen

18.206 und stellen es neben dem Brahma-Stein auf, dem Eingang zugewandt. Wenn der Aszendent günstig ist,

18.207 tritt der Auftraggeber, der die Frucht der Handlung ersehnt, mit Söhnen, Freunden und weiteren Angehörigen hinter dem Linga ein, stellt sich davor auf und verneigt sich.

18.208 Von ihm um die Weihe gebeten, soll der Lehrer zusammen mit dem Bildhauer tätig werden. Er trägt Kopftuch, Obertuch und den Schmuck an den fünf vorgesehenen Stellen.

18.209 Nach Norden gewandt, setzt er das Linga unter Rezitation des Ishana-Mantra ein, sodass es geräuschlos, unbeweglich, gut ausgerichtet und fest zu stehen kommt.

18.210 Ein im nordöstlichen Bereich stehendes Linga gewährt Himmel und Befreiung, fördert das Gedeihen der Welt und bringt Reichtum, Getreide und Wohlergehen.

18.211 Darum soll man mit aller Sorgfalt seine Aufstellung im nordöstlichen Bereich vornehmen. Steht es dagegen im östlichen, südlichen, westlichen oder nördlichen Bereich,

18.212 bringt es jeweils den Brahmanen und den folgenden gesellschaftlichen Gruppen Wohlergehen. Danach hebt man die in ein Tuch gehüllte Pindika aus der Halle.

18.213 Mit dem Shakti-Mantra setzt der Lehrer sie auf einen Wagen und bringt sie wie das Linga ins Heiligtum. Dort hebt man sie wieder vom Wagen

18.214 und stellt den Sockel vor dem Linga ab. Danach setzt man die Seitensteine ein; vier sind vorgeschrieben, quadratisch und von gleicher Höhe.

18.215 Auf den im Nandyavarta-Muster angeordneten Steinen wird die mit allen Merkmalen versehene Pindika so aufgestellt, dass ihr Ablauf nach Norden zeigt. Die Fuge zwischen Linga und Sockel

18.216 verschließe man mit einer Mischung aus Lackharz, Rötel und Wachs, Sarja- und Guggulu-Harz, Rohzucker und Öl sowie Steinmehl.

18.217 Diese Stoffe werden durch Kochen eingedickt und so eingefüllt, dass kein Zwischenraum bleibt. Oder man nehme pulverisiertes Sarja-Harz mit Steinmehl

18.218 und Büffelbutter, gleichmäßig vermengt; mit dieser Mischung schließe der kundige Lehrer die Verbindung zwischen Linga und Sockel. [Die genaue Mengenbeziehung ist nicht ausdrücklich angegeben.]

18.219 Der Auftraggeber belohne den Bildhauer dort mit Geld, Getreide, Kleidung und anderen Gaben. Dann entlasse ihn der Guru, nachdem dessen Aufgabe erfüllt ist.

18.220 Der Guru badet zusammen mit den Hütern der Gottgestalten und hält sich an die Shiva-Gelübde. Danach vollzieht er der Reihe nach die Reinigung von Linga und Sockel.

18.221 Man lasse den glückverheißenden Tag ausrufen und besprenge das gesamte innere Heiligtum. Das Linga besprenge man mit diesem Wasser unter Rezitation des Sarvatman-Mantra.

18.222 Der Mantrakundige besprenge den Sockel mit dem Gauri-Gayatri-Mantra. Wasser für die Füße, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya und die fünf Erzeugnisse der Kuh bereite er vorschriftsmäßig vor.

18.223 Dabei wahre er Schweigen. Nachdem er Arghya auf dem Scheitel des Linga dargebracht hat, begebe er sich mit Kopftuch und Obertuch in die Halle.

18.224 Mit dem fünffachen Schmuck versehen und ruhigen Geistes verehre er Shiva und Shakti in ihren Krügen.

18.225 Er verehre auch die Vidyeshvaras und vollziehe sorgfältig das in der Lehre Vorgeschriebene. Unter glückverheißendem Muschelhorn- und Trommelklang, Gesang und Tanz

18.226 hebe der Lehrer selbst den Shiva-Krug an, stütze ihn auf die linke Hand und halte seine Öffnung mit der rechten.

18.227 Die Hüter der Gottgestalten tragen auf gleiche Weise den Shakti-Krug und die übrigen Krüge. Der Auftraggeber folgt dem Guru mit seinen Söhnen und Angehörigen.

18.228 Nach rechts umschreiten sie den Tempel und treten ein. Vorn werden die Krüge der Reihe nach auf eine aufgeschüttete Ritualfläche gestellt.

18.229 Nach Norden gewandt, gestalte der Lehrer seinen eigenen Leib durch Mantras. Er erhebe sich und übergieße das Linga unter Rezitation des Sarvatman-Mantra mit den fünf Erzeugnissen der Kuh,

18.230 danach nochmals mit duftendem Wasser. Anschließend richte er am Fuß des Linga den rituellen Sitz ein.

18.231 Darin rufe er die Gottgestalt herbei, in das Linga Sadashiva. Er vergegenwärtige dessen aus Vidya bestehenden Leib und verehre dann die Gottheiten in den Krügen

18.232 der Reihe nach mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben. Unter Rezitation des Wurzelmantra nehme er Shiva, der im Shiva-Krug gegenwärtig ist,

18.233 als Mantragestalt aus diesem Krug auf und setze ihn mit dessen Wasser, das von der Spitze des Grasbüschels herabfließt, auf dem Scheitel des Linga ein.

18.234 Dann übergieße er das Linga langsam mit dem Wasser des Kruges unter Rezitation des Kalatman-Mantra. Danach übertrage er die Shakti in ihrer tragenden Gestalt

18.235 mit ihrem Mantra aus ihrem Krug entsprechend in den Sockel. Er spreche ihren Gayatri-Mantra und übergieße mit diesem Krug die Pindika.

18.236 Anschließend setze er die acht Gottheiten, im Osten beginnend, kreisförmig im Sockel ein, jeweils mit dem aus ihrem Namen gebildeten Mantra.

18.237 Nach dem Übergießen vollziehe der Kundige nochmals eine Abhisheka mit duftendem Wasser. Dann bringe er an den fünf Köpfen Arghya dar,

18.238 jeweils mit dem Mantra des entsprechenden Gesichts. Darauf setze der Mantrakundige die Mantras der Reihe nach ein: zuerst den Pranava auf dem Scheitel, danach den Kalatman-Mantra.

18.239 Dessen Anga-Mantras setze er an den jeweiligen Gliedern ein. Die fünf Brahma-Mantras, von Ishana bis Sadyojata, platziere er der Reihe nach

18.240 in der Mitte, im Osten, im Süden, im Norden und im Westen, jeweils mit der zugehörigen Mudra. Danach setze er die Kalas ein.

18.241 Zusammen mit ihren Shaktis ordne er sie an den genannten Stellen des Linga an. Dann bilde er eine Faust mit aufgerichtetem Daumen und setze sie

18.242 vor dem Linga auf die Pindika, während er den Shakti-Gayatri wiederholt. Anschließend lege er den Daumen an Shiva und wiederhole den Shiva-Gayatri.

18.243 So wird für einen Menschen, der Befreiung ersehnt, die Verbindung von Shiva und Shakti vollzogen. Für jemanden, der Lebensgenuss ersehnt, erfolgt sie in umgekehrter Reihenfolge.

18.244 Die Pindika ist Shakti, das Linga der höchste Herr. Die Vereinigung, die zwischen beiden hergestellt wird, heißt Weihe.

18.245 Ist das Linga so eingesetzt, zeige man die Linga-Mudra. Danach lege man die Hände zum Gruß zusammen und verehre das Linga.

18.246 Wasser für die Füße, Wasser zum rituellen Schluck und Arghya bringe man an Füßen, Mund und Kopf dar. Für Arghya wird der Hridaya-Mantra genannt, für die weiteren Darbringungen die fünf Brahma-Mantras.

18.247 Die jeweiligen Mantras enden der Reihe nach mit „Namah“, „Svaha“ und „Namah“, o Janardana. Dann verehre der Mantrakundige auf dem Scheitel des Shiva-Linga mit Duftstoffen und weiteren Gaben

18.248 unter Rezitation des Pranava, des Wurzelmantra und der deutlich gesprochenen Brahma-Mantras Kalatman und seine Glieder der Reihe nach.

18.249 Man bestreiche Linga und Sockel reichlich mit Sandelpaste, die mit Kampfer und Aloeholz vermischt ist, und bringe Räucherwerk sowie Licht dar.

18.250 Danach schmücke der Kundige es mit duftenden Girlanden, Gewändern, goldenen Bändern und anderem Schmuck und bringe Opferspeise mit geklärter Butter dar.

18.251 Reinen gekochten Reis, Milchspeise, mit Rohzucker gesüßten Reis, Reis mit Mungbohnen und Krishara-Reis, versehen mit allen Beilagen, mit Rohzucker, Zuckerstücken und geklärter Butter,

18.252 mit Dickmilch und süßen Früchten bringe man den fünf Gesichtern dar. Oder man gebe vorschriftsmäßig nur Milchspeise und reinen gekochten Reis.

18.253 Nach der Darbringung an die fünf Gesichter entferne man die Gaben, vorerst ohne die Gabe an Chanda. Dann bringe man Betel mit wohlriechenden Zusätzen für den Mund dar. [Die Anweisung zu Chanda ist knapp; ihre genaue rituelle Reichweite bleibt unsicher.]

18.254 Danach verehre man die Vidyeshvaras, im Osten beginnend. Uma und die übrigen Herren der Scharen setze man vom Norden ausgehend ein und verehre sie.

18.255 Außerhalb von ihnen verehre man, wiederum vom Osten ausgehend, die Weltenhüter. Zwischen Nordosten und Osten setze man Brahma ein und verehre ihn.

18.256 Zwischen Südwesten und Westen setze man Vishnu ein und verehre ihn. Außerhalb davon verehre man ihre Waffen, beginnend mit dem Donnerkeil.

18.257 Bei einem Tempel mit westlichem Eingang besteht ein gewisser Unterschied: Die Vidyeshvaras verehre man ringsum vom Westen ausgehend.

18.258 Die Herren der Scharen, beginnend mit Uma, verehre man vom Norden ausgehend. Sämtliche unmittelbaren Verehrungsgaben ordne man Sadyojata zu.

18.259 Die fünf Gesichter, beginnend mit Sadyojata, o Janardana, befinden sich der Reihe nach im Westen, Norden, Süden, Osten und oben.

18.260 Diese Anordnung ist festgelegt. Bei dem im Tempel geweihten Linga werden Hände und Füße hingegen in Ausrichtung auf den Eingang vorgestellt.

18.261 So ist bei Sadashiva die Gestalt für Verehrung und ähnliche Handlungen zu vergegenwärtigen. Nach dieser Verehrung bringe man der Reihe nach die Gaben vom Arghya bis zum Licht dar,

18.262 jeweils mit den aus den Namen gebildeten Mantras. Man vollziehe die Umschreitung auf dem rechts- und linksläufigen Weg und bringe Shiva eine Handvoll Blumen dar. [Der hier vorausgesetzte Verlauf der Umschreitung wird im Vers nicht näher erklärt.]

18.263 Zu Boden niedergestreckt, berühre man mit dem Kopf die Erde und verneige sich vor dem Herrn der Götter. Mit den Hütern der Gottgestalten, die in ihren jeweiligen Richtungen stehen, preise und grüße man ihn und bitte:

18.264 „Du, der du die ursprüngliche Gestalt aller Mantras bist: Sei in diesem Linga allezeit gegenwärtig, Mahadeva, aus dem Wunsch, der Welt Gnade zu erweisen.

18.265 Solange Mond und Sonne bestehen, solange die Erde fortbesteht, so lange mögest du aus freiem Willen hier verweilen, Herr der Götter, Allgegenwärtiger.

18.266 Was gemäß der Lehre wissentlich oder unwissentlich ausgeführt wurde, möge durch deine Gnade ganz und vollkommen sein, Maheshvara.“

18.267 Nachdem man dem Herrn der Götter diese Bitte vorgetragen hat, vergegenwärtige man seine Anwesenheit mit der entsprechenden Mudra. Dann festige man der Reihe nach Shiva im Linga mit der Nishthura-Mudra.

18.268 Der Mantrakundige bewirke die Gegenwart mit dem Hridaya-Mantra und ihre Festigung mit dem Aghora-Mantra, aufmerksam auf die Anweisung der Lehre.

18.269 Der Auftraggeber, der die Frucht der Handlung ersehnt, steht vor Shiva mit seinen Söhnen, Brüdern und Angehörigen. Er verneigt sich vor der Gottheit und dem Lehrer.

18.270 Mit frohem Herzen bittet er den Guru immer wieder: „Durch deine Gnade bin ich in dieser Welt zu einem besonders begünstigten Menschen geworden.

18.271 Möge die Handlung, die du heute zur Einsetzung des Linga vollzogen hast, mir das höchste unter den Gütern gewähren und die ersehnte Frucht zustande bringen.

18.272 Sei mir gnädig und erweise mir deine Gunst!“ So spreche er unter wiederholten Verneigungen und schenke reichlichen Besitz, ohne seine Mittel aus Geiz zu verbergen:

18.273 Kühe, Land, Gold, Gewänder, Elefanten, Pferde, Lagerstätten, Sitze, Dienerinnen und Diener, Häuser und Gärten.

18.274 Eine solche umfassende Vergütung gebe er dem Guru. Sind die Hüter der Gottgestalten Sadhakas, erhalten sie ein Viertel, sind sie Putrakas, ein Achtel

18.275 der für den Lehrer bestimmten Vergütung. Für die Sternkundigen und die Vedenrezitatoren werden anschließend ein Viertel, dessen Hälfte und nochmals dessen Hälfte genannt. [Den drei Bruchteilen stehen im vorliegenden Satz nur zwei ausdrücklich genannte Empfängergruppen gegenüber; die vollständige Zuordnung ist unsicher.]

18.276 Anschließend bewirte der Auftraggeber den Lehrer und die übrigen. Er gebe ihnen der Reihe nach wohlschmeckende Speisen und Betel.

18.277 Erst danach esse er selbst. Am vierten Tag errichte der Lehrer vor Shiva eine aufgeschüttete Ritualfläche und vollziehe nach folgendem Verfahren das Feueropfer.

18.278 Mit dem Pranava, dem Wurzelmantra und danach dem Samvatsaratman-Mantra bringe er jeweils hundert Gaben von Brennholz, geklärter Butter und gekochter Opferspeise dar.

18.279 Danach opfere der Lehrer ausschließlich geklärte Butter mit den zugehörigen Anga-Mantras, den Brahma-Mantras und den Kala-Mantras,

18.280 jeweils hundert oder fünfzig Gaben. Mit dem Wurzelmantra der Shakti und ihren Anga-Mantras vollziehe er ebenfalls das Feueropfer in der zuvor genannten Anzahl.

18.281 Nach diesem Feueropfer des vierten Tages vollziehe der Kundige am selben Tag eine rituelle Begießung des Linga, nach Möglichkeit mit tausend oder einer anderen vorgesehenen Zahl von Krügen.

18.282 Danach setze er Chandesha nach dem Chanda-Verfahren im nordöstlichen Bereich ein. Fehlt ein Bild, setze man den Herrn Chanda auf einem Sockel ein.

18.283 Nachdem der Gottheit eine reichliche Speisegabe dargebracht worden ist, lasse man diesem seinen Anteil geben. Noch am selben Tag ordne der vorzügliche Lehrer im Tempel rings um den Herrn

18.284 die Aufstellung der Begleitgottheiten vorschriftsmäßig an. Sieben Tage, fünf Tage, drei Tage oder einen Tag

18.285 feiere man nach der vorgeschriebenen Ordnung das Fest. Oder man vollziehe es mit einem Yantra-Linga; dabei richte man das Fest ohne Bali-Darbringung aus.

18.286 Vom vierten Tag an begehe man der Reihe nach das Fest der göttlichen Waffe. Schon vom Weihetag an soll der Auftraggeber den Lehrer und die übrigen Initiierten

18.287 sowie die anwesenden Maheshvaras während all dieser Tage mit Speisen, Kleidung und weiteren Gaben zufriedenstellen.

18.288 Man vollziehe das abschließende Bad, das alle Verfehlungen tilgt. Der Mensch, der auf diese Weise die Weihe von Linga und Sockel ausführen lässt,

18.289 hat damit die ganze Welt mit allem Unbeweglichen und Beweglichen gegründet. Alle Götter und Göttinnen hat er dadurch ordnungsgemäß eingesetzt.

18.290 Alle Opfer samt vollständigen, vorzüglichen Vergütungen hat er damit vollzogen, ebenso sämtliche Askeseübungen, Schenkungen und Pilgerhandlungen.

18.291 Zusammen mit einundzwanzig Generationen seiner Familie wird er jenseits in Shivas Stadt tausende und hunderte von Zehnmillionen Kalpas

18.292 überreichen Genuss erfahren und danach die Vereinigung mit Shiva erlangen.

Damit endet das achtzehnte Kapitel des Ajita Agama über die Weihe des Linga.

Kapitel 19: Die rituellen Reinigungsbäder

19.1 Nun erkläre ich das vorzügliche Reinigungsbad, das Verfehlungen tilgt. Es wird in sechs Arten beschrieben, die der Reinigung des Körpers dienen.

19.2 Besonders gehört es zur Verehrungspraxis der vier Klassen von Shaivas. Die erste Art heißt Varuna-Bad, die zweite Feuerbad,

19.3 die dritte Indra-Bad, die vierte Windbad, die fünfte Mantra-Bad und die sechste geistiges Bad.

19.4 Diese werde ich hier der Reihe nach kurz erläutern, Janardana. In Flüssen, Strömen, Teichen, kleineren Wasserbecken und überschwemmten Wasserflächen

19.5 vollzieht der Initiierte das Bad der höchsten Klasse; das Bad in einem künstlich angelegten Wasserbecken gilt als mittel, das in länglichen Bassins und ähnlichen Anlagen als geringer. Das Bad zu Hause wird als am wenigsten vorzüglich bezeichnet.

19.6 Bei Tagesanbruch erhebe sich der Kundige von seinem Lager und vollziehe die Verehrung. In sich selbst schaue er das höchste Licht, dessen Wesen Shiva ist.

19.7 „Verehrung dir, Shiva, Sharva, Gott und höchstem Selbst, dir, der du stets von einem einzigen, unveränderlichen Wesen und frei von begrenzender Unterscheidung bist.“

19.8 Nachdem er dies wiederholt hat, begebe er sich mit einem Begleiter aus seinem Haus. Er suche einen menschenleeren, dornenfreien Ort auf.

19.9 Mit bedecktem Kopf lege er die heilige Schnur über das rechte Ohr und wende sich ruhig nach Norden, bei Nacht jedoch nach Süden.

19.10 Dort hocke er sich hin und entleere Darm und Blase, an einer durch Gras oder anderes abgeschirmten Stelle. Er schweige und schaue weder umher

19.11 noch auf sein Glied oder die Ausscheidungen; auch spucke er nicht. Er vermeide eine Ausrichtung auf Kühe, Brahmanen, Feuer, Frauen oder einen Tempel,

19.12 besonders auch auf Asketen. Nicht geeignet sind Stellen mit Kusha oder jungem Gras, mit Kuhdung oder Asche,

19.13 bei einem einzeln stehenden Baum, auf gepflügtem Boden oder an einem Ameisenhügel, in der Nähe des Königs, in einer Grube oder auf einem Leichenplatz.

19.14 Auch in einem Garten oder am Flussufer verrichte der Kundige nicht seine Notdurft. Danach reinige er den After mit einem Grasbüschel

19.15 oder einem Erdklumpen, jedoch nicht mit Holz, einem Stein oder Kuhdung. Nach der Entleerung halte er sein Glied mit der linken Hand,

19.16 erhebe sich und gehe an eine saubere Stelle. Dort beschaffe er reine Erde, nachdem er die oberste Schicht beiseitegenommen hat.

19.17 Die für die Reinigung bestimmte Erde nehme er mit der rechten Hand. Nicht nehmen soll er Erde von einem Damm, einem Ameisenhügel, einem Baum, aus Wasser, aus einem Dorf oder von einem Getreidehaufen,

19.18 und niemals solche, die schon für die Reinigung eines anderen verwendet wurde. Dann begebe er sich zur Reinigung an ein Gewässer.

19.19 Zuerst wasche er die betreffende Uferstelle ab und lege dort die Erde nieder. Mit ihr reinige er sich und verwende Wasser, das mit der rechten Hand geschöpft wird.

19.20 Erde wird einmal am Glied angewendet, siebenmal am After, fünfmal an der linken Hand und siebenmal an beiden Händen.

19.21 Danach wende man Erde je einmal an beiden Füßen an und schließlich nochmals einmal an der Hand.

19.22 Dann erhebe man sich, gehe an eine andere Stelle und vollziehe dort den rituellen Wasserschluck. Mit einem Zahnreinigungshölzchen reinige man die Zähne.

19.23 Ich nenne nun die für die Zahnreinigung geeigneten Hölzer: Shirisha, Bilva, Karanja, Apamarga und Arjuna,

19.24 außerdem Khadira, für den nach Befreiung Strebenden; für den nach Lebensgenuss Strebenden Jambu, Mango und Kakubha. Das Hölzchen soll seine Rinde besitzen, frisch, gerade, von guter Beschaffenheit, gleichmäßig abgeschnitten und fehlerfrei sein.

19.25 Für das Streben nach Befreiung misst es acht Angula, für das Streben nach Lebensgenuss zwölf. So ist das Hölzchen zur Entfernung des Zahnbelags beschrieben.

19.26 Danach reinige man den Gaumen mit einem Palmyra-Blatt oder einem anderen geeigneten Mittel. Nach der Mundreinigung und dem rituellen Wasserschluck hole man für das Bad Erde von einer sauberen Stelle.

19.27 Mit dem Astra-Mantra grabe man sie aus, entferne die obersten vier Angula und nehme die darunterliegende Erde. Am zuvor gewaschenen Ufer

19.28 nehme man sie mit dem Shiras-Mantra auf, reinige sie mit dem Shikha-Mantra und teile sie mit dem Kavacha-Mantra in drei Teile. Mit einem Teil der Erde

19.29 wasche man den Intimbereich bis zum Nabel. Mit einem anderen, über den der Waffenmantra gesprochen wurde, bestreiche man den ganzen Körper und trete ins Wasser.

19.30 Man verschließe die Sinnesöffnungen mit den Händen und vergegenwärtige im Herzen die göttliche Waffe, leuchtend wie das Feuer am Ende der Zeit. Dann tauche man unter und hocke sich ins Wasser.

19.31 Nach dem Bad steige man heraus. Ein Bhautika vollziehe zuerst die brahmanische Sandhya-Verehrung; ein Naishthika verehre ausschließlich die als Astra-Sandhya bezeichnete Gestalt.

19.32 Nach drei Pranayamas wiederhole man den Shiva-Astra-Mantra achthundertmal. Der Mantrakundige spreche den Sarvatma-Hridaya-Mantra mit einem ehrerbietigen Gruß als Abschluss. [Die Zahl aṣṭaśata wird wörtlich als achthundert verstanden; eine möglicherweise gemeinte verkürzte Angabe für einhundertacht wird nicht stillschweigend eingesetzt.]

19.33 Mit zusammengelegten Händen wende er sich dreimal herum und vollziehe die ehrerbietige Hinwendung. Dies ist die für die Shaivas gemeinsam geltende, heilsame Astra-Sandhya.

19.34 Diese strahlende Sandhya ist von der ganzen Welt zu verehren. Sie wird Shivas Shakti genannt, die einzige Zeugin von allem.

19.35 Bei der Sandhya-Verehrung ist sie morgens rötlich, mittags weiß leuchtend und abends dunkel vorzustellen.

19.36 Was an gutem oder schlechtem Tun zur Sandhya-Zeit geschieht, wird durch die Verneigung vor ihr entsprechend vermehrt oder vermindert: Das Gute wächst, das Schlechte schwindet.

19.37 Wer sein eigenes Wohlergehen wünscht, soll sie deshalb verehren. Danach nehme der Kundige die verbliebene Erde in die linke Hand.

19.38 Er trete ins Wasser, stehe der Sonne zugewandt und teile den Erdklumpen in drei Teile. Den vorderen Teil bespricht der Mantrakundige mit dem Astra-Mantra,

19.39 den rechten mit dem Shiva-Mantra, den nördlichen mit dem Schutzmantra, jeden Teil siebenmal.

19.40 Die mit dem Astra-Mantra besprochene Erde werfe er in die Richtungen; mit der durch den Schutzmantra geweihten bestreiche er den Leib vom Kopf an. Die mit dem Shiva-Mantra besprochene Erde gebe er ins Wasser.

19.41 Dort richte er eine Shiva-Badestätte im Umfang einer Armlänge ein. In der rechten und linken Hand setze er der Reihe nach Sonne und Mond ein.

19.42 Dann bilde er die Kumbha-Mudra und gieße Wasser über seinen Kopf, unter Rezitation der fünf Brahma- und sechs Anga-Mantras und im Gedenken an den dreiäugigen Gott.

19.43 Der Mantrakundige tauche unter und spreche den Pranava deutlich. Er bade mit königlicher Sorgfalt, unter Verwendung duftender Amalaka-Früchte und weiterer Mittel.

19.44 Nach dem Heraussteigen aus dem Wasser löse er die zuvor vergegenwärtigte heilige Badestätte wieder auf. Auch mit erwärmtem oder kaltem, reinem Wasser kann der Kundige an einer sauberen

19.45 Stelle oder zu Hause das Bad vorschriftsmäßig vollziehen. Vom Kopf an trockne er sich mit einem weichen, reinen Tuch ab.

19.46 Er lege ein sauberes Gewand an und vollziehe nochmals den rituellen Wasserschluck mit Mantras. Mit gebundenem Haarknoten hocke er sich hin, die Hände zwischen den Knien.

19.47 Den Kopf umhüllt, wasche er Füße und Hände und schweige. Er wende sich nach Osten oder Norden und trage den Pavitra-Grasring an der Hand.

19.48 Einen Fuß setze er ins Wasser, den anderen auf festen Boden. Er forme die Hand wie ein Kuhohr und schöpfe damit Wasser.

19.49 Es sei natürlich beschaffen, rein, ohne Lebewesen, Schaum oder andere Beimischungen; die Menge soll eine Masha-Bohne bedecken können. Er verwende dabei die Atma-, Vidya- und Shiva-Mantras.

19.50 Beim Brahmanen soll das geschluckte Wasser bis zum Herzen gelangen, beim Kshatriya bis zur Kehle und beim Vaishya sowie den weiteren genannten Gruppen bis zum Gaumen. [Der letzte Gruppenbegriff ist im überlieferten Wortlaut nicht eindeutig.]

19.51 Dreimal trinke er über die Brahma-Stelle der Hand; zweimal wische er mit dem Waffenmantra über die Lippen. Dann berühre der Mantrakundige mit dem Sarvatman-Mantra sämtliche Sinnesöffnungen.

19.52 Mit Daumen und Ringfinger berühre er, jeweils rechts vor links, die Augen, danach mit Daumen und Zeigefinger die Nase.

19.53 Mit kleinem Finger und Daumen berühre er die Ohren, mit Mittelfinger und Daumen die Oberarme, mit dem Daumen den Nabel.

19.54 Mit Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinem Finger berühre er die Stelle zwischen den Brüsten; danach berühre er mit sämtlichen Fingerspitzen den Kopf.

19.55 Nach diesem rituellen Wasserschluck lege er den Pavitra-Grasring ab, nehme einen anderen und vollziehe hier das Aghamarshana, die Austreibung der Verfehlungen.

19.56 Wasser in der linken Hand lasse er in Tropfen auf den Kopf gelangen. Mit der Mantra-Sammlung vollziehe der Kundige sorgfältig diese reinigende Besprengung.

19.57 Danach gieße er das Wasser aus der linken in die rechte Hand. Beim Einatmen rieche er daran und vergegenwärtige seine Verfehlungen als etwas Schwarzes.

19.58 Beim Ausatmen stelle er sich mit dem Astra-Mantra vor, wie diese Verfehlungen rasch in das Wasser gelangen. Mit demselben Mantra werfe er das Wasser auf den Boden.

19.59 So wird Aghamarshana vollzogen. Nun wird die sättigende Wasserdarbringung erklärt. Nach dem vorschriftsmäßigen rituellen Wasserschluck trage man wieder den Pavitra-Grasring.

19.60 Mit Blumen, Darbha-Gras und Sesam, jeweils gesondert mit ungebrochenen Reiskörnern verbunden, sättige der Kundige der Reihe nach die Götter, die Rishis und die Ahnen.

19.61 Zuerst nehme er Wasser mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern in die hohlen Hände. Den nun genannten Gottheiten bringe er es über die Fingerspitzen dar:

19.62 Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva; Sarasvati, Lakshmi, Uma, Gauri und Manonmani;

19.63 den acht Gestalten, beginnend mit Bhava, den Shaktis, beginnend mit Vama, den Rudras, Vasus und Adityas, Prajesha und der Gestalt des Opferausrufs Vashat;

19.64 den Weltenhütern, beginnend mit Indra, den Waffen, beginnend mit dem Donnerkeil, und den neun Planetengottheiten, beginnend mit der Sonne, jeweils unter Nennung ihres Namens.

19.65 Der Mantrakundige verwende der Reihe nach den mit der Anfangssilbe versehenen Hridaya-Mantra und dem Abschluss „Svaha“. Danach sättige er auch sämtliche Mantras, beginnend mit dem Wurzelmantra.

19.66 Bei der Wasserdarbringung für die Rishis lasse er die heilige Schnur um den Hals hängen und nehme Wasser mit Kusha-Gras und ungebrochenen Reiskörnern in die hohlen Hände.

19.67 Über die Rishi-Stelle der Hand erfolgt die Wasserdarbringung für die Rishis: Atri, Kratu, Vasishtha, Vishvamitra,

19.68 Marichi, Pulastya und Agastya. Die Formel beginnt mit Om, nennt den jeweiligen Namen und endet mit „Namah“.

19.69 Zur Wasserdarbringung für die Ahnen trage man die heilige Schnur über der rechten Schulter. Man breite Kusha-Gras mit den Spitzen nach Süden auf dem Boden aus und bringe das Wasser an seinen Spitzen dar.

19.70 Für sie fülle man die hohlen Hände mit Wasser, Sesam und ungebrochenen Reiskörnern. Die Darbringung erfolgt in der für die Ahnen geltenden Handhaltung über die Ahnen-Stelle der Hand.

19.71 Man sättige alle Ahnen, beginnend mit Soma, und spreche dabei „Svadha, Namah“ und „Ich sättige“. Ebenso sättige man ihre Gemahlinnen und Nachkommen.

19.72 Nach den zu den Ahnen gehörenden Scharen sättige der Kundige der Reihe nach seinen eigenen Vater unter Nennung seines Namens und seiner Abstammungslinie, in der beschriebenen Weise.

19.73 Danach sättige er den Großvater und Urgroßvater, anschließend die Großmutter und Urgroßmutter.

19.74 Dann sättige der vorzügliche Mantrakundige den Großvater mütterlicherseits sowie den Großvater und Urgroßvater seiner Mutter.

19.75 Gesammelt bringe er auch den Verwandten, Freunden und Lehrern Wasser dar. Danach lege er den Pavitra-Grasring ab und vollziehe vorschriftsmäßig den rituellen Wasserschluck.

19.76 Mit erneut angelegtem Pavitra-Grasring nehme er Wasser in die hohlen Hände und bringe mit dem sechssilbigen Mantra auch der Sonne Wasser dar.

19.77 Damit ist das Wasserbad erklärt; nun wird das Aschebad beschrieben. Es ist das Feuerbad. Die hierfür verwendete Asche ist vierfach.

19.78 Diese vier Arten heißen Kalpa, Anukalpa, Upakalpa und Akalpa; jede folgende gilt gegenüber der vorhergehenden als geringer.

19.79 Den Dung einer jungen, milchgebenden Kuh, die frei von Krankheit und anderen Mängeln ist, fange man unter Rezitation des Pranava auf einem Lotusblatt

19.80 oder einem Palasha-Blatt auf. Man kann auch auf den Boden gefallenen Dung nehmen, wenn man dessen untere und obere Schicht entfernt; so erhält man reinen Kuhdung.

19.81 Daraus forme man unter Rezitation des Sarvatman-Mantra Klumpen. Man trockne sie an einem abgeschiedenen Ort und verbrenne sie im Shiva-Feuer

19.82 oder im ständig unterhaltenen Ritualfeuer. Dabei sei der Kundige rein und spreche den Shiva-Mantra. So ist Kalpa-Asche beschrieben; höre nun von Anukalpa.

19.83 Reinen Kuhdung aus der Wildnis pulverisiere man, gebe ihn in einen neuen Topf und verbrenne ihn wie zuvor. Das gilt als Anukalpa-Asche.

19.84 Aus einer abgebrannten Waldgegend, einem Kuhstall, einem Haus oder einem anderen Ort oder aus einem Ofen zum Brennen von Ziegeln, Tongefäßen und Ähnlichem

19.85 nehme man Asche, forme sie mit Kuhurin zu festen Klumpen, trockne sie und verbrenne sie erneut wie zuvor. Dies heißt Upakalpa.

19.86 Was durch Frauen, Shudras oder andere Personen auf reinem Boden verbrannt wurde, ergibt Akalpa-Asche. Von diesen vier Arten nehme man eine

19.87 und bewahre sie in reinen Gefäßen auf, Janardana. Die weiße Asche wird durch ein Tuch gesiebt, sodass Haare und andere Verunreinigungen entfernt sind.

19.88 Damit wird das besonders wirkungsvolle Feuerbad empfohlen. Der Gelübdetreue vollziehe es morgens, mittags, abends und um Mitternacht.

19.89 Beim ersten Mal folgt es auf das Wasserbad; zu den weiteren Zeiten ist dieses nicht erforderlich. Nicht unmittelbar vor einer Gottheit, auf einem Weg oder in Gegenwart von Feuer oder Guru

19.90 soll man sich mit Asche bestäuben, ebenso wenig auf unreinem Boden. Nach dem rituellen Wasserschluck setze man sich bequem hin, nach Osten oder Norden gewandt.

19.91 Mit der rechten Hand nehme man gesammelt eine Handvoll Asche. Man reinige sie durch die drei Dharanas, Janardana.

19.92 Nach der Besprechung mit den sechs Anga-Mantras lege man sie auf die linke Handfläche. Gesammelt bestäube man damit den Körper, beginnend am Kopf.

19.93 Der Mantrakundige bestäube den Kopf mit dem Ishana-Mantra, das Gesicht mit dem Tatpurusha-Mantra, das Herz mit dem Aghora-Mantra und den Intimbereich mit Vamadeva.

19.94 Die Füße bestäube er mit dem Sadyojata-Mantra, den Rücken mit dem Sarvatman-Mantra; danach verwende er den Astra-Mantra, jeweils rechts vor links.

19.95 Nach dem Bestäuben sämtlicher Körperteile gehe der Kundige an eine andere Stelle, wechsle Gewand und Lendentuch und vollziehe den rituellen Wasserschluck.

19.96 Für Hausväter ist das Wasserbad vorgesehen, für Brahmacharins das Feuerbad. Die vier übrigen Bäder, beginnend mit dem Indra-Bad, sind für beide Gruppen an besondere Anlässe gebunden.

19.97 So wird im Shiva-Agama das Bestäuben mit Asche für den Brahmanen vorgeschrieben. Kshatriyas, Vaishyas und Shudras tragen ein bandförmiges Zeichen auf der Stirn.

19.98 Das Tripundra aus drei Aschelinien ist jedoch für alle vier Varnas geeignet. Beim Brahmanen soll es sechs Angula breit sein,

19.99 beim Kshatriya vier, beim Vaishya drei und bei den Shudras zwei Angula.

19.100 Für die als Savarna und Anuloma bezeichneten Abstammungsgruppen gilt das Tripundra-Maß der Vaishyas. Man bringe es an zweiunddreißig Verbindungsstellen des Körpers, an sechzehn

19.101 oder an acht Körperstellen an, mit weißer Asche und Wasser. Zuerst am Scheitel, dann an der Stirn,

19.102 danach am Herzen und an beiden Oberarmen, sodann an den Schultern und den Ohren,

19.103 in der Mitte der Kehle, an beiden Flanken, links und dann rechts, anschließend am Nacken,

19.104 an den beiden als Trika bezeichneten Stellen, danach an beiden Ellenbogen und Handgelenken sowie an beiden Hüftseiten,

19.105 am Nabel, Bauch und Rücken, danach an den Oberschenkeln, beiden Knien, Unterschenkeln und Füßen. [Die genaue anatomische Zuordnung von Trika ist hier unsicher.]

19.106 Damit sind die zweiunddreißig Stellen genannt. Nun zu den sechzehn: Scheitel, Stirn, Herz, beide Oberarme, Mitte der Kehle,

19.107 Nacken, beide Ohren, beide Flanken, Nabelgegend, beide Ellenbogen und beide Handgelenke.

19.108 So sind die sechzehn Stellen beschrieben. Höre nun die acht: Scheitel, Stirn, Herzgegend, beide Oberarme,

19.109 beide Ohren und Mitte der Kehle. Damit ist die dreifache Bestimmung der Stellen für das Tripundra erklärt.

19.110 Der Hausvater wähle eines dieser Verfahren, die Verfehlungen tilgen. Der Brahmacharin vollziehe dagegen das vorzügliche Bestäuben des ganzen Körpers mit Asche.

19.111 Auch für den Hausvater ist dies als besonderes Verfahren bei Sühnehandlungen vorgeschrieben. Damit sind die beiden durch Wasser und Asche gekennzeichneten Bäder beschrieben.

19.112 Nun werden die vier übrigen Bäder, beginnend mit dem Indra-Bad, der Reihe nach erklärt. Wenn es bei Sonnenschein regnet, wende man sich mit erhobenen Armen nach Osten.

19.113 Man wiederhole den Ishana-Mantra und gehe sieben Schritte. Dies heißt Indra-Bad. Jetzt wird das Windbad beschrieben.

19.114 Dem dichten Staub, den Kühe aufgewirbelt haben und den der Wind in die Luft trägt, folge man und wiederhole dabei den vorzüglichen Purusha-Mantra.

19.115 Man gehe so bis zu hundert Schritte; dies ist das vorzügliche Windbad. Die Besprengung mit Wasser, das durch die mit Sadyojata beginnenden Mantras gereinigt wurde,

19.116 über dem Scheitel heißt Mantra-Bad. Nun wird das geistige Bad erklärt: Es besteht in der inneren Wiederholung des Pranava,

19.117 einhundertachtmal, verbunden mit Pranayama. So vollzieht sich das geistige Bad. Damit habe ich die sechs Bäder beschrieben.

19.118 Nach Berührung durch Geier, Krähen, Hunde, Esel, Kamele, Tauben, Hausschweine oder Haushühner,

19.119 nach Berührung durch einen Virahan-Gelübdetreuen, nach dem Essen bereits dargebrachter Opferreste oder nach Berührung durch eine menstruierende Frau, einen Antyaja, einen Leichnam, eine Wöchnerin oder einen aus seiner religiösen Gemeinschaft Ausgeschlossenen,

19.120 ebenso nach Berührung durch Träger anderer religiöser Kennzeichen vollziehe man das Wasserbad. Das gilt auch bei Kontakt mit Kot, Urin oder Samen, nach unrechtem Essen und nach Erbrechen.

19.121 Wird oberhalb des Nabels ein Körperteil außer den Händen durch Ausscheidungen oder Ähnliches verunreinigt, soll man baden. Die übrigen Stellen werden durch Abwaschen rein.

19.122 Nach dem Schlafen, Essen, Wassertrinken und Verrichten der Notdurft sowie nach dem Verweilen auf einem Lager und Ähnlichem vollziehe der Gelübdetreue das Aschebad.

Damit endet das neunzehnte Kapitel des Ajita Agama über die rituellen Reinigungsbäder.

Kapitel 20: Die tägliche Verehrung

20.1 Nun erkläre ich die tägliche Verehrung, die den Menschen sämtliche Vollkommenheiten gewährt, alle Verfehlungen tilgt und das höchste aller Opfer ist.

20.2 Die Verehrung gilt als zweifach: für einen selbst und für andere. Der Initiierte empfängt von seinem Guru ein bewegliches Linga.

20.3 An diesem oder an einem anderen, vorübergehend hergestellten Linga, auf einer aufgeschütteten Ritualfläche, im Wasser, an einem Götterbild, in einem Mandala oder einem gemalten Bild,

20.4 auf einem Bildtuch oder im eigenen Herzen vollzieht sich die Verehrung für einen selbst. Die Verehrung an einem von selbst entstandenen Shiva-Linga, einem von Bana verehrten Linga,

20.5 einem von den Ganas, den Göttern, den Rishis oder Menschen eingesetzten Linga, an allen Lingas mit Gesichtern oder an bildhaften Darstellungen, Janardana,

20.6 die in Tempeln und anderen Heiligtümern vielerorts aufgestellt sind, wenn sie unter Inanspruchnahme eines von einem König, königsgleichen Förderern oder den Bewohnern des Landes

20.7 eingerichteten Unterhalts vollzogen wird, heißt Verehrung für andere, weil sie anderen die Frucht zukommen lässt.

20.8 Im Shiva-Agama ist sie einem Brahmanen vorbehalten, der bei Shiva Zuflucht genommen hat. Den drei mit den Kshatriyas beginnenden Gruppen und Außenstehenden ist die Verehrung für andere nicht zugewiesen.

20.9 Für die als Savarna, Anuloma und ähnlich bezeichneten Gruppen ist die Verehrung für einen selbst vorgesehen. Von diesen beiden Arten höre nun die Verehrung für andere, die ich dir erklären werde, Janardana.

20.10 Sie ist achtfach; ihre Formen werden jetzt beschrieben. Es gibt drei höchste, drei mittlere

20.11 und zwei geringere Formen: So wird diese Puja als achtfach bezeichnet. Wird während der vier Zeitabschnitte des Tages in jedem Abschnitt

20.12 und während der vier Abschnitte der Nacht ebenfalls jeweils vorschriftsmäßig verehrt, so ist dies die höchste der höchsten Formen. [Yama bezeichnet hier jeweils ein Viertel des Tages beziehungsweise der Nacht.]

20.13 Die Verehrung in allen vier Tagesabschnitten und drei Nachtabschnitten heißt die mittlere unter den höchsten Formen.

20.14 Die Verehrung zu den vier Übergangszeiten des Tages und zwei Übergangszeiten der Nacht, also zu sechs Zeiten, heißt die geringste unter den höchsten Formen.

20.15 Die Verehrung am Morgen, Mittag und Abend sowie im zweiten und vierten Nachtabschnitt heißt die höchste unter den mittleren Formen.

20.16 Entfällt dabei die Verehrung zur halben Nacht, ist sie die mittlere unter den mittleren Formen. Die Verehrung am Morgen, Mittag und Abend ist die geringste unter den mittleren Formen.

20.17 Die Verehrung am Morgen und Abend ist die höchste unter den geringeren Formen; eine einmal täglich vollzogene Verehrung ist die mittlere unter den geringeren Formen.

20.18 Eine geringste unter den geringeren Formen ist für Lingas nicht vorgesehen. Darum ist im Tantra diese Achtteilung festgelegt.

20.19 Außerdem wird die Verehrung dreifach genannt: rein, gemischt und umfassend verbunden. Die reine endet mit der Darbringung der Opferspeise; die gemischte mit dem täglichen Fest.

20.20 Die umfassend verbundene endet mit dem reinen Tanz. Die Verehrung, welche die Menschen am Morgen, Mittag und Abend vollziehen,

20.21 soll als gemischte oder insbesondere als umfassend verbundene ausgeführt werden. Auch wenn ausreichend Mittel vorhanden sind, werden diese beiden Formen für die zusätzlichen Übergangszeiten

20.22 nicht empfohlen, Janardana. An ihnen soll ausschließlich die reine Verehrung stattfinden; so lautet die Bestimmung der Lehre.

20.23 Die vom Sonnenaufgang bis zum Ende eines Yama vollzogene Verehrung heißt morgendliche Sandhya und zählt als große Sandhya.

20.24 Die danach innerhalb eines halben Yama dargebrachte Verehrung gilt als zusätzliche Sandhya. Die zur Mittagszeit innerhalb eines Yama vollzogene Verehrung

20.25 heißt Mittags-Sandhya und ebenfalls große Sandhya. Die danach innerhalb eines halben Yama dargebrachte Verehrung

20.26 ist wiederum eine zusätzliche Sandhya. Für die vier Yamas des Tages sind somit zwei große und zwei zusätzliche Sandhyas genannt.

20.27 Die vom Sonnenuntergang bis zum Ende des ersten Yama der Nacht vollzogene Verehrung gilt ebenfalls als große Sandhya. Danach folgt eine weitere nach einem halben Yama.

20.28 Nach einem weiteren halben Yama ordne man die dritte an; die vierte richte man danach in einem Zeitraum von fünf Nadikas ein.

20.29 Diese fünf Nadikas liegen unmittelbar vor Sonnenaufgang. Somit gibt es nachts eine große Sandhya, Hari,

20.30 und drei zusätzliche Sandhyas. So ist die Reihenfolge der Verehrungen beschrieben, wenn die erforderlichen Mittel vorhanden sind.

20.31 Von diesen acht Formen der Verehrung wähle man eine. Wird an einem Linga die zuvor ordnungsgemäß eingeführte Verehrung

20.32 mangelhaft vollzogen, ist eine Sühnehandlung vorgeschrieben. In diesem Wissen verehre man sorgfältig und gemäß der Vorschrift.

20.33 Der Priester erhebe sich morgens und vollziehe sein tägliches Bad und die übrigen Pflichten. Dann umschreite er den Shiva-Tempel nach rechts und trete ein.

20.34 Mit gewaschenen Füßen und nach dem rituellen Wasserschluck stehe er im Inneren des Tempels oder neben dem Eingang und lege dort eine Blume für Brahma nieder.

20.35 Dann spreche er die mit „Anantasana“ gebildete Formel, die mit „Namah“ endet, und setze sich bequem auf den Sitz, nach Norden gewandt und heiteren Geistes.

20.36 Mit dem Astra-Mantra vergegenwärtige er eine Umwallung des Shiva-Heiligtums. Mit dem Schutzmantra überdecke er es, um die Opferhandlung zu schützen.

20.37 Danach vollziehe er die Reinigung seiner selbst. Diese gilt als zweifach, denn hier umfasst der Ausdruck Selbst sowohl die Seele als auch den Körper.

20.38 Ihre beiderseitige Reinigung heißt deshalb Selbstreinigung. Mit dem Pavitra-Grasring an der Hand bereite der Verehrende das allgemeine Arghya zu.

20.39 Wasser mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern gilt als allgemeines Arghya. Damit besprenge er seinen Kopf unter Rezitation des Astra-Mantra.

20.40 Dann bringe er vorschriftsmäßig das Tripundra mit weißer Asche an und vollziehe drei Pranayamas in der mit dem Ausatmen beginnenden Reihenfolge.

20.41 Er vergegenwärtige seinen inneren Hohlraum von den Fußsohlen bis zum Scheitel. In dessen Mitte verläuft die Sushumna; in ihr

20.42 und zugleich innen und außen gegenwärtig denke er sich die raumartige Shakti. In der Mitte des Hohlraums vergegenwärtige er die Silbe Hum, leuchtend wie ein Blitz, und halte den Atem an.

20.43 Der Mantrakundige versenke seinen Geist in das aufwärts befindliche Hum. Am Ende des Ausatmens durchbreche er damit, ergänzt um den Abschluss Phat,

20.44 die Knoten am Herzen, an der Kehle, am Gaumen, zwischen den Augenbrauen und an der Scheitelöffnung. Dann kehre er zurück und sammle mit dem Einatmen das Bewusstsein

20.45 im Herzen. Mit dem Hridaya-Mantra vergegenwärtige er dort den in die Bija-Gestalt eingeschlossenen Jiva und seinen mit der achtfachen feinstofflichen Stadt verbundenen Leib. [Der Bija-Ausdruck sānta wird hier nicht zu einer ungesicherten Mantrasilbe ergänzt.]

20.46 Das feine, unvergängliche Selbst befinde sich an der Flammenspitze des Hum. Nach dem Atemanhalten führe er es mit dem Ausatmen nach oben,

20.47 durch die zuvor genannten Öffnungen, unter Anwendung des aufsprengenden Hum-Mantra. Dann setze er es in Shiva ein, der an der oberen Spitze wie reiner Bergkristall leuchtet,

20.48 zwölf Angula darüber gegenwärtig ist und die Gestalt des Pranava besitzt. Danach vergegenwärtige er seinen eigenen Körper und verbrenne ihn bis zu seinen feinen Haaren

20.49 durch fortlaufende Flammenkränze aus der Mitte des Feuermandalas, von den großen Zehen bis zum Scheitel.

20.50 Alle Verfehlungen sind restlos verbrannt. Er stelle sich den gereinigten, strahlenden Körper als weiße Asche vor und beginne die Reinigung der Elemente.

20.51 Der Körper aller verkörperten Wesen ist aus den fünf Elementen gebildet. Die an ihnen vollzogene Reinigung heißt daher Elementereinigung.

20.52 Obwohl die Elementanteile in diesem Körper miteinander vermischt bestehen, soll man sie für die Reinigung in voneinander abgegrenzten Bereichen vergegenwärtigen.

20.53 Weil die Reinigung aus Mantra besteht, vollziehe man sie durch Mantra. Mit den fünf Bija-Mantras, beginnend mit dem der Erde, Janardana,

20.54 verbinde man gesammelt der Reihe nach Hridaya, Shiras, Shikha, Kavacha und Astra.

20.55 An jeden füge man gesondert den Abschluss Hum Phat an. Unter Vergegenwärtigung der jeweiligen Mandalas und übrigen Merkmale reinige man die fünf Elemente.

20.56 Das Erdmandala ist viereckig, kurkumagelb, fest und mit einem Donnerkeil gekennzeichnet. Es verkörpert die Nivritti-Kala; seine Gottheit ist Brahma.

20.57 Es reicht bis zu den Knien. Mit fünf aufsprengenden Mantra-Anwendungen reinige man diesen Erdanteil. Danach folgt die Reinigung des Wasseranteils.

20.58 Das Wassermandala ist bogenförmig, weiß, sanft und mit einem Lotus gekennzeichnet. Es verkörpert die Pratishtha-Shakti und wird von Vishnu beherrscht.

20.59 Es reicht bis zum Nabel und wird durch vier aufsprengende Anwendungen gereinigt. Das Feuermandala ist rot, dreieckig und mit einem Svastika gekennzeichnet,

20.60 heftig, eine Gestalt der Vidya-Kala und Rudra zugehörig; es reicht bis zur Kehle. Seine Reinigung erfolgt durch drei aufsprengende Anwendungen.

20.61 Das Windmandala ist sechseckig, schwarz, mit sechs Punkten gekennzeichnet, beweglich, eine Gestalt der Shanti-Kala und Ishvara zugehörig; es reicht bis zur Stirn.

20.62 Es wird durch zwei aufsprengende Anwendungen gereinigt. Das Raummandala ist rund, hell und mit einem Dreizack gekennzeichnet,

20.63 makellos, Shantyatita genannt und Sadashiva zugehörig. Es erstreckt sich von der Stirn bis zum zwölf Angula darüber liegenden Bereich und wird durch eine aufsprengende Anwendung gereinigt.

20.64 Nachdem die Elemente dieses Körpers gereinigt sind, reinige man auch die Körperstoffe: Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen,

20.65 Mark und Samen. Ihre Reinigung erfolgt durch die sieben mit Bhur beginnenden Mantras. Man stelle sich diese Stoffe der Reihe nach am Kopf, Gesicht, an der Kehle, am Herzen, im Intimbereich, an den Knien

20.66 und den Füßen vor, Janardana. Den so gereinigten Körper fülle man mit dem Nektar, der vom höchsten Nektarwesen herabströmt,

20.67 von Shiva in der Gestalt des Pranava. Dieser Nektar tritt durch die Scheitelöffnung ein; dabei spreche man den Bija-Mantra des Mondes.

20.68 Dann vergegenwärtige man den Körper als rein und leuchtend wie den fleckenlosen Vollmond am klaren Himmel.

20.69 Nachdem Körper und Selbst auf diese Weise gereinigt wurden, ist der Leib zu Shiva geworden und ebenso das in ihm verkörperte Wesen.

20.70 In dessen Herzen bilde man einen Sitz als achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden. Dorthin bringe man das leidfreie, ungestörte Selbst,

20.71 in Bija-Gestalt und von einem strahlenden Kranz von Licht umgeben, aus dem im Raum gelegenen Dvadashanta herab und setze es als Shiva ein.

20.72 Man übergieße es mit Nektar. Dann hole man mit beiden Händen Shiva in der Gestalt des Pranava aus dem Raum herab, unter Rezitation des Wurzelmantra mit dem Abschluss Vaushat,

20.73 und setze ihn als Nektargestalt über dem Atma-Tattva ein. Danach vollziehe man das Einsetzen der Mantras in die Hände; dessen Verfahren erkläre ich nun.

20.74 Handflächen und Handrücken werden mit duftender Sandelpaste bestrichen, gegeneinander gerieben und mit gutem Räucherwerk beräuchert.

20.75 Nach ihrer Reinigung mit dem Astra- und dem Wurzelmantra setzt der Lehrer an den Fingern beider Hände und ihren Gliederungen, auch an den Daumen,

20.76 den fünften Brahma-Mantra ein und anschließend die vier mit Purusha beginnenden der Reihe nach in Zeige- bis kleinen Finger. [Der fünfte Mantra ist hier Ishana; die Satzstellung ordnet ihn den Daumen zu.]

20.77 Dann setze er die fünf mit Hridaya beginnenden Mantras der Reihe nach in die fünf Finger ein, diesmal vom kleinen Finger ausgehend, und den Netra-Mantra in die Handflächen.

20.78 Dies heißt Einsetzung zur Erhaltung; die umgekehrte Reihenfolge bewirkt die Auflösung. Danach setze man Sonne und Mond in die rechte beziehungsweise linke Hand ein,

20.79 jeweils mit ihrem Mantra. Mit den Mittelfingern umschließe man die Hände gegenseitig unter Rezitation des Kavacha-Mantra. Danach bilde man mit beiden Händen

20.80 die Schildkröten-Mudra und beende die Einsetzung in die Hände. Nun folgt die Einsetzung in die Körperglieder mit diesen Mantras, Janardana.

20.81 In Scheitel, Gesicht, Herzgegend, Intimbereich und Füße setze man die fünf zusammengefassten Brahma-Mantras ein, beginnend mit Ishana.

20.82 Mit geschlossener Faust und der Daumenspitze setze man Ishana am Scheitel ein; mit Zeigefinger und Daumen Tatpurusha im Gesicht.

20.83 Mit Mittelfinger und Daumen setze man Aghora im Herzen ein, mit Daumen und Ringfinger Vamadeva im Intimbereich.

20.84 Mit kleinem Finger und Daumen setze man Sadyojata an den Füßen ein. Damit ist das Verfahren mit den zusammengefassten Mantras erklärt; nun folgt das mit den Kala-Mantras.

20.85 Fünf, vier, acht, dreizehn und wiederum acht Kalas werden der Reihe nach Ishana und den folgenden Mantras zugeordnet.

20.86 Entsprechend gibt es Shaktis und zugehörige Stellen. Shashini, Angada, Nishtha, Marichi und Jvalini

20.87 setze man gemeinsam mit ihren Kalas der Reihe nach in der Mitte des Scheitels, im Osten, Süden, Norden und Westen ein.

20.88 Nachdem man so die fünf Kalas Ishanas eingesetzt hat, folgen der Reihe nach Shanti, Vidya, Pratishtha und Nivritti.

20.89 Im östlichen, südlichen, nördlichen und westlichen Gesicht setze man sie zusammen mit den Kalas Tatpurushas ein.

20.90 Bei der Einsetzung der Tatpurusha-Kalas gilt eine Besonderheit: Den Pranava, verbunden mit der Shantyatita-Kala, setze man im nach oben gerichteten Gesicht

20.91 des Shiva-Linga ein; am eigenen Körper ist dies nicht vorgesehen. Tamas, Moha, Kshudha, Nidra, Mrityu, Maya, Bhaya und Jara

20.92 sind die Shaktis der Aghora-Kalas. Zusammen mit den acht Kalas setze man sie am Herzen, an der Kehle, beiden Schultern, am Nabel, Bauch, Rücken und an der Brust ein.

20.93 Danach setze man die dreizehn Kalas Vamadevas zusammen mit ihren Shaktis ein. Ich nenne sie dir der Reihe nach:

20.94 Rajas, Raksha, Rati, Pali, Kama, Samyamini, Kriya, Buddhi, Karya, Dhatri, Bhramini und Mohini. [Der Text kündigt dreizehn Shaktis an, nennt hier jedoch nur zwölf eindeutig abtrennbare Namen.]

20.95 Diese setze man der Reihe nach mit ihren Kalas im Intimbereich, am Glied, an beiden Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln, Gesäßhälften, an der Hüfte

20.96 und an beiden Flanken ein. Anschließend setze man die acht Kalas des Sadyojata-Mantra gemeinsam mit ihren Shaktis ein.

20.97 Als Shaktis werden Siddhi, Riddhi, Dyuti, Lakshmi, Medha, Kanti, Svadha und Dhriti genannt. Höre nun ihre Stellen der Reihe nach:

20.98 beide Füße, beide Hände, Nase, Kopf und beide Oberarme. So setze man die achtunddreißig Kalas mit ihren jeweiligen Shaktis ein.

20.99 Danach setze man mit den jeweils zugehörigen Mudras die Anga-Mantras in die Körperglieder ein: Hridaya ins Herz, Shiras in den Kopf,

20.100 Shikha in den Haarknoten, Kavacha in die Brust und Netra in die beiden Augen; dort setze man die zugehörigen Silben ein.

20.101 Man setze a am Scheitel ein, ā an der Stirn, i und ī der Reihe nach an der rechten und linken Augenbraue.

20.102 Ebenso setze man u und ū in die beiden Augen ein, ṛ und dessen lange Form in die beiden Nasenöffnungen.

20.103 Die beiden Formen des vokalischen l setze man entsprechend in die beiden Zahnreihen ein, e in die Oberlippe und ai in die Unterlippe.

20.104 Danach setze man o und au in die beiden Ohren ein, aṃ und aḥ in die beiden Wangen.

20.105 Die k-Lautgruppe setze man in die rechte Hand, die c-Lautgruppe in die linke, die ṭ-Lautgruppe in den Bauch und die t- und p-Lautgruppen in die beiden Flanken ein.

20.106 Die mit y beginnende Gruppe setze man in den rechten Fuß ein, die mit ś beginnende in den linken. Den Laut ḷ setze man ins Herz ein, ebenso den Wurzelmantra. [Die ungewöhnliche Lesung ḷ wird beibehalten.]

20.107 Durch diese Einsetzungen der Mantras und ihrer Laute mache man den Körper zu einem Leib aus Vidya. Durch die große Mudra vollziehe man die Erhebung in den höchsten Zustand.

20.108 Man lasse den Körper im Licht erstrahlen und beende die Selbstreinigung. Zur Reinigung des Ortes wende man dann den Naracha-Astra-Mantra an,

20.109 verschließe zunächst die Richtungen, klatsche dreimal und vollziehe mit dem Astra-Mantra die Abgrenzung ringsum, mit Kavacha die schützende Umhüllung.

20.110 So ist die Reinigung des Opferraums erklärt. Danach vollziehe man vorschriftsmäßig die innere Verehrung im Herzen,

20.111 das innere Feueropfer am Nabel und die meditative Versenkung an der Stirn. Dann reinige man die Opferstoffe. Diese Reinigung wird nun beschrieben.

20.112 Alle Gefäße werden unter Anwendung des Astra-Mantra ausgewaschen. Der Mantrakundige fülle die Gefäße für das Fußwasser, das Wasser zum rituellen Schluck und das Arghya

20.113 mit duftendem Wasser, das durch ein Tuch gefiltert ist. Unter Rezitation der Mantra-Sammlung lege er die jeweils zugehörigen Zutaten hinein.

20.114 Er bespricht dies mit dem Pranava, versiegelt es mit der Kuh-Mudra und umhüllt die Gefäße schützend mit dem Kavacha-Mantra.

20.115 Die Stoffe wie Duftgaben und Blumen besprenge er mit dem Astra-Mantra, benetze sie mit dem Kavacha-Mantra und berühre sie unter Rezitation der Mantra-Sammlung.

20.116 So ist die Reinigung der Opferstoffe vorzunehmen. Danach besprenge man seinen eigenen Kopf mit Arghya und dem Astra-Mantra und lege mit dem Wurzelmantra eine Blume auf den Scheitel.

20.117 Mit duftender Sandelpaste bringe man ein Tilaka auf der Stirn an. Danach vollziehe man die Reinigung der Mantras; sie wird nun erklärt.

20.118 Schweigend und in Versenkung auf Shiva spreche man sämtliche Mantras, beginnend mit dem Wurzelmantra, deutlich aus: Sie werden durch Om zum Leuchten gebracht und bis zum Ende des Nada geführt.

20.119 Nach dieser Reinigung der Mantras verehre man die Gottheiten des Eingangs. Mit Kopftuch und Obertuch bekleidet, nehme man das allgemeine Arghya.

20.120 Vor dem Linga, am Platz des Stieres, beginne man dessen Verehrung. Man übergieße ihn mit Wasser unter Rezitation des Gayatri-Mantra des Stieres.

20.121 Arghya wird auf seinem Kopf dargebracht; mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben wird er verehrt. Dann trete man zum Tempel. An dessen rechter und linker Seite

20.122 verehre man der Reihe nach Nandin und Ganga sowie Mahakala und Yamuna. Über dem Eingang verehre man den Herrn der Hindernisse, rechts von ihm Bharati.

20.123 An den Türflügeln verehre man rechts Vimala und links Subahu. Zuerst spreche man den Pranava, dann den Herz-Bija,

20.124 danach den jeweiligen Namen im Dativ, verbunden mit „Namah“. Mit diesem Mantra vollziehe man die vorzügliche Verehrung aller dieser Gottheiten.

20.125 Unter Anwendung des Naracha-Astra-Mantra trete man ins Tempelinnere. Man werfe mit dem Astra-Mantra eine Blume hinein und stoße dreimal mit der rechten Ferse auf.

20.126 Mit dem rechten Fuß trete man ein, nahe am linken Türpfosten, ohne die Schwelle zu berühren.

20.127 Auf die Schwelle werfe man mit dem Astra-Mantra eine Blume, um Hindernisse zu beseitigen. Dann verehre man die große Glocke mit dem Waffenmantra und schlage sie an.

20.128 Beim Herantreten an die Gottheit ziehe man einen Vorhang vor. Durch den Blick vertreibe man himmlische Hindernisse, durch den Blumenwurf diejenigen im Luftraum

20.129 und durch den Fersenstoß die auf der Erde befindlichen. Dann trete man zum Linga und bringe Arghya auf seinem Scheitel dar.

20.130 Mit dem allgemeinen Arghya und dem Gayatri-Mantra ehre man die bei der vorhergehenden Sandhya dargebrachten Gaben. Beim Abnehmen der Opferreste wiederhole der Kundige die fünf Brahma-Mantras.

20.131 Mit kleinem Finger und Ringfinger nehme er sie ab und lege sie ehrerbietig auf seinen Kopf. Eine Blume, die mit Zeige- und Mittelfinger aufgenommen wurde,

20.132 lege er nach dem Entfernen der Opferreste im nordöstlichen Bereich der Pindika nieder, mit der Widmung „für Chandesha“. Danach lasse man sie draußen Chanda darbringen. [Die Unterscheidung der beiden Handgriffe in 20.131–132 ist knapp überliefert.]

20.133 Am Morgen entferne man auch den übrigen Schmuck, reinige ihn mit einem geeigneten Mittel, wasche ihn unter Rezitation des Astra-Mantra und lege ihn beiseite. Dann reinige man das Linga.

20.134 In einer Wasserwanne bereite man gut mit Sandel und anderen Stoffen beduftetes Wasser zu. Man bespricht es mit der Mantra-Sammlung oder mit reinigenden Rezitationen.

20.135 Man verwende einen Krug aus Gold oder einem anderen verfügbaren Material, dessen Umfang dem eigenen Kopf entspricht oder der einen halben Shiva, also ein Adhaka, fasst. [Die Entsprechung der Maße wird in 22.97–98 erklärt.]

20.136 Der Krug sei ohne Löcher, sehr rein und mit dem Astra-Mantra gereinigt. Mit ihm schöpfe man Wasser und vollziehe die Reinigung des Linga.

20.137 Mit einem festen Büschel aus Kusha, Ushira-Wurzeln oder ähnlichem Material reinige man Linga und Sockel wiederholt.

20.138 Unter Rezitation des Astra-Mantra wasche man gründlich und mehrfach nach; der Scheitel darf dabei nicht ohne eine Gabe bleiben. Nach dem Übergießen lasse man auch den umgebenden Platz reinigen.

20.139 Nachdem diese fünf gereinigt sind – man selbst, der Ort, die Stoffe, die Mantras und das Linga –, verehre der Mantrakundige Sadashiva im Linga.

20.140 Für die Verehrung bereite er dessen Sitz und verehre Shiva. Er sitze oder stehe an der Seite, nach Norden gewandt.

20.141 Auf dem Sockel vergegenwärtige er den Sitz. Dieser ist die tragende Grundlage; der von ihm Getragene ist Shiva, der oben in seiner Gestalt gegenwärtig ist.

20.142 Der Sitz wird mit dem Wort verglichen, Sadashiva mit dessen Bedeutung; ebenso der Sitz mit Bindu und Shiva mit Nada.

20.143 So wird die Untrennbarkeit von Shiva und Shakti verstanden. Shakti selbst ist der göttliche Sitz. Ich erkläre ihn dir nun.

20.144 Am Fuß des Linga verehre man zuerst Shakti in ihrer tragenden Gestalt, darüber Ananta und über diesem den Löwenthron.

20.145 Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaften und Herrschaftskraft vergegenwärtige man als vier Löwengestalten in den Ecken, vom Südosten ausgehend.

20.146 Ihre Farben sind Weiß, Rot, Gelb und Schwarz. Die vier Gegensätze, beginnend mit Adharma, befinden sich in den Hauptrichtungen.

20.147 Sie werden als lapislazuliblau beschrieben, vom Osten ausgehend. Oberhalb der Erkenntnis verehre man die untere Decke; danach verehre man die obere Decke

20.148 oberhalb der Herrschaftskraft. Diese beiden werden unten und oben vorgestellt. Dazwischen setze man der Reihe nach Tamas, Rajas und Sattva ein.

20.149 Nach dieser Verehrung des Löwenthrons verehre man den Yoga-Sitz. Das Unmanifeste, Niyati, Kala als Zeit und Kala als begrenzte Handlungskraft

20.150 verehre der Mantrakundige vom Osten ausgehend. Ihre Farben sind der Reihe nach Weiß, Schwarz, Rot und Rauchgrau. Danach verehre er Vimala.

20.151 Darüber verehre man das Atma-Tattva, darüber das Vidya-Tattva und darüber das Shiva-Tattva. Dann verehre man den Lotus-Sitz.

20.152 In dessen Mitte verehre man den Fruchtboden und auf den acht Blütenblättern der Reihe nach die acht Shaktis, beginnend mit Vama, vom Osten ausgehend.

20.153 In der Mitte verehre man die Göttin Manonmani. Auf den Nebenblättern verehre man das Sonnenmandala und darüber dessen Herrn,

20.154 Brahma. Anschließend verehre man an den Spitzen der Staubfäden das Mondmandala und darüber dessen Herrn,

20.155 Vishnu, in den vier Richtungen. Danach verehre man in der Mitte auf dem Fruchtboden das Feuermandala und darüber

20.156 dessen Herrn Rudra, ganz oben aber den Shiva-Sitz. Mit den aus ihren Namen gebildeten Mantras, mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben

20.157 verehre man der Reihe nach sämtliche Gottheiten, die diesen Sitz bilden. So stelle man den Shiva-Sitz als aus allen Tattvas von der Erde bis zur reinen Vidya bestehend vor.

20.158 Danach vergegenwärtige man die Gottgestalt. Man fülle die hohlen Hände mit Blumen, sei standhaften Geistes und beherrsche die Sinne.

20.159 Die göttliche Gestalt sitzt im gebundenen Lotussitz und gleicht reinem Bergkristall. Sie besitzt fünf Gesichter und Köpfe, ist ganz freundlich und lächelt.

20.160 Sie strahlt wie zehn Millionen Sonnen, in frischer, kraftvoller Jugend, mit zehn Händen; aufrecht gebundene rötlichbraune Haarflechten schmücken sie.

20.161 In jedem Gesicht leuchten drei Augen als drei strahlende Shaktis. Die Mondsichel der Erkenntnis krönt sie; sie ist die Ursache aller Ursachen.

20.162 Die rechten Hände zeigen die Furchtlosigkeitsgeste und tragen Dreizack, Axt, Schwert und Donnerkeil; die anderen Hände halten Schlinge, Schlange, Elefantenstachel,

20.163 Feuer und Glocke. Diese Gestalt des höchsten Herrn besitzt alle vollkommenen Kennzeichen und ist mit sämtlichem Schmuck versehen.

20.164 Sie trägt ein Gewand aus Vidya, ist schön, mit himmlischen Girlanden und duftenden Salben geschmückt. So vergegenwärtige man die Gestalt auf dem zuvor beschriebenen Shiva-Sitz.

20.165 Mit denselben in den Händen gehaltenen Blumen rufe der Verehrende die Gestalt durch den folgenden Mantra herbei. Höre den Mantra, Janardana.

20.166 Zuerst spreche man den Pranava, danach dreimal den Herz-Bija, dann den Ausdruck „Shivamurti“ im Dativ, Hari,

20.167 verbunden mit „Namah“. Dies wird als Murti-Mantra angegeben. Nach dieser Anrufung setze man im oberen Gesicht, das Bergkristall gleicht,

20.168 Ishana ein; im Tatpurusha-Gesicht, das wie eine Karnikara-Blüte leuchtet, den Purusha-Mantra; im Aghora-Gesicht, das wie aufgebrochene schwarze Augensalbe glänzt,

20.169 den Bahurupa-Mantra; im Vamadeva-Gesicht, das einer Hibiskusblüte gleicht, den Vama-Mantra. Im westlichen Gesicht, das wie Jasmin und Mond leuchtet,

20.170 setze der Mantrakundige mit der entsprechenden Mudra Sadyojata ein. Auch die achtunddreißig Kalas setze er wie zuvor ein.

20.171 Dann mache man diesen Leib des höchsten Herrn zu einem Leib aus Vidya. Der dafür bestimmte Mantra wird so angegeben, Janardana:

20.172 Man spreche den Dvadashanta-Ausdruck, dann Hauṃ, vom Herz-Bija eingeschlossen, und füge den Ausdruck „Vidyadeha“

20.173 im Dativ sowie „Namah“ an. Wenn mit diesem vorzüglichen Mantra Arghya auf Shivas Scheitel dargebracht wird,

20.174 entsteht der aus Vidya bestehende Leib, den alle Götter verehren. Danach fülle man die hohlen Hände mit schönen, aufgeblühten Blumen.

20.175 Im Hohlraum des Herzlotus, an der Bindu-Stelle, vergegenwärtige man Shiva, der höchstes Selbst genannt wird, den Herrn, der selbst das Höchste übersteigt.

20.176 Man verbinde ihn mit Dvadashanta in der Beziehung von Bezeichnetem und Bezeichnendem: Er ist reines Bewusstsein, in allen Wesen gegenwärtig, die Ursache aller Ursachen.

20.177 Nach dieser Versenkung führe man ihn über den Weg des Atems herbei und auf den Scheitel des Linga, unter Rezitation des Wurzelmantra, dem Sadyojata vorausgeht.

20.178 Mit denselben Blumen in den hohlen Händen und der Anrufungs-Mudra rufe ihn der Kundige herbei. Anschließend vollziehe er die Einsetzung und die folgenden Handlungen.

20.179 Obwohl Shiva stets gegenwärtig ist, dient die tägliche Anrufung in der Gestalt des Linga dazu, ihn offenbar werden zu lassen.

20.180 Den offenbar Gewordenen setze man mit dem Vama-Mantra und der Einsetzungs-Mudra ein. Mit dem Bahurupa-Mantra und der entsprechenden Mudra bewirke man seine unmittelbare Gegenwart.

20.181 Danach festige man diese Gegenwart mit dem Purusha-Mantra und zeige die Nishthura-Mudra. Unter Rezitation des Ishana-Mantra lege man eine Blume nieder

20.182 und heiße ihn willkommen. Man bringe Wasser an den Füßen, Wasser zum rituellen Schluck an den Gesichtern und Arghya am Kopf dar,

20.183 der Reihe nach mit Sadyojata, Bahurupa und dem fünften Brahma-Mantra. Danach schlage man die Glocke an und entferne den Vorhang.

20.184 Den Herrn der Götter übergieße man unter Rezitation des Sarvatma-Hridaya-Mantra, der Mantra-Sammlung und reinigender Sprüche.

20.185 Nach dem Verfahren für die fünf Erzeugnisse der Kuh vollziehe man die entsprechende Abhisheka mit dem Sarvatma-Hridaya-Mantra. Danach, Janardana,

20.186 übergieße man mit reinem Wasser unter Rezitation des Shiva-Gayatri. Mit Mehlen aus Reis, Weizen, Wildreis, Gerste, schwarzen Bohnen und anderen geeigneten Körnern

20.187 bestreiche man Linga und Altar wiederholt der Reihe nach, entferne so die fettigen Rückstände und übergieße den Herrn immer wieder mit reinem Wasser.

20.188 Ebenso bestreiche der Mantrakundige mit Pulver von Lakshmi und Amalaka und gieße Wasser darüber; danach verwende er Kurkuma.

20.189 Nach diesem Bestreichen übergieße er mit duftendem Wasser unter reinigenden Rezitationen. An den Gesichtern bringe er Wasser zum rituellen Schluck dar und spreche die jeweiligen Mantras.

20.190 Der Kundige ziehe den Vorhang vor und lasse den Platz reinigen. Unter dem Klang der großen Glocke bringe er Arghya auf dem Scheitel des Linga dar.

20.191 Mit dem Pranava trockne der Mantrakundige Linga und Sockel mit einem Baumwolltuch ab und entferne das anhaftende Wasser.

20.192 Er lege ein beräuchertes Gewand aus verfügbarem Material an, etwa Dukula, Seide, Devanga-Gewebe oder Baumwolle, darüber ein goldenes Gewand.

20.193 Mit fein verriebener Sandelpaste, Aloeholz, Kampfer und Safran oder allein mit Sandelpaste bestreiche er das Linga reichlich.

20.194 Mit dem Pranava bringe er einmal Arghya und Blumen an den Köpfen dar. Mit dem Wurzelmantra verehre er den Herrn der Götter auf dem Scheitel des Linga.

20.195 Dort verehre er ihn auch mit dem fünften Brahma-Mantra, im Osten mit Purusha, im Süden mit Bahurupa, im Norden mit Vamadeva

20.196 und im Westen mit Sadyojata. Danach verehre er Hridaya im Südosten, Shiras im Nordosten,

20.197 Shikha im Südwesten und Kavacha im Nordwesten, Astra im Süden und Netra im nordöstlichen Bereich.

20.198 Bei der Verehrung kommt zuerst die Arghya-Gabe; darauf folgen der Reihe nach Duftstoff, Blumen, Räucherwerk und Licht.

20.199 Dann bringe man sämtliche Schmuckstücke samt heiliger Schnur dar und schmücke mit Girlanden aus duftenden Blumen.

20.200 Danach bringe man die einleitend angebotene Opferspeise an dem zugewandten Gesicht dar. Vor Shiva nehme man die große Glocke und schlage sie an.

20.201 Auch bei der Darbringung der Opferspeise gebe man Wasser zum rituellen Schluck. Die Speise besprenge man mit dem Hridaya-Mantra und spreche den Astra-Mantra.

20.202 Oder man wende den Naracha-Astra-Mantra in den vier Richtungen an. Mit der Kuh-Mudra lasse man die Speise erstrahlen und zu Nektar werden.

20.203 Mit Blumen in der Hand bringe man die Opferspeise unter Rezitation des Wurzelmantra dar. Danach lasse man fünf Atemzüge verstreichen.

20.204 Man gebe Wasser zum rituellen Schluck und verehre mit dem Hridaya-Mantra. Nachdem man die Speise Chandesha zugewiesen hat, bringe man mit demselben Mantra Betel dar.

20.205 Unter Glockenklang entferne man den Vorhang und bringe Räucherwerk und Licht dar. Ihr Verfahren wird nun erklärt.

20.206 In das Räuchergefäß lege man glühende, nicht rauchende Kohlen und bringe darauf das verbrennende Räucherwerk dar. Dieses wird in drei Arten angegeben.

20.207 Empfohlen wird schwarzes Aloeholz mit Kampfer, außerdem Shitari oder Guggulu-Harz mit geklärter Butter.

20.208 Das Licht besteht aus einem mit Kuhbutter getränkten Kampferdocht. Bei der Darbringung von Räucherwerk und Licht schlage man mit der linken Hand die Glocke an.

20.209 Das Räucherwerk besprenge man mit dem Astra-Mantra und bringe es mit dem zugehörigen Mantra dar. Ebenso verfahre man mit dem Licht und lasse es im Lampengefäß leuchten.

20.210 Mit dem Hridaya-Mantra bringe man der Reihe nach Fächer, Spiegel, Schirm und Wedel dar. Mit preisenden Hymnen,

20.211 Gesang, Tanz und Instrumentalmusik, mit Siegesrufen und anderen glückverheißenden Lauten erfreue man den im Linga gegenwärtigen Herrn der Götter, den Herrn der Welt.

20.212 Danach folgt die Darbringung der Opferspeisen an die fünf Gesichter: reiner gekochter Reis für Ishana, mit Rohzucker gesüßter Reis für Tatpurusha,

20.213 Krishara für das südliche Gesicht, Reis mit Mungbohnen für das nördliche und Milchspeise für das westliche. Gesammelt nenne man die jeweiligen Namen.

20.214 Man bringe die Speisen in den zugehörigen Richtungen dar; die Gabe für Ishana liegt vorn. Fehlen die fünf verschiedenen Opferspeisen, bringe man vorn reinen gekochten Reis dar.

20.215 Danach folgt die Bali-Darbringung für den Herrn der Stiere, für Nandin und Mahakala am Eingang und anschließend draußen der Reihe nach

20.216 für jene Gottheiten, die ich bei der Ordnung der Begleitgottheiten genannt habe, Hari. Diese Gaben lasse man durch einen Putraka mit weißem Obertuch darbringen.

20.217 Dann bringe man Betel mit wohlriechenden Zusätzen für den Mund dar. Man nehme das allgemeine Arghya und verehre die Gottheiten der umgebenden Kreise.

20.218 Anantesha, Sukshma, Shivottama, Ekanetra, Ekarudra, Trimurti, Shrikantha und Shikhandin

20.219 verehre man vom vorderen Bereich ausgehend. Uma, Chanda, Nandin, Mahakala, den Stier, Vighnesha,

20.220 Mahasena und Bhringisha verehre man von der linken Seite ausgehend. Danach verehre man Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna,

20.221 Vayu, Soma, Ishana, Ananta und den auf dem Lotus sitzenden Brahma. Anschließend verehre man Donnerkeil, Speer und Stab,

20.222 Schwert, Schlinge, Elefantenstachel, Keule, Dreizack, Lotus und Diskus, jeweils in der zugehörigen Richtung.

20.223 Den Lotus verehre man zwischen Osten und Nordosten, außerhalb von Brahma; den Diskus zwischen Südwesten und Westen, außerhalb von Keshava.

20.224 So verehre der Kundige auf dem Sockel die Gottheiten der vier umgebenden Kreise, der Reihe nach jeweils weiter nach außen fortschreitend.

20.225 Alle werden nach dem zuvor beschriebenen Verfahren mit ihren eigenen Namen verehrt. Unter dem Klang der großen Glocke entferne man den Vorhang.

20.226 Mit dem allgemeinen Arghya in der Hand trete man in das Küchengebäude. Dort befindet sich im Südosten eine quadratische Feuergrube von einem Hasta,

20.227 mit drei umlaufenden Rändern und einer Yoni an der Südseite. Man bestreiche sie mit Kuhdung und versehe sie mit vier Grassitzen.

20.228 Nach Norden gewandt setze man sich, grüße das entzündete Feuer, bringe Arghya dar und besprenge es ringsum.

20.229 Der Reihe nach verehre man die Richtungswächter mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben. Dann stelle man im Feuer einen Lotus als Shiva-Sitz vor.

20.230 Man spreche die mit „Padmasana“ gebildete Formel samt „Namah“. Wie Sadashiva für das Linga beschrieben wurde,

20.231 so vergegenwärtige man ihn auch hier, mit den fünf Brahma- und den Anga-Mantras. Nach Anrufung und allen weiteren Handlungen beginne man das Feueropfer.

20.232 Man bereite die geklärte Butter rituell vor, besprenge Brennholz und gekochte Opferspeise, opfere mit den Vyahritis geklärte Butter und verehre Shiva erneut.

20.233 Von Brennholz, geklärter Butter und gekochter Opferspeise bringe man mit dem Wurzelmantra der Reihe nach jeweils fünfundzwanzig oder zehn Gaben dar.

20.234 Mit den fünf Brahma-Mantras und den Anga-Mantras Shivas opfere man jeweils fünf Gaben geklärter Butter. Danach bringe man für Ananta und die folgenden Gottheiten der Reihe nach

20.235 jeweils eine Gabe dar, gegebenenfalls mit dem Astra-Mantra verbunden. Das Opfer kann mit Sesam und gekochter Opferspeise oder mit geklärter Butter und gekochter Opferspeise vollzogen werden.

20.236 Nach Abschluss des Feueropfers verehre man die Gottheit und besprenge ringsum. Dann verlasse der Mantrakundige den Feuerraum und trete wieder ins innere Heiligtum.

20.237 Anschließend vollziehe er das tägliche Fest gemäß der Lehre. Nach dessen Abschluss übe er Japa nach seinen Kräften.

20.238 Der Verehrende wähle eine der drei Arten von Japa, beginnend mit dem geistigen. Nach der Wiederholung erhebe er sich und vollziehe dreimal die Umschreitung

20.239 auf dem rechts- und linksläufigen Weg. Dann bringe er eine Handvoll Wasser dar. Höre nun, Janardana, das Verfahren dieser Wassergabe.

20.240 Man nehme Arghya-Wasser in die hohle rechte Hand und vergegenwärtige die mit Duftstoffen, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern verehrte Gottheit im Herzen.

20.241 Der Mantrakundige spreche diesen Mantra; höre aufmerksam: „Du höchst geheimer Hüter des Geheimen, nimm die von uns vollzogene Mantrawiederholung an.

20.242 Möge durch sie, dank deiner Gnade, Vollkommenheit in mir entstehen und beständig bleiben. Was immer ich tue, o Gott, Gutes oder Schlechtes,

20.243 nimm es von mir an und lass es vergehen, Shankara, während ich in Shivas Zustand verweile. Shiva ist der Geber, Shiva der Empfangende; Shiva ist diese ganze Welt.

20.244 Shiva vollzieht überall die Verehrung. Derjenige, der Shiva ist, bin ich selbst.“ Nachdem man diesen Mantra gesprochen hat, füge man den eigenen Namen und den Wurzelmantra hinzu,

20.245 bringe das Wasser am Fuß des Linga dar und entlasse es mit der Bitte „Verzeihe“. Nach diesem Abschluss der morgendlichen Sandhya beginne man die zusätzliche Sandhya.

20.246 Nach der Verehrung der Eingangsgottheiten trete man ins innere Heiligtum. Unter den Reinigungen vollziehe man dort auch die Reinigung des Linga.

20.247 Man bereite den Sitz, rufe die Gottheit herbei und verehre Shiva mit den Brahma- und Anga-Mantras. Nun wird die Besonderheit der Mittags-Sandhya erklärt.

20.248 Anstelle der Begießung mit den Erzeugnissen der Kuh tritt das Verfahren mit den fünf Nektaren. Bei der zusätzlichen Sandhya nach Mittag verfahre man wie bei der zweiten Verehrung des Tages.

20.249 Für die erste und zweite Verehrung der Nacht gilt folgende Besonderheit, Bester der Götter: Bei beiden vollziehe man Aratrika, die kreisende Lichtdarbringung.

20.250 Bei dieser Verehrung ist außerdem Folgendes vorgesehen: Man hole die mit allem Schmuck versehene Göttin von ihrem Shakti-Heiligtum

20.251 unter Gesang, Tanz, Muschelhorn- und Trommelklang und stelle sie im inneren Heiligtum links neben das Linga.

20.252 Der Verehrende ehre Gott und Göttin mit der Acht-Blumen-Verehrung, bringe dem göttlichen Paar Opferspeise dar und schließe so die Puja ab.

20.253 Oder man stelle zwei schöne Sandalen aus Gold oder einem anderen geeigneten Material auf eine Platte und verehre in ihnen die Gottheit.

20.254 Auf dem Kopf getragen, bringe man die Sandalen unter Muschelhorn- und Trommelklang, mit Pfauenfeder- und Haarwedeln begleitet, zum Shakti-Heiligtum.

20.255 Auf dem überaus schönen, für das göttliche Paar bereiteten Lager verehre man Shiva zusammen mit Shakti. Der Mantrakundige stelle die Sandalen links

20.256 neben dem Lager auf und erweise ihnen die Ehren eines Weltenherrschers. Dem göttlichen Paar bringe man dort Opferspeise, Kuchen und andere Gaben dar.

20.257 Mit Gesang, Tanz, Muschelhorn- und Trommelklang schließe man so die zweite nächtliche Verehrung ordnungsgemäß ab.

20.258 Die dritte, zusätzliche Sandhya vollziehe man wie zuvor. Bei der vierten Verehrung lasse man unter Muschelhorn- und Trommelklang

20.259 Shambhu erwachen und beginne danach die Puja. Zu dieser Zeit stelle man die Sandalen wieder wie zuvor auf eine Platte,

20.260 bringe sie unter Instrumentalmusik zurück ins innere Heiligtum, verehre den unvergänglichen Gott und überführe seine Gegenwart zur Verehrung in das Linga.

20.261 Dann vollziehe der Verehrende Selbstreinigung und die übrigen Vorbereitungen. Bei den fünf zusätzlichen Sandhyas kann man auch die Begießung und die weiteren ausführlichen Handlungen

20.262 weglassen, die Acht-Blumen-Verehrung darbringen, Opferspeise geben und damit abschließen. Mit dem Wurzelmantra, dem Murti-Mantra und den sechs Anga-Mantras der Reihe nach

20.263 jeweils nach dem Arghya eine Blume darzubringen: Dies heißt Acht-Blumen-Verehrung. Eine Überschreitung der festgesetzten Zeit ist ein Fehler; eine Verkürzung der Dauer dagegen nicht.

20.264 Darum verehre man mit aller Sorgfalt zu den jeweiligen Zeiten. Für die Reinigung ist eine Nadika vorgesehen, ebenso eine Nadika für die Begießung,

20.265 eine für die Verehrung und eine für das Schmücken. Für die Speisedarbringung gilt eine halbe Nadika, ebenso für die Bali-Gabe

20.266 und für die Verehrung der umgebenden Gottheiten. Die verbleibende Zeit entfällt auf das tägliche Fest. So ist die gemischte Form geordnet. Bei der umfassend verbundenen Form fasse man die vier mit der Speisegabe beginnenden Handlungen

20.267 in einer Nadika zusammen und ordne die übrigen bis zum Tanz an. Damit ist die Zeiteinteilung der drei großen Sandhyas erklärt.

20.268 Bei den fünf Reinigungen zu Beginn, bei der Verehrung und beim Schmücken, bei jeder Speisedarbringung und bei der Verehrung der umgebenden Gottheiten

20.269 sowie bei der Darbringung von Betel und ähnlichen Gaben ziehe der Kundige den Vorhang vor. Beim Bad, beim Öffnen des Vorhangs, am Ende der Speisedarbringung,

20.270 bei Aratrika, Bali und dem täglichen Fest lasse man Instrumentalmusik erklingen. Ausschließlich Muschelhornklang verwende man

20.271 beim Heranbringen von Opferspeise, Betel, Girlanden und anderen Gaben, ebenso von weiteren Speisen und Getränken.

20.272 So lasse es der in der Lehre bewanderte Lehrer bei der täglichen Verehrung ausführen. Dies ist die Verehrung für andere. Die Verehrung für einen selbst, Janardana,

20.273 wird einmal, zweimal oder dreimal am Tag vorgeschrieben. Dabei sind weder die Verehrung der Eingangsgottheiten noch eine Darbringung an Chandesha vorgesehen.

20.274 Ebenso entfallen die einleitende Speisegabe, das tägliche Fest, die große Glocke und das Vorziehen des Vorhangs.

20.275 Auch das Verfahren des reinen Tanzes ist nicht vorgeschrieben. Nach der Verehrung der Sonne, des Herrn der Hindernisse und des Guru vollziehe der vorzügliche Mantrakundige die Verehrung für sich selbst.

Damit endet das zwanzigste Kapitel des Ajita Agama über die tägliche Verehrung.

Kapitel 21: Das Feueropfer

21.1 Nun erkläre ich das Feuerritual, ein Mittel zu Lebensgenuss und Befreiung. Das Darbringen von Opfergaben ins Feuer wird Feuerritual genannt.

21.2 Im Linga gegenwärtig, empfängt Shiva die Verehrung; im Feuer gegenwärtig, empfängt er die geopferte Speise. Es ist derselbe eine Shiva, der an beiden Orten gleichermaßen gegenwärtig ist.

21.3 In diesem Bewusstsein verehre man Shiva sorgfältig im Linga und im Feuer. Aus gut gebrannten Ziegeln, ersatzweise aus ungebrannten,

21.4 errichte man eine Feuergrube und vollziehe darin das Feueropfer. Die Grube besitzt drei umlaufende Ränder oder nur einen.

21.5 Ihre Tiefe entspricht ihrer Breite. Ihre Maße werden nun erklärt. Für fünfzig beziehungsweise hundert Opfergaben werden als Maße eine Faust und ein Ratni genannt. [Die Zuordnung folgt der zunehmenden Größe; die Zahlen stehen im Sanskrit in umgekehrter Reihenfolge.]

21.6 Für tausend und zehntausend Opfergaben beträgt das Maß der Reihe nach einen und zwei Hasta; für hunderttausend vier und für eine Million sechs Hasta.

21.7 Für zehn Millionen Opfergaben misst die Grube acht Hasta; größer soll man sie nicht anlegen. Auch zehntausend Millionen Gaben können in einer Grube von acht Hasta geopfert werden.

21.8 Das Faustmaß beträgt fünf Angula, ein Ratni fünfzehn. Bei einer Feuergrube vom Faustmaß misst der erste Rand einen halben Angula,

21.9 der darüberliegende einen und der dritte zwei Angula. Bei einer Grube von einem Ratni beträgt der erste Rand einen Angula,

21.10 der nächste zwei und der darüberliegende drei. Bei einer Grube von einem Hasta misst der erste Rand zwei Angula,

21.11 der zweite drei und der dritte vier. Bei einer Grube von zwei Hasta werden die drei Ränder mit drei, vier und sechs Angula

21.12 ausgeführt, nach demselben Verfahren. Bei einer Grube von vier Hasta beträgt der erste Rand vier Angula,

21.13 der zweite sechs und der obere acht. Bei einer Grube von sechs Hasta misst der erste Rand sechs Angula,

21.14 der zweite acht und der dritte zehn. Bei einer Grube von acht Hasta beträgt der erste Rand acht Angula,

21.15 der zweite zehn und der dritte zwölf. Bei einer Grube vom Faustmaß ist die Yoni zwölf Angula lang

21.16 und acht Angula breit; ihr Lippenrand ist einen Angula breit. Bei den übrigen Klassen wachsen Länge und Breite jeweils um einen Angula.

21.17 Damit sind die Ränder beschrieben; nun folgen die Formen der Feuergruben. In den Hauptrichtungen lege man eine quadratische, eine bogenförmige, eine runde und eine lotusförmige Grube an,

21.18 in den Zwischenrichtungen eine yoniförmige, eine dreieckige, eine sechseckige und eine achteckige. Sämtliche Grubenformen werden aus einem Quadrat entwickelt.

21.19 Zuerst lege man eine nach Osten verlaufende Schnur aus, dann eine zweite nach Norden. Damit bilde man ein regelmäßiges Quadrat im festgesetzten Maß.

21.20 Man teile dieses quadratische Feld in zehn Teile und lasse im Norden einen Teil sowie im Süden einen Teil frei.

21.21 Der dazwischenliegende Abstand wird mit einer Schnur genau gemessen. Man befestige diese sorgfältig an der markierten nördlichen Linie

21.22 und schlage von der Markierung aus einen Bogen nach Süden. Die gerade Sehnenlinie liegt im Norden. So entsteht die bogenförmige Feuergrube.

21.23 Bei einem in neun Teile gegliederten Quadrat führe man einen halben Teil nach außen. Mit der Hälfte des so erhaltenen Maßes als Radius zeichne man einen Kreis. [Der Ausdruck für den Zuschlag ist knapp; die Lesung als halber Teil bleibt vorläufig.]

21.24 Damit ist die runde Form beschrieben. Bei einem in acht Teile gegliederten Quadrat trage der Kundige in jeder der vier Richtungen einen Teil nach außen ab.

21.25 Von dort bestimme er die Mitte, messe mit der Schnur sorgfältig und markiere die entsprechenden Mittelpunkte in den vier Richtungen.

21.26 An diesen Stellen befestige er die Schnur und schlage in jeder Richtung einen Bogen bis zur Begrenzung der Grube. So entsteht die lotusförmige Feuergrube.

21.27 Dies ist ein vierblättriger Lotus; nun folgt der achtblättrige. Das regelmäßige Quadrat wird in vierundzwanzig Teile gegliedert.

21.28 Ringsum lasse man einen Teil frei und bilde ein inneres Quadrat. Man nehme das Maß von dessen Mitte bis zur Ecke und markiere es in den Richtungen.

21.29 Mit vier Schnüren von je elf Teilen lege man in den Richtungen ein weiteres Quadrat an; daraus entsteht der achtblättrige Lotus. [Die geometrischen Zwischenschritte werden im Text nur verkürzt angegeben.]

21.30 So ist der Lotus zweifach beschrieben. Nun folgt die yoniförmige Feuergrube. Man bilde ein gleichmäßiges Quadrat aus vier Teilfeldern.

21.31 In den beiden westlichen Feldern messe man jeweils von der Mitte bis zur Ecke und schlage mit diesem Schnurmaß auf beiden Seiten einen Bogen,

21.32 bis zur Hälfte des Gesamtfeldes. Danach trage man östlich außerhalb des Feldes ein Fünftel hinzu und verbinde von dort die beiden Seiten

21.33 mit einer Schnur. So entsteht die Yoni-Grube. Sie soll einem Ashvattha-Blatt gleichen; ihre Spitze liegt nach Norden. [Die abschließende Nordausrichtung wird neben der zuvor östlich angesetzten Konstruktion unverändert wiedergegeben.]

21.34 Nun erkläre ich das Dreieck. Bei einem regelmäßigen Quadrat füge man südlich und nördlich je ein Fünftel seines Maßes hinzu.

21.35 Von den seitlichen Mittelpunkten aus messe man mit einer Schnur und bilde im Südwesten und Nordwesten zwei fischförmige Schnittfiguren.

21.36 Die aus diesen Schnittfiguren hervorgehende Nord-Süd-Linie wird im Süden und Norden um den genannten Fünftelanteil verlängert.

21.37 So zeichne man die westliche Linie. Mit demselben Maß setze man im Süden und Norden an und führe die Schnüre im Osten zusammen.

21.38 Zeichnet man entlang dieser Maße, tritt das Dreieck deutlich hervor. Damit ist die dreieckige Grube beschrieben; nun folgt die sechseckige.

21.39 In einem in acht Teile gegliederten Feld nehme man im Süden und Norden je einen Teil außerhalb der Grubenbegrenzung hinzu.

21.40 Von dort bestimme man die Mitte und bilde in den vier Teilfeldern fischförmige Schnittfiguren. In diesen Feldern stelle man die Verbindung der sechs Linien her.

21.41 So tritt die sechseckige Grube hervor. Damit ist sie beschrieben; nun folgt die achteckige.

21.42 Das Quadrat werde in vierundzwanzig Teile gegliedert. Ringsum füge man einen Teil hinzu und bilde ein neues Quadrat.

21.43 Mit dem Maß seiner halben Diagonale trage man von jeder Ecke aus auf deren beiden Seiten insgesamt acht Markierungen ab.

21.44 Durch Schnüre von Markierung zu Markierung schneide man die Ecken ab. So entsteht deutlich die achteckige Feuergrube.

21.45 Die umlaufenden Ränder entsprechen jeweils der Form der Grube. Auf dem Rand befindet sich die Yoni, im Süden oder Westen.

21.46 Unterhalb der Ränder, an der Begrenzung der Grube, liegt der Halsabsatz. Bei allen Gruben soll er ringsum ein Daumenmaß erhalten.

21.47 Besteht die Grube aus gebrannten Ziegeln, verwende man Kalkmörtel; bei ungebrannten Ziegeln verwende man Lehm.

21.48 Die Ränder sind gleichmäßig, fest und maßgerecht auszuführen. Das für ihre Höhe angegebene Maß

21.49 gilt jeweils auch für ihre Breite. Die Grube für das tägliche Feueropfer ist quadratisch.

21.50 Bei anderen Anlässen erfolgt die Ausführung nach den im jeweiligen Ritualabschnitt angegebenen Maßen. Man kann das Opfer auch auf einer reinen Sandfläche vollziehen.

21.51 Diese Sandfläche misst genau einen Hasta, ist ringsum quadratisch und einen Angula hoch.

21.52 Feuergrube oder Ritualfläche werden mit Kuhdung bestrichen und mit dem Shiva-Mantra besprengt. Nun erkläre ich die Opferhandlung.

21.53 Zu Beginn des Feueropfers sind Feuergrube, Feuer, großer und kleiner Opferlöffel sowie geklärte Butter rituell vorzubereiten. Diese Vorbereitung wird nun beschrieben.

21.54 Werden sie nicht geweiht, bleibt die Darbringung ins Feuer ohne Frucht. Deshalb soll der Lehrer die Grube und die übrigen Bestandteile mit Mantras weihen.

21.55 Er betrachte die Grube mit dem Astra-Mantra, besprenge sie mit dem Netra-Mantra, berühre sie schlagend mit demselben und benetze sie danach mit dem Waffenmantra.

21.56 Mit dem Kavacha-Mantra vollziehe der Lehrer das Ausgraben und das Ausheben der Erde. Er fülle wieder auf, ebne die Fläche und begieße sie mit dem Hridaya-Mantra.

21.57 Mit demselben Mantra, der nun auf Vaushat endet, stampfe er sie fest. Das Auskehren und Bestreichen vollziehe man mit dem Waffenmantra.

21.58 Danach verehre der Mantrakundige die Grube mit dem Kavacha-Mantra. Im Osten setze er Nivritti ein, im Süden Pratishtha,

21.59 im Westen Vidya, im Norden Shanti und in der Mitte die Shantyatita-Kala; alle verehre er.

21.60 In der Mitte der Grube ziehe er mit dem Hridaya-Mantra eine nach Osten verlaufende Linie; südlich und nördlich davon füge er weitere hinzu, sodass drei Linien entstehen.

21.61 Ebenso ziehe er danach in der Mitte mit demselben Mantra eine nach Norden verlaufende Linie. Oder er zeichne mit dem Astra-Mantra und besprenge mit geweihtem Shiva-Wasser.

21.62 Es werden drei nach Norden gerichtete Linien und die nach Osten verlaufenden Linien gezogen. Nachdem der Mantrakundige die Grube so vorbereitet hat,

21.63 rufe er darin Vagishi als Mutter und Vagishvara als Vater des Feuers herbei, setze sie ein und verehre sie.

21.64 Mit dem Hridaya-Mantra bringe er Duftstoffe und weitere Gaben dar. Höre ihre Gestalt: Vagishi ist Gauri; Vagisha ist Maheshvara.

21.65 Der Gott hat drei Augen und vier Arme und leuchtet wie Padmaraga. Seine Hände gewähren Segen und Furchtlosigkeit und tragen Dreizack und Schlinge.

21.66 Vagishi leuchtet wie ein Lotus, hat vier Hände und volle Brüste. Sie zeigt die Lehrgeste und hält Buch, Wassergefäß und Gebetskette.

21.67 So meditiere man über die beiden Gottheiten. Nun folgt die Vorbereitung des Feuers. Aus einem Sonnenstein entstandenes Feuer, durch Reibhölzer erzeugtes Feuer

21.68 und Feuer aus dem Haus eines Brahmanen gelten der Reihe nach als vorzüglich, mittel und geringer. Man bringe das Feuer in einem Ton-, Kupfer- oder Bronzegefäß herbei.

21.69 Man stelle es beim Platz der Feuergrube ab und betrachte es mit dem Hridaya-Mantra. Mit Netra besprenge man es; mit dem Waffenmantra vollziehe man die schlagende Berührung.

21.70 Mit dem Schutzmantra benetze man es. Den fleischverzehrenden Anteil des Feuers sondere man mit dem Astra-Mantra ab. Dann spreche man den Murti-Mantra

21.71 und vereinige die beiden Feuer. Man bespricht das Feuer mit den fünf Brahma-Mantras und umhüllt es mit dem Kavacha-Mantra.

21.72 Mit der Mudra in Gestalt eines Kuheuters mache man es zu Nektar. Unter Rezitation des Hridaya-Mantra hebe man das Gefäß an, mit beiden Knien auf dem Boden.

21.73 Bis zur Stirn erhoben, führe man es dreimal um die Grube. Man denke an den Bija-Mantra des Feuers und an den Mutterleibskanal der Vagishi.

21.74 In die Mitte der Grube setze man das Feuer, sich selbst zugewandt. Man vergegenwärtige es als Samen des Herrn und gebe mit dem Hridaya-Mantra einen Wassertropfen hinzu.

21.75 Zum Schutz des Feuerembryos bedecke man seine Gestalt mit Darbha-Gras. Mit dem Kavacha-Mantra fache man das Feuer an. Die Verehrung mit Sadyojata

21.76 bildet den Empfängnisritus; die folgende Verehrung mit Vamadeva den Ritus zur männlichen Frucht. Bei der Scheitelzeremonie erfolgt die Verehrung mit dem Shiras-Mantra.

21.77 Zur Ausbildung des Mundes verehre man mit Aghora oder Shiras. Es folgt das Öffnen des Mundes; mit Shikha vollziehe man das Hervortreten.

21.78 Der Geburtsritus erfolgt mit Tatpurusha, die Verehrung auch mit Kavacha. Danach besprenge man die Grube ringsum mit dem Waffenmantra.

21.79 Mit demselben Mantra lege der Mantrakundige Kusha-Gras aus. Dann bringe der Lehrer mit dem Astra-Mantra das Brennholzopfer dar.

21.80 Grassitze und Begrenzungshölzer lege man vom Osten ausgehend nieder. Dreißig fest zusammengefasste Darbha-Halme, eine Armlänge lang,

21.81 geflochten oder umwickelt, bilden die Grassitze. Gleich lang sind die geraden, frischen Begrenzungshölzer aus guten Palasha-Zweigen;

21.82 ihr Umfang entspricht einem Daumen. Auf den vom Osten ausgehend ausgelegten Grassitzen verehre man der Reihe nach

21.83 Brahma, Shankara, Vishnu und Ananta mit den aus ihren Namen gebildeten Mantras, zum Schutz des Feuerkindes.

21.84 Nachdem das Feuer so gründlich vorbereitet ist, entlasse man seine Eltern mit dem Hridaya-Mantra. Danach nehme man den großen und kleinen Opferlöffel vor.

21.85 Die mit den vorgeschriebenen Merkmalen versehenen Löffel wasche man wiederholt aus. Man betrachte und besprenge sie mit dem Waffenmantra und bedecke sie mit dem Netra-Mantra. [Die Mantrazuordnung dieser verdichteten Zeile bleibt vorläufig.]

21.86 Mit Kavacha benetze man sie und nehme sie mit Hridaya auf. Nach dem Erwärmen am Feuer streiche man sie mit Kusha-Gras dreifach ab.

21.87 Den Fuß der Geräte berühre man mit dem unteren Ende des Grases, ihre Mitte mit dessen Mitte und ihre Spitze mit dessen Spitze. Danach setze man, vom Fuß ausgehend,

21.88 die drei Tattvas Atma, Vidya und Shiva ein. In den großen Opferlöffel setze man Shakti ein, in den kleinen Shambhu.

21.89 Man umhülle sie mit Kavacha und verehre sie mit Hridaya, Duftstoffen und weiteren Gaben. Dann lege man sie rechts neben sich auf Kusha-Gras nieder

21.90 und spreche: „Verehrung Shakti und Shambhu.“ Danach bringe man in einem Kupfergefäß geklärte Butter von einer rotbraunen Kuh herbei.

21.91 Man betrachte sie mit Astra, besprenge sie, benetze sie der Reihe nach mit Netra und vollziehe mit Astra die schlagende Berührung. Mit Hridaya nehme man sie auf.

21.92 Man stelle sie im Südosten ab und bereite im Nordosten das Aufsetzen über dem Feuer vor. Mit Hridaya setze man die Butter auf den dafür vorgesehenen Yoni-Ansatz.

21.93 Aus zwei Kusha-Spitzen bilde man ein Grasbüschel von einer Spanne Länge und halte es mit Daumen und Ringfinger beider Hände.

21.94 Unter Rezitation des auf Svaha endenden Mantra vollziehe man dreimal das durchziehende Reinigen der Butter, danach die entgegengesetzte Bewegung, ebenfalls mit dem auf Svaha endenden Hridaya-Mantra.

21.95 Die erste Bewegung ist dem Feuer zugewandt, die zweite einem selbst. Anschließend erfolgt die Reinigung durch das Einlegen einer Kusha-Spitze.

21.96 Mit einer am Feuer entzündeten Kusha-Spitze vollziehe man die kreisende Lichtreinigung und die Durchleuchtung der Butter.

21.97 Im hellen, dunklen und mittleren Bereich stelle man sich innerlich die Anteile von Feuer, Mond und ihrer Verbindung vor. So denke man sie dreifach. [Die genaue Beziehung dieser Farbbereiche zur Butter ist im Vers nicht ausgeführt.]

21.98 Mit dem kleinen Opferlöffel bringe man vier Gaben dar: für Agni, Soma, den Herrn der Geschöpfe

21.99 und Indra, jeweils mit dem Abschluss Svaha. Dann bespricht der Kundige die Butter mit reinigenden Mantras und macht sie mit Hridaya zu Nektar.

21.100 Er umhülle sie mit Kavacha. Nachdem die Butter so vorbereitet ist, begieße man mit einem gefüllten kleinen Opferlöffel die Münder des Feuers.

21.101 Danach verbinde man die Münder und vereinige sie. Man opfere mit dem auf Svaha endenden Hridaya-Mantra und verehre das Feuer mit dem fünften Brahma-Mantra.

21.102 Mit dem Waffenmantra vollziehe man nun die Namengebung des Feuers. Nachdem Jatavedas durch die fünf Riten so vorbereitet ist,

21.103 spreche man es an: „Du bist Shivas Feuer.“ Dann vergegenwärtige man das Feuer mit einem Herzen, zwei Gesichtern, zwei Nasen und sechs Augen,

21.104 drei Gürteln, drei Füßen, sieben Zungen und vier Hörnern, bequem sitzend und mit einer Krone aus Haarflechten geschmückt.

21.105 Es besitzt rechts vier Hände und links drei. Rechts hält es den großen und kleinen Opferlöffel, einen Speer und Feuer; mit den anderen Händen

21.106 trägt es Wurfspieß, Fächer und Buttergefäß. So vergegenwärtige man es und verehre es mit dem Bija-Mantra des Feuers.

21.107 Mit den fünf Mantras, beginnend mit Sadyojata, und den sechs, beginnend mit Hridaya, bringe man jeweils gesondert fünf Gaben dar.

21.108 Danach bringe der Mantrakundige mit dem großen Opferlöffel die volle Abschlussgabe dar, unter Rezitation des Wurzelmantra mit dem Abschluss Vaushat und gemäß der Vorschrift.

21.109 Anschließend besprenge man das Feuer ringsum und opfere mit den Vyahritis sowie den mit Sadyojata beginnenden Mantras, ausschließlich mit geklärter Butter.

21.110 Ist das Feuer so bereitet, vollziehe man das im jeweiligen Ritualabschnitt vorgeschriebene Opfer. Zu dessen Beginn vergegenwärtige man im Herzen der Feuergestalt den Gott Sadashiva,

21.111 so wie zuvor im Linga. Man vollziehe Anrufung und die übrigen Handlungen, verehre mit Duftstoffen und weiteren Gaben und beginne das Feueropfer.

21.112 Man opfere geklärte Butter und die weiteren vorgeschriebenen Stoffe, beginnend mit Brennholz. Hiranya, Kanaka, Rakta, Krishna, Suprabha,

21.113 Atirakta und Bahurupa sind die sieben Zungen des Feuers. Hiranya liegt im Westen, Kanaka in der Mitte,

21.114 Rakta im Norden, Krishna im Süden, Suprabha im Osten und Atirakta im Südosten.

21.115 Bahurupa liegt im Nordosten. So sind die Orte der Zungen angegeben. Was hier Zunge genannt wird, ist eine Flamme des Feuers.

21.116 In Hiranya opfere man Brennholz, in Kanaka geklärte Butter, in Rakta Gerste und ähnliche Körner, in Krishna gepufften Reis und ähnliche Gaben.

21.117 In Suprabha opfere man Sesam und ähnliche Stoffe, in Atirakta weißen Senf und in der ersten Zunge Blätter.

21.118 Dort opfere man auch Dickmilch, Honig und ähnliche Gaben; gekochte Opferspeise kann der Kundige in allen Zungen darbringen. Früchte, essbare Gaben und andere entsprechende Stoffe opfere man in der Mitte.

21.119 Flüssige Opferstoffe wie geklärte Butter werden jeweils im Maß eines gefüllten kleinen Opferlöffels dargebracht. Gekochte Speise hat das Maß einer Aksha-Frucht, gepuffter Reis das einer Faust.

21.120 Für Sesam, Senf und ähnliche Körner ist ein Shukti-Maß vorgesehen. Blätter werden ungeteilt dargebracht, Früchte ihrer jeweiligen Beschaffenheit entsprechend.

21.121 Dickmilch bemisst man ebenfalls nach Shukti; Knollen, Wurzeln und Ähnliches werden stückweise geopfert. Duftstoffe wie Kampfer bringe man im Maß einer Masha dar.

21.122 Das Brennmaterial sei trocken und frei von Lebewesen. Kusha-Spitzen sollen weich, frisch und von einer reinen Stelle genommen sein.

21.123 Das Opferholz sei so dick wie der kleine Finger, zwölf Angula lang; elf Stücke sind genannt. Die Hölzer seien gleichmäßig geschnitten, unverletzt und mit Rinde versehen.

21.124 Empfohlen werden frisch und saftreich geschnittene und anschließend getrocknete Hölzer. Nachdem die Materialien so beschafft sind, beginne man das Feueropfer.

21.125 Für das Feueropfer verwende man den großen und kleinen Opferlöffel. Ihre Merkmale werden nun erklärt. Palasha, Khadira, Ashvattha, Plaksha, Udumbara und Sandelholz,

21.126 Vaikankata, Shami, Bilva, Madhuka, Jackfrucht und Mango sind die vorgesehenen Hölzer. Die daraus gefertigten Löffel gehören den vorzüglichen, mittleren und geringeren Ausführungen an.

21.127 Der große Opferlöffel sei fest und sechsunddreißig Angula lang. Der Kumbha-Abschnitt samt Achse misst zwei Angula; der Stiel erhält vierzehn. Es folgen der vierkantige verdickte Ansatz, der doppelt bemessene Plattformabschnitt, ein Hals von einem Teil und eine Öffnung von sieben Teilen. Unterhalb davon ist ein Drittel der Breite vorgesehen. [Die Stiellänge wird aus der gedrängten Zahlwortverbindung vorläufig als zweimal sieben verstanden. Einzelne Maßbeziehungen bleiben unsicher.]

21.128 An der Öffnung entspricht die Breite der Länge; am Hals werden vier Einheiten genannt. Die Plattform ist in ihrer Breite doppelt bemessen; für die Vertiefung ihrer Höhlung gelten abgestufte Hälften. Der verdickte Ansatz misst vier Einheiten; die übrigen Abschnitte werden jeweils vermindert. Der Stiel hat einen Umfang von sechs Teilen, der Kumbha-Abschnitt von zehn. [Dieser Vers ist in mehreren Maßbeziehungen nicht sicher verständlich; die Zahlen werden ohne geometrische Ergänzung wiedergegeben.]

21.129 Die Stärke wird in Angula entsprechend dem jeweiligen Abschnitt bemessen. Die Rückseite der Plattform gestalte man sorgfältig wie die Rückseite eines achtblättrigen Lotus. Um die Höhlung lege man eine quadratische, einen Yava hohe, rohrartig gerundete Einfassung an. Von der Höhlung bis zur Unterlippe führe eine Rinne für die Butter, so breit wie der kleine Finger.

21.130 Die Länge des kleinen Opferlöffels beträgt dreimal acht, also vierundzwanzig Angula. Sein Fußumfang misst sechs Angula, ebenso der Umfang seiner Öffnung; der Halsumfang beträgt die Hälfte.

21.131 Die Schöpfmulde gleiche einer Nasenöffnung, fasse ein Karsha geklärter Butter und sei drei Angula lang. Vom Fuß bis zum Hals lasse man den Löffel allmählich schmaler werden und gebe ihm eine ansprechende Form, geeignet für sämtliche Feueropfer.

21.132 So habe ich die Merkmale des großen und kleinen Opferlöffels kurz erklärt. Nun werden die Merkmale der Feuerreibehölzer und der zugehörigen Geräte erläutert.

21.133 Das untere Reibholz fertige man aus Shami oder Ashvattha. Es ist vierundzwanzig Angula lang, halb so breit und wiederum halb so hoch. In seiner Mitte bilde man eine runde, sechs Angula weite Vertiefung, wie ein zentrales Zeichen, zum Erzeugen des Feuers.

21.134 In der Mitte beträgt der Umfang des Reibstabs zwölf Angula. An seinem oberen Ende befestige man einen festen eisernen Stift von einem halben Angula. Das obere, in der Mitte ausgehöhlte Reibholz fertige man aus demselben Holz, zwölf Angula lang, fest und mit einem Umfang von acht Angula. [Die Maßbezüge beim Reibstab und seinem Stift sind im vorliegenden Vers nicht durchgehend eindeutig.]

21.135 Nachdem diese drei Teile angefertigt sind, wasche man sie wiederholt und besprenge sie unter Rezitation des Pranava mit den fünf Erzeugnissen der Kuh.

21.136 Das untere Reibholz verehre man mit Gayatri, den Reibstab mit dem Pranava und das obere Reibholz mit dem Hridaya-Mantra.

21.137 An einer mit Kuhdung bestrichenen und mit geweihtem Shiva-Wasser besprengten Stelle breite man Kusha-Gras aus und lege das untere Reibholz darauf.

21.138 Es verläuft von Osten nach Westen. Mit Hridaya setze man den Reibstab hinein, darüber unter Rezitation des Pranava die Halterung.

21.139 Nach Norden gewandt, verwende man eine dreifach gedrehte Schnur aus Kuhschwanzhaaren, aus Bast oder aus reinem Faden.

21.140 Mit festem Druck reibe man und spreche den Sarvatman-Mantra. Das entstandene Feuer nehme man unter der mit „Jyotir jyoti“ bezeichneten Rezitation

21.141 in einem Kupfergefäß oder einer Tonschale auf und bringe es in den Feuerraum. Damit sind die Merkmale der Feuerreibehölzer beschrieben.

21.142 Nun erkläre ich kurz die günstigen und ungünstigen Früchte, die sich aus den vielfältigen Vorzeichen und Eigenschaften des Feuers ergeben.

21.143 Ahmt das Feuer den Klang von Wolkendonner, Muschelhorn und Trommel nach, verheißt es das Gedeihen aller Welten; ebenso, wenn es beständig aufwärts steigt und seine Flamme ohne Mühe emporlodert und schön geformt ist.

21.144 Verbreitet es stets reichlichen, angenehmen Duft, flammt hell auf und leckt die Opfergaben, so bedeutet dies beständigen Regen in der Welt und Zufriedenheit für Brahmanen und Könige.

21.145 Gleicht das Opferfeuer geschmolzenem Gold, Padmaraga oder einer zerriebenen Hibiskusblüte, verheißt es den Opfernden anhaltenden Wohlstand an Geld, Getreide, Gemahlinnen, Söhnen und Dienern.

21.146 Leuchtet es wie Lotus, Wasserlilie, Jasmin, Mond oder Perlenkette oder gleicht es Papageienfedern, tilgt es rasch alles Unheil und gewährt alle ersehnten Ziele.

21.147 Nimmt das Feuer deutlich die Form von Schirm, Wedel, Lotus, Spiegel, Svastika oder Wagen an, stellt sich für die Opfernden rasch Erfolg ein.

21.148 Ein Feuer mit dem Glanz von Koralle, Lacksaft, einem Rad, Rocana, Safran oder Regenbogen, von Katzenaugen oder Taubenhälsen gewährt ebenfalls Erfolg. [Das Bild des Rades wird nach der vorliegenden Lesung beibehalten.]

21.149 Erfüllt es das Gehör mit schrillen Lauten oder tönt wie das Zerreißen eines Panzers und schleudert es ringsum kaum erträgliche Funken, bringt der Gefährte des Windes den Opfernden Unheil.

21.150 Verdunkelt Rauch den Opferraum, kommt das Feuer auch mit großer Mühe kaum in Gang oder verbreitet es schlechten Geruch, so vereitelt es die Vorhaben der Menschen.

21.151 Ein Feuer von der Farbe schwarzer Bienen, Augensalbe, dunkler Wolken, Waffen oder schwarzer Blüten, dessen Flammen Gestalten von Vetalas, Schlangen, Hunden oder Eseln annehmen, bringt den Opfernden wiederholt Unerwünschtes.

21.152 Ein reines Feuer mit rechtsläufigen, aufwärtsgerichteten Flammen gewährt Erfolg. Ist es gut erträglich, geschlossen wie ein ungeteilter Berg und von einer sich wohltuend entfaltenden Gestalt, verheißt es Gedeihen. Linksläufige Flammen dagegen, die am Boden lecken, immer wieder auseinanderbrechen und die Menschen beunruhigen, behindern die ersehnten Ziele der Opfernden.

Damit endet das einundzwanzigste Kapitel des Ajita Agama über das Feueropfer.

Kapitel 22: Die Gaben und Geräte der Verehrung

22.1 Nun erkläre ich die Bestimmung der zur Verehrung gehörenden Stoffe, beginnend mit dem Badewasser. Höre sie in Kürze.

22.2 Ein Bad mit fünf Bhara Wasser heißt die höchste der höchsten Ausführungen. Durch Verminderung um jeweils einen halben Bhara erreicht man mit einem Bhara die geringste Ausführung.

22.3 So werden neun Mengen des Badewassers beschrieben, Janardana. Mit den vorschriftsmäßig bereiteten fünf Erzeugnissen der Kuh, den fünf Nektaren

22.4 und duftendem Kusha-Wasser vollziehe man der Reihe nach morgens, mittags und abends die Begießung. Dies gilt als vorzüglich.

22.5 Als mittlere Ausführung gelten die beiden ersten Begießungen morgens und mittags; als geringere allein das morgendliche Bad mit den fünf Erzeugnissen der Kuh.

22.6 Kuhurin, Kuhdung, Milch, Dickmilch und geklärte Butter werden der Reihe nach im Verhältnis von sechs, vier, drei, zwei und einem Teil verbunden.

22.7 Den Urin nehme man von einer rotbraunen Kuh, den Dung von einer roten, die Milch von einer schwarzen und die Dickmilch von einer weißen.

22.8 Die Butter für diese Mischung stammt von einer rauchgrauen Kuh. Man kann aber auch alles von einer rotbraunen Kuh oder von verschiedenfarbigen Kühen nehmen.

22.9 Ich erkläre die Zusammenstellung. Vor Shiva bestreiche der Mantrakundige den Boden mit Kuhdung und besprenge ihn mit geweihtem Shiva-Wasser.

22.10 Er errichte aufgeschüttete Ritualflächen aus jeweils einem Prastha ungeschältem Reis, darüber halb so viel geschältem Reis und darüber wiederum halb so viel Sesam.

22.11 Auf diesen Reisflächen stelle man die Gefäße entsprechend dem Verfahren der rituellen Begießung auf. In die Mitte kommt die Butter; Kuhurin, Kuhdung,

22.12 Milch und Dickmilch werden vom Osten ausgehend aufgestellt. Von der Mitte an verehre man sie der Reihe nach mit den mit Ishana beginnenden Mantras.

22.13 Mit den Mantras der jeweiligen Gesichter vereinige der Kundige die Stoffe nacheinander in der Mitte. Die vereinigte Mischung bespricht er mit dem Pranava und den Brahma-Mantras.

22.14 Den Gefäßinhalt versiegle er mit der Amrita-Mudra. Die Mischung in den genannten Anteilen wird als ein Adhaka bezeichnet.

22.15 Nun erkläre ich die fünf Nektare, welche den Menschen umfassendes Gedeihen bringen: Milch, Dickmilch, geklärte Butter, Honig und Zucker.

22.16 Diese fünf heißen Panchamrita. Je ein Prastha stelle man gesondert bereit. Für die mittlere Ausführung vermindert man die Menge um ein Viertel, für die geringere um die Hälfte.

22.17 Man stelle die Gefäße wie zuvor auf, beginnend mit der Mitte, und verehre sie ebenso. Fehlt fester Zucker, nehme man Zuckerrohrsaft.

22.18 Für die Begießung löse man festen Zucker in Wasser auf. Die einzelnen Nektare werden getrennt verwendet, jeweils mit Wasserbädern dazwischen.

22.19 Wasser mit Ushira, Sandelholz und Kusha-Spitzen, über das der Pranava gesprochen wurde, heißt Kusha-Wasser.

22.20 Die Salbung mit reinem, angenehm beduftetem Sesamöl an Montag, Mittwoch und Samstag gilt als vorzüglich.

22.21 Die geringere Ausführung erfolgt nur samstags, die mittlere mittwochs und samstags. Mehl aus Gerste, schwarzen Bohnen und Reis gilt der Reihe nach als vorzüglich, mittel und geringer.

22.22 Duftende Amalaka, Lakshmi und Kurkuma: Ein Bad mit diesen drei Stoffen ist vorzüglich; mit Kurkuma und Amalaka allein

22.23 gilt es als mittel, mit Kurkuma allein als geringer. Das vorzügliche Fußwasser enthält Sandelholz, Ushira, Hribera und Truti.

22.24 Ohne Hribera ist es mittel; nur mit Ushira und Sandelholz geringer. Wasser mit Ushira, Sandelholz, Loha, Kampfer,

22.25 Jati und Takkola ist das vorzügliche Wasser zum rituellen Schluck. Ohne Kampfer und Loha gilt es als mittel.

22.26 Ohne Kampfer, Loha und Takkola heißt es geringer. Das Arghya enthält Gerste, weißen Senf, ungeschälten und geschälten Reis,

22.27 Milch, schwarzen Sesam sowie Kusha- und Durva-Spitzen. Dies gilt als vorzüglich. Fehlen zwei Bestandteile, ist es mittel,

22.28 fehlen drei, geringer. So wird auch Arghya dreifach beschrieben. Für die Gesamtheit der Zutaten verwende man einen Nishka oder einen halben Nishka

22.29 oder wiederum dessen Hälfte, entsprechend der vorzüglichen, mittleren und geringeren Ausführung. Sandelholz, Aloeholz, Kampfer, Kushtha und Safran sind für die vorzügliche Salbe

22.30 vorgesehen. Ohne Safran und Aloeholz ist sie mittel, mit Sandelholz allein geringer.

22.31 Safran, Aloeholz und Kampfer verwende man nach Verfügbarkeit. Zwei und ein Viertel Pala Sandelholz bilden die höchste Menge.

22.32 Durch Verminderung um jeweils ein Viertel gelangt man bis zu einem Viertel Pala als geringster Menge. Dazwischen liegen sieben weitere Abstufungen.

22.33 Schöne weiße, rote, gelbe und dunkle Blumen, nicht verwelkt, unversehrt, ohne Würmer, Haare oder andere Verunreinigungen,

22.34 zusammen mit Blättern derselben guten Beschaffenheit: Ihre Verwendung gilt als vorzügliche Verehrung. Ohne dunkle Blumen

22.35 gilt die Verehrung als mittel, nur mit weißen und roten als geringer. Ich nenne die Blumen der Reihe nach, beginnend mit den weißen.

22.36 Weißer Lotus, weißer Arka, Mandara, Karavira, Nandyavarta, Punnaga, Mallika, Jati,

22.37 Madhavi, Kurava, Drona, Dhuttura, Baka-Blüte, Bhadra und Girikarni,

22.38 Shri-Blüte, Vakula, Lodhra-Blüte, Sindhuvara und Shami-Blüte: Diese sind als weiße genannt.

22.39 Roter Lotus, Palasha, Hayamara, Patali, roter Arka, Brihati, Pinditaka,

22.40 Pattika, roter Utpala, Muni-Blüte und Kadamba sind die roten. Höre nun die gelben.

22.41 Champaka, Karnikara, Aragvadha, goldgelber Dhuttura, Kuranda und Gokshura,

22.42 Asana und Shikhini werden als gelbe Blumen genannt. Blauer Utpala, Vishnukranti, Atasi-Blüte

22.43 und dunkler Kuranda gelten als dunkle Blumen. Höre nun kurz die zur Verehrung geeigneten Blätter.

22.44 Bilva, Shami, Mayura, Tulasi, grüner Ankola, Dhuttura, Karavira,

22.45 Nandyavarta, Malli, Drona, Tapasvini, Sahadevi, Durva, Kusha, Bhadra,

22.46 Gokshura, Shankhini, Sindhuvara sowie junge Triebe von Vakula, Aragvadha und Udumbara,

22.47 Vishnukranti, Ekapātra, Dhataki, Danta, Gerstensprossen und Arka-Blätter: So sind die geeigneten Blätter genannt. [Einzelne Pflanzennamen und ihre Abgrenzung bleiben unsicher.]

22.48 Mit den verfügbaren geeigneten Blumen und Blättern verehre man den höchsten Herrn. Kanaka, Kadamba und Jati-Blüten

22.49 bringe man Shiva nachts dar, die übrigen bei Tag und Nacht. Nandyavarta ist für den Morgen vorgesehen, Drona für den Mittag,

22.50 besonders Jati für den Abend. Andere Blumen ohne Duft oder mit aufdringlichem Geruch meide man.

22.51 Junge Triebe von Ankola, Nimba, Vanira, Gerste, Dhatri und ähnlichen Pflanzen, von Pishacha- und Milchsaftbäumen, Vakuchi und Nilika,

22.52 von Rizinus und Arjuna verwende man nicht zur Shiva-Verehrung. Ebenso nicht die Blüten von Japa, Kimshuka, Bandhuka, Shleshmataka, Karanja,

22.53 Bhallata und Paribhadra. Damit sind die Blumen erklärt. Höre nun das Verfahren mit Räucherwerk. [Die Ausschlüsse widersprechen teilweise zuvor genannten Zulassungen; die Listen werden nicht vereinheitlicht.]

22.54 Schwarzes Aloeholz mit Kampfer gilt als vorzügliches Räucherwerk. Sandelholz- und Aloeholzharze mit wenig Kampfer

22.55 bilden die mittlere, Guggulu-Harz die geringere Ausführung. Damit ist das Räucherwerk erklärt; höre nun vom Licht.

22.56 Ein Licht mit geklärter Kuhbutter ist vorzüglich, mit Ziegen- oder Büffelbutter mittel, mit Sesamöl oder anderen Ölen geringer.

22.57 Einhundertacht Lichter sind die höchste Ausführung. Durch Verminderung um jeweils zwölf gelangt man zu zwölf als geringster Zahl.

22.58 So werden neun Anordnungen der Lichter im Shiva-Tempel genannt. Beständig brennende Lichter soll man unterhalten, bis zu einhundertacht,

22.59 beginnend mit einem, entsprechend den verfügbaren Mitteln. Baumwollflaum, vermischt mit Sandelholz-, Aloeholz- und Kampferpulver,

22.60 forme man zu einem Docht von vier Angula Länge. In einem Gefäß, mit geklärter Kuhbutter getränkt, diene er zur Lichtdarbringung.

22.61 Ein Kampferdocht ist vorzüglich, ein Aloeholzdocht mittel und ein mit Sandelpulver bereiteter geringer.

22.62 Damit ist das Licht erklärt; höre nun von geeigneten Gewändern. Devanga-Gewebe gilt als vorzüglich, Leinen als mittel,

22.63 Baumwollgewebe als geringer. Eine Girlande aus Blumen einer einzigen Farbe heißt vorzüglich,

22.64 eine aus verschiedenfarbigen Blumen mittel, eine aus Blättern und Blumen geringer.

22.65 Nun erkläre ich die Merkmale des Schmucks, Janardana. Als Scheitelschmuck fertige man eine schöne lotusförmige Blume

22.66 mit Fruchtboden und acht oder sechzehn Blütenblättern. Bei einem selbst entstandenen oder von den Ganas eingesetzten Linga misst sie vier Angula,

22.67 ebenso bei einem göttlichen oder von Rishis eingesetzten; für menschlich eingesetzte Lingas gilt das Maß der göttlichen. Für die neun Linga-Klassen, beginnend mit einem Hasta,

22.68 wächst das Maß jeweils um einen Angula. Entsprechend verfährt man mit dem Ohrblumenschmuck. Oder man fertige eine vorzügliche Krone aus Haarflechten für den Scheitel.

22.69 Sie trägt Ganga und die Mondsichel, entspricht dem Umfang des Kopfes, ragt vier Angula darüber hinaus und ist mit vielfältigen Edelsteinen geschmückt.

22.70 Halskette, heilige Schnur und Obertuch werden ebenfalls angefertigt. Die mit verschiedenen Edelsteinen besetzte Halskette ist so lang wie das Linga hoch ist.

22.71 Die heilige Schnur sei dreifach; eine aus Perlen ist vorzüglich. Man kann sie auch aus Gold fertigen und bis zum Altar herabhängen lassen.

22.72 Ebenso ist das Obertuch vorgesehen, zunächst einen halben Angula breit. Seine Breite wächst wie zuvor um jeweils einen halben Angula.

22.73 Beim Linga von einem Hasta sei das Band vier Angula breit und entspreche dem Umfang des Linga; beim Linga von zwei Hasta werden drei Angula genannt. [Die Maßfolge ist widersprüchlich überliefert und wird nicht stillschweigend korrigiert.]

22.74 Danach ist eine Zunahme um jeweils einen Angula bis zum Linga von neun Hasta vorgesehen. Oder die Merkmale des Bandes werden anders angegeben.

22.75 Man fertige es aus Gold mit drei, zwei oder einem Angula Breite; von dem in vier Teile gegliederten Umfang nehme man drei oder zwei Teile. [Der Bezug der Umfangsteile ist im Vers verkürzt.]

22.76 Zwei Girlanden erhalten drei Angula Breite und die halbe Höhe des Linga als Länge; sie werden durch ein Lotusmotiv verbunden. Die Breite wächst um einen Angula

22.77 je Hasta wie zuvor; verschiedene Edelsteine schmücken sie. Ebenso fertige man ein Hüftband, das am Fuß des Linga sitzt.

22.78 Sein am Linga liegender Teil misst einen halben Angula, der am Altar liegende drei Angula. Wie zuvor wachsen diese beiden Teile um einen Viertel-Angula beziehungsweise einen Angula.

22.79 Der vorzügliche Lehrer bestimme seinen Umfang entsprechend dem Linga-Umfang. Die Länge des Schmucktuchs entspricht in der geringsten Ausführung der Breite des Linga,

22.80 in der mittleren dem um ein Viertel, in der höchsten dem um die Hälfte vergrößerten Maß. An beiden Seiten beträgt seine Breite sechs Angula,

22.81 in der Mitte drei Angula; es trägt Lotusmotive und vielfältige Edelsteine. Seitlich und in der Mitte

22.82 wächst die Breite wie zuvor um einen halben beziehungsweise einen Viertel-Angula. So ist das goldene Schmucktuch beschrieben; nun folgt das herabhängende Tuch.

22.83 Seine Höhe entspricht der halben Höhe des Altars, seine Breite vier Angula. Der mittlere Abschnitt ist ein Fünftel dieser Breite breit.

22.84 Die Breite wächst wie zuvor um einen Angula. Einen schön leuchtenden Strahlenbogen fertige man aus Gold und befestige ihn an einer Halterung.

22.85 Am Strahlenbogen bringe man goldene Lotus- oder Utpala-Blüten an. Seitlich und über dem Scheitel bleibt ein Zwischenraum von sechs Angula.

22.86 Oben in der Mitte gestalte man einen goldenen Mangozweig, unten einen schönen herabhängenden Perlenschmuck.

22.87 Dieser besteht aus fünf, drei oder vier Reihen und wird so angeordnet, dass er den Scheitel des Linga berührt.

22.88 Den Strahlenbogen fertige man aus Gold, gegebenenfalls als Torbogen. Aus reinem Gold fertige man auch eine dem Linga entsprechende Hülle.

22.89 Zwischen ihr und dem Linga lasse man ringsum zwei Yava frei, über dem Linga einen Angula.

22.90 Im Osten, Süden, Westen, Norden und oben befestige man Edelsteine an den mit Purusha beginnenden Gesichtern.

22.91 Im Osten ist ein Rubin vorgesehen, im Süden ein großer blauer Saphir; am unteren beziehungsweise Sadyojata zugeordneten Bereich befestige man eine Perle.

22.92 Im Norden Koralle, Vishnu, oben Bergkristall. Für die Pindika fertige man eine silberne Hülle.

22.93 Oder man fertige nur eine dem Sockel entsprechende vordere Verkleidung. Damit ist der Schmuck erklärt; nun folgen die Opferspeisen.

22.94 Weizen, Duftreis, Gerste, Kalasa und andere weiße Reissorten werden in absteigender Güte genannt.

22.95 Ein mit zweihundertfünfundzwanzig Reiskörnern gefülltes Maß heißt Shukti. Von diesem aus bestimme man die weiteren Maße.

22.96 Zwei Shukti heißen Tala, zwei Tala Prakuncha, zwei Prakuncha Prasriti und zwei Prasriti Kudava.

22.97 Zwei Kudava heißen Anjali, zwei Anjali Prastha, zwei Prastha Charu und zwei Charu Adhaka.

22.98 Zwei Adhaka heißen Shiva, zwei Shiva Drona, zwei Drona Khari und drei Khari Bhara.

22.99 Einhundertacht Prastha Opferspeise gelten als höchste Menge. Durch Verminderung um jeweils zwölf Prastha bis zu zwölf

22.100 entstehen neun Abstufungen der Opferspeise. Ist dies nicht möglich, bereite man die Speise nach einer anderen Staffelung.

22.101 Man beginne mit einem Adhaka und gehe bis zu neun Adhaka; durch Zunahme um jeweils ein Adhaka entstehen wiederum neun Mengen.

22.102 Die Speisegabe für das Linga soll nicht weniger als ein Adhaka betragen, Keshava. Ein Charu von zwei Prastha ist für das Feueropfer vorgesehen.

22.103 Dies ist dort die geringere Menge, die doppelte gilt als mittel, die dreifache als vorzüglich. Man bereite sie in einem neuen Gefäß.

22.104 Für Pishachas und die weiteren entsprechenden Wesen gebe man ein Prastha mit einem Kudava hinzu. Reiner gekochter Reis, Milchreis, süßer Reis, Reis mit Mungbohnen und Krishara

22.105 sind die fünf Arten der Opferspeise. Ihre Zubereitung wird nun erklärt. Reine Opferspeise besteht allein aus reinem geschältem Reis.

22.106 In einer dem Reis gleichen Menge Milch gekocht, wird er zu Milchreis. Mit halb so viel Milch wie Reis und wiederum halb so viel Rohzucker

22.107 gekocht, heißt er süßer Reis. Nun zum Reis mit Mungbohnen: Man verwendet gleich viel oder halb so viele Mungbohnen wie Reis.

22.108 In wie zuvor zubereiteten reinen Reis gebe man fein gemahlenen, gerösteten Sesam und Senf, jeweils ein Sechzehntel der Reismenge.

22.109 Pfeffer zusammen mit Kreuzkümmel bemisst man mit einem Viertel dieser Menge, Kurkumapulver mit deren Hälfte; diese Zutaten füge man am Ende des Kochens hinzu.

22.110 Dies heißt Krishara-Reis. Nun werden die Beilagen beschrieben. Mungbohnen in einem Sechzehntel der Reismenge gelten als vorzüglich.

22.111 Für die mittlere und geringere Ausführung vermindere man diese Menge um ein Viertel beziehungsweise um die Hälfte. Schwarze Mungbohnen, Kulattha, Linsen und Tuvari

22.112 bereite man mit oder ohne Hülsen nach demselben Verfahren. Bananen, Brihati, Kürbis, Urvaruka,

22.113 Flaschenkürbis, Karkari, Jackfrucht, Kokosnuss, Tamarinde, Mango und die beiden Karavalli-Arten,

22.114 Kshudra, Vyaghri und Nishpava beschaffe man nach Verfügbarkeit. Knollen und essbare Blätter bereite man als Beilagen zu.

22.115 Je Prastha beträgt die Beilage in der höchsten Ausführung drei Pala, in der mittleren zwei und in der geringeren ein Pala.

22.116 Für vierzig Pala gebe man einen Kudava Salz hinzu. Beim Pfeffer nennt der Text ebenfalls Kudava und sodann ein Pala als vorzügliche Menge. [Die Mengenbeziehung ist hier nicht eindeutig; keine stillschweigende Rezeptkorrektur.]

22.117 Die Hälfte gilt als mittel, wiederum deren Hälfte als geringer. Kreuzkümmel nimmt man in der halben Menge. Höre nun das Maß der geklärten Butter.

22.118 Ein Zweiunddreißigstel der Reismenge gilt für die Butter als vorzüglich, die Hälfte davon als mittel und wiederum die Hälfte als geringer.

22.119 Für Rohzucker nimmt man je Adhaka ein Pala in der höchsten, ein halbes in der mittleren und ein Viertel in der geringeren Ausführung. Weißen Zucker verwende man nach Verfügbarkeit.

22.120 Dickmilch in der halben Reismenge gilt als vorzüglich, halb so viel als mittel und wiederum halb so viel als geringer. So wird die Speisegabe bereitet.

22.121 Früchte von Banane, Jackfrucht und Mango beschaffe man nach Verfügbarkeit. Die Beilagen seien rein und frei von Lebewesen.

22.122 Die genannten Zutaten kann man frisch oder getrocknet nehmen. Schöne Beigaben soll man Shiva, dem höchsten Selbst,

22.123 hingebungsvoll darbringen: Wurzeln, Gemüse und weitere Zutaten sowie wohlschmeckende, schöne Leckerbissen, sorgfältig zubereitet und mit der Hauptspeise verbunden.

22.124 Makellosen Reis in einem reinen Behältnis gebe man in die Kochgefäße, jeweils nach der vorgesehenen Menge gesondert abgemessen.

22.125 Man nehme ein Gefäß für ein Adhaka, ein Shiva oder ein Drona, besprenge es und wasche den Reis fünfmal, viermal oder dreimal.

22.126 Das Waschen erfolge mit dem Astra-Mantra; mit Sadyojata gieße man Wasser hinzu, in derselben Menge wie der Reis. Mit Vamadeva hebe man das Gefäß an.

22.127 Mit Aghora setze man es auf den Herd, mit dem Waffenmantra lege man Brennstoff ein, mit Aghora entzünde man das Feuer und mit Tatpurusha koche man die Speise.

22.128 Man nehme das Gefäß herunter und wische es mit feuchter Hand unter Rezitation des Astra-Mantra ab. Für Opferspeisen sind neue Tongefäße zu bevorzugen.

22.129 Auch Metallgefäße sind vorzüglich, außer solchen aus Eisen oder Messing. Bereits wiederholt verwendete Tongefäße gelten als geringer.

22.130 Sämtliche Tongefäße ersetze man jeden Monat; bei Vermischung mit bereits dargebrachten Opferresten oder ähnlicher Verunreinigung entferne man sie sofort.

22.131 Nach dieser Zubereitung bringe man die Opferspeise zur Gottheit. Der Tempeldiener trägt dabei stets ein gebundenes Kopftuch.

22.132 Beim Heranbringen ist die Speise mit einem Tuch oder einer anderen Hülle bedeckt. Sie wird besprengt und unter Muschelhornklang nach vorn gebracht.

22.133 Man gebe sie in ein aus Gold oder einem anderen geeigneten Material gefertigtes, mit den genannten Mitteln gereinigtes und mit dem Shiva-Astra-Mantra besprengtes Gefäß; dabei vergegenwärtige man den Pranava.

22.134 Mit sämtlichen Beilagen bringe man sie wie beschrieben dar. Im unteren Teil der Kochgefäße behalte man ein Viertel

22.135 für die Bali-Darbringung zurück und nehme davon den benötigten Anteil. Den Rest bestimme man zur Speisung der Tempeldiener.

22.136 Danach bringe man der Gottheit Betel dar. Höre seine Zusammensetzung: Je Prastha Opferspeise nehme man zwei Betelnüsse,

22.137 oder eine beziehungsweise eine halbe, und vier Blätter; drei Blätter gelten als mittlere, zwei als geringere Ausführung.

22.138 Pulver von Gewürznelken, Truti, Jati und Takkola, mit Kampfer verbunden, heißt die Mischung der fünf Duftstoffe.

22.139 Dies ist die vorzügliche Mundduftgabe; mit Kampfer allein ist sie mittel, mit Gewürznelken allein geringer. So ist die Duftgabe dreifach.

22.140 Reife Zitronatzitrone und Kokosnuss bereite man sorgfältig zu und bringe sie zusammen mit Betel dar.

22.141 Auch Kalkpulver tierischen Ursprungs verunreinigt die Betelgabe nicht; ebenso gelten Perlen, Muscheln und ähnliche Stoffe tierischen Ursprungs als rein.

22.142 In geklärter Butter gebackenes Mehl, mit Rohzucker und festem Zucker vermischt, gilt als hundertmal vorzüglicher als gekochter Reis. Deshalb bringe man auch dies dar.

22.143 Gut gereifte Früchte und verschiedene Leckerbissen bringe man nach der Hauptspeise und vor dem täglichen Fest dar,

22.144 oder regelmäßig zusammen mit der Hauptspeise, in einem eigenen Gefäß. Danach lasse man Shiva entsprechend den verfügbaren Mitteln Betel darbringen.

Damit endet das zweiundzwanzigste Kapitel des Ajita Agama über die Gaben und Geräte der Verehrung.

Kapitel 23: Die Aratrika-Lichtdarbringung

23.1 Nun erkläre ich Aratrika zur Befriedung aller Störungen. Die vorzügliche Ausführung verwendet neun Lichter, die mittlere fünf,

23.2 die geringere eines, jeweils in einem geeigneten Gefäß. Die Lichtträger fertige man aus Metall oder aus Teig.

23.3 In sämtliche Lichtträger lege man mit geklärter Kuhbutter getränkte Dochte. In weitere Gefäße gebe man Nimba-Blätter und Senf,

23.4 Baumwollsamen und Salz, jeweils vier Pala. All dies bringe man aus dem Gauri-Heiligtum, aus der Opferhalle

23.5 oder aus der Blumenhalle herbei. Man kann es auch im Inneren der Halle vorbereiten.

23.6 Frauen des Rudra-Tempels oder Tempeldiener tragen sämtliche Gefäße auf dem Kopf herbei.

23.7 Vor Shiva werden die Dochte entzündet und die fünf Gefäße auf einen dreifüßigen Ständer gestellt.

23.8 Man gebe Shiva Wasser zum rituellen Schluck und verehre ihn mit dem Shiva-Mantra. Danach verehre man die Lichter der Reihe nach mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.

23.9 Den neun Lichtern sind die neun Planetengottheiten zugeordnet, den fünf die fünf Elemente und dem einzelnen Licht allein Agni.

23.10 Bei neun Lichtern verehre man die Sonne in der Mitte; in den Hauptrichtungen ringsum Jupiter, Venus, Merkur und Mond,

23.11 in den Zwischenrichtungen der Reihe nach Mars, Saturn, Rahu und Ketu. Bei fünf Lichtern verehre man Agni in der Mitte und, vom Osten ausgehend,

23.12 Raum, Wind, Wasser und Erde. Bei einem Licht verehre man allein Agni. Man besprenge mit dem Astra-Mantra.

23.13 Mit dem Naracha-Astra-Mantra sichere man die Richtungen durch die göttliche Waffe. Danach bilde man die Surabhi-Mudra und zeige sie über dem Licht.

23.14 Man hebe das Licht empor und führe es mit dem Hridaya-Mantra dreimal kreisend vor und über der Gottheit. Die übrigen Gefäße mit den Stoffen bewege man jeweils gesondert im Kreis.

23.15 Oder man nehme aus jedem Gefäß eine kleine Menge und fasse die verschiedenen Stoffe gemeinsam in der rechten Faust.

23.16 Mit dem Astra-Mantra führe man sie kreisend herum und lege sie in das Lichtgefäß. Danach nehme man mit Kampfer und anderen Stoffen beduftete Asche.

23.17 Mit der Hirsch-Mudra fasse man sie, führe sie dreimal über dem Linga im Kreis und gebe sie in das Lichtgefäß. Dann setze man Asche auf den Scheitel des Linga,

23.18 unter Rezitation des Astra-Mantra, ebenso in den Richtungen, an der rechten und linken Seite sowie am Herzen.

23.19 Oder man lasse die übrigen Stoffe fort und bringe allein das Licht dar. Währenddessen sollen Lobgesänge und glückverheißende Musik erklingen,

23.20 Siegesrufe, Muschelhornklang und Vedenrezitation. Danach entferne man sämtliche Lichter und übrigen Stoffe.

23.21 Ihr Niederlegen erfolgt am großen Opferpodest oder am Linga. Nach dieser Aratrika-Darbringung gebe man Wasser zum rituellen Schluck.

23.22 Der Mantrakundige lasse Betel mit wohlriechenden Zusätzen für den Mund darbringen.

Damit endet das dreiundzwanzigste Kapitel des Ajita Agama über Aratrika.

Kapitel 24: Die Nirajana-Lichtzeremonie

24.1 Ich erkläre das Verfahren der Nirajana-Lichtzeremonie. Sie wird zur Erfüllung eines Wunsches oder aus einem besonderen Anlass vollzogen. Als Wünsche gelten hier Nachkommen, Land, Vermögen und Ähnliches.

24.2 Besondere Anlässe sind unheilvolle Vorzeichen, ein feindlicher Heereszug und ähnliche Ereignisse, Janardana. Man bereite wie zuvor ein schönes Lichtgefäß

24.3 aus Gold, Silber oder anderem geeigneten Material. Aus Kushtha- und Sandelholzpulver oder aus Teig von Reis, Weizen, Gerste oder schwarzen Bohnen

24.4 bilde man rings um das Licht deutlich der Reihe nach Dreizack, Donnerkeil, Muschelhorn, Lotus, Shrivatsa und Svastika,

24.5 dazu Schirm und Wedel, angeordnet in den acht Richtungen. Kuhdung, weißen Senf, Gerste, schwarzen Sesam,

24.6 Dickmilch, Gorocana sowie junge Triebe von Bilva, Vata und Pippala und duftende Blumen verteile man im Gefäß.

24.7 Danach lege man mit geklärter Kuhbutter getränkte Dochte in die Lichtträger. Ein Docht mit Kampfer- und Aloeholzpulver wird empfohlen.

24.8 Für das Nirajana-Verfahren sind neun Lichter vorgesehen. Das so vorbereitete Gefäß stelle man vor Shiva auf eine aufgeschüttete Ritualfläche.

24.9 Man zeichne darauf einen achtblättrigen Lotus und setze das Gefäß darauf. Nach dem Ausrufen des glückverheißenden Tages entzünde man die Lichter.

24.10 Man verehre sie wie zuvor und vollziehe während Shivas Bad unter Muschelhorn- und Trommelklang die beschriebene kreisende Darbringung über ihm.

24.11 Auch Asche und die übrigen Stoffe verehre man ringsum. Ihr Entfernen erfolgt ebenfalls nach dem zuvor beschriebenen Verfahren.

24.12 Zur Erfüllung eines Wunsches vollziehe man den Ritus am achten, vierzehnten oder fünfzehnten Mondtag beider Monatshälften, unter Ardra oder an einem Sonntag.

24.13 Bei außergewöhnlichen Erscheinungen und ähnlichen Vorzeichen vollziehe man ihn, sobald diese bemerkt werden.

Damit endet das vierundzwanzigste Kapitel des Ajita Agama über Nirajana.

Kapitel 25: Das tägliche Fest

25.1 Nun erkläre ich das tägliche Fest, das alles Unheil abwehrt, das Gedeihen der Welt fördert und zur täglichen Verehrung gehört.

25.2 Darum wird in der Lehre das tägliche Fest zu den drei Sandhya-Zeiten genannt. Es hat neun Formen; höre sie nun.

25.3 Vinayaka, der Gott, die Göttin, Pashupateshvara, die im Bali-Gefäß befindliche Waffe, die Linga-Hülle oder das Linga,

25.4 die Sandalen, der Herr der Stiere und Chandesha werden der Reihe nach auf dem Kopf getragen. Das täglich mit ihnen vollzogene Fest

25.5 heißt bei Beteiligung aller neun die höchste der höchsten Formen. Ohne Chanda, mit acht Gottgestalten, ist es die mittlere unter den höchsten.

25.6 Ohne Chanda und Pashupatesha ist es die geringste unter den höchsten. Lässt man neben diesen beiden auch Vighnesha fort,

25.7 ist es die höchste mittlere Form. Fehlt zusätzlich die Linga-Hülle, ist es die mittlere mittlere Form. Ohne diese vier und ohne die Sandalen

25.8 gilt es als geringste mittlere Form. Lässt man außerdem den Stier fort, entsteht die höchste geringere Form.

25.9 Ohne die zuvor genannten und ohne Uma entsteht die mittlere geringere Form. Diese kann auch mit Uma und Maheshvara gemeinsam ausgeführt werden.

25.10 Wenn das göttliche Paar auf einem einzigen Sitz gegenwärtig ist, wird es hier nicht getrennt gezählt. Lässt man außerdem Mahesha fort und verwendet allein die Waffe,

25.11 ist dies die geringste geringere Form. So ist das Fest neunfach beschrieben. Nach dem Feueropfer vollziehe man aufmerksam das tägliche Fest.

25.12 Oder man lasse das tägliche Feueropfer fort und begehe das tägliche Fest. Auch das große Fest kann ohne das tägliche Fest vollzogen werden.

25.13 Nun erkläre ich die Reihenfolge der Verehrung all dieser Gottheiten. Nach dem Feueropfer betrete der Verehrende das innere Heiligtum.

25.14 Mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehre der Mantrakundige der Reihe nach sämtliche Gottheiten, beginnend mit Vighneshvara, jeweils mit ihrem Mantra.

25.15 In der Mitte des Lotus-Fruchtbodens auf der Platte verehre man die Pashupata-Waffe: dreiäugig und vierarmig, mit glattem, rötlichbraunem, aufgerichtetem Haar.

25.16 Die Hände zeigen Segen und Furchtlosigkeit; links hält die Gestalt eine Gebetskette, rechts den Dreizack. So vergegenwärtige und verehre man Pashupata im Bali-Linga.

25.17 Morgens besteht dieses Linga aus Blumen, mittags aus gekochtem Reis und abends aus ungebrochenen Reiskörnern; die Menge beträgt ein halbes Adhaka.

25.18 Auch beim nächtlichen Fest kann ein Blumen-Linga verwendet werden. Für die Linga-Hülle gilt dasselbe. In den beiden Sandalen verehre man

25.19 Dharma und Yajna und schlage danach die große Glocke. Reine Putrakas in sehr weißen Gewändern

25.20 mit Kopftuch, Obertuch und Pavitra-Grasring, mit Tripundra und geschmückt mit Girlanden und weiteren Zierden

25.21 lässt der Lehrer die Gottheiten in folgender Reihenfolge tragen: zuerst Vinayaka, danach den Gott.

25.22 Die Göttin befindet sich links von ihm; es folgen Pashupateshvara und danach die Waffe im Bali-Gefäß, mit einem Baldachin versehen.

25.23 Ihr Träger hält in der rechten Hand einen Stab von einem Hasta Länge, aus Bambus oder Rohr, ungebrochen und ohne andere Mängel.

25.24 Danach bringe man die Linga-Hülle, anschließend die Sandalen, dann den Stier und hinter ihm Chandesha.

25.25 Muschelhörner und Trommeln ertönen; Räucherwerk und Lichter begleiten den Zug, ebenso Schirme, Wedel, Pfauenfedern und Fahnen.

25.26 Unter Gesang und Tanz sowie dem Mangini-Rhythmus vollziehe man die erste rechtsläufige Umrundung und trete dann hinaus.

25.27 Im Torbau lasse man Stille eintreten. Danach umschreite man den Tempel außen, begebe sich zum großen äußeren Opferpodest und umrunde es ebenfalls nach rechts.

25.28 Drei oder eine Umrundung vollziehe man mit dem für die Yatudhanas und die übrigen Wesen bestimmten Gesang. Dann trete man wieder ein; am Eingang herrsche erneut Stille.

25.29 Im Inneren vollziehe man der Reihe nach die Umrundung unter folgenden Rhythmen: für Indra Sama-Tala, für Agni Baddhavana,

25.30 für Yama Bhringini-Tala, im Südwesten Malli-Tala, im Westen Nava-Tala und für Vayu Bali-Tala.

25.31 Bei Soma erklinge Kotishikhara, im Nordosten Tankari. Diese acht Rhythmen lasse man in den jeweiligen Richtungen spielen.

25.32 Danach führe man die Gottheiten unter dem Vrisha-Rhythmus hinein. Allen Trägern wasche man die Füße.

25.33 Nach dem Eintritt der Gottheiten verehre der Kundige sie wie zuvor. Die Waffe im Bali-Gefäß verehre und erhebe man mit dem zugehörigen Mantra

25.34 und setze sie unter dessen Rezitation rechts neben dem Linga ein. Bei starkem Regen, heftigem Sturm,

25.35 drohendem feindlichem Angriff oder ähnlicher Gefahr lasse der kundige Lehrer das Fest allein mit der Waffe vollziehen, gegebenenfalls im inneren Heiligtum selbst.

25.36 Wird das tägliche Fest ohne die Sandalen ausgeführt, stelle man nach dem Wiedereintritt die Gottheit nach Osten gewandt auf.

25.37 Vor ihr lege man die Sandalen auf eine mit Kuhdung bestrichene Stelle. Der vorzügliche Mantrakundige verehre darin die zuvor beschriebene Gottheit.

25.38 Nach der Verehrung mit Fußwasser und den weiteren Gaben bringe man sie ins innere Heiligtum, lasse die Gottheit auf ihrem Sitz Platz nehmen und stelle die Sandalen vor ihr ab.

Damit endet das fünfundzwanzigste Kapitel des Ajita Agama über das tägliche Fest.

Kapitel 26: Die Merkmale der Mudras

26.1 Ich erkläre die Merkmale der Mudras, durch die alle Ziele erreicht werden und die gesamte ersehnte Frucht der Mantras zustande kommt.

26.2 Sie schenken den Göttern Freude und vertreiben die Asuras. Diese Eigenschaften, Freude zu geben und zur Flucht zu bringen, werden mit dem Wort Mudra ausgedrückt.

26.3 Shodhani, Kalakarni, Mukuli, Shashakarnika, Nishthura, Padma, Namaskara, Manorama,

26.4 Shanta, Linga, Dhvaja, Avahani, Sthapani, Rodhini, Sannidhikarani,

26.5 Gayatri, Netra, Astra, Sudha, Panchamukhi und Samhara,

26.6 Vajra, Shakti, Danda, Khadga, Pasha, Ankusha, Gada, Shula,

26.7 Padma, Chakra, Dravya, Karakacchapi, Narachastra, Mrigi, Mahamudra,

26.8 Shankha, Tala, Varahi und Trasini: Diese vierzig werden für die Shiva-Verehrung genannt.

26.9 Man lege die Handgelenke aneinander, Janardana, halte die Hände vor das Herz und schlage sie gegeneinander.

26.10 Dies ist Shodhani, die Mudra für Reinigungshandlungen. Dann bilde man mit beiden Händen Fäuste und lege die Handgelenke aneinander.

26.11 Die Fäuste sind nach oben gewandt; die Finger werden nicht miteinander verbunden, nur die Daumenspitzen berühren sich. Dies ist Kalakarnika.

26.12 Kalakarni wird bei der rituellen Behandlung der Opferstoffe verwendet. Man bilde mit beiden Händen einen Anjali und lasse in der Mitte einen Hohlraum.

26.13 Dieser gleicht einer Lotusknospe: Mukuli, beim Zusammenbringen der Opferstoffe. Man beuge beide Zeigefinger und drücke sie mit den Daumen nieder.

26.14 Die übrigen Finger halte man gerade und eng beieinander, die Handgelenke zusammen. Dies heißt Shashakarni; sie bewirkt umfassendes Gedeihen.

26.15 Man lege beide Hände an den Handgelenken zusammen, nehme die Daumen ins Innere und schließe die Fäuste.

26.16 Das ist Nishthura, die zur Festigung von allem dient. Die zuvor beschriebene Mukuli halte man vor das Herz

26.17 und öffne die Finger auseinander wie einen erblühten Lotus. Dies ist die Padma-Mudra, vorgesehen beim Gestalten des göttlichen Sitzes.

26.18 Man lege beide Hände im Anjali vor dem Herzen zusammen und drücke mit dem rechten Daumen den linken.

26.19 Dies ist Namaskara, für ehrerbietige Grüße an alle geeignet. Man verschränke die Finger beider Hände.

26.20 Die kleinen Finger werden miteinander verbunden und nach außen oben gewandt; die beiden Ringfinger liegen an der linken Handfläche an.

26.21 Beide Mittelfinger sind ausgestreckt und verbunden, die Zeigefinger an die Daumenwurzelgelenke gelegt.

26.22 Die beiden Daumen liegen an den Rückseiten der Ringfinger. So bilde man Manorama. Der Verehrende verwendet sie bei der Handlung zur Vereinigung mit Shiva. [Die verschränkte Fingerstellung ist im Wortlaut nicht durchgehend eindeutig.]

26.23 An beiden Händen berühre die Zeigefingerspitze den Daumen. Dies ist Shanta, vorgesehen beim Einsetzen der Mantras.

26.24 Man bilde mit der rechten Hand eine lockere Faust, stecke den linken Daumen hinein und richte den rechten Daumen auf.

26.25 Die Finger der linken Hand umschließen die rechte Faust. Dies ist die Linga-Mudra für das Einsetzen des Linga.

26.26 Auf die linke Handfläche lege man die rechte Handfläche. Mit den Fingern der linken Hand umfasse man den rechten Handrücken.

26.27 Der rechte Daumen drückt den linken. Die übrigen Finger der rechten Hand liegen geschlossen und seitwärts ausgestreckt.

26.28 Man bewege sie: Dies ist Dhvaja, die Vayu erfreut. Man bilde mit beiden Händen einen Anjali, einander zugewandt,

26.29 und lege die jeweiligen Daumenspitzen an die Wurzeln der kleinen Finger. Dies ist Avahani, die Mudra der Anrufung.

26.30 Dieselbe Stellung nach unten gewandt heißt Sthapani. Die festhaltende Mudra gleicht Nishthura und dient der Festigung von allem. [Der Text verwendet hier Shodhani an einer Stelle, an der nach der Liste Rodhini zu erwarten wäre.]

26.31 Werden bei dieser Stellung die Daumen geschlossen aufgerichtet, ist dies Sannidhani, geeignet zum Vergegenwärtigen der Gottheit.

26.32 Man bilde mit beiden Händen Fäuste, die im Inneren hohl bleiben. Dies ist die Gayatri-Mudra; man verwende sie beim Gayatri-Mantra.

26.33 Die zuvor Shanta genannte Mudra heißt nach unten gewandt Netra. Sie wird beim rituellen Betrachten verwendet, Janardana.

26.34 Aus locker geschlossenen Fäusten strecke man die Finger plötzlich aus. Dies ist Astra, die Mudra bei Handlungen mit dem Waffenmantra.

26.35 Man verschränke sämtliche Finger beider Hände miteinander und verbinde oben kleine Finger mit Ringfingern sowie Zeigefinger mit Mittelfingern.

26.36 Die Daumen liegen in der Mitte. Diese Mudra heißt Dhenu und dient beim Opfer dazu, die Stoffe zu Nektar zu machen.

26.37 Man verschränke sämtliche Finger von den Rückseiten her. Mit den Daumen drücke man die Spitzen der kleinen Finger, mit den Zeigefingern die Mittelfinger.

26.38 Beide Ringfinger stehen aufrecht. Diese Mudra heißt Panchamukhi und wird beim Gestalten der göttlichen Gesichter verwendet.

26.39 Bei gespreizten Fingern führe man nacheinander kleinen Finger, Ringfinger, Mittelfinger und Zeigefinger zur Daumenwurzel. Dies ist Samhriti.

26.40 Die vorzüglichen Mantrakundigen verwenden sie bei der Entlassung aller Gottheiten. Man drücke an beiden Händen den kleinen Finger mit dem jeweiligen Daumen nieder.

26.41 Die übrigen Finger seien fest und geschlossen. Die Handgelenke liegen quer, das linke unten, das rechte oben.

26.42 Dies ist Vajra, die beim Gestalten des Donnerkeils verwendet wird. Spreizt man die genannten Finger, heißt dieselbe Stellung Shakti.

26.43 Die Shakti-Mudra erfreut stets Agni. Man erhebe die rechte Faust und halte den Zeigefinger darin eingeschlossen.

26.44 Dies heißt Danda und erfreut Yama. Man lege die Hände und sämtliche Finger aneinander.

26.45 Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand werden geschlossen aufgerichtet. Dies ist die Khadga-Mudra, für das Durchtrennen bestimmt und Nirriti erfreuend.

26.46 Die Zeigefinger beider Hände umschließe man mit den Daumen; sämtliche übrigen Finger werden ausgestreckt und gespreizt. Dies heißt Pasha.

26.47 Sie dient dem Binden und erfreut Varuna. Man schließe die rechte Hand zur Faust und erhebe sie.

26.48 Zeige- und Mittelfinger strecke man geschlossen nach oben und beuge dann den Zeigefinger. So entsteht Ankusha.

26.49 Sie dient dem Heranziehen und erfreut Vayu. Man erhebe die zur Faust geschlossene rechte Hand.

26.50 Durch seitliches Bewegen dieser Faust entsteht die Gada-Mudra. Sie erfreut Soma und dient allen Handlungen des Stärkens und Nährens.

26.51 Man lege die Hände im Anjali zusammen und beuge die kleinen Finger. Mit dem rechten Daumen drücke man den linken; die übrigen Finger stehen gerade.

26.52 Die jeweils zusammenliegenden Zeige-, Ring- und Mittelfinger bilden drei voneinander abgespreizte Paare. Dies ist die Shula-Mudra, die allen bösartigen Kräften Furcht einflößt.

26.53 Man forme die Hände wie einen Lotus und drehe sie: So entsteht Chakra. Sie wird zum Stillhalten eines Heeres verwendet und erfreut Vishnu.

26.54 Die bereits Padma genannte Mudra ist auch hier die Lotus-Mudra. Sie ist für das Hervorbringen bestimmt und erfreut Brahma.

26.55 Man verbinde den Daumen mit dem Wurzelgelenk des Ringfingers. Dies ist die Dravya-Mudra, die Mängel an Opferstoffen ausgleicht.

26.56 Über die linke Handfläche lege man quer die rechte Hand und bilde eine Höhlung; sämtliche Finger liegen gut aneinander.

26.57 Diese Karakacchapika ist bei der Handreinigung anzuwenden. Man bilde mit der rechten Hand eine feste Faust.

26.58 Die Daumenspitze drückt die Zeigefingerspitze fest; dann schnellt der Zeigefinger vor, sodass ein Laut entsteht.

26.59 Dies heißt Narachastra und dient dem Verschließen der Richtungen. Auf die Spitze des rechten Daumens lege man Mittel- und Ringfinger

26.60 und zeige so die Mrigi-Mudra, welche das Gedeihen der Kühe bewirkt. Mit beiden nach unten gerichteten Händen berühre man den Körper der Reihe nach von den Füßen bis zum Scheitel.

26.61 Dies heißt Mahamudra. Mit der rechten Hand bilde man eine nach links gerichtete Höhlung.

26.62 Man verbinde die Fingerspitzen vom kleinen bis zum Zeigefinger und halte die Finger gesenkt. Dies ist die Shankha-Mudra, vorzüglich bei der Begießung. [Die genaue Verschränkung ist knapp beschrieben.]

26.63 Schlägt man mit den Fingern der rechten Hand, ohne den Daumen, auf die linke Handfläche, entsteht die reinigende Tala-Mudra.

26.64 An der rechten Hand lege man die Daumenfläche an die Spitzen von Mittel- und Ringfinger; Zeige- und kleinen Finger

26.65 richte man auf. Dies ist die Varaha-Mudra für Reinigungshandlungen. Mit geschlossenem Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand

26.66 schlage man einmal auf die linke Handfläche. Dies ist Trasini, die zum Erschrecken verwendet wird.

Damit endet das sechsundzwanzigste Kapitel des Ajita Agama über die Merkmale der Mudras.

Kapitel 27: Das große Tempelfest

27.1 Nun erkläre ich das Festverfahren, das allen Welten Wohlergehen bringt. Sava bedeutet Glück und bringt allen Wesen Freude.

27.2 Weil dieses Glück hervortritt, heißt es Utsava. Seine neun Formen werden der Reihe nach unterschieden.

27.3 Shaiva, Gauna und Bhauta sind die ersten drei. Die vierte heißt Bhauvana, die fünfte Shakta,

27.4 die sechste Raudra, die siebte Saura, die achte Manava und die neunte Paksha.

27.5 Das Shaiva-Fest dauert einen Tag, das Gauna-Fest drei, das Bhauta-Fest fünf und das Bhauvana-Fest sieben Tage.

27.6 Shakta dauert neun, Raudra elf, Saura zwölf und Manava vierzehn Tage.

27.7 Paksha dauert fünfzehn Tage. Diese Namen entsprechen den jeweiligen Zuordnungen. Das Fest wird um des abschließenden heiligen Bades willen begonnen; darum werden zunächst dessen Mondhäuser genannt.

27.8 Im Chaitra ist Tvashtar vorgesehen, im Vaishakha Shurpa, im Jyeshtha Mula und im Ashadha Vaishvadeva.

27.9 Im Shravana gilt Shravishtha, im Proshthapada Ajaikapad, im Ashvayuj Ashvini und im Karttika Krittika.

27.10 Im Margashirsha wird Rudras Mondhaus genannt, im Pushya Brihaspatis, im Magha das der Ahnen.

27.11 Im Phalguna gilt Aryamans Mondhaus als Zeitpunkt des heiligen Bades. So sind die Monatsmondhäuser dafür genannt, Janardana.

27.12 Diese Mondhäuser sollen mit dem Vollmond zusammentreffen. Auch wenn sie nicht mit ihm zusammentreffen, kann das heilige Bad an einem Fluss oder einem anderen entsprechenden Ort stattfinden.

27.13 Am Vollmondtag, mit oder ohne Verbindung zum Monatsmondhaus, ist das Meeresbad vorgesehen, das alle Verfehlungen tilgt.

27.14 In allen Monaten, beginnend mit Chaitra, ist Rudras Mondhaus für das heilige Bad geeignet. Im Magha wird außerdem der sechste, im Jyeshtha der achte Mondtag der dunklen Monatshälfte

27.15 dafür genannt; beide gewähren die Früchte aller Wünsche. Auch die Parvan-Tage und der vierzehnte Mondtag beider Monatshälften

27.16 können in allen Monaten für das Bad bestimmt werden. Ferner das Geburtsmondhaus des Auftraggebers, der entsprechende Gründungstermin eines Dorfes oder einer anderen Siedlung,

27.17 das Mondhaus der Linga-Weihe, die beiden Sonnenwenden, die beiden Tagundnachtgleichen und besonders die Geburtsmondhäuser der Könige.

27.18 Hat man das Bad nach einem Mondhaus gelobt, soll man den Termin nicht nach einem Mondtag oder einer anderen Grundlage durchführen. Das Mondhaus ist in diesem Fall vorrangig, Mondtag und andere Merkmale nachgeordnet.

27.19 Deshalb darf bei einem auf ein Mondhaus gerichteten Entschluss kein davon abweichendes Mondtagsbad stattfinden. Wer es aus Verblendung dennoch tut, bringt dem Auftraggeber vielfältige Fehler ein.

27.20 Tritt das für das Bad bestimmte Mondhaus innerhalb eines Monats zweimal auf, ist es vorzüglich, das ganze Fest vom Fahnenhissen bis zum Bad innerhalb desselben Monats zu vollziehen.

27.21 Beginnt erst das Opfer in diesem Monat, gilt dies als mittlere Ausführung; eine weitere richtet sich nur nach dem Bad. Von den neun Festen bilden die drei mit Shaiva beginnenden

27.22 die drei geringeren Klassen, die drei mit Bhauvana beginnenden die mittleren und die drei mit Saura beginnenden

27.23 die höchsten. Für die erste Dreiergruppe ist kein Fahnenhissen vorgeschrieben; für die beiden anderen Gruppen wird es vorgesehen.

27.24 Bei den fünf- und dreitägigen Festen der ersten Gruppe und ebenso bei den sieben- und neuntägigen der mittleren Gruppe

27.25 kann man zuerst die Keimsaat darbringen, die große Trommel schlagen und dann beginnen. Das eintägige Fest beginne der Kundige mit dem Trommelschlag.

27.26 Die großen Feste von Bhauvana bis Paksha können mit dem Fahnenhissen oder dem Trommelschlag

27.27 oder mit der Keimsaat eingeleitet werden. Diese drei beschriebenen Formen werden nun erläutert.

27.28 Für jedes der sechs genannten Feste rechne man vom Mondhaus des abschließenden Bades zurück und bestimme einen davor liegenden Termin im dreifachen Abstand der Festdauer.

27.29 Dann hisse man die Fahne und vollziehe in derselben Nacht den Trommelschlag und die übrigen Handlungen. Wenn der eigentliche Beginn erreicht ist, beginnt das Fest nachts.

27.30 So ist die mit dem Fahnenhissen beginnende Form beschrieben. Nun zum Verfahren, bei dem der Trommelschlag vorausgeht: Nach derselben Terminbestimmung

27.31 nehme man den doppelten Abstand der Tage, vollziehe in jener Nacht zuerst den Trommelschlag und anschließend das Fahnenhissen.

27.32 In der Nacht des errechneten Festbeginns beginnt dann das Fest. So ist die mit dem Trommelschlag beginnende Form erklärt, Janardana.

27.33 Bei der mit der Keimsaat beginnenden Form bringe man in der ersten Nacht der bestimmten Tage die Keime dar, hisse die Fahne und schlage

27.34 die große Trommel samt Anrufung der Gottheiten. Danach beginne man das Fest. So habe ich diese Form beschrieben.

27.35 Fahnenhissen, Trommelschlag und Keimsaat gehören zu den Festen; hier soll ihre unterschiedliche Reihenfolge erklärt werden. [Für die eintägige, drei- und fünftägige Form bleibt der ausdrückliche Ausschluss des Fahnenhissens in 27.23 maßgeblich.]

27.36 Beim eintägigen Fest beginnt man in der vorausgehenden Nacht, beim dreitägigen am vierten Tag, beim fünftägigen in der Nacht des sechsten, Janardana,

27.37 beim Bhauvana in der Nacht des achten, beim Shakta in der Nacht des zehnten, beim Raudra am zwölften und beim Saura am dreizehnten Tag.

27.38 Beim vierzehntägigen Fest beginnt man in der davorliegenden, als fünfzehnte gezählten Nacht, beim Paksha-Fest in der Nacht des sechzehnten Tages. [Die Zählung erfolgt rückwärts vom abschließenden Bad; die Vorlage formuliert sie verkürzt.]

27.39 Der Festbeginn ist nachts, das Abschlussbad tagsüber. Beim Paksha-Fest gibt es dreißig Bali-Darbringungen, beim Manava achtundzwanzig,

27.40 beim Saura vierundzwanzig, beim Raudra zweiundzwanzig, beim Shakta achtzehn und beim Bhauvana vierzehn.

27.41 Beim Bhauta sind es zehn, beim Gauna sechs und beim Shaiva zwei, jeweils nachts und tagsüber.

27.42 Damit ist die Dreiteilung beschrieben. Nun zum Verfahren der Fahne und der übrigen Handlungen. Das Fahnentuch ist in der höchsten Ausführung zehn Hasta lang, in der mittleren neun,

27.43 in der geringeren acht. Seine Breite beträgt ein Viertel, ein Fünftel oder ein Sechstel seiner Länge,

27.44 entsprechend der vorzüglichen, mittleren oder geringeren Ausführung. Der Kopfteil misst die halbe Breite; die beiden seitlichen Arme werden im Maß dieses Kopfteils angelegt.

27.45 Der Fußteil entspricht der ganzen Breite, drei Vierteln oder der Hälfte; dies verleiht der Reihe nach Sieg, Frieden und Gedeihen.

27.46 Man bilde nach Wunsch zwei oder drei herabhängende Füße. Das Tuch besteht aus Baumwollfaden, ist glatt, fest und weiß,

27.47 weder zu grob noch zu fein, ohne Haare oder Verfärbungen. Nach seiner Herstellung zeichne man in die Mitte den Stier.

27.48 Die höchste Höhe wird mit der als Kala bezeichneten Angula-Zahl angegeben. Durch Verminderung um jeweils drei Angula bis zu vierzehn Angula

27.49 entstehen neun Höhen des Stieres, bis zur geringsten Ausführung. Man stelle ihn mit ausgeprägtem Buckel und sehr weiß dar. [Die Anfangszahl kalā passt nicht eindeutig zur angegebenen neunstufigen Folge; sie wird nicht rechnerisch ersetzt.]

27.50 Maul, Hörner, Hufe, Ohren, Wamme, Hoden und beide Lippen sind rot, die Augen weiß und schwarz.

27.51 Der Schwanz wird gelblich beschrieben, der After rötlichgelb. Man gebe ihm eine gelbe Kette aus kleinen Glöckchen.

27.52 Mit Schirm und Wedeln versehen befindet er sich auf einem Lotussitz: liegend zur Befriedung, stehend zum Gedeihen, begleitet von zwei Lichtern.

27.53 Dazu kommen ein voller Krug, Girlanden und weiterer Schmuck. Die Augen des Herrn der Stiere werden vorschriftsmäßig zunächst geschlossen dargestellt.

27.54 Man bringe die Fahne vor Shiva, rechts oder links, in eine schöne geschmückte Halle. Dort richte man vorschriftsmäßig eine aufgeschüttete Ritualfläche her.

27.55 In deren Mitte stelle man einen vorzüglichen Krug für die Stiergottheit, gefüllt im Maß von sechzehn Prastha, glänzend wie eine reife Bimba-Frucht,

27.56 gereinigt, ausgewaschen, mit weißem Faden kunstvoll umwickelt, mit duftendem Wasser gefüllt, mit Gold und einem Tuch versehen,

27.57 mit Grasbüschel und Deckel. Acht ebenso beschaffene Krüge von halber Größe stelle man ringsum an die Spitzen der Lotusblätter.

27.58 Davor errichte man eine weitere Ritualfläche und lege dort die Fahne nieder. Noch davor errichte man eine Sandfläche vom Faustmaß.

27.59 Darin setze man nach der Lehre das Feuer ein. Zuerst lasse man den glückverheißenden Tag ausrufen und verehre den Stier in seinem Krug.

27.60 Ringsum verehre man die Weltenhüter an ihren jeweiligen Stellen. Dem im Krug gegenwärtigen Stierherrn bringe man Reis mit Mungbohnen dar.

27.61 Alle seine Gaben bereite man mit dem Wurzelmantra des Stieres. Die Fahne verehre man mit dessen Gayatri-Mantra.

27.62 Danach opfere der Mantrakundige vorschriftsmäßig in das Feuer: Brennholz, geklärte Butter, gekochte Opferspeise, gepufften Reis, Mungbohnen, schwarze Bohnen, Kulattha,

27.63 Sesam und Senf, jeden Stoff hundert-, fünfzig- oder fünfundzwanzigmal, unter Rezitation des Wurzelmantra des Stieres.

27.64 Oder man opfere nur Brennholz, geklärte Butter und gekochte Opferspeise. Danach vollziehe man mit geklärter Butter und dem Gayatri-Mantra des Stieres

27.65 das Opfer und bringe mit dessen Wurzelmantra die volle Abschlussgabe dar. Anschließend bade man den vorn befindlichen Stierherrn, die feststehende oder bewegliche Darstellung,

27.66 verehre ihn mit Duftstoffen und weiteren Gaben und bringe auch ihm Opferspeise dar. Dann befestige man das Schutzband am Götterbild oder am Dreizack.

27.67 Beide und das Linga lasse man besonders verehren. Nach der vorbereitenden Lagerung der Fahne feiere man nachts ihr Fest.

27.68 Am klaren Morgen gilt folgendes Verfahren: Man schmücke die Fahne mit Girlanden, Schmuck, Gewändern und weiteren Zierden,

27.69 verehre sie aufmerksam mit Duftstoffen und den übrigen Festgaben und bringe sie auf einem Wagen oder in einer Sänfte herbei.

27.70 Oder allein die Tempeldiener tragen sie. Vorn führe man den mit allem Schmuck versehenen Dreizack,

27.71 gegebenenfalls begleitet von Bali-Darbringungen; danach bringe man die Fahne, hinter ihr den geschmückten Herrn des Festes

27.72 oder Chandesha. Der Zug führt der Reihe nach durch das Dorf und die weiteren vorgesehenen Bereiche, mit Gesang, Tanz und sämtlichen Musikinstrumenten.

27.73 Nach dem Eintritt in den Tempel hisse man die Fahne. Das Verfahren des Hissens wird nun der Reihe nach erklärt.

27.74 Shala, Tamala, Betelpalme, Madhuka, Champaka, Bambus, Ashoka, Punnaga, Shirisha und Bilva: Diese zehn eignen sich für den Fahnenmast.

27.75 Krumme Bäume, durch Würmer, Höhlungen oder andere Mängel verdorbene, an ungeeigneten Orten gewachsene, von selbst vertrocknete, durch Blitz oder Ähnliches gebrochene und gespaltene Bäume sind zu meiden.

27.76 Der Fahnenmast kann die gesamte Tempelhöhe erreichen oder bis zum Shikhara, zur Nasika, zur Höhe des Torbaus, zum Gebälk oder zum Halsabschnitt reichen.

27.77 Für die geringere, mittlere und höchste Ausführung werden der Reihe nach zehn, elf und zwölf Hasta genannt. Der Fußumfang beträgt bei der geringeren zweiundzwanzig Angula;

27.78 bei der mittleren und höchsten wächst er jeweils um zwei Angula. Der obere Umfang beträgt ein Drittel des jeweiligen Fußumfangs. Eine feste Bambus-Nebenstange befestige man mit drei Verbindungskörpern.

27.79 Die Nebenstange misst ein Viertel, ein Fünftel oder ein Sechstel der Höhe des Fahnenmasts, entsprechend der gewählten Ausführung.

27.80 Ihr Umfang beträgt sieben, sechs oder fünf Angula; der Umfang an der Spitze jeweils ein Drittel davon.

27.81 Die drei Verbindungskörper zwischen Hauptmast und Nebenstange fertige man aus Ashvattha, Mango, Madhuka, Nyagrodha oder Jackfruchtholz.

27.82 Ihre Länge beträgt in der höchsten Ausführung zwanzig Angula, in der mittleren und geringeren jeweils einen Angula weniger.

27.83 Ihre Breite wird als ein Drittel der Länge angegeben; danach nennt der Text einen halben Anteil und eine Stärke von zwei Angula. [Die Zuordnung des halben Anteils ist nicht eindeutig.]

27.84 Die drei Verbindungskörper gleichen Lotusknospen. Ihre Öffnung entspricht dem Mastmaß; oben am Mast liegen sie gleichmäßig angeordnet.

27.85 Seitlich am Mast ruht die Nebenstange im unteren Verbindungskörper. Die beiden übrigen erhalten passende Öffnungen, durch die sie hindurchgeführt wird.

27.86 Acht Angula unterhalb der Spitze der Nebenstange befestige man einen festen Eisenring und führe das Zugseil hindurch.

27.87 Am oberen Bereich des Fahnenmasts wird weiter unten ebenfalls ein Ring angebracht. Er sei sehr fest und dem Umfang der Spitze der Nebenstange entsprechend.

27.88 Das Seil besteht aus Baumwollfaden, ist fest, gleichmäßig, doppelt so lang wie der Mast, dreifach gedreht und ohne Knoten.

27.89 Sein Umfang hat drei mögliche Maße: den Umfang des kleinen Fingers, des Ringfingers oder des Daumens. Den Mast umwinde man rechtsläufig mit einer Darbha-Girlande.

27.90 Man versehe ihn mit Girlanden, jungen Zweigen und Zugseil und bereite ihn mit sämtlichen vorgeschriebenen Merkmalen vor.

27.91 Dann wähle der Kundige einen Ort vor dem Tempel, innerhalb der Umfassungsmauer, vor dem Opferpodest oder dem Torbau, vor oder hinter dem Stier,

27.92 zwischen Opferpodest und Torbau, zwischen Stier und Torbau oder in der Mitte des Maryada- beziehungsweise Mahamaryada-Bereichs.

27.93 Man grabe vier Tala tief, setze mit dem Hridaya-Mantra eine goldene Schildkröte oder einen goldenen Stier hinein und darüber den Mast.

27.94 Kräftige Männer richten ihn auf, der Gottheit zugewandt. Um seinen Fuß errichte man eine Plattform von vier Tala.

27.95 Dies ist die geringere Ausführung. Durch Zunahme um jeweils sechs Angula entstehen die mittlere und höchste. Sie werden aus gebrannten Ziegeln gefertigt,

27.96 ersatzweise aus ungebrannten. Ihre Höhe entspricht der halben Breite; ein Lotusmotiv von einem Drittel des Maßes schmückt sie.

27.97 Oder man fertige eine feste Steinplattform und setze den Mast darin ein. Nach dem Bestreichen mit Kuhdung vollziehe man den Ritus des glückverheißenden Tages.

27.98 Davor errichte man eine Ritualfläche aus reinem Reis, umgebe sie mit Kusha-Gras und lege die Fahne darauf.

27.99 Auf einer Ritualfläche nahe der Mastplattform stelle der Kundige den zuvor rituell gelagerten Krug für den Herrn der Stiere auf,

27.100 auf den Lotus-Fruchtboden; die übrigen Krüge stelle man ringsum. Der vorzügliche Lehrer verehre die Gottheit an beiden Orten wie zuvor.

27.101 Mit Krugwasser vom Grasbüschel übertrage er unter Rezitation des Wurzelmantra des Stieres den belebenden Stier-Mantra in die Darstellung des Stierherrn.

27.102 Dessen Glieder gestalte er an ihren jeweiligen Stellen als Mantras. Dann erhebe man die Fahne und befestige sie am Zugseil.

27.103 Sie trägt kleine Glöckchen. Unter Rezitation des Gayatri-Mantra des Stieres, bei günstiger Stunde und günstigem Aszendenten, begleitet von sämtlichen Musikinstrumenten,

27.104 Gesang und Tanz, hisse man die Fahne ordnungsgemäß. Danach winde der Kundige das Seil rechtsläufig um den Mast.

27.105 Die gehisste Fahne verehre man mit dem Sarvatma-Hridaya-Mantra und grüße Mahadeva. Den im Krug gegenwärtigen Stierherrn

27.106 übertrage man durch Besprengung mit dem Grasbüschel an den Fuß des Fahnenmasts; mit dem Wasser der Richtungswächter-Krüge setze man deren Mantras an ihren Stellen ein.

27.107 Oder man stelle am Fuß des Masts wie zuvor Krüge für Chanda und die acht Vasus auf und verehre sie.

27.108 Der Mantrakundige setze sie der Reihe nach am Mastfuß und ringsum ein. Chandesha liegt am Fuß des Masts, Dhruva in dessen Mitte,

27.109 Sonne, Mond und Feuer in den drei Verbindungskörpern, der Wind in der Nebenstange und der Stierherr in der Fahne. Nach ihrer Verehrung

27.110 bringe man dem Stierherrn Reis mit Mungbohnen oder Milchreis dar. Diese dargebrachte Speise lasse man Frauen geben, die bislang keine Kinder empfangen haben.

27.111 Oder man befestige die Fahne am Mast, stelle sie auf und verehre sie so. Nach dem Hissen am Tag schlage man nachts die große Trommel.

27.112 Vor dem Tempel, in einer geschmückten Halle oder am Fuß des Fahnenmasts bestreiche man den Boden vorschriftsmäßig mit Kuhdung.

27.113 Man errichte zwei Ritualflächen aus reinem Reis. Dem Linga oder der Fahne zugewandt

27.114 stelle man dort den Herrn der Waffen auf und vor ihm die große Trommel. Die auf ihrer Ritualfläche stehende Trommel umhülle man mit einem neuen Tuch.

27.115 Man lasse den glückverheißenden Tag ausrufen und besprenge mit dem geweihten Wasser. Nun folgt die Verehrung der Dreizackwaffe.

27.116 In der mittleren Spitze des Dreizacks verehre man Maheshvara, in der rechten Brahma und in der linken Vishnu.

27.117 Im schalenartigen Ansatz verehre man Bhavani, im Kumbha-Abschnitt Vighnesha, oben am Schaft den sechsgesichtigen Gott und in der Schaftmitte die Sonne.

27.118 Am Fuß des Schafts verehre man den Mond, darunter Chanda. Im Sockel des Dreizacks verehre man die Weltenhüter an ihren jeweiligen Stellen.

27.119 Nachdem der Dreizack so mit Duftstoffen und weiteren Gaben verehrt wurde, bringe man der Gottheit in seiner Mitte Speise und Betel dar.

27.120 Danach folgt die eigene Verehrung der Trommel; ihr Verfahren wird nun genannt. In der Mitte verehre man Nandin, an der rechten und linken Seite

27.121 vorschriftsmäßig Sonne und Mond. Am Schlägel verehre man Chanda, ringsum die Richtungswächter.

27.122 Man bringe Opferspeise dar, besonders Nandin, und danach Betel. Anschließend erfolgt die Einladung der Gottheiten.

27.123 Sämtliche Gottheiten, beginnend mit Shiva, die achtzehn Scharen, die Mondhäuser und weiteren Himmelsmächte, Flüsse, Meere und Berge,

27.124 die Kontinente, Welten und Unterwelten rufe man ausdrücklich herbei. Danach verkünde man allen Menschen das Fest und den Termin des Abschlussbades.

27.125 Man rufe den Musiker herbei, besprenge ihn und lasse ihm Wasser und eine Blume in die Hand geben.

27.126 Er legt die Blume nieder, hebt die Trommel an und spielt. Die Rhythmen der Richtungen werden mit Gesang und Tanz verbunden.

27.127 Abschließend spiele er für alle den Vrisha-Rhythmus. In den acht Richtungen tanzen die dort aufgestellten

27.128 Frauen des Shiva-Tempels, begleitet von sämtlichen Instrumenten. Die Instrumentalmusik wird als vierfach bezeichnet:

27.129 Saiteninstrumente, bespannte Schlaginstrumente, klingende feste Instrumente und Hohl- beziehungsweise Blasinstrumente. Zur ersten Gruppe gehören Vinas, zur zweiten Trommeln wie Muraja,

27.130 zur dritten bronzene Zimbeln und ähnliche Instrumente, zur vierten Flöten und andere Blasinstrumente. Zusammen mit Gesang bilden diese vier Gruppen

27.131 den fünffachen großen Klang, der Shiva stets erfreut. Zu den drei Sandhya-Zeiten lasse man ihn bei den Festen im Shiva-Tempel erklingen.

27.132 Nach diesem Trommelschlag vollziehe der Lehrer im Dorf und den weiteren vorgesehenen Bereichen die Bali-Darbringung, begleitet vom Dreizack,

27.133 oder von einem mit dem Schutzband versehenen Götterbild oder einem Reis-Linga, jeweils mit vollständigem Schmuck.

27.134 Den Richtungswächtern, von Brahma bis Ishana, bringe man Bali dar. In ihren jeweiligen Richtungen stehend, preise man sie,

27.135 rufe sie herbei und verkünde den Tag des heiligen Bades, Janardana. Dann bringe man mit den aus ihren Namen gebildeten Mantras Bali dar.

27.136 Oder man bringe im Tempel eine einzige Bali-Gabe dar, ohne die gesonderte Einladung der Richtungswächter. So ist diese Handlung erklärt.

27.137 Am Abend vor dem eigentlichen Festbeginn verehre man besonders Vighnesha, um sämtliche Hindernisse zu befrieden.

27.138 Vinayaka wird mit Girlanden, Schmuck, Gewändern und weiteren Zierden versehen und hingebungsvoll auf einen Wagen oder in eine Sänfte gesetzt.

27.139 So feiere man den geschmückten Umzug im Dorf und den weiteren vorgesehenen Bereichen. Vor ihm führt man den Dreizack, den Herrn der Waffen, hinter ihm den Herrn des Festes,

27.140 gegebenenfalls auch Chandesha. Oder man führt allein Vinayaka. Hinter Vinayaka bringe man Mungbohnen und die übrigen Samenstoffe herbei.

27.141 Für die Keimsaat hole man Erde; Chandesha folgt danach. Höre nun, Janardana, wie die Erde genommen wird.

27.142 Am Meeres- oder Flussufer, am Ufer eines Teiches oder Wasserbeckens, in einem Wald oder Garten

27.143 suche man eine reine Stelle auf und reinige den Boden. Man besprenge ihn mit dem Astra-Mantra und verehre die Erde mit ihrem Namen.

27.144 Mit dem Astra-Mantra grabe man mit einem besprengten Grabgerät. Man breite Kusha-Gras aus und wende sich nach Osten oder Norden.

27.145 Mit beiden Händen nehme man unter Rezitation des Purusha-Mantra Erde oder Sand und lege sie mit dem Ishana-Mantra in eine mit Kusha ausgelegte Schale.

27.146 Der Mantrakundige besprenge sie nochmals mit Hridaya und lege eine Blume darauf. Muschelhörner und Trommeln ertönen, Gesang und Instrumentalmusik erklingen.

27.147 Nach diesem Nehmen der Erde vollziehe man den Festzug. Oder man hole die Erde am Ende des Umzugs.

27.148 Nach dem Eintritt ins Tempelgebäude verehre man Vinayaka mit Speisen und weiteren Gaben und säe die Samen für die Keimung aus.

27.149 Die Keimsaat wird für das abschließende heilige Bad angelegt. Ihr Platz liegt in der Opferhalle oder in einer Halle vor Shiva, rechts oder links.

27.150 Alles vollziehe man aufmerksam nach dem hierfür beschriebenen Verfahren. Danach richte man die vorbereitende Weihe für das Shiva-Opfer in einer Halle ein,

27.151 im Nordosten, Südosten oder an einer der beiden Seiten. In der höchsten Ausführung misst sie zehn Hasta, in der mittleren sieben,

27.152 in der geringeren fünf. Sie ist schön und quadratisch, mit vier Eingängen und vier Torbögen geschmückt.

27.153 Sie besitzt sechzehn oder zwölf Säulen, drei Reihen und eine Höhe von zehn Einheiten. [Die Maßeinheit der Höhe wird im Vers nicht ausdrücklich wiederholt.]

27.154 In ihrer Mitte errichte man einen Altar, der einen von neun Teilen einnimmt. Seine Höhe beträgt die halbe Breite; seine Oberfläche ist glatt wie ein Spiegel.

27.155 Ringsum liegen acht Feuergruben: quadratische in den Hauptrichtungen, runde in den Zwischenrichtungen. Die Hauptgrube ist lotusförmig.

27.156 Ihr Platz liegt zwischen Nordosten und Osten. So ist es besonders für die drei höchsten Festformen vorgesehen.

27.157 Für die drei mittleren Formen gilt das Verfahren mit fünf Feuern: vier Gruben in den Hauptrichtungen und die lotusförmige Hauptgrube im nordöstlichen Bereich.

27.158 Für die drei geringeren Formen ist eine einzige Grube vorgeschrieben. Man lege sie nach Wunsch in einer der vier Hauptrichtungen an.

27.159 Auch für sämtliche Festformen kann ein einziges Feueropfer verwendet werden. Halle, Altar und Feuergruben bestreiche man mit Kuhdung.

27.160 Die Halle wird mit Baldachin und Richtungsfahnen versehen, mit Darbha-Girlanden umwunden und mit Perlenketten, Früchten und jungen Zweigen geschmückt.

27.161 Glückverheißende Keimschalen und die acht Glückszeichen zieren sie; an den Eingängen stehen Krüge und weiterer Torschmuck.

27.162 Der Kundige umhülle die Säulen. Zuerst lasse er den glückverheißenden Tag ausrufen und vollziehe das Vastu-Feueropfer.

27.163 Auf dem Altar errichte man eine gleichmäßige Ritualfläche aus ungeschältem Reis: mit acht Drona in der höchsten, vier in der mittleren

27.164 und zwei in der geringeren Ausführung. In die Mitte zeichne man einen Lotus mit Fruchtboden und acht Blättern, geschmückt mit geschältem Reis,

27.165 Sesam, gepufftem Reis und Kusha-Gras. Auf dem Fruchtboden verehre man Manonmani mit Duftstoffen und weiteren Gaben.

27.166 Die acht Shaktis, beginnend mit Vama, verehre man auf den Blättern vom Osten ausgehend. An den vier inneren Säulen verehre man Dharma und die übrigen.

27.167 Auf dem Altar verehre der vorzügliche Lehrer die Erde und ringsum, vom Osten ausgehend, die acht Glückszeichen, jeweils mit ihrem Namen.

27.168 In den Eingangskrügen verehre man vom Osten ausgehend die acht Vasus; in den Feuergruben ringsum der Reihe nach

27.169 Bhava und die übrigen, in der Hauptgrube Shiva. Beim Verfahren mit fünf Feuern verehre man die fünf Brahma-Gestalten:

27.170 Purusha in der östlichen Grube, Aghora in der südlichen, Sadyojata in der westlichen und Vamadeva in der nördlichen,

27.171 Ishana in der Hauptgrube, jeweils vorschriftsmäßig. Beim Verfahren mit einem Feuer verehre man darin allein Shiva.

27.172 Bhadra, Vijaya, Vijrimbha und Lohita verehre man der Reihe nach an den Torbögen, vom Osten ausgehend.

27.173 An den äußeren Säulen verehre man vom Osten ausgehend Vaikartana und die übrigen, im Baldachin den Mond und in den Fahnen die Weltenhüter.

27.174 In der Darbha-Girlande verehre man Vasuki. Nach dieser Verehrung der Gottheiten folgt das Aufstellen der Krüge.

27.175 Man beschaffe Krüge aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton, fehlerfrei und von allen Seiten schön.

27.176 Der Shiva-Krug fasst sechzehn Prastha, der Shakti-Krug die Hälfte davon, Janardana.

27.177 Die übrigen, den Vidyeshvaras zugeordneten Krüge haben dasselbe Maß wie der Shakti-Krug. Alle werden gewaschen, gereinigt und mit Kusha-Wasser besprengt,

27.178 sorgfältig mit Faden umwickelt, nochmals mit Hridaya besprengt, mit duftendem Wasser gefüllt und mit Gold und Tüchern versehen.

27.179 Sie erhalten Grasbüschel und Deckel und werden mit duftender Sandelpaste bestrichen. Unter Rezitation des Sarvatman-Mantra bereite man sie gemeinsam vor.

27.180 Den Shiva-Krug stelle man in die Mitte, den Shakti-Krug rechts davon und die Vidyeshvara-Krüge auf die acht Blätter, vom Osten ausgehend.

27.181 Nach dieser Aufstellung verehre man die Gottheiten. In der Mitte des Altars vergegenwärtige man die Gottheit besonders nach Westen gewandt.

27.182 Im Shiva-Krug meditiere man über Sadashiva und verehre ihn, im zugehörigen Krug die ursprüngliche Shakti, ringsum die Vidyeshvaras.

27.183 Man verehre sie mit Duftstoffen und den weiteren Gaben bis zur Speisedarbringung. Auch sämtliche Weltenhüter mit ihren Waffen verehre man an ihren Stellen.

27.184 Ruhigen Geistes setze der Lehrer vorschriftsmäßig das Feuer ein und beauftrage die Hüter der Gottgestalten mit den Opfern in sämtlichen Feuergruben.

27.185 Der Lehrer sei rein, mit neuem Gewand, Kopftuch und Obertuch bekleidet. Ebenso seien die als Helfer eingesetzten Sadhakas oder Putrakas beschaffen.

27.186 Acht oder vier Opferpriester wirken mit. In der Hauptgrube opfert der Lehrer selbst, ebenso beim Verfahren mit nur einem Feuer.

27.187 Vier Rezitatoren tragen vom Osten ausgehend die Veden vor; der Text nennt die Reihe vom Rigveda bis zum Samaveda. [Die vierte Zuweisung ist nicht ausdrücklich ausgeführt.]

27.188 Dann opfere der Kundige zusammen mit den Hütern der Gottgestalten und den Sadhakas, nachdem alle im Kapitel über das Feuerritual beschriebenen Vorbereitungen ausgeführt wurden.

27.189 Er opfere Brennholz, geklärte Butter, gekochte Opferspeise, gepufften Reis, Senf, Gerste, Sesam, Mungbohnen, ungeschälten Reis, Bambuskörner und schwarze Bohnen.

27.190 Für die Hauptrichtungen, vom Osten ausgehend, sind Ashvattha, Udumbara, Plaksha und Vata bestimmt; für die Zwischenrichtungen Shami, Bilva, Khadira und Arka.

27.191 Für die Hauptgrube ist Palasha als Opferholz vorgesehen. Die Begrenzungshölzer bestehen jeweils aus derselben Holzart; die vier Grassitze sind gleich beschaffen.

27.192 Oder die Kundigen verwenden überall Udumbara als Opferholz. Die Opferstoffe, beginnend mit Brennholz, werden der Reihe nach mit den fünf Brahma- und sechs Anga-Mantras dargebracht.

27.193 Für sieben Stoffe reicht die Mantrafolge von Ishana bis Shiras. Auch die Folge von Sadyojata bis zum Waffenmantra wird genannt. [Die genaue Aufteilung der beiden Reihen auf die Stoffe bleibt knapp.]

27.194 Nach jedem Opferstoff bringe man eine Gabe mit den Vyahritis dar. Die Zahl der Gaben beträgt tausend, die Hälfte davon oder ein Viertel davon,

27.195 oder einhundertacht beziehungsweise deren Hälfte. Bei den drei höchsten Festen verwendet man sämtliche Stoffe, bei den drei mittleren sieben,

27.196 bei den drei geringeren sechs. In der höchsten Ausführung opfere der Kundige mit Brahma-, Wurzel- und Anga-Mantras.

27.197 In der mittleren beginne man mit dem Wurzelmantra, in der geringeren verfahre man entsprechend mit den Brahma-Mantras, jeweils mit den Stoffen von Brennholz an.

27.198 Danach bringe der Lehrer mit dem Shiva-Mantra die volle Abschlussgabe dar, verehre das Feuer, besprenge ringsum und schließe ab.

27.199 Anschließend bringe man den Dreizack herbei, stelle ihn im Nordosten oder Nordwesten auf eine Ritualfläche und verehre die Gottheit mit Duftstoffen und weiteren Gaben.

27.200 Der Mantrakundige befestige das Schutzband; dessen Verfahren wird nun erklärt. Vor dem Dreizack lege man eine Ritualfläche aus reinem ungeschältem Reis an.

27.201 In ihre Mitte zeichne man einen Lotus und stelle eine Schale darauf. Man fülle sie mit einem Adhaka geschältem Reis,

27.202 zeichne darin einen Lotus und lege einen goldenen, silbernen oder aus Baumwollfaden bestehenden Schutzfaden darauf.

27.203 Der vorzügliche Lehrer lege auch Asche daneben. Nach dem Ausrufen des glückverheißenden Tages verehre er den Dreizack wie zuvor.

27.204 Das Schutzband verehre er mit Hridaya und binde es unter Rezitation des Sarvatman-Mantra an der Wurzel der mittleren Spitze der Waffe fest.

27.205 Ist dort ein Götterbild vorhanden, befestige man es an dessen rechter Hand. Nach dem Binden bringe man mit dem Astra-Mantra Asche an.

27.206 Ebenso befestige man das Band am Festbild. Wird bei einem besonderen Anlass ein anderes Bild für den Umzug verwendet,

27.207 binde man zuvor an diesem das Schutzband fest. Bei Göttinnen erfolgt das Binden mit dem Gauri-Gayatri.

27.208 Ihr Schutzband kann zuvor auf Salz gelegt werden. Bei den übrigen Gottheiten vollzieht man das Verfahren mit dem jeweiligen Namen.

27.209 Nach dem Binden wird für alle vorschriftsmäßig Bali dargebracht. Das Verfahren dieser Darbringung wird nun erklärt.

27.210 Die Waffen, beginnend mit dem Herrn der Waffen, verehre man der Reihe nach samt ihren Gottheiten, in den jeweiligen Richtungen über deren Köpfen angeordnet, oder auch allein.

27.211 Die Waffen fertige man vorschriftsmäßig aus Metall oder Holz. Mit ihnen oder zusammen mit dem Bali-Bild vollziehe man die Bali-Handlung.

27.212 Danach fertige der Kundige ein Reis-Linga aus gekochtem Reis, durchtränkt mit Dickmilch und geklärter Butter.

27.213 Es besitzt die vorgeschriebenen Merkmale und steht in der Mitte einer Platte. In der höchsten Ausführung ist es zwölf Angula breit,

27.214 in der mittleren und geringeren jeweils einen Angula weniger. Die Höhe entspricht der Breite; vom Fuß zur Spitze verjüngt es sich allmählich.

27.215 Darin vergegenwärtige man den Gott Pashupata, der alle Fehler abschneidet: dreiäugig, vierarmig, mit einer strahlenden Haarspitze,

27.216 die Hände in Segen und Furchtlosigkeit, links eine Gebetskette und rechts einen Dreizack haltend. So verehre man ihn der Reihe nach mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.

27.217 Sämtliche verehrten Gottheiten lasse man von Tempeldienern tragen, die Kopftuch und Obertuch sowie den Pavitra-Grasring tragen

27.218 und mit Tripundra versehen sind. Auch der Sadhaka, der die Bali-Gaben darbringt, trägt Kopftuch und Obertuch.

27.219 Gesammelt geht er mit Arghya in der Hand vor der Waffe. Die Waffen, beginnend mit dem Donnerkeil, und ihre Gottheiten begleiten den Zug ringsum in der vorgesehenen Reihenfolge.

27.220 Hinter ihnen folgt das Reis-Linga mit den beschriebenen Merkmalen, mit Baldachin, Fahnen, Pfauenfedern und Wedeln,

27.221 Räucherwerk, Lichtern und sämtlichen Musikinstrumenten. So bringt man es zur Bali-Darbringung. Nun wird auch der Bali-Reis beschrieben.

27.222 Er besteht aus reinem gekochtem Reis in der Menge eines Shiva oder eines halben Shiva, in einem Gefäß aus Gold, Silber oder einem anderen geeigneten Material, verbunden mit den vorgesehenen Zutaten.

27.223 Man bedecke ihn vorschriftsmäßig mit einem sehr weißen Tuch. Der Sadhaka bringe ihn mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben herbei.

27.224 Der Träger hält ihn seitlich in gleicher Höhe; auch er wahrt Schweigen. Zuerst bringe der vorzügliche Mantrakundige Bali wie beim täglichen Verfahren dar.

27.225 Für die Herren der jeweiligen Richtungen lege man auf dem großen Opferpodest Gaben von der Größe eines Hühnereis nieder, zusammen mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.

27.226 Die Bali-Gabe für die jeweilige Tagesgottheit kann am Abschluss erfolgen. Danach bringe man im Dorf und den weiteren Bereichen Bali für die Gottheiten von Brahma bis Ishana dar.

27.227 Die Darbringung erfolgt auf einem Bali-Podest oder auf reinem Boden. Für die Gottheiten, die sich seitlich an den Straßen befinden,

27.228 bringe man die Gabe vor ihrer jeweiligen Stätte dar, mit dem aus ihrem Namen gebildeten Mantra. Oder man widme sie ihnen von der Mitte der Straße aus.

27.229 An einer Vierwegekreuzung gilt die Gabe den Pishachas, an einer Dreiwegekreuzung den Rakshasas, am Versammlungsplatz Sarasvati und am Gewässer Jyeshtha.

27.230 Am Nyagrodha-Baum gilt sie Kshetrapala, am Pippala Vighnesha, am heiligen Baum Guha und am Brunnen Kumbhodara.

27.231 Am Kuhstall gilt sie Chanda-Rudra, am Torbau Bhima-Rudra. So ist die Bali-Ordnung erklärt; höre nun die Herren der Festtage.

27.232 Beim eintägigen Fest ist Shiva die Gottheit, beim dreitägigen Brahma, Vishnu und Maheshvara, beim fünftägigen die fünf Gottgestalten.

27.233 Nun nenne ich die Tagesgottheiten der übrigen Feste. Bei allen ist der erste Tag Vighnesha zugeordnet.

27.234 Der letzte gehört Shiva, der davorliegende den Rakshasas. Für das Bhauvana-Fest, Janardana,

27.235 gehört der zweite Tag Brahma, der dritte den Bhutas, der vierte den Gandharvas und der fünfte Indra.

27.236 Damit sind die Gottheiten des Bhauvana-Festes genannt. Beim großen Shakta-Fest gehören der sechste und siebte Tag den Munis und Vishnu.

27.237 Zusammen mit den zuvor genannten sind dies die Tagesherren in ihrer Reihenfolge. Beim Raudra-Fest gehören die zusätzlichen Tage, der achte und neunte,

27.238 den Vasus und Maruts. Beim Saura-Fest ist der zusätzlich eingeschobene Tag dem Mond zugeordnet.

27.239 Beim Manava-Fest gehören die beiden weiteren Tage, der elfte und zwölfte, den Rudras und den Sonnengottheiten.

27.240 Beim fünfzehntägigen Fest ist der zusätzliche dreizehnte Tag den Ahnen zugeordnet.

27.241 So sind die Tagesgottheiten der Reihe nach genannt. Für das eintägige Shaiva-Fest ist reiner gekochter Reis bestimmt.

27.242 Beim Gauna-Fest folgen Kurkuma-Reis, Krishara und Gerstenspeise. Speisen aus Mungbohnen, schwarzen Bohnen, Kulattha, Bambuskörnern und Nishpava

27.243 sind für die fünf Tage des Bhauta-Festes der Reihe nach vorgesehen. Kuchen, Gerste, Weizen, Sesam, fester Zucker und geklärte Butter

27.244 sowie Adhaki bilden der Reihe nach die Gaben der sieben Bhauvana-Tage. Beim Shakta-Fest kommen Priyangu und Varaka hinzu.

27.245 Beim Raudra-Fest kommen Rohzucker und Wildreis hinzu, beim Saura geröstetes Mehl, beim Manava Jackfrucht und gepuffter Reis.

27.246 Beim Paksha-Fest kommt Milch hinzu. In reinen gekochten Reis, der mit geklärter Butter durchtränkt ist,

27.247 mische man jeweils den für den Tag genannten Stoff. Abends und morgens bringe man diese Bali-Gabe dar; alternativ kann sie mit Honig durchtränkt sein.

27.248 Damit sind die Stoffe erklärt. Nun folgt die Reihenfolge des Festzuges. Wo im Dorf und den weiteren Bereichen die Bali-Gaben für die Gottheiten dargebracht werden,

27.249 dorthin führt auch der vollständig geschmückte Festzug. Zuvor lasse man die Straßen reinigen und kehren.

27.250 Alle Straßen besprenge man überall mit reinem Wasser. An sämtlichen Häuserreihen befestige man verschiedene Fahnen,

27.251 ebenso vorschriftsmäßig am Versammlungsplatz, gegebenenfalls Stierfahnen. Vor jedem Eingang stehe ein voller Krug mit glückverheißenden Keimlingen,

27.252 mit einem Licht und herabhängenden Darbha-Girlanden. Das mit dem Schutzband versehene Götterbild setze man auf einen Wagen oder in eine Sänfte,

27.253 mit allem Schmuck, schönen bunten Gewändern, Girlanden, Blumen und Strahlenbogen versehen.

27.254 Schirme, Wedel, Pfauenfedern, Fahnen, Räucherwerk, Lichter und sämtliche Musikinstrumente begleiten es.

27.255 Unter Gesang und Tanz führe man es langsam durch das Dorf und die weiteren Bereiche. Chandesha folgt ebenso ausgestattet.

27.256 Schaukeln und weitere Vorrichtungen, Trägergestelle in Stier-, Pferde- und Elefantengestalt, Sänger, Tänzer und Lobredner

27.257 sowie die mit Girlanden und Schmuck schön gezierten Frauen des Shiva-Tempels, die vier Arten der Shaivas, Lehrer und weitere Amtsträger

27.258 und ihren Pflichten folgende Brahmanen, Kshatriyas und andere Gruppen sowie viele weitere Verehrer ordne man dem Dienst am Fest zu.

27.259 Nach dem Umzug kehre man ins Innere zurück und stelle die Gottheit in der Audienzhalle auf, die Baldachin, Fahnen und umhüllte Säulen besitzt.

27.260 Gott und Göttin bringe man Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck und Arghya dar, mit Hridaya, Shiras und Shikha. Danach vollziehe man die rituelle Begießung.

27.261 Muschelhörner und Trommeln, Siegesrufe und andere Glückslaute erklingen. Danach setze man die Gottheit hingebungsvoll auf einen Löwenthron oder einen anderen geeigneten Sitz.

27.262 Man bringe wie zuvor Fußwasser und weitere Gaben dar und verehre mit Hridaya und Duftstoffen. Gewänder, Schmuck und Girlanden lasse man mit demselben Mantra darbringen.

27.263 Nach reichlicher Opferspeise gebe man Betel mit wohlriechenden Zusätzen für den Mund, begleitet von Muschelhornklang.

27.264 Den Vorhang vor der Gottheit lasse man dann zur Seite bewegen. Anschließend erfreue man sie mit Gesang, Tanz und weiterer Unterhaltung.

27.265 Der Lehrer sitzt rechts, der König links. Hinter beiden stehen ihre Schüler und Diener.

27.266 Vor der Gottheit befinden sich die laut klingenden Instrumente wie die Mridanga. Aus reiner Bronze fertige man Zimbeln in Form eines Lotusblattes.

27.267 Ihre Mitte erhalte eine Vertiefung und ein Loch für eine Schnur mit Knoten und freiem Ende. So fertige man ein Zimbelpaar.

27.268 Der Zimbelspieler steht links bei den Musikern, Maddala oder Mridanga auf der rechten Seite.

27.269 Vor dem Bild wird Tanz mit Gesang nach Bharatas Vorschrift aufgeführt. Nachts begehe man das Fest mit hoch gehaltenen Stablampen.

27.270 In der Audienzhalle vollziehe man nachts Aratrika. So führe man während sämtlicher Festtage Bali-Darbringungen und Umzüge aus.

27.271 Am Tag vor dem Mondhaus des Abschlussbades findet der Jagdauszug statt. Am Tag davor verehre man Maheshvara in seiner Tanzgestalt,

27.272 bestreiche ihn mit dunkler Duftsalbe und feiere ein großes Fest. Der Vorschriftenkundige kann diese beiden Veranstaltungen auch in umgekehrter Reihenfolge ansetzen.

27.273 In der Nacht vor dem Bad erneuere man vorschriftsmäßig das Schutzband an Dreizack und Götterbild, nachdem das vorherige gelöst wurde.

27.274 Bei Tagesanbruch vollziehe der Kundige das Zusammenführen der heiligen Wasser. In der Opferhalle, vor Shiva oder am Ufer

27.275 errichte man zwei Ritualflächen aus reinem Reis und zeichne darauf einen achtblättrigen Lotus, geschmückt mit geschältem Reis.

27.276 Man umgebe sie mit Kusha-Gras, stelle auf die eine den Dreizack und davor die mit Wasser gefüllten Krüge mit sämtlichen vorgeschriebenen Merkmalen.

27.277 Neun werden von der Mitte ausgehend aufgestellt. Darin verehre man die neun Shaktis der Reihe nach mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.

27.278 Der vorzügliche Lehrer verehre den Dreizack wie zuvor und übergieße ihn der Reihe nach mit diesen Krügen.

27.279 Danach gehe er ins Wasser, verehre den Dreizack und tauche vorschriftsmäßig mit ihm unter, gegebenenfalls zusammen mit sämtlichen Waffen.

27.280 Nach dem Eintritt in die Opferhalle stelle man den Dreizack auf und verehre ihn. Oder man verwende die Krüge dort, sobald das Schutzband für das Bad befestigt ist,

27.281 übergieße den Dreizack, umschreite den Tempel nach rechts, stelle ihn danach in der Opferhalle auf und verehre ihn sorgfältig.

27.282 So wird dieses vorbereitende Schutzband-Bad als wahlweises Verfahren beschrieben. Am Morgen vollziehe man Verehrung, Feueropfer und Bali.

27.283 Nach dem Umzug veranstalte man das Pulverfest. Man nehme gut getrocknete, reine Kurkuma in einem reinen Gefäß.

27.284 In der Audienzhalle oder in einer Halle vor Shiva errichte man vorschriftsmäßig zwei Ritualflächen.

27.285 Auf die eine stelle man den Dreizack, davor den Mörser samt Stößel. Man umhülle sie mit neuen Tüchern und verehre den Dreizack wie zuvor.

27.286 Mörser und Stößel verehre man sorgfältig mit dem Waffenmantra. Mit Hridaya lege man die Kurkuma in den Mörser.

27.287 Unter Rezitation des Aghora-Mantra zerstoße man sie. Anschließend lassen auch der Auftraggeber und weitere Beteiligte die Kurkuma zermahlen.

27.288 Das gesamte Pulver gebe man mit dem Astra-Mantra in ein Gefäß aus Gold oder einem anderen geeigneten Material und teile es in drei Portionen.

27.289 Eine dient der Begießung des Shiva-Linga, eine dem Götterbild und Dreizack und eine sämtlichen Menschen.

27.290 Oder man vermische das Kurkumapulver mit Öl und verwende es zur Zeit des Bades für Götterbild und Dreizack,

27.291 ebenso für sämtliche Menschen. In der schönen Audienzhalle, in einer Halle vor Shiva

27.292 oder an einem reinen, ebenen Uferplatz, der mit Kuhdung bestrichen ist, errichte man zwei Reisflächen.

27.293 Auf die eine stelle man den Dreizack, auf die davorliegende Fläche die schönen, wie zuvor vorbereiteten Krüge,

27.294 neun an der Zahl, angeordnet von der Mitte bis zum Nordosten. Dann verehre man den Dreizack mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.

27.295 In sämtlichen Krügen verehre man von der Mitte ausgehend Ganga und die übrigen Gottheiten der heiligen Wasser. Ihre Namen sind:

27.296 Ganga, Yamuna, Narmada, Sarasvati, Sindhu, Goda, Kaveri, Shona und Pushkara.

27.297 Man verwende die mit Om beginnenden, aus ihren Namen im Dativ gebildeten Mantras. Auch hier kann der Kundige die Gottheiten wie zuvor einladen.

27.298 Alle für das Bad geeigneten Stoffe lasse man dem Dreizack darbringen; mit dem Hridaya-Mantra gebe man ihm auch das Zahnreinigungshölzchen.

27.299 Bei günstiger Stunde und günstigem Aszendenten übergieße man den Herrn der Waffen mit den Krügen, beginnend mit dem mittleren, und steige danach ins heilige Wasser.

27.300 Den Herrn der Waffen verehre man der Reihe nach mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben; gegebenenfalls auch die Richtungswächter mit ihren Waffen ringsum.

27.301 Gesammelt vollziehe der Lehrer das Untertauchen mit dem Dreizack. Die Menschen, die dort hingebungsvoll mit untertauchen,

27.302 werden von allen Anhäufungen von Verfehlungen befreit, beginnend mit der Tötung eines Brahmanen. Nach dem Heraussteigen aus dem Wasser umschreite man den Tempel nach rechts.

27.303 Dann begebe man sich in die Opferhalle und bringe die volle Abschlussgabe dar. Höre nun, Janardana, deren Verfahren.

27.304 Man besprenge den großen Opferlöffel mit dem Astra-Mantra und fülle seine Höhlung mit geklärter Butter. Mit dem Pranava lege man eine Blume, ungebrochene Reiskörner und Kusha hinein.

27.305 Darüber setze man den kleinen Opferlöffel, in der Mitte nach unten gewandt. Beide Löffel fasse man an Fuß und Spitze ihrer Stiele

27.306 mit rechter und linker Hand; die Öffnung ist wie ein Muschelhorn ausgerichtet. Man erhebe sich mit geradem Körper und nebeneinanderstehenden Füßen.

27.307 Die Handansätze halte man auf Nabelhöhe. Durch Heben der rechten und Senken der linken Hand

27.308 lasse man den Strahl in die Mitte des Feuers fallen. Mit dem Wurzelmantra bringe der Kundige diese volle Gabe in einem Zug dar und schließe danach ordnungsgemäß ab.

27.309 Auf diese Weise bringt der Guru die volle Gabe jeweils am Ende des Feueropfers dar. Dann erhebe man die Krüge Shivas und Shaktis sowie die übrigen Krüge,

27.310 lasse sie auf den Schultern tragen, umschreite den Tempel nach rechts und trete ein. Unter Rezitation des Shiva-Mantra

27.311 übergieße man das Shiva-Linga mit dem Shiva-Krug, den Sockel mit dem Shakti-Krug unter Rezitation ihres Gayatri-Mantra.

27.312 Danach übergieße man das Linga mit den übrigen auf dem Altar stehenden Krügen. Oder man erhebe diese nicht einzeln, sondern vereinige ihren Inhalt im Shiva-Krug

27.313 und bringe nur die beiden Krüge des göttlichen Paares zur Begießung herbei. Anschließend vollziehe man eine weitere Begießung, nach Möglichkeit mit tausend oder einer anderen vorgesehenen Zahl

27.314 von Krügen, gemäß der Vorschrift. Man bringe der Gottheit eine vorzügliche Speisegabe dar. Für sämtliche bildhaften Gottgestalten lasse der Lehrer

27.315 ebenfalls gesondert Begießung und Speisedarbringung vollziehen. Während all dieser Feste soll man an jedem Tag

27.316 morgens und abends besonders das Shiva-Linga und sämtliche bildhaften Gottgestalten entsprechend den verfügbaren Mitteln so verehren, Janardana.

27.317 In derselben Nacht oder am dritten, fünften oder siebten Tag senke man die Fahne, verbunden mit dem Chanda-Opfer.

27.318 Nun erkläre ich das Chanda-Opfer, das alle ersehnten Ziele verwirklicht. Derjenige, der Herr sämtlicher Chanda-Scharen ist,

27.319 heißt Chandesha. Seine Verehrung wird Chanda-Opfer genannt; sie wird hier kurz erklärt.

27.320 Im Heiligtum Chandeshvaras übergieße man dessen Bild gesammelt mit duftendem Wasser. Vor ihm oder auf einer Ritualfläche stelle man Krüge

27.321 wie zuvor auf. Im mittleren verehre der Kundige Chandesha, in den übrigen der Reihe nach die acht Vasus.

27.322 Nach der Verehrung mit Duftstoffen und weiteren Gaben übergieße man Chanda mit ihnen. Gesammelt bringe man ihm Opferspeise und danach Betel dar.

27.323 Dann begebe man sich zur Fahne, errichte an ihrem Fuß vorschriftsmäßig eine Reisfläche und stelle darauf neun

27.324 Krüge. Im mittleren verehre man den Stierherrn, ringsum die Weltenhüter; auch den Stier in der Fahne verehre man.

27.325 Mit sämtlichen Krügen übergieße man den Fuß des Masts. Danach bringe man dem Stiergott Reis mit Mungbohnen dar.

27.326 Anschließend verehre man der Reihe nach Chandeshvara, den Stierherrn in der Fahne, Sonne, Mond und Feuer, Janardana,

27.327 mit Duftstoffen und weiteren Gaben und entlasse sie von ihren jeweiligen Stellen. Unter Rezitation des Astra-Mantra senke man die Fahne.

27.328 Danach bringe man mit dem Dreizack und sämtlichen Musikinstrumenten im Dorf und den weiteren Bereichen Bali dar und entlasse die Gottheiten der Wegverbindungen.

27.329 Oder man bringe Bali im Tempel dar und entlasse sie ohne Mitführen des Dreizacks. Während der Shiva-Feste soll der Kundige Bali- und Festhandlungen für die Muttergottheiten

27.330 vermeiden. Fallen Fest- und Bali-Handlungen anderer Gottheiten am selben Tag mit dem Shiva-Fest zusammen,

27.331 soll der auf die Lehre bedachte Lehrer dem Shiva-Fest Vorrang geben. Wer bei der Einladung der Gottheiten den Tag des heiligen Bades hört

27.332 und dennoch nicht daran teilnimmt, dem entstehen seelische und körperliche Leiden. Ebenso, wenn man während der Hochzeit der Gottheit eine eigene Hochzeit feiert.

27.333 Wer sein Wohlergehen wünscht, meide daher diese beiden Handlungen. Wenn das Shiva-Fest so ordnungsgemäß vollendet ist,

27.334 gebe man dem Lehrer entsprechend den eigenen Mitteln eine Vergütung, ebenso den Opferpriestern und Mantrarezitatoren, auch in Form von Gewändern und weiteren Gaben.

27.335 Man ehre die Shiva-Verehrer und spreche: „Möge Sadashiva mir gewogen sein.“ Dann verneige man sich immer wieder vor dem Gott Sadashiva.

27.336 Wer dieses unvergleichliche Shiva-Fest ausführen lässt, erlangt die Frucht sämtlicher Opfer und erfreut sich der Gemeinschaft mit Shiva.

Damit endet das siebenundzwanzigste Kapitel des Ajita Agama über das große Tempelfest.

Kapitel 28: Das Schaukelfest

28.1 Ich erkläre das Schaukelfest; höre aufmerksam, Janardana. Es schenkt langes Leben, Gesundheit und Reichtum und fördert König und Reich.

28.2 Es befriedet das Dorf, ist verdienstvoll, tilgt alle Verfehlungen, bringt Glück und Sieg und erfreut die Könige.

28.3 Es gewährt beständige Gesundheit und lässt Söhne und Enkel gedeihen. Zur Erlangung von Dharma, Wohlstand, Lebensfreude und Befreiung vollziehe der Mantrakundige es vorschriftsmäßig.

28.4 Im Sonnenmonat des Schützen ist das Schaukelfest besonders vorzüglich, Mahavishnu. Man richte es auf das Mondhaus Ardra aus und beginne das Festgelübde zuvor.

28.5 Auch Pushya, der Wassermannmonat, der Fischmonat, Tvashtra, der Stiermonat, Yamya, Shuchi oder Shravana sind möglich, Vishnu. [Die Vorlage mischt Monats- und astronomische Bezeichnungen; nicht alle werden sicher gleichgesetzt.]

28.6 In den genannten Monaten lasse man das Fest beim jeweiligen Monatsmondhaus enden, oder bei Vollmond, am vierzehnten oder am achten Mondtag.

28.7 Auch die drei dem Geburtsmondhaus eines Königs zugeordneten Termine oder der Geburtstag des Auftraggebers werden als glückbringende Zeiten für das Besteigen der Schaukel genannt.

28.8 Das Fest kann drei, fünf, sieben oder neun Tage dauern oder allein an dem Rudra zugeordneten Tag stattfinden, Madhusudana.

28.9 So wird das Schaukelfest fünffach beschrieben, Janardana. Bei einem, drei oder fünf Festtagen wird keine Fahne gehisst.

28.10 Bei sieben oder neun Tagen verwende man eine Fahne. Man beginne mit Keimsaat, Trommelschlag

28.11 und Fahnenhissen nach dem in der Lehre beschriebenen Verfahren. Besonders am Abend des Festbeginns

28.12 verehre der Kundige Vighnesha zur Befriedung aller Hindernisse mit den sechzehn Diensten, beginnend mit Anrufung, Arghya und Fußwasser.

28.13 Der Mantrakundige verehre ihn gemäß der Lehre, Janardana. Nach Vighneshvaras Verehrung vollziehe man vor dem Hauptlinga

28.14 den rituellen Entschluss und den Ritus des glückverheißenden Tages und kündige die Verehrung an. Man bereite das allgemeine Arghya und gestalte den eigenen Leib rituell.

28.15 Nach der Acht-Blumen-Verehrung bitte man den höchsten Herrn: „Erhabener Herr der Götter, du, der allen Göttern Segen gewährt,

28.16 erteile deine Zustimmung zur ordnungsgemäßen Feier des Schaukelfestes, Shankara.“ So bitte man den höchsten Herrn. Für das anschließende Holen der Erde

28.17 verehre der Guru Vighnesha, den Herrn der Waffen und Chandesha. Vinayaka schmücke man mit Gewändern, Schmuck, Girlanden und weiteren Zierden.

28.18 Man bringe Räucherwerk, Licht, Opferspeise und Betel dar. Schirme, Wedel, Fahnen und Pfauenfedern begleiten den Zug,

28.19 ebenso Tanz, Gesang und die Schar der Tänzerinnen, Muschelhörner, Kahala-Blasinstrumente und große Trommeln.

28.20 In einem Garten, am Flussufer oder am Ufer eines Wasserbeckens, am Fuß eines Bilva-, Mandara- oder Tulasi-Gewächses,

28.21 bei einem Pippala, Rajavriksha, Palasha oder anderen Opferbaum besprenge man nahe dem jeweiligen Baum den Platz mit dem Wasser des glückverheißenden Tages, Hari.

28.22 Der Kundige richte eine ebene Ritualfläche von einem Hasta Breite her und zeichne einen achtblättrigen Lotus.

28.23 Ringsum in den vier Richtungen lege man die vorgesehenen Graslagen aus, Janardana. In der Mitte verehre man Brahma, im Osten Ananta,

28.24 im Südosten Vijaya, im Süden Bhadra, im Südwesten Jayanta und im Westen Bhramara,

28.25 im Nordwesten Prasthita, im Norden Jrimbhaka und im Nordosten Shulin. Diese verehre man der Reihe nach, beginnend mit Brahma.

28.26 Mit den jeweiligen Namen bringe man Bali aus reinem gekochtem Reis dar, danach Betel, Räucherwerk und Licht, Janardana.

28.27 Der Kundige lege die Bali-Gaben in ihren Richtungen nieder und verehre dort. Dann besprenge der Mantrakundige nochmals mit Hridaya und Wasser mit Kusha und Kuhdung.

28.28 Er rufe die Erdgöttin herbei und verehre sie mit Duftstoffen und weiteren Gaben; danach die acht Herren der Richtungen, Purushottama.

28.29 Mit dem verehrten Grabgerät nehme er dreimal Erde in ein goldenes Gefäß. Die Vertiefung fülle der Kundige mit Erde unter Rezitation des Hridaya-Mantra wieder auf.

28.30 Er besprenge nochmals mit Hridaya, lege Blumen und ein Grasbüschel darauf, bringe wie zuvor Räucherwerk und Licht dar und bedecke das Gefäß mit Leinen.

28.31 Eine Girlande wird daraufgelegt; dann übergibt man es einem Schüler. Dieser trägt es auf einem Elefanten oder einem anderen Fahrzeug.

28.32 Unter Gesang und Musik, mit Lichtern, Schirmen, Wedeln und Instrumenten umschreite man die Anlage nach rechts. Nachts erfolgt die Keimsaat.

28.33 Vor der Gottheit errichte man eine Ritualfläche mit einem achtblättrigen Lotus samt Fruchtboden. Uksha, Gopati, Shringin und Nandin,

28.34 Pashupati, Gandhavaha, Shankukarna, Mahodara und Vrishendra setze man in neun Krügen ein, auf den Blättern vom Osten ausgehend und in der Mitte.

28.35 Bei der unmittelbar vollzogenen vorbereitenden Weihe des Stieres besprenge man mit den Erzeugnissen der Kuh. Danach verehre man die Halle und das Fahnentuch, Hari.

28.36 Dann folgen das Öffnen der Augen, die Lagerung im Wasser, die Bereitung des fünffachen Lagers und die Reinigung des Bildes.

28.37 Dem so eingesetzten Stier befestige man ein Schutzband am Horn. Danach folgen Feueropfer, Speisedarbringung und Einladung der Gottheiten.

28.38 Man verehre die große Trommel vorschriftsmäßig und schlage sie. Die Fahne werde erhoben und die Gottheit zusammen mit dem Herrn der Waffen

28.39 rechtsläufig um das Dorf geführt. Man lade die Gottheiten der Wegverbindungen ein. Danach gehe man zum Mastfuß und vollziehe die glückverheißende Besprengung.

28.40 Am Mastfuß vollziehe man Begießung und Verehrung, Bester der Menschen. Mit dem Krugwasser am Grasbüschel besprenge man das Fahnentuch.

28.41 Frohen Geistes gebe der Lehrer die hier dem König zugeordnete Dakshina. Danach erhebe und hisse der vorzügliche Lehrer die Fahne. [Die ungewöhnliche Richtung der Gabe in diesem Vers bleibt unsicher.]

28.42 Rechtsläufig führe man das Seil um den Mast und befestige es gut am Fuß. Mit den acht Krügen der Richtungswächter übergieße man den Mastfuß.

28.43 Für die acht mit Bhava beginnenden Gestalten lege man Bali an die Spitzen der Lotusblätter. Danach bringe der Lehrer Räucherwerk, Licht und Mantra-Blumen dar.

28.44 Im Shiva-Tempel vollziehe man Nirajana für den Herrn der Götter. Dann gehe man zur Opferhalle und schmücke sie.

28.45 Die Feuergruben lege man vorschriftsmäßig wie zuvor an, Janardana. Nach dem Ausrufen des glückverheißenden Tages vollziehe man die Vastu-Verehrung,

28.46 die Keimsaat für das Fest und die Keimsaat für das abschließende Bad. Mit der zuvor genannten Reismenge zeichne man auf dem Altar den Lotus.

28.47 Man ziehe Linien aus Sesam und geschältem Reis und streue gepufften Reis und Blumen aus. In die Mitte kommt der Shiva-Krug, links das Vardhani-Gefäß.

28.48 Die Gefäße besitzen Grasbüschel, Zweige, Tücher und Deckel. In den mittleren Krug lege man einen Nishka Gold, in die Vardhani die Hälfte.

28.49 Die acht Vidyeshvaras verehre man in ihren Krügen auf den Blättern vom Osten ausgehend. Die Krüge an den Eingängen und die übrigen stelle man entsprechend auf.

28.50 Die Vorlage nennt hier die Zahlenfolge fünf, eins, vier, drei, fünf, zwei, vier, drei. Im Osten verehre man Shanti, Nandin, Mahakala und den Feind Balas, Indra. [Der Bezug der vorausgehenden Zahlenfolge ist nicht sicher erkennbar.]

28.51 Zwischen Osten und Südosten verehre man die Sonne, im Südosten Agni; im Süden Vidya, Bhringin, Ganesha und Yama.

28.52 Im Südwesten setze man Vastu und Brahma ein, Vishnu; im Westen Nivritti, den Stier, Skanda und Haris Geliebte.

28.53 Im Nordwesten verehre man Pavana und Ganesha, im Norden Pratishtha, Gauri, Chandesha und Dhanada.

28.54 Im Nordosten setze man der Reihe nach Isha, den Weltenherrn und die Guru-Reihe ein. Vom Osten bis zum Nordosten setze man die göttlichen Waffen in ihrer Folge ein.

28.55 Danach bringe man den in den Krügen Gegenwärtigen Opferspeise dar. Man richte fünf Feuer oder nur eines ein.

28.56 Dann vollziehe man vorschriftsmäßig das Feueropfer und verehre den Herrn des Festes, versehen mit einem goldenen Schutzband im Nishka-Maß.

28.57 Der Kundige bringe Speise mit Kuchen und weiteren Beigaben dar, danach Betel, begleitet von Räucherwerk und Licht.

28.58 Man vollziehe vorschriftsmäßig die Besichtigung der Opferhandlung, Janardana. Nach der Umrundung des Dorfes stelle man die Gottheit in die Audienzhalle.

28.59 Den Herrn des Festes setze man auf einen Löwenthron, lasse ihn die Darbietungen schauen und vollziehe seine rituelle Begießung.

28.60 Nach dem Schmücken mit Gewändern, Schmuck und Girlanden bringe man verschiedene Reisgerichte, Kuchen, weitere Speisegaben und Betel dar, Janardana,

28.61 ebenso Räucherwerk, Licht und die mit Fußwasser beginnenden Dienste. Abends findet das Feueropfer statt; dabei vergegenwärtige man die Waffengottheit.

28.62 Tragtier und übrige Begleiter verehre man jeweils passend zur Gottheit. Nach dem Feueropfer und der Besichtigung des Opfers begebe man sich zur Schaukelhalle.

28.63 Diese Halle errichte der Kundige länglich-rechteckig. Man beginne bei zwei oder drei Hasta und steigere das Maß jeweils um sechs Angula

28.64 bis zu fünfzehn Hasta; die Prüfung nach Aya und den übrigen Maßregeln ist vorzunehmen. Für Breite und Boden nennt der Text sechs, vier Teile und einen Teil. [Die Zuordnung dieser Maße ist nicht eindeutig.]

28.65 Der untere Soma-Sockel entspricht diesem Maß oder drei Vierteln davon. Für die Säulenhöhe wird ein Bezug zu drei Teilen des Unterbaus angegeben.

28.66 Die Höhe der Schaukelsäulen bestimme man nach drei beziehungsweise fünf Teilen des Unterbaus, Keshava. [Die gedrängte Verhältnisangabe bleibt vorläufig.]

28.67 Die Säulenbreite beträgt ein Achtel der Höhe; oben ist sie um ein Zehntel vermindert.

28.68 Das obere Gebälk erhält eine Einheit Höhe und wird als Schutzdach geschmückt, Madhava. Der Torbogen misst drei Fünftel der Säulenhöhe.

28.69 Er trägt Vyala-Wesen, Schwäne und weiteren Schmuck am Nasika-Teil. Man fertige ihn aus Gold, Silber oder Kupfer.

28.70 Die Schaukel erhält vielfältigen Schmuck, Madhusudana. Ihre Halle schmücke man mit Baldachinen, Fahnen und Wedeln,

28.71 verschiedenen Pfauenfedern und Schirmen sowie Patala-, Karnikara-, Champaka- und Kesara-Blüten,

28.72 Bhupadi- und Shiva-Girlanden, Punnaga, Mallika, Magadhi, Karavira und goldgelbem Dhuttura,

28.73 Lotus, Pratihasa, Rudra-Blüten und Katimura sowie Betelnüssen, Bananen, Mango, Orangen und Likucha-Früchten. [Einige Blumenbezeichnungen sind unsicher.]

28.74 Nach dem Schmücken der Halle schütte man acht Drona ungeschälten Reis auf, darüber halb so viel geschälten Reis und darüber wiederum halb so viel Sesam.

28.75 Darüber kommt halb so viel gepuffter Reis wie Sesam. Darbha-Gras und Blumen werden ausgestreut. Dort vollziehe der Kundige die Vighnesha-Verehrung und den rituellen Entschluss.

28.76 Nach der glückverheißenden Besprengung reinige der Lehrer die Schaukel mit dem Astra-Mantra und verehre darin vorschriftsmäßig die folgenden Kräfte, Janardana.

28.77 Der Guru verehre Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaften und Herrschaftskraft, auf dem Sitz Pinaka und im Ring Kundali.

28.78 Erkenntniskraft, Handlungskraft und Willenskraft verehre er in der Schaukel, im Ring auch Kundalini.

28.79 In der Kette setze er den Stier ein, in ihrem Ring Bindu, auf dem Sitzbrett der Reihe nach Shuddhavidya und Manonmani.

28.80 Den Herrn des Festes setze man fest auf die Schaukel, links von ihm Shakti. Man verehre sie mit Räucherwerk, Licht und weiteren Gaben.

28.81 Danach bringe man Aratrika dar und lasse die Veden vortragen, begleitet von Hymnen und Muschelhornklang.

28.82 Gesang, Instrumentalmusik und Tanz bringe man Shiva dar, um ihn zu erfreuen. Man opfere eine große Speisegabe und danach Räucherwerk und Licht.

28.83 Nach der Umrundung des Dorfes bringe man die Gottheit in den Shiva-Tempel, bade und verehre sie und bringe Speise und weitere Gaben dar.

28.84 Danach bringe der Kundige mit Wasser die Mantra-Blumen dar. So begehe man an jedem Tag morgens und abends das Fest.

28.85 Am Tag vor dem heiligen Bad vollziehe man die Begießung Nateshas und bringe Schutzband und dunkle Duftsalben an den jeweiligen Stellen an.

28.86 Nach Speise, Räucherwerk und Licht folgt die Umrundung des Heiligtums. Kommt es bei dieser Umrundung zu einer Unterbrechung,

28.87 bestreiche man zur Befriedung des Fehlers mit Kampfer, Hari. Die Gottheit wird im mittleren Bereich aufgestellt, begleitet von Vedenrezitation und Gesang. [Die Ortsangabe ist nicht eindeutig.]

28.88 Nach Räucherwerk, Licht und Speise nimmt sie zusammen mit der Göttin Platz. Bei Tagesanbruch vollziehe der Lehrer das vorbereitende Schutzband-Bad des Herrn der Waffen.

28.89 Zur Morgenröte wird Natesha im Zug herumgeführt, Hari. Auf der Straße findet die Begegnung mit der Gottheit statt, bei der die Göttin Zorn zeigt.

28.90 Mit Bananenstämmen werden dabei im gespielten Zorn die Verehrer geschlagen. Dann wird der Zorn der Göttin besänftigt und das göttliche Paar gemeinsam herumgeführt.

28.91 Nach der vorschriftsmäßigen Aratrika trete man ins Tempelgebäude ein. Nach dem Feueropfer oder bereits zuvor beginne man die Bali-Darbringung.

28.92 Mit Somaskandeshvara und der göttlichen Waffe begebe sich der Lehrer, zusammen mit den Verehrern, zum Bad an einen Fluss oder ein anderes geeignetes Gewässer.

28.93 Am Ufer bereite man einen ebenen Platz und stelle den Herrn des Festes unter einem Schutzdach auf. Man verehre ihn mit rituellen Begießungen und den fünf Erzeugnissen der Kuh.

28.94 Nach dem Bad löse der Lehrer das Schutzband und schmücke die Gottheit mit Gewändern, Schmuck und Girlanden, Janardana.

28.95 Nach Räucherwerk und Licht umschreite man das Dorf, kehre in den Tempel zurück und begebe sich danach in die Opferhalle.

28.96 Man entlasse die Gottheiten der Opferkrüge und bringe die volle Abschlussgabe dar. Nach dem Waschen seiner Füße verehre man den Lehrer.

28.97 Der Auftraggeber ehre den Guru mit Halsketten, Oberarmreifen, Armreifen, goldenen heiligen Schnüren, Duftstoffen, Blumen und Räucherwerk.

28.98 Die auf dem Altar aufgestellten Krüge lasse man auf den Köpfen der Tempeldiener tragen und umschreite damit das Heiligtum nach rechts, begleitet von feierlicher Musik.

28.99 Im Ardhamandapa stelle man die Krüge auf einen dreifüßigen Ständer, bereite allgemeines Arghya und vollziehe die glückverheißende Besprengung.

28.100 Man übergieße das Hauptlinga, vollziehe besonders die vorgesehenen Baderiten und bringe mit Fußwasser und den übrigen Diensten eine große Speisegabe dar.

28.101 Im Chandeshvara-Heiligtum lasse man die vorgeschriebenen Speisegaben und weiteren Gaben darbringen. Dann begebe man sich mit Chandesha und der Waffe zum Fahnenmast.

28.102 Unter Rezitation des Astra-Mantra senke man die Fahne. Den im Tuch gegenwärtigen Stier übertrage man in die Stierdarstellung.

28.103 Mit Chandesha und dem Herrn der Waffen bringe man im Dorf und den weiteren Bereichen Bali dar. Der Kundige vollziehe die Entlassung und entlasse die Weltenhüter.

28.104 Nach dem Wiedereintritt bringe man Bali am Opferpodest dar, wasche die Füße und betrete das Heiligtum.

28.105 Wer dieses unvergleichliche Schaukelfest ausführen lässt, erlangt die Frucht sämtlicher Opfer und erfreut sich der Gemeinschaft mit Shiva.

Damit endet das achtundzwanzigste Kapitel des Ajita Agama über das Schaukelfest.

Kapitel 29: Die rituelle Begießung

29.1 Nun erkläre ich Shivas rituelle Begießung, Hari. Sie befriedet vorzeitigen Tod und vertreibt die Furcht vor allen Krankheiten.

29.2 Sie befriedet alle Verfehlungen, beseitigt Kummer und Verblendung, gewährt den Menschen alles Ersehnte und wehrt jedes Unheil ab.

29.3 Sie schenkt Lebensdauer, Wohlergehen, Ansehen und Sieg, Zufriedenheit und Gedeihen; sie beendet Dürre und beseitigt alle Bedrängnisse der Welt.

29.4 An den Tagundnachtgleichen, den Sonnenwenden, den Vishnupadi-Terminen, den sogenannten sechsundachtzig Öffnungen des Jahres und ähnlichen Zeiten, bei Sonnen- und Mondfinsternissen,

29.5 am achten, vierzehnten und fünfzehnten Mondtag beider Monatshälften, unter Ardra, an Sonntagen sowie unter dem für das Festbad bestimmten Mondhaus,

29.6 am Abschluss einer Weihe, beim Pavitra-Fest, beim Entzünden der Krittika-Lichter, bei der Darbringung der neuen Ernte, nach dem Butterbad,

29.7 beim Ghritakambala-Ritus, beim Frühlingsfest, bei sämtlichen Sühneriten und bei der Erneuerung eines verfallenen Heiligtums,

29.8 wenn ungewöhnliche Erscheinungen am Himmel, im Luftraum oder auf der Erde sichtbar werden, bei Dürre sowie beim Auftreten von Fieber, Seuchen und anderen Krankheiten unter Lebewesen,

29.9 bei Gefahr durch ein feindliches Heer, zu Beginn eines Opfers der Zweimalgeborenen, beim Beginn des Lernens, bei einer Hochzeit und bei der Königsweihe,

29.10 vor einem Feldzug, bei der Gründung einer Stadt, zu Beginn von Ackerbau oder Handel, beim Shatabhisheka und bei Krankheiten der Kühe,

29.11 bei der Einsetzung eines Kronprinzen, beim Pushya-Bad eines Königs und bei Krankheiten von Elefanten oder Pferden soll man diese Begießung beginnen.

29.12 Für das Aufstellen der Krüge errichte man zuvor eine Halle: dreizehn Hasta in der höchsten, sieben in der mittleren

29.13 und fünf in der geringeren Ausführung. Die erste hat vierundsechzig Säulen, die mittlere und geringere jeweils zwölf.

29.14 Bei der ersten sind die Säulen elf Tala hoch, bei den übrigen neun. Der Fußboden der Hallen liegt

29.15 sechzehn Angula hoch und ist glatt wie ein Spiegel. Gibt es vor dem Tempel keine zum Aufstellen der Krüge geeignete Halle,

29.16 soll dort eine nach diesen Vorschriften errichtet werden. Man bestreiche sie mit Kuhdung und versehe sie mit Baldachin und Richtungsfahnen.

29.17 An den Eingängen in den vier Richtungen stehen Torbögen aus Opferholz. Die Halle trägt die acht Glückszeichen und ist mit Darbha-Girlanden umwunden.

29.18 Sie besitzt glückverheißende Keimschalen und wird mit geweihtem Shiva-Wasser besprengt. Mit einer dreifach gedrehten, mit Mehlpaste bestrichenen Schnur

29.19 zeichne man nach dem Ausrufen des glückverheißenden Tages das maßgerechte Raster. Die Begießung mit Krügen ist neunfach, Hari.

29.20 Mit eintausendacht Krügen ist sie die höchste der höchsten Formen, mit fünfhundertacht die mittlere unter den höchsten.

29.21 Mit zweihundertsechzehn Krügen ist sie die geringste unter den höchsten, mit einhundertacht die höchste mittlere Form.

29.22 Achtundvierzig Krüge bilden die mittlere mittlere Form, vierundzwanzig die geringste mittlere.

29.23 Sechzehn Krüge bilden die höchste geringere Form, acht die mittlere geringere und vier die geringste.

29.24 Die beiden Krüge Shivas und Shaktis kommen überall zusätzlich hinzu. Bei diesen neun Begießungen, Janardana,

29.25 ist das Aufstellen der Krüge dreifach: Bei den drei höchsten erfolgt es in gegliederten Feldgruppen,

29.26 bei den drei mittleren auf einzelnen Rasterfeldern und bei den übrigen drei auf Lotusblättern.

29.27 Ich erkläre das Aufstellen für alle Formen; höre die Einzelheiten, Janardana. Die Krüge bestehen aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton.

29.28 Sie fassen der Reihe nach vier, drei oder zwei Prastha, entsprechend der vorzüglichen, mittleren oder geringeren Ausführung.

29.29 Gegenüber den gewöhnlichen Krügen hat der Shiva-Krug das vierfache Fassungsvermögen, der Shakti-Krug das doppelte.

29.30 Sind die beiden Hauptkrüge aus Gold, bestehen die übrigen aus Silber; sind jene aus Silber, die übrigen aus Kupfer.

29.31 Sind die beiden aus Kupfer, bestehen die übrigen aus Ton. Oder sämtliche Krüge bestehen aus demselben Material wie die beiden von Shiva und Uma.

29.32 Besonders die tönernen müssen makellos, schön und wie reife Bimba-Früchte gefärbt sein. Alle werden gründlich ausgewaschen

29.33 mit Wasser, über das der Astra-Mantra gesprochen wurde. Man umwickle sie mit fehlerfreiem, weißem, gleichmäßigem, gewaschenem Faden,

29.34 dreifach beim Shiva-Krug, zweifach beim Uma-Krug und einfach bei den Rudra-Krügen. Dann stelle der Kundige sie zunächst mit der Öffnung nach unten auf Darbha-Gras.

29.35 Er besprenge sie mit Hridaya und fülle sie mit duftendem Wasser. Dieses wird in einem neuen Tongefäß bereitgehalten und ist kühl, wohlriechend,

29.36 rein und klar, aus einem Fluss oder Brunnen. Man vermische es mit Pulvern von Ushira, Truti, Hribera, Sandelholz, Aloeholz, Kushtha,

29.37 Jati und Takkola, sämtlich einwandfrei und frei von Lebewesen. Dies heißt Duftwasser.

29.38 Die Unterlagen für die Krüge bestehen aus fehlerfreiem, hellem ungeschältem Reis oder anderem geeigneten Getreide, ohne schwarze Körner.

29.39 Je Krug ist eine Unterlage aus zwei Prastha vorzüglich, aus eineinhalb Prastha mittel,

29.40 aus einem Prastha geringer. Die Unterlage für den Shiva-Krug, Janardana, beträgt das Doppelte, Dreifache oder Vierfache,

29.41 entsprechend der geringeren, mittleren oder höchsten Form. Für Uma verwendet man jeweils die Hälfte davon. Darüber kommen geschälter Reis im Viertel- und Sesam im Sechzehntelanteil

29.42 sowie heller gepuffter Reis. Überall wird Darbha-Gras ausgestreut. Für das Grasbüschel des Shiva-Krugs nimmt man fünfzehn Kusha-Halme

29.43 von fünfundzwanzig Angula Länge in der höchsten Ausführung, zehn in der mittleren und sieben in der geringeren.

29.44 Für das Grasbüschel des Gauri-Krugs nimmt man neun, sieben oder fünf Halme, entsprechend der höchsten, mittleren oder geringeren Ausführung.

29.45 Für die übrigen Krüge nimmt man entsprechend sieben, fünf oder drei Halme, Janardana.

29.46 Beim Shakti-Krug beträgt ihre Länge zwanzig Angula, bei den übrigen fünfzehn. Der schalenförmige Deckel misst vier Angula.

29.47 Das Tuch zum Umhüllen des Krugs ist sieben, sechs oder fünf Hasta lang und ein Fünftel davon breit, fusselfrei und sehr weiß,

29.48 entsprechend der höchsten, mittleren und geringeren Ausführung. Für den Shiva-Krug gilt Wasser mit fünf Edelsteinen als vorzüglich,

29.49 mit vier als mittel, mit drei als geringer. Rubin, Perle, Vaidurya, blauer Saphir und Koralle

29.50 bilden die fünf Edelsteine. In den Gauri-Krug lege man Gold: ein Masha in der geringeren, zwei in der mittleren

29.51 und drei in der höchsten Ausführung. In die übrigen Krüge kommen die jeweiligen besonderen Stoffe. Damit sind die allgemein geltenden Vorbereitungen erklärt.

29.52 Nun beschreibe ich der Reihe nach die neun Aufstellungen. In der zuvor genannten Halle zeichne man das Raster sorgfältig mit Schnüren.

29.53 Mit sechzehn nach Osten verlaufenden Schnüren bilde man sieben Feldreihen, ebenso mit sechzehn nach Norden verlaufenden sieben weitere.

29.54 Jede Feldgruppe misst gleichmäßig fünf Spannen. Zwischen den die Wege begrenzenden Schnüren liegen jeweils zwei Spannen.

29.55 Die Zwischenräume zwischen den Schnurpaaren bestreiche man mit Kuhdungwasser. Nach dem Entfernen der Schnurlinien bilden diese Flächen die Wege.

29.56 Acht Wege verlaufen nach Osten, acht nach Norden. An ihren Kreuzungen befinden sich die inneren Säulen.

29.57 Zwischen den Wegen liegen neunundvierzig Feldgruppen. Nach dem Anschlagen dieses Rasters besprenge der Mantrakundige die Feldgruppen mit Shiva-Wasser

29.58 und errichte darin die Unterlagen für die Krüge mit den zuvor genannten Mengen von ungeschältem Reis, geschältem Reis und Sesam.

29.59 Von der Mitte ausgehend lege man in jeder Feldgruppe die Ritualfläche an. In der zentralen zeichne man einen achtblättrigen Lotus.

29.60 Im äußeren Umkreis, in den vier Hauptrichtungen, errichte man Sandflächen für die Feueropfer; in den vier Zwischenrichtungen

29.61 lasse man besonders während des Feueropfers Brahmanen die heiligen Texte rezitieren. Nach der Besprengung mit dem Shiva-Astra-Mantra zeichne man die Schriftzeichen ein.

29.62 In die Lotusmitte schreibe man die Kuta-Silbe mit dem Laut ma. Im ersten Umkreis schreibe man in den Hauptrichtungen die vier mit ya beginnenden Laute,

29.63 in den Zwischenrichtungen die Laute von śa bis ha. Im zweiten Umkreis setze man die sechzehn Vokale ein.

29.64 Im dritten Umkreis steht die k-Gruppe in den fünf östlichen Feldgruppen, die c-Gruppe im Süden und die ṭ-Gruppe im Westen.

29.65 Die t-Gruppe setze man im Norden ein, pa im Südosten, pha im Südwesten, ba im Nordwesten

29.66 und bha im Nordosten. Ohne Hast und aufmerksam stelle der Mantrakundige anschließend die Krüge in diesen Feldern auf.

29.67 Zuerst filtere man das mit Duftpulver vermischte Wasser durch ein Tuch und fülle damit den Shiva-Krug und die Vardhani.

29.68 Sie tragen Grasbüschel, Edelsteine beziehungsweise Gold, sind mit Sandelpaste bestrichen, am Hals in Tücher gehüllt und mit Deckeln und ungebrochenen Reiskörnern versehen.

29.69 Die beiden Krüge des göttlichen Paares besitzen Girlanden und junge Zweige. Nach der Besprengung des Lotus mit Astra stelle man sie auf dem Fruchtboden auf,

29.70 unter Rezitation des Shiva- beziehungsweise Gauri-Mantra. Die Vardhani steht nördlich des Shiva-Krugs.

29.71 Ihre Ausgusstülle richte man nach Norden. Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, die fünf Erzeugnisse der Kuh, Kusha-Wasser,

29.72 Milch, Dickmilch und geklärte Butter stelle man an die acht Blattspitzen. In den vierzig übrigen Feldgruppen, vorn beginnend,

29.73 stelle der Kundige jeweils fünfundzwanzig Krüge auf. Honig, Zuckerrohrsaft, Gerste, Darbha-Wasser,

29.74 Sesam, Bananenfrucht, Senf, Kokosnuss, Kurkumapulver, Zitronatzitrone,

29.75 Lamajjaka, Granatapfel, Mehl aus gepufftem Reis, Jackfrucht, Asche und Mango: Diese sechzehn Stoffe

29.76 stelle man vom Osten ausgehend in die Mittelpunkte der sechzehn Feldgruppen des Vokal-Umkreises, Vishnu. Nun nenne ich auch die Stoffe für deren weitere Krüge und für die des ersten Umkreises.

29.77 Höre sie kurz der Reihe nach: Safran, Rocana, Kushtha, Kampfer, Gewürznelken,

29.78 Ela, Muskatnuss und als achtes Patra. Sie gehören zum ersten Umkreis. Nun zum zweiten:

29.79 Saha, Durva, Lakshmi, Bhadra, Vishnuvadhu, Indravalli, Kasha, Varahi, Shringa,

29.80 Gokshura, Shami-Blatt, Anjalikarika, die beiden Apamarga-Arten und die beiden Girikarni-Arten.

29.81 Diese sechzehn Stoffe lege man im zweiten Umkreis ins Wasser. So ist der zweite Umkreis der Vokale beschrieben.

29.82 Nun werden die mittleren Krüge der Feldgruppen des dritten, äußeren Umkreises erklärt. Lotus, blauer Utpala und roter Utpala:

29.83 Mit diesen drei Blüten entsteht das Blumenwasser im ka-Feld. Wasser mit Tulasi-, Bilva- und Dhuttura-Blättern ist das Blattwasser im kha-Feld.

29.84 Wasser mit Rinde von Palasha, Ashvattha und Kapittha ist das Rindenwasser in der Mitte des ga-Feldes.

29.85 Wasser mit jungen Trieben von Mango, Ashvattha und Palasha ist das Triebwasser im gha-Feld. Mit Hribera, Ushira und Musta

29.86 bereite man das Wurzelwasser im ṅa-Feld. Damit sind die fünf östlichen Felder erklärt. Wasser mit Orange, Likucha und Mango

29.87 ist das Fruchtwasser im ca-Feld. Wasser mit ungeschältem Reis, Wildreis und Priyangu ist das Samenwasser im cha-Feld.

29.88 Mit Knollen von Vidari, Utpala und Lotus bereite man das Knollenwasser im ja-Feld. Wasser mit Sandelholz, Aloeholz und Kampfer

29.89 ist das Duftwasser im jha-Feld. Im ña-Feld befindet sich das Siddha-Wasser mit Sesam, weißem Senf und Gerste.

29.90 So sind die fünf südlichen Feldgruppen erklärt. Wasser mit Rubin, Perle und Vaidurya ist das Edelsteinwasser im ṭa-Feld.

29.91 Wasser mit Kupfer, Silber und Gold heißt Metallwasser; man stelle es im ṭha-Feld auf. Im ḍa-Feld steht das Kanta-Wasser

29.92 mit Sonnenstein, Magnetstein und Mondstein. Wasser mit den drei Makshika-Arten steht im ḍha-Feld.

29.93 Wasser mit drei Glimmerarten steht im ṇa-Feld. Wasser mit Saurashtra, Anjana und Tarkshya ist das Laugenwasser im ta-Feld.

29.94 Mineralwasser mit Dhatu, Sindura und Rötel steht im tha-Feld. Wasser mit rotem Sandelholz, Haritala

29.95 und Manahshila heißt rotes Wasser und steht im da-Feld. Wasser mit Erde vom Meer, vom Flussufer und vom Acker

29.96 heißt Erdwasser; man ordne es dem dha-Feld zu. Wasser mit Triphala ist das herbe Auszugswasser im na-Feld.

29.97 Im pa-Feld stelle man Milch auf, im pha-Feld Dickmilch, im ba-Feld geklärte Butter und im bha-Feld Öl.

29.98 So sind die Stoffe in den mittleren Krügen der äußeren Feldgruppen genannt. Die jeweils acht anschließenden Krüge werden nun kurz erklärt.

29.99 Phena, Devadaru, Mamsi, Talisapatra, Kushtha, Vaktra, Rasna und Nagakesara

29.100 lege man im ersten Umkreis vom Osten ausgehend nieder. Champaka, Jati, Punnaga, Mallika, Karavira,

29.101 weißer Arka, Vakula, Chaturangula, Madhavi, Kurava, Ketaki, Patali,

29.102 Nandyavarta, Bandhuka, Japa und Hema: Diese sechzehn Stoffe verteile man im nächsten Umkreis vom Osten ausgehend.

29.103 Damit sind die Stoffe genannt. Höre nun die Gottheiten. Nach dem Einlegen der Stoffe folgt das Einsetzen der Gottheiten.

29.104 Man lasse den glückverheißenden Tag ausrufen und besprenge mit dem Shiva-Mantra. Rings um den Shiva-Krug opfere man vorschriftsmäßig auf den Ritualflächen

29.105 Brennholz, geklärte Butter, gekochte Opferspeise, gepufften Reis und Sesam mit den fünf Brahma-Mantras, jeweils hundert-, fünfzig- oder fünfundzwanzigmal.

29.106 Danach bringe man überall mit dem Wurzelmantra die volle Abschlussgabe dar. Die vier Opferpriester erheben sich gleichzeitig

29.107 und berühren mit der rechten Hand den Shiva-Krug unter Rezitation der Gesichtsmantras. Dann setze sich der vorzügliche Guru nahe beim Shiva-Feld,

29.108 an dessen Südseite nach Norden gewandt, und vollziehe die Einsetzung der Mantras. Er vergegenwärtige Shambhu weiß, dreiäugig, mit einer Krone aus Haarflechten,

29.109 mit der Mondsichel gekennzeichnet, mit sämtlichem Schmuck versehen, vierarmig und freundlich blickend, mit Segen und Furchtlosigkeit gewährenden Händen,

29.110 die übrigen Hände halten eine schwarze Antilope und eine Axt. Nach Anrufung und weiteren Handlungen verehre man ihn mit seinem Mantra, Duftstoffen, Blumen und allen Gaben bis zur Speise.

29.111 Gauri ist goldfarben, zweiäugig, mit einem Gesicht wie der Vollmond, zweiarmig, von anmutigem Körper und mit sämtlichem Schmuck versehen.

29.112 Man verehre sie in der Vardhani mit dem aus ihrem Namen gebildeten Mantra. Dann zeige man an beiden Krügen des göttlichen Paares die Kalakarni-Mudra,

29.113 am Shiva-Krug die Linga-Mudra, an der Vardhani Manorama und an beiden die Surabhi-Mudra.

29.114 In den acht Krügen mit Fußwasser und den übrigen Stoffen verehre man die Vidyeshvaras mit ihren Namensmantras. Danach verehre man die in den Vokalfeldern befindlichen Gottheiten.

29.115 In der Mitte der a-Feldgruppe verehre man Shambhu mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Devadeva, Mahadipta, Varishtha, Parameshthin,

29.116 Satyarupa, Ananta, Parananda und Anindaka verehre man in den acht Krügen ihres ersten Umkreises.

29.117 Im zweiten Umkreis folgen Kamada, Kalanashana, Kapilambara, Kapardin, Purarati, Khaga, Khadgadhara, Vibhu,

29.118 Vibudha, Vibudhadhisha, Jnana, Vijnanalochana, Shrikantha, Anagha, Vaidya und Vedādya, insgesamt sechzehn.

29.119 Diese verehre man in den sechzehn äußeren Krügen, vom Osten ausgehend. Rudra, Mahadeva, Vamadeva, Hara, Shiva,

29.120 Ishana, Girisha, Sharva, Sarvajna, Amaradhipa, Kapardin, Karalaksha, Kalanashana, Avyaya

29.121 und Trinetra verehre der Kundige in den mittleren Krügen der mit ā beginnenden Feldgruppen. Die Rudras, die für die Umkreise des a-Feldes genannt wurden,

29.122 verehre man entsprechend in sämtlichen übrigen Vokalfeldgruppen. Danach verehre man im dritten großen Umkreis, vom Osten ausgehend,

29.123 Manojava in der Mitte der ersten Feldgruppe. In ihren acht anschließenden Krügen verehre man der Reihe nach Ananta, Atirikta, Virakta, Vedalochana,

29.124 Vedantasarasandoha, Vimala, Vishvabhavana und Vishvesha, vom Osten ausgehend.

29.125 Im zweiten örtlichen Umkreis, den sechzehn Krügen ringsum, verehre man der Reihe nach Sthanu, Sahasrabahu, Dhurjati, Jvalanadyuti,

29.126 Vidyutpingajata, Bhanu, Parameshvara, Uddhata, Garbha, Bhima, Himabha, Sarvaga, Vibhishana,

29.127 Krittivasas, Samaradhya und Purvaga. Danach verehre man der Reihe nach die Rudras in den mit kha beginnenden Feldgruppen.

29.128 Höre aufmerksam ihre mittleren Gottheiten: Mahakaya im ga-Feld, Shulin im gha-Feld,

29.129 Bhima im ṅa-Feld, Ugra im ca-Feld, Vyagra im cha-Feld und Ishvara im ja-Feld,

29.130 Puranasha im jha-Feld, Purana im ña-Feld, Lokasakshin im ṭa-Feld und Tryambaka im ṭha-Feld,

29.131 Gangadhara im ḍa-Feld, Indumardana im ḍha-Feld, Sarvaga im ṇa-Feld und Sarvada im ta-Feld,

29.132 Sadgama im tha-Feld, Shankara im da-Feld, Shanta im dha-Feld und Sharmada im na-Feld,

29.133 Shashvata im pa-Feld, Shuchi im pha-Feld, Bhasitaprita im ba-Feld und Varada im bha-Feld.

29.134 Im kha-Feld verehre man Vrishavaha. So sind die zu verehrenden Rudras genannt. In den jeweils acht anschließenden und sechzehn äußeren Krügen

29.135 verehre man die zuvor genannten Rudras in derselben Reihenfolge. Überall umhülle der Lehrer den mittleren Krug jeder Feldgruppe

29.136 mit einem Tuch und beginne die Verehrung. Nachdem die Rudras in den tausend Krügen so verehrt sind,

29.137 erhebe der Lehrer den Shiva-Krug zusammen mit der Vardhani, begleitet von Vedenrezitation, Muschelhorn- und Trommelklang.

29.138 Unter Rezitation des Sarvatman-Mantra übergieße er Shiva. Mit der Vardhani übergieße er die Pindika und spreche dabei den Gayatri-Mantra der Göttin.

29.139 Nach den beiden Hauptkrügen folgen die Vidyeshvaras und die übrigen der Reihe nach. Dann erhebe man nacheinander die tausend Krüge und übergieße die Gottheit.

29.140 Die Rudra-Mantras, die so in den Krügen eingesetzt wurden, verwende man auch beim Übergießen, Keshava.

29.141 Oder man vollziehe die Begießung unter Rezitation des Samvatsaratman-Mantra. In den vierzig äußeren Feldgruppen

29.142 stehen jeweils fünfundzwanzig Krüge. Ihr Aufnehmen erfolgt vom Osten ausgehend.

29.143 Innerhalb jeder Gruppe von fünfundzwanzig erhebe man zuerst den mittleren Krug, danach die acht inneren und schließlich die sechzehn äußeren.

29.144 Zuerst nehme man die Krüge des Vokal-Umkreises, danach die des Konsonantengruppen-Umkreises. Fällt beim Aufnehmen durch Unachtsamkeit ein Krug herab oder ereignet sich ein ähnlicher Fehler,

29.145 verehre man einen Ersatzkrug, erhebe ihn und vollziehe mit ihm die Begießung. Nach Abschluss gieße man reines Wasser darüber.

29.146 Man bestreiche Linga und Sockel mit Reis- oder Bohnenmehl, reibe sie damit ab

29.147 und reinige sie durch wiederholtes Waschen. Danach übergieße man mit Duftwasser und verehre nach dem Kapitel über die Puja entsprechend den verfügbaren Mitteln.

29.148 Man bringe eine reichliche Speisegabe im Bhara-Maß dar und danach Betel mit wohlriechenden Zusätzen für den Mund.

29.149 Nach rechtsläufiger Umschreitung und wiederholter Verneigung spreche man „Verzeihe“ und trete hinaus.

29.150 Mit Vertrauen lasse man dem Lehrer und den übrigen Mitwirkenden ihre Vergütung geben. So ist die Begießung mit eintausendacht Krügen beschrieben.

29.151 Nun folgt die Begießung mit fünfhundertacht Krügen. Dafür zeichne man in der Hallenmitte das Schnurraster.

29.152 Mit zwölf nach Osten gerichteten Schnüren bilde man fünf Feldreihen, ebenso mit zwölf nach Norden gerichteten fünf weitere.

29.153 Wege und Feldgruppen erhalten die zuvor genannten Maße. So entstehen fünf mal fünf Feldgruppen.

29.154 Die mittlere ist Shivas Feldgruppe; acht weitere gehören den Vidyeshvaras und die sechzehn äußeren den Vokalen.

29.155 Darin errichte man wie zuvor die Ritualflächen. Von den fünfundzwanzig Feldgruppen bestimme man die vier äußeren in den Hauptrichtungen

29.156 für die Feueropfer. Darin errichte der Kundige Ritualflächen aus Sand.

29.157 Auf dem Lotus der Shiva-Feldgruppe schreibe man den Prasada-Mantra, in die acht umliegenden Feldgruppen die Vidyeshvara-Mantras.

29.158 In die sechzehn äußeren Feldgruppen setze man die mit a beginnenden Vokale ein, alle mit Bindu und Nada versehen.

29.159 Man verehre alle mit Formeln, die mit Om beginnen und mit Namah enden. Danach erfolgt das Aufstellen der Krüge in den Feldgruppen.

29.160 Die Krüge Shivas, Umas und der Rudras, Keshava, werden wie zuvor sorgfältig vorbereitet und mit Duftwasser gefüllt.

29.161 In die Mitte aller stelle man den Shiva-Krug, mit Grasbüschel, Deckel und den fünf Edelsteinen versehen,

29.162 in zwei Tücher gehüllt. Nördlich davon stelle der vorzügliche Mantrakundige den entsprechend bereiteten Krug mit Gauris Bija auf.

29.163 Rings um beide, vom Osten ausgehend, stelle man Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, die fünf Erzeugnisse der Kuh und Kusha-Wasser,

29.164 Milch, Dickmilch und geklärte Butter auf. In den acht Vidyeshvara-Feldgruppen folgen der Reihe nach in den mittleren Krügen

29.165 Honig, gepuffter Reis, Mehl daraus, Kurkumapulver, Asche und Zuckerrohrsaft,

29.166 Sesam und Senf. Danach zu den Vokalfeldern: Im ā-Feld steht Sandelwasser, im i-Feld Lava-Wasser,

29.167 im ī-Feld Kushtha-Wasser, im ū-Feld Rocana-Wasser, im ṛ-Feld Butterwasser und im ṝ-Feld Blattwasser.

29.168 Im langen vokalischen l-Feld steht Triphala-Wasser, im e-Feld Fruchtwasser, im ai-Feld Mineralwasser und im au-Feld Glimmerwasser.

29.169 Im aṃ-Feld steht Blumenwasser, im aḥ-Feld Kusha-Wasser. So bestimme man überall den Inhalt des jeweiligen Hauptkrugs.

29.170 Gerste, weißer Senf, schwarzer Sesam, Wildreis, Bambussamen, Weizen, Shyama

29.171 und Priyangu lege man vom Osten ausgehend in die acht inneren Krüge jeder Vidyeshvara-Feldgruppe. In deren sechzehn äußere kommen Mallika, Champaka,

29.172 Jati, Vakula, Punnaga, weißer Arka, Dhataki, Kurava, Karnikara, Chaturangula,

29.173 Dhuttura, Drona-Blüte, Nandyavarta, Madhavi, Malati und Yuthika, überall ringsum in derselben Reihenfolge.

29.174 Im äußeren Vokal-Umkreis kommen Rocana, Safran, Trauben, Darvi, Durva, Jyotishmati, Sallaki

29.175 und Vaktra in die jeweils acht inneren Krüge. In die sechzehn äußeren lege man Bilva, Maricha, Achika,

29.176 Durva, Chala, Gokarna, Indravalli, Vaishnavi, Tulasi, Vata-Triebe, Jambu, Apamarga,

29.177 die beiden Girikarni-Arten, Kapittha und Udumbara. Damit sind die Stoffe in den Krügen dieser Feldgruppen erklärt.

29.178 In Shivas Feldgruppe stehen die genannten acht Krüge, außerhalb davon die acht Vidyeshvara-Feldgruppen und weiter außen

29.179 die zwölf mit Krügen besetzten Vokalfeldgruppen. Jede dieser äußeren Feldgruppen enthält fünfundzwanzig Krüge.

29.180 Den jeweils mittleren umhülle man oben mit einem Tuch. So stelle man die fünfhundertacht Krüge auf.

29.181 Danach verehre man Gott und Göttin in ihren beiden Hauptkrügen. In Shivas Feldgruppe verehre der Lehrer ringsum die acht Gestalten, beginnend mit Bhava.

29.182 In den mittleren Krügen der nächsten Feldgruppen verehre man die Vidyeshvaras; in ihren acht inneren Krügen der Reihe nach

29.183 überall die Weltenhüter. In den sechzehn äußeren verehre man diese sechzehn Rudras:

29.184 Pramathesha, Mahesha, Kapila, Kapilambaka, Kalamurti, Kalamurti in der zweiten genannten Form, Khatvangadhara, Uddhata,

29.185 Bhrikutibhishana, Bhima, Mahabhairavarupin, Mahabhuja, Mahadamshtra, Anavadya, Anindita

29.186 und Asahya. So verehre man die sechzehn Rudras der Reihe nach. In den mittleren Krügen der Vokalfeldgruppen verehre man

29.187 die zwölf Adityas, in den acht inneren Krügen die acht Vasus und in den sechzehn äußeren

29.188 Vidyujjihva, Vishalaksha, Vidrumaprabha, Unmukha, Vettri, Vibudhadhyaksha, Vira, Vireshvara, Para,

29.189 Kumbhodara, Nikumbha, Bhutala, Bhutibhushana, Vyalayajnopavita, Tankahasta und Jatadhara.

29.190 Nach der Verehrung dieser Gottheiten beginne man die Begießung. So ist die vorzügliche Begießung mit fünfhundertacht Krügen erklärt.

29.191 Nun erkläre ich die Begießung mit zweihundertsechzehn Krügen. Mit acht Schnüren nach Osten und ebenso vielen

29.192 nach Norden entstehen neun Feldgruppen. Die Abstände der Schnurpaare und die Feldmaße entsprechen dem zuvor Beschriebenen.

29.193 Von diesen neun Feldgruppen gehört die mittlere Shiva, die übrigen vom Osten ausgehend den Richtungswächtern.

29.194 Darin errichte man die Ritualflächen mit den bekannten Merkmalen. In die Mitte zeichne man einen Lotus mit sechzehn Blättern.

29.195 Auf seinen Fruchtboden setze der Kundige den Pranava; die jeweiligen Bija-Laute von Indra bis Ishana schreibe man in ihre Felder.

29.196 Diese Laute verehre man mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. Die Krüge Shivas, Umas und der Rudras werden wie zuvor vorbereitet.

29.197 Der Kundige stelle sie der Reihe nach mit sämtlichen Merkmalen auf. Nach den beiden Hauptkrügen folgen ringsum an den Blattspitzen

29.198 Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, die fünf Erzeugnisse der Kuh, Kusha-Wasser, Milch, Dickmilch und geklärte Butter in den acht Richtungsblättern.

29.199 Honig, Öl, Zuckerrohrsaft, fester Zucker, Jackfrucht, Banane, Mango und Zitronatzitrone

29.200 stelle man der Reihe nach auf die übrigen Blätter. In den mit Indra beginnenden Feldgruppen folgen Gerste, Senf, gepuffter Reis, Mehl daraus, Sesam,

29.201 Kurkumapulver, Weizenmehl und Asche. Danach stelle man die übrigen Krüge auf, gefüllt mit duftendem Wasser.

29.202 In den acht Krügen der ersten Umfassung innerhalb der mit Indras Richtung beginnenden Hauptrichtungsfelder verteile man der Reihe nach

29.203 Sandelholz, Laghu, Kushtha, Kardamom, Kampfer und die drei Früchte. In die sechzehn äußeren Krüge gebe man

29.204 Darvi, Durva, Weintrauben, Nagakesara, Hribera, Guggulu, Manjishtha und Lodhra,

29.205 Anjana, Rochana, Turushka, Safran, Vidanga, roten Ocker, Rasna und Manahshila.

29.206 In den anderen, den Zwischenrichtungen zugehörigen Feldern gebe man in die erste Umfassung Lakshmi, Vishnukranti und Saha,

29.207 Bilva-, Durva- und Shami-Blätter sowie die beiden Apamarga-Arten. Danach verteile man ringsum in die sechzehn Krüge

29.208 weißen Lotus, Kumuda, Dhattura, Mallika, Karavira, Patali-Blüten, Punnaga und roten Lotus,

29.209 Aragvadha, weißen Arka, roten Arka, Brihati, Champaka, Kurava, Dronapushpa und Yuthika.

29.210 Hat der Mantrakenner alle diese Stoffe hineingelegt, richte er rings um die Feldgruppen in den vier Himmelsrichtungen das Feueropfer ein.

29.211 Im Shiva-Krug verehre er Shiva, in der Vardhani Shakti, ringsum in den Hauptrichtungen die Vidyeshvaras und in den Zwischenrichtungen Bhava und die übrigen.

29.212 In den mittleren Krügen der äußeren Feldgruppen verehre er die Hüter der Himmelsrichtungen. In den vier mit Osten beginnenden Richtungen, Keshava,

29.213 setze er Matrivrita, Pingaksha, Bhutapala, Balipriya, Sarvavidyeshvara, Dhatri, Duhkhanashana

29.214 und Sukhada ein und verehre diese Rudras in den acht Krügen. In die sechzehn äußeren setze er der Reihe nach die folgenden Rudras ein:

29.215 Jatadhara, Ratnadhara, Nidhisha, Rupin, Dhanya, Saumya, Prakasha und Pramardana,

29.216 Suprasada, Sulakshman, Kamarupa, ferner Shveta, Jayabhadra, Dirghabahu und Balantaka. [Die überlieferte Namensreihe ergibt nicht eindeutig sechzehn Namen.]

29.217 In den mit Südosten beginnenden Eckfeldern verehre er diese Rudras: Vadavamukha, Subhima, Nairrita und Marana,

29.218 Hantri, Kruradrishti, Bhayanaka und Urdhvakesha, jeweils der Reihe nach in der ersten Umfassung.

29.219 In die zweite Umfassung setze er danach Dhumra, Lohitadanshtraka, Yamya, Mrityuhara, Kartri und Dharmanayaka,

29.220 Yoktri, Jvalana, Bhanu, Babhru, Bhasmavibhushita, Kshayantaka, Kapalisha, Aja, Buddha und Vajrin.

29.221 Nachdem er sie der Reihe nach eingesetzt und verehrt hat, beginne er mit der Begießung. Damit ist die Begießung mit zweihundertsechzehn Krügen beschrieben.

29.222 So wurden die drei vorzüglichsten Begießungen nach der Anordnung in Feldgruppen erklärt. Nun beschreibe ich die drei mittleren nach der Anordnung einzelner Felder.

29.223 Ich erkläre die Begießung mit einhundertacht Krügen. Vierzehn Schnüre verlaufen nach Osten und ebenso viele nach Norden.

29.224 So entstehen insgesamt einhundertneunundsechzig regelmäßig angeordnete Felder. Jedes Feld soll ein Tala messen.

29.225 In der Mitte vereinige man neun Felder für den Lotus. Außen bilden sechzehn Felder die erste Umfassung.

29.226 Darum lege man einen Gang von einer Feldreihe Breite an. Am Gang ordne man acht Zugänge seitlich der Ecken an,

29.227 jeden aus drei Feldern. So entstehen neun Feldbereiche, von der Mitte aus gerechnet, Janardana.

29.228 In den vier mit Osten beginnenden Bereichen mit jeweils fünfzehn Feldern lasse man an den Seiten des inneren Ganges

29.229 jeweils das eine mittlere Feld frei und bereite auf den übrigen den Opfergrund. So ergeben sich in den Hauptrichtungen jeweils vierzehn Felder.

29.230 Für die Ecken sind jeweils neun angegeben. Dann beginne man mit der Aufstellung. Der Lehrer besprenge zunächst mit Wasser, über dem der Astra-Mantra gesprochen wurde.

29.231 In all diesen Bereichen bereite man den Opfergrund wie zuvor. Der Kundige nehme dann den wie zuvor eingerichteten Shiva-Krug

29.232 und stelle ihn auf die Mitte des Lotus, die Vardhani nördlich davon. In der ersten Umfassung stelle er, im Osten beginnend,

29.233 Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, die fünf Erzeugnisse der Kuh, Kusha-Wasser, Milch, Dickmilch und geklärte Butter in die Richtungsfelder; in die übrigen

29.234 Honig, Asche, Zuckerrohrsaft, Mehl aus gepufftem Reis, gepufften Reis, Kurkumapulver, Sesam und Senf.

29.235 Danach stelle man auf die übrigen Plätze, entsprechend der Reihenfolge der Umfassungen, mit duftendem Wasser gefüllte Krüge.

29.236 In die zweite Umfassung gebe man der Reihe nach die nun genannten Stoffe: Jackfrucht, Zitronatzitrone, Granatapfel und Mango,

29.237 Kokosnuss, die beiden Naranga-Arten, Banane, Asita und Jambu-Frucht,

29.238 Weintrauben, frische Butter, Hribera, Mustaka, Vakra, Rasna, Nata, Dantaka, Mura-Gras

29.239 und Jyotishmati: in die zwanzig Krüge der zweiten Umfassung. Ferner Shali-Reis, Wildreis, Priyangu, Gerste und Bambussamen,

29.240 Rochana, Safran, roten Ocker, Manahshila, Tala, Anjana, Shyama und rotes Sandelholz,

29.241 Shriveshtaka, Gandharasa, Sallaki, Turushka, Vidanga und den Indrayava genannten Stoff,

29.242 Chavya, weißen Senf, beide Jiraka-Arten, Manjishtha, Mamsi, Talisa und Avenuja,

29.243 Kampfer, Phalini, Lodhra und Makshika lege man in die dritte Umfassung. Außerhalb davon, Janardana,

29.244 Lotus, blauen und roten Wasserlilienlotus, Champaka, Jati, Punnaga, Vakula, Chaturangula,

29.245 Karavira, Drona, Nandyavarta, Mallika, Dhattura, Bandhuka und Japa-Blüten,

29.246 Karnikara, Shami, Saha, Vishnuvadhu, Durva, Bhringaraja, Chakravalli und Varahika,

29.247 Bhadra, Lakshmi, Pashana, die beiden Girikarni-Arten, die beiden Apamarga-Arten, Gokshura und Tulasi,

29.248 Nagapushpa, Takkola, Ushira, Patra, Truti, Ela-Frucht, Tvach, Agaru und Sandelholz.

29.249 Hat man diese Stoffe der Reihe nach in der vierten Umfassung verteilt, verehre man Shiva und Gauri in ihren beiden Krügen. Danach

29.250 verehre man in den Hauptrichtungen der ersten Umfassung die Richtungshüter und in den acht übrigen Feldern die Vidyeshvaras.

29.251 Vaikartana, Vivasvant, Bhava, Sharva, Martanda, Bhaskara, Ravi und Rudra,

29.252 Udbija, Ugra, Lokabhasaka, Lokasakshin, Mahat und Bhima,

29.253 Trivikrama, Aditya, Surya, Amshumat, Divakara und Ishana verehre man der Reihe nach in der zweiten Umfassung.

29.254 In der äußeren dritten Umfassung verehre man, vom Bereich Ishas ausgehend, Varada, Virabhadra, Vimala und Vishvagochara,

29.255 Vedanishtha, Parananda, Paramesha, Mahadyuti, Mahoraska, Guru, Ramya, Abheya, Anagha und Shuchi,

29.256 Trilochana, Anaupamya, Tankapani, Mahagati, Shulapani, Mahotsaha und Mahabhairavarupin,

29.257 Danshtrala, Duradharsha, Harabhuti, Vajrin, Dandin, Shipivishta, Vyaghracharmadhara und Hara,

29.258 Analasya, Alakshya, Sarvalakshanalakshita, Duhsaha, Trayirupa und Devarimathana,

29.259 Ganesha, Suresha, Vyala-Yajnopavitin, Durga und Surasena und die weiteren Gottheiten der Reihe nach. [Die Gliederung des letzten Namens ist unsicher.]

29.260 Nach dieser Verehrung der Gottheiten begieße man das Linga der Reihe nach. So ist die Begießung mit einhundertacht Krügen erklärt, Hari. [Die Zahlform im vorliegenden Vers ist verkürzt; die Zuordnung folgt 29.223.]

29.261 Nun wird die Begießung mit achtundvierzig Krügen erklärt. Mit zehn nach Osten und ebenso vielen nach Norden gerichteten Schnüren

29.262 bilde man einundachtzig Felder. Die neun mittleren vereinige man für den Lotus; aus den sechzehn darum liegenden Feldern

29.263 bilde man einen Gang und lege an diesem acht Zugänge an. So bleiben in den Hauptrichtungen jeweils sechs Felder

29.264 und in den Ecken jeweils vier. Den Opfergrund bereite man wie zuvor. In die Mitte zeichne man einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel.

29.265 Der Kundige stelle Shiva-Krug und Vardhani wie zuvor auf. Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, die fünf Erzeugnisse der Kuh, Kusha-Wasser,

29.266 Milch, Dickmilch und geklärte Butter verteile er auf die acht Blätter. Honig, gepufften Reis, pulverisierten Kuhdung, Mehl aus gepufftem Reis, Kurkuma,

29.267 Asche, Zuckerrohrsaft, Banane, Sesam, Senf, Jackfrucht, Kokosnuss,

29.268 die beiden Naranga-Arten, Zitronatzitrone und Granatapfel: Diese sechzehn verteile er in der zweiten Umfassung.

29.269 In der dritten Umfassung stelle er ringsum mit duftendem Wasser gefüllte Krüge auf und lege die entsprechenden Stoffe hinein:

29.270 Sandelholz, Laghu, Kushtha, Kachchola, Pushpa, Patra, Kampfer und Safran in die Hauptrichtungsbereiche; in die übrigen der Reihe nach

29.271 Champaka, Tulasi, Punnaga, Bilva, Mallika, Apamarga, Jati und Shami,

29.272 Vakula, Vishnukranti, Madhavi, Tapasvini, Dhattura, Girikarni, Shankhini und Lotus.

29.273 Nach dem Einlegen der Stoffe verehre er die Gottheiten, zunächst Shiva und Shakti in ihren beiden Krügen.

29.274 In der ersten Umfassung verehre er die Vidyeshvaras, in der zweiten die Hüter in ihren jeweiligen Himmelsrichtungen und neben ihnen Bhava und die übrigen.

29.275 In der dritten Umfassung verehre er Vajra und die übrigen, die Richtungsfelder einnehmen, sowie die Vasus und acht Maruts in den Krügen.

29.276 Nach der vorschriftsmäßigen Verehrung vollziehe er die Begießung. So erfolgt die Begießung mit achtundvierzig Krügen.

29.277 Nun erkläre ich die weitere Begießung mit vierundzwanzig Krügen. Acht Schnüre richte man nach Osten und ebenso viele nach Norden.

29.278 So ergeben sich neunundvierzig zusammenhängende Felder. Die neun mittleren vereinige man für den Lotus.

29.279 In den Hauptrichtungen belasse man jeweils zwei, in den Zwischenrichtungen jeweils vier Felder; die übrigen sechzehn lasse man frei.

29.280 Den Opfergrund bereite man wie zuvor und zeichne in die Mitte einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel. Dort stelle man den Shiva-Krug auf,

29.281 versehen mit den zuvor genannten Merkmalen. Nördlich davon stelle man den Gauri-Krug auf und ringsum der Reihe nach

29.282 Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, die fünf Erzeugnisse der Kuh, Kusha-Wasser, Milch, Dickmilch und geklärte Butter in der ersten Umfassung.

29.283 Honig, Zuckerrohrsaft, pulverisierten Kuhdung, Kurkumapulver, gepufften Reis, Sesam und Senf

29.284 sowie Mehl aus gepufftem Reis stelle man in die acht Richtungsplätze. Banane, Zitronatzitrone, Granatapfel und Jackfrucht,

29.285 Lotus, blauen Wasserlilienlotus, Tulasi und Bilva-Blätter stelle man seitlich der Ecken auf, beginnend im Südosten.

29.286 Nach dem Einlegen der Stoffe verehre man die Gottheiten, Maheshvara und die große Göttin in ihren beiden Krügen.

29.287 In der ersten Umfassung verehre man ringsum die Vidyeshvaras, in der zweiten die Richtungshüter an ihrem jeweiligen Ort.

29.288 Bhava und die übrigen verehre man ringsum an den Eckseiten. So wurden die drei mittleren Begießungen nach der Feldanordnung erklärt.

29.289 Nun erkläre ich die drei kleineren Begießungen nach der Blattanordnung. Die beste davon erfolgt mit sechzehn Krügen.

29.290 In der zuvor beschriebenen Halle bereite man einen runden Opfergrund und zeichne in die Mitte einen Lotus mit sechzehn Blättern,

29.291 mit Samenkapsel und Staubfäden, versehen mit Sesam und enthülstem Reis. In die Mitte seiner Samenkapsel schreibe der Kundige die Kuta-Silbe.

29.292 Auf die Blattspitzen setze er ringsum, im Osten beginnend, die Vokale. Die beiden Krüge Shivas und Shaktis stelle er wie zuvor in die Samenkapsel.

29.293 Auf den Blattspitzen verteile er ringsum, beginnend im Osten, Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, die fünf Erzeugnisse der Kuh und Kusha-Wasser,

29.294 dann Milch, Dickmilch und geklärte Butter. Auf die übrigen Plätze stelle er acht mit duftendem Wasser gefüllte Krüge.

29.295 Nach dieser Aufstellung verehre er die Gottheiten der Reihe nach, beginnend mit dem Gott und der Göttin in ihren jeweiligen Krügen.

29.296 Die Richtungshüter sowie Bhava und die übrigen verehre er im Osten beginnend: die Richtungshüter in ihren eigenen Richtungen, Bhava und die übrigen auf den anderen Plätzen.

29.297 Nach vorschriftsmäßiger Verehrung vollziehe er die Begießung. Nun erkläre ich die Begießung mit acht Krügen in jener Halle.

29.298 Man bereite einen wohlgerundeten Opfergrund von vier Tala und zeichne darauf einen Lotus mit Samenkapsel und acht Blättern.

29.299 In die Mitte schreibe man die Kuta-Silbe, auf die acht Blätter der Reihe nach die Buchstaben von Ya bis Va und von Sha bis Ha.

29.300 Diese acht Buchstaben schreibe der Kundige im Osten beginnend in die Haupt- und Zwischenrichtungen. Die beiden Krüge Shivas und Shaktis stelle er wie zuvor in die Mitte, außerhalb davon

29.301 auf die Blattspitzen der Reihe nach die acht Krüge mit Fußwasser und den übrigen Flüssigkeiten. Wahlweise stelle er mit duftendem Wasser gefüllte Krüge auf.

29.302 Nach der Aufstellung verehre er den Gott wie zuvor und setze danach ringsum die acht Vidyeshvaras ein.

29.303 Dann vollziehe der vortreffliche Lehrer die Begießung in der richtigen Folge. Damit ist die Begießung mit acht Krügen erklärt; nun folgt diejenige mit vier.

29.304 Man bereite den Opfergrund wie zuvor, zeichne darauf einen vierblättrigen Lotus und schreibe die Silbe des Raumes in die Mitte der Samenkapsel.

29.305 Die Buchstaben der Erde und der übrigen Elemente ordne man im Osten beginnend an. Der Lehrer stelle wie zuvor Shiva-Krug und Vardhani auf,

29.306 dann geklärte Butter, Milch, Dickmilch und Honig, der Reihe nach auf die mit Osten beginnenden Blätter; oder er stelle Krüge auf,

29.307 die mit Wasser gefüllt sind. Dann beginne der Mantrakenner die Verehrung und verehre Shiva und Shakti in ihren beiden Krügen wie zuvor.

29.308 In den vier übrigen verehre er Dharma und die anderen vorschriftsmäßig. Danach vollziehe er mit diesen Krügen die Begießung.

29.309 So sind neun Arten der Begießung erklärt, die Lebensgenuss und Befreiung gewähren. Man führe eine davon entsprechend den eigenen Mitteln aus.

29.310 Auch an allen figürlichen Götterbildern soll der Kundige die Begießung vollziehen, jedoch unter Ausschluss der drei höchsten Formen, Hari.

29.311 Die Gottheit, für die die Begießung vorgenommen wird, verehre man im mittleren Krug. Ist das figürliche Bild mit Shakti verbunden, stelle man ihn zusammen mit der Vardhani auf.

29.312 Alles andere lasse der Kundige nach der bisherigen Vorschrift vollziehen. Wenn während der täglichen Verehrung der festgesetzte Zeitpunkt

29.313 für die Begießung eintritt, beginne er sie zu dieser Zeit, jedoch so, dass dabei die tägliche Verehrung gewiss nicht versäumt wird.

29.314 So soll die Begießung ausgeführt werden, keinesfalls anders. Fällt ihr Zeitpunkt auf das Ende der täglichen Verehrung, beginne man wie zuvor mit der Verehrung der Türen.

29.315 Der Kundige vollziehe die Begießung nach den Festlegungen der Schrift. Wer als Mensch diese Begießung vorschriftsmäßig vollziehen lässt,

29.316 erlangt die Frucht aller Opfer und erfreut sich der Gemeinschaft mit Shiva.

Kapitel 30: Besondere Verehrung

30.1 Ich erkläre nun die besondere Verehrung; höre zu, Janardana. Sie befriedet vorzeitigen Tod und vernichtet alle Krankheiten,

30.2 nimmt den Menschen Kummer und Verblendung, beseitigt alle seelischen Bedrängnisse, befriedet Fallsucht und Besessenheit und gewährt umfassenden Frieden.

30.3 Sie bezwingt Gift und Feinde, wehrt alle Hindernisse ab, hält das feindliche Heer auf und schützt das eigene.

30.4 Sie verleiht Sieg und Gedeihen, beseitigt die Furcht vor Hungersnot, beendet Dürre und lässt alle Feldfrüchte wachsen.

30.5 Sie befriedet ungünstige Einflüsse der Sonne und der übrigen Gestirne, entzieht dem Tod seine Macht, beseitigt Verfehlungen und mehrt Vermögen und Getreide.

30.6 Am achten und vierzehnten Tag beider Monatshälften, an deren Übergangstagen, beim Eintritt der Sonne in ein Tierkreiszeichen, bei Finsternissen und an Geburtstagen von Königen

30.7 lasse man sie vollziehen, ferner bei Unglück und feindlicher Bedrohung, nach Abschluss eines Rituals, unter Ardra und an Sonntagen. [Der Königsgeburtstag wird in der Vorlage wiederholt.]

30.8 Man vollziehe sie vorschriftsmäßig am Shiva-Linga oder an einem figürlichen Bild. Gegenüber der Verehrung am figürlichen Bild ist die Frucht der Linga-Verehrung

30.9 hundertfach. Auch die Lingas unterscheiden sich der Reihe nach: von Menschen, von Rishis, von Göttern und von Ganas errichtete bilden vier Arten.

30.10 Das aus sich selbst entstandene Linga wird als fünfte Art genannt. Von der ersten Art an ist die Frucht jeweils zehnmal größer.

30.11 Die Frucht aller Opfer, Askeseübungen, Gaben, Pilgerstätten und ähnlicher Werke erlangt ein Mensch durch eine einzige Verehrung des Linga.

30.12 Dies wurde als Frucht beim menschengemachten Linga erklärt. Darum verehre man das Shiva-Linga mit ganzem Bemühen.

30.13 In den drei Welten gibt es kein Verdienst, das der Linga-Verehrung gleicht, Hari. Wie man nirgends eine Grenze des höchsten Raumes sieht,

30.14 so hat auch das aus der Linga-Verehrung hervorgehende Verdienst keine Grenze. Von ihr heißt es, dass sie den Menschen Lebensgenuss und Befreiung gewährt.

30.15 Durch die Kraft der vorschriftsmäßigen Linga-Verehrung des allumfassenden Shiva haben Brahma, Vishnu und die übrigen ihren Rang als hohe Gottheiten erlangt.

30.16 Die Zahl der dadurch befreiten Menschen ist unermesslich. Lobenswert, von edler Herkunft und verständig ist der Mensch,

30.17 tapfer und kraftvoll ist er, der das Linga auch nur einmal verehrt. Im Linga ist Mahadeva selbst unmittelbar gegenwärtig,

30.18 um den Welten Gnade zu erweisen. Darum verehre man das Linga. Wo in einem Land ein Linga lange ohne Verehrung bleibt,

30.19 entstehen Krankheit, Hungersnot und Regenmangel. Wenn ein Reisender unterwegs sieht, dass die Spitze eines Shiva-Linga ohne Blumen ist,

30.20 und dennoch weitergeht, wird er zum Sammelort aller Verfehlungen. Sieht man darum unterwegs ein unverehrtes Linga,

30.21 soll man es baden und Shiva eine Blume oder ein Blatt auflegen, bevor man weiterzieht. Das Verdienst von tausend Pferdeopfern und hundert Vajapeya-Opfern

30.22 erlangt dieser Mensch; daran soll man nicht zweifeln. Wer einen weiten Weg auf sich nimmt und auch nur einmal ein unbetreutes Linga verehrt,

30.23 dem gewährt Shiva durch dessen Verehrung die Frucht aller Opfer. Zur Erfüllung eines bestimmten Anliegens dient die besondere Verehrung.

30.24 Am Vormittag wirkt sie befriedend, am Mittag fördert sie Gedeihen, am Abend dient sie dem Sieg; zur Mitte einer Nachtwache gewährt sie alles. [Die Zeitangabe »Ardhayama« ist nicht näher bestimmt.]

30.25 Der Praktizierende sei friedvollen Geistes, habe seine tägliche Verehrung vollzogen und sei rein; er trage Kopfbedeckung, Obergewand und neue Kleidung.

30.26 Nachdem er zuerst die fünf Reinigungen vorgenommen hat, verehre er Shiva wie zuvor. Das Badewasser stamme aus einem Fluss und sei in neue Krüge gefüllt.

30.27 Es habe eine Nacht gestanden, sei rein, durch Stoff gefiltert und angenehm kühl; man versehe es mit Ushira sowie Pulver von Kardamom, Sandelholz und Kushtha,

30.28 vermische es mit Kampfer und bedufte es mit Blumen. Dieses Wasser bringe man zum Bad herbei, ebenso die fünf Erzeugnisse der Kuh.

30.29 Zuerst begieße man mit Wasser unter dem Samvatsaratman-Mantra. Beim Begießen mit den fünf Erzeugnissen der Kuh spreche man die fünf Brahma-Mantras.

30.30 Die fünf Nektare und das Duftwasser gieße man unter den sechs Anga-Mantras aus. Dabei seien auch Fruchtsäfte von Banane, Jackfrucht und Mango vorhanden.

30.31 Mit Kokoswasser begieße man unter dem Herz-Mantra. Danach bestreiche man mit reinem, nach Kampfer und Agaru duftendem Öl

30.32 das ganze Linga samt Sockel unter Shivas Astra-Mantra. Dann reibe man es mit Masha- oder Gerstenmehl ab,

30.33 oder verwende Reismehl, während man den Astra-Mantra spricht. Anschließend spüle man unter den fünf Brahma-Mantras mit reinem Wasser nach.

30.34 Danach begieße man mit duftendem Wasser unter dem Samvatsara-Mantra. Man vollziehe dabei eine der möglichen Begießungen mit tausend und den übrigen angegebenen Krugzahlen.

30.35 Man verrichte die für die tägliche Verehrung vorgeschriebenen Darbringungen von Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck und Arghya. Mit kostbarem, fein zerriebenem Sandelholz, Agaru und Safran,

30.36 gemischt mit Kampferpulver, bestreiche man das Shiva-Linga samt Sockel sorgfältig und ausreichend, während man den Sarvatman-Mantra spricht.

30.37 Weißen Senf und schwarzen Sesam lege man zusammen mit Bilva-Blättern unter dem Prasada-Mantra auf die Spitze des Linga.

30.38 Man verehre es mit guten Blumen wie Champaka, Utpala und Jati. Mit reinen Girlanden derselben Blumen bedecke man langsam das Linga von unten

30.39 bis zur Spitze, indem man sie rechtsherum darumwindet. Auf seine Spitze lege man eine goldene Blume.

30.40 Man bringe Räucherwerk aus schwarzem Agaru und Kampfer dar, danach eine vollständige Lampenreihe mit Dochten, die Kampfer und Agaru enthalten,

30.41 und Kuh-Ghee in Shivas Nähe. Beide Darbringungen erfolgen mit dem Herz-Mantra. Reinen gekochten Reis, Milchspeise, Reis mit Rohzucker, Mungreis und Krisara,

30.42 versehen mit allen Beilagen, Rohzucker, festem Zucker und Ghee, biete man dem Gott zusammen mit wohlschmeckenden Früchten an.

30.43 Den fünf Gesichtern, beginnend mit Ishana, bringe man wie zuvor dar; ferner gebe man Gebäck mit Rohzucker und Zuckerstücken.

30.44 Danach bringe man Betel mit den fünf Duftstoffen dar, auch Zitronatzitronen und Kokosnüsse.

30.45 Der Mantrakenner biete sie den fünf Gesichtern mit ihren jeweiligen Mantras an. Dann vollziehe er das Schwenken des Lichtes nach der Vorschrift der Schrift.

30.46 Aus vielerlei duftenden Blumen fertige man schöne, verschiedenfarbige Girlanden. Aus diesen errichte man oberhalb

30.47 des Linga einen reizvollen Baldachin, geschmückt mit herabhängenden Girlanden. Mit wohlklingenden Instrumenten wie Vina, Flöte und Mridanga,

30.48 mit Gesang, Tanz, Lobpreis, Hymnen, glückverheißenden Siegesrufen und ausgestreckten Niederwerfungen am Boden verehre man den Gott der Götter.

30.49 Dann räuchere der Kundige das Innere des Heiligtums mit Agaru aus. Der Mantrakenner schlage unter dem Astra-Mantra die Glocke,

30.50 ziehe den Vorhang vor und schließe die beiden Türflügel. Nachdem er drei Rechtsumwandlungen vollzogen und sich wiederholt verneigt hat,

30.51 schließe er mit der Bitte: »Sei gnädig, Gott der Götter!« Diese besondere Verehrung ist auch am Anfang und Ende des Pavitra-Rituals anzuwenden,

30.52 im Frühling, besonders bei der Darbringung neuer Ernte, beim Krittika-Lichterfest und beim Ritual der Ghee-Hülle.

30.53 Die Ritualkundigen verbinden sie mit einem einfachen Fest, ohne Fahne, Festtrommel und Keimlingsritual und ohne Bali-Darbringungen und Ähnliches.

30.54 Ein solches einfaches Fest dauert einen Tag, tagsüber und nachts, mit einem gewählten Festbild oder ohne dieses; die Verehrer richten es aus Hingabe ein.

30.55 Wer auch nur einmal auf diese Weise das Linga verehrt, wird zusammen mit einundzwanzig Generationen seiner Familie in Shivas Welt geehrt.

30.56 Dort erfreut er sich für unvergängliche Zeit: So lautet die bestimmte Aussage der Schrift.

Kapitel 31: Die Begießung mit Milch

31.1 Ich erkläre die glückverheißende Begießung mit Milch, die das Gewünschte gewährt, vorzeitigen Tod bezwingt und Lebensdauer und Gesundheit mehrt.

31.2 Sie bringt Wohlergehen und Sieg, lässt alle Feldfrüchte gedeihen und beendet Dürre. Man vollziehe sie vorschriftsmäßig am Linga.

31.3 Man beschaffe fünf Krüge aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton mit dem angegebenen Füllmaß »Shivardha«. [Die Maßbezeichnung ist hier nicht sicher aufzulösen.]

31.4 Sie seien fehlerlos, ganz rein und mit weißen Fäden geschmückt. Der Kundige spüle und besprenge sie unter dem Sarvatman-Mantra.

31.5 Unter dem Pranava fülle man sie ganz mit Kuhmilch. Weiße Blumen, ein Kusha-Büschel und Kusha-Wasser lege man hinein.

31.6 Der Lehrer verschließe sie mit Deckeln unter dem Shiva-Mantra. Vor Shiva bereite er auf einer mit Kuhdung bestrichenen Fläche einen Opfergrund aus Reis,

31.7 entsprechend der Vorschrift, und bilde dort einen vierblättrigen Lotus mit schöner Samenkapsel.

31.8 Seine Linien fülle man mit enthülstem Reis und Sesam aus. Die Tattvas, beginnend mit Erde, verehre man mit einer Lampe,

31.9 an den zugehörigen Plätzen, beginnend in der Mitte, jeweils mit ihrem Namen. Dann stelle der Lehrer unter dem Tara-Laut den ersten Krug auf die Samenkapsel,

31.10 die vier anderen unter demselben Laut im Osten beginnend ringsum. Gesammelt umhülle er den mittleren mit reinem Stoff.

31.11 Unter dem Herz-Mantra verehre er sie mit Duft, Blumen und den übrigen Gaben. Den Hauptkrug bespreche er mit dem fünften Brahma-Mantra,

31.12 den östlichen mit dem Purusha-Mantra, den südlichen mit Aghora, den nördlichen mit Vama und den westlichen mit dem Sadya-Mantra.

31.13 Nachdem er die Krüge so besprochen hat, zeige er über ihnen die Dhenu-Mudra. Östlich davon, vor dem Gott, beginne er das befriedende Feueropfer.

31.14 In einer quadratischen Feuergrube oder auf einem sandigen Opfergrund bringe er jeweils hundert Opfergaben aus Brennholz, Ghee und gekochter Opferspeise dar,

31.15 ebenso enthülsten Reis, vermischt mit Sesam. Danach opfere der vortreffliche Lehrer weitere hundert Ghee-Gaben.

31.16 Die Hölzer opfere er mit dem Herz-Mantra, das Ghee mit dem Shikha-Mantra, die Opferspeise mit Aghora, Sesam mit Astra,

31.17 das abschließende Ghee mit Sarvatman. Nach diesem gesammelten Vollzug bringe er zur bestimmten Zeit die Begießungen mit den jeweiligen Mantras dar.

31.18 Bei jeder einzelnen Darbringung schwenke er Räucherwerk; dazwischen erfolgen Wasserbäder. Unter dem Klang von Muschelhorn und Festtrommel, begleitet von Hymnen und glückverheißender Schriftrezitation,

31.19 von Tanz und Gesang vollziehe er die Begießung. Dann bestreiche er das Linga überall mit Sandelholz, Agaru und Kampfer.

31.20 Anschließend bringe er Speise und Betel dar. Eine Dauer von neun Tagen gilt als höchste, von sieben Tagen als mittlere,

31.21 von fünf Tagen als kleinste Form der Milchbegießung. Den Lehrer, den Ritualpraktizierenden und die Rezitatoren von Hymnen und Schriften

31.22 erfreue man nach den eigenen Mitteln mit Gold, Kleidung und anderen Gaben. Nun erkläre ich eine andere Art der Milchbegießung.

31.23 Man führe Kühe vor Shiva und besprenge sie mit Shiva-Wasser. In ein neues Tongefäß oder eines aus Gold und ähnlichem Material,

31.24 das gereinigt und unter Astra besprengt wurde, melke man sie; unverzüglich begieße man mit der noch melkfrischen warmen Milch unter dem Samvatsara-Mantra.

31.25 Oder man stelle nach der zuvor beschriebenen Art fünf Krüge mit Dickmilch oder Ghee auf, verbunden mit dem Feueropfer wie zuvor.

31.26 Durch entsprechende Begießung erlangt man die Frucht aller Opfer. In dieser Welt gibt es nichts Reinigenderes als die Kühe.

31.27 In ihren Eutern wohnen Ganga und die übrigen heiligen Flüsse, die Veden und Opfer samt ihren Mantras; alle Götter haben in ihren Gliedern ihren Sitz.

31.28 Darum verehre man Shiva besonders mit den sechs aus dem Kuhkörper stammenden Stoffen, vom Urin bis zur Rochana, die Shiva lieb sind.

31.29 Nach der Vorschrift für Panchagavya oder mit den fünf Stoffen einzeln begieße man das Linga am Vormittag und am Mittag.

31.30 Danach bringe man Gorochana dar, mit Sandelholzpulver vermischt. Wer damit das Shiva-Linga auch nur einmal hingebungsvoll verehrt,

31.31 erlangt unendliche Frucht und gelangt in Shivas Wohnstatt.

31.32 Wisse: Wasser, Milch, Dickmilch und Ghee, auch nur einmal vorschriftsmäßig am Linga dargebracht, tilgen die Verfehlungen des Menschen in einer bei hundert beginnenden, jeweils um fünfzig steigenden Zahl. [Der Zahlenbezug ist im Sanskrit gedrängt und bleibt vorläufig.]

31.33 Wer rein und aufmerksam das Linga einmal mit Panchagavya begießt, wird von den Verfehlungen aus sieben Geburten befreit; daran besteht kein Zweifel.

31.34 Wer daher Shiva mit den sechs Erzeugnissen der Kuh auch nur einmal hingebungsvoll, sorgfältig und vorschriftsmäßig verehrt, dessen Geburt wird fruchtbar.

31.35 Dies sollen die Menschen bei allen entsprechenden Gelegenheiten auch nur einmal vorschriftsmäßig und ehrfürchtig vollziehen, am achten und vierzehnten Tag sowie am Abschluss der dunklen Monatshälfte.

Kapitel 32: Das Bedecken des Linga mit Opfergaben

32.1 Ich erkläre das Ritual des vollständigen Bedeckens des Linga, das alle Wünsche und Ziele verwirklicht. In einem Land, in dem dieses Ritual vorschriftsmäßig vollzogen wird,

32.2 erhalten die Menschen beständig wohlschmeckende Speisen und Getränke. Man bereite gut gekochte Nahrung aus Shali-Reis, Wildreis, Weizen, Gerste und ähnlichem Getreide,

32.3 in neuen Tongefäßen gegart und reichlich mit Dickmilch und Ghee begossen. Damit vollziehe man das Ritual, ebenso mit frischem enthülstem Reis,

32.4 schwarzem Sesam und weißem Senf, gewaschen und gereinigt; mit frischer Kuhbutter oder einem Pulver aus vielerlei Duftstoffen,

32.5 mit den fünf Duftstoffen, verschiedenartigen Blumen, sehr wohlschmeckenden Früchten und Blättern wie denen des Bilva.

32.6 Nach dem Abschluss der täglichen Verehrung am Tage begieße man den Herrn mit einer verfügbaren Anzahl von Krügen aus den mit tausend beginnenden Formen und vollziehe die besondere Verehrung.

32.7 Man lasse ein Murti-Feueropfer, ein Richtungsfeueropfer oder ein befriedendes Feueropfer verrichten und bringe reichlich mit Ghee begossene süße Milchspeise dar.

32.8 Nachdem reichlich Betel mit Mundduftmitteln dargebracht wurde, häufe man jene Stoffe rings um den Gott auf.

32.9 Man sammle sie in Gefäßen und besprenge sie mit Shiva-Wasser. Nach Ausrufung des segensreichen Tages berühre der Mantrakenner sie unter Astra.

32.10 Dann reinige er den Ort und besprenge ihn mit Duftwasser. Mit einer reizvollen Girlande aus vielerlei Blumen, etwa Champaka, Utpala und Jati,

32.11 umwinde er das Linga ringsum gleichmäßig, ebenso den Sockel. Anschließend bringe er vorzügliches Arghya dar

32.12 und Wasser zum rituellen Schluck; danach beginne er mit dem Auffüllen. Man fülle den inneren Schrein so weit, dass das Linga nicht mehr sichtbar ist,

32.13 einschließlich seines Sockels, und umgebe das Ganze mit Girlanden. Dann spreche der Mantrakenner den Samvatsaratman-Mantra und den Sarvatman genannten Mantra,

32.14 während er sich immer wieder verneigt. Hymnen und glückverheißende Instrumentalmusik, Gesang und Tanz begleiten die Handlung.

32.15 Unter dem Klang von Muschelhörnern und Festtrommeln findet dabei Schriftrezitation statt. Dann schließe der vortreffliche Lehrer die Türen, vollziehe eine Rechtsumwandlung,

32.16 werfe sich ausgestreckt auf den Boden nieder und gehe hinaus. Am achten, vierzehnten oder fünfzehnten Tag der dunklen Monatshälfte,

32.17 unter Ardra oder an einem Sonntag dies auch nur einmal zu vollziehen, gewährt einem Menschen die Frucht aller Opfer, Askese, Gaben, Pilgerstätten und Veden.

32.18 Nachdem er diese ganze Frucht erlangt hat, erfreut er sich der Gemeinschaft mit Shiva. Beim Auffüllen mit Früchten ist die Frucht zehnfach größer.

32.19 Man vollziehe es hingebungsvoll und nach den eigenen Mitteln, an einem beweglichen oder unbeweglichen Linga. Für Reiche und Arme ist die Frucht ausdrücklich gleich.

Kapitel 33: Das Bad mit geklärter Butter

33.1 Nun erkläre ich das höchste, umfassend befriedende Bad mit Ghee. An den Vollmondtagen der Monate Isha und Urja sowie Sahas und Sahasya,

33.2 unter Ardra, an einem Sonntag oder am Geburtstag des Auftraggebers verwende man frisches Kuh-Ghee, frei von allen Mängeln.

33.3 Besonders im Monat Margashirsha unter Ardra sammle man tausend Prastha, die Hälfte davon oder hundert Prastha.

33.4 Der Lehrer vollziehe das Bad am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte. Als höchste, mittlere und kleinere Form wird es dreifach beschrieben. [Der Vers nennt neben den vorangehenden Vollmondterminen ausdrücklich diesen weiteren Termin.]

33.5 Man fülle vorschriftsmäßig Krüge aus Gold und ähnlichen Materialien und vollziehe dann die Begießung. Nun wird ihre Aufstellung erklärt.

33.6 In der zuvor beschriebenen, sorgfältig mit Kuhdung bestrichenen Halle spanne man vierzehn Schnüre nach Osten und ebenso viele nach Norden.

33.7 Die Schnüre seien mit Reismehl bestrichen; mit ihnen bilde man zusammenhängende Felder von jeweils einem Tala.

33.8 In der Mitte vereinige man fünfundzwanzig Felder zu einem. Rings darum lege man einen Gang an und in dessen Mitte in den Hauptrichtungen

33.9 jeweils einen Zugang von einem Feld; auch seitlich der Ecken ordne man Zugänge am Gang an.

33.10 Den Opfergrund bereite man wie zuvor aus reinem Reis. In der Mitte vereinige man neun Felder für den Lotus,

33.11 bereite dort den Opfergrund und zeichne einen schönen vierblättrigen Lotus mit Samenkapsel und Staubfäden.

33.12 Nach dem Besprengen unter Shivas Astra beginne man mit der Aufstellung. Die beiden Krüge Shivas und Shaktis fassen ein Drona beziehungsweise ein halbes Drona.

33.13 Alle anderen Krüge fassen zehn Prastha. Man nehme fehlerlose, gut geformte und wasche sie mit Shiva-Wasser.

33.14 Man umwinde sie ringsum mit weißem Faden und besprenge sie alle. Dann fülle man die beiden Krüge Shivas und Shaktis

33.15 vorschriftsmäßig mit der entsprechenden Mischung der fünf Kuherzeugnisse, Janardana, und lege Edelsteine und Gold hinein.

33.16 Man versehe beide mit Kusha-Büscheln und Deckeln und umhülle sie mit je zwei Tüchern. Dann bringe man die Rudra-Krüge herbei, jeweils mit zehn Prastha Ghee gefüllt.

33.17 Man besprenge alle mit Shiva-Wasser und stelle Shiva-Krug und Vardhani in die Mitte der Samenkapsel.

33.18 Außerhalb der beiden stelle man vier Krüge auf die Blätter und anschließend alle übrigen im Osten beginnend nach der Reihenfolge der Umfassungen auf.

33.19 Nach Ausrufung des segensreichen Tages besprenge man unter dem Ghorastra-Mantra. Im Shiva-Krug verehre man Shiva wie zuvor, die Göttin im nördlichen Krug.

33.20 Außerhalb der beiden verehre der Mantrakenner in den hundert Krügen folgende Rudras: Shambhu, Vibhu, Ganadhyaksha und Tryaksha in den vier

33.21 auf den mit Osten beginnenden Blättern stehenden Krügen. In der zweiten Umfassung verehre er im Osten beginnend

33.22 Devavandya, Samvaha, Vivaha, Nabholiha, Vichakshana, Ananta, Pavaka und Dhira,

33.23 Pataladhipati, Vrisha, Vrishabha, Ugranasa, Shubhra, Lohita und Sarvatomukha,

33.24 Vidyadhipa, Jnanabhuja, Sarvajna, Vedaparaga, Matrivrita, Pingalaksha, Bhutapala und Balipriya,

33.25 ferner Sarvavidyadhipa, der Reihe nach. In der dritten Umfassung verehre er Dhatri und Sarvaduhkhahara,

33.26 Shighra, Laghu, Vayuvega, Sukshma, Tikshna, Kshayantaka, Panchanana, Panchashikha, Kapardin und Meghavahana,

33.27 Bala, Atibala, Pashahasta, Mahabala, Shveta, Shvetarupa, Shvetavasa und Jalantaka,

33.28 Vadavamukha, Bhima, Bhutida, Bhutibhushana, Hantri, Kruradrishti, Bhava und Antaka,

33.29 Urdhvakesha, Virupaksha, Dhumra und Lohita. Diese verehre er wie zuvor, der Reihe nach im Osten beginnend.

33.30 In der vierten Umfassung verehre er Yama, Mrityuhara, Dhatri, Vidhatri, Kartri und Kala,

33.31 Dharma, Isha, Samyoktri, Yamapriya, Agni, Rudra, Hutasha, Pingala, Khadaka und Guru,

33.32 Jvalana, Dahana, Babhru, Bhasmanta, Bhayantaka, Kapalisha, Aja, Buddha, Vajradeha und Purardana,

33.33 Jatamakutayukta, Nanaratnadhara, Nidhisha, Rupavat, Dhanya, Saumya und Pramardana,

33.34 Suprasada, Prasada, Lakshmisha, Bandhava, Kamarupa und Sudamshtra, jeweils der Reihe nach.

33.35 Nachdem er sie mit Duft und den weiteren Gaben unter Mantras ihrer jeweiligen Namen verehrt hat, begieße er den höchsten Gott mit diesen Krügen in der richtigen Reihenfolge.

33.36 Das gesamte dabei verwendete Ghee sammle man und gebe es draußen ins Feuer. Mit der halben Menge, fünfhundert Prastha, vollziehe man

33.37 die als mittlere bezeichnete Begießung. Aufstellung und Götterverehrung entsprechen der vorherigen; nur dieser Unterschied besteht:

33.38 Die Anzahl der Krüge bleibt dieselbe, jeder enthält jedoch die halbe Menge. Alles andere ist gleich. Für die kleinere Form

33.39 mit hundert Prastha Ghee wird nun die Aufstellung erklärt. Mit je sechs nach Osten und Norden gerichteten Schnüren

33.40 bilde man fünfundzwanzig Felder. Die sechzehn äußeren lasse man unverändert; die neun mittleren vereinige der Kundige zu einem Feld.

33.41 Den Opfergrund bereite er wie zuvor nach der Vorschrift. Die beiden mit Panchagavya gefüllten Krüge Shivas und Shaktis,

33.42 versehen mit Edelsteinen, Gold, Kusha-Büscheln und Deckeln und in Stoff gehüllt, stelle er wie zuvor auf.

33.43 Auf den vier äußeren Blattspitzen, im Osten beginnend, stelle der Kundige vier Krüge der zuvor angegebenen Größe auf,

33.44 dann auf den sechzehn äußeren Feldern sechzehn ebensolche Krüge. Anschließend beginne er die Verehrung. [Zwanzig Krüge zu zuvor zehn Prastha ergeben nicht die angekündigten hundert; die Mengenangabe bleibt widersprüchlich.]

33.45 Shiva und Shakti verehre er in ihren Krügen wie zuvor, in den vier anderen Dharma und die übrigen, im Osten beginnend. Danach verehre er die Vidyeshvaras

33.46 in den Hauptrichtungen und Bhava und die übrigen in den Zwischenrichtungen. Nach dieser Verehrung der Gottheiten vollziehe er die Begießung.

33.47 Bei allen drei Formen lasse man ein befriedendes Feueropfer verrichten. Dieselbe Vorschrift gilt auch für Honig, Keshava.

33.48 Nach dem Ghee-Bad begieße der Kundige mit den zuvor beschriebenen Krügen aus den mit tausend beginnenden verfügbaren Formen.

33.49 Dann reibe er das Linga wiederholt mit Masha-Mehl und ähnlichen Pulvern sowie duftendem Amalaki ab und reinige es samt Sockel.

33.50 Er begieße es mit duftendem, leicht warmem Wasser oder bestreiche Shiva mit feuchter Kurkuma.

33.51 Gesammelt begieße er mit kühlem Duftwasser. Mit Ushira, Bilva-Blättern und ähnlichem reibe der Kundige wiederholt ab

33.52 und wasche Sockel und Boden ringsum mit warmem Wasser. Nach Abschluss dieser Handlung verehre er Shiva wie bei der täglichen Puja.

33.53 Das Linga bestreiche der Lehrer ausreichend mit Sandelholz, Agaru, Kampfer und Safran, verbunden mit Rochana; dann bringe er Räucherwerk und Licht dar,

33.54 Milchspeise und Opferkost, und schließe mit »Vergib!« Wer auch nur einmal das kleinste Ghee-Bad vollziehen lässt,

33.55 wird tausendmal zehn Millionen Kalpas in Shivas Welt geehrt. Wer Shiva eine Ghee-Hülle darbringt,

33.56 erhält die Frucht des Ghee-Bades. Höre ihre Vorschrift: In den Monaten Sahas und Sahasya, besonders in der dunklen Monatshälfte,

33.57 am vierzehnten Tag oder bei Neumond vollziehe man das Ritual der Ghee-Hülle. Der Lehrer beschaffe reine frische Kuhbutter,

33.58 erhitze sie gründlich und gieße sie heiß wie flammendes Feuer in duftendes, sehr kaltes Wasser. [Das Wort »Wasser« ist durch den Folgevers erschlossen.]

33.59 Von dort übertrage er sie wiederum in ein anderes Gefäß mit sehr kaltem Wasser und danach ebenso in weitere Gefäße.

33.60 Dies wiederhole er mehrfach mit dem Ghee. Nachdem er daraus eine deckenartige Hülle geformt hat, bedecke er das Linga vollständig damit.

33.61 Er verehre den Herrn wie täglich, bringe süße Milchspeise als Opferkost und Betel mit Mundduftmitteln dar.

33.62 Dann verneige er sich vor dem Gott und schließe die Verehrung. Sobald die nächste Sandhya-Zeit kommt, nehme er die Ghee-Hülle ab.

33.63 Er gebe sie in das draußen in einer Grube entzündete Feuer. Danach begieße er den höchsten Gott mit einer verfügbaren Krugzahl aus den mit tausend beginnenden Formen.

33.63a Nach der Speise bringe er Betel mit reichlich Mundduftmitteln dar und schließe mit »Vergib!« [Auch diese Texteinheit trägt in der Vorlage die Nummer 63.]

Kapitel 34: Der kühlende Wasserkrug

34.1 Ich erkläre die Vorschrift für den kühlenden Krug; höre zu, Bezwinger der Götterfeinde. Sie befriedet außergewöhnliche Zeichen am Himmel, im Luftraum und auf der Erde,

34.2 befriedet Fieber und Seuchen und beseitigt Regenmangel. Der Kundige nehme Holz eines für Opfer geeigneten Baumes und lasse ein Dreibeingestell herstellen.

34.3 Über das Linga rage es eine Elle hinaus. Seine drei Beine stehen rechts, links und hinter dem Linga.

34.4 Der Umfang der Beine wird mit zwölf Angula angegeben. Die dreieckige Platte misst vierundzwanzig Angula,

34.5 ihre Öffnung ein Tala, ihre Dicke zwei Angula. Nachdem das Gestell sorgfältig hergestellt wurde, wasche man es mit Shiva-Wasser.

34.6 Unter dem Astra-Mantra stelle man es im inneren Schrein auf, sodass die Plattenöffnung genau über der Mitte des Linga liegt.

34.7 Beine und Platte umhülle man mit neuem Stoff. Zwei Krüge, jeweils zweiunddreißig Prastha fassend und wie Bimba-Früchte glänzend,

34.8 umwinde man mit Faden. In den Boden des einen bohre man mittig ein Loch und setze dort eine Röhre ein.

34.9 Diese sei aus Gold und einer Dhattura-Blüte ähnlich. Ihre Länge betrage zwei Angula, ihre Weite an der Mündung

34.10 ebenso viel; an ihrer Wurzel sei sie so fein wie die Spitze eines Kuhhaars. Dann reinige man den Krug samt Röhre unter dem Astra-Mantra.

34.11 Unter Rezitation des Sarvatman-Mantra stelle man ihn auf das Dreibeingestell. Für den anderen Krug bereite man nordöstlich einen Opfergrund aus Reis

34.12 und zeichne einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel und Staubfäden. Ringsum streue man enthülsten Reis, Sesam und gepufften Reis aus

34.13 und lege Kusha-Gras herum. Auf den Blättern verehre man Vama und die übrigen, in der Mitte Manonmani; dort stelle man den Krug auf.

34.14 Der Mantrakenner fülle ihn unter den fünf Brahma-Mantras mit Duftwasser. Durch zerriebenen Kardamom, Gewürznelken, Kampfer, Sandelholz, Agaru und Safran

34.15 rötlich gefärbtes, mit Duftstoffen und Blumen durchzogenes und nochmals durch Stoff gefiltertes Wasser wird Duftwasser genannt.

34.16 In das Wasser des Kruges lege man einen goldenen Lotus mit Schriftzeichen. Man füge ein Kusha-Büschel hinzu, verschließe den Krug mit einem Deckel

34.17 und umhülle ihn mit Stoff. Der Mantrakenner verehre ihn mit Duft, Blumen und den weiteren Gaben. Dann lege der Kundige unter dem Herz-Mantra seine rechte Hand auf die Öffnung

34.18 und rezitiere sorgfältig den Samvatsaramaya-Mantra vollständig. Danach spreche er einmal die fünf Brahma-Mantras, beginnend mit Ishana.

34.19 In den vier Himmelsrichtungen um diesen Krug, beginnend im Osten, lasse der Kundige ein Richtungsfeueropfer vollziehen, begleitet von Rezitationen des Rigveda und der übrigen Veden.

34.20 Oder er vollziehe im Nordosten ein befriedendes Feueropfer, verbunden mit den neun Astra-Formen. Zu dieser Zeit lasse er auch eine Begießung mit einer verfügbaren Krugzahl aus den mit tausend beginnenden Formen

34.21 vorschriftsmäßig ausführen, als Lehrer, der sich an die Schrift hält. Danach nehme er das sehr kühle Wasser in einem weiteren Krug auf

34.22 und fülle damit unter dem Samvatsara-Mantra den über dem Gott aufgestellten Krug. Unter dem Sarvatman-Mantra verschließe er ihn mit einem Deckel,

34.23 umhülle ihn mit Stoff und lege oben eine Blume auf. Der Kundige leite alle Handlungen mit der Ausrufung des segensreichen Tages ein.

34.24 Nachdem er die Handlung am Vormittag vollzogen hat, fülle er mittags das Wasser nach. So verfahre er täglich bis zum Ende von sieben Tagen.

34.25 Feueropfer, Begießung und Erneuerung des Wassers führe er täglich aus und bringe reichlich Opferkost dar, damit alles befriedet werde.

34.26 Zum Abschluss richte er eine besondere Begießung und Verehrung aus. Dann lasse er den Verehrern des Gottes und den übrigen Mitwirkenden die Ehrengabe geben.

34.27 Zur umfassenden Befriedung speise er die Maheshvaras und die vorzüglichen Brahmanen.

Kapitel 35: Das Darbringen der Keimlinge

35.1 Nun erkläre ich das Keimlingsritual; höre zu, Bezwinger der Götterfeinde. Bei allen Shiva-Opfern, beginnend mit dem rituellen Pflügen,

35.2 sollen die Lehrer vorschriftsmäßig glückverheißende Keimlinge ansetzen. Es gibt eine höchste, eine mittlere und eine kleinere Form.

35.3 Drei Arten von Gefäßen sind vorgesehen: Palika-Schalen, Ghatika-Gefäße und Sharava-Schüsseln, aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton.

35.4 Als Behälter für die Keimlinge müssen sie alle vorgeschriebenen Merkmale besitzen. Welche Handlung die Menschen auch Shiva widmen,

35.5 neun, sieben, fünf oder drei Tage davor vollziehe man die Aussaat.

35.6 Sie erfolge in der jeweils vorausgehenden Nacht der genannten Tage. Je acht dieser drei Gefäßarten bilden die höchste Form.

35.7 Acht Palikas, vier Ghatikas und ebenso viele Sharavas werden als mittlere Form bezeichnet.

35.8 Bei der kleinsten Keimlingsdarbringung nehme man vier Palikas, vier Ghatikas und ebenso viele Sharavas.

35.9 Alle Gefäße stelle man im Opferhaus oder vor beziehungsweise seitlich des Gottes auf, auf einer mit Kuhdung bestrichenen Fläche.

35.10 Auf dem festen Boden bereite man einen Opfergrund von sieben Tala Breite; sechs Tala gelten als mittlere, fünf als kleinere Ausführung.

35.11 Dazu verwende man reinen Reis, zweiunddreißig Prastha, vierundzwanzig oder sechzehn Prastha, entsprechend der Form.

35.12 Man bilde einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel und Staubfäden. In der Samenkapsel verehre man zuerst die Ur-Shakti Manonmani,

35.13 auf den Blättern ringsum, im Osten beginnend, Vama und die übrigen. Auf die Samenkapsel stelle man einen Krug aus Gold oder einem anderen geeigneten Material,

35.14 gewaschen, gereinigt, schön, ein Drona fassend, mit weißem Faden geschmückt und ganz mit Duftwasser gefüllt,

35.15 mit Kusha-Büschel, Deckel und Gold versehen und in Stoff gehüllt. Dann stelle man acht Sharavas an die Ansätze der Blätter,

35.16 acht Ghatikas der Reihe nach in deren Mitte und acht Palikas ringsum auf die Blattspitzen.

35.17 Sie seien mit reiner Erde gefüllt, vermischt mit pulverisiertem Kuhdung. Dies ist die höchste Ausführung; nun wird die mittlere erklärt.

35.18 Die Palikas stelle man wie zuvor auf. In die Blattmitten setze man die Ghatikas in den Hauptrichtungen, die Sharavas in den Zwischenrichtungen.

35.19 Damit ist die mittlere Anordnung beschrieben; nun folgt die kleinste. Man stelle die Palikas auf die vier Blattspitzen der Hauptrichtungen,

35.20 die Ghatikas entsprechend in die Zwischenrichtungen und die Sharavas an die Blattansätze der vier Hauptrichtungen. Dann lege der Mantrakenner Kusha-Gras ringsum aus.

35.21 Nach Ausrufung des segensreichen Tages besprenge er unter dem Herz-Mantra. Dann verehre er König Soma im Krug der Reihe nach mit Duft und den übrigen Gaben,

35.22 unter dem aus seinem Namen gebildeten Mantra, und bringe Opferkost dar. Mung, Masha, Kulattha, Sesam und Senf,

35.23 Nishpava, Shali-Reis, Apamarga, Shimbi, Vrihi-Reis, Adhaki, Shyama, Weizen, Gerste und Bambussamen

35.24 verwende man sämtlich bei der höchsten Form, die ersten zehn bei der mittleren und die ersten fünf, beginnend mit Mung, bei der kleinsten.

35.25 Man wasche die Samen mit Milch und besprenge sie unter dem Herz-Mantra. Unter dem Klang von Muschelhorn und Trommel, begleitet von Gesang und Tanz,

35.26 säe man sie unter den fünf Brahma-Mantras in die Palikas und die anderen Gefäße. Man gieße sie mit dem Wasser aus dem Soma-Krug.

35.27 In allen Gefäßen auf den Blattspitzen verehre man die Richtungshüter, in den Blattmitten die Maruts und an den Blattansätzen die Vasus.

35.28 Dies gilt für die höchste Form. Bei der mittleren lasse man die Vasus fort und verehre die übrigen; bei der kleinsten lasse man zusammen mit ihnen

35.29 auch die Maruts fort. In den vier Gefäßen an den Blattansätzen verehre man Dharma und die übrigen, im Osten beginnend.

35.30 Nach dieser Verehrung unter Segens- und Glückswünschen verschließe man die Gefäße mit Deckeln und stelle sie gut geschützt ab.

35.31 Ist der genannte Ort nicht verfügbar, vollziehe man die Keimlingsdarbringung an einem reinen, geschützten und mit Kuhdung bestrichenen Platz.

35.32 Die beschriebene Verehrung dauert bis zur abschließenden Wegnahme. Täglich gieße man die Samen und fülle das Wasser im Krug nach.

35.33 Dies lasse der Kundige mittags tun und beobachte die Keimlinge: Gerade gewachsene, helle Keimlinge verheißen umfassendes Gedeihen;

35.34 rauchfarbene und gekrümmte dagegen Hindernisse für das Wohlergehen. Erkennt man solche ungünstigen Zeichen, lasse man ein befriedendes Feueropfer vollziehen.

Kapitel 36: Merkmale und Maße der Götterbilder

36.1 Ich erkläre die Merkmale der Götterbilder; höre zu, Janardana. Das Bild, das in einem bestimmten Heiligtum aufgestellt werden soll, bemesse man nach dessen innerem Schrein,

36.2 nach der Tür, den Säulen oder nach einem festgelegten Maß. Zwei Drittel der Breite des inneren Schreins ergeben die höchste Bildgröße.

36.3 Drei Fünftel ergeben die mittlere, die Hälfte die kleinere Größe.

36.4 Ein Neuntel der Schreinbreite gilt als kleinste der kleinen, neun Neuntel als größte der großen Bildgrößen.

36.5 Zwischen diesen beiden verwende man sieben weitere Größenstufen. Damit ist die Bemessung nach dem Schrein erklärt; höre nun diejenige nach der Tür.

36.6 Die lichte Türhöhe teile man in acht Teile. Einen lasse man fort; mit den übrigen sieben

36.7 bilde man die Höhe des kleineren Bildes. Für das mittlere teile man die Türhöhe in neun Teile und lasse einen fort.

36.8 Die verbleibende Höhe ergibt das mittlere Bild; das höchste ist so hoch wie die Tür. Damit ist die Türbemessung erklärt; höre die Säulenbemessung.

36.9 Das höchste Bild ist so hoch wie die Säule, das mittlere um ein Neuntel und das kleinere um ein Achtel niedriger.

36.10 Damit ist die Säulenbemessung erklärt; höre nun die Bemessung in Ellen. Das höchste Bild misst fünfzehn Ellen, das mittlere zehn,

36.11 das kleinere fünf. Dies gilt für selbstständige Bildheiligtümer. Wo ein Bild in Beziehung zu einem Shiva-Linga angefertigt wird,

36.12 höre die dafür geltenden Maßregeln, Janardana. Man teile die Höhe des Linga in sechzehn Teile.

36.13 Durch Zuschläge von drei, fünf, sieben, neun und elf dieser Teile ergeben sich fünf zunehmende Größen

36.14 für die Bilder. Zieht man dieselben Teile der Reihe nach vom Linga-Maß ab, ergeben sich fünf kleinere Größen.

36.15 Fünf zunehmende Maße, fünf abnehmende und die Höhe des Linga selbst ergeben somit elf Höhen.

36.16 Diese Maße kann der Kundige entsprechend auch aus der Breite oder aus dem Umfang des Linga ableiten.

36.17 So sind dreiunddreißig vom Linga abgeleitete Maße angegeben. Ein Drittel der Bildhöhe beträgt der Sitz

36.18 eines sitzenden Bildes; für ein stehendes bilde man den Sockel samt Lotus aus einem Viertel oder Fünftel der Bildhöhe.

36.19 So sind die Maße von Bild und Sockel erklärt. Die ermittelte Bildhöhe wird dann in Tala gegliedert.

36.20 Das Angula wird aus dem Körpermaß des Bildes gewonnen; zwölf solcher Angula bilden ein Tala, bester der Götter. Mit ihnen gestaltet man die Glieder des Bildes.

36.21 Von einem Angula bis zum ganzen Körper werden Höhe, Umfang und die übrigen Maße bestimmt. Zehn Tala, neun Tala, acht Tala,

36.22 sieben, sechs, fünf, vier und drei Tala bilden die acht Proportionssysteme.

36.23 Ein Tala umfasst zwölf Angula: Das ist die Festlegung der Schrift. Das Zehn-Tala- und das Neun-Tala-System besitzen jeweils drei Formen,

36.24 eine höchste, eine mittlere und eine kleinere, deren Unterschiede nun bestimmt werden. Das höchste Zehn-Tala-Maß beträgt einhundertvierundzwanzig Angula.

36.25 Vier Angula weniger ergeben das mittlere Zehn-Tala-Maß; weitere vier weniger das kleinere.

36.26 Das höchste Neun-Tala-Maß beträgt einhundertzwölf Angula, vier weniger das mittlere.

36.27 Nochmals vier weniger ergeben das kleinere Neun-Tala-Maß. Nach dem höchsten Zehn-Tala-Maß bilde man Brahma, Vishnu und Maheshvara.

36.28 Uma, Katyayani, Lakshmi, Chamunda, Sarasvati, Maheshi, Vaishnavi und Brahmi bilde man nach dem mittleren Zehn-Tala-Maß.

36.29 Skanda, Indra, Aditya, Virabhadra, Kshetrapala, die Göttin Shachi, Usha und Bhumi,

36.30 Varahi, Indrani, Kaumari und die beiden Ashvins bilde man nach dem kleineren Zehn-Tala-Maß; ferner Agni und den Kinnara,

36.31 Nirriti, den Herrn der Wasser, Vayu, Vaishravana, Ishana, alle Rishis, Shastri und Madana,

36.32 auch ihre Gemahlinnen, die Scharen der Apsaras, Mahamoti, die Vidyeshvaras, Tarkshya, Gandharvas und Yakshas,

36.33 Siddhas, Charanas, Schlangenfürsten, Vidyadharas, die elf Rudras, zwölf Adityas und acht Vasus

36.34 lasse der vortreffliche Lehrer nach dem höchsten Neun-Tala-Maß anfertigen. Rakshasas, Asuras und Kinnaras lasse er

36.35 nach dem mittleren Neun-Tala-Maß bilden; die übrigen Götterscharen und Göttinnen nach dem kleineren, Menschen nach dem Acht-Tala-Maß. [Die Zuordnung des Kinnara wird in der überlieferten Liste wiederholt.]

36.36 Pishachas haben sieben Tala, Bucklige sechs, der Elefantengesichtige fünf, Vamana vier.

36.37 Alle Bhutas haben drei Tala, ebenso der Stierfürst. So ist die Tala-Folge für die Gestaltung der Bilder erklärt.

36.38 Ein Achtel des aus dem Tala gewonnenen Angula heißt Yava. Angula, Matra und Amsha werden hier gleichbedeutend gebraucht.

36.39 Zwei Angula heißen Kolaka, drei Kala, vier Bhaga; das Doppelte davon heißt Yavaka.

36.40 Ein Bhaga und ein Yavaka zusammen ergeben ein Mukha. Mukha wird auch Tala genannt und umfasst zwölf Angula.

36.41 Mana, Pramana, Unmana, Lambamana und Upamana: Nach diesen fünf Maßarten lasse man die sichtbare figürliche Gestalt anfertigen.

36.42 Mana ist die Höhe des Bildes, Pramana seine Breite, Unmana sein Umfang.

36.43 Lambamana ist das mit einer Lotschnur bestimmte Maß; Upamana bezeichnet den Abstand zwischen zwei festgelegten Punkten.

36.44 Ein Bild, das nach diesen fünf Maßen ohne Unter- oder Überschreitung angefertigt wird, gewährt die Erfüllung aller Wünsche.

36.45 Bei einer festgelegten Bildhöhe von einhundertvierundzwanzig Angula höre nun die Körpermaße vom Haarbereich bis zu den Füßen.

36.46 Für den Scheitelaufsatz gilt ein Angula, bis zum Haaransatz drei Angula; das Gesicht misst dreizehneinhalb Angula.

36.47 Davon entfallen viereinhalb Angula auf die Strecke vom Haaransatz bis zur Augenlinie und ebenso viele von dieser Linie bis zum unteren Nasenrand.

36.48 Vom Nasenrand bis zum Kinn gilt dasselbe Maß. Unterhalb davon gestalte man den Hals mit einem Zuschlag von einem halben Angula. [Das zugrunde liegende Halsmaß bleibt in dieser Formulierung unklar.]

36.49 Als Halsmaß gilt die Strecke bis zur Halsgrube. Von dort bis zur Brustmitte sind es dreizehneinhalb Angula.

36.50 Von dort bis zum Nabel gilt dasselbe Maß; vom Nabel bis zum Geschlecht sind dreizehn Angula angegeben.

36.51 Vom Geschlecht bis zum Knie sind es siebenundzwanzig Angula; das Knie misst vier Angula. Der Unterschenkel bis zum Knöchel entspricht dem Oberschenkel.

36.52 Die Fußhöhe beträgt vier Angula. Damit ist das Körpermaß erklärt. Die Breite des Gesichtes bilde man mit zwölf Angula.

36.53 Vom Scheitel bis zum vorderen Haaransatz sind neun Angula angegeben, vom Scheitel bis zum hinteren Haaransatz zwölf.

36.54 Vom Scheitel bis zum seitlichen Haaransatz sind es auf jeder Seite zehn Angula. Der Abstand zwischen den Ohren über die Vorderseite beträgt zwanzig Angula.

36.55 Von der Nasenspitze bis zu jedem Ohr sind es zwölf Angula; der Abstand zwischen den Ohren über die Rückseite beträgt zwölfeinhalb.

36.56 Die Ohrbreite beträgt zwei Angula, die Ohrlänge ebenfalls zwei. Hinten an den Ohren ist eine Breite von eineinhalb Angula angegeben. [Die gleich große Längenangabe ist auffällig.]

36.57 Der Ohrrand misst zwei Yava, ebenso die Ohrleiste. Der Ohrstreifen misst ein halbes Angula, das Ohrläppchen ein Angula.

36.58 Die Länge des Ohrläppchens beträgt vier Angula, seine Breite eineinhalb. Vom äußeren Augenwinkel bis zum Ohransatz sind es sieben Angula. [Die beiden Angaben zum Ohrläppchen unterscheiden sich in ihrem Maßbezug.]

36.59 Den oberen Ohrrand lege man auf Höhe der Brauenlinie. Die Augenlänge wird mit zwei Angula und zwei Yava bestimmt.

36.60 Die Augenbreite beträgt sechs Yava. Die Länge teile man in drei: Ein Teil bildet die dunkle Iris, die beiden seitlichen das Augenweiß.

36.61 In der Mitte der Iris liege die Pupille von Läusegröße. Am inneren Augenwinkel sei ein Yava großer roter Bereich, karaviraähnlich.

36.62 Jedes Auge habe neunzig Wimpern. Zwischen Brauen- und Wimpernlinie liegen zwei und ein Viertel Angula,

36.63 ebenso zwischen Brauenlinie und oberem Haaransatz. Die Breite des oberen Lides beträgt fünf Yava,

36.64 die des unteren ein Yava. Die Brauen sind sechs Angula lang, ein Yava breit und bogenförmig.

36.65 Der Abstand zwischen den Augen beträgt zwei Angula. Die Nasenwurzel ist ein halbes Angula breit, die Spitze ein Angula und ein Yava.

36.66 Zwischen den Nasenflügeln liegt ein halbes Angula; ihre Höhe beträgt fünf Yava, die Öffnung drei Yava.

36.67 Rings um die Öffnung beträgt die Dicke ein halbes Yava. Zwischen den Nasenflügeln sind drei Yava angegeben, für das Philtrum vier Yava. [Die Abstandsangabe weicht von 36.66 ab.]

36.68 Über dem Philtrum tritt die Nase zwei Angula und zwei Yava hervor. Die Breite des Nasenrückens wird mit einem Angula angegeben.

36.69 Der Pushkara genannte Nasenteil misst ein Yava, der davorliegende sechs Yava. Nasenspitze und beide Flügel sollen der Sesamblüte gleichen. [Der erste anatomische Bezug ist unsicher.]

36.70 Vom unteren Nasenrand bis zum Rand der Unterlippe sind es zwei Angula und zwei Yava. Die Zähne sind zwei Yava breit und ebenso hoch.

36.71 Die Eckzähne sind ein Yava länger und knospenförmig. Oben befinden sich sechzehn Zähne und ebenso viele unten.

36.72 Die Zunge ist sechs Angula lang und halb so breit. Die Breite der Unterlippe beträgt ein Angula und ein Yava.

36.73 Die Unterlippe ist rot; als weiteres Breitenmaß sind sieben Yava angegeben. Ihre Länge beträgt zwei Angula, die Mundbreite vier. [Die verschiedenen Breitenbezüge sind nicht eindeutig.]

36.74 Die Oberlippenbreite beträgt drei Yava. Die Kinnpartie misst zwei Angula in der Länge; darüber liegt eine Vertiefung von einem Yava.

36.75 Unterhalb der Lippe ist eine Erhebung von sieben Yava angegeben; die Erweiterung der Kinnpartie beträgt drei Angula, ihre Erhebung drei Yava. Das Kinn tritt eineinhalb Angula hervor. [Die Teilmaße sind vorläufig zugeordnet.]

36.76 Das Gesicht lasse man vollmondgleich, mit den genannten Merkmalen, heiter, lächelnd, reizvoll und makellos gestalten.

36.77 Der hintere Nacken misst vier Angula in der Länge. Darunter gestalte man eine ebenfalls vier Angula lange, worfelschaufelförmige Partie.

36.78 Vom oberen Rücken bis zum Taillenansatz sind dreißig Angula angegeben; dasselbe gilt hinten von der Achselhöhe bis zum Taillenansatz.

36.79 Weiter sind sieben Kala und die Hälfte von acht Matra genannt; die vordere Halsbreite beträgt zwei Bhaga. [Der Bezug der ersten beiden Maßangaben bleibt unklar.]

36.80 Die Breite an der Halswurzel übersteigt jene Breite um ein Angula. Der Hals sei schön gerundet und von zwei Linien umgeben.

36.81 Von der Halsgrubenlinie aus sind die Oberarme siebenundzwanzig Angula lang, die Unterarme jeweils einundzwanzig.

36.82 Die Handflächen messen sieben Angula, die Mittelfinger ein halbes weniger. Zeige- und Ringfinger sind jeweils zwei Yava kürzer als der Mittelfinger.

36.83 Daumen und kleiner Finger messen jeweils vier Angula. Von der Halsgrubenlinie bis zur Achsel sind es viereinhalb Angula.

36.84 Über der Halsgrubenlinie liegen die Schultern seitlich des Halses vier Angula hoch; für Mitte und Enden sind ein Angula und die Hälfte davon angegeben. [Die Zuordnung der Höhenabstufungen bleibt unsicher.]

36.85 Die Breite am Oberarmansatz beträgt neuneinhalb Angula, in der Oberarmmitte acht Angula und ein Yava.

36.86 Die Ellenbogenbreite beträgt sieben Angula, die Breite am Unterarmansatz sechs Angula weniger ein Yava.

36.87 Die Unterarmmitte ist fünf Angula und ein Yava breit, das Handgelenk drei Angula und sechs Yava.

36.88 Die Querbreite der Handfläche entspricht ihrer Länge. Für die Daumenbreite sind elf Yava angegeben.

36.89 Der Zeigefinger ist acht Yava breit; den Mittelfinger bilde man ein Yava breiter.

36.90 Der Ringfinger entspricht dem Zeigefinger, der kleine Finger misst fünf Yava. Die Nagelbreiten, vom Daumen ausgehend, betragen dreieinhalb, zweieinviertel, zweieinhalb und zwei Yava,

36.91 schließlich eineinhalb Yava. Die Nagellänge übersteigt die jeweilige Breite um ein Yava. [Die gedrängte Bruchzahl des Zeigefingernagels ist unsicher.]

36.92 Der Daumen habe zwei Glieder, die übrigen Finger drei. Ihre Spitzenbreite sei um ein Achtel kleiner als ihre Breite an der Wurzel.

36.93 Die Handflächen gestalte man mit drei Linien, Janardana. Der Abstand zwischen den Achseln beträgt dreiundzwanzig Angula.

36.94 Von der Halsgrube bis zu den Brustwarzen sind es dreizehneinhalb Angula; ebenso groß ist der Abstand zwischen ihnen. Die Brustwarzenhöfe

36.95 haben jeweils zwei Angula Durchmesser; die mittige Brustwarze ist zwei Yava breit und ein Yava hoch.

36.96 Die Brustbreite beträgt achtzehneinhalb Angula, die Bauchbreite fünfzehneinhalb.

36.97 Der Nabel dreht sich nach rechts, ist sechs Yava breit und zwei Yava tief. Für die Breite im Beckenbereich

36.98 sind siebzehneinhalb Angula angegeben, für die Taillenpartie neunzehn Angula.

36.99 Die Länge des männlichen Gliedes beträgt fünf Angula und ein Yava. Der Hodensack ist vier Angula lang und ebenso breit.

36.100 Das Glied ist zwei Angula und ein Yava breit; der Oberschenkelansatz dreizehn Angula.

36.101 Weiter unten beträgt die Oberschenkelbreite zwölf Angula, in der Kniemitte neun.

36.102 Die Breite des Unterschenkelansatzes entspricht dem Knie; die Unterschenkelmitte misst sieben Angula und ein Yava.

36.103 Die Schienbeinpartie ist viereinhalb Angula breit, die Fußsohle fünf Angula und ein Yava.

36.104 Die große Zehe ist vier Angula lang, die zweite ein Yava länger; die mittlere

36.105 wird mit zweieinhalb Angula Länge angegeben. Die Breite der großen Zehe beträgt dreizehn Yava.

36.106 Die nächste Zehe misst neun Yava in der Breite, die mittlere acht, die folgende ein halbes weniger und die letzte wiederum ein halbes weniger.

36.107 So wurden die Zehenbreiten der Reihe nach angegeben. Nun folgen die Nagelbreiten von der großen Zehe an:

36.108 fünfeinhalb, viereinhalb, vier, dreieinhalb und zwei Yava.

36.109 Die Länge der Nägel entspricht ihrer Breite. Überall bemesse man den Umfang mit dem Dreifachen der Breite.

36.110 So gestalte man das Bild nach dem höchsten Zehn-Tala-Maß. Für die Gottheiten, die im mittleren Zehn-Tala-Maß zu gestalten sind,

36.111 erkläre ich nun Höhe und weitere Maße in den jeweils daraus gewonnenen Angula. Die Größe der Göttinnen leite man aus derjenigen des zugehörigen Gottes ab.

36.112 Man lasse sie bis zum Ohr, zum unteren Ohrläppchenrand, zum Kinn oder zum Armansatz des Gottes reichen.

36.113 Die so gewonnene Höhe teile man in einhundertzwanzig Angula. Vom Scheitel bis zum Haaransatz sind vier Angula angegeben.

36.114 Von dort bis zu den Augen sind es vier und drei Viertel Angula, von dort bis zum Nasenrand viereinhalb.

36.115 Vom Nasenrand bis zum Kinn sind es drei und drei Viertel Angula, vom Kinn bis zum Halsansatz vier. Vom Hals bis zur Brustmitte

36.116 rechne man dreizehn Angula, ebenso von dort bis zum Nabel und vom Nabel bis zur Scham.

36.117 Von dort bis zum Knie sind sechsundzwanzig Angula angegeben. Das Knie misst vier; der Unterschenkel entspricht dem Oberschenkel.

36.118 Die Fußhöhe beträgt vier Angula. Nun die Länge: Sie beträgt sechzehn Angula, die Länge der großen Zehe vier.

36.119 Die zweite Zehe ist ebenso lang, die folgenden jeweils ein halbes Angula kürzer. Zwölf, neun, acht, sieben und sechs Yava

36.120 betragen die Breiten der Zehen von der großen bis zur kleinen. Die Nagelbreite ist jeweils die Hälfte der Zehenbreite.

36.121 Vorfuß, Fußmitte und Ferse sind sechs, fünf und vier Angula breit; die Knöchelbreite beträgt fünf Angula.

36.122 Die Schienbeinpartie ist vier Angula breit, die Mitte des Unterschenkels sechs.

36.123 Das Knie ist sieben Angula breit, der Oberschenkel zwölf. Die Breite der Hüftpartie beträgt vierundzwanzig Angula.

36.124 Die vordere Beckenpartie wird mit sechs Angula angegeben. Die Vulva gleicht einem Ashvattha-Blatt und ist vier Angula breit.

36.125 Die Beckenbreite beträgt zwanzig Angula. Der Nabel dreht sich nach rechts und ist sechs Yava tief

36.126 und ebenso breit. Die Breite der Nabelregion beträgt elf Angula; darüber, am Bauch

36.127 unterhalb der Brüste, bilde man dreizehn Angula Breite. Die Brustbreite beträgt neun Angula, der Brustwarzenhof drei.

36.128 Die Brusthöhe beträgt die halbe Breite; zweieinhalb Angula sind für den anschließenden Teil angegeben, dessen Erhebung ein Yava beträgt. [Der Bezug zwischen Brustwarze und Hof ist nicht eindeutig.] Der Abstand zwischen den Achseln

36.129 beträgt siebzehn Angula; darüber, einschließlich der Arme, beträgt die Breite einundzwanzig Angula. Dann folgt die Halsgrubenlinie.

36.130 Die Oberarmlänge beträgt sechsundzwanzig Angula, der Ellenbogen zwei, der anschließende Unterarm achtzehn.

36.131 Die Handfläche misst sieben Angula, der Mittelfinger sechs und der Zeigefinger fünf.

36.132 Ebenso lang ist der Ringfinger; der kleine Finger misst vier Angula, ebenso der Daumen. Die Breiten betragen

36.133 vom Daumen aus neun, sieben, acht, sieben und sechs Yava. Von der Wurzel zur Spitze vermindern sie sich jeweils um ein Achtel.

36.134 Für die Nagelbreiten, vom Daumen an, nennt die Vorlage sieben, vier und fünf Yava; die folgende Zahlenverbindung ist unklar. Für den kleinen Finger

36.135 nehme man drei Yava. Die jeweilige Nagellänge übersteigt die Breite um ein Yava. Kleiner Finger, Ring-, Mittel- und Zeigefinger haben drei Glieder.

36.136 Der Daumen hat zwei Glieder. Die Handfläche ist sechs Angula breit, das Handgelenk drei.

36.137 Der Ellenbogen misst fünf Angula in der Breite, die Oberarmmitte sechs, der Oberarmansatz sieben.

36.138 Die Halsbreite beträgt sieben Angula, die Gesichtsbreite elf. Damit sind die Breiten erklärt.

36.139 So wurde das Frauenmaß im mittleren Zehn-Tala-System beschrieben. Beim kleineren Zehn-Tala-System unterteilt man die Höhe in einhundertsechzehn

36.140 Angula und gestaltet die Körperteile daraus. Die Höhen des Scheitelbereichs, des Halses, der Knie und der Füße

36.141 werden jeweils mit vier Angula bestimmt. Das Gesicht misst zwölfeinhalb Angula, ebenso die Brust- und Bauchregion,

36.142 ebenso die Strecke bis zum Geschlecht. Der Oberschenkel misst fünfundzwanzig Angula, ebenso der Unterschenkel. Alles Übrige führe man wie zuvor aus.

36.143 So gestalte man die Götter nach dem kleineren Zehn-Tala-Maß. Nun wird die Maßgliederung des höchsten Neun-Tala-Systems erklärt.

36.144 Vom Scheitel bis zum Haaransatz sind vier Angula angegeben. Vom Haaransatz bis zur Augenlinie, von dort bis zum Nasenrand

36.145 und vom Nasenrand bis zum Kinn sind es jeweils vier Angula. Für den Hals gilt ein Zuschlag von einem halben Angula; sein Maß beträgt dreieinhalb Angula.

36.146 Vom Hals bis zur Brustmitte, von dort bis zum Nabel und vom Nabel bis zum Geschlecht sind es jeweils zwölf Angula.

36.147 Die Oberschenkel messen zwei Tala, die Knie vier Angula, die Unterschenkel zwei Tala und die Füße vier Angula in der Höhe.

36.148 So ist das höchste Neun-Tala-System nach der Maßgliederung erklärt, Hari. Vier Angula weniger ergeben das mittlere.

36.149 Nun werden die Stellen der Verkürzung gegenüber dem höchsten Neun-Tala-Maß angegeben: ein Angula am Unterschenkel, eines am Oberschenkel,

36.150 eines in der Geschlechtsregion und eines am Gesicht. So entsteht das mittlere Maß. Beim kleineren Neun-Tala-Maß

36.151 vermindere man die Strecke zwischen Halsgrube und Nabel um zwei Angula, den Oberschenkel um eines und ebenso die Unterschenkellänge.

36.152 Damit ist das kleinere Neun-Tala-Maß erklärt; nun folgt das Acht-Tala-Maß. Der Scheitelbereich misst zwei Angula, das Gesicht elf.

36.153 Die Halslänge beträgt drei Angula. Vom Hals bis zur Brustmitte und von der Brustmitte bis zum Nabel gilt jeweils die Gesichtslänge.

36.154 Vom Nabel bis zum Geschlecht sind zehn Angula angegeben. Die Oberschenkel gestalte man mit einundzwanzig Angula Länge.

36.155 Das Knie misst drei Angula, der Unterschenkel entspricht dem Oberschenkel, die Fußhöhe beträgt drei Angula. Dies ist das Acht-Tala-Maß.

36.156 Nun erkläre ich das Sieben-Tala-Maß in den zugehörigen Angula. Der Scheitelbereich misst ein Angula, das Gesicht elf.

36.157 Der Hals misst drei Angula; vom Hals bis zum Nabel sind es achtzehneinhalb. Vom Nabel bis zum Geschlecht

36.158 sind achteinhalb Angula anzusetzen, für den Oberschenkel neunzehn. Die Knie messen drei Angula, die Unterschenkel entsprechen den Oberschenkeln.

36.159 Die Fußhöhe gestalte man wie die Kniehöhe. Damit ist das Sieben-Tala-Maß erklärt; nun folgt das Sechs-Tala-Maß.

36.160 Der Scheitelbereich misst ein Angula, das Gesicht elf, der Hals drei. Vom Hals bis zum Geschlecht

36.161 sind neunzehn Angula angegeben; die Oberschenkellänge ist in der vorliegenden Lesung nicht eindeutig, endet jedoch auf »einhalb«. Das Knie misst drei Angula, der Unterschenkel entspricht dem Oberschenkel.

36.162 Die Fußhöhe entspricht dem Knie. Dies ist das Sechs-Tala-Maß. Nun erkläre ich das Fünf-Tala-Maß nach der entsprechenden Unterteilung.

36.163 Der Scheitelbereich misst ein Angula, das Gesicht neun, der Hals zwei. Von dort bis zum Geschlecht

36.164 sind einundzwanzig Angula angegeben; der Oberschenkel misst zwölf, das Knie zwei, der Unterschenkel elf.

36.165 Die Fußhöhe beträgt zwei Angula. Damit ist das Fünf-Tala-Maß erklärt. Nun erläutere ich das Vier-Tala-Maß mit den daraus gewonnenen Angula.

36.166 Der Scheitelbereich misst ein Angula, das Gesicht zwölf, der Hals zwei. Vom Hals bis zur Brustmitte

36.167 sind sieben Angula angegeben, ebenso von der Brustmitte bis zum Nabel; von dort bis zum Geschlecht sechs.

36.168 Der Oberschenkel ist fünf Angula hoch, das Knie zwei, der Unterschenkel vier, die Fußhöhe entspricht dem Knie.

36.169 Damit ist das Vier-Tala-Maß erklärt. Höre nun das Drei-Tala-Maß: Der Scheitelbereich misst ein Angula, das Gesicht acht.

36.170 Der Hals misst zwei Angula, vom Hals bis zum Geschlecht sind vierzehn anzusetzen, für den Oberschenkel vier.

36.171 Das Knie misst zwei Angula, der Unterschenkel drei, die Fußhöhe entspricht dem Knie. So ist das Drei-Tala-Maß erklärt.

36.172 Damit ist die nach Tala bestimmte Höhenbemessung knapp erläutert. Breite und andere Maße gestalte man in angemessener Entsprechung. [Einige Summen der vorangehenden kleineren Maßsysteme entsprechen nicht ihrem angekündigten Gesamtmaß.]

36.173 Für die Götterbilder, die nach diesen Tala-Systemen und den genannten Merkmalen angefertigt werden, bester der Götter,

36.174 habe ich die allgemeinen Kennzeichen erklärt. Nun erläutere ich die besonderen Merkmale; höre zu, Janardana.

36.175 Die erste Gestalt ist Lingodbhava, die zweite der bequem Sitzende, die dritte der mit Gauri Verbundene, die vierte der Ekstatische.

36.176 Die fünfte ist der Skelettträger, die sechste die Tanzgestalt, die siebte Trimurti,

36.177 die achte der Verleiher des Diskus, die neunte Chandrashekhara, die zehnte die zur Hälfte weibliche Gestalt.

36.178 So habe ich zehn Maheshvara-Gestalten genannt. Nun erläutere ich die verschiedenartigen Rudra-Gestalten.

36.179 Die erste ist Dakshinamurti, die zweite der Vernichter Kamas, die dritte der Vernichter Kalas, die nächste die Hochzeitsgestalt; als fünfte gilt der mit Skanda und Uma Verbundene, als sechste der Töter Jalandharas und als siebte der zur Hälfte Hari ist.

36.180 Die achte ist der Stierreiter, die neunte der Vernichter der drei Städte, die zehnte der Überwinder des Giftes.

36.181 Welche dieser Gestalten es auch sei, sie alle gehören zu Rudras Erscheinungen. Jede Bildgestalt wird dreifach unterschieden, Janardana:

36.182 unbeweglich, beweglich und beweglich-unbeweglich. Das Tonbild, dessen Anfertigung mit der Errichtung eines inneren Gerüstes beginnt, gilt als unbeweglich.

36.183 Das Metallbild, dessen Herstellung mit dem Wachsmodell beginnt, gilt als beweglich. Alle Stein- und Holzbilder heißen beweglich-unbeweglich.

36.184 Bei Ton- und Metallbildern müssen Holz beziehungsweise Wachs am Vortag rituell vorbereitet werden. Die Vorschrift dafür wird nun erklärt.

36.185 Asana, Khadira, Sandelholz, Samara, Devadaru, Saptadala, Rajavriksha, Vakula, Jackfruchtbaum und Bambus: Diese zehn Hölzer werden als geeignet für das innere Bildgerüst genannt.

36.186 Aus diesen Hölzern fertige man Stäbe für Unterschenkel und Oberschenkel, verbunden mit dem Hüftstab, ferner den Brahma genannten Hauptstab entsprechend dem Bild, Brust-, Oberarm- und Unterarmteile, und bereite sie rituell vor.

36.187 Vor dem Heiligtum, in dem die jeweilige Bildgestalt aufgestellt werden soll, Hari, bereite man aus reinem Reis einen Opfergrund.

36.188 Darauf zeichne man einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel und Staubfäden und lege das Holzgerüst oder das Wachs darauf,

36.189 gereinigt und getrocknet unter Sarvatman und Herz-Mantra. Nach Ausrufung des segensreichen Tages vollziehe man davor ein Feueropfer.

36.190 Dazu bereite man vorschriftsmäßig einen sandigen Opfergrund und setze das Feuer ein. Dort opfere der Kundige

36.191 jeweils zehn Gaben aus Brennholz, Ghee und Opferspeise. Das Holz opfere er unter dem jeweiligen Gayatri-Mantra,

36.192 das Ghee unter dem Wurzelmantra, die Speise unter dem Herz-Mantra. Nach jedem Stoff folgen die Vyahriti-Gaben; der Lehrer berühre jeweils das vorbereitete Material

36.193 unter dem jeweiligen Wurzelmantra, bringe die Vollopfergabe dar und schließe ab. Nach dieser Vorbereitung nehme der Lehrer das Gerüst auf.

36.194 Zu günstiger Stunde und bei günstigem Aszendenten stelle der Bildhauer es auf. Für die Aufstellung betrete man das Innere des Gebäudes

36.195 und unterteile den Schrein in neunundvierzig Felder. Das eine mittlere ist das Brahma-Feld; außen daran

36.196 liegen acht göttliche Felder, darum sechzehn menschliche und ganz außen ringsum die Pishacha-Felder.

36.197 Im menschlichen Bereich stelle man das Gerüst unter dem Herz-Mantra auf, lege Edelsteine und die übrigen Stoffe ein und beseitige dort den losen Staub. [Der letzte Arbeitsschritt ist sprachlich unsicher.]

36.198 Aus Kokosfasern fertige man eine feste Schnur und umwinde damit das Gerüst von den Fußsohlen bis zum Scheitel.

36.199 Danach forme man die Glieder aus vorbereitetem Ton; dessen Aufbereitung wurde bereits beschrieben. Das Bild gestalte man allmählich

36.200 durch ausgezeichnete, in allen Arbeitsschritten erfahrene Handwerker. Dem Tonbild gebe man anschließend seine farbliche Erscheinung.

36.201 Alle Hände und Finger seien mit ihren vorgeschriebenen Merkmalen versehen. Auch bei einem Steinbild wird farbliche Ausschmückung vorgesehen.

36.202 Dabei ist ein Krug aufzustellen; alles Übrige entspricht dem Tonbild. Ein Metallbild soll im göttlichen Feld aufgestellt werden.

36.203 Ein Steinbild ist im »Samrajya« genannten Bereich geeignet oder ebenfalls im göttlichen Feld. [Die erste Ortsbezeichnung ist unklar.] Bei der Gestaltung figürlicher Bilder aus Edelstein, Metall oder Stein

36.204 ist eine Unterscheidung des Materials nach weiblich und männlich nicht vorgesehen; eine Mischung ist dort zulässig. Auch für nichtfigürliche und gemischte Linga-Formen werden Materialverbindungen zugelassen. [Die Materialregel ist im Sanskrit gedrängt.]

36.205 Für ein Metallbild fertige man zuerst ein Wachsmodell. Nun werden die zuvor genannten unterschiedlichen Bildgestalten beschrieben.

36.206 Den Gott gestalte man in der Mitte des Linga, dreiäugig, vierarmig, rot, mit heiterem Gesicht und allem Schmuck versehen,

36.207 mit einer Krone aus verfilztem Haar, rechts und links der Reihe nach mit Mond und Ganga,

36.208 sowie mit Schlange und Dhattura, links und rechts angeordnet. In der Mitte des Linga bilde man ihn so, dass unten die Füße und oben die Haarbekrönung nicht sichtbar sind. [Die Lesung zur unteren Begrenzung ist beschädigt.]

36.209 Drei Teile seiner Gestalt seien sichtbar. Oben und unten stelle man Brahma in Gänsegestalt und Vishnu mit Ebergesicht dar. [Die Teilangabe ist unvollständig bestimmt.]

36.210 Rechts und links des Linga bilde man Brahma und Vishnu außerdem stehend mit gefalteten Händen.

36.211 Die bequem sitzende Gestalt sitzt auf einem Lotussitz, das rechte Bein angewinkelt, das linke herabhängend.

36.212 Sie ist vierarmig, dreiäugig und mit allem Schmuck versehen. Das Übrige entspricht der vorherigen Beschreibung. An ihrer linken Seite

36.213 gestalte man Gauri mit Karanda-Krone, zwei Armen, dunklem Teint, drei Augen und einem leichten Lächeln.

36.214 Ihr rechtes Bein ist angewinkelt, das linke hängt herab. Die linke Handfläche ruht auf dem Sitz, die rechte hält eine Kunda-Blume

36.215 mit der Katakamukha-Geste; sie sitzt auf demselben Sitz. Dies ist die erste sitzende Form; nun folgt die zweite.

36.216 Bei dem wie zuvor gestalteten Gott setze man Gauri auf seinen linken Schoß. Die linke Hand des Gottes ruht auf der Krone der Göttin.

36.217 Die rechte Hand der Göttin liege auf dem Schoß des Gottes; die Göttin sei ihm zugewandt. Damit ist die zweite sitzende Form erklärt. [Die Schlusswendung zur Körperdrehung ist unsicher.]

36.218 Auch die stehende Form ist nach den beschriebenen sitzenden Formen zweifach zu gestalten; die Anordnung auf dem Schoß wird entsprechend durch gemeinsames Stehen auf einem Sockel ersetzt. [Der Übergang ist im Text verkürzt.]

36.219 Alles Übrige entspricht dem zuvor Gesagten. Nun wird der Ekstatische beschrieben: weiß wie Quecksilber, mit heiterem Gesicht und lockigem, zerstreutem Haar.

36.220 Seine beiden Lotusfüße stehen auf Sandalen; den rechten Fuß gestalte man im Begriff auszuschreiten.

36.221 Er steht fest auf dem linken Fuß, in ausgeglichener Haltung. Die rechte Hand wird von einem Hirsch geleckt, eine andere hält eine Damaru-Trommel.

36.222 In den linken Händen trägt er Bettelschale und Federbüschel; eine Schlange bildet seinen Gürtel. Links begleitet ihn ein Herr der Ganas,

36.223 der singend und mit der Bettelschale eilend dargestellt wird. So ist Bhikshatana, der um Almosen Wandernde, beschrieben. Nun folgt der Skelettträger.

36.224 Weiß, mit heiterem Gesicht und einer Krone aus verfilztem Haar, mit Schlangenarmreifen und Schlangengürtel,

36.225 in göttliche Gewänder gekleidet, mit Sandalen wie zuvor, wird seine rechte Hand von einem Hirsch geleckt; links trägt er ein Skelett.

36.226 Mit den beiden übrigen Händen spielt er die Dhakka-Trommel. Ein Begleiter trägt die Bettelschale auf dem Kopf, ein anderer singt,

36.227 einer trägt einen Schirm, ein anderer führt den Stier. Zahlreiche kraftvolle Ganas begleiten den Gott,

36.228 und viele von Liebe bezauberte Frauen folgen ihm. Damit ist die Skelettträgergestalt beschrieben; nun folgt die Tanzgestalt.

36.229 Sie ist weiß, mit heiterem Gesicht, trägt Elefantenhaut als Gewand, einen Schlangenfürsten als Schellenschmuck und Reiherfedern.

36.230 Die verfilzten Haarsträhnen fliegen auseinander. Der rechte Fuß steht auf Apasmara; das andere Bein ist angewinkelt,

36.231 erhoben bis zur Armhöhe, während die Hand herabhängt. [Die Höhenbezeichnung ist unsicher.] Er strahlt vierarmig; eine rechte Hand zeigt die Furchtlosigkeitsgeste,

36.232 eine andere hält die Trommel, eine das Feuer, die weitere ist quer ausgestreckt, Janardana, in einem von Gesang begleiteten Tanz.

36.233 Diese Form heißt Bhujangatrasa. Gauri befindet sich links, gegebenenfalls auf demselben Sockel. Nun wird der Tanz in der Dämmerung beschrieben.

36.234 Der rechte Fuß steht fest, der linke ist angewinkelt. Rechts zeigt er Furchtlosigkeit und hält das Beil, links Schlinge und Schlange,

36.235 in seinen vier Händen, mit einer Krone aus verfilztem Haar. Dies ist eine weitere Tanzgestalt; nun folgt die dritte.

36.236 Der linke Fuß steht leicht gebeugt auf Apasmara, das andere Bein ist stabgerade bis über den Kopf erhoben.

36.237 Er besitzt zwanzig Hände, trägt Dreizack und weitere Waffen, dazu Vina und andere Instrumente. Diese Form heißt Dandapada.

36.238 So ist die Tanzgestalt dreifach, Janardana. Nun erkläre ich die Trimurti-Gestalt: rot und dreiäugig,

36.239 mit Gnadengewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste, schwarzer Antilope und Axt, einer Krone aus verfilztem Haar, fest auf einem einzigen Bein stehend.

36.240 Rechts und links treten oberhalb der Hüfte die halben Körper Brahmas und Vishnus aus seinen Seiten hervor.

36.241 Ihre Größe bemesse man wie zuvor die der Göttin im Verhältnis zum Gott. Beide haben die Hände gefaltet und besitzen sämtliche eigenen Kennzeichen.

36.242 Oder man stelle beide gesondert mit vollständigem Körper zu seinen Seiten dar, auf demselben Sockel.

36.243 Damit ist diese Gestalt beschrieben. Nun folgt die Verleihung des Diskus: Man bilde den Gott zusammen mit Gauri; zu seiner Rechten

36.244 stelle man Vishnu mit gefalteten Händen dar. Der Gott legt ihm den Diskus in die Hand: Das ist die Gestalt des Diskusverleihers.

36.245 Damit ist die Diskusgnade erklärt; nun folgt Chandrashekhara. Dreiäugig, vierarmig und mit einer Krone aus verfilztem Haar,

36.246 durch die Mondsichel gekennzeichnet, mit Gauri verbunden und aufrecht stehend, trägt er schwarze Antilope und Axt und zeigt Gnadengewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste.

36.247 Damit ist Chandrashekhara beschrieben; nun folgt die zur Hälfte weibliche Gestalt. Rechts und links gestalte man Shiva und Shakti.

36.248 Rechts besitzt sie zwei Hände, links eine: rechts Furchtlosigkeitsgeste und Axt, links Katakamukha.

36.249 Die Gestalt ist leicht gebogen und trägt auf der Stirn ein halbes Auge. Die Kopfbekrönung gestalte man entsprechend der Göttin und dem höchsten Gott als Karanda-Krone. [Die Zuordnung der beiden Kronenhälften ist verkürzt.]

36.250 Die rechte Seite ist rot, die linke dunkel; beide Seiten tragen reizvollen Schmuck.

36.251 Die weibliche Hälfte besitzt an der Brust eine volle Brust. Hinten kann der Stierfürst stehen; die Gestalt ist auch ohne Stier möglich.

36.252 So ist die zur Hälfte weibliche Gestalt beschrieben. Nun folgt Dakshinamurti: dreiäugig und vierarmig, mit leicht gelocktem Haar,

36.253 weiß strahlend, den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel gelegt, während der linke Fuß herabhängt. In den rechten und linken Händen

36.254 hält er die Sandamsha-Geste, eine Gebetskette, die Gnadengewährung und Feuer. Ihn umgeben Rishis aus verschiedenen Geschlechtern.

36.255 Eine andere Dakshinamurti-Gestalt wird beschrieben, Janardana: Der rechte Fuß hängt herab, der linke ist angewinkelt.

36.256 Der linke Unterarm liegt auf dem entsprechenden Knie; das Übrige ist wie zuvor. Dieselbe Form gilt für den Feind Kamas,

36.257 der den vor ihm stehenden Kama mit dem aus seinem Auge hervorgehenden Feuer verbrennt. Damit ist Kamas Gegner beschrieben; nun folgt der Vernichter Kalas.

36.258 Dreiäugig, vierarmig, mit einer Krone aus verfilztem Haar, trägt er rechts Dreizack und Beil, links die hinweisende Suchimukha-Geste und eine Schlinge.

36.259 Mit dem Fuß wirft er Kala vor sich nieder. Diese furchterregende Gestalt ist mit der Göttin verbunden, die alle ihre Kennzeichen trägt.

36.260 Dies ist der Vernichter Kalas. Nun folgt die Hochzeitsgestalt: dreiäugig, vierarmig, rot, geschmückt mit einer Krone aus verfilztem Haar,

36.261 mit schwarzer Antilope und Axt sowie Gnadengewährung auf der linken Seite. Mit seiner vorderen rechten Hand ergreift er die rechts von ihm stehende Braut Uma,

36.262 dunkel, zweiäugig, mit Karanda-Krone, die linke Hand in Katakamukha, an ihrer rechten Hand.

36.263 So stelle man ihn schreitend dar. Zu seiner Linken bilde man den vierarmigen Vishnu mit Muschelhorn und Diskus,

36.264 dazu mit einer Schale für gepufften Reis oder einem Bhringara-Wassergefäß in der Hand. Vorne stelle man Brahma dar, viergesichtig und vierarmig,

36.265 rechts mit Gebetskette und Opferlöffel, links mit Wassergefäß und Wasser. [Das vierte Attribut ist in der Vorlage nicht eindeutig.] Zur Linken des Gottes

36.266 bilde man ihn sitzend, goldfarben und heiter. Lakshmi folgt Uma und steht hinter ihr, sie umfassend.

36.267 Vorne gestalte man das Opferfeuer in Flammengestalt. Alle Figuren befinden sich auf demselben Sockel.

36.268 Dies ist die Hochzeitsgestalt. Höre nun die mit Skanda und Uma verbundene Form: Uma und Rudra gestalte man bequem sitzend.

36.269 Er trägt schwarze Antilope und Axt und zeigt Gnadengewährung und Furchtlosigkeit. Sein linkes Bein ist angewinkelt, das rechte hängt herab.

36.270 Die Göttin gestalte man mit der rechten Hand in Katakamukha, die linke auf den Sitz gelegt.

36.271 Ihr linkes Bein hängt herab, das rechte ist angewinkelt. Zwischen beiden bilde man Guha; seine Höhe betrage, bezogen auf ein Achtel der Gotteshöhe,

36.272 einen oder eineinhalb solcher Teile. Er ist zweiäugig, vierarmig, rot und von makelloser Kindergestalt.

36.273 Damit ist die mit Skanda und Uma verbundene Form beschrieben. Höre die Tötung Jalandharas: Der Gott hat zerstreutes Haar und ist friedvoll; rechts und links trägt er

36.274 Feuer und Gebetskette. Mit dem anderen rechten Zeigefinger weist er auf Jalandhara.

36.275 Der linke Arm ruht auf dem linken Knie. Er sitzt in Utkutasana, durch ein Sitzband gehalten, mit Uma verbunden und vom Mond geschmückt.

36.276 Vor ihm gestalte man den zornigen Jalandhara, vom Diskus niedergeworfen. Dies ist diese göttliche Gestalt; nun folgt die zur Hälfte Hari ist.

36.277 Rechts und links besteht sie aus Rudra und Narayana, rot und dunkel; sie trägt ein Muschelhorn,

36.278 zeigt Furchtlosigkeit und Gnadengewährung und hat ein aufrechtes Stirnauge. Rechts am Kopf trägt sie den Mond, links auf der Brust den Kaustubha-Edelstein.

36.279 Damit ist die halb-Hari-Gestalt erklärt. Nun folgt der Stierreiter: vierarmig, dreiäugig, mit einer Krone aus verfilztem Haar,

36.280 mit schwarzer Antilope und Axt sowie Gnadengewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste. Mit Uma verbunden und auf den Stier gestützt bilde man den Gott, dessen Fahrzeug der Stier ist.

36.281 Oder man gestalte ihn zweiarmig, mit einer Krone aus verfilztem Haar; der rechte Ellenbogen ruht auf dem Kopf des Stieres,

36.282 die andere Hand an der Hüfte. Der rechte Fuß liegt über dem linken, der Körper ist leicht gebogen.

36.283 So ist der Stierträger zweifach beschrieben. Nun folgt der Vernichter der drei Städte: mit einer Krone aus verfilztem Haar, schwarzer Antilope und Axt,

36.284 mit Bogen und Pfeil, leicht gebogen und von Parvati begleitet. Oder man gestalte ihn zweiarmig,

36.285 mit Pfeil und Bogen in den beiden Händen, in der Mitte des Wagens, zusammen mit Guha und Vinayaka. [Die Links-rechts-Zuordnung der Waffen ist im Vers unklar.]

36.286 Damit ist der Vernichter der drei Städte beschrieben. Höre nun den Überwinder des Giftes: Mit Parvati sitzt er bequem auf einem vorzüglichen Sitz,

36.287 hält schwarze Antilope und Axt, zeigt Furchtlosigkeit und trägt in einer weiteren rechten Hand das Gift. Alle Götter verneigen sich vor ihm.

36.288 So gestalte man die friedvolle Form des Giftüberwinders. Die zwanzig Maheshvara- und Rudra-Gestalten sind damit der Reihe nach

36.289 erklärt. Nun beschreibe ich Vishnu und die weiteren Gestalten: Vishnu trägt eine Kirita-Krone, ist dunkel und zweiäugig,

36.290 trägt Muschelhorn und Diskus, das Shrivatsa-Zeichen auf der Brust, zeigt Danda- und Furchtlosigkeitsgeste und ist in ein gelbes Gewand gekleidet.

36.291 Mit Shri und Bhumi verbunden gestalte der ausgezeichnete Bildkundige ihn bequem sitzend, stehend oder liegend.

36.292 Oder man bilde Narasimha mit Muschelhorn und Diskus, in Kukkutasana sitzend und von einem Sitzband gehalten.

36.293 Beide Ellenbogen ruhen auf den Knien. Strahlend, ganz weiß und mit Gefolge soll er sein; die überlieferte Augenbezeichnung »Pithalochana« ist unklar.

36.294 Brahmas Gestalt ist vierarmig, mit einer Krone aus verfilztem Haar, viergesichtig, heiter und mit allem Schmuck versehen.

36.295 Sie trägt ein gebundenes kurzes Untergewand, zeigt frische Jugend, volle, hohe Brüste und eine schöne breite Hüftpartie. [Hier wechselt der Text unvermittelt zu einer weiblichen Gestalt; eine sichere Überleitung fehlt.]

36.296 Rechts und links an den Händen gestalte man Dreizack, Schlinge, Pataka- und Katakamukha-Geste.

36.297 Sie sitzt oder steht in der Mitte eines Lotussitzes. Oder ihre Gestalt wird in anderer Weise beschrieben:

36.298 eingesichtig, heiter, mit Karanda-Krone, zweiäugig und zweiarmig, von dunkelgelblichem Teint.

36.299 Die rechte Hand zeigt Katakamukha, die linke Handfläche lasse man auf dem Sitz ruhen.

36.300 Der linke Fuß ist angewinkelt, der rechte hängt herab. Oder bei der stehenden Form liegt die linke Hand auf dem linken Oberschenkel,

36.301 die rechte ist wie zuvor; die Gestalt trägt allen Schmuck. Damit sind zwei Shakti-Formen beschrieben. Höre nun Vinayaka.

36.302 Er ist dreiäugig, mit Elefantengesicht und Karanda-Krone; er trägt Beil, Schlinge, Stoßzahn und einen Laddu.

36.303 Er hat einen Stoßzahn, einen herabhängenden Rüssel und eine Schlange als heilige Schnur. Rot gekleidet und rotfarbig gestalte man ihn sitzend, stehend

36.304 oder tanzend. Höre nun Skandas Gestalt: sechs Gesichter, zwölf Hände und zwölf Augen,

36.305 mit dem Pfau als Fahrzeug. Rechts zeigt er Furchtlosigkeit und trägt Pfeil, Schwert, Lanze, Vajra und Stab.

36.306 In den anderen Händen trägt er Gnadengewährung, Bogen, Schild, Schlinge, Elefantenhaken und Dreizack. Oder man gestalte ihn vierarmig,

36.307 mit Gnadengewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste, Vajra und Lanze, eingesichtig, heiter, rot und dreiäugig,

36.308 sitzend oder stehend, mit Karanda-Krone. Oder man gestalte ihn zweiarmig, kahlköpfig und einen Stab tragend.

36.309 Seine linke Hand ruht an der linken Hüfte. So sind drei Skanda-Formen erklärt. Die ewige Sonnengestalt

36.310 besitzt einen Strahlenkranz, zwei Augen und zwei Arme, einen roten Körper und ein rotes Gewand.

36.311 Auf einem Lotus steht sie aufrecht und hält Lotusblumen. Durgas Gestalt ist dreiäugig und trägt eine Karanda-Krone,

36.312 hat acht Hände, dunklen Teint und volle, hohe Brüste. Rechts zeigt sie Furchtlosigkeit und trägt Vajra, Schwert und Diskus,

36.313 links Sharika, Muschelhorn, Schild und Bogen. [»Sharika« ist als Attribut nicht sicher bestimmt.] Ihre roten Lotusfüße stehen auf dem Büffelkopf.

36.314 Sie trägt ein gebundenes kurzes Untergewand und ist leicht gebogen. Damit ist Durga beschrieben. Der Herr des heiligen Bezirks ist dreiäugig,

36.315 nackt, achtarmig und mit einer Schellengirlande versehen. Auf dem Kopf trägt er etwas nach oben Gerichtetes; die betreffende Lesung ist unklar. Er ist furchterregend,

36.316 hat ein von Fangzähnen schreckliches Gesicht, aufgerichtetes Haar und wolkendunklen Glanz. Rechts trägt er Dreizack, Schwert, Schlinge und Damaru,

36.317 links Schädel, Waffe, Glocke und Bogen. Die Gestalt steht gerade und aufrecht und trägt Fußringe. [Die Vorlage wiederholt die Bogenbezeichnung.]

36.318 Oder man gestalte ihn vierarmig: rechts Dreizack und Damaru, links Schädel und Schlinge, von den Göttern verehrt.

36.319 Chandesha gestalte man vierarmig und dreiäugig, mit zerstreutem Haar, Dreizack und Schlinge in den Händen,

36.320 die übrigen Hände gefaltet, sitzend oder stehend. Oder zweiarmig und zweiäugig mit gefalteten Händen,

36.321 das Beil am Ellenbogen, stehend oder sitzend. Oder er hält in der rechten Hand das erhobene Beil,

36.322 während die linke Hand auf dem linken Knie ruht, auf einem vorzüglichen Sitz sitzend. Nach Wunsch gestalte man eine dieser Chanda-Formen.

36.323 Damit ist Chanda beschrieben. Moti ist zweiäugig, trägt ein bimbafarbenes Gewand und hat ein heiteres Gesicht; beide Beine hängen herab.

36.324 Rechts zeigt sie die Kataka-Geste, links stützt sie sich auf den Sitz. So gestalte man Jyeshtha. Rechts und links neben ihr

36.325 befinden sich eine männliche und eine weibliche Gestalt; die männliche hat ein Stiergesicht. Sie besitzt ein Krähenbanner. Shastri gestalte man jugendlich,

36.326 dunkel, zweiäugig und zweiarmig, mit zerstreutem Haar, rechts einen Stab haltend, die linke Hand herabhängend,

36.327 sitzend oder stehend. Nun die Richtungshüter: Indra ist dunkel, Yama schwarz, Varuna kristallhell,

36.328 Kubera goldfarben; Agni, Nirriti, Vayu und Ishana sind der Reihe nach rot, rauchfarben, schwarz und weiß.

36.329 Alle haben zwei Augen und zwei Arme und tragen ihre eigenen Waffen. Indra trägt eine Kirita-Krone, Agni aufwärts flammendes Haar.

36.330 Ishana hat eine Krone aus verfilztem Haar und drei Augen; die übrigen werden alle mit Karanda-Kronen beschrieben. [Ishanas drei Augen sind die ausdrücklich genannte Ausnahme zur allgemeinen Zweiaugigkeit.]

36.331 So sind die Richtungshüter gestaltet. Höre nun die Mütter: Brahmi gleicht Brahma, Maheshi Maheshvara,

36.332 Kaumari Guha, Vaishnavi Vishnu; Varahi besitzt ein Ebergesicht, Indrani gleicht Indra.

36.333 Alle haben heitere Gesichter und volle, hohe Brüste. Chamunda gestalte man dreiäugig und vierarmig,

36.334 mit gebundenem Untergewand und zornig verzogenen Brauen. Die Haube eines Schlangenfürsten über ihren beiden Brüsten macht sie furchterregend.

36.335 Sie trägt Glocken und Fußringe, ihr Haar ist zerstreut und aufgerichtet; über der Stirn trägt sie einen menschlichen Schädel und einen Schlangenkönig.

36.336 Rechts trägt sie einen Dreizack an der Fußseite, links Schädel und Schlinge, von furchtbarer Kraft. [Die Verteilung auf vier Hände ist nicht vollständig ausgeführt.]

36.337 Oder sie besitzt acht Hände, rechts Dreizack, Schwert, Trommel und Messer, in den anderen Schädel,

36.338 Glocke, Schlange und Schlinge; sie erschreckt alle Welten. Virabhadra, der Herr der Ganas, besitzt zerstreutes, gelocktes Haar,

36.339 vier Arme und drei Augen, schwarze Antilope und Axt. Man gestalte ihn bequem sitzend oder in Virasana.

36.340 Alle Mütter werden bequem sitzend beschrieben; ihr linkes Bein ist angewinkelt, das rechte hängt herab.

36.341 So sind die Mütter samt Gefolge beschrieben. Alle Rudras sind dreiäugig und vierarmig, mit Axt und Hirsch,

36.342 kraftvoll und mit einer Krone aus verfilztem Haar. Die Adityas gestalte man alle nach der Form Martandas.

36.343 Alle Vasus sind zweiarmig, mit Schwert und Schild, mit Karanda-Krone und zwei Augen.

36.344 Die Vidyeshvaras werden dreiäugig und vierarmig beschrieben: Gnadengewährung und Furchtlosigkeit sowie Dreizack und Gebetskette in den Händen.

36.345 Die acht Gottheiten, beginnend mit Bhava, sind dreiäugig und vierarmig; alle tragen Dreizack und Schlinge und zeigen Gnadengewährung und Furchtlosigkeit.

36.346 Nandi und Mahakala am Tor gestalte man zwei- oder vierarmig, mit Stäben in den Händen, in Pratyalidha-Stellung.

36.347 Ihre Gesichter sind durch Fangzähne schrecklich und durch zornig verzogene Brauen gekrümmt. Zornig bedrohen sie die Feinde, dreiäugig und die Welten erschreckend.

36.348 Shailadi gestalte man dreiäugig und vierarmig, mit einer Krone aus verfilztem Haar, rechts Dreizack und Furchtlosigkeitsgeste,

36.349 links Stab und Gebetskette. Sein Gesicht ist von Fangzähnen schrecklich; oder er besitzt ein Löwengesicht.

36.350 Shri gestalte man auf einem Lotussitz, mit Karanda-Krone und zwei durch Lotusblumen leuchtenden Händen,

36.351 gelbfarben, großäugig, mit vollen, hohen Brüsten. Sarasvatis Gestalt besitzt vier Hände und drei Augen,

36.352 rechts die Lehrgeste und Gebetskette, links Buch und Wassergefäß; sie befindet sich auf einem weißen Lotus.

36.353 Oder man gestalte sie aufrecht stehend, zweiarmig und zweiäugig. Den Kruggeborenen, Agastya, bilde man mit heiliger Schnur,

36.354 mit einer Krone aus verfilztem Haar, langem Bart und zwei Armen, mit Sandamsha-Geste und Wassergefäß, großbäuchig und klein von Gestalt.

36.355 Den vortrefflichen Rishi Narada bilde man mit einer Vina in der Hand. Die achtzehn Gana-Klassen gestalte man zweiarmig und zweiäugig.

36.356 Für alle fertige man eine Krone von zwölf Angula Höhe. Bhringisha bilde man mit drei Händen, drei Beinen und drei Augen,

36.357 tanzend, den Körper auf Haut und Knochen reduziert. Auch viele andere Gana-Herren bilde man, kleinwüchsig und mit verfilztem Haar,

36.358 furchterregend oder heiter, kurzhalsig, großbäuchig, großleibig, mit großen Nasen und großen Ohren,

36.359 mit Löwen- oder Elefantengesichtern, in verschiedenen Farben und Gestalten. Alle Bilder sollen die heilige Schnur tragen.

36.360 Bei der Shiva genannten Gestalt fertige man die Axt; die Körperglieder arbeite man vorne deutlich aus, hinten hingegen nicht. [Der Kontext der Reliefvorschrift ist unklar; die Lesung wird nicht zur Regel für sämtliche Rundbilder erweitert.]

36.361 Menschen, die die Gleichgestaltigkeit mit Shiva erlangt haben, heißen Rudras Diener. Ihre Bilder sind mit meinen Kennzeichen zu gestalten.

36.362 Menschen dieser Welt, die als Verehrer besondere Tugenden besitzen, bilde man tanzend oder sich nähernd,

36.363 oder sich verneigend, je nach Wunsch, bester der Götter. Höre nun kurz auch die Merkmale des Stieres.

36.364 Man bemesse ihn nach der Türhöhe: Ein Neuntel ergibt das kleinste Maß, alle neun Teile das größte.

36.365 Dazwischen gestalte der ausgezeichnete Bildkundige sieben Größen. Oder das Maß übersteige die Türhöhe um ein Viertel oder die Hälfte,

36.366 betrage das Eineindreiviertelfache oder das Doppelte. Dieses Maß erstreckt sich vom Schwanzansatz bis zum Kopf.

36.367 Bei Tieren wie Pferden ist das Hauptmaß horizontal; die Höhe wird von den Hufen bis zum Scheitel bestimmt.

36.368 Das Auge ist zwei Angula lang und halb so breit; seine Erhebung beträgt wiederum die Hälfte davon. Das Gesicht misst sechzehn Angula.

36.369 Die Nase ist um ein Viertel kürzer. Die Hornwurzeln messen vier Angula; zwischen ihnen liegen acht Angula.

36.370 Die Hornhöhe beträgt vier Angula, ebenso der Abstand zwischen Auge und Ohr. Der Huf misst drei Angula, der Unterschenkel fünf.

36.371 Für die Schädelpartie ist das »Chakra-Maß« angegeben, für den unteren Oberschenkel sechs Kala. Die entsprechenden vorderen Beinabschnitte haben dasselbe Maß. [Die Lesung der Schädel- und Beinmaße ist unsicher.]

36.372 Der Schwanz reicht bis zum Fußansatz, seine Breite beträgt vier Angula; an der Spitze gestalte man eine Breite von einem Angula.

36.373 An der Wurzel ist er zwei Angula breit. Das Übrige gestalte man nach angemessenem Verhältnis. Den Stierfürsten aus Metall bilde man stehend oder liegend.

36.374 Stein- und Tonformen gestalte man liegend, mit einer Glocke am Hals oder mit dem »Kusha« genannten Zubehör. [Das letzte Ausstattungswort ist unklar.]

36.375 Damit sind die Merkmale des Stieres erklärt. Nun folgen die Berechnungen von Aya und den übrigen Werten: Aya, Vyaya, Yoni, Nakshatra, Wochentag und Amsha.

36.376 Diese sechs sollen die Lehrer für alle Gegenstände bestimmen. Aya bezeichnet den Vermögenszuwachs, Vyaya den Vermögensverlust.

36.377 Die acht Yonis heißen Banner, Rauch, Löwe, Hund, Stier, Esel, Elefant und Krähe.

36.378 Die Mondhäuser beginnen mit Ashvini, die Wochentage mit dem Sonntag. Die Amshas heißen Dieb, Genuss, Kraft, Vermögen, König,

36.379 Unvermögen, Furchtlosigkeit, Unglück und zuletzt Gedeihen. Die drei Linga-Arten sind in Maß-Angula zu bemessen.

36.380 Sänfte, Wagen, Bett und Ähnliches werden in Tala gemessen, Tempelgebäude und Hallen in Ellen.

36.381 Das in Angula oder den entsprechenden Einheiten ausgedrückte Maß des gewählten Gegenstandes vervielfache man mit acht; daraus gewinne man den gewünschten Aya-Wert. [Die zur Restbestimmung notwendige Teilung ist hier nicht angegeben.]

36.382 Mit neun vervielfacht und durch zehn geteilt ergibt es Vyaya. Mit drei vervielfacht und durch acht geteilt

36.383 ergibt der Rest die Yoni. Mit acht vervielfacht und durch die Zahl der Mondhäuser geteilt ergibt der Rest das mit Ashvini beginnende Mondhaus.

36.384 Mit neun vervielfacht und durch sieben geteilt ergibt der Rest den Wochentag. Weiter mit vier vervielfacht

36.385 und durch neun geteilt ergibt der Rest den mit »Dieb« beginnenden Amsha. Ein Maß ist anzunehmen, wenn der Zuwachs überwiegt; überwiegt der Verlust, ist es zu verwerfen.

36.386 Unter den Yonis gelten Banner, Löwe, Elefant und Stier als glückverheißend. Bei den Mondhäusern sind Vipat, Pratyara und Naidhana

36.387 sowie das achte Mondzeichen und Vainashika sorgfältig zu meiden, gerechnet vom Mondhaus des Königs, des Dorfes oder des jeweiligen Bezugspunktes.

36.388 Donnerstag, Freitag, Mittwoch und Montag gelten als günstig. Unter den Amshas gelten Genuss, König, Kraft, Vermögen,

36.389 Furchtlosigkeit und Gedeihen als günstig, diese sechs. Überwiegt das Günstige die Hälfte, nehme man das Maß an; überwiegt das Ungünstige, verwerfe man es.

36.390 Nach dieser Prüfung lasse der ausgezeichnete Bildkundige Lingas und die übrigen Gegenstände gestalten.

Kapitel 37: Die Hallen

37.1 Ich erkläre nun die Merkmale der Hallen; höre zu. Ihre Maße beginnen bei drei Ellen und nehmen schrittweise in ganzen Ellen zu,

37.2 bis zu einunddreißig Ellen. Neunundzwanzig Größen werden genannt; ihre Merkmale werden nun erläutert. [Die zusätzliche Bezeichnung der Maße als »ungerade« in 37.1 stimmt mit neunundzwanzig Größen nicht überein.]

37.3 Alle Hallen werden als regelmäßig quadratisch beschrieben. Nun erkläre ich die Säulenhöhen in Ellen.

37.4 Beginnend bei zweieinhalb Ellen nehmen sie jeweils um drei Angula zu, bis zu neun Ellen.

37.5 So sind für die Hallen dreiundfünfzig Säulenhöhen angegeben. Ein Achtel, Neuntel oder Zehntel der Säulenhöhe

37.6 bilde man als Säulenbreite. Die Breite einer Wandsäule beträgt die Hälfte oder drei Viertel davon.

37.8 Die Säulenformen wurden bereits bei den Tempelmerkmalen beschrieben. Damit ist die Säulenlänge erklärt; höre die Achsabstände: Von eineinviertel Ellen an, jeweils um sechs Angula zunehmend bis zu fünf Ellen, ergeben sich sechzehn Maße. [Die Vorlage überspringt die Nummer 7.]

37.10 Oder die Achsabstände werden nach dem Säulenmaß bestimmt; Abstände und Säulen ordne man angemessen zu. Eine Halle mit einer Feldreihe und vier Säulen heißt Shrikara; mit drei Feldreihen und sechzehn Säulen heißt sie Shribhadra. [Die Vorlage überspringt die Nummer 9.]

37.11 Wird die Anordnung jeweils um vier Säulen vermindert, heißt sie Shrivishala. [Die Aussage zur Längsrichtung ist unklar.] Die nächste hat fünf Feldreihen,

37.12 sechsunddreißig Säulen und eine wie zuvor bestimmte Säulenanordnung. Außerhalb davon kommen zwölf Säulen hinzu und nochmals außerhalb

37.13 zwanzig; sie heißt Shribhoga. Eine Halle mit sieben Feldreihen und vierundsechzig Säulen,

37.14 mit entsprechender Säulenverminderung wie zuvor, heißt Shrikuta. Eine weitere hat neun Feldreihen und hundert Säulen,

37.15 deren Anordnung wie zuvor bestimmt wird, außen zwölf weitere; eine äußere Gruppe von achtundvierzig Säulen wird ausgelassen,

37.16 und ringsum außen befinden sich sechsunddreißig Säulen. Oder man lässt die vier mittleren Säulen fort, hat darum

37.17 zwölf Säulen und außen eine um zwanzig verminderte Anordnung. Diese Halle heißt Sarvatomukha, Janardana. [Die Säulenfolgen 37.11–17 sind teilweise verkürzt und nicht zu einem eindeutigen Grundriss ergänzt.]

37.18 Nun erkläre ich die Längsausdehnung der Hallen. Bis die Halle doppelt so lang wie breit ist,

37.19 vermehre man die Feldreihen jeweils um eine. In der Längsrichtung lasse man Säulenplätze nach angemessener Anordnung fort.

37.20 Die Wanddicke beträgt das Dreifache, Zweieinhalbfache oder Dreieinhalbfache der Säulenbreite.

37.21 Bei einer quadratischen Wandsäule beträgt ihr Vorsprung ein Viertel ihrer Breite, bei einer runden die Hälfte ihres Durchmessers.

37.22 Rings um die Halle kann man einen Umgang von einer Feldreihe anlegen. Dessen Säulenhöhe beträgt die Hälfte der Hauptsäulenhöhe

37.23 oder drei Viertel davon; die Säulenform entspricht der Hauptform. An allen vier Seiten der Halle ordne man Ausgänge an,

37.24 oder an drei, zwei oder einer Seite. Der Vorbau springe eine Feldreihe vor und sei drei Feldreihen lang,

37.25 oder Länge und Breite seien gleich. Dort gestalte man eine Treppe mit zwei elefantenrüsselförmigen Wangen,

37.26 seitlich oder vorne, mit einer dreifachen Anordnung; oder die Treppe werde außerhalb des Ausganges nach ihren Merkmalen angelegt. [Der Bezug der Zahl drei bleibt unklar.]

37.27 Nun wird der Unterbau aller Hallen erklärt. Seine Höhe beträgt die Hälfte der Säulenhöhe, zwei Fünftel

37.28 oder ein Drittel. Man kann ihn mit einem zusätzlichen Untersockel oder nur als Untersockel gestalten.

37.29 An der Säule fertige man eine Bodhika-Konsole; ihre Merkmale werden nun genannt. Ihre Breite entspricht der Breite des Säulenfußes.

37.30 Ihre Länge beträgt fünf, vier oder drei Danda, ihre Höhe die halbe oder ganze Breite.

37.31 Damit ist die Bodhika beschrieben. Nun folgt das Gebälk: Seine Höhe beträgt die Hälfte oder ein Drittel der Säulenhöhe.

37.32 Die Aufteilung des Gebälks in einzelne Glieder gestalte man wie zuvor. Damit ist sein Maß erklärt; höre nun die inneren Bauteile.

37.33 Der Uttara-Balken ist ein Danda, drei Viertel oder ein halbes Danda hoch; die Vajana-Leiste misst ein Viertel davon.

37.34 Die Breite des Tula-Balkens beträgt das Zwei-, Drei- oder Vierfache der Vajana; seine Dicke entspricht seiner Breite,

37.35 oder ist um ein Viertel oder die Hälfte geringer. Die Jayanti-Breite beträgt die Hälfte oder drei Viertel davon.

37.36 Das Anumarga-Glied misst wiederum die Hälfte. Darüber decke man mit Ziegeln und ähnlichen Materialien und bilde oben eine schirmförmige geschlossene Deckung.

37.37 Jede Halle vor dem Gott gestalte man mit einem Zwischenraum. Dieser kann eine, zwei, drei oder vier Feldreihen lang sein.

37.38 Seine Breite entspricht der Halle oder ist um eine Feldreihe kleiner; sie kann auch um zwei, drei oder vier Danda vergrößert sein.

37.39 So sind die Maße des Zwischenraumes; oder er greift zwei Danda ein. Bei jeder Halle vor dem Gott gestalte man Sockel und Säulen

37.40 sowie Gebälk in Übereinstimmung mit dem Tempelbau. Bei anderen Hallen sind Öffnungen nach allen vier Richtungen zulässig.

37.41 Die Fronten ordne man angemessen mit Ausgängen an, mit sämtlichem Schmuck und allen vorgeschriebenen Merkmalen. Die ganze Halle lasse man aus Stein, Holz oder Ziegeln errichten.

Kapitel 38: Die Umfassungen des Tempels

38.1 Ich erkläre die Merkmale der Tempelumfassungen; höre gesammelt zu. Die Breite des Tempelgebäudes nehme man als eine Danda-Maßeinheit.

38.2 Diese Danda-Einheit wird nun dreifach bestimmt: Die größte wird an der Upana-Basis, die mittlere am Kairava-Glied gemessen,

38.3 die kleinste an den Säulenbegrenzungen. Man wähle eines dieser Maße und gestalte danach sachkundig die Umfassungen.

38.4 Die erste heißt Antarmandala, die zweite Antarhara, die dritte Madhyahara, die vierte Maryadabhitti;

38.5 als fünfte gestalte man die Mahamaryadabhitti. Der Abstand für Antarmandala beträgt ein halbes Danda,

38.6 für Antarhara ein Danda, für die dritte Umfassung zwei, für die Maryadabhitti vier Danda,

38.7 für die Mahamaryadabhitti sieben. Oder der Lehrer bemesse die fünf Umfassungen in Ellen.

38.8 Die Antarmandala genannte Umfassung setze er in sieben Ellen Abstand an, außen daran Antarhara mit acht Ellen,

38.9 Madhyahara mit dreizehn, Maryadabhitti mit sechzehn und die äußerste Mahamaryadabhitti mit zwanzig Ellen.

38.10 So sind fünf Umfassungen erklärt. Alternativ werden für ihre kleinsten Abstände zum jeweiligen Hofrand der Reihe nach drei, fünf, vier, neun und elf Ellen angegeben. Durch Zunahme um jeweils eine Elle entstehen je neun Größen, vom kleinsten bis zum größten, insgesamt fünfundvierzig. [Die Ausgangszahl vier in der dritten Stufe ist auffällig; die Lesung bleibt erhalten.]

38.11 Das Antarmandala-Maß bestimme man von der Upana-Basis an. Weiter außen bestimme man die folgenden Maße jeweils von der Messlinie nach außen,

38.12 für vier beziehungsweise fünf Umfassungen in der angegebenen Folge. So ist die größere Zahl der Umfassungen beschrieben; nun folgt die kleinere.

38.13 Darunter steht der Tempel mit drei Umfassungen, darunter der mit zwei; ein Gebäude mit einer Umfassung wird als Abhasa bezeichnet.

38.14 Man errichte sie zum Schutz und zur Verschönerung des Tempels. Für die entsprechende Breite aller Umfassungen nehme man das Antarmandala-Maß, drei Viertel davon oder die Hälfte,

38.15 oder bemesse die Breite am oberen Balken mit drei, zwei oder einer Elle. [Der Übergang von Hofabständen zu Baubreiten ist verkürzt.]

38.16 Als Längsausdehnung gilt das um ein Viertel, die Hälfte oder drei Viertel vermehrte Breitenmaß,

38.17 oder das Doppelte, Dreifache oder Vierfache. So ist die Längsausdehnung der Umfassungen erklärt, Janardana.

38.18 Die Mauer kann außerhalb oder innerhalb der Messlinie liegen; auch ihre Mitte kann mit der Messlinie zusammenfallen.

38.19 Als Ausgangswanddicke sind vierundzwanzig Angula angegeben. Nach außen vermehre man die Dicke der vier weiteren Umfassungen jeweils um zwei oder drei Angula.

38.20 Nun wird ihre Höhe genannt. Bei kleinen Heiligtümern kann die Umfassung so hoch wie der Tempel sein, ein Viertel höher

38.21 oder um die Hälfte höher. Bei anderen kann sie bis zur Säulenhöhe oder bis zum Gebälk reichen,

38.22 bis zum Halsglied oder bis zur Höhe des Dachaufsatzes. Oder man bemesse die Umfassung mit sechs, sieben oder acht Ellen Höhe.

38.23 Sie sei mit Kutas, Panjaras, Shalas und Toranas versehen, mit den zugehörigen Gliedern und Säulen und allem Schmuck.

38.24 Oben trage sie Stierfiguren und vielerlei Bildschmuck. Oder man errichte sie schlicht oder in Form einer umlaufenden Galerie.

38.25 Bei einer solchen Galerie bis zur Wand gelten drei Feldreihen als höchste, zwei als mittlere und eine als kleinste Ausführung.

38.26 Feldabstände, Säulen und Sockel gestalte man wie zuvor. Die Galerie kann zweigeschossig oder eingeschossig sein.

38.27 Oder man bilde eine Shala-Form ohne Wasserablauf. Bei nur einer Umfassung lasse man die erste und fünfte Position aus

38.28 und wähle nach den örtlichen Möglichkeiten eine der drei übrigen. Sockelglieder und weitere Bauteile gestalte man nach Wunsch.

38.29 Damit ist die Anlage der Umfassungen rings um den Tempel beschrieben. Antarmandala besitzt ein Tor an der Vorderseite.

38.30 Für alle anderen Umfassungen sind vier Tore vorgesehen, oder zwei, vorne und hinten.

38.31 An jedem Tor kann ein Gopura stehen oder nur eine einfache Toröffnung bestehen. Die Gopuras sind mit den vorgeschriebenen Merkmalen zu errichten.

38.32 An der Mahamaryadabhitti ist ein großes Gopura vorgesehen. Seine größte Breite beträgt fünfzehn Ellen,

38.33 die mittlere dreizehn, die kleinste elf. Bei der Maryadabhitti beträgt die kleinste Torbaubreite neun Ellen,

38.34 die mittlere elf und die größte dreizehn. Das Gopura der Madhyahara ist in der größten Form elf Ellen breit,

38.35 in der mittleren neun und in der kleinsten sieben. Bei Antarhara beträgt die größte Breite neun Ellen,

38.36 die mittlere sieben, die kleinste fünf. Für das Torgopura von Antarmandala gilt

38.37 eine größte Breite von sieben Ellen, eine mittlere von fünf und eine kleinste von drei. Nun wird ihre Höhe erklärt.

38.38 Sie entspricht dem Tempel oder reicht bis zu dessen Dachaufsatz; oder sie beträgt das Eineinhalbfache der eigenen Breite,

38.39 das Eineindreiviertelfache oder Doppelte. Bei der fünften und ersten Umfassung ist die Gopura-Form vorgesehen.

38.40 Bei den übrigen kann man eine geschmückte tempelartige Form errichten. Nun erkläre ich besonders die Höhe der Gopura-Türöffnungen.

38.41 Sie reicht von der Upana-Basis bis zum Uttara-Balken; die Breite ist die Hälfte davon. Oder die kleinste Türhöhe beträgt neun Tala,

38.42 die mittlere zehn und die größte elf. Die Türbreite wird auch als um ein Viertel geringer als die Höhe angegeben. [Diese Alternative unterscheidet sich ausdrücklich vom Halbmaß in 38.41.]

38.43 Damit sind die Umfassungen beschrieben. Nun folgt, was in ihnen liegt: Im Südosten richte man die Küche mit vier Gebäudeflügeln ein.

38.44 Zwischen Osten und Südosten liegt der Raum für Beilagen und Zutaten, zwischen Süden und Südosten der Ort des Badewassers.

38.45 Zwischen Süden und Südwesten liegt die Blumenhalle; sie kann auch zwischen Südwesten und Westen liegen.

38.46 Im Südwesten richte man den Aufbewahrungsort für Vermögen und Getreide ein, zwischen Südwesten und Westen die Halle zum Hören des Dharma.

38.47 Zwischen Nordwesten und Westen liegt der Ort des Studiums, im Nordwesten das Waffenhaus zusammen mit dem Kleiderhaus.

38.48 Zwischen Nordwesten und Norden ist der Schlafraum vorgesehen, zwischen Norden und Nordosten der Aufbewahrungsort für Schirme und ähnliches Gerät.

38.49 Im Nordosten errichte man die vorzügliche Opferhalle. Dort im inneren Hof wird auch der Platz für den Brunnen angegeben.

38.50 Zwischen Nordosten und Osten ist ein Getreidelager vorgesehen. Alle diese genannten Einrichtungen, bester der Götter,

38.51 ordne man an den Mauern der drei mittleren Umfassungen an; Antarmandala und Mahamaryadabhitti bleiben davon ausgenommen.

38.52 Die Plätze aller figürlichen Gottheiten gestalte der Kundige ringsum an den Umfassungen, dem Haupttempel zugewandt.

38.53 Oder der vortreffliche Lehrer lasse sie unabhängig von der Mauer im Hof errichten.

Kapitel 39: Heiligtümer der Begleitgottheiten

39.1 Ich erkläre die Heiligtümer der Begleitgottheiten; höre gesammelt zu. Sie befinden sich rings um die Tempel in den Umfassungen.

39.2 Im Antarmandala liegt zunächst die Gruppe von acht Begleitgottheiten; im Bereich des Antarhara errichte man die Gruppe von sechzehn,

39.3 im Madhyahara die Gruppe von zweiunddreißig. Ihre Heiligtümer können an der Mauer oder im dazwischenliegenden Bereich stehen.

39.4 Nun werden die Maße aller Begleitheiligtümer angegeben. Man teile die Breite des inneren Schreins des Haupttempels in fünf Teile.

39.5 Das Begleitheiligtum kann dieses Maß um einen oder zwei Teile übersteigen oder entsprechend kleiner sein.

39.6 Mit der gleichen Größe ergeben sich fünf Maße. Die Türen dieser Heiligtümer richte man zum Haupttempel hin aus.

39.7 Für Bilder und andere Bestandteile gelten die bereits genannten Merkmale. Vorne, am Rand der Halle, errichte man das Stierheiligtum.

39.8 Im Südosten stehe Brahmas Heiligtum, im Süden das der Mütter, im Südwesten das Vinayakas mit einer Tür nach Osten.

39.9 Im Westen liege Skandas Heiligtum, im Nordwesten Jyeshthas, im Norden das Kaushikis oder Vishnus.

39.10 Dessen Tür richte man wie beim Haupttempel aus. Im Nordosten errichte man das Sonnenheiligtum mit einer Tür nach Westen.

39.11 Chandeshas Heiligtum richte man im Bereich des nichtfigürlichen Linga im Nordosten ein, mit einer Tür nach Süden und einer Vorhalle. [Die Bereichsbezeichnung ist verkürzt.]

39.12 Das Stierheiligtum hat vier Türen und Hallenform. Brahmas Heiligtum ist quadratisch, das der Mütter gopuraartig.

39.13 Dessen Länge beträgt das Doppelte seiner Breite. Ganeshas Heiligtum ist elefantenrückenförmig; anschließend wird Guhas Heiligtum genannt,

39.14 für das ebenso wie für Jyeshtha und Durga die Nagara-Form gilt. Vishnus Heiligtum wird als Dravida-Form bestimmt; für die Sonne gilt die entsprechende Vorschrift. [Die Satzverbindung der Bauformen ist gedrängt.]

39.15 Alle Begleitheiligtümer errichte man eingeschossig. Damit sind die Bauten erklärt; nun folgen die Opferpodeste.

39.16 Im Antarmandala, frei oder an der Mauer, fertige man ein Bali-Podest von sechs Angula Breite.

39.17 Dies ist die kleinste Größe; das Doppelte ist die mittlere, das Dreifache die höchste. Alle Podeste können quadratisch oder rund sein.

39.18 Ihre Höhe entspricht der Breite, drei Vierteln oder der Hälfte davon. Man gestalte sie mit drei, zwei

39.19 oder einem umlaufenden Band und oben mit einem Lotus. Das Lotuspodest bilde man lotusförmig samt Samenkapsel.

39.20 Für die Mütter gibt es neun Podeste, für Jyeshtha drei, für die anderen jeweils eines, ebenso für Chandesha.

39.21 Wo auf ein Bild verzichtet wird, genügt ein Podest, ausgenommen Chandeshvara. Damit ist die Gruppe von acht Begleitgottheiten beschrieben; nun folgen die sechzehn.

39.22 Bei einem Tempel mit Westtor steht Guha am Platz des Stieres und der Stier am Platz Guhas; alles Übrige bleibt wie zuvor.

39.23 Nun wird die zweite Gruppe aus sechzehn Begleitgottheiten erklärt. Man ordne die Richtungshüter im Osten beginnend an ihren Orten an.

39.24 Sonne und Mond stehen rechts und links von Indra; Narada und Agastya entsprechend neben Yama,

39.25 Shri und Sarasvati neben Varuna, Vyasa und Vagisha neben Kubera.

39.26 Damit ist die zweite Gruppe aus sechzehn Begleitgottheiten erklärt. Nun folgt die dritte Gruppe aus zweiunddreißig.

39.27 Dhara, Dhruva, Soma, Apa, Anila, Anala, Pratyusha und Prabhasa: Diese acht Vasus nehmen die Richtungen ein.

39.28 Gagana, Sparshana, Vayu, Anila, Maruta, Prana, Pranesha und Jivesha werden als die acht Maruts genannt.

39.29 Sie stehen zwischen den Vasus, im Osten beginnend. Ananta, Vasuki, Taksha, Karkotaka,

39.30 Gulika, Shankhapala, Mahapadma und Padmaka: Diese acht großen Nagas stehen rechts von den Maruts.

39.31 Ihren Oberkörper gestalte man menschlich; am Nacken und seitlich des Kopfes umgeben sie Schlangenhauben.

39.32 Den Unterkörper bilde man bei allen schlangenförmig. Vikrita, Vivritasya, Pavana, Ganapavana,

39.33 Pramatha, Mathakari, Maruta und Mahendraka: Diese acht Pramathas stehen links von den Maruts.

39.34 Kshetrapala gestalte man im Nordosten des Antarhara. Fehlt ein Bild, setze der vortreffliche Einweihende die Gottheit auf einem Podest ein.

39.35 Liegt am genannten Platz ein Tor, passe man die gesamte Anordnung daran an. Von diesen drei Begleitgruppen kann man die gewünschte gestalten,

39.36 oder zwei oder alle drei, entsprechend den räumlichen Möglichkeiten. Die Bali-Darbringung für die Begleitgottheiten beginne vorne

39.37 und folge der Rechtsumwandlung, verbunden mit Duft, Blumen und weiteren Gaben. Besonders bringe man Bali unter den jeweiligen Namensmantras dar.

39.38 Beim Überschreiten des Somasutra besteht hier nicht der Fehler des Überschreitens abgelegter Opfergaben. Wechselt man jedoch zwischen Rechts- und Linksumgang, gehen König und Reich zugrunde. [Die Sonderregel bezieht sich auf den hier beschriebenen Bali-Umlauf.]

39.39 Darum bringe man Bali mit aller Sorgfalt im Rechtsumlauf dar. Befinden sich die Begleitgottheiten innerhalb einer Galeriehalle,

39.40 stelle man außen ein Podest auf und bringe ihnen dort Bali dar. Bei von einer Halle umgebenen Gottheiten verfahre man wie zuvor.

39.41 Zwei große Opferpodeste errichte man, außen und innen, am vorderen Gopura und an der Grenze des inneren Bereichs.

39.42 Als Abstand ihres Standortes werden drei bis fünfzehn Ellen genannt. Nun folgen ihre Merkmale.

39.43 Die Maße beginnen bei drei Tala und nehmen um jeweils sechs Angula zu, bis zu sieben Tala.

39.44 Man wähle eines dieser Maße und führe danach den Bau aus. Die Höhe des Podestes entspricht seiner Breite.

39.45 Bei sechzehn Teilen Gesamthöhe entfällt einer auf Paduka, vier auf Jagati und drei auf Kairava.

39.46 Ein Teil bildet die Pattika, drei den Hals; darüber fertige der Kundige eine weitere Pattika von einem Teil.

39.47 Die große Platte misst zwei Teile, die obere Platte einen. Darüber bilde man einen Lotus, halb so hoch wie seine Breite.

39.48 Ein Drittel seiner Höhe entfällt auf die Samenkapsel, zwei Drittel auf die Blätter. So gestalte man das Podest.

39.49 An seinen Ecken bilde man vier gleiche Stierfürsten. Oder man teile bei einer anderen Form die Höhe in einundzwanzig Teile.

39.50 Je einen Teil erhalten Upana, Lotus, Hals, weiterer Lotus und Platte; diese fünf bilden den Untersockel. Das Übrige gestalte man wie zuvor.

39.51 Die vier Ecken versehe man mit großen Bhutas und ähnlichen Figuren. Die Höhe des Untersockels beträgt ein Achtel der Podestbreite.

39.52 Man kann das Podest mit Untersockel und Treppe ausführen. Die Breite ist für das äußere und innere Podest entsprechend festzulegen.

39.53 Damit sind die Podeste beschrieben. Höre ihre Gottheiten: Am ersten ist Ganeshvara gegenwärtig, am zweiten die acht Gana-Gruppen.

39.54 Ihnen bringe man dort bei täglichen und anlassbezogenen Riten Bali dar. Die Podeste sind aus Stein oder aus gebrannten Ziegeln mit Mörtel herzustellen.

Kapitel 40: Die Einweihung der Götterbilder

40.1 Ich erkläre die Einweihung der Götterbilder; höre gesammelt zu. Es gibt den alleinstehenden Gott, den mit Uma verbundenen und den mit Ambika und Guha verbundenen,

40.2 den mit Brahma und Keshava verbundenen, den mit Uma, Shri, Vishnu und dem Lotusgeborenen verbundenen, den zur Hälfte Vishnu und den zur Hälfte Gauri enthaltenden: sieben Formen.

40.3 Zuerst beschreibe ich die alleinstehende Form, bester der Götter. Sie ist die Einweihung Shivas allein.

40.4 Nun wird die Halle für die Einweihung aller Formen erklärt. Vor dem Tempel, rechts oder links davon

40.5 oder im Nordosten errichte man sie mit allen Merkmalen. Für die großen Bildmaße sind fünfundzwanzig Ellen bei einem fünfzehn Ellen hohen Bild,

40.6 sechzehn Ellen bei einem zehn Ellen hohen und fünfzehn Ellen bei einem fünf Ellen hohen Bild angegeben. [Der Zusammenhang der ersten beiden Maßpaare ist im Sanskrit gedrängt.]

40.7 Bei diesen drei Hallen mit sechsunddreißig Säulen lasse der kundige Lehrer die vier mittleren Säulen fort,

40.8 um Platz für den Altar zu schaffen. Für andere Bildgrößen errichte man die Halle in der größten Form mit zwölf Ellen, in der mittleren mit sieben,

40.9 in der kleinsten mit fünf Ellen, jeweils mit sechzehn Säulen. Alle werden mit zwölf Tala Höhe beschrieben.

40.10 Die Bodenplattform ist ein Tala hoch, der Altar zwei Tala. Die Feuergruben errichte man im Osten beginnend nach ihren Merkmalen:

40.11 quadratisch, yoniförmig, halbmondförmig, dreieckig, rund, sechseckig, lotusförmig und achteckig.

40.12 Zwischen Nordosten und Osten liege die runde Hauptgrube. Halle, Feuergruben und Altar bestreiche man mit Kuhdung.

40.13 Man speise dort Brahmanen und bestreiche danach erneut mit Kuhdung. Nach Ausrufung des segensreichen Tages lasse man das Vastu-Feueropfer vollziehen.

40.14 Nun werden die vorbereitenden Handlungen der Einweihung erklärt. Wenn die Bildhauerarbeit mit Ausnahme des Öffnens der Augen abgeschlossen ist,

40.15 bereite man auf einer quadratischen, mit Kuhdung bestrichenen Fläche einen Opfergrund aus Reis, versehen mit weißen Blumen und ungebrochenen Reiskörnern.

40.16 Dort nehme man den Sockel, besprenge ihn unter dem Waffenmantra mit Wasser und setze ihn auf. In seiner Mitte verehre man Ananta als Sitzgrundlage.

40.17 Der Kundige lege Edelsteine ein, von der Mitte bis zum Nordosten: in die Mitte Rubin, im Osten Smaragd,

40.18 im Südosten Vaidurya, im Süden Saphir, im Südwesten Perle, im Westen Bergkristall, im Nordwesten Pushyaraga,

40.19 im Norden Diamant, im Nordosten Koralle, unter den neun Keimsilben. Darauf setze man

40.20 das Bild unbeweglich fest und lasse es sicher verbinden. Danach lasse man durch einen erfahrenen Bildhauer die Augen öffnen,

40.21 vorschriftsmäßig; dieses Verfahren wird nun erläutert. An einem anderen Ort bereite man einen Opfergrund und stelle das Bild dort auf.

40.22 Mit einer goldenen Nadel ziehe der Bildhauer die Augenkreise und dann die dunkle Iris und die Pupille nach.

40.23 Danach entlasse man den Bildhauer, nachdem der Auftraggeber ihn geehrt hat. Es folgen die Ausrufung des segensreichen Tages und die Reinigung des Bildes.

40.24 Diese Reinigung geschieht mit fünf Erden und den fünf Kuherzeugnissen. Danach nehme man je ein Prastha Honig und Ghee

40.25 sowie ein Prastha Milch in Metallgefäße. In Honig und die anderen Stoffe lege man jeweils einen goldenen Lotus.

40.26 Aus Reis bereite man einen Opfergrund und zeichne darauf einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel. Dort setze man den Gott hin.

40.27 Vor ihm stelle man Honig und die übrigen Stoffe auf den Opfergrund. Unter dem Pranava verehre man das Bild mit Duft und den weiteren Gaben.

40.28 Honig und die übrigen Stoffe besprenge man unter dem Herz-Mantra mit Kusha-Wasser. Den Augen, vom rechten bis zum oberen der Reihe nach,

40.29 zeige man Honig, Milch und Ghee, durch die Dhenu-Mudra besiegelt, unter dem Herz-Mantra. Dann trage man sie mit einem goldenen Durva-Halm

40.30 unter den Keimsilben von Sonne, Mond und Feuer der Reihe nach auf. Mit den golden überzogenen Nägeln

40.31 von Zeige-, Ring- und Mittelfinger berühre man die jeweiligen Augen und setze die Mantras ein. Dann ziehe man den Vorhang unter Instrumentalklang zurück.

40.32 Unter der Gayatri zeige man dem Gott Brahmanen und eine Kuh mit Kalb. Dann begieße der Lehrer den höchsten Gott mit Duftwasser.

40.33 Mit allem Schmuck versehen führe man das Bild rechtsherum durch das Dorf, bringe es an ein ebenes Ufer und begieße es mit dem dortigen Wasser.

40.34 Aus fünfundzwanzig Kusha-Halmen bilde man einen Knotenbüschel und setze ihn auf den Scheitel; weitere Halme hängen ringsum bis zu den Füßen.

40.35 Das Bild umhülle man vom Scheitel bis zu den Füßen mit neuem Stoff. Nach Ausrufung des segensreichen Tages lege man es im Fluss oder einem anderen Gewässer,

40.36 an einer nabeltiefen Stelle auf einem Brett, unter der Gayatri mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben nieder.

40.37 Dann verehre man der Reihe nach die Richtungswaffen samt ihren Herrschern. Sechzig Nadikas, die Hälfte davon oder wiederum deren Hälfte

40.38 oder eine Nachtwache lasse man verstreichen. Danach hebe der Lehrer das Bild heraus und lasse es auf einen Wagen oder eine Sänfte

40.39 von Sadhakas oder Putrakas setzen und herbeibringen. Außerhalb der Einweihungshalle befindet sich die dafür eingerichtete Badehalle,

40.40 im Norden oder Nordosten, so breit wie der Altar, versehen mit Ablauf und Auffanggrube. Dort stelle man das Bild auf die Badeplattform.

40.41 Man entferne Stoff und Kusha-Büschel und begieße das Bild nach der zuvor beschriebenen Reinigung.

40.42 Wo die Wasserlagerung entfällt, begieße man es stattdessen hundertfach unter dem Pranava mit einem Muschelhorn.

40.43 Dann bereite man die Halle rituell vor, beginnend mit der Ausrufung des segensreichen Tages. Oben befestige man einen Baldachin, in den acht Richtungen die Richtungsbanner.

40.44 Ringsum befestige man eine Darbha-Girlande, verbunden mit Blumengirlanden und jungen Blättern; in den Ecken Perlenschnüre, überall herabhängende Girlanden.

40.45 Am Rand des Altars stelle man die acht Glückszeichen samt Keimlingen auf, im Osten beginnend Toranas aus milchsaftführendem Holz.

40.46 Auf dem Altar verehre man die Erde, im Baldachin den Mond, in der Darbha-Girlande Vasuki, in den Richtungsbannern Vajra und die übrigen Waffen.

40.47 An den vier inneren Säulen verehre man ringsum, im Südosten beginnend, Dharma und die übrigen; an den äußeren Säulen die Sonnenformen.

40.48 An den vier Toranas verehre man der Reihe nach Bhadra, Vijaya, Vijrimbha und Lohita.

40.49 Auf dem Altar bereite man einen schönen Opfergrund aus Gerste, Weizen, Reis und Ähnlichem. Acht Drona gelten als höchste Menge,

40.50 die Hälfte als mittlere und wiederum die Hälfte als kleinste. Man bestreue ihn mit weißem enthülstem Reis und schwarzem Sesam.

40.51 Man bilde einen achtblättrigen Lotus und bereite darauf die Lagerstatt: aus Holz, Fell, Wolle und Federn,

40.52 versehen mit einer oberen Decke; so ist die Lagerstatt fünfschichtig. Die Holzschicht ist ein Brett aus einem milchsaftführenden Baum.

40.53 Die Fellschicht ist Tiger- oder Antilopenfell, die Wollschicht eine Wolldecke; die vierte besteht aus Vogelfedern

40.54 oder aus Shalmali-Flaum. Die obere Decke ist aus feinem Stoff allein.

40.55 Fehlen Fell, Wolldecke oder Flaum, ist Stoff vorgesehen. Diese Schichten lege man, mit dem Holz beginnend, übereinander.

40.56 Auf die fertige Lagerstatt lege der Lehrer Kusha-Gras mit den Spitzen nach Osten und Norden und streue schwarzen Sesam und weißen gepufften Reis aus.

40.57 In der Mitte der Lagerstatt verehre er Manonmani und lege dann unter dem Pranava das Bild darauf.

40.58 Der Kopf weist nach Osten, das Gesicht nach oben. Mit Kusha-Büschel wie zuvor und mit Schutzband versehen, bedecke man es mit schönem rotem Stoff.

40.59 Duftstoff, ungebrochene Reiskörner, Blumen und Durva lege man unter dem Pranava auf das Bild.

40.60 Für das rituelle Verweilen des Gottes nehme man anschließend gut gebrannte, fehlerlose Krüge, wie Bimba-Früchte glänzend und jeweils ein halbes Drona Wasser fassend,

40.61 acht für die Vidyeshvaras und einen ebensolchen Shiva-Krug, der ein Drona fasst. Man reinige und wasche sie unter dem Herz-Mantra,

40.62 umwinde sie gleichmäßig mit reinem weißem Faden und fülle sie mit kühlem Fluss- oder Brunnenwasser,

40.63 beduftet mit Pulver von Sandelholz, Ushira, Gewürznelken und Kardamom sowie mit duftenden Blumen,

40.64 durch Stoff gefiltert, während man Shivas Gayatri spricht. In den Shiva-Krug lege man fünf Edelsteine, in die anderen Gold.

40.65 Alle versehe man mit Kusha-Büscheln und Deckeln. Den Shiva-Krug umhülle man mit zwei Tüchern, die anderen jeweils

40.66 mit einem. Dann stelle man den Shiva-Krug an die rechte Seite der Kopfregion des Bildes; die anderen

40.67 Vidyeshvara-Krüge ordne man im Osten beginnend an. Ringsum lege man in den vier Richtungen jeweils dreißig Darbha-Halme aus.

40.68 Nach Ausrufung des segensreichen Tages besprenge man unter Astra. Der vortreffliche Lehrer verehre Shiva und die übrigen Gottheiten mit Fußwasser und den weiteren Gaben,

40.69 heiteren Geistes. Das Verfahren wird nun beschrieben: Der Mantrakenner hat seinen Körper zum Vidya-Leib gemacht und sitzt nach Osten oder Norden gewandt.

40.70 Er bereitet Fußwasser und die übrigen Gaben sorgfältig vor, besprengt sie mit Shiva-Wasser und bespricht alle der Reihe nach mit den fünf Brahma-Mantras.

40.71 Über den Stoffen zeige er die Surabhi-Mudra. Durch Stillhalten des Atemvorgangs meditiere er vorschriftsmäßig über den Gott.

40.72 Die gefalteten Hände fülle er mit Blumen und spreche den Wurzelmantra, beginnend mit dem Pranava und endend auf Namah, um Shiva selbst als Mantra-Leib

40.73 in das Wasser des mittleren Hauptkruges einzuladen. Mit der Avahani-Mudra vollziehe er die Einladung, mit Sthapani das Einsetzen,

40.74 mit Sannidhani das Herbeiführen der Gegenwart, mit Nirodhini deren Festigung. Danach bilde und zeige er davor die Verneigungsgeste.

40.75 Die sechs Angas, beginnend mit dem Herzen, setze der Lehrer in die vier Ecken, beginnend im Südosten; Astra setze er in die Richtungen.

40.76 Mit der Mrigi-Mudra setze er das Auge im Nordosten ein. Shanta, Manorama, Mukuli und Shashakarnika,

40.77 Padma und Kalakarni zeige er als die sechs Anga-Mudras. Dann verehre er den Gott mit Fußwasser und den übrigen Gaben unter dem Wurzelmantra.

40.78 Die Angas verehre der Mantrakenner mit ihren Mantras an den jeweiligen Orten. Danach meditiere er der Reihe nach über die Vidyeshvaras und vollziehe Einladung und die folgenden Schritte.

40.79 Er zeige ihre Mudras, beginnend mit Vajra, und bringe Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, Duft, Blumen, Räucherwerk

40.80 und Licht der Reihe nach unter den jeweiligen Wurzelmantras dar. Danach ist das Feueropfer zu vollziehen; nun folgt seine Vorschrift.

40.81 Alle Feuergruben bereite man aufs Beste vor und verehre danach die zugehörigen Gottheiten im Osten beginnend.

40.82 Ringsum sind dies die Vidyeshvaras, in der Hauptgrube Shiva selbst. Die Verehrung erfolgt mit ihren Namen.

40.83 Feuererrichtung und alle weiteren Schritte vollziehe man nach den Feueropferregeln. Nach den einleitenden Feuergaben opfere man die verschiedenen Stoffe:

40.84 Holz, Ghee, Opferspeise, gepufften Reis, Sesam, Senf und Gerste. Das Holz stammt der Reihe nach von Plaksha, Udumbara, Ashvattha, Vata und Vahni,

40.85 von Apamarga, Arka und Khadira. Für die Hauptgrube nehme man Palasha, jeweils mit den zugehörigen Umlegehölzern.

40.86 Fehlen die angegebenen Hölzer, können überall Palasha und Udumbara verwendet werden. Das Holz opfere man überall unter dem Wurzelmantra.

40.87 Ghee und die übrigen Stoffe opfere der Mantrakenner der Reihe nach unter den Anga-Mantras vom Herzen bis Astra ins Feuer.

40.88 Der Acharya opfere gleichzeitig mit den Murti-Hütern. Nach jedem Stoff bringe er die Vyahriti-Gaben dar; dann berühre der Lehrer das Bild

40.89 unter dem Wurzelmantra vom Scheitel bis zu den Füßen. Anschließend berühren es die im Osten beginnenden Opferpriester der Reihe nach.

40.90 Ebenso berühre man mit den sechs Anga-Mantras die entsprechenden Glieder. Nach Abschluss sämtlicher Stoffgaben in allen Feuergruben

40.91 bringe man für jede dort gegenwärtige Murti hundert Ghee-Gaben dar und besprenge ringsum vorschriftsmäßig.

40.92 Man verehre das Feuer, das in den verschiedenen Vidyeshvara-Gestalten gegenwärtig ist. Während des Opfers veranlasse man Rezitationen von Rig-, Yajur-, Sama- und Atharvaveda

40.93 in den vier Richtungen, im Osten beginnend. Im Nordosten rezitiere ein Sadhaka zu dieser Zeit Astra.

40.94 Danach bringe man den Gottheiten in den Krügen der Reihe nach Opferkost dar. So schließe man die vorbereitende Lagerung ab.

40.95 Alle Opferpriester verbringen mit dem Guru den Rest der Nacht wachend. Morgens erheben sie sich und vollziehen ihre täglichen Riten.

40.96 Dann betreten sie mit dem Lehrer die Halle, zu günstiger Stunde und bei günstigem Aszendenten, verehren die Gottheiten in den Krügen und entzünden ringsum die Feuer.

40.97 Überall bringen sie mit den Murti-Mantras zehn Gaben bis zu den Vyahritis dar; danach erfolgt mit dem großen Opferlöffel die Vollgabe unter Sarvatman.

40.98 Nach dem Besprengen verabschiede man die im Feuer wohnende Murti, nehme Umlegehölzer und Grassitze auf, besprenge sie der Reihe nach

40.99 und lege sie ins Feuer. Dann erhebe sich der Lehrer, bekleidet mit neuen Gewändern, neuem Obergewand und neuer Kopfbedeckung.

40.100 Mit fünffachem Schmuck und einem Pavitra-Ring an der Hand hebe der Guru den Gott unter dem Pranava vom Altar auf.

40.101 Mit den Opferpriestern entferne er sämtliche Stoffe, Kusha-Büschel und Ähnliches. Dabei seien Rezitatoren mit Segenssprüchen zugegen,

40.102 außerdem Instrumentalmusik und weitere glückverheißende Begleitung. In der Halle stelle man das Bild auf den Sockel der Badeplattform.

40.103 Der Mantrakenner sitze ruhig nach Norden gewandt auf einem Bhadra-Sitz; nachdem er seinen Vidya-Leib gebildet hat, reinige er das Bild.

40.104 Mit Kurkuma und den weiteren Stoffen, dann mit Panchagavya unter dem Herz-Mantra begieße er es; anschließend reinige er mit weißer Asche.

40.105 Unter den fünf Brahma-Mantras bade er es mit reinem Wasser und bringe unter dem Gesichtsmantra Wasser zum rituellen Schluck dar.

40.106 Unter dem Pranava gebe er Shiva Arghya und Blumen. Dann nehme der Lehrer selbst den aufgestellten Hauptkrug auf

40.107 und lasse ihn tragen; die übrigen Krüge tragen die Opferpriester in der Reihenfolge ihrer Richtungen. Sie vollziehen eine Rechtsumwandlung um das Bild

40.108 und stellen die Krüge wie zuvor auf einem Opfergrund vor ihm auf. Mit gebildetem Vidya-Leib verehre der Lehrer die Gottheiten der Reihe nach.

40.109 Über diese Gottheiten in den Krügen meditiere er gesammelt in seinem Herzen. Durch Stillhalten des Atemvorgangs vergegenwärtige er dieselbe Gegenwart im Krugwasser.

40.110 Er erkenne den Mantra als Sitz der Lebenskraft, spreche den Wurzelmantra, nehme mit dem Kusha-Büschel Wasser aus dem Krug auf und lasse es auf die Herzstelle des Bildes

40.111 fließen. Durch diese Handlung ist der Gott eingesetzt. Dann hebe er den Krug und begieße unter dem Samvatsara-Mantra.

40.112 Aus den Vidyeshvara-Krügen vollziehe man ringsum wie zuvor die Begießungen der Reihe nach, nachdem ihre jeweiligen Mantras eingesetzt wurden.

40.113 Danach setze man den Wurzelmantra samt Pranava ins Herz und die Angas, beginnend mit dem Herzen, in die entsprechenden Körperstellen ein.

40.114 Astra setze man in die Hand, Tara auf den Kopf, Gayatri ins Gesicht. Danach setze man die Mutterbuchstaben ein:

40.115 A auf den Scheitel, das lange A auf die Stirn, I in die beiden Augen, das lange I in die Ohren,

40.116 U in die Wangen, das lange U in die Nasenflügel, vokalisches R und dessen lange Form in die beiden Lippen;

40.117 vokalisches L und dessen lange Form in die beiden Zahnreihen, E in den Hals, Ai in die Schultern und O in die beiden Schlüsselbeinregionen,

40.118 Au in die Brustmitte, Am in den Bauch, Ah in die Geschlechtsregion, die Ka- und Cha-Gruppen in die beiden Körperseiten,

40.119 die retroflexe Ta-Gruppe in den Rücken, die dentale Ta-Gruppe in die Hüfte, die Pa- und Ya-Gruppen in die Oberschenkel, die Sha- und Ha-Gruppen in die Unterschenkel.

40.120 All diese setze der Lehrer mit der Mrigi-Mudra ein. Nachdem er so den Mantra-Leib gebildet hat, begieße er erneut

40.121 unter der Gayatri mit Duftwasser und bringe Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, Duft, Blumen, Räucherwerk, Kleidung und Schmuck,

40.122 Girlanden und Speise unter dem Herz-Mantra dar. Ist das so geweihte Bild beweglich, vollziehe man damit ein Fest,

40.123 beginnend in derselben Nacht, samt dem Bhuvana-Ritual. Für bewegliche, unbewegliche und gemischte Bilder

40.124 ist diese Einweihung grundsätzlich gleich. Nun werden die Unterschiede genannt: Bei Tonbildern ist unter keinen Umständen eine Wasserlagerung vorgesehen,

40.125 auch keine Lagerung auf einem Bett; alles Übrige ist gleich. Die Edelsteine werden bei der Aufstellung des inneren Gerüstes eingesetzt.

40.126 Für ein unbewegliches Steinbild gilt diese Besonderheit: Nach der rituellen Lagerung, am Morgen vor dem Einsetzen der Mantras,

40.127 erfolgt das Edelsteindepot, dann die Aufstellung. Bei gemalten Darstellungen gibt es kein Edelsteindepot,

40.128 ebenso weder Wasserlagerung noch Bettlagerung. Das Edelsteindepot ist bei unbeweglichen Bildern erforderlich, bei beweglichen

40.129 kann man es ausführen. Bei allen Bildern findet das Öffnen der Augen statt. Beim Mantra-Nyasa an Tonbildern oder Wandgemälden

40.130 vollziehe der Mantrakenner das Einsetzen ausschließlich mit dem Kusha-Büschel. Bei unbeweglichen Tonbildern und bemalten Steinbildern

40.131 führe man alle mit Wasser verbundenen Mantrahandlungen auf einem davor eingerichteten Podest von einem Tala aus.

40.132 Wo Strahlenkranz oder Sockel gesondert gefertigt sind, reinige man beide mit den fünf Erden und Panchagavya.

Kapitel 41: Die Einweihung Shivas mit Ambika und mit Ambika und Guha

41.1 Nun wird die Einweihung des mit Ambika verbundenen Gottes erklärt. Das Edelsteindepot vollziehe man an einem reinen, mit Kuhdung bestrichenen Ort

41.2 in der Werkhalle. Man bereite zwei Opfergründe aus reinem Reis und bilde auf beiden je einen schönen Lotus.

41.3 Dort stelle man Gott und Göttin nach Osten gewandt auf und vor ihnen jeweils ihren Sockel auf einem Opfergrund.

41.4 Unter Sarvatman besprenge man den Sockel mit Wasser. Rubin, Diamant, Vaidurya, Haritala und Indranila,

41.5 Bergkristall, Perle, Pushyaraga und Koralle setze man von der Mitte bis zum Nordosten unter den Shakti-Keimsilben der Reihe nach ein.

41.6 Oder man lege fünf Edelsteine in den Sockel der Göttin ein, wiederum unter den Shakti-Keimsilben.

41.7 Danach lasse man beide Bilder durch einen reinen, sachkundigen Bildhauer mit ihren Sockeln fest verbinden.

41.8 Auf die Köpfe beider Gottheiten lege man Blumen. Nach Abschluss des Edelsteindepots beginne man mit dem Öffnen der Augen.

41.9 Hierzu bereite man anderswo wie zuvor einen Opfergrund und stelle Gott und Göttin darauf.

41.10 Mit einer goldenen Nadel lasse man den Bildhauer Wimpernlinie, Pupillenkreis und dunkle Iris einzeichnen.

41.11 Nach dem Öffnen der Augen entlasse man den Bildhauer, der seine Aufgabe erfüllt hat. Beide Gottheiten stelle man auf einen anderen, wie zuvor bereiteten Opfergrund.

41.12 Vor ihnen stelle man je ein Prastha Honig, Ghee und Milch in reinen Metallgefäßen bereit.

41.13 Unter dem Pranava lege man jeweils einen goldenen Lotus hinein, besprenge unter Sarvatman und stelle die Gefäße auf den Opfergrund.

41.14 Mit einem goldenen Durva-Halm erfrische man das rechte Auge mit Honig, das obere mit Ghee und das linke mit Milch.

41.15 Diese Darbringung vollziehe man unter den Keimsilben von Sonne, Feuer und Mond. Man versehe Zeige-, Mittel-

41.16 und Ringfinger mit goldenen Nagelaufsätzen und berühre mit dem Zeigefinger das rechte Auge unter der Sonnenkeimsilbe, dann das Stirnauge

41.17 mit dem Mittelfinger unter der Feuerkeimsilbe, das andere Auge mit dem Ringfinger unter der Mondkeimsilbe. Danach verfahre man an den Augen der Göttin entsprechend.

41.18 Die Mond- und Sonnenaugen erfrische man mit Honig und Milch, das Feuerauge mit Ghee, wie zuvor mit goldenem Durva. [Die Stoffzuordnung in der zusammengesetzten Mond-Sonnen-Nennung ist gedrängt; 41.14 bestimmt die Reihenfolge.]

41.19 Danach entferne man den Vorhang und zeige ihnen eine Kuh, Brahmanen und anschließend Mädchen.

41.20 Dabei spreche der kundige Lehrer die Gayatri des Gottes und der Göttin. Danach reinige man mit fünf Erden und Panchagavya.

41.21 Für die Reinigung beider ist das Pashupata-Astra angegeben. Man schmücke sie reich mit Girlanden, Schmuck und Kleidung.

41.22 Dann vollziehe man eine Rechtsumwandlung durch Dorf oder Stadt. Anschließend nehme der Kundige die Wasserlagerung in einem Fluss oder anderen Gewässer vor.

41.23 Er bringe die beiden Bilder an das Ufer, stelle sie dort auf, begieße sie mit dem Wasser und lasse den segensreichen Tag ausrufen.

41.24 Gott und Göttin umhülle man mit Kusha-Büscheln und Stoffen. Unter dem Pranava bringe man Arghya auf ihren Köpfen dar.

41.25 In nabeltiefem Wasser lege man beide Bilder mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben nieder. In den jeweiligen Richtungen verehre man die Waffen der Richtungshüter.

41.26 So ist die Wasserlagerung beschrieben; ihre Dauer wurde zuvor angegeben. Auch die Halle richte man wie zuvor ein.

41.27 In ihren vier Ecken jedoch fertige man yoniförmige Feuergruben. Nach sorgfältiger Vorbereitung bringe man beide Gottheiten

41.28 in die Badehalle, stelle sie auf die Badeplattform und reinige sie vorschriftsmäßig.

41.29 Der Mantrakenner begieße beide mit Duftwasser: Shiva unter Sarvatman, die Göttin unter ihrer Gayatri.

41.30 Unter dem Herz-Mantra binde man beiden goldene Schutzbänder um und umhülle Gott und Göttin mit zwei Kusha-Büscheln und Stoffen.

41.31 Nach Ausrufung des segensreichen Tages lege man beide Bilder auf die bereitete schöne Lagerstatt, während man Sarvatman spricht.

41.32 Bhavani hülle der Kundige in roten Stoff. Die Krüge stelle man wie zuvor sorgfältig auf.

41.33 An der Kopfseite der Göttin ordne man den Shakti-Krug an. Die Vardhani dient als Shakti-Krug und ist mit Stoff, Gold und den übrigen Gaben versehen.

41.34 Gott und Göttin verehre man unter ihren Gayatris mit Duft und den weiteren Gaben. Der vortreffliche Lehrer meditiere über beide in ihrer jeweiligen Gestalt

41.35 und vollziehe Einladung und die folgenden Verehrungsschritte in ihren beiden Krügen. Die Vidyeshvaras verehre er in ihren Krügen wie zuvor.

41.36 Danach vollziehe er vorschriftsmäßig das Feueropfer. Purusha befindet sich in der östlichen Grube, Aghora in der südlichen,

41.37 Sadya in der westlichen, Vamadeva in der nördlichen und Ishana in der Hauptgrube: diese fünf Murtis.

41.38 In den vier Ecken, beginnend im Südosten, befinden sich vier weitere Murtis: Nivritti, Pratishtha, Vidya und Shanti.

41.39 So stehen die Murtis des Gottes und der Göttin in Haupt- und Zwischenrichtungen. Man setze dort das Feuer vorschriftsmäßig ein; Shivas Feueropfer erfolgt wie zuvor.

41.40 In der Hauptgrube ist nach dem Opfer für den Gott das Opfer für die Göttin zu vollziehen. Dessen Vorschrift wird nun erklärt.

41.41 Man lade die Göttin dort ein, verehre sie vorschriftsmäßig und opfere mit allen zuvor genannten Stoffen unter ihrem Wurzelmantra und ihren Anga-Mantras.

41.42 Der ausgezeichnete Mantrakenner halte dabei dieselbe Reihenfolge ein. Beim Opfer für den Gott handelt er gemeinsam mit dessen Murti-Hütern,

41.43 beim Opfer für die Göttin entsprechend mit deren Murti-Hütern. Nach jedem Stoff bringe der Guru die Vyahriti-Gaben dar und berühre das jeweilige Bild.

41.44 Unmittelbar danach berühren es die übrigen der Reihe nach: Die am Gottesopfer Beteiligten den Gott, die am Göttinnenopfer Beteiligten die Göttin.

41.45 Die Berührung vom Scheitel bis zu den Füßen erfolgt unter dem jeweiligen Wurzelmantra; mit den Anga-Mantras berühre man die entsprechenden Glieder.

41.46 Nach Abschluss sämtlicher Stoffgaben bringe man in jeder Grube zehn Gaben für ihre Murtis dar, verehre sie und besprenge ringsum.

41.47 Den Gottheiten in den Krügen gebe man der Reihe nach Opferkost. Den Rest der Nacht verbringe man wachend.

41.48 Am Morgen habe der kundige Lehrer zusammen mit den Murti-Hütern, Sadhakas und Opferpriestern seine täglichen Riten vollzogen.

41.49 Dann betrete er die Halle, nachdem er seinen Körper durch Sakalikarana geheiligt hat, in neuen Gewändern und mit neuem Obergewand,

41.50 mit Duft und Sandelholz bestrichen und fünffach geschmückt. Zu günstiger Stunde und bei günstigem Aszendenten verehre er die Gottheiten wie zuvor.

41.51 In der Hauptgrube bringe er für Gott und Göttin der Reihe nach die Vollopfergabe unter ihren jeweiligen Wurzelmantras dar, anschließend in den acht übrigen,

41.52 in den Gottesgruben für den Gott, in den Göttinnengruben für die Göttin. Nach den Vollgaben hebe er die Gottheiten behutsam auf.

41.53 Zu einer günstigen, fehlerfreien Zeit stelle er beide unter dem Pranava nach Osten gewandt auf die Badeplattform.

41.54 Er entferne Stoffe und Kusha-Büschel, bringe beiden Arghya unter ihrem jeweiligen Herz-Mantra dar und begieße sie

41.55 mit Duftwasser: den Gott unter Samvatsaratman, die Göttin unter ihrer Gayatri. Dann nehme man ihre beiden Krüge auf

41.56 und vollziehe zusammen mit den Vidyeshvara-Krügen eine Rechtsumwandlung um den Tempel. Danach stelle man sie wie zuvor vor Gott und Göttin auf.

41.57 Man verehre beide mit Duft und den weiteren Gaben unter ihren eigenen Wurzelmantras. Mit dem Wasser aus den Kusha-Büscheln

41.58 vollziehe man das Einsetzen der Mantras an beiden wie zuvor. Aus ihren beiden Krügen begieße man sie unter ihren jeweiligen Gayatris.

41.59 Danach setze man beim Gott die bereits beschriebenen Mantras ein. Bei der Göttin setze man den Wurzelmantra ein, dann auf dem Scheitel

41.60 Tara, im Gesicht Gayatri, anschließend die Mutterbuchstaben wie beim Gott, um die ganze Gestalt zu umhüllen und zu schützen.

41.61 Unter den Gayatris verehre man beide mit Girlanden, Schmuck und Kleidung, bringe reichlich Opferkost dar und vollziehe anschließend das Fest.

41.62 So ist die Einweihung mit Ambika beschrieben. Höre nun die Einweihung mit Ambika und Guha, Herr der Götter.

41.63 Die besonderen, dabei zusätzlich auszuführenden Handlungen werden nun vollständig genannt. Man vollziehe auch für Guha Edelsteindepot und Augenöffnung,

41.64 ebenso die Wasserlagerung unter Skandas Gayatri. Die vorbereitende Lagerung und weitere Schritte lasse man unter Skandas Wurzelmantra ausführen.

41.65 In der Hauptgrube vollziehe man das Feueropfer mit Skandas Wurzel- und Anga-Mantras, mit Holz und den übrigen genannten Stoffen in der zuvor angegebenen Anzahl.

41.66 Das Einsetzen der Mantras an Guha erfolgt nach demjenigen an seinen Eltern: zuerst Skandas Wurzelmantra, dann die Angas.

41.67 Unter Skandas Gayatri vollziehe man die Verehrung und bringe der Reihe nach Opferkost dar. Dann richte man ein gemeinsames Fest aus, das allen Welten Wohl bringt.

41.68 Wer dies als Auftraggeber vollziehen lässt, erlangt alle Wünsche und erfreut sich am Ende der Nähe Rudras in dessen Wohnstatt.

Kapitel 42: Die Einweihung Shambhus mit Brahma und Keshava

42.1 Höre nun die Einweihung Shambhus zusammen mit Brahma und Keshava. Für den Gott vollziehe man das Edelsteindepot vorschriftsmäßig wie zuvor.

42.2 Für Brahma und Vishnu lege der Kundige jeweils fünf Edelsteine unter den Silben der fünf Elemente ein. Nachdem der Bildhauer das Öffnen der Augen

42.3 vorgenommen hat, stelle man die Bilder auf einen Opfergrund. Am Gott vollziehe man die Handlung wie zuvor, danach an Brahma und Vishnu.

42.4 In ihre Augen setze man Sonne und Mond ein und erfrische sie mit Honig und Milch.

42.5 Die Bildreinigung vollziehe der Kundige wie zuvor unter dem Herz-Mantra. Für alle drei richte man die Wasserlagerung ein.

42.6 Die Halle mit Feuergruben und Altar entspreche der Beschreibung für Shiva allein. Drei Lagerstätten bereite man aus Holz und den weiteren Schichten in der angegebenen Folge.

42.7 Die aus der Wasserlagerung gebrachten Gottheiten führe man in die Badehalle, stelle sie auf die Badeplattform und entferne Kusha-Büschel, Stoffe und Girlanden.

42.8 Man begieße sie mit Duftwasser, lasse den segensreichen Tag ausrufen und binde ihnen unter den jeweiligen Mantras Schutzbänder um.

42.9 Die Gottheiten umhülle man der Reihe nach mit Stoffen samt Kusha-Büscheln und bringe auf ihren Köpfen Arghya unter den jeweiligen Herz-Mantras dar.

42.10 Unter Instrumentalmusik und heiligen Rufen bringe man sie zum Altar. Shambhu lege man in die Mitte, mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben,

42.11 Brahma rechts, Vishnu links, und verehre sie unter ihren drei jeweiligen Mantras.

42.12 Zwei Hauptkrüge für Brahma und Narayana stelle der Lehrer rechts und links des Shiva-Kruges auf,

42.13 ringsum die acht Vidyeshvara-Krüge. Alle richte man mit den zuvor genannten Merkmalen ein.

42.14 Für Brahma, Vishnu und Maheshvara vollziehe man in den drei Krügen Einladung und die weiteren Schritte wie zuvor und verehre sie der Reihe nach mit Duft und Blumen.

42.15 Anschließend vollziehe man das Feueropfer. Zunächst opfere man für den Gott wie bei Shivas alleiniger Einweihung, danach

42.16 in derselben Anzahl und Reihenfolge in der Hauptgrube für Brahma und Vishnu unter ihren Wurzelmantras.

42.17 Auch mit ihren sechs Anga-Mantras opfere man und vollziehe die Berührung der Bilder. Nach diesem Abschluss gebe man den Gottheiten in den Krügen der Reihe nach Opferkost.

42.18 Nachdem der Rest der Nacht vergangen ist, vollziehe der Guru am Morgen gesammelt seine täglichen Riten zusammen mit Sadhakas und Opferpriestern.

42.19 In neuen Gewändern und mit neuem Obergewand, fünffach geschmückt und mit gebildetem Vidya-Leib, verehre er die Gottheiten wie zuvor.

42.20 Für die drei Murtis bringe er der Reihe nach die Vollopfergaben unter ihren Wurzelmantras dar; in den anderen Gruben erfolgen die Vollgaben unter Sarvatman.

42.21 Dann hebe man die Gottheiten auf und stelle sie auf die Badeplattform. Man entferne Kusha-Büschel und Ähnliches unter den jeweiligen Herz-Mantras,

42.22 reinige die Gottheiten mit den dafür genannten Stoffen und begieße sie mit Duftwasser unter ihren Herz-Mantras.

42.23 Danach bringe man die Krüge nach vorne und vollziehe das Mantra-Nyasa: zuerst an Shiva, danach an Brahma und Vishnu.

42.24 Bei allen setze man den Wurzelmantra ins Herz und die Angas in die entsprechenden Glieder. Dann begieße man die Gottheiten der Reihe nach aus ihren Krügen unter den fünf Brahma-Mantras.

42.25 Aus den Vidyeshvara-Krügen begieße man den Gott der Götter. Bei ihm setze man die Mantras wie zuvor ein; bei Brahma und Vishnu

42.26 Wurzelmantra, Angas, Gayatri und Mutterbuchstaben ebenfalls wie zuvor. Danach begieße man alle mit Duftwasser.

42.27 Kleidung, Schmuck und Girlanden bringe man unter den jeweiligen Wurzelmantras dar, gebe reichlich Opferkost und biete Betel an.

42.28 So erfolgt die Einweihung des Gottes mit Brahma und Keshava. Bei gemeinsamer Ausführung gibt es nur ein Edelsteindepot und eine Lagerstatt.

42.29 Auch für die Lingodbhava-Weihe gilt dieselbe Regel. Hat man den höchsten Gott so eingesetzt, verehre man ihn täglich in angemessener Weise.

42.30 Der Kundige erlangt alle Wünsche und gelangt in Shivas Stadt.

Kapitel 43: Die Einweihung Maheshas mit Uma, Shri, Vishnu und Brahma

43.1 Nun erkläre ich besonders die Einweihung Maheshas zusammen mit Uma, Shri, Vishnu und dem Lotusgeborenen, die alle Wünsche und Ziele verwirklicht.

43.2 Für alle lasse man das Edelsteindepot gesondert ausführen, für Shiva und Shakti wie zuvor. Bei Vishnu und Brahma

43.3 lege man fünf Edelsteine ein, von der Mitte über Osten bis Norden: Rubin, Perle, Vaidurya, Indranila und Koralle.

43.4 Dies sind die fünf Edelsteine. Dem mittleren gehört die Raumkeimsilbe; die Keimsilben von Erde und den weiteren Elementen setze man im Osten beginnend ein.

43.5 Ebenso verfahre man bei Shri. Für die Augenöffnung lasse man den Bildhauer mit einer goldenen Nadel die Augenkreise nachziehen.

43.6 Shiva und alle übrigen Gottheiten stehen dabei auf einem Opfergrund. Danach entlasse man den Bildhauer und stelle die Bilder auf einen anderen Opfergrund.

43.7 Bei Shiva und Shakti verfahre man wie zuvor; danach setze der Mantrakenner bei Vishnu, Brahma und Shri in die rechten und linken Augen

43.8 Sonne und Mond ein. Bei Brahma erfolgt dies an jedem Gesicht. Unter der jeweiligen Gayatri vollziehe man bei allen mit Honig und Milch

43.9 die Erfrischung der Augen mit goldenem Durva. Nach dem Zurückziehen der einzelnen Vorhänge zeige man allen Brahmanen und eine Kuh.

43.10 Dabei spreche der vortreffliche Lehrer die jeweiligen Gayatri-Mantras. Alle werden mit fünf Erden und Panchagavya gereinigt.

43.11 Unter ihrer jeweiligen Gayatri begieße man sie mit Duftwasser. Gemeinsam vollziehe man wie zuvor die Rechtsumwandlung durch Dorf oder Stadt.

43.12 Danach richte man besonders die Wasserlagerung in einem Fluss oder anderen Gewässer ein. An einem ebenen Ufer stelle der Lehrer die Gottheiten nach Osten gewandt auf.

43.13 Zuerst lasse er den segensreichen Tag ausrufen und begieße sie mit dem dortigen Wasser. Unter dem Pranava bringe der Mantrakenner Arghya auf Shivas Kopf dar.

43.14 Ebenso vergegenwärtige er sich die Göttin und setze ihre Gegenwart mit Wasser aus dem Kusha-Büschel ein. Nach der Arghya-Darbringung zeige er ihr die Manorama-Mudra.

43.15 Danach setze er Vishnu ein und zeige die Chakra-Mudra; Lakshmi setze er ebenso ein und zeige Shashakarnika.

43.16 Brahma setze er ein und zeige die Padma-Mudra; das Feuer setze er ein und zeige die Shakti-Mudra.

43.17 Nachdem die Gottheiten so eingesetzt sind, begieße man Shiva und die übrigen aus ihren jeweiligen Krügen unter ihren Gayatris.

43.18 Den höchsten Gott begieße man auch aus den Vidyeshvara-Krügen. Dann setze man die Mantras der Reihe nach ein: Pranava auf den Scheitel, Gayatri ins Gesicht,

43.19 den Wurzelmantra ins Herz, die Angas in die Glieder, Astra in die beiden Arme und die Mutterbuchstaben wie zuvor.

43.20 Ebenso setze man bei den anderen Gottheiten ihre Wurzel- und Anga-Mantras, Pranava, Gayatri und anschließend die Mutterbuchstaben ein.

43.21 Danach begieße man alle mit duftendem Sandelholzwasser und bringe Fußwasser, Wasser zum rituellen Schluck, Arghya, Duft, Blumen und Räucherwerk dar,

43.22 außerdem Licht und Speise unter den jeweiligen Wurzelmantras. Allen gebe man der Reihe nach reichlich Opferkost.

Kapitel 44: Die Einweihung Hariharas

44.1 Höre nun die Einweihung Maheshas, dessen eine Hälfte Vishnu ist. Zuerst fertige man das Bild aus Rudra und Narayana mit den zuvor beschriebenen Merkmalen.

44.2 Auf einem mit Kuhdung bestrichenen festen Boden bereite man einen Opfergrund und stelle das Bild nach Osten gewandt auf.

44.3 Man nehme den Sockel, besprenge ihn mit Shiva-Wasser und lege wie zuvor neun oder fünf Edelsteine ein.

44.4 Darauf setze man den Gott und lasse ihn fest verbinden. Auch das Öffnen der Augen ist vorzunehmen; die Vorschrift wird nun erklärt.

44.5 Wenn die Bildhauerarbeit an den Augen wie zuvor abgeschlossen ist, bereite man anderswo einen Opfergrund aus reinem Reis.

44.6 Dort bringe man den Gott hin und stelle vor ihm Honig, Ghee und Milch in gesonderten Gefäßen auf.

44.7 Man lege jeweils einen goldenen Lotus hinein. Mit goldenem Durva vollziehe man an den rechten und linken Augen

44.8 die Erfrischung mit Honig und Milch unter den Mantras von Sonne und Mond; am Stirnauge mit Ghee,

44.9 wobei man sich die Feuerkeimsilbe vergegenwärtigt, wiederum mit goldenem Durva. Danach entferne der Kundige unverzüglich den Vorhang.

44.10 Der Lehrer selbst zeige dem Gott Kühe, Brahmanen und Shiva-Verehrer. Danach reinige man das Bild mit fünf Erden und Panchagavya.

44.11 Unter dem Pranava begieße man mit reinem Wasser und führe das Bild rechtsherum durch Dorf oder Stadt.

44.12 Zur Wasserlagerung stelle man es am Ufer nach Osten gewandt auf und lasse den segensreichen Tag ausrufen.

44.13 Dann begieße man den Gott mit dem Wasser dieser heiligen Badestelle und umhülle das Bild sorgfältig mit Kusha-Büschel und neuem Stoff.

44.14 Wie zuvor lege der Kundige es mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben nieder und verehre ringsum die Richtungswaffen samt ihren Herrschern.

44.15 Nach der angegebenen Dauer bringe man es aus dem Gewässer in die Mitte der Badehalle.

44.16 Dort stelle der Mantrakenner das Bild nach Osten gewandt auf und entferne die Stoffe. Danach begieße er den Gott mit Duftwasser,

44.17 verehre ihn mit den Gayatris Haris und Ishas und lasse den segensreichen Tag ausrufen. Unter dem Herz-Mantra binde man ein goldenes Schutzband an die rechte Hand.

44.18 Dann umhülle der Kundige das Bild mit Kusha-Büschel und Stoff. In der nach den Regeln für Shiva allein vorbereiteten Halle,

44.19 auf dem vorschriftsmäßigen Opfergrund in der Altarmitte, bereite man wie zuvor die Lagerstatt und besprenge sie mit Shiva-Wasser.

44.20 Dort lege man das Bild mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben nieder und umhülle es mit gelbem und rotem Stoff.

44.21 Unter Shivas Gayatri und Vishnus Gayatri verehre man es mit Duft und Blumen. Dann stelle man die Krüge auf,

44.22 versehen mit den zuvor genannten Merkmalen, Gold und Edelsteinen. An die Kopfseite des Bildes setze man einen Krug für Rudra-Narayana,

44.23 danach ringsum acht Krüge für die Vidyeshvaras. Dann beginne man die Ausrufung des segensreichen Tages.

44.24 Unter Meditation über die Gottheit vollziehe der Kundige Einladung und weitere Schritte mit den entsprechenden Mantras und spreche den Wurzelmantra.

44.25 So verehre man im Hauptkrug; ringsum verehre man die Vidyeshvaras, hier in der Folge von Chakravartin bis Ananta genannt. Danach beginne man das Feueropfer.

44.26 Die Feuergruben ordne man wie bei Shiva allein an. Auch ihre Murtis und Opferstoffe bestimme man entsprechend.

44.27 In der Hauptgrube meditiere man über Rudra-Narayana, verehre diese Gestalt mit Duft und den weiteren Gaben und vollziehe das Opfer.

44.28 Unter Wurzel- und Anga-Mantras opfere man wie zuvor. Nach jedem Stoff folgen die Vyahriti-Gaben; aufmerksam

44.29 berühre man zusammen mit den Opferpriestern das Bild an Herz und weiteren Gliedern unter den zugehörigen Anga-Mantras und setze das Opfer fort.

44.30 Während des Opfers veranlasse man in den vier Richtungen Rezitationen der mit dem Rigveda beginnenden Veden, im Nordosten Astra-Rezitation.

44.31 Den Gottheiten in den Krügen bringe man vorschriftsmäßig Opferkost dar und schließe die vorbereitende Lagerung wie zuvor ab.

44.32 Morgens, nach den täglichen Riten, betrete man mit den Opferpriestern die Halle und verehre der Reihe nach die Gottheiten in den Gruben.

44.33 Mit gebildetem Vidya-Leib lasse der vortreffliche Lehrer überall die volle Löffelgabe unter dem Wurzelmantra darbringen.

44.34 Zu günstiger Stunde, bei günstigem Aszendenten, Mondhaus und Karana hebe man den Gott gesammelt auf und stelle ihn auf die Badeplattform.

44.35 Unter dem Astra-Mantra entferne man Stoffe, Kusha-Büschel und alles Weitere. Dann begieße man das Bild mit Panchagavya,

44.36 danach unter dem Pranava mit reinem Wasser. Man nehme die Krüge auf und vollziehe eine Rechtsumwandlung um den Tempel.

44.37 Vor dem Bild stelle man sie wie zuvor auf. Man vergegenwärtige sich die göttliche Gestalt im Herzen und danach im Krugwasser.

44.38 Unter Vergegenwärtigung der Wurzelmantras beider Gottheiten setze der Mantrakenner mit Wasser aus dem Kusha-Büschel ihre Mantragestalt ins Herz des Bildes ein.

44.39 Mit dem Krugwasser begieße man der Reihe nach unter den jeweiligen Mantras. Danach setze man folgende Mantras in das Bild ein:

44.40 Pranava auf den Scheitel, Gayatri ins Gesicht, den Wurzelmantra ins Herz und die Angas der Reihe nach in die Glieder.

44.41 Astra setze man in die beiden Arme, die Mutterbuchstaben wie zuvor. Dann begieße man unter dem Pranava mit reinem Wasser.

44.42 Man vollziehe die Verehrung der Reihe nach mit Girlanden, Schmuck und Kleidung, bringe reichlich Opferkost und Betel dar.

44.43 Anschließend richte man vorschriftsmäßig im Dorf oder in der Stadt ein Fest aus.

Kapitel 45: Die Einweihung Ardhanarishvaras

45.1 Höre nun die Einweihung Maheshas, dessen eine Hälfte Gauri ist. Ich werde sie jetzt vollständig in knapper Form erklären.

45.2 Man fertige das Bild mit den zuvor genannten Merkmalen aus Gold oder anderen geeigneten Materialien und vollziehe das Edelsteindepot wie zuvor.

45.3 Danach öffne man die Augen; das Verfahren wird nun genannt. Ist die Bildhauerarbeit an ihnen wie zuvor abgeschlossen,

45.4 bereite man anderswo einen Opfergrund und stelle das Bild in dessen Mitte nach Osten gewandt auf. Davor gebe man Ghee, Honig

45.5 und Milch aufmerksam in getrennte Gefäße. Nach dem Besprengen erfrische der Mantrakenner die Augen mit goldenem Durva:

45.6 das rechte mit Honig, das linke mit Milch, das obere mit Ghee, unter den auf Sonne, Mond und Feuer bezogenen Mantras.

45.7 Unter dem Pranava zeige man Brahmanen und die übrigen wie zuvor. Mit fünf Erden und Panchagavya reinige man das Bild.

45.8 Nach Ausrufung des segensreichen Tages führe man es rechtsherum durch das Dorf und vollziehe die Wasserlagerung. Deren Vorschrift wird nun erklärt.

45.9 Am Ufer stelle der Kundige das Bild nach Osten gewandt auf, lasse den segensreichen Tag ausrufen und begieße es mit dem dortigen Wasser.

45.10 Unter dem Pranava gebe man Arghya auf seinen Scheitel; unter dem Herz-Mantra umhülle man es mit Kusha-Büschel und Stoff.

45.11 Wie zuvor lege man es im Wasser auf ein Brett. Die dort angegebene Zeit lasse der vortreffliche Lehrer verstreichen.

45.12 Dann bringe der Mantrakenner das Bild in die mit den genannten Merkmalen vorbereitete schöne Halle und stelle es auf die Badeplattform.

45.13 Er entferne Stoff und Kusha-Büschel, bringe Arghya unter dem Pranava dar und begieße das Bild mit Panchagavya.

45.14 Danach begieße er mit Duftwasser unter den fünf Brahma-Mantras und umhülle es mit neuem Stoff

45.15 samt Kusha-Büschel. Er verneige sich vor Shiva und Shakti, lasse den segensreichen Tag ausrufen und binde unter dem Herz-Mantra das Schutzband

45.16 an die rechte Hand des Gottes. Wie zuvor lege der vortreffliche Lehrer das Bild auf die vorbereitete Lagerstatt.

45.17 Dann stelle man dort die Krüge auf, mit den zuvor genannten Merkmalen, ganz mit Duftwasser gefüllt,

45.18 mit Kusha-Büscheln, Gold, Stoffen und jungen Blättern versehen und schön gestaltet. Man meditiere über den zuvor beschriebenen, zur Hälfte aus Gauri bestehenden Gott, lade ihn vorschriftsmäßig ein

45.19 und setze ihn unter Vergegenwärtigung seines Wurzelmantras in den mittleren Krug ein. Man verehre ihn mit Duft und den weiteren Gaben und die Vidyeshvaras in den acht Richtungen.

45.20 Im Osten beginnend verehre der kundige Lehrer diese Gottheiten der Reihe nach. Danach vollziehe er das Feueropfer nach der Vorschrift für Shiva allein.

45.21 In der Hauptgrube opfere man mit den Wurzel- und Anga-Mantras Shivas und Shaktis. Alle übrigen Handlungen folgen der Einweihung Shivas allein.

45.22 Am klaren Morgen, nach seinen täglichen Riten, betrete der Guru gemeinsam mit Murti-Hütern und Opferpriestern die Halle.

45.23 Er verehre die Gottheiten mit Duft und den weiteren Gaben und bringe zu günstiger Stunde und bei günstigem Aszendenten überall die Vollgaben unter den jeweiligen Wurzelmantras dar.

45.24 Dann hebe man das Bild unter vollständiger Instrumentalbegleitung auf und stelle es auf die Badeplattform. Unter dem Herz-Mantra entferne man Stoffe und Kusha-Büschel,

45.25 gebe Arghya auf den Scheitel unter dem Tara-Laut und lasse den segensreichen Tag ausrufen. Der Mantrakenner nehme die Krüge auf,

45.26 vollziehe die Rechtsumwandlung und stelle sie vor dem Gott auf. Mit gebildetem Vidya-Leib meditiere er zunächst über dessen Gestalt.

45.27 Dann setze er den im Krug gegenwärtigen Gott unter dessen Mantra mit Wasser aus der Spitze des Kusha-Büschels ins Herz des Bildes ein.

45.28 Unter Sarvatman begieße man aus dem Krug und verehre unter dem Wurzelmantra mit Fußwasser und allen Gaben bis zum Licht.

45.29 Man bringe reichlich Opferkost und Betel dar und vollziehe danach vorschriftsmäßig eine der neun Festformen.

45.30 Wer als Mensch diese hohe Einweihung der zur Hälfte weiblichen Gestalt vollziehen lässt, wird mit einundzwanzig Generationen seiner Familie in Shivas Welt geehrt.

45.31 Jede rituelle Handlung erlangt ihre Frucht durch den Abschluss mit einer Ehrengabe. Das Ritual gilt als Körper, die Ehrengabe als seine Lebenskraft.

45.32 Ein Ritual ohne Ehrengabe ist leblos und fruchtlos. Darum lasse man die Ehrengabe darbringen, durch die die Handlungen ihre ganze Frucht erhalten.

45.33 Auch ein Reicher, der wie ein Armer nur eine geringe Gabe überreicht, erlangt als Heuchler nicht die genannte Frucht.

45.34 Die kleinste Ehrengabe für den Acharya beträgt fünf Nishka, die mittlere das Dreifache und die größte das Sechsfache davon.

45.35 Die Opferpriester erhalten ein Zehntel davon, die Schriftrezitatoren die Hälfte dieses Anteils. Mantrarezitatoren erhalten so viel wie die Opferpriester, der Astrologe das Dreifache dieses Anteils.

45.36 Dies ist die Ehrengabe bei der Weihe eines figürlichen Bildes. Bei der Weihe des nichtfigürlichen Linga beträgt sie das Dreifache.

Kapitel 46: Die Einweihung des Stierfürsten

46.1 Bei ihrer Entstehung wurden jene beiden Gottheiten zu Reittieren. So ist die Entstehung erklärt. [Der Kapitelanfang setzt eine hier fehlende Erzählung voraus.] Nun folgt der für die Einweihung geeignete Mantra.

46.2 Ich erkläre den Wurzelmantra mit seinen sechs Angas und der Gayatri. Die auf La endende Silbe verbinde man mit dem siebten Vokal, Janardana,

46.3 mit Bindu und Nada; sie heißt Wurzelkeimsilbe. Am Ende stehen »Dem Stier Verehrung«, am Anfang Tara.

46.4 So bilde man den Wurzelmantra. Die Angas gestalte man wie zuvor, Herz und die übrigen in Verbindung mit dem Buchstaben Va. [Die Keimsilbenanweisung wird nicht zu einer sicher rezitierbaren Formel ergänzt.]

46.5 Die Gayatri spreche man so: »Wir erkennen den Scharfgehörnten; wir meditieren über den, dessen Füße die Veden sind. Möge jener Stier uns inspirieren!«

46.6 Damit sind die Mantras erklärt. Höre nun die Einweihung: Zuerst vollziehe man das Edelsteindepot auf einem Opfergrund aus Reis.

46.7 In dessen Mitte stelle man den Sockel unter dem Herz-Mantra auf und lege neun Edelsteine, beginnend mit Rubin, von der Mitte aus ein,

46.8 unter den Mantras der neun Shaktis. Dann setze man den Stier darauf und verbinde ihn ohne Zwischenraum fest mit dem Sockel.

46.9 Unter dem Wurzelmantra des Stierfürsten besprenge man ihn mit Duftwasser. Damit ist das Edelsteindepot beschrieben; nun folgt die Augenöffnung.

46.10 Auf einem ebensolchen Opfergrund in Shivas Gegenwart stelle man die Gottheit auf. Der Lehrer lasse den Bildhauer die Augenkreise gestalten.

46.11 Nach Abschluss dieser Arbeit setze der kundige Lehrer Sonne und Mond in die Augen ein und erfrische sie wiederholt,

46.12 rechts mit Ghee und links mit Milch, unter der Stier-Gayatri, mit goldenen Durva-Keimlingen.

46.13 Man ziehe den Vorhang zurück und zeige Brahmanen und eine Kuh. Danach reinige der Mantrakenner mit fünf Erden und Panchagavya.

46.14 Unter der Stier-Gayatri begieße man mit Duftwasser und reinige wiederholt mit den für ihn geeigneten Stoffen.

46.15 Man schmücke den Stier, führe ihn rechtsherum durch das Dorf und lasse ihn danach im Wasser ruhen, in Stoff gehüllt,

46.16 mit Girlande und Kusha-Büschel versehen, unter der Stier-Gayatri. Danach bringe man ihn in die Mitte der Badehalle.

46.17 Unter der Stier-Gayatri bade man ihn mit Panchagavya und den weiteren Stoffen und binde ein goldenes Schutzband an sein rechtes Horn.

46.18 Unter dem Schutzmantra umhülle man ihn mit Kusha-Büschel und Stoff. Halle und weitere Einrichtungen gestalte man mit den zuvor beschriebenen Merkmalen.

46.19 Ringsum liegen quadratische, halbmondförmige, runde und dreieckige Feuergruben; im Nordosten eine lotusförmige.

46.20 Nach dem Bestreichen mit Kuhdung lasse man den segensreichen Tag ausrufen, bereite vorschriftsmäßig einen Opfergrund und zeichne einen Lotus darauf.

46.21 Die Lagerstatt bereite und verehre man wie zuvor. Unter Sarvatman besprenge man den Stierfürsten und lege ihn darauf.

46.22 Man bringe ihn durch das Westtor zu der blumenbestreuten Lagerstatt, unter dem Klang von Muschelhorn und Trommel und der Rezitation des Samaveda.

46.23 Den mit den zuvor genannten Merkmalen versehenen Hauptkrug, wassergefüllt, mit Gold, Kusha-Büschel und schönen Stoffen, mit Duft und Sandelholz bestrichen,

46.24 stelle der Kundige unter der Stier-Gayatri neben den Höcker. Danach ordne er ringsum acht weitere Krüge an,

46.25 halb so groß, in Haupt- und Zwischenrichtungen. In ihnen befinden sich der Reihe nach die acht Richtungshüter, beginnend mit Indra.

46.26 Der Lehrer sei friedvoll, rein, in neue Gewänder gekleidet, mit fünffachem Schmuck, Kopfbedeckung und Obergewand versehen.

46.27 Schweigend verwandle er seinen Körper in Shivas Leib, heiter und freundlich. In der Höhlung seines Herzenslotus vergegenwärtige er die Gestalt des Stierfürsten.

46.28 Verbunden mit Atemlenkung führe er den Stier aus dem Herzen hervor. Die gefalteten Hände fülle er mit Blumen und vollziehe am schönen Krugwasser

46.29 Einladung und alle weiteren Schritte wie zuvor. Er setze den Wurzelmantra mit seinen Angas ein und verehre zuerst den Stier

46.30 mit Duft, Blumen und allen weiteren Gaben, dann die Richtungshüter. Für den Stierfürsten ist Mungreis, für die anderen reiner Reis vorgesehen.

46.31 Danach vollziehe der Lehrer mit den Sadhakas das Feueropfer und setze die Feuer nach den Regeln des Feuerrituals in die Gruben ein.

46.32 Im Osten beginnend lade er Indra, Yama, Varuna und Soma ein, in der Hauptgrube den Stierfürsten, und verehre sie.

46.33 Holz, Ghee, Opferspeise, gepufften Reis, Sesam, Nishpava und Mung opfere er der Reihe nach mit dem Wurzelmantra und den Angas.

46.34 Im Osten beginnend verwende man Holz von Plaksha, Udumbara, Ashvattha und Vata, in der Hauptgrube Palasha.

46.35 Nach jedem Stoff bringe man die Vyahriti-Gaben dar und berühre den Stier mit den entsprechenden Mantras. In jeder Grube opfere man unter der Stier-Gayatri mit Ghee

46.36 zehn Gaben, besprenge ringsum und schließe ab. Während des Opfers veranlasse man vorzügliche Schriftrezitation in den Richtungen.

46.37 Im Nordosten erfolgt Astra-Rezitation, begleitet von allen Instrumenten. Nach dieser Vorbereitung verbringe man die Nacht wachend.

46.38 Am Morgen bade man vorschriftsmäßig, vollziehe die täglichen Riten, betrete die Halle und verehre die Gottheiten in den Krügen.

46.39 Überall bringe man der Reihe nach die Vollgabe unter dem Wurzelmantra dar. Zu günstiger Stunde und bei günstigem Aszendenten vollziehe man das Mantra-Nyasa.

46.40 Dazu hebe man den Stier auf und stelle ihn auf die Badeplattform. Der Kundige entferne sämtliche Stoffe und Kusha-Büschel.

46.41 Unter dem Wurzelmantra gebe man Arghya auf den Kopf des Stierfürsten und begieße unter seiner Gayatri mit Duftwasser.

46.42 Dann nehme man die Krüge auf, vollziehe eine Rechtsumwandlung um den Tempel, bereite vor dem Stier einen Opfergrund und verehre wie zuvor.

46.43 Man meditiere über den im Hauptkrug gegenwärtigen Stierherrn. Unter dem Wurzelmantra lasse man daraus Wasser mit dem Kusha-Büschel auf seinen Kopf fließen

46.44 und setze friedvollen Geistes den Mantra-Leib des Stierfürsten ein. Die Angas vom Herzen an setze man in seine entsprechenden Körperstellen.

46.45 Auch mit den dort stehenden Richtungshüterkrügen begieße man ihn und verehre ihn der Reihe nach mit Arghya und allen Gaben bis zur Speise.

46.46 Mit Girlanden, Schmuck und Kleidung schmücke man den Stierherrn. Ist er beweglich, stelle der Lehrer ihn vor das göttliche Linga.

46.47 Bei einem unbeweglichen Bild vollziehe man das Mantra-Nyasa am bereits aufgestellten Stier. Wo er mit dem Gott auf demselben Sockel steht,

46.48 verrichte der Mantrakenner Augenöffnung und die übrigen Handlungen gemeinsam. In der Hauptgrube vollziehe man auch für ihn das Feueropfer unter seinem Wurzelmantra

46.49 und den Angas, jeweils hundert Gaben; die zusätzliche Zahlverbindung ist unklar. Seinen Krug stelle man nahe dem Gotteskrug auf.

46.50 Die übrigen Handlungen vollziehe man nach denen für Gott und Göttin. Wer den Stierfürsten, der Nachkommenschaft vermehrt, so vorschriftsmäßig einsetzt,

46.51 erlangt alle Wünsche und geht am Ende des Körpers zu Shiva.

Kapitel 47: Die Einweihung Brahmas

47.1 Ich erkläre Brahmas Einweihung, die Dharma, Wunscherfüllung, Wohlergehen und Befreiung gewährt. In der wie zuvor errichteten Halle lege man in den vier Richtungen, im Osten beginnend,

47.2 quadratische, halbmondförmige, runde und dreieckige Feuergruben an, im Nordosten eine lotusförmige.

47.3 Nach ihrer Vorbereitung vollziehe man sämtliche Handlungen. Man verehre Brahmas Bild und bringe es in die Badehalle.

47.4 Augenöffnung und die übrigen Handlungen vollziehe man wie zuvor, an allen acht Augen seiner vier Gesichter der Reihe nach.

47.5 Der ausgezeichnete Mantrakenner erfrische sie wie zuvor mit Honig und Ghee und spreche für die beiden Augen jedes Gesichtes die Sonnen- und Mondkeimsilbe.

47.6 Die übrigen Handlungen vollziehe der Kundige wie zuvor. Dann reinige er das Bild mit fünf Erden und den fünf Kuherzeugnissen

47.7 und wasche es unter Brahmas Gayatri. Nach Ausrufung des segensreichen Tages versehe man das Bild mit Girlande und Kusha-Büschel,

47.8 hülle es in neuen Stoff und bringe es an ein Gewässer. Dort lege der Kundige es an einer nabeltiefen Stelle

47.9 mit dem Kopf nach Osten ins Wasser. Nach Ablauf der zuvor angegebenen Zeit bringe man das Bild zurück

47.10 in die mit Ablauf und Auffanggrube versehene Badehalle. Man stelle es auf die Plattform und entferne Kusha-Büschel und weitere Umhüllungen.

47.11 Unter Gayatri und Pranava begieße man mit Duftwasser, lasse den segensreichen Tag ausrufen und binde unter dem Herz-Mantra das Schutzband um.

47.12 Man umhülle das Bild mit Girlanden und herabhängendem Kusha-Büschel. Auf dem Altar der Halle bereite man den Opfergrund,

47.13 ebenso die Lagerstatt wie zuvor, und lasse den segensreichen Tag ausrufen. Vastu-Feueropfer und alle weiteren Schritte erfolgen wie zuvor.

47.14 Durch das West- oder Nordtor bringe man den Gott herein und lege ihn unter dem Pranava auf die Lagerstatt.

47.15 Dann bedecke man das Bild mit neuem gelbem Stoff und bringe Arghya auf dem Kopf unter dem Pranava dar.

47.16 Der schöne Brahma-Krug fasst ein Drona, ist mit weißem Faden umwunden und ganz mit Duftwasser gefüllt,

47.17 mit goldenem Lotus, Kusha-Büschel und Deckel versehen. Man hülle ihn in zwei neue Tücher und stelle ihn in die Altarmitte.

47.18 Ringsum stelle man ebensolche Krüge von halber Größe auf und verehre die zugehörigen Gottheiten der Reihe nach.

47.19 Man meditiere über den vierarmigen, viergesichtigen Gott, im gebundenen Lotussitz auf einem Lotusthron sitzend, goldglänzend und weiß gekleidet,

47.20 mit Gnadengewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste, Wassergefäß und Gebetskette. Unter dem Wurzelmantra setze man ihn ins Krugwasser ein.

47.21 Man vollziehe Einladung und die weiteren Schritte und verehre mit Duft und Blumen. Die Richtungshüter verehre man an ihren Orten unter ihren jeweiligen Mantras.

47.22 Danach vollziehe man das Feueropfer ringsum in den Gruben, in die man das Feuer nach den Feuerritualregeln eingesetzt hat.

47.23 Die jeweiligen Richtungshüter verehre man ringsum in ihren Krügen, Brahma mit seinen Angas im Hauptbereich.

47.24 Holz, Ghee, Opferspeise, Sesam, Bambussamen, Gerste und Masha opfere der Kundige der Reihe nach unter Wurzel- und Anga-Mantras,

47.25 jeweils hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Gaben. Als Hölzer nehme man im Osten beginnend Plaksha, Udumbara, Ashvattha und Vata,

47.26 für die Hauptgrube Palasha. Danach vollziehe man überall ein Opfer unter der Gayatri,

47.27 ausschließlich mit Ghee, in derselben Anzahl wie zuvor. Nach Abschluss des Opfers besprenge man das Feuer ringsum.

47.28 Den Gottheiten in den Krügen bringe man Opferkost dar. Nach dem Rest der Nacht erhebe sich der Lehrer am Morgen.

47.29 Nach den täglichen Riten betrete der friedvolle Mantrakenner mit den Murti-Hütern die Halle, mit fünffachem Schmuck versehen,

47.30 mit Kopfbedeckung und Obergewand. Nachdem er seinen Mantra-Leib gebildet hat, verehre er die dortigen Gottheiten und lasse die Vollgabe darbringen,

47.31 unter dem Wurzelmantra bis zu den Vyahritis, und besprenge das Feuer ringsum. Dann hebe man den Gott von der Lagerstatt und führe ihn rechtsherum um den Tempel.

47.32 Mit Wagen oder anderen Trägern gelange man hinein und bringe Arghya am Herzen des Bildes dar. In die Sockelvertiefung lege man wie zuvor neun Edelsteine und weitere Stoffe.

47.33 Dort verehre man Vagishvari. Das vom Wagen neben dem Sockel abgenommene Bild setze der Kundige nun ein,

47.34 unter dem Wurzelmantra dem Hauptheiligtum zugewandt, und verbinde es wie zuvor sorgfältig mit dem Sockel.

47.35 Man lasse die Bildhauerarbeiten abschließen und entlasse den Handwerker mit Ehrung. Dann bade der Mantrakenner und bilde seinen Mantra-Leib.

47.36 Er verehre die Gottheiten in den Krügen, nehme diese der Reihe nach auf und betrete nach einer Rechtsumwandlung das Innere des Gebäudes.

47.37 Vorne stelle man die Krüge an ihren Orten auf einen Opfergrund und verehre sie mit Duft und Blumen. Das Bild reinige man mit reinem Wasser,

47.38 fünf Erden und Panchagavya, begieße es, lasse den segensreichen Tag ausrufen und vollziehe das Einsetzen der Mantras.

47.39 Bequem nach Norden gewandt sitzend setze der Lehrer die Angas, beginnend mit dem Herzen, in seine beiden Hände ein,

47.40 vom Daumen bis zum kleinen Finger, bis zum Augenmantra; Astra setze er in die beiden Handflächen. Dann setze er Herz und die übrigen Angas in die entsprechenden Körperstellen,

47.41 den Wurzelmantra in die Herzmitte. Nachdem er so seinen Mantra-Leib gebildet hat, vergegenwärtige er sich den Gott.

47.42 Den im Krug verehrten Gott setze der ausgezeichnete Mantrakenner unter dem Wurzelmantra wie zuvor ins Herz des Bildes ein.

47.43 Auch dessen Angas setze er in Herz und weitere Körperstellen ein. Unter dem Wurzelmantra verehre er ihn mit Duft, Blumen und den weiteren Gaben.

47.44 Man bringe reichlich Opferkost und Betel dar.

Kapitel 48: Die Einweihung der Müttergöttinnen

48.1 Nun wird die Einweihung der Mütter samt Gefolge erklärt. In Shiva-Tempeln stehen sie im Süden, in Dörfern und ähnlichen Orten im Nordosten

48.2 oder im Norden, ferner an Flussufern, in Gärten, schönen Wäldern oder auf reizvollen Bergen.

48.3 An jedem geeigneten abgelegenen Ort darf der vortreffliche Lehrer sie einsetzen. In Shiva-Tempeln und Dörfern stelle man Vaishnavi in die Mitte,

48.4 andernorts Chamunda. Die Mütter, beginnend mit Brahmi, wurden einst zum Schutz der Welt geschaffen.

48.5 Brahmani wurde von Brahma geschaffen, Maheshvari von Mahesha, Kaumari vom Sechsgesichtigen und Vaishnavi von Vishnu.

48.6 Varahi wurde vom Opfer-Eber geschaffen, Indrani von Indra und Kalaratri von Uma. In Gestalt, Reittier und Kennzeichen

48.7 gleichen sie jeweils ihren Gottheiten. Chamunda aber ist überaus furchterregend, mit zornig verzogenen Brauen, die Vernichterin allen Unheils,

48.8 dreiäugig und vierarmig, mit einem Pishacha als Bannerzeichen und Reittier. Damit ist die Entstehung der Mütter erklärt; höre nun ihre Mantras.

48.9 Für Brahmi und die übrigen bilde man die Wurzelmantras mit den Buchstaben von Ya bis Sa, verbunden mit Bindu und Nada.

48.10 Daran füge man den jeweiligen Namen im Dativ und die Verehrungsformel. Für Virabhadra ist Ha, für Ganesha Ga vorgesehen.

48.11 So bilde man die Wurzelmantras und daraus die Angas, Herz und die übrigen, wie zuvor. Nun folgt die Einweihungsvorschrift.

48.12 Dazu errichte man nach der bisherigen Vorschrift eine Halle mit mittlerem Altar und ringsum Feuerstätten.

48.13 In den Richtungen gestalte man yoniförmige Gruben; für Nordosten und Osten sind jedoch eine runde und eine quadratische vorgesehen.

48.14 Zwischen Osten und Nordosten errichte man die lotusförmige Hauptgrube. Vorbereitung und Ausschmückung der Halle erfolgen wie zuvor.

48.15 Die Augenöffnung lasse man bei jeder Gestalt gesondert vom Bildhauer vollziehen. Danach trage der Guru Honig und Milch auf die Augen auf,

48.16 rechts und links unter dem jeweiligen Augenmantra, sorgfältig mit goldenem Durva.

48.17 Bei dreiäugigen Gestalten erfrische man das Stirnauge anschließend mit Ghee unter der Feuerkeimsilbe.

48.18 Mit den drei golden überzogenen Fingerspitzen setze man Sonne, Mond und Feuer in die jeweiligen Augen ein.

48.19 Bei den anderen setze man Sonne und Mond in die beiden Augen ein. Danach begieße man unter den jeweiligen Herz-Mantras mit Panchagavya

48.20 und reinige mit fünf Erden. Anschließend begieße man mit Duftwasser unter Rezitation der fünf Brahma-Mantras.

48.21 Danach lasse der Kundige den segensreichen Tag jeweils gesondert ausrufen. Alle Bilder versehe man mit Kusha-Büscheln und Girlanden

48.22 und umhülle sie mit reinem neuem Stoff. Jedem bringe der Mantrakenner Arghya auf dem Kopf dar,

48.23 unter seinem jeweiligen Herz-Mantra. Dann führe man sie auf Wagen oder anderen Trägern rings durch das Dorf und begebe sich zum Gewässer.

48.24 In der Reihenfolge der späteren Aufstellung lege man alle ins Wasser. Ringsum verehre man Richtungshüter und Waffen mit Duft und weiteren Gaben.

48.25 Die Dauer der Wasserlagerung wurde bereits erklärt. Dann hebe man alle Bilder der Reihe nach auf, einschließlich der Begleitgottheiten,

48.26 setze sie am Abend auf Wagen und bringe sie in die Badehalle auf die Badeplattform.

48.27 Der Lehrer entferne der Reihe nach Stoffe, Kusha-Büschel und Ähnliches und reinige wie zuvor mit fünf Erden und Panchagavya.

48.28 Nach Ausrufung des segensreichen Tages bringe der ausgezeichnete Mantrakenner auf den Köpfen aller der Reihe nach Arghya dar.

48.29 Unter den jeweiligen Keimsilben und Herz-Mantras binde er ihnen Schutzbänder um. Auf dem wie zuvor bereiteten Opfergrund des Altars

48.30 richte man gesonderte Lagerstätten ein und lege die Bilder, beginnend mit Vira und endend mit Vighna, der Reihe nach in die acht Richtungen.

48.31 Diejenige Göttin, die in der Mitte stehen soll, lege man dort nieder. Bei allen weist der Kopf nach Osten und das Gesicht nach oben.

48.32 Unter den jeweiligen Herz-Mantras lege der Mantrakenner Kusha-Büschel, Blumen, Stoff, Kusha-Gras und Duft auf die Bilder.

48.33 Man umhülle sie unverzüglich mit Stoffen. Dann stelle man feste Krüge auf, ein Drona fassend, aus Gold oder anderen geeigneten Materialien,

48.34 mit weißen Fäden geschmückt, ganz mit Duftwasser gefüllt, mit Kusha-Büscheln, Stoffen und Gold versehen und mit Duft und Sandelholz bestrichen.

48.35 Man umhülle sie sorgfältig mit weißem Stoff, verschließe sie mit Deckeln und stelle sie rechts an die Kopfseite der Bilder, von der Mitte aus beginnend.

48.36 Nach Ausrufung des segensreichen Tages besprenge man unter den fünf Brahma-Mantras und verehre alle. Nun folgt die Verehrungsvorschrift.

48.37 Südlich des Altars sitze man bequem nach Norden gewandt und vollziehe dreimal Pranayama in der mit Ausatmung beginnenden Folge.

48.38 Man vollziehe inneres Verbrennen, Überfluten und Elementereinigung. Unter dem Wurzelmantra der mittleren Göttin nehme man die Einsetzungen in die Finger vor,

48.39 vom kleinen Finger bis zum Daumen, mit Herz und den übrigen bis Astra; das Auge setze man in die Handfläche, den Wurzelmantra in alle Finger. [Die Verteilung der sechs Angas ist im Vers nicht vollständig eindeutig.]

48.40 Nach dem Hand-Nyasa folge das Körper-Nyasa: Die sechs Angas vom Herzen an setze man an ihren jeweiligen Orten ein.

48.41 Danach meditiere man im Herzenslotus über die mittlere Göttin und lade sie unter ihrem Wurzelmantra in den Krug ein.

48.42 Alle weiteren Handlungen vollziehe man wie zuvor. Man setze ihre Angas ein und verehre sie an den entsprechenden Stellen.

48.43 So verfahre man der Reihe nach mit den übrigen, im Osten beginnend: einsetzen, meditieren und verehren. Dann vollziehe man das Feueropfer; seine Vorschrift folgt.

48.44 Nach den Feuerritualregeln setze man die Feuer in die Gruben ein. In der Hauptgrube verehre man die mittlere Göttin gesondert mit ihren Angas bis Astra.

48.45 In den übrigen Gruben verehre man im Osten beginnend Vira und die weiteren der Reihe nach. Der Lehrer ist Opferpriester der Hauptgrube;

48.46 an den acht übrigen opfern Sadhakas oder Putrakas. Palasha, Udumbara, Ashvattha, Vata, Plaksha und Mayuraka,

48.47 Shami, Khadira und Bilva sind die Hölzer für Vira und die übrigen in ihrer Reihenfolge. Nun werden die weiteren Stoffe genannt.

48.48 Ghee, Opferspeise, gepufften Reis, Sesam und Senf opfere man in allen Gruben unter den mit dem Herzen beginnenden Mantras.

48.49 Zuerst erfolgt überall das Holzopfer unter dem jeweiligen Wurzelmantra. Die übrigen Opfer bringe man mit den jeweiligen Anga-Mantras in den zugehörigen Gruben dar.

48.50 Nach jedem Stoff, im Anschluss an die Vyahritis, berühre der Guru mit den Opferpriestern bei allen Bildern die entsprechenden Glieder unter ihren Mantras.

48.51 Nach Abschluss des Opfers verehre man die Gottheiten und besprenge vorschriftsmäßig die Feuer in den Gruben ringsum.

48.52 Danach bringe man ihnen vorschriftsmäßig Opferkost dar. Den Rest der Nacht lasse man verstreichen; morgens vollziehe man mit den Opferpriestern

48.53 alle täglichen Riten, betrete die Halle und verehre sämtliche Gottheiten in den Krügen.

48.54 Ebenso verehre man sie in den Gruben und lasse unter ihren Wurzelmantras die Vollgaben darbringen. Danach verehre man die Bilder.

48.55 Man hebe sie der Reihe nach behutsam auf und entferne Stoffe und Ähnliches unter den jeweiligen Herz-Mantras.

48.56 Auf ihren Köpfen bringe man Arghya dar. Das Bild der mittleren Göttin führe man rechtsherum zum Tempel und hinein.

48.57 Man setze Edelsteine und Keimsilben vorschriftsmäßig samt Herz-Mantra ein, verehre dort die Göttin und berühre ihren Kopf unter dem Wurzelmantra.

48.58 Mit dem ausgezeichneten Bildhauer stelle man die Göttin auf. Die übrigen Mütter samt Gefolge setze man an ihre jeweiligen Plätze,

48.59 jeder mit eigenem Edelsteindepot und weiteren Gaben, rechts und links in der vorgesehenen Reihenfolge, unter ihren Wurzelmantras wie zuvor.

48.60 Alle Mütter blicken nach Norden, Viresha nach Westen und Vighnesha nach Osten: So ist die Ausrichtung bei der Aufstellung bestimmt.

48.61 Danach bade der Guru und lasse im Tempel den segensreichen Tag ausrufen. Unter den fünf Brahma-Mantras besprenge er ihn und gehe hinaus.

48.62 Zu günstiger Stunde und bei günstigem Aszendenten nehme man die Krüge der Reihe nach auf, vollziehe eine Rechtsumwandlung und betrete den Tempel.

48.63 Vor den jeweiligen Bildern stelle man die Krüge auf Opfergründe. Der Lehrer hat seinen Körper wie zuvor mit Mantras geweiht und trägt fünffachen Schmuck,

48.64 Kopfbedeckung und Obergewand. An den Krügen vollziehe er das Mantra-Nyasa in der Reihenfolge der Aufstellung wie zuvor.

48.65 Nach gesonderter Verehrung begieße man aus den Krügen; bei der mittleren Göttin sind Vama und die übrigen ringsum gegenwärtig. [Der abschließende Satz zur Umfassung ist verkürzt.]

48.66 Danach bestreiche man alle Bilder mit Sandelholz und Duftwasser, das nach Kampfer und Agaru duftet, und schmücke sie mit Kleidung und Schmuck.

48.67 Jeder bringe man vorschriftsmäßig reichlich Opferkost dar, ebenso jeweils Betel mit Mundduftmitteln.

48.68 So erfolgt die Aufstellung unbeweglicher Bilder. Bei Stein-, Ton- und gemalten Darstellungen sind Edelsteindepot und weitere Handlungen

48.69 entsprechend ihrer Eignung anzuwenden; ebenso bei beweglichen Bildern. Vor gemalten und tönernen Darstellungen errichte man ein Podest.

48.70 Außerhalb des Shiva-Tempels vollziehe man ihre Verehrung nach dem im Matri-Tantra beschriebenen Verfahren, mit einem durch die Mantras der Mütter geheiligten Feuer.

Kapitel 49: Die Einweihung Vinayakas

49.1 Ich erkläre Vinayakas Einweihung, beginnend mit seiner Entstehung, sowie seinen Mantra. Höre dies von mir in knapper Form.

49.2 Einst spielte ich mit Uma am Ufer des Manasa-Sees. Wir sahen Elefanten mit herrlichen Elefantenkühen,

49.3 die sich nach Lust an jenem schönen Ufer vergnügten. Auch dort im Gewässer, bei den reizvollen Tieren,

49.4 sprach sie sinngemäß: »Nehmen wir Elefantengestalt an, bringen wir zu unserer Freude einen vortrefflichen elefantengesichtigen Sohn hervor

49.5 und spielen wir nach Herzenslust mit ihm.« Was mir damals so gesagt wurde, führte ich augenblicklich aus. [Die Einleitung der Rede ist in 49.3–5 syntaktisch beschädigt.]

49.6 Nachdem wir lange in Elefantengestalt gespielt hatten, beendete ich dieses Spiel. Im Gedanken an die Aufgabe der Götter und mit dem Wunsch nach dem Wohl der Welten

49.7 machte ich zusammen mit Uma unseren Sohn, den Bezwinger der Götterfeinde, zum obersten Führer der vierzehnfachen Welt.

49.8 Darum ist sein Name Vinayaka bekannt. Ich verlieh ihm die Herrschaft über die achtzehn Gana-Klassen,

49.9 die Herrschaft über die Hindernisse und eine unvergleichliche Eigenherrschaft. Darauf verehrten ihn alle Götter, beginnend mit Indra,

49.10 zu Beginn ihrer Handlungen, damit ihre Anliegen gelängen. So ist seine Entstehung erklärt; höre nun seinen Mantra.

49.11 Der Buchstabe nach Kha, verbunden mit dem ersten Vokal, Bindu und Nada, bildet die Wurzel; hinzu kommt Ganeshas Name im Dativ.

49.12 Mit der Verehrungsformel am Ende gewährt er alle Vollkommenheiten. Herz und die übrigen Angas bilde man wie zuvor.

49.13 Seine Gayatri, die die Frucht aller Wünsche gewährt, lautet: »Wir erkennen den Herrn der Ganas; wir meditieren über den Elefantengesichtigen.

49.14 Möge jener Stoßzahnträger uns inspirieren!« So ist der Mantra mit seinen Angas und seiner Gayatri erklärt.

49.15 Der geeignete Platz für seine Einweihung liegt in Tempelanlagen, Dörfern und ähnlichen Orten im westlichen oder südlichen Bereich.

49.16 Auch an den zuvor als geeignet für ein Linga genannten Orten kann man ihn einsetzen. Man errichte eine quadratische Halle,

49.17 südlich, nördlich oder davor. Ringsum lege der Kundige Feuergruben in Haupt- und Zwischenrichtungen an:

49.18 der Reihe nach quadratisch, bogenförmig, rund und dreieckig; in den Zwischenrichtungen quadratisch.

49.19 Zwischen Osten und Nordosten liegt die lotusförmige Hauptgrube. Bei ausreichenden Mitteln erfolgen neun Feueropfer, sonst fünf.

49.20 Bei fünf Feuerstellen befindet sich die Hauptgrube im Nordosten. Alle Vorbereitungen der Halle führe man wie zuvor aus.

49.21 Dann vollziehe man die Augenöffnung in der geschmückten Halle. Auf einem Opfergrund stelle man das Bild nach Osten gewandt auf und lasse den Bildhauer

49.22 hinter einem Vorhang, das Bild in neuen Stoff gehüllt, Brauenlinie, Wimpernlinie und dunkle Iris

49.23 sowie Pupille mit sicherer Hand und goldener Nadel nach den Merkmalen gestalten. Dann nehme der Mantrakenner goldenes Durva

49.24 sowie Honig, Ghee und Milch in Gefäßen, mit goldenen Krügen versehen und unter Astra besprengt, und erfrische die Augen der Reihe nach.

49.25 Wie zuvor verfahre er dabei und zeige danach eine Kuh. Unter Astra reinige er mit fünf Erden und Panchagavya.

49.26 Er führe das Bild rechtsherum durch Dorf oder Stadt und zum Gewässer. Dort stelle er Vinayaka am Ufer auf.

49.27 Nach Ausrufung des segensreichen Tages und Besprengung versehe man ihn mit Kusha-Büschel und Girlande, hülle ihn in neuen Stoff und steige ins Wasser.

49.28 Wie zuvor lege man ihn nieder und lasse die angegebene Zeit verstreichen. Dann bringe man ihn auf die Plattform der Badehalle.

49.29 Nach Osten gewandt stelle man den Gott auf, begieße ihn mit Panchagavya, dann mit Duftwasser unter der Gayatri und dem Pranava.

49.30 Der Kundige binde das Schutzband um und umhülle ihn sorgfältig mit Kusha-Büschel und reinem weißem Stoff.

49.31 In der Halle bereite man Opfergrund und Lagerstatt wie zuvor und verehre die dortigen Gottheiten der Reihe nach.

49.32 Dann bringe man den Gott herbei und lege ihn unter dem Wurzelmantra mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben auf die Lagerstatt.

49.33 Einen aus Gold oder anderem Material gefertigten, wassergefüllten und wie zuvor vorbereiteten Krug stelle man rechts an die Kopfseite.

49.34 Ringsum stelle man acht weitere ebensolche Krüge auf und verehre darin die Gottheiten, in der Mitte beginnend.

49.35 Südlich des Altars sitze der Lehrer bequem nach Osten oder Norden gewandt und bilde seinen Mantra-Leib.

49.36 Dafür wird nun das Verfahren erklärt: Die Angas, beginnend mit dem Herzen, setze man in die Finger ein,

49.37 vom Daumen bis zum kleinen Finger; Astra in die Handfläche. Danach setze der Guru die sechs Angas an den jeweiligen Körperstellen ein.

49.38 Nachdem er so zum Mantra-Leib geworden ist, setze er Ganesha ins Herz. Nach dreimaliger Atemlenkung meditiere er in der Mitte des Herzenslotus

49.39 über ihn: dreiäugig, vierarmig, rot und in roten Gewändern leuchtend, mit einem Stoßzahn, herabhängendem Rüssel und einer Schlange als heiliger Schnur,

49.40 rechts Beil und Stoßzahn, links Frucht und Schlinge tragend, wie die junge Sonne strahlend und elefantengesichtig.

49.41 Der Vinayaka-Krug sei mit Duft und Sandelholz bestrichen, mit Duftstoffen und Girlanden umgeben und der Reihe nach mit Duft, Blumen und Räucherwerk

49.42 unter seinem Herz-Mantra verehrt und durch die Nektar-Mudra geheiligt. Dorthin lade man Ganesha aus dem Herzen mit der entsprechenden Mudra ein.

49.43 Mit Sthapani setze man ihn ein, mit Nirodhini halte man ihn fest, mit Sannidhani vergegenwärtige man den Elefantengesichtigen.

49.44 Unter dem Wurzelmantra verehre man den Herrn der Ganas als Mantragestalt mit Duft, Blumen und allen Arten von Speisen,

49.45 begleitet von Vedarezitation und sämtlichen Instrumenten. Dann setze man Varada, Vira, Vighnesha und Gajanana,

49.46 Bhakshyapriya, Gajakarna, Lamboshtha und Vighnanashana in die acht äußeren Krüge ein, im Osten beginnend.

49.47 Man verehre sie mit Duft und Blumen unter ihren Namensmantras. Dann erhebe man sich mit Arghya in der Hand und gebe es in die Feuergrube.

49.48 Der Acharya vollziehe mit den Opferpriestern, Sadhakas oder Putrakas die Vorbereitung der Gruben und die weiteren Handlungen gemäß der Schrift.

49.49 Danach opfern sie der Reihe nach unter Mantras Holz, Ghee, Opferspeise, gepufften Reis, geröstetes Mehl, Gerste und Sesam,

49.50 unter Wurzelmantra und sechs Angas jeweils in gleicher Folge. Auch viele wohlschmeckende Speisen und Früchte

49.51 opfern sie nach Verfügbarkeit unter dem Wurzelmantra, bester der Götter. Mit dem Mantra, der mit »Gananam« beginnt, bringe man hundert Ghee-Gaben dar,

49.52 ebenso hundert unter der Gayatri in allen Gruben. Nach jedem Stoff folgen die Vyahritis; dann erhebe man sich mit den Opferpriestern

49.53 und berühre unter Vergegenwärtigung des jeweiligen Mantras die entsprechenden Körperstellen des Bildes gemeinsam mit ihnen.

49.54 In den Gruben verehre man an ihren Orten Varada und die übrigen, in der Hauptgrube Ganeshvara. Unter den jeweiligen Mantras opfere man ihnen zehn Ghee-Gaben

49.55 zum Abschluss der Opfer der Reihe nach. Im Osten beginnend verwende man Plaksha, Udumbara, Ashvattha und Vata,

49.56 in den Ecken Shami, Apamarga, Khadira und Arka, für die Hauptgrube fehlerloses Palasha-Holz.

49.57 Während des Opfers rezitieren die an ihren Orten Sitzenden die Schriften. Am Ende gebe man allen Gottheiten in den Krügen Opferkost.

49.58 Nach diesen nächtlichen Riten vollziehe der Kundige am Morgen die Aufstellung. Der Acharya bade mit den Murti-Hütern und verrichte die täglichen Riten.

49.59 Er betrete die Halle, verehre die Gottheiten wie zuvor und lasse überall die Vollgaben unter dem Wurzelmantra darbringen.

49.60 Der vortreffliche Lehrer hebe den Gott von der Lagerstatt, führe ihn rechtsherum um den Tempel und betrete das Innere.

49.61 Mit dem Bildhauer stelle er Ganesha im inneren Schrein am vorgeschriebenen Platz auf. In die Mitte des Sockels lege der Guru

49.62 Edelsteine, Metalle, Mineralien, Duftstoffe und Heilpflanzen sowie Samen und setze darauf die Gottheit ein.

49.63 Nach fester Verbindung lasse der Mantrakenner den segensreichen Tag ausrufen. Er bade, vollziehe Achamana und werde rein, friedvollen Geistes und aufmerksam.

49.64 Dann gehe der Guru mit gebildetem Mantra-Leib zur Halle und verehre die Krüge wie zuvor der Reihe nach mit Duft und Blumen.

49.65 Er nehme Ganeshas Krug von der Lagerstatt auf, führe ihn rechtsherum, betrete den Schrein und stelle ihn vorne ab.

49.66 Zu günstiger Stunde und bei günstigem Aszendenten, wie vom Astrologen angezeigt, reinige der heitere Mantrakenner seinen Körper erneut durch Mantras.

49.67 Mit Kopfbedeckung, Obergewand und weißer Kleidung, sanft und heiter, setze er Ganeshvara als Mantra-Leib ein.

49.68 Mit dem grobstofflichen Wasser des Kusha-Büschels setze er dessen äußerst feine Gegenwart in den Bildkörper ein, danach den die Lebenskraft tragenden Wurzelmantra und die Angas der Reihe nach.

49.69 Den Wurzelmantra samt Angas verehre man mit Duft und Blumen. Dann setze man den Wurzelmantra auf den Kopf, die Stirn und das Gesicht,

49.70 in Hals, Schultern, Arme, Hände, Bauch, Nabel, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Knöchel.

49.71 Nach diesen Einsetzungen verehre der Mantrakenner mit Duft und Blumen. Danach setze er die acht, beginnend mit Varada, im Osten beginnend ringsum ein.

49.72 Mit ihren Krügen verfahre man entsprechend der Reihe nach und vollziehe die Begießung. Danach schmücke man Ganeshvara

49.73 mit Kleidung, Schmuck und Girlanden und bringe unter dem Herz-Mantra Milchspeise und mit Ghee bereitetes Gebäck dar.

49.74 Ganesha biete man Betel und Mundduftmittel an. Bei Bildern aus Metall, Holz, Stuck und anderen Materialien, Herr der Götter,

49.75 sind die entsprechenden Änderungen der Handlungsfolge bis zum Edelsteindepot zulässig; dies gilt für alle Einweihungen.

49.76 Damit ist Ganeshas Einweihung als Begleitgottheit erklärt. Bei seiner Weihe als Hauptgottheit gelten diese Besonderheiten, Vishnu:

49.77 Ganeshas Tempel soll stets eine Osttür besitzen. Supravesha, Suvritta, Vamana, Shankhapalaka,

49.78 Mahavira, Bhairava, Viresha und Ugrarupaka sind seine acht Begleitgottheiten, Janardana.

49.79 Man setze sie rings um den Altar ein, im Osten beginnend, auch in ihren Krügen. Als die beiden Torhüter setze man

49.80 Vira und Mahavira mit starken Fangzähnen an die Türseiten. Vorne setze man das Reittier des Ganakönigs ein. [Der Tiername ist in der vorliegenden Lesung beschädigt.]

49.81 All diese setze der Mantrakenner mit ihren Namensmantras ein. Nach ihrer rituellen Vorbereitung bringe er sie am Ende der Einweihung

49.82 auf die Podeste an ihre jeweiligen Plätze, vorne beginnend. Der so eingesetzte Gott gewährt alle Wünsche.

49.83 Besonders wer sich einen Sohn wünscht, soll Ganeshvara einsetzen lassen.

Kapitel 50: Die Einweihung Skandas

50.1 Ich erkläre Skandas Einweihung, beginnend mit seiner Entstehung, und seinen Mantra. Höre alles in knapper Form, Herr der Götter.

50.2 Skanda ist aus meinem Körper entstanden, besitzt meine Kraft und meinen Heldenmut. Ich selbst schuf einst Umas Sohn zum Wohl der Welt.

50.3 Weil er aus dem Feuer hervorging, heißt er Agneya. Damit seine Geburt ohne Mutterschoß geschehe, gab ich unter den vortrefflichen Göttern

50.4 meine Zeugungskraft zuerst in den Mund Vaishvanaras. Dieser konnte sie nicht ertragen, ging in ein Schilfdickicht

50.5 und gab sie dort ab. Mit der Zeit wurde dort der Gott sichtbar, mit vollständig ausgebildeten Gliedern, strahlend wie das flammende Weltende-Feuer.

50.6 Darum heißt er Agneya und der im Schilf Geborene; Skanda, Kumara, Senani, Subrahmanya und Guru

50.7 sind neben vielen anderen seine Namen. Er heißt Skanda, weil er aus allen Verfehlungen heraustreten lässt.

50.8 Weil er die Verwerflichen vernichtet, heißt er Kumara; Senani heißt er, weil er das Götterheer schützt.

50.9 Seine Einweihung und Verehrung werden durch Mantras vollzogen. Darum erkläre ich den Mantra, der die vier Lebensziele gewährt.

50.10 Das Ende des zweiten Gliedes der achten Gruppe, verbunden mit dem Anfang der zweiten und mit der ersten Keimsilbe, heißt Wurzelmantra. [Die verschlüsselte Buchstabenanweisung ist nicht sicher auflösbar.]

50.11 Man verbinde ihn mit Bindu und Nada, mit seinem Namen im Dativ und mit der Verehrungsformel am Ende.

50.12 Herz und die übrigen Angas bilde man wie zuvor. »Wir erkennen Subrahmanya; wir meditieren über den, der die Lanze in der Hand hält.

50.13 Möge Skanda uns inspirieren!« So lautet seine Gayatri. Nun wird seine Einweihung erklärt.

50.14 Sie kann an den für die Linga-Aufstellung geeigneten Orten erfolgen; in Dörfern und Shiva-Tempeln setze man ihn an den genannten Plätzen ein.

50.15 Vor dem errichteten Heiligtum oder an einer seiner Seiten baue man wie zuvor eine Halle mit Feuergruben und Altar.

50.16 Diese Besonderheit gilt: Die Hauptgrube ist sechseckig. Nachdem die Halle mit Kuhdung bestrichen und wie zuvor vorbereitet ist,

50.17 vollziehe man die Augenöffnung in der Badehalle. Als selbstständige Hauptgottheit kann das Bild sechs Gesichter oder eines haben.

50.18 Als Begleitgottheit ist ein eingesichtiges Bild aufzustellen, Hari. Man stelle es auf einen wie zuvor bereiteten Opfergrund

50.19 und lasse den Bildhauer mit goldener Nadel die Augen nachziehen. Nach Abschluss seiner Arbeit besprenge man mit Kusha-Wasser.

50.20 Unter Skandas Gayatri nehme man danach die Einsetzungen an den zwölf Augen der Reihe nach vor, rechts und links mit Sonnen- und Mondkeimsilbe.

50.21 Je ein Prastha Honig und Milch stelle man in Gold- oder anderen geeigneten Gefäßen vor dem Bild auf einen Opfergrund und besprenge sie mit Shiva-Wasser.

50.22 Mit der Dhenu genannten Mudra mache man sie zu Nektar. Mit goldenem Durva erfrische der Mantrakenner

50.23 die rechten und linken Augen mit Honig und Milch unter dem Augenmantra. Bei einer dreiäugigen Gestalt verfahre man am Stirnauge entsprechend:

50.24 Man setze den Feuermantra ein und erfrische mit Ghee. Danach ziehe man den Vorhang zurück und zeige Asketen, Brahmanen

50.25 und eine Kuh unter der Gayatri. Der vortreffliche Lehrer veranlasse die Reinigung des Bildes mit fünf Erden und Panchagavya.

50.26 Unter Skandas Gayatri begieße man es mit Duftwasser und führe es danach rechtsherum durch Dorf oder Stadt.

50.27 Der Lehrer bringe es zum Gewässer, stelle es am Ufer auf, begieße es und umhülle es dort sorgfältig mit Stoff, Kusha-Büschel und Girlande.

50.28 Er bringe Arghya auf dem Kopf dar und lege das Bild nach der zuvor genannten Vorschrift ins Wasser.

50.29 Danach bringe man es aus dem Wasser in die Badehalle und stelle es nach Osten gewandt auf die Badeplattform.

50.30 Man lege Stoffe und Kusha-Büschel ab, begieße unter Skandas Gayatri mit Wasser und lasse vorschriftsmäßig den segensreichen Tag ausrufen.

50.31 Unter Vergegenwärtigung des Herz-Mantras binde man das goldene Schutzband um und umhülle das Bild wie zuvor mit Kusha-Büschel und Stoff.

50.32 Auf dem Opfergrund des Hallenaltars bereite man die Lagerstatt wie zuvor, besprenge sie und verehre die Gottheiten.

50.33 Der Lehrer bringe das Bild herbei und lege es mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben darauf. Mit rotem Stoff

50.34 bedecke man es und stelle die Krüge an seiner Kopfseite auf: den schönen Hauptkrug aus Gold oder anderem geeignetem Material, ein Drona fassend,

50.35 mit weißem Faden geschmückt, mit Duftwasser gefüllt, versehen mit fünf Edelsteinen, Kusha-Büschel und Deckel,

50.36 am Hals mit Stoff umhüllt und mit Girlanden und jungen Blättern geschmückt. Die acht Begleitkrüge sind halb so groß

50.37 und ebenso ausgestattet; der Mantrakenner stelle sie im Osten beginnend ringsum auf. Südlich des Altars sitze er nach Norden gewandt.

50.38 Nach dreimaliger Atemlenkung bilde er seinen Mantra-Leib; Hand- und Körper-Nyasa erfolgen mit Skandas Mantra.

50.39 Über die Gestalt Guhas meditiere er so, wie das äußere Bild beschaffen ist. Dann lade er ihn durch den Atemweg in den Hauptkrug ein.

50.40 Er setze ihn ein, vergegenwärtige ihn und halte ihn fest. All dies vollziehe er unter dem Wurzelmantra und mit den im Tantra beschriebenen Mudras.

50.41 Guha verehre man sorgfältig mit Duft und den übrigen Gaben. In den Krügen der Haupt- und Zwischenrichtungen, im Osten beginnend,

50.42 verehre man die Vidyeshvaras mit Duft und Blumen und zeige die zugehörigen Gesten. Danach bringe man allen Opferkost dar.

50.43 Der Lehrer vollziehe mit den Murti-Hütern das Feueropfer in den Gruben, nach deren Vorbereitung und der Einrichtung ihrer Sitze.

50.44 Als Opferpriester gelten Sadhakas, bei deren Fehlen Putrakas. Friedvollen Geistes verehre der Kundige in der Hauptgrube Guha,

50.45 Skanda, den Herrn aller Götter, wie zuvor; in den äußeren Gruben verehre er ringsum die Vidyeshvaras.

50.46 Bei fünf Feuerstellen entfallen die in den Ecken. Holz, Ghee, Opferspeise, gepufften Reis, Senf, Gerste und Sesam

50.47 opfere man jeweils hundert-, fünfzig- oder fünfundzwanzigmal. Überall erfolgt das Holzopfer unter dem Wurzelmantra.

50.48 Die sechs Stoffe vom Ghee an opfere man gemeinsam mit den Priestern unter den sechs Angas. Nach jedem Stoff bringe man die Vyahritis dar und berühre

50.49 die jeweiligen Glieder des Gottes unter den zugehörigen Anga-Mantras. Danach opfere man Früchte und Speisen unter dem Wurzelmantra.

50.50 Unter der Gayatri bringen alle zehn Ghee-Gaben in den Gruben dar und schließen nachts das Opfer ab.

50.51 Im Osten beginnend verwende man Plaksha, Udumbara, Ashvattha und Vata, in den Zwischenrichtungen Shami, Arka, Khadira und Apamarga.

50.52 Palasha gehört zur Hauptgrube; die Umlegehölzer bestehen aus denselben Hölzern. Während des Opfers rezitiere man in den Richtungen die Veden.

50.53 Im Nordosten erfolgt durch einen Sadhaka Astra-Rezitation. Nach alledem verbringe der Guru die Nacht wachend.

50.54 Am Morgen bade er mit den Murti-Hütern, vollziehe die täglichen Riten, betrete die Halle und verehre die Gottheiten wie zuvor.

50.55 Überall lasse er die Vollgabe unter dem Wurzelmantra darbringen. Der Acharya führe die Aufstellung mit dem Bildhauer bei einem Shiva günstigen Aszendenten aus.

50.56 Unter Skandas Gayatri hebe man den Gott sorgfältig auf, führe ihn rechtsherum und betrete den Tempel.

50.57 Edelsteine, Metalle und alle übrigen Stoffe lege man wie bei der Linga-Weihe in die Sockelvertiefung und verehre dann den Shakti-Kreis.

50.58 Man stelle das Bild unbeweglich auf und verbinde es fest. Danach bade der Lehrer, vollziehe Achamana und werde rein und friedvollen Geistes.

50.59 Er nehme geweihtes Wasser und gehe in die Hallenmitte. Dort beginne er die Ausrufung des segensreichen Tages und betrete danach das Gebäude.

50.60 Unter den fünf Brahma-Mantras besprenge er das Haus und reinige das Bild wiederholt mit Wasser.

50.61 Der Lehrer ist mit Duft und Sandelholz bestrichen, fünffach geschmückt, trägt gute Gewänder und ein feines Obergewand,

50.62 dazu eine Kopfbedeckung; er ist heiter und freundlich. Ihn begleiten entsprechend gekleidete Murti-Hüter und Mantrarezitatoren.

50.63 Mit gebildetem Mantra-Leib trage er Skandas Hauptkrug und vollziehe eine Rechtsumwandlung um den Tempel.

50.64 Vor dem Bild stelle man Skandas Krug auf; die Opferpriester stellen ringsum die acht Vidyeshvara-Krüge auf.

50.65 Mit Wasser aus dem Kusha-Büschel des Kruges setze der Mantrakenner die Mantragestalt vom Groben bis zum Feinen ins Herz des Bildes ein, Janardana.

50.66 Der Einweihende begieße es und setze die Angas ein. Auch aus den Vidyeshvara-Krügen vollziehe er der Reihe nach die Begießung.

50.67 Die A-Gruppe setze man auf den Kopf, die Ka-Gruppe in die rechte Hand, die Cha-Gruppe in die linke, die retroflexe Ta-Gruppe ins Herz,

50.68 die dentale Ta-Gruppe in den Bauch, die Pa-Gruppe in den Rücken, die Ya-Gruppe in den rechten Fuß, die Sha-Gruppe in den linken.

50.69 Den Buchstaben La mit Unterpunkt setze man in die Geschlechtsregion, Kuta ins Herz, Tara überall ein, unter Skandas Gayatri.

50.70 Nach der Einsetzung in alle Buchstabengruppen setze man den Wurzelmantra des Sohnes ins Herz, die Angas in die Glieder. Nach der Begießungsvorschrift

50.71 begieße und reinige man erneut und setze die Mantras wie zuvor ein. Vor dem glückverheißenden, erhabenen Skanda

50.72 bringe man Arghya auf dem Kopf dar, verehre ihn unter den Wurzelmantras mit guten Duftstoffen und Blumen und bestreiche ihn mit Sandelholz.

50.73 Mit Girlanden, Schmuck und Kleidung verehre man ihn sorgfältig und bringe dann Opferkost mit reichen Beilagen dar.

50.74 Die vier Klassen der Shiva-Verehrer und Brahmanen speise man. Für die Einweihung als Hauptgottheit gilt folgende Besonderheit:

50.75 Die Tempeltür kann nach Westen oder Osten weisen; die Richtungshüter sind als Begleitgottheiten einzusetzen.

50.76 Vishakha und Naigameya stehen rechts und links als Torhüter; dazu kommt der Pfau als Reittier.

50.77 Man setze sie an ihren jeweiligen Orten und ringsum in Krügen ein. Auf dem Boden rings um den Altar stelle der Mantrakenner sie auf

50.78 und verehre sie der Reihe nach mit den aus ihren Namen gebildeten Mantras. Wer so vorschriftsmäßig Guha einsetzen lässt,

50.79 erlangt einen Sohn, wenn er einen Sohn ersehnt, Sieg, wenn er Sieg ersehnt, Wissen, wenn er Wissen ersehnt, und am Ende die Vereinigung mit dem Gott.

Kapitel 51: Die Einweihung Chandeshas

51.1 Nun erkläre ich Chandeshas Einweihung, Janardana. Höre kurz seine Entstehung und die zugehörigen Mantras.

51.2 Chanda war von Natur aus heftig und ganz der Shiva-Verehrung ergeben. Yakshas, Rakshasas, Pishachas und andere waren einst zu Ganas geworden,

51.3 blieben aber auf Shivas Geheiß in wilder Heftigkeit; selbst für Brahma, Indra und die übrigen Götter waren sie unerträglich, unbezwingbar und von gewaltiger Kraft.

51.4 Auf Shivas Geheiß bezwang jener ihre wilde Natur. »Wir erkennen Chandeshvara; wir meditieren über den, der das Beil in der Hand hält.

51.5 Möge Chanda uns inspirieren!« So spreche man seine Gayatri. Damit sind die Mantras erklärt.

51.6 Seine Einweihungsvorschrift wird nun kurz genannt. Im Nordosten des Shiva-Tempels errichte man ein Heiligtum mit einer Tür nach Süden.

51.7 Dort ist er einzusetzen, an keinem anderen Ort. Vor seinem Heiligtum oder an einer seiner Seiten

51.8 errichte man vorschriftsmäßig eine Halle und darin die Feuergruben: in den Hauptrichtungen quadratisch, in den Zwischenrichtungen, im Südosten beginnend, rund.

51.9 Zwischen Osten und Nordosten liegt die runde Hauptgrube. Beim Fünf-Feuer-Verfahren gestalte man stattdessen eine lotusförmige Hauptgrube im Nordosten.

51.10 Alle runden Gruben entfallen dann. Vorbereitung und weitere Handlungen der Halle erfolgen wie zuvor. Anschließend vollziehe man die Augenöffnung

51.11 in der seitlich gelegenen Badehalle. Man bereite einen Opfergrund aus Reis und stelle das Bild in dessen Mitte

51.12 nach Osten gewandt auf. Ringsum verehre man die Richtungshüter samt Waffen, besprenge unter dem Wurzelmantra und lasse den Bildhauer

51.13 mit goldener Nadel sämtliche Linien der drei Augen nachziehen. Nach Abschluss seiner Arbeit nehme man Honig, Ghee und Milch

51.14 wie zuvor in Gefäße und stelle sie vor das Bild. In jedes Gefäß lege der Lehrer einen goldenen Lotus.

51.15 Unter dem Astra-Mantra besprenge er jedes gesondert. Mit goldenem Durva erfrische er anschließend das rechte Auge mit Honig,

51.16 das linke mit Ghee und das Stirnauge mit Milch unter dem Augenmantra. [Diese ungewöhnliche Stoffzuordnung steht so in der Vorlage.] Danach nehme er die drei golden überzogenen Fingerspitzen

51.17 und setze den Augenmantra in die drei Augen ein. Anschließend reinige der Kundige mit fünf Erden und Panchagavya.

51.18 Nach Ausrufung des segensreichen Tages zeige man Brahmanen und Kühe. Dann bringe man das Bild zur Wasserlagerung ans Ufer.

51.19 Dort stelle man den Gott auf, bade ihn unter der Gayatri und umhülle ihn unter Astra mit Kusha-Büschel und Stoff.

51.20 Unter dem Pranava gebe man Arghya auf den Kopf und lege das Bild wie zuvor ins Wasser, während man Chandas Wurzelmantra vergegenwärtigt.

51.21 Ringsum verehre man die Richtungshüter samt Waffen der Reihe nach. Nach Ablauf der angegebenen Zeit bringe man das Bild in die Badehalle,

51.22 unter dem Klang von Muschelhorn und Festtrommel, und stelle es auf die Plattform. Man entferne Stoff und Kusha-Büschel.

51.23 Dann begieße man das Bild mit reinem Wasser und unter seiner Gayatri mit Duftwasser.

51.24 Unter dem Herz-Mantra binde man das Schutzband um, umhülle das Bild mit Kusha-Büschel und Stoff und gebe Arghya auf den Kopf.

51.25 Auf dem schönen, wie zuvor bereiteten Opfergrund des Hallenaltars richte man die Lagerstatt wie zuvor ein.

51.26 Unter dem Wurzelmantra lege man das Bild mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben nieder, begleitet von sämtlichen Instrumenten.

51.27 Chandeshvara bedecke man mit gelbem Stoff. Dann nehme man seinen Krug, mit allen vorgeschriebenen Merkmalen,

51.28 mit goldenem Beil, ganz mit Duftwasser gefüllt und mit Stoff, Kusha-Büschel und Deckel versehen, und stelle ihn an die Kopfseite.

51.29 Ringsum stelle der Asket acht ebensolche Krüge. Der Kundige bilde seinen Mantra-Leib wie zuvor.

51.30 Gesammelt meditiere er im Herzen über Chanda entsprechend der äußeren Bildgestalt und lade ihn heiteren Geistes in den Krug ein.

51.31 Unter dem Wurzelmantra vollziehe er Einladung und die weiteren Schritte, verehre mit Duft, Blumen und den übrigen Gaben sowie die ringsum Gegenwärtigen.

51.32 Die dortigen Gottheiten verehre man im Osten beginnend. Dann beginne man das Feueropfer in den Gruben der Reihe nach.

51.33 Nach Vorbereitung der Gruben und Einsetzen des Feuers wie zuvor setze man darin dieselben Gottheiten wie in den Krügen ein und verehre sie.

51.34 Mit den entsprechenden Mitwirkenden vollziehe der Mantrakenner überall das Opfer: Holz, Ghee, Opferspeise, Sesam und Senf,

51.35 Mung, Masha und Gerste, jeweils hundert oder fünfzig Gaben, der Reihe nach unter Wurzelmantra und Angas,

51.36 auch unter der Gayatri. Nach jedem Stoff opfere man Ghee mit den Vyahriti-Mantras. Der Lehrer berühre mit den Opferpriestern

51.37 die jeweiligen Körperstellen des Bildes, Blumen in der Hand. Nach Abschluss aller Stoffgaben bringe man den Herren der Gruben zehn Ghee-Gaben dar,

51.38 besprenge ringsum und verfahre entsprechend weiter. Den Gottheiten in den Krügen gebe man Opferkost.

51.39 Nach der Beteldarbringung verbringe der Lehrer die Nacht. Am Morgen, nach den täglichen Riten, betrete er die Halle,

51.40 bilde seinen Mantra-Leib und verehre die Gottheiten mit Blumen. In allen Gruben verehre er sie und bringe nach den Vyahritis

51.41 mit dem großen Opferlöffel die Vollgabe unter dem Wurzelmantra dar. Nach dem Besprengen verehre und verabschiede man die Gottheiten in den Gruben.

51.42 Umlegehölzer und Grassitze besprenge man und gebe sie ins Feuer. Dann begebe man sich in den inneren Schrein, ins Brahma- oder göttliche Feld,

51.43 setze den Grundstein ein und lege vorschriftsmäßig Edelsteine und die übrigen Stoffe nieder. Danach gehe man zur Halle und hebe das Bild unter dem Wurzelmantra auf.

51.44 Man entferne die Stoffe, gebe Arghya auf den Kopf, setze das Bild auf einen Wagen und vollziehe eine Rechtsumwandlung um den Tempel.

51.45 Man bringe es in den inneren Schrein. Den Kopf berührend und die Wurzel-Vidya sprechend stelle der Lehrer es mit dem Bildhauer auf.

51.46 Nach Abschluss der Bildhauerarbeit entlasse man den Handwerker. Der Guru bade, bilde seinen Vidya-Leib und lasse den segensreichen Tag ausrufen.

51.47 Im Schrein reinige der Mantrakenner das Bild unter dem Herz-Mantra mit fünf Erden und Panchagavya und begieße es mit Duftwasser.

51.48 Dann bringe man die Krüge aus der Halle wie zuvor herbei und stelle sie vor dem Bild auf einen Opfergrund.

51.49 Nach Norden gewandt nehme der Lehrer Platz, durch Sakalikarana geheiligt, und meditiere wie zuvor über den Gott im Krug.

51.50 Unter der Wurzel-Vidya setze er mit dem aus dem Kusha-Büschel fließenden Wasser den Gott aus dem Krug ins Herz des Bildes ein und verehre ihn.

51.51 Unter dem Wurzelmantra verehre man mit Duft und weiteren Gaben, setze die Angas an den zugehörigen Körperstellen ein und verehre sie sorgfältig.

51.52 Danach lege man Halsketten und weiteren Schmuck an und vollziehe die ringsum mit Osten beginnenden Einsetzungen. Man begieße Chandesha und setze erneut die Mantras ein.

51.53 Pranava setze man auf den Scheitel, den Wurzelmantra ins Gesicht, Tara wiederum ins Herz und Gayatri in die Bauchregion.

51.54 In beide Füße setze man Chandas Keimsilbe ein. Nach der Verehrung mit Duft und weiteren Gaben vollziehe man die besondere Puja.

51.55 Mit Ghee versehene Milchspeise bringe man zuerst am Linga dar; danach gebe man sie unter Chandas Wurzelmantra an Chandesha weiter.

51.56 Ebenso gebe man ihm Betel, Girlanden und weitere Gaben. Täglich gebe man ihm so das am Shiva-Linga Dargebrachte.

51.57 Wer Chandesha so im Shiva-Tempel einsetzen lässt, wird von allen Verfehlungen frei und gelangt in Shivas Welt.

Kapitel 52: Die Einweihung Jyeshthas

52.1 Ich erkläre Jyeshthas Einweihung, beginnend mit ihrer Entstehung, und kurz ihren Mantra. Höre alles, Janardana.

52.2 Sie entstand aus der Ur-Shakti und wurde später aus dem Meer geboren: Als der Ozean gequirlt wurde, stieg sie hervor, bester der Götter.

52.3 So ist ihre Entstehung beschrieben. Ich nenne dir ihre Mantras: Den dritten Buchstaben der dritten Gruppe verbinde man mit dem ersten der siebten

52.4 und dem elften der ersten, dazu Bindu und Nada; dies ist ihre Wurzel. Zuerst spreche man Tara, dann die Wurzelkeimsilbe,

52.5 danach den Namen Jyeshtha im Dativ und am Ende Namah. So verbunden heißt dies der Wurzelmantra.

52.6 Mit dem Buchstaben Ja bilde man Herz und die übrigen Angas. »Wir erkennen die Fruchtgewährende; wir meditieren über die Vernichterin der Verfehlungen.

52.7 Möge Jyeshtha uns inspirieren!« Dies ist ihre Gayatri. Für die übrigen nehme man den Anfangsbuchstaben ihres Namens, mit Bindu und Nada,

52.8 Pranava am Anfang und Namah am Ende. Damit sind die Mantras erklärt; nun folgt die Einweihung.

52.9 An den für die Linga-Aufstellung geeigneten Orten, in Shiva-Tempeln und an den genannten Plätzen in Dörfern und Städten setze man sie ein.

52.10 Vor ihrem Heiligtum oder seitlich errichte man wie zuvor eine Halle mit vier Feuergruben rings um den Altar.

52.11 Die Hauptgrube ist yoniförmig; alles Übrige geschehe wie zuvor. Zur Augenöffnung bringe man die Bilder herbei.

52.12 In der Badehalle bereite man einen Opfergrund, stelle die Bilder darauf und lasse den Bildhauer ihre Augen öffnen.

52.13 Der Lehrer erfrische danach die jeweiligen Augen unter den Augenmantras wie zuvor mit Honig und Ghee.

52.14 Nach der Bildreinigung begebe man sich zum Gewässer, stelle die Bilder am Ufer auf und lasse den segensreichen Tag ausrufen.

52.15 Man begieße die Bilder, umhülle sie mit Kusha-Büscheln, Girlanden und Stoffen, verehre sie und begebe sich ins Wasser.

52.16 Dort lagere man die Bilder für die zuvor angegebene Zeit. Dann bringe man sie in die Badehalle und entferne Stoffe und Kusha-Büschel.

52.17 Unter dem Wurzelmantra gebe man der Reihe nach Arghya auf ihre Köpfe und begieße sie erneut gesammelt mit Duftwasser.

52.18 Nach dem Anlegen der Schutzbänder umhülle man sie mit Kusha-Büscheln und Girlanden. Nach Ausrufung des segensreichen Tages bereite man auf dem Altar

52.19 einen schönen Opfergrund und eine wie zuvor ausgebreitete Lagerstatt, Vishnu. Darauf lege man alle Bilder mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben.

52.20 An ihren Kopfseiten stelle man drei Krüge mit den zuvor genannten Merkmalen auf und ringsum acht weitere.

52.21 In der Mitte verehre man Jyeshtha, rechts und links Vrisha und Manya. In den äußeren Krügen

52.22 setze man Tama, Moha, Kshudha, Nidra, Mrityu, Maya, Jara und Bhaya ein und verehre alle der Reihe nach mit Duft und Blumen.

52.23 Danach vollziehe der Mantrakenner mit den Opferpriestern das Feueropfer wie zuvor, nach Vorbereitung der Gruben und Feuer.

52.24 Im Osten beginnend verehre man Vama, Raudri, Kali, Kalavikarani und Balavikarani. In der Hauptgrube verehre man Jyeshtha,

52.25 zusammen mit Vrisha und Manya, und beginne das Opfer. Holz, Ghee, Opferspeise, gepufften Reis, geröstetes Mehl, Gebäck und Sesam

52.26 opfere man der Reihe nach unter den sieben Mantras vom Wurzelmantra bis zur Waffe. Danach opfere man Ghee unter der Gayatri,

52.27 hundert-, fünfzig- oder fünfundzwanzigmal. In der Hauptgrube opfere der Lehrer auch für Vrisha und Manya mit sämtlichen Stoffen unter ihren jeweiligen Mantras.

52.28 Nach jedem Stoff und den Vyahritis berühre der Guru gemeinsam mit den Murti-Hütern die entsprechenden Glieder unter den jeweiligen Mantras.

52.29 Als Brennhölzer verwende man im Osten beginnend Plaksha, Udumbara, Ashvattha und Vata, für die Hauptgrube Palasha.

52.30 Während des Opfers ist in den vier Richtungen Vedarezitation vorgesehen. Den in den Gruben gegenwärtigen Gottheiten bringe man Opferkost dar.

52.31 Nach diesem Opfer verbringe man die Nacht wachend. Unter Jyeshthas Wurzelmantra beginne man dann die Aufstellung.

52.32 Morgens, nach den täglichen Riten, betrete der Lehrer mit den Murti-Hütern die Halle, seinen Mantra-Leib gebildet.

52.33 Er verehre alle Gottheiten und bringe überall die Vollgaben dar. Dann hebe man die Bilder auf und entferne die Stoffe.

52.34 Man setze sie auf Wagen, vollziehe eine Rechtsumwandlung um den Tempel und betrete den inneren Schrein. Wie zuvor lege man Edelsteine und die übrigen Stoffe ein

52.35 und stelle die Bilder der Reihe nach auf. Bei gesonderten Figuren stehen sie gemeinsam angeordnet in der Mitte, rechts und links.

52.36 Unter den jeweiligen Wurzelmantras berühre der Einweihende ihre Köpfe. Nach Abschluss der Bildhauerarbeit entlasse der Guru den Handwerker.

52.37 Er bade, vollziehe Achamana und lasse im Tempel den segensreichen Tag ausrufen. Unter den jeweiligen Gayatris bade man die Bilder mit Panchagavya.

52.38 Der Guru nehme mit den Murti-Hütern sämtliche Krüge auf, trage sie auf den Schultern und vollziehe eine Rechtsumwandlung um den Tempel.

52.39 Man gehe hinein und stelle sie vor dem Altar auf Opfergründe. Über die Gottheiten in den Krügen meditiere man und setze ihre Mantragestalten

52.40 mit dem Wasser aus den jeweiligen Kusha-Büscheln ins Herz der Bilder ein. Danach setze man ihre Angas an den entsprechenden Körperstellen ein.

52.41 Dann setze man die Mutterbuchstaben ein und bei Vrisha und Manya die Mantras wie zuvor. Anschließend vollziehe man ringsum

52.42 die Begießung aus den Krügen und verehre bis zur Speisedarbringung. Diese Vorschrift gilt gemeinsam für die Weihe als Begleit- und als Hauptgottheit.

52.43 Für die Hauptgottheit wird nun diese Besonderheit genannt, Janardana: Vidyujjihva und Vishalakshi setze man rechts und links

52.44 an der Tür zum Schutz ein. Karali, Kapilakshi, Vimala, Vibhuja,

52.45 Bhasvara, Vitata, Kikasa und Kadru setze man im Osten beginnend in die acht Krüge ein.

52.46 Vorne auf dem Altar setze man die Krähe in einen Krug ein und verehre sie. Diese Shaktis samt Reittier bereite man in der entsprechenden Zeit rituell vor.

52.47 Nach der Einweihung ordne der Guru sie ringsum an. Wer Jyeshtha so einsetzt, wird unverzüglich von Unglück verlassen.

52.48 Vermögen, Getreide, Söhne, Enkel und alles Weitere gedeihen ihm, Herr der Götter; daran soll man nicht zweifeln.

Kapitel 53: Die Einweihung Durgas

53.1 Ich erkläre Durgas Einweihung, beginnend mit ihrer Entstehung, und kurz ihren Mantra. Höre alles, bester der Götter.

53.2 Einst nannte ich die stolze Uma im Verborgenen »Kali«, die Dunkle. Sie zürnte, weil sie meine Worte als Herabsetzung empfand.

53.3 Auch meine beschwichtigenden Worte brachten sie nicht zur Ruhe. Uma sprach: »Ich wünsche mir einen herrlichen, nicht zu verachtenden Teint.«

53.4 Darauf war ich bereit, ihre Farbe zu verändern. Doch die Göttin wollte dies nicht auf diese Weise und entschloss sich zur Askese.

53.5 Sie übte Askese; darauf verlieh der Lotusgeborene, mit meiner Erlaubnis, Uma den gewünschten vorzüglichen Teint.

53.6 Damals sprach Brahma zu ihr: »Wenn du diese Farbe ablegst, Schöne, unvergängliche Mutter der Welt, so tue es zum Schutz der Welt.

53.7 Löse sie wie eine Hülle ab und lass daraus die kraftvolle Göttin Kaushiki hervorgehen, verbunden mit deiner höchsten Shakti.« [Die Schlusswendung und ein Tierbezug des Sanskrit sind beschädigt.]

53.8 So von Brahma angesprochen, nahm die Göttin dies in die Hand. Danach verlieh sie jener Göttin ihre Kraft und viele ihrer Waffen.

53.9 So erstrahlte diese mit dem Wunsch, alle Feinde zu besiegen. Sie heißt Durga, Kaushiki, Chandi und Bhavani.

53.10 Damit ist ihre Entstehung beschrieben. Ich nenne dir ihren Mantra: Der dritte Buchstabe der fünften Gruppe, verbunden mit dem fünften Vokal,

53.11 Bindu und Nada, gilt als Durgas Wurzelkeimsilbe. Zuerst spreche man Tara, dann diese Wurzel,

53.12 danach Durga im Dativ und zuletzt Namah. So spreche man den ewigen, vollendeten Durga-Mantra.

53.13 Mit Da bilde man Herz und die übrigen Angas. Für die Gayatri spreche man zuerst »die Jungfräuliche« im Dativ,

53.14 danach »wir erkennen«, dann »die den Dreizack in der Hand hält« im Dativ und »wir meditieren«.

53.15 Anschließend spreche man »Möge Durga uns inspirieren!« Dies ist die Gayatri der Göttin Durga, ihr vorzüglicher Mantra.

53.16 Damit sind die Mantras erklärt. Nun folgt die Einweihung. An den für ein Linga geeigneten Orten, in Shiva-Tempeln

53.17 sowie an den genannten Plätzen in Dörfern und Städten errichte man ihr Heiligtum. Eine Osttür gewährt den Menschen Lebensgenuss,

53.18 eine Westtür Befreiung, eine Osttür Sieg. [Die Osttür wird ausdrücklich wiederholt.] Vorne oder seitlich errichte man eine Halle wie zuvor.

53.19 Rings um deren Altar lege man Feuergruben an: in den Hauptrichtungen quadratisch, in den vier Zwischenrichtungen

53.20 yoniförmig, zwischen Nordosten und Osten die lotusförmige Hauptgrube. Vorbereitung und weitere Handlungen der Halle

53.21 führe man wie zuvor aus. Auch die Augenöffnung ist vorzunehmen; deren Verfahren wird nun der Reihe nach erklärt.

53.22 Man bringe Kaushiki in die Badehalle und stelle die Göttin auf einem Opfergrund nach Osten gewandt auf.

53.23 Der Bildhauer vollziehe die Augenöffnung mit goldener Nadel, beginnend mit dem Zeichnen der Linien.

53.24 Nach deren Fertigstellung erfrische man die drei Augen wie zuvor mit goldenem Durva: das rechte mit Honig, das linke

53.25 mit Milch, das Stirnauge ebenfalls mit Honig. [Hier nennt die Vorlage Honig statt des sonst häufigen Ghee.] Sonne, Mond und Feuer setze man an den entsprechenden Stellen ein,

53.26 mit den drei vom Zeigefinger beginnenden, golden überzogenen Fingerspitzen. Danach zeige man unter der Gayatri Brahmanen und Kühe.

53.27 Dann reinige man die Göttin mit Panchagavya und fünf Erden und begieße sie unter ihrer Gayatri mit Duftwasser.

53.28 Nach Ausrufung des segensreichen Tages besprenge man unter den fünf Brahma-Mantras, vollziehe eine Rechtsumwandlung durch das Dorf und bringe das Bild ans Ufer.

53.29 Das bewegliche Bild lasse man in halstiefem Wasser ruhen. Außen ordne man acht Krüge für die Vidyeshvaras an.

53.30 Die Lagerung dauert sieben, fünf, drei oder eine Nacht. Am Vortag der Einweihung hebe man das Bild aus dem Wasser und bade es mit Panchagavya.

53.31 Dann bringe man die höchste Göttin herein und bereite ihre Lagerstatt. In der Mitte des Altars streue man Reis aus.

53.32 Auf dem Reis breite man fünf Decken aus und lege unter dem Wurzelmantra das Bild der Göttin darauf.

53.33 Acht Vardhanis stelle man vom Osten bis zum Nordosten auf, für die acht Shaktis von Vama an; Manonmani befindet sich im Bereich Ishas. [Die Zuordnung der zusätzlich genannten Manonmani ist nicht vollständig ausgeführt.]

53.34 Man verehre sie mit Duft, Blumen und Opferkost. Danach vollziehe man das Feueropfer nach seinen Merkmalen.

53.35 In den vier Richtungen rezitiere man die vier Veden. Mit Durgas Keimsilbenmantra, den Brahma- und Anga-Mantras

53.36 vollziehe man das Opfer entsprechend den eigenen Mitteln. Holz, Ghee, Opferspeise, gepufften Reis und Senf opfere der Kundige,

53.37 jeweils hundert-, fünfzig- oder fünfundzwanzigmal; das Holz sei Palasha. Am klaren Morgen bestimme man die günstige Stunde.

53.38 Nach Ehrung des Acharya ehre man die Opferpriester. Der Kundige nehme den Einweihungskrug und trage ihn auf dem Kopf.

53.39 Er gehe hinein und stelle ihn vor dem Altar auf einen Opfergrund, den Hauptkrug vor das Bild, zusammen mit den Umfassungskrügen.

53.40 Dann meditiere der Lehrer über die im Krug gegenwärtige Göttin in ihrer Gestalt und nehme Wasser mit dem zugehörigen Kusha-Büschel.

53.41 Unter ihrem Wurzelmantra setze er ihre Gegenwart ins Herz des Bildes ein, die Angas in die Glieder und die Gayatri ins Herz.

53.42 Die Mutterbuchstaben setze er wie zuvor ein und verehre mit Duft und den weiteren Gaben. Danach begieße er der Reihe nach aus allen übrigen Krügen,

53.43 unter den jeweiligen Mantras, und verehre erneut mit Duft. Er bringe reichlich Opferkost mit Früchten und Speisen dar,

53.44 ebenso Betel mit Mundduftmitteln. All dies gilt gleichermaßen für ihre Einweihung als Begleit- und als Hauptgottheit, Hari.

53.45 Für die Hauptgottheit werden nun kurz die Besonderheiten erklärt: Ulkamukhi und Vijihva gestalte man als Türgottheiten.

53.46 Vorne stelle man ihr Reittier, den Löwen, auf. Ringsum werden diese acht Begleitgottheiten genannt:

53.47 Vorne beginnend nennt die Vorlage Bhumi, Jyeshtha, nochmals Bhumi, Moti, Mohini, Prakriti und Vikriti,

53.48 Niyati und Nivritti. [Die Namensliste enthält eine Wiederholung und ergibt nicht eindeutig acht.] Der vortreffliche Einweihende setze alle wie zuvor zur rituellen Vorbereitung in Krüge ein.

53.49 Auf dem äußeren großen Opferpodest setze man die Putana-Schar ein. Nach Abschluss des Mantra-Nyasa stelle man die Begleitgottheiten auf.

53.50 Bei der Verehrung zu den drei Sandhyas verehre man auch das Gefolge; dreimal täglich vollziehe man die tägliche Festprozession.

53.51 Jährlich richte man ein Fest von einem, drei, fünf oder sieben Tagen aus, im Durga-Monat oder in Madhu und Madhava.

53.52 Das große Fest lasse man vorschriftsmäßig unter Krittika enden. Wer als Mensch diese hohe Einweihung Kaushikis vollzieht,

53.53 wird frei von seelischem Leid und Krankheit und mit allem Wohlergehen versehen. Die anschließende Aussage über eine von Brahma geschaffene Ordnung und Wiedergeburt ist in der vorliegenden Lesung nicht sicher verständlich.

53.54 Von allen Göttern und den übrigen Wesen verehrt, gleicht er einem zweiten Indra.

Kapitel 54: Die Einweihung Suryas

54.1 Ich erkläre Suryas Einweihung, beginnend mit seiner Entstehung, samt seinem Mantra. Höre alles, was ich sage.

54.2 Shiva besitzt acht Gestalten: Sonne, Mond, das Selbst und die fünf großen Elemente.

54.3 Unter diesen acht heißt die Sonne die vorderste Gestalt. Durch seine strahlende Sonnengestalt schafft und erhält Shiva die Welten,

54.4 und durch sie löst Ishana sie wieder auf. So ist ihr Ursprung aus Shiva erklärt; nun wird der Mantra genannt.

54.5 Das Ende der Sa-Gruppe, verbunden mit dem Ende der Ya-Gruppe, dem sechsten Vokal, Bindu und Nada, erkenne man als Suryas Wurzel. [Die Buchstabenanweisung bleibt als solche erhalten.]

54.6 Daraus entstehen die sechs Angas, verbunden mit dem Ende der Sa-Gruppe und dem Feuerbuchstaben: Herz, Kopf, Haarspitze, Schutzpanzer,

54.7 Waffe und Auge, versehen mit den sechs Schlussformeln. Seine ursprüngliche, hervorgehende Vidya hat sechs Silben.

54.8 Man spreche »Hvam Hvim Sa« und danach »Suryaya«. Wisse, dass dieser vorzügliche Mantra für die Rezitierenden alle Krankheiten beseitigt. [Die genaue Lautgestalt steht im IAST-Grundtext; hier folgt keine Ergänzung um zusätzliche Schlusswörter.]

54.9 Danach spreche der Kundige: »Wir erkennen den Lotusträger; wir meditieren über den Wagenbesteiger. Möge Surya uns inspirieren!«

54.10 Diese Gayatri gewährt umfassenden Frieden. Damit sind die Mantras erklärt; nun folgt die Einweihung.

54.11 An allen zuvor als geeignet für ein Linga genannten Orten gewährt auch seine Einweihung sämtliche Vollkommenheiten.

54.12 Im östlichen Bereich eines Dorfes oder an seinem Platz in einem Shiva-Tempel errichte man nach der bisherigen Vorschrift sein Heiligtum mit einer Westtür.

54.13 Davor oder seitlich errichte man vorschriftsmäßig die Halle und darin im Osten beginnend quadratische Feuergruben.

54.14 Zwischen Osten und Nordosten liegt die lotusförmige Hauptgrube. Beim Fünf-Feuer-Verfahren lasse man die Eckgruben fort

54.15 und richte die lotusförmige Hauptgrube im Nordosten ein. Alle Vorbereitungen der Halle erfolgen wie zuvor.

54.16 Der kundige Lehrer bringe das Bild auf den Altar, besprenge es mit dem Sechssilbigen und beginne die Augenöffnung.

54.17 Unter einem als zweiäugig bezeichneten Mondhaus, am klaren Mittag und bei günstigem Aszendenten lasse man den Bildhauer die entsprechende Arbeit verrichten.

54.18 Mit goldener Nadel zeichne er die Augenkreise. Den Bildhauer erfreue man reich mit Kleidung, Gold und anderen Gaben.

54.19 Der kundige Acharya wasche das Bild unter dem sechssilbigen Mantra mit Wasser.

54.20 Man stelle es nach Westen gewandt auf. Davor bereite man einen Opfergrund und stelle zwei Gefäße aus Glockenmetall oder Kupfer bereit,

54.21 gefüllt mit Honig und Ghee, unter dem Wurzelmantra. Man lege goldene Lotusse hinein und verehre unter dem Herz-Mantra.

54.22 Mit goldenem Durva erfrische der Kundige die Augen, rechts und links der Reihe nach, unter dem Augenmantra.

54.23 Die Keimsilben von Feuer und Mond setze man rechts und links in die Augen ein, mit Zeige- und Ringfinger,

54.24 deren Nägel golden überzogen sind. Dann entferne man den Vorhang und zeige eine Kuh und wohlbeherrschte Brahmanen.

54.25 Unter der Gayatri schmücke man den Gott reich mit Kleidung und Girlanden und setze ihn auf einen Wagen oder anderen Träger.

54.26 Aufmerksam führe man ihn rechtsherum durch Dorf oder Stadt, bringe ihn zu einem Gewässer und stelle ihn am Ufer auf.

54.27 Nach vorschriftsmäßiger Ausrufung des segensreichen Tages besprenge man unter den fünf Brahma-Mantras und begieße mit Wasser unter dem Sechssilbigen.

54.28 Unter der Gayatri umhülle man ihn mit Kusha-Büschel, Stoff und Girlande und lege ihn behutsam wie zuvor im Gewässer nieder.

54.29 Der Lehrer verehre in den Richtungen die Richtungshüter samt Waffen. Nach der zuvor angegebenen Zeit bringe man das Bild aus dem Wasser

54.30 in die Badehalle und stelle es wie zuvor auf. Man entferne Stoffe und Kusha-Büschel und begieße es mit Panchagavya

54.31 unter dem Sechssilbigen, reinige mit fünf Erden und begieße nach wiederholter Reinigung mit Duftwasser.

54.32 Nach Ausrufung des segensreichen Tages binde man unter dem Herz-Mantra das Schutzband um und bedecke das Bild mit Kusha-Büschel und Stoff.

54.33 Unter der Wurzel-Vidya bringe man Arghya auf dem Kopf dar. Auf dem vorschriftsmäßig bereiteten Opfergrund des Hallenaltars

54.34 richte man die Lagerstatt wie zuvor ein. Unter sämtlichen Instrumenten bringe man das Bild herbei und lege es unter dem Herz-Mantra wie zuvor nieder.

54.35 Man bedecke es mit feinem, tiefrotem Stoff. Den Sonnenkrug mit den zuvor genannten Merkmalen und einem goldenen Lotus,

54.36 versehen mit Stoff und Kusha-Büschel, stelle man an die Kopfseite, ringsum acht ebensolche Krüge.

54.37 Der Mantrakenner verehre sie; nun folgt das Verfahren. Südlich des Altars sitze er nach Osten oder Norden gewandt.

54.38 Unter der Wurzel-Vidya vollziehe der Kundige dreimal Atemlenkung, inneres Verbrennen, Überfluten und die weiteren Schritte.

54.39 Nach der Elementereinigung führe er das Hand-Nyasa aus: Herz und die übrigen Angas setze er vom Daumen an in die Finger ein.

54.40 Astra setze er in die Handfläche, den Wurzelmantra in alle Finger. Die Angas setze er in die entsprechenden Körperstellen, den Schutzpanzer in die Brust.

54.41 Astra setze man in die Richtungen, Pranava auf den Kopf, die Wurzel-Vidya in die Finger und den Sechssilbigen in die Füße.

54.42 Dann meditiere man über den tausendstrahligen Gott, mit einem Strahlenkranz geschmückt, auf einem Lotus stehend, friedvoll, rot und zweiäugig,

54.43 in roten Gewändern und mit allem Schmuck versehen, in seinen beiden Lotushänden zwei Lotusblumen haltend.

54.44 Über Surya so meditierend vollziehe man unter dem Wurzelmantra Einladung und die folgenden Schritte im Krug und verehre ihn.

54.45 Man zeige Bimba- und Padma-Mudra. Danach verehre man in den Richtungskrügen Soma, Mangala, Budha und den Lehrer der Götter,

54.46 Shukra, Shanaishchara, Rahu und Ketu, ringsum im Osten beginnend, unter ihren Namensmantras.

54.47 Nachdem allen Opferkost dargebracht wurde, beginne man das Feueropfer. Der Lehrer vollziehe die Vorbereitung der Gruben und die weiteren Handlungen.

54.48 Mit den Sadhakas als Opferpriestern verehre er Surya in der Hauptgrube und setze in die acht anderen der Reihe nach Soma und die übrigen ein.

54.49 Holz, Ghee, Opferspeise, gepufften Reis, Gerste, Senf und Sesam opfere der Kundige unter dem Wurzelmantra samt Angas in den Gruben,

54.50 jeweils einhundertacht-, vierundfünfzig- oder siebenundzwanzigmal. Als Hölzer nehme man im Osten beginnend Plaksha, Udumbara, Ashvattha und Vata,

54.51 in den Zwischenrichtungen Palasha, Khadira, Bilva und Apamarga, für die Hauptgrube Arka. So vollziehe man die Opferhandlung.

54.52 Nach sämtlichen Stoffgaben opfere man in allen Gruben, Herr der Götter, Ghee unter dem Sechssilbigen und der Gayatri.

54.53 Nach jedem Stoff und den Vyahritis berühre man gesammelt die entsprechenden Körperstellen unter ihren Anga-Mantras.

54.54 Die Opferpriester berühren gemeinsam mit dem Lehrer, dieser zuerst. Wenn Sadhakas fehlen, sind acht oder vier andere Opferpriester vorgesehen.

54.55 Während des Opfers veranlasse man durch Brahmanen Rezitationen von Rig-, Yajur-, Sama- und Atharvaveda in den vier Richtungen, im Osten beginnend.

54.56 Einer rezitiere Aghorastra im Nordosten. Nachdem der Acharya nachts diese Vorbereitungsriten gesammelt vollzogen hat,

54.57 erhebe er sich am Morgen friedvollen Geistes mit den Murti-Hütern, verrichte die täglichen Riten und betrete die Halle.

54.58 Nach Bildung seines Mantra-Leibes bringe er Surya Arghya dar. Diese Darbringung erkläre ich nun; höre gesammelt zu.

54.59 Vor dem Tempel oder an einer seiner Seiten bestreiche man den Boden mit Kuhdung und bereite einen runden Opfergrund.

54.60 Diesen besprenge man unter dem Sechssilbigen. Darauf stelle man ein Kupfergefäß, das zwei, drei oder ein Prastha fasst,

54.61 als höchste, mittlere oder kleinste Form, gefüllt mit Duftwasser. [Die Reihenfolge zwei, drei, eins passt nicht zur Größenstaffel und bleibt als Quellenbefund erhalten.] Gerste, weißen Senf, ungebrochenen Reis und rotes Sandelholz

54.62 gebe man unter dem Wurzelmantra hinein, ebenso einen Lotus. Dann hebe man das Gefäß auf, stelle es auf die Unterlage und bespreche es

54.63 mit dem Wurzelmantra samt Angas; darüber zeige man Surabhi. Danach verehre man den sichtbar aufgehenden Sonnengott

54.64 mit Duft und Blumen unter dem Sechssilbigen. Nach Osten gewandt knie der Kundige auf der Erde,

54.65 hebe das Arghya-Gefäß unter dem Waffenmantra über den Kopf und spreche der Reihe nach Pranava, Wurzelmantra und den Sechssilbigen.

54.66 So bringe man Surya Arghya dar, gebe Fußwasser und gieße es auf die Erde. Mit gesenktem Gesicht verneige man sich und bitte die Sonne:

54.67 »Gott der Götter, Herr der drei Bereiche, erstes Heil der Welt, Surya, Herr der Welt: Bleibe hier in dem Bild, das ich in Hingabe eingesetzt habe!«

54.68 Nach dieser Bitte an den höchsten Gott bringe man Surya süße Milchspeise dar, mit Ghee begossen, verbunden mit Honig, Manda und Ghee. [Die Speisebezeichnung Manda bleibt hier unübersetzt.]

54.69 Dann wasche man die Füße, vollziehe Achamana, betrete die Halle und verehre die Gottheiten in den Krügen.

54.70 Überall lasse man die Vollopfergabe unter dem Wurzelmantra darbringen. Zu günstiger Stunde und bei günstigem Aszendenten hebe man Bhaskara auf.

54.71 Unter der Gayatri entferne man Stoff und Kusha-Büschel, setze ihn auf einen Wagen und vollziehe eine Rechtsumwandlung um den Tempel.

54.72 Der Lehrer betrete mit dem Bildhauer das Gebäude und stelle das Bild vorschriftsmäßig auf, nachdem die Edelsteine in die Vertiefung eingelegt wurden.

54.73 Dabei berühre er den Kopf des Bildes unter dem Wurzelmantra. Die Aufstellung erfolgt im Brahma-Feld des inneren Schreins oder in dessen Mitte,

54.74 oder im göttlichen oder menschlichen Feld; sie gewährt den Menschen alle Vollkommenheiten. Fest verbunden, schön und unbeweglich setze man die Gottheit ein.

54.75 Nach Abschluss seiner Arbeit entlasse man den Bildhauer mit Ehrung. Der Lehrer bade, vollziehe Achamana und lege Gewand und die genannten Edelsteine an,

54.76 Kopfbedeckung und Obergewand, dazu den fünffachen Schmuck. Im inneren Schrein lasse er den segensreichen Tag ausrufen.

54.77 Den Gott reinige man mit fünf Erden und Panchagavya und begieße ihn unter der Gayatri mit Duftwasser.

54.78 Danach betrete man die Halle und nehme mit den Murti-Hütern die Krüge auf. Unter sämtlichen Instrumenten, Gesang und Tanz

54.79 vollziehe man eine Rechtsumwandlung um den Tempel, gehe hinein und stelle die Krüge wie zuvor vor dem Gott auf Opfergründe.

54.80 In der Mitte verehre man Bhanu im Krug, in den anderen die Gestirne. Man meditiere über den auf dem Lotus stehenden Gott und setze ihn wie zuvor ins Herz des Bildes ein,

54.81 unter dem Wurzelmantra mit Wasser aus dem Kusha-Büschel. Danach setze man Soma und die übrigen Gestirne aus ihren Krügen ein,

54.82 vorne beginnend, und begieße mit deren Wasser. Pranava setze man auf den Scheitel, den Wurzelmantra ins Herz,

54.83 den Sechssilbigen in die Nabelregion, Gayatri in die Füße, die Angas in ihre Glieder und den Schutzpanzer in die Brust.

54.84 Astra setze man in die Hände, die Mutterbuchstaben wie zuvor. Danach begieße man unter der Gayatri mit Duftwasser.

54.85 Unter dem Herz-Mantra gebe der Mantrakenner Fußwasser und Wasser zum rituellen Schluck; unter dem Wurzelmantra Arghya auf den Scheitel.

54.86 Martanda bestreiche man mit rotem Sandelholzwasser, verbunden mit Safran und Rochana, und kleide ihn in roten Stoff.

54.87 Mit roten Lotusblumen schmücke man den Strahlenden und verehre ihn unter dem Wurzelmantra mit Duft und Blumen.

54.88 Ebenso verehre man Soma und die übrigen, vorne beginnend ringsum aufgestellt. Dann gebe man Milchspeise und Betel.

54.89 So ist die gemeinsame Handlung für selbstständige und untergeordnete Heiligtümer erklärt. Nun beschreibe ich die zusätzlichen Regeln für ein selbstständiges.

54.90 Rechts und links von ihm gestalte man Usha und Pratyusha, Janardana, auf demselben Sockel,

54.91 mit Karanda-Krone und allem Schmuck, zweiäugig, zweiarmig, goldfarben und Lotusblumen haltend.

54.92 Augenöffnung und alle weiteren Handlungen erfolgen gemeinsam. Bei der Vorbereitung stelle man ihre beiden Krüge seitlich auf.

54.93 In der Hauptgrube opfere man auch für sie mit den genannten Stoffen unter ihren Namensmantras in der hier angegebenen Anzahl.

54.94 Ihr Mantra-Nyasa erfolge nach demjenigen des Gottes. So setze man die Shaktis mit ihren jeweiligen Mantras ein.

54.95 Rechts und links an der Tür gestalte man die Torhüter Ugra und Prashanta.

54.96 Ihre Krüge stelle man entsprechend seitlich des Altars auf. Vorne setze man Aruna ein, außerhalb davon das Pferd.

54.97 Die Richtungshüter setze man an ihren Orten der Reihe nach in Krüge ein. Alle diese Begleitgottheiten bereite man gemeinsam rituell vor.

54.98 Nach Abschluss des Mantra-Nyasa ordne man sie an ihren jeweiligen Orten an. Wer diese hohe Einweihung Savitris vollziehen lässt,

54.99 erlangt Lebensdauer, Gesundheit und erwünschte Söhne. Welche Wünsche er hegt, sie alle erlangt er,

54.100 und nach dem Ablegen des Körpers strahlt er selbst wie die Sonne.

Kapitel 55: Die sechzehn Gestalten Ganapatis

55.1 Möge der Strom des Brunstsaftes, der aus den beiden Schläfen des Elefantengesichtigen fließt, den Schlamm aller Hindernisse rasch von uns abwaschen.

55.2 Nun wird der Lobpreis des sechzehngestaltigen Herrn der Hindernisse gesprochen, durch den die Menschen Dharma, Wohlergehen und Wunscherfüllung erlangen.

55.3 Ich verehre Bala-Ganadhipa, den kindlichen Gott, strahlend wie die junge Sonne, der Banane, Mango, Jackfrucht, Zuckerrohr und Modaka in den Händen hält.

55.4 Ich verehre Bhakta-Ganadhipa, mondhell, mit Kokosnuss, Mango, Banane und süßer Rohzucker-Milchspeise.

55.5 Beständig vergegenwärtige ich den rötlichen Helden Ganesha, der Vetala, Lanze, Pfeil, Bogen, Muschelhorn, Diskus, Khatvanga, Hammer, Keule, Elefantenhaken, Schlange, Schlinge, Dreizack, Speer, Axt und Banner trägt.

55.6 Ich preise Shakti-Ganesha, rot wie die Dämmerung, der die grünliche, auf seinem Schoß sitzende Göttin umarmt, während beide einander an der Hüfte berühren; er trägt Schlinge und Elefantenhaken und nimmt die Furcht.

55.7 Gesegnet ist, wer Vidhi-Ganadhipatis mondhelle Gestalt vergegenwärtigt: Seine Hände glänzen mit Buch, Gebetskette, Stab und Wassergefäß, sein Körper mit vier Elefantengesichtern.

55.8 Du trägst reife Mango, Blütenrispe des Wunschbaumes, Zuckerrohr und Sesam-Modaka und strahlst mit einer Axt in der Hand. Verehrung dir, Pingala, der du mit Shri und Samriddhi verbunden bist.

55.9 Möge der verehrte Ganesha namens Ucchishta uns schützen, mit blauem Lotus, Granatapfel, Vina, Reisbündel und Gebetskette.

55.10 Möge der rote Vinayaka, dessen Reittier die Maus ist, alle unsere Hindernisse vernichten; er trägt Schlinge, Elefantenhaken, seinen Stoßzahn und Mango.

55.11 Man meditiere über Kshipra-Vinayaka, reizvoll wie die Bandhuka-Blüte, strahlend mit Stoßzahn, Wunschranke, Schlinge, Edelsteinkrug und Elefantenhaken.

55.12 Möge der helle Ganapati namens Heramba uns schützen, auf einem Löwen, mit fünf Elefantengesichtern. Er zeigt Furchtlosigkeit und Gnadengewährung und trägt Schlinge, Stoßzahn, Gebetskette, Axt, Elefantenhaken, das dreispitzige Attribut, Hammer und Modaka. [Die Attributliste lässt sich nicht eindeutig auf eine feste Handzahl verteilen.]

55.13 Möge Lakshmi-Ganesha uns behüten: hell von Gestalt, mit Papagei, Zitronatzitrone, Lotus, Rubinkrug, Elefantenhaken, Schlinge und Wunschranke; aus dem Handgefäß fließt Nektar. Ihn begleiten zwei dunkle, Lotusblumen tragende Göttinnen; seine Lotushand gewährt Gaben. [Die Gefäßbeschreibung ist gedrängt.]

55.14 Siegreich strahlt Vighneshvara goldhell, dessen Hände Muschelhorn, Zuckerrohrbogen, Blumenpfeile, Axt, Schlinge, Diskus, Elefantenhaken und Reisähren tragen, reich mit Schmuck geschmückt.

55.15 Ich verehre den auf einem Bein tanzenden Ganesha, gelb strahlend unter dem Wunschbaum, mit schönen Fingerringen und bewegten Händen, die Schlinge, Elefantenhaken, Gebäck, Axt und Stoßzahn halten.

55.16 Möge der große, rote Ganesha euch beständig Heil schenken. Er trägt Wasserlilie, Lotus, Zitronatzitrone, Keule, Stoßzahn, Zuckerrohr und Pfeile, ferner Edelsteinkrug, Reisähren, Schlinge und Diskus. Eine helle Göttin mit schönem Lotus umarmt ihn.

55.17 Möge Urdhva-Ganeshvara dir Furchtlosigkeit schenken: goldglänzend, mit Wasserlilie, Reisähren, Pfeil, Axt, Stoßzahn, Spross und Frucht; eine Hand ist zur Umarmung der grünlichen Göttin erhoben.

55.18 Ich preise den goldhellen Hort des Mitgefühls, einem kurkumafarbenen Elefanten gleich, mit seinen beiden Gemahlinnen an den Seiten, reizvoll mit Schlinge, Elefantenhaken, Zuckerrohr, Becher, Pfeil, Lotus, Stoßzahn, Reisähren und Edelsteinkrug geschmückt.

55.19 Wer diesen so verfassten unvergleichlichen Lobpreis des Ganakönigs täglich ehrfürchtig vergegenwärtigt, rezitiert oder hört, dem bleibt in der Welt nichts unzugänglich. [Die Schlusslesung »avashyam« ist unsicher; dies ist die sinngemäße Deutung.]

Kapitel 56: Die Einweihung Kshetrapalas

56.1 Ich erkläre Kshetrapalas Einweihung, beginnend mit seiner Entstehung, samt Mantra. Höre es kurz, Herr der Götter.

56.2 Einst wurden die heiligen Bezirke auf Erden, im Himmel und im Reich der Nagas von bösen Geistern bedrängt. Brahma wünschte ihren Schutz,

56.3 blickte Bhava an und sprach: »Es ziemt dir, ihr Beschützer zu sein.« Als dieser die Worte hörte, wurde er zum Hüter der Bezirke.

56.4 Er nahm die Gestalt eines nackten, achtarmigen Knaben an, auf einem Hund reitend, mit starken Fangzähnen, drei Augen und zornig verzogenem Gesicht.

56.5 Weil unter meinem Schutz alle Bezirke beständig Sicherheit und Wohlergehen besitzen, bin ich selbst Kshetrapala.

56.6 Als die bösen Geister diese Gestalt sahen, flohen sie voller Angst ringsum aus den Bezirken.

56.7 Seine Mantra-Keimsilbe erkenne als Kuta, verbunden mit der Kraft der Maya, mit Bindu und Nada, den vorzüglichsten der Mantras.

56.8 Wurzelmantra und Angas bilde man mit Ksha. Ksha entsteht aus der Verbindung von Ka und Sha und heißt Kuta-Silbe.

56.9 Danach spreche der Kundige: »Wir erkennen den auf einem Hund Reitenden; wir meditieren über den Scharffangzähnigen. Möge Rudra uns inspirieren!«

56.10 Dies ist seine Gayatri. Nun folgt die Einweihungsvorschrift. An Orten, die für eine Linga-Aufstellung geeignet sind, setze man ihn ein, Achyuta.

56.11 In Dörfern und Städten kann er in jeder der vier Richtungen, dem Ort zugewandt, stehen. Bei einem Heiligtum mit Nordtor steht Kshetrapala im Südwesten,

56.12 bei einem mit Südtor im Nordwesten, mit einer Vorhalle. Vor seinem Heiligtum oder seitlich davon

56.13 oder im Nordosten oder Südosten errichte man die Halle. Rings um ihren Altar lege man Feuergruben an:

56.14 in den Hauptrichtungen quadratisch, in den Zwischenrichtungen rund, die Hauptgrube lotusförmig. Beim Fünf-Feuer-Verfahren

56.15 lasse man die runden Gruben fort und lege die Lotusgrube in der dafür vorgesehenen Richtung an. Alle Vorbereitungen vollziehe man in der Halle.

56.16 Das vorschriftsmäßige Bild bringe man in die Badehalle und lasse den Bildhauer mit goldener Nadel die Augen öffnen.

56.17 Dann stelle man vor dem Gott auf einem Opfergrund getrennte Gefäße mit Honig, Ghee und Milch auf.

56.18 Kupfergefäße gelten als geeignet. In alle drei lege der Lehrer unter dem Astra-Mantra je einen goldenen Lotus.

56.19 Er besprenge sie unter dem Herz-Mantra und besiegle sie mit Dhenu. Hinter einem Vorhang erfrische man mit goldenem Durva

56.20 das rechte und linke Auge mit Honig und Ghee unter dem Augenmantra; das obere Auge

56.21 erfrische man ebenso mit Milch. Mit den golden überzogenen Spitzen von Zeige-, Mittel- und Ringfinger setze man danach

56.22 den Augenmantra ein. Man reinige das Bild mit fünf Erden und Panchagavya unter Herz- und Astra-Mantra und begieße es mit Duftwasser.

56.23 Nach Entfernen des Vorhangs zeige man Brahmanen und eine Kuh. Das vollständig geschmückte Bild führe man auf einem Wagen oder anderen Träger fort.

56.24 Am Ufer stelle der Mantrakenner es auf, lasse den segensreichen Tag ausrufen und besprenge unter den fünf Brahma-Mantras.

56.25 Nach der Begießung umhülle man es mit Kusha-Büschel und Stoff und lege es im Wasser auf ein Brett,

56.26 mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben. Ringsum setze man die Richtungshüter ein. Nach Ablauf der zuvor genannten Zeit

56.27 hebe man den Gott aus dem Wasser und bringe ihn in die Badehalle. Dort stelle man ihn auf und entferne die Stoffe.

56.28 Unter dem Herz-Mantra gebe man Arghya auf den Kopf, reinige wiederholt und begieße unter seinem Wurzelmantra mit Duftwasser.

56.29 Gesammelt lasse man den segensreichen Tag ausrufen, besprenge unter Sarvatman und binde das Schutzband um.

56.30 Man umhülle ihn mit Kusha-Büschel und weißem Stoff und bringe Arghya auf dem Kopf des Gottes dar.

56.31 Auf dem vorschriftsmäßigen Opfergrund des Hallenaltars bereite man die Lagerstatt, bringe das Bild herbei und lege es unter dem Wurzelmantra nieder.

56.32 Sein Kopf weise nach Osten, sein Gesicht nach oben; man umhülle es mit rotem Stoff. Den Hauptkrug versehe man mit allen Merkmalen,

56.33 fülle ihn mit Duftwasser, lege goldenen Dreizack und Edelsteine hinein, versehe ihn mit Stoff und Kusha-Büschel und verschließe ihn.

56.34 Unter dem Waffenmantra stelle man ihn an die Kopfseite des Bildes, begleitet von Muschelhorn, Trommel und sämtlichen Instrumenten.

56.35 Ringsum setze der Mantrakenner acht Krüge auf und verehre sie der Reihe nach. Körper-Nyasa und alle weiteren Schritte erfolgen wie zuvor.

56.36 Dann meditiere man über Kshetrapala: dunkel, dreiäugig, mit aufgerichtetem Haar, starken Fangzähnen und zornig verzogenen Brauen,

56.37 die Füße auf einem Lotuspodest, mit Schlangengürtel, aufragend und überaus zornig, mit einer Girlande aus kleinen Glocken

56.38 und einer Schädelgirlande, die bis zu den Knöcheln reicht, mit gebundener Schlange und Mondsichel geschmückt.

56.39 Rechts trägt er Dreizack, Damaru, Schwert und Schlange, links Schädel, Glocke, Waffe, Schild und Bogen.

56.40 Er besitzt acht Arme und glänzt wie eine dunkle Wolke. [Die Attributliste enthält mehr als acht Einträge.] Oder man meditiere über ihn vierarmig, rechts und links

56.41 mit Dreizack, Damaru, Schädel und Schlinge; die übrigen Schmuckstücke entsprechen der vorherigen Form.

56.42 Wie die äußere Gestalt beschaffen ist, so vergegenwärtige man sie im Krug. Unter dem Wurzelmantra bilde der Kundige eine Blumengabe in gefalteten Händen.

56.43 Er vollziehe Einladung und die folgenden Schritte und verehre unter dem Herz-Mantra mit Duft. In den acht ringsum zur Verehrung aufgestellten Krügen

56.44 verehre man Bhava und die übrigen unter ihren Namensmantras. Danach vollziehe man das Feueropfer ringsum in den Gruben der Reihe nach.

56.45 Man bereite die Gruben vor und setze das Feuer ein, danach die Gottheiten wie zuvor, und verehre sie.

56.46 Mit den zugehörigen Mitwirkenden lasse der Mantrakenner überall das Opfer verrichten: Holz, Ghee, Opferspeise, Sesam und Senf,

56.47 Mung, Masha und Gerste, jeweils hundert oder fünfzig Gaben, der Reihe nach unter Wurzelmantra und Angas,

56.48 auch unter der Gayatri. Nach jedem Stoff opfere man Ghee unter den Vyahritis. Der Lehrer berühre zusammen mit den Priestern

56.49 die jeweiligen Glieder des Bildes mit Blumen in der Hand. Nach allen Stoffgaben bringe man den Herren der Gruben zehn Ghee-Gaben dar,

56.50 besprenge ringsum und schließe ab. Den Gottheiten in den Krügen gebe man Opferkost.

56.51 Nach der Beteldarbringung lasse der Lehrer die Nacht verstreichen. Morgens, nach seinen täglichen Riten, betrete er die Halle.

56.52 Er bilde seinen Mantra-Leib und verehre die Gottheiten wie zuvor, auch in allen Gruben. Nach den Vyahritis

56.53 bringe er mit dem großen Opferlöffel die Vollgabe unter der Wurzel-Vidya dar. Nach dem Besprengen verehre und verabschiede man die Gottheiten der Gruben.

56.54 Umlegehölzer und Grassitze besprenge man und gebe sie ins Feuer. Dann gehe man in den inneren Schrein, ins Brahma- oder göttliche Feld,

56.55 setze den Grundstein und lege Edelsteine und die übrigen Stoffe vorschriftsmäßig ein. Danach gehe man zur Halle und hebe das Bild unter dem Wurzelmantra auf.

56.56 Man entferne die Stoffe, bringe Arghya auf dem Kopf dar, setze es auf einen Wagen und vollziehe eine Rechtsumwandlung um den Tempel.

56.57 Man bringe es in den Schrein; den Kopf berührend und die Wurzel-Vidya sprechend setze der Mantrakenner die Gottheit mit dem Bildhauer ein.

56.58 Besonders sorgfältig stelle man die Verbindung mit dem Sockel her. Nach Abschluss seiner Arbeit entlasse man den Bildhauer mit Ehrung.

56.59 Der Lehrer bade, bilde seinen Vidya-Leib und lasse den segensreichen Tag ausrufen. Im Schrein reinige er den Gott mit fünf Erden und Panchagavya

56.60 unter dem Herz-Mantra und begieße ihn mit Duftwasser. Danach bringe man die Krüge aus der Halle wie zuvor herbei.

56.61 Vor dem Bild stelle man sie auf einen Opfergrund. Nach Norden gewandt nehme der Lehrer Platz, durch Sakalikarana geheiligt,

56.62 mit Kopfbedeckung, Obergewand und fünffachem Schmuck. Wie zuvor meditiere er über den Gott im Krug.

56.63 Unter dem Wurzelmantra setze er den Gott aus dem Krug mit Wasser aus dem Kusha-Büschel ins Herz des Bildes ein und verehre ihn.

56.64 Bei den weiteren Mantra-Anwendungen füge man Ksha hinzu. Danach vollziehe man die Begießung und speise Brahmanen.

56.65 Man ehre den Acharya und lasse die Ehrengabe darbringen. Ein König, der so verfährt, wird siegreich.

Kapitel 57: Die Einweihung weiterer Begleitgottheiten

57.1 Nun erkläre ich dir besonders die Einsetzung der übrigen Begleitgottheiten zur Verehrung, von den Türbereichen ausgehend, Janardana.

57.2 Vor ihrem jeweiligen Heiligtum oder seitlich davon errichte man eine fünf Ellen große Halle mit vier Säulen.

57.3 In der Mitte fertige man einen Altar von sechzehn Angula, ein Tala hoch, glatt wie die Fläche eines Spiegels.

57.4 Man bestreiche mit Kuhdung und spanne einen Baldachin auf, bringe Darbha-Girlanden, Banner und Perlenschnüre an.

57.5 In den vier Richtungen setze man Toranas auf und lasse den segensreichen Tag ausrufen. Danach vollziehe man am Bild die Augenöffnung.

57.6 Nach dem Öffnen der jeweiligen Augen reinige man das Bild mit den Kuherzeugnissen und den weiteren Stoffen. Unter seinem Herz-Mantra

57.7 lasse man es wie zuvor im Wasser ruhen. Dann bringe man es herbei und stelle es im Norden der Halle auf ein Brett.

57.8 Man begieße mit Duftwasser, binde unter dem jeweiligen Wurzelmantra das Schutzband um und umhülle das Bild erneut mit Stoffen.

57.9 Auf dem bereiteten Opfergrund des Altars richte man wie zuvor die Lagerstatt ein und lege das Bild darauf,

57.10 unter seinem Herz-Mantra. An seiner Kopfseite stelle man einen Krug mit den zuvor genannten Merkmalen auf,

57.11 gefüllt mit Duftwasser, versehen mit goldenem Lotus, Kusha-Büschel, Deckel und Stoff, und verehre unter dem Wurzelmantra.

57.12 Über die Gottheit im Krug meditiere man entsprechend der Bildgestalt. Acht weitere Krüge mit den genannten Merkmalen stelle man in die Richtungen.

57.13 Dharma und die übrigen sowie Adharma und die übrigen verehre man in Haupt- und Zwischenrichtungen mit Fußwasser bis zur Speise. Dann vollziehe man das Feueropfer.

57.14 Die Gruben in Haupt- und Zwischenrichtungen sind quadratisch; im Nordosten liegt die runde Hauptgrube.

57.15 Beim Weglassen der Zwischenrichtungsgruben entsteht das Fünf-Feuer-Verfahren. Bei nur einem Feuer richte man es im Osten ein.

57.16 Überall kann man auch auf einem sandigen Opfergrund opfern. Vorbereitung der Gruben und alle weiteren Schritte erfolgen wie zuvor.

57.17 Nach der genannten Vorschrift bereite und verehre man das Feuer und setze die Hauptgottheiten darin ein.

57.18 Dharma, Adharma und die übrigen verehre man vorschriftsmäßig der Reihe nach. Holz, Ghee, Opferspeise, Sesam, Senf,

57.19 Gerste und Bambussamen opfere man jeweils hundertmal. Als Hölzer dienen Plaksha, Udumbara, Ashvattha, Vata und der Brahma-Baum.

57.20 Unter Wurzel- und Anga-Mantras opfere der Lehrer mit den Priestern die Stoffe vom Holz an in der angegebenen Reihenfolge.

57.21 Nach jedem Stoff berühre man Herz und die weiteren Körperstellen, unter dem Wurzelmantra die Herzregion. Für Dharma und die übrigen

57.22 opfere der Kundige jeweils sieben Ghee-Gaben; für Adharma und die übrigen vier opfere man in der Hauptgrube.

57.23 Nach diesem nächtlichen Vollzug betrete der Lehrer morgens nach den täglichen Riten mit den Murti-Hütern die Halle.

57.24 Unter den jeweiligen Wurzel- und Anga-Mantras bilde er seinen Mantra-Leib, verehre das Bild und die Gottheiten in den Krügen.

57.25 Überall lasse er die Vollgabe unter dem jeweiligen Wurzelmantra darbringen. Dann nehme man das Bild auf und entferne Kusha-Büschel und Stoff.

57.26 Auf einem Wagen führe man es rechtsherum um den Tempel und betrete ihn. In der mit Edelsteinen und Gold versehenen Vertiefung

57.27 stelle man es mit dem Bildhauer unter dem Wurzelmantra auf. Danach bade der Kundige, vollziehe Achamana und seine täglichen Riten.

57.28 Unter Astra begieße man das Bild mit Panchagavya, unter der Gayatri mit Duftwasser.

57.29 Nach Ausrufung des segensreichen Tages und Besprengung unter Astra nehme man die Krüge auf und vollziehe eine Rechtsumwandlung um den Tempel.

57.30 Man betrete den Schrein, stelle die Krüge vor dem Gott an ihren Plätzen auf einen Opfergrund und verehre sie wie zuvor.

57.31 Die Gottheit als Mantragestalt im Krug setze man unter dem Wurzelmantra mit Wasser aus der Spitze des Kusha-Büschels ins Herz des Bildes ein.

57.32 Unter dem jeweiligen Astra-Mantra begieße man mit diesem Wasser. Dann setze man Dharma und die übrigen ringsum ein

57.33 und begieße das Bild der Reihe nach mit ihren Krügen. Die Angas setze man in die Glieder, den Wurzelmantra ins Herz.

57.34 Die A-Gruppe setze man auf den Kopf, die Ka-Gruppe ins Gesicht, die Cha-Gruppe in die Brust, die retroflexe Ta-Gruppe in den Bauch,

57.35 die dentale Ta- und die Pa-Gruppe in die beiden Hände, die Ya- und Sha-Gruppe in die beiden Füße,

57.36 die Ha-Gruppe in den Rücken. Nach dieser Einsetzung der Mutterbuchstaben begieße man das Bild und verehre mit Duft und Blumen.

57.37 Man bringe reichlich Opferkost und Betel dar. So ist das gemeinsame Einweihungsverfahren beschrieben.

57.38 Für alle bisher nicht einzeln behandelten Gottheiten wird nun die Podestform und ihre Einsetzung knapp erläutert; höre, Herr der Götter.

57.39 Welcher Gottheit man auch ein Podest aus Stein oder anderem Material vorschriftsmäßig errichtet: seitlich, östlich oder nördlich davon

57.40 errichte man nach Abschluss der Bildhauerarbeit und Entlassung des Handwerkers eine Schutzhütte mit Baldachin.

57.41 Man bestreiche den Ort mit Kuhdung, lasse den segensreichen Tag ausrufen, bereite einen Opfergrund aus Reis und zeichne darauf einen Lotus.

57.42 Auf seine Samenkapsel stelle man einen mit Duftwasser gefüllten und mit Stoff umhüllten Krug mit den zuvor genannten Merkmalen.

57.43 Darin meditiere man über die Gottheit, lade sie ein und verehre sie. Zwischen Podest und Krug vollziehe man das Feueropfer,

57.44 in einer Grube oder auf einem Opfergrund, nachdem das Feuer wie zuvor verehrt wurde: Holz, Ghee und Opferspeise jeweils hundertmal,

57.45 oder fünfzig- oder fünfundzwanzigmal, unter dem jeweiligen Wurzelmantra. Unter den Anga-Mantras opfere man jeweils zehn Ghee-Gaben.

57.46 Am Ende berühre man das Podest unter Sarvatman. Nach den nächtlichen Handlungen vollziehe der Mantrakenner morgens mit den Priestern

57.47 die täglichen Riten, bilde seinen Mantra-Leib, verehre den Gott im Krug und bringe die Vollgabe unter dem Wurzelmantra dar.

57.48 Danach setze man den Gott aus dem Krug wie zuvor ins Podest ein und begieße es mit Krugwasser unter dem Wurzelmantra, begleitet von Vedarezitation.

57.49 Dort verehre man die Gottheit, bringe Opferkost und Betel dar.

57.50 So ist die Podestweihe kurz erklärt. Nun beschreibe ich die Weihe des großen Opferpodestes, Janardana.

57.51 Bei den großen Podesten wird ein äußeres und ein inneres unterschieden. Vor ihnen errichte man eine Schutzhütte, seitlich einen Altar

57.52 von fünf Ellen und die Feuergruben: überall quadratisch, im Nordosten rund.

57.53 Bei nur einem Feuer lege man die Grube im Osten an. Man bestreiche mit Kuhdung und lasse den segensreichen Tag ausrufen.

57.54 Dann vollziehe man die rituelle Vorbereitung für das äußere und innere Podest; für beide gilt das auf dem Altar vorgesehene Verfahren.

57.55 Man bereite einen Opfergrund aus Reis, zeichne einen achtblättrigen Lotus und stelle in dessen Mitte einen mit weißem Faden geschmückten Krug,

57.56 mit Duftwasser gefüllt, mit Gold, Kusha-Büschel, Deckel und Stoff versehen und mit den zuvor genannten Merkmalen.

57.57 Acht weitere Krüge ordne der Lehrer ringsum in den Richtungen an, der Reihe nach auf den Blättern, im Osten beginnend.

57.58 Jeden Krug fülle man wie zuvor mit Duftwasser und den weiteren Stoffen. Durch Einladung und die folgenden Schritte verehre man darin die Gottheiten.

57.59 Beim inneren Podest sitzt in der Mitte auf der Samenkapsel Chandarudra; ringsum befinden sich die Gana-Herren der Reihe nach.

57.60 Auf den Blättern, im Osten beginnend, verehre man unter dem Wurzelmantra. Man bringe Rohzuckerreis, süße Milchspeise und reinen Reis sowie unter der Wurzel-Vidya Betel mit Mundduftmitteln dar. [Die besondere Ausführung für das äußere Podest wird hier nicht weiter entfaltet.]

Kapitel 58: Die Einweihung Vishnus

58.1 Nachdem Janardana sich vor dem Gott der Götter verneigt hatte, fragte er: »Wie erfolgt Vishnus Einweihung? Erkläre mir alles, Herr!«

58.2 Ich erkläre Vishnus Einweihung in knapper Form, Janardana. Vishnu gestalte man vierarmig, friedvoll und mit einer Waldblumengirlande,

58.3 mit Kirita-Krone, dunklem Teint und zwei Augen, Muschelhorn und Diskus tragend, die Brust mit Shrivatsa gezeichnet,

58.4 mit Danda- und Furchtlosigkeitsgeste, in gelben Gewändern, bequem sitzend oder stehend, mit Dharani und Shri verbunden.

58.5 Oder der ausgezeichnete Bildkundige gestalte ihn liegend. Auch Narasimha kann man bilden, mit Muschelhorn und Diskus,

58.6 in Kukkutasana sitzend, mit angelegtem Sitzband und beiden Ellenbogen auf den Knien, strahlend.

58.7 Die Gottheiten setze man nach dem beschriebenen Einweihungsverfahren ein, beginnend mit der Augenöffnung, der Reihe nach unter ihren eigenen Mantras.

58.8 Ebenso wird Narasimhas Einweihung vollzogen. Wer als Mensch diese hohe Einsetzung Vishnus ausführen lässt, erlangt Glück in dieser Welt und geht zum höchsten Ziel.

Kapitel 59: Die Einweihung Sarasvatis

59.1 Höre nun kurz Sarasvatis Einweihung. In der Mitte eines Dorfes oder einer Stadt, im Osten oder Westen

59.2 setze man die Göttin dem Ort zugewandt ein, damit Wissen vollendet werde. In Shiva-Tempeln kann sie im Norden, Westen oder Südosten stehen.

59.3 In der Ortsmitte blickt sie nach Osten; im Shiva-Tempel ist sie dem Hauptheiligtum zugewandt. Ihr Bau kann Nagara- oder Dravida-Form haben.

59.4 Weiß, auf einem weißen Lotus sitzend, eingesichtig und vierarmig, trägt sie rechts Sandamsha-Geste und Gebetskette,

59.5 links Buch und Wassergefäß. Die höchste Göttin ist weiß gekleidet, mit weißen Girlanden und weißer Salbung geschmückt,

59.6 dreiäugig, mit schönem Gesicht und allem Schmuck. Auch ein Tonbild der Göttin kann man zur Erlangung aller Vollkommenheiten einsetzen.

59.7 Für ihre Einweihung errichte man eine Halle mit den zuvor beschriebenen Merkmalen und darin die Feuergruben.

59.8 Die vier Gruben gestalte der Lehrer yoniförmig; im Nordosten liegt die runde Hauptgrube.

59.9 Halle, Gruben und Altar bestreiche man mit Kuhdung. Dann bringe man das Bild in die eingerichtete Badehalle.

59.10 Der Mantrakenner vollziehe die Augenöffnung wie zuvor, ebenso die Bildreinigung und Wasserlagerung.

59.11 Danach bringe man das Bild in die Badehalle und stelle es auf die Plattform.

59.12 Man entferne Stoff und Kusha-Büschel, begieße unter dem Schutzmantra mit Duftwasser und bestreiche die Göttin mit Sandelholz.

59.13 Unter dem Waffenmantra binde man das Schutzband an ihre rechte Hand. Unter dem Schutzmantra umhülle man sie wie zuvor mit Stoff und Kusha-Büschel.

59.14 Unter Vedarezitation und den weiteren Mantras bringe man Arghya auf dem Kopf dar. Vorbereitung und Ausschmückung der Halle

59.15 vollziehe man wie zuvor; in der Altarmitte richte man auf dem Opfergrund die Lagerstatt ein. Unter sämtlichen Instrumenten

59.16 bringe man das Bild herbei und lege es unter der Wurzel-Vidya mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben nieder. Man bedecke es mit rotem Stoff.

59.17 Unter dem Schutzmantra bereite man die Krüge wie zuvor. Den Hauptkrug stelle man an die Kopfseite der Göttin.

59.18 Ringsum stelle man acht weitere Krüge und verehre sie. Mit gebildetem Vidya-Leib meditiere man in der Mitte über Sarasvati.

59.19 Unter dem Wurzelmantra lade man die Göttin ein und verehre sie nach den genannten Vorschriften. In den Krügen ringsum

59.20 verehre man in den Hauptrichtungen Shri, Shashi, Usha und Indrani; Nivritti, Pratishtha, Vidya und Shanti

59.21 lade man in die Zwischenrichtungen ein und verehre sie unter dem Pranava. Danach vollziehe der Lehrer mit den Sadhakas das Feueropfer.

59.22 Vorschriftsmäßig setze man die Feuer in die fünf Gruben ein, verehre in der Hauptgrube die Göttin und in den übrigen der Reihe nach

59.23 Kamala und die weiteren. Holz, Ghee, Opferspeise, gepufften Reis, Gerste, Bambussamen und Sesam opfere man nacheinander.

59.24 Im Osten beginnend verwende man Plaksha, Udumbara, Ashvattha und Vata, in der Hauptgrube Palasha, und vollziehe das Holzopfer.

59.25 Für alle herrschenden Gottheiten bringe man mit den Sadhakas jeweils hundert Ghee-Gaben unter dem genannten Sama-Mantra dar. [Die Mantrabezeichnung ist nicht näher erläutert.]

59.26 Nach den Opfergaben wie zuvor besprenge man ringsum und schließe ab. Währenddessen erfolgt in den vier Richtungen Vedarezitation, beginnend mit dem Rigveda.

59.27 Im Nordosten rezitiere man Astra, begleitet von sämtlichen Instrumenten. Den Göttinnen in den Krügen bringe man der Reihe nach Opferkost dar.

59.28 Nach diesen nächtlichen Handlungen begebe sich der Lehrer morgens nach den täglichen Riten zu günstiger Stunde mit den Opferpriestern in die Halle.

59.29 Er verehre die Göttinnen und lasse die Vollgabe unter dem Wurzelmantra darbringen. Dann hebe man die Göttin auf und entferne Kusha-Büschel und Stoff.

59.30 Auf einem Wagen führe man sie rechtsherum um den Tempel und betrete den Schrein. Im göttlichen oder menschlichen Feld

59.31 setze der Kundige das Bild unter der Wurzel-Vidya in die wie zuvor bereitete, mit Edelsteinen versehene Vertiefung ein.

59.32 Auch den Sockel stelle man auf und verbinde ihn vorschriftsmäßig. Danach entlasse man den Bildhauer, bade und vollziehe Achamana.

59.33 Im Schrein reinige man das Bild und lasse den segensreichen Tag ausrufen. Die Träger nehmen dann die Krüge auf.

59.34 Mit den Opferpriestern vollziehe der Lehrer eine Rechtsumwandlung, gehe hinein und stelle die Krüge vor der Göttin auf einen Opfergrund.

59.35 Heiter, friedvollen Geistes und mit gebildetem Vidya-Leib vollziehe er das Mantra-Nyasa wie zuvor unter der Wurzel-Vidya.

59.36 Danach begieße man mit den Krügen, im Osten beginnend. Wurzel-, Anga- und Mutterbuchstaben-Nyasa vollziehe man sämtlich wie zuvor.

59.37 Man schmücke die Göttin reich mit Girlanden, Schmuck und Kleidung, verehre sie mit Duft und bringe süße Milchspeise dar,

59.38 mit reichlichen Beilagen, ferner Früchte und andere Speisen. Aufmerksam gebe man Betel und Mundduftmittel.

59.39 Dann lege man ein schriftlich vorliegendes Shiva-Agama, Purana oder Vedanga als Buch, in Seidenstoff gehüllt,

59.40 links von der Göttin auf ein Vidya-Podest. Täglich verehre der Mantrakenner die Göttin und das Buch.

59.41 Dies gilt gleichermaßen für ihre Weihe als Begleit- und Hauptgottheit. Für die Hauptgottheit wird nun die Besonderheit genannt, Madhusudana.

59.42 Pashyanti und Madhyama sind die Türgottheiten, weiß, zweiäugig, zwei- oder vierarmig.

59.43 Ihr Reittier ist die Gans. Als Begleitgottheiten sind die mit Kamala beginnenden Shaktis im Osten beginnend aufgestellt.

59.44 Die zuvor genannten Gottheiten setze und verehre der Kundige; der Guru vollziehe ihre rituelle Vorbereitung wie zuvor.

59.45 Mit Tanz, Gesang, Instrumenten und der Rezitation aller Veden erfolgt diese hohe Einweihung der Göttin. Wer sie ausführt,

59.46 erlangt Wissen, wenn er Wissen sucht, Lebensgenuss, wenn er diesen sucht, und Befreiung, wenn er sie sucht. Daran soll man nicht zweifeln.

Kapitel 60: Die Weihe des Dreizacks und anderer Waffen

60.1 In seiner Mitte gestalte man aus zwei Maßteilen einen runden Lotus mit acht Blättern und einer Samenkapsel. Das Übrige führe man sachgerecht aus. [Der Abschnitt setzt mit einem Maßbezug ein, dessen Ausgangspunkt hier fehlt.]

60.2 Den Schaft des Dreizacks fertige man vorschriftsmäßig. Bei einer größeren Breite als der zuvor genannten sollen von vier Teilen drei angesetzt werden. [Der Bezug der Maße ist unsicher.]

60.3 Den hölzernen Schaft gestalte man so, dass oben Luft eintreten kann. In der kugelförmigen Partie sei eine Öffnung von fünf Fingerbreiten.

60.4 Dort kann eine schöne, mit allem Schmuck geschmückte Gestalt zusammen mit Ambika stehen. Oder man bringe über der schalenförmigen Partie an den Ecken den Herrn der Stiere an.

60.5 Am Gefäß unter der Spitze des Dreizacks bringe man eine Beilklinge an. So sind die Kennzeichen angegeben. Nun wird das Verfahren der Weihe beschrieben.

60.6 Vor dem Tempel errichte man einen Pavillon mit den früher genannten Merkmalen. Ringsum lege man, vom Osten beginnend, die Feuergruben an:

60.7 eine viereckige, eine bogenförmige, eine runde und eine dreieckige; im Nordosten eine lotusförmige. Zuvor errichte man in der Mitte den Altar.

60.8 Dann bereite man die Opferfläche und den Badepavillon. Man bringe den Dreizack dorthin und vollziehe das Öffnen der Augen.

60.9 Ist eine Götterfigur daran angebracht, verfahre der vorzügliche Lehrer nach der früher genannten Vorschrift. Auf die Opferfläche zeichne er in der Mitte einen achtblättrigen Lotus.

60.10 Dort benetze er die Augen der Figur vorschriftsmäßig mit Honig und den weiteren Stoffen. Die Figur samt Dreizack behandle er mit den fünf Erden und den fünf Kuhprodukten.

60.11 Zuerst führe man den geschmückten Dreizack im Uhrzeigersinn um das Dorf. Dann bringe man ihn an ein Gewässer und lasse dort den Segen für den glückverheißenden Tag sprechen.

60.12 Dort übergieße man ihn und umwickle die Spitze des Dreizacks zusammen mit einem Grasbüschel mit neuem Stoff. Mit dem oberen Ende nach Osten und der Vorderseite nach oben

60.13 lege man ihn auf ein Brett. Ringsum verehre man die Waffen, beginnend mit dem Vajra. Der Mantrakundige lasse die vorgeschriebene Zeit wie zuvor verstreichen.

60.14 Dann hebe er ihn aus dem Wasser und bringe ihn zum Badepavillon. In dessen Mitte lege er den Dreizack auf den Altar, nach Osten gerichtet.

60.15 Er entferne Grasbüschel und Stoff und reinige ihn. Darauf bade er ihn mit den fünf Erden und den fünf Kuhprodukten.

60.16 Der Lehrer spreche die fünf Brahmamantras und übergieße ihn mit Duftwasser. Dann binde er das Schutzband an und versehe ihn wie zuvor mit einem Grasbüschel.

60.17 Unter dem Waffenmantra umhülle er den Dreizack samt Schaft mit ungetragenem Stoff. Auf der in der Mitte des Pavillonaltars hergerichteten Opferfläche

60.18 bereite er wie zuvor das Lager. Unter dem Klang aller Instrumente lege der Kundige die Waffe mit dem oberen Ende nach Osten und der Vorderseite nach oben darauf.

60.19 Er lege Blumen darüber und bedecke sie mit rotem Stoff, während er das Astramantra spricht. Danach stelle er die Gefäße auf.

60.20 Sie sollen die früher genannten Merkmale besitzen, vollständig mit Duftwasser gefüllt und mit Grasbüscheln und Deckeln versehen sein. Man umhülle sie mit Stoff.

60.21 An den Stoffenden bringe man die Bezeichnung des Dreizacks zusammen mit Om an. In das mittlere Gefäß lege man einen goldenen Dreizack, in das rechte einen goldenen Lotus,

60.22 und ebenso einen Lotus in das linke: so in die drei Gefäße. Acht weitere entsprechende Gefäße stelle man ringsum in die Himmelsrichtungen.

60.23 Nachdem der Segen für den glückverheißenden Tag gesprochen wurde, verehre man die Gottheiten der Reihe nach: in der Mitte den Gott Maheshvara, rechts und links

60.24 Brahma und Vishnu. Danach verehre man in den Gefäßen die Hüter der Weltrichtungen an ihren jeweiligen Plätzen mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.

60.25 Dann vollziehe man das Feueropfer. Sein Verfahren wird nun erklärt. Der Mantrakundige entzünde vorschriftsmäßig das Feuer in allen Feuergruben.

60.26 In der Hauptfeuergrube verehre er Brahma, Vishnu und Mahesha; in der östlichen Bhavani, in der südlichen den Herrn über die Hindernisse,

60.27 in der westlichen den Sechsgesichtigen und in der nördlichen den Sonnengott. Als Gaben dienen Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, geröstetes Getreide, Sesam, Senf und Gerste.

60.28 In jeder Feuergrube opfere man der Reihe nach mit den Wurzel- und Gliedermantras. Von jeder Gabe seien hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Darbringungen auszuführen.

60.29 Während des Feueropfers werden in den vier Richtungen der Rigveda und die übrigen Veden rezitiert. Überall bringe man für Brahma und Vishnu je hundert Gheeopfer dar.

60.30 Danach opfere man für Gauri, den Elefantengesichtigen und Guha, für den Sonnengott, Chanda und die Hüter der Weltrichtungen.

60.31 Für jede dieser Gottheiten bringe man einzeln je fünf Opfergaben in allen Feuergruben dar. Während des Opfers berühre der Mantrakundige der Reihe nach

60.32 nach Abschluss jeder Gruppe von Opferstoffen die mittlere, die rechte und die linke Klinge mit den Mantras der jeweils zugehörigen Gottheiten,

60.33 danach die schalenförmige Partie, das Gefäß, das obere Ende, die Mitte und den Fuß des Schaftes sowie die Samenkapsel und die Blätter des Sockellotus.

60.34 So berühre er der Reihe nach sämtliche Teile des Dreizacks. In allen Feuergruben verehre er die betreffende Gottesgestalt und das Feuer.

60.35 Er besprenge die Feuerstellen und beende das Feueropfer. Der Kundige bringe dann den Gottheiten in den Gefäßen mit ihrem jeweiligen Herzmantra die Opferspeise dar.

60.36 Er lasse den Rest der Nacht vergehen. Am Morgen verrichte der Mantrakundige mit den Opferpriestern die vorgeschriebenen täglichen Handlungen und betrete den Pavillon.

60.37 Er verehre den Gott wie zuvor. Zu einem günstigen Zeitpunkt und unter einem günstigen Aszendenten gebe er die Vollopfergabe, während er das Aghorastra-Mantra spricht.

60.38 In allen Feuergruben vollziehe der Lehrer dies nach den Vyahriti-Formeln. Dann hebe er gesammelt mit dem Shivastra-Mantra den Dreizack auf.

60.39 Er lege ihn auf den Badealtar und entferne Stoff, Grasbüschel und alles Weitere. Er bade ihn mit den fünf Kuhprodukten und übergieße ihn mit Duftwasser.

60.40 Der Kundige hebe alle Gefäße auf und stelle sie wie zuvor vor dem Dreizack auf der Opferfläche nieder. Nachdem er seinen eigenen Körper durch die Mantras zum Vidya-Körper gestaltet hat,

60.41 meditiere er im mittleren Gefäß über Mahesha, dessen Leib aus Mantras besteht. Er spreche dessen Wurzelmantra und übertrage ihn mit dem Wasser in das Herz der Figur

60.42 und, wie zuvor, in die Mitte der mittleren Klinge. Brahma übertrage er in die rechte Klinge, Keshava in die linke.

60.43 Der Reihe nach vollziehe er die Übertragung aus den betreffenden Gefäßen und übergieße damit den Dreizack. Mit den übrigen Gefäßen bade er ihn unter dem Laut Om.

60.44 Nach diesem Übergießen lege er das Wurzelmantra in den Dreizack. In dessen Klingen lege er die Mantras Ishas, Vishnus und Virinchas.

60.45 In die schalenförmige Partie lege er das Mantra Gauris, in das Gefäß das des Elefantengesichtigen, an das obere Schaftende das des Sechsgesichtigen und in die Schaftmitte das der Sonne.

60.46 An den Schaftfuß lege er das Mantra des Mondes, darunter das Chandas; in den Sockel und seine Lotusblätter die Mantras der Hüter der Weltrichtungen.

60.47 Den so mit seinen jeweiligen Gottheiten verbundenen Dreizack bade er mit Duftwasser, während er die fünf Brahmamantras spricht. Dann verehre er ihn mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben.

60.48 Allen darin gegenwärtigen Gottheiten bringe er der Reihe nach Opferspeise dar. Den drei Hauptgestalten gebe er Betel mit wohlriechenden Zutaten,

60.49 jeweils unter ihrem Herzmantra. Dann schmücke er den Dreizack, der alle Gottheiten in sich trägt, mit Schmuck und Blumen.

60.50 Unter dem Klang aller Instrumente veranstalte man im Dorf und den entsprechenden Orten ein Fest. Bei der Weihe eines unbeweglichen Dreizacks ist auch die Niederlegung der Edelsteine auszuführen.

60.51 Nun, Janardana, wird die Weihe der übrigen Waffen erklärt, beginnend mit dem Vajra, die aus Gold oder anderen Materialien hergestellt sind.

60.52 Man bereite auf dem Altar eine Opferfläche und zeichne darauf einen Lotus. In dessen mittlere Samenkapsel stelle man ein Gefäß.

60.53 Es sei mit Faden und Stoff versehen, vollständig mit Duftwasser gefüllt, mit Gold und einem Grasbüschel ausgestattet und mit einem Deckel verschlossen.

60.54 Die zehn Waffen, vom Vajra bis zum Lotus, ordne man an den entsprechenden Stellen ringsum an, vom Osten beginnend.

60.55 Man wasche sie und besprenge sie mit Duftwasser. Dann verehre man alle Waffen mit ihren jeweils eigenen Mantras

60.56 in den zugehörigen Gefäßen, vorschriftsmäßig mit Blumen und den weiteren Gaben. Darauf vollziehe man gesammelt im Osten das Feueropfer.

60.57 Man richte das Feuer vorschriftsmäßig in einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche ein. Für jede der zehn Waffen, angefangen mit dem Vajra, opfere man Brennhölzer, Ghee und gekochte Opferspeise.

60.58 Von jedem Stoff gebe man nach der Vorschrift fünf Darbringungen. Dann vollziehe man mit dem Aghorastra-Mantra die Vollopfergabe.

60.59 Mit dem Grasbüschel und dem Wasser aus dem Gefäß übertrage man die Mantras in die Waffen. Jede Waffe bade man mit dem Wasser ihres jeweiligen Gefäßes.

60.60 Wer auf diese Weise alle Waffen richtig weiht, überwindet seine Widersacher und sämtliche Feinde und wird schließlich ein Herr der Scharen.

Kapitel 61: Die Weihe des Tempelaufbaus

61.1 Nun werde ich die Weihe des Vimana erklären; höre sie. Jetzt wird die Weihe für diejenigen Gottheiten vollzogen, die am Tempelaufbau ihren Sitz haben.

61.2 Dies ist die Weihe des Vimana. Ihr Verfahren wird nun beschrieben. In den vier Richtungen des Tempels oder im Nordosten errichte man Pavillons.

61.3 Die beste, mittlere und kleinste Ausführung messe sieben, fünf beziehungsweise drei Ellen. Sie seien mit sechzehn oder mit vier Pfeilern versehen.

61.4 Sie sollen drei Reihen aufweisen; in ihrer Mitte befinde sich ein Altar, sechzehn Fingerbreiten hoch und an seiner Oberfläche glatt wie ein Spiegel.

61.5 Er nehme in jedem Pavillon einen von neun Flächenanteilen ein. Im östlichen Pavillon lege man in den vier Richtungen viereckige Feuergruben an.

61.6 Im südlichen Pavillon gestalte man ringsum in den vier Richtungen bogenförmige, im westlichen runde Feuergruben.

61.7 Im nördlichen richte man sechseckige Feuergruben ein. In jedem Pavillon liege im Nordosten die lotusförmige Hauptfeuergrube.

61.8 Man bestreiche den Boden mit Kuhdung und bewirte die Zweimalgeborenen. Dann vollziehe man Reinigung und Segenssprechung; alles sei vorschriftsmäßig auszuführen.

61.9 Alle diese Pavillons, die mit Feuergruben und Altären ausgestattet sind, schmücke man mit Baldachinen und den weiteren Zierden. Auf den Altären bereite man

61.10 vorschriftsmäßig die Opferflächen und zeichne darauf einen Lotus. Man verehre den Shakti-Kreis und, wie zuvor, in den Richtungen der Altäre

61.11 sämtliche Gottheiten. Danach beschaffe man fünf Gefäße von je einem Drona Fassungsvermögen mit den früher genannten Merkmalen.

61.12 Alle seien mit Duftwasser gefüllt, mit goldenen Blumen, Grasbüscheln und Deckeln versehen und in neuen Stoff gehüllt.

61.13 Man stelle gesammelt jeweils fünf in der Mitte auf die Altäre. Ringsum stelle man je acht entsprechende Gefäße von halber Größe auf,

61.14 oder ordne sie auf den in die Richtungen weisenden Lotusblättern an. Nachdem die Gefäße so aufgestellt sind, lasse man den Segen für den glückverheißenden Tag sprechen.

61.15 Mit diesem Wasser besprenge man das Innere des Tempels. Dann besprenge man es mit den fünf Kuhprodukten und spreche dabei die fünf Brahmamantras.

61.16 Nach der Segenssprechung binde der Kundige die Schutzbänder an: zuerst mit dem Shivastra-Mantra an der Spitze des Tempels,

61.17 danach mit dem zugehörigen Herzmantra an der vorne befindlichen Gottheit und anschließend im Uhrzeigersinn an den weiteren Gottheiten der Halszone des Tempelturms.

61.18 Auch den Stieren binde man unter ihrem jeweiligen Waffenmantra ein Band an, und zwar an der Wurzel des rechten Horns. Dann umhülle man alle

61.19 Teile, beginnend mit der Turmspitze, mit neuen Stoffen und spreche jeweils das Kavachamantra. Überall binde man einen Büschel Kusha-Gras zusammen mit einer Girlande an.

61.20 Dabei spreche man Om. Dann umhülle man die Turmbekrönung, den Hals, das Gebälk, die Wand- beziehungsweise Pfeilerzone und den Unterbau mit Stoffen.

61.21 Der Mantrakundige verwende der Reihe nach die Brahmamantras, beginnend mit Sadyojata. Danach trete er ein und vollziehe gesammelt das Übergießen.

61.22 Überall besprenge er mit den fünf Kuhprodukten unter dem Astramantra. Dann verehre er den Gott mit den Gaben vom Fußwaschwasser bis zur Opferspeise.

61.23 Der Guru trete wieder hinaus und begebe sich in den nordöstlichen Pavillon, begleitet von vier Opferpriestern, die die Mantras kennen.

61.24 Er besprenge den Pavillon mit dem Shivastra-Mantra. Nachdem er seinen Körper zum Vidya-Körper gestaltet hat, verehre der Guru die Gottheiten in den Gefäßen. Das Verfahren dafür wird nun beschrieben.

61.25 Im Pavillon Skandas stelle man auf dem Altar das Shiva-Gefäß in die Mitte und lege insbesondere fünf Edelsteine hinein.

61.26 Man meditiere über Sadashiva und lasse ihn in diesem Shiva-Gefäß gegenwärtig werden. Links davon stelle man das Vardhani-Gefäß auf und lege Gold hinein.

61.27 Man meditiere darin über Manonmani und übertrage sie mit ihrem Wurzelmantra. Rechts vom Shiva-Gefäß stelle der Kundige das Skanda-Gefäß auf.

61.28 Er lege fünf Edelsteine hinein, meditiere über die Gestalt Skandas und lege dessen Wurzelmantra darin nieder. Dann bringe er der Reihe nach Duftstoffe, Blumen und die weiteren Gaben dar.

61.29 Besonders verehre er sie mit den jeweils zugehörigen Ishana-Mantras. Er zeige die Linga-Mudra, die Lotus-Mudra und die Shakti-Mudra.

61.30 Ringsum stelle er, vom Osten beginnend, acht Gefäße auf. Kumara, Shanmukha, Subrahmanya, Surashtra,

61.31 Senapati, Suresha, Kartikeya und Guha übertrage er der Reihe nach mit ihren Bija-Mantras in diese Gefäße, vom Osten beginnend.

61.32 Mit dem jeweils zugehörigen Ishana-Mantra verehre er sie durch Duftstoffe, Blumen und die weiteren Gaben. Im Pavillon Ishas stelle er auf dem Altar, mitten auf der Opferfläche,

61.33 das Hauptgefäß auf. Er meditiere über die Gestalt Dakshinamurtis und lege das Bija Maheshas in die Mitte des Gefäßes.

61.34 Ringsum verehre er in den acht Gefäßen, vom Osten beginnend, Bhava und die weiteren Gestalten: Bhava, Sharva, Ishana, Pashupati, Rudra,

61.35 Ugra, Bhima und Mahadeva. Im Vishnu-Pavillon stelle er auf dem Altar, mitten auf der Opferfläche,

61.36 das Hauptgefäß auf. Darin meditiere er über Vishnus Gestalt, lege dessen Bija hinein und verehre ihn mit dem Herzmantra durch Duftstoffe und die weiteren Gaben.

61.37 Sankarshana, Pradyumna, Vasudeva, Aniruddha, Rama, Achyuta, Narasimha und Vamana

61.38 verehre er der Reihe nach in den acht Gefäßen. Im Brahma-Pavillon stelle er auf dem Altar, mitten auf der Opferfläche,

61.39 das Hauptgefäß auf. Er meditiere darin über Brahmas Gestalt, lege dessen Bija hinein und verehre ihn mit dem Purusha-Mantra.

61.40 Trayimaya, Murti, Padmaksha, Padmayoni, Chaturmukha, Dhatar, Pitamaha und Aja

61.41 verehre er ringsum mit Ishana, nachdem er die jeweiligen Mantras der Reihe nach niedergelegt hat. So verehre er diese Gottheiten unter ihren eigenen Namen mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.

61.42 In den vier Richtungen rezitiere man der Reihe nach den Rigveda und die übrigen Veden. Der Lehrer beginne zusammen mit den Hütern der Gottesgestalten das Feueropfer.

61.43 Die vier Hauptopferpriester dürfen keine Putrakas sein. Für jeden Pavillon seien vier Priester tätig; mit ihnen beginne man die Verehrung. [Putraka bezeichnet hier einen Initiationsrang.]

61.44 Die Gottheiten der Halszone verbinde man mit den mittleren Gefäßen, die übrigen vorne befindlichen mit den anderen Gefäßen, vom Osten beginnend.

61.45 Dann verehre man in den Hauptfeuergruben die in den Hauptgefäßen gegenwärtigen Gottheiten. Überall opfere man Brennhölzer und die weiteren Stoffe.

61.46 Vom Osten beginnend verwende man der Reihe nach Plaksha-, Udumbara-, Ashvattha- und Vata-Holz. Für die Hauptfeuergrube ist überall Palasha-Holz vorgeschrieben.

61.47 Während der Feueropfer rezitiere man in allen Pavillons in den vier Richtungen die vier Veden, beginnend mit dem Rigveda.

61.48 Im Nordosten finde jeweils die Wiederholung des Astramantras statt. Mit den Wurzel- und Gliedermantras Vrishendras bringe der Guru je hundert Opfergaben

61.49 aus Ghee dar. Am Ende opfere der Guru mit den Vidya-Gliedermantras. [Hier endet das Kapitel in der vorliegenden Textfassung mit einem Halbvers.]

Kapitel 62: Die Weihe von Kultzubehör

62.1 […] einzeln. Nachdem man mit dem Wurzelmantra geopfert hat, vollziehe man wie zuvor das Besprengen. [Der Kapitelanfang ist in der Vorlage unvollständig.]

62.2 Danach verabschiede man die angerufene Gegenwart, hebe die Gegenstände auf und ordne sie wie zuvor an. Vor den beiden stelle man die Gefäße ordnungsgemäß auf.

62.3 Man verehre sie, übertrage die Mantras und vollziehe wie zuvor das Übergießen. Danach bade man sie mit den Gefäßen, die die Hüter der Weltrichtungen verkörpern.

62.4 Darauf bringe man Dharma und Yajna unter ihren eigenen Namen Opferspeise dar. Unter dem Klang aller Instrumente lege man die beiden Sandalen auf die Opferfläche.

62.5 Man hebe sie auf, trage sie auf dem Kopf im Uhrzeigersinn um den Tempel und trete ein. Gesammelt lege man die beiden vor dem Gott nieder.

62.6 Damit ist die Weihe der Sandalen erklärt. Nun wird, o Bester der Götter, das Besprengen der Kronen und anderer Schmuckstücke aus Gold, Edelsteinen und weiteren Materialien beschrieben.

62.7 Man bereite vor dem Gott einen Pavillon und bestreiche ihn mit Kuhdung. Dann richte man vorschriftsmäßig eine Opferfläche her und lege die Gegenstände in deren Mitte.

62.8 Man besprenge sie mit dem Bahurupa-Mantra und berühre sie mit dem vorzüglichen Mantra, das das Jahr verkörpert. Danach opfere man im Osten ins Feuer.

62.9 Der Lehrer entzünde das Feuer vorschriftsmäßig auf einer sandigen Opferfläche. Von Brennhölzern, Ghee und gekochter Opferspeise bringe er je hundert Opfergaben dar.

62.10 Shivastra, Kshurikastra und Pashupatastra: Diese drei Mantras sind in den Veden, Samhitas und den weiteren Überlieferungen angegeben.

62.11 Mit dem vorgeschriebenen Mantra berühre er den Gegenstand nach den Vyahriti-Formeln. Mit Sarvatman bringe er die Vollopfergabe dar und beende das Feueropfer.

62.12 Unter dem Klang aller Instrumente überreiche er Shiva die Schmuckstücke mit der Gayatri. Ebenso verehre er sie mit Sarvatman. [Die genannten Mantras werden hier nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.]

Kapitel 63: Die Weihe der Bildnisse von Shiva-Verehrern

63.1 Achyuta sprach: O du Meer des Nektars des Mitgefühls, das alle Agamas durchströmt! Du Makelloser hast die Abfolge der Weihen und der weiteren Riten gründlich erklärt.

63.2 Nachdem ich dies verstanden habe, bin ich erfreut. Doch eine Frage habe ich noch. Du sagtest: »Wer mir Hingabe entgegenbringt, der ist wahrlich ich selbst; daran besteht kein Zweifel.

63.3 In seinem Herzen wohne ich beständig mit erfreutem Geist. Auch diejenigen, die mit großer Hingabe die Bildnisse der Meinen weihen und die entsprechenden Riten vollziehen,

63.4 werden von Brahma und allen übrigen Göttern zu den Meinen gezählt. Wer ihnen in Gedanken oder mit Worten Unrecht zufügt,

63.5 dem entsteht auch ein geringer Anteil an Gnade – daran besteht kein Zweifel. Ihre Bildnisse sollen geweiht werden; sie selbst sind für mich verehrungswürdig.« [Der Satz über das Unrecht ist in dieser Lesung widersprüchlich; eine zu erwartende Verneinung fehlt im Sanskrit.]

63.6 So hast du früher gesprochen, du Erfüller der Wünsche deiner Verehrer. Wie soll nun die Weihe dieser großen Seelen ausgeführt werden?

63.7 Maheshvara sprach: Gut, sehr gut, du Hochweiser! Alles, wonach du nun gefragt hast, werde ich heute erklären. Es ist geheim zu halten, Janardana.

63.8 Die Shaivas werden in sieben Gruppen eingeteilt, beginnend mit den Anadi-Shaivas. Shiva selbst ist der anfangslose Shaiva; der Shiva-Zweimalgeborene ist ein Adi-Shaiva.

63.9 Ein Zweimalgeborener, der in allen Lehrschriften anerkannt ist, wird Maha-Shaiva genannt. Der aus dem Arm Geborene gilt als Anu-Shaiva; ebenso werden die Aryas bezeichnet. [Gemeint sind hier gesellschaftliche Gruppen, wie die folgenden Verse erläutern.]

63.10 Die niedrig eingeordneten Gruppen heißen Avantara-Shaivas; die Pravaras heißen Para-Shaivas. Die übrigen Menschen werden als Antaralika-Shaivas bezeichnet.

63.11 Wenn du fragst, warum Shiva anfangslos genannt wird, erkläre ich es dir: Weil er ohne Anfang und Ende ist, heißt Shiva der Anfangslose.

63.12 Shiva allein ist für die Menschen immer und in jeder Hinsicht der Anfangslose. Von ihm leitet sich gewiss die Bezeichnung der Shiva-Zweimalgeborenen als die Ersten ab.

63.13 Weil der Shiva-Zweimalgeborene aus Shivas Schöpfung hervorgegangen ist, trägt er die Bezeichnung Adi. Da er zu Beginn der Schöpfung aus Shiva entsteht, heißt er Adi-Shaiva.

63.14 Warum erhalten die übrigen Zweimalgeborenen die Bezeichnung Maha-Shaiva? Weil sie aus der Schöpfung Brahmas hervorgegangen sind, werden sie so genannt.

63.15 Warum werden Kshatriyas und Vaishyas Anu-Shaivas genannt? Weil ihre Lebensordnung derjenigen der als Götter auf Erden geltenden Brahmanen folgt, heißen sie Anu-Shaivas.

63.16 Die Herrscher und die Vaishyas bilden die Untergruppen der Anu-Shaivas. Für die Shudras wird, o Hari, der Reihenfolge entsprechend die Bezeichnung Avantara angegeben.

63.17 Weil sie für Initiation und Weihe geeignet sind, tragen sie die Bezeichnung Avantara-Shaiva. Warum aber werden die Pravaras als Para-Shaivas bezeichnet?

63.18 Aufgrund ihrer Geburt aus Verbindungen verschiedener sozialer Gruppen heißen sie Para-Shaivas. Für die übrigen Menschen gilt die Bezeichnung Antaralika.

63.19 Weil auch ihre Herkunft aus Verbindungen unterschiedlicher Gruppen abgeleitet wird, wird diese Benennung verwendet. Die Pravaras sind Para-Shaivas, die anderen Antaralikas. [Die genaue Abgrenzung dieser Gruppen bleibt in der vorliegenden Fassung unscharf.]

63.20 Hingebungsvolle Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Sat-Shudras sollen von großen Seelen nach vedischer und tantrischer Vorschrift verehrt werden.

63.21 Adi-Shaivas und Maha-Shaivas sind an die sechs vorgeschriebenen Tätigkeiten gebunden. Insbesondere besitzen sie die Befugnis zu Initiation, Weihe und Verehrung.

63.22 Zum Gottesdienst für andere ist jedoch der Shiva-Zweimalgeborene befugt. Schüler im Brahmacharya, Haushalter, Waldeinsiedler und Bettelmönch:

63.23 Dies sind ihre vier Lebensstände, die die menschlichen Lebensziele gewähren. Anu-Shaivas besitzen die Berechtigung zu drei Lebensständen.

63.24 Alle Sat-Shudras besitzen die Berechtigung zu zwei Lebensständen. Den Avantara-Shaivas wird der Status von Sat-Shudras zugesprochen.

63.25 Den Antaralika- und Para-Shaivas dagegen, o Hari, wird dieser Status keinesfalls zuerkannt.

63.26 Für die Pravaras, die Para-Shaivas und die Antaralika-Shaivas findet sich im Agama-Siddhanta keine Anerkennung als Sat-Shudras.

63.27 Die Anu-Shaivas sowie die zu den Sat-Shudras gehörenden Avantara-Shaivas können durch eine besondere religiöse Lebensführung den Stand eines shaivitischen Bettelmönchs erreichen.

63.28 Auch in anderen maßgeblichen Überlieferungen findet sich dieser Bettelmönchsstand für Menschen, die frei von Bindung an das weltliche Werden sind und der shaivitischen Lebensordnung folgen.

63.29 Sie widmen sich der Yoga-Praxis und halten die Verpflichtungen der Tradition ein: Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und die als Sat-Shudras geltenden Avantara-Shaivas,

63.30 lebenslang Enthaltsame, Asketen, Haushalter und Waldeinsiedler, die Initiation und Weihe empfangen haben und den Anweisungen des Lehrers folgen.

63.31 Sie wirken an der Weihe von Shiva-Tempeln mit, erfüllen besonders die Pflichten gegenüber Shiva, dienen ihm und unterstützen die Zweimalgeborenen.

63.32 Sie lassen Teiche und andere Wasseranlagen ausheben, schützen die Dörfer, verteilen reichlich Nahrung und begehen die Gelübde der Shivaratri und weitere heilige Übungen.

63.33 Wer dies aus innerer Hingabe tut, wird eine große Seele genannt. Der verständige Mensch erkenne solche Menschen mit festem Herzen als die Meinen.

63.34 Wer sie mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben verehrt, wird wahrlich zum Gefäß meiner Gnade; daran besteht kein Zweifel.

63.35 Von diesen großen Seelen, die zu mir gehören, seien sie verstorben oder noch am Leben, die die Lehrerweihe empfangen haben und den Verpflichtungen der Tradition folgen,

63.36 von diesen Wissenden und Yogis, die den Weg der Vollendeten gehen, fertige man Bildnisse mit den angemessenen heiligen Merkmalen an.

63.37 Man stelle sie aus Stein, Kupfer oder anderen Metallen, aus reinem Gold oder Silber oder aus Sandelholz her, um alle guten Ziele zu verwirklichen.

63.38 Der Kundige lasse sie in einem Wald, an einem Flussufer oder an einer schönen heiligen Stätte nach dem im Agama angegebenen Verfahren weihen.

63.39 Er vollziehe die tägliche Verehrung und veranstalte die Feste. Besonders im Shiva-Tempel gestalte man die Verehrer Shivas mit zum Gruß zusammengelegten Händen,

63.40 mit einem Haarwedel oder einem Linga in der Hand und mit den ihnen zugehörigen Merkmalen. Solche Bildnisse stelle man im großen Pavillon,

63.41 im Schmuckpavillon oder innerhalb der Umfassungsmauern auf. Mit aller Sorgfalt weihe man sie vorschriftsmäßig.

63.42 Die tägliche Verehrung vollziehe man nach den Shiva-Agamas. Für die im Tempel in Gestalt von Bildnissen eingesetzten Verehrer

63.43 führe man die täglichen, anlassbezogenen und wunschbezogenen Riten sowie die Feste aus. Wer aus Verblendung oder Unwissenheit die Feste und die weiteren Riten unterlässt,

63.44 gelangt nach dieser Lehre in die Hölle, solange Mond und Sterne bestehen. Am Ort ihrer Bestattung stelle man ein schönes Linga mit den richtigen Merkmalen auf.

63.45 Nachdem es ordnungsgemäß geweiht wurde, vollziehe man die tägliche Verehrung und die weiteren Riten. Für die Shaivas, deren Bezeichnungen mit Para beginnen, und für die Antaralikas

63.46 soll man die Weihe und die weiteren Riten nicht in der zuvor beschriebenen Weise ausführen. Wegen ihrer gemischten sozialen Herkunft gelten sie hier nicht als zur Verehrung berechtigt.

63.47 Durch Hingabe und Dienst erreichen auch sie das höchste Ziel. Nach ihrem Tod gelangen sie in einer anderen Geburt zum Status eines Sat-Shudra. [Diese Verse geben die hierarchische Soziallehre der historischen Vorlage wieder.]

63.48 Wenn meine Verehrer nach einer solchen Weihe verehrt werden, empfinde ich höchste Freude und werde vollkommen zufriedengestellt.

63.49 Es ist, als würde man mich an vielen Shivaratri-Nächten mit kostbaren Gaben und reinem Wasser verehren, das mit Kardamom und Gewürznelken versetzt und mit Kampfer und Sandelholz beduftet ist,

63.50 mit Bilva, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern, Jasmin, Punnaga, Champaka, Mandara und Parijata sowie mit Speisen, die alle sechs Geschmacksrichtungen enthalten,

63.51 mit achtgliedrigen Niederwerfungen, Lobgesängen samt vedischen Rezitationen und den jeweils zugehörigen Verehrungen: So entsteht meine Zufriedenheit.

63.52 Der vorzügliche Mensch, der meine Verehrer verehrt, erlangt die acht Siddhis, beginnend mit Anima, sowie Kinder, Enkel, Reichtum und die weiteren Güter.

63.53 All dies erlangt er und wird in meiner Welt geehrt. Wozu noch viele Worte, o Gott? Er ist wahrlich ich selbst; daran besteht kein Zweifel.

Kapitel 64: Die Weihe eines menschlichen Bildnisses

64.1 Ich werde die Weihe eines menschlichen Bildnisses kurz erklären. Höre nun. Meine Verehrer in der Welt sind die zuvor genannten Menschen mit ihren jeweiligen Gruppen.

64.2 Wenn ihre körperlichen Vermögen erloschen sind, fertige der Kundige ein Bildnis mit den früher genannten Merkmalen an und beginne seine Weihe.

64.3 Für die vorbereitende Weihung errichte man einen Pavillon mit Feuergruben und Altar. Die beste, mittlere und kleinste Ausführung messe sieben, fünf beziehungsweise drei Ellen.

64.4 Der Pavillon habe sechzehn Pfeiler und sei in neun Felder gegliedert. Im mittleren Feld errichte man einen Altar, dessen Höhe die Hälfte seiner Breite beträgt.

64.5 Ringsum lege man in den Himmelsrichtungen vorschriftsmäßig vier Feuergruben an, jeweils vom Maß einer Faust.

64.6 Sie seien alle viereckig; im Nordosten liege eine einzelne runde Feuergrube. Den Pavillon mit seinen Feuergruben und dem Altar bestreiche man mit Kuhdung.

64.7 Man lasse den Segen für den glückverheißenden Tag sprechen und bringe Baldachine und die weiteren Zierden an. Dann bringe man das Bildnis in diesen Pavillon.

64.8 Man stelle es nach Osten gerichtet auf die Opferfläche und beginne das Öffnen der Augen. Der Bildhauer ziehe mit einer goldenen Nadel die Linien der Wimpern und der weiteren Augenteile.

64.9 Danach lege der Lehrer die Silbe der Unsterblichkeit in die beiden Augen. Dabei verwende er zwei Finger mit goldenen Nagelaufsätzen:

64.10 den Zeigefinger für das rechte und den Ringfinger für das linke Auge. Anschließend lasse man das Bildnis Kühe, Getreide, einen Brahmanen und ein Mädchen erblicken.

64.11 Darauf vollziehe man die Reinigung und bereite vorschriftsmäßig eine Opferfläche. Man zeichne darauf einen Lotus mit acht Blättern und einer Samenkapsel.

64.12 In dessen Mitte bereite man wie zuvor ein Lager. Der Mantrakundige lege das Bildnis mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben darauf.

64.13 Unter dem Astramantra bedecke er es mit Stoff. Nördlich bei seinem Kopf stelle er ein schönes Hauptgefäß mit einem Drona Fassungsvermögen auf.

64.14 Es sei mit weißen Fäden geschmückt, mit Duftwasser gefüllt, mit Gold, Stoff, einem Grasbüschel und einem Deckel versehen.

64.15 Ringsum in den vier Richtungen stelle er vier entsprechende Gefäße auf. In der Mitte verehre er mit Duftstoffen und den weiteren Gaben das bewusste Wesen.

64.16 Zuerst spreche er Om, danach das Wort Atmatattva in der Dativform und anschließend die Grußformel.

64.17 Dies ist das für die Einsetzung des bewussten Wesens angegebene Mantra. Nachdem er mit diesem vorzüglichen Mantra die Verehrung vollzogen hat,

64.18 verehre der Kundige, vom Osten beginnend, der Reihe nach Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta, jeweils mit einer auf die Grußformel endenden Anrufung.

64.19 Ihre Mantras beginnen mit Om und enthalten den jeweiligen Namen im Dativ. Nachdem er allen der Reihe nach Opferspeise dargebracht hat, beginne er das Feueropfer.

64.20 Zusammen mit den Opferpriestern entzünde er vorschriftsmäßig das Feuer in den Feuergruben. Der kundige Lehrer wirke an der östlichen Feuergrube und opfere der Reihe nach die folgenden Stoffe:

64.21 Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, geröstetes Getreide und Sesam. In allen Feuergruben opfere man mit den fünf Mantras, beginnend mit dem des Atman.

64.22 Von jeder Gabe bringe man hundert oder fünfzig Darbringungen. Vom Osten beginnend verwende man als Brennholz der Reihe nach Plaksha, Udumbara, Ashvattha und Vata.

64.23 Mit den sechs Vidya-Gliedermantras opfere man in allen Feuergruben je zehn Ghee-Gaben. Man berühre der Reihe nach das Herz und die weiteren Körperstellen

64.24 des Bildnisses, jeweils unmittelbar nach dem Aussprechen des Mantras. Dann besprenge man die Feuerstellen ringsum und bewahre das Feuer in allen Gruben.

64.25 Am Morgen verrichte der Lehrer seine täglichen Pflichten und trete mit den Opferpriestern in den Pavillon. Dort verehre er die Gefäße und das Bildnis.

64.26 Wenn das Feuer in allen Gruben kräftig brennt, vollziehe er mit dem Sarvatma-Hridaya-Mantra die Vollopfergabe.

64.27 Dann richte er das Bildnis auf, entferne Grasbüschel und Stoff und stelle es auf den Badealtar. Er übergieße es mit Duftwasser

64.28 unter den fünf Brahmamantras. Danach hebe man die fünf Gefäße auf und umschreite, das Bildnis voran, im Uhrzeigersinn

64.29 den vorgesehenen Bereich. Man stelle das Bildnis wieder hin und ordne die Gefäße wie zuvor auf der Opferfläche an. Der Guru gestalte seinen Körper zum Vidya-Körper

64.30 durch die Shiva-Glieder- und Brahmamantras. Dann verehre er in den Gefäßen der Reihe nach Atmatattva bis Chitta mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben.

64.31 Mit dem Wasser, das über die Grasbüschel aus den fünf Gefäßen fließt, übertrage der Lehrer gesammelt die Mantras in das Herz des Bildnisses.

64.32 Mit diesen Wassern und Mantras vollziehe er das Übergießen. Dann lege der Kundige unter der entsprechenden Mudra Ishana in dessen Scheitel,

64.33 Tatpurusha in das Gesicht, Aghora in das Herz, Vama in die verborgene Körperregion und Sadyojata in beide Füße.

64.34 Mit Om bringe er am Kopf Arghya dar. Dann lege der Kundige gesammelt die früher genannten Gliedermantras, beginnend mit dem Herzen, der Reihe nach nieder.

64.35 Er schmücke das Bildnis besonders mit Stoffen, Girlanden und den weiteren Zierden. Unter dem Klang aller Instrumente führe man es im Uhrzeigersinn um den Tempel.

64.36 Man stelle es vor Shiva und gebe ihm mit dem Wurzelmantra heilige Asche auf den Kopf. Bei einem Verehrerbildnis, das an der Seite des Gottes steht,

64.37 vollziehe man das Öffnen der Augen und alle weiteren Weihhandlungen zusammen mit denen des Gottes. Beim Feueropfer aber opfere man unmittelbar nach dem Feueropfer für den Gott

64.38 in derselben Feuergrube mit den zuvor genannten fünf Mantras je zehn Ghee-Gaben. Alles Übrige geschehe in gleicher Weise.

64.39 Wer dies als Stifter ausführen lässt, erlangt alle Wünsche. Schließlich gewinnt er die Nähe Rudras und freut sich in Rudras Wohnstatt.

Kapitel 65: Die erneute Besprengung des Tempels

65.1 Als Nächstes werde ich die vorzügliche Wiederheiligung des Tempels durch Besprengen erklären. Avarta, Anavarta, Punaravartana

65.2 und Antarita: Als vierfach ist dieses Besprengen zu verstehen. Es vernichtet alle Verfehlungen und bringt allen Lebewesen Wohlergehen.

65.3 Weder Mondtag noch Mondhaus sind dabei maßgebend, sofern die Zeit nicht überschritten wird. Bei den vier oder acht Gottesgestalten, den vorspringenden Turmfenstern

65.4 und der Bekrönung lasse der Kundige die erforderlichen Arbeiten ausführen, wenn die Bemalung oder etwas anderes beschädigt ist.

65.5 Wenn der Bildhauer sie berührt, soll die Wiederherstellung innerhalb von sechs Monaten geschehen. Darüber hinaus soll man die Arbeit nicht ausdehnen. Nach ihrem Abschluss vollziehe der Guru das Besprengen.

65.6 Lässt sich eine Gottesgestalt wieder zusammensetzen, bereite man einen vorzüglichen vorläufigen Schrein. Nach dem Verfahren der Anrufung überführe man die göttliche Gegenwart in diesen zeitweiligen Sitz.

65.7 So, wie man den Gott verehrt, verehre man auch das Gefäß. Der Kundige bringe die Speisegaben dar; das tägliche Feuerritual ist hierbei ausgenommen.

65.8 Chandarudra, Mahavega, Vibudha, Avihvalottama, Vishvarupa, Vishalaksha, Bhudhara und Meghavahana:

65.9 Diese Hüter des Tempelaufbaus setze man der Reihe nach ein, vom Osten beginnend. Die Bildnisse der Richtungshüter fertige man mit einem halben Nishka, dessen Hälfte oder wiederum dessen Hälfte an. [Die Maß- beziehungsweise Gewichtsangabe ist im Kontext nicht näher erläutert.]

65.10 Im Osten setze man Shiva zusammen mit Uma ein, im Süden Lakulishvara, im Westen die auf einem Elefanten reitende Gestalt und im Norden Kankala.

65.11 Man ordne sie vom Osten beginnend an und verehre sie unter ihren eigenen Namen. Bei diesen Tempelbildnissen führe man die Öffnung der Augen aus;

65.12 Wasseraufenthalt, Lagerung und Schutzband entfallen. Die Ausführung noch in demselben Monat gilt als vorzüglich.

65.13 Nach Überschreiten dieser Frist vollziehe die Riten und die erneute Anrufung. Ein Sonnenmonat gilt als beste Frist, ein Mondmonat als mittlere.

65.14 Für den Tempelaufbau werden zwei Monate, nicht sechs Monate genannt; am Ende von sechs Monaten soll das Besprengen ausgeführt werden. [Die Fristangaben dieser Verse sind in der Vorlage widersprüchlich.]

65.15 In den vier Richtungen des Tempels oder auch nur vor ihm errichte der Kundige einen Pavillon nach der früher angegebenen Vorschrift.

65.16 Man richte fünf Feuer oder ein einzelnes Feuer in einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche ein. Der Kundige vollziehe das Umtragen des Feuers und die Verehrung des Baugrundes.

65.17 Für die mit Uma verbundene Gestalt spreche er den letzten Laut der mit Sha beginnenden Lautgruppe. Ringsum stelle er acht Gefäße für die Vidyeshvaras auf und verehre sie unter ihren eigenen Namen.

65.18 Für Lakulisha verwende er den dritten Laut der siebten Lautgruppe und stelle acht Gefäße nach der früher angegebenen Vorschrift auf.

65.19 Für den Gott Purandara verwende er den dritten Laut der ersten Gruppe. Er stelle jeweils die zugehörigen acht Gefäße auf und verehre mit dem betreffenden Mantra.

65.20 Für Kankalamurti verwende er entsprechend den ersten Laut, mit einem Vokal verbunden. Die acht Vidyeshvaras verehre er in den Gefäßen unter ihren eigenen Namen. [Die verschlüsselten Lautangaben werden hier nicht zu Mantraformeln ergänzt.]

65.21 An den Altären und den fünf Feuergruben verfahre er nach der früher genannten Vorschrift. Brennhölzer opfere er mit dem Herzmantra, Ghee mit Aghora.

65.22 Die gekochte Opferspeise opfere er insbesondere mit dem Bahurupa-Mantra, Sesam mit dem Ishana-Mantra und Mungbohnen mit dem Augenmantra.

65.23 Als Brennholz verwende er Palasha. Nach jeder Gruppe von Opferstoffen opfere er mit den Vyahriti-Formeln. In den vier Richtungen lasse er die vier Veden rezitieren.

65.24 Der Kundige umhülle den Bau bis zur Spitze mit rotem Stoff. Am Vortag finde die vorbereitende Weihung statt; am Morgen vollziehe die Besprengung.

65.25 Der Guru nehme die fünf Gefäße und umschreite den Tempel im Uhrzeigersinn. Mit dem Wasser des jeweiligen Gefäßes verbinde er die betreffende Gottesgestalt.

65.26 Mit dem Wasser des mittleren Gefäßes besprenge der Kundige den Bau bis zur Spitze. Dies geschehe zu einer günstigen Stunde, im angegebenen Tierkreiszeichen und bei einem einwandfreien Aszendenten.

65.27 Man besprenge die jeweiligen Plätze mit dem Wasser der zugehörigen Gefäße. Mit dem Wasser des Hauptgefäßes bade man auch den Spiegel.

65.28 Mit dem Bahurupa-Mantra besprenge man zur Beseitigung der Mängel. Nach der Verehrung mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben bringe man Räucherwerk, Licht und die übrigen Gaben dar.

65.29 Am Hauptlinga und am Tempelbau bringe der Kundige Speisegaben dar. Er reiche sämtliche Ehrengaben, darunter Betel.

65.30 Dem Lehrer gebe man den Opferlohn in Gestalt von Stoffen, Gold und Ringen. Nach seinen Möglichkeiten verteile man Gaben und bewirte die Brahmanen. So wird der Stifter schon hier reich und vom Glück begünstigt; am Ende des Lebens erlangt er Befreiung.

Kapitel 66: Die Stiftung eines Stieres

66.1 Nun werde ich die Stiftung eines Stieres erklären, die alle gewünschten Ziele verwirklicht. Wer Shiva, dem höchsten Selbst, einen kräftigen Stier mit ausgeprägtem Höcker schenkt,

66.2 erlangt die Frucht aller Opfer und wird in Shivas Welt geehrt. Ein Brahmane schenke einen hellbraunen oder weißen Stier,

66.3 ein Kshatriya einen roten, ein Kaufmann einen rauchfarbenen und ein Shudra einen schwarzen. Ein schwarzer Stier gilt für alle als glückbringend.

66.4 Das Tier sei gesund, lebhaft, gut genährt und habe einen kräftigen, hohen Höcker. Zur Freude des Gottes schenke man weder ein Tier mit fehlenden Gliedmaßen noch ein wildes.

66.5 Während des nördlichen Sonnenlaufs, ausgenommen im Monat Magha, schenke man den Stier in der hellen Monatshälfte an einem günstigen Wochentag,

66.6 bei Tage und unter einem glückverheißenden Aszendenten. Nun wird das Verfahren erklärt. In der Nähe einer Shiva geweihten Stätte bade man den Stier.

66.7 Man binde ihm weißen Stoff um den Hals und führe ihn unter dem Shivastra-Mantra herbei. Dann besprenge man ihn mit dem Shiva-Gayatri-Mantra.

66.8 Mit dem Herzmantra binde man ihn an einen Pfosten aus dem Holz eines Opferbaumes. Der Pfosten sei vier Tala hoch und sechzehn Fingerbreiten im Umfang.

66.9 Er werde vor dem Gott oder südlich davon sicher aufgestellt. Dort gebe man dem Stier unter der Gayatri reichlich Durva-Gras.

66.10 Seine Hufe und Hörner versehe man mit goldenen Hüllen. Dann hänge man ihm unter dem Astramantra eine Glocke und einen Haarwedel an den Hals.

66.11 Mit dem Kavachamantra lege man ihm eine Stoffdecke auf den Rücken. Unter dem Astramantra befestige man sie mit zwei weißen Tüchern.

66.12 Auf den Kopf des Stieres bringe man mit dessen Wurzelmantra Arghya dar. Vor dem Gott richte man in einer viereckigen Feuergrube oder auf einer Opferfläche

66.13 vorschriftsmäßig das Feuer ein. Der Reihe nach opfere man Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, schwarze Bohnen, Mungbohnen, Pferdebohnen und Durva-Gras

66.14 mit dem Wurzelmantra und den sechs Gliedermantras Vrishendras. Danach berühre man den Stier mit der Stier-Gayatri und bringe zehn Opfergaben

66.15 für Vrishendra dar. Anschließend vollziehe man mit dem Wurzelmantra die Vollopfergabe. Dann bade man den Gott mit den verfügbaren Gefäßen, etwa tausend,

66.16 und verehre Shiva in besonderer Weise. Bei der Stiftung des Stieres lasse man sodann die Umrundung ausführen.

66.17 Man stelle den Stifter zusammen mit dem Stier vor den Gott. Dort stehend spreche der Mantrakundige folgende Formel:

66.18 »Diesen Stier mit seinem Höcker, o Gott, hat dieser Stifter für dich freigegeben. Nimm ihn an und erweise ihm allzeit deine Gnade!«

66.19 Nachdem der Mantrakundige dies gesprochen hat, lasse er ihn mit dem Wort »Gib ihn frei!« übergeben. Ist der Stier so freigegeben, ehre der Stifter den Lehrer.

Kapitel 67: Umrundung und Verneigung

67.1 Ich werde kurz das Verfahren der Umrundung und der Verneigung erklären. Zunächst wird die Umrundung in drei Formen eingeteilt.

67.2 Die erste heißt Pradakshina und wird dem Gott dargebracht. Die zweite erfolgt nach rechts und links; die dritte wird mit dem ganzen Körper ausgeführt.

67.3 Die erste ist das Umschreiten im Uhrzeigersinn. Die nach rechts und links ausgeführte Umrundung wird so vollzogen, dass man die Abflusslinie des Heiligtums nicht überschreitet.

67.4 Sie heißt Savya-Apasavya und ist für Initiierte bestimmt. Die Anga-Pradakshina wird mit sämtlichen Körpergliedern ausgeführt.

67.5 Man umrunde in ungerader Zahl: einmal, dreimal, fünfmal, siebenmal und so weiter. Einundzwanzig Umrundungen gelten als die beste Ausführung.

67.6 Fünfzehn gelten als mittlere, sieben als untere Ausführung. Fünf Umrundungen bilden innerhalb der unteren Stufe die mittlere Ausführung.

67.7 Drei werden als die niedrigste Ausführung der unteren Stufe bezeichnet. Noch geringer wird eine einzelne Umrundung eingeordnet.

67.8 Bei der Umrundung gehe man langsam und gesammelt. Man schaue zunächst auf den Weg und setze dann den Fuß auf. Gespräche über andere Dinge lasse man beiseite.

67.9 Man vollziehe sie unter der Rezitation eines vedischen Mantras oder eines Lobgesangs. Die erste Form, Shiva dargebracht, ist für alle geeignet.

67.10 Nach Abschluss der Verehrung vollziehe man die Umrundung nach rechts und links. Im innersten Heiligtum ist sie dem Priester, außerhalb den Initiierten vorbehalten.

67.11 Den Menschen ist eine Umrundung innerhalb des inneren heiligen Kreises nicht vorgeschrieben. Wer die Umrundung mit dem ganzen Körper vollzieht, lege seinen Leib auf den Boden,

67.12 gerade ausgestreckt wie einen Stab, zusammen mit beiden Armen; dabei lege er die Hände zum Gruß zusammen. Nachdem er vor Shiva eine solche ausgestreckte Verneigung ausgeführt hat,

67.13 vollziehe er auf diese Weise eine, drei, fünf oder sieben Umrundungen zur Aufhebung aller Verfehlungen.

67.14 Danach verneige er sich vorne erneut mit Hingabe, erhebe sich und schließe mit wiederholten Verneigungen ab.

67.15 Wer Shiva gesammelt und mit Hingabe einmal umrundet, erlangt mühelos die Frucht eines Pferdeopfers.

67.16 Diese Frucht wird für die Umrundung im inneren Tempelhof genannt. Im mittleren Hof ist sie dreifach, an der nächsten äußeren Begrenzung vierfach,

67.17 an der großen äußeren Begrenzung fünffach. Die Umrundung außen an der Grenze des heiligen Bezirks gewährt den Menschen die hundertfache Frucht.

67.18 So vollziehe man die Umrundung. Nun wird die Verneigung erklärt. Sie ist dreifach: achtgliedrig, fünfgliedrig und eingliedrig.

67.19 Die achtgliedrige erkenne folgendermaßen: Man lege den Körper wie einen Stab ausgestreckt auf den Boden und verneige sich zunächst mit beiden zum Gruß zusammengelegten Händen,

67.20 dann mit dem Kopf, mit den Ohren, Augen, Brauen und Wangen, mit beiden Armen und mit der Herzgegend. Dies gilt als die vorzügliche achtgliedrige Verneigung. [Die Zählung fasst paarige Körperteile jeweils zusammen.]

67.21 Nun wird die fünfgliedrige genannt: zuerst die Grußgeste der Hände, zweitens die Verneigung des Kopfes, drittens die beiden Ohren,

67.22 viertens die beiden Arme und fünftens die Herzgegend. So ist die fünfgliedrige erklärt. Nun folgt die eingliedrige.

67.23 Die eingliedrige Verneigung wird allein mit dem Kopf ausgeführt. Wer sich einmal vor Shiva mit Hingabe verneigt,

67.24 erlangt die vorzügliche Frucht eines Pferdeopfers. Bei der fünfgliedrigen ist sie dreifach, bei der achtgliedrigen achtfach.

67.25 Was immer man Shiva widmet, sei es eine Gabe oder eine Handlung: Wird es mit Hingabe vollzogen, so gilt seine Frucht als unendlich vervielfacht.

67.26 Selbst eine einzige Verneigung vor Shiva, die Menschen ohne Hingabe oder sogar aus Unaufrichtigkeit ausführen, kann alle Verfehlungen aufheben.

67.27 Darum: Wer sich täglich einmal mit Hingabe vor dem Linga verneigt, erlangt alle Wünsche und freut sich in Gemeinschaft mit Shiva.

67.28 Am achten, vierzehnten und fünfzehnten Mondtag, unter den drei Geburts-Mondhäusern, unter Ardra, an einem Sonntag und während des Karana namens Vishti,

67.29 zu den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen, bei Mond- und Sonnenfinsternissen, beim Eintritt der Sonne in ein neues Tierkreiszeichen und bei einem Fest: Wer dann badet, die Umrundung vollzieht

67.30 und sich mit Hingabe vor Shiva verneigt, erlangt alle Wünsche und hundertfaches Verdienst. Daran besteht kein Zweifel.

67.31 Die genannte Frucht von Umrundung und Verneigung betrifft ein von Menschen errichtetes Linga. Bei einem von Sehern gestifteten ist sie doppelt so groß,

67.32 bei einem göttlichen Linga dreifach, bei einem von den Herren der Scharen gestifteten vierfach. Fünffach ist die Frucht

67.33 bei einem von selbst entstandenen Linga; durch dessen Berührung wird sie hundertfach. Wer auf einer Reise unterwegs ein Shiva-Linga umrundet

67.34 und sich davor verneigt, erlangt die fünffache der zuvor genannten Frucht. Umrundung und Verneigung an heilig gepriesenen

67.35 Stätten gewähren einem Menschen rasch das gewünschte Gedeihen: langes Leben, Gesundheit, Macht, Besitz und die Erfüllung vieler Wünsche.

67.36 Dies erlangt, daran besteht kein Zweifel, wer sich der Umrundung widmet. Hundert, tausend, zehntausend, hunderttausend, eine Million

67.37 oder zehn Millionen Umrundungen lasse man zur Erfüllung des erwünschten Ziels vollziehen. Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang

67.38 umrunde man und erlange so alle Wünsche. Wer während der genannten heiligen Zeiten einen ganzen Tag und eine Nacht

67.39 die Umrundung vollzieht, genießt eine unermessliche Frucht. Die Umrundung nach rechts und links vollziehe man zur Erfüllung seines Entschlusses.

67.40 Ihre Frucht ist hundertfach gegenüber der einfachen Umrundung. Ebenso wird die Frucht der Umrundung mit dem ganzen Körper gegenüber jener gesteigert.

67.41 Wer von weit her kommt, sei es auch mit dem Wunsch nach einer bestimmten Frucht oder nach Befriedung, umrunde mit Hingabe und verneige sich vor dem unvergänglichen Shiva. [Die Wendung zum Beweggrund der Reise ist unsicher.]

67.42 Auch die Strecke, die er auf seinem Weg zurückgelegt hat, gewährt ihm, o Keshava, die Frucht der Umrundung; daran besteht kein Zweifel.

67.43 Gaben, Opfer, das Studium heiliger Texte und Opferhandlungen mit reichen Priestergeschenken kommen nicht einmal einem Hundertstel der Verneigung vor dem Shiva-Linga gleich.

67.44 Ob aus bloßer Begegnung, aus Gewinnstreben, aus Furcht oder aus Bindung an andere; ob einer töricht, unaufrichtig, von niedrigem Stand oder mit allen Verfehlungen beladen ist:

67.45 Verneigt er sich auch nur einmal vor dem Linga, wird er von allen Verfehlungen frei. Darum soll der Verständige alles andere beiseitelassen und mit aller Sorgfalt

67.46 sich wenigstens einmal vor dem Linga verneigen, dem Herrn der drei Welten. Jede Umrundung beginne vorne. Wer Vollendung sucht, überschreite im Tempel nicht den nach Norden fallenden Schatten.

Kapitel 68: Das Frühlingsfest

68.1 Kurz werde ich das Frühlingsfest erklären, Janardana. Es wird am Vollmondtag eines der Monate Madhu oder Madhava begangen.

68.2 Zu dieser Zeit wähle man einen günstigen Aszendenten. Das Verfahren wird nun erklärt. In der vorausgehenden Nacht bereite man das Danta-Kraut mit Duftstoffen und Blumen vor.

68.3 Man besprenge es unter dem Herzmantra mit Duftwasser, binde es zu einer Girlande und lege es unter dem Kavachamantra in ein Gefäß.

68.4 Im Nordosten oder Norden des Tempels richte man wie zuvor einen Pavillon ein. In der Mitte des dortigen Altars bereite man

68.5 vorschriftsmäßig eine Opferfläche und zeichne einen achtblättrigen Lotus darauf. In dessen Mitte lege der Mantrakundige die aus dem Kraut gebundene Girlande.

68.6 Nordöstlich oder östlich davon bereite man eine Opferfläche. Darauf stelle man ein besonders schönes Gefäß aus Gold, Silber oder einem anderen geeigneten Material,

68.7 mit weißen Fäden geschmückt, mit Duftwasser gefüllt, mit einem Grasbüschel, Gold, Deckel und Stoff versehen.

68.8 Beim Aufstellen spreche man Om. Nördlich davon stelle der Mantrakundige ein entsprechendes Vardhani-Gefäß von halber Größe auf.

68.9 Nach der Segenssprechung verehre er den Gott und die Göttin. Auch das Kraut verehre der Mantrakundige mit der Sammlung der zugehörigen Mantras.

68.10 Dann vollziehe er das Feueropfer in einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche, östlich, nordöstlich, westlich oder nördlich davon.

68.11 Er entzünde das Feuer vorschriftsmäßig. Wenn es kräftig brennt, opfere er Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, geröstetes Getreide und Sesam mit den fünf Brahmamantras.

68.12 Nachdem er der Reihe nach mit Sadyojata und den übrigen geopfert hat, bringe er mit dem Sarvatma-Hridaya-Mantra die Vollopfergabe dar. Im Nordosten innerhalb dieses Bereichs

68.13 bereite er vorschriftsmäßig eine Opferfläche und lege darauf einen Grasbüschel nieder. In dessen Mitte rufe er Kama an und verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen.

68.14 Dann bringe er mit Kamas Wurzelmantra hundert Opfergaben aus dem Danta-Kraut dar. Danach opfere er mit dessen sechs Gliedermantras in das Shiva-Feuer.

68.15 Sandelholz, Adlerholz, Kampfer, Kushtha, Safran und Moschus opfere er der Reihe nach mit dem Wurzelmantra.

68.16 Darauf bringe er das Svishtakrit-Opfer dar. Nach den Vyahriti-Formeln besprenge er gesammelt die Feuerstelle, verabschiede die angerufene Gegenwart des Feuers und danach Kama.

68.17 So führe der kundige Lehrer den Ritus nachts aus. Am Morgen verrichte er seine täglichen Pflichten, betrete den Pavillon und verehre dort

68.18 gesammelt den Gott und die Göttin in den beiden Gefäßen mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben. Das Kraut berühre er wie zuvor mit den Brahmamantras.

68.19 Nach Abschluss der täglichen Verehrung lege der Mantrakundige es unter dem Schall von Muschelhörnern und Trommeln auf den Scheitel des Linga und spreche dabei Sarvatman.

68.20 Der Lehrer bringe Betel mit wohlriechenden Zutaten dar. Auch den bildhaft gestalteten Gottesformen überreiche er das Kraut unter ihren Wurzelmantras.

68.21 Danach veranstalte er das Fest. Sorgfältig schmücke er das Prozessionsbild mit dem Danta-Kraut, Duftstoffen, Blumen, Stoffen, Schmuck und weiteren Zierden.

68.22 Dann besprenge er es ringsum mit Duftwasser. Unter Gesang und Tanz, dem Schall von Muschelhörnern und Trommeln

68.23 und dem Wohlgeruch des Räucherwerks finde der Zug beim Übergang zum Abend statt. Anschließend veranstalte man im Versammlungspavillon Gesang, Tanz und weitere Darbietungen.

68.24 Zum Abschluss des Festes richte man Unterhaltung und eine besondere Verehrung aus. Wer dieses Fest jedes Jahr veranstaltet, genießt die Frucht eines Pferdeopfers und gelangt danach in Shivas Welt.

Kapitel 69: Die Darbringung der neuen Ernte

69.1 Ich werde die Darbringung der neuen Ernte erklären, o Bester der Götter. Was auf Erden zuerst reift, sei es Getreide, eine Frucht, eine Blüte oder etwas anderes,

69.2 das bringe man Shiva dar. Mit Hingabe überreiche es ihm. Die Frucht dieser Gabe ist hundertfach gegenüber einer gewöhnlichen Darbringung.

69.3 Darum bringe man mit aller Sorgfalt die zuerst gereifte Ernte dar. Als Zeit der neuen Erntegabe werden drei Monate genannt.

69.4 Im Monat Magha ist sie nicht erwünscht, auch nicht während der Unsichtbarkeit von Jupiter und Venus. In Chaitra oder Phalguna wähle man in der hellen Monatshälfte einen günstigen Tag,

69.5 ein günstiges Mondhaus, eine günstige Yoga-Verbindung und einen günstigen Aszendenten, o Bester der Götter. Zu Beginn begebe man sich auf das gut gedeihende Feld des Gottes,

69.6 auf dem der Reis reif ist, begleitet von Chandeshas und des Stieres Bildnissen. Am nördlichen oder nordöstlichen Rand dieses Feldes

69.7 bringe man Milchreis zusammen mit Duftstoffen und Blumen als Bali dar, mit der Formel: »Dem Herrn des Feldes – svaha!« Dann bringe man am Fuß der Pflanzen

69.8 mit den Worten »Soma, dem Herrn aller Feldfrüchte« eine Bali-Gabe dar. Danach besprenge der Lehrer die Sichel unter dem Waffenmantra.

69.9 Mit Vama besprenge er die Pflanzen, schneide sie unter dem Waffenmantra an der Wurzel ab und lege sie mit Om

69.10 in ein Gefäß aus Gold oder einem anderen geeigneten Material. Man lasse dieses auf dem Kopf vom Feld forttragen, begleitet von allen Instrumenten.

69.11 Der Zug sei festlich geschmückt und werde von Chandeshas und des Stieres Bildnissen oder auch vom Gottesbild begleitet. Man führe reichlich Getreide, Früchte und weitere Gaben mit,

69.12 auch alle Beigaben zu den Speisen und Gefäße mit Dickmilch und Ghee. Langsam umschreite man das Dorf oder den entsprechenden Ort und betrete den Shiva-Tempel.

69.13 Das unter Mantras geerntete Getreide reinige und enthülse man. Den gewonnenen Reis befreie man von Steinen und anderen Fremdkörpern.

69.14 Gesammelt wasche man ihn sechsmal mit den sechs Gliedermantras. Sechsunddreißig Prastha Reis gelten als die größte Menge.

69.15 Die geringste Menge beträgt ein Adhaka. Bei einer jeweiligen Verminderung um ein Adhaka ergeben sich dazwischen sieben weitere Stufen.

69.16 Pfeffer und Kreuzkümmel zerstoße man und vermische sie mit Zucker und Kokosnuss,

69.17 oder mit Rohzucker. Man lege dies in ein Gefäß aus Gold oder einem anderen geeigneten Material. Unter dem Klang aller Instrumente bringe der Mantrakundige es mit dem Herzmantra dar.

69.18 Danach vollziehe man mit dem Reis die Bali-Darbringung und das Feueropfer. Allen Gottesbildern reiche man ebenfalls Reis mit dem Herzmantra.

69.19 Man bringe auch Betel mit wohlriechenden Zutaten dar. Anschließend bereite man aus der neuen Ernte die Speisegabe mit den zugehörigen Beilagen

69.20 und überreiche sie dem Gott zusammen mit Zucker, Ghee und Dickmilch. So verfahre man jedes Jahr zum Gedeihen der Feldfrüchte.

Kapitel 70: Das Lichterfest unter Krittika

70.1 Nun werde ich, o Bester der Götter, das vorzügliche Krittika-Lichterfest erklären. Im Monat Urja, am Vollmond und unter dem Mondhaus, dessen Gottheit das Feuer ist,

70.2 vollziehe man das Krittika-Lichterfest während der Abenddämmerung. Es kann auch allein am Vollmondabend begangen werden.

70.3 Zuvor bringe man dafür zur angegebenen Zeit die Keimsaat dar. In der Nacht des Vortags vollziehe man die vorbereitende Weihung auf folgende Weise.

70.4 Vor dem Tempel, im Nordosten oder im Südosten richte man einen Pavillon ein, der mit allen Zierden geschmückt und mit Kuhdung bestrichen ist.

70.5 Man bereite aus unenthülstem Reis eine Opferfläche und zeichne einen achtblättrigen Lotus. Seine Linien fülle man ringsum mit enthülstem Reis und Sesam aus.

70.6 Man lege die vorgeschriebene Umrandung aus, streue geröstetes Getreide und Blumen darüber, lasse zunächst den Segen für den glückverheißenden Tag sprechen und besprenge mit Shiva geweihtem Wasser.

70.7 Dort stelle man fünf, drei oder einen Lampenträger auf: bei fünf in der Mitte, im Osten, Süden, Westen und Norden;

70.8 bei drei in der Mitte, im Osten und Westen; bei einem in der Mitte beziehungsweise vorne, Janardana. Man besprenge sie unter dem Bahurupa-Mantra. [Die letzte Ortsangabe der Vorlage ist nicht eindeutig.]

70.9 Östlich oder westlich davon entfache der vorzügliche Lehrer in einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche das Shiva-Feuer und opfere hinein.

70.10 Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, geröstetes Getreide, Gerste, Senf, Bambussamen und Reis bringe er je hundert-, fünfzig- oder fünfundzwanzigmal dar, nach Vermögen.

70.11 Diese Opferstoffe opfere er der Reihe nach mit den sechs Gliedermantras, beginnend mit Sarvatma-Hridaya, und mit Sadyojata und den übrigen Brahmamantras.

70.12 Dann fülle er mit Sarvatman Kuhghee in die Lampenträger oder in die Lampenschale und lege einen Docht hinein.

70.13 Wenn das Feuer kräftig brennt, opfere er mit dem Feuer-Bija. Mit Aghora nehme er mit einem Docht Feuer von dieser Flamme auf.

70.14 Der Lehrer entzünde die Lampen auf den Trägern, in der Mitte beginnend. Dann sorge er überall bis zum Tempel für Feuer und Lampen.

70.15 Um die Lampen anzubringen, errichte man vor, hinter und an beiden Seiten des Tempels Aufbauten von der Höhe seiner Wand- beziehungsweise Pfeilerzone.

70.16 Die Lampenträger und Schalen ordne man von Parjanyas Platz an. Vier Lampensäulen stelle man an den vier Tempeltoren auf,

70.17 oder zwei mit Radscheiben, vorne und hinten am Tempel, oder nur eine Säule vorne. Für diese Säulen eignen sich folgende Hölzer:

70.18 Champaka, Ashoka, Punnaga, Vakula, Arjuna, Palmyrapalme, Kokospalme, Arekapalme und Bambus.

70.19 Die Säule sei so hoch wie der Tempel oder seine Turmbekrönung; oder sie messe neun, acht beziehungsweise sieben Ellen für die beste, mittlere und kleinste Ausführung.

70.20 An der Säule bringe man elf, neun beziehungsweise vier Radscheiben für die beste, mittlere und kleinste Ausführung an. Nun wird ihre Breite genannt.

70.21 Der Durchmesser der Radscheiben an der Säule betrage bei der größten Ausführung sechzehn Tala, bei der mittleren zwölf und bei der kleinsten acht Tala.

70.22 An Spitze und Fuß der Säule lasse man je ein Tala frei. Dazwischen bringe man die Radscheiben in gleichen Abständen an.

70.23 Von der Mitte jeder Scheibe führe man vier Speichen nach außen. Dann stelle man die Säule auf und bringe an ihrer Spitze eine runde Auflage an.

70.24 Darauf stelle man eine Lampenschale von einem Adhaka Fassungsvermögen. Man binde einen Dochtkörper aus Baumwollfäden

70.25 und weißem Stoff und lege ihn dort in das Öl. Auf dem Umfang der Radscheiben ordne man Lampenträger und Schalen an.

70.26 Der Kundige verwende je elf, neun beziehungsweise vier für die beste, mittlere und kleinste Ausführung. In diese ölhaltigen Schalen lege man jeweils einen Dochtkörper.

70.27 Danach vollziehe man die Segenssprechung. Den Fuß der Säule umhülle man mit neuem Stoff.

70.28 Als ihren rituellen Sitz bereite man am Fuß eine Opferfläche aus Reis. Man lege Kusha-Gras ringsum und verehre das Feuer in der Lampensäule.

70.29 In den Hauptrichtungen oder Zwischenrichtungen führe man vier Feueropfer aus. Von Brennhölzern, Ghee und gekochter Opferspeise gebe man jeweils zwanzig Darbringungen.

70.30 Man opfere mit Shivastra, Pashupatastra und dem Feuer-Bija. Überall vollziehe man die Vollopfergabe mit dem Feuer-Bija.

70.31 Dann trete man ein und verneige sich vor dem Herrn der Götter. Man trage die vorbereitend geweihten Lampen auf dem Kopf oder in der Hand und umschreite den Tempel im Uhrzeigersinn.

70.32 Man trete vor den Gott und bringe die im Inneren aufgestellten Lampen mit dem Herzmantra Shiva dar.

70.33 Von der mittleren Lampe nehme man Feuer mit einer Handlampe und entzünde damit die Lichterreihen innerhalb und außerhalb des Tempels.

70.34 In sämtlichen Umfassungsbereichen entzünde man die Lampen. Auch oben am Tempel lasse man überall Lichterketten erstrahlen.

70.35 Danach veranstalte man das Fest mit hell leuchtenden Lampen, mit Tanz und Gesang und unter dem Klang aller Instrumente.

70.36 Während dieses Festes, wenn sich das Gottesbild nahe dem Fuß der Säule befindet, steige ein Tempeldiener vor der Gottheit zur Spitze der Säule hinauf.

70.37 Mit der bereits entzündeten Lampe entzünde er die geweihten Lichter, von oben beginnend, ringsum auf den Radscheiben der Reihe nach.

70.38 Oder er entzünde die Lampen von unten mit einem Docht an einem Stab. In der Nacht vollziehe man eine besondere Verehrung, der eine rituelle Waschung vorausgeht.

70.39 Man verehre Shiva mit Sandelholz, Adlerholzräucherwerk und guten festen und weichen Speisen. Im Shiva-Feuer vollziehe man ein besonderes Feueropfer.

70.40 Auch das Prozessionsbild verehre man besonders. Wer dieses vorzügliche Lichterfest jedes Jahr begeht, erlangt alle Wünsche und gelangt zum höchsten Shiva.

Kapitel 71: Historische Gottesurteile mit Waage und anderen Mitteln

71.1 Kurz werde ich die Verfahren der Wahrheitsprüfung erklären, beginnend mit der Waage. Wenn bei einem Rechtsstreit die Frage besteht, ob jemand eine Tat begangen hat oder nicht,

71.2 und Zweifel entstehen, werden für Herrscher, die Gewissheit suchen, acht Gottesurteile zur Entscheidung angegeben, der Reihe nach:

71.3 Waage, Feuer, Wasser, Gift, geweihtes Trankwasser, erhitztes Goldstück, Reiskörner und Eid. Nun werden die Orte ihrer Durchführung genannt.

71.4 In allen Shiva-Tempeln, in Durga- und Sonnenheiligtümern, an den Stätten Vinayakas und Guhas, in einem Fluss oder an seinen Ufern,

71.5 oder am Ufer eines Teiches vollziehe man sie in Gegenwart des Königs und von Brahmanen. Als Wochentage gelten für alle der Tag der Sonne und der des Mondes.

71.6 Die Waage ist zu allen Zeiten geeignet; bei starkem Wind soll man sie jedoch meiden. Die Feuerprobe unterlasse man im Herbst, im Frühling und in der heißen Jahreszeit.

71.7 Die Wasserprobe ist in der heißen Jahreszeit auszuführen; für die Giftprobe wird der späte Winter genannt. Auch im frühen Winter kann sie stattfinden; die anderen Jahreszeiten sind dafür ausgeschlossen.

71.8 Für die übrigen Gottesurteile ist jede Jahreszeit zugelassen. Unter diesen allen wird zuerst das Verfahren der Waage gründlich erklärt.

71.9 Ashvattha, Rajavriksha, Bilva, Kimshuka, Shimshapa, Khadira und Shami eignen sich für das Holz der Waage.

71.10 Mit einer mit Honig bestrichenen Axt fälle man den Baum unter dem Astramantra. Aus demselben Holz fertige man das Torgerüst, das die Waage trägt.

71.11 Die beiden Pfosten sollen zwölf Tala hoch sein und zwanzig Fingerbreiten im Umfang messen. Entsprechend gestalte man den Querbalken.

71.12 In der Mitte der Waage bringe man ein eisernes Aufhängungsstück an. Die Länge des Waagbalkens betrage sieben Tala.

71.13 Der Waagbalken habe einen viereckigen Querschnitt; sein Umfang betrage ein Drittel seiner Länge. In seiner Mitte verlaufe eine Wasserrinne, eine Fingerbreite tief,

71.14 zwei Fingerbreiten breit und ganz eben angelegt. Zur Aufhängung befestige man in der Mitte des Balkens eine eiserne Kette,

71.15 die nach oben führt. An beiden Enden befestige man entsprechende Ketten nach unten und hänge an beiden Seiten Tragnetze ein.

71.16 Man hänge die Waage genau im Gleichgewicht an das Torgerüst. Dann besprenge man Gerüst und Waage mit dem Astramantra.

71.17 Man rufe den Menschen herbei, der gefastet und gründlich gebadet hat und reine Kleidung trägt. Man besprenge ihn unter dem Mantra.

71.18 Mit zum Gruß zusammengelegten Händen lasse man ihn dort nach Osten gerichtet stehen. Unter dem Waffenmantra binde man ihm ein Blatt auf den Kopf, auf dem seine eigene Erklärung zusammen mit folgendem Vers geschrieben steht:

71.19 »Mond und Sonne, Feuer und Wind, Erde, Wasser und Raum und dieses erkennende Selbst wissen um alle seine Taten. Die Zeit, der Schöpfer, der allwissende Herr der Götter und Yama: Alle Götter sind beständig auch in diesem Leib gegenwärtig.«

71.20 Den Platz des Torgerüsts, acht Ellen im Maß, bestreiche man mit Kuhdung. Auf dem geglätteten Boden ringsum verehre der Mantrakundige die Gottheiten

71.21 und auch das Torgerüst. Nun wird das Verfahren erklärt. Für die acht Hüter der Richtungen, angefangen mit Indra, zeichne der Lehrer an ihren jeweiligen Plätzen

71.22 je einen Kreis vom Maß einer Ratni. Alle inneren Flächen fülle er mit gelblichbraunem Reis.

71.23 Darin gestalte er einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel und Staubfäden. Oder er fülle die Kreise mit Sand.

71.24 Zwischen Indra und Agni wird der Platz der Vasus genannt; zwischen Agni und Yama der Platz der Rudras.

71.25 Zwischen Yama und dem Hüter des Südwestens liegt der Verehrungsplatz der Mütter. Zwischen dem Südwesten und Varuna liegt der Platz der Herren der Scharen.

71.26 Zwischen Varuna und dem Wind liegt der Platz der Maruts. Zwischen Vayu und dem Mond wird der Platz Durgas angegeben.

71.27 Zwischen Ishana und Soma erkenne man Guhas Platz; zwischen dem Herrn der Götter und Ishana den Platz der Sonnengottheiten.

71.28 Für jede dieser Gruppen lege der in den Ritualregeln Kundige einen eigenen Kreis von dem als Kaushika bezeichneten Fingermaß an. [Der Zahlenwert dieses Maßworts ist unsicher.]

71.29 Nach der Segenssprechung verehre der Lehrer mit ruhigem Geist Indra und die übrigen Richtungshüter ringsum im Uhrzeigersinn.

71.30 Mit den Gaben vom Arghya bis zur Opferspeise verehre der vorzügliche Lehrer danach ebenso die ringsum befindlichen Gottheiten, beginnend mit den Vasus.

71.31 An den beiden Pfosten verehre der Kundige Dharma und Yajna, am Querbalken den Viergesichtigen und an der Waage Vishnu.

71.32 Dann gieße er Wasser in die Rinne des Waagbalkens. Anhand des Wassers überprüfe man gemeinsam mit den Prüfern seine waagerechte Lage.

71.33 Zusammen mit rechtskundigen Brahmanen, Kaufleuten und Lehrern lasse man den Menschen auf die Waage steigen und wiege ihn gegen Erde auf.

71.34 Nachdem er gewogen ist, lasse man ihn wieder heruntersteigen. Dann vollziehe man ringsum in den vier Richtungen auf Opferflächen aus Sand ein Feueropfer.

71.35 Man entzünde vorschriftsmäßig das Shiva-Feuer. Der Kundige opfere der Reihe nach Brennhölzer, Ghee und gekochte Opferspeise mit den Mantras von Atman, Vidya und Shiva.

71.36 Überall gebe man mit Om die Vollopfergabe aus dem Opferlöffel. Dann lasse man den Menschen erneut auf die Waage steigen, und der Guru spreche das vorzügliche Mantra:

71.37 »Erhabener Herr der Götter, du wohnst im Herzen aller Wesen! Allwissender, Herr der Götter, offenbare uns rasch das Verhalten dieses Menschen!«

71.38 So bitte der Mantrakundige den Gott und prüfe dann. Wird der Mensch wie zuvor gewogen und überschreitet er das frühere Gewicht, gilt er als rein.

71.39 Durch die Macht des Gewichts des Dharma soll sein eigenes Gewicht zunehmen. Nun werde ich die Feuerprobe erklären. Man richte den Platz wie zuvor her,

71.40 umgeben von den Kreisen der Gottheiten. In seiner Mitte lege der Lehrer neun Kreise in einer von Osten nach Westen verlaufenden Reihe an.

71.41 Jeder Kreis messe zehn Fingerbreiten. Ebenso groß sei jeweils der Abstand zwischen ihnen.

71.42 Das Innere aller Kreise fülle man mit Sand. Ihre Linienränder fülle man ringsum

71.43 mit Pulver aus gebrannten Ziegeln. Der erste Kreis gehört Agni, der zweite Varuna,

71.44 der dritte Vayu, der vierte Yama, der fünfte Indra und der sechste Kubera.

71.45 Der siebte gehört Soma, der achte Surya und der neunte allen Göttern.

71.46 Alle außerhalb befindlichen Gottheiten verehre man der Reihe nach wie zuvor. Auch das Feueropfer richte man dort in der zuvor beschriebenen Weise ein.

71.47 Man fertige ein einwandfreies Eisenstück von fünfzig Pala Gewicht an. Seine Länge wird mit dem Kaushika-Fingermaß angegeben.

71.48 Es kann auch rund sein und soll frei von Fehlern sein. Außerhalb des Kreises der Gottheiten bereite man eine Schmiedegrube.

71.49 Mit dem Feuer-Bija verehre man das Eisenstück. Dann trage man es im Uhrzeigersinn herum und lege es in die Grube.

71.50 Der Schmied erhitze den Eisenklumpen dort mit einem Blasebalg, bis er die Farbe des Feuers annimmt. Danach stelle man

71.51 den Menschen, der gefastet und gebadet hat, in feuchter Kleidung und ohne Aufregung in den ersten Kreis. Man binde ihm das Schriftblatt auf den Kopf.

71.52 Der Mantrakundige stehe der Sonne zugewandt. In die zusammengelegten Hände des Menschen lege er sieben Pippala-Blätter und befestige sie mit einem Faden.

71.53 Darüber lege er ungebrochene Reiskörner und ein Shami-Blatt. Der Kundige stelle sich vor ihn und spreche das Mantra:

71.54 »Du, Agni, Läuternder, bewegst dich im Innern aller Wesen. Du bist Zeuge ihrer guten und schlechten Taten. O Weiser, sage mir die Wahrheit!«

71.55 Dann lasse man den Schmied den feuerfarbenen Eisenklumpen aus der Grube in die zusammengelegten Hände des Menschen geben.

71.56 Dieser gehe sieben Schritte, von Kreis zu Kreis. Im neunten Kreis lege er ihn schließlich auf trockenes Gras. [Die Schrittzahl und die Zahl der Kreise sind hier nicht ganz abgestimmt.]

71.57 Nach fünf oder sechs Nadikas untersuche der Lehrer beide Hände darauf, ob sie verbrannt oder unverbrannt sind.

71.58 Sind sie verbrannt, gilt der Mensch nach diesem Verfahren als schuldig. Nun werde ich die Wasserprobe zur Entscheidung über Reinheit oder Unreinheit erklären.

71.59 Der Lehrer lasse sie in schönen Seen oder Teichen mit klarem Wasser ausführen, frei von Blutegeln, Fischen und anderem Wassergetier,

71.60 ohne Wasserpflanzen und ohne starke Wellen. Die Verehrung der Gottheiten und das Feueropfer richte er wie zuvor ein.

71.61 In der Mitte verehre der Kundige in einem Kreis von einer Elle den Gott Dharma und lege dort das Wahrheitsmantra nieder.

71.62 Der kundige Lehrer verehre ihn ruhig mit dem Waffenmantra. Dann rufe er den Menschen herbei und binde ihm das Schriftblatt auf den Kopf.

71.63 Mit diesem Blatt lasse er ihn nach Osten gerichtet ins Wasser treten. Vor ihm stelle er einen anderen Menschen auf, der im Bogenschießen geübt ist.

71.64 Dieser stehe nach Osten gerichtet, hebe den Bogen und schieße drei Pfeile ab. Der mittlere davon soll gerade durch die Mitte nach vorne fliegen.

71.65 Zu Beginn dieses Vorgangs tauche der Prüfling wie beim Baden dreimal unter. In brusttiefem Wasser halte er die Knie des vor ihm Stehenden,

71.66 so dass die Menschen am Ufer seinen Körper nicht sehen. Solange der Bogenschütze den Pfeil holt, der weder ganz nahe noch allzu weit entfernt liegt,

71.67 und zurückkehrt, weder hastig noch langsam, muss er untergetaucht bleiben. Nur dann wird ihm Reinheit zugesprochen.

71.68 Nun werde ich die Giftprobe erklären. Nachdem wie zuvor die Verehrung der Gottheiten und das Feueropfer vollzogen sind, lege der Kundige in der Mitte

71.69 eines Kreises das mit Ghee benetzte Gift in eine verehrte Schale. Er besprenge es mit dem Astramantra. Die Gifte werde ich kurz aufzählen.

71.70 Langali, Hayamara, Karaskara und Dhattura-Samen sind diese Gifte, o Bester der Götter.

71.71 Eines davon nehme man im Gewicht von zwei Nishka. Dann gebe man es in die Hand des dort stehenden Menschen.

71.72 Dieser esse es sogleich, der Sonne zugewandt. Die Zeit seiner Beobachtung wird als ein Yama angegeben. [Die Lesung der Zeiteinheit ist beschädigt.]

71.73 Bleibt er ohne Veränderung, gilt er als rein. Andernfalls gilt er als unrein, da so seine Schuld offenbar geworden sei.

71.74 Den vom Gift Gequälten soll man danach durch Gegenmittel schützen. Für Langali wird getrockneter Ingwer genannt, für Karavira Pathya,

71.75 für Karaskara junge Jambu-Triebe. Für Dhattura soll man in Wasser zerriebenen Lotus zur Linderung geben. [Dies sind die historischen Angaben der Vorlage, keine medizinisch geprüften Gegenmittel.]

71.76 Nun werde ich die Probe mit geweihtem Trankwasser erklären. Wenn alle Handlungen einschließlich Götterverehrung und Feueropfer vollzogen sind, gebe man dem Menschen das geweihte Wasser.

71.77 Man bade eine der drei Arten des Linga oder die Bildnisse Brahmas, Vishnus, Guhas, Indras, Vinayakas, Durgas, Suryas, einer göttlichen Waffe

71.78 oder der Mütter mit Ghee, Milch oder Wasser. Die dabei verwendete Flüssigkeit fange man auf.

71.79 Dem wie zuvor aufgestellten Menschen gebe man davon drei Prasriti. Nach Osten gewandt trinke er es in drei Zügen.

71.80 Als rein gilt derjenige, bei dem innerhalb von vierzehn Tagen keine nachteilige Veränderung eintritt. Der andere gilt als mit Schuld behaftet.

71.81 Nun werde ich zur Entscheidung über Reinheit oder Unreinheit die Probe mit dem erhitzten Goldstück erklären. Das Gewicht von jeweils zehn Körnern unenthülsten oder enthülsten Reises

71.82 wird hier als Masha bezeichnet; dieses Gewicht soll aus Gold bestehen. Aus dem Gold lasse man eine kleine Scheibe oder einen Ring fertigen.

71.83 Der Mantrakundige wasche es unter dem Waffenmantra mit den fünf Kuhprodukten. Man fertige eine Schale von sechzehn Fingerbreiten Durchmesser; ihr Innenmaß betrage ein Viertel der Breite,

71.84 ihre Wandstärke eine Gerstenkornbreite. Die Schale soll aus Kupfer sein. Danach verehre man die Gottheiten

71.85 und vollziehe das Feueropfer. Man rufe den verdächtigten Menschen herbei, lasse ihn wie zuvor stehen und fülle vor ihm in die Schale

71.86 zwanzig Pala Öl und ebenso viel Ghee. In der Mitte zeichne man mit Mehl einen wohlgestalteten Kreis.

71.87 Dort richte man den heiligen Platz ein und verehre vorschriftsmäßig. Dann stelle der Mantrakundige dort einen Dreifuß auf.

71.88 Er besprenge ihn mit dem Astramantra und setze die Schale darauf. Mit dem Feuer-Bija entzünde er darunter das Feuer.

71.89 Mit ganz trockenem Brennmaterial erhitze man Ghee und Öl in der Schale stark, so dass es dem Feuer gleicht.

71.90 Unter innerer Wiederholung des Feuer-Bija werfe der Mantrakundige das goldene Masha-Stück hinein. Oder man lasse den Menschen nacheinander die Köpfe seiner Frau und Kinder berühren. [Hier springt die Vorlage unvermittelt von der Heißölprobe zum Eid; ein Zwischentext fehlt.]

71.91 Auch für den Prozessgegner wird diese Prüfung genannt. Erleidet der Betreffende innerhalb von vierzehn Tagen eine vom König oder von den Göttern verursachte Bedrängnis,

71.92 gilt sein Eid als falsch, und er trägt Schuld. Kinder, alte und kranke Menschen soll man den Prüfungen mit der Waage und den übrigen Mitteln nicht unterziehen.

71.93 Für sie ist ein anderes Verfahren anzuwenden, da sonst eine Schädigung des Körpers eintreten könnte. An dem Ort oder in dem Haus, wo ein Mensch vorschriftsmäßig die Prüfung ausführt,

71.94 gebe er nach Vermögen Mittel zur Verehrung des Gottes. Den Lehrern und den übrigen Beteiligten lasse er den vorgeschriebenen Opferlohn zukommen.

Kapitel 72: Befriedungsriten bei ungewöhnlichen Zeichen

72.1 Nun werde ich zur Beseitigung von Unheil die Befriedung ungewöhnlicher Zeichen erklären. Utpata, Vikriti, Doshasuchaka und Adbhuta

72.2 sind hier gleichbedeutende Bezeichnungen für solche Zeichen. Sie werden in drei Arten eingeteilt: göttliche, am Himmel auftretende und irdische.

72.3 Göttliche sind diejenigen, die an den drei Arten von Shiva-Lingas auftreten. Zu den himmlischen gehören alle, die am Himmel

72.4 oder im Kreis der Gestirne gesehen werden. Irdische entstehen auf der Erde an beweglichen und unbeweglichen Wesen oder Dingen. Für alle soll man eine Befriedung ausführen.

72.5 Bei göttlichen Zeichen wird eine besonders wirksame Befriedung genannt; die untere gilt nicht als angemessen, die mittlere wird anerkannt. Bei geringeren Zeichen erfolgen die entsprechenden Feueropfer der Reihe nach. [Die Abstufung ist im Sanskrit nicht ganz eindeutig formuliert.]

72.6 Man vollziehe Befriedungsriten der höchsten, mittleren oder unteren Stufe. Wenn im Reich ohne erkennbaren Anlass ein Linga sich bewegt,

72.7 zerbricht oder Risse bekommt, stelle man es wieder ordnungsgemäß her und vollziehe die Befriedung. Drei Wochen lang führe man das Feueropfer für die Gottesgestalten aus,

72.8 die rituellen Waschungen und die vorzügliche Verehrung. Man verehre besonders sorgfältig. Wenn dies mittags abgeschlossen ist, beginne man die übrigen Festhandlungen.

72.9 Wird die Befriedung unterlassen, droht nach dieser Lehre der Untergang von König und Reich. Darum lasse man sie unverzüglich ausführen.

72.10 Bei Shiva-Bildnissen vollziehe man sieben Tage lang täglich die Waschung mit dem Feueropfer für die Gottesgestalten und eine besondere Verehrung.

72.11 Bei Shakti-Bildnissen lasse man fünf Tage lang die Waschung zusammen mit dem Feueropfer für die Richtungen ausführen. Danach finde eine besondere Verehrung statt.

72.12 Auch bei den übrigen Bildnissen lasse man täglich, bis zum Ende von sieben Tagen, die Waschung zusammen mit einem Befriedungsfeueropfer ausführen.

72.13 Zu Beginn dieser Befriedungen vollziehe man die Segenssprechung. Während des Feueropfers lasse man in den Richtungen umfangreiche heilige Rezitationen stattfinden,

72.14 ebenso Lobgesänge, Mantrawiederholung, Gesang und Tanz. Bei Hagel, ausbleibendem Regen oder einer ungewöhnlichen Färbung der Gestirne,

72.15 bei ungewöhnlichen Bewegungen von Schatten oder Lampenlicht vollziehe man die Befriedung sorgfältig. In allen Shiva-Tempeln richte man gesammelt einen entsprechenden Ritenraum ein.

72.16 Man lasse für Shiva die Waschung zusammen mit dem Feueropfer für die Richtungen ausführen. Zur Abwendung dieser Erscheinungen richte man darum die Befriedung auf Shiva.

Kapitel 73: Die Erneuerung verfallener Heiligtümer

73.1 Nun werden die Handlungen beschrieben, die beim Abtragen und Erneuern von Tempelaufbauten auszuführen sind. In den vier Richtungen des betreffenden Tempels

73.2 und im Nordosten errichte man einen Pavillon mit Altar. Der vorzügliche Lehrer bereite vorschriftsmäßig fünf Opferflächen aus Sand

73.3 und richte darauf die Feueropfer ein. Auf den Altar stelle er gesammelt fünf Gefäße.

73.4 In diesen Gefäßen verehre er die vier Gottheiten der Halszone des Tempelturms. Im nordöstlichen Gefäß verehre er Shiva, der an der Turmspitze gegenwärtig ist.

73.5 Rechts daneben lege er ein Schwert mit Griff. Er verehre es mit dem Waffenmantra und vollziehe danach das Feueropfer.

73.6 In das vorschriftsmäßig eingerichtete Feuer bringe er mit den Wurzel- und Gliedermantras der jeweiligen Gottheit je zehn Gaben von Brennhölzern, Ghee und gekochter Opferspeise dar.

73.7 Dann lasse er den Rest der Nacht vergehen. Am Morgen verrichte der vorzügliche Lehrer seine täglichen Pflichten und verehre die Gottheiten in den Gefäßen.

73.8 Überall lasse er mit dem Shivastra-Mantra die Vollopfergabe darbringen. Dann übertrage er Shiva, der im nordöstlichen Gefäß angerufen wurde,

73.9 auf den oberen Teil des Schwertes, indem er gesammelt das Wurzelmantra spricht. Er bade das Schwert mit dem Wasser dieses Gefäßes. Danach übertrage er, an der Spitze beginnend,

73.10 wie zuvor die vier Gottheiten aus den Gefäßen auf das Schwert. Von dort abwärts vollziehe er der Reihe nach das Übergießen mit allen Gefäßen.

73.11 Dann bewahre man das Schwert an einem sicheren Ort auf. Nachdem dieser Ritus ausgeführt ist, trage man den Tempel zu einem günstigen Zeitpunkt ab.

73.12 Der Kundige lasse den Tempel anschließend vorschriftsmäßig wieder errichten. Nun wird das Verfahren bei der Erneuerung verfallener Lingas erklärt.

73.13 Man errichte einen vorläufigen Bau von fünf, vier oder drei Ellen Breite als beste, mittlere oder kleinste Ausführung, aus Stein, gebrannten Ziegeln

73.14 oder ungebrannten Ziegeln, mit einem Vorpavillon. Bei einer Einteilung nach dem Kaushika-Maß bemesse man den Innenraum mit vier Teilen. [Das zugrunde liegende Teilungsmaß ist unsicher.]

73.15 Bei einer Dreiteilung seiner Breite betrage die Höhe des Unterbaus einen Teil. Die Wand gestalte man doppelt so hoch wie den Unterbau.

73.16 Darüber errichte der in den Bauregeln Kundige einen hölzernen Dachaufbau. Der Raum für das Linga soll die Hälfte

73.17 oder ein Drittel oder ein Viertel des ursprünglichen Heiligtums messen. Dies wird hier als vorläufiges Heiligtum bezeichnet. Vor diesem Bau, südlich oder nördlich davon,

73.18 oder im Südosten oder Nordosten errichte man einen Pavillon von sieben, fünf beziehungsweise drei Ellen als beste, mittlere oder kleinste Ausführung.

73.19 In seiner Mitte bereite man einen Altar von einem Neuntel der Fläche. Ringsum lege der Mantrakundige wie zuvor Feuergruben an.

73.20 Wählt man fünf Feuergruben, so gestalte man vom Osten beginnend der Reihe nach eine viereckige, eine bogenförmige, eine runde, eine dreieckige und eine lotusförmige.

73.21 Man bestreiche den Boden mit Kuhdung und bewirte die Brahmanen. Danach vollziehe man gesammelt die Reinigung mit den dafür bestimmten Mitteln.

73.22 Für die vorbereitende Weihung gilt folgende Besonderheit: Nahe beim alten Linga oder vor ihm bereite man eine Opferfläche mit den angegebenen Merkmalen.

73.23 Darauf stelle der Mantrakundige zwei Gefäße, in denen Shiva und Shakti gegenwärtig sind. Zuerst vollziehe er dort vorschriftsmäßig das Feueropfer für die Überführung.

73.24 Man bewirte vorzügliche Brahmanen, die dem Dharma und ihren Gelübden ergeben sind. Dann rufe der Mantrakundige den Gott in das Linga des vorläufigen Heiligtums.

73.25 Er verehre ihn nach den für die Verehrung genannten Regeln und bringe reichlich Opferspeise dar. Sämtliche täglichen Feste und weiteren Riten lasse er im vorläufigen Heiligtum ausführen.

73.26 Bei der Anordnung mit fünf Feuern verehre man Purusha in der östlichen Feuergrube, Bahurupa in der südlichen und Sadyojata in der westlichen.

73.27 Im Norden verehre man Vamadeva; im Nordosten die dort genannte Gestalt. Im zweiten, vorläufigen Heiligtum veranstalte man das Fest nach seinen Möglichkeiten. [Der Gottesname im Nordosten fehlt in dieser Zeile; naheliegend ist Ishana, ohne dass er hier ergänzt wird.]

73.28 Ein Linga aus Ton oder Stein nehme man heraus und versenke es unter dem Vamadeva-Mantra im Wasser. Ein hölzernes verbrenne man unter Aghora

73.29 im Feuer. Mit dem entsprechenden Mantra und nach der zugehörigen Lehre stelle man ein neues auf. Wo am Sockel oder am Linga Brüche, Risse oder andere Schäden auftreten,

73.30 ist der beschädigte Teil aufzugeben und herauszunehmen. Wird das vorläufige Linga beschädigt, fertige man dort ein gleichartiges an

73.31 und setze es vorschriftsmäßig ein. Ein weiteres vorläufiges Heiligtum ist nicht zu errichten. Eine Absplitterung von mehr als drei Gerstenkornbreiten gilt als Bruch.

73.32 Als Riss gilt eine Öffnung, in die die Spitze eines Kuhhaares eindringen kann. Als verbrannt gilt ein Gegenstand, wenn eine entsprechende Verfärbung erkennbar ist.

73.33 Bei einem von selbst entstandenen Linga bewirken Bruch und Riss keinen solchen Mangel. Wenn an einem Linga aus Edelstein ein Bruch oder eine ähnliche Beschädigung entsteht,

73.34 lasse man denselben Stein durch einen geschickten Bildhauer in einem anderen Maß neu gestalten. Wenn ein metallisches Linga bricht, reißt oder sonst beschädigt wird,

73.35 lasse man aus demselben Material ein anderes Linga gleichen Maßes anfertigen. In beiden Fällen vollziehe man ein Feueropfer und bewirte Brahmanen.

73.36 Der Kundige soll das neue Linga nicht weiter als hundert Ellen vom bisherigen Platz entfernt aufstellen. Er richte den Tempel wie zuvor ein und vollziehe die Einsetzung entsprechend.

73.37 Wenn bei der Erneuerung eines Lingas aus Edelstein oder Metall eine Wiederherstellung in der früheren Weise nicht möglich ist, gilt die Einsetzung eines Bana-Linga als zulässig.

73.38 Bei der Weihe eines Bana-Linga entfällt der vorbereitende Aufenthalt im Wasser. Alle übrigen Handlungen sind gleich. Zuerst, Hari, setze man dort den Sockel

73.39 unbeweglich ein und stelle dann das Linga darauf. Sind Arbeiten von Handwerkern am Boden innerhalb des Tempels

73.40 oder an der Wand erforderlich, umhülle man das Linga samt Sockel mit Stoff. Man richte alles so ein, dass der Handwerker es nicht berührt.

73.41 Die Arbeiten sind auszuführen, ohne die tägliche Verehrung zu beeinträchtigen. Dann besprenge man mit den fünf Kuhprodukten und spreche die fünf Brahmamantras.

73.42 Man vollziehe nach der entsprechenden Vorschrift die Waschung und das Befriedungsfeueropfer. Ist die Grube des täglichen Opferfeuers verfallen, bereite man östlich oder nördlich davon

73.43 eine Opferfläche aus Sand und übertrage das Feuer aus der Grube dorthin. Zuerst vollziehe man das Feueropfer für die Überführung und opfere dann an diesem Ort,

73.44 bis die Feuergrube fertiggestellt ist. Danach setze man das Feuer wieder in seine Stätte ein und vollziehe erneut das Überführungsopfer.

73.45 Anschließend führe man das tägliche Feueropfer wieder vorschriftsmäßig aus. Sind die Bali-Sockel verfallen, stelle man sie wie zuvor wieder her.

73.46 Der Mantrakundige besprenge sie vorschriftsmäßig. Während der Arbeiten lege man die Bali-Gabe daneben nieder. Nun erkläre ich das Überführungsopfer: Auf einer geeigneten sandigen Opferfläche

73.47 entzünde man vorschriftsmäßig das Feuer. Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, Gerste, Senf, geröstetes Getreide und Sesam opfere man jeweils hundertmal

73.48 oder je fünfzigmal, der Reihe nach mit den Wurzel- und Gliedermantras der betreffenden Gottheit. Am Ende opfere man Ghee mit dem Haupt-Bija.

73.49 Der kundige Lehrer halte dabei die zuvor genannte Zahl ein. Der vorzügliche Lehrer bringe dort mit Sarvatman die Vollopfergabe dar.

73.50 Wo ein verfallenes Linga oder Bildnis weiter verehrt wird, droht nach dieser Lehre Gefahr durch ausbleibenden Regen. Darum soll man mit aller Sorgfalt das Verfallene entfernen und die Erneuerung ausführen lassen.

Kapitel 74: Die Wiederheiligung durch Besprengen

74.1 Ich werde das Verfahren der Wiederheiligung durch Besprengen erklären, das alle rituellen Mängel beseitigt. Es ist erforderlich, wenn die Verehrung des Linga länger als sechs Monate unterblieben ist,

74.2 oder wenn es von Chandalas, Pulindas, Fischern, Dieben, o Vishnu, von Brahmanentötern oder Trinkern berührt wurde,

74.3 von Menschen, die schwere Verfehlungen begangen oder mit der Frau des Gurus geschlafen haben, oder von deren Umgangspartnern. Auch bei der Erneuerung verfallener Heiligtümer und bei Sühneriten

74.4 sowie in allen ausdrücklich genannten Fällen finde dieses Besprengen statt. Außer in Magha und Bhadrapada ist es zu jeder Jahreszeit möglich. [Die sozialen Reinheitsgrenzen dieses Abschnitts gehören zur historischen Ritualordnung der Vorlage.]

74.5 Dafür errichte man vor dem Tempel, im Nordosten oder an einer seiner beiden Seiten einen Pavillon, der der Reihe nach sechs, sieben oder acht

74.6 Ellen misst, mit Wasserkrügen ausgestattet ist und sechzehn Pfeiler hat. In der Mitte befinde sich ein Altar von einem Neuntel seiner Fläche.

74.7 Er habe vier Tore mit je einem Torbogen und sei mit Baldachinen, Fahnen und Girlanden aus Darbha-Gras geschmückt.

74.8 In den Hauptrichtungen lege man viereckige, in den Zwischenrichtungen runde Feuergruben an. Zwischen Nordosten und Osten bereite man eine lotusförmige Feuergrube.

74.9 Bei einem Ritus mit fünf Feuern entfallen die Feuergruben in den Zwischenrichtungen. Die lotusförmige Hauptfeuergrube richte man dann im Nordosten ein.

74.10 Den Pavillon mit Feuergruben und Altar bestreiche man mit Kuhdung. Nach der Bewirtung der Brahmanen bestreiche man den Boden erneut damit.

74.11 Nach der Segenssprechung vollziehe man das Vastu-Feueropfer. Altar und Feuergruben besprenge man mit Wasser, über dem das Jiva-Mantra rezitiert wurde.

74.12 Man streue dort der Reihe nach weiße Blumen und ungebrochene Reiskörner aus. Dann trete man ein und behandle das Linga mit den fünf Erden und den fünf Kuhprodukten.

74.13 Zur Reinigung bestreiche und übergieße man es unter dem Shivastra-Mantra. Wiederholt bade man es zur Reinigung mit reinem Wasser.

74.14 Auch den Sockel reinige man auf dieselbe Weise. Dann reibe man ihn mit Bilva-Blättern, die mit Kusha-Gras vermischt sind.

74.15 Wie zuvor bade man den Herrn und den Sockel der Reihe nach mit Sarvatman. Den Boden wasche man unter dem Waffenmantra.

74.16 Dann bestreiche man das Linga und die Göttin mit Sandelholz. Der Lehrer bringe Arghya mit dem Herzmantra und Girlanden dar.

74.17 Unter dem Kavachamantra umhülle er das Linga und seinen Sockel mit neuem Stoff. Dann spreche er die fünf Brahmamantras

74.18 und besprenge selbst das innere Heiligtum mit Wasser, über dem das Astramantra rezitiert wurde. Er trete hinaus in den Pavillon und bereite auf dem Altar aus Reis

74.19 wie zuvor eine Opferfläche. Darauf stelle er ein festes, schönes, gut gebranntes Gefäß von einem Drona Fassungsvermögen, mit weißen Fäden geschmückt,

74.20 mit Duftwasser gefüllt, mit goldenem Lotus, Grasbüschel, Deckel und Stoff versehen. Er stelle es mit dem Shiva-Mantra in die Mitte.

74.21 Nördlich davon stelle er ein entsprechendes Vardhani-Gefäß mit halb so viel Wasser auf. In allen Richtungen ordne er

74.22 acht weitere Gefäße gleicher Art und von der Größe des Vardhani an, mit goldenen Waffen ausgestattet und mit allen vorgeschriebenen Merkmalen.

74.23 Darin verehre er der Reihe nach Shiva in der Mitte, Shakti im Vardhani und die Vidyeshvaras in den Richtungen, mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben.

74.24 Nach der Verehrung bringe er Opferspeise dar und richte das Feueropfer ein. In allen Feuergruben entzünde er das Feuer vorschriftsmäßig.

74.25 In ihnen verehre er die Vidyeshvaras, in der Hauptfeuergrube Shiva. Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, Gerste, Senf,

74.26 geröstetes Getreide und Sesam opfere er je hundertmal mit dem Wurzelmantra und den sechs Gliedermantras der Reihe nach.

74.27 Vom Osten beginnend verwende man Plaksha-, Udumbara-, Ashvattha- und Vata-Holz; vom Südosten beginnend Shami-, Khadira-, Bilva- und Arka-Holz.

74.28 Für die Hauptfeuergrube ist Palasha-Holz genannt. Bei fünf Feuern verehre man in den Feuergruben die fünf Brahmagestalten,

74.29 von Sadyojata bis Ishana, an ihren jeweiligen Plätzen. Nach jedem Opferstoff und den Vyahriti-Formeln berühre man das Gefäß.

74.30 Während des Feueropfers sollen Brahmanen in den vier Richtungen den Rigveda und die übrigen Veden rezitieren; im Nordosten werde das Astramantra wiederholt.

74.31 In der Hauptfeuergrube opfere der kundige Lehrer nur Ghee mit Shaktis Wurzelmantra und danach der Reihe nach mit ihren Gliedermantras.

74.32 Für die Vidyeshvaras, die Herren der Scharen, die Richtungshüter und alle ihre Waffen bringe er der Reihe nach zehn beziehungsweise fünf Gaben dar.

74.33 Dann berühre der Kundige das Linga samt Sockel mit der zugehörigen Mantrasammlung und bringe das Svishtakrit-Opfer dar.

74.34 Er besprenge die Feuerstellen und beende das Feueropfer. Am klaren Morgen verrichte der Lehrer zusammen mit den Opferpriestern

74.35 die täglichen Pflichten, betrete den Pavillon und verehre der Reihe nach die Gottheiten in den Gefäßen und Feuergruben.

74.36 Er entfache das Feuer und gebe überall mit dem Opferlöffel unter Sarvatma-Hridaya die Vollopfergabe, begleitet vom Schall der Muschelhörner und Trommeln.

74.37 Er besprenge die Feuerstellen, verabschiede die angerufene Gegenwart des Feuers und trete in das innere Heiligtum. Mit dem Waffenmantra entferne er sämtliche Stoffe, Girlanden und weiteren Hüllen.

74.38 Dann bade er das Linga samt Sockel mit Duftwasser unter Sarvatman und bringe mit Om Arghya dar.

74.39 Man hebe die Gefäße auf, umschreite unter dem Klang aller Instrumente den Tempel im Uhrzeigersinn und trete ein. Vor Shiva

74.40 stelle man die Gefäße wie zuvor auf. Der Guru gestalte seinen Körper aus Mantras, verehre mit Duftstoffen und Blumen und bereite den Sitz am Fuß des Linga.

74.41 Mit dem Wasser aus dem Gefäß, das über den Grasbüschel fließt, rufe der Mantrakundige unter dem Wurzelmantra den Gott in das Linga und Shakti in die Göttin.

74.42 Rings um den Sockel setze er wie zuvor die Vidyeshvaras mit ihren jeweiligen Mantras ein. Dann vollziehe er mit diesen Gefäßen das Übergießen.

74.43 Den Gott bade er mit dem Wasser des Shiva-Gefäßes, den Sockel mit dem Vardhani. Mit den übrigen bade er das Linga unter dem Kalatman-Mantra.

74.44 Dann verehre der Lehrer den Herrn der Götter nach dem Verfahren der Puja. Er bringe die fünf Opferspeisen dar, beginnend mit rein gekochtem Reis.

74.45 Er reiche Betel mit wohlriechenden Zutaten. Danach gebe man dem Lehrer und den übrigen Beteiligten den genannten Opferlohn.

74.46 Drei Tage lang reiche man den Brahmanen schmackhafte Speisen. Bei unbeweglichen, bildhaft gestalteten Gottesformen, Janardana,

74.47 vollziehe der Kundige die Wiederheiligung mit fünf Feuern. Bei beweglichen Gottesbildern führe man ein Befriedungsfeueropfer

74.48 und nach Vermögen eine Waschung zur Reinigung aus. Beim Besprengen des Tempelbaus bereite man in den vier Richtungen, vom Osten beginnend,

74.49 sowie im Nordosten jeweils einen geglätteten, mit Kuhdung bestrichenen Platz und darauf eine Opferfläche.

74.50 Darauf stelle man fünf mit Fäden, Stoffen und Grasbüscheln versehene, wassergefüllte Gefäße. In den Richtungsgefäßen verehre man die dort befindlichen Gottheiten.

74.51 Shiva verehre man im Nordosten. Vor den Gefäßen vollziehe man das Feueropfer mit Brennhölzern, Ghee und gekochter Opferspeise, jeweils fünfzigmal,

74.52 der Reihe nach mit den Wurzel-, Augen- und Waffenmantras der Gottheiten. Dann gebe man die Vollopfergabe unter dem Laut Om.

74.53 Nach diesem Feueropfer vollziehe man vorschriftsmäßig die Segenssprechung, Hari. Mit den Gefäßen besprenge man den Tempel, bei Ishana beginnend,

74.54 unter den jeweiligen Waffenmantras, nachdem der Lehrer alles Unreine entfernt hat. Beim Stier und den übrigen Gottheiten sowie an den Sockelplätzen

74.55 finde vorschriftsmäßig eine Waschung mit Befriedungsfeueropfer statt. Wird die Stätte des Feuerrituals verunreinigt, verabschiede man zunächst die Gegenwart des Feuers.

74.56 Man besprenge mit den fünf Kuhprodukten, richte das Feuer in einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche wieder ein und vollziehe das Befriedungsfeueropfer.

74.57 So ist es für die Feuerstätte angegeben. Damit ist die Wiederheiligung erklärt. Auch einen Pavillon, ein Torturmgebäude, eine Umfassungsmauer, eine Halle oder ein Kloster,

74.58 oder ein Haus, das vorschriftsmäßig errichtet wurde, besprenge man auf diese Weise zur Reinigung. Das Verfahren wird nun genannt.

74.59 Östlich davon oder in seiner Mitte richte man auf dem Boden einen geglätteten Platz ein. Man bestreiche ihn mit Kuhdung und bereite vorschriftsmäßig eine Opferfläche.

74.60 In ihre Mitte stelle man ein mit Duftwasser gefülltes Gefäß, versehen mit Gold, Stoff, Grasbüschel und Deckel.

74.61 Dort vollziehe man die Segenssprechung und verehre im Gefäß Brahma und Vastoshpati. Östlich davon führe man das Vastu-Feueropfer

74.62 nach der früher angegebenen Vorschrift aus. Östlich oder nördlich davon zeichne man ein Feld von einundachtzig Feldern und verehre die Vastu-Gottheiten.

74.63 Nachdem man ihre Einsetzung wie zuvor vollzogen hat, verehre man sie und Vastoshpati im Gefäß, der Reihe nach mit den Gaben von Duftstoffen bis zur Opferspeise.

74.64 Unter dem Klang aller Instrumente hebe man das Gefäß auf und besprenge mit dessen Wasser und dem Grasbüschel den ganzen Bereich.

74.65 Der Mantrakundige gehe dabei im Uhrzeigersinn vor und verwende die reinigenden Mantras. Auch mit Sarvatman besprenge er den Pavillon oder das betreffende Gebäude. Danach bewirte man Brahmanen, die den Shiva-Gelübden ergeben sind.

Kapitel 75: Die Einsetzung des Linga-Sockels

75.1 Ich werde die Einsetzung der Pindika erklären, ein Mittel zu Lebensgenuss und Befreiung. Wo ein Sockel verfallen ist, lasse man ihn neu anfertigen.

75.2 Man entferne ihn und stelle insbesondere dieselbe Form wieder her. Eine viereckige Form kann auch in eine runde abgeändert werden.

75.3 Einen zuvor runden Sockel soll man jedoch nicht viereckig machen. Einen verfallenen Ziegelsockel kann man durch einen steinernen ersetzen.

75.4 Vor seiner Entfernung bewirte man Shiva-Yogis. Der Kundige bereite vorschriftsmäßig vor dem Linga eine Opferfläche aus Reis.

75.5 Darauf zeichne er einen Lotus mit acht Blättern und einer Samenkapsel. In die Mitte stelle er das mit weißen Fäden geschmückte Shiva-Gefäß,

75.6 gefüllt mit Duftwasser, versehen mit goldenem Lotus, Grasbüschel, Deckel und Stoff. Nördlich davon

75.7 stelle er ein entsprechend ausgestattetes Shakti-Gefäß auf. Dann rufe er Shiva aus dem Linga in sein Gefäß und Shakti Manonmani aus dem Sockel in ihres.

75.8 Mit den Handlungen von der Anrufung an und mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben verehre er sie der Reihe nach. Davor bereite er eine Opferfläche aus Sand.

75.9 Dort vollziehe er sorgfältig das Feueropfer nach der Vorschrift für die Überführung. Im Nordosten oder Norden des Tempels bereite er eine Opferfläche,

75.10 stelle die Gefäße darauf und verehre sie bis zur Darbringung der Speisegaben. Dann verehre er das Linga mit Sandelholz und einer Girlande.

75.11 Unter dem Kavachamantra umhülle er es mit Stoff. Dann entferne man die gesamten Sockelteile und versenke sie in tiefem Wasser.

75.12 Besteht der Sockel aus ungebrannten Ziegeln, fertige man ihn aus gebrannten Ziegeln neu, mit Mörtelpulver, das mit Kusha-Wasser angerührt wird.

75.13 Man stelle eine sehr schöne Pindika mit den vorgeschriebenen Merkmalen her. Unmittelbar nach ihrer Fertigstellung lasse der Kundige ihre Weihe ausführen.

75.14 Dafür errichte man vor oder seitlich vom Linga, im Nordosten oder Südosten, einen Pavillon. Als Maß werden sieben Ellen genannt.

75.15 Es gibt eine beste, mittlere und kleinste Ausführung mit jeweils drei Reihen. Seine Höhe entspreche dem Reihenmaß; in der Mitte befinde sich ein Altar. [Die Abstufung ist hier verkürzt überliefert.]

75.16 In den Hauptrichtungen lege man yoni-förmige, in den Zwischenrichtungen viereckige Feuergruben an. Die Hauptfeuergrube sei rund.

75.17 Bei einem Ritus mit fünf Feuern entfallen die Gruben der Zwischenrichtungen. Die wohlgestaltete runde Hauptfeuergrube errichte man im Nordosten.

75.18 Nördlich des Pavillons bereite man den Badepavillon mit Badealtar. Beide schmücke man wie zuvor mit Baldachinen und den weiteren Zierden.

75.19 Man bestreiche den Pavillon mit Kuhdung und bewirte dort Brahmanen. Dann vollziehe der Kundige die Reinigung

75.20 und lasse das Vastu-Feueropfer ausführen, nachdem er die Gottheiten verehrt hat. Den steinernen Sockel fertige man vorschriftsmäßig mit allen Merkmalen an.

75.21 Man bringe ihn in den Pavillon und stelle ihn auf den Altar. Mit Wasser, den fünf Erden und den fünf Kuhprodukten

75.22 reinige man ihn ringsum unter den fünf Brahmamantras. Danach bade man ihn mit Duftwasser unter der Shakti-Gayatri.

75.23 Anschließend umhülle man den Sockel zusammen mit einem guten Grasbüschel ringsum mit neuem, ganz reinem Stoff.

75.24 Auf dem Altar bereite man wie zuvor eine Opferfläche und ein Lager. Nach der Segenssprechung besprenge man es mit den fünf Brahmamantras.

75.25 Unter dem Klang aller Instrumente, begleitet von Gesang und Tanz, bringe man die Pindika dorthin und lasse sie auf dem Altar zur vorbereitenden Weihung ruhen.

75.26 Man lege sie unter der Shakti-Gayatri so auf das Lager, wie sie zum Linga ausgerichtet sein soll. Dann hebe man die beiden aufgestellten Gefäße, die Shiva und Shakti verkörpern,

75.27 auf und stelle sie mitten auf dem Altar östlich der Pindika nieder. Man entferne ihre bisherigen Stoffhüllen und ersetze sie durch neue.

75.28 Der Lehrer erneuere auch Grasbüschel und weiteres Zubehör und verehre sie vorschriftsmäßig. Ringsum stelle er acht mit Duftwasser gefüllte Gefäße auf,

75.29 mit Stoffen und Grasbüscheln versehen, vom Osten beginnend. Er vollziehe dort die Segenssprechung und verehre nach Shiva und Shakti

75.30 die Vidyeshvaras der Reihe nach mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben. Dann vollziehe er das Feueropfer; dessen Verfahren wird nun erklärt.

75.31 In den Feuergruben befinden sich vom Osten beginnend die Gestalten Vama und die übrigen Shaktis. In der Hauptfeuergrube ist Shakti Manonmani gegenwärtig.

75.32 Bei fünf Feuern befinden sich in den vier Richtungen Nivritti und die folgenden Kalas. Man verehre sie dort und richte das Feuer vorschriftsmäßig ein.

75.33 Dann opfere der Mantrakundige der Reihe nach Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, Sesam, schwarze Bohnen, Gerste und Senf in allen Feuergruben.

75.34 Mit Shaktis Wurzel- und Gliedermantras bringe er von jedem Stoff hundert oder fünfzig Gaben dar. Nach den Vyahriti-Formeln berühre er

75.35 den Sockel, vom Osten beginnend. Der Lehrer lasse auch die als Hüter der Gottesgestalten wirkenden Sadhakas diese Berührung ausführen.

75.36 Überall bringe der Guru gesammelt zusammen mit den Hütern der Gottesgestalten hundert Opfergaben mit dem Prasada-Mantra dar.

75.37 Für die Vidyeshvaras, die Herren der Scharen, die Richtungshüter und ihre Waffen opfere er der Reihe nach jeweils eine Gabe.

75.38 Dies vollziehe der Lehrer in der Hauptfeuergrube. Danach opfere er für die Shaktis in allen Feuergruben jeweils zehn Gaben.

75.39 Dann verehre er überall das Feuer und besprenge die Feuerstellen. So beende er das Feueropfer. Anschließend bringe er Shiva und den übrigen

75.40 Gottheiten in den Gefäßen Opferspeise und Betel dar. Während des Feueropfers sollen in den vier Richtungen der Rigveda und die übrigen Veden rezitiert werden.

75.41 Im Nordosten wiederhole man das Astramantra zur Beseitigung aller Hindernisse. Als Brennholz verwende man überall Palasha oder Udumbara.

75.42 Dann lasse man den Rest der Nacht vergehen. Am Morgen verrichte der Guru mit den Hütern der Gottesgestalten die täglichen Pflichten und verehre die Gefäße wie zuvor.

75.43 Er entfache das Feuer in den Gruben und gebe überall mit dem Opferlöffel unter Shaktis Wurzelmantra die Vollopfergabe. Danach hebe man den Sockel auf.

75.44 Unter dem Waffenmantra entferne man Stoff, Grasbüschel und die weiteren Hüllen. Man trage den Sockel im Uhrzeigersinn herum und trete in den Tempel ein.

75.45 Der Lehrer lasse ihn dort durch den Bildhauer unter dem Wurzelmantra einsetzen. In seiner Vertiefung lege der Kundige ringsum vorschriftsmäßig die Edelsteine nieder.

75.46 Zwischen Osten und Nordosten lege er einen Rubin. Dann fülle man die Öffnung mit Ashtabandha- oder Tribandha-Bindemasse.

75.47 Damit schließe man die Fuge zwischen Linga und Sockel lückenlos. Danach bade der Guru und gestalte seinen Körper zum Vidya-Körper.

75.48 Mit Turban, Obergewand und dem fünfteiligen Schmuck trete er ein und vollziehe die Segenssprechung in der Nähe des Linga.

75.49 Er reinige Linga und Sockel mit den fünf Erden und den fünf Kuhprodukten und bade sie der Reihe nach unter den fünf Brahmamantras.

75.50 Anschließend verwende er Duftwasser. Dann hebe man die vorbereitend geweihten Gefäße auf, trage sie auf den Schultern und umschreite den Tempel im Uhrzeigersinn.

75.51 Man trete ein und stelle die Gefäße Shivas und der übrigen wie zuvor vor dem Gott auf einer hergerichteten Opferfläche nieder. Der Guru setze sich dort

75.52 nach Norden gewandt und erfülle seinen eigenen Körper mit den jeweiligen Mantras. Dann verehre er wie zuvor mit Arghya, Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben.

75.53 Unter innerer Wiederholung des Wurzelmantras übertrage er den Gott Shiva in das Shiva-Linga. Er verwende den Grasbüschel des Gefäßes und bade das Linga mit dessen Wasser.

75.54 Mit Sarvatma-Hridaya lasse er ebenso Manonmani aus dem Shakti-Gefäß in den Sockel eintreten. Unter der Shakti-Gayatri

75.55 bade er den Sockel mit dessen Wasser. Dann verwende er die acht weiteren Gefäße und lege die Mantras der Vidyeshvaras an den jeweiligen Stellen nieder.

75.56 Mit ihnen bade er den Herrn der Götter und verehre ihn mit dem Wurzelmantra samt Gliedermantras. In die Pindika lege er ihr eigenes Wurzelmantra.

75.57 Die sechs Gliedermantras, beginnend mit dem Herzen, lege er vom Osten an nieder. Das Augenmantra befinde sich im Nordosten, das Waffenmantra im Südosten.

75.58 Dann bade der Mantrakundige Linga und Sockel mit Duftwasser unter den reinigenden Mantras und danach mit dem Samvatsaratman-Mantra.

75.59 Er verehre Linga und Sockel mit Sandelholz, Girlanden, Schmuck und Stoffen. Auch den Lehrer ehre man der Reihe nach.

75.60 Man bringe reichlich Opferspeise und Betel dar. Wer diese vorzügliche Einsetzung des Sockels ausführen lässt, erlangt Glück in dieser Welt und erreicht das höchste Ziel.

Kapitel 76: Die Behebung ritueller Versäumnisse

76.1 Ich erkläre dir die Sühnehandlungen bei Festen und anderen Opferriten. Ein Versehen bei den vorgeschriebenen Handlungen, sei es hinsichtlich eines Mantras,

76.2 des Vollzugs oder der verwendeten Stoffe, wird hier Praya genannt. Seine Behebung heißt Chitta. Daher spricht man von Prayashchitta.

76.3 Fehler bei Mantras sind falsche Wörter, abweichende Aussprache, fehlende Betonung sowie hinzugefügte oder ausgelassene Laute. Die fehlerhaft gesprochenen

76.4 Mantras spreche man richtig und vollziehe die Handlung erneut ordnungsgemäß. Zur Beseitigung des Mangels wiederhole man dort Sarvatman hundertmal.

76.5 Vertauschung, Auslassung und unnötige Wiederholung sind Fehler des Vollzugs. Wenn sie auftreten, führe man alles noch einmal in der richtigen Reihenfolge aus.

76.6 Zur Befriedung dieses Mangels wiederhole man das Pingala-Mantra hundertmal. Wurden solche Fehler bei Mantra oder Handlung absichtlich begangen,

76.7 ist die Zahl der Wiederholungen dieser beiden Mantras zu verdoppeln. Nun werden die Fehler hinsichtlich der verwendeten Gegenstände erklärt.

76.8 Wenn beim Keimsaatritus die Pflanzschalen, kleinen Gefäße oder das Soma-Gefäß umfallen, zerbrechen oder verloren gehen,

76.9 stelle man bei einem bloßen Umfallen das Gefäß wie zuvor wieder auf. Man zeige die Dhenu-Mudra und spreche Om.

76.10 Man verehre mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben und wiederhole Bahurupa hundertmal. Ist ein Gefäß zerbrochen, entferne man es und stelle ein neues wie zuvor auf.

76.11 Der Kundige verehre es, schließe den Ritus ab und lasse ein Befriedungsfeueropfer ausführen. Auch wenn die Keimlinge zugrunde gehen, vollziehe man ein solches Opfer.

76.12 Wo die Keimsaat nicht zur angegebenen Zeit bereitet wurde, stelle man dort die Keimlinge bereit und wiederhole Aghora hundertmal.

76.13 Für die sofortige Bereitstellung von Keimlingen wird ein frisch zusammengestelltes, weißes, dichtes Bündel von Trieben genannt, das man in die Pflanzschalen und anderen Gefäße legt.

76.14 Wenn beim Stierritus Gefäße umfallen oder zerbrechen, sollen die Kundigen Mantrawiederholung und Opfer in der zuvor beschriebenen Weise ausführen.

76.15 Bei einem Bruch verehre der Kundige dort vor dem Gott den Stier besonders mit Duftstoffen und Blumen und bringe Mungbohnenreis dar.

76.16 Wenn beim Fahnenfest Fahne oder Zubehör zu Boden fallen, schließe man die begonnene Handlung ab und trete danach in das Heiligtum.

76.17 Ist das Bildnis unversehrt, wiederhole man das Mantra hundertachtmal. Bei einem Bruch beschaffe man einen Ersatz und vollziehe dessen sofortige vorbereitende Weihung.

76.18 Dann richte man ihn auf und umschreite den Tempel im Uhrzeigersinn. Vor dem Stier vollziehe man ein Befriedungsfeueropfer und beende den Ritus.

76.19 Fällt ein Bildnis oder ein anderer Kultgegenstand ohne Bruch zu Boden, vollziehe man vorschriftsmäßig seine Waschung und davor ein Feueropfer.

76.20 Liegt eine Beschädigung vor, stelle man sie unverzüglich und sorgfältig wieder her. Der Kundige setze das Bildnis nach dem für die Erneuerung beschriebenen Verfahren wieder ein.

76.21 Fallen beim Hissen Fahne oder Mast um und bleibt der Mast unversehrt, stelle man denselben wieder auf.

76.22 Auch die unbeschädigte Fahne bringe man wieder an, nachdem man Sarvatman wiederholt hat. Tritt beim Aufrichten eine Lockerung oder ein Bruch auf,

76.23 beschaffe man einen anderen Mast und bereite ihn wie zuvor. Auch für die Fahne vollziehe man die vorbereitende Weihung und die weiteren Riten und umschreite den Tempel.

76.24 Der Verfahrenskundige richte sie noch an diesem Tag oder in der Nacht auf und verehre den Stier und den Gott zusammen mit einem Befriedungsfeueropfer.

76.25 Fällt die Fahne wegen eines gerissenen Seils oder einer beschädigten Vorrichtung, richte man unverzüglich nach einer Segenssprechung den Sockel ordnungsgemäß her.

76.26 Davor vollziehe man ein Befriedungsfeueropfer zusammen mit der Verehrung Chandas. Wird die Fahne durch Diebe oder andere fortgenommen, verfahre man entsprechend. [Die Bezeichnung der Verursacher ist in dieser Zeile unsicher.]

76.27 Man beschaffe eine andere Fahne, vollziehe die sofortige vorbereitende Weihung und umschreite den Tempel, nachdem man Sarvatman wiederholt hat.

76.28 Dann hisse man die Fahne unverzüglich. Noch am selben oder am folgenden Tag vollziehe man die Waschung des Gottes mit einem Befriedungsfeueropfer.

76.29 Wenn die bereits gehisste Fahne zerreißt oder sonst beschädigt wird, gebe der Kundige sie auf und richte vorschriftsmäßig eine neue her.

76.30 Fällt beim Schlagen der großen Trommel der Dreizack zu Boden, wiederhole man Bahurupa und verehre den Dreizack ordnungsgemäß.

76.31 Nach Abschluss der übrigen Handlungen vollziehe man seine Waschung mit einem Befriedungsfeueropfer. Bei einem Sturz oder Bruch

76.32 lege man ihn dort auf eine hergerichtete Opferfläche. Fehlt die Ashtabandha-Bindemasse, verwende man eine erdige, wasserfreie Unterlage. [Der Wortlaut ist hier stark verkürzt.]

76.33 Dann bringe der Kundige Ashtabandha an und befestige alles sehr fest. Lackharz, Sarja-Harz, Wachs, Kuruvinda, Guggulu,

76.34 roter Ocker, Rohzucker und Öl bilden das sogenannte Ashtabandha. In ein Kupfergefäß gegeben und gekocht, soll die Masse klebrig werden.

76.35 Dies ist die gekochte achtteilige Bindemasse. Nun wird die ungekochte beschrieben: Triphala, Muschelpulver, Rohzucker und Bananenfrucht,

76.36 Dickmilch, Ghee, Milch und Wachs verreibe man zur achtteiligen Bindemasse. Kies beziehungsweise mineralisches Pulver, Kundurushka-Harz und frische Büffelbutter

76.37 gebe man in einen Mörser und zerstoße sie mit dem Stößel. Mit einem Anteil der klebrigen Masse stelle man eine feste Verbindung her.

76.38 Das als Sharkara bezeichnete Pulver, frische Büffelbutter, Muschelpulver und die doppelte Menge Sand nehme man

76.39 und verreibe alles mit Rohzucker. Man bringe es an der betreffenden Stelle in die Fuge ein. Dann vollziehe man wie zuvor Waschung und Befriedungsfeueropfer.

76.40 Fehlen Mörtelarbeit oder die erforderliche Befestigung am Standort, droht nach dem Text eine schwere Seuche. Man führe die Verbindung deshalb erneut aus.

76.41 Man lasse den Segen für den glückverheißenden Tag sprechen und bade den Gott mit den Kuhprodukten. Ist das tragende Gerüst gefallen, verrückt, unvollständig,

76.42 verbrannt, verfärbt, an seiner Außenhaut gerissen oder nicht mehr mit dem Sockel verbunden, wird der Untergang des Dorfes als Folge genannt. [Shula bezeichnet hier das innere Traggerüst eines Bildnisses.]

76.43 Bei Sturz oder Verrückung richte man einen vorläufigen Sitz ein. Danach setze man das Gerüst nach dem früher beschriebenen Verfahren wieder ein.

76.44 Man stelle das Bildnis vorschriftsmäßig her und vollziehe die Wiederheiligung durch Besprengen. Die Körperteile werden in Hauptglieder, Nebenglieder und weitere Einzelglieder unterschieden.

76.45 Das Hauptglied ist der tragende Hauptstab, hier Brahma-Stab genannt. Bruststab, Hüftstab, Arme, Ellbogenbereiche,

76.46 Oberschenkel, Knie und Unterschenkel werden Nebenglieder genannt. Alles Übrige erkenne der Kundige als weitere Einzelglieder.

76.47 Fehlt der Brahma-Stab, beginne man die Einsetzung des Gerüsts neu. Fehlen Neben- oder Einzelglieder, stelle man die Verbindung wieder her.

76.48 Man verwende dafür das jeweils entsprechende Holz und füge es bei der Einsetzung ordnungsgemäß ein. Bei Brüchen und anderen Schäden vollziehe man die Wiederherstellung.

76.49 Ist die Arbeit innerhalb von sieben Tagen beendet, genügt die Unterbringung der göttlichen Gegenwart im Gefäß. Dauert sie länger, errichte man ein vorläufiges Heiligtum und vollziehe danach die Wiederheiligung.

76.50 Wird das Heiligtum durch Feuer verbrannt, besteht Gefahr durch Feuer. Man entferne sämtliche Kohlenreste und führe danach die Wiederherstellung aus.

76.51 Nach der Segenssprechung lasse man das Feueropfer für die Richtungen vollziehen. Wird das Bildnis oder Linga verbrannt, wird dies als Todesgefahr für den König gedeutet.

76.52 Ist das Linga oder Bildnis durch Feuer gerissen oder zerbrochen, entferne man es nach dem für die Erneuerung angegebenen Verfahren.

76.53 Ist ein Bildnis durch Feuer geschmolzen, lasse man es aus demselben Material, mit demselben Maß und derselben Gestalt neu herstellen.

76.54 Der Kundige lasse es danach gemäß der früheren Vorschrift weihen. Fehlen Neben- oder Einzelglieder, Stoffe oder Schmuck,

76.55 stelle man sie auf die zuvor genannte Weise wieder her. Danach vollziehe man die Wiederheiligung durch Besprengen und veranstalte das Fest.

76.56 Wurde ein Linga von Dieben verrückt oder von der Strömung eines Flusses fortbewegt, setze man es wie zuvor wieder ein, sofern es unbeschädigt ist und zurückgebracht werden kann.

76.57 Wird die Shakti des Gottes von Dieben fortgenommen, gilt dies als Verderben bringend. Man entferne diese Shakti und fertige ordnungsgemäß eine neue an. [Gemeint ist hier offenbar das Bildnis der Göttin.]

76.58 Ihre göttliche Kraft rufe man in den Gott zurück; für das neue Bildnis beschaffe man neues Metall. Das frühere Shakti-Bild entferne man und bringe es zehn Yojana weit ins Meer.

76.59 Der Kundige lasse Gott und Göttin zusammen weihen. Wird nach Abschluss der Einsetzung das frühere Bildnis zurückgebracht,

76.60 stelle man es vorschriftsmäßig in der Nähe auf und verehre es täglich mit Sorgfalt. Den Sockel kann man zusammen mit dem Linga aufgeben oder einen anderen herstellen lassen. [Die letzte Bestimmung ist im Zusammenhang nicht eindeutig.]

76.61 Fehlen die Begleitgottheiten, wird der Untergang der Dienerinnen und Diener befürchtet. Der vorzügliche Weihpriester stelle sie wie zuvor her und setze sie ein.

76.62 Sind Glieder der Begleitgottheiten beschädigt, stelle man sie wieder her. Der Kundige opfere mit ihrem jeweiligen Mantra Brennhölzer und Ghee

76.63 sowie gekochte Opferspeise, von jedem hundert Gaben der Reihe nach. Er besprenge, verehre mit Duftstoffen und den weiteren Gaben und lasse die Segenssprechung ausführen.

76.64 Fehlt der Bali-Sockel, wird der Untergang der Kühe genannt. Der Kundige gestalte den Sockel wie zuvor und setze ihn vorschriftsmäßig ein.

76.65 Ist er zerbrochen, umgefallen oder verbrannt, stelle man ihn wieder her. Nach der Segenssprechung vollziehe man ein Befriedungsfeueropfer.

76.66 Man lasse Shambhu baden und verehre ihn besonders. Wenn Hunde, Hühner, Esel, Schweine oder Affen

76.67 Linga oder Bildnis berührt haben oder in das innerste Heiligtum eingedrungen sind, drohen nach der Vorlage eine schwere Seuche und der Untergang des Dorfes.

76.68 Man gebe die irdenen Gefäße auf und reinige den Ort. Man bestreiche ihn mit Kuhdung und besprenge ihn mit den fünf Kuhprodukten.

76.69 Dort lasse man die Waschung ausführen und vollziehe ein Befriedungsfeueropfer. Berührt eine menstruierende Frau das Linga oder Bildnis

76.70 oder betritt sie das innerste Heiligtum, wird Unheil für die Frauen genannt. [Die betreffende Formulierung ist beschädigt; hier wird die historische Reinheitsvorstellung der Vorlage wiedergegeben.] Man entferne die irdenen Gefäße und bestreiche den Boden mit Kuhdung.

76.71 Man trage das Feuer ringsum und lasse die Segenssprechung vollziehen. Man bade den Gott und reibe ihn mit Bilva-Blättern ab.

76.72 Danach vollziehe man das Feueropfer für die Gottesgestalten und bewirte Brahmanen. Bei einer entsprechenden Berührung des inneren Tempelbereichs oder seiner Hallen

76.73 besprenge man mit den fünf Kuhprodukten und vollziehe die Segenssprechung. Wenn eine Wöchnerin das Bildnis berührt oder das innerste Heiligtum betritt,

76.74 werden Hungersnot und der Tod von Kindern als Folgen behauptet. Man entferne die irdenen Gefäße und bestreiche den Boden mit Kuhdung.

76.75 Man trage das Feuer ringsum und lasse die Segenssprechung ausführen. Nach den fünf Reinigungsschritten lasse man die Waschung vollziehen.

76.76 Danach führe man das Feueropfer für die Gottesgestalten aus und opfere mit dem Astramantra hundertmal. Man bewirte dort Brahmanen und vollziehe die Segenssprechung.

76.77 Bei Berührung durch einen Leichnam oder dessen Eindringen in das innerste Heiligtum werden der Untergang von Kindern und Enkeln sowie des Dorfes als Folgen genannt.

76.78 Man gebe die irdenen Gefäße auf, bestreiche den Boden mit Kuhdung und besprenge mit den fünf Kuhprodukten unter der Pavamana-Rezitation.

76.79 Man vollziehe die fünf Reinigungsschritte und die Segenssprechung. Danach führe man ein Befriedungsfeueropfer aus und opfere mit dem Wurzelmantra hundertmal.

76.80 Der vorzügliche Lehrer bewirte Brahmanen vorschriftsmäßig. Wird die tägliche Verehrung unterlassen, droht der Verlust der Stellung.

76.81 Fällt eine Verehrungszeit aus, sei die nächste doppelt auszuführen. Sind zwei Verehrungszeiten ausgefallen, lasse man ein Befriedungsfeueropfer vollziehen.

76.82 Sind drei Zeiten ausgefallen, bade man mit den fünf Kuhprodukten. Bei einem ganzen versäumten Tag lasse man eine rituelle Waschung ausführen.

76.83 Bei einem Ausfall von einem Tag und einer Nacht bis zu fünf Tagen vollziehe man Waschung und Befriedungsfeueropfer. Bei einem halben Monat vollziehe man das Richtungsfeueropfer und eine Waschung.

76.84 Bei einer Unterbrechung von mehr als einem Monat vollziehe man die Wiederheiligung mit Wasser. Wird das tägliche Feueropfer unterlassen, wird ausbleibender Regen als Folge genannt.

76.85 Bei einer ausgefallenen Zeit opfere man mit Pashupata hundertmal. Bei zwei ausgefallenen Zeiten opfere man mit dem Wurzelmantra hundertmal.

76.86 Ebenso vollziehe man mit Tryambaka das Feueropfer wie zuvor. Bei einem ganzen versäumten Tag opfere man mit den fünf Brahmamantras und den sechs Gliedermantras

76.87 jeweils hundertachtmal. Bei fünf versäumten Tagen lasse man eine Waschung ausführen.

76.88 Man opfere mit dem Wurzelmantra hundertmal und vollziehe Waschung und Befriedungsfeueropfer. Nachdem man mit Pashupata geopfert hat, wiederhole man es außerdem fünfhundertmal.

76.89 Unterbleibt der abendliche Schutzritus, wird Unheil für den Stifter genannt. Man bade den Gott mit den fünf Kuhprodukten und verehre ihn nach den Regeln der Puja.

76.90 Man vollziehe den vorgeschriebenen abendlichen Schutzritus und opfere mit dem Wurzelmantra hundertmal. Unterbleibt das Schwenken der Lichter, droht nach dem Text den Dorfbewohnern Hungersnot.

76.91 Man bade das Linga oder das betreffende Kultbild mit den fünf Kuhprodukten, verehre es nach der Puja-Vorschrift und lasse die Segenssprechung ausführen.

76.92 Nach hundert Wiederholungen des Shiva-Mantras vollziehe man das Schwenken der Lichter. Unterbleibt die Torverehrung, wird der Untergang der Feldfrüchte genannt.

76.93 Mit den jeweils eigenen Mantras verehre man die Gottheiten an den Toren wie zuvor mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben.

76.94 Wird das tägliche Fest unterlassen, wird der Verlust des Getreides genannt. Ist eine einzige Festzeit ausgefallen, bade man mit den fünf Kuhprodukten.

76.95 Man wiederhole das Wurzelmantra hundertmal und vollziehe das Fest wie zuvor. Bei zwei ausgefallenen Zeiten lasse man ein Befriedungsfeueropfer ausführen.

76.96 Bei einem ganzen Tag ohne Fest lasse man den Herrn baden. Bei fünf Tagen ohne Fest opfere man mit dem Wurzelmantra hundertmal.

76.97 Man lasse Shambhu baden und verehre ihn vorschriftsmäßig. Bei zehn Tagen vollziehe man Waschung und Befriedungsfeueropfer.

76.98 Bei einem halben Monat ohne Fest lasse man das Feueropfer für die Gottesgestalten ausführen. Man lasse Shambhu baden und verehre ihn besonders.

76.99 Ist das tägliche Fest einen Monat lang ausgefallen, opfere man mit den Vidya-Gliedermantras, den fünf Brahmamantras, den sechs Gliedermantras, den Haupt-Bijas und den zehnsilbigen Mantras

76.100 jeweils hundertmal; auch mit dem Wurzelmantra opfere man hundertmal. Dieselbe Zahl von Mantrawiederholungen vollziehe man und lasse danach eine Waschung ausführen.

76.101 Bei einem Ausfall von mehr als einem Monat lasse man das Richtungsfeueropfer ausführen. Man lasse Shambhu baden und verehre ihn vorschriftsmäßig.

76.102 Unterbleibt der Saukhya-Ritus, droht insbesondere eine schwere Seuche. Fällt er zu einer einzigen Zeit aus, vollziehe man das Übergießen mit den fünf Kuhprodukten,

76.103 verehre den Herrn der Götter und wiederhole das Wurzelmantra hundertmal. Bei zwei ausgefallenen Zeiten lasse man ein Befriedungsfeueropfer ausführen. [Danach folgt in der Vorlage nur noch das Wort »bei einem halben Monat«; der Satz bleibt unvollständig.]

Kapitel 77: Die Verehrung der bildhaft gestalteten Gottheit

77.1 Ich werde die Verehrung der verkörperten Gottesgestalt erklären, die alle gewünschten Früchte gewährt. Man vollziehe Reinigung, rituelles Wasserschlürfen, Bad, Verehrung zu den Tagesübergängen und Wasserspenden.

77.2 Dann betrete man den Tempel, wasche die Füße und schlürfe das Wasser ordnungsgemäß. Man nehme heilige Asche zusammen mit Wasser,

77.3 trage die drei waagerechten Aschestriche vorschriftsmäßig auf und vollziehe die Mantra-Niederlegung an den Händen. Mit der so geweihten Hand verbinde man ehrfürchtig sich selbst mit Shiva.

77.4 Es folgen Reinigung der Elemente, Überflutung mit Nektar und Anrufung des Selbst. Bei der Niederlegung an den Händen setze man die Brahmamantras ein, beginnend mit Ishana.

77.5 Bei der Niederlegung der Kalas am eigenen Körper lege man Ishana in den Scheitel und den vollständigen Purusha in das Gesicht, unter innerer Wiederholung des Mala-Mantras.

77.6 Alles Weitere sei wie zuvor. Man lege einunddreißig Kalas nieder. Dann vollziehe man das innere Opfer und führe die Reinigung des Ortes aus.

77.7 Man bereite das besondere Arghya mit Duftstoffen, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern. Wie zuvor reinige man die Opferstoffe durch die vier Handlungen, beginnend mit dem rituellen Blick.

77.8 Nachdem man sich selbst verehrt hat, vollziehe man die Mantrareinigung. Das Tor besprenge man mit dem Astramantra; davor verehre man den Stier.

77.9 An den beiden Seiten des Tores verehre man Ganapa und Sarasvati, Nandin und Mahakala, Ganga und Yamuna.

77.10 An der Türschwelle verehre man die göttliche Waffe. Man trete in den Innenraum ein, bringe Vastvisha eine Blume dar und gebe Arghya-Wasser auf den Scheitel

77.11 Shivas unter dem Ishana-Mantra. Man entferne die Girlanden und das übrige Zubehör und reinige vorschriftsmäßig mit Tüchern oder Wasser.

77.12 Man vergegenwärtige sich die tragende Grundlage, Ananta, Dharma und Adharma und die weiteren Träger, die unteren und oberen Lotusblätter, die Samenkapsel und die Schar der Shaktis,

77.13 beginnend mit Vama. Mit dem Herzmantra vergegenwärtige man sich Shivas Sitz. Darauf rufe man die Gestalt herbei und bilde ihren Vidya-Körper.

77.14 Dieser wird als dreifach verstanden: Sadashiva, Mahesha und Rudra. Was Shivas Leib genannt wird, heißt der aus Wissen und Mantras bestehende Vidya-Körper.

77.15 Shivas makellose Shakti, die untrennbar in ihm wohnt, ist selbst diese Gestalt. Entsprechend der Verschiedenheit ihrer Tätigkeit gilt sie als Leib Sadashivas.

77.16 Ebenso ist sie die Maheshvara-Gestalt, dann jedoch von friedvoller Erscheinung. Entsprechend heißt sie die Rudra-Gestalt, dann aber von furchterregender Erscheinung.

77.17 Die Kundalini-Shakti ist die Ursache dieser als Tätigkeitskräfte bezeichneten Gestalten. Brahma, Vishnu, Rudra, Mahesha und Sadashiva

77.18 sind die Ursachengottheiten und werden als Erkenner des Feldes bezeichnet. Als Ursache der Gestalten Brahmas und Vishnus gilt Maya.

77.19 Für Rudra, Ishvara und Sadashiva bildet die Kriya genannte Kraft den Körper. So werden Rudra, Ishvara und Sadashiva als drei Formen erklärt.

77.20 Deshalb heißt Shivas Körper aus Erkenntnis bestehend. Zur Verwirklichung dieser drei Körper bilde man zunächst die Gottesgestalt.

77.21 Man umschließe sie mit dem Herzmantra und gestalte darin die Brahmamantras. Dann vollziehe man die Kala-Niederlegung. Das Verfahren dafür wird hier erklärt.

77.22 Zur Bildung von Sadashivas Körper gelten achtunddreißig Kalas; für die Körper Rudras und Ishvaras werden einunddreißig Kalas genannt.

77.23 Die Niederlegung der achtunddreißig Kalas wurde bereits früher erklärt. Bei der Niederlegung der einunddreißig gilt eine bestimmte Besonderheit.

77.24 Die Gestalten Maheshas und Rudras haben nur einen Kopf und ein Gesicht. Dort verwende man Ishana und das vollständige Gesichtsmantra,

77.25 mit den zugehörigen Kalas, und gestalte alles wie zuvor. Man meditiere über Sadashivas Form und verbinde den betreffenden Laut mit dem vierzehnten,

77.26 mit dem sechsten Vokal, Bindu und Nada sowie dem Ende Sa. Man umschließe ihn mit dem Herzmantra und bilde so den Vidya-Körper. [Die verschlüsselte Lautbildung ist nicht eindeutig; eine vollständige Formel wird nicht ergänzt.]

77.27 So verfahre man bei einem Sadashiva-Bildnis und auch beim Linga. Mahesha in Gestalten wie dem tanzenden Gott meditiere man als friedvoll,

77.28 entsprechend den Beschreibungen der Bildmerkmale und verbunden mit dem Mahesha-Mantra. Gestalten wie den Überwinder des Todes und den Töter des Elefantendämons meditiere man als furchterregend.

77.29 Mit dem jeweiligen Mantra bilde man ihren Vidya-Körper. Für Mahesha, Rudra und ebenso Sadashiva ist das jeweilige Mantra

77.30 zur Bildung des Vidya-Körpers bestimmt. Überall aber wird Shiva selbst angerufen. Sein Mantra wurde bereits im Abschnitt über die Herleitung der Mantras genannt.

77.31 Damit rufe man Shiva nach dem früheren Verfahren in die drei Körper. Anschließend vollziehe man Einsetzung und die weiteren Handlungen und bringe Maheshvara Fußwaschwasser und die folgenden Gaben dar.

77.32 Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und Betel: Alles führe man wie bei der Verehrung des gestaltlosen Linga aus.

77.33 Der Guru verehre mit fünf Umhüllungskreisen oder mit vier, drei, zwei oder einem, je nach der gewählten Anordnung und nach der früher angegebenen Vorschrift.

77.34 Sind Begleitgottheiten vorhanden, vollziehe man dort die Bali-Darbringung. Feueropfer und tägliches Fest vollziehe man für die jeweilige Hauptgottheit.

77.35 Auch den beschriebenen reinen Tanz führe man ganz nach dem Grundverfahren aus, verbunden mit Torhüterverehrung, Bali-Gabe und Feueropfer.

77.36 Oder man führe alle übrigen Handlungen unter Auslassung des reinen Tanzes aus. Für Natesha vollziehe man unter anderem zur Abenddämmerung das Schwenken der Lichter.

77.37 Feste, rituelle Waschungen, das Auflegen des Damana-Krauts, das ordnungsgemäße Anlegen der heiligen Fäden und das Krittika-Lichterfest,

77.38 die Darbietungen zum Jahresbeginn und bei anderen Anlässen, das Frühlingsfest, die monatlichen Feste und die Darbringung der neuen Ernte,

77.39 Sühneriten und die Erneuerung verfallener Kultgegenstände: Alles, was für den Gott angegeben ist, soll der vorzügliche Guru auch für die Göttin ausführen.

77.40 Besonders in Ashadha und Ashvina unter Purvaphalguni sind für die ursprüngliche Shakti die Pura-Handlungen und weiteren Riten auszuführen, o Bester der Zweimalgeborenen. [Der Ausdruck für den besonderen Ritus ist unsicher.]

77.41 Gauri ist die Gestalt Maheshvaras; bei Sadashiva ist es Manonmani. Mit dem Manonmani-Mantra bilde man Manonmanis Gestalt,

77.42 mit dem Gauri-Mantra diejenige Gauris, versehen mit sechsundzwanzig Kalas. Mit dem Adishakti-Mantra verehre man darin die ursprüngliche Shakti.

77.43 Mit demselben Mantra vollziehe man eine besondere Verehrung zur Verwirklichung des gewünschten Ziels, beginnend mit einem Tag bis zu sieben Tagen.

77.44 Man kann diese Dauer auch verdoppeln, verdreifachen, vervierfachen, verfünffachen, versechsfachen oder versiebenfachen, bis das Ziel der Handlung erreicht ist.

77.45 Dies heißt besondere Verehrung und gewährt die zuvor genannten Früchte. Anlassbezogene Riten sind nach den täglichen Pflichten auszuführen, ohne diese zu beeinträchtigen. Wenn während des täglichen Ritus ein besonderer Anlass eintritt […] [Hier bricht der Satz in der Vorlage ab.]

Kapitel 78: Ein besonderes Festverfahren

78.1 Das Fest kann auch nach einem anderen Verfahren ausgeführt werden. Man hisse eine einzelne Fahne, beginnend mit dem vorgeschriebenen Fahnenritus.

78.2 Noch am selben Tag, ihr Brahmanen, wenn die Sonne schwächer geworden ist, lasse man den Tag des heiligen Bades öffentlich bekannt machen. Ein auf einem Elefanten oder einem anderen Reittier Sitzender

78.3 aus der Chandala-Gemeinschaft verkünde ihn zusammen mit seiner Frau unter lautem Ausruf. Noch in derselben Nacht vollziehe man, beginnend mit dem Schlagen der großen Trommel,

78.4 vor dem Gottesbild und dem Dreizack wie zuvor die Anrufung der Gottheiten. Man verkünde den Badetag; die Bali-Darbringung im Dorf und außerhalb entfällt dabei.

78.5 Nachdem man dies allein im Tempel vollzogen hat, begebe man sich zu einem Gewässer. Der vorzügliche Guru bereite an dessen Ufer zwei Opferflächen.

78.6 Auf die eine stelle er den Dreizack, auf die andere die Gefäße. Er bade den Dreizack mit neun Gefäßen und tauche ihn ins Wasser.

78.7 Dann kehre man in das Heiligtum zurück. Am zwölften Tag von diesem Tag an beginne man erneut den Opferritus, der mit der Keimsaat beginnt.

78.8 Man vollziehe ein einzelnes Feueropfer und die Bali-Gaben im Dorf und den weiteren Bereichen. Täglich bei Tag und Nacht finde die Prozession des Gottesbildes statt.

78.9 Am fünften Tag streue man Sand, der mit dem Astramantra geweiht wurde, überall im Heiligtum aus, innen und außen.

78.10 Am achtzehnten Tag vollziehe man die Aussaat der Samen. In dieser Nacht hisse man für das heilige Bad in den acht Richtungen des Tempels

78.11 acht Fahnen, bezeichnet mit den Reittieren der Welthüter, mit deren Waffen oder mit dem Stier. Die Hüter der Gottesgestalten wirken dabei mit.

78.12 Von da an vollziehe man insbesondere das Feueropfer. Danach erfolgen Bali-Darbringung und Prozession des Gottesbildes.

78.13 So verfahre man neun Tage lang; am zehnten Tag vollziehe man das heilige Bad. In derselben Nacht senke man die acht Fahnen.

78.14 Von diesem Tag an führe man unter vielerlei Instrumenten, Gesängen und Tänzen

78.15 die Umrundung des Dorfes und den weiteren Festzug der Reihe nach aus. Nach sieben solchen Tagen lasse man alle festlichen Unternehmungen ruhen.

78.16 Eine weitere Woche vollziehe man die Waschung in Schweigen. Danach führe man Chandeshvara voran und lasse die Prozession des Gottesbildes folgen.

78.17 Sieben Tage lang führe man sie sorgfältig ohne Bali-Gabe und ohne das gewöhnliche Feueropfer aus. Am Ende verbinde man die Verehrung Chandas mit Feueropfer und Waschung.

78.18 Dann vollziehe man das heilige Bad zusammen mit dem Dreizack. In derselben Nacht senke man die Fahne nach dem früheren Verfahren.

78.19 Man kann dieses Verfahren auch ohne Prozession des Gottesbildes ausführen. Oder man fertige neun Speiselingas an beziehungsweise entsprechende Zeichen für die Waffen der Richtungshüter.

78.20 Mit diesen oder mit dem Dreizack vollziehe man die Bali-Handlung im Dorf und den weiteren Bereichen. Für das tägliche Fest kann man auch zehn Speiselingas und entsprechende Zeichen bereiten.

78.21 Oder nach Ablauf von zwölf Jahren vollziehe man die Aufstellung einer neuen Fahne. Ist die alte durch Verfall oder andere Mängel unbrauchbar, gebe man sie auf und setze eine andere ein.

Kapitel 79: Die Verehrung mit Damana-Kraut

79.1 Im Monat Chaitra ist das Auflegen des Damana-Krauts auszuführen. Das Grundverfahren ist dasjenige des Pavitra-Ritus; die Besonderheiten werden nun genannt.

79.2 Am siebten oder vierzehnten Mondtag begebe man sich zur Damana-Pflanze. Man reinige sie mit dem Astramantra und verehre sie mit den Mantras der Samhita.

79.3 Dann spreche der Mantrakundige die Pflanze mit den Worten Bhavas an: »Du bist aus Haras Gnade entstanden; sei hier gegenwärtig!

79.4 Für Shivas Werk sollst du auf Shivas Geheiß mitgenommen werden.« Nachdem man Damana so angesprochen hat, schütze man die Pflanze und kehre ins Heiligtum zurück.

79.5 Ist der Weg weit, bringe man die Pflanze mit Wurzeln und Erde herbei, pflanze sie wieder in ein mit Erde gefülltes Gefäß und begieße sie mit Wasser.

79.6 Der Kundige kann die Anrede auch im Haus nach dem zuvor beschriebenen Verfahren vollziehen. Wenn der Abend gekommen ist, führe man die vorbereitende Weihung aus.

79.7 Man beschaffe die Opfergegenstände, bade und vollziehe die weiteren vorbereitenden Handlungen. Dann verehre man vorschriftsmäßig die Sonne, Shankara und das Feuer.

79.8 Westlich des Herrn der Götter lege man die Wurzel mit Erde nieder, unter Sadyojata oder dem Herzmantra geweiht.

79.9 Im Norden lege man unter Vama oder dem Kopfmantra den Stängel und Dhatri nieder; im Süden Asche und Blätter unter Bahurupa oder dem Shikha-Mantra.

79.10 Im Osten lege man unter Purusha oder dem Kavachamantra das Zahnreinigungshölzchen mit Blüten nieder; im Nordosten die Frucht mit Duftstoff unter dem Wurzelmantra oder der Gayatri. Man nehme das fünfteilige Damana zusammen mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern in die zusammengelegten Hände. [Hier endet der vorliegende Abschnitt.]

Kapitel 80: Die Initiation

80.1 Wie ein loderndes Feuer trockenes und feuchtes Holz verbrennt, so werden gutes und schlechtes Karma durch das Feuer der Erkenntnis verbrannt.

80.2 Initiation durch den Blick, durch Berührung, durch das Wort, durch den Geist, durch die Lehrschrift, durch Yoga und durch das Feueropfer: Sie ist von vielerlei Art.

80.3 Wenn der Guru die Augen öffnet, über die Wirklichkeit meditiert und den Schüler zur Befreiung von den Fesseln anschaut, ist dies die Initiation durch den Blick.

80.4 Er legt Shiva samt den Brahma- und Gliedermantras in seine rechte Hand und berührt damit den Kopf und die weiteren Körperstellen des Schülers. Dies ist die Initiation durch Berührung.

80.5 Er sammelt den Geist in der Wirklichkeit und spricht, mit gesteigerter innerer Leuchtkraft, die Samhita-Mantras. Dies gilt als Initiation durch das Wort.

80.6 Erfolgt sie durch ein rein geistiges Verfahren, heißt sie geistige Initiation. Durch die Übermittlung der Lehrschrift wird die Initiation durch die Schrift vollzogen.

80.7 Durch Yoga geschieht die Yoga-Initiation, die im Shiva-Sein gegründet ist. Die Opferinitiierung verwendet das Mandala aus farbigem Pulver und die Feuergrube; sie wird als zweifach beschrieben.

80.8 Zusammenfassend wird die Initiation von den Kundigen in zwei Arten gegliedert: Die eine besteht in Erkenntnis, die andere in ritueller Handlung.

80.9 Die allein durch geistige Tätigkeit vollzogene Initiation, ohne Verehrungs- und Feuerriten, heißt erkenntnisgetragen. Sie entsteht aus dem unmittelbaren Erfassen der Wirklichkeit.

80.10 Diejenige mit Verehrung und Feueropfer, die aus der Kunst des rituellen Vollzugs hervorgeht, heißt handlungsgetragen. Sie wiederum hat viele Formen: ohne Samen und mit Samen.

80.11 Die samenlose Initiation gilt für Samayin und Putraka; die Initiation mit Samen gilt für Sadhaka und Acharya. [Der »Samen« bezeichnet hier fortbestehende Verpflichtungen und Befugnisse, nicht einen pflanzlichen Samen.]

80.12 Die samenlose Initiation wird ihrerseits als zweifach beschrieben: Die eine gewährt Befreiung unmittelbar, die andere beim Abfallen des Körpers.

80.13 Für Kinder, geistig Unverständige, Alte, Frauen, dem Lebensgenuss Zugewandte und Kranke wird die samenlose Initiation genannt, ohne die Verpflichtung auf die Samaya-Lebensregeln. [Diese Zuordnung entspricht der historischen Rollenordnung des Textes.]

80.14 Für Wissende und Fähige wird die Initiation mit Samen angegeben. Auch diese ist zweifach; die erste heißt Shivadharmini, die Shiva-Ordnung verleihende.

80.15 Sie wird für Sadhakas und Acharyas entsprechend Ort, Zeit und weiteren Bedingungen genannt. Das vielfältige frühere und künftige Karma, bestehend aus Dharma und Adharma,

80.16 wird dabei bewusst erfasst und gereinigt: Dies heißt Shivadharmini. Wird allein das unheilsame Karma gereinigt, heißt die zweite Form Lokadharmini, die weltliche Ordnung wahrende.

80.17 Besteht bei Samayin und Putraka nur die Berechtigung zu den täglichen Pflichten, gilt ihre Initiation als ohne weitergehende Befugnis; sie berechtigt nicht zu den anlassbezogenen Riten.

80.18 Da Sadhaka und Acharya dagegen zu den täglichen, anlassbezogenen und wunschbezogenen Handlungen insgesamt befugt sind, heißt ihre Initiation eine solche mit Befugnis.

80.19 Wo die Vereinigung mit Rudras Stufe oder mit Ishvaras Stufe stattfindet, ohne dass die Haarlocke abgeschnitten wird, liegt die zweifache Samaya-Initiation vor.

80.20 Wo die Locke als Zeichen der Fesseln abgeschnitten wird und die Vereinigung mit Shivas Stufe geschieht, heißt die Initiation Nirvana. Beim Putraka erfolgt sie ohne die weitere Abhisheka-Weihe.

80.21 Mit der Weihe für das zu verwirklichende Mantra gehört sie zum Sadhaka; durch die Weihe in alle Vidyas gehört sie zum Acharya.

80.22 Man vergegenwärtigt den Schüler als mit Shivas heiligenden Verwandlungen versehen und übergibt ihn Shiva. Ob durch rituelle Handlung oder durch die Kraft des Guru: Diese Initiation gewährt alle ersehnten Ziele.

80.23 Durch Initiation wird das verkörperte Wesen von der dreifachen Fessel des Daseins befreit. Die mit Feuergrube und Mandala ausgeführte Form heißt rituelle Initiation.

Kapitel 81: Die Verehrung beim nächtlichen Ruhen des Gottes

81.1 Man schmücke den Pavillon mit Baldachinen und Spiegeln, mit vielerlei Federwedeln und Lampen.

81.2 Jati, blaue Wasserlilien, Mallika, Kanaka, Kalhara, Lotus, Danta und Hribera:

81.3 Mit diesen genannten Blüten und duftenden Pflanzen schmücke man den Pavillon. In seiner Mitte bereite man das Lager auf folgende Weise.

81.4 Der Kundige verehre es gemäß der Vorschrift. Der Guru verehre Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschermacht.

81.5 Auf der Unterlage verehre man Pinaka, an der Rundung Kundalini sowie Erkenntniskraft, Handlungskraft und Willenskraft.

81.6 Auch an der Schaukel und ihrer Rundung verehre man Kundalini und die weiteren Kräfte. In die Kette lege man den Stier, in deren Ring Bindu.

81.7 Auf das Brett lege man der Reihe nach Shuddhavidya und Manonmani. Man verehre die Bhoga-Shakti nach der früher angegebenen Vorschrift.

81.8 Zusammen mit Vama und den weiteren Shaktis verehre man sie und bringe Räucherwerk und Licht dar. Sandelholz, Safran und Rochana, mit Kampfer vermischt,

81.9 und alle weiteren Duftstoffe lege man auf die linke Seite. Betel, Atemduftmittel und kühles Wasser stelle man rechts bereit.

81.10 Allen Schmuck, die Girlanden und die übrigen Zierden lege man davor. Nachdem man den Herrn der Götter nach dem früheren Verfahren verehrt hat,

81.11 umschreite man den Tempel im Uhrzeigersinn und betrete das Ruhegemach. Man bringe Fußwaschwasser, Wasser zum Mundspülen und Arghya dar und schwenke Kampfer als Licht.

81.12 Man hebe Gott und Göttin auf das Lager und verehre sie. Den Herrn der Götter, den höchsten Shiva, verehre man mit seiner höchsten Shakti.

81.13 Nach dieser vorschriftsmäßigen Verehrung bringe man Mundspülwasser und Arghya dar, dann süßen Reis, Milchreis, Früchte und Kuchen.

81.14 Man reiche die Speisegabe zusammen mit Trinkwasser und den weiteren Beigaben. Danach bringe man erneut Mundspülwasser und Arghya und schließlich Betel dar.

81.15 Noch einmal reiche man vorschriftsmäßig Mundspülwasser, dann besonders Räucherwerk und Licht. Es folgen Aratrika und das Schwenken der Lichter.

81.16 Man reiche die Ehrengaben von der heiligen Asche bis zum Palmblattfächer. Unter dem Klang vedischer Rezitation und von Lobgesängen,

81.17 von Muschelhörnern und Trompeten richte der Kundige das Licht her und ziehe den Vorhang zu.

81.18 Um Mitternacht verbinde man Shakti mit dem Gott auf dem Lager. Danach verehre man insbesondere Kshetrapala.

81.19 Zuletzt verehre man Shasta; dann lasse man die Menschen in ihre Häuser zurückkehren. Gegen Ende der Nacht, besonders unter dem Schall der Muschelhörner,

81.20 beende man den Ritus des nächtlichen Ruhens und richte Sadashiva im innersten Heiligtum wieder wie zuvor ein, nach der Vorschrift der Shiva-Schriften. Dies geschehe vor Sonnenaufgang; die Vorlage nennt drei Nadikas mit einem weiteren Viertelbezug, dessen genaue Zuordnung unklar ist.

Kapitel 82: Rituelle Trauer- und Unreinheitszeiten des Priesters

82.1 Hat die Übernahme eines Ritualamtes, ein Opfer, ein Ahnenritus oder die Vorbereitung der Opferspeise bereits begonnen und tritt währenddessen ein Fall von Geburtsunreinheit ein, gilt dieser während der Handlung nicht als hinderlich.

82.2 Ebenso entsteht während eines Festes, Feueropfers, einer Weihe oder Verehrung keine Unterbrechungspflicht durch rituelle Unreinheit. Nach Abschluss der Handlung halte man die entsprechende Unreinheitszeit ein.

82.3 Wird der mit dem Schutzband versehene Lehrer während des Festes krank, lasse er seinen Sohn, einen Schüler oder einen anderen geeigneten Menschen den Opferritus ausführen.

82.4 Zwei Tala bilden eine Elle, vier Ellen einen Bogen. Stirbt in derselben Straße innerhalb einer Entfernung von fünfzig Bogen ein Mensch,

82.5 entferne man den Leichnam rasch und vollziehe dann die Verehrung, o Bester der Menschen. Stirbt der Lehrer während der Vorbereitung des Fahnenhissens,

82.6 lasse man einen anderen Lehrer die Fahne hissen. Tritt während des Fahnenritus ein Fall ritueller Unreinheit ein,

82.7 verabschiede man am Ende die Welthüter und halte erst danach die Unreinheitszeit ein. Stirbt während des Fahnenfestes der einzige Sohn, der Vater oder die Mutter,

82.8 vollziehe der Lehrer nach Abschluss der Verbrennung, wieder mit dem Schutzband versehen, das Senken der Fahne und die übrigen Riten. Nach Abschluss des Opfers führe er die weiteren Trauerhandlungen aus.

82.9 Ist der Initiierte der einzige Sohn und stirbt seine Mutter oder sein Vater, soll er die Bestattungsriten ausführen. Die Unreinheitszeit wird nach dem Opfer eingehalten.

82.10 Für einen in Shiva Initiierten besteht in diesem Sinne keine Geburts- oder Todesunreinheit. Unreinheit haftet ihm nicht an, so wie Wasser einem Lotusblatt nicht anhaftet.

82.11 Hört der Guru vom Tod eines Angehörigen, gehe er zu dessen Haus. Hat er den verstorbenen Sohn oder einen anderen Angehörigen gesehen, bade er, reinige sich und vollziehe die Shiva-Verehrung.

82.12 Für den Träger des Shiva-Gelübdes besteht während der Handlung weder Todes- noch Geburtsunreinheit. Erst nach ihrem Abschluss wird die verbleibende Verpflichtung wirksam; am Ende wird er wieder rein. [Die letzte Formulierung ist verkürzt und wird im Sinne der vorangehenden Verse verstanden.]

Kapitel 83: Die Weihe und das Fest Shastas

83.1 So sind die Merkmale kurz erklärt, o Bester der Weisen. Vor dem Tag der Weihe lasse man die Keimsaat darbringen. [Der Anfang verweist auf eine hier nicht ausgeführte Beschreibung.]

83.2 Im Pavillon bereite man eine Opferfläche und stelle die Bildnisse darauf. Die Edelsteinniederlegung und die Verbindung der Teile vollziehe man mit Om und dem Herzmantra.

83.3 Mit dem Mantra »madhu vata« gebe man Honig und Ghee an die Augen. Mit »asunite« lasse man die Menschen aus dem Vaishya-Stand erblicken. [Die Bezeichnung dieser Gruppe ist unsicher.]

83.4 Mit dem Mantra »pashunam« zeige man eine Kuh mit ihrem Kalb. Nach der Reinigung des Bildnisses lasse man es im Wasser ruhen.

83.5 Vor dem Tempel errichte man einen Pavillon mit den vorgeschriebenen Merkmalen. In der Mitte befinde sich ein Altar, ringsum die Feuergruben.

83.6 Vom Osten beginnend lege man in den vier Richtungen viereckige Feuergruben an; im Nordosten eine runde mit den zuvor genannten Merkmalen.

83.7 Man verehre den vollständig ausgestatteten Pavillon. Auf dem Altar bereite man eine Opferfläche und mit dem Herzmantra das Lager.

83.8 Man nehme die Bildnisse aus dem Wasser und reinige sie mit dem Astramantra. Der Kundige binde nach der früher angegebenen Vorschrift das Schutzband an.

83.9 Man hülle sie in schwarzen Stoff und lege sie auf das Lager. Beim Kopf stelle man das Hauptgefäß und zwei Vardhani-Gefäße auf.

83.10 Davor stelle man auf dem großen Sockel mit dem eigenen Mantra ein Gefäß auf. Acht Gefäße für die Begleitgottheiten ordne man außerhalb des Altars an.

83.11 Sie seien mit Fäden, Deckeln, Stoffen, Gold, Grasbüscheln und Duftstoffen versehen und mit reinem Wasser gefüllt.

83.12 Mit den jeweiligen Mantras verehre man jedes einzeln bis zur Speisegabe. Dann beginne man das Feueropfer in einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche.

83.13 Von der Einrichtung bis zur Verabschiedung führe man alles nach dem Abschnitt über das Feuerritual aus. Inmitten des Feuers meditiere man über Shasta mit seinem Sitz und den umgebenden Gottheiten.

83.14 Nun werde ich das Festverfahren Shastas erklären; höre aufmerksam, Janardana. Es gewährt langes Leben, Gesundheit und Reichtum und lässt König und Reich gedeihen.

83.15 Es bringt dem Dorf Frieden, ist verdienstvoll und glückverheißend, gewährt alle Güter, überwindet die Gegner und schützt die eigene Gemeinschaft.

83.16 Es schützt das eigene Heer und vertreibt das feindliche. Im Monat Magha soll es an einem glückverheißenden Montag begangen werden.

83.17 Das erbetene Fest Shastas kann in allen Monaten stattfinden. Man vollziehe es einen halben Monat, neun Tage oder einen Tag lang.

83.18 Das eintägige beginnt mit dem Schutzband; auch ein neuntägiges oder einen halben Monat dauerndes Fest ist möglich. In einem selbstständigen Heiligtum vollziehe man das Fest bei einer Neueinrichtung.

83.19 Es ist von einem Adi-Shaiva auszuführen. Ich werde es erklären; höre nun. In einem selbstständigen Heiligtum vollziehe man die täglichen, anlassbezogenen und wunschbezogenen Riten.

83.20 Der Kundige führt das Fest Shastas für die fünf Bildnisse aus, beginnend mit dem Hauptbildnis. Darum beginne man das Fest Shastas mit aller Sorgfalt.

83.21 Es wird nach einem, drei, fünf, sieben oder neun Tagen unterschieden. Das eintägige heißt Shaiva, das dreitägige Gauna,

83.22 das fünftägige Bhautika, das siebentägige Bhauvana und das neuntägige Shantika. So ist die Einteilung fünffach.

83.23 Im jeweiligen Monat und an dem gewählten Tag, bei einem halben Monat oder neun Tagen, bestimme man zuerst den Tag des heiligen Bades und beginne dann die vorbereitende Weihung.

83.24 Nach seinem Beginn wird das Fest als dreifach beschrieben: mit Fahnenhissen, mit dem Schlagen der großen Trommel oder mit der Keimsaat.

83.25 »O Gott Shasta, Herr der Götter, du verwirklichst alle Früchte!« So spreche man Shasta an und trage ihm die Bitte vor:

83.26 »Ich werde ein großes Fest veranstalten. Sei dabei gegenwärtig!« Nachdem der Guru dies dem Herrn der Götter vorgetragen und seine Zustimmung erhalten hat,

83.27 schmücke er Bhutachanda und nehme die furchterregende göttliche Waffe auf. Er begebe sich an den Ort der Erde und hole sie wie zuvor beschrieben.

83.28 Im Nordosten des Pavillons streue man unenthülsten und enthülsten Reis aus. Man stelle das Soma-Gefäß auf, umgeben von Pflanzschalen.

83.29 Daneben setze man das Rohini-Gefäß. Mungbohnen, schwarze Bohnen, Pferdebohnen, Sesam, Senf, Adhaka-Bohnen,

83.30 Gerste, Weizen und Reis nehme man als neun Samenarten. Unter dem Shiva-Mantra benetze und weihe man sie mit Milch.

83.31 Die acht Bhutas und die Gottheiten Bhava und die übrigen werden als Gottheiten der Pflanzschalen genannt. Man verehre sie besonders.

83.32 Das mittlere Soma-Gefäß verehre man mit dem Wurzelmantra. Die Keimsaat erfolgt wie zuvor. Dann vollziehe man die vorbereitende Weihung der Fahne.

83.33 Das Fahnentuch messe sechzehn oder vierzehn Ellen, oder seine Länge entspreche dem Mast. Das Fahnenseil sei doppelt so lang.

83.34 Der untere Ausläufer sei so lang wie die Breite, der obere halb so lang. Man teile das Tuch in fünf Abschnitte; in die Mitte zeichne man den Elefanten als Reittier.

83.35 Man befestige das Tuch sorgfältig am Mast. Bhutas, Pferde, Schirm, Haarwedel und Svastika

83.36 sowie Räucherwerk, Licht und Girlande stelle man auf dem in fünf Abschnitte geteilten Tuch dar. Man verwende einen Areka- oder Bambusstab mit drei Verzweigungen.

83.37 Man verbinde ihn mit der Stange und befestige ihn am mittleren Ring. An der Stangenspitze bringe man einen Büschel aus hundert Darbha-Halmen an.

83.38 Er sei mit Darbha-Girlanden und einer Kette kleiner Glocken versehen. Nachdem das Tuch so hergestellt ist, vollziehe man das Öffnen der Augen.

83.39 So bereite man alles im Tempel vor. Höre nun die Vorschrift der vorbereitenden Weihung. Davor richte man den vorbereitenden Elefantenritus ein.

83.40 Pavillon und Weiteres seien wie zuvor, mit folgender Besonderheit: Man setze den Elefanten als Reittier und die acht Begleitgottheiten Shastas ein.

83.41 Das Bildnis sei mit seiner Shakti verbunden; davor stelle man das Gefäß. Fahnenmast und Lampensäule stehen vorne nahe beim Heiligtum.

83.42 Man verehre an den vorgesehenen Plätzen der Opferhalle und der Bali-Stätte. Die Opferfläche teile man ordentlich in vier Bereiche nach der Schrift.

83.43 Man lege die wirksame Bhuta-Waffe nieder, davor das Fahnentuch und davor das Gefäß für Shasta mit den acht Begleitgefäßen.

83.44 Davor stelle man die große Trommel mit allen vorgeschriebenen Merkmalen auf. Der Reihe nach verehre man alles mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben.

83.45 Zwischen Trommel und Gefäß vollziehe man in einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche das Feueropfer nach der früheren Vorschrift. Man lege Turban und weiteres Zubehör bereit.

83.46 Die Waffe gestalte man nach dem früheren Verfahren als Zeichen der Gottheit. Man nehme die Trommel auf und schlage sie mit den drei Mantras.

83.47 Nachdem die himmlischen Wesen angerufen sind, verehre ein gereinigter Parashiva mit einer Handvoll Blumen die Trommel, berühre beziehungsweise drücke sie und vollziehe die Verehrung.

83.48 Man hebe die Trommel unter lautem Schall auf und rufe die Gottheiten der Reihe nach. Nach der Umrundung des Dorfes im Uhrzeigersinn folge die Anrufung an den Verbindungsplätzen.

83.49 Nach der Anrufung der Gottheiten rufe man die Gottheiten der Verbindungsplätze herbei und verehre sie von Brahma bis Ishana.

83.50 Bei ihrer Sitz- und sonstigen Verehrung verwende man die jeweils eigenen Namensmantras. An jedem Verbindungsplatz vollziehe man die entsprechenden Ehrengaben.

83.51 Rhythmus, Melodie, Tanz, Gesang und Instrumentalmusik: Mit diesen fünf Ehrengaben verehre man die Gottheiten dieser Plätze.

83.52 Der Kundige vollziehe das Feueropfer auf einer sandigen Opferfläche. Als Opferstoffe dienen Brennhölzer, Opferspeise und Ghee.

83.53 Palasha, Khadira, Ashvattha, Vata, Udumbara, Bilva, Arka, Shami und Plaksha verwende man als Hölzer, mit Ghee benetzt.

83.54 Der vorzügliche Lehrer opfere hundert-, fünfzig-, fünfundzwanzig- oder sechzehnmal.

83.55 Er spreche das mit Om beginnende Mantra und die Shasta-Gayatri und opfere der Reihe nach mit den Brahma- und den sechs Gliedermantras.

83.56 Von der Einrichtung bis zur Verabschiedung verfahre man nach dem Abschnitt über das Feuerritual. Inmitten des Feuers meditiere man über Shasta und vollziehe Sitzbereitung, Anrufung und Verehrung.

83.57 Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, geröstetes Getreide, dessen Mehl, Gerste, Sesam, Kuchen, Pippali-Blätter, Bambussamen und schwarze Bohnen

83.58 opfere man mit den Mantras von Sadyojata bis Ishana. Von jedem gebe man hundert oder fünfzig Gaben und schließe mit dem Svishtakrit-Opfer ab.

83.59 Oder man vollziehe mit dem Gestaltmantra ein Fleischopfer. Als Ersatz für Fleisch kann man hundert Gaben reiner gekochter Speise opfern.

83.60 Oder man opfere mit dem Wurzelmantra tausend- oder achthundertmal. Mit dem jeweiligen Namensmantra vollziehe man das mantraeingeleitete Opfer.

83.61 Der Mantrakundige opfere die zuvor genannten Stoffe. Dann nehme er das Feuer-Bija auf und verbinde es mit der Mitte des Gefäßes.

83.62 Von der Sonnenverehrung bis zur Elefantenverehrung vollziehe der Kundige alles wie zuvor. Die Besonderheiten ergeben sich hier aus dem Elefantenritus.

83.63 Nachdem Fahnenmast und Zubehör bereitet sind, führe man die Handlungen am Prozessionsbild aus. Die Reihenfolge der Mastverehrung werde ich erklären; höre aufmerksam, Janardana.

83.64 Man rufe alle Gottheiten mit ihren jeweiligen Namensmantras an und verehre insbesondere Vighneshvara in seiner vollständigen Gestalt.

83.65 Man vollziehe die Segenssprechung und besprenge unter Mantras mit Shiva geweihtem Wasser. Es folgen Handreinigung, Hand-Nyasa und Körper-Nyasa.

83.66 Man besprenge den Mast und verehre ihn mit den Mantras. Man richte ihn am Vormittag, am Nachmittag oder in der Nacht auf.

83.67 Nachdem man Speisegabe, Räucherwerk und Licht dargebracht hat, führe man das Prozessionsbild in den Versammlungspavillon.

83.68 Dort bringe man erneut Speise dar und vollziehe Aratrika. Den Opferpavillon errichte man im Nordosten oder Südosten,

83.69 im Westen oder in der Nähe des Heiligtums. Er messe fünf, sechs oder sieben Ellen und habe sechzehn Pfeiler.

83.70 In der Mitte errichte man einen Altar von zwei, drei oder vier Ellen. Dazu gestalte man einen Nebenaltar mit einem Absatz von zwei oder drei Fingerbreiten.

83.71 Rings außerhalb des Altars lege man fünf Feuergruben an. Oder man verwende nur ein Feuer; für das Hauptfeuer sei die Grube rund.

83.72 In der Mitte des Altars bereite man eine Unterlage aus fünf Bhara unenthülstem Reis, halb so viel enthülstem Reis und wiederum halb so viel Sesam,

83.73 dazu halb so viel geröstetem Getreide. Man umgebe sie mit Darbha-Gras und Blumen und zeichne in der Mitte einen Lotus mit acht Blättern und Samenkapsel.

83.74 Man verehre mit Duftstoffen und Blumen unter den Bijas shrim und klim. Danach bringe man Räucherwerk und Licht dar und verehre der Reihe nach den Herrn des Opfers.

83.75 Höre auch von den Opfergeräten in der Nähe der Feuergrube. Man vollziehe an der Grube die vorgeschriebenen Heiligungen, beginnend mit dem rituellen Blick,

83.76 insgesamt achtzehn Heiligungen. Dann lege man den Sitz nieder, verehre Vagishvari und Vagishvara und rufe die Gestalt Shastas herbei.

83.77 Inmitten des Feuers rufe man ihn zusammen mit seinen Begleitgottheiten an. Brennhölzer, Ghee, gekochte Opferspeise, geröstetes Getreide, Senf, Gerste, Sesam,

83.78 Mungbohnen, schwarze Bohnen und Pferdebohnen opfere man mit dem Wurzelmantra, hundertachtmal, vierundfünfzigmal oder siebenundzwanzigmal.

83.79 Man kann das Feueropfer mit Schaf- oder Hühnerfleisch vollziehen, oder mit der dafür vorgeschriebenen Ersatzspeise, vermischt mit Ghee.

83.80 Der Reihe nach opfere man mit den fünf Brahmamantras, dem Wurzelmantra und den sechs Gliedermantras. Nach dem Feueropfer binde man das Schutzband an und setze Shasta mit seiner Shakti ein.

83.81 Auch die Waffengestalt stelle man dort auf und binde ihr das Schutzband an. Reis, das Schutzband und eine Kokosnuss

83.82 lege man zusammen mit Betel auf eine Schale und bedecke alles mit Stoff. Ein Diener trage sie auf dem Kopf; man umschreite den Tempelhof.

83.83 Vor Shasta angekommen, stelle man sie auf einen Dreifuß. Der Kundige fasse den rituellen Entschluss und verehre Vighnesha.

83.84 Man lasse die Segenssprechung ausführen und besprenge die Gestalten Shastas. Nach der Atemlenkung mit dem Wurzelmantra beginne man Hand- und Körper-Nyasa.

83.85 Der Kenner von Shastas Mantra verehre das Schutzband mit dem Brahmamantra. Er vollziehe den rituellen Blick und die schützende Umhüllung und zeige Lotus- und Dhenu-Mudra.

83.86 Danach bringe er Räucherwerk und Licht dar und verehre die Gestalt Shastas. Die Formen der Auflösung und des Genusses samt ihren Gliedern verehre er wie das Gestaltbild. [Die technische Gliederung ist hier stark verkürzt.]

83.87 Die Brahma- und Gliedermantras Shastas lege er vom Scheitel bis zu den Füßen nieder. Dann zeige der Kundige die sechs Mudras, beginnend mit der Anrufung.

83.88 Er bringe Räucherwerk und Licht dar und binde das Schutzband an, mit dem Tryambaka-Mantra und dem Mantra »brihatsama«,

83.89 außerdem mit dem Vers »vishvetta te«, jeweils der Reihe nach. Er bringe besonders Arghya und anschließend die Speisegabe dar.

83.90 Dann vollziehe er Aratrika mit den sechzehn Ehrengaben. Er bringe reine heilige Asche dar und lasse sie danach an die Verehrer verteilen.

83.91 Nach dem Anbinden gebe man Bali, auch die Bali-Gabe am Bildnis: Schaf, Huhn, Büffel, Honig und Fisch werden genannt.

83.92 Als anderes Verfahren dienen insbesondere Kuchen mit Sesammehl, Kurkumapulver und Kürbis für die Bali-Darbringung.

83.93 Sandelholz, rote Blumen, Räucherwerk und Licht bringe man dar, mit dem Wurzelmantra zur vorschriftsmäßigen Zufriedenstellung der Tagesgottheiten.

83.94 Im Osten setze man den Herrn der Yakshas ein, im Südosten den Rakshasa, im Süden den Pishacha und im Südwesten den Bhuta.

83.95 Im Westen setze man den Gandharva ein, im Nordwesten den Kinnara, im Norden den Herrn der Daityas und im Nordosten den Vidyadhara.

83.96 Ein Mann oder eine Frau bringe nachts Öl dar. Zu dieser Zeit finden alle festlichen Darbietungen zusammen mit sämtlichen Menschen statt.

83.97 Zur Befriedung ihrer Verfehlungen vollziehe man das abschließende Bad. Danach betrete der Guru den Tempel und anschließend die Opferhalle.

83.98 Er verehre den Herrn des Opfers und vollziehe das Opferfeuerritual. Besonders zur Behebung von Versäumnissen führe der Kundige ein Feueropfer aus,

83.99 mit hundertacht, fünfzig oder fünfundzwanzig Gaben. Nach jeder Stoffgruppe opfere er mit den Vyahriti-Formeln; mit sämtlichen Opferstoffen

83.100 vollziehe er insbesondere die mit »chitta« und »yaja« beginnenden Opferreihen. Mit dem Mantra »svishtam agne« bringe er dann die Vollopfergabe dar.

83.101 Den großen Opferlöffel besprenge er mit dem Astramantra und fülle seine Mulde mit Ghee. Mit Om lege er eine Blume, ungebrochene Reiskörner und Kusha-Gras hinein.

83.102 Den kleinen Opferlöffel lege er mit der Öffnung nach unten darüber. Dann greife er beide Löffel an den entsprechenden Enden ihrer Stiele,

83.103 mit der rechten und der linken Hand, und richte ihre Mündungen wie ein Muschelhorn aus. Mit geradem Körper erhebe er sich und stehe mit gleichmäßig aufgesetzten Füßen.

83.104 Die Stielansätze halte er auf Nabelhöhe. Mit der rechten und linken Hand hebe und senke er die Löffel so,

83.105 dass ein einziger Strahl in die Mitte des Feuers fällt. Mit dem Mantra der Gottheit vollziehe der Kundige die Vollopfergabe und schließe den Ritus ordnungsgemäß ab.

83.106 Er verehre die heilige Asche. Durch das Verfahren der Verbindung der feinen Kanäle übertrage er die Mantras der Feuergottheit in die Gefäße und von dort in Gott und Dreizack.

83.107 Dann verabschiede er die angerufene Gegenwart des Shiva-Feuers, der Gefäße und des Astra-Vardhani sowie sämtlicher Welthüter, Torhüter und weiterer Gottheiten.

83.108 So ist die Vollopfergabe beschrieben, verbunden mit der Gabe des Opferlohns. Dieser wird dreifach genannt; die unterste Stufe beträgt fünf Nishka.

83.109 Die Vorlage nennt ferner das Dreifache oder zehn Nishka und für den Lehrer wiederum das Dreifache. [Die Abstufung ist nicht eindeutig.] Entsprechend seinem Vermögen bringe man Stoffe, Gold und Ringe dar.

83.110 Man ehre den Lehrer und die Hüter der Gottesgestalten und stelle sie zufrieden. Beim Gefäß-Abhisheka bade man das Hauptbildnis.

83.111 Dazu hebe man das Gefäß des Opferherrn und die ringsum befindlichen Gefäße auf und stelle sie vor der Hauptgottheit an den entsprechenden Plätzen nieder.

83.112 Der vorzügliche Lehrer nehme das Hauptgefäß und übertrage seine Gegenwart in das Bildnis. Mit den Gefäßen der Begleitgottheiten bade man Sockel und Fußbereich.

83.113 Damit ist das Übergießen mit den Gefäßen erklärt. Höre nun die reine Waschungsverehrung. Man verwende neunundvierzig oder fünfundzwanzig Gefäße,

83.114 oder eine Waschung mit sechzehn, neun, fünf oder einem Gefäß. Mit den fünf Nektaren, den Kuhprodukten und weiteren Stoffen vollziehe man die besondere Verehrung.

83.115 Duftstoff, Blumen, Räucherwerk und Licht bringe man der Reihe nach dar. Die Speisegabe bereite man vielfältig mit Beilagen.

83.116 Danach reiche man Betel und vollziehe das Übrige wie zuvor. Dann trage man die Bitte vor: »Durch deine Gnade habe ich dieses

83.117 Fest vollendet, nachdem alle Hindernisse beseitigt wurden. Möge es gewiss die Frucht aller mit gesammeltem Geist gehegten Wünsche gewähren!«

83.118 So bitte und verehre man Shasta, den Herrn des Wohlergehens. Diese besondere Verehrung gewährt die ersehnten Früchte.

83.119 Man senke die Fahne und vollziehe danach den Chanda-Ritus. Anschließend bringe man für die Welthüter an den angegebenen Orten Bali dar.

83.120 Zum Schluss verabschiede man die Richtungshüter und lege Bali auf den großen Sockel. Nach dem Waschen der Füße betrete man den Tempel.

83.121 Wer mit Hingabe dieses unvergleichliche Shasta-Fest ausführen lässt, soll es besonders jedes Jahr begehen.

83.122 Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras sollen ihn besonders verehren. Von Vishu bis Makara verehre man und vollziehe sämtliche Riten. [Die Anfangsbezeichnung des Zeitraums ist unsicher.]

83.123 Man veranstalte das Jahresfest und in jedem Monat das Monatsfest. An einem Montag beginnend trage man die Bitte vor und vollziehe das Fest.

83.124 Es dient dem Wohl aller Welten, ist verdienstvoll, erfreut alle Götter, überwindet alle Feinde und beseitigt jede Bedrängnis.

83.125 Man wird frei von Furcht vor Bhutas, Pishachas und Rakshasas, von allen Verfehlungen gelöst und schon in diesem Leben wohlhabend. Nachdem man alle gewünschten Güter genossen hat, wohnt man schließlich lange in Shivas Welt.

Kapitel 84: Die Merkmale des geistigen Lehrers

84.1 Ich werde die Merkmale des Acharya erklären. Sie werden in zwei Arten unterschieden: grobe und feine. Ich lege sie kurz dar.

84.2 Die groben betreffen den Körper, die feinen das innere Wesen. Die mit dem Selbst vollzogene Verehrung gewährt Befreiung, du Treuer im Gelübde.

84.3 Man erkenne deshalb den von großer Weisheit erfüllten Lehrer und verehre ihn beständig. Erkenntnis, Meditation, eigenes Studium, Askese und rituelles Handeln:

84.4 Diese fünf großen Opfer habe ich der Reihe nach genannt. Unter diesen fünf habe ich die ersten beiden

84.5 als aus dem Selbst hervorgehende Qualitäten erklärt. Die übrigen, die durch Anstrengung der verkörperten Wesen entstehen, sind als von begrenzter Frucht zu erkennen.

84.6 Der Körper heißt deshalb grob, das Selbst fein. Darum soll der Weise nicht vor allem die äußeren Merkmale beachten.

84.7 Vielmehr ist hier die feine, so seltene innere Qualität entscheidend. Menschen aus Kashmir, Kosala, Kanchi, der Kaveri-Gegend und Konkana,

84.8 aus Kalinga, Kamarupa und der Gegend von Kashi; Menschen mit missgebildeten Nägeln, Kleinwüchsige, Bucklige, Hautkranke und Einäugige,

84.9 vorzeitig Ergraute, Menschen mit verkürzten Gliedmaßen oder vorstehenden Zähnen, mit fehlenden Gliedern, besonders Große, Dicke oder Kleine;

84.10 ferner Menschen voller Ichhaftigkeit und Zorn, Brandstifter, Giftmischer und Landräuber,

84.11 Habgierige, Mädchenräuber, Lügner, Hochmütige, Waffenträger und Menschen, die sich der Kriegskunst widmen,

84.12 übermäßige Esser, Jäger, dem Fleischgenuss Ergebene, Alkoholtrinker und ihresgleichen, Selbstgefällige und Streitsüchtige,

84.13 übermäßig in Dichtung Versunkene, Kleinmütige, Brahmanenschmäher, Menschen ohne die ordnungsgemäße Initiationsfolge und Kriegführende,

84.14 nicht Achtungswürdige, Unbarmherzige, allein um die Pflege ihres Körpers Bemühte, Menschen ohne Agama-Lebensführung, Leidenschaftliche und Wucherer,

84.15 Wahrsager, Gewalttätige, Spieler, Menschen, die von Heilverfahren oder von Geisterbeschwörung leben,

84.16 Verleumder, Undankbare, Verräter am Guru, Neidische, Grausame, Räuber fremden Eigentums und Menschen, die sich schlechten Taten hingeben:

84.17 Nicht alle unter diesen mit vermeintlichen Mängeln Behafteten sind zurückzuweisen. Diejenigen, deren Merkmale sich aus der Herkunft ergeben, können dennoch gute Eigenschaften besitzen.

84.18 Zurückzuweisen sind dagegen die anderen, deren inneres Wesen mit Fehlern behaftet ist. Die genannten Merkmale einer Herkunft aus Kashmir und den weiteren Ländern sowie körperliche Besonderheiten wie veränderte Nägel

84.19 sind von tugendhaften, die Wirklichkeit erkennenden Gurus nicht als Ausschlussgrund zu behandeln. Wer hingegen in seinem Innern von Ichhaftigkeit und den anderen Fehlern beherrscht wird,

84.20 der gilt als untauglich für das Lehreramt. Ein Lehrer sei in den vorgeschriebenen Handlungen erfahren, kenne Ort und Zeit, sei mitfühlend und in den Tantras bewandert.

84.21 Er sei von guter Herkunft, wahrhaftig, Shiva ergeben und Herr seiner Sinne. Er wirke zum Wohl aller Wesen, sei friedvoll, beherrscht und der Wahrheit verpflichtet.

84.22 Frei von Heuchelei und Habgier, halte er Reinheit und rechte Lebensführung ein. Er hege gegen kein Wesen Feindschaft, habe einen Sohn und sei frei von Verblendung.

84.23 Mit dem zufrieden, was ihm von selbst zukommt, sei er im Schreiben geschickt, aufrichtig, freundlich im Sprechen, dankbar und frohen Herzens.

84.24 Er kenne die Unterscheidung der drei Gunas und freue sich am Wohl aller Wesen. Er sei von Würde, ohne Hochmut, fähig und den Shiva-Verehrern zugetan.

84.25 Er sei ohne Begehrlichkeit, rein, bescheiden und liebevoll. Er kenne die Wirklichkeit, besitze Erkenntnis und Einsicht und kenne die Merkmale der kosmischen Wege.

84.26 Er kenne die rechte Zeit, sei im Ritual erfahren und in Veden und Vedangas bewandert. Er verstehe die Weihelehren und habe Erfahrung mit den Arbeiten am Baugrund.

84.27 Er sei seinem Guru ergeben, standhaft und mutig, mit Erkenntnis, rechtem Lebenswandel und rituellem Können ausgestattet. Er strebe nach dem Unsichtbaren, besitze vielseitiges Wissen, sei ohne Missgunst und fest in seinen Gelübden.

84.28 Ein solcher hochweiser Lehrer wird der Beste genannt. Wessen Herz ohne Unterschied allen Lebewesen gegenüber von Mitgefühl bewegt ist,

84.29 den nenne ich einen Lehrer, der den Sinn der Wirklichkeit kennt. Den Acharya nennt man Shiva selbst, und Shiva wird Acharya genannt.

84.30 Wer diese Nichtverschiedenheit erkennt, gilt als wahrer Kenner der Veden. Shiva wird in zweifacher Weise beschrieben: als unbeweglich und als beweglich.

84.31 Das feststehende Kultbild heißt der unbewegliche Shiva; den Lehrer kennt man als den beweglichen. Von der Weihe bis zur Verehrung lasse man alles durch diesen beweglichen Shiva ausführen.

84.32 Besonders durch den Sohn, Enkel oder Tochtersohn eines Acharya lasse man die Einsetzung und Verehrung vollziehen, denn die Linga-Einsetzung ist ihre vorrangige Aufgabe.

84.33 Wie die gestaltete Form aus dem Gestaltlosen hervorgeht, so der Sohn beziehungsweise Putraka aus dem Acharya. Ist dieser Sohn mit Erkenntnis ausgestattet, beachte man körperliche Mängel nicht.

84.34 Bei Menschen, die nicht in einer Lehrerfamilie geboren sind, prüfe der Tantra-Kundige die Merkmale. Haben sie körperliche Mängel, soll er sie nach dieser Bestimmung meiden. [Diese Einschränkung steht in Spannung zur allgemeineren Aussage der vorangehenden und folgenden Verse.]

84.35 Vollzieht es ein Acharya-Sohn, dient es dem Wohlergehen von König und Reich, dem Gedeihen des Stifters und der Entwicklung des Landes.

84.36 Ein körperlicher Mangel ist kein eigentlicher Fehler; ein innerer Fehler ist es. Bei wem Ichhaftigkeit und die anderen Fehler im Innern vorhanden sind,

84.37 den soll man nach Prüfung dieser Fehler sorgfältig meiden. Diese Regel wird hier für den Acharya-Sohn genannt und nicht in gleicher Weise für die anderen festgelegt.

84.38 Dort soll man nicht die Körpermerkmale, sondern das Herz betrachten. Durch Veränderungen der Elemente entstehen körperliche Beeinträchtigungen.

84.39 Auch unter den Göttern sind fehlende Glieder bekannt. Bei Sehern treten solche körperlichen Zustände aufgrund göttlicher Fügung auf.

84.40 Der als Aja bekannte, Shiva zugehörige Weise war in der Welt einbeinig. Auch er wurde einst initiiert und erlangte das Lehreramt.

84.41 Der mächtige Wagenlenker der Sonne war ohne Füße. Dennoch war er mit den acht Herrscherkräften ausgestattet und seit alter Zeit initiiert.

84.42 Dieser Sohn Kashyapas, mein Verehrer, begründete ebenfalls eine Überlieferung. Vainateya, der große Verehrer, hatte keine menschlichen Hände und wurde deshalb nicht verachtet.

84.43 Durch meine Initiation wurde er zum Lehrer, o Bester der Lehrer. Auch der Vritra-Töter wurde durch seine Verfehlung mit Ahalya entstellt.

84.44 Auch ihn initiierte ich, und er erlangte das Lehreramt. Ebenso war der Mond in einer früheren Weltzeit von Auszehrung befallen.

84.45 Weil er mir lieb war, empfing dieser Hochbegünstigte die Initiation. Dem hochweisen Urvater hatte ich einst einen Kopf abgeschlagen.

84.46 Auch ihm gewährte ich, von Mitgefühl bewegt, die Initiation. Alle diese alten Gottheiten sind als durch sie vervollkommnet zu erkennen.

84.47 Wozu noch viele Worte? Einst wurden die mächtigen Götter, Indra voran, durch Hiranyakashipus Gewalt an ihren Gliedern beschädigt.

84.48 Diese Tapferen gingen auf die Erde und verbargen ihre Gestalt. Nachdem lange Zeit vergangen war, wurden sie meine Verehrer.

84.49 Um ihnen Gnade zu erweisen, übernahm ich das Lehreramt. Ich nahm die Gestalt des Acharya an und zerriss ihre Fesseln.

84.50 Dadurch befreit, überwanden sie die furchtbaren Daityas im Himmel. So verhielt es sich mit den Göttern. Erkenne nun auch die Beispiele der Weisen.

84.51 Ashtavakra war hochweise und mit innerem Reichtum ausgestattet, voller Hingabe und Vertrauen und dem Wohl aller Wesen zugewandt.

84.52 Als ich ihn sah, gewährte ich ihm aus Mitgefühl die vollständige Initiation. Auch er, mit geistigem Reichtum versehen, bildete eine Schülerschar.

84.53 Agastya, der strahlende, von Brahma abstammende beste Weise, hatte einen Körper von nur Daumengröße und war doch reich an inneren Fähigkeiten.

84.54 Er war geschickt im Wirken des Acharya, initiiert, kundig in der Lehre der Weihen, mein Schüler und von vorbildlichem Charakter.

84.55 Auch viele andere hervorragende Weise, darunter der große Asket Valakhilya, wurden durch die Initiation befähigt und erlangten das Lehreramt.

84.56 Wozu noch mehr Worte? Auf die Beschaffenheit des Körpers kommt es nicht an. Die Kenner der Wirklichkeit sollen hier allein die Merkmale des inneren Wesens erfassen.

84.57 Darum verehre der Verständige mit aller Sorgfalt beständig einen Lehrer, der inneren Reichtum besitzt, so wie es die Lehrschrift zeigt.

Kapitel 85: Das aus Hingabe gestiftete Fest

85.1 Ich werde das Festverfahren erklären; höre mit gesammeltem Geist. Die Formen heißen Sayujya, Saubhagya, Saukhya und Mangala.

85.2 Ein Fest, das zu der vom Stifter gewünschten Zeit begangen wird, heißt hier Sayujya. Höre nun von Saubhagya.

85.3 Man vollziehe Fahnenritus, Feueropfer und Bali-Gaben und führe das Gottesbild aus. Dies wird Saubhagya genannt. Höre nun von Saukhya.

85.4 Man vollziehe die Prozession des Gottesbildes zusammen mit Bali-Gaben und Feueropfer. Dies heißt Saukhya. Höre nun von Mangala.

85.5 Die Verbindung von Fahne, Feueropfer, Bali-Gabe und Prozession heißt Mangala. Als Mondhäuser werden Ardra, Pushya, Magha, Uttara, Chitra,

85.6 Vishakha, Mula, Ashadha, Shravana, Purvabhadra, Ashvini und das Feuer-Mondhaus genannt, der Reihe nach für die Monate, beginnend mit dem Ardra-Monat.

85.7 Der Badetag kann mit einem Mondphasenfest zusammenfallen oder nicht. Ist dasselbe Mondhaus beim Sonnenaufgang an zwei Wochentagen wirksam,

85.8 vollziehe man den Baderitus während des zugehörigen Tages und der Nacht. Dauert es weniger als einen Yama, vollziehe man das Bad unter dem vorausgehenden Mondhaus.

85.9 In allen Monaten kann der Kundige das Fest mit Ardra als Abschlusstag, an einer Tagundnachtgleiche, am Ende einer Finsternis oder an einem anderen verdienstvollen Tag ausführen lassen.

85.10 Neun Tage gelten als beste, sieben als mittlere und fünf als kleinste Dauer des Festes.

85.11 Saubhagya und Saukhya können fünf, sieben oder neun Tage dauern; Mangala vollziehe man sieben oder neun Tage lang.

85.12 Nach einer besonderen Verehrung führe man das Gottesbild in Prozession aus. Man vollziehe die zur Prozession gehörende Waschung und fasse den Ritus in einer Verehrungszeit zusammen.

85.13 Am Ende vollziehe man ein Befriedungsfeueropfer und bringe reichlich Nahrung dar. Dies wird als das fünfgliedrige Sayujya bezeichnet.

85.14 Für die nächste Form vollziehe man zuerst die Keimsaat, zweitens das Anbinden des Schutzbandes, drittens die Reinigung des Baugrundes und viertens die Prozession.

85.15 Fünftens folgt der festliche Umzug beziehungsweise die Darbietung ringsum, sechstens das Anschauen des Tanzes, danach die Prozessionswaschung und achtens die besondere Verehrung.

85.16 Neuntens erfolgt das Befriedungsfeueropfer, danach die Vorbereitung des heiligen Bades, elftens der Pulverritus und zwölftens das heilige Bad.

85.17 Danach folgen die Verehrung des Lehrers, die Gabe des Opferlohns, das sühnende Übergießen und als sechzehntes die reichliche Speisegabe.

85.18 Diese sechzehngliedrige Form heißt Saubhagya. Bei der folgenden ist die Aussaat zuerst, das Anbinden des Schutzbandes zweitens,

85.19 der Trommelschall drittens, die Reinigung des Baugrundes viertens, das Waffenopfer fünftens und die Bali-Gabe sechstens.

85.20 Bei Saukhya, Vijaya und Pushkala sei die Bali-Gabe dreiteilig. Siebtens folgt die Prozession, achtens die festliche Darbietung ringsum.

85.21 Danach folgen das Anschauen des Tanzes, die Prozessionswaschung und die besondere Verehrung; zwölftens der rituelle Jagdauszug.

85.22 Danach erfolgen die Vorbereitung des heiligen Bades und der Pulverritus; fünfzehntens das heilige Bad und sechzehntens das schweigende Opfer.

85.23 Dann folgen das Übergießen mit den Opfergefäßen und die Gabe des Opferlohns. Das Saukhya-Fest wird als zwanziggliedrig bezeichnet. [Die Aufzählung nennt nicht zwanzig eindeutig getrennte Glieder.]

85.24 Mangala wird nach seinem Beginn mit Fahne, Trommel oder Keimsaat dreifach genannt. Man führe es nach dem früher beschriebenen Verfahren aus.

85.25 Nach dem vierundzwanziggliedrigen Fest wird nun Saubhagya der Reihe nach erklärt. Sieben, fünf oder drei Tage vor der Prozession

85.26 bringe der Kundige die Keimsaat nach dem früheren Verfahren dar. Man kann diesen Ritus ausführen oder auslassen.

85.27 In der Nacht vor dem Beginn des Opfers vollziehe man die vorbereitende Weihung. Besonders für die Prozession führe man den Schutzbandritus aus.

85.28 Das Band sei aus Gold, Silber, Leinen oder Baumwolle. Man fülle eine Schale mit Reis und lege Betel mit seinen Beigaben bereit.

85.29 In die Mitte lege man den Faden zusammen mit einem Aschebehälter, weißem Betel und Arekanüssen.

85.30 Dazu lege man eine Kokosnuss auf die Schale. Nach der Segenssprechung besprenge man mit dem Herzmantra.

85.31 In das Gefäß lege man Atmatattva, in den Reis Vidyatattva, in den Aschebehälter Maya und in die Asche Lakulishvara.

85.32 In den Faden lege man Ananta und verehre der Reihe nach mit Duftstoffen und den weiteren Gaben. Man bedecke die Schale mit Stoff und lege eine Girlande darauf.

85.33 Man rufe einen Träger herbei, versehen mit Turban, Obergewand und vollständigem Schmuck, und lasse ihn die Schale auf dem Kopf tragen.

85.34 Man umschreite das Dorf und den Tempel im Uhrzeigersinn; dieser Umzug kann auch entfallen. Danach verehre man Mahesha.

85.35 Der Kundige lasse die Segenssprechung ausführen und wiederhole das Schutzbandmantra. Mit dem Tryambaka-Mantra binde er das Schutzband an.

85.36 Er bringe heilige Asche auf und gebe sie auch den Menschen. Betel und Arekanüsse verteile man an die Versammelten.

85.37 Allen für das Fest bestimmten Gottheiten binde der Kundige das Schutzband an. Unter dem Klang aller Instrumente schmücke man sie vollständig.

85.38 Mit neuen Stoffen, Duftstoffen, Girlanden und Schmuck geschmückt, führe man sie im Uhrzeigersinn um den Tempel und in den Versammlungspavillon.

85.39 Man schwenke die Lichter und teile heilige Asche aus. Es folgen Umzug, Unterhaltung und das Anschauen von Tanz und weiteren Darbietungen.

85.40 An den jeweiligen Plätzen umhülle der vorzügliche Lehrer sie mit einem Vorhang. Am folgenden Tag bringe der Kundige vor der morgendlichen Verehrung

85.41 Maheshvara an seinen ursprünglichen Platz zurück. Dann vollziehe man das Vastu-Feueropfer und das Umtragen des Feuers.

85.42 Zum Gedeihen dieses Ortes veranstalte man ein Fest für die Verehrer. Noch in derselben Nacht vollziehe man eine einzelne Prozession.

85.43 Am ersten Tag führe man den Mondträger aus, am zweiten die halb mit Uma vereinte Gestalt, am dritten den Stierreiter und am vierten die Samvada-Gestalt.

85.44 Am fünften Tag den Elefantenüberwinder, am sechsten die Shambhava-Gestalt, am siebten die Hochzeitsgestalt und am achten den Zerstörer der drei Städte.

85.45 Am neunten Tag führe man den Überwinder der Zeit aus. So gilt die Folge vom ersten Tag an. Sind diese Gottesbilder nicht verfügbar, führe man Somaskandeshvara aus.

85.46 Auch für die übrigen Gottheiten und für die Verehrer veranstalte man Feste. Die für die jeweilige Gottheit geeigneten Träger werden nun genannt.

85.47 Kalpa, Kundodara, der Stier, der Perlenbogen, der Elefant, das Blumenhaus, der Wagen und das Pferd

85.48 sowie die Sänfte sind die Träger für die einzelnen Tage. Fehlen die entsprechenden Träger, vollziehe man den Zug mit einer Sänfte.

85.49 Perlen, Korallen, Saphire, gemischter Schmuck, Pushparaga-Steine, Rudraksha und Gold,

85.50 Rubin- und Smaragdschmuck verwende man der Reihe nach. Blumen und Stoffe wähle man in den entsprechenden Farben.

85.51 Ebenso können Duftstoffe und die weiteren Gaben nach diesen Farben gewählt werden. Am achten Tag bringe man insbesondere schwarze Duftpaste dar.

85.52 An jedem Tag entspreche auch die Speisegabe der betreffenden Farbe. Bei sieben, fünf, drei oder einem einzigen Tag

85.53 lasse man die früheren Glieder der Reihe weg und verwende die späteren Gottheiten, Träger und weiteren Zuordnungen. Fehlt der jeweilige Schmuck, verwende man Gold.

85.54 Fehlen die vorgesehenen Blumen, wird Karavira genannt. Fehlen die vorgesehenen Stoffe, verwende man weißen Stoff.

85.55 Fehlt die zur Farbe passende Speisegabe, verwende man rein gekochten Reis. Man verehre Maheshvara und setze ihn auf den Träger.

85.56 Man bereite seinen beweglichen Sitz und bringe Räucherwerk, Licht und die weiteren Gaben dar. Die Straßen seien gefegt und mit Wasser besprengt.

85.57 Vielerlei Gesänge, Klänge und Tänze begleiteten den Zug; er sei mit Fahnen, Feder- und Haarwedeln ausgestattet,

85.58 mit vielerlei Lampen und von Tempeltänzerinnen und weiteren Beteiligten umgeben. So vollziehe man die Prozession zusammen mit zahlreichen Verehrern.

85.59 Während des Zuges bringe man Betel, verschiedene Früchte, feste Speisen und Kuchen dar. Fußwaschwasser und die entsprechenden Gaben entfallen unterwegs.

85.60 Langsam umschreite man den Ort im Uhrzeigersinn und betrete die Versammlungshalle. Dort bereite man einen festen Sitz und bringe die Speisen dar.

85.61 Man schwenke die Lichter und reiche Betel. Danach folgen die Darbietungen ringsum und das Anschauen des Tanzes.

85.62 Während des großen Festes vollziehe man täglich bei Tag und Nacht die Prozession. Bei jedem Tagesübergang erfolgen die tägliche Verehrung und die Verehrung des Festherrn.

85.63 Danach folgen das Befriedungsfeueropfer, das tägliche Fest, die Prozession und die Darbietungen ringsum.

85.64 Es folgen das Anschauen des Tanzes, die Prozessionswaschung, die besondere Verehrung und die Mittagsverehrung.

85.65 Danach geschehen die Verehrung zur Abenddämmerung, das Schmücken, die Verehrung des Festherrn und das Befriedungsfeueropfer.

85.66 Dann vollziehe man das tägliche Fest und die Umrundung des Dorfes. An Shaktis Stätte bringe man Speise dar und führe nachts die Prozession aus.

85.67 Für jede Handlung wird eine Zeit von drei Nadikas mit einem weiteren Viertelbezug genannt. [Die genaue Zeitbemessung ist unklar.] Nach dem nächtlichen Zug vollziehe man die Verehrung ohne Waschung.

85.68 Man entferne Duftpaste und Girlanden, reiche Fußwasch- und Mundspülwasser und erfreue den Gott mit neuen Duftstoffen und Girlanden, entsprechend dem vorherigen Prozessionsverfahren.

85.69 Die Handlungen am Ende der Nacht vollziehe man an jedem Tag. Dann bereite man das heilige Bad vor; danach folgt das Pulverfest.

85.70 Vor dem Gott, in der Versammlungshalle oder an einem schönen Badeufer vollziehe man das Pulverfest und die Spiele im Wasser.

85.71 Man vollziehe ein Feueropfer zur Behebung von Versäumnissen und die Waschungen. Danach verehre man den Lehrer und die Verehrer.

85.72 Man verwende die Gefäße für das sühnende Übergießen und bringe reichlich Nahrung dar. Wer dies ausführt, erlangt ein verdienstvolles Ziel.

Kapitel 86: Die fünf Kuhprodukte im Ritual

86.1 Als Nächstes werde ich das Verfahren mit Panchagavya erklären. Der Laut pa bedeutet hier Vernichtung von Verfehlungen, der Laut ncha Vermehrung der Nachkommenschaft,

86.2 ga gewährt Befreiung und vya vernichtet Krankheit. So wird Panchagavya als verdienstvoll und als Mittel zu allen Vollendungen gepriesen. [Dies ist eine rituelle Silbenauslegung des Wortes.]

86.3 Vor Shiva bestreiche man einen reinen Pavillon mit Kuhdung. Man breite zweiunddreißig Prastha unenthülsten Reis aus.

86.4 Man spanne je vier Linien nach Osten und nach Norden. Ihr Abstand betrage ein Tala; so entstehen neun Felder.

86.5 Man gestalte ein Quadrat und darin einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel. Den Hauptrichtungen ordne man die vier Veden, den Zwischenrichtungen die Weltzeitalter, beginnend mit Krita, zu.

86.6 Man umgebe die Fläche mit ungebrochenem Reis, Sesam, geröstetem Getreide, Darbha-Gras und Blumen. Nach der Segenssprechung verehre man die Felder der Reihe nach.

86.7 In der Mitte verehre man Shivatattva, im Osten Sadashiva, im Südosten Ishvara und im Süden Vidyatattva.

86.8 Im Südwesten Mayatattva, im Westen Kalatattva, im Nordwesten Niyatitattva und im Norden Purushatattva.

86.9 Im Nordosten verehre man Prakrititattva. So erfolgt die Feldverehrung. In der Mitte steht das Gefäß Supratishtha, im Osten Sushanta,

86.10 im Süden Tejas, im Westen Amrita, im Norden Ratnodaka und im Nordosten Avyakta.

86.11 Im Südosten steht Suvyakta, im Südwesten Surya und im Nordwesten Samyukta. Dies ist die Verehrung der Gefäße.

86.12 In das mittlere Gefäß gebe man Milch, in das östliche Dickmilch, in das südliche Ghee und in das nördliche Kuhurin.

86.13 Im Westen gebe man Kuhdung, im Südosten Mehl, im Südwesten Kurkuma und im Nordwesten Amalaki hinein.

86.14 Im Nordosten stehe Darbha-Wasser. So bereite man die fünf Kuhprodukte. Als Seher der Milch gilt Kaushika, der Dickmilch Kashyapa,

86.15 des Ghees Bharadvaja, des Kuhdungs Gautama und des Kuhurins Atreya. Dies sind die zugeordneten Seher.

86.16 Die Milch gehört Shukra, die Dickmilch Soma, das Ghee Rudra und der Kuhdung Surya.

86.17 Der Kuhurin gehört Agni. Dies sind die leitenden Gottheiten der fünf Kuhprodukte. Im Reismehl wohnt Uma, in der Kurkuma Sarasvati,

86.18 in Amalaki Shri und im Darbha-Wasser Parvati. Die Milch weihe man mit »apyayasva same«, die Dickmilch mit »dadhikravno«,

86.19 das Ghee mit »shukram asi«, den Kuhdung mit »gandhadvara« und den Kuhurin mit der Gayatri, jeweils der Reihe nach.

86.20 Man verehre der Reihe nach mit Ishana bis Sadyojata. Unter dem Wurzelmantra vereinige man die Stoffe nacheinander in der Mitte.

86.21 Ein Drona gilt als größte Menge, die Hälfte als mittlere und deren Hälfte als kleinste. So ist die Bemessung dreifach.

86.22 Für die größte Menge werden drei Prastha Milch, zwei Prastha Dickmilch, ein Prastha Ghee und vier Prastha Kuhdung

86.23 sowie sechs Prastha Kuhurin vorgeschrieben. Für die mittlere Menge nennt der Text ein halbes Prastha Milch und ein Prastha Dickmilch,

86.24 ein halbes Prastha Ghee, zwei Prastha Kuhdung und drei Prastha Kuhurin. [Die Milchmenge ist hier nicht die Hälfte der größten Menge; die abweichende Quellenzahl bleibt erhalten.]

86.25 Für die kleinste Menge werden ein Viertel Prastha Ghee, zwei Viertel Dickmilch, drei Viertel Milch und vier Viertel Kuhdung

86.26 sowie sechs Viertel Kuhurin genannt. Den Urin nehme man von einer hellbraunen Kuh, den Dung von einer roten,

86.27 die Milch von einer schwarzen, die Dickmilch von einer weißen und das Ghee von einer rauchfarbenen. So sammle man die fünf Kuhprodukte.

86.28 Man kann auch alles von einer hellbraunen Kuh oder von Kühen verschiedener Farben nehmen. Dem Kuhurin wird Gedeihen, dem Kuhdung die Beseitigung von Krankheit zugeschrieben.

86.29 Milch soll alle Vollendungen bringen, Dickmilch die Nachkommenschaft vermehren und Ghee Krankheit beseitigen. So wird die Frucht von Panchagavya gepriesen.

86.30 Dem morgendlichen Übergießen wird die Beseitigung aller Krankheiten zugeschrieben. Durch Wasser würden zehn Verfehlungen vergeben, durch Milch hundert,

86.31 durch Dickmilch tausend, durch Ghee zehntausend, durch Zuckerrohrsaft hunderttausend und durch Honig eine Million.

86.32 Für Kokoswasser werden zehn Millionen, für Duftwasser unendlich viele genannt. Die Kuhprodukte sollen Verfehlungen und alle unheilvollen Zeichen beseitigen.

86.33 Bei Sühneriten, ungewöhnlichen Zeichen und zur rituellen Reinigung gilt Panchagavya als besonders geeignet. Brahmanentötung, Alkoholtrinken, Diebstahl und der Beischlaf mit der Frau des Gurus

86.34 sind die schweren Verfehlungen; als fünfte gilt der Umgang mit ihren Tätern. Die Reinigung von diesen fünf Verfehlungen wird als Frucht von Panchagavya genannt.

86.35 Zuerst verwende man die fünf Kuhprodukte, danach die fünf Nektare. Anschließend vollziehe der vorzügliche Guru die Waschung mit den verschiedenen Früchten.

86.36 Für jeden Stoff verwende man ein eigenes Gefäß aus Gold, Silber, Kupfer oder auch aus Ton.

Kapitel 87: Die fünf Nektare

87.1 Als Nächstes werde ich das Verfahren mit den fünf Nektaren erklären; höre. Felder, Gefäße und Mantras richte man wie zuvor ein.

87.2 Vor Shiva bereite man eine Opferfläche mit fünf Feldern. In diesen ordne man sämtliche Gefäße wie zuvor an.

87.3 In der Mitte stelle man Milch bereit, östlich davon Dickmilch, im Süden Ghee und im Norden Honig.

87.4 Im Westen lege man Zucker nieder. Dies sind die fünf Nektare. Bananen, Jackfrucht und Mango ordne man dem Südosten, Südwesten und Nordwesten zu.

87.5 Im Nordosten lege man Kokosnuss nieder. Unter dem Wurzelmantra vereinige man Dickmilch und die übrigen Stoffe in der Mitte.

87.6 Man verwandle sie rituell in Nektar, verehre sie und bringe Räucherwerk und Licht dar. Milch, Dickmilch, Ghee, Honig und Rohzucker:

87.7 Diese fünf heißen Panchamrita. Von jedem gebe man ein Prastha in ein eigenes Gefäß. Für die mittlere Menge vermindere man um ein Viertel, für die kleinste um die Hälfte.

87.8 Man ordne sie von der Mitte an wie zuvor an und bereite alles entsprechend. Kokosraspel vermische man mit hundert Bananen.

87.9 Dazu gebe man ein Viertel Prastha Ghee, ein Viertel Prastha Honig und ein Prastha Zucker. Dies ist Frucht-Panchamrita.

87.10 Eine weitere Mischung enthält hundert Bananen, Kokosraspel, das Pulver von zehn Rohzuckerstücken und je ein Viertel Kudupa Honig und Ghee. [Die Maße weichen von der vorigen Rezeptur ab.]

87.11 Bei einem Übergießen mit einem Prastha Öl werden hundert Bananen, Kokosraspel und ein Viertel Prastha Ghee

87.12 sowie ein Viertel Prastha Honig und ein Prastha Zucker genannt. Dies erkenne man als Frucht-Panchamrita. Nun werden die fünf Nektare erneut beschrieben.

87.13 Milch, Dickmilch, Ghee, Honig und Zuckerrohrsaft heißen ebenfalls Panchamrita. Man bereite je ein Viertel Prastha.

87.14 Ferner werden zwei Prastha Milch, zwei Prastha Dickmilch, ein halbes Prastha Ghee und ein Prastha Zucker angegeben.

87.15 Kurkuma, Amalaki und Mehl werden mit je einem Viertel Prastha genannt; dazu zehn Likucha-Früchte und zwei Orangen,

87.16 fünfzehn Mangos, drei Granatäpfel, drei Zitronat-Zitronen und Rohzucker mit saftigen Früchten.

87.17 Drei Tamara-Früchte, eine Jackfrucht und drei Devatamra-Früchte werden als Shiva erfreuende Gaben genannt. [Die beiden Fruchtnamen sind in dieser Lesung nicht sicher bestimmbar.]

87.18 Außerdem wird das Wasser von zehn Kokosnüssen genannt. Duftstoff, Mrigamada, Kampfer, Safran,

87.19 Kasturi und Rochana heißen die sechs Duftstoffe. Man verwende sie mit kühlem Wasser vermischt, je nach Verfügbarkeit. [Mrigamada und Kasturi bezeichnen gewöhnlich beide Moschus; die doppelte Nennung bleibt erhalten.]

87.20 Für das Übergießen mit Reis bereite man mantra-geweihten Reis, jeweils ein Prastha. Jeden Stoff verehre man besonders mit acht Blumen.

87.21 Jeden für das Übergießen bestimmten Stoff bringe man zuerst dar. Nach jedem Stoff folgen eine Zwischenwaschung und Räucherwerk.

87.22 Danach reiche man Mundspülwasser und Arghya und zeige Räucherwerk und Licht. Man bade mit dem Tausendstrahlgefäß, mit Horn und Muschelhorn.

87.23 Mit feinem Stoff trockne man den Gott ab und verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen. Aus zwei Prastha Reis koche man reine Speise und bringe sie dar.

87.24 Man reiche Shambhu Räucherwerk und Licht und bestreiche ihn mit vorzüglichem Duftstoff. Mit allem Schmuck, Blumen und Girlanden

87.25 sowie mit feinen Seiden- und anderen Stoffen schmücke man Maheshvara. Opferschnur und alle weiteren Gegenstände lege man ihm in passender Größe an.

87.26 Aus einem Bhara Reis bereite man die große Speisegabe. Beilagen und Früchte verwende man besonders in Mengen von je einem Prastha.

87.27 Für Betel werden eine Arekanuss, vier Betelblätter, Kalkpaste vom Maß einer Nishpava-Bohne und zwei Gewürznelken genannt,

87.28 ferner sieben Kardamomsamen, ein winziges Stück Muskatblüte und Muskatnuss und ebenso wenig Kampfer. So bringe man Shiva Betel dar.

87.29 Dies heißt die Gabe zur Beduftung des Mundes. Dazu reiche man ein Prastha Trinkwasser, Fußwaschwasser, Mundspülwasser und Arghya und schwenke vor Shiva Räucherwerk und Licht.

87.30 Man zeige Shambhu Aratrika und vollziehe dreimal den abendlichen Schutzritus. Der Kundige reiche heilige Asche, Spiegel, Schirm und Haarwedel.

87.31 Der vorzügliche Lehrer zeige einen Fächer oder Palmblattfächer. Zwischen den Handlungen bringe er immer wieder Fußwaschwasser, Mundspülwasser und Arghya dar.

87.32 Mit dem im Veda angegebenen Mantra bringe er die Mantrablume dar. Es folgen eine Handvoll Wasser und die Hingabe seiner selbst.

87.33 Danach wiederhole man besonders das Shiva-Mantra nach Vermögen. Lobgesang, Gesang und Tanz finden entsprechend den verfügbaren Möglichkeiten statt.

87.34 Sind die genannten Gegenstände in geringerer oder größerer Menge vorhanden, gebe man den Ritus deshalb nicht auf und verfahre nicht willkürlich, sondern führe ihn nach den tatsächlichen Möglichkeiten aus.

Kapitel 88: Die rituelle Waschung

88.1 Bei täglichen, anlassbezogenen und wunschbezogenen Riten, bei glückverheißenden Feiern, zur Mantraverwirklichung, unter den drei Geburts-Mondhäusern des Königs, bei Fieber und anderer Bedrängnis,

88.2 unter den drei Geburts-Mondhäusern der Königin, beim Tod des Königs, unter seinem Sieges-Mondhaus, bei der Königssalbung oder bei Unglück,

88.3 unter einem für ihn ungünstigen achten Mondstand oder einem zerstörerischen Mondhaus, am Ende einer Initiation oder Weihe, bei der Wiederheiligung oder einem Stadtbrand,

88.4 bei übermäßigem Regen oder Dürre, Hungersnot, unheilvollen Zeichen, Erdbeben, schwerer Krankheit oder feindlicher Bedrängung,

88.5 am Ende eines Opfers, an einem Sonntag oder Dienstag, bei ungewöhnlichen oder besonders schweren Vorzeichen, unter dem eigenen Geburts-Mondhaus und bei großen Festen,

88.6 an Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen, bei Finsternissen, Einsetzungen und weiteren Weihen, beim Pavitra-Fest und beim Auflegen des Damana-Krauts,

88.7 unter dem Mondhaus des Krittika-Lichterfestes oder dem jeweiligen Monats-Mondhaus, am achten, vierzehnten oder fünfzehnten Tag beider Monatshälften,

88.8 beim Eintritt der Sonne in ein neues Zeichen, an verdienstvollen Tagen, zu den Shadashitimukha-Zeitpunkten, an Sinivali und Kuhu und nach einem Ghee-Bad,

88.9 nach dem Auftragen der Ghee-Hülle, am Ende der Erneuerung eines verfallenen Heiligtums, bei drohendem feindlichem Angriff und bei Vorhaben in Landwirtschaft und Handel,

88.10 zu Beginn des Lernens, bei einer Hochzeit, beim Beginn eines Krieges, bei Dürre, beim hundertfachen Abhisheka und wenn Krankheiten unter den Kühen auftreten,

88.11 bei Erkrankungen von Elefanten oder Pferden, bei Stadtgründung und Geburt, zu Beginn eines Opfers, bei günstiger Konstellation und am Ende einer Prozession,

88.12 beim Eintreffen neuen Wassers, nach der Prozession Nateshas und besonders im Monat Margashirsha unter Ardra,

88.13 bei Sühnehandlungen, bei der Gabe der neuen Ernte, bei Feiern zum Wohlergehen der Menschen und unter einem Menschen todbringenden Mondhaus,

88.14 bei besonderen Verehrungen und Festen für die Verehrer, nach dem Umzug des Gottes und nach dem rituellen Jagdauszug:

88.15 Zu diesen und ähnlichen Zeiten vollziehe man die Waschung nach ihrer Vorschrift. Der vorzügliche Guru kann sie auch täglich an allen drei Tagesübergängen ausführen.

88.16 Oder man lasse Shiva an zwei Tagesübergängen oder an einem waschen. Das Verfahren ist wie zuvor; einige Besonderheiten werden nun genannt.

88.17 Man verwende hundertacht, einundachtzig, fünfzig, fünfundzwanzig, sechzehn oder neun Gefäße.

88.18 Mit einer der Zahlen von neun bis hundertacht bade man zu den Tagesübergängen. Man kann auch ein einziges Gefäß oder Gefäße in der durch »Raum« bezeichneten Zahl verwenden.

88.19 Sie seien mit den zuvor genannten Stoffen gefüllt und von einem Vardhani-Gefäß begleitet. Schwarze, beschädigte, poröse, gesprungene, angeschnittene oder eingedrückte Gefäße,

88.20 verbrannte und alte Gefäße soll man sorgfältig ausschließen. Alle sollen wie reife Bimba-Früchte leuchten. Man wasche sie gründlich.

88.21 Die Gefäße umwinde man der Reihe nach mit zwei-, drei- oder einfach geführtem Faden; oder man führe einen einzelnen Faden dreimal ringsum.

88.22 Am Shiva-Gefäß und Vardhani betrage der Abstand der Windungen ein, zwei oder drei Gerstenkornbreiten. An den anderen Gefäßen entstehen entsprechend fensterartige Zwischenräume.

88.23 Unter Sarvatman umwinde man sie auch kreuzweise. So mit Fäden umwickelte Gefäße verwende man bei einem Ritus zur Bindung von Feinden.

88.24 Bei Sühne- und Todesriten verwende man entsprechend nur wenig Faden. Nördlich des Pavillons breite der Kundige Darbha-Gras aus.

88.25 Nach dem Umwickeln und Waschen bereite man die Gefäße zur Weihung vor und stelle sie mit der Öffnung nach unten auf das Kusha-Gras.

88.26 Man besprenge sie mit dem Herzmantra und richte die Gefäßöffnungen wieder nach oben. Mit vollständigem Schmuck beginne man dann die Waschung.

88.27 Erstens reinigt man den Boden, zweitens bestreicht man ihn, drittens legt man die Linien an, viertens bereitet man die Opferfläche.

88.28 Fünftens stellt man die Gefäße auf, sechstens legt man die Grasbüschel hinein, siebtens die Opferstoffe und achtens die Gottheiten.

88.29 Neuntens werden die Deckel aufgelegt, zehntens die Stoffhüllen angebracht, elftens Duftstoff und Blumen dargebracht, zwölftens Räucherwerk und Licht.

88.30 Danach folgen die Mudras, vierzehntens die Segenssprechung, fünfzehntens das Aufheben der Gefäße und sechzehntens Shivas Waschung.

88.31 Mit dem Astramantra reinige man den Boden, mit Vamadeva bestreiche man ihn. Mit Aghora lege man die Linien, mit Purusha die Opferfläche an.

88.32 Mit dem Herzmantra stelle man das Gefäß auf, mit Ishana lege man Kusha-Gras hinein. Mit dem Wurzelmantra gebe man die Stoffe hinein, mit Vama rufe man die Gottheiten.

88.33 Mit dem Haupt-Bija lege man die Deckelschalen auf, mit dem Herzmantra die Stoffe. Mit Ishana bringe man Duftstoffe und weitere Gaben, mit Kavacha Räucherwerk und Licht dar.

88.34 Mit Aghora zeige man die Mudras und lasse Pavamana rezitieren. Man besprenge besonders sorgfältig und vollziehe vorschriftsmäßig die Segenssprechung.

88.35 Mit Om hebe man die Gefäße auf. Mit dem Mahavyoma-Mantra, den fünf Brahmamantras und den sechs Gliedermantras bade man Parameshvara.

88.36 Zuerst werde ich die Waschung mit neun Gefäßen erklären; höre, Guru. Man spanne je vier Linien nach Osten und nach Norden.

88.37 Darauf bereite man eine Opferfläche aus gutem, reinem Reis. Man breite Sesam, enthülsten Reis, geröstetes Getreide und quergelegtes Darbha-Gras aus.

88.38 Der Adi-Shaiva nehme die Gefäße und stelle sie auf. Sie können aus Gold, Silber oder Kupfer bestehen.

88.39 Auch Muschelhörner, Muschelschalen, Kuhhörner oder irdene Gefäße mit allen erforderlichen Merkmalen können verwendet werden.

88.40 Die irdenen Gefäße seien gut gebrannt, wohlklingend beim Anschlagen, glatt und wie Bimba-Früchte leuchtend. Mit solchen geeigneten Gefäßen bade man Parameshvara.

88.41 Ein Drona Fassungsvermögen gilt als beste Größe, die Hälfte als mittlere, ein Adhaka als kleinste. Oder alle Gefäße fassen ein Adhaka.

88.42 Muschelhörner, Muschelschalen und Hörner fülle man entsprechend ihrem eigenen Fassungsvermögen. In der Badehalle bereite man in mehreren Wassertrögen

88.43 ganz reines Flusswasser vor, das durch Stoff gefiltert wurde. Man vermische es mit Pulvern von Varala, Kardamom, Kampfer, Ushira und weiteren Duftstoffen.

88.44 Mit den fünf Brahmamantras, Shivas Gliedermantras und dem Wurzelmantra geweiht und mit duftenden Blumen versehen, heißt es Shiva-Wasser.

88.45 Man bereite dieses kühle Wasser zuerst und richte dann die Gefäße her. Die größte, mittlere und kleinste Ausführung fertige man aus Metall oder Ton.

88.46 Sie fassen vier, drei beziehungsweise zwei Prastha. Man hebe das Shiva-Gefäß auf und fülle es mit Shiva-Wasser. [Diese Gefäßmaße weichen von 88.41 ab.]

88.47 Man stelle es in die Samenkapsel des Lotus, versehe es mit fünf Edelsteinen oder lege Gold hinein und umhülle es mit neuem Stoff.

88.48 Man lege einen Grasbüschel hinein und das Kuta-Bija darin nieder. Nördlich davon stelle man das Vardhani auf, ebenfalls mit Stoff, Gold und den weiteren Dingen versehen.

88.49 Ringsum stelle man acht Gefäße auf und weihe sie den Vidyeshvaras. Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Arghya, Duftstoff, Blumen, Kuhprodukte,

88.50 geröstetes Getreide und Mehl lege man der Reihe nach in die acht Gefäße, vom Osten beginnend. Im Hauptgefäß bereite man den Sitz und lege das Gestaltmantra nieder.

88.51 Mit den Brahmamantras gestalte man den vollständigen Körper und lege die Kalas hinein. Man bilde den Vidya-Körper in der Gestalt, meditiere über ihre Erscheinung und setze Shiva darin ein.

88.52 Er hat vier Arme und drei Augen, trägt die Mondsichel als Scheitelschmuck und eine Krone aus verfilztem Haar; sein Körper ist mit heiliger Asche bestäubt.

88.53 Er trägt Antilope und Beil und steht auf einem Lotussitz. So meditiere man mit dem Herzen über den Gott Shiva und verehre ihn im Shiva-Gefäß.

88.54 Der Guru vollziehe die Einsetzung und die weiteren Handlungen und reiche mit dem Herzmantra Fußwaschwasser, Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht und Arghya.

88.55 Man zeige die Linga-Mudra und umhülle schützend mit Kavacha. Im Vardhani meditiere man über Manonmani mit zwei Armen und zwei Augen, dunklen Locken und einem feinen Gewand.

88.56 In der rechten Hand hält sie eine Wasserlilie; ihre linke Hand ist ausgestreckt.

88.57 Sie trägt eine Karanda-Krone und lächelt leicht. An der Seite des Gottes steht sie sicher, den anderen Fuß auf dem Lotus etwas gebeugt. [Die Körperstellung ist verkürzt formuliert.]

88.58 Mit dem Mantra »ganambika« meditiere man über sie und verehre sie mit Duftstoffen und den weiteren Gaben. Nachdem man Gauri im Vardhani verehrt hat, zeige man die Yoni-Mudra.

88.59 Mit Kavacha umhülle man schützend. Die Rudras des Umhüllungskreises rufe man der Reihe nach entsprechend dem früheren Verfahren an und verehre in den Gefäßen Ananta bis Shikhandin mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.

Kapitel 89: Das Linienraster der Opferhalle und die Feuergruben

89.1 Ich werde das Kala-Linienraster erklären, das in fünfzehn Felder je Seite gegliedert ist. Es entsteht aus je sechzehn nach Osten und Norden gerichteten Linien.

89.2 So umfasst es zweihundertfünfundzwanzig Felder. In der Mitte liegt Shivas Feld; daran schließt sich das Feld Shaktis an.

89.3 Außerhalb davon liegt Nada, danach Bindu, dann Sadashiva und anschließend Maheshvara.

89.4 Darüber beziehungsweise weiter außen folgt Rudra, danach Vishnu. In der Mitte errichte man einen Altar aus neun Feldern; an seinen vier Ecken

89.5 grabe man vier Pfosten ein. Das Hauptgefäß stelle man auf Shivas Feld, die acht Vidyeshvara-Gefäße auf Shaktis Feld.

89.6 Die acht Glückszeichen lege man im Nada-Bereich und am Rand des Bindu-Bereichs nieder. Alle Verehrungsgegenstände ordne man auf Sadashivas Feld an.

89.7 Die Feuergruben lege man ringsum auf Maheshvaras Feld an. Außerhalb davon befindet sich im Rudra-Bereich der Umgang.

89.8 Im Vishnu-Bereich errichte man die Wand mit einer Breite von einem halben Feld. Die Gefäße Nandins und der übrigen stelle man ringsum auf der Mauerkrone auf.

89.9 Für die Tore lasse man drei Felder frei, ringsum in den Haupt- und Zwischenrichtungen. So ist die Opferhalle erklärt. Höre nun die Merkmale der Feuergruben.

89.10 Bei Weihen und entsprechenden Riten gilt ein Maß von siebenundzwanzig Fingerbreiten als bestes, vierundzwanzig als mittleres und sechzehn als kleinstes.

89.11 Weniger als sechzehn Fingerbreiten soll man bei Weihen nicht verwenden. Von sechzehn Fingerbreiten aufwärts kann das Maß bis zu acht Ellen reichen.

89.12 Über acht Ellen hinaus soll man nicht gehen, o vorzüglicher Guru. Bei Sühneriten kann man weniger als sechzehn Fingerbreiten wählen.

89.13 Bei Maßen von einer Elle bis zu sechzehn Fingerbreiten sei der Randgürtel neun Fingerbreiten. Mit je drei Linien nach Osten und Norden lege man das Quadrat an.

89.14 Die viereckige Feuergrube liegt im Osten, die yoni-förmige im Südosten. Für diese teile man das Grundfeld in fünf Teile und trage einen Teil nach außen ab.

89.15 Von der Mitte des Viertels der Ecke aus ziehe man mit der halben Feldbreite einen Bogen. Auf beiden Seiten führe man ihn über die halbe Feldbreite hinaus.

89.16 Den fünften Teil trage man nach außen ab, so dass die Gestalt eines Ashvattha-Blattes entsteht. Die Spitze dieser Yoni im Südosten weist nach Norden. [Die geometrischen Bezugspunkte sind nur verkürzt angegeben.]

89.17 Für die nächste Form teile man das Feld in fünf Teile und erweitere es an beiden Seiten um je einen Teil. Von der Feldmitte aus

89.18 ziehe man bis zu den seitlichen Begrenzungslinien einen Halbkreis. Der abgeschnittene Teil liege im Süden, der ungeschnittene Bogen weise nach Norden.

89.19 So ist es bei Weihen auszuführen. Bei Initiationen und entsprechenden Handlungen richte man die Spitze nach Süden und den Fuß nach Norden.

89.20 Aus Verwirrung soll man es nicht anders machen, sonst droht Unruhe im Reich. Für die nächste Form teile man das Feld in sieben Teile und trage an beiden Seiten je einen Teil ab.

89.21 Außerhalb des Feldes im Norden setze man einen weiteren Teil an. Man verbinde die beiden seitlichen Punkte durch Linien mit diesem Punkt.

89.22 Dies heißt Dreieck. Seine Spitze richte man bei Weihen nach Norden, keinesfalls nach Osten.

89.23 Für die nächste Form teile man das Feld in acht Teile. Am Ende der Diagonale lasse man einen Teil weg und ziehe von der Feldmitte aus einen Kreis bis zur so bestimmten Grenze.

89.24 Dies heißt die runde Form. Für die nächste teile man das Feld in vier Teile und markiere besonders an beiden Seiten jeweils einen Teil.

89.25 Man ziehe zwei Linien und markiere in der Feldmitte einen halben Teil. Die Verbindung der sechs Linien ergibt die sechseckige Form.

89.26 Ihre Spitzen richte der Regelkundige nach Osten und Westen. Für die Lotusform bereite man den Kreis wie zuvor und eine Samenkapsel von drei Fingerbreiten.

89.27 Unterhalb der Samenkapsel und oberhalb des unteren Randgürtels gestalte man die Blätter sechs Fingerbreiten lang; an der Spitze sollen sie eine Fingerbreite

89.28 hoch sein, oder ihre Länge betrage fünf Fingerbreiten. Mit acht oder sechzehn Blättern heißt dies die lotusförmige Feuergrube.

89.29 Für die nächste Form teile man das Feld in acht Teile und markiere an beiden Seiten je einen Teil. Man lege das Quadrat an und trage außerhalb des Feldes einen Teil ab.

89.30 In der Feldmitte setze man ringsum vier Markierungen und verbinde die vier Linien so, dass weitere Ecken entstehen.

89.31 Dies heißt die achteckige Form. Zwischen Osten und Nordosten liegt die runde Hauptfeuergrube.

89.32 Halbkreis und Dreieck werden auch bei Riten der Tötung und Entzweiung verwendet. Wird selbst aus Versehen die Hauptfeuergrube ausgelassen,

89.33 droht nach dem Text der Untergang von König und Reich sowie des Ausführenden und des Auftraggebers. Darum gestalte man alles mit aller Sorgfalt nach den genannten Regeln.

Kapitel 90: Die Reinigung des Ortes

90.1 Nun werde ich die Reinigung des Ortes erklären; höre, Gemahl der Kamala. Wenn eine menstruierende Frau, eine Wöchnerin, ein Kunda, ein Vratya oder ein Pulkasa,

90.2 ein Barbier, ein Wäscher, ein Hund, Esel, Huhn, Falke oder Geier in das Heiligtum

90.3 versehentlich eingedrungen ist, vollziehe man die Reinigung des Ortes und die Wiederheiligung durch Besprengen auf dem früher angegebenen Weg. [Die Menschengruppen werden hier nach historischen Reinheitsvorstellungen eingeordnet.]

90.4 Auch zur vorschriftsmäßigen Reinigung eines neuen Heiligtums dienen Ausgraben, Entfernen, Ausbrennen, Auffüllen, Aufenthalt von Kühen,

90.5 die Speisereste von Brahmanen, die Kuhprodukte und die Veden: Dies sind acht Reinigungen. Nun wird das Verfahren jeder einzelnen Handlung erklärt.

90.6 Unter dem zugehörigen Mantra grabe man im Maß von einem Tala tief aus, in den vier Richtungen des Tempels. Die dortige Erde

90.7 lasse man mit dem Erdmantra aus den Vertiefungen entfernen. Unter dem Pavitra-Mantra lege man Darbha-Gras hinein und verbrenne es.

90.8 Unter dem Purusha-Mantra fülle der Guru die Vertiefung mit Erde von einem Ameisenhügel auf und spreche »apuryamana rajasa«.

90.9 Der Guru bringe eine Kuh mit ihrem Kalb und einen Stier an den vorgesehenen Kuhplatz. Mit der zugehörigen Gayatri verehre er sie vorschriftsmäßig.

90.10 Er erkenne die den Körperteilen zugeordneten Gottheiten und vollziehe die Gliederverehrung: An den Hornspitzen befinden sich alle heiligen Stätten, die beweglichen und die unbeweglichen.

90.11 In der Mitte des Kopfes ist Mahadeva, auf der Stirn Gananayaka, in der Kehle Atman, an der Nase die Bäume und kriechenden Tiere.

90.12 In den Ohren sind die Ashvins, in den Augen Indra, an den Zähnen die Maruts und auf der Zunge Varuna.

90.13 Im Muhen ist Bharati, an den Wangen Yama und der Südwesthüter, an den beiden Lippen die beiden Dämmerungen und am Hals der Herr der Sterne.

90.14 In der Mitte der Hufe befinden sich die Gandharvas, an ihren Spitzen die Schlangen, dahinter die Apsaras und in den zehn Nadis die Rudras.

90.15 In den Gelenken wohnen die Lebenswinde, beginnend mit Prana, in der Hüfte die Ahnen, in der Brust Uma, im Apana-Bereich Rama und im Kuhdung Yamuna.

90.16 In den Schwanzhaaren sind die Sonnenstrahlen, im Urin die göttliche Ganga, an den Haarspitzen die Seher und im Bauch die Erde.

90.17 Im Euter wohnen die vier Meere. Unter dem betreffenden Mantra weihe man Gras und Futter und gebe es den Kühen, Hari.

90.18 Man lasse die Herde drei Nächte oder eine Nacht dort wohnen. Nun werde ich die Reinigung durch die Speisereste der Brahmanen erklären; höre, Gemahl der Kamala.

90.19 Man lade gelehrte, Shiva ergebene und mitfühlende Zweimalgeborene ein, lasse sie mit duftenden Ölen baden und gebe ihnen danach Stoffe und weitere Gaben.

90.20 Der Lehrer begebe sich mit den Brahmanen in den Pavillon vor Shiva, vollziehe die mantrische Vervollständigung seines Körpers und verehre Vighnesha.

90.21 Nach der Segenssprechung bereite man aus Sesam, enthülstem und unenthülstem Reis eine Opferfläche und zeichne darauf einen Lotus.

90.22 Man verehre Sadashiva mit seinen Gliedern und Umhüllungskreisen, Hari, wiederhole das Shiva-Mantra hundertmal und die Samhita einmal.

90.23 Brahma-Sukta, Vishnu-Sukta, Rudra-Sukta, Ghrita-Sukta, Pavamana, Shri-Sukta und Nara-Sukta,

90.24 Bhu-Sukta, die fünf Shanti-Texte und Ghosha-Shanti rezitiere man der Reihe nach einmal. Danach vollziehe man das Feueropfer.

90.25 Vor dem Pavillon bereite man eine Feuergrube oder Opferfläche mit den vorgeschriebenen Merkmalen. Dort entzünde der Guru das Feuer.

90.26 Er verehre den Gott darin und opfere mit dessen Mantra hundertmal, mit der Samhita ein Zehntel davon. Dann opfere er mit den Mantras von »eka«

90.27 bis »sarvasma« und schließe den übrigen Feuerritus ab. Danach verehre der vorzügliche Lehrer die hochbegünstigten Brahmanen mit Shivas tausend Namen

90.28 und unversehrten Bilva-Blättern. Er lasse ihnen Reis mit Ghee, Beilagen und weiteren Speisen reichen.

90.29 Am Ende gebe der Kundige Opferlohn und Betel. Dies ist die Reinigung durch die Brahmanenspeisereste. Höre nun die Reinigung durch die Kuhprodukte.

90.30 Der Guru bereite Panchagavya nach der angegebenen Vorschrift und besprenge das Heiligtum mit dem Mantra »shuddhair ukthai«.

90.31 Nun werde ich die Reinigung durch die Veden erklären; höre, Herr Garudas. Im Brahma-Bereich und den weiteren Bereichen beziehungsweise im sechspfeilerigen Pavillon

90.32 rezitieren Brahmanen in den vier Richtungen der Reihe nach den Rigveda und die übrigen Veden. Am Ende bringe man ihnen Duftstoffe, Blumen und weitere Gaben dar.

90.33 So lasse der Kundige die zuletzt genannten vier Reinigungen drei Tage lang oder einmal ausführen, Gemahl der Kamala.

Kapitel 91: Das Fest des heiligen Bades

91.1 Als Nächstes werde ich das Verfahren des heiligen Badefestes erklären. Es dient dem Wohl aller Welten und gewährt die Stufe der Gleichgestaltigkeit mit dem Gott.

91.2 Es schützt König, Reich und die übrige Gemeinschaft, erfüllt allen ihre Wünsche und beseitigt Verfehlungen wie Brahmanentötung sowie alle rituellen Mängel.

91.3 Es gewährt langes Leben, Gesundheit, Herrschermacht, Kinder und Königsherrschaft. Zu den Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen, Zeichenwechseln der Sonne und Mond- oder Sonnenfinsternissen,

91.4 an Neumond und Vollmond, am Ende eines Jahres oder Monats, an einem geeigneten Wochentag, Mondtag oder Mondhaus und zu einer anderen günstigen Zeit,

91.5 am sechsten, achten oder vierzehnten Mondtag, unter Ardra oder Pushya und bei den genannten Sonnenwendzeiten begehe man Shivas Fest.

91.6 Das heilige Badefest kann neun, sieben, fünf, drei oder einen Tag dauern.

91.7 Die Ausführung vom Hissen bis zum Senken der Fahne gilt als die beste; diejenige ohne Fahnenhissen als die mittlere.

91.8 Vollzieht man allein das heilige Bad, heißt dies die kleinste Ausführung. In allen Monaten kann das Fest unter Ardra stattfinden.

91.9 Unter Mrigashirsha, Pushya und besonders am Vollmond ist es möglich. Unter Pushya kann man auch allein Shambhus rituelle Waschung sorgfältig vollziehen.

91.10 Unter Pushya vollziehe man das Bad vorschriftsmäßig, ob mit einem Mondphasenfest verbunden oder nicht. Nachdem es wie zuvor ausgeführt ist, bringe man mantra-geweihte Speise dar.

91.11 Man schmücke und verehre den Gott und bringe reichlich Opferspeise dar. Man setze ihn auf den Stierträger und führe ihn unter vielerlei Instrumenten aus.

91.12 Mit Schirm und Haarwedeln, Gesang und Tanz umschreite man das Dorf im Uhrzeigersinn. Dann betrete der Guru wieder den Tempel.

91.13 Man hebe das Bildnis vom Stier oder anderen Träger herunter und vollziehe sorgfältig seine Waschung. Am Hauptbildnis führe man besonders eine Waschung und ein Befriedungsfeueropfer aus.

Kapitel 92: Die Einsetzung der sieben Jungfrauen

92.1 Die erste ist die Götterjungfrau, die zweite die Naga-Jungfrau, die dritte die Gandharva-Jungfrau und die vierte die Brahmanen-Jungfrau.

92.2 Die fünfte ist die Königsjungfrau, die sechste die Vaishya-Jungfrau und die siebte die Shudra-Jungfrau. Dies sind die sieben Jungfrauen.

92.3 Aus gegenseitiger Zuneigung wohnen diese sieben auf Erden zusammen, mitten im Wald, an einem Gewässer oder seinem Ufer, in einem Garten oder am Fuß eines Baumes,

92.4 zu frohem Spiel, begleitet von Yakshas und weiteren Dienern. Man setze ihre Bildnisse in einem Heiligtum ein und verehre sie vorschriftsmäßig.

92.5 Den sozialen Gruppen, beginnend mit den Brahmanen, gewähren sie die gewünschten Früchte. Schon die Erinnerung an die Jungfrauen gilt als Schutz vor besetzenden Mächten und Krankheit.

92.6 Ich werde die Einsetzung der Jungfrauen nach der Agama-Vorschrift erklären. Man errichte wie zuvor einen Pavillon mit Altar und Feuergruben.

92.7 Von der Keimsaat bis zum abschließenden Übergießen vollziehe man alles der Reihe nach wie zuvor. Die Besonderheit wird nun genannt.

92.8 In der Mitte des Altars setze man die Götterjungfrau ein, im Osten die Naga-Jungfrau, im Westen die Gandharva-Jungfrau und im Süden die Brahmanen-Jungfrau.

92.9 Im Norden die Königsjungfrau, im Südwesten die Vaishya-Jungfrau, im Nordwesten die Shudra-Jungfrau und im Nordosten Ganeshvara.

92.10 Im Südosten verehre man Shasta nach dem früheren Verfahren. Man bilde die drei Abschnitte der Wirklichkeit als Atman, Vidya und Shiva.

92.11 Als ihre Herren lege man Atman, Antaratman und Paramatman nieder. Dann setze man die Gestalten und ihre Herrscher ein.

92.12 Zuerst lege man die Gestalten, beginnend mit Erde, und die Gestalthüter, beginnend mit Indra, nieder. Bei fünf Feuern setze der Kundige die Gestalten Erde und die weiteren ein.

92.13 Als ihre Hüter lege man die fünf Kalas, beginnend mit Nivritti, nieder. Alles Weitere vollziehe man wie zuvor, einschließlich der Sättigung durch das Feueropfer.

92.14 Man meditiere über die Götterjungfrau: goldgelb leuchtend, mit gelbem Gewand und gelbem Schmuck, eine Hand mit einem Lotus und die andere herabhängend.

92.15 Die Naga-Jungfrau vergegenwärtige man sich weiß leuchtend, in weißem Gewand und weißem Schmuck, mit einer Kirita-Krone.

92.16 Die Gandharva-Jungfrau meditiere man dunkel leuchtend, mit dunklem Gewand und dunklem Schmuck, auf einem Lotussitz.

92.17 Die Brahmanen-Jungfrau meditiere man weiß, mit weißem Gewand und weißem Schmuck, mit hohen Brüsten und auf einem Lotussockel.

92.18 Die Königsjungfrau meditiere man rot, mit rotem Gewand und Edelsteinschmuck, mit einer Karanda-Krone.

92.19 Die Vaishya-Jungfrau vergegenwärtige man sich golden leuchtend, mit goldenem Gewand, goldenem Schmuck und goldenen Ohrringen.

92.20 Die Shudra-Jungfrau vergegenwärtige man sich blau leuchtend, mit blauem Gewand und blauem Schmuck, mit dunklen Locken und schönem geflochtenem Haar.

Kapitel 93: Die Einsetzung Kanyaka Parameshvaris

93.1 Ich werde die Bildmerkmale Kanyaka Parameshvaris erklären, die von großen Seelen geehrt wird. Höre mit gesammeltem Geist.

93.2 Man meditiere über die höchste Herrin als Jungfrau: rot, einen schönen Lotus tragend, mit mondgleichem Gesicht und himmlischem Gewand; die linke Hand hängt herab. Sie trägt eine Krone aus verfilztem Haar, und ihr ganzer Körper strahlt von Schmuck. Hell wie Millionen Blitze steht sie mit ebenmäßig gesetzten Füßen auf einem Lotussitz; ihr Geist ist Shambhus ruhmreichen Taten zugewandt.

93.3 Oder man meditiere sie mit zwei Augen, zwei Armen und zwei mit Fußringen geschmückten Füßen, leuchtend wie eine Granatapfelblüte, mit festem Stand auf einem Lotussockel.

93.4 Ihre Füße sind mit rotem Lack geschmückt; sie strahlt wie Millionen Blitze. Sie trägt einen Strahlenkreis am Kopf und hochgebundenes verfilztes Haar und besitzt alle glückverheißenden Merkmale.

93.5 Sie ist reich mit himmlischem Schmuck geziert, mit himmlischer Duftpaste bestrichen und mit göttlichen Girlanden und Gewändern bekleidet. Jedes ihrer Glieder ist schön.

93.6 Ihr Lächeln leuchtet wie Mondlicht; sie ist beherrscht, ihr Gesicht gleicht dem Vollmond. Sie erkennt die drei Wirklichkeitsbereiche und versteht den Sinn aller Lehrschriften.

93.7 Sie besitzt die zweiunddreißig Merkmale und umfasst die sechsunddreißig Tattvas. Mit dem achtgliedrigen Yoga verbunden, schaut sie die drei Welten mit gleichem Blick.

93.8 Als Familiengottheit der Vaishyas gewährt sie gnädig die gewünschten Ziele. Von den drei großen Gottesgestalten hat sie Segnungen empfangen und verleiht alle Vollendungen.

93.9 Unter dem Namen Kanyaka Parameshvari ist sie in der Welt bekannt. In der rechten Hand hält sie einen Lotus; die linke Hand hängt herab.

93.10 In allen Welten ist Kanyaka Parameshvari berühmt. Acht Jungfrauen begleiten sie; ihre Namen werden nun genannt.

93.11 Gagani, Ghanani, Vaishvi, Sajivi, Pitrirupini, Soma, Suryavati und Hrishti sind der Reihe nach die acht Shaktis. [Die Trennung der Namen Soma und Suryavati ist aus der verlangten Achtzahl erschlossen.]

93.12 Die acht Jungfrauen sind von gleicher Gestalt, mit zwei Armen und zwei Augen. Eine Hand gewährt Furchtlosigkeit, die andere hängt herab. Vom Osten beginnend stehen sie ringsum.

93.13 Mit allen Merkmalen und allem Schmuck ausgestattet, in unterschiedlichen Farben schön leuchtend, dienen die Jungfrauen als Begleiterinnen.

93.14 Von solcher entsprechenden Gestalt ist Kanyaka Parameshvari. Nun wird ihre Einsetzung erklärt.

93.15 In allen Monaten ist sie in der hellen Monatshälfte an einem günstigen Tag möglich. Zuerst vollziehe man die Keimsaat in neun oder fünf Pflanzschalen.

93.16 Danach vollziehe man die Edelsteinniederlegung. Der Kundige verehre die neun Felder und lege darin Vaidurya und die weiteren Edelsteine der Reihe nach nieder.

93.17 Gold, Silber und Kupfer lege man in die neun Felder. Mit den Handlungen von der Anrufung an verehre man und bringe Milchreis und weitere Bali-Gaben dar.

93.18 Nach dem Öffnen der Augen lasse der Guru die Segenssprechung ausführen. In Gefäßen aus Bronze, Kupfer oder anderen Materialien stelle man Ghee und Honig bereit.

93.19 Goldene Nadel, goldener Pinsel und die zur Bearbeitung erforderlichen Werkzeuge seien vorbereitet. Man stelle die Gefäße nach der früheren Vorschrift auf.

93.20 Man nehme den verhüllenden Stoff weg und lasse die Göttin der Reihe nach die Richtungen erblicken. Man zeige ihr einen Spiegel und ein Mädchen,

93.21 außerdem Kühe, Brahmanen und andere Menschen. Beim Feueropfer spreche man das Augenmantra und opfere hundertachtmal.

93.22 Zusammen mit dem Feuermantra verwende man die Mantras von Sonne und Mond. Das Bildnis übergieße man mit reinem Wasser und den fünf Kuhprodukten,

93.23 mit Abkochungen, Früchten, Blumen, Edelstein- und Goldwasser sowie Kusha-Wasser. Nach dem Übergießen mit Duftwasser folge reines Wasser.

93.24 Mit vollständigem Schmuck vollziehe man die Umrundung des Dorfes. Dann lasse man das Bildnis einen Yama oder einen halben Yama im Wasser ruhen.

93.25 Dabei vergegenwärtige man besonders Ganga und alle anderen Flüsse. Man lasse das Bildnis in mit Rohzucker und Salz bereitetem heiligem Wasser ruhen und vollziehe das Bad. [Die Wasserbezeichnung ist ungewöhnlich.]

93.26 Man hebe es heraus, betrete die Opferhalle und vollziehe die Waschung. Die Halle sei mit sechzehn Pfeilern und einem mittleren Altar ausgestattet,

93.27 mit vier Toren und vier Torbögen geschmückt. Im Nordosten errichte man nach dem früheren Verfahren eine yoni-förmige Feuergrube.

93.28 Mit der Sonnenverehrung beginnend verfahre man wie zuvor. In den Vardhani-Gefäßen der Tore verehre man die acht Tor-Shaktis:

93.29 Jaya, Vijaya, Yogini, Mohini, Madhavi, Malini, Bhogi und Bhogavati.

93.30 Die Tor-Shaktis verehre man mit Duftstoffen, Blumen, ungebrochenem Reis und den weiteren Gaben. Im Südwesten vollziehe man die Vastu-Verehrung, im Westen die Verehrung Lakshmis,

93.31 im Nordwesten die des Hindernisherrn und im Nordosten die des Gurus. Man bereite die zehn Waffen und verehre sie an ihren jeweiligen Plätzen.

93.32 Das Astra-Vardhani verehre man im Nordosten mit der festgelegten Verehrung. Aus Gerste, enthülstem Reis, Darbha-Gras und acht Drona unenthülstem Reis

93.33 bereite man in der Mitte des Altars die Unterlage. Darauf lege man die Lagerstoffe: Federn, Haare beziehungsweise Wolle, Fell, roten Stoff und eine Decke.

93.34 Darauf lege man die Göttin mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach oben. Am Kopf stelle man das volle Hauptgefäß, das Vardhani und die weiteren Gefäße auf.

93.35 Die acht Shaktis umgeben sie auf dem Altar. Mit Anrufung und den weiteren Handlungen verehre man sie und bringe Räucherwerk und Licht dar.

93.36 Elefant, Gefäß, Fahne, Lampe, Haarwedel, Muschelhorn, Lotus und Svastika: Diese acht Glückszeichen verehre man.

93.37 Unter dem Schutzmantra binde man ein goldenes Schutzband an. Man besprenge das Bildnis mit dem Wasser des Befriedungsgefäßes und umhülle es mantrisch zum Schutz.

93.38 Man verehre darin die drei Abschnitte Atman, Vidya und Shiva und lege Atman, Antaratman und Paramatman nieder.

93.39 Die vierundzwanzig Tattvas lege man in das Bildnis. In jedem Abschnitt verehre man besonders die Gestalten und ihre Herrinnen.

93.40 Nachdem man diese eingesetzt hat, vollziehe man insbesondere das Feueropfer. Nach dem Abschnitt über das Feuerritual führe man alles bis zum Entfachen aus.

93.41 Man opfere Sesam, Reis, Mungbohnen, geröstetes Getreide, schwarze Bohnen, Weizen, Senf, Milch, Rohzucker, Honig und Früchte,

93.42 außerdem Kokosnuss und Ghee mit den Wurzelmantras. Der vorzügliche Lehrer opfere hundert- oder tausendmal.

93.43 Dann vollziehe man die sühnenden Opfer und die Vollopfergabe. Die Nacht verbringe man wachend; am Morgen bade man.

93.44 Man verehre den Pavillon wie zuvor und opfere der Reihe nach, auch für die neun Planeten und insbesondere zur Behebung von Versäumnissen.

93.45 Man hebe das Bildnis auf, verehre und schmücke es mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben. Der Stifter gehe voran bei der Umrundung des Dorfes.

93.46 Zu einer günstigen Stunde und unter günstigem Aszendenten setze man es auf seinen Sitz. Nach der Mantra-Niederlegung und den weiteren Handlungen vollziehe man die Niederlegung der Lebenskraft.

93.47 Man berühre das Bildnis, wiederhole die Mantras, opfere und bringe die Vollopfergabe dar. Unter dem Klang der Instrumente nehme man die Gefäße auf die Köpfe.

93.48 Man umschreite den Tempel und betrete das innerste Heiligtum. Der Reihe nach lege man die Laute von a bis ksha nieder.

93.49 Man verehre mit der Anrufung und den weiteren Handlungen und vollziehe das Übergießen der Reihe nach, auch mit Sesamöl und den fünf Kuhprodukten.

93.50 Mit Milch, Dickmilch, Früchten, Honig und guten Duftstoffen verehre man sie. Man schmücke sie mit Stoffen, Schmuck, Duftpaste und Blumengirlanden.

93.51 Danach bringe man Räucherwerk, Licht und Speisegaben aus festen und weichen Speisen dar. Der Stifter ehre den Lehrer mit Stoffen, Gold und Ringen.

93.52 Besonders schenke er Kühe und gebe den Opferlohn. Der Stifter empfange selbst das segnende Übergießen und werde mit Duftstoffen und Blumen geschmückt.

93.53 Armen, Blinden, Bedürftigen und anderen gebe er nach seinem Vermögen Gaben. Wer dies mit Hingabe zur Verwirklichung seiner guten Wünsche ausführt, erlangt die ersehnten Ziele und erfreut sich lange daran.

Kapitel 94: Die Erneuerung des Tempels und der Tanzhalle

94.1 Ich werde das Verfahren der Erneuerung erklären, das den Menschen alle Güter bringt. Wenn Tempel, Linga oder Sockel verfallen sind, soll man sie erneuern.

94.2 Wo in einem Dorf, einer Stadt, einem Wald oder auf einem Berg ein Shiva-Linga fehlt, ist der Ort nach dieser Lehre dem Feind ausgesetzt.

94.3 Darum sorge man mit aller Sorgfalt für Shivas Heiligtum. Was durch den Lauf der Zeit verfallen, zerbrochen, gerissen oder umgestürzt ist,

94.4 das frühere Linga, den Sockel oder das Gebäude, gebe man auf und erneuere es. Dies betrifft den Tempel, den Torturm, das Heiligtum und den Fahnenmast,

94.5 die Turmbekrönung, den Schmuckpavillon, die Tanzhalle, die Bilderhalle, den Versammlungsraum und den Audienzpavillon.

94.6 Sind diese verfallen, beschädigt, stark abgenutzt oder durchlöchert, erneuere man sie aus Stein, Metall, Holz, Ton oder Ziegeln.

94.7 Dies gilt für eine Turmbekrönung mit verlorenen Proportionen, für langgestreckte, mit Pfeilern geschmückte Bauten, für Löcher in Bilderhallen und für verrückte Bekrönungsecken,

94.8 verlorene Lotus-Eckzierden, verformte Gefäß-Eckzierden, beschädigten Figurenschmuck sowie Löwen- und Nischenfriese,

94.9 die acht Elefanten, Schlangenfiguren, Eckpavillons und Hallen, die vier Tore und die vier umgebenden Gottheiten,

94.10 die östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Hallen und die Bilder Indras, Dakshinamurtis, Vishnus, Brahmas und des Stieres,

94.11 die Teile von Ishanas Bereich bis zur Turmspitze, Sockel-, Hals- und Friesglieder, mittlere Pfeiler und reich geschmückte Hallen,

94.12 Löwenhallen, Strahlenhallen, Richtungshallen, Torhallen, Nebenhallen, Ecken, mittlere Bereiche und Grundpfeiler.

94.13 Bei Beschädigung oder Verfall dieser Teile führe man die Wiederherstellung aus. Sie geschehe wie zuvor nach den Regeln der Baukunst.

94.14 Man stelle dieselbe Form wieder her, die zuvor vorhanden war. Dies gilt beim Hauptlinga, beim Bildnis, beim Wandbild und beim Sockel,

94.15 bei aus Ziegeln und Mörtel gestalteten Figuren, im innersten Heiligtum und an dessen Wand sowie bei abgesplitterten oder zerbrochenen Steinen.

94.16 Was dort beschädigt oder verfallen ist, stelle man wie zuvor wieder her. Die göttliche Gestalt des Hauptlinga übertrage man in ein hölzernes Linga.

94.17 Im Pavillon verehre man mit Anrufung und Einsetzung die acht Vidyeshvara-Gefäße, das Vardhani und das Hauptgefäß.

94.18 Dann vollziehe man das Feueropfer für die Gottesgestalten und der Reihe nach die Verehrung der sechs kosmischen Wege. Mit der Niederlegung der Lebenskraft verbinde man das Shiva-Mantra.

94.19 Den Lehrer ehre man mit Stoffen, Gold und Ringen. Nach den fünf Reinigungen verehre man die fünf Umhüllungskreise.

94.20 Anrufung und Einsetzung sind Glieder der Verehrung. Nachdem man die Gegenwart im hölzernen Linga eingesetzt hat, vollziehe man dessen Übergießen.

94.21 Nach dem früher beschriebenen Weg verehre man das hölzerne Linga. Am Ende eines Mandala-Zeitraums vollziehe man erneut die Besprengung am wiederhergestellten Linga.

94.22 Die Wiederheiligung erfolge nach der Vorschrift der Schrift. Muss das innerste Heiligtum erneuert werden, errichte man den Pavillon neu.

94.23 Zum Gedeihen von König und Reich soll die Wiedereinsetzung vor Ablauf eines Mandala erfolgen. Bei einer Verzögerung auf sechs Monate oder ein Jahr wird der Untergang von König und Reich angedroht.

94.24 Am Ende des Mandala setze man nach dem früheren Verfahren wieder ein. Der Guru richte die Opferhalle her und setze fünf Feuer ein.

94.25 Tägliche und anlassbezogene Riten seien wie zuvor auszuführen. Man verehre dort mit doppeltem Aufwand und vollziehe das Feueropfer in doppelter Zahl.

94.26 Man bewirte Brahmanen und vollziehe Mantrawiederholung und Feueropfer nach der Vorschrift. Bei Schäden am Linga oder Bildnis, an Armen und Krone,

94.27 Hals, Ohren, Knien, Fußbereich, Händen, Handgelenken, Fingern, Nase, Lippen und Augen,

94.28 am Nacken, zwischen den Brüsten oder an der verborgenen Körperregion lasse man das Verfallene oder Beschädigte neu herstellen.

94.29 So verfahre man bei Mahesha-Bildnissen, die für Feste herausgetragen werden, ebenso bei Trägern, hölzernen Sockeln und tragbaren Schreinen,

94.30 bei Fadenbindungen, Metallstiften und beschädigten oberen Bildteilen. Während eines großen Festes nehme man zunächst das Bildnis aus seiner Verwendung heraus.

94.31 Innerhalb von drei, fünf oder sieben Nächten stelle man es wie zuvor wieder her und vollziehe die Wiederheiligung durch Besprengen.

94.32 Die täglichen Festhandlungen vom Fahnenhissen bis zum heiligen Bad vollziehe man weiter. Bei Bildnissen aus Edelstein, Gold, Silber, Kupfer,

94.33 anderem Metall, Holz oder Ziegeln verfahre man wie zuvor nach dem im Sühnekapitel genannten Weg.

94.34 Die Halle ist mit steinernen und hölzernen Pfeilern und mit Bilderflächen aus Ziegeln und Mörtel geschmückt.

94.35 Ihre vier Pfeiler entsprechen den vier Veden, ihre oberen Stützen den sechs Lehrsystemen, ihre Aufbauten dem Shiva-Tattva und Shivas Gestalt.

94.36 Sie ist von den Wegen der Laute, Wörter, Tattvas und Mantras umgeben, ebenso von den Formen der Kalas und Welten, und in ihrer Mitte erstrahlt der Tanz.

94.37 Yakshas, Gandharvas, Siddhas, Kinnaras und Weise dienen dort; dreiunddreißig Koti Götter und hingebungsvolle Diener umgeben sie.

94.38 Die Gottheiten befinden sich jeweils an ihren eigenen Plätzen und sind einzeln als Wandbilder nach den Regeln der Bildkunst dargestellt.

94.39 Göttliche Trommeln erklingen, Hari und Brahma geben den Rhythmus; Muschelhörner, Trompeten, Zimbeln und weitere Instrumente erschallen.

94.40 Bhutas, Vetalas, Pishachas, Yakshas und Rakshasas umgeben die Versammlung innen und außen in vielfältigen Gestalten.

94.41 Göttliche Rufe, vedische Rezitation und Instrumentalklang erfüllen sie. Gold und Blumen regnen herab; Götter und Asuras verneigen sich.

94.42 Torhallen, Torgottheiten und Nandikeshvara dienen ihr; Vighnesha, Skanda, der Herr der Götter, der Stier und der Bali-Sockel sind an ihren Plätzen.

94.43 Mit Fahnenmast und Richtungssockeln ausgestattet, birgt sie den Herrn der großen Festversammlung: im Hallenaufbau tanzend, auf einem edelsteinbesetzten Löwenthron,

94.44 der auf seiner linken Seite stehenden Göttin liebevoll zugewandt, mit dem Glanz des gebeugten Fußes und dem Netz klingender Glöckchen.

94.45 Anandatandava, der Tanz der Wonne, Sandhyatandava, der Dämmerungstanz, Gauritandava und Tripuratandava,

94.46 Kalitandava, der Tanz für die Weisen und Sabhatandava, der Tanz in der Versammlung: Diese sieben Tänze werden genannt.

94.47 Mit ihnen erfüllt er die Mitte der Halle und gewährt den Göttern Befreiung. Schon ein einziges Erblicken schenkt nach dieser Verheißung Vereinigung mit Shiva.

94.48 Am Hallenaufbau, an Turmbekrönung, Stäben, Leisten und Halszone, an der Bilderhalle, an Figuren und an gemalten Wandgottheiten:

94.49 Wo dort Bruch oder Verfall auftritt, führe man die Wiederherstellung aus. Bei der Erneuerung halte man sich an die frühere Gestalt des Bildnisses.

94.50 Am bisherigen Platz, im Nordosten, Süden, Norden oder Westen errichte man ein vorläufiges Heiligtum und bereite alles der Reihe nach wie zuvor.

94.51 In diesem vorläufigen Heiligtum und seiner Halle stelle man aus Holz oder Ton gefertigte Gottesbilder sowie die entsprechenden Wandbilder an ihre jeweiligen Plätze.

94.52 Man rufe die Gottheiten herbei und verbinde sie zunächst mit den Gefäßen. Danach vollziehe man das Feueropfer für die Gottesgestalten und das Überführungsopfer.

94.53 Den Pavillon reinige man nach dem Verfahren der Vastu-Verehrung. Der Kundige lasse die Segenssprechung vollziehen und verwende danach Panchagavya.

94.54 Dann ehre man den Lehrer mit Stoffen, Gold und Ringen. Er trage Armreif, goldene Schnur und Ohrschmuck.

94.55 Zuerst erfolgt die Selbstreinigung, zweitens die Ortsreinigung, drittens die Reinigung der Opferstoffe und viertens die Mantrareinigung.

94.56 Fünftens folgen Gefäßreinigung, sechstens Gefäßverehrung, siebtens die Anrufung der Gottheiten und achtens die Verehrung.

94.57 Neuntens folgt das Feuerritual, zehntens die Spiegelverehrung, elftens das Übergießen und zwölftens die Verehrung des Bildnisses.

94.58 Dreizehntens folgt die Verehrung der Halle, vierzehntens die Mantra-Niederlegung, fünfzehntens die Speisegabe und sechzehntens die weiteren Ehrengaben.

94.59 In Nateshas Halle vollziehe man vom Anbinden des Schutzbandes bis zur erneuten Besprengung das tägliche Feueropfer,

94.60 die sühnenden und weiteren Opfer und besonders die Bali-Darbringung. Der Lehrer führe dort zusammen mit Initiierten die tägliche Verehrung aus.

94.61 Bis zur Wiederheiligung vollziehe man Mantrawiederholung, Verehrung und Feueropfer. Man bewirte Brahmanen, verbunden mit Opferlohn und Salbung.

94.62 Als beste Frist gilt ein Mandala-Zeitraum, als mittlere ein halbes Jahr und als untere ein Jahr. So ist die Frist dreifach. [Dies steht in Spannung zur strengen Frist in 94.23.]

94.63 Das wegen der Erneuerung verwendete Gefäß des Herrn richte man wie zuvor her. Wandbilder und andere Gottesbilder stelle man in ihrer früheren Gestalt wieder her.

94.64 Die Wiederheiligung finde zu einer günstigen Stunde unter einem festen Aszendenten statt. Als Dauer werden sieben, drei oder fünf Tage angegeben.

94.65 Man beginne mit dem Holen der Erde. Zweitens folgt die Keimsaat, drittens die Vastu-Verehrung und viertens das Öffnen der Augen.

94.66 Fünftens folgt die Reinigung des Bildnisses, sechstens die Pavillonverehrung, siebtens das Feuerritual und achtens die Mantraverehrung.

94.67 Neuntens folgt die Spiegelverehrung, zehntens das Übergießen, elftens die Niederlegung der Lebenskraft und zwölftens die Verehrung der Gottesgestalten.

94.68 Dreizehntens folgt die Einsetzung der sechs kosmischen Wege, vierzehntens die Speisegabe. Fünfzehntens verehre der vorzügliche Lehrer die Begleitgottheiten.

94.69 Sechzehntens folgen die Ehrengaben. So ist das Verfahren der Wiederheiligung angegeben. Nach der Schrift vollziehe man die erneute Einsetzung des Herrn.

94.70 Den Lehrer ehre man dort, mit allem Schmuck versehen, durch zehn Nishka Gold und Betel.

94.71 Die Zufriedenheit des Lehrers ist ein Grund für die lebendige Gegenwart des Gottes. Wer die Schmuckhalle weiht, wird in Shivas Welt geehrt.

94.72 Wer den Herrn der Versammlung einsetzt, erreicht ein verdienstvolles Ziel. Schon zu Lebzeiten ist er gesegnet und erblickt die Stufe der Befreiung.

94.73 Ob mit hundert Koti Grashalmen, zehn Koti Erdbauteilen, hundert Koti Ziegeln, aus Stein oder aus Holz:

94.74 Man errichte die Schmuckhalle sachgerecht und mit Hingabe. Die Frucht der Weihe von tausend Shiva-Tempeln an Stätten der Befreiung

94.75 wird durch den Bau dieser Halle um das Zehnmillionenfache übertroffen. Schon durch ihren Anblick wird man in Shivas Welt geehrt.

94.76 Ist der Herr der Versammlung eingesetzt, sind alle Götter eingesetzt. Durch ein einziges Erblicken erlangt man die Frucht von zehn Millionen Opfern.

94.77 Wer Natesha in seiner Tanzgestalt Betel darbringt, wird für tausend Koti Kalpas in Shivas Welt geehrt.

Kapitel 95: Das Zurückziehen der göttlichen Kräfte

95.1 Nun werde ich das Verfahren des Zurückziehens der Kalas erklären, o Bester der Gurus. Höre aufmerksam und voller Vertrauen.

95.2 Dieses Zurückziehen der Kalas ist zweifach: shaktisch und shaivitisch. Zum shaktischen Verfahren gehören Dutika, die Einsetzung der Lebenskraft und weitere entsprechende Handlungen.

95.3 Weil Dutika eine Kraft der Prakriti ist und Prana zur nichtbewussten Natur gehört, ist eine solche Hervorbringung beim höchsten Herrn, dessen Wesen Bewusstsein ist, nicht angemessen.

95.4 Der Laut a, der Laut u, der Laut m und Bindu, dazu die drei Stufen Halbmond, Nirodhi und Nada, o Guru:

95.5 Die drei zuletzt genannten sind in der Kala namens Nada zusammengefasst. So werden fünf Kalas genannt. Diese sollst du zurückziehen, Guru.

95.6 Dies nennt man das Zurückziehen der Kalas im shaivitischen Verfahren, o Bester der Gurus. Shiva selbst, der jenseits der Kalas ist,

95.7 rufe man insbesondere durch das Verfahren der Anrufung herbei. Auch dies wird Kalakarshana genannt. Das shaktische Verfahren ist shaktisch, das shaivitische shaivitisch auszuführen.

95.8 Wer es aus Verwirrung anders vollzieht, dessen Handlung bleibt fruchtlos. Shiva wird in neun Gestalten vergegenwärtigt, o Bester der Gurus:

95.9 Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara, Sadashiva, Bindu, Nada, Shakti und Shiva.

95.10 Diese neunfache Gestalt wird nach Genuss und den weiteren Funktionen dreifach gegliedert. Brahma, Vishnu und Rudra gelten als Glieder des Genusses.

95.11 Maheshvara und Sadashiva sind die Glieder der wirksamen Herrschaft. Bindu, Nada, Shakti und Shiva gelten als Glieder der Auflösung.

95.12 Shambhus als Genuss und Auflösung bezeichnete Körper rufe man im Gefäß an; seinen der wirksamen Herrschaft zugehörigen Körper im Feuer.

95.13 Für das Zurückziehen der Kalas gilt Mitternacht als beste Zeit, zehn Nadikas als mittlere und fünf Nadikas als untere. [Der Bezugspunkt der beiden Zeitabstände bleibt ungenannt.] Bei Tage oder in der späteren Nacht soll man es nicht ausführen.

Kapitel 96: Shaktis Formen und die Übertragung ihrer Kräfte

96.1 Shakti ist als vierfach zu erkennen; höre ihre Unterscheidung, o Bester der Gurus: die eigenständige, die alleinstehende, die mitgeborene

96.2 und die gemischte. So wird Maheshas Shakti vierfach gegliedert. Grundsätzlich wird Parameshvaras Shakti jedoch zweifach genannt.

96.3 Die erste ist seine eigene Kraft, Svashakti, die zweite die angenommene Kraft, Parigraha. Die von Shiva nicht verschiedene Shakti heißt seine eigene Kraft.

96.4 Die nur für eine bestimmte Wirkung eingesetzte heißt angenommene Kraft. In allen Shiva-Tempeln gilt die höchste Shakti, die zusammen mit dem Shiva-Linga

96.5 eingesetzt ist, als seine eigene Kraft. Eine Shakti, die im Shiva-Tempel an einem anderen Platz als diese Haupt-Shakti

96.6 im Umkreis eingesetzt ist, gilt dagegen als angenommene Kraft. Eigenständig, alleinstehend und mitgeboren

96.7 heißen die drei Unterformen der eigenen Shakti. Die gemischte Shakti wird als angenommene Kraft bezeichnet.

96.8 Die eigenständige Shakti wird wiederum zweifach unterschieden: als selbst die Hauptgottheit bildend und als eigenes Glied zugehörig, o Bester der Lehrer.

96.9 Im dritten oder zweiten Tempelhof errichte man ein göttliches Heiligtum der Göttin, mit Umfassungsmauer und Torturm und von schönen Pavillons umgeben,

96.10 versehen mit Turmbekrönung, Fahne, Bali-Sockel und Stier, anmutig und mit den vorgeschriebenen Merkmalen.

96.11 Die darin eingesetzte Shakti gilt als selbstständige Hauptgottheit. In welche Richtung das vordere Tor von Shivas Heiligtum weist,

96.12 dorthin kann auch der Eingang des Göttinnenheiligtums ausgerichtet werden. Weist Shivas Eingang nach Osten,

96.13 kann ihr Eingang auch nach Westen, links oder rechts liegen. Für diese selbstständige höchste Shakti besteht dann keine feste Richtungsbindung.

96.14 Weist Shivas Eingang dagegen nach Westen, soll der Eingang des Heiligtums der selbstständigen höchsten Shakti nach Osten weisen.

96.15 Ähnlich wie bei der Hauptgottheit ist die als eigenes Glied zugehörige Shakti im Shiva-Heiligtum besonders einzurichten.

96.16 Auch sie habe einen eigenen vorzüglichen Tempelbau mit Stier und Fahne, jedoch ohne Begleitgottheiten.

96.17 Für die mitgeborene höchste Shakti bereite man einen Platz innerhalb der Umhüllung des innersten Heiligtums oder im inneren Hof, vorne bei Maheshvaras Gegenwart.

96.18 Der Lehrer richte ihren Eingang nach Süden. An Shivas linker Seite gestalte man den vor ihr liegenden Raum.

96.19 Für die alleinstehende Shakti errichte man an einem vom Shiva-Heiligtum getrennten Platz außerhalb der Umfassungsmauer einen schönen Tempel,

96.20 mit Torturm, Fahne, Tempelbau und Umfassungsbereichen. Für die gemischte höchste Shakti errichte man im Shiva-Tempel

96.21 innerhalb des Umkreises ein eigenes gutes Heiligtum an einem anderen Platz als dem seiner eigenen Shakti. Sie ist die angenommene Kraft Ishas, o Bester der Gurus.

96.22 An einem anderen Ort, getrennt vom Shiva-Tempel, kann man für sie auch ein eigenes Heiligtum mit Tempelbau, Torturm, Fahne, Umfassungsmauern und Pavillons errichten.

96.23 Es sei mit Löwe oder Schwan, einem Bali-Sockel und den vorgeschriebenen Merkmalen ausgestattet und schön gestaltet.

96.24 Für die im Shiva-Heiligtum eingesetzte Shakti gibt es grundsätzlich kein getrenntes Fest. Die selbstständige und die als eigenes Glied zugehörige Form können jedoch eigene Feste erhalten.

96.25 Höre nun die Verehrung der Umhüllungskreise dieser Shiva-Shaktis: der selbstständigen, der als eigenes Glied zugehörigen, der mitgeborenen und der alleinstehenden.

96.26 In ihrem ersten Umhüllungskreis verehre man Para, Adi, die Willenskraft, die Handlungskraft und die Erkenntniskraft.

96.27 Man rufe diese fünf Shaktis herbei und verehre sie besonders. Dazu lege man die sechs Gliedermantras, beginnend mit dem Herzen, und den Vidya-Körper nieder.

96.28 Auch die Augen-Niederlegung vollziehe man und verehre dann, o Bester der Gurus. Im zweiten Umhüllungskreis befinden sich Dharika und die weiteren Shaktis.

96.29 Man meditiere über sie, rufe sie herbei und verehre sie. Im dritten Kreis verehre man der Reihe nach Vama und die übrigen.

96.30 Shachi und die weiteren Shaktis rufe man vorschriftsmäßig herbei und verehre sie im vierten Umhüllungskreis.

96.31 Über die Waffen der Shaktis, beginnend mit Shachi, meditiere man vorschriftsmäßig im fünften Kreis und verehre sie dort.

96.32 Handelt es sich um die gemischte Shakti, verehre man im ersten Kreis Uma, Ambika und die weiteren Shaktis. Sorgfältig lege man die Herz- und übrigen Gliedermantras,

96.33 den Vidya-Körper und das Augenmantra nieder und vollziehe die Verehrung. Vama und die weiteren Shaktis verehre man im zweiten Kreis.

96.34 Kshobhini und die weiteren Shaktis rufe man vorschriftsmäßig herbei und verehre sie im dritten Kreis, o Bester der Gurus.

96.35 Shachi und die übrigen Shaktis rufe man ebenfalls vorschriftsmäßig herbei und verehre sie im vierten Kreis, du Geliebter der Gurus.

96.36 Über ihre Waffen meditiere man der Reihe nach im fünften Umhüllungskreis und vollziehe dort ihre Verehrung.

Kapitel 97: Das Fest Gauris

97.1 Ich werde das Festverfahren Gauris erklären, das König und Reich gedeihen lässt, allen Reichtum vermehrt, Ruhm wachsen lässt und Glück bringt.

97.2 Sava wird hier als Leid erklärt, das allem Gedeihen entgegensteht. Weil dieses Leid hinausgehoben wird, heißt das Fest Utsava.

97.3 Das Fest wird nach täglichem und den weiteren Anlässen dreifach genannt. Die Zeiten entsprechen denen Shivas; ebenso Fahne, Trommelschlagen und Keimsaat.

97.4 Das Maß des Fahnenmasts richtet sich nach der Turmbekrönung und den entsprechenden Tempelteilen. Sein unterer Bereich verkörpert Adishakti und ist dreieckig.

97.5 Darüber folgt ein sechseckiger Bereich, danach ein viereckiger; der obere Teil verkörpert Shakti.

97.6 Er habe drei Verzweigungen und einen Nebenstab. Maße und Einteilung des Masts seien wie angegeben und wie im Shiva-Ritus.

97.7 Das Fahnentuch gilt als Anushakti, mit Fasern und Darbha-Girlanden versehen. Länge und Breite werden wie bei Shiva angegeben.

97.8 Der vorzügliche Kunstkundige vermindere jedoch jedes Maß um eine Fingerbreite. In die Mitte des Tuches zeichne man eine schwarze Antilope.

97.9 Das Übrige zeichne man wie bei Shiva, dazu eine Wasserlilie. Der schwarzen Antilope ist die vorzügliche, glückverheißende ursprüngliche Shakti namens Shanta zugeordnet.

Die anschließenden unnummerierten Anrufungen lauten in deutscher Übersetzung: »Wir erkennen den mit scharfen Hörnern; wir meditieren über den, dessen Füße die Veden sind. Möge die Antilope uns inspirieren!« Und: »Wir erkennen den mit spitzen Ohren; wir meditieren über den, dessen Füße die Veden sind. Möge die Antilope uns inspirieren!«

97.10 Oder man zeichne einen Stier in die Mitte des Tuches. Shanta, Satkala, Sara und Taruna,

97.11 Sakshin, Samidha, Sadgimi und Vara werden insbesondere als Welthüter seines Gefolges genannt. [Einige Eigennamen sind in der Lesung unsicher.]

97.12 Kami, Gamika, Mohi, Nili, Bala, Vicharini, Dami und Cheta werden als weiteres Gefolge genannt.

97.13 Schwarze Antilope und Stier gelten als zwei Gestalten Vishnus. Die schwarze Antilope gehört zur Erscheinung für Befreiung, der Stier zur Erscheinung für Wohlergehen.

97.14 Findet das Shakti-Fest im heiligen Bezirk Shambhus statt, kann der Kundige Stier oder Löwe auf das Tuch zeichnen.

97.15 Der Mantrakundige zeichne den Stier, der vor Shakti steht. Auf Anweisung des Lehrers kann er auch eine schön glänzende schwarze Antilope darstellen.

97.16 Wird das Fest im eigenen heiligen Bezirk Shaktis begangen, zeichne der Kundige Stier oder Löwe ordnungsgemäß auf das Tuch.

Die anschließende unnummerierte Anrufung lautet: »Wir erkennen den mit scharfen Hörnern; wir meditieren über den, dessen Füße die Veden sind. Möge der Stier uns inspirieren!«

97.17 Die makellose Shakti des Stieres heißt Vrishani. Viroksha, Nirmaloksha und Vijayoksha,

97.18 Shuroksha, Drutoksha, Saroksha, Samyaguksha und Nayoksha sind die Namen der Begleiter des Stieres.

Die anschließende unnummerierte Anrufung lautet: »Wir erkennen die mit ruhigen Ohren; wir meditieren über die, deren Füße die Veden sind. Möge Vrishani uns inspirieren!«

97.19 Dugdha, Sara, Rasa, Kama, Datri, Dama, Sukhavaha und Vijayi sind die Begleiterinnen Vrishanis.

Die anschließende unnummerierte Anrufung lautet: »Wir erkennen den mit scharfen Ohren; wir meditieren über die Verkörperung des Dharma. Möge der Löwe uns inspirieren!«

97.20 Die vorzügliche Shakti des Löwen heißt Hasyasimhi. Kvanatsimha, Lasatsimha und Narasimha,

97.21 Nadatsimha, Nadasimha, Drutasimha, Arasimha und Kamasimha sind die Begleiter des Löwen.

Die anschließende unnummerierte Anrufung lautet sinngemäß: »Wir erkennen die [erstes Beiwort unklar]; wir meditieren über die Stärkung des Dharma. Möge die Löwin uns inspirieren!«

97.22 Kopa, Maruta, Martya, Taraki, Sarvamohini, Kruddhi, Kuhu, Vali und Vakri werden als die acht Begleiterinnen der Löwin genannt. [Die Liste enthält neun Namen.]

97.23 Eine weitere Achtzahl ihrer Begleiterinnen lautet Vara, Vakuli, Mali, Mayi, Somi, Vilasini, Mudati und Kundadanti.

97.24 Das Fest vollziehe man vorschriftsmäßig neun, sieben, fünf, drei oder einen Tag lang. [Die Zahlen werden teilweise durch symbolische Zahlwörter ausgedrückt.]

97.25 Vierzehn oder neun Tage vorher beginne man mit dem Fahnenhissen. Champaka, Sandelholz, Khadira, Sarala,

97.26 Asana, Bambus, Madhuka, Areka, Ashoka und Bilva werden als Hölzer für den Fahnenmast genannt.

97.27 Die Standorte entsprechen denen im Shiva-Ritus. Der Kenner der Shiva-Riten befestige das Tuch am Seil und hisse es.

97.28 Nach dem Trommelritus beginne man das Fest. In den vier Richtungen seien yoni-förmige Feuergruben, im Nordosten eine viereckige.

97.29 Man setze Yogesha ein und opfere mit den jeweiligen Mantras. Morgens und abends bringe man Bali dar; anschließend beginne man die Festprozession.

97.30 Sie sei von einer aus Speise gestalteten Shakti und einem Shakti-Bildnis begleitet. Elf Fingerbreiten gelten als beste Höhe.

97.31 Für die mittlere und kleinste vermindere man jeweils um zwei Fingerbreiten. Die Shakti-Gestalt fertige man nach den Regeln der Bildmerkmale an.

97.32 Mit demselben Höhenmaß gestalte man die Shakti aus Speise. Man meditiere über ihre Bali-Gestalt und verehre Shakti in der Mitte.

97.33 Sie hat zwei Augen und zwei Arme, ist friedvoll und leuchtet unermesslich hell. Von Brahma bis Ishana treten Brahmadevi und die weiteren Göttinnen an die entsprechenden Plätze.

97.34 Als Anrufungs-Bali bringe man Milchreis mit Ghee dar. Am ersten Tag gehört die Gabe Ganeshas Shakti, am zweiten Pishachi,

97.35 am dritten Vahnidevi, am vierten Sharvas Shakti, am fünften Bhuta-Shakti und am sechsten Valli.

97.36 Am siebten Tag gehört sie der Sehergottheit, in der achten Nacht Nageshi, in der neunten Indrani und danach Bhudevi.

97.37 Am elften Tag gehört sie Rudrani, in der folgenden Nacht Para. Mungbohnenreis, Jackfrucht und Granatapfel mit Ghee

97.38 gebe man am ersten Tag unter dem Mantra der betreffenden Shakti. Senfreis mit Ghee und Bananen

97.39 gebe man am zweiten Tag unter ihrem Mantra. Milchreis mit Rohzucker, Ghee und geröstetem Getreide

97.40 gebe man am dritten Tag unter ihrem Mantra. Sesamreis mit Ghee und Kuhdickmilch

97.41 gebe man am vierten Tag unter ihrem Mantra. Kurkumareis mit Ghee und der als Pishacha-Frucht bezeichneten Frucht

97.42 gebe man am fünften Tag unter ihrem Mantra. Rohzuckerreis mit Ghee und Kokosnuss

97.43 gebe man am sechsten Tag unter innerer Wiederholung des Valli-Mantras. Rohzuckerreis mit Ghee, mit Milch übergossen,

97.44 gebe man am siebten Tag unter dem Mantra der betreffenden Shakti. Reinen Reis mit Ghee und Zuckerrohrstücken

97.45 gebe man am achten Tag unter ihrem Mantra. Roten Reis mit Honig und Kuchen mit Ghee

97.46 gebe man am neunten Tag unter ihrem Mantra. Ghee-Reis mit Rohzucker und Bananen

97.47 gebe man am zehnten Tag unter ihrem Mantra. Honigreis mit Ghee, dazu Krisara und Kuchen,

97.48 gebe man am elften Tag unter ihrem Mantra. Reis mit Ghee und Sesammehl

97.49 gebe man am zwölften Tag unter ihrem Mantra. Die Anrufung beginnt mit Om, enthält in der Mitte den eigenen Namen im Dativ

97.50 und endet bei der Bali-Darbringung mit svaha. Für alle gemeinsam verwende man »sarvebhyah«. Die größte Bali-Portion entspricht einer Handfläche, die mittlere einer Faust,

97.51 die kleinste einer Aksha-Nuss. So lege man die Bali-Gaben nieder. Karavira, Lotus, Punnaga, Patali,

97.52 Dronapushpa, Mandara, Nandyavarta, Pattika, Malati, Mallika, Wasserlilie und Ketaki

97.53 sind die zwölf besonderen Blumengaben für die zwölf Tage. Am ersten Tag wird ein Arka-Blatt als Träger genannt, am zweiten der Schwan,

97.54 am dritten der Hirsch und am vierten die schwarze Antilope. Am fünften dient ein Blumenhaus, am sechsten ein Gavaya als Träger.

97.55 Am siebten steht Shesha im Mittelpunkt, am achten der Tiger, am neunten der Wagen. Am zehnten Tag vollziehe man das heilige Bad.

97.56 Am vierten Tag inszeniere man einen Zwist mit der Bhoga-Shakti. Die vielfältigen anschließenden Handlungen dienen durch Versöhnungsgaben der Wiedervereinigung.

97.57 Die Versöhnung vollziehe man danach am fünften Tag. Die als Tempeldienerinnen bezeichneten Frauen folgen dabei der Bhoga-Shakti.

97.58 Mit ihnen stelle man den Zwist anmutig dar, zusammen mit den Verehrern. Man teile Speisen und Beilagen auf und gebe den Verehrern ihre Gaben der Reihe nach.

97.59 Am sechsten Tag stelle man die Vernichtung des Kshapana wie bei Parameshvara dar. [Die Bezeichnung des dargestellten Gegners beziehungsweise Ritus ist unsicher.] Alle Verehrer seien dabei und halten die Hände knospenförmig zusammen.

97.60 Man führe den Ritus mit duftender Schlamm- oder Pastenmischung aus und verehre den vorzüglichen Feind Kamas. Alle Verehrer halten dabei die Hände knospenförmig zusammen. [Auch diese Ritualbezeichnung ist unsicher überliefert.]

97.61 Sämtliche Monats-Mondhäuser behandle man wie für Shankara angegeben. Wo sich das Mantra unterscheidet, besteht dennoch kein Unterschied im Handlungsvollzug.

97.62 Im heiligen Bezirk Shankaras bringe man die Bali-Gaben der Reihe nach dar. Der Kundige vollziehe sie vorschriftsmäßig, ohne eine zusätzliche Unterscheidung nach Dorf und anderen Orten einzuführen.

97.63 Was nicht ausdrücklich genannt ist, führe man wie für Shankara angegeben aus. Man soll nicht gegenteilig verfahren; dies würde nach der Lehre dem Ausführenden schaden.

97.64 Zur Befriedung eines solchen Mangels vollziehe man die große Befriedung und veranstalte das Fest danach erneut in der beschriebenen Reihenfolge.

Kapitel 98: Die Gestaltung der Opferhalle

98.1 Nun werde ich die Vorschrift für die Opferhalle erklären; höre. Der Laut ya bezeichnet das Verehren, ga das Gehen,

98.2 sha das Glück und la die Auflösung. Das gute Opfer dient dem Glück und dem Hingehen zum Ort der Auflösung.

98.3 Als von diesem Weg und Opfer erfüllter Raum wird die Yagashala besungen. Den Opferpavillon errichte man vor dem Tempel oder an seinen Seiten.

98.4 Bei einem Tempel mit fünf Umfassungsbereichen richte man die Opferhalle im Bereich des innersten Heiligtums oder im inneren Hof ein,

98.5 oder im mittleren Hof, vorne oder seitlich. Außerhalb dieser Bereiche soll man die Opferhalle nicht anlegen.

98.6 Wer es aus Verwirrung dennoch tut, verursacht nach der Lehre einen Mangel für Menschen, König und Reich. Darum lasse man alles sorgfältig nach dem angegebenen Weg ausführen.

98.7 Auch bei einem Tempel mit vier, drei, zwei oder einem Umfassungsbereich

98.8 errichte man die Opferhalle innerhalb der Umfassung. Außerhalb davon soll man sie nicht bauen.

98.9 Im Nordosten, Osten oder Norden gilt die Opferhalle als am besten gelegen, im Westen als mittelgut.

98.10 Im Südosten, Südwesten oder Nordwesten gilt ihre Lage als geringer, im Süden als die geringste.

98.11 Oder man wähle einen angenehmen Platz für die Opferhalle. Das vom Sockel abgeleitete Maß gilt als bestes, das Maß der Hand des Lehrers

98.12 als mittleres. So wird das Ellenmaß zweifach verstanden. Die Fingerbreite dagegen ist dreifach: Standardmaß, persönliches Maß und aus dem Körpermaß abgeleitetes Maß.

98.13 Als Standard-Fingerbreite gilt die Breite von acht nebeneinandergelegten Gerstenkörnern.

98.14 An der rechten Hand des Lehrers messe man am kleinen Finger das mittlere Glied, von einer Gelenkgrenze bis zur nächsten.

98.15 Diese Länge heißt persönliche Fingerbreite. Oder man verwende am Mittelfinger die Länge des mittleren Fingerglieds

98.16 als persönliches Maß. Die gewählte Gesamthöhe eines Bildnisses teile man in hundertvierundzwanzig Teile.

98.17 Ein solcher Teil heißt die aus dem Körpermaß abgeleitete Fingerbreite. Tempel, Pavillons, Türme und Tortürme,

98.18 Umfassungsmauern, Pfeilerhallen, Wasserläufe, Wege, Festungen, Dörfer und Teiche fertige man nach der Standard-Fingerbreite an.

98.19 Opfergeräte, Opferhallen und entsprechendes Zubehör gestalte man dagegen nach der persönlichen Fingerbreite, nicht nach dem Standardmaß.

98.20 Vierundzwanzig persönliche Fingerbreiten bilden eine Elle. Nach dieser Elle errichte man die Opferhalle und die weiteren entsprechenden Bauten.

98.21 Den Umfang des Hauptsockels teile man durch drei. Ein solcher Teil gilt als das beste Ellenmaß.

98.22 Das von der Hand des Lehrers genommene Maß wird als mittleres genannt. An seiner rechten Hand, bis zur Spitze des Mittelfingers,

98.23 wird ein Maß von siebenundzwanzig Fingerbreiten als mittlere Elle angegeben. Auch das mittlere Glied des Mittelfingers der rechten Hand des Lehrers

98.24 dient als Bezugsmaß für die kleinere Elle. Weniger als vierundzwanzig Fingerbreiten soll eine Elle nicht betragen. [Die Varianten des Handmaßes sind im Wortlaut nicht vollständig aufeinander abgestimmt.]

98.25 Höre: Gestaltete Bildnisse und vorläufige Lingas sind nach dem aus dem Körper abgeleiteten Maß anzufertigen. Andernfalls wird Unheil für das Reich genannt.

98.26 Darum lasse man sie mit aller Sorgfalt nach dem angegebenen Weg herstellen. Nun erkläre ich die Ausdehnung der Opferhalle; höre.

98.27 Fünfzig Ellen gelten als beste Größe, vierzig als mittlere und dreißig als kleinere.

98.28 Als noch kleinere werden fünfzehn oder zwölf Ellen genannt. Darunter soll man nicht gehen.

98.29 Für Sühneriten kann man Größen von elf bis drei Ellen verwenden. Man grabe den Boden eine Elle tief aus, und der vorzügliche Lehrer untersuche ihn.

98.30 Werden Gold, Silber, Kupfer, Edelsteine und andere wertvolle Stoffe, alte Wasseranlagen, Brunnen, Teiche, Ziegel oder Stein gefunden,

98.31 gilt dies als glückverheißend. Höre nun die ungünstigen Zeichen: Skorpione, Schlangen, Frösche, Ameisenhügel und Ameisen,

98.32 Kohle, Nägel, Asche, Haare, Knochen, Haut und andere giftige Tiere gelten als unheilvoll.

98.33 Man entferne Skorpione und die übrigen Dinge und vollziehe die Vastu-Handlung erneut. Andernfalls wird selbst ein Shiva Gleicher von Hindernissen überwältigt.

98.34 Danach fülle man Erde ein und lege die neun Edelsteine nieder. Unter dem Altar vollziehe man ebenfalls die Edelsteinniederlegung.

98.35 Man ebne und bestreiche die Fläche, bis sie glatt wie ein Spiegel ist. Darauf lege man die Linienraster nach der höchsten und den übrigen Ausführungen an.

98.36 Für die Halle gibt es fünf Linienraster: Rudra, Vishnu, Brahma, Manu und Ravi.

98.37 Vierundvierzig Linien heißen Rudra-Raster, vierunddreißig Vishnu-Raster,

98.38 vierundzwanzig Brahma-Raster und vierzehn Manu-Raster.

98.39 Zwölf Linien bilden das Ravi-Raster. So gestalte man die fünf Raster der Reihe nach. Nun erkläre ich die Feldfolge des Rudra-Rasters.

98.40 In der Mitte liegt ein einziges quadratisches Shiva-Feld. Ringsum ordne man acht Felder an.

98.41 Diese bilden den wohlgestalteten Shakti-Bereich mit gleicher Länge und Breite. Ringsum lege man sechzehn Felder an, Guru.

98.43 Dieser Bereich heißt Bindu, o Bester der Lehrer. Ringsum lege man danach die als »vier und acht« bezeichnete Feldzahl an. [Die Versnummer 42 fehlt; zwischen Bindu und dem folgenden Bereich liegt eine Textlücke oder verkürzte Zahlenangabe.]

98.44 Der folgende Bereich heißt Sadashiva. Rings darum wird mit vierzig Feldern der Maheshvara-Bereich angegeben.

98.45 Mit achtundvierzig ringsum angeordneten Feldern entsteht der Bereich der acht Vidyeshvaras, o Bester der Gurus.

98.46 Sechsundfünfzig Felder bilden den Isha-Bereich, vierundsechzig den Bereich der reinen Maya.

98.47 Zweiundsiebzig Felder bilden den Mantra-Bereich, achtzig den Laut-Bereich.

98.48 Achtundachtzig Felder bilden den Gana-Bereich; sechsundneunzig den vorzüglichen Prakriti-Bereich.

98.49 Hundertvier Felder bilden den Kala-Zeitbereich; hundertzwölf den Kala-Kraftbereich.

98.50 Hundertzwanzig Felder bilden den Vidya-Bereich; hundertachtundzwanzig den Vishnu-Bereich.

98.51 Hundertzwanzig Felder bilden den Vidya-Bereich; hundertachtundzwanzig den Vishnu-Bereich. [Dieser Vers wiederholt 98.50 in der Vorlage.]

98.51a Danach wird Avidya mit hundertsechsunddreißig Feldern angegeben; hundertvierundvierzig bilden Vikriti. [Die Vorlage verwendet hier die Versnummer 51 ein zweites Mal.]

98.52 Hundertzweiundfünfzig Felder bilden den Brahma-Bereich, hundertsechzig den göttlichen Bereich, o Bester der Lehrer.

98.53 Hundertachtundsechzig bilden den Rakshasa-Bereich. Das Shiva-Feld ist als Standort des Hauptgefäßes bestimmt.

98.54 Im Shakti-Bereich zeichne man den Lotus. Im umgebenden Nada-Bereich grabe man an den vier Ecken vier Pfeiler ein; im verbleibenden mittleren Bereich

98.55 ordne man die acht Glückszeichen an. Als innerer Umgang wird das zwölfte Feld genannt. Zwischen Bindu und Sadashiva

98.56 lege man vorschriftsmäßig die Feuergruben ringsum an. Der Maheshvara-Bereich heißt der äußere Umgang. [Die vorangehende Bereichsfolge ist in diesem Abschnitt teilweise lückenhaft.]

98.57 Im Bereich der acht Vidyeshvaras errichte man ringsum eine Mauer von einem Feld oder einem halben Feld Breite.

98.58 Sie sei zwölf Fingerbreiten hoch. In der Mitte der vier Richtungen, vom Osten beginnend, lasse man ein oder zwei Felder

98.59 für die Tore frei. An den vier Ecken grabe man vier Pfeiler ein und an beiden Seiten der Tore

98.60 jeweils zwei weitere, fest und schön. Höre nun die Maße dieser zwölf Pfeiler.

98.61 Zehn Ellen Höhe gelten als beste, sieben als mittlere und fünf als kleinere Ausführung.

98.62 Das beste Tor sei sieben Ellen hoch und halb so breit, schön und sorgfältig gestaltet.

98.63 Das mittlere Tor sei fünf Ellen hoch und halb so breit. Ein anderes, kleineres gilt als untere Ausführung.

98.64 Über dem Tor bringe man seitlich zwei Dreizackzeichen und in der Mitte einen weiteren Dreizack an.

98.65 Die acht Vidyeshvara-Gefäße stelle man auf der Mauerkrone ringsum auf. [Diese Anweisung wird im Sanskrit innerhalb des Verses wiederholt.]

98.66 Der Isha-Bereich heißt ebenfalls innerer Umgang. Zwischen dem Bereich der reinen Maya und dem Mantra-Bereich

98.67 lasse man vorschriftsmäßig die Feuergruben anlegen, o Bester der Gurus. Der Laut-Bereich heißt der äußere Umgang.

98.68 Der Gana-Bereich bildet die Mauer des dritten Umhüllungskreises. Die Mauer gestalte man ein Feld oder ein halbes Feld breit,

98.69 zwölf Fingerbreiten hoch, schön und fest verbunden. In der Mitte der vier Richtungen lasse man jeweils zwei Felder

98.70 für die Tore frei. An den vier Ecken grabe man vier Pfeiler ein, an beiden Seiten der Tore

98.71 jeweils zwei weitere, fest und schön. Auf den Linien, die von den Eckpfeilern des zweiten Kreises ausgehen,

98.72 stelle man der Reihe nach je einen weiteren Pfeiler auf, insgesamt acht. So werden für den dritten Kreis zwanzig Pfeiler genannt.

98.73 Auf der Mauer ordne man ringsum acht Gefäße an und setze Nandin und die übrigen acht Gottheiten der Reihe nach darin ein.

98.74 Der Prakriti-Bereich heißt innerer Umgang. Zwischen dem Zeitbereich und dem Kala-Kraftbereich

98.75 lege man die Feuergruben vorschriftsmäßig an. Der Vidya-Bereich heißt der äußere Umgang.

98.76 Der Vishnu-Bereich bildet die Mauer des vierten Kreises. Wie zuvor setze man vier Pfeiler an die vier Ecken.

98.77 Wie zuvor lasse man an den Torlinien je zwei Felder frei. Auf den Linien der Pfeiler, die an den Ecken und in der Mitte des dritten Kreises stehen,

98.78 grabe man weitere Pfeiler fest ein. Die Gefäße Indras bis Ishanas stelle man ringsum auf die Mauerkrone,

98.79 jeweils in ihre Richtungen. Neben dem südlich von Ishana stehenden Pfeiler stelle man Brahmas Gefäß auf.

98.80 Neben dem nördlich von Nirriti stehenden Pfeiler stelle man Vishnus Gefäß. Der Avidya-Bereich heißt der innere Umgang.

98.81 Zwischen Vikriti und Brahma lege man die Feuergruben an. Der göttliche Bereich dient als äußerer Umgang.

98.82 Der Rakshasa-Bereich bildet die Mauer des fünften Kreises. Die Torstellen bestimme man wie zuvor auf den Torlinien.

98.83 An den vier Ecken grabe man vier Pfeiler fest ein. An den vier Toren stelle man wie zuvor jeweils zweimal zwei Pfeiler auf.

98.84 Entsprechend den Pfeilerlinien des vierten Kreises grabe man an jeder der vier Seiten sechs weitere Pfeiler ein, o Bester der Gurus.

98.85 Die Waffen der Gottheiten von Purandara bis Vishnu stelle man auf der Mauer des fünften Kreises entsprechend den jeweiligen Linien

98.86 sorgfältig neben den Pfeilern auf. Für den ersten Umhüllungskreis werden vier Pfeiler genannt.

98.87 Der zweite Kreis hat zwölf Pfeiler, der dritte zwanzig.

98.88 Im vierten stehen achtundzwanzig, im fünften sechsunddreißig Pfeiler.

98.89 Bei eintausendachthundertneunundvierzig Feldern und fünf Umhüllungskreisen werden insgesamt hundert Pfeiler genannt.

98.90 Damit ist das Rudra-Raster erklärt. Höre nun das Vishnu-Raster. Für dieses werden der Reihe nach zweimal acht Feldbereiche genannt.

98.91 Vom Shiva-Feld bis zum Vishnu-Bereich gestalte man alles wie zuvor, einschließlich der Feld- und Umhüllungskreise.

98.92 Den Unterschied zwischen Rudra- und Vishnu-Raster erkenne so: Der fünfte Kreis von Avidya bis Rakshasa,

98.93 der im Rudra-Raster angegeben wurde, entfällt im Vishnu-Raster. Dieses ist mit vier Umhüllungskreisen gestaltet.

98.94 Die für den fünften Kreis genannten Waffen und die Gefäße ihrer Gottheiten ordne man sachgerecht an passenden Stellen an.

98.95 Vierundsechzig Pfeiler werden hier genannt. Die Seitenlänge beträgt dreiunddreißig Felder; die weitere Zahlenwendung der Zeile ist unklar.

98.96 Insgesamt werden eintausendneunundachtzig Felder angegeben. Damit ist das Vishnu-Raster erklärt. Höre nun das Brahma-Raster.

98.97 Für das Brahma-Raster werden elf Feldbereiche genannt, Guru, vom Shiva-Feld bis zum Gana-Bereich.

98.98 Alles gestalte man nach der früheren Vorschrift, einschließlich der Feld- und Umhüllungskreise. Höre den Unterschied zum Vishnu-Raster.

98.99 Den vierten Kreis vom Prakriti- bis zum Vishnu-Bereich lege man beim Brahma-Raster nicht an.

98.100 Weil es drei Umhüllungskreise besitzt, heißt es Brahma-Raster. In dem wie zuvor gestalteten dritten Kreis

98.101 ordne man alles, was beim Vishnu-Raster im äußersten Kreis stand, an den jeweiligen passenden Stellen des dritten Kreises an.

98.102 Neben den Pfeilern und auf der Mauerkrone setze man Hari und Ishvara ein. Die Anlage umfasst fünfhundertneunundzwanzig Felder.

98.103 Dreiunddreißig Pfeiler, dreiundzwanzig Felder je Seite und zwölf Umkreisfelder werden für das Brahma-Raster genannt. [Die Pfeilerzahl widerspricht der zuvor beschriebenen Summe von vier, zwölf und zwanzig.]

98.104 Nun erkläre ich das Manu-Raster. Höre aufmerksam, Lehrer. Darin werden der Reihe nach sieben Feldbereiche angegeben.

98.105 Vom Shiva-Feld bis zum Bereich der Vidyeshvaras gestalte man alles nach der früheren Vorschrift.

98.106 Zwei Umhüllungskreise werden genannt. In das mittlere Shiva-Feld stelle man das Hauptgefäß und links davon das Vardhani.

98.107 Außerhalb, im Shakti-Bereich, stelle man die Vidyeshvara-Gefäße auf. Was nach der Brahma-Raster-Vorschrift im dritten Kreis steht,

98.108 nämlich Waffen und Gefäße von Indra, Nandin und den übrigen, ordne man hier der Reihe nach an den jeweiligen Orten und auf ihrer rechten Seite an.

98.109 Höre auch eine andere Anordnung des Manu-Rasters: Man zeichne je vierzehn gleichmäßig verteilte Linien nach Osten und Norden.

98.110 In der Mitte errichte man einen Altar aus neun Feldern; außerhalb davon liegen sechzehn Felder.

98.111 Der nächste Ring umfasst vierundzwanzig Felder; im dritten Ring um den Altar werden zweiunddreißig genannt.

98.112 Im vierten Ring liegen vierzig Felder, im fünften achtundvierzig.

98.113 Im fünften Ring errichte man ringsum die Mauer. Für die Tore lasse man besonders in den vier Richtungen je drei Felder frei.

98.114 So gestalte man vier Tore in den vier Richtungen. Den übrigen Bereich forme man zur Mauer von einem Feld Breite,

98.115 oder einem halben Feld; ihre Höhe wird mit dem unklaren Zahlwort »vastra« in Fingerbreiten angegeben. Zwischen Altar und Mauer, in der Mitte des vierten Feldbereichs,

98.116 lege man ringsum die Feuergruben nach dem früheren Verfahren an. Die Hauptfeuergrube rücke man besonders etwas zum Nordosten hin.

98.117 Links lasse man neun Fingerbreiten frei und lege dann die Feuergrube an. Auch die achteckige soll auf den Nordosten ausgerichtet sein.

98.118 Fehlt die Ausrichtung auf Ishana, werden Ausführender und Handlung geschädigt. Darum gestalte man alles sorgfältig auf dem angegebenen Weg.

98.119 In der Mitte erkenne man Shivas Feld, danach das der Vidyeshvaras. Außerhalb folgen Isha und die reine Maya,

98.120 danach Gana und der göttliche Bereich. Als äußerster wird der Bereich der unreinen Maya genannt.

98.121 In die Mitte stelle man das Shiva-Gefäß und links davon das Vardhani. Ringsum stelle der vorzügliche Guru die acht Vidyeshvaras auf.

98.122 Im Isha-Bereich errichte man sorgfältig vier Pfeiler an den vier Ecken. Dieser Bereich heißt innerer Umgang.

98.123 Zwischen dem Bereich der reinen Maya und dem Gana-Bereich lege man die Feuergruben nach dem im Agama angegebenen Weg an.

98.124 Der folgende äußere Bereich heißt äußerer Umgang. Im unreinen Bereich befinden sich zwölf Pfeiler, Torbögen und Gefäßstandorte.

98.125 Damit ist das Manu-Raster erklärt. Höre nun das Ravi-Raster, das ich vorschriftsmäßig darlegen werde.

98.126 Höre die Anordnung der Opferhalle, o Bester der Lehrer. Man zeichne je zwölf gleichmäßig verteilte Linien nach Osten und Norden.

98.127 Damit entstehen einhunderteinundzwanzig Felder. In der Mitte liegt ein einziges Brahma-Feld.

98.128 Die acht umgebenden Felder bilden den göttlichen Bereich als Sitz der acht Vidyeshvaras. Danach folgt der Pishacha-Bereich mit sechzehn Feldern.

98.129 Der menschliche Bereich umfasst vierundzwanzig, der unreine Maya-Bereich zweiunddreißig Felder.

98.130 Vierzig Felder bilden den Rakshasa-Bereich. Im Brahma-Feld stelle man Hauptgefäß und Vardhani auf.

98.131 Ringsum setze man die acht Vidyeshvaras in den göttlichen Bereich. Im Pishacha-Bereich außerhalb davon, der als innerer Umgang dient,

98.132 errichte man vier Pfeiler an den vier Ecken und ordne die acht Glückszeichen an. Im menschlichen Bereich lege man die Feuergruben an.

98.133 Bei Weihen und entsprechenden Handlungen lasse man den menschlichen Bereich aus. Der unreine Bereich wird als äußerer Umgang bezeichnet.

98.134 Im Rakshasa-Bereich errichte man sorgfältig ringsum die Mauer, ein halbes Feld breit.

98.135 Sie sei sieben Fingerbreiten hoch und gut angelegt. In der Mitte der vier Richtungen, vom Osten beginnend, lasse man je zweieinhalb Felder

98.136 für die Tore frei. An den vier Ecken grabe man sorgfältig vier Pfeiler ein und an beiden Seiten der Tore

98.137 je zwei weitere feste Pfeiler. Die acht Gefäße Nandins und der übrigen sowie diejenigen Indras und der weiteren Richtungshüter

98.138 und die Waffen, beginnend mit dem Vajra, stelle man ringsum auf die Mauer, nachdem man sie vorschriftsmäßig verehrt hat.

98.139 Mit sechzehn Pfeilern und sechs Feldbereichen gestalte man das sogenannte Ravi-Raster, o Bester der Lehrer.

98.140 Es wird für Einsetzungen, Befriedungsfeueropfer, Sühneriten, Initiationen und Feste genannt.

98.141 Bei eigentlichen Pratishtha-Weihen und entsprechenden Riten soll man das Ravi-Raster jedoch meiden. Wer aus Verwirrung anders verfährt, verursacht Unheil für König und Reich. [Die Unterscheidung von Einsetzung und Pratishtha bleibt hier knapp.]

98.142 Darum gestalte man alles sorgfältig nach dem angegebenen Weg. Dreiunddreißig Feuergruben gelten als beste Anordnung,

98.143 fünfundzwanzig als mittlere und siebzehn als kleinere.

98.144 Neun Feuergruben gelten als geringste Anordnung. Im Rudra-Raster lege man dreiunddreißig Feuergruben an.

98.145 Im Vishnu-Raster ordne man fünfundzwanzig, im Brahma-Raster siebzehn Feuergruben an.

98.146 Im Manu-Raster gestalte der vorzügliche Lehrer neun Feuergruben. Bei Initiationen, Festen, Sühne- und ähnlichen Riten

98.147 verwende man das Ravi-Raster, nicht bei Pratishtha-Weihen. Eine Anlage mit fünf Feuern oder nur einem Feuer

98.148 ist für Sühneriten vorgesehen und bei solchen Weihen zu meiden. Bei Anavarta, Avarta und Punaravarta

98.149 gestalte der Regelkundige die vier Abstufungen der Feuergruben: beste, mittlere, kleinere und geringste.

98.150 Den Altar gestalte man mit gleicher Breite und Höhe.

98.151 So sei er bei Pratishtha-Weihen. Bei Initiationen und Festhandlungen bilde man einen sorgfältigen Altar, dessen Höhe die Hälfte seiner Breite beträgt.

98.152 Höre die Maße bei Sühnehandlungen und Vastu-Befriedung: Man teile die Höhe beziehungsweise das Bezugsmaß in vier Teile und verwende einen Teil.

98.153 Darum gestalte man alles mit aller Sorgfalt auf dem angegebenen Weg. Eine aus Verwirrung abweichende Ausführung schädigt den Handelnden und sein Werk.

98.154 Rings um den Altar, in der Mitte des vierten Feldbereichs, lege man vom Osten bis Nordosten der Reihe nach acht Feuergruben an.

98.155 Jede befinde sich in der Mitte ihres Feldanteils. Zwischen Osten und Nordosten liege die runde Hauptfeuergrube.

98.156 Außerhalb der vier Feldbereiche errichte man die Mauer auf einem weiteren Feld, oder insbesondere nur ein halbes Feld breit.

98.157 Außerhalb davon lege man wiederum im vierten Feldbereich acht Feuergruben an und danach der Reihe nach eine Mauer.

98.158 Außerhalb davon folgen weitere acht Feuergruben, wieder von einer Mauer umgeben; danach nochmals acht Feuergruben und eine äußere Mauer.

98.159 So entstehen vom Altar bis zur äußeren Mauer fünf Umhüllungskreise. In jeder Mauer bringe man in der Mitte der vier Seiten vier Tore an.

98.160 Innerhalb des fünften Kreises erhöhe man die Fläche des vierten um zwölf Fingerbreiten. Weiter innen, im dritten,

98.161 sei die Erhöhung ebenso; auch im zweiten und ersten Kreis gestalte man die entsprechende Höhenstufe.

98.162 Nun werde ich die Merkmale des Altars erklären; höre. Er kann viereckig, rund, achteckig oder sechseckig sein.

98.163 Nach diesen vier Formen gestalte man ihn vorschriftsmäßig. Für die liegende Gestalt wird ein achteckiger Altar genannt, für die stehende ein viereckiger,

98.164 für die fahrende ein sechseckiger und für die sitzende ein runder. Zu einem viereckigen Sockel gehört ein viereckiger Altar, zu einem runden ein runder.

98.165 Beim achteckigen gestalte man einen Lotussockel, beim dreieckigen einen sechseckigen. So gestalte man die Sockelglieder, nicht anders. [Die Kombination der letzten Formen ist im Text nicht erläutert.]

98.166 An der unteren Leiste bilde man die Schildkrötengestalt, an der mittleren Dharika, achtarmig oder als Gestalt der reinen Maya.

98.167 Darüber gestalte man die acht Schlangen, an der oberen Leiste den Löwen. Am Gefäßhals bilde man Dharma und die weiteren Träger.

98.168 An der oberen Leiste ordne man die Weltzeitalter an, darüber drei Sockelglieder. Weiter oben bilde man den Lotus und in seiner Mitte Shivas Sitz.

98.169 Die Höhenlinie des Altars teile man in achtundvierzig Teile. Höre der Reihe nach die Anteile der einzelnen Glieder.

98.170 Die untere Leiste erhält zwei Teile, der Blattbereich sechs, die obere Leiste einen und der Nebenhals drei Teile.

98.171 So sind die Altarglieder genannt. Höre die Eckgestaltung: Die Breitenlinie der Ecke teile man in vier Teile.

98.172 Einen Teil unterteile man bei der Eckgestaltung nochmals in vier. Zwei Eckglieder liegen in der Mitte, zwei in den Eckbereichen.

98.173 Einen weiteren Anteil gestalte der Regelkundige im Zwischenraum. So ist die Eckform erklärt. Höre nun das vorspringende Gesims.

98.174 In seinem Bereich verfahre man wie bei den Ecken und gestalte die vorspringenden Nasika-Glieder. Über den Ecken bringe man solche Vorsprünge an; das Übrige führe man sachgerecht aus.

98.175 So gestalte der Regelkundige die Altarglieder, ob viereckig, rund oder in einer anderen Altarform.

98.176 Höre auch eine andere Gestaltung des Altars: Man bilde ihn insbesondere gleich hoch wie breit.

98.177 In seiner Mitte liege ein Bereich von einer Ratni Breite und sechs Fingerbreiten Höhe.

98.178 Diesen Nebenaltar gestalte man glatt wie einen Spiegel. Im Osten liegt eine viereckige Feuergrube, im Südosten eine yoni-förmige,

98.179 im Süden eine halbmondförmige, im Südwesten eine dreieckige, im Westen eine runde und im Nordwesten eine sechseckige.

98.180 Im Norden liegt eine lotusförmige, im Nordosten eine achteckige. Zwischen Osten und Nordosten liegt die runde Hauptfeuergrube.

98.181 Man gestalte je vier viereckige, yoni-förmige, halbmondförmige und dreieckige Feuergruben,

98.182 vier runde, vier sechseckige, vier lotusförmige und vier achteckige.

98.183 Zusammen mit der Hauptfeuergrube ergeben sich so dreiunddreißig. Für die nächste Anordnung gestalte man drei viereckige und drei wie Pippala-Blätter geformte,

98.184 drei halbmondförmige, drei dreieckige, drei runde und drei sechseckige Feuergruben,

98.185 drei lotusförmige und drei achteckige. Zusammen mit der Hauptfeuergrube sind dies fünfundzwanzig.

98.186 Je zwei jeder Form ergeben zusammen mit der Hauptfeuergrube siebzehn Feuergruben, o Bester der Lehrer.

98.187 Die viereckige entspricht der Erde, die yoni-förmige dem Opferherrn, die halbmondförmige dem Wasser und die dreieckige dem Feuer.

98.188 Die runde entspricht dem Raum, die sechseckige dem Wind-Tattva, die lotusförmige der Sonne und die achteckige dem Mond.

98.189 Die Hauptfeuergrube ist der Bewusstseinsraum, Shivas Stätte. Die acht übrigen verkörpern seine acht Leiber und werden als Glieder bezeichnet.

98.190 Die Feuergrube in Gestalt des Bewusstseinsraums heißt der Träger dieser Glieder. Durch die Unterscheidung von Gliedern und ihrem Ganzen werden neun Feuergruben genannt.

98.191 In den acht Feuergruben opfere man für die Gestalten und ihre Herren. In der Hauptfeuergrube meditiere man über Shiva mit Parashakti und den weiteren Kräften der Reihe nach.

98.192 Vidya-Körper, Augen- und Waffenmantra gehören ebenfalls in die Hauptfeuergrube. In den acht Feuergruben außerhalb davon setze man der Reihe nach die Herrinnen der Gestalten ein.

98.193 Weiter außen lege man Tattvas und ihre Herren nieder, und noch weiter außen insbesondere deren Herrinnen.

98.194 Bei dreiunddreißig Feuergruben opfere man der Reihe nach für die jeweiligen Gestalten. Im ersten Kreis setze man die Gestalten und ihre Herren ein,

98.195 außerhalb die Herrinnen der Gestalten, danach die Tattvas, deren Herren und besonders deren Herrinnen.

98.196 Bei fünfundzwanzig Feuergruben setze man die jeweiligen Gestalten ein. Herrinnen, Herren und Gestalten ordne man der Reihe nach

98.197 im ersten Kreis an, Tattvas und die weiteren im zweiten. Bei siebzehn Feuergruben vergegenwärtige man die jeweiligen Gestalten entsprechend.

98.198 Bei neun Feuergruben opfere man für diese sechs Gruppen zusammen: Herrinnen der Gestalten, Gestaltherren, Gestalten, Tattvas, Tattvaherren und Tattvaherrinnen.

98.199 Von Erde bis Opferherr werden die Tattvas genannt; von Bhava bis Mahesha die Herren der Tattvas.

98.200 Von Vama bis Damani werden die Herrinnen der Tattvas genannt. Von der Erdgestalt bis zum Opferherrn, Guru,

98.201 werden die acht Gestalten genannt. Höre nun ihre Herren: von Purusha beginnend bis Kavacha, der Reihe nach.

98.202 Diese heißen die Herren der Gestalten. Höre ihre Herrinnen: von Dharika bis Vibhvi werden sie genannt.

98.203 Im Osten liegt die Stätte der Erde, im Südosten die des Opferherrn, auch Stätte des individuellen Lebens genannt. Danach folgt das Wasser-Tattva.

98.204 Im Dreieck liegt das Feuer-Tattva, danach das Wind-Tattva, dann der nichtbewusste Raum und anschließend das Sonnen-Tattva.

98.205 Danach folgt der Mondbereich. Die Hauptfeuergrube ist der Bewusstseinsraum, auch Shiva-Tattva genannt. Mit Ishana und den weiteren Mantras opfere man der Reihe nach.

98.206 In der Hauptfeuergrube befinden sich Shivatattva, Mahadeva, die Tattvaherrin Manonmani, die Gestalt des Bewusstseinsraums und ihr Gestaltherr Ishana,

98.207 außerdem Vidya-Körper, Augen- und Waffenmantra, Shakti und Shiva. So gehören Tattva, Tattvaherr, Tattvaherrin, Gestalt und Gestaltherr zusammen.

98.208 Die Gestaltherren, Parashakti, den alldurchdringenden Ishvara, Vidya-Körper und Augenmantra lege man der Reihe nach in der Hauptfeuergrube nieder.

98.209 Der Erde ordne man Purusha zu, dem Wasser Aghora, dem Feuer Shikha und dem Wind-Tattva Kavacha.

98.210 Im Raum setze man Sadyojata ein, in der Sonne Vamadeva, im Mond das Kopfmantra und im Opferherrn das Herzmantra.

98.211 Ishana setze man in den Bewusstseinsraum ein. So sind die neun Feuer gegliedert. Von Erde bis Mond reicht das Durchdrungene beziehungsweise der durchdrungene Bereich.

98.212 Der Opferherr wird hinsichtlich des Verhältnisses von Durchdrungenem und Durchdringendem verstanden. Über dem Kopfmantra lege man das Herzmantra nieder, darüber Shiva.

98.213 Nach dem Verfahren der Berührungsopfer setze man die jeweiligen Gestalten ein. Von Erde bis Feuer sind sie als verdichtete Formen zu verstehen.

98.214 Der Raum wird als durchdringend bezeichnet, das darüber Liegende als alldurchdringend. Für alle Elemente gilt der Raum als Grundlage.

98.215 Der Wind-Tattva wird als im Raum ruhend beschrieben. Auf diese Weise erfolgt die höhere Zuordnung der Feuergruben.

98.216 Die Lotusfeuergrube ist zweifach, mit äußerem oder innerem Lotus. Bei Weihen lege man die Form mit äußerem Lotus an.

98.217 Die Form mit innerem Lotus verwende man für niedere magische Riten. Fünfeckige, siebeneckige, neuneckige, zehneckige,

98.218 elfeckige, zwölfeckige und weitere Formen sind bei Weihen auszuschließen; ihre Verwendung dort gilt als unheilvoll.

98.219 Sie dienen niederen magischen Riten und keinen anderen Zwecken. Höre nun von Achteck, Sechseck und Dreieck.

98.220 Ihre Ecken sollen nach außen gebildet werden, nicht nach innen. Bei Sühneriten, Initiation und dem Anlegen der Pavitra-Fäden

98.221 sind dagegen innere Ecken vorgesehen, die bei Weihen zu meiden sind. Eine verwechselte Anwendung bedroht nach dem Text König und Reich.

98.222 Darum gestalte man alles sorgfältig nach dem angegebenen Weg. Kopf, Herz, Nabel, Hals, Yoni und die drei Randgürtel

98.223 sind die acht Glieder der Feuergrube und verkörpern die acht Gottesgestalten. Fehlt auch nur ein Teil, soll man diese Feuergrube nicht verwenden.

98.224 Die Tiefe der Feuergrube entspricht ihrer Breite. Für die Vertiefung werden zwei Ausführungen genannt. Unterhalb des Bodens

98.225 grabe man gleichmäßig quadratisch aus. Darüber bilde man aus neun Maßteilen die drei Randgürtel: der untere erhält vier Fingerbreiten,

98.226 der mittlere drei und der obere zwei. So verfahre man bei Weihen, auch bei Initiationen und Festen.

98.227 Bei Sühneriten und beim Anlegen der Pavitra-Fäden wird eine Vertiefung von zwei Fingerbreiten genannt; der Randgürtel umfasst neun Teile.

98.228 Ferner wird für die Feuergrube eine Tiefe von vierundzwanzig Fingerbreiten angegeben. Der obere Randgürtel sei vier, der mittlere drei

98.229 und der untere zwei Fingerbreiten hoch. Diese sorgfältige Anordnung dient Initiationen und entsprechenden Riten, nicht Pratishtha-Weihen. [Die Varianten werden in 98.224–229 widersprüchlich zugeordnet.]

98.230 Innerhalb der Feuergrube nehme man ein Maß von ihrer halben Breite und teile diesen Bereich in fünf Teile.

98.231 In der Mitte der Grube bilde man aus eineinhalb Teilen die Samenkapsel, fünf Fingerbreiten hoch.

98.232 Die Blätter umfassen zweieinhalb Teile und sind vier Fingerbreiten hoch. Man gestalte acht Blätter und eine gleichmäßig geformte Samenkapsel.

98.233 Dies heißt das Herz. Ringsum bilde der verbleibende Anteil einen Kreis von einer Fingerbreite und drei Fingerbreiten Höhe.

98.234 Dies heißt der Nabel und wird bei Weihen sorgfältig gestaltet. Die Grubentiefe teile man in vierundzwanzig Teile.

98.235 Oberhalb von dreiundzwanzig Fingerbreiten bilde ein Teil den Kragen. Diesen Grubenkragen gestalte man wie einen Armreif.

98.236 Über dem Kragen bilde man insbesondere die Randgürtel. Oberhalb des obersten Randgürtels befindet sich die rückwärtige Auflage.

98.237 Bis unter den Kragen reiche die entsprechende Partie, zwei Fingerbreiten im quadratischen Maß. Die Yoni sei neun Fingerbreiten breit und zwei hoch,

98.238 dreizehn Fingerbreiten lang und wie ein Ashvattha-Blatt geformt.

98.239 So gestalte man sie sorgfältig bei Weihen. Bei Initiationen und wunschbezogenen Riten bilde man zwei Fingerbreiten darüber

98.240 den Kragen und darüber die drei Randgürtel. Im Innern der Feuergrube verwende man die Hälfte ihrer Breite

98.241 für den lotusförmigen Nabel in der Mitte. Zwei Teile entfallen auf die Blätter, ein Teil auf die Samenkapsel.

98.242 Die Samenkapsel sei drei Fingerbreiten hoch, die Blätter zwei.

98.243 Dies wird Herz genannt; der restliche Bereich sei rund. Er heißt innerhalb der Feuergrube Nabel.

98.244 Oberhalb des obersten Randgürtels bilde man die rückwärtige Auflage. Im Innenbereich des Kragens versehe man sie mit einer um einen Teil vorspringenden Spitze,

98.245 oder lasse sie bis zum Kragenrand reichen. Die Auflage sei acht Fingerbreiten breit, zwölf lang und eine hoch.

98.246 Man gestalte die Yoni wie ein Ashvattha-Blatt. Von der viereckigen bis zur runden Feuergrube

98.247 richte man ihre Spitze nach Norden. Vom Sechseck bis zur Feuergrube des Bewusstseinsraums

98.148a richte man die Yoni nach Osten; eine andere Ausführung beeinträchtigt den Ritus. In einer Yoni-Feuergrube bilde man keine weitere Yoni, in einer Lotusfeuergrube keinen weiteren Lotus. [Die Vorlage trägt hier irrtümlich 148 statt der zu erwartenden 248.]

98.249 Für die Yoni-Feuergrube gestalte man eine viereckige Yoni-Auflage, die Erde und Sarvatman in sich trägt.

98.250 In der Lotusfeuergrube bilde man insbesondere die runde Form. Im Lotus lasse man das zusätzliche Herz, in der Yoni die zusätzliche Yoni weg.

98.251 Diese Teile heißen bei den beiden Feuergruben Yoni beziehungsweise Nabel. Bei Initiationen und wunschbezogenen Riten kann man ohne Nabel gestalten.

98.252 Das betreffende Herz wird aufgrund einer übertragenen Funktionsbezeichnung auch Nabel genannt; der Nabel hat dort keine eigenständige Hauptstellung.

98.253 In der Yoni bilde man keine zusätzliche Yoni und im Lotus keinen zusätzlichen Nabel. Die Yoni-Auflage der Yoni-Feuergrube sei viereckig.

98.254 Der Nabel der Lotusfeuergrube sei rund. Im Lotus lasse man das zusätzliche Herz, in der Yoni die zusätzliche Yoni weg.

98.255 Bei diesen beiden Gruben werden sie Yoni und Nabel genannt. Die Gestaltung von Herz und den übrigen Teilen wurde für eine Feuergrube von einer Elle beschrieben.

98.256 Bei einer größeren Feuergrube vergrößere man die jeweiligen Formen entsprechend. Das Maß reicht von einer bis acht Ellen.

98.257 Über acht Ellen hinaus soll man nicht gehen; eine solche Ausführung gilt als unheilvoll. Vom Shiva-Feuer bis zur äußeren Grasumlegung

98.258 werden fünf Umhüllungskreise genannt. Höre ihre Plätze der Reihe nach: zuerst das Shiva-Feuer, zweitens der obere Randgürtel,

98.259 drittens der mittlere und viertens der untere Randgürtel.

98.260 Der Bereich rings um die Randgürtel gilt als fünfter Kreis. Feuer, Sitzunterlage, Einfasshölzer, Grasbüschel

98.261 und Grasumlegung bilden die fünf Plätze. Das Shiva-Feuer ist dreifach gegliedert: in Hauptglieder, Nebenglieder und weitere Einzelglieder.

98.262 Das Shiva-Feuer samt seinen unmittelbaren Gliedern bildet die Hauptgruppe. Von den Vidyeshvaras bis zu den Ganas reichen die Nebenglieder.

98.263 Von den Welthütern bis zu den Waffen reichen die weiteren Einzelglieder. Außerdem wird das Shiva-Feuer nach Kindheit, Jugend und Reife dreifach unterschieden.

98.264 Bis zur Namengebung heißt es kindliches Feuer, bis zum Gelübderitus jugendliches und bis zum Hochzeitsritus reifes Feuer.

98.265 Es ist ein einziges Shiva-Feuer, das aufgrund der verschiedenen Heiligungen entsprechend Kindheit, Jugend und Reife unterschieden wird.

98.266 Shiva-Feuer ist die zusammenfassende Bezeichnung der drei Feuer. Rings um das Shiva-Feuer werden sie als dessen Glieder gestaltet.

98.267 Ahavaniya ist das reife, Dakshinagni das jugendliche, Garhapatya das kindliche Feuer; zusammen mit den weiteren Formen werden acht genannt.

98.268 Diese gelten als Glieder, Shiva als ihr Träger. Durch die Verbindung von Gliedern und Ganzem ist das Feuer neunfach.

98.269 Das Weihefeuer und das tägliche Feuer haben die reife Form, das Festfeuer die jugendliche. Bei Initiation und Vastu-Riten,

98.270 bei Sühnehandlungen und ähnlichen Anlässen wird das kindliche Feuer verwendet. Eine verwechselte Verwendung bringt nach dem Text das Reich in Gefahr.

98.271 Darum verfahre man sorgfältig auf dem angegebenen Weg. In der viereckigen Feuergrube befindet sich Ahavaniya,

98.272 im Halbmond Dakshinagni, im Lotus das Kevala-Feuer, in der runden Grube Garhapatya und in der Yoni das vorzügliche reife Feuer.

98.273 Im Achteck liegt das allgemeine Feuer, im Dreieck das jugendliche, im Sechseck das kindliche und im Bewusstseinsraum das Shiva-Feuer.

98.274 So setze der Guru die neun Feuer in der genannten Reihenfolge ein. Das Grubenfeld teile man nach einem Maß von vierundzwanzig Fingerbreiten.

98.275 Weniger als vierundzwanzig Fingerbreiten soll man grundsätzlich meiden. Bei Sühneriten ist ein Maß unter einer Elle jedoch kein Hindernis.

98.276 Mit diesem Maß lege man ein gleichmäßiges Quadrat an. Alle Feuergruben gestalte man sorgfältig ausgehend vom Quadrat.

98.277 Man teile das Feld in fünf Teile und trage einen Teil nach außen ab. Die Diagonale teile man in vier Teile und markiere je einen Teil an den seitlichen Ecken.

98.278 Von der Ecke der halben Feldfläche aus ziehe man mit der halben Feldbreite einen Bogen, bis zur entsprechenden Grenze; ebenso ziehe man den anderen Bogen.

98.279 Durch die Verbindung der Linien entsteht eine Yoni wie ein Pippala-Blatt. Im Südosten sei ihre Spitze nach Norden gerichtet.

98.280 Für die nächste Form teile man das Feld in fünf Teile und markiere je einen seitlichen Teil. Danach teile man das Feld in neun Teile und lasse am Rand einen Teil

98.281 in der nördlichen Längsrichtung frei. Im verbleibenden Bereich erhalte man durch einen Bogen mit gleichmäßig gespannter Schnur über sieben Teile den Halbmond.

98.282 Der gerade abgeschnittene Teil liege im Süden, der ungeschnittene Bogen im Norden. Diese halbmondförmige Grube lege man im Süden an.

98.283 Bei Initiation und wunschbezogenen Riten liege der abgeschnittene Teil im Norden und der ungeschnittene Bogen nach Süden.

98.284 Der abgeschnittene Teil heißt Indu, der ungeschnittene wird als Sutra bezeichnet. Bei Weihen lege man die betreffende Schnur im Norden an.

98.285 Für die nächste Form teile man das Feld in sieben Teile und markiere seitlich je einen Teil. Nördlich außerhalb des Feldes trage man einen Teil ab.

98.286 Verbindet man die beiden seitlichen Punkte durch Linien mit diesem Punkt, entsteht das Dreieck mit nach Norden gerichteter Spitze.

98.287 Diese Grube lege der Regelkundige im Südwesten an. Für die nächste Form teile man das Feld in sieben Teile und trage einen Teil nach außen ab.

98.288 Von der Mitte der Grube bis zur inneren Begrenzungslinie ziehe man einen Kreis. Diese runde Form lege man im Westen an.

98.289 Für die nächste Form teile man das Feld in sieben Teile, markiere am Rand je einen Teil und zeichne zwei Linien; außerhalb des Feldes trage man einen Teil ab.

98.290 Verbindet man die Linien paarweise, entsteht das Sechseck. Im Nordwesten weise es mit seinen Spitzen nach Osten und Westen.

98.291 Bei Initiation und wunschbezogenen Riten richte man die Spitze nach Norden, bei Weihen nach Osten.

98.292 Für die Lotusform bilde man zuerst die runde Grube und eine Samenkapsel von zwei Fingerbreiten. Unterhalb dieser und oberhalb des unteren Randgürtels

98.293 gestalte man acht Blätter, sechs Fingerbreiten lang und an der Spitze eine Fingerbreite hoch; eine weitere Maßvariante nennt nur eine Fingerbreite. [Ihr Bezug ist unklar.]

98.294 Im Norden lege der Regelkundige die Lotusfeuergrube an. Bei Initiation und wunschbezogenen Riten messe die Samenkapsel vier Fingerbreiten.

98.295 Aus dem übrigen Anteil bilde man die acht Blätter. Für die nächste Form teile man das Feld in sechzehn Teile und markiere am Rand einen Teil.

98.296 Man bilde gesondert ein Quadrat und teile dieses Feld in acht Teile. Sieben lasse man beiseite und verwende einen Teil.

98.297 Diesen trage man außerhalb der äußeren Feldgrenze ab. Die vier Markierungen in den vier Richtungen verbinde man durch Linien.

98.298 Dies heißt das Achteck, das man bei Weihen verwendet. Auch bei Initiationen und wunschbezogenen Riten lege man die achteckige Form an.

98.299 Das Achteck lege man besonders im Nordosten an. Zwischen Osten und Nordosten zeichne man wie zuvor einen Kreis.

98.300 Dies ist die Hauptfeuergrube, der Bewusstseinsraum. Auf diese Weise gestalte man die jeweiligen Feuergruben.

98.301 Das quadratische Linienraster umschließt sämtliche Gruben. Weicht eine Grube unter oder über dieses Linienmaß ab, soll man sie nicht verwenden.

98.302 Achteck, Quadrat, Kreis und Sechseck gelten als männliche Formen; Yoni und Lotus

98.303 als weibliche. Höre die neutralen Formen: Dreieck und Halbmond werden als geschlechtsneutral bezeichnet.

98.304 Höre nun der Reihe nach für Quadrat, Yoni, Halbmond, Dreieck und den Kreis als Gestalt des nichtbewussten Raums:

98.305 Am oberen Grubenbereich, besonders oberhalb des Randgürtels, richte man die Yoni-Spitze nach Norden; bei den übrigen Formen weise sie nach Osten.

98.306 Beim Sechseck gilt folgende Besonderheit: Bei Initiation und wunschbezogenen Riten richte man sie nach Norden.

98.307 Bei Weihen weise die Yoni nach Osten. Von der viereckigen bis zur runden Grube gilt die Ausrichtung nach Norden.

98.308 Vom Sechseck bis zum Bewusstseinsraum nehme man die Ausrichtung nach Osten ein und vollziehe insbesondere das Feueropfer.

98.309 Bei Initiation und wunschbezogenen Riten ist am Sechseck die Nordausrichtung vorgesehen. Nun erkläre ich die Feuergruben der Shaktis.

98.310 Die vier Formen sind eigenständig, mitgeboren, gemischt und alleinstehend. Bei fünf Tempelhofumfassungen errichte man innerhalb der Begrenzung

98.311 die Tore nach Osten gerichtet. Ist Shakti mit Stier und Begleitgottheiten nach dem angegebenen Weg eingesetzt,

98.312 nördlich oder südlich des Hauptheiligtums, heißt sie eigenständig. Höre nun die mitgeborene Form.

98.313 Ist sie am für die eigenständige Form angegebenen Ort eingesetzt, jedoch ohne Begleitgottheiten, heißt sie mitgeboren. Höre nun die gemischte.

98.314 Nahe beim Hauptheiligtum, innerhalb der innersten Umfassung oder im inneren Hof, errichte man ein Heiligtum mit südlich gerichtetem Eingang.

98.315 So eingesetzt heißt sie gemischt. Ohne Zuordnung zu einem solchen Hauptheiligtum ist Shakti als alleinstehend eingesetzt.

98.316 Ihr Tor kann wie das Tor des Linga-Heiligtums ausgerichtet sein. Oder man setze Löwe beziehungsweise Schwan vor ihrem Tor ein. [Die Kategorien weichen teilweise von Kapitel 96 ab.]

98.317 Nach dem früheren Verfahren lege man Rudra-Raster und die übrigen an. In den Hauptrichtungen seien Yoni-Gruben, in den Zwischenrichtungen Lotusgruben.

98.318 Zwischen Nordosten und Osten liege die runde Hauptfeuergrube. Dreiunddreißig, fünfundzwanzig, siebzehn oder neun

98.319 Feuergruben gestalte man nach dem früheren Weg. So ordne man die Gruben für die eigenständige Shakti an.

98.320 Für die folgende Form sei im Osten eine viereckige, im Süden eine halbmondförmige, im Westen eine runde und im Norden eine lotusförmige Grube.

98.321 Vom Südosten bis Nordosten gestalte man in den Zwischenrichtungen Yoni-Gruben. Zwischen Nordosten und Osten liege eine lotusförmige Hauptfeuergrube.

98.322 Dies ist für die mitgeborene Shakti bestimmt. Höre nun die gemischte: im Osten viereckig, im Südosten yoni-förmig,

98.323 im Süden halbmondförmig, im Südwesten dreieckig, im Westen rund, im Nordwesten sechseckig,

98.324 im Norden lotusförmig, im Nordosten achteckig; zwischen Nordosten und Osten die lotusförmige Hauptfeuergrube.

98.325 So verfahre man für die gemischte Shakti. Für die alleinstehende gestalte man in den vier Hauptrichtungen Yoni-Gruben, in den Zwischenrichtungen Lotusgruben.

98.326 Zwischen Nordosten und Osten liege eine yoni-förmige Hauptfeuergrube. So lasse man die Gruben für die alleinstehende Shakti herstellen.

98.327 Entsprechend der jeweiligen Shakti ordne man die Feuergruben an. Eine aus Verwirrung abweichende Ausführung schädigt Handlung und Handelnden.

98.328 Darum verfahre man sorgfältig nach dem angegebenen Weg. Höre nun die Gruben für Riten wie die Tötungsmagie.

98.329 Dabei sind Formen vom Fünfeck an vorgesehen; höre ihre Merkmale. Man teile das Feld in sechs Teile und markiere am Rand einen Teil.

98.330 Man zeichne einen Kreis und gliedere ihn fünffach. Danach teile man den Kreis in zwölf und markiere in der Mitte eineinhalb Teile.

98.331 Die ringsum gesetzten hervortretenden Markierungen verbinde man durch Linien. Dies heißt das Fünfeck, das für Tötungsriten vorgesehen ist. [Die Konstruktionsangaben sind verkürzt und geometrisch nicht durchgehend eindeutig.]

98.332 Für die nächste Form teile man das Feld in vier Teile, markiere am Rand einen Teil, zeichne einen Kreis und unterteile ihn ringsum in sieben.

98.333 Den Kreis teile man zugleich in zwölf und verwende ein Maß von einem und drei Vierteln. Dieses Maß markiere man jeweils mittig und nach außen hervortretend.

98.334 Durch Verbindung mit Linien entsteht das Siebeneck. Für die nächste Form teile man das Feld in vier Teile und markiere am Rand einen Teil.

98.335 Man zeichne einen Kreis und unterteile ihn ringsum in neun. Den Kreis teile man in zwölf und markiere mittig eineinhalb Teile.

98.336 Die ringsum hervortretenden Markierungen verbinde man der Reihe nach mit Linien. Dies heißt das Neuneck und dient niederen magischen Riten.

98.337 Für die nächste Form teile man das Feld in vier Teile und markiere am Rand einen Teil. Man zeichne wie zuvor den Kreis und unterteile ihn in zehn.

98.338 Den Kreis teile man in zwölf und verwende einen Teil mit einem halben Viertel. Die mittig hervortretenden Markierungen verbinde man mit Linien.

98.339 Dies heißt das Zehneck; bei Einsetzungen soll man es meiden. Für die nächste Form zeichne man einen dem Feldanteil entsprechenden Kreis und teile ihn in acht.

98.340 In einem Viertelanteil des Feldes zeichne man einen weiteren Kreis. Diesen teile man in acht und trage den äußeren Anteil nach außen ab.

98.341 Man gestalte acht Blätter ohne Samenkapsel. Diese Feuergrube mit innerem Lotus ist bei Weihen zu meiden.

98.342 Wer aus Verwirrung anders verfährt, verursacht nach der Lehre Unheil für König und Reich. Darum lasse man alles mit aller Sorgfalt auf dem angegebenen Weg ausführen.

Kapitel 99: Die Wiederheiligung nach der Wagenprozession

99.1 Die Prozessionsstraße des Tempels heißt Wagenstraße. Der Wagen ist mit siebzig Millionen großen Mantras und dem König der Mantras geschmückt.

99.2 Seine Glieder bilden eine gemeinsame Ausdehnung und umfassen die Verbindung von oben und unten. Er ist mit Brahmas Sitz und Anantas Sitz versehen,

99.3 mit Yoga-Sitz und Lotussitz. Auf dem mantrischen Löwenthron befindet sich die Gottesgestalt, verbunden mit dem makellosen Sitz

99.4 und dem Sitz der Bewusstseinskraft: Shiva als Somaskanda. Im Körper des mantrischen Tempel-Meru wohnt Maheshvara.

99.5 Im Herzen als innerem Raum, im Mandala als Erdumfassung, im Leib der Meru-Kraft ist er durch die vielfältige Shakti geschmückt.

99.6 Die Zugseile verkörpern die göttliche Waffe, die Pferde die Veden; Brahma ist der Wagenlenker. Instrumente und Rhythmen begleiten ihn.

99.7 Zimbeln, große Trommeln, Muschelhörner und Trompeten erklingen, dazu Dhakka- und Damaru-Trommeln und der Schall der Blasinstrumente.

99.8 Die Seile werden von Hirten geführt; Achse, Innen- und Außenteile sind verehrt. Chandala-Gruppen begleiten den Wagen zusammen mit Hornbläsern.

99.9 Unter Trommelschall und dem Klang kleiner Glocken fährt er durch die Königsstraße. Wenn der Wagen im Nordosten zum Stehen kommt,

99.10 erklingen Rigveda, Yajurveda und Samaveda. Einzelne Gruppen sprechen Verehrungen; Shaivas, Vaishnavas und vedengelehrte Brahmanen

99.11 bringen Segensworte auf der Wagenstraße dar, Janardana. Für den Herrn der Götter, den erhabenen Somaskanda, der auf dem Wagen sitzt,

99.12 vollziehe man die große Wiederheiligung und die entsprechende Waschung, um die im Text angenommene rituelle Verunreinigung durch die Berührung der den Wagen ziehenden Chandalas aufzuheben. [Die Beteiligung und anschließende Ausgrenzung dieser Gruppe gehören zur historischen Ritualordnung.]

Kapitel 100: Die Verehrung Bhairavis

100.1 Sie trägt den Aghora-Kreis auf dem Haupt, hat ein gelbes Gesicht und vier Arme: die erhabene Göttin von Koladvipa, die am Kutaja-Ort alle Wünsche gewährt. [Die Orts- und Gestaltbezeichnungen sind hier unsicher.]

100.2 Sie trägt gelbes Gewand, hat drei Augen und ist mit dem Zeichen des Halbmonds geschmückt. So sind diese Merkmale erklärt. Höre nun die Merkmale Bhairavis.

100.3 Sie blickt empor, ihre Fangzähne sind rot, und sie beißt mit ihren Zähnen auf die Unterlippe. Rot ist sie, in rotem Gewand, vollkommen rein, mit einem Lotus, die glückverheißende Shakti.

100.4 Tausend Schlangen bilden ihren Schmuck; rote Blumen und rote Salbung zieren sie. Haar, Augen und Zunge sind gewaltig; sie sitzt auf einem als Chatika bezeichneten Sitz. [Der Sitzname ist nicht sicher deutbar.]

100.5 Sie verkörpert das lodernde Zeitfeuer der Auflösung und hat Bhairavas furchterregende Gestalt. Löwe, Garuda, Schlange, Büffel, Wolf und weitere Tiere dienen ihr als Träger.

100.6 Rad, Muschelhorn, Pfeil, Bogen, Vajra, Feuer, Keule, Pflug, Alasa, Schwert, Schild, Schirm, Schlinge und Schädelgefäß,

100.7 Schlange, Eisenpfeil, Beil, Wagen und Stab trägt sie in ihren rechten und linken Lotushänden; dazu zeigt sie Furchtlosigkeit und Segensgewährung. [Einzelne Attribute sind unsicher gelesen.]

100.8 Ihr Gesicht ist nach oben gerichtet, ihre Hände sind vielfältig; sie überragt Ananta und die folgenden Mächte. Inmitten des Auflösungskreises möge sie in den Kampf gegen die Feinde ziehen.

100.9 Sie vermag Heere von unermesslicher Zahl zum Stillstand zu bringen. Millionen und Abermillionen Bhairavis und Bhairavas umgeben sie einzeln,

100.10 dienen ihr beständig und halten mit Fett gefüllte Schädelgefäße in den Händen. So ist Bhairavi beschrieben, die Bhairavi namens Kalarudra.

100.11 Sie hat fünf Gesichter, jedes mit drei Augen und Fangzähnen. In der furchterregenden Bildsprache dieses Abschnitts ist sie unablässig an Blut, Haut, Fett, Knochen und der Lebenskraft der Menschen erfreut.

100.12 Stets ist sie vom Kreis der zehn Waffen und vom Kreis der Richtungsgottheiten umgeben: die höchste Herrin von schrecklicher Gestalt.

100.13 In Bedrängnis soll man sich dieser Kalarudra-Bhairavi erinnern. Ihrem aufrichtigen Verehrer gewährt sie rasch alle ersehnten Früchte.

100.14 Den Feinden trocknet sie das Mark im Kopf aus; ihre Haut wird als abgezogen beschrieben. In der Abgeschiedenheit erscheint sie von selbst, in Gestalt der Laute und jenseits der Laute. [Der Wortlaut des Hautmotivs ist unsicher.]

100.15 Sie steht auf der Seite ihrer Verehrer, um Zweifel zu vernichten. Am Abend mit Arghya verehrt, verschlingt sie in dieser Darstellung einen Menschen mit ihren eigenen Zähnen.

100.16 Ihre beiden Fangzähne hängen herab; sie lacht stets laut auf. Von Schlangen umgeben, sitzt die Göttin auf einem Leichnam.

Der anschließende unnummerierte Mantraabschnitt enthält Bija-Folgen, Namensanrufungen und Opferformeln. Die vollständigen Lautfolgen stehen unverändert in der IAST-Ausgabe; Bijas haben keine gewöhnliche deutsche Wortübersetzung. Mehrere Verbindungen und Lautfolgen sind in der Vorlage unsicher. Die verständlichen Wortteile lauten:

»Indragni-Bhairava, Nanda – svaha!« Es folgen Anrufungen von Aghoragni-Bhairavi, Kalagni-Bhairavi, Kalabhairava, Mahashvana, Sarvasamhara-Bhairava, Prachanda-Bhairavi, Anandachanda-Bhairava, Ugrachanda-Bhairava und Krurachanda-Bhairava.

»Allen Reittieren – svaha! Allen Waffen – svaha! Sohn der Göttin, Herr zahlloser Scharen, Herr Bhairava, Fünfgesichtiger, mit rötlichem verfilztem Haar Leuchtender, Dreiäugiger, Flammengeschmückter: Nimm diese Bali-Gabe an – svaha!«

»Verehrung der Chandika!« Es folgt eine in der Lesung unklare Anrufung mit Vasus und Pishachas: »Du, dem alle Lebewesen lieb sind, der alle Menschen verwirrt: Flamme, flamme! Lodere auf, lodere auf! Bringe das Herz aller Menschen unter meine Gewalt – svaha!«

Nach einer längeren Bija-Folge folgt: »Verehrung dir, erhabene Kali, Rudragni-Bhairavi, Gestalt der allumfassenden Auflösung!« Der anschließende Bezug auf den Diener und die Vernichtung aller Feinde ist grammatisch beschädigt. Weitere verständliche Anrufungen sind: »Du Macht über alle Bhutas und Pishachas, Rudri, mit Flammen bekränzt, von Waffen umgeben, in großer Erscheinungsform, Vartali – Verehrung!« Die dazwischenstehenden Bijas und beschädigten Wörter werden im IAST-Text erhalten.

Dann heißt es: »Man wiederhole alle Mantras Tripurabhairavis.« Es folgt eine als »Shri-Mantra« bezeichnete reine Bija-Formel. Eine weitere längere Formel enthält neben unsicheren Lautfolgen die Bitte: »Bewirke den Stillstand des Denkens, der Augen und der im Mund befindlichen Zunge aller Böswilligen; vollziehe es, vollziehe es!« Sie endet mit weiteren Bijas, Opfer- und Verehrungsworten. Aus den beschädigten Passagen wird hier keine vermeintlich sichere Rezitationsformel rekonstruiert.

100.17 Bei der Niederlegung der achtunddreißig Kalas lege man fünf auf die fünf Köpfe, weitere auf die fünf Gesichter, dann in Herz, Hals, Schultern, Nabel und Bauch,

100.18 auf Rücken, Seiten, Hände, Geschlechtsregion, Brust, verborgene Körperstelle, Oberschenkel, Hüften, Knie, Unterschenkel, Gesäß, Nase, Kopf und Füße: so an den achtunddreißig Stellen. [Die verkürzte Aufzählung lässt die genaue Zählung nicht überall erkennen.]

Kapitel 101: Die Bestimmung der günstigen Zeit

101.1 Nun werde ich dir, o Bester der Gurus, die Bestimmung der günstigen Stunde für eine neue Einsetzung der Gottheit erklären. Höre aufmerksam.

101.2 Während des nördlichen Sonnenlaufs ist die Linga-Einsetzung vorzüglich; während des südlichen soll man sie besonders meiden.

101.3 In den vier Sonnenmonaten Widder, Stier, Zwillinge und Löwe gilt die Weihe als beste Ausführung.

101.4 In Pausha und Phalguna gilt sie als mittelgut, in Waage, Jungfrau und Skorpion als geringer.

101.5 Die drei Monate Schütze, Wassermann und Krebs soll man meiden. Man vollziehe die Weihe in der hellen und meide die dunkle Monatshälfte.

101.6 Innerhalb der dunklen Monatshälfte gilt jedoch die Zeit bis zum fünften Mondtag als günstig; danach gilt eine Ausführung als unheilvoll.

101.7 Der dreizehnte, zwölfte, zehnte und vierzehnte Mondtag gelten als beste. Höre nun die mittleren.

101.8 Der elfte, zweite, erste und fünfte Mondtag werden bei der Weihe als mittelgut genannt.

101.9 Der dritte, vierte, sechste und siebte gelten als geringer, der achte als geringster.

101.10 Den neunten soll man bei der Weihe unbedingt meiden. Montag, Freitag, Mittwoch und Donnerstag sind die besten Wochentage.

101.11 Sonntag, Dienstag und Samstag gelten als ungünstig. Am Sonntag wird Schaden für den Ausführenden, am Dienstag für die Handlung,

101.12 am Samstag für den Nutznießer genannt. Diese drei Tage soll man meiden. Ashvini, Rohini, Ardra, Pushya und Punarvasu

101.13 gelten als beste Mondhäuser. Höre die mittleren: Mrigashirsha, Hasta, Chitra und Anuradha

101.14 sowie Uttarashadha. Uttarabhadrapada und Uttaraphalguni,

101.15 Shravana und Revati gelten als geringer; Dhanishtha und Shatabhishaj als geringste.

101.16 Die festen Tierkreiszeichen gelten als beste Aszendenten, die doppelnaturigen als mittlere. Unter den festen meide man Skorpion und Wassermann, unter den doppelnaturigen Schütze.

101.17 Diese Zeichen lasse man bei der Weihe aus. Der Mond in seiner Erhöhung gewährt dem Stifter Wohlergehen.

101.18 Der Mond in seinem Fallzeichen bringt nach dieser Lehre Armut; im Zeichen eines Freundes vermehrt er Reichtum und Freunde.

101.19 Im Zeichen eines Feindes stärkt er die Feinde. Stehen Sonne, Rahu, Mond oder Saturn bei der Einsetzung im Aszendenten,

101.20 wird dies als Gefahr für Dörfer und Länder gedeutet. Wohltäter im Aszendenten bringen dagegen Glück und Reichtum.

101.21 Übeltäter im Vermögenshaus bewirken Verlust; Wohltäter zusammen mit dem Mond bringen dort Reichtum.

101.22 Der Mond im Geschwisterhaus fördert die Geschwister. Übeltäter im als Mondstätte bezeichneten Haus vernichten das Glück.

101.23 Wohltäter ohne den Mond vermehren es dort. Grausame Planeten im Haus des Wohlergehens vernichten das Glück.

101.24 Alle Wohltäter dort gewähren Glück durch Kinder und Handlungen. Der Mond im Kinderhaus bewirkt dagegen Glücksverlust.

101.25 Grausame Planeten im Feindeshaus überwinden die Feinde; Jupiter im Feindeshaus vermehrt sie.

101.26 Mond und Venus dort bewirken den Verlust der Stellung. Die Sonne im siebten Haus bewirkt die Loslösung beziehungsweise den Verlust des Stifters. [Die Bedeutung von vimocana ist hier nicht eindeutig.]

101.27 Mars dort verursacht Feuergefahr, Venus eine Behausung für Pishachas. Jupiter und Mond im siebten Haus bringen Reichtum und Getreide.

101.28 Alle Planeten im achten Haus bewirken den Untergang der Familie. Wohltäter im Dharma-Haus fördern den Dharma.

101.29 Übeltäter zusammen mit dem Mond vermindern Glück, Dharma und Vermögen. Grausame Planeten im Haus der Tätigkeit bewirken Stellungsverlust.

101.30 Wohltäter mit dem Mond bringen dort Glück durch Kinder und Freunde. Im Gewinnhaus gewähren alle Planeten Kinder, langes Leben, Gedeihen und Glück.

101.31 Im zwölften Haus gelten alle als Armut bringend. Am Ende eines Mondhauses, eines Mondtags oder eines Jahres droht Vermögensverlust.

101.32 Bei Vyatirikta und Vyatipata, bei belastenden Planetenkonstellationen, an leeren Monatstagen oder in leeren Zeichen, bei einem Hof um ein Gestirn und an ungünstigen Tagen,

101.33 ebenso an Shadashitimukha-Zeitpunkten meide der Kundige die Einsetzung. Merkur, Venus und Jupiter werden außerdem im Zusammenhang mit ihrem Aufgang genannt. [Die letzte Aussage bleibt unvollständig.]

101.34 Unter einem zerstörerischen Mondhaus, im achten Zeichen, während des südlichen Sonnenlaufs sowie unter Vipat-, Pratyak- und Vadha-Mondhäusern gilt die Weihe als todbringend.

101.35 Bei einer Finsternis droht Familienuntergang, an einer Sonnenwende Tod, an einer Tagundnachtgleiche Vermögensverlust, beim Zeichenwechsel der Sonne Zerstörung der Grundlage.

101.36 Am Ende eines Mondhauses fehlt Glück, an einer Sonnenwende wird Dharma zerstört, am Monatsende droht Schaden am Bildnis und am Jahresende Unheil.

101.37 Unter Vishkambha tritt keine göttliche Gegenwart ein; Vyaghata schädigt den Ausführenden, Shula das Gedeihen, Vajra bringt Blitzschlag.

101.38 Parigha schädigt den Ausführenden; Kalakantha vernichtet Feinde. Bei Shakuni und verwandten Karanas wird Regen genannt; die betreffenden Karanas soll man meiden.

101.39 Unter den Vishnu, Wind und Mitra zugeordneten Mondhäusern und bei den genannten Sonnen- und Mondverbindungen gilt eine Weihe im Siddha-Yoga als vorzüglich. [Die astrologische Verknüpfung ist hier unklar.]

101.40 Amrita-Yoga gilt bei der Weihe als mittelgut. Unter den Yogas werden Ayushman und Saubhagya als günstig genannt,

101.41 ebenso Sukarman, Dhriti, Priti, Dhruva und Vriddhi. Mars herrscht über Widder und Skorpion, Merkur über Jungfrau und Zwillinge,

101.42 Jupiter über Schütze und Fische, Venus über Waage und Stier, Saturn über Steinbock und Wassermann, der Mond über Krebs,

101.43 die Sonne über Löwe. Dies sind die Herren der Tierkreiszeichen. Ein Aszendent kann durch Fehler des Mondhauses, Mondtags,

101.44 Wochentags, einer Ganda-Verbindung oder der Stunde mit den fünf Kalenderfehlern belastet sein.

101.45 Steht jedoch bei Tage die Sonne oder bei Nacht der Mond im elften Haus vom Aszendenten,

101.46 werden nach Shivas Aussage zehn Millionen Fehler aufgehoben. Ist der Herr des Wochentags stark, besteht kein wirksamer Yoga-Mangel.

101.47 Ist er schwach, wird der Yoga-Mangel stark. Planeten im Fallzeichen oder im Feindeszeichen sowie als alt oder kindlich eingestufte Planeten,

101.48 schnell laufende Übeltäter und rückläufige Wohltäter gelten als kraftlos. Merkur hebt Rahus Mangel auf; die anschließende Aussage über die Stellung beider ist verkürzt.

101.49 Mars hebt die Mängel dreier Planeten auf, Venus die von vier, Jupiter die von fünf und der Mond die von sechs.

101.50 Die Sonne hebt sieben Mängel auf, besonders während des südlichen Sonnenlaufs. Für die Sonne sind Widder und Waage, für den Mond Stier und Skorpion

101.51 die Zeichen von Erhöhung und Fall; für Mars Steinbock und Krebs, für Merkur Jungfrau und Fische, für Jupiter Krebs und Steinbock, für Venus Fische und Jungfrau,

101.52 für Saturn Waage und Widder. Überschreitet ein Sonnenzeichenwechsel zwei Mondphasenabschnitte,

101.53 erkenne man einen eingeschobenen Monat und meide günstige Unternehmungen. Ein Monat ohne Sonnenzeichenwechsel oder mit zwei solchen Wechseln

101.54 wird hier Samsarpaka genannt und für alle Riten verworfen. Ahaspati wird für Avanti, Samsarpa für Kerala genannt,

101.55 Malamasa für Panchala und das Chola-Land. Nach Sonne, Mond und Jupiter ist die Zeitrechnung dreifach.

101.56 Das Sonnenmaß gilt als ursächlich, das Mondmaß als fein, das Jupitermaß als grob. So werden die drei Monatsrechnungen beschrieben.

101.57 Der Guru lasse das grobe und feine Maß beiseite und verwende das ursächliche. Alle glückbringenden Handlungen vollziehe man nach dem Sonnenmaß.

101.58 Das erste Haus erkenne man als Körper, das zweite als Vermögen, das dritte als Geschwister und das vierte als Mutter.

101.59 Das fünfte ist das Kinderhaus, das sechste das der Schulden, das siebte das Partnerschaftshaus und das achte das Lebensdauerhaus.

101.60 Das neunte gehört dem Dharma, das zehnte der Tätigkeit, das elfte dem Gewinn und das zwölfte dem Verlust.

101.61 Beim Einzug ist die Reinheit des zwölften Hauses erforderlich, bei Ahnenriten des elften, beim Essen des zehnten und beim ersten Haarschnitt des neunten.

101.62 Bei der Schüleraufnahme ist das achte, bei der Hochzeit das siebte, bei neuen Kleidern das sechste und beim Aufbruch das fünfte rein zu halten.

101.63 Zu Beginn des Lernens das vierte, bei Heilmitteln das dritte, beim Einlagern von Getreide das zweite und bei einer Zusammenkunft der Aszendent.

101.64 Bei der Weihe gilt die Reinheit des zwölften Hauses als beste, des achten als mittlere und des fünften als geringere Ausführung.

101.65 Beim Zurückziehen der Kalas ist die Reinheit des zehnten Hauses erwünscht, beim Ashtabandha des achten, beim Holen der Erde des siebten.

101.66 Bei der Aussaat ist die Reinheit der geradzahligen Häuser erwünscht, beim Anbinden des Schutzbandes die des neunten.

101.67 Beim Übergießen mit Gefäßwasser ist die Reinheit des zwölften Hauses erwünscht. Ein von einem Wohltäter aspektierter oder besetzter Aszendent gilt als günstig.

101.68 Von Übeltätern aspektiert oder besetzt gilt er als ungünstig. Aszendent, Hora, Drekkana, Navamsha, Dvadashamsha

101.69 und Trimshamsha bilden die sechs Unterteilungen. In ungeraden Zeichen gehört die erste Hälfte zur Sonnen-Hora.

101.70 Viertes, siebtes, erstes und zehntes Haus heißen Kendra; neuntes und fünftes heißen Trikona.

101.71 Bei Dagdha-Yoga meide man sechs Ghatikas, bei Jvalamukha acht, bei Utpata und Mrityu-Yoga drei beziehungsweise fünf.

101.72 Bei Yamaghanda meide man die neunte Ghatika. Nun nenne ich die bei Finsternissen zu meidenden Tage.

101.73 Bei vollständiger Bedeckung meide man sieben Tage, bei halber drei, bei Bedeckung eines Drittels zwei.

101.74 Ist die Scheibe zu drei Vierteln bedeckt, gilt nach einer Nacht wieder eine günstige Zeit. Am Ende eines Mondhauses meide man zwei Ghatikas, am Monatsende drei Tage,

101.75 am Jahresende einen halben Monat, bei allen Riten. Nun erkläre ich kurz die Reinheit des Aszendenten; höre.

101.76 Selbst wenn der Aszendent mit hundert Fehlern belastet ist: Steht Merkur im Aszendenten oder in einem Kendra,

101.77 hebt er hundert Aszendentenfehler auf wie die Sonne die Dunkelheit. Steht Venus im Aszendenten, werden dessen Fehler aufgehoben.

101.78 Jupiter beseitigt die doppelte Zahl, auch unermessliche Aszendentenfehler. Steht die Sonne oder Jupiter in einem Kendra,

101.79 werden hundert, die doppelte oder dreifache Zahl solcher Fehler aufgehoben. Beim Baden, Spenden, Japa, Feueropfer, eigenen Studium, Ahnenritus

101.80 und bei der Gottesverehrung besteht kein solcher zur Unterlassung zwingender Mangel. Die vier von der Sonne verlassenen Mondhäuser heißen blind.

101.81 Sechs heißen zweiäugig, neun einäugig, fünf wieder zweiäugig und drei danach blind. [Die Gruppen ergeben in dieser Lesung keine klare vollständige Einteilung.]

101.82 Drei von der Sonne verlassene Mondhäuser gelten als tot; weitere sieben als halblebendig, eines ebenfalls als tot.

101.83 Acht gelten als voll lebendig, sieben als viertellebendig. Man zähle dreifach die Wochentage vom Sonntag und die Mondhäuser von Ashvini an. [Die Rechenregel bleibt im Sanskrit unvollständig.]

101.84 Für die verbleibenden neun wird eine Sonnenzuordnung, für sechs eine doppelte Blindheit genannt. Ein Viertelaspekt gilt im neunten, zehnten und dritten Haus.

101.85 Ein halber Aspekt wird nochmals für das neunte genannt, ein Dreiviertelaspekt für das fünfte, vierte oder achte und ein voller für das siebte. [Die Angaben 101.84–85 sind widersprüchlich und werden nicht stillschweigend berichtigt.]

101.86 Saturn ist im Viertelaspekt stark, Jupiter im halben, Mars im Dreiviertelaspekt; im siebten ist der Aspekt voll.

101.87 Zeichen werden als blind, taub oder lahm unterschieden. Widder, Skorpion und Wassermann gelten bei Tage als blind.

101.88 Waage und Skorpion gelten bei Tage als taub, Steinbock und Schütze bei Nacht. Zwillinge, Krebs und Jungfrau gelten bei Nacht als blind.

101.89 Wassermann gilt bei Tage, Fische bei Nacht als lahm. Blindheit bringt Fruchtlosigkeit, Taubheit Tod,

101.90 Lahmheit das Scheitern des Vorhabens. Unter solchen Bedingungen meide man die Handlungen. Widder, Fische und Schütze heißen gehend,

101.91 Krebs, Skorpion und Löwe stehend; Wassermann, Zwillinge und Waage sitzend,

101.92 Jungfrau, Stier und Steinbock liegend. Die gehenden bringen heftigen Streit, die stehenden besonders Gewinn,

101.93 die sitzenden Erfolg und die liegenden Tod. Nun werde ich ihre Nektarzeiten erklären.

101.94 Widder und Skorpion am Morgen, Jungfrau, Krebs und Zwillinge am Übergang, Löwe, Wassermann und Schütze mittags, Waage und Stier am Nachmittag,

101.95 Fische und Steinbock am Abend: Diese werden anschließend als Todeszeiten bezeichnet, die Vorhaben und Leben schädigen. [Der Text wechselt widersprüchlich von »Nektarzeiten« zu »Todeszeiten«.]

101.96 Wird unter dem Feuer-Mondhaus gehandelt, droht Feuergefahr. Sonnenhalbjahr, Monat, Monatshälfte, Mondhaus und Mondtag,

101.97 Aszendent, Drekkana, Hora, Tageszeit, Aspekt, Lebendigkeitsstatus, Yoga und Karana sollen insbesondere günstig sein.

101.98 Für Anavarta ist die beste Auswahl vorgesehen, für Avarta die mittlere, für Punaravarta die geringere und für Antarita die kleinste.

101.99 Bei Punaravarta und Antarita ist die Durchführung jedoch auch ohne Bindung an diese Jahreszeit, Monatshälfte oder diesen Tag möglich.

101.100 Man vollziehe sie zu jeder erforderlichen Zeit mit den vorgeschriebenen Handlungen. Wer anders verfährt, gefährdet nach dem Text Leben, Gedeihen und Nachkommenschaft. Wer hingegen so handelt, erlangt ein verdienstvolles Ziel. [Der letzte Satz steht in der Vorlage nach der Verszahl unnummeriert.]

Kapitel 102: Die Niederlegung der sechs kosmischen Wege

102.1 Nun werde ich die Niederlegung der sechs kosmischen Wege erklären. Diese sechs Wege sind die Bahn der Gegenwart und des Erscheinens des höchsten Herrn.

102.2 Für den, der alles durchdringt, bilden sie das durchdrungene Glied; der höchste Shiva jenseits der Wege ist ihr durchdringender Träger.

102.3 Brahma, Vishnu, Rudra, Mahesha, Sadashiva, Nada, Bindu, Shakti und Shiva:

102.4 In diesen neun verschiedenen Gestalten wird Hara, der Herr aller, beschrieben. Seine Glieder werden außerdem dreifach genannt:

102.5 Glieder des Genusses, der wirksamen Herrschaft und der Auflösung. Brahma, Vishnu und Rudra sind die Glieder des Genusses.

102.6 Maheshvara und Sadashiva sind die Glieder der wirksamen Herrschaft; Nada, Bindu, Shakti und Shiva die der Auflösung.

102.7 Die sechs Wege reichen vom Genuss bis zur wirksamen Herrschaft. Das Glied der Auflösung liegt jenseits der Wege; seine Niederlegung erfolgt im Gestaltlosen.

102.8 Kalas, Tattvas, Welten, Laute, Wörter und Mantras: So wird die Niederlegung der sechs Wege beschrieben.

102.9 Durch die Kala-Niederlegung gestalte man Kopf, Gesicht, Herz, verborgene Körperregion und Füße, o Bester der Lehrer.

102.10 Durch den Weltenweg gestalte man den Körper als Bewusstsein, durch den Lautweg die Haut ebenfalls als Bewusstsein.

102.11 Durch den Mantraweg bilde man das Blut als Bewusstsein; durch den Tattva- und Wortweg Mark, Samen und die weiteren Körperstoffe.

102.12 Haut, Blut, Fleisch, Mark und dergleichen gibt es im höchsten Herrn jedoch nicht. Beim Wesen aus Mantras und verdichtetem Bewusstsein werden solche Begriffe nur übertragen gebraucht.

102.13 Würde man die sechs Wege nicht niederlegen, wäre Shiva in der rituellen Darstellung nicht alldurchdringend. Darum vollziehe man ihre Niederlegung mit aller Sorgfalt.

102.14 Ein Gefäß oder Bildnis darf nicht ohne die sechs Wege bleiben. [Der Satz ist in der Vorlage verkürzt.]

102.15 Vor der Anrufung der Gottesgestalt bilde man die sechs Wege. Ihre Niederlegung ist dreifach; die Merkmale werden nun genannt.

102.16 Gestaltet, gestaltlos und gestaltet-gestaltlos: Vom Kala-Weg bis zum Mantraweg heißt die Reihenfolge gestaltet.

102.17 Vom Mantraweg bis zu den Kalas heißt sie gestaltlos. Laute, Welten, Tattvas, Kalas,

102.18 Wörter und Mantras in dieser Reihenfolge niederzulegen heißt gestaltet-gestaltlos. Beim Zurückziehen der Genussgestalt in das Gefäß verwendet man die gestaltete Form.

102.19 Beim Zurückziehen der Herrschaftsgestalt verwendet man die gestaltet-gestaltlose Form; bei der Verbindung mit der Auflösungsgestalt die gestaltlose.

102.20 Daher bilde man bei der jeweiligen Anrufung im Gefäß oder Bildnis die sechs Wege nach diesem zuvor beschriebenen Verfahren.

Kapitel 103: Das shaivitische Ahnenritual

103.1 Nun werde ich das shaivitische Shraddha erklären; höre. Als maßgeblich gilt das von Adi-Shaivas vollzogene Verfahren.

103.2 Die von anderen beschriebenen Ahnenriten werden hier als nicht entsprechend zurückgewiesen. Vollzieht ein Initiierter allein das vedische Shraddha, ohne das shaivitische auszuführen,

103.3 so werden ihm und dem Verstorbenen Höllenfolgen angedroht. Für die befreite, in Shiva aufgegangene Seele vollziehe man dennoch zur jährlichen Wiederkehr

103.4 im betreffenden Monat und am betreffenden Mondtag das shaivitische Shraddha. Das an diesem Tag ausgeführte Ahnenritual soll zahllose Familiengenerationen erheben.

103.5 Die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang teile man in fünf Abschnitte: früher Morgen, Vormittag, Mittag, Nachmittag

103.6 und Abend. Erstreckt sich der betreffende Mondtag bis zum Abend und auch auf den folgenden Tag, wähle man den Tag, an dem er länger wirksam ist.

103.7 An diesem Tag vollziehe man das Ahnenritual; ist dies nicht möglich, spende Sesamwasser. Täglich, anlassbezogen, wunschbezogen, wachstumsfördernd und an Mondphasen gebunden:

103.8 So erkenne der vorzügliche Guru die fünf Arten des Shraddha. Das Mondphasenritual entspricht der Schöpfung, das wachstumsfördernde der Erhaltung,

103.9 das wunschbezogene der Auflösung, das anlassbezogene der Verhüllung und das tägliche der Gnade. So ist Shraddha fünffach.

103.10 Was man Tag für Tag ausführt, heißt täglich. Jede Handlung, die der Lehrer täglich den Ahnen widmet,

103.11 etwa eine Wasserspende, gilt als tägliches Shraddha. Der Ritus am Mondtag des Todes heißt anlassbezogen.

103.12 An Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen, Mond- und Sonnenfinsternissen oder bei Besuchen heiliger Stätten heißt das Shraddha wunschbezogen.

103.13 Das bei jedem Neumond vollzogene heißt Parvana. Das bei Hochzeiten und ähnlichen Anlässen ausgeführte heißt Vriddhi, wachstumsfördernd. So ist die Einteilung fünffach.

103.14 Adi-Shaiva, Maha-Shaiva und Anu-Shaiva sollen vorschriftsmäßig Feueropfer, Darreichung gekochter Speise und Anrufung

103.15 beim shaivitischen Shraddha ausführen, nicht bloß ungekochte Gaben. Die Form mit ungekochten Gaben wird den als Antya-Shaivas bezeichneten Gruppen zugeordnet.

103.16 Die Bewirtung eines einzigen Acharya wird hier der Bewirtung von zehn Millionen großen, den Sinn der vier Veden kennenden Brahmanen gleichgesetzt.

103.17 Die Bewirtung eines Sadhaka entspricht hunderttausend, eines Putraka zehntausend und eines Samayin tausend solchen Bewirtungen.

103.18 Unter den sieben Arten von Shaivas gilt besonders der Adi-Shaiva als geeignet. Shiva-Zweimalgeborene und die weiteren Genannten werden für das Shraddha empfohlen.

103.19 Man wähle nach dem Vorrang der eigenen Gruppe oder Menschen aus derselben Gruppe. Fehlen sie, nehme man einen Maha-Shaiva, auch beim Empfang von Gaben.

103.20 Vom Empfang der Gaben und entsprechenden Ämtern wird hier ein Sat-Shudra ausgeschlossen. Unter allen sozialen Gruppen gilt der Adi-Shaiva als besonders geeignet.

103.21 Er sei vedengelehrt, schriftkundig und wissend, ein der Shiva-Verehrung ergebener Brahmane aus einer Shiva-Zweimalgeborenenfamilie.

103.22 Hat er Shivas Initiation empfangen, gilt er als vorzüglich. Dagegen werden ein Mann ohne Ehefrau, ein Waldeinsiedler, einer ohne Gelehrsamkeit und Erkenntnis,

103.23 ein Uninitiierter, ein körperlich Beeinträchtigter, ein Einäugiger, ein Verleumder, ein Schunda, ein Golaka, ein Adoptivsohn und ein Mann ohne eine für den Ritus verfügbare Ehefrau ausgeschlossen.

103.24 Ebenso ein Zahnloser, einer von schlechtem Lebenswandel, ein öffentlich Getadelter, ein Betrüger, ein durch viele Feuer Gezeichneter, ein Grausamer oder Angehöriger einer anderen Gruppe,

103.25 nichtinitiierte Brahmanen und andere, Anhänger des Pancharatra und verwandter Tantras, Buddhisten und als Häretiker bezeichnete Menschen: Alle werden von diesem Shraddha ausgeschlossen. [Die Liste gibt die konfessionellen und sozialen Grenzen der historischen Vorlage wieder.]

103.26 Eine abweichende Ausführung gilt als fruchtlos. Bei Mangel kann jedoch ein Brahmacharin oder ein Lehrer ohne Ehefrau gewählt werden.

103.27 Darum lasse man den Ritus nach Möglichkeit durch einen Adi-Shaiva ausführen. Beim Shraddha für einen Acharya wähle der Guru einen Acharya.

103.28 Wird ein Nicht-Acharya gewählt, werden Verlust von Leben, Gedeihen und Kindern angedroht. Beim Shraddha für einen Nirvana-Initiierten lasse man Visheshin und Samayin als Hauptempfänger aus.

103.29 Samayin, Visheshin und Nirvanin bilden drei Gruppen. Durch ihre unterschiedlichen Heiligungen und die Abstufung der Welten

103.30 erlangen sie unterschiedliche Stufen. Entsprechend diesen Unterschieden rufe der Kundige beim Shraddha ohne Hast die Ahnen und Gottheiten an.

103.31 Beim Shraddha für einen Acharya werden sieben genannt: Shiva, Isha, Sadashiva, Shanta, Skanda, Ganadhisha und Chandikesha.

103.32 Zuerst wird Shiva verehrt. In der zweiten Gruppe werden Isha, Shanta und Sadashiva angerufen,

103.33 in der dritten Skanda, Ganesha und Chanda. So verfahre man für einen zum Acharya Geweihten. Man wähle sieben Lehrer, bei Mangel fünf.

103.34 Zwei Sadhakas vertreten die Götter, drei Lehrer die Ahnen. Sind auch diese nicht verfügbar, werden zwei Personen für Götter- und Ahnenverehrung genannt.

103.35 Rudra und Ananta werden als die Allgötter genannt. Isha, Sadashiva und Shanta gelten beim Shiva-Shraddha als die Ahnenformen.

103.36 So rufe man sie bei der Verehrung für einen Nirvana-Initiierten an. Bei Samayin und Visheshin verehre man zuerst die Allgötter.

103.37 Dort vertreten Nandin und Mahakala die beiden Götterplätze; Skanda, Chanda und Ganesha werden für die drei Ahnenplätze genannt.

103.38 Höre nun sorgfältig das anlassbezogene Shraddha. Man lade Brahmanen mit Hingabe ein, verbunden mit Bad und den vorgeschriebenen Vorbereitungen.

103.39 Man vollziehe die täglichen Pflichten und wähle die Brahmanen. Die zuvor Eingeladenen bestimme man für ihre Ämter und lege dann den Pavitra-Grasring an.

103.40 Danach vollziehe man drei Umrundungen, die Salbung beziehungsweise Darbringung von Krisara, die Verehrung Vighneshas, die Segenssprechung und den Panchagavya-Ritus.

103.41 Shivas Platz sei nach Osten gerichtet, die übrigen nach Norden. Man setze die Vertreter auf Schildkrötensitze und umschreite sie dreimal.

103.42 »Den Gottheiten, den Ahnen und den großen Yogis Verehrung! Der Svadha und der Svaha immer wieder Verehrung, Verehrung!«

103.43 »Den Ahnen-Gottheiten, beginnend mit Isha, die Vereinigung und die weiteren Stufen erreicht haben, der Gottheit, die die Familie gedeihen lässt, immer wieder Verehrung, Verehrung!«

103.44 »Shiva, der Shivas Erkenntnis sichtbar macht, und die sieben Gurus verehre ich beständig. Vor Mahadeva verneige ich mich: immer wieder Verehrung, Verehrung!«

103.45 »Die Götter, Ahnen, Gurus und Shiva-Yogis umschreite ich dreimal: immer wieder Verehrung, Verehrung!«

103.46 Unter diesen Formeln vollziehe man drei Umrundungen. Danach trage man den Lehrern die Bitte vor und vergegenwärtige die Shraddha-Stätte besonders

103.47 als Kailasa. Man meditiere über Maheshvara und die Ahnen, beginnend mit Isha, und beginne dann den Ahnenritus.

103.48 Nach der Zustimmung vollziehe man die mantrische Vervollständigung des Körpers, bitte Vighnesha und fasse den rituellen Entschluss.

103.49 Es folgen das allgemeine Arghya, die Verehrung des Opferherrn, das Besprengen und die Reinigung der gekochten Opferspeise.

103.50 Für Götter und Ahnen bereite man Arghya in fünf Gefäßen: für die Götter mit Gerste, für die Ahnen mit Sesam.

103.51 Man verbinde das Arghya mit dem Nektar und reinige den Ort. Man nenne Verwandtschaftsbeziehung, Gotra und Initiationsnamen.

103.52 Zuerst rufe man Shiva an, die Opferschnur in der gewöhnlichen Lage. Dann lege man sie über die rechte Schulter in die Ahnenlage und rufe Isha bis Ganapa

103.53 der Reihe nach nach dem früheren Verfahren an. Für das Fußwaschwasser bereite man im Norden auf reinem Boden einen viereckigen Platz,

103.54 im Süden runde Plätze, und verehre jeden einzeln. Man bringe das Fußwaschwasser vorschriftsmäßig dar und schmücke danach die Empfänger.

103.55 Man gebe Stoffe, Opferschnüre, Schmuck und weitere Gaben. Vor dem eigentlichen Ahnenmahl vollziehe man das Feuerritual.

103.56 Bei der Verbindung mit dem Feuer gibt es eine Besonderheit. Höre sie für die Stufen vom Nirvana-Initiierten bis zum Acharya.

103.57 Man vergegenwärtige das Shiva-Feuer als Opfermund und opfere besonders darin. Für Samayin und Visheshin opfere man dagegen im kindlichen Feuer.

103.58 Zur Reinigung aller gekochten Speisen geht das Opfer in das Shiva-Feuer voraus. Man erkläre den Brahmanen: »Ich werde das Opfer im Shiva-Feuer vollziehen.«

103.59 Nachdem sie mit »Vollziehe es!« zugestimmt haben, opfere man gekochte Speise, Brennhölzer und Ghee insbesondere für die Ahnengottheiten.

103.60 Soma als Ahnenherr, Angiras, Yama, Agni als Träger der Ahnengaben, Aryaman, die Agnishvattas,

103.61 die Barhishads, die Ghee trinkenden und die Soma trinkenden Ahnen werden angerufen. Man spreche Somas Namen mit dem Beiwort »mit den Ahnen« im Dativ und schließe mit »svadha, Verehrung!«

103.62 Dann spreche man: »Yama, dem mit Angiras Verbundenen – svadha, Verehrung!« Danach: »Agni, dem Träger der Ahnengaben – svadha, Verehrung!«

103.63 »Aryaman, den Agnishvattas und den Barhishads – svadha, Verehrung! Den Soma und Ghee trinkenden Ahnen – svadha, Verehrung!«

103.64 Man verehre mit Anrufung und den weiteren Handlungen und opfere für jeden einzeln. Für die vierundzwanzig Ahnen vollziehe man die Opfer mit svadha als Schlusswort.

103.65 Den Opferrest gebe man unter Erinnerung an den Verstorbenen zu den Speisen, für die Ahnen und die Reisbälle sowie für die Allgötter.

103.66 Man bringe Arghya und die im Topf gekochte Speise dar und bewirte die Brahmanen. Die viereckigen und drei runden Essplätze reinige man mit Kuhdung.

103.67 Man nehme ein Bananenblatt und lege es mit der Spitze nach links, zusammen mit Nebengefäßen. Man besprenge es mit dem Astramantra.

103.68 Man reiche die Speisen, beginnend mit Salz: Ghee, Milch, Dickmilch, Honig und drei Arten von Früchten,

103.69 Beilagen, Milchreis und besonders gute Speise jeweils gesondert auf das Bananenblatt, nachdem die Gefäße gereinigt wurden.

103.70 Man besprenge mit dem Astramantra und berühre die Schale mit der linken Hand beziehungsweise mit Vama. Einmal umkreise man sie in der gegenläufigen Richtung.

103.71 Mit dem Ishana-Mantra besprenge man besonders den Rand; mit dem Tryambaka-Mantra vollziehe man das Besprengen der Gaben.

103.72 Havya heißt die Götterspeise, Kavya die Ahnenspeise. Mit svaha und svadha und den entsprechenden Formeln schütze man die Speise Shambhus und der übrigen Empfänger.

103.73 Zuvor verwende man Sesam, ungebrochene Reiskörner und Wasser. Die Götterschale sei golden, die Ahnenschale silbern.

103.74 »Shambhu ist der Eine, das große Wesen. Möge Maheshvara erfreut sein!« Unter dieser Gabe vollziehe der Kundige die Übergabe und schlürfe Wasser.

103.75 Dann bringe man die Opfer an die Lebenskräfte dar, wiederhole Sadyojata und rezitiere die heilige Überlieferung. Nach dem Mahl streue man zu ihrer Sättigung Speise aus.

103.76 Man nehme einen Reisball für die Krähen und gebe ihn unter dem Mantra. Danach reinige man die Speisereste und reiche Betel und Opferlohn.

103.77 Der Stifter des Shraddha halte, nach Süden gewandt, ein wassergefülltes Vardhani und kündige die Svadha-Anrufung an. Die Empfänger antworten: »Sie möge gesprochen werden.«

103.78 Der Ausführende nenne die drei, beginnend mit Isha, im Dativ, jeweils mit svadha am Ende. Alle Vertreter Ishas und der übrigen

103.79 antworten: »Svadha sei!« Dann gieße man Wasser auf den Boden, vollziehe drei Umrundungen und verneige sich der Reihe nach.

103.80 Man bitte darum, dass das an diesem Tag vollzogene Shraddha seine shaivitische Frucht gewähre. Fragt der Ausführende: »Was soll mit der übrigen Speise geschehen?«,

103.81 antworten die segnenden Empfänger: »Sie soll zusammen mit den Lieben gegessen werden.« Dann heißt es: »Mögen unsere Geber gedeihen und ebenso die shaivitische Überlieferung!

103.82 Möge unser Vertrauen nicht schwinden, und mögen wir viel zu geben haben!« Nach solchen freundlichen Worten verneige man sich und bitte um Vergebung.

103.83 Der besondere Segen gilt der Aufhebung aller Verfehlungen, der Überwindung aller Feinde, der Beseitigung der fünf schweren Verfehlungen und der Freiheit von Angst vor feindlichen Heeren,

103.84 der Befriedung allen Leids, der Abwendung aller Krankheiten, Bedrängnisse, Armut und vorzeitigen Todes,

103.85 langem Leben, Gesundheit, Macht, Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung, Befreiung, dem Gedeihen von Kindern und Enkeln und der Erfüllung aller guten Ziele.

103.86 Man erteile diesen Segen besonders mit heiliger Asche und ungebrochenem Reis. Das Ahnengefäß, in dem zuvor die zusammenfließenden Arghya-Reste gesammelt wurden,

103.87 richte man mit der Öffnung nach oben und verabschiede es. Mit Darbha-Halmen vollziehe man die Verabschiedung.

103.88 Man forme vierundzwanzig Ahnen-Reisbälle von der Größe eines Hühnereies und gieße Sesamwasser darüber.

103.89 Nach dem Zusammenfügen der Reisbälle bringe man den Ahnen Bali dar. Die Reisbälle kann man Kühen oder Brahmanen geben oder in Feuer oder Wasser legen.

103.90 Den Reisball des Großvaters kann auch die Ehefrau der Familie essen. Dann verehre man das Feuer und vollziehe ein Opfer zur Vollendung des Ritus.

103.91 Mit svaha am Ende opfere der Guru für Tattvas, Wörter, Mantras und die weiteren Reihen sowie für Bhava und die übrigen und für die Shaktis mit ihren Kindern und Gatten.

103.92 Nachdem man bis zu den Namen der fünf Brahmagestalten geopfert hat, vollziehe man die Vollopfergabe. Zur Behebung von Versäumnissen opfere man mit Aghora hundertmal.

103.93 Der Reihe nach folgen die innere Bali-Gabe und die abschließende Huldigung. Danach verabschiede man die Gottheit und die Gegenwart des Feuers.

103.94 Man lege den Pavitra-Ring ab, schlürfe Wasser und trage die schützende Opferasche auf. Mit »Was immer ich getan habe, o Gott« übergebe man alles Sadashiva.

103.95 Am folgenden Tag vollziehe man besonders die Wasserspenden, oder auch noch am selben Tag, der Reihe nach, Guru.

103.96 Mit der Opferschnur wieder in gewöhnlicher Lage esse man nach Wunsch. Durch das Feueropfer werden die in der Götterwelt Befindlichen gesättigt, durch das Shraddha-Mahl die im Himmel,

103.97 durch die Reisbälle die in Yamas Bereich, durch ausgestreute Speise die in den Höllen, durch Speisereste die Pishachas und durch reichliche Bewirtung die Asuras.

103.98 Durch den Opferlohn werden die Menschen erfreut. So gibt es sieben Empfängergruppen im Shraddha. Wer beim Shiva-Shraddha isst, hat nach dieser Lehre keinen rituellen Fehler dadurch.

103.99 Was Ahnenrest genannt wird, soll den Ahnen unvergänglich zugutekommen. Ein Mensch ohne Shraddha wird als kinderlos oder arm beschrieben. [Der Satz ist verkürzt.]

103.100 Wer auf diese Weise handelt, erlangt Vereinigung mit Shiva. Eine aus Verwirrung abweichende Handlung gilt als fruchtlos. Darum verfahre man mit aller Sorgfalt nach den Vorschriften des Agama.

Anhang 1: Das Anbinden des Schutzbandes

A1.1 Nun werde ich besonders die Reihenfolge des Schutzbandritus erklären. Bei Einsetzung und Wiederheiligung, an Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen,

A1.2 zu Beginn eines Gottesfestes binde man Gott und Göttin das Schutzband an. Auch der Lehrer trägt es zur Verwirklichung der Mantras nach dem Schutzbandverfahren.

A1.3 Die Schnur bestehe aus fünf, sieben oder neun Fäden. Man binde sie unter dem Mantra »vishvebhya« und dem mit »brihatsama« beginnenden Mantra an.

A1.4 Für Nachkommenschaft, zur Beseitigung von Krankheit, für einen Leidenden, der Heilung sucht, und zum Schutz der Welt vollziehe man das Anbinden des Schutzbandes.

Der unnummerierte Ritualabschnitt beschreibt folgende Abfolge:

Nach dem Entschluss zur Verehrung Vighneshvaras erkläre man: »Ich werde das Anbinden des Schutzbandes, die Segenssprechung und die Aufstellung des Varuna-Gefäßes ausführen.« Man zeichne einen achtblättrigen Lotus, breite unenthülsten und enthülsten Reis, Sesam, schwarze Bohnen, geröstetes Getreide und Darbha-Gras aus und stelle ein Gefäß darauf. Man fülle es mit Wasser, schmücke es, verschließe es mit einer Kokosnuss, rufe Varuna an und verehre ihn mit sechzehn Ehrengaben.

Eine Schale aus Gold, Silber oder Kupfer fülle man mit reinem Reis und zeichne einen achtblättrigen Lotus darauf. In die Mitte lege man Kokosnuss, Betel und neun Fäden aus Gold beziehungsweise Baumwolle. Man besprenge alles, erhebe es mit dem Herzmantra zu seinem heiligen Zustand und schütze es. Mit Segenswasser, Panchagavya und Arghya-Wasser vollziehe man unter dem Astramantra die Reinigung.

Auf der Opferfläche verehre man die tragende Shakti, auf der Vorrichtung Tryambaka, in der Schale das Erd-Tattva, im Reis die siebzig Millionen großen Mantras, in den goldenen, silbernen oder baumwollenen Fäden Atma-, Vidya- und Shiva-Tattva, in der Kokosnuss Maya-Shakti und in der Asche Lakulishvara. Die jeweiligen Formeln sind Verehrungsanrufungen; ihre vollständigen Laute stehen im IAST-Text.

Unter Glockenklang bringe man Duftstoff, Blumen, Speisegabe, Früchte, Betel, Räucherwerk und Licht dar. Man bitte: »Vollzieht die Mantrawiederholung für das Schutzband!« Die Antwort lautet: »Wir vollziehen sie.«

Für diese Wiederholung nennt die Vorlage vedische Textanfänge: die Savitri, »agnim ile purohitam«, »sravantu nah«, »krinushva pajah« und weitere nur abgekürzt angeführte Stellen. Nach ihrer Rezitation spreche man dreimal: »Ich vollziehe die Verehrung Brahmans.« Man stelle das Band mit Om bereit und besprenge Band und Träger unter den Surabhi- und Wasseranrufungen. Die Textverbindung dieser Mantrabezeichnungen ist beschädigt.

Man nehme das Band und streiche es unter dem Tryambaka-Mantra dreimal mit heiliger Asche nach oben ab. Mit dem Textanfang »agnir ayushman« lege man die Kokosnuss in die rechte Hand. Mit dem Schutzvers, beginnend »brihatsama kshatrabhrit«, vollziehe man den Schutz; unter acht Versen, beginnend »yo brahma brahmana ujjahara«, binde man das Band an. Es folgt die Antwort: »Möge die Stunde des Schutzbandanbindens eine günstige Stunde sein!« Die nur als Anfänge überlieferten vedischen Rezitationen werden hier nicht vervollständigt.

A1.5 Am Linga binde man das Band im Rudra-Teil, am Sockel in der Mitte des Abflusses an; bei männlichen Gottheiten an der rechten, bei Shaktis an der linken Hand.

A1.6 An Shivas Waffe binde man es in der Mitte, am Stier am rechten Horn an. Am Fahnenmast bringe man es im Rudra-Teil des Stabes an.

A1.7 Am Wagen und am Löwenthron binde man es an den vorderen Pfeiler, bei Pavillons und anderen Bauten an den Hauptpfeiler. So vollziehe man das Anlegen des Fadens an allen entsprechenden Trägern.

Anhang 2: Die Verehrung des Shiva-Pavillons

A2.1 Nun wird die Verehrung des Pavillons erklärt; höre. Beste, mittlere, kleinere und geringste Ausführung

A2.2 werden nach der Zahl der Feuergruben unterschieden. Mit dreiunddreißig Feuergruben und fünf Umhüllungskreisen

A2.3 gilt der Opferpavillon als beste Ausführung. Mit vier Umfassungen und fünfundzwanzig

A2.4 Feuergruben gilt er als mittlere. Es folgt die Anlage mit siebzehn Feuergruben und drei Umfassungen.

A2.5 Auch ein Pavillon mit einem Umhüllungskreis und neun Feuergruben wird als kleinere Ausführung genannt, o Bester der Gurus. [Die Abstufung ist im Wortlaut nicht lückenlos zugeordnet.]

A2.6 Ein Opferpavillon mit fünf Feuergruben oder nur einer wird als geringste Ausführung bezeichnet.

A2.7 Bei einer Einsetzung für den eigenen Gebrauch oder einer Initiation kann man bei fehlenden Mitteln fünf oder eine Feuergrube wählen; wer die Mittel hat, soll dies nicht tun.

A2.8 Bei einer Antarita-Wiederheiligung und bei Sühneriten wird die kleinste Ausführung zugelassen, um die Handlung leichter ausführbar zu machen.

A2.9 Auch die Verehrung des Pavillons ist dreifach: mit Shakti, ohne Shakti und als einfache Verehrung.

A2.10 Werden alle für die Pavillonverehrung genannten Gottheiten durch Meditation, Anrufung und die weiteren Handlungen

A2.11 verehrt, heißt dies Verehrung mit Shakti. Erfolgt die Anrufung und Verehrung mit Sitz-, Gestalt- und Wurzelmantras,

A2.12 heißt sie ohne Shakti. Die einfache Form besteht in den mit namas endenden Anrufungen. Die Verehrung mit Shakti gilt bei Anavarta und Punaravarta

A2.13 sowie Avarta. Bei Antarita, Initiation, Festen und Sühneriten

A2.14 sowie bei der Weihe eines Lingas für den eigenen Gebrauch gilt die Form ohne Shakti. Bei Bestattungsriten ist die einfache Form vorgesehen; so entscheidet das Tantra.

A2.15 Überall verfahre der vorzügliche Lehrer auf dem angegebenen Weg. Eine aus Verwirrung abweichende Ausführung schädigt den Handelnden,

A2.16 vernichtet die Frucht der Handlung und bringt Unruhe ins Land. Darum vollziehe alles nach der genannten Vorschrift, o Bester der Gurus.

Anhang 3: Die Verehrung Bhairavas

Der einleitende unnummerierte Abschnitt weist dem großen Mantra des aus Bedrängnis rettenden Bhairava Brihadaranyaka als Seher, Anushtubh als Versmaß und Apaduddharana-Bhairava als Gottheit zu. Sein Bija ist hrām, seine Shakti hrīm; die als Kilaka bezeichnete Folge ist unsicher überliefert. Die Anwendung lautet: »Zur Erlangung der Gnade Bhairavas, der mich aus Bedrängnis rettet, verwende ich es bei der Mantrawiederholung.« Mit Om vollziehe man die Atemlenkung.

Für die Rettung aus Bedrängnis folgt die Hand-Niederlegung: Verehrung den beiden Daumen, Zeigefingern, Mittelfingern, Ringfingern, kleinen Fingern sowie Handflächen und Handrücken. Die jeweils zugeordneten Bija-Paare sind im IAST-Text vollständig erhalten. Danach folgen dieselben Paare für Herz, Kopf, Haarbüschel, Schutzpanzer, drei Augen und Waffe, verbunden mit den rituellen Schlusslauten namas, svaha, vashat, hum, vaushat und phat. Mit der Formel der drei Welten und Om vollziehe man die Bindung der Richtungen.

A3.1 Ich verehre den jungen Bhairava, Herrn der Bhutas und Pishachas, den glückverheißenden Hüter des heiligen Bezirks: Er trägt rotes, flammendes Flechtenhaar und den Mond, sein roter Körper besteht aus Glanz. In den Händen hält er Dreizack, Schädelgefäß, Schlinge und Damaru. Er schützt die Welt, ist nackt, reitet auf einem Hund, hat drei Augen und ist von jubelnder Wonne erfüllt.

A3.2 Man zeichne einen Punkt, ein Dreieck, ein Sechseck, einen achtblättrigen Lotus, einen sechzehnblättrigen, einen zweiunddreißigblättrigen und eine dreifache Erdumfassung.

Der anschließende unnummerierte Abschnitt erklärt das Yantra: In den Mittelpunkt schreibe man das Feuerzeichen, in das Dreieck Vatuka, in das Sechseck die Anrufung des aus Bedrängnis Rettenden, in die acht Blätter die Wendung »ajamalabaddhaya«, deren Lesung und Bedeutung unsicher sind, in die sechzehn Blätter den Rest des Mantras, in die zweiunddreißig Blätter die Laute von ka bis sa und in die Erdumfassung die Bijas Indras und der übrigen Richtungshüter.

Die Verehrung erfolgt durch Namensanrufungen mit »Verehrung«: Im Mittelpunkt dem aus Bedrängnis Rettenden; im Dreieck Kalabhairava, Badabanala-Bhairava und Ranaranga-Bhairava. Im Sechseck Kalabhairava, Virabhairava, Mahakalabhairava, Bhishanabhairava, Shankarabhairava und Ugrabhairava. Auf den acht Blättern Hetughna, Tripuraghna, Vahni, Yamajihva, Kala, Karala, Ekanghri und Bhima. Auf den sechzehn Blättern Asitanga und die übrigen Bhairavas sowie Brahmi und die übrigen Shaktis; auf den zweiunddreißig Blättern die jeweiligen Matrika-Gottheiten; in der Erdumfassung Indra und die weiteren, außerhalb die Waffen, beginnend mit dem Vajra.

Eine weitere Schreibanordnung setzt zwei Bijas in den Mittelpunkt und die drei Silben des Namens Vatuka in das Dreieck. Im Sechseck steht die Anrufung des aus Bedrängnis Rettenden, im Achtblatt erneut die unklare Wendung »ajamalabaddhaya«, im Sechzehnblatt: »Dem Herrn des Yoga, dem Feind meiner Armut, dem großen Bhairava«, gefolgt von den rituellen Schlusslauten. Für das letzte Blatt wird eine sechzehnsilbige Folge genannt; im Zweiunddreißigblatt stehen wieder die Laute ka bis sa, in der Erdumfassung die acht angegebenen Richtungs-Bijas.

Das anschließend ausgeschriebene Hauptmantra ruft nach seinen Eingangslauten Vatuka an, den Retter aus Bedrängnis, enthält dieselbe unsichere Wendung und fährt fort: »Herrn des Yoga, Feind meiner Armut, großen Bhairava«, abschließend mit hum, phat und svaha. Da eine wesentliche Wendung unklar ist, wird dieses Mantra im Praxisartikel nicht als sicherer vollständiger Rezitationstext ausgegeben.

Es folgen fünf Namens-Niederlegungen mit gleichen Eingangs-Bijas: Mahakalabhairava als Ishana-Scheitel, Mahabalabhairava als Tatpurusha-Gesicht, Aghorabhairava als Aghora-Herz, Vajravirabhairava als Vamadeva in der verborgenen Körperregion und Krodhakalabhairava als Sadyojata-Gestalt. Man lege sie vom Scheitel an auf die fünf Gesichter beziehungsweise Körperbereiche nieder.

Fünf weitere Anrufungen verbinden die betreffenden Bija-Gruppen mit den Kalas: dem höchsten Mahakalabhairava als Nivritti, Mahakalabhairava als Pratishtha, Aghorabhairava als Vidya, Vajravirabhairava als Shanti und Krodhakalabhairava als Shantyatita. Vom kleinen Finger beginnend lege man sie der Reihe nach auf Knie, verborgene Körperregion, Herz, Gesicht und Scheitel.

Danach verehre man mit den angegebenen Eingangs-Bijas die acht Vidyeshvara-Bhairavas: Anantabhairava, Sukshmabhairava, Shivottamabhairava, Ekanetrabhairava, Ekarudrabhairava, Trimurtibhairava, Shrikanthabhairava und Shikhandibhairava. Alle Formeln und Bija-Folgen sind im IAST-Anhang erhalten. Dazu heißt es:

A3.3 Die fünf Gestalten und die sechs Gliedermantras gehören zum ersten Umhüllungskreis.

A3.4 Die acht Vidyeshvaras gehören zum zweiten; Asitanga und die weiteren Bhairavas mit den Shaktis Brahmi und den übrigen zum dritten.

A3.5 Im vierten sind Indra und die weiteren, im fünften Vajra und die übrigen Waffen. Mit diesen fünf Kreisen verehre man Bhairava.

A3.6 Man meditiere ihn wie eine dunkle Regenwolke, leuchtend wie dunkler Augenschmuck, zugleich wie reinen Bergkristall, mit rötlichem Haar,

A3.7 mit einem durch Fangzähne furchterregenden Gesicht, strahlender Kirita-Krone, einem Gürtel aus Schlangen und Schmuck aus kostbaren Steinen.

A3.8 Links trägt er das Schwert, rechts den Dreizack; außerdem Schädelgefäß, Furchtlosigkeits- und Segensgeste, Damaru, Schlange und Stab. Über diesen Großarmigen meditiere man und wiederhole beständig das Mantra.

Anhang 4: Innere und äußere Bali-Darbringung

A4.1 Die Bali-Darbringung ist zweifach: innerlich und äußerlich. Zuerst vollziehe man die innere, danach die äußere Bali-Gabe.

A4.2 Man lege sie vorschriftsmäßig auf die Randgürtel der Feuergrube. Wo keine Feuergrube vorhanden ist, bereite man südöstlich davon

A4.3 ein Mandala und vollziehe darauf die Bali-Gabe. An der Hauptfeuergrube sind beide Bali-Arten verbindlich vorgesehen.

A4.4 An den acht übrigen Feuergruben vollziehe man nur die äußere Bali-Gabe. Parameshvara erstrahlt mit fünf Umhüllungskreisen.

A4.5 Im ersten Kreis befinden sich die fünf Brahmagestalten, der Vidya-Körper, Herz, Augen, Kopf und Haarbüschel,

A4.6 Schutzpanzer und Waffe. Für sie opfere man in das Shiva-Feuer. Für die in den übrigen Kreisen gegenwärtigen Gottheiten

A4.7 vollziehe man Bali-Gaben, keine entsprechenden Feuerdarbringungen. Für die Gottheiten des zweiten Kreises,

A4.8 die acht Vidyeshvaras, und für Nandin und die übrigen acht im dritten Kreis vollziehe man der Reihe nach die innere Bali-Gabe.

A4.9 Für Indra und die übrigen Gottheiten des vierten Kreises vollziehe man vorschriftsmäßig die äußere Bali-Gabe.

A4.10 Der erste Kreis heißt rein, der zweite gemischt und ebenso der dritte. Der vierte

A4.11 heißt unrein, ebenso der fünfte. Der zweite und dritte werden aufgrund ihres gemischten Charakters zusammengefasst.

A4.12 Auf dem oberen Randgürtel vergegenwärtige man die acht Vidyeshvaras, auf dem mittleren Nandin und die weiteren Gottheiten.

A4.13 Man meditiere über sie und verehre sie mit der inneren Bali-Gabe. Auf dem unteren Randgürtel bringe man Indra und den übrigen

A4.14 der Reihe nach die äußere Bali-Gabe dar. Die Waffen der Gottheiten des vierten Kreises befinden sich im fünften.

A4.15 Für sie bereite man keine gesonderte Bali-Gabe. Für ein Feuer, das ohne Grube auf einer Opferfläche oder Ähnlichem eingerichtet ist,

A4.16 wird nun das Bali-Verfahren beim Feueropfer und bei der Verehrung seiner Bereiche erklärt. Höre vertrauensvoll und ohne Abschweifen, Guru.

A4.17 Südöstlich der Opferfläche bereite man auf gereinigtem Boden mit Kurkumapulver ein rundes oder viereckiges Mandala.

A4.18 Sein innerer Bereich sei zwölf Fingerbreiten breit. Ringsum bilde man einen weiteren Bereich von vier Fingerbreiten.

A4.19 Die in das innere Mandala gelegte Gabe ist die innere Bali-Gabe, die in den äußeren Bereich gelegte die äußere.

A4.20 Im Osten des inneren Mandalas gebe man unter »den Rudras«, im Süden unter »den Müttern«, im Westen unter »den Ganas« die Gaben.

A4.21 Im Norden unter »den Yakshas«, im Nordosten »den Grahas«, im Südosten »den Vasus«, im Südwesten »den Rakshasas«.

A4.22 Im Nordwesten »den Nagas«, südlich vom Nordosten »den Mondhäusern«, nördlich vom Südwesten »den Tierkreiszeichen« und in der Mitte

A4.23 »dem Kshetrapala«. Die Formeln beginnen mit den angegebenen Eingangslauten und enden mit svaha. So ist die innere Bali-Folge.

A4.24 Im äußeren Mandala vergegenwärtige man im Osten Indra, im Südosten Agni, im Süden Yama und im Südwesten

A4.25 Nirriti, im Westen Varuna, im Nordwesten Vayu, im Norden Soma und im Nordosten Ishana.

A4.26 Südlich vom Nordosten vergegenwärtige man Brahma, nördlich vom Südwesten Vishnu. Man verbinde die Anrufung mit Om und dem angegebenen Bija.

A4.27 Der jeweilige Name steht im Dativ, am Ende folgt svaha. Unter dieser Formel vollziehe man die äußere Bali-Gabe.

A4.28 Bei Weihen Shivas und der übrigen Gottheiten lege man innere und äußere Bali-Gaben vorschriftsmäßig auf die Randgürtel.

A4.29 Bei Vastu-Befriedung und ähnlichen Riten sind beide Bali-Gaben verbindlich in den entsprechenden Mandala-Bereichen darzubringen.

Anhang 5: Weitere Sühneriten

A5.1 Wird im Tempel ein Mensch geboren oder stirbt dort jemand, gilt dies als Gefahr für den König. Den Verstorbenen beziehungsweise die Betroffenen bringe man aus dem betreffenden Bereich hinaus.

A5.2 Den Weg, den sie genommen haben, besprenge man mit Kuhdungwasser. Danach vollziehe man besonders Segenssprechung und Besprengung.

A5.3 Am Ort des Todes oder der Geburt grabe man aus, sofern der Boden dafür geeignet ist. Man entferne die als unrein geltende Erde und fülle reine Erde ein.

A5.4 Nahe Wände und die weiteren Flächen wasche man. Den Boden bestreiche man mit Kuhdung und vollziehe der Reihe nach die Segenssprechung und das Besprengen mit den Kuhprodukten.

A5.5 Am Ende bewirte man Shaivas und vollziehe die Wiederheiligung mit Wasser. Geschah das Ereignis im innersten Heiligtum, folgen Waschung und Befriedungsfeueropfer.

A5.6 Geschah es im Vorpavillon, vollziehe man das Befriedungsfeueropfer und die weiteren Handlungen. Im Bildnispavillon vollziehe man das Befriedungsfeueropfer ohne Waschung.

A5.7 Geschah es innerhalb der inneren Halle, vollziehe man die Wiederheiligung mit Wasser. Für die dortigen Gottheiten erfolgen Waschung und Befriedungsfeueropfer.

A5.8 Auch die dortigen Sockel besprenge man zur Reinigung mit den Kuhprodukten. Irdene Gefäße gebe man auf, hölzerne wasche man mit Wasser.

A5.9 Außerhalb der inneren Halle vollziehe man eine Waschung mit dem Richtungsfeueropfer. Tritt ein Todesfall oder entsprechendes Ereignis im Kochbereich oder an ähnlichen Orten ein,

A5.10 reinige man wie zuvor und trage das Feuer ringsum. Danach vollziehe man das Richtungsfeueropfer und das Opfer für die Gottesgestalten.

A5.11 Außerhalb der beiden Umfassungsbereiche lasse man ein Befriedungsfeueropfer ausführen. Stirbt ein Mensch im bewohnten Bereich innerhalb von zwölf Danda vom Tempel,

A5.12 entferne man den Leichnam und vollziehe erst danach die täglichen, anlassbezogenen und weiteren Riten. Wurden sie vorher ausgeführt, wird Unheil für das Dorf genannt; zur Behebung vollziehe man eine Waschung.

Sanskrittext Ajita Agama in IAST

Der vollständige Sanskrittext dieser Ausgabe steht im eigenen Artikel Ajita Agama Sanskrit IAST. Die gesonderte Darstellung ermöglicht es, die deutsche Übersetzung ohne eingeschobene Sanskritverse zu lesen. Beide Texte verwenden dieselben Kapitel- und Verskennzeichnungen. Zusätzlich steht der gesamte Sanskrittext unter Ajita Agama Sanskrit Devanagari in Devanagari-Schrift bereit.

Quellen und Literatur

  • Primäre Arbeitsgrundlage: die bereitgestellte Datei ajitagama.pdf, 606 Seiten, mit dem Kriyapada, 103 Kapiteln und fünf Anhängen. Der Quellenvermerk auf der letzten PDF-Seite verweist auf N. R. Bhatts dreibändige kritische Ausgabe.
  • N. R. Bhatt (Hrsg.): Ajitāgama. Édition critique. Drei Bände. Publications de l’Institut Français d’Indologie 24. Pondichéry, 1964, 1967, 1991. Die Bandjahre sind im Verlagskatalog des Institut Français de Pondichéry, S. 12, bestätigt.
  • Bruno Dagens: Les enseignements architecturaux de l’Ajitāgama et du Rauravāgama. Études sur les āgama śivaïtes, I. Publications de l’Institut Français d’Indologie 57. Pondichéry, 1977. Weiterführende Untersuchung der Architekturterminologie; bibliographischer Nachweis im selben Katalog, S. 32.
  1. 1,0 1,1 Institut Français de Pondichéry: Publication Catalogue 2026, gedruckte S. 12, Eintrag „Ajitāgama“.

Hinweise zur Textgrundlage

Die Sanskritgrundlage wurde aus der vorhandenen elektronischen PDF durch Umkodierung der eingebetteten älteren Devanagari-Schrift gewonnen. Es wurde keine neue Vollabschrift aus Scans angefertigt. Die Zeichenzuordnung, die Stellung der Vokalzeichen und einige fehlerhafte Ligaturen wurden gezielt geprüft und berichtigt. Die IAST-Fassung wurde daraus abgeleitet.

Die Übersetzung erfasst sämtliche 6.898 nummerierten Einheiten und die unnummerierten Textpassagen dieser Grundlage. Diese Zahl bezeichnet die überlieferte Nummernstruktur, nicht 6.898 garantiert vollständige metrische Shlokas. Halbverse, Prosa und längere Formeln kommen ebenfalls vor. Fehlender Text wurde nicht aus anderen Ritualhandbüchern ergänzt.

Besonders zu beachten sind folgende Stellen:

  • Die zweite Vorlagenzahl 45 in Kapitel 16 erscheint als 16.45b und steht dort, wo 55 zu erwarten wäre. Die zweite 63 in Kapitel 33 erscheint als 33.63a.
  • In Kapitel 37 fehlen die Zahlen 7 und 9. Der dazwischen vorhandene Wortlaut ist in die folgenden nummerierten Einheiten aufgenommen.
  • In Kapitel 98 fehlt 42; 51 ist doppelt und wird beim zweiten Auftreten als 98.51a bezeichnet. Nach 247 steht nochmals 148, hier 98.148a; vermutlich ist 248 gemeint. Die Quelle wurde nicht stillschweigend neu nummeriert.
  • Kapitel 62 beginnt lückenhaft. In Kapitel 71 ist zwischen 90 und 91 ein Textsprung erkennbar. Kapitel 76 und 77 enden unvollständig. Diese Grenzen des vorhandenen Textes bleiben sichtbar.
  • Einzelne Maße, Pflanzen- und Materialnamen, astrologische Zuordnungen und Mantralesungen sind nicht abschließend gesichert. Anmerkungen dazu stehen bei den betroffenen Versen. Die vollständigen Quellen- und Bearbeitungshinweise begleiten die Dateiausgabe.

Dies ist eine aus dem Sanskrit erarbeitete deutsche Leseausgabe mit ausgewiesenen Unsicherheiten. Sie erhebt keinen Anspruch auf eine neue kritische Sanskritedition oder eine vollständige Kollation aller Handschriften.

Medien

Ergänzende Zugänge zu Klang und Verehrung bieten Shiva Mantra, Mantra-Singen und Kirtan. Allgemeine Beiträge finden sich auch auf Mein Yoga Vidya. Dortige Aufnahmen sind ergänzende Praxisangebote und keine Tonaufnahme der vorliegenden Ajita-Agama-Ausgabe.

Seminare

Informationen zu Angeboten für Meditation, Mantra und Yoga finden sich bei Yoga Vidya.

Weblinks