Ucchishta Sukta Upanishad

Aus Yogawiki

Die Ucchishta Sukta Upanishad (Sanskrit: उच्छिष्टसूक्तोपनिषद्, Ucchiṣṭa-Sūkta-Upaniṣad), auch Ucchishta Brahma Sukta genannt, ist der vollständige Hymnus Atharvaveda-Saṃhitā 11.7 der Śaunaka-Rezension. Seine 27 Verse preisen ucchiṣṭa, das „Übriggebliebene“ oder den Opferrest, als den Grund, in dem Name, Gestalt, Welt, Götter, Natur, Zeit, Atem, heilige Texte und sämtliche Opferformen enthalten sind.

Der Titel „Ucchishta Sukta Upanishad“ ist eine moderne Bezeichnung für einen Upanishaden-nahen vedischen Hymnus; der Text selbst besitzt keinen eigenständigen Upanishad-Kolophon. Das Vedic Heritage Portal überschreibt ihn traditionell als Ucchiṣṭa-Brahma-Sūktam. Die Ucchishta Sukta Upanishad gehört nicht zum Muktikā-Kanon, steht aber mit ihrer Suche nach einem alles umfassenden Grund in der Vorgeschichte der Upanishaden.

Ucchiṣṭa bedeutet zunächst das, was nach einer Handlung übrigbleibt, besonders den Rest einer Opfergabe. Im späteren sozialen und rituellen Sprachgebrauch kann das Wort auch Essensreste und dadurch verunreinigte Speise bezeichnen. Diese Bedeutung darf nicht unbesehen in Atharvaveda 11.7 eingesetzt werden. Der Hymnus wertet den „Rest“ gerade nicht ab: Was nach der sichtbaren Opferhandlung verbleibt, birgt die Kräfte, Formen und Möglichkeiten des Ganzen.

Paul Deussen verstand ucchiṣṭa weiter als kosmisches „Residuum“: das, was übrigbleibt, wenn man alle Erscheinungsformen gedanklich vom Weltganzen abzieht. Diese Deutung macht die philosophische Stoßrichtung sichtbar, ist aber eine Interpretation und nicht die einzig mögliche lexikalische Übersetzung. Der vorliegende Artikel bewahrt deshalb den Sanskritbegriff in den Übersetzungen und erklärt sein Bedeutungsfeld.

Die IAST-Fassung folgt der Śaunaka-Saṃhitā nach Roth und Whitney, abgeglichen mit dem offiziellen Vedic Heritage Portal, Whitneys kritischem Kommentar und der morphologischen Analyse des Digital Corpus of Sanskrit. Vedische Akzente werden für die Lesbarkeit ausgelassen. Jeder Vers wird einzeln übersetzt und unmittelbar vollständig Wort für Wort erläutert. Dunkle oder textkritisch umstrittene Ausdrücke werden ausdrücklich gekennzeichnet.

Ucchishta Sukta Upanishad – IAST, Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die Verszählung entspricht Atharvaveda 11.7. In Sandhi verbundene Wörter werden in der Worterklärung getrennt aufgeführt. So bleibt jedes Element der sichtbaren IAST-Fassung nachvollziehbar.

Vers 1 – Name, Gestalt und Welt im Ucchiṣṭa
ucchiṣṭe nāma rūpaṃ cocchiṣṭe loka āhitaḥ
ucchiṣṭa indraś cāgniś ca viśvam antaḥ samāhitam ||1||

Übersetzung: Im Ucchiṣṭa sind Name und Gestalt, und im Ucchiṣṭa ist die Welt niedergelegt. Im Ucchiṣṭa sind Indra und Agni; das All ist darin zusammengefügt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; nāma – der Name; rūpam – die Gestalt oder Form; ca – und, auch; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; lokaḥ – die Welt; āhitaḥ – niedergelegt oder eingesetzt; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; indraḥ – Indra; ca – und, auch; agniḥ – Agni, das Feuer; ca – und, auch; viśvam – das All, alles; antar – innen, darin; samāhitam – zusammengefügt oder gesammelt.

Vers 2 – Himmel, Erde, Wasser und Gestirne
ucchiṣṭe dyāvāpṛthivī viśvaṃ bhūtaṃ samāhitam
āpaḥ samudra ucchiṣṭe candramā vāta āhitaḥ ||2||

Übersetzung: Im Ucchiṣṭa sind Himmel und Erde sowie alles Gewordene zusammengefügt. Die Wasser, der Ozean, der Mond und der Wind sind im Ucchiṣṭa niedergelegt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; dyāvāpṛthivī – Himmel und Erde als Paar; viśvam – das All, alles; bhūtam – das Gewordene, alles Seiende; samāhitam – zusammengefügt oder gesammelt; āpaḥ – die Wasser; samudraḥ – der Ozean; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; candramāḥ – der Mond; vātaḥ – der Wind; āhitaḥ – niedergelegt oder eingesetzt.

Vers 3 – Sein und Nichtsein
sann ucchiṣṭe asaṃś cobhau mṛtyur vājaḥ prajāpatiḥ
laukyā ucchiṣṭa āyattā vraś ca draś cāpi śrīr mayi ||3||

Übersetzung: Das Seiende ist im Ucchiṣṭa und das Nichtseiende – beide; ebenso Tod, Lebenskraft, Prajapati. Die zur Welt Gehörenden hängen vom Ucchiṣṭa ab, Vra und Dra ebenso; und Herrlichkeit sei in mir.

Wort-für-Wort-Erläuterung: san – seiend, das Seiende; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; asan – nichtseiend, das Nichtseiende; ca – und, auch; ubhau – beide; mṛtyuḥ – der Tod; vājaḥ – Stärke, Nahrungskraft oder Siegeskraft; prajāpatiḥ – Prajapati, der Herr der Geschöpfe; laukyāḥ – die zur Welt Gehörenden oder irdischen Wesen; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; āyattāḥ – abhängig, darauf gestützt; vraḥ – Vra, ein dunkles und nicht sicher erklärtes Wort; ca – und, auch; draḥ – Dra, ein dunkles und nicht sicher erklärtes Wort; ca – und, auch; api – auch, ebenso; śrīḥ – Herrlichkeit, Glück oder Fülle; mayi – in mir. vraḥ und draḥ sind bereits für die alten Kommentatoren dunkel. Die Übersetzung lässt sie deshalb als Namen beziehungsweise Lautformen stehen; Erklärungen als Varuṇa und Soma sind traditionelle Vermutungen.

Vers 4 – Die Gottheiten um die Nabe
dṛḍho dṛṃha sthiro nyo brahma viśvasṛjo daśa
nābhim iva sarvataś cakram ucchiṣṭe devatāḥ śritāḥ ||4||

Übersetzung: Fest bist du: Festige! Beständig sind Nya, das Brahman und die zehn Allschöpfer. Wie ein Rad rings um die Nabe ruhen die Gottheiten im Ucchiṣṭa.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dṛḍhaḥ – fest, gefestigt; dṛṃha – festige, mache fest; sthiraḥ – beständig, standfest; nyaḥ – Nya; ein textlich dunkler Ausdruck; brahma – Brahman, heilige Formulierung oder höchster Grund; viśva – all-, das Ganze umfassend; sṛjaḥ – die Schöpfer; daśa – zehn; nābhim – die Nabe; iva – wie, gleichsam; sarvatas – von allen Seiten, ringsum; cakram – das Rad; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; devatāḥ – die Gottheiten; śritāḥ – ruhend, gestützt oder geborgen. Die Syntax der ersten Vershälfte und besonders nyaḥ sind unsicher. Die Aufforderung „Festige!“ ist klar, eine vollständig sichere Auflösung der Aufzählung jedoch nicht.

Vers 5 – Verse, Gesänge und heilige Klänge
ṛk sāma yajur ucchiṣṭa udgīthaḥ prastutaṃ stutam
hiṅkāra ucchiṣṭe svaraḥ sāmno meḍiś ca tan mayi ||5||

Übersetzung: Rigvers, Saman und Yajus sind im Ucchiṣṭa, ebenso Udgitha, Vorsang und Lobgesang. Hinkara, Ton und der Meḍi-Klang des Saman sind im Ucchiṣṭa; das sei in mir.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛc – Rigvers, Lobstrophe; sāma – Saman, heiliger Gesang; yajuḥ – Yajus, Opferformel; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; udgīthaḥ – Udgitha, der hohe Saman-Gesang; prastutam – der Vorsang beziehungsweise das Angestimmte; stutam – das Gepriesene oder der Lobgesang; hiṅkāraḥ – Hinkara, der einleitende Summruf; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; svaraḥ – Ton, Stimme oder Akzent; sāmnaḥ – des Saman-Gesanges; meḍiḥ – Meḍi, ein technisch nicht sicher bestimmter Saman-Klang; ca – und, auch; tat – das; in der elliptischen Bitte: das sei; mayi – in mir. meḍiḥ bezeichnet offenbar ein Element des Saman-Vortrags; seine genaue technische Bedeutung war schon dem traditionellen Kommentar nicht sicher.

Vers 6 – Die Glieder des Opfers im Mutterschoß
aindrāgnaṃ pāvamānaṃ mahānāmnīr mahāvratam
ucchiṣṭe yajñasyāṅgāny antar garbha iva mātari ||6||

Übersetzung: Der Aindragna- und der Pavamana-Gesang, die Mahanamni-Strophen und das Mahavrata: Im Ucchiṣṭa liegen die Glieder des Opfers wie ein Keim im Inneren der Mutter.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aindrāgnam – der an Indra und Agni gerichtete Gesang; pāvamānam – der Pavamana-Gesang; mahānāmnīḥ – die Mahanamni-Strophen; mahā – groß; vratam – Ritus; zusammen mit mahā: das Mahavrata oder Große Ritual; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; yajñasya – des Opfers; aṅgāni – die Glieder oder Bestandteile; antar – innen, darin; garbhaḥ – ein Keim oder Embryo; iva – wie, gleichsam; mātari – in der Mutter.

Vers 7 – Die großen Soma- und Königsriten
rājasūyaṃ vājapeyam agniṣṭomastad adhvaraḥ
arkāśvamedhāv ucchiṣṭe jīvabarhir madintamaḥ ||7||

Übersetzung: Rajasuya, Vajapeya, Agnishtoma und jener Adhvara, Arka und Ashvamedha sind im Ucchiṣṭa – mit lebendigem Opfergras, höchst berauschend.

Wort-für-Wort-Erläuterung: rājasūyam – das Rajasuya, die Königsweihe; vājapeyam – das Vajapeya, ein feierlicher Soma-Ritus; agniṣṭomaḥ – das Agnishtoma-Opfer; tat – jener oder der genannte; adhvaraḥ – das Opfer oder der Opfergang; arka – Arka, Preisgesang oder Arka-Ritus; aśvamedhau – das Ashvamedha und der zuvor genannte Arka-Ritus als Paar; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; jīva – lebendig; barhiḥ – Opfergras, Barhis; madintamaḥ – höchst erfreuend oder berauschend. Die Paippalāda-Rezension liest in der ersten Vershälfte abweichend tato 'dhvaraḥ; der Artikel bewahrt die Śaunaka-Lesart.

Vers 8 – Feuergründung, Weihe und Opfersitzungen
agnyādheyam atho dīkṣā kāmapraś chandasā saha
utsannā yajñāḥ satrāṇy ucchiṣṭe 'dhi samāhitāḥ ||8||

Übersetzung: Die Gründung des Opferfeuers, ferner die Weihe und das wunscherfüllende Werk zusammen mit dem Versmaß; außer Gebrauch geratene Opfer und Opfersitzungen sind im Ucchiṣṭa zusammengefügt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: agnyādheyam – die Gründung beziehungsweise Einsetzung des Opferfeuers; atha – nun, ferner; u – auch, ferner; vedische Partikel; dīkṣā – die rituelle Weihe; kāmapraḥ – wunscherfüllend; chandasā – mit dem Versmaß oder heiligen Vers; saha – zusammen mit; utsannāḥ – außer Gebrauch geraten, verschwunden; yajñāḥ – die Opfer; satrāṇi – die langen Opfersitzungen; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; adhi – in, auf oder bezüglich; hier verstärkt den Lokativ; samāhitāḥ – zusammengefügt oder gesammelt. utsannā yajñāḥ sind wörtlich abgesunkene oder verschwundene Opfer, wahrscheinlich außer Gebrauch geratene Riten.

Vers 9 – Feueropfer, Vertrauen und gute Werke
agnihotraṃ ca śraddhā ca vaṣaṭkāro vrataṃ tapaḥ
dakṣiṇeṣṭaṃ pūrtaṃ cocchiṣṭe 'dhi samāhitāḥ ||9||

Übersetzung: Agnihotra und Vertrauen, der Vashat-Ruf, Gelübde und Askese, Opferlohn, Geopfertes und wohltätig Gestiftetes sind im Ucchiṣṭa zusammengefügt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: agnihotram – das Agnihotra-Feueropfer; ca – und, auch; śraddhā – Vertrauen oder gläubige Zuversicht; ca – und, auch; vaṣaṭkāraḥ – der Vashat-Ruf beim Opfer; vratam – das Gelübde oder die heilige Verpflichtung; tapaḥ – Askese, innere Glut oder Anstrengung; dakṣiṇā – der Opferlohn, die Dakshina; iṣṭam – das Geopferte oder rituell vollbrachte gute Werk; pūrtam – das wohltätig Gestiftete oder erfüllte Werk; ca – und, auch; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; adhi – in, auf oder bezüglich; hier verstärkt den Lokativ; samāhitāḥ – zusammengefügt oder gesammelt.

Vers 10 – Nachtopfer und die feinen Teile des Opfers
ekarātro dvirātraḥ sadyaḥkrīḥ prakrīr ukthyaḥ
otaṃ nihitam ucchiṣṭe yajñasyāṇūni vidyayā ||10||

Übersetzung: Ein-Nacht- und Zwei-Nächte-Opfer, Sadyahkri, Prakri und Ukthya sind im Ucchiṣṭa eingewoben und niedergelegt – die feinen Teile des Opfers durch Wissen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: eka – eins; im Kompositum: ein-; rātraḥ – Nacht; im Kompositum: Nächte-Ritus; dvi – zwei; rātraḥ – Nacht; im Kompositum: Nächte-Ritus; sadyaḥkrīḥ – Sadyahkri, ein am selben Tag vollzogener Soma-Ritus; prakrīḥ – Prakri, ein benannter Opfertyp; ukthyaḥ – Ukthya, ein Soma-Opfertyp; otam – eingewoben; nihitam – niedergelegt oder verborgen; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; yajñasya – des Opfers; aṇūni – die feinen oder winzigen Teile; vidyayā – durch Wissen oder Kenntnis. Die ritualtechnischen Namen sadyaḥkrī, prakrī und ukthya werden nicht durch freie Bedeutungen ersetzt; ihre genaue Praxis gehört zur vedischen Śrauta-Tradition.

Vers 11 – Die mehrtägigen Opfer
catūrātraḥ pañcarātraḥ ṣaḍrātraś cobhayaḥ saha
ṣoḍaśī saptarātraś cocchiṣṭāj jajñire sarve ye yajñā amṛte hitāḥ ||11||

Übersetzung: Vier-Nächte-, Fünf-Nächte- und Sechs-Nächte-Opfer, beide Arten zusammen, Sodashin und Sieben-Nächte-Opfer: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Opfer geboren, die in der Unsterblichkeit niedergelegt sind.

Wort-für-Wort-Erläuterung: catūrātraḥ – das Vier-Nächte-Opfer; pañca – fünf; rātraḥ – Nacht; im Kompositum: Nächte-Ritus; ṣaṣ – sechs; rātraḥ – Nacht; im Kompositum: Nächte-Ritus; ca – und, auch; ubhayaḥ – beiderlei, beide Arten; saha – zusammen mit; ṣoḍaśī – Sodashin, der sechzehnteilige Soma-Ritus; sapta – sieben; rātraḥ – Nacht; im Kompositum: Nächte-Ritus; ca – und, auch; ucchiṣṭāt – aus dem Ucchiṣṭa, aus dem Übriggebliebenen; jajñire – sie wurden geboren oder entstanden; sarve – alle; ye – welche, diejenigen die; yajñāḥ – die Opfer; amṛte – in der Unsterblichkeit; hitāḥ – niedergelegt, eingesetzt oder gegründet. Die Beziehung von ubhayaḥ saha zu den Zahlenriten ist nicht eindeutig; der traditionelle Kommentar versteht darunter beide beziehungsweise verdoppelte Formen.

Vers 12 – Ritualgesänge und Zwölftagefeier
pratīhāro nidhanaṃ viśvajic cābhijic ca yaḥ
sāhnātirātrāv ucchiṣṭe dvādaśāho 'pi tan mayi ||12||

Übersetzung: Pratihara und Nidhana, Vishvajit und Abhijit, das Tages- und das Übernacht-Ritual sind im Ucchiṣṭa, ebenso das Zwölftageopfer; das sei in mir.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pratīhāraḥ – Pratihara, der antwortende Teil des Saman-Gesangs; nidhanam – Nidhana, der Abschluss eines Saman-Gesangs; viśvajit – Vishvajit, ein Allgewinn-Ritus; ca – und, auch; abhijit – Abhijit, ein Sieges-Ritus; ca – und, auch; yaḥ – welcher oder derjenige; sāhna – das Tagesritual; atirātrau – das Tages- und das Übernacht-Ritual als Paar; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; dvādaśa – zwölf; ahaḥ – Tag; zusammen: das Zwölftageopfer; api – auch, ebenso; tat – das; in der elliptischen Bitte: das sei; mayi – in mir.

Vers 13 – Wünsche, Kraft und Unsterblichkeit
sūnṛtā saṃnatiḥ kṣemaḥ svadhorjāmṛtaṃ sahaḥ
ucchiṣṭe sarve pratyañcaḥ kāmāḥ kāmena tātṛpuḥ ||13||

Übersetzung: Wohlrede, Einwilligung, Sicherheit, die Ahnengabe, Nahrungskraft, Unsterblichkeit und Stärke: Im Ucchiṣṭa wurden alle zugewandten Wünsche durch Wunschkraft gesättigt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sūnṛtā – Wohlrede, freundliche Wahrheit; saṃnatiḥ – Einwilligung, Ergebung oder Harmonie; kṣemaḥ – Sicherheit, Ruhe oder Wohlergehen; svadhā – eigene Kraft; auch die Ahnengabe; ūrjā – Nahrungskraft oder Lebensenergie; amṛtam – Unsterblichkeit; sahaḥ – Stärke oder Macht; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; sarve – alle; pratyañcaḥ – zugewandt, entgegenkommend; kāmāḥ – die Wünsche; kāmena – durch Wunsch oder Wunschkraft; tātṛpuḥ – sie wurden vollkommen gesättigt.

Vers 14 – Erden, Ozeane, Sonne, Tag und Nacht
nava bhūmīḥ samudrā ucchiṣṭe 'dhi śritā divaḥ
ā sūryo bhāty ucchiṣṭe 'horātre api tan mayi ||14||

Übersetzung: Die neun Erden, die Ozeane und die Himmelsräume ruhen im Ucchiṣṭa. Im Ucchiṣṭa leuchtet die Sonne auf; Tag und Nacht ebenso – das sei in mir.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nava – neun; bhūmīḥ – die Erden oder Erdschichten; samudrāḥ – die Ozeane; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; adhi – in, auf oder bezüglich; hier verstärkt den Lokativ; śritāḥ – ruhend, gestützt oder geborgen; divaḥ – des Himmels beziehungsweise die Himmelsräume; die Konstruktion ist schwierig; ā – auf, heran oder durchweg; sūryaḥ – die Sonne; bhāti – leuchtet; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; ahorātre – Tag und Nacht als Paar; api – auch, ebenso; tat – das; in der elliptischen Bitte: das sei; mayi – in mir. Die Konstruktion mit nava, bhūmīḥ, samudrāḥ und divaḥ ist grammatisch schwierig. „Neun Erden, Ozeane und Himmelsräume“ gibt den Aufzählungscharakter wieder, ohne eine sichere kosmographische Zahl für alle drei Gruppen zu behaupten.

Vers 15 – Der Träger des Alls
upahavyaṃ viṣūvantaṃ ye ca yajñā guhā hitāḥ
bibharti bhartā viśvasyocchiṣṭo janituḥ pitā ||15||

Übersetzung: Das Upahavya, der Vishuvant-Tag und die Opfer, die im Verborgenen niedergelegt sind: Sie trägt der Ucchiṣṭa, der Träger des Alls und Vater des Erzeugers.

Wort-für-Wort-Erläuterung: upahavyam – Upahavya, ein benanntes Opfer oder Ritualelement; viṣūvantam – den Vishuvant-Mitteltag einer Opferperiode; ye – welche, diejenigen die; ca – und, auch; yajñāḥ – die Opfer; guhā – im Verborgenen; hitāḥ – niedergelegt, eingesetzt oder gegründet; bibharti – trägt oder erhält; bhartā – der Träger; viśvasya – des Alls; ucchiṣṭaḥ – der Ucchiṣṭa, das Übriggebliebene als kosmisches Prinzip; janituḥ – des Erzeugers oder Schöpfers; pitā – der Vater.

Vers 16 – Der paradoxe Stammvater
pitā janitur ucchiṣṭo 'soḥ pautraḥ pitāmahaḥ
sa kṣiyati viśvasyeśāno vṛṣā bhūmyām atighnyaḥ ||16||

Übersetzung: Der Ucchiṣṭa ist der Vater des Erzeugers, Enkel des Lebenshauches und Urgroßvater. Als Herrscher des Alls wohnt er auf der Erde, ein unbezwinglicher Stier.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pitā – der Vater; janituḥ – des Erzeugers oder Schöpfers; ucchiṣṭaḥ – der Ucchiṣṭa, das Übriggebliebene als kosmisches Prinzip; asoḥ – des Lebenshauches oder Lebens; pautraḥ – der Enkel; pitāmahaḥ – der Groß- oder Urgroßvater; sa – er, dieser; kṣiyati – wohnt oder herrscht; viśvasya – des Alls; īśānaḥ – Herrscher, Gebieter; vṛṣā – ein Stier, Bild zeugender Kraft; bhūmyām – auf der Erde; atighnyaḥ – unbezwinglich oder überwältigend; die Form ist selten. Vater, Enkel und Urgroßvater bilden absichtlich eine paradoxe Genealogie: Ucchiṣṭa wird als vor und nach den Zeugern liegender Grund vorgestellt.

Vers 17 – Ordnung, Wahrheit, Werk und Kraft
ṛtaṃ satyaṃ tapo rāṣṭraṃ śramo dharmaś ca karma ca
bhūtaṃ bhaviṣyad ucchiṣṭe vīryaṃ lakṣmīr balaṃ bale ||17||

Übersetzung: Kosmische Ordnung, Wahrheit, Askese, Königsmacht, Mühe, Dharma und Werk, Gewordenes und Künftiges sind im Ucchiṣṭa; ebenso Tatkraft, Glücksfülle und Kraft in der Kraft.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛtam – kosmische Ordnung und Wahrheit des Weltlaufs; satyam – Wahrheit; tapaḥ – Askese, innere Glut oder Anstrengung; rāṣṭram – Königsmacht oder Reich; śramaḥ – Mühe oder Anstrengung; dharmaḥ – Dharma, tragende Ordnung und Pflicht; ca – und, auch; karma – Werk oder Handlung; ca – und, auch; bhūtam – das Gewordene, alles Seiende; bhaviṣyat – das Künftige; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; vīryam – Tatkraft oder Heldentum; lakṣmīḥ – Glücksfülle oder günstiges Zeichen; balam – Kraft; bale – in der Kraft.

Vers 18 – Gedeihen, Herrschaft und das Jahr
samṛddhir oja ākūtiḥ kṣatraṃ rāṣṭraṃ ṣaḍ urvyaḥ
saṃvatsaro 'dhy ucchiṣṭa iḍā praiṣā grahā haviḥ ||18||

Übersetzung: Gedeihen, Energie, Absicht, Herrschaft, Königsmacht und die sechs Weiten; das Jahr ist im Ucchiṣṭa, ebenso Ida, die Aufforderungsrufe, Soma-Becher und Opfergabe.

Wort-für-Wort-Erläuterung: samṛddhiḥ – Gedeihen oder Vollendung; ojaḥ – Energie oder Lebenskraft; ākūtiḥ – Absicht oder Entwurf; kṣatram – Herrschaftsmacht; rāṣṭram – Königsmacht oder Reich; ṣaṣ – sechs; urvyaḥ – die weiten Räume oder Richtungen; saṃvatsaraḥ – das Jahr; adhi – in, auf oder bezüglich; hier verstärkt den Lokativ; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; iḍā – Ida, Opferrede und Opfergabe; praiṣāḥ – die rituellen Aufforderungsrufe; grahāḥ – die Soma-Becher oder -Schöpfungen; haviḥ – die Opfergabe.

Vers 19 – Priestergruppen und Opferformen
caturhotāra āpriyaś cāturmāsyāni nīvidaḥ
ucchiṣṭe yajñā hotrāḥ paśubandhās tad iṣṭayaḥ ||19||

Übersetzung: Die Vier-Hotri-Formeln, die Apri-Strophen, die Viermonatsopfer und die Nivid-Formeln: Im Ucchiṣṭa sind die Opfer, Anrufungen, Tieropfer und dann die Darbringungen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: caturhotāraḥ – die Vier-Hotri-Formeln oder vier Hotri-Priester; āpriyaḥ – die Apri-Strophen; cāturmāsyāni – die Viermonatsopfer; nīvidaḥ – die Nivid-Einfügungsformeln; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; yajñāḥ – die Opfer; hotrāḥ – die Anrufungen oder Hotri-Funktionen; paśubandhāḥ – die Tieropfer; tat – dann oder darauf; iṣṭayaḥ – die Darbringungen.

Vers 20 – Zeiträume, Wasser und Donner
ardhamāsāś ca māsāś cārtavā ṛtubhiḥ saha
ucchiṣṭe ghoṣiṇīr āpa stanayitnuḥ śrutir mahī ||20||

Übersetzung: Halbmonate und Monate, Jahresabschnitte zusammen mit den Jahreszeiten sind im Ucchiṣṭa; ebenso die rauschenden Wasser, der Donner und der mächtige Schall.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ardha – halb; im Kompositum: Halb-; māsāḥ – die Monate; ca – und, auch; māsāḥ – die Monate; ca – und, auch; ārtavāḥ – die jahreszeitlichen Abschnitte; ṛtubhiḥ – mit den Jahreszeiten; saha – zusammen mit; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; ghoṣiṇīḥ – rauschend oder tönend; āpaḥ – die Wasser; stanayitnuḥ – der Donner; śrutiḥ – das Gehörte, ein Schall; hier textlich unsicher; mahī – groß oder mächtig. śrutiḥ mahī kann „der mächtige Schall“ bedeuten; die Lesart und genaue Bedeutung von śruti sind an dieser Stelle unsicher.

Vers 21 – Steine, Pflanzen, Wolken und Regen
śarkarāḥ sikatā aśmāna oṣadhayo vīrudhas tṛṇā
abhrāṇi vidyuto varṣam ucchiṣṭe saṃśritā śritā ||21||

Übersetzung: Kiesel, Sand, Steine, Heilkräuter, Gewächse und Gräser, Wolken, Blitze und Regen sind im Ucchiṣṭa eng zusammengefügt und geborgen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śarkarāḥ – die Kiesel; sikatāḥ – die Sandkörner; aśmānaḥ – die Steine; oṣadhayaḥ – die Heilkräuter; vīrudhaḥ – die Gewächse oder Schlingpflanzen; tṛṇā – die Gräser; abhrāṇi – die Wolken; vidyutaḥ – die Blitze; varṣam – der Regen; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; saṃśritā – eng zusammen ruhend oder verbunden; śritā – niedergelegt, geborgen oder ruhend.

Vers 22 – Erreichen, Wachstum und Wohlergehen
rāddhiḥ prāptiḥ samāptir vyāptir maha edhatuḥ
atyāptir ucchiṣṭe bhūtiś cāhitā nihitā hitā ||22||

Übersetzung: Gelingen, Erlangen, Vollendung, Durchdringung, Größe und Wachstum: Im Ucchiṣṭa sind Übererfüllung und Wohlergehen eingesetzt, niedergelegt und gegründet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: rāddhiḥ – Gelingen oder Erfolg; prāptiḥ – Erlangen; samāptiḥ – Vollendung; vyāptiḥ – Durchdringung oder umfassendes Erreichen; mahaḥ – Größe; edhatuḥ – Wachstum oder Gedeihen; atyāptiḥ – Übererreichen oder höchste Erfüllung; ucchiṣṭe – im Ucchiṣṭa, im Übriggebliebenen oder Opferrest; bhūtiḥ – Wohlergehen, Gedeihen oder Macht; ca – und, auch; āhitā – eingesetzt; nihitā – niedergelegt; hitā – gegründet oder geborgen. Der Vers steigert mehrere fast gleichbedeutende Wörter des Erlangens und Gedeihens. Die deutsche Wiedergabe bewahrt diese Häufung.

Vers 23 – Atem, Sehen und die Götter
yac ca prāṇati prāṇena yac ca paśyati cakṣuṣā
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||23||

Übersetzung: Was durch den Lebenshauch atmet und was mit dem Auge sieht: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was oder welches; ca – und, auch; prāṇati – atmet oder lebt; prāṇena – durch den Lebenshauch; yat – was oder welches; ca – und, auch; paśyati – sieht; cakṣuṣā – mit dem Auge oder Sehsinn; ucchiṣṭāt – aus dem Ucchiṣṭa, aus dem Übriggebliebenen; jajñire – sie wurden geboren oder entstanden; sarve – alle; divi – im Himmel; devāḥ – die Götter; diviśritaḥ – im Himmel wohnend oder geborgen.

Vers 24 – Die heiligen Textgattungen
ṛcaḥ sāmāni chandāṃsi purāṇaṃ yajuṣā saha
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||24||

Übersetzung: Rigverse, Saman-Gesänge, Versmaße und die alte Überlieferung zusammen mit dem Yajus: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛcaḥ – die Rigverse; sāmāni – die Saman-Gesänge; chandāṃsi – die Versmaße; purāṇam – das Alte, die alte Überlieferung; yajuṣā – zusammen mit beziehungsweise durch das Yajus; saha – zusammen mit; ucchiṣṭāt – aus dem Ucchiṣṭa, aus dem Übriggebliebenen; jajñire – sie wurden geboren oder entstanden; sarve – alle; divi – im Himmel; devāḥ – die Götter; diviśritaḥ – im Himmel wohnend oder geborgen. purāṇam bedeutet hier zunächst „das Alte“ oder alte Überlieferung; es muss nicht schon die spätere Literaturgattung der Purāṇas bezeichnen.

Vers 25 – Lebenshauche, Sinne und Vergänglichkeit
prāṇāpānau cakṣuḥ śrotram akṣitiś ca kṣitiś ca yā
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||25||

Übersetzung: Prana und Apana, Auge und Gehör sowie Unvergänglichkeit und Vergänglichkeit: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇa – Prana, Einatmung oder Lebenshauch; apānau – Apana, der abwärts gerichtete Lebenshauch; die Dualendung bezieht Prana und Apana als Paar ein; cakṣuḥ – das Auge oder Sehvermögen; śrotram – Gehör oder Ohr; akṣitiḥ – Unvergänglichkeit oder Nicht-Verfall; ca – und, auch; kṣitiḥ – Verfall, Schwinden oder Vergänglichkeit; ca – und, auch; – welche; ucchiṣṭāt – aus dem Ucchiṣṭa, aus dem Übriggebliebenen; jajñire – sie wurden geboren oder entstanden; sarve – alle; divi – im Himmel; devāḥ – die Götter; diviśritaḥ – im Himmel wohnend oder geborgen. Vers 25 fehlt in der Paippalāda-Parallele; seine erste Hälfte begegnet auch in Atharvaveda 11.8.

Vers 26 – Freude und Entzücken
ānandā modāḥ pramudo 'bhīmodamudaś ca ye
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||26||

Übersetzung: Freuden, Wonnen, Entzückungen und alle Arten gesteigerter Freude: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ānandāḥ – die Freuden; modāḥ – die Wonnen; pramudaḥ – die Entzückungen; abhīmodamudaḥ – die gesteigerten Arten von Freude und Entzücken; ca – und, auch; ye – welche, diejenigen die; ucchiṣṭāt – aus dem Ucchiṣṭa, aus dem Übriggebliebenen; jajñire – sie wurden geboren oder entstanden; sarve – alle; divi – im Himmel; devāḥ – die Götter; diviśritaḥ – im Himmel wohnend oder geborgen.

Vers 27 – Götter, Ahnen, Menschen und Himmelswesen
devāḥ pitaro manuṣyā gandharvāpsarasaś ca ye
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||27||

Übersetzung: Götter, Ahnen, Menschen sowie Gandharvas und Apsaras: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: devāḥ – die Götter; pitaraḥ – die Väter oder Ahnen; manuṣyāḥ – die Menschen; gandharva – die Gandharvas; apsarasaḥ – die Apsaras; ca – und, auch; ye – welche, diejenigen die; ucchiṣṭāt – aus dem Ucchiṣṭa, aus dem Übriggebliebenen; jajñire – sie wurden geboren oder entstanden; sarve – alle; divi – im Himmel; devāḥ – die Götter; diviśritaḥ – im Himmel wohnend oder geborgen.

Datierung und Textgeschichte

Die Atharvaveda-Saṃhitā ist eine über längere Zeit gewachsene Sammlung. Neben sehr alten Beschwörungen enthält sie jüngere Ritualtexte und große spekulative Hymnen. Atharvaveda 11.7 gehört zu diesen philosophisch-rituellen Kompositionen der späteren Bücher. Sprachliche und inhaltliche Vergleiche erlauben nur einen weiten Rahmen: wahrscheinlich frühes erstes Jahrtausend v. Chr., häufig ungefähr 1000–800 v. Chr. angesetzt. Eine exakte Datierung des einzelnen Hymnus ist nicht möglich.

Der Artikel gibt die 27 Verse der Śaunaka-Rezension wieder. Bis auf Vers 25 besitzt der Hymnus eine Parallele in Paippalāda-Saṃhitā 16. Die Paippalāda-Fassung bestätigt den Gesamtbestand, weicht jedoch bei einzelnen Wörtern ab. Solche Varianten zeigen eine lebendige mündliche und schulenspezifische Überlieferung; sie berechtigen nicht dazu, schwierige Śaunaka-Lesarten stillschweigend zu glätten.

Die Anukramaṇī nennt Atharvan als Seher und bezeichnet Ucchiṣṭa sowie den im Mantra ausgesagten inneren beziehungsweise kosmischen Gegenstand als Gottheit; die knappe traditionelle Angabe lässt sich nicht in eine einzige spätere Lehrformel zwingen. Das Grundmetrum ist Anuṣṭubh, mit metrischen Sonderformen in mehreren Versen. Der Hymnus wird weder im Kauśika-Sūtra noch im Vaitāna-Sūtra ausdrücklich für einen Vollzug zitiert. Das stützt seine vorwiegend spekulativ-preisende Funktion, obwohl sein Wortschatz ganz aus der Opferwelt stammt.

Rudolf Roth und William Dwight Whitney veröffentlichten 1856 die bis heute grundlegende kritische Druckausgabe der Śaunaka-Saṃhitā. Whitneys postum 1905 erschienene Übersetzung mit Kommentar verzeichnet die Handschriften- und Paippalāda-Varianten. Muir, Scherman, Deussen, Henry, Griffith und Bloomfield übersetzten oder behandelten den Hymnus ebenfalls. Die deutsche Übersetzung dieses Artikels wurde anhand des Sanskrittexts neu formuliert.

Inhalt

Vom Opferrest zum Weltgrund
Der Eingang nennt Name, Gestalt und Welt. Indra, Agni, Himmel, Erde, Wasser, Ozean, Mond und Wind sind im Ucchiṣṭa gesammelt. Das vermeintlich Nachgeordnete wird damit zum tragenden Innenraum. Der Hymnus arbeitet nicht mit einer abstrakten Definition, sondern mit immer umfassenderen Aufzählungen.

Sein, Nichtsein und die Götter
Vers 3 stellt Sein und Nichtsein nebeneinander. Tod, Kraft und Prajapati hängen vom selben Grund ab. In Vers 4 liegen die Gottheiten wie ein Rad um seine Nabe. Ucchiṣṭa ist daher kein weiterer Einzelgott neben anderen, sondern das Prinzip, in dem die göttlichen Mächte ihren Zusammenhang finden.

Das Opfer enthält seine eigene Welt
Verse 5–12 nennen Veda-Formeln, Saman-Teile, Weihen, Soma-Riten, Königsrituale, Opfersitzungen und mehrtägige Feiern. Diese Listen wirken für heutige Leser technisch, verfolgen aber einen klaren Gedanken: Keine rituelle Form erschöpft das Heilige. Alle einzelnen Vollzüge gehen aus einer tieferen Ganzheit hervor und kehren in sie zurück.

Wunsch, Kosmos und Lebensordnung
Ab Vers 13 weitet sich die Perspektive. Wünsche, Unsterblichkeit, Erden, Ozeane, Sonne, Tag und Nacht, Wahrheit, Dharma, Werk, Vergangenheit und Zukunft sind im Ucchiṣṭa. Die paradoxe Genealogie der Verse 15–16 nennt es Vater des Erzeugers und zugleich Enkel des Lebenshauches. Ursache und Wirkung werden ineinander verschränkt.

Natur, Sinne und Freude
Die letzten Verse umfassen Zeitabschnitte, Wasser, Donner, Steine, Pflanzen, Wolken, Regen, Atem, Sehen, Hören und Freude. Der Refrain der Verse 23–27 lässt die himmlischen Götter aus Ucchiṣṭa entstehen. Götter, Ahnen, Menschen, Gandharvas und Apsaras bilden keine voneinander abgetrennten Reiche, sondern Glieder eines Ursprungszusammenhangs.

Bedeutung

Die Ucchishta Sukta Upanishad vollzieht eine bemerkenswerte Umwertung. Ein „Rest“ scheint gewöhnlich weniger als das Ganze zu sein. Hier ist er mehr: Er ist die nicht verbrauchte Fülle, aus der weitere Formen entstehen können. Das Opfer endet sichtbar, doch seine Wirksamkeit und sein Sinn werden nicht aufgebraucht. Diese Rest-Fülle wird zum Bild für den Weltgrund.

Der Hymnus bleibt dabei fest in der vedischen Opferkultur verankert. Begriffe wie Udgitha, Hinkara, Rajasuya, Vajapeya und Atiratra sind keine austauschbaren Symbole, sondern Namen konkreter liturgischer Funktionen und Śrauta-Riten. Seine Philosophie entsteht aus einer Reflexion auf das Ritual. Eine moderne Deutung sollte den Opferkontext erklären, nicht beseitigen.

Zugleich weist die Sprache über das Einzelritual hinaus. Name und Gestalt, nāma und rūpa, werden später zu einem wichtigen Begriffspaar der Upanishaden. Sein und Nichtsein, Atem und Sinnesvermögen, Wahrheit und Handlung werden in einen gemeinsamen Grund gestellt. Darin liegt die Berechtigung, den Hymnus als Upanishaden-nah zu lesen.

Ucchiṣṭa darf jedoch nicht vorschnell mit dem voll ausgebildeten Brahman-Begriff einer bestimmten Vedanta-Schule gleichgesetzt werden. Vers 4 nennt brahma, und der traditionelle Titel spricht vom Ucchiṣṭa-Brahman; die genaue begriffliche Stufe bleibt spätvedisch. Der Text zeigt einen Denkweg zur Einheit, nicht bereits ein späteres philosophisches System in fertiger Form.

Bedeutung heute

Heute kann die Ucchishta Sukta Upanishad dazu anregen, das Übersehene und scheinbar Wertlose neu wahrzunehmen. Spirituelle Praxis besteht nicht nur aus Höhepunkten. Was nach einer Meditation, einem Ritual oder einer helfenden Handlung im Bewusstsein zurückbleibt, kann wichtiger sein als das sichtbare Ereignis: Sammlung, Dankbarkeit, Verantwortungsgefühl und die Bereitschaft, anders zu handeln.

Der Hymnus erinnert außerdem daran, dass kein einzelnes Verfahren das Heilige besitzt. Selbst die lange Liste hoch angesehener Opferformen liegt in einem umfassenderen Grund. Auf Yoga übertragen heißt das: Asana, Pranayama, Mantra, Meditation, Studium und selbstloses Handeln sind Formen einer Praxis, nicht ihr letzter Grund.

Die Einbeziehung von Steinen, Pflanzen, Wolken, Regen, Atem und Sinnen fördert eine nicht isolierende Sicht. Der Mensch lebt von natürlichen Kreisläufen und kultureller Überlieferung. Eine heutige ökologische Anwendung ist legitim, wenn sie als Anwendung kenntlich bleibt und nicht als angeblich moderne Naturwissenschaft des alten Hymnus ausgegeben wird.

Schließlich fordert Ucchiṣṭa zu einem reifen Umgang mit Reinheit auf. Der Text verherrlicht weder Unsauberkeit noch die Missachtung hygienischer und ritueller Regeln. Er stellt aber die Gleichung „übrig geblieben = wertlos“ infrage. Spirituell kann daraus Achtung vor Ressourcen, Nahrung, Zeit und den unscheinbaren Nachwirkungen des eigenen Handelns wachsen.

Vollständiger Devanagari-Text

Die Verszahlen stehen in Devanagari-Ziffern. Vedische Akzente werden wie in der IAST-Lesefassung nicht wiedergegeben. Die Wortgrenzen folgen der IAST-Fassung; einzelne Sandhi-Verbindungen sind deshalb sichtbar getrennt und gegebenenfalls mit Virāma gesetzt.

उच्छिष्टे नाम रूपं चोच्छिष्टे लोक आहितः ।
उच्छिष्ट इन्द्रश् चाग्निश् च विश्वम् अन्तः समाहितम् ॥१॥

उच्छिष्टे द्यावापृथिवी विश्वं भूतं समाहितम् ।
आपः समुद्र उच्छिष्टे चन्द्रमा वात आहितः ॥२॥

सन्न् उच्छिष्टे असंश् चोभौ मृत्युर् वाजः प्रजापतिः ।
लौक्या उच्छिष्ट आयत्ता व्रश् च द्रश् चापि श्रीर् मयि ॥३॥

दृढो दृंह स्थिरो न्यो ब्रह्म विश्वसृजो दश ।
नाभिम् इव सर्वतश् चक्रम् उच्छिष्टे देवताः श्रिताः ॥४॥

ऋक् साम यजुर् उच्छिष्ट उद्गीथः प्रस्तुतं स्तुतम् ।
हिङ्कार उच्छिष्टे स्वरः साम्नो मेडिश् च तन् मयि ॥५॥

ऐन्द्राग्नं पावमानं महानाम्नीर् महाव्रतम् ।
उच्छिष्टे यज्ञस्याङ्गान्य् अन्तर् गर्भ इव मातरि ॥६॥

राजसूयं वाजपेयम् अग्निष्टोमस्तद् अध्वरः ।
अर्काश्वमेधाव् उच्छिष्टे जीवबर्हिर् मदिन्तमः ॥७॥

अग्न्याधेयम् अथो दीक्षा कामप्रश् छन्दसा सह ।
उत्सन्ना यज्ञाः सत्राण्य् उच्छिष्टे ऽधि समाहिताः ॥८॥

अग्निहोत्रं च श्रद्धा च वषट्कारो व्रतं तपः ।
दक्षिणेष्टं पूर्तं चोच्छिष्टे ऽधि समाहिताः ॥९॥

एकरात्रो द्विरात्रः सद्यःक्रीः प्रक्रीर् उक्थ्यः ।
ओतं निहितम् उच्छिष्टे यज्ञस्याणूनि विद्यया ॥१०॥

चतूरात्रः पञ्चरात्रः षड्रात्रश् चोभयः सह ।
षोडशी सप्तरात्रश् चोच्छिष्टाज् जज्ञिरे सर्वे ये यज्ञा अमृते हिताः ॥११॥

प्रतीहारो निधनं विश्वजिच् चाभिजिच् च यः ।
साह्नातिरात्राव् उच्छिष्टे द्वादशाहो ऽपि तन् मयि ॥१२॥

सूनृता संनतिः क्षेमः स्वधोर्जामृतं सहः ।
उच्छिष्टे सर्वे प्रत्यञ्चः कामाः कामेन तातृपुः ॥१३॥

नव भूमीः समुद्रा उच्छिष्टे ऽधि श्रिता दिवः ।
आ सूर्यो भात्य् उच्छिष्टे ऽहोरात्रे अपि तन् मयि ॥१४॥

उपहव्यं विषूवन्तं ये च यज्ञा गुहा हिताः ।
बिभर्ति भर्ता विश्वस्योच्छिष्टो जनितुः पिता ॥१५॥

पिता जनितुर् उच्छिष्टो ऽसोः पौत्रः पितामहः ।
स क्षियति विश्वस्येशानो वृषा भूम्याम् अतिघ्न्यः ॥१६॥

ऋतं सत्यं तपो राष्ट्रं श्रमो धर्मश् च कर्म च ।
भूतं भविष्यद् उच्छिष्टे वीर्यं लक्ष्मीर् बलं बले ॥१७॥

समृद्धिर् ओज आकूतिः क्षत्रं राष्ट्रं षड् उर्व्यः ।
संवत्सरो ऽध्य् उच्छिष्ट इडा प्रैषा ग्रहा हविः ॥१८॥

चतुर्होतार आप्रियश् चातुर्मास्यानि नीविदः ।
उच्छिष्टे यज्ञा होत्राः पशुबन्धास् तद् इष्टयः ॥१९॥

अर्धमासाश् च मासाश् चार्तवा ऋतुभिः सह ।
उच्छिष्टे घोषिणीर् आप स्तनयित्नुः श्रुतिर् मही ॥२०॥

शर्कराः सिकता अश्मान ओषधयो वीरुधस् तृणा ।
अभ्राणि विद्युतो वर्षम् उच्छिष्टे संश्रिता श्रिता ॥२१॥

राद्धिः प्राप्तिः समाप्तिर् व्याप्तिर् मह एधतुः ।
अत्याप्तिर् उच्छिष्टे भूतिश् चाहिता निहिता हिता ॥२२॥

यच् च प्राणति प्राणेन यच् च पश्यति चक्षुषा ।
उच्छिष्टाज् जज्ञिरे सर्वे दिवि देवा दिविश्रितः ॥२३॥

ऋचः सामानि छन्दांसि पुराणं यजुषा सह ।
उच्छिष्टाज् जज्ञिरे सर्वे दिवि देवा दिविश्रितः ॥२४॥

प्राणापानौ चक्षुः श्रोत्रम् अक्षितिश् च क्षितिश् च या ।
उच्छिष्टाज् जज्ञिरे सर्वे दिवि देवा दिविश्रितः ॥२५॥

आनन्दा मोदाः प्रमुदो ऽभीमोदमुदश् च ये ।
उच्छिष्टाज् जज्ञिरे सर्वे दिवि देवा दिविश्रितः ॥२६॥

देवाः पितरो मनुष्या गन्धर्वाप्सरसश् च ये ।
उच्छिष्टाज् जज्ञिरे सर्वे दिवि देवा दिविश्रितः ॥२७॥

Vollständiger IAST-Text

ucchiṣṭe nāma rūpaṃ cocchiṣṭe loka āhitaḥ
ucchiṣṭa indraś cāgniś ca viśvam antaḥ samāhitam ||1||

ucchiṣṭe dyāvāpṛthivī viśvaṃ bhūtaṃ samāhitam
āpaḥ samudra ucchiṣṭe candramā vāta āhitaḥ ||2||

sann ucchiṣṭe asaṃś cobhau mṛtyur vājaḥ prajāpatiḥ
laukyā ucchiṣṭa āyattā vraś ca draś cāpi śrīr mayi ||3||

dṛḍho dṛṃha sthiro nyo brahma viśvasṛjo daśa
nābhim iva sarvataś cakram ucchiṣṭe devatāḥ śritāḥ ||4||

ṛk sāma yajur ucchiṣṭa udgīthaḥ prastutaṃ stutam
hiṅkāra ucchiṣṭe svaraḥ sāmno meḍiś ca tan mayi ||5||

aindrāgnaṃ pāvamānaṃ mahānāmnīr mahāvratam
ucchiṣṭe yajñasyāṅgāny antar garbha iva mātari ||6||

rājasūyaṃ vājapeyam agniṣṭomastad adhvaraḥ
arkāśvamedhāv ucchiṣṭe jīvabarhir madintamaḥ ||7||

agnyādheyam atho dīkṣā kāmapraś chandasā saha
utsannā yajñāḥ satrāṇy ucchiṣṭe 'dhi samāhitāḥ ||8||

agnihotraṃ ca śraddhā ca vaṣaṭkāro vrataṃ tapaḥ
dakṣiṇeṣṭaṃ pūrtaṃ cocchiṣṭe 'dhi samāhitāḥ ||9||

ekarātro dvirātraḥ sadyaḥkrīḥ prakrīr ukthyaḥ
otaṃ nihitam ucchiṣṭe yajñasyāṇūni vidyayā ||10||

catūrātraḥ pañcarātraḥ ṣaḍrātraś cobhayaḥ saha
ṣoḍaśī saptarātraś cocchiṣṭāj jajñire sarve ye yajñā amṛte hitāḥ ||11||

pratīhāro nidhanaṃ viśvajic cābhijic ca yaḥ
sāhnātirātrāv ucchiṣṭe dvādaśāho 'pi tan mayi ||12||

sūnṛtā saṃnatiḥ kṣemaḥ svadhorjāmṛtaṃ sahaḥ
ucchiṣṭe sarve pratyañcaḥ kāmāḥ kāmena tātṛpuḥ ||13||

nava bhūmīḥ samudrā ucchiṣṭe 'dhi śritā divaḥ
ā sūryo bhāty ucchiṣṭe 'horātre api tan mayi ||14||

upahavyaṃ viṣūvantaṃ ye ca yajñā guhā hitāḥ
bibharti bhartā viśvasyocchiṣṭo janituḥ pitā ||15||

pitā janitur ucchiṣṭo 'soḥ pautraḥ pitāmahaḥ
sa kṣiyati viśvasyeśāno vṛṣā bhūmyām atighnyaḥ ||16||

ṛtaṃ satyaṃ tapo rāṣṭraṃ śramo dharmaś ca karma ca
bhūtaṃ bhaviṣyad ucchiṣṭe vīryaṃ lakṣmīr balaṃ bale ||17||

samṛddhir oja ākūtiḥ kṣatraṃ rāṣṭraṃ ṣaḍ urvyaḥ
saṃvatsaro 'dhy ucchiṣṭa iḍā praiṣā grahā haviḥ ||18||

caturhotāra āpriyaś cāturmāsyāni nīvidaḥ
ucchiṣṭe yajñā hotrāḥ paśubandhās tad iṣṭayaḥ ||19||

ardhamāsāś ca māsāś cārtavā ṛtubhiḥ saha
ucchiṣṭe ghoṣiṇīr āpa stanayitnuḥ śrutir mahī ||20||

śarkarāḥ sikatā aśmāna oṣadhayo vīrudhas tṛṇā
abhrāṇi vidyuto varṣam ucchiṣṭe saṃśritā śritā ||21||

rāddhiḥ prāptiḥ samāptir vyāptir maha edhatuḥ
atyāptir ucchiṣṭe bhūtiś cāhitā nihitā hitā ||22||

yac ca prāṇati prāṇena yac ca paśyati cakṣuṣā
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||23||

ṛcaḥ sāmāni chandāṃsi purāṇaṃ yajuṣā saha
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||24||

prāṇāpānau cakṣuḥ śrotram akṣitiś ca kṣitiś ca yā
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||25||

ānandā modāḥ pramudo 'bhīmodamudaś ca ye
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||26||

devāḥ pitaro manuṣyā gandharvāpsarasaś ca ye
ucchiṣṭāj jajñire sarve divi devā diviśritaḥ ||27||

Vollständige deutsche Übersetzung

Vers 1: Im Ucchiṣṭa sind Name und Gestalt, und im Ucchiṣṭa ist die Welt niedergelegt. Im Ucchiṣṭa sind Indra und Agni; das All ist darin zusammengefügt.

Vers 2: Im Ucchiṣṭa sind Himmel und Erde sowie alles Gewordene zusammengefügt. Die Wasser, der Ozean, der Mond und der Wind sind im Ucchiṣṭa niedergelegt.

Vers 3: Das Seiende ist im Ucchiṣṭa und das Nichtseiende – beide; ebenso Tod, Lebenskraft, Prajapati. Die zur Welt Gehörenden hängen vom Ucchiṣṭa ab, Vra und Dra ebenso; und Herrlichkeit sei in mir.

Vers 4: Fest bist du: Festige! Beständig sind Nya, das Brahman und die zehn Allschöpfer. Wie ein Rad rings um die Nabe ruhen die Gottheiten im Ucchiṣṭa.

Vers 5: Rigvers, Saman und Yajus sind im Ucchiṣṭa, ebenso Udgitha, Vorsang und Lobgesang. Hinkara, Ton und der Meḍi-Klang des Saman sind im Ucchiṣṭa; das sei in mir.

Vers 6: Der Aindragna- und der Pavamana-Gesang, die Mahanamni-Strophen und das Mahavrata: Im Ucchiṣṭa liegen die Glieder des Opfers wie ein Keim im Inneren der Mutter.

Vers 7: Rajasuya, Vajapeya, Agnishtoma und jener Adhvara, Arka und Ashvamedha sind im Ucchiṣṭa – mit lebendigem Opfergras, höchst berauschend.

Vers 8: Die Gründung des Opferfeuers, ferner die Weihe und das wunscherfüllende Werk zusammen mit dem Versmaß; außer Gebrauch geratene Opfer und Opfersitzungen sind im Ucchiṣṭa zusammengefügt.

Vers 9: Agnihotra und Vertrauen, der Vashat-Ruf, Gelübde und Askese, Opferlohn, Geopfertes und wohltätig Gestiftetes sind im Ucchiṣṭa zusammengefügt.

Vers 10: Ein-Nacht- und Zwei-Nächte-Opfer, Sadyahkri, Prakri und Ukthya sind im Ucchiṣṭa eingewoben und niedergelegt – die feinen Teile des Opfers durch Wissen.

Vers 11: Vier-Nächte-, Fünf-Nächte- und Sechs-Nächte-Opfer, beide Arten zusammen, Sodashin und Sieben-Nächte-Opfer: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Opfer geboren, die in der Unsterblichkeit niedergelegt sind.

Vers 12: Pratihara und Nidhana, Vishvajit und Abhijit, das Tages- und das Übernacht-Ritual sind im Ucchiṣṭa, ebenso das Zwölftageopfer; das sei in mir.

Vers 13: Wohlrede, Einwilligung, Sicherheit, die Ahnengabe, Nahrungskraft, Unsterblichkeit und Stärke: Im Ucchiṣṭa wurden alle zugewandten Wünsche durch Wunschkraft gesättigt.

Vers 14: Die neun Erden, die Ozeane und die Himmelsräume ruhen im Ucchiṣṭa. Im Ucchiṣṭa leuchtet die Sonne auf; Tag und Nacht ebenso – das sei in mir.

Vers 15: Das Upahavya, der Vishuvant-Tag und die Opfer, die im Verborgenen niedergelegt sind: Sie trägt der Ucchiṣṭa, der Träger des Alls und Vater des Erzeugers.

Vers 16: Der Ucchiṣṭa ist der Vater des Erzeugers, Enkel des Lebenshauches und Urgroßvater. Als Herrscher des Alls wohnt er auf der Erde, ein unbezwinglicher Stier.

Vers 17: Kosmische Ordnung, Wahrheit, Askese, Königsmacht, Mühe, Dharma und Werk, Gewordenes und Künftiges sind im Ucchiṣṭa; ebenso Tatkraft, Glücksfülle und Kraft in der Kraft.

Vers 18: Gedeihen, Energie, Absicht, Herrschaft, Königsmacht und die sechs Weiten; das Jahr ist im Ucchiṣṭa, ebenso Ida, die Aufforderungsrufe, Soma-Becher und Opfergabe.

Vers 19: Die Vier-Hotri-Formeln, die Apri-Strophen, die Viermonatsopfer und die Nivid-Formeln: Im Ucchiṣṭa sind die Opfer, Anrufungen, Tieropfer und dann die Darbringungen.

Vers 20: Halbmonate und Monate, Jahresabschnitte zusammen mit den Jahreszeiten sind im Ucchiṣṭa; ebenso die rauschenden Wasser, der Donner und der mächtige Schall.

Vers 21: Kiesel, Sand, Steine, Heilkräuter, Gewächse und Gräser, Wolken, Blitze und Regen sind im Ucchiṣṭa eng zusammengefügt und geborgen.

Vers 22: Gelingen, Erlangen, Vollendung, Durchdringung, Größe und Wachstum: Im Ucchiṣṭa sind Übererfüllung und Wohlergehen eingesetzt, niedergelegt und gegründet.

Vers 23: Was durch den Lebenshauch atmet und was mit dem Auge sieht: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

Vers 24: Rigverse, Saman-Gesänge, Versmaße und die alte Überlieferung zusammen mit dem Yajus: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

Vers 25: Prana und Apana, Auge und Gehör sowie Unvergänglichkeit und Vergänglichkeit: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

Vers 26: Freuden, Wonnen, Entzückungen und alle Arten gesteigerter Freude: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

Vers 27: Götter, Ahnen, Menschen sowie Gandharvas und Apsaras: Aus dem Ucchiṣṭa wurden alle Götter im Himmel geboren, die im Himmel wohnen.

5 Empfehlungen aus der Ucchishta Sukta Upanishad für ernsthafte spirituelle Aspiranten

  • Achte auf das, was nach der Praxis bleibt. Sitze nach Meditation, Rezitation oder Puja einige Minuten still. Beobachte nicht nur das Erlebnis, sondern seine Spur in Rede, Entscheidungen und Verhalten.
  • Verschwende das Anvertraute nicht. Übe einen sorgsamen Umgang mit Nahrung, Wasser, Energie und Zeit. Der Hymnus macht aus dem „Rest“ ein Symbol unerschöpfter Möglichkeit, nicht einen Freibrief für Achtlosigkeit.
  • Verwechsle die Form nicht mit dem Grund. Pflege deine gewählte Yoga- oder Vedanta-Praxis gründlich, aber erkläre keine einzelne Methode zum alleinigen Behälter des Heiligen.
  • Studier schwierige Wörter ehrlich. Lerne ucchiṣṭa, nāma-rūpa, ṛta, dharma und prāṇa im historischen Zusammenhang. Eine offen benannte Unsicherheit ist geistig fruchtbarer als eine erfundene Gewissheit.
  • Beziehe das ganze Leben ein. Atem, Sinne, Arbeit, Freude, Natur und heilige Sprache gehören im Hymnus zusammen. Prüfe täglich, ob deine Spiritualität auch Beziehungen, Konsum und Verantwortung verwandelt.

Audio und Rezitation

Das Vedic Heritage Portal bietet den vollständigen akzentuierten Devanagari-Text von Atharvaveda 11.7 und eine traditionelle Rezitation. Die akzentlose Lesefassung dieses Artikels ersetzt bei vedischer Rezitation keine mündliche Unterweisung.

Literatur und Quellen

  • Rudolf Roth und William Dwight Whitney (Hrsg.): Atharva Veda Sanhita. Berlin 1856, Atharvaveda 11.7.
  • William Dwight Whitney; hrsg. von Charles Rockwell Lanman: Atharva-Veda Saṃhitā. Translated with a Critical and Exegetical Commentary. Harvard Oriental Series 7–8, Cambridge, Mass. 1905, Band 2, S. 643–647. Digitalisat im Internet Archive.
  • Paul Deussen: Allgemeine Geschichte der Philosophie, Band I, Abteilung 1, Leipzig 1894, S. 305–310, Deutung des Ucchiṣṭa-Hymnus.
  • Ralph T. H. Griffith: The Hymns of the Atharva-Veda. Benares 1895–1896, Buch 11, Hymnus 7. Öffentlicher Volltext.
  • Maurice Bloomfield: Hymns of the Atharva-Veda. Sacred Books of the East 42, Oxford 1897, S. 226 und 629.
  • Vedic Heritage Portal: Atharvaveda Śaunaka 11.7, akzentuierter Devanagari-Text und Rezitation.
  • Oliver Hellwig: Digital Corpus of Sanskrit – morphologische Analyse der Atharvaveda-Śaunaka-Saṃhitā, Datei zu AVŚ 11.7.
  • Jan Gonda: Vedic Literature (Saṃhitās and Brāhmaṇas). Wiesbaden 1975.

Siehe auch

Weblinks

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