Chhagaleya Upanishad

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Die Chhagaleya Upanishad (Sanskrit: छागलेयोपनिषत्; IAST: Chāgaleyopaniṣat, auch Chāgaleya Upaniṣad) ist eine außerhalb des Muktika-Kanons überlieferte Upanishad in archaisierender vedischer Prosa. Der erhaltene Text erzählt, wie die anfängliche Frage nach Geburt, Brahmanenstand und Ritualwissen in eine Unterweisung über den Atman als inneren Lenker des Körpers übergeht. Sein Schluss ist materiell beschädigt: Vom zweiten Merkvers wurde nur der Anfang aufgefunden. Die vorliegende Fassung gibt deshalb den vollständigen erhaltenen Text, nicht einen hypothetisch rekonstruierten verlorenen Schluss wieder.

Zu Beginn schließen Rishis Kavasha Ailusha wegen seiner vermeintlichen Herkunft als „Sohn einer Dienerin“ von der Einweihung aus. Kavasha antwortet nicht mit einer bloßen Standesbehauptung, sondern mit einer Erkenntnisfrage: Was macht einen Menschen tatsächlich zum Brahmanen, und was von der hochentwickelten Opfergelehrsamkeit überdauert den Tod? Ein verstorbener Acchavaka-Priester wird zum Gegenbeispiel für die Gleichsetzung von ritueller Funktion und verwirklichter Einsicht.

Die Lehrer führen ihre Schüler schließlich nicht durch eine Definition, sondern durch genaue Beobachtung zu einer Antwort. Ein Wagen bewegt sich nur, solange Wagenbauer, Pferde und Lenker wirksam verbunden sind. Entsprechend ist der Atman der pracodayitṛ, der Antreiber des Leibes. Organe, Adern, Knochen, Blut, Karma, Rede und Haut werden Teilen des Wagens zugeordnet. Ohne den erkennenden Atman spricht und atmet der Körper nicht mehr.

Die Chhagaleya Upanishad führt von äußerem Status und Ritualwissen zur Frage nach dem inneren Lenker, dem Atman.

Hinweis zur Textgestalt: Die erhaltene Prosa hat keine traditionelle fortlaufende Abschnittszählung. Die Nummern und Zwischenüberschriften der folgenden Leseeinheiten sind redaktionelle Orientierungshilfen. Der Sanskritwortlaut beruht auf der in Aprakāśitā Upaniṣadaḥ (Adyar 1933) gedruckten Überlieferung, verglichen mit der elektronischen Fassung von Sanskrit Documents. Unsichere Formen werden nicht stillschweigend normalisiert; die Erläuterungen kennzeichnen solche Stellen.

Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

1.1 Die Opfersitzung an der Sarasvati
oṃ ṛṣayo vai sarasvatyāṃ satramāsata |

Übersetzung: Om. Die Rishis hielten an der Sarasvati eine lange Opfersitzung ab.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe; ṛṣayaḥ – die Rishis, die Seher; vai – wahrlich, bekräftigende Partikel; sarasvatyām – an der Sarasvati, Lokativ; satram – ein Satra, eine lange gemeinsame Opfersitzung; āsata – sie saßen, sie hielten ab, Imperfekt des Mediums.

1.2 Der Ausschluss Kavasha Ailushas
te’tha kavaṣamailūṣaṃ dāsyāḥ putra iti dīkṣāyā ācchidan |

Übersetzung: Darauf schlossen sie Kavasha Ailusha mit der Begründung „Er ist der Sohn einer Dienerin“ von der Einweihung aus.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; atha – darauf, nun; im Sandhi te’tha; kavaṣam – Kavasha, Akkusativ; ailūṣam – Ailusha, Beiname Kavashas, Akkusativ; im Sandhi kavaṣam ailūṣam; dāsyāḥ – einer Dienerin, Genitiv; putraḥ – Sohn; iti – so, Ende der wörtlichen Begründung; dīkṣāyāḥ – von der Einweihung, Ablativ; ācchidan – sie schnitten ab, schlossen aus.

Text- und Verständnishinweis: Der Satz berichtet eine soziale Ausgrenzung; er bestätigt sie nicht als Lehre der Upanishad. Die folgende Handlung Kavashas stellt die behauptete Vorrangstellung der Abstammung infrage.

1.3 Außerhalb der drei Veden
te hocuḥ | apa vā etadṛgyajuṣādapa sāmna iti |

Übersetzung: Sie sagten: „Ein solcher steht wahrlich außerhalb von Rig- und Yajus-Veda und außerhalb des Saman.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun, der Erzählung Nachdruck gebend; ūcuḥ – sie sagten; im Sandhi hocuh; apa – fort, außerhalb; vai – wahrlich; im Sandhi ; etat – dieses, ein solcher; ṛgyajuṣāt – von Rig und Yajus, Ablativ des Doppelkompositums, im Sandhi etadṛgyajuṣād; apa – außerhalb; sāmnaḥ – vom Saman bzw. Sama-Veda, Ablativ; iti – so, Ende der Rede.

1.4 Kavashas Gegenfrage
sa hovāca | bhagavanto yadidaṃ satramādhvai yadṛco’dhīdhvai yadyajūṃṣi yatsāmāni kasyāyaṃ mahimeti |

Übersetzung: Er sagte: „Ehrwürdige, diese Opfersitzung, die ihr vollzieht, die Rigverse, die ihr studiert, die Yajus-Sprüche und die Saman-Gesänge – wessen Herrlichkeit ist dies?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – nun, wahrlich; uvāca – sagte; im Sandhi hovāca; bhagavantaḥ – ihr Ehrwürdigen, Vokativ Plural, im Sandhi bhagavanto; yat – was, welches; idam – dieses; im Sandhi yadidam; satram – die Opfersitzung; ādhvai – ihr vollzieht, ihr setzt in Gang, vedische Form; yat – welche; ṛcaḥ – Rigverse, im Sandhi yadṛco; adhīdhvai – ihr studiert bzw. rezitiert; yat – welche; yajūṃṣi – Yajus-Sprüche; yat – welche; sāmāni – Saman-Gesänge; kasya – wessen; ayam – diese, dies; mahimā – Größe, Herrlichkeit; iti – so, Ende der Frage.

1.5 Antwort der Brahmanen
te hocurbrāhmaṇā vāva smasteṣāmevamiti ||

Übersetzung: Sie antworteten: „Wir sind eben Brahmanen; folglich ist dies deren Herrlichkeit.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten; im Sandhi hocur; brāhmaṇāḥ – Brahmanen; im Sandhi brāhmaṇā; vāva – eben, wahrlich; smaḥ – wir sind; im Sandhi smas; teṣām – deren, der Brahmanen; evam – so, auf diese Weise; iti – so, Ende der Rede.

2.1 Die Frage nach dem wirklichen Brahmanen
sa hovāca | yadidamicchācidicchācidīkṣadhvai kiṃ tadyena brāhmaṇa iti |

Übersetzung: Er sagte: „Mit welchen einzelnen Wünschen auch immer ihr euch hier einweihen lasst: Was ist jenes, wodurch einer ein Brahmane ist?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – nun; uvāca – sagte; im Sandhi hovāca; yat idam – was dieses, was hier; icchā cit icchā cit – welcher Wunsch auch immer, wörtlich „Wunsch jeweils, Wunsch jeweils“; die verschmolzene Lesung lautet yadidamicchācidicchāci; dīkṣadhvai – ihr lasst euch einweihen, vedische mediale Form; kim – was; tat – jenes, im Sandhi tad; yena – wodurch; brāhmaṇaḥ – ein Brahmane; iti – so, Ende der Frage.

Text- und Verständnishinweis: Die Folge yad idam icchā cid icchā ci ist in der Drucküberlieferung sprachlich beschädigt. Die Übersetzung folgt der erkennbaren Verbindung von Wunsch und Einweihung, beansprucht aber keine sichere Rekonstruktion des genauen Satzbaus.

2.2 Die rituelle Antwort
te hocuryadidamṛgyajuṣairevopavatvanno juhuvuryadvainamupāghrāsiṣuryadupāneṣataitadvāhmaṇā iti |

Übersetzung: Sie sagten: „Dass man hierbei mit Rig- und Yajus-Sprüchen [das Opfer] darbringt, dass man es opfert, daran riechen lässt und heranführt – eben dies gehört zu den Brahmanen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, im Sandhi hocur; yat idam – dass dieses, was hierbei; ṛgyajuṣaiḥ – mit Rig- und Yajus-Sprüchen, Instrumental; eva – eben; upavatvan – darbringend bzw. heranbringend, beschädigte vedische Form; naḥ – uns bzw. von uns, im Sandhi no; juhuvuḥ – sie opferten; yat vai – dass wahrlich, im Sandhi yadvai; enam – dieses, ihn; upāghrāsiṣuḥ – sie ließen daran riechen bzw. rochen daran, desiderativisch-aoristische Form; yat – dass; upāneṣata – sie führten heran, brachten hinzu; etat – dieses; im Sandhi aitad; brāhmaṇāḥ – die Brahmanen bzw. zu Brahmanen gehörig; iti – so, Ende der Rede.

Text- und Verständnishinweis: Mehrere Verbformen dieses Satzes sind ungewöhnlich oder beschädigt. Die Übersetzung gibt die erkennbare Folge ritueller Handlungen wieder. Nicht ausdrücklich bezeichnete Opfergegenstände stehen in eckigen Klammern.

2.3 Der tote Atreya
sa hāvidūra eva śavaśayitamātreyamacchāvadamupadarśayannuvāca |

Übersetzung: Er zeigte auf einen ganz in der Nähe als Leichnam daliegenden Atreya, der Acchavaka-Priester gewesen war, und sagte:

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – nun; avidūre – nicht weit entfernt, in der Nähe; eva – gerade, eben; śavaśayitam – als Leichnam daliegend, Kompositum aus śava, Leichnam, und śayita, liegend; ātreyam – den Atreya, Akkusativ; acchāvadam – den Acchavaka-Priester, eine Priesterfunktion, überlieferte Nebenform; upadarśayan – zeigend, hinweisend; uvāca – sagte.

2.4 Das Ritual ging nicht mit
yadidamṛgyajuṣairupavatvaṃ juhopāghrāsīdathopāneṣṭa naitadatyagāditi |

Übersetzung: „Was dieser mit Rig- und Yajus-Sprüchen darbrachte, opferte und beriechen ließ und was er darauf heranführte: Dies ging nicht mit ihm hinüber.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat idam – was dieses, was er hierbei; ṛgyajuṣaiḥ – mit Rig- und Yajus-Sprüchen; upavatvam – das Darbringen bzw. Heranbringen, beschädigte Form; juha – er opferte, überlieferte verkürzte Form; upāghrāsīt – er roch daran bzw. ließ daran riechen; atha – darauf, sodann; upāneṣṭa – er führte heran, brachte hinzu; na – nicht; etat – dieses, im Sandhi naitad; atyagāt – ging hinüber, ging über etwas hinaus; iti – so, Ende der Rede.

Text- und Verständnishinweis: Die Form upavatvam ist in der Textüberlieferung nicht sicher. Entscheidend für die Argumentation ist das ausdrücklich überlieferte naitad atyagāt: Das rituelle Können ging nicht über den Tod hinaus.

2.5 Die erneute Frage
kiṃ taditi hocuḥ ||

Übersetzung: Sie fragten: „Was ist dann jenes [Entscheidende]?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: kim – was; tat – jenes, im Sandhi tad; iti – so, Ende der Frage; ha – nun; ūcuḥ – sie sagten, sie fragten, im Sandhi hocuḥ.

3.1 Die Shaunakas von Naimisha
sa hovāca | naimiṣe’mī śunakāḥ satramāsata |

Übersetzung: Er sagte: „In Naimisha hielten jene Shaunakas eine lange Opfersitzung ab.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – nun; uvāca – sagte, im Sandhi hovāca; naimiṣe – in Naimisha, Lokativ; amī – jene; im Sandhi naimiṣe’mī; śunakāḥ – die Shaunakas, Angehörige der Überlieferung des Shunaka; satram – eine lange Opfersitzung; āsata – sie saßen, sie hielten ab.

3.2 Das vollständige Ritualwissen des Atreya
teṣāmātreyo’cchāvadaḥ sarvāṇyevāvartayadyadyājyā yadanuvākyā yatprātaranuvāko yatpraugaṃ yadājyaṃ yanmarutvatīyamityatha yanmahāvīrasambharaṇāni yadagnerabhivartanāni yadrājābhikrayaṇāni yadabhiṣāvitrāṇi yadaupayāmāni yadupamantraṇānyatha yattrivṛtpañcadaśaḥ saptadaśa ekaviṃśa iti |

Übersetzung: Ihr Atreya, der Acchavaka-Priester, vollzog alles: die Yajya- und Anuvakya-Verse, die Morgenrezitation, das Prauga, das Ajya und das Marutvatiya; ferner die Zurüstungen des Mahavira-Gefäßes, die Hinwendungen zum Feuer, den Ankauf des Königs Soma, die zum Pressen gehörenden Geräte, die Upayama-Gefäße und die Einladungsformeln; sodann die Stomas Trivrit, Panchadasha, Saptadasha und Ekavimsha.

Wort-für-Wort-Erläuterung: teṣām – ihr, unter ihnen; ātreyaḥ – der Atreya; im Sandhi teṣāmātreyo; acchāvadaḥ – der Acchavaka-Priester; sarvāṇi – alle Dinge, alles; eva – eben; āvartayat – er ließ wiederkehren, rezitierte bzw. vollzog; yat-yājyā – was die Yajya, der beim Opfer gesprochene Darbringungsvers, betrifft; yat-anuvākyā – was die Anuvakya, den Einladungsvers, betrifft; yat-prātaranuvākaḥ – was die Morgenlitanei betrifft; yat-praugam – was das Prauga-Shastra betrifft; yat-ājyam – was das Ajya-Shastra betrifft; yat-marutvatīyam – was das Marutvatiya-Shastra betrifft; im Sandhi yanmarutvatīyam; iti – so, Ende der ersten Reihe; atha – sodann; yat-mahāvīra-sambharaṇāni – was die Zurüstungen bzw. Bestandteile des Mahavira-Gefäßes betrifft; yat-agneḥ-abhivartanāni – was die Hinwendungen zum Feuer betrifft; yat-rāja-abhikrayaṇāni – was die Ankaufshandlungen für den „König“ Soma betrifft; yat-abhiṣāvitrāṇi – was die zum Soma-Pressen gehörenden Geräte oder Handlungen betrifft; yat-aupayāmāni – was die Upayama-Gefäße bzw. -Formeln betrifft; yat-upamantraṇāni – was die Einladungs- oder Anredeformeln betrifft; atha – ferner; yat-trivṛt – was den dreifachen bzw. neunversigen Trivrit-Stoma betrifft; pañcadaśaḥ – der fünfzehnteilige Stoma; saptadaśaḥ – der siebzehnteilige; ekaviṃśaḥ – der einundzwanzigteilige; iti – so, Abschluss der Aufzählung.

Text- und Verständnishinweis: Die Fachausdrücke bezeichnen Rezitationen, Geräte, Handlungen und Stoma-Strukturen des vedischen Soma-Rituals. Sie werden deshalb transliteriert und funktional erläutert, nicht durch moderne Allgemeinbegriffe eingeebnet.

3.3 Wohin ging sein Wissen?
kvāsya tadagāditi | tehāmuhan |

Übersetzung: Wohin ging dies bei ihm?“ Sie gerieten darüber in Verwirrung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kva – wohin; asya – sein, bei ihm; tat – das; agāt – ging; iti – so, Ende der Frage; te – sie; ha – nun; amuhan – waren verwirrt, gerieten in Ratlosigkeit; die überlieferte Sandhiform lautet tehāmuhan.

3.4 Die Bitte um Führung
athaite sarva evopasametyocurupa no nayasvema eva ta iti |

Übersetzung: Darauf traten sie alle gemeinsam heran und sagten: „Führe du uns hin; wir sind eben die Deinen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: atha – darauf; ete – diese, sie; sarve – alle; eva – eben; upasametya – gemeinsam herangetreten, Absolutiv; ūcuḥ – sie sagten, im Sandhi etyocuḥ; upa – hin, heran; naḥ – uns, im Sandhi no; nayasva – führe, Imperativ Medium; ime – diese hier, wir hier; eva – eben; te – deine, dir zugehörig; iti – so, Ende der Rede.

3.5 Warnung vor Nachlässigkeit
sa ha smayamāna uvāca | sampaśyadhvā eva mā pramadata |

Übersetzung: Lächelnd sagte er: „Schaut genau hin; werdet ja nicht nachlässig.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – nun; smayamānaḥ – lächelnd, Partizip Präsens Medium; uvāca – sagte; sampaśyadhvai – schaut zusammen bzw. genau hin, Imperativ Plural Medium; eva – gewiss, gerade; – nicht, Verbotswort; pramadata – seid nachlässig, versäumt, Imperativ Plural.

3.6 Kein niedrigerer Lehrer
na hottamānadhama upaneteti |

Übersetzung: Ein Niedrigerer darf einen Höheren nicht als Schüler annehmen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; ha – nun, gewiss; uttamam – einen Höheren, Akkusativ; adhamaḥ – ein Niedrigerer; upaneta – soll heranführen bzw. als Schüler initiieren, Optativ; iti – so, Ende der Rede.

Text- und Verständnishinweis: Die Lesung hottamānadham(a) ist eng verschmolzen. Gemeint ist im Kontext der Einwand gegen eine formale Lehrer-Schüler-Umkehrung.

3.7 Du sollst unser Weg sein
te hocurmaiva smopanathā gatistu tvamiditi ||

Übersetzung: Sie sagten: „Nimm uns keineswegs [förmlich] als Schüler an; du aber sollst uns der Weg sein.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, im Sandhi hocur; mā eva – keineswegs; sma – bekräftigende bzw. vergangenheitsbezogene Partikel; upanathāḥ – du sollst als Schüler annehmen, überlieferte, sprachlich unsichere Form; gatiḥ – Weg, Zuflucht, Führung; tu – aber; tvam – du; it – gerade, eben; iti – so, Ende der Rede.

Text- und Verständnishinweis: Der Wortlaut upanathā ist textkritisch schwierig; die Wiedergabe folgt dem Gegensatz zwischen formaler Initiation und praktischer Führung.

4.1 Der Auftrag nach Kurukshetra
sa hovāca | kurukṣetraṃ evopasametya ye bāliśāstānupādhvai | te va idaṃ pravakṣyantīti |

Übersetzung: Er sagte: „Begebt euch nach Kurukshetra und sucht dort diejenigen auf, die Bālishas heißen. Sie werden euch dies erklären.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – nun; uvāca – sagte; kurukṣetram – nach Kurukshetra, Akkusativ des Zieles; eva – gerade; upasametya – hingegangen bzw. sich versammelt habend; ye – welche, diejenigen, die; bāliśāḥ – Bālishas, wörtlich auch „Einfältige“; tān – jene, Akkusativ; upādhvai – sucht auf, nähert euch, vedischer Imperativ Medium; te – sie; vai – wahrlich, in der Überlieferung va; idam – dieses; pravakṣyanti – werden ausführlich erklären; iti – so, Ende der Rede.

4.2 Ankunft und Annäherung
te ha tata evopasametya kurukṣetramupajagmuḥ | te ha bāliśānevopāsadan |

Übersetzung: Von dort aus machten sie sich gemeinsam auf, gelangten nach Kurukshetra und suchten eben die Bālishas auf.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; tataḥ – von dort, im Sandhi tata; eva – gerade; upasametya – gemeinsam aufgebrochen bzw. hingegangen; kurukṣetram – Kurukshetra; upajagmuḥ – sie gelangten hin, näherten sich; te – sie; ha – nun; bāliśān – die Bālishas; eva – eben; upāsadan – sie setzten sich hinzu, suchten auf, Imperfekt.

4.3 Die Wissbegierigen werden erkannt
tānima upasīdata eva vidāñcakruriti kāmukā iti |

Übersetzung: Noch während diese sich näherten, erkannten jene sie: „Sie sind nach [Wissen] verlangende Menschen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: tān – sie, jene; ime – diese hier, in der überlieferten Verbindung tānima; upasīdataḥ – die Herantretenden bzw. während sie herantraten; eva – schon, gerade; vidāṃ cakruḥ – sie erkannten, periphrastisches Perfekt; iti – so; kāmukāḥ – Verlangende, Wissbegierige; iti – so, Ende der Feststellung.

Text- und Verständnishinweis: Das Objekt ihres Verlangens ist nicht ausdrücklich genannt; „Wissen“ wird aus der Lehrsituation ergänzt.

4.4 Warum die „Einfältigen“?
te hocuryatkimiva bāliśānupāsadata mahāśālā vai mahāśrotriyā varṣīyāṃsaḥ santaḥ yanmahāśālā mahāśrotriyā varṣīyāṃsaḥ kurukṣetramadhyāsata iti |

Übersetzung: Sie sagten: „Wie kommt es nur, dass ihr die Bālishas aufsucht, obwohl hier in Kurukshetra große Opferherren, hochgelehrte Veda-Kenner und ältere Männer wohnen?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, im Sandhi hocur; yat – dass, was nun; kim iva – wie denn, warum wohl; bāliśān – die Bālishas; upāsadata – ihr habt aufgesucht bzw. sucht auf; mahāśālāḥ – Besitzer großer Opferhallen, bedeutende Opferherren; vai – wahrlich; mahāśrotriyāḥ – hochgelehrte Kenner der vedischen Überlieferung; varṣīyāṃsaḥ – ältere, an Jahren reichere; santaḥ – seiend, obwohl sie sind; yat – insofern als, da; mahāśālāḥ – große Opferherren; mahāśrotriyāḥ – hochgelehrte Veda-Kenner; varṣīyāṃsaḥ – ältere Männer; kurukṣetram – Kurukshetra; adhyāsata – sie bewohnten, hielten sich auf; iti – so, Ende der Rede.

4.5 Der Blick untereinander
te hānyonyasyābhisamīkṣāmāsuḥ |

Übersetzung: Da blickten sie einander prüfend an.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; anyonyasya – einer des anderen, gegenseitig; abhisamīkṣām āsuḥ – sie vollzogen ein gegenseitiges Anschauen, sie blickten prüfend an, periphrastische Vergangenheitsform.

4.6 Die frühere Auskunft bestätigt sich
te hāpaśyanna hāsmānmithucidevāsāvavocadbāliśāneva caitānvicakṣateti |

Übersetzung: Sie erkannten: „Jener hat uns keineswegs falsch unterrichtet; auch diese hier gelten tatsächlich als Bālishas.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; apaśyan – sie sahen, erkannten; na – nicht; ha – gewiss; asmān – uns; mithu-cit – auch nur falsch, irrig; eva – tatsächlich; asau – jener; avocat – sagte, unterrichtete; bāliśān – Bālishas; eva – eben; ca – und; etān – diese; vicakṣate – man bezeichnet bzw. erkennt; iti – so, Ende der Überlegung.

Text- und Verständnishinweis: Die seltene Form mithucit wird kontextgemäß als „falsch/irrig“ verstanden; die Stelle ist sprachlich nicht völlig sicher.

4.7 Demütiges und vertrauensvolles Hören
te hocurnamasyānatīva vaco recayiṣyatha yadantarno’sāviha prāhaiyāt | yathaiva tu smopasannā athānasūyavo yathopaśraddhina iti ||

Übersetzung: Sie sagten: „Ihr Verehrungswürdigen, weist unsere Bitte nicht mit bloßen Worten ab; was jener uns im Innersten sagte, möge uns hierher führen. Wir sind ja als Schüler herangetreten: ohne Missgunst und mit Vertrauen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, im Sandhi hocur; namasyān – ihr Verehrungswürdigen, Vokativ; ati iva – allzu sehr, bloß; vacaḥ – das Wort, die Rede; recayiṣyatha – ihr werdet entleeren, abweisen oder ins Leere laufen lassen; yat – was; antaḥ – im Inneren bzw. ins Innere; naḥ – uns, im Sandhi no; asau – jener; iha – hierher, hier; prāha – sagte; iyāt – möge gehen bzw. führen; yathā eva – genau wie; tu – aber, ja; sma – bekräftigende Partikel; upasannāḥ – Herangetretene, Schüler; atha – nun; anasūyavaḥ – frei von Missgunst oder Nörgelei; yathā – wie, nämlich; upaśraddhinaḥ – mit Vertrauen herantretend; iti – so, Ende der Rede.

Text- und Verständnishinweis: Der erste Satz ist in der erhaltenen Lesung syntaktisch beschädigt. Die Übersetzung wahrt die erkennbaren Motive Verehrung, nicht abweisende Rede, Schülernähe, Neidlosigkeit und Vertrauen, ohne eine sichere Rekonstruktion vorzutäuschen.

5.1 Die Frage der Lehrer
te hocuḥ | kiṃ vā asmatpratīcchatheti |

Übersetzung: Die Bālishas fragten: „Was erwartet ihr denn von uns?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, fragten, im Sandhi hocuḥ; kim – was; vai – denn, wahrlich, im Sandhi ; asmat – von uns; pratīcchatha – ihr erwartet, begehrt oder wollt empfangen; iti – so, Ende der Frage.

5.2 Die Geschichte wird wiederholt
te hocuḥ | naimiṣe’mī śunakāḥ satramāsata | teṣāmātreyo’cchāvadaḥ sarvāṇyevāvartayat |

Übersetzung: Sie antworteten: „In Naimisha hielten jene Shaunakas eine lange Opfersitzung ab. Ihr Atreya, der Acchavaka-Priester, vollzog alles:

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, im Sandhi hocuḥ; naimiṣe – in Naimisha; amī – jene; śunakāḥ – die Shaunakas; satram – eine lange Opfersitzung; āsata – sie hielten ab; teṣām – ihr, unter ihnen; ātreyaḥ – der Atreya; acchāvadaḥ – der Acchavaka-Priester; sarvāṇi – alles; eva – eben; āvartayat – er rezitierte bzw. vollzog.

5.3 Die Reihe der Opferhandlungen
yadyājyā yadanuvākyā yatprātaranuvāko yatpraugaṃ yadājyaṃ yanmarutvatīyamityatha yanmahāvīrasambharaṇāni yadagnerabhivartanāni yadrājābhikrayaṇāni yadabhiṣāvitrāṇi yadaupayāmāni yadupamantraṇānyatha yattrivṛtpañcadaśaḥ saptadaśa ekaviṃśa iti |

Übersetzung: Yajya, Anuvakya, Morgenrezitation, Prauga, Ajya und Marutvatiya; die Zurüstungen des Mahavira-Gefäßes, die Hinwendungen zum Feuer, den Ankauf des Königs Soma, die Pressgeräte, Upayama-Gefäße und Einladungsformeln; außerdem Trivrit, Panchadasha, Saptadasha und Ekavimsha.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat-yājyā – was den Darbringungsvers Yajya betrifft; yat-anuvākyā – was den Einladungsvers Anuvakya betrifft; yat-prātaranuvākaḥ – was die Morgenlitanei betrifft; yat-praugam – was das Prauga-Shastra betrifft; yat-ājyam – was das Ajya-Shastra betrifft; yat-marutvatīyam – was das Marutvatiya-Shastra betrifft; iti – so; atha – sodann; yat-mahāvīra-sambharaṇāni – die Zurüstungen bzw. Bestandteile des Mahavira-Gefäßes; yat-agneḥ-abhivartanāni – die Hinwendungen zum Feuer; yat-rāja-abhikrayaṇāni – die Ankaufshandlungen für den „König“ Soma; yat-abhiṣāvitrāṇi – die Pressgeräte oder zum Soma-Pressen gehörenden Handlungen; yat-aupayāmāni – die Upayama-Gefäße bzw. -Formeln; yat-upamantraṇāni – die Einladungs- oder Anredeformeln; atha – ferner; yat-trivṛt – der Trivrit-Stoma; pañcadaśaḥ – der fünfzehnteilige Stoma; saptadaśaḥ – der siebzehnteilige; ekaviṃśaḥ – der einundzwanzigteilige; iti – Ende der Aufzählung.

5.4 Der tote Priester
kvāsya tadagādyadayaṃ śavaśayitamaśayiṣṭeti |

Übersetzung: Wohin ging dies bei ihm, als er hier als Leichnam dalag?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: kva – wohin; asya – sein, bei ihm; tat – jenes, dies; agāt – ging; yat – als, da; ayam – dieser; śava-śayitam – als Leichnam daliegend; aśayiṣṭa – er lag, legte sich nieder, Aorist Medium; iti – so, Ende der Frage.

5.5 Die Voraussetzung der Unterweisung
te hocurnahāsaṃvatsaravāsināmanubrūyāditi khalu naḥ pūrve’nvaśiṣan |

Übersetzung: Sie sagten: „Unsere Vorgänger haben uns ausdrücklich unterwiesen: Man soll diese Lehre niemandem mitteilen, der nicht ein Jahr [beim Lehrer] gewohnt hat.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, im Sandhi hocur; na – nicht; ha – gewiss; asaṃvatsara-vāsinām – denjenigen, die nicht ein volles Jahr wohnen, Genitiv Plural; anubrūyāt – man soll weitergeben, unterweisen, Optativ; iti – so; khalu – ja, ausdrücklich; naḥ – uns; pūrve – die Früheren, unsere Vorgänger; anvaśiṣan – sie wiesen an, unterrichteten, Imperfekt.

5.6 Ein Jahr des Wartens
yatsaṃvatsaraṃ vatsyathātha vediṣyatheti | te ha saṃvatsaramūṣuḥ ||

Übersetzung: Wenn ihr ein Jahr bleiben werdet, dann werdet ihr erkennen.“ Und sie blieben ein Jahr.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – wenn, dass; saṃvatsaram – ein Jahr lang, Akkusativ der Dauer; vatsyatha – ihr werdet wohnen bzw. bleiben; atha – dann; vediṣyatha – ihr werdet wissen, erkennen; iti – so, Ende der Rede; te – sie; ha – nun; saṃvatsaram – ein Jahr lang; ūṣuḥ – sie wohnten, blieben, Perfekt.

6.1 Das Jahr ist erfüllt
tato ha bāliśā ūcuravātta vā saṃvatsaramime brāhmaṇāḥ | hantaiṣāmanubravāmeti |

Übersetzung: Danach sagten die Bālishas: „Diese Brahmanen haben das Jahr vollendet. Wohlan, wir wollen sie unterweisen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: tataḥ – danach, im Sandhi tato; ha – nun; bāliśāḥ – die Bālishas; ūcuḥ – sagten; avātta – beendet, vollendet oder verbracht, textlich schwierige Form; vai – wahrlich, im Sandhi ; saṃvatsaram – das Jahr; ime – diese; brāhmaṇāḥ – Brahmanen; hanta – wohlan; eṣām – diesen, ihnen; anubravāma – wir wollen weitergeben, unterweisen; iti – so, Ende der Rede.

6.2 Auf dem Weg
te ha gṛhītvaivainān patho’bhisamīyuḥ |

Übersetzung: Sie nahmen diese mit und begaben sich gemeinsam auf den Weg.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; gṛhītvā – genommen habend; eva – eben; enān – diese, Akkusativ Plural; pathaḥ – auf den Weg bzw. des Weges, überlieferte Form, im Sandhi patho; abhisamīyuḥ – sie gingen gemeinsam hin, kamen zusammen, Perfekt.

6.3 Begegnung mit dem fahrenden Wagen
te ha saṅkrīḍata eva kūbariṇo rathakaṭyāmavindan |

Übersetzung: Dort fanden sie an der Wagenstraße einen Wagen, der sich gerade schwankend bewegte.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; saṅkrīḍataḥ – des sich hin und her bewegenden bzw. schwankenden; eva – gerade; kūbariṇaḥ – eines mit Wagenkasten versehenen Wagens, Genitiv; ratha-kaṭyām – an der Wagenstraße bzw. Fahrbahn, Lokativ; avindan – sie fanden, trafen an.

Text- und Verständnishinweis: Die Kasusverbindung ist ungewöhnlich. Sachlich bezeichnet kūbarin den Wagen; saṅkrīḍat hebt seine lebhafte Bewegung hervor.

6.4 Schaut genau hin
te hocuḥ sampaśyadhvamiti | kiṃ hīti | kūbariṇameva saumyā iti | tatheti | kathamiveti |

Übersetzung: Sie sagten: „Schaut genau hin!“ – „Wonach denn?“ – „Nach dem Wagen selbst, ihr Lieben.“ – „So sei es.“ – „In welcher Weise?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, im Sandhi hocuḥ; sampaśyadhvam – schaut genau bzw. gemeinsam hin, Imperativ; iti – so; kim – was, wonach; hi – denn; iti – so; kūbariṇam – den Wagen, Akkusativ; eva – selbst, gerade; saumyāḥ – ihr Lieben, Vokativ Plural; iti – so; tathā – so, auf diese Weise; iti – so; katham iva – wie denn, in welcher Weise; iti – so.

6.5 Der Wagen springt wie eine Woge
yathaivopasṛtvaro vārdhistiryagullalantībhiriva vīcibhiḥ śaphābhirevopaskandannutplavedevaṃ haivaiṣobhisṛtvarāṇāmeva dhuryāṇāṃ cakramatāmarīṇāmutplavatīti |

Übersetzung: „Wie eine heranrollende Flut durch ihre quer emporschnellenden Wogenkämme aufspringt, ebenso springt dieser Wagen durch die rasch voranstürmenden Zugtiere und die umlaufenden Radfelgen empor.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā eva – genau wie; upasṛtvaraḥ – heraneilend, heranrollend; vārdhiḥ – das Meer, die Wasserflut; tiryak – quer, seitwärts; ullalantībhiḥ – mit emporschnellenden, wogenden, Instrumental Plural feminin; iva – gleichsam; vīcibhiḥ – durch die Wellen; śaphābhiḥ – durch huf- bzw. kammartige Spitzen, Instrumental; eva – gerade; upaskandan – emporspringend, heraufschnellend; utplavet – würde emporspringen; evam – so; ha eva – ganz gewiss; eṣaḥ – dieser [Wagen]; abhisṛtvarāṇām – der voranstürmenden, Genitiv Plural; eva – eben; dhuryāṇām – der Zugtiere bzw. Deichselpferde; cakramatām – der sich im Kreis bewegenden, umlaufenden; arīṇām – der Radfelgen oder Speichenteile; utplavati – springt empor; iti – so.

Text- und Verständnishinweis: Mehrere Wörter des Vergleichs sind selten; die Übersetzung folgt der erkennbaren Parallelität zwischen bewegter Wasserfläche, Pferden und umlaufenden Wagenteilen.

6.6 Gleichlauf mit dem Gegengefährt
yathaivāsau pratisṛtvareṇa samaḥ sameva krīḍedevaṃ haiṣa saṅkrīḍatīti |

Übersetzung: Wie jener [Wagen] mit einem entgegenkommenden auf gleicher Höhe gleichsam spielt, so bewegt sich auch dieser im Wechselspiel.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā eva – genau wie; asau – jener; pratisṛtvareṇa – mit dem entgegenkommenden bzw. gegenläufigen [Gefährt], Instrumental; samaḥ – gleich, auf gleicher Höhe; samam – gleichmäßig, gemeinsam; eva – gerade; krīḍet – würde spielen, sich spielerisch bewegen; evam – so; ha – gewiss; eṣaḥ – dieser; saṅkrīḍati – spielt zusammen, bewegt sich hin und her; iti – so.

6.7 Bewegung hierhin und dorthin
yathaivāsāvitaśceto’mutaścāmutaśca sampradravata ivopaśupyata ivopaskandamabhimṛdgātyabhipātayedevaṃ haiṣa itaścetaścāmutaśca sampradravata ivopaśupyata ivopaskandamabhimṛdgātyabhipātayati |

Übersetzung: Wie jener hierhin und dorthin und wieder dorthin zu laufen, sich anzuschmiegen, auf etwas zu springen, es niederzudrücken und umzustürzen scheint, genauso läuft auch dieser hierhin und dorthin, schmiegt sich an, springt auf, drückt nieder und stürzt um.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā eva – genau wie; asau – jener; itaḥ ca – von hier bzw. hierhin und; itaḥ – von hier, hierhin, im Sandhi ceto; amutaḥ ca – von dort bzw. dorthin und; amutaḥ ca – nochmals dorthin und; sampradravataḥ iva – gleichsam zusammen- bzw. vorwärtslaufend; upaśupyataḥ iva – gleichsam sich anschmiegend oder herabsinkend, seltene Form; upaskandam – das Aufspringen, Anspringen; abhimṛdgāti – er drückt entgegen bzw. nieder, verschmolzene schwierige Verbalfolge; abhipātayet – würde niederwerfen, umstürzen lassen; evam – so; ha – gewiss; eṣaḥ – dieser; itaḥ ca – hierhin und; itaḥ ca – von hier und; amutaḥ ca – dorthin und; sampradravataḥ iva – gleichsam vorwärtslaufend; upaśupyataḥ iva – gleichsam sich anschmiegend bzw. niedersinkend; upaskandam – das Aufspringen; abhimṛdgāti – drückt nieder; abhipātayati – bringt zu Fall, stürzt um.

Text- und Verständnishinweis: Die stark verschmolzene Bewegungsfolge ist sprachlich unsicher; wiedergegeben wird ihr klarer Gesamtsinn, ohne die einzelnen seltenen Formen als sicher normalisiertes Sanskrit auszugeben.

6.8 Der Lenker bringt ans Ziel
yathaivāsau rājānaṃ vā rājapuruṣaṃ vā nilayanaṃ prāyedevaṃ haivaiṣa yantā nilayanaṃ prāpayatīti |

Übersetzung: Wie jener den König oder einen Mann des Königs zum Ziel bringen würde, so bringt dieser Lenker [den Fahrgast] ans Ziel.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā eva – genau wie; asau – jener; rājānam – den König; – oder; rāja-puruṣam – einen Mann bzw. Diener des Königs; – oder; nilayanam – zum Ruheplatz, Wohnort oder Ziel; prāyet – würde führen bzw. gelangen lassen, textlich schwierige Form; evam – so; ha eva – ganz gewiss; eṣaḥ – dieser; yantā – Lenker, Wagenführer; nilayanam – zum Ziel; prāpayati – bringt, lässt gelangen; iti – so, Ende der Erklärung.

6.9 Zustimmung und Weitergehen
te hocurapīdaṃ sādhīya iti | sādhīya iti hocuḥ | te ha tasyaiva panthānamanuprātiṣṭhannantaṃ ha sāyāhanyevopasampādayāmāsuḥ ||

Übersetzung: Sie fragten: „Ist dies nicht die treffendere [Erklärung]?“ – „Die treffendere“, antworteten sie. Dann folgten sie genau diesem Weg und brachten ihn erst gegen Abend zu Ende.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, im Sandhi hocur; api – etwa, auch; idam – dies; sādhīyaḥ – besser, treffender, Komparativ; iti – so; sādhīyaḥ – treffender; iti – so; ha – nun; ūcuḥ – sie sagten; te – sie; ha – nun; tasya – dessen, diesem; eva – genau; panthānam – dem Weg, Akkusativ; anuprātiṣṭhan – sie folgten, zogen entlang; antam – das Ende; ha – gewiss; sāyāhni – am Abend, gegen Abend, Lokativ; eva – erst, gerade; upasampādayām āsuḥ – sie brachten zu Ende bzw. erreichten, periphrastische Vergangenheitsform.

7.1 Der Wagen wird verlassen
taṃ yadāvasāyāśvāṃstakṣāpohyāpāgādatha bāliśā vyaliṣṭa | ahīdṛśat | kathamiveti |

Übersetzung: Als der Wagenbauer ihn abgestellt, die Pferde entfernt und sich fortbegeben hatte, wiesen die Bālishas darauf hin: „Seht ihn an!“ – „In welcher Weise?“

Wort-für-Wort-Erläuterung: tam – ihn, diesen [Wagen]; yadā – als; avasāya – abgestellt bzw. zum Stillstand gebracht habend; aśvān – die Pferde; takṣā – der Zimmermann bzw. Wagenbauer; apohya – weggenommen, entfernt habend; apāgāt – ging fort; atha – darauf; bāliśāḥ – die Bālishas; vyaliṣṭa – wiesen darauf bzw. machten aufmerksam, überlieferte schwierige Form; ahī – seht, schaut, textlich unsichere Imperativform; īdṛśat – einen solchen bzw. so beschaffen; katham iva – wie denn, in welcher Weise; iti – so.

Text- und Verständnishinweis: Die Formen vyaliṣṭa und ahīdṛśat sind nicht sicher analysierbar. Übersetzt wird die aus Frage und anschließender Beobachtung erkennbare Zeigegeste.

7.2 Wie ein gebundener Holzstoß
te hocuryathaitaṃ kāṣṭhabhāramānaddhamanupaśyāmastathaivāvaśo bhūsthaḥ spandate | neṅgate na vivartate na ca vīta iti |

Übersetzung: Sie sagten: „Wie wir diesen gebundenen Holzstoß betrachten, so steht er machtlos auf dem Boden und regt sich [nur noch]; er fährt nicht, dreht sich nicht und bewegt sich nicht fort.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; ūcuḥ – sagten, im Sandhi hocur; yathā – wie; etam – diesen; kāṣṭha-bhāram – Holzlast, Holzstoß; ānaddham – angebunden, zusammengeschnürt; anupaśyāmaḥ – wir betrachten, sehen genau; tathā eva – ebenso; avaśaḥ – willenlos, machtlos; bhū-sthaḥ – auf dem Boden stehend; spandate – zuckt, regt sich; na iṅgate – bewegt bzw. fährt nicht; na vivartate – dreht oder wendet sich nicht; na ca – und nicht; vītaḥ – fortgegangen bzw. in Bewegung, in der überlieferten Form semantisch unsicher; iti – so, Ende der Beobachtung.

Text- und Verständnishinweis: Die positive Form spandate steht neben drei Verneinungen; sie kann ein bloßes Restzittern oder, bei beschädigter Überlieferung, ursprünglich ebenfalls eine Verneinung meinen. Die Übersetzung lässt diese Spannung sichtbar.

7.3 Was ging von ihm fort?
te ha bāliśā ūcuryadayamīdṛgabhūt kimasyāpāgāditi | takṣaiveti | tathaivaitat saumyā iti |

Übersetzung: Die Bālishas fragten: „Da er nun so geworden ist – was ist von ihm fortgegangen?“ – „Allein der Wagenbauer.“ – „Ganz ebenso verhält es sich damit, ihr Lieben.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; bāliśāḥ – die Bālishas; ūcuḥ – sagten; yat – da, weil; ayam – dieser; īdṛk – so beschaffen, derartig; abhūt – wurde, ist geworden; kim – was; asya – von ihm; apāgāt – ging fort; iti – so; takṣā – der Zimmermann, Wagenbauer; eva – allein; iti – so; tathā eva – ganz ebenso; etat – dieses, diese Sache; saumyāḥ – ihr Lieben; iti – so.

7.4 Die Entsprechungen des Wagens
ātmā vā asya pracodayitā karaṇānyaśvāḥ śirā naddhayo’sthīnyupagrahā asṛgāñjanaṃ karma pratodo vākyaṃ kvāṇanaṃ tvagupānaha iti |

Übersetzung: Der Atman ist sein Antreiber; die Organe sind die Pferde, die Adern die Bindungen, die Knochen die stützenden Teile, das Blut die Schmiere, das Karma die Peitsche, die Rede das Geräusch und die Haut die Umhüllung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ātmā – der Atman, das Selbst; vai – wahrlich, im Sandhi ; asya – sein, für diesen [Körper]; pracodayitā – Antreiber, Beweger; karaṇāni – die Organe bzw. Instrumente des Wahrnehmens und Handelns; aśvāḥ – Pferde; śirāḥ – Adern; in der Drucklesung śirā; naddhayaḥ – Bindungen, Verschnürungen; asthīni – Knochen; upagrahāḥ – Stützen, festhaltende Teile; asṛk – Blut, in der Sandhiform asṛg; āñjanam – Salbung, Schmiere; karma – Handlung, Karma; pratodaḥ – Treibstachel, Peitsche; vākyam – Rede, Äußerung; kvāṇanam – Klang, Geräusch; tvak – Haut; upānah – Bedeckung, wörtlich Schuh bzw. Lederhülle; iti – so, Abschluss der Entsprechungen.

7.5 Der Körper ohne den erkennenden Atman
sa yathā pracodayitrāpojjhito neṅgenna ruruvītaivaṃ haiṣa prājñenātmanāpojjhito na brūte na caityapi na śvasatyapi pūyatyapi śvāna upadhāvantyapi kākāḥ patantyapi gṛdhrā āskandannapi śivā jighatsanniti |

Übersetzung: Wie jener [Wagen], vom Antreiber verlassen, sich nicht bewegen und kein Geräusch machen würde, so spricht auch dieser [Körper], vom erkennenden Atman verlassen, nicht und bewegt sich nicht; er atmet nicht, verwest, Hunde laufen zu ihm, Krähen lassen sich auf ihm nieder, Geier stürzen sich auf ihn und Schakale wollen ihn fressen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er, jener [Wagen]; yathā – wie; pracodayitrā – vom Antreiber, Instrumental; apojjhitaḥ – verlassen, aufgegeben; na iṅget – würde sich nicht bewegen; na ruruvīta – würde keinen Laut geben, nicht lärmen; evam – so; ha – gewiss; eṣaḥ – dieser [Körper]; prājñena – durch den erkennenden, bewussten; ātmanā – durch den Atman, Instrumental; apojjhitaḥ – verlassen; na brūte – spricht nicht; na ca eti api – und geht bzw. bewegt sich auch nicht; na śvasati api – atmet auch nicht; pūyati api – fault, verwest auch; śvānaḥ – Hunde, Nominativ Plural; upadhāvanti api – laufen auch heran; kākāḥ – Krähen; patanti api – fallen nieder, lassen sich auch nieder; gṛdhrāḥ – Geier; āskandan api – greifen auch an bzw. springen hinauf, überlieferte flektierte Form; śivāḥ – Schakale; jighatsan api – auch fressen wollend, desideratives Partizip in überlieferter Form; iti – so, Ende der Erklärung.

Text- und Verständnishinweis: Prājñena ātmanā bezeichnet hier den erkennenden bzw. bewussten Atman als Lebens- und Lenkprinzip. Der Text entwickelt an dieser Stelle noch keine systematische Lehre über feinstoffliche Körper oder Wiedergeburt.

7.6 Unmittelbares Erkennen
te tata eva drāgiva vyajñāsiṣuḥ |

Übersetzung: Gerade dadurch erkannten sie es gleichsam auf der Stelle.

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; tataḥ – dadurch, von dort, im Sandhi tata; eva – eben, gerade; drāk iva – gleichsam sofort, auf der Stelle; vyajñāsiṣuḥ – sie erkannten, verstanden, Perfektform.

7.7 Dank an die Lehrer
te ha pādayorevābhimarśya bāliśānūcuḥ | na ha vāva nastadyena niṣkurma imamevetyañjaliṃ kṛtvopāsthiṣatetyāha bhagavān chāgaleyasta ime ślokāḥ-

Übersetzung: Sie berührten die Bālishas ehrfürchtig an den Füßen und sagten: „Wir besitzen wahrlich nichts, womit wir diese [Leistung] vergelten könnten.“ Sie legten die Hände zur ehrerbietigen Geste zusammen und traten vor sie. So spricht der ehrwürdige Chhagaleya; hierzu gehören diese Verse:

Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; ha – nun; pādayoḥ – an beiden Füßen, Lokativ Dual; eva – gerade; abhimarśya – berührt habend; bāliśān – die Bālishas; ūcuḥ – sagten; na – nicht; ha vāva – ganz gewiss, wahrlich; naḥ – unser, bei uns; tat – das, etwas; yena – womit; niṣkurma – wir könnten vergelten bzw. uns erkenntlich zeigen; imam – diesen [Dienst], Akkusativ; eva – eben; iti – so; añjalim – die Añjali-Geste, zusammengelegte Hände; kṛtvā – gemacht habend; upāsthiṣata – sie traten heran bzw. standen verehrend davor; iti – so; āha – sagt; bhagavān – der Ehrwürdige; chāgaleyaḥ – Chhagaleya; te – diese, jene; ime – diese hier; ślokāḥ – Verse.

Text- und Verständnishinweis: Die Satzfügung um niṣkurma imam ist knapp und textlich nicht ganz glatt. Der Kontext zeigt den Dank für eine nicht materiell zu vergeltende Unterweisung.

8 Merkvers 1
yathaitatkūbarastakṣṇāpojjhito neṅgate manāk | parityakto’yamātmā nastadvaddeho virocate || 1||

Übersetzung: Wie dieser vom Wagenbauer verlassene Wagen sich kein wenig bewegt, so erscheint auch der Körper, wenn er von unserem Atman verlassen ist, [nur noch als Körper].

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā – wie; etat – dieser, dieses; kūbaraḥ – Wagen bzw. Wagenkasten; takṣṇā – vom Zimmermann oder Wagenbauer, Instrumental; apojjhitaḥ – verlassen, aufgegeben; na iṅgate – bewegt sich nicht; manāk – ein wenig, im Geringsten; parityaktaḥ – verlassen; ayam – dieser; ātmā – Atman, Selbst; naḥ – unser bzw. von uns; tadvat – ebenso, auf dieselbe Weise; dehaḥ – Körper; virocate – erscheint, wird sichtbar, leuchtet hervor.

Text- und Verständnishinweis: Die Oberfläche des zweiten Halbverses – parityakto’yam ātmā nas – ist grammatisch beschädigt und drückt die beabsichtigte Beziehung nicht eindeutig aus. Die in eckigen Klammern markierte Wiedergabe folgt dem unmittelbar vorausgehenden Prosavergleich; sie ist keine stillschweigende Emendation des Sanskrit.

9 Merkvers 2 – nur fragmentarisch erhalten
yadasya pradhayaścakrā yugamakṣo varatrikā | pratodaścarmakīla..... || 2||

Übersetzung: Was an ihm Felgen und Räder sind, das Joch, die Achse und der Riemen; die Peitsche, das Leder, der Pflock … [Hier bricht der erhaltene Vers ab.]

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was, welche; asya – an ihm, seine; pradhayaḥ – Felgen bzw. Radkränze; ca – und; akrāḥ – Speichen oder Radteile; die verschmolzene Drucklesung lautet pradhayaś cakrā und ist nicht eindeutig; yugam – Joch; akṣaḥ – Achse; varatrikā – Riemen, Zugriemen; pratodaḥ – Treibstachel, Peitsche; carma – Leder; kīla – Pflock, Nagel; die Punkte markieren den materiellen Abbruch der Überlieferung.

Text- und Verständnishinweis: Der Vers wird nicht ergänzt. Auch seine Aufzählung ist durch die beschädigte Worttrennung unsicher; insbesondere kann cakrā als Teil von cakrāḥ „Räder“ oder zusammen mit dem vorangehenden Ausdruck analysiert werden.

10 Überlieferungsvermerk der Ausgabe
etāvānevopalabdhaḥ

Übersetzung: Nur so viel ist aufgefunden worden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: etāvān – so groß, so weit reichend, so viel; eva – nur, eben; upalabdhaḥ – aufgefunden, erlangt, überliefert.

Text- und Verständnishinweis: Dieser Satz ist ein redaktioneller Überlieferungsvermerk der gedruckten Ausgabe, kein weiterer Vers der Upanishad. Ein in elektronischen Fassungen angefügtes „iti chāgalayopaniṣat samāptā“ steht nicht in der herangezogenen Adyar-Ausgabe von 1933 und wird deshalb hier nicht als ursprünglicher Kolophon ausgegeben.

Datierung und Überlieferung

Die Chhagaleya Upanishad gehört zusammen mit der Bashkala Mantra Upanishad, der Arsheya Upanishad und der Shaunaka Upanishad zu vier kurzen, nicht im Muktika-Kanon verzeichneten Texten, die S. K. Belvalkar 1925 unter dem Titel Four Unpublished Upaniṣadic Texts veröffentlichte. Eine weitere maßgebliche Druckgrundlage ist der von Gelehrten der Adyar Library unter Leitung von C. Kunhan Raja herausgegebene Band Aprakāśitā Upaniṣadaḥ von 1933, der auf Handschriften der Adyar Library beruht. Der häufig mit 1908 verbundene Name F. Otto Schrader gehört in diesem Zusammenhang zur Katalogisierung der Handschriftenbestände, nicht zu einer 1908 erschienenen Erstausgabe dieses Textes.

Spätere philologische Arbeiten stammen unter anderem von N. Tsuji und Louis Renou. Sie zeigen zugleich, weshalb eine punktgenaue absolute Datierung problematisch ist: Sprachform und Ritualterminologie erinnern an Brahmana- und Aranyaka-Prosa, doch die schmale und beschädigte Handschriftenüberlieferung erlaubt keine einfache Gleichsetzung der sprachlichen Schicht mit dem Alter des erhaltenen Textzeugen. Verantwortbar ist daher eine relative Einordnung in das vedisch-upanishadische Milieu; ein bestimmtes Jahrhundert für die Entstehung lässt sich aus dem vorliegenden Zeugnis nicht sicher ableiten.

Der überlieferte Schluss ist ausdrücklich fragmentarisch. Nach den Worten des zweiten Verses folgt in der Ausgabe etāvān evopalabdhaḥ – „Nur so viel ist aufgefunden worden.“ Diese Notiz wird hier als Überlieferungsvermerk ausgewiesen. Der in manchen elektronischen Abschriften ergänzte Standardkolophon „Damit ist die Chhagaleya Upanishad beendet“ ist in der herangezogenen Adyar-Druckfassung nicht Bestandteil des Textes und wurde deshalb nicht in den Sanskritbestand aufgenommen.

Inhalt und Aufbau der Chhagaleya Upanishad

Ausgrenzung und Gegenfrage

Die Erzählung setzt mit einem Konflikt ein. Kavasha Ailusha wird unter Hinweis auf seine Geburt von der Opferweihe ausgeschlossen. Seine Antwort verschiebt die Ebene: Wenn die anderen ihre Identität aus den drei vedischen Textbereichen und aus der Opferpraxis beziehen, worin besteht dann dasjenige, „wodurch einer Brahmane ist“? Die Upanishad formuliert keine moderne Theorie sozialer Gleichheit. Sie unterzieht den Anspruch, spiritueller Rang sei durch Herkunft und rituelle Rolle hinreichend erwiesen, jedoch einer scharfen Prüfung.

Das Problem des nicht mitgehenden Wissens

Der tote Atreya war ein hochqualifizierter Acchavaka-Priester. Die lange Liste von Yajya, Anuvakya, Prataranuvaka, Prauga, Ajya, Marutvatiya, Soma-Handlungen und Stomas demonstriert keine beiläufige Gelehrsamkeit, sondern maximale rituelle Kompetenz. Gerade deshalb trifft die Frage: Wohin ist all dies gegangen? Äußerlich beherrschtes Wissen wird nicht mit dem unvergänglichen Selbst gleichgesetzt.

Lehrreife und Kurukshetra

Die Suchenden müssen nach Kurukshetra reisen, die als Bālishas bezeichneten Lehrer aufsuchen und ein Jahr bei ihnen leben. Das Motiv verbindet Erkenntnis mit Vorbereitung, Geduld, Vertrauen und Freiheit von Missgunst. Selbst eine kurze Einsicht wird nicht als schnell konsumierbare Information behandelt. Die Bezeichnung bāliśa, wörtlich etwa „kindlich“ oder „einfältig“, bildet dabei einen bewussten Kontrast zur tatsächlichen Lehrfähigkeit dieser Männer.

Das Wagen-Gleichnis

Die Unterweisung beginnt mit Anschauung. Ein bewegter Wagen springt, schwankt und erreicht unter Führung des Lenkers sein Ziel; nach dem Abspannen und Fortgang des Wagenbauers bleibt er wie eine gebundene Holzlast zurück. Erst danach werden die Entsprechungen genannt: Atman und Antreiber, Organe und Pferde, Adern und Bindungen, Knochen und Stützen, Blut und Schmiere, Karma und Treibstachel, Rede und Geräusch, Haut und Bedeckung.

Das Bild berührt das bekannte Wagenmotiv der Katha Upanishad, setzt aber einen eigenen Akzent. Die Katha Upanishad entfaltet eine ethische Psychologie von Selbst, Intellekt, Geist, Sinnen und Sinnesobjekten. Die Chhagaleya Upanishad konzentriert sich stärker auf die Differenz zwischen lebendigem, gelenktem Leib und dem nach dem Tod zurückbleibenden Körper. Die beiden Darstellungen sind verwandt, aber nicht identisch.

Bedeutung

Die zentrale Leistung des Textes liegt in seiner dreifachen Verschiebung. Erstens führt er von zugeschriebenem Status zu einer prüfbaren geistigen Frage. Zweitens unterscheidet er rituelle Meisterschaft von unmittelbarer Erkenntnis. Drittens lenkt er die Aufmerksamkeit vom Instrument – dem Körper mit seinen Funktionen – auf das bewusste Prinzip, durch das dieses Instrument belebt und ausgerichtet erscheint.

Dabei sollte Atman nicht vorschnell mit einem einzelnen modernen Begriff wie „Seele“, „Ich-Gefühl“ oder „Gehirnbewusstsein“ gleichgesetzt werden. Im Text ist er der erkennende Antreiber, dessen Fortgang den Unterschied zwischen lebendigem und totem Leib markiert. Die Passage ist zugleich soteriologisch und anthropologisch: Sie fragt nach dem Träger der Erkenntnis und nach dem, was nicht in äußerer Funktion aufgeht.

Auch die Lehrform ist bedeutsam. Die Antwort wird nicht sofort als Lehrsatz ausgegeben. Irritation, Reise, Wartezeit, Beobachtung und erst dann Deutung bilden einen Erkenntnisweg. Das Wagenbild soll gesehen werden, bevor seine Entsprechungen erklärt werden. So verbindet der Text Shravana, nachdenkliche Prüfung und anschauliche Einsicht.

Bedeutung Chhagaleya Upanishad heute

Für die Gegenwart ist zunächst die Kritik an spirituellen Statussymbolen wichtig. Herkunft, Amt, akademisches Wissen, Sanskritkenntnis und Ritualroutine können wertvoll sein; keines davon garantiert für sich Selbsterkenntnis. Die Frage Kavashas bleibt deshalb unbequem und fruchtbar: Woran zeigt sich geistige Reife tatsächlich?

Das Wagenbild kann außerdem eine nüchterne Form der Selbsterforschung anleiten. Körper, Sinnesorgane, Sprache und Handlung werden aufmerksam wahrgenommen, ohne sie vorschnell mit dem ganzen Selbst gleichzusetzen. Die Übung ist nicht als Geringschätzung des Körpers gemeint. Ein Wagen muss gepflegt und verantwortlich gelenkt werden; gerade seine Instrumentalität begründet Fürsorge statt Vernachlässigung.

Schließlich lehrt der fragmentarische Schluss eine eigene Form von Redlichkeit. Wo ein alter Text abbricht, ist die Lücke kein Freibrief für eine gefällige Ergänzung. Spirituelle Auslegung gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn sie zwischen Wortlaut, plausibler Deutung und bloßer Vermutung unterscheidet.

Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten aus der Chhagaleya Upanishad

  • Prüfe spirituelle Autorität nicht zuerst an Herkunft, Titel oder Funktion, sondern an Erkenntnis, Wahrhaftigkeit und Lebensführung.
  • Meditiere über das Wagenbild: Beobachte Körper, Sinne, Sprache und Handlung als Instrumente und frage ruhig: „Wer nimmt ihre Tätigkeit wahr?“
  • Verwandle Schrift- und Ritualwissen in Praxis. Nach dem Lernen sollten Manana – gründliches Nachdenken – und Nididhyasana – beständige kontemplative Vertiefung – folgen.
  • Pflege Geduld, Vertrauen und Kritikfähigkeit gemeinsam. Das Lehrjahr der Erzählung steht für Reife; es verlangt weder blinden Gehorsam noch rastlosen Konsum immer neuer Lehren.
  • Unterscheide bei alten Schriften sorgfältig zwischen sicherem Wortlaut, begründeter Übersetzung und offener Textlücke.

Vollständiger erhaltener Text auf Devanagari - Chhagaleya Upanishad

ॐ ऋषयो वै सरस्वत्यां सत्रमासत । तेऽथ कवषमैलूषं दास्याः पुत्र इति दीक्षाया आच्छिदन् । ते होचुः । अप वा एतदृग्यजुषादप साम्न इति । स होवाच । भगवन्तो यदिदं सत्रमाध्वै यदृचोऽधीध्वै यद्यजूंषि यत्सामानि कस्यायं महिमेति । ते होचुर्ब्राह्मणा वाव स्मस्तेषामेवमिति ॥

स होवाच । यदिदमिच्छाचिदिच्छाचिदीक्षध्वै किं तद्येन ब्राह्मण इति । ते होचुर्यदिदमृग्यजुषैरेवोपवत्वन्नो जुहुवुर्यद्वैनमुपाघ्रासिषुर्यदुपानेषतैतद्वाह्मणा इति । स हाविदूर एव शवशयितमात्रेयमच्छावदमुपदर्शयन्नुवाच । यदिदमृग्यजुषैरुपवत्वं जुहोपाघ्रासीदथोपानेष्ट नैतदत्यगादिति । किं तदिति होचुः ॥

स होवाच । नैमिषेऽमी शुनकाः सत्रमासत । तेषामात्रेयोऽच्छावदः सर्वाण्येवावर्तयद्यद्याज्या यदनुवाक्या यत्प्रातरनुवाको यत्प्रउगं यदाज्यं यन्मरुत्वतीयमित्यथ यन्महावीरसम्भरणानि यदग्नेरभिवर्तनानि यद्राजाभिक्रयणानि यदभिषावित्राणि यदौपयामानि यदुपमन्त्रणान्यथ यत्त्रिवृत्पञ्चदशः सप्तदश एकविंश इति । क्वास्य तदगादिति । तेहामुहन् । अथैते सर्व एवोपसमेत्योचुरुप नो नयस्वेम एव त इति । स ह स्मयमान उवाच । सम्पश्यध्वा एव मा प्रमदत । न होत्तमानधम उपनेतेति । ते होचुर्मैव स्मोपनथा गतिस्तु त्वमिदिति ॥

स होवाच । कुरुक्षेत्रं एवोपसमेत्य ये बालिशास्तानुपाध्वै । ते व इदं प्रवक्ष्यन्तीति । ते ह तत एवोपसमेत्य कुरुक्षेत्रमुपजग्मुः । ते ह बालिशानेवोपासदन् । तानिम उपसीदत एव विदाञ्चक्रुरिति कामुका इति । ते होचुर्यत्किमिव बालिशानुपासदत महाशाला वै महाश्रोत्रिया वर्षीयांसः सन्तः यन्महाशाला महाश्रोत्रिया वर्षीयांसः कुरुक्षेत्रमध्यासत इति । ते हान्योन्यस्याभिसमीक्षामासुः । ते हापश्यन्न हास्मान्मिथुचिदेवासाववोचद्बालिशानेव चैतान्विचक्षतेति । ते होचुर्नमस्यानतीव वचो रेचयिष्यथ यदन्तर्नोऽसाविह प्राहैयात् । यथैव तु स्मोपसन्ना अथानसूयवो यथोपश्रद्धिन इति ॥

ते होचुः । किं वा अस्मत्प्रतीच्छथेति । ते होचुः । नैमिषेऽमी शुनकाः सत्रमासत । तेषामात्रेयोऽच्छावदः सर्वाण्येवावर्तयत् । यद्याज्या यदनुवाक्या यत्प्रातरनुवाको यत्प्रउगं यदाज्यं यन्मरुत्वतीयमित्यथ यन्महावीरसम्भरणानि यदग्नेरभिवर्तनानि यद्राजाभिक्रयणानि यदभिषावित्राणि यदौपयामानि यदुपमन्त्रणान्यथ यत्त्रिवृत्पञ्चदशः सप्तदश एकविंश इति । क्वास्य तदगाद्यदयं शवशयितमशयिष्टेति । ते होचुर्नहासंवत्सरवासिनामनुब्रूयादिति खलु नः पूर्वेऽन्वशिषन् । यत्संवत्सरं वत्स्यथाथ वेदिष्यथेति । ते ह संवत्सरमूषुः ॥

ततो ह बालिशा ऊचुरवात्त वा संवत्सरमिमे ब्राह्मणाः । हन्तैषामनुब्रवामेति । ते ह गृहीत्वैवैनान् पथोऽभिसमीयुः । ते ह सङ्क्रीडत एव कूबरिणो रथकट्यामविन्दन् । ते होचुः सम्पश्यध्वमिति । किं हीति । कूबरिणमेव सौम्या इति । तथेति । कथमिवेति । यथैवोपसृत्वरो वार्धिस्तिर्यगुल्ललन्तीभिरिव वीचिभिः शफाभिरेवोपस्कन्दन्नुत्प्लवेदेवं हैवैषोभिसृत्वराणामेव धुर्याणां चक्रमतामरीणामुत्प्लवतीति । यथैवासौ प्रतिसृत्वरेण समः समेव क्रीडेदेवं हैष सङ्क्रीडतीति । यथैवासावितश्चेतोऽमुतश्चामुतश्च सम्प्रद्रवत इवोपशुप्यत इवोपस्कन्दमभिमृद्गात्यभिपातयेदेवं हैष इतश्चेतश्चामुतश्च सम्प्रद्रवत इवोपशुप्यत इवोपस्कन्दमभिमृद्गात्यभिपातयति । यथैवासौ राजानं वा राजपुरुषं वा निलयनं प्रायेदेवं हैवैष यन्ता निलयनं प्रापयतीति । ते होचुरपीदं साधीय इति । साधीय इति होचुः । ते ह तस्यैव पन्थानमनुप्रातिष्ठन्नन्तं ह सायाहन्येवोपसम्पादयामासुः ॥

तं यदावसायाश्वांस्तक्षापोह्यापागादथ बालिशा व्यलिष्ट । अहीदृशत् । कथमिवेति । ते होचुर्यथैतं काष्ठभारमानद्धमनुपश्यामस्तथैवावशो भूस्थः स्पन्दते । नेङ्गते न विवर्तते न च वीत इति । ते ह बालिशा ऊचुर्यदयमीदृगभूत् किमस्यापागादिति । तक्षैवेति । तथैवैतत् सौम्या इति । आत्मा वा अस्य प्रचोदयिता करणान्यश्वाः शिरा नद्धयोऽस्थीन्युपग्रहा असृगाञ्जनं कर्म प्रतोदो वाक्यं क्वाणनं त्वगुपानह इति । स यथा प्रचोदयित्रापोज्झितो नेङ्गेन्न रुरुवीतैवं हैष प्राज्ञेनात्मनापोज्झितो न ब्रूते न चैत्यपि न श्वसत्यपि पूयत्यपि श्वान उपधावन्त्यपि काकाः पतन्त्यपि गृध्रा आस्कन्दन्नपि शिवा जिघत्सन्निति । ते तत एव द्रागिव व्यज्ञासिषुः । ते ह पादयोरेवाभिमर्श्य बालिशानूचुः । न ह वाव नस्तद्येन निष्कुर्म इममेवेत्यञ्जलिं कृत्वोपास्थिषतेत्याह भगवान् छागलेयस्त इमे श्लोकाः-

यथैतत्कूबरस्तक्ष्णापोज्झितो नेङ्गते मनाक् । परित्यक्तोऽयमात्मा नस्तद्वद्देहो विरोचते ॥ १॥

यदस्य प्रधयश्चक्रा युगमक्षो वरत्रिका । प्रतोदश्चर्मकील..... ॥ २॥

एतावानेवोपलब्धः

Chhagaleya Upanishad - Vollständiger erhaltener Text in IAST

oṃ ṛṣayo vai sarasvatyāṃ satramāsata | te’tha kavaṣamailūṣaṃ dāsyāḥ putra iti dīkṣāyā ācchidan | te hocuḥ | apa vā etadṛgyajuṣādapa sāmna iti | sa hovāca | bhagavanto yadidaṃ satramādhvai yadṛco’dhīdhvai yadyajūṃṣi yatsāmāni kasyāyaṃ mahimeti | te hocurbrāhmaṇā vāva smasteṣāmevamiti ||

sa hovāca | yadidamicchācidicchācidīkṣadhvai kiṃ tadyena brāhmaṇa iti | te hocuryadidamṛgyajuṣairevopavatvanno juhuvuryadvainamupāghrāsiṣuryadupāneṣataitadvāhmaṇā iti | sa hāvidūra eva śavaśayitamātreyamacchāvadamupadarśayannuvāca | yadidamṛgyajuṣairupavatvaṃ juhopāghrāsīdathopāneṣṭa naitadatyagāditi | kiṃ taditi hocuḥ ||

sa hovāca | naimiṣe’mī śunakāḥ satramāsata | teṣāmātreyo’cchāvadaḥ sarvāṇyevāvartayadyadyājyā yadanuvākyā yatprātaranuvāko yatpraugaṃ yadājyaṃ yanmarutvatīyamityatha yanmahāvīrasambharaṇāni yadagnerabhivartanāni yadrājābhikrayaṇāni yadabhiṣāvitrāṇi yadaupayāmāni yadupamantraṇānyatha yattrivṛtpañcadaśaḥ saptadaśa ekaviṃśa iti | kvāsya tadagāditi | tehāmuhan | athaite sarva evopasametyocurupa no nayasvema eva ta iti | sa ha smayamāna uvāca | sampaśyadhvā eva mā pramadata | na hottamānadhama upaneteti | te hocurmaiva smopanathā gatistu tvamiditi ||

sa hovāca | kurukṣetraṃ evopasametya ye bāliśāstānupādhvai | te va idaṃ pravakṣyantīti | te ha tata evopasametya kurukṣetramupajagmuḥ | te ha bāliśānevopāsadan | tānima upasīdata eva vidāñcakruriti kāmukā iti | te hocuryatkimiva bāliśānupāsadata mahāśālā vai mahāśrotriyā varṣīyāṃsaḥ santaḥ yanmahāśālā mahāśrotriyā varṣīyāṃsaḥ kurukṣetramadhyāsata iti | te hānyonyasyābhisamīkṣāmāsuḥ | te hāpaśyanna hāsmānmithucidevāsāvavocadbāliśāneva caitānvicakṣateti | te hocurnamasyānatīva vaco recayiṣyatha yadantarno’sāviha prāhaiyāt | yathaiva tu smopasannā athānasūyavo yathopaśraddhina iti ||

te hocuḥ | kiṃ vā asmatpratīcchatheti | te hocuḥ | naimiṣe’mī śunakāḥ satramāsata | teṣāmātreyo’cchāvadaḥ sarvāṇyevāvartayat | yadyājyā yadanuvākyā yatprātaranuvāko yatpraugaṃ yadājyaṃ yanmarutvatīyamityatha yanmahāvīrasambharaṇāni yadagnerabhivartanāni yadrājābhikrayaṇāni yadabhiṣāvitrāṇi yadaupayāmāni yadupamantraṇānyatha yattrivṛtpañcadaśaḥ saptadaśa ekaviṃśa iti | kvāsya tadagādyadayaṃ śavaśayitamaśayiṣṭeti | te hocurnahāsaṃvatsaravāsināmanubrūyāditi khalu naḥ pūrve’nvaśiṣan | yatsaṃvatsaraṃ vatsyathātha vediṣyatheti | te ha saṃvatsaramūṣuḥ ||

tato ha bāliśā ūcuravātta vā saṃvatsaramime brāhmaṇāḥ | hantaiṣāmanubravāmeti | te ha gṛhītvaivainān patho’bhisamīyuḥ | te ha saṅkrīḍata eva kūbariṇo rathakaṭyāmavindan | te hocuḥ sampaśyadhvamiti | kiṃ hīti | kūbariṇameva saumyā iti | tatheti | kathamiveti | yathaivopasṛtvaro vārdhistiryagullalantībhiriva vīcibhiḥ śaphābhirevopaskandannutplavedevaṃ haivaiṣobhisṛtvarāṇāmeva dhuryāṇāṃ cakramatāmarīṇāmutplavatīti | yathaivāsau pratisṛtvareṇa samaḥ sameva krīḍedevaṃ haiṣa saṅkrīḍatīti | yathaivāsāvitaśceto’mutaścāmutaśca sampradravata ivopaśupyata ivopaskandamabhimṛdgātyabhipātayedevaṃ haiṣa itaścetaścāmutaśca sampradravata ivopaśupyata ivopaskandamabhimṛdgātyabhipātayati | yathaivāsau rājānaṃ vā rājapuruṣaṃ vā nilayanaṃ prāyedevaṃ haivaiṣa yantā nilayanaṃ prāpayatīti | te hocurapīdaṃ sādhīya iti | sādhīya iti hocuḥ | te ha tasyaiva panthānamanuprātiṣṭhannantaṃ ha sāyāhanyevopasampādayāmāsuḥ ||

taṃ yadāvasāyāśvāṃstakṣāpohyāpāgādatha bāliśā vyaliṣṭa | ahīdṛśat | kathamiveti | te hocuryathaitaṃ kāṣṭhabhāramānaddhamanupaśyāmastathaivāvaśo bhūsthaḥ spandate | neṅgate na vivartate na ca vīta iti | te ha bāliśā ūcuryadayamīdṛgabhūt kimasyāpāgāditi | takṣaiveti | tathaivaitat saumyā iti | ātmā vā asya pracodayitā karaṇānyaśvāḥ śirā naddhayo’sthīnyupagrahā asṛgāñjanaṃ karma pratodo vākyaṃ kvāṇanaṃ tvagupānaha iti | sa yathā pracodayitrāpojjhito neṅgenna ruruvītaivaṃ haiṣa prājñenātmanāpojjhito na brūte na caityapi na śvasatyapi pūyatyapi śvāna upadhāvantyapi kākāḥ patantyapi gṛdhrā āskandannapi śivā jighatsanniti | te tata eva drāgiva vyajñāsiṣuḥ | te ha pādayorevābhimarśya bāliśānūcuḥ | na ha vāva nastadyena niṣkurma imamevetyañjaliṃ kṛtvopāsthiṣatetyāha bhagavān chāgaleyasta ime ślokāḥ-

yathaitatkūbarastakṣṇāpojjhito neṅgate manāk | parityakto’yamātmā nastadvaddeho virocate || 1||

yadasya pradhayaścakrā yugamakṣo varatrikā | pratodaścarmakīla..... || 2||

etāvānevopalabdhaḥ

Vollständige deutsche Übersetzung des erhaltenen Textes der Chhagaleya Upanishad

Om. Die Rishis hielten an der Sarasvati eine lange Opfersitzung ab. Darauf schlossen sie Kavasha Ailusha mit der Begründung „Er ist der Sohn einer Dienerin“ von der Einweihung aus. Sie sagten: „Ein solcher steht wahrlich außerhalb von Rig- und Yajus-Veda und außerhalb des Saman.“ Er sagte: „Ehrwürdige, diese Opfersitzung, die ihr vollzieht, die Rigverse, die ihr studiert, die Yajus-Sprüche und die Saman-Gesänge – wessen Herrlichkeit ist dies?“ Sie antworteten: „Wir sind eben Brahmanen; folglich ist dies deren Herrlichkeit.“

Er sagte: „Mit welchen einzelnen Wünschen auch immer ihr euch hier einweihen lasst: Was ist jenes, wodurch einer ein Brahmane ist?“ Sie sagten: „Dass man hierbei mit Rig- und Yajus-Sprüchen [das Opfer] darbringt, dass man es opfert, daran riechen lässt und heranführt – eben dies gehört zu den Brahmanen.“ Er zeigte auf einen ganz in der Nähe als Leichnam daliegenden Atreya, der Acchavaka-Priester gewesen war, und sagte: „Was dieser mit Rig- und Yajus-Sprüchen darbrachte, opferte und beriechen ließ und was er darauf heranführte: Dies ging nicht mit ihm hinüber.“ Sie fragten: „Was ist dann jenes [Entscheidende]?“

Er sagte: „In Naimisha hielten jene Shaunakas eine lange Opfersitzung ab. Ihr Atreya, der Acchavaka-Priester, vollzog alles: die Yajya- und Anuvakya-Verse, die Morgenrezitation, das Prauga, das Ajya und das Marutvatiya; ferner die Zurüstungen des Mahavira-Gefäßes, die Hinwendungen zum Feuer, den Ankauf des Königs Soma, die zum Pressen gehörenden Geräte, die Upayama-Gefäße und die Einladungsformeln; sodann die Stomas Trivrit, Panchadasha, Saptadasha und Ekavimsha. Wohin ging dies bei ihm?“ Sie gerieten darüber in Verwirrung. Darauf traten sie alle gemeinsam heran und sagten: „Führe du uns hin; wir sind eben die Deinen.“ Lächelnd sagte er: „Schaut genau hin; werdet ja nicht nachlässig. Ein Niedrigerer darf einen Höheren nicht als Schüler annehmen.“ Sie sagten: „Nimm uns keineswegs [förmlich] als Schüler an; du aber sollst uns der Weg sein.“

Er sagte: „Begebt euch nach Kurukshetra und sucht dort diejenigen auf, die Bālishas heißen. Sie werden euch dies erklären.“ Von dort aus machten sie sich gemeinsam auf, gelangten nach Kurukshetra und suchten eben die Bālishas auf. Noch während diese sich näherten, erkannten jene sie: „Sie sind nach [Wissen] verlangende Menschen.“ Sie sagten: „Wie kommt es nur, dass ihr die Bālishas aufsucht, obwohl hier in Kurukshetra große Opferherren, hochgelehrte Veda-Kenner und ältere Männer wohnen?“ Da blickten sie einander prüfend an. Sie erkannten: „Jener hat uns keineswegs falsch unterrichtet; auch diese hier gelten tatsächlich als Bālishas.“ Sie sagten: „Ihr Verehrungswürdigen, weist unsere Bitte nicht mit bloßen Worten ab; was jener uns im Innersten sagte, möge uns hierher führen. Wir sind ja als Schüler herangetreten: ohne Missgunst und mit Vertrauen.“

Die Bālishas fragten: „Was erwartet ihr denn von uns?“ Sie antworteten: „In Naimisha hielten jene Shaunakas eine lange Opfersitzung ab. Ihr Atreya, der Acchavaka-Priester, vollzog alles: Yajya, Anuvakya, Morgenrezitation, Prauga, Ajya und Marutvatiya; die Zurüstungen des Mahavira-Gefäßes, die Hinwendungen zum Feuer, den Ankauf des Königs Soma, die Pressgeräte, Upayama-Gefäße und Einladungsformeln; außerdem Trivrit, Panchadasha, Saptadasha und Ekavimsha. Wohin ging dies bei ihm, als er hier als Leichnam dalag?“ Sie sagten: „Unsere Vorgänger haben uns ausdrücklich unterwiesen: Man soll diese Lehre niemandem mitteilen, der nicht ein Jahr [beim Lehrer] gewohnt hat. Wenn ihr ein Jahr bleiben werdet, dann werdet ihr erkennen.“ Und sie blieben ein Jahr.

Danach sagten die Bālishas: „Diese Brahmanen haben das Jahr vollendet. Wohlan, wir wollen sie unterweisen.“ Sie nahmen diese mit und begaben sich gemeinsam auf den Weg. Dort fanden sie an der Wagenstraße einen Wagen, der sich gerade schwankend bewegte. Sie sagten: „Schaut genau hin!“ – „Wonach denn?“ – „Nach dem Wagen selbst, ihr Lieben.“ – „So sei es.“ – „In welcher Weise?“ „Wie eine heranrollende Flut durch ihre quer emporschnellenden Wogenkämme aufspringt, ebenso springt dieser Wagen durch die rasch voranstürmenden Zugtiere und die umlaufenden Radfelgen empor. Wie jener [Wagen] mit einem entgegenkommenden auf gleicher Höhe gleichsam spielt, so bewegt sich auch dieser im Wechselspiel. Wie jener hierhin und dorthin und wieder dorthin zu laufen, sich anzuschmiegen, auf etwas zu springen, es niederzudrücken und umzustürzen scheint, genauso läuft auch dieser hierhin und dorthin, schmiegt sich an, springt auf, drückt nieder und stürzt um. Wie jener den König oder einen Mann des Königs zum Ziel bringen würde, so bringt dieser Lenker [den Fahrgast] ans Ziel.“ Sie fragten: „Ist dies nicht die treffendere [Erklärung]?“ – „Die treffendere“, antworteten sie. Dann folgten sie genau diesem Weg und brachten ihn erst gegen Abend zu Ende.

Als der Wagenbauer ihn abgestellt, die Pferde entfernt und sich fortbegeben hatte, wiesen die Bālishas darauf hin: „Seht ihn an!“ – „In welcher Weise?“ Sie sagten: „Wie wir diesen gebundenen Holzstoß betrachten, so steht er machtlos auf dem Boden und regt sich [nur noch]; er fährt nicht, dreht sich nicht und bewegt sich nicht fort.“ Die Bālishas fragten: „Da er nun so geworden ist – was ist von ihm fortgegangen?“ – „Allein der Wagenbauer.“ – „Ganz ebenso verhält es sich damit, ihr Lieben.“ Der Atman ist sein Antreiber; die Organe sind die Pferde, die Adern die Bindungen, die Knochen die stützenden Teile, das Blut die Schmiere, das Karma die Peitsche, die Rede das Geräusch und die Haut die Umhüllung. Wie jener [Wagen], vom Antreiber verlassen, sich nicht bewegen und kein Geräusch machen würde, so spricht auch dieser [Körper], vom erkennenden Atman verlassen, nicht und bewegt sich nicht; er atmet nicht, verwest, Hunde laufen zu ihm, Krähen lassen sich auf ihm nieder, Geier stürzen sich auf ihn und Schakale wollen ihn fressen. Gerade dadurch erkannten sie es gleichsam auf der Stelle. Sie berührten die Bālishas ehrfürchtig an den Füßen und sagten: „Wir besitzen wahrlich nichts, womit wir diese [Leistung] vergelten könnten.“ Sie legten die Hände zur ehrerbietigen Geste zusammen und traten vor sie. So spricht der ehrwürdige Chhagaleya; hierzu gehören diese Verse:

Wie dieser vom Wagenbauer verlassene Wagen sich kein wenig bewegt, so erscheint auch der Körper, wenn er von unserem Atman verlassen ist, [nur noch als Körper].

Was an ihm Felgen und Räder sind, das Joch, die Achse und der Riemen; die Peitsche, das Leder, der Pflock … [Hier bricht der erhaltene Vers ab.]

Nur so viel ist aufgefunden worden.

Literatur und Quellen zur Chhagaleya Upanishad

Siehe auch

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