Prana Sukta Upanishad
Die Prana Sukta Upanishad (Sanskrit: प्राणसूक्तोपनिषद्, Prāṇa-Sūkta-Upaniṣad) ist der vollständige Prana-Hymnus Atharvaveda-Saṃhitā 11.4 der Śaunaka-Rezension. Seine 26 Verse verehren Prāṇa nicht nur als Atem des einzelnen Menschen, sondern als Regen, Wind, Lebensmacht, kosmische Ordnung, Ursprung der Pflanzen und Herr aller atmenden wie nicht atmenden Wesen.
„Prana Sukta Upanishad“ ist eine moderne Bezeichnung für einen Upanishaden-nahen Hymnus; der alte Text heißt Prāṇa-Sūkta und besitzt keinen eigenen Upanishad-Kolophon. Er gehört nicht zum Muktikā-Kanon. Seine Identifikationen des Lebenshauchs mit Viraj, Sonne, Mond, Prajapati und dem tragenden Grund aller Zeiten bereiten jedoch zentrale Atemlehren der Upanishaden vor.
Prāṇa hat im Hymnus mehrere Ebenen. Das Wort bezeichnet den konkreten Lebenshauch, kann enger die Einatmung meinen und wird zugleich zum Namen der Kraft, durch die Pflanzen wachsen, Lebewesen entstehen und der kosmische Rhythmus weitergeht. Der Text setzt diese Ebenen poetisch miteinander in Beziehung; er bietet keine moderne Physiologie und keine technische Pranayama-Anleitung.
Die Verse 3–6 und 17 schildern Prana als Gewitter und Regen, der Pflanzen, Tiere und Menschen nährt. Verse 7–9 richten eine umfassende Verehrung an sein Kommen und Gehen. Verse 10–19 entfalten seine Herrschaft im Lebendigen. Die rätselhaften Schlussbilder von Hamsa, Sonnenlauf und achträdrigem Rad verbinden den Atem des Mikrokosmos mit Zeit und Sonne im Makrokosmos.
Die IAST-Fassung folgt der Śaunaka-Saṃhitā nach Roth und Whitney, abgeglichen mit dem offiziellen Vedic Heritage Portal, Whitneys kritischem Kommentar und der morphologischen Analyse des Digital Corpus of Sanskrit. Vedische Akzente werden für die Lesbarkeit ausgelassen. Jeder Vers wird einzeln übersetzt und unmittelbar vollständig Wort für Wort erläutert; unsichere Stellen werden offen gekennzeichnet.
Prana Sukta Upanishad – IAST, Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
Die Verszählung entspricht Atharvaveda 11.4. Sandhi-Verbindungen der sichtbaren Textzeile werden in der Worterklärung in ihre einzelnen Wörter aufgelöst.
Vers 1 – Verehrung des Herrn des Alls
prāṇāya namo yasya sarvam idaṃ vaśe
yo bhūtaḥ sarvasyeśvaro yasmint sarvaṃ pratiṣṭhitam ||1||
Übersetzung: Verehrung dem Prana, in dessen Gewalt dieses All ist, der zum Herrn des Ganzen geworden ist und in dem alles fest gegründet steht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇāya – dem Prana oder Lebenshauch; namaḥ – Verehrung, Verneigung; yasya – dessen, in dessen; sarvam – alles, das Ganze; idam – dieses; vaśe – in der Gewalt oder Herrschaft; yaḥ – wer, welcher; bhūtaḥ – geworden oder ins Dasein gekommen; sarvasya – des Ganzen, über alles; īśvaraḥ – Herr oder Gebieter; yasmin – in welchem; sarvam – alles, das Ganze; pratiṣṭhitam – fest gegründet oder aufgestellt.
Vers 2 – Donner, Blitz und Regen
namas te prāṇa krandāya namas te stanayitnave
namas te prāṇa vidyute namas te prāṇa varṣate ||2||
Übersetzung: Verehrung sei dir, Prana, für dein Brüllen; Verehrung sei dir für den Donner. Verehrung sei dir, Prana, für den Blitz; Verehrung sei dir, Prana, wenn du regnest.
Wort-für-Wort-Erläuterung: namaḥ – Verehrung, Verneigung; te – dir oder dein; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; krandāya – für das Brüllen oder Rufen; namaḥ – Verehrung, Verneigung; te – dir oder dein; stanayitnave – für den Donner; namaḥ – Verehrung, Verneigung; te – dir oder dein; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; vidyute – für den Blitz; namaḥ – Verehrung, Verneigung; te – dir oder dein; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; varṣate – dem Regnenden, wenn du regnest.
Vers 3 – Prana befruchtet die Pflanzen
yat prāṇa stanayitnunābhikrandaty oṣadhīḥ
pravīyante garbhān dadhate 'tho bahvīr vijāyante ||3||
Übersetzung: Wenn Prana mit dem Donner zu den Heilkräutern hin brüllt, werden sie befruchtet, empfangen Keime und werden dann in großer Zahl geboren.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – wenn, was oder welches; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; stanayitnunā – mit dem Donner; abhikrandati – brüllt oder ruft hin zu; oṣadhīḥ – die Heilkräuter oder Pflanzen; pravīyante – sie werden befruchtet oder schwellen an; garbhān – Keime oder Embryonen; dadhate – sie nehmen an oder tragen; atha – dann, ferner; u – auch, ferner; vedische Partikel; bahvīḥ – viele, in großer Zahl; vijāyante – sie werden geboren oder entstehen. pravīyante wird traditionell als Befruchtung beziehungsweise Anschwellen der Pflanzen verstanden; die Paippalāda-Rezension ordnet Teile von Vers 3 und 4 anders.
Vers 4 – Freude bei Ankunft der Regenzeit
yat prāṇa ṛtāv āgate 'bhikrandaty oṣadhīḥ
sarvaṃ tadā pramodate yat kiṃca bhūmyām adhi ||4||
Übersetzung: Wenn Prana bei Ankunft der rechten Jahreszeit zu den Heilkräutern hin brüllt, freut sich dann alles, was sich auf der Erde befindet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – wenn, was oder welches; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; ṛtau – zur Jahreszeit, zur rechten Zeit; āgate – angekommen; abhikrandati – brüllt oder ruft hin zu; oṣadhīḥ – die Heilkräuter oder Pflanzen; sarvam – alles, das Ganze; tadā – dann; pramodate – freut sich; yat – wenn, was oder welches; kiṃca – was auch immer; bhūmyām – auf der Erde; adhi – auf, in oder über.
Vers 5 – Regen und Gedeihen
yadā prāṇo abhyavarṣīd varṣeṇa pṛthivīṃ mahīm
paśavas tat pramodante maho vai no bhaviṣyati ||5||
Übersetzung: Als Prana mit Regen die große Erde überregnete, freuten sich die Tiere: „Wahrlich, großes Gedeihen wird uns zuteilwerden.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yadā – als oder wenn; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; abhyavarṣīt – überregnete, ließ Regen niedergehen; varṣeṇa – mit Regen; pṛthivīm – die Erde; mahīm – die große; paśavaḥ – die Tiere oder das Vieh; tat – darüber oder darauf; pramodante – sie freuen sich; mahaḥ – Größe oder großes Gedeihen; vai – wahrlich, gewiss; naḥ – uns oder unser; bhaviṣyati – wird sein oder werden.
Vers 6 – Die Antwort der Heilkräuter
abhivṛṣṭā oṣadhayaḥ prāṇena sam avādiran
āyur vai naḥ prātītaraḥ sarvā naḥ surabhīr akaḥ ||6||
Übersetzung: Vom Regen benetzt sprachen die Heilkräuter gemeinsam mit Prana: „Wahrlich, du hast unser Leben verlängert; du hast uns alle duftend gemacht.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: abhivṛṣṭāḥ – beregnet oder vom Regen benetzt; oṣadhayaḥ – die Heilkräuter oder Pflanzen; prāṇena – mit oder durch Prana; sam – zusammen, gemeinsam; avādiran – sie sprachen; āyuḥ – Lebensdauer oder Leben; vai – wahrlich, gewiss; naḥ – uns oder unser; prātītaraḥ – du hast hinübergeführt oder verlängert; sarvāḥ – alle; naḥ – uns oder unser; surabhīḥ – wohlriechend oder duftend; akaḥ – du hast gemacht. prātītaraḥ ist eine schwierige Perfektform. „Du hast unser Leben verlängert“ gibt den von Kontext und traditioneller Deutung nahegelegten Sinn wieder.
Vers 7 – Kommender, gehender, stehender und sitzender Prana
namas te astv āyate namo astu parāyate
namas te prāṇa tiṣṭhata āsīnāyota te namaḥ ||7||
Übersetzung: Verehrung sei dir beim Kommen, Verehrung sei dir beim Fortgehen. Verehrung sei dir, Prana, wenn du stehst; auch dir, wenn du sitzt, sei Verehrung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: namaḥ – Verehrung, Verneigung; te – dir oder dein; astu – es sei; āyate – dem Kommenden oder beim Kommen; namaḥ – Verehrung, Verneigung; astu – es sei; parāyate – dem Fortgehenden oder beim Fortgehen; namaḥ – Verehrung, Verneigung; te – dir oder dein; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; tiṣṭhate – dem Stehenden oder wenn du stehst; āsīnāya – dem Sitzenden oder wenn du sitzt; uta – und, auch, ferner; te – dir oder dein; namaḥ – Verehrung, Verneigung.
Vers 8 – Einatmung, Ausatmung und alle Richtungen
namas te prāṇa prāṇate namo astv apānate
parācīnāya te namaḥ pratīcīnāya te namaḥ sarvasmai ta idaṃ namaḥ ||8||
Übersetzung: Verehrung sei dir, Prana, wenn du einatmest; Verehrung sei dir, wenn du ausatmest. Verehrung sei dir, wenn du dich abwendest, Verehrung sei dir, wenn du dich uns zuwendest; deinem ganzen Wesen gilt diese Verehrung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: namaḥ – Verehrung, Verneigung; te – dir oder dein; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; prāṇate – dem Einatmenden oder wenn du atmest; namaḥ – Verehrung, Verneigung; astu – es sei; apānate – dem Ausatmenden oder wenn du ausatmest; parācīnāya – dem Abgewandten oder sich nach außen Wendenden; te – dir oder dein; namaḥ – Verehrung, Verneigung; pratīcīnāya – dem Zugewandten oder sich zurück Wendenden; te – dir oder dein; namaḥ – Verehrung, Verneigung; sarvasmai – dem ganzen, vollständigen; te – dir oder dein; idam – dieses; namaḥ – Verehrung, Verneigung.
Vers 9 – Der geliebte Leib und das Heilmittel
yā te prāṇa priyā tanūr yo te prāṇa preyasī
atho yad bheṣajaṃ tava tasya no dhehi jīvase ||9||
Übersetzung: Der geliebte Leib, der dir gehört, o Prana, und der noch liebere, der dir gehört, o Prana, und welches Heilmittel dein ist: Gib uns davon, damit wir leben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yā – welche, die; te – dir oder dein; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; priyā – geliebt oder lieb; tanūḥ – Leib oder Körpergestalt; yā – welche, die; u – auch, ferner; vedische Partikel; te – dir oder dein; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; preyasī – lieber, besonders geliebt; atha – dann, ferner; u – auch, ferner; vedische Partikel; yat – welches, was; bheṣajam – Heilmittel oder Heilkraft; tava – dein; tasya – davon, dessen; naḥ – uns oder unser; dhehi – gib oder lege hin; jīvase – um zu leben, für das Leben.
Vers 10 – Prana umhüllt die Geschöpfe
prāṇaḥ prajā anu vaste pitā putram iva priyam
prāṇo ha sarvasyeśvaro yac ca prāṇati yac ca na ||10||
Übersetzung: Prana umhüllt die Geschöpfe wie ein Vater den geliebten Sohn. Prana ist wahrlich der Herr über alles, was atmet, und über das, was nicht atmet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; prajāḥ – die Geschöpfe oder Menschen; anu – entlang, nach oder folgend; vaste – umhüllt oder bekleidet; pitā – ein Vater, der Vater; putram – den Sohn; iva – wie, gleichsam; priyam – den geliebten; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; ha – wahrlich; vedische Bekräftigung; sarvasya – des Ganzen, über alles; īśvaraḥ – Herr oder Gebieter; yat – wenn, was oder welches; ca – und, auch; prāṇati – atmet oder lebt; yat – wenn, was oder welches; ca – und, auch; na – nicht.
Vers 11 – Tod, Fieber und Wahrheit
prāṇo mṛtyuḥ prāṇas takmā prāṇaṃ devā upāsate
prāṇo ha satyavādinam uttame loka ā dadhat ||11||
Übersetzung: Prana ist Tod, Prana ist Fieber; Prana verehren die Götter. Prana möge den Wahrheitsredner in die höchste Welt versetzen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; mṛtyuḥ – der Tod; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; takmā – Takman, Fieber oder Fieberdämon; prāṇam – Prana, den Lebenshauch; devāḥ – die Götter; upāsate – sie verehren oder meditieren über; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; ha – wahrlich; vedische Bekräftigung; satya – Wahrheit, wahr-; vādinam – den Redenden oder Verkünder; uttame – in der höchsten; loke – Welt; ā – hin, hinein oder vollständig; dadhat – möge setzen oder versetzen. Die Śaunaka-Rezension liest takmā, „Fieber“; Paippalāda bietet stattdessen amṛtam, „Unsterblichkeit“. Der Artikel bewahrt die Śaunaka-Lesart.
Vers 12 – Viraj, Sonne, Mond und Prajapati
prāṇo virāṭ prāṇo deṣṭrī prāṇaṃ sarva upāsate
prāṇo ha sūryaś candramāḥ prāṇam āhuḥ prajāpatim ||12||
Übersetzung: Prana ist Viraj, Prana ist die Lenkerin; Prana verehren alle. Prana ist wahrlich Sonne und Mond; Prana nennen sie Prajapati.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; virāj – Viraj, die kosmische Weite; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; deṣṭrī – die Lenkerin oder Weisende; grammatisch feminin; prāṇam – Prana, den Lebenshauch; sarve – alle; upāsate – sie verehren oder meditieren über; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; ha – wahrlich; vedische Bekräftigung; sūryaḥ – die Sonne; candramāḥ – der Mond; prāṇam – Prana, den Lebenshauch; āhuḥ – sie sagen oder nennen; prajāpatim – Prajapati, den Herrn der Geschöpfe.
Vers 13 – Prana und Apana als Nahrungskräfte
prāṇāpānau vrīhiyavāv anaḍvān prāṇa ucyate
yave ha prāṇa āhito 'pāno vrīhir ucyate ||13||
Übersetzung: Prana und Apana sind Reis und Gerste; der Zugochse wird Prana genannt. In der Gerste ist Prana niedergelegt, Apana wird Reis genannt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇa – Prana, Einatmung oder Lebenshauch; erster Teil des Dualpaares; apānau – Prana und Apana als Dualpaar; hier der zweite Teil Apana; vrīhi – Reis; yavau – Reis und Gerste als Dualpaar; anaḍvān – der Zugochse; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; ucyate – wird genannt; yave – in der Gerste; ha – wahrlich; vedische Bekräftigung; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; āhitaḥ – niedergelegt oder eingesetzt; apānaḥ – Apana, der aus- oder abwärts gerichtete Lebenshauch; vrīhiḥ – der Reis; ucyate – wird genannt. Reis, Gerste und Zugochse gehören zur Nahrungs- und Arbeitswelt. Die Entsprechung ordnet Prana und Apana nicht als moderne anatomische Messgrößen ein.
Vers 14 – Lebenshauch im Mutterleib
apānati prāṇati puruṣo garbhe antarā
yadā tvaṃ prāṇa jinvasy atha sa jāyate punaḥ ||14||
Übersetzung: Der Mensch atmet aus und ein im Inneren des Mutterleibs. Wenn du, Prana, ihn belebst, dann wird er von Neuem geboren.
Wort-für-Wort-Erläuterung: apānati – atmet aus oder abwärts; prāṇati – atmet oder lebt; puruṣaḥ – der Mensch oder Purusha; garbhe – im Mutterleib oder Keim; antarā – im Inneren; yadā – als oder wenn; tvam – du; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; jinvasi – du belebst, erquickst oder treibst an; atha – dann, ferner; sa – er, dieser; jāyate – wird geboren; punar – wieder, von Neuem.
Vers 15 – Matarishvan, Wind und alle Zeit
prāṇam āhur mātariśvānaṃ vāto ha prāṇa ucyate
prāṇe ha bhūtaṃ bhavyaṃ ca prāṇe sarvaṃ pratiṣṭhitam ||15||
Übersetzung: Prana nennen sie Matarishvan, und der Wind wird Prana genannt. In Prana sind Gewordenes und Künftiges; in Prana ist alles fest gegründet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇam – Prana, den Lebenshauch; āhuḥ – sie sagen oder nennen; mātariśvānam – Matarishvan, die im Mutterraum wirkende Luftkraft; vātaḥ – der Wind; ha – wahrlich; vedische Bekräftigung; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; ucyate – wird genannt; prāṇe – in Prana; ha – wahrlich; vedische Bekräftigung; bhūtam – das Gewordene oder Vergangene; bhavyam – das Werdende oder Künftige; ca – und, auch; prāṇe – in Prana; sarvam – alles, das Ganze; pratiṣṭhitam – fest gegründet oder aufgestellt.
Vers 16 – Die vier Herkünfte der Heilkräuter
ātharvaṇīr āṅgirasīr daivīr manuṣyajā uta
oṣadhayaḥ pra jāyante yadā tvaṃ prāṇa jinvasi ||16||
Übersetzung: Die Heilkräuter, die atharvanischer, angirasischer, göttlicher und auch menschlicher Herkunft sind, werden hervorgebracht, wenn du, Prana, sie belebst.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ātharvaṇīḥ – die atharvanischen, von Atharvan stammenden; āṅgirasīḥ – die angirasischen, von den Angirases stammenden; daivīḥ – die göttlichen; manuṣya – menschlich, von Menschen; jāḥ – geboren oder stammend; uta – und, auch, ferner; oṣadhayaḥ – die Heilkräuter oder Pflanzen; pra – hervor, vorwärts; jāyante – sie werden geboren; yadā – als oder wenn; tvam – du; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; jinvasi – du belebst, erquickst oder treibst an.
Vers 17 – Regen und Pflanzenwachstum
yadā prāṇo abhyavarṣīd varṣeṇa pṛthivīṃ mahīm
oṣadhayaḥ prajāyante 'tho yāḥ kāś ca vīrudhaḥ ||17||
Übersetzung: Als Prana mit Regen die große Erde überregnete, wurden die Heilkräuter hervorgebracht und ebenso alle Gewächse, welcher Art sie auch sind.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yadā – als oder wenn; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; abhyavarṣīt – überregnete, ließ Regen niedergehen; varṣeṇa – mit Regen; pṛthivīm – die Erde; mahīm – die große; oṣadhayaḥ – die Heilkräuter oder Pflanzen; prajāyante – sie werden hervorgebracht oder vermehren sich; atha – dann, ferner; u – auch, ferner; vedische Partikel; yāḥ – welche; kāḥ – welche; ca – und, auch; vīrudhaḥ – die Gewächse oder Schlingpflanzen.
Vers 18 – Der Kenner des Prana
yas te prāṇedaṃ veda yasmiṃś cāsi pratiṣṭhitaḥ
sarve tasmai baliṃ harān amuṣmiṃl loka uttame ||18||
Übersetzung: Wer dieses von dir, Prana, weiß und worin du gegründet bist: Ihm mögen alle in jener höchsten Welt Tribut darbringen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer, welcher; te – dir oder dein; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; idam – dieses, dieses Wesen oder Wissen; veda – weiß oder erkennt; yasmin – in welchem; ca – und, auch; asi – du bist; pratiṣṭhitaḥ – gegründet oder aufgestellt; sarve – alle; tasmai – ihm, diesem; balim – Tribut oder Gabe; harān – sie mögen bringen oder darreichen; amuṣmin – in jener; loke – Welt; uttame – in der höchsten. Die genaue Beziehung von „dieses von dir“ und „worin du gegründet bist“ bleibt offen; gemeint ist das Wissen um Wesen und Grundlage des Prana.
Vers 19 – Der Tribut der Geschöpfe
yathā prāṇa balihṛtas tubhyaṃ sarvāḥ prajā imāḥ
evā tasmai baliṃ harān yas tvā śṛṇavat suśravaḥ ||19||
Übersetzung: Wie alle diese Geschöpfe dir, Prana, Tribut bringen, so mögen sie dem Tribut darbringen, der dich hören wird, du weithin Gerühmter.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā – wie, in der Weise wie; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; bali – Tribut oder Gabe; hṛtaḥ – bringend, als Tributenträger; tubhyam – dir; sarvāḥ – alle; prajāḥ – die Geschöpfe oder Menschen; imāḥ – diese; eva – ebenso, gerade so; tasmai – ihm, diesem; balim – Tribut oder Gabe; harān – sie mögen bringen oder darreichen; yaḥ – wer, welcher; tvā – dich; śṛṇavat – er wird hören; su – gut, weithin; Teil der Anrede suśravaḥ; śravaḥ – Ruhm; mit su: du weithin Gerühmter. Dieser Vers steht dem Gedanken von Praśna Upanishad 2.7 nahe. Die Beziehung ist eine literarische Parallele, keine Gleichheit beider Texte.
Vers 20 – Der Keim in den Gottheiten
antar garbhaś carati devatāsv ābhūto bhūtaḥ sa u jāyate punaḥ
sa bhūto bhavyaṃ bhaviṣyat pitā putraṃ pra viveśā śacībhiḥ ||20||
Übersetzung: Als Keim wandert er im Inneren der Gottheiten. Ins Dasein gekommen, geworden, wird er von Neuem geboren. Geworden drang er mit seinen Kräften in das Werdende und Künftige ein, wie ein Vater in den Sohn.
Wort-für-Wort-Erläuterung: antar – innen, im Inneren; garbhaḥ – Keim oder Embryo; carati – wandert oder bewegt sich; devatāsu – in oder unter den Gottheiten; ābhūtaḥ – ins Dasein gekommen; bhūtaḥ – geworden oder ins Dasein gekommen; saḥ – er, dieser; u – auch, ferner; vedische Partikel; jāyate – wird geboren; punar – wieder, von Neuem; sa – er, dieser; bhūtaḥ – geworden oder ins Dasein gekommen; bhavyam – das Werdende; bhaviṣyat – das Künftige; pitā – ein Vater, der Vater; putram – den Sohn; pra – hervor, vorwärts; viveśa – drang ein; śacībhiḥ – mit Kräften oder Fähigkeiten. Der Vers ist syntaktisch stark verdunkelt. Die Übersetzung folgt dem Wortbestand, lässt aber offen, wie ābhūtaḥ, bhūtaḥ, bhavyam und bhaviṣyat exakt aufeinander zu beziehen sind.
Vers 21 – Der Hamsa über dem Urwasser
ekaṃ pādaṃ notkhidati salilāddhaṃsa uccaran
yad aṅga sa tam utkhiden naivādya na śvaḥ syāt
na rātrī nāhaḥ syān na vyucchet kadācana ||21||
Übersetzung: Der aufsteigende Hamsa zieht seinen einen Fuß nicht aus dem Urwasser. Denn wenn er ihn herauszöge, gäbe es weder heute noch morgen; es gäbe weder Nacht noch Tag, und niemals würde es dämmern.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ekam – einen; pādam – Fuß oder Viertel; na – nicht; utkhidati – zieht heraus, reißt aus; salilāt – aus dem Wasser oder Urwasser; haṃsaḥ – Hamsa, Schwan oder kosmischer Sonnenvogel; uccaran – aufsteigend oder emporgehend; yat – wenn, was oder welches; aṅga – denn, wahrlich; bekräftigende Partikel; sa – er, dieser; tam – ihn, jenen; utkhidet – er würde herausziehen; na – nicht; eva – ebenso, gerade so; adya – heute; na – nicht; śvas – morgen; syāt – es wäre oder gäbe; na – nicht; rātrī – Nacht; na – nicht; ahar – Tag; syāt – es wäre oder gäbe; na – nicht; vyucchet – es würde dämmern oder hell werden; kadācana – jemals, irgendwann. haṃsa ist hier wahrscheinlich der Sonnenvogel beziehungsweise die Sonne als kosmischer Lebenshauch. Der Vers verbindet den Sonnenlauf mit der ununterbrochenen Lebenstätigkeit des Prana.
Vers 22 – Das achträdrige kosmische Rad
aṣṭācakraṃ vartata ekanemi sahasrākṣaraṃ pra puro ni paścā
ardhena viśvaṃ bhuvanaṃ jajāna yad asyārdhaṃ katamaḥ sa ketuḥ ||22||
Übersetzung: Das achträdrige, einfelgige, tausendsilbige Rad rollt vorwärts nach Osten und nieder nach Westen. Mit seiner Hälfte brachte es die ganze Welt hervor. Was aber seine andere Hälfte ist – welches Kennzeichen ist das?
Wort-für-Wort-Erläuterung: aṣṭācakram – achträdrig, mit acht Rädern; vartate – rollt oder dreht sich; eka – eins, einzig; nemi – Felge oder Radkranz; sahasra – tausend; akṣaram – Silbe; auch das Unvergängliche; pra – hervor, vorwärts; puras – vorn, nach Osten; ni – nieder, hinab; paścā – hinten, nach Westen; ardhena – mit einer Hälfte; viśvam – die ganze, alles umfassende; bhuvanam – Welt oder Daseinsraum; jajāna – brachte hervor oder zeugte; yat – wenn, was oder welches; asya – dessen, von ihm; ardham – Hälfte; katamaḥ – welcher von mehreren; sa – er, dieser; ketuḥ – Zeichen, Kennmal oder Lichtgestalt. Das achträdrige, einfelgige und tausendsilbige Gebilde ist ein kosmisches Sonnen- und Zeitrad. Die Frage nach seiner anderen Hälfte bleibt absichtlich rätselhaft.
Vers 23 – Der Herr aller Geburt
yo asya viśvajanmana īśe viśvasya ceṣṭataḥ
anyeṣu kṣipradhanvane tasmai prāṇa namo 'stu te ||23||
Übersetzung: Wer über alles Geborene hier und über alles, was sich regt, herrscht – diesem Prana, der unter den Unerschöpften einen schnellen Bogen führt, sei Verehrung, dir.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer, welcher; asya – dessen, von ihm; viśva – all-, jede Art umfassend; janmanaḥ – der Geburt oder des Geborenen; īśe – herrscht über, ist Herr; viśvasya – des Alls oder über alles; ceṣṭataḥ – des sich Regenden oder Bewegten; anyeṣu – unter den Unerschöpften; seltene, unsichere Deutung; kṣipra – schnell, rasch; dhanvane – dem Bogenträger oder Bogenführenden; tasmai – ihm, diesem; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; namaḥ – Verehrung, Verneigung; astu – es sei; te – dir oder dein. anyeṣu ist in diesem Zusammenhang selten und dunkel. Whitney folgt der lexikographischen Deutung „unter den Unerschöpften“; eine vollständig sichere Übersetzung der Vershälfte ist nicht möglich.
Vers 24 – Der wache und weise Prana
yo asya sarvajanmana īśe sarvasya ceṣṭataḥ
atandro brahmaṇā dhīraḥ prāṇo mānutiṣṭhatu ||24||
Übersetzung: Wer über alles Geborene hier und über alles, was sich regt, herrscht, unermüdlich und durch Brahman weise: Dieser Prana möge mir folgen und beistehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer, welcher; asya – dessen, von ihm; sarva – all-, jede Art umfassend; janmanaḥ – der Geburt oder des Geborenen; īśe – herrscht über, ist Herr; sarvasya – des Ganzen, über alles; ceṣṭataḥ – des sich Regenden oder Bewegten; atandraḥ – unermüdlich, wach; brahmaṇā – durch Brahman, heilige Erkenntnis oder Gebet; dhīraḥ – weise, standhaft und einsichtig; prāṇaḥ – Prana, der Lebenshauch; mā – mir oder mich; anutiṣṭhatu – möge mir folgen, bei mir bleiben oder mich behüten.
Vers 25 – Prana wacht unter den Schlafenden
ūrdhvaḥ supteṣu jāgāra nanu tiryaṅ nipadyate
na suptam asya supteṣv anu śuśrāva kaścana ||25||
Übersetzung: Aufrecht wacht er unter den Schlafenden; niemals legt er sich quer nieder. Keiner hat je davon gehört, dass er unter den Schlafenden schliefe.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ūrdhvaḥ – aufrecht oder aufgerichtet; supteṣu – unter den Schlafenden; jāgāra – wacht oder ist wach; nanu – gewiss nicht, keineswegs; bekräftigende Partikel; tiryaṅ – quer oder waagerecht; nipadyate – legt sich nieder; na – nicht; suptam – Schlaf oder das Schlafen; asya – dessen, von ihm; supteṣu – unter den Schlafenden; anu – entlang, nach oder folgend; śuśrāva – hat gehört; kaścana – irgendjemand. Der Vers staunt darüber, dass die Atmung weiterwirkt, wenn die Sinneskräfte schlafen. Er ist keine Aussage, dass jeder einzelne Atemzug im Schlaf bewusst wahrgenommen werde.
Vers 26 – Bitte um ungetrenntes Leben
prāṇa mā mat paryāvṛto na mad anyo bhaviṣyasi
apāṃ garbham iva jīvase prāṇa badhnāmi tvā mayi ||26||
Übersetzung: Prana, wende dich nicht von mir ab; du wirst kein anderer als ich sein. Wie den Keim der Wasser binde ich dich, Prana, um zu leben, an mich.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; mā – nicht; verneinende Partikel; mat – von mir oder als ich; paryāvṛtaḥ – abgewandt oder fortgekehrt; na – nicht; mat – von mir oder als ich; anyaḥ – ein anderer; bhaviṣyasi – du wirst sein oder werden; apām – der Wasser; garbham – den Keim; iva – wie, gleichsam; jīvase – um zu leben, für das Leben; prāṇa – o Prana, o Lebenshauch; badhnāmi – ich binde; tvā – dich; mayi – an oder in mich. Die zweite Vershälfte verwendet ein Bindungsbild für Leben und Zusammengehörigkeit, nicht eine technische Atemanhalte-Anweisung.
Datierung und Textgeschichte
Die Atharvaveda-Saṃhitā ist über einen langen Zeitraum gewachsen. Atharvaveda 11.4 gehört zu den umfangreichen spekulativen Hymnen der späteren Bücher. Für diese Schicht wird häufig ein weiter Rahmen im frühen ersten Jahrtausend v. Chr., ungefähr 1000–800 v. Chr., vorgeschlagen. Das ist eine historische Orientierung, keine sichere Datierung des einzelnen Prana-Hymnus.
Der vollständige Hymnus ist auch in Paippalāda-Saṃhitā 16 überliefert. Die beiden Rezensionen stimmen im Aufbau weitgehend überein, besitzen aber bemerkenswerte Varianten. Besonders in Vers 11 liest Paippalāda „Prana ist Unsterblichkeit“, wo Śaunaka „Prana ist Fieber“ bietet. Diese Fassung zeigt die doppelte, lebenspendende und lebensbegrenzende Macht des Atems besonders scharf.
Die Anukramaṇī nennt Bhārgava Vaidarbhi als Seher und Prana als Gottheit. Das Grundmetrum ist Anuṣṭubh; mehrere Verse verwenden erweiterte oder andere Metren, darunter Triṣṭubh und Jagatī-nahe Formen. Der Hymnus wird im Kauśika-Sūtra durch seine Anfangsworte genannt und gehört traditionell zu einer Gruppe lebensfördernder Mantras. Diese rituelle Rezeption darf von seinem philosophischen Gehalt unterschieden, aber nicht getrennt werden.
Prashna Upanishad 2 entfaltet eine berühmte Lehre vom Vorrang des Prana gegenüber den anderen Lebens- und Sinneskräften. Besonders Prashna Upanishad 2.7 erinnert an Atharvaveda 11.4.19. Die spätere Upanishad übernimmt nicht einfach den ganzen Hymnus, sondern setzt Motive seiner Prana-Theologie in einer neuen Lehrerzählung fort.
Roth und Whitney veröffentlichten 1856 die grundlegende kritische Ausgabe der Śaunaka-Saṃhitā. Whitneys von Lanman 1905 herausgegebener Kommentar verzeichnet Handschriftenvarianten und die Paippalāda-Lesarten. Die deutsche Übersetzung dieses Artikels wurde neu aus dem Sanskrit formuliert und bleibt bei den dunklen Versen 20–23 bewusst vorsichtig.
Inhalt
Prana als kosmische Herrschaft
Der erste Vers stellt alles unter die Macht des Prana. Das bedeutet nicht bloß, dass Lebewesen Sauerstoff benötigen. In vedischer Bildsprache ist Prana die tragende Lebensbewegung, in der die Welt geordnet und erhalten wird. Seine Herrschaft umfasst in Vers 10 ausdrücklich das Atmende und das Nichtatmende.
Gewitter, Regen und Pflanzenleben
Verse 2–6 beschreiben Donner, Blitz und Regen als Erscheinungen des Prana. Pflanzen werden befruchtet, Tiere freuen sich, Heilkräuter gewinnen Lebensdauer und Duft. Der Hymnus verbindet damit Atem, Wasser, Nahrung und Fortpflanzung zu einem Kreislauf. Prana ist nicht im Körper eingeschlossen; der einzelne Atem gehört zu einer größeren Lebenswelt.
Verehrung aller Atembewegungen
Verse 7–9 grüßen Kommen, Gehen, Stehen, Sitzen, Einatmen, Ausatmen, Abwendung und Zuwendung. Die Wiederholung von namaḥ macht aus alltäglichen Lebensbewegungen einen Gegenstand der Achtsamkeit. Zugleich bittet der Sprecher um die heilende und lebensbewahrende Gestalt des Prana.
Entsprechungen und Identifikationen
Prana wird mit Tod, Fieber, Viraj, Sonne, Mond, Prajapati, Matarishvan und Wind identifiziert. Reis und Gerste entsprechen Prana und Apana. Solche Gleichsetzungen sind keine starren Definitionen. Sie zeigen, dass dieselbe Lebensmacht in Ernährung, Kosmos, Gottheit, Atem und Zeit erkannt werden kann.
Wissen und Tribut
Wer Prana erkennt, dem bringen die Mächte der Welt Tribut. Der Ausdruck bezeichnet in der alten Königssprache Unterordnung und Versorgung. Philosophisch wird daraus ein Bild der Sammlung: Wer den Lebensgrund erkennt, erlebt die vielfältigen Kräfte nicht mehr als zusammenhanglose Gegner.
Hamsa und Zeitrad
Die Schlussgruppe wechselt zu kosmischen Rätseln. Der Hamsa zieht einen Fuß nicht aus dem Urwasser; sonst bräche der Wechsel von Tag und Nacht ab. Das achträdrige, einfelgige Rad rollt ostwärts und westwärts. Sonne, Atem und Zeit erscheinen als verschiedene Ansichten einer ununterbrochenen Bewegung.
Der Wache im Schlaf
Vers 25 verdichtet die Erfahrung, dass das Leben weiteratmet, wenn die bewussten Sinne ruhen. Prana steht aufrecht unter den Schlafenden. Der Schlussvers bittet diese Kraft, sich nicht abzuwenden, und bindet sie bildlich wie einen Keim der Wasser an das eigene Leben.
Bedeutung
Die Prana Sukta Upanishad ist ein bedeutendes Zeugnis für den Weg vom vedischen Natur- und Ritualdenken zur upanishadischen Lehre vom Lebenshauch. Prana ist weder nur Luft noch bereits eine abstrakte Seele. Er ist die wirksame Verbindung zwischen Atem, Lebendigkeit, Nahrung, Wetter, Sonne und Bewusstsein.
Besonders wichtig ist die Verbindung von Mikro- und Makrokosmos. Der Atem im Mutterleib, die Atmung des Schlafenden und die Regenbewegung des Himmels spiegeln einander. Der Sonnen-Hamsa hält Tag und Nacht im Gang wie der Lebenshauch die Körperfunktionen. Diese Analogie wird in späteren Upanishaden und in Yoga-Traditionen weiterentwickelt.
Der Hymnus setzt Prana auch an die Stelle vieler Götter und kosmischer Prinzipien. Das ist keine einfache Abschaffung der Götterwelt. Vielmehr werden Viraj, Sonne, Mond und Prajapati als Ausdrucksformen einer einigenden Lebenskraft betrachtet. Einheit entsteht durch wechselseitige Entsprechung.
Für die Geschichte des Yoga ist entscheidend, was der Text noch nicht tut. Er nennt keine Atemzählung, keine Bandhas und keine systematische Nadi-Lehre. Wer ihn als direkte Anleitung für modernes Pranayama liest, überspringt Jahrhunderte der Entwicklung. Sein Beitrag liegt in der Ehrfurcht vor dem Atem und in seiner kosmischen Deutung.
Bedeutung heute
Die Prana Sukta Upanishad kann eine Atemmeditation vertiefen, ohne den Atem zum bloßen Werkzeug zu machen. Jeder Atemzug ist empfangen, nicht selbst erzeugt. Diese Einsicht kann Dankbarkeit und Sammlung wecken. Bei Schwindel, Atemnot oder Erkrankung ersetzt spirituelle Deutung keine medizinische Abklärung.
Die Regenverse machen die Abhängigkeit des Lebens von Wasser und Pflanzen anschaulich. Eine heutige ökologische Lesart darf daraus Verantwortung für Luft, Wasser, Boden und Nahrung ableiten. Sie sollte aber als gegenwärtige Anwendung gekennzeichnet bleiben, nicht als angebliche moderne Klimawissenschaft des Veda.
Vers 25 eignet sich für eine kontemplative Betrachtung des Schlafs. Nicht das bewusste Ich steuert ununterbrochen jede Lebensfunktion. Das kann Vertrauen lehren, ohne die Verantwortung im Wachzustand aufzuheben. Prana erscheint als ständige Gabe und als Grenze willentlicher Kontrolle.
Die wiederholte Verehrung in Vers 7–8 erinnert schließlich daran, dass Praxis alle Richtungen des Lebens umfassen kann: Aktivität und Ruhe, Nähe und Distanz, Einatmung und Ausatmung. Reife Achtsamkeit wählt nicht nur angenehme Phasen aus, sondern begegnet dem ganzen Rhythmus.
Vollständiger Devanagari-Text
Die Verszahlen stehen in Devanagari-Ziffern. Vedische Akzente werden wie in der IAST-Lesefassung nicht wiedergegeben. Die Wortgrenzen folgen der IAST-Fassung; einzelne Sandhi-Verbindungen sind deshalb sichtbar getrennt und gegebenenfalls mit Virāma gesetzt.
प्राणाय नमो यस्य सर्वम् इदं वशे ।
यो भूतः सर्वस्येश्वरो यस्मिन्त् सर्वं प्रतिष्ठितम् ॥१॥
नमस् ते प्राण क्रन्दाय नमस् ते स्तनयित्नवे ।
नमस् ते प्राण विद्युते नमस् ते प्राण वर्षते ॥२॥
यत् प्राण स्तनयित्नुनाभिक्रन्दत्य् ओषधीः ।
प्रवीयन्ते गर्भान् दधते ऽथो बह्वीर् विजायन्ते ॥३॥
यत् प्राण ऋताव् आगते ऽभिक्रन्दत्य् ओषधीः ।
सर्वं तदा प्रमोदते यत् किंच भूम्याम् अधि ॥४॥
यदा प्राणो अभ्यवर्षीद् वर्षेण पृथिवीं महीम् ।
पशवस् तत् प्रमोदन्ते महो वै नो भविष्यति ॥५॥
अभिवृष्टा ओषधयः प्राणेन सम् अवादिरन् ।
आयुर् वै नः प्रातीतरः सर्वा नः सुरभीर् अकः ॥६॥
नमस् ते अस्त्व् आयते नमो अस्तु परायते ।
नमस् ते प्राण तिष्ठत आसीनायोत ते नमः ॥७॥
नमस् ते प्राण प्राणते नमो अस्त्व् अपानते ।
पराचीनाय ते नमः प्रतीचीनाय ते नमः सर्वस्मै त इदं नमः ॥८॥
या ते प्राण प्रिया तनूर् यो ते प्राण प्रेयसी ।
अथो यद् भेषजं तव तस्य नो धेहि जीवसे ॥९॥
प्राणः प्रजा अनु वस्ते पिता पुत्रम् इव प्रियम् ।
प्राणो ह सर्वस्येश्वरो यच् च प्राणति यच् च न ॥१०॥
प्राणो मृत्युः प्राणस् तक्मा प्राणं देवा उपासते ।
प्राणो ह सत्यवादिनम् उत्तमे लोक आ दधत् ॥११॥
प्राणो विराट् प्राणो देष्ट्री प्राणं सर्व उपासते ।
प्राणो ह सूर्यश् चन्द्रमाः प्राणम् आहुः प्रजापतिम् ॥१२॥
प्राणापानौ व्रीहियवाव् अनड्वान् प्राण उच्यते ।
यवे ह प्राण आहितो ऽपानो व्रीहिर् उच्यते ॥१३॥
अपानति प्राणति पुरुषो गर्भे अन्तरा ।
यदा त्वं प्राण जिन्वस्य् अथ स जायते पुनः ॥१४॥
प्राणम् आहुर् मातरिश्वानं वातो ह प्राण उच्यते ।
प्राणे ह भूतं भव्यं च प्राणे सर्वं प्रतिष्ठितम् ॥१५॥
आथर्वणीर् आङ्गिरसीर् दैवीर् मनुष्यजा उत ।
ओषधयः प्र जायन्ते यदा त्वं प्राण जिन्वसि ॥१६॥
यदा प्राणो अभ्यवर्षीद् वर्षेण पृथिवीं महीम् ।
ओषधयः प्रजायन्ते ऽथो याः काश् च वीरुधः ॥१७॥
यस् ते प्राणेदं वेद यस्मिंश् चासि प्रतिष्ठितः ।
सर्वे तस्मै बलिं हरान् अमुष्मिंल् लोक उत्तमे ॥१८॥
यथा प्राण बलिहृतस् तुभ्यं सर्वाः प्रजा इमाः ।
एवा तस्मै बलिं हरान् यस् त्वा शृणवत् सुश्रवः ॥१९॥
अन्तर् गर्भश् चरति देवतास्व् आभूतो भूतः स उ जायते पुनः ।
स भूतो भव्यं भविष्यत् पिता पुत्रं प्र विवेशा शचीभिः ॥२०॥
एकं पादं नोत्खिदति सलिलाद्धंस उच्चरन् ।
यद् अङ्ग स तम् उत्खिदेन् नैवाद्य न श्वः स्यात् ।
न रात्री नाहः स्यान् न व्युच्छेत् कदाचन ॥२१॥
अष्टाचक्रं वर्तत एकनेमि सहस्राक्षरं प्र पुरो नि पश्चा ।
अर्धेन विश्वं भुवनं जजान यद् अस्यार्धं कतमः स केतुः ॥२२॥
यो अस्य विश्वजन्मन ईशे विश्वस्य चेष्टतः ।
अन्येषु क्षिप्रधन्वने तस्मै प्राण नमो ऽस्तु ते ॥२३॥
यो अस्य सर्वजन्मन ईशे सर्वस्य चेष्टतः ।
अतन्द्रो ब्रह्मणा धीरः प्राणो मानुतिष्ठतु ॥२४॥
ऊर्ध्वः सुप्तेषु जागार ननु तिर्यङ् निपद्यते ।
न सुप्तम् अस्य सुप्तेष्व् अनु शुश्राव कश्चन ॥२५॥
प्राण मा मत् पर्यावृतो न मद् अन्यो भविष्यसि ।
अपां गर्भम् इव जीवसे प्राण बध्नामि त्वा मयि ॥२६॥
Vollständiger IAST-Text
prāṇāya namo yasya sarvam idaṃ vaśe
yo bhūtaḥ sarvasyeśvaro yasmint sarvaṃ pratiṣṭhitam ||1||
namas te prāṇa krandāya namas te stanayitnave
namas te prāṇa vidyute namas te prāṇa varṣate ||2||
yat prāṇa stanayitnunābhikrandaty oṣadhīḥ
pravīyante garbhān dadhate 'tho bahvīr vijāyante ||3||
yat prāṇa ṛtāv āgate 'bhikrandaty oṣadhīḥ
sarvaṃ tadā pramodate yat kiṃca bhūmyām adhi ||4||
yadā prāṇo abhyavarṣīd varṣeṇa pṛthivīṃ mahīm
paśavas tat pramodante maho vai no bhaviṣyati ||5||
abhivṛṣṭā oṣadhayaḥ prāṇena sam avādiran
āyur vai naḥ prātītaraḥ sarvā naḥ surabhīr akaḥ ||6||
namas te astv āyate namo astu parāyate
namas te prāṇa tiṣṭhata āsīnāyota te namaḥ ||7||
namas te prāṇa prāṇate namo astv apānate
parācīnāya te namaḥ pratīcīnāya te namaḥ sarvasmai ta idaṃ namaḥ ||8||
yā te prāṇa priyā tanūr yo te prāṇa preyasī
atho yad bheṣajaṃ tava tasya no dhehi jīvase ||9||
prāṇaḥ prajā anu vaste pitā putram iva priyam
prāṇo ha sarvasyeśvaro yac ca prāṇati yac ca na ||10||
prāṇo mṛtyuḥ prāṇas takmā prāṇaṃ devā upāsate
prāṇo ha satyavādinam uttame loka ā dadhat ||11||
prāṇo virāṭ prāṇo deṣṭrī prāṇaṃ sarva upāsate
prāṇo ha sūryaś candramāḥ prāṇam āhuḥ prajāpatim ||12||
prāṇāpānau vrīhiyavāv anaḍvān prāṇa ucyate
yave ha prāṇa āhito 'pāno vrīhir ucyate ||13||
apānati prāṇati puruṣo garbhe antarā
yadā tvaṃ prāṇa jinvasy atha sa jāyate punaḥ ||14||
prāṇam āhur mātariśvānaṃ vāto ha prāṇa ucyate
prāṇe ha bhūtaṃ bhavyaṃ ca prāṇe sarvaṃ pratiṣṭhitam ||15||
ātharvaṇīr āṅgirasīr daivīr manuṣyajā uta
oṣadhayaḥ pra jāyante yadā tvaṃ prāṇa jinvasi ||16||
yadā prāṇo abhyavarṣīd varṣeṇa pṛthivīṃ mahīm
oṣadhayaḥ prajāyante 'tho yāḥ kāś ca vīrudhaḥ ||17||
yas te prāṇedaṃ veda yasmiṃś cāsi pratiṣṭhitaḥ
sarve tasmai baliṃ harān amuṣmiṃl loka uttame ||18||
yathā prāṇa balihṛtas tubhyaṃ sarvāḥ prajā imāḥ
evā tasmai baliṃ harān yas tvā śṛṇavat suśravaḥ ||19||
antar garbhaś carati devatāsv ābhūto bhūtaḥ sa u jāyate punaḥ
sa bhūto bhavyaṃ bhaviṣyat pitā putraṃ pra viveśā śacībhiḥ ||20||
ekaṃ pādaṃ notkhidati salilāddhaṃsa uccaran
yad aṅga sa tam utkhiden naivādya na śvaḥ syāt
na rātrī nāhaḥ syān na vyucchet kadācana ||21||
aṣṭācakraṃ vartata ekanemi sahasrākṣaraṃ pra puro ni paścā
ardhena viśvaṃ bhuvanaṃ jajāna yad asyārdhaṃ katamaḥ sa ketuḥ ||22||
yo asya viśvajanmana īśe viśvasya ceṣṭataḥ
anyeṣu kṣipradhanvane tasmai prāṇa namo 'stu te ||23||
yo asya sarvajanmana īśe sarvasya ceṣṭataḥ
atandro brahmaṇā dhīraḥ prāṇo mānutiṣṭhatu ||24||
ūrdhvaḥ supteṣu jāgāra nanu tiryaṅ nipadyate
na suptam asya supteṣv anu śuśrāva kaścana ||25||
prāṇa mā mat paryāvṛto na mad anyo bhaviṣyasi
apāṃ garbham iva jīvase prāṇa badhnāmi tvā mayi ||26||
Vollständige deutsche Übersetzung
Vers 1: Verehrung dem Prana, in dessen Gewalt dieses All ist, der zum Herrn des Ganzen geworden ist und in dem alles fest gegründet steht.
Vers 2: Verehrung sei dir, Prana, für dein Brüllen; Verehrung sei dir für den Donner. Verehrung sei dir, Prana, für den Blitz; Verehrung sei dir, Prana, wenn du regnest.
Vers 3: Wenn Prana mit dem Donner zu den Heilkräutern hin brüllt, werden sie befruchtet, empfangen Keime und werden dann in großer Zahl geboren.
Vers 4: Wenn Prana bei Ankunft der rechten Jahreszeit zu den Heilkräutern hin brüllt, freut sich dann alles, was sich auf der Erde befindet.
Vers 5: Als Prana mit Regen die große Erde überregnete, freuten sich die Tiere: „Wahrlich, großes Gedeihen wird uns zuteilwerden.“
Vers 6: Vom Regen benetzt sprachen die Heilkräuter gemeinsam mit Prana: „Wahrlich, du hast unser Leben verlängert; du hast uns alle duftend gemacht.“
Vers 7: Verehrung sei dir beim Kommen, Verehrung sei dir beim Fortgehen. Verehrung sei dir, Prana, wenn du stehst; auch dir, wenn du sitzt, sei Verehrung.
Vers 8: Verehrung sei dir, Prana, wenn du einatmest; Verehrung sei dir, wenn du ausatmest. Verehrung sei dir, wenn du dich abwendest, Verehrung sei dir, wenn du dich uns zuwendest; deinem ganzen Wesen gilt diese Verehrung.
Vers 9: Der geliebte Leib, der dir gehört, o Prana, und der noch liebere, der dir gehört, o Prana, und welches Heilmittel dein ist: Gib uns davon, damit wir leben.
Vers 10: Prana umhüllt die Geschöpfe wie ein Vater den geliebten Sohn. Prana ist wahrlich der Herr über alles, was atmet, und über das, was nicht atmet.
Vers 11: Prana ist Tod, Prana ist Fieber; Prana verehren die Götter. Prana möge den Wahrheitsredner in die höchste Welt versetzen.
Vers 12: Prana ist Viraj, Prana ist die Lenkerin; Prana verehren alle. Prana ist wahrlich Sonne und Mond; Prana nennen sie Prajapati.
Vers 13: Prana und Apana sind Reis und Gerste; der Zugochse wird Prana genannt. In der Gerste ist Prana niedergelegt, Apana wird Reis genannt.
Vers 14: Der Mensch atmet aus und ein im Inneren des Mutterleibs. Wenn du, Prana, ihn belebst, dann wird er von Neuem geboren.
Vers 15: Prana nennen sie Matarishvan, und der Wind wird Prana genannt. In Prana sind Gewordenes und Künftiges; in Prana ist alles fest gegründet.
Vers 16: Die Heilkräuter, die atharvanischer, angirasischer, göttlicher und auch menschlicher Herkunft sind, werden hervorgebracht, wenn du, Prana, sie belebst.
Vers 17: Als Prana mit Regen die große Erde überregnete, wurden die Heilkräuter hervorgebracht und ebenso alle Gewächse, welcher Art sie auch sind.
Vers 18: Wer dieses von dir, Prana, weiß und worin du gegründet bist: Ihm mögen alle in jener höchsten Welt Tribut darbringen.
Vers 19: Wie alle diese Geschöpfe dir, Prana, Tribut bringen, so mögen sie dem Tribut darbringen, der dich hören wird, du weithin Gerühmter.
Vers 20: Als Keim wandert er im Inneren der Gottheiten. Ins Dasein gekommen, geworden, wird er von Neuem geboren. Geworden drang er mit seinen Kräften in das Werdende und Künftige ein, wie ein Vater in den Sohn.
Vers 21: Der aufsteigende Hamsa zieht seinen einen Fuß nicht aus dem Urwasser. Denn wenn er ihn herauszöge, gäbe es weder heute noch morgen; es gäbe weder Nacht noch Tag, und niemals würde es dämmern.
Vers 22: Das achträdrige, einfelgige, tausendsilbige Rad rollt vorwärts nach Osten und nieder nach Westen. Mit seiner Hälfte brachte es die ganze Welt hervor. Was aber seine andere Hälfte ist – welches Kennzeichen ist das?
Vers 23: Wer über alles Geborene hier und über alles, was sich regt, herrscht – diesem Prana, der unter den Unerschöpften einen schnellen Bogen führt, sei Verehrung, dir.
Vers 24: Wer über alles Geborene hier und über alles, was sich regt, herrscht, unermüdlich und durch Brahman weise: Dieser Prana möge mir folgen und beistehen.
Vers 25: Aufrecht wacht er unter den Schlafenden; niemals legt er sich quer nieder. Keiner hat je davon gehört, dass er unter den Schlafenden schliefe.
Vers 26: Prana, wende dich nicht von mir ab; du wirst kein anderer als ich sein. Wie den Keim der Wasser binde ich dich, Prana, um zu leben, an mich.
5 Empfehlungen aus der Prana Sukta Upanishad für ernsthafte spirituelle Aspiranten
- Beobachte den natürlichen Atem. Sitze täglich einige Minuten aufrecht und nimm Einatmung, Ausatmung und Atempause wahr, ohne den Rhythmus gewaltsam zu verändern.
- Verbinde Atem mit Dankbarkeit. Erinnere dich beim Atmen an Luft, Wasser, Pflanzen und Nahrung. Lass aus der kosmischen Prana-Sicht konkrete Sorgfalt für die Lebensgrundlagen entstehen.
- Lerne unter qualifizierter Anleitung. Intensive Atemtechniken und langes Kumbhaka können ungeeignet sein. Übe fortgeschrittenes Pranayama nur mit kompetenter Begleitung und beachte gesundheitliche Grenzen.
- Verehre den ganzen Rhythmus. Nimm Aktivität und Ruhe, Zuwendung und Rückzug wie Ein- und Ausatmung als zusammengehörig wahr. Widerstehe der Versuchung, nur eine Seite des Lebens zu spiritualisieren.
- Unterscheide Text, Deutung und Erfahrung. Studiere die vedischen Bedeutungen von prāṇa, apāna, haṃsa und virāj. Prüfe persönliche Erfahrungen sorgfältig, ohne sie vorschnell zu allgemeinen Wahrheiten zu erklären.
Audio und Rezitation
Das Vedic Heritage Portal bietet den vollständigen akzentuierten Devanagari-Text und eine traditionelle Rezitation von Atharvaveda 11.4. Die akzentlose Lesefassung dieses Artikels ersetzt keine mündliche Schulung vedischer Akzente.
Literatur und Quellen
- Rudolf Roth und William Dwight Whitney (Hrsg.): Atharva Veda Sanhita. Berlin 1856, Atharvaveda 11.4.
- William Dwight Whitney; hrsg. von Charles Rockwell Lanman: Atharva-Veda Saṃhitā. Translated with a Critical and Exegetical Commentary. Harvard Oriental Series 7–8, Cambridge, Mass. 1905, Band 2, S. 632–635. Digitalisat.
- Paul Deussen: Allgemeine Geschichte der Philosophie, Band I, Abteilung 1, Leipzig 1894, S. 301 ff., zum Prana-Hymnus.
- Maurice Bloomfield: Hymns of the Atharva-Veda. Sacred Books of the East 42, Oxford 1897, S. 218 und 622.
- Ralph T. H. Griffith: The Hymns of the Atharva-Veda. Benares 1895–1896, Buch 11, Hymnus 4. Öffentlicher Volltext.
- Vedic Heritage Portal: Atharvaveda Śaunaka 11.4, akzentuierter Devanagari-Text und Rezitation.
- Oliver Hellwig: Digital Corpus of Sanskrit – morphologische Analyse der Atharvaveda-Śaunaka-Saṃhitā, Datei zu AVŚ 11.4.
- Patrick Olivelle: The Early Upaniṣads. Oxford University Press, New York 1998, besonders Praśna Upanishad 2.
- Jan Gonda: Vedic Literature (Saṃhitās and Brāhmaṇas). Wiesbaden 1975.
Siehe auch
- Prana
- Apana
- Pranayama
- Prashna Upanishad
- Hamsa
- Viraj
- Prajapati
- Atharvaveda
- Skambha Sukta Upanishad
- Ucchishta Sukta Upanishad
- Vedanta
Weblinks
- Prana im Yoga Wiki
- Pranayama im Yoga Wiki
- Prana – Lebensenergie
- Pranayama – Atemübungen
- Upanishaden – Weisheit des Yoga
Seminare
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Termine: 16x mittwochs: 06.01., 27.01., 17.02., 10.03., 31.03., 21.04., 12.05., 02.06., 23.06., 14.07., 08.09., 29.09., 20.10., 10.11., 01.12., 15.12.20…- Dr phil Oliver Hahn
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